Mittwoch, 12. März 2014

Auf den größten Haufen scheißen.


 Katholische Bischöfe sind natur-devot und passen sich amöbenartig an das an, was aus Rom vorgegeben wird. Sie sind die klassischen Radfahrer-Persönlichkeiten: Nach unten treten und nach oben buckeln.

Daß ein Oberhirte wie Franz Kamphaus eine abweichende Meinung auch gegenüber dem Vatikan vertritt, ist extrem selten.
Natürlich stimmten viele Kollegen dem TVE-Vorgänger inhaltlich bezüglich der Schwangerschaftsberatung zu; es war auch zu absurd was Ratzinger und Woytila von den Deutschen verlangten. Aber inklusive Lehmann beugten sich alle dem grotesk-frauenfeindlichen Diktat aus Rom. Kamphaus war ohnehin schon alt und würde bald sein Bistum abgeben.
Und schließlich war der Fall des renitenten Limburgers Ratzinger eine Lehre. Als der Posten neu zu besetzen war, kam das diametrale Gegenteil Kamphaus‘ ans Ruder: Tebartz-van-Elst!
Bei dem bestand jedenfalls keine Gefahr mehr, er würde sich mit dem einfachen Volk gemein machen und die Sorgen der Frauen ernst nehmen. Was TVE stattdessen interessierte ist inzwischen mindestens 31-millionenfach bekannt.

Nun ist aber ein neuer Papst am Ruder und im Gegensatz zu seinem Vorgänger, ist sich das deutsche Episkopat nicht sicher, was man von ihm halten soll. Was will Bergoglio?
Sein Auftreten ist so ganz anders als das des Protz-Benedikts. Aber inhaltlich hat er nichts liberalisiert. Im Gegenteil, der ultrakonservative Pädophilen- und TVE-Freund Müller ist inzwischen sogar Kardinal und bestimmt die Glaubenslehre der 1,2 Milliarden Katholiken weltweit.
TVE ist eben NICHT gefeuert worden, sondern sonnt sich ungeniert im Vatikanischen Glanz.

Wie bereits beschrieben, befanden sich die deutschen Bischöfe ob dieser Unklarheiten in einem Dilemma.
Wen sollte man in dieser Situation zum Vorsitzenden wählen? Einen der „jungen“ Konservativen, die beim Kirchenvolk so beliebt wie Fußfäule sind?
Overbeck, Tebartz-van-Elst oder Woelki wären ganz nach dem Geschmack des Pontifex Emeritus.
Aber was wäre, wenn man sich auf so einen harten Hund geeinigt hätte und dann stellt sich womöglich raus, daß Franzi es mit seinen Reformen und der neuen Bescheidenheit doch ernst meint?
Da liegt Konfliktstoff in der Luft. Die deutschen Oberhirten verzichten jedenfalls bisher nicht auf ihre Luxuslimousinen. Tatsächlich war Franz Kamphaus der einzige Bischof, der je so ein bescheidenes Auto wie der jetzige Papst gefahren hatte.
Für Luxus-Marx, der offenbar auf einem gewaltigen Geldspeicher sitzt und die Millionen nur so um sich wirft, kommt ein FIAT Panda jedenfalls nicht in Frage.

Just zum Rücktritt Ratzingers hatte der Münchner Erzbischof noch demonstriert, wie wichtig ihm sein persönliches Wohl ist.

Die Lage ist erstklassig, der Preis auch: Für 9,7 Millionen Euro hat das Erzbistum München-Freising in Rom ein neues Gästehaus gekauft. Böse Zungen haben der Immobilien auch schon einen Spitznamen verpasst: „Palazzo Marx“.  [….] Nach vier Jahren im „Schwabinger Asyl“ kehrt Erzbischof Reinhard Marx in dieser Woche wieder in sein traditionelles Quartier im Palais Holnstein in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Stadtzentrum zurück. Das Gebäude, das 1733 bis 1737 im Auftrag des Kurfürsten Karl Albrecht als Rokoko-Adelspalais erbaut wurde, war seit Oktober 2008 vom Staatlichen Bauamt saniert worden. Marx war deshalb vorübergehend ins Schloss Suresnes in Alt-Schwabing gezogen.
[….]  Die Sanierung des Palais kostete 8,1 Millionen Euro, davon trägt die Kirche 1,56 Millionen.

Würden die Bischöfe Franzis bescheidenheits-Demonstrationen ernst nehmen, könnten sie sich nicht für Marx als Vorsitzenden entscheiden.
Daß sie es heute dennoch taten, hat einen Grund:
Sie wissen, daß der Papst Marx toll findet, weil er schon mit neuen Ehrungen und Ämtern aus Rom überhäuft wurde.

