Freitag, 27. Dezember 2013

Quo vadis Femen?


Zugegeben, das war nicht gerade ein Zeichen meiner menschlichen Reife; aber als ich zuerst davon hörte, daß Josephine Witt am ersten Weihnachtstag nackt auf Meisners Altar gesprungen ist, mußte ich lachen.
Die Komik ergibt sich einerseits aus dem Zusammenprall eines extrem mächtigen, konservativen und frauenfeindlichen Kardinal und dem was er offensichtlich hasst wie die Pest: Selbstbewußte junge Frauen.
Andererseits ist es für mich höchst amüsant zu sehen, wie eine Versammlung bei einem kanibalistischen Ritual (sie ESSEN den Leib des Herren und TRINKEN sein Blut) welches zudem auch noch unter einer grausamen Folterszene stattfindet (ein fast nackter ausgemergelter Mann wird von seinem eigenen Vater zu Tode gekreuzigt) ausgerechnet der für Sekunden zu sehende lebendige Oberkörper einer hübschen jungen Frau als „pietätslos“ und „provokant“ angesehen wird.
Die Femen-Aktivistin blieb im Gegensatz zu den Meisner-Leuten übrigens gewaltfrei.

Und noch eine kleine Anmerkung: Was über all dem Entsetzen über die Störung des Stille-Nacht-Taumels überhaupt nicht diskutiert wurde, ist die Brutalität, mit der die Domschweizer und zum Teil auch einzelne Besucher des Gottesdienstes gegen die Frau vorgegangen sind. Der KStA berichtet sogar heute: "Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen die Domschweizer." - das sieht so gar nicht nach jesuanischem "Auch-die-rechte-Wange-Hinhalten" aus ...
(David Berger aus Facebook 27.12.13)

In einer selbst für FJ Wagner-Verhältnisse selten dümmlichen Weise verurteilte der BILD-Chefkommentator diese Tat.

Soweit, so erwartet.
Eigentümlich wurde es, als ausgerechnet die Grünen, welche offensichtlich die neuen Schwarzen werden wollen, durch ihren Chefreligioten Volker Beck in das Boot mit Meisner und FJ Wagner sprangen.

Die Aktion war sicher nicht die Beste, aber das Aufregen der grünen Moralwächter finde ich schlimmer! Früher standen die Grünen mal für Spontanität, Provokation.... heute ist man doch als konservative Kirchentagspartei gelandet ...
(Kommentator M.B. auf Facebook 27.12.13)

Hiermit bekam das Thema einen anderen Spin.
Tatsächlich fing ich auch gerade an mich angesichts der Femen-Proteste zu langweilen. Wie lange kann man eigentlich irgendwo barbusig wie Kai aus der Kiste springen und auf einen großen Schock- und Lerneffekt hoffen?
Jetzt hat das jeder einmal gesehen und die Aufregung darüber erreicht maximal noch das müde Lachen, welches ein Flitzer vor einem Fußballspiel „erregt“.

Müßte Femen nicht dringend neue Protestformen entwickeln, wenn nahezu alle deutschen Pressekommentatoren von ganz links bis ganz rechts auf einmal den gleichen Gedanken runterschreiben?
 Nämlich „ist ja jetzt mal gut, ihr Weiber. Wir haben es begriffen und ihr nervt nur noch!“
Dieser Tenor findet sich genauso bei Katholiban wie bei Grünen.

Tatsächlich sind heutzutage echte römisch-katholische Erzbischöfe sogar milder gestimmt als die GRÜNEN. Erleben wir gerade einen Tradi-Rochade? Werden die Grünen bald für eine generelles Abtreibungsverbot und die Wiedereinführung des §175 streiten?

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen (75) hat die Femen-Aktivistin Josephine Witt (20) nach ihrem umstrittenen Nackt-Protest während des Weihnachtsgottesdienstes im Kölner Dom zu einem Gespräch eingeladen - sie soll dabei aber bitte bekleidet sein...
Thissen erklärt seine Einladung wie folgt: „Wenn eine Hamburgerin im Kölner Dom demonstriert, dann betrifft mich das natürlich.“ Deshalb möchte er mit der Femen-Aktivistin gerne über ihr Verhältnis zur Kirche und zur Gesellschaft diskutieren.

