Freitag, 27. Juni 2014

Ein ehrlicher Politiker – Teil I


Der Sommer, in dem ich 15 Jahre alt war, begann mit den großen Schulferien, in denen ich verkündigte nicht mehr an einem Familienurlaub teilnehmen zu wollen, sondern vielmehr plane allein mit meiner Freundin zu verreisen.

Das Internet war noch nicht erfunden, also gingen wir in ein Reisebüro, um uns nach Ferienhäuschen zu erkundigen; wir wollten ja schließlich allein sein und nicht in einem Hotel hocken.

Es wurde schließlich ein wirklich ganz niedliches Mini-Häuschen in Egense am Limfjord, also Nord-Dänemark.
Viel los war da nicht; es gab diesen Tivoli-Vergnügungspark und eine Dorfdisko in Ålborg, in der wir zwei, drei Abende waren.
Landschaftlich sind die Fjorde, in die man kilometerweit reingehen kann und dennoch nur bis zu den Knien im Wasser steht, sehr schön.
Hauptsächlich waren wir aber natürlich damit beschäftigt was man eben so tut, wenn zwei Teenager sturmfreie Bude haben.

Als ich zurückkam, war gerade Charles, ein alter Freund aus New York bei meiner Mutter zu Besuch und grinste mich an.
Während ich noch mein Gepäck wegschleppte, strahlte er über das ganze Gesicht und verkündete wie viel besser wir es doch heutzutage hätten. In meinem Alter habe er damals noch Kühe ficken müssen.

Nicht, daß ich besonders prüde erzogen worden wäre, aber ich mochte mir wirklich nicht die Sexualabenteuer von Erwachsenen anhören und fand auch nicht, daß ich meine eigenen Taten mit meiner Elterngeneration diskutieren sollte.

Später fragte ich meine Mutter was Charlie eigentlich mit den „cows“ gemeint hätte. Nun, da war meine Mutter auch überrascht und hatte nachgefragt.
Der gute Mann lebte in den 1950er Jahren als Teenager in Georgia.
Da war Sex gewissermaßen unmöglich. Man hatte noch nicht einmal ein eigenes Zimmer, in dem man sich zur Masturbation zurückziehen konnte. Es wäre zu schockierend gewesen dabei erwischt zu werden. Die Highschool-Jungs waren praktisch immer unter sich; wenn sie ein Mädchen trafen, dann ging das tatsächlich nur mit einer sogenannten Anstandsdame. Anders als in heutigen seichten US-Kinofilmen, konnte man auch nicht nach einem Highschoolball einfach ein Hotelzimmer mieten und dort mit seiner Ballbegeleitung zum Geschlechtsverkehr verschwinden.

Was es aber reichlich gab, waren Wiesen mit Kühen und so traf sich die Dorfjugend in der Dämmerung am Gatter und begattete.
Die Kühe störte das scheinbar nicht weiter. Sie stellten sich sogar oft so an den Zaun, daß die US-Boys auf den untersten Holmen steigen konnten.
Das war nett, denn so eine Kuh ist groß und man mußte anderenfalls vermutlich einen Schemel mitnehmen. Oder konnte man auch zu Werke gehen, wenn die Kuh lag? Ich weiß es nicht. Offenbar hatte meine Mutter da nicht so genau nachgefragt.
Ihr taten zunächst einmal die Kühe leid, aber als Charlie sie daran erinnerte, daß ein Tierarzt problemlos seinen ganzen Arm hinten in eine Kuh einführen konnte und sie doch mal an die relative Größe eines Teenager-Penis‘ denken sollte, war sie irgendwie beruhigt.
Meine Mutter schien sich auch in erster Linie darüber zu wundern wie freizügig und locker Charles darüber sprach. Nein, das wäre nun wirklich nichts Besonderes, das hätten alle gemacht, denn es gab ja keine andere Möglichkeit.
Natürlich, denn außer Mädchen waren auch pornographische Schriften oder womöglich Sextoys auf dem Lande völlig undenkbar.
Man wuchs damals total prüde in einer frigiden und frommen Welt auf, in der es einfach nicht vorgesehen war, daß Heranwachsende auch Triebe entwickeln.
Das konnte nicht sein und durfte nicht sein. Es herrschte das große Schweigen.