Marx ist bereits jetzt viel mehr als nur Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz. In den vergangenen Jahren hat er Ämter und Positionen geradezu angehäuft: Seit 2012 leitet er die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft. Nach der Papstwahl 2013 machte Franziskus ihn zu einem von acht Kardinälen, die an der Reform der Kurie arbeiten sollen. Und erst am Samstag gab der Vatikan bekannt, dass Marx auch noch den neu geschaffenen 15-köpfigen Wirtschaftsrat in Rom koordinieren soll. Das Gremium soll eigenständig mit der neuen zentralen Finanzverwaltung der katholischen Kirche zusammenarbeiten. Reichlich Amt und Würden - aber eben auch Arbeit.  Und die wartet eigentlich auch im Erzbistum auf ihn. Das plagt sich mit einer Strukturreform, die Verwaltung ist im Umbruch, Pfarreien werden zu Verbänden zusammengefasst, die Stimmung ist angespannt. Der Diözesanrat liegt Marx mit 61 Reform-Empfehlungen in den Ohren, die Priester und Laien schon vor Jahren in einem "Zukunftsforum" erarbeitet haben. Sie wollen endlich Ergebnisse sehen.  Hinter vorgehaltener Hand grummeln einige darüber, dass sich der Kardinal um so viele andere Dinge zu kümmern hat. Dazu kommt ohnehin noch der Ärger mit der Insolvenz des Weltbild-Verlags. Nebenher muss Marx Italienisch lernen, damit er in Rom besser diskutieren kann, denn im Kardinalsrat gibt es keine Dolmetscher. Der Kardinal hat reichlich zu tun, auch ohne den Vorsitz der Bischofskonferenz. [….]

Aber der dicke Münchner plant seine Karriere nach dem Motto „Bescheidenheit ist eine Zier – weiter kommt man ohne ihr!“
Das deutsche Episkopat leistet damit seinen Offenbarungseid.
Indem es immer nur Marx, Marx, Marx schallt, beweisen sie wie dünn ihre Personaldecke ist und was von den jüngeren Bischöfen zu halten ist – nämlich nichts.

Aber nicht nur bezüglich des Protzes bleibt die deutsche RKK auf Ratzingers Linie, auch in der Disziplin „Homophobie“ ist Marx voll auch Mittelalterkurs.

Der neue Vorsitzende hatte in den letzten Jahren wiederholt mit homofeindlichen Äußerungen für Aufmerksamkeit gesorgt. Besondere Aufregung erzeugte seine Aussage aus dem Jahr 2011, als er bei einem Gesprächsforum in Mannheim erklärt hatte, dass Homosexuelle "gescheiterte und zerbrochene Menschen" seien. Der Lesben- und Schwulenverband nannte die Aussagen "beleidigend und herabwürdigend" und verlangte vom Kardinal entweder eine Richtigstellung oder eine Entschuldigung. Später [….] beschuldigte Marx Homosexuelle, einen schlechten Einfluss auf die Gesellschaft zu haben. So sagte er Ende 2012, dass es zum Tod der Gesellschaft führen würde, wenn Schwule und Lesben gleichberechtigt heiraten dürfen.
Matthias Drobinski, der SZ-Geist, der stets bejaht, wirft sich auch sofort dem neuen Chefbischof Deutschlands zu Füßen:

Just an diesem Mittwoch in der Morgenmesse soll er im Dom predigen; Marx nutzt die Gelegenheit zu einer beeindruckenden Bewerbungsrede. Die Lesung stammt aus dem Buch Jona der hebräischen Bibel. Geht hinaus, predigt er den Mitbrüdern - wie einst der Prophet Jona in die Stadt Ninive. [….]  Marx spricht frei, seine Sätze sind klar, fromme Floskeln fehlen, und was er sagt, klingt ungefähr so, wie Papst Franziskus in Rom predigt. [….]
Das kann Marx wie kein Zweiter in dieser manchmal arg verdrucksten Konferenz: Die Sache auf den Punkt bringen und ihr dann auch eine Richtung geben. Das war seine Stärke, als er, der Sozialexperte, 1997 zu den wichtigen Autoren des gemeinsamen Sozialworts der Kirchen gehörte, als er ein Jahr später den Dialog zwischen katholischer Kirche und den Grünen voranbrachte. Das war seine Stärke, als er sich 2010 in jenen Wochen, da mehr und mehr sexuelle Übergriffe in der Kirche bekannt wurden, zu radikalem Handeln entschloss und alle Akten des Erzbistums nach Taten und Tätern durchforsten ließ - die Detail-Ergebnisse jedoch im Tresor verschwinden ließ. Ein tatkräftiger Vorsitzender mit bestem Draht nach Rom, geeignet, die von dort kommenden Ansprüche des Papst-Sekretärs und Erzbischofs Georg Gänswein und des Präfekten der Glaubens-Kongregation, des Kardinals Gerhard Ludwig Müller, abprallen zu lassen - kann den deutschen Bischöfen Besseres passieren?  [….]



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