Die Grünen haben das Thema FRAUENRECHTE offenbar gar nicht mehr auf der Agenda.
Daß die Kirchen als größter Arbeitgeber Deutschlands mit rund 1,3 Millionen Angestellten nach Herzenslust diskriminieren dürfen, indem sie mit 100% staatlichem Geld bezahlte Lehrer, Krankenschwestern oder Hausmeister rausschmeißen dürfen, sobald sie verdächtigt werden schwul, atheistisch oder geschieden zu sein, stört niemanden mehr.

Selbst die wirklich extrem gewalttätigen Linken-Proteste am 23.12.13 in Hamburg, als aus purer Zerstörungslust Autos mit zufällig vorbeifahrenden Familien mit Kleinkinder angegriffen und abgefackelt wurden, stießen auf Verständnis bei Teilen der Linken und Grünen.
Man kritisierte die Polizei und freute sich über die Umsatzrückgänge am verkaufsstärksten Tag „Konsumistans“.

Aber für eine friedliche Josephine Witt, die auf die Tatsache hinweist, daß in einer 1,2 Mrd-Mitgliederorganisation Frauen keinerlei geistliches Mitspracherecht haben und von der Regierungsgewalt des Vatikans vollständig ausgeschlossen sind, mag sich keiner mehr aussprechen.
Dabei sind die Femen-Forderung an die 100%-Männerkirche RKK absolut legitim und richtig.

Sextremist of FEMEN Germany Josephine foiled Christmas mass in the main cathedral Kölner Dom of Cologne. In the presence of thousands of audience activist climbed onto the altar of the cathedral, protesting against the Vatican propaganda about criminalization of abortion. FEMEN requires the Vatican elders and their fanatical followers to stop producing medieval chimeras and edit their rotten dogma in accordance with the modern world and human rights. Maniacal desire to control fertility ability of women have in common religion with national socialism, nationalism and other antediluvian anti-humanist ideologies.
Europe, wake up, you have to be an idiot to take seriously these sermons parody inquisitors. Everything smells of rot should be buried immediately! Long live woman! Long live the science!
MY PUSSY MY RULES! I AM GOD!

Was für eine ungeheuerliche Absurdität, daß eine Organisation aus 400.000 zölibatären Männern und keiner einzigen Frau der Welt diktiert, was eine Frau mit ihrem eigenen Uterus anfangen darf.
Das erscheint mir ebenso plausibel, wie die Vorstellung, daß zukünftig allein die Dixie Chicks zu entscheiden hätten, ob und wie sich ein katholischer Pfaff bei Prostata- oder Hodenkrebs behandeln lassen darf.

In den letzten 2000 Jahren hat es bisher ja offensichtlich noch nicht geklappt den Frauen endlich dieselben Rechte wie Männern zuzugestehen.

Daß ob dieser beschämenden Situation über neue Protestformen nachgedacht wird, halte ich für überfällig:

FEMEN’s Tactics Is Sextremism
Sextremism is a fundamentally new form of women’s feminist actionism developed by FEMEN.
Sextremism is female sexuality rebelling against patriarchy and embodied in the extremal political direct action events. Sexist style of the actions is a way to destruct the patriarchal understanding of what is the destination of female sexuality to the benefit of the great revolutionary mission. Extremal nature of sextremism demonstrates intellectual, psychological and physical superiority of female activists from FEMEN over the bandogs of patriarchy. Unsanctioned format of the sextremism events represents the historical right of the woman to make her protest anywhere at any time and not to concert her action with the patriarchal law-enforcing structures. Sextremism is the woman’s mockery of vulgar male extremism and its bloody mayhems and a cult of terror. Sextremism is a non-violent but highly aggressive form of provocation; it is an all-powerful demoralizing weapon undermining the foundations of the old political ethics and rotten patriarchal culture. […]
FEMEN movement stands to the principles of openness and commitment to media to ensure maximum coverage of its revolutionary and advocacy activities in mass media. The movement carries out aggressive awareness-raising and information campaign in the Internet and sees the World Web as an alternative broadcasting medium for its ideology. FEMEN is present in every important social network and internet community.
FEMEN is  responsible only for those acts of sextremism information of which is shared on official web resources of the movement.
Official primary sources on the activities of the women’s movement FEMEN are a website femen.org  and a Facebook page facebook.com/FEMEN.International



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