Einige Jahre später wurde ich an diese Geschichte erinnert, als ich den weltberühmten KINSEY-Report über „das sexuelle Verhalten des Mannes“ las, in dem Alfred C. Kinsey über 12.000 Personen befragt hatte.
Das Buch wurde 1948 veröffentlicht und erschien 1964 in deutsch.
Inzwischen liegt das Buch also ein halbes Jahrhundert auf deutschen Bücherschränken, aber man wundert sich schon noch. Zum einen, daß in frühen Altersstufen die homosexuellen Kontakte sogar häufiger als heterosexuelle sind und zum anderen über die zoophilen Aktionen.




Daß mir diese Aspekte als Teenager etwas befremdlich erschienen, liegt an zwei Ursachen. Erstens wurde ich liberaler erzogen, so daß „normale“ Sexualkontakte durchaus möglich waren und Triebbefriedigung nicht an Ausweichobjekten stattfinden mußte (Stichwort „knastschwul“). Und zweitens wuchs ich zufälligerweise in Großstädten auf. Da gab es schlicht und ergreifend keine größeren Tiere.




Mit den Meerschweinchen und mongolischen Wüstenspringmäusen, sowie den kleinen Wasserschildkröten, die ich als Haustiere hatte war eine Penetration technisch trotz des weniger als Arm-großen Gemächts nicht möglich.

Wenn man aber in den 50er Jahren im prüdesten Amerika aufwächst…..und um einen herum nichts als Kühe sind, mag man da in andere Fahrwasser geraten. So wie der ehrliche Politiker des Tages Nr.1. Dabei handelt es sich um den 76-jährigen GOP-Senator Thad Cochran aus Mississippi, der den Vorwahlkampf mit 51%:49% denkbar knapp gegen den Teebeutel-Fundi Chris McDaniel gewann. Einige Teabaggers waren zuvor geschnappt worden, als sie in das Pflegeheim einbrachen, in dem die demente Ehefrau Cochran lag, um sie dort als „kompromittierendes Material“ zu photographieren.
Die Moral Majority!
Nachdem die Ultrafrommen geschlagen waren, kam der US-Senator ins plaudern.

Die Vereinigten Staaten sind für ihre Prüderie bekannt. Wer dort Politik machen will, muss das Thema Sex meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Doch auch im liberalen Europa würde wohl kaum jemand politisch überleben, was der republikanische Senator Thad Cochran vor einigen Tagen auf einer Wahlkampfveranstaltung von sich gab. Er erzählte freimütig aus seinen Kindheitstagen auf der Farm und kam dabei ins Schwärmen: "Es war ein Abenteuer. Wir haben Pekannüsse aufgesammelt und alle Arten von unzüchtigen Sachen mit Tieren gemacht." Im Publikum brachen daraufhin nervöse Lacher aus, doch Cochran fuhr mit bierernster Miene fort: "Ich weiß, einige Leute hier wissen, was das heißt." […]
Cochrans Sprecher bemühte sich anschließend um Schadensbegrenzung, doch es war bereits zu spät. Angeekelte Kommentare folgten auf Twitter, hämische Artikel erschienen in den Lokalzeitungen und sein Konkurrent nutzte die Steilvorlage für einen deftigen Radiospot: "Letzte Woche sagte Thad Cochran, als er aufwuchs war es spaßig, alle möglichen …" Einspieler Cochran: "… unzüchtigen Sachen mit Tieren zu machen." Dann blökt ein Schaf. "Sagen Sie Thad Cochran, dass Sie kein Tier sind! Und dass Sie nicht länger dafür herhalten wollen, dass er seinen sogenannten Spaß hat." […]

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