Freitag, 20. März 2015

Satireerkennung

Der Mopo-Leitartikel von heute forderte tatsächlich Satire im öffentlich-rechtlichen Fernsehen müsse Grenzen haben.
Jan Böhmermann wäre zu weit gegangen. Das dürfe nicht sein.
Schließlich beeinträchtige er die außenpolitischen Beziehungen.


Stimmt schon, man sollte nicht das bilaterale Verhältnis ruinieren.
Der Vorwurf sollte aber in erster Linie Günther Jauch gelten, der zur besten Sendezeit im größten Sender in unerträglich peinlicher Weise den Finanzminister eines anderen Landes versuchte bloßzustellen.

Dramatischen außenpolitischen Schaden richteten aber Pöbler wie Schäuble („Griechische Regierung hat alles Vertrauen zerstört, bricht nicht nur Absprachen, sie belügt auch das eigene Volk!“) und Kauder („In Brüssel wird wieder deutsch gesprochen!“) an. Denen sollte man Berufsverbot erteilen.

Böhmermann folgte erst anschließend auf dem mit homöopathischen Einschaltquoten agierenden ZDF-NEO.

Das ZDF mühte sich unterdessen damit ab klarzustellen, daß es sich bei dem was der SATIRIKER Böhmermann in der SATIRSENDUNG getan habe um Satire handele. Potzblitz.

Die wahre Enthüllung der Woche war aber die Enttarnung Jauchs, der in Wahrheit nur der analphabetische 59-Jährige Laiendarsteller Herbert K. ist.


In Amerika ist man wie üblich schon einen Schritt weiter.
Dort sind politische Statements von echten US-Senatoren nicht mehr von bitterböser Satire zu unterscheiden. Cruz, Palin, McCain, Tom Cotton oder Bachmann reden so einen unfassbaren Mist, daß die Realität inzwischen zur eigentlichen Satire geworden ist, während die satirischen Sendungen wie Bill Mahers Real-Time-Show oder Jon Stewards DAILY Show, zu echten politischen Informationssendungen wurden.
Wer dagegen nur mal richtig dreckig ablachen möchte, schaltet hingegen FOX-News ein.


Aber wir geben uns Mühe.
Der Vizekanzler, der in einer tiefen Strategiekrise steckt, weil er ob seiner totalen Anpassung an die CDU nicht aus dem 20%-Tal kommt, will jetzt erfolgreicher sein, indem er noch mehr vermerkelt.
Gegen seine Partei befiehlt er per order di mufti, daß der arme Heiko Maas gegen seine ausdrückliche Überzeugung Vorratsdatenspeicherung machen muß. Außerdem beharrt Gabriel auf TTIP, um den internationalen Konzernen maximale Macht zuzuschieben.

Dazu zwei Zitate aus zwei Artikeln von heute.
Es ist ein Quizz.
Welcher ist Satire; welcher wurde von einer bekannten deutschen Edelfeder geschrieben und todernst gemeint?

Gabriel beerdigt den Stolz der SPD
Sigmar Gabriel hat den Anspruch aufgegeben, die SPD könne einen Kanzler stellen. Damit riskiert er einen weiteren Bedeutungsverlust seiner Partei. […]  Er hat ein ganz wunderbares Talent zur mitreißenden Rede, damit gewinnt er bisher seine Parteitage; aber er weiß nicht, wohin und zu welchen Zielen er die Wähler reißen soll; deswegen reißt er nichts. Ihm fehlt die unbeirrbare und unbändige Zuversicht, die er und die SPD bräuchten, um sich über die schlechten Meinungsumfragen zu erheben. Gabriel macht die Sozialdemokratie so klein, wie sie derzeit dort bewertet wird.
[…]  Nie wurde das so deutlich wie jüngst beim Parteitag der schleswig-holsteinischen SPD in Neumünster. Dort hielt Gabriel eine verräterische Rede: Angela Merkel, so sagte er, sei "eine gute Bundeskanzlerin, solange wir aufpassen". Dieser Satz steht für die Verzwergung der SPD: Gabriel macht aus einer Partei mit dem Anspruch zu dirigieren eine Partei, die andere beim Dirigieren kontrolliert.
Gabriel mag das für pragmatischen Realismus halten, weil doch Zeiten und Wähler auf Merkel stehen. Aber Gabriel verabschiedet sich so von dem Anspruch, eine potenzielle Kanzler-Partei zu führen; er beerdigt den Stolz seiner Partei. Ein Aufpasser ist im anderen Kontext der "custos", der Küster also, der dem Priester das Gewand anzieht und die Kerzen anzündet.
[…]  Wer die bessere CDU sein will, ist deswegen noch keine gute SPD. Volkspartei ist oder wird man auch nicht, wenn man, wie Gabriel das getan hat, gefällig mit den Pegidisten redet, statt klarzumachen, dass das, was die wollen, allem widerspricht, wofür die SPD seit ihrer Gründung steht. Wenig hilfreich ist es schließlich, wenn der Vorsitzende Gabriel alle drei Tage die eigene Generalsekretärin rupft.

[…]  Endlich wird seine Arbeit gewürdigt. Die CDU hat Sigmar Gabriel heute im Zuge einer feierlichen Zeremonie zum Ehrenmitglied ernannt. Grund seien seine großen Verdienste um die Ziele der Partei, erklärte Kanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel bei der kurzfristig anberaumten Veranstaltung im Konrad-Adenauer-Haus.
"Sigmar Gabriel setzt sich immer wieder für christlich-demokratische Politik ein und stärkt die Union nachhaltig", erklärte Merkel. Dabei lobte sie besonders die Vielseitigkeit, mit der sich der Geehrte sowohl für wirtschaftsliberale Themen als auch erzkonservative Interessen einsetze. "Er kämpft unermüdlich für das Freihandelsabkommen TTIP, er beglückt Privatinvestoren, indem er für öffentlich-private Partnerschaften wirbt und jetzt sorgt er auch noch dafür, dass die Vorratsdatenspeicherung kommt. Dafür wollen wir uns erkenntlich zeigen."
[…]  Ursprünglich war nach Insiderangaben gar eine feierliche Aufnahme in beide Unionsparteien geplant. Die CSU habe jedoch unmissverständlich klargestellt, Gabriel trotz seiner Verdienste um die christlich-konservative Sache erst dann mit einer Ehrenmitgliedschaft zu bedenken, wenn er seinen Bierkonsum steigert und anfängt, ordentlich gegen Ausländer und Asylanten zu hetzen.

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