Samstag, 13. Juni 2015

Iken weint.

Ich kann nur immer wieder betonen:
Die Menschen, die keine gedruckten Zeitungen abonniert haben, verpassen was.
Wer sich nur über Apps oder Facebook durch die Nachrichten browst ist immer Opfer von Algorithmen, die unbemerkt die Art der Informationen so filtern, daß man immer mehr das findet, das der eigenen Meinung entspricht.
So schafft sich jeder seine eigene kleine Informationswelt, die er unweigerlich irgendwann für die Realität hält.
So blühen Verschwörungstheorien, Kompromisslosigkeit und Unverständnis.
Man wird immer mehr dazu verführt die eigene Meinung und die seiner engen Freunde für die Mehrheitsmeinung zu halten.

Ich kenne beispielsweise so gut wie keine aktiven Christen persönlich.
Niemand aus meinem Umfeld geht in die Kirche, keiner zahlt Kirchensteuer.
Da ich im Internet Aufgrund meines Surfverhaltens unablässig äußerst kirchenkritische Meinungen finde, könnte ich schnell auf den Gedanken kommen, es gäbe gar keine Kirchgänger mehr. Das müsse irgendeine bizarre Minderheit sein.
Das stimmt aber nicht!
Zwei Drittel der Deutschen sind noch Mitglied in dem Verein und vermutlich ist eine noch deutlich größere Mehrheit der Meinung Kirchen wären etwas Gutes. Gern geben religiös Unmusikalische in Ostdeutschland ihre Blagen in katholische Kindergärten und Schulen, weil sie durchaus annehmen, das sei besonders gut für die Kinder, könne jedenfalls nicht schaden.

Auf meine Anti-Kirchen-Buttons am Revers angesprochen höre ich oft:
„Also ich bin ja auch ungläubig, aber was haben sie denn gegen die Kirchen; die tun doch so viel Gutes!“

Unter anderem dafür „braucht“ man die „Mainstreamzeitungen“, um sich über tatsächliche Meinungsbilder klar zu werden.

Bleiben wir beim Thema Kirche:

In Hamburg  lesen wir seit einigen Wochen immer mehr Berichte über massive Kirchenschließungen.
Unter anderem in einem ganzseitigen Abendblatt-Interview räumte die Kirsten Fehrs (Bischöfin des Sprengel Hamburg und Lübeck) die Notwendigkeit von Kirchenschließungen ein.

Fehrs ist vermutlich nicht ganz so auf den Kopf gefallen wie Margot Käßmann, aber auch sie beherrscht diese typisch protestantische Kirchenleitungssprache.
Man kann ein noch so ausführliches Interview mit ihr lesen und hat doch auf wunderbare Weise nach wenigen Minuten komplett vergessen was sie gesagt hat.
Evangelensprech ist ähnlich inhaltsleer wie das Politsprech der Bundeskanzlerin.
Ich mußte unmittelbar nach dem Lesen noch mal den Text in die Hand nehmen, um festzustellen, ob sie nun eigentlich gesagt hat, daß sie Kirchen schließen will oder nicht.

Im Original lautet ihr Satz dazu:

Es ist gut, dass sich die Menschen vor Ort für den Erhalt der Kirchen engagieren. Zum anderen: Fakt ist, dass es Gemeindehäuser gibt, bei denen das Verhältnis von Auslastung und Finanzierung nicht mehr stimmt. Dass da genauer hingeschaut wird, finde ich richtig. Schließlich geht es um einen verantwortlichen Umgang mit den finanziellen Ressourcen. Wichtig ist ein offener Umgang mit diesen Gebäudefragen.
(Bischöfin Fehrs 03.06.2015)

Das sagt alles und nichts.
So drückt sich eine Verantwortliche um ihre eigentliche Aufgabe.

Nach diesen Verbaltranquilizern können Kirchisten beruhigt sein.
Gleichwohl sieht die Realität wohl aus ihrer Sicht wesentlich dramatischer aus.

Surft man zur nächsten Zeitungsmeldung, steht da:

Protestanten geht das Geld aus
Wird jede dritte Hamburger Kirche dichtgemacht?
[…]  Die Unruhe unter Hamburgs Protestanten ist gewaltig. Denn es hat sich herumgesprochen, dass die Kirche vor gigantischen Herausforderungen steht. Weil die Zahl der Gemeindemitglieder sinkt und die Steuereinnahmen zurückgehen, muss möglicherweise jede dritte Hamburger Kirche geschlossen werden. Etliche Gemeinden stehen vor der Auflösung.
Der Kirchenkreis Hamburg-Ost umfasst annähernd das gesamte Hamburger Stadtgebiet. Er reicht von Harburg im Süden bis Bargteheide im Norden, von Eimsbüttel im Westen bis Geesthacht im Osten. 1,5 Millionen Menschen leben in diesem Gebiet – aber nur 441000 davon sind Protestanten. 70000 weniger als noch vor zehn Jahren.
Wie der Kirchenkreis auf diesen Schwund an Mitgliedern und Steuereinnahmen reagieren soll, das wird im Frühjahr 2016 die Kirchenkreis-Synode entscheiden. Aber es zeichnet sich schon jetzt ab, in welche Richtung es dabei geht: Um Geld zu sparen, wird die Kirche Gemeindehäuser verkaufen, Kirchen schließen und Gemeinden zusammenlegen müssen. Remmer Koch, der Sprecher des Kirchenkreises, sagt, dass man mittelfristig 30 Prozent der Gebäude aufgeben muss. […] 

Natürlich begrüße ich es, daß auch den Hamburger Kirchen die Mitglieder wegrennen. Natürlich begrüße ich es, daß auch Hamburger Kirchen geschlossen werden.
Erstaunlich ist aber wie unkritisch Journalisten das Kirchen-Gejammer von ihrer Finanznot nachplappern.
Die Kirchen bekommen jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge von den (atheistischen und muslimischen) Steuerzahlern zugeschoben. Sie legen bis heute ihre Vermögen nicht offen.

Was man aber sicher weiß, ist daß es ihnen im Moment aufgrund der niedrigen Arbeitslosigkeit und der sprudelnden Steuereinnahmen besonders gut geht.
Sie schwimmen sogar im Geld.
Zum Beispiel Bayern.

Der Kirche in Bayern geht es finanziell prächtig
Bayerns Kirchen verlieren Mitglieder. Trotzdem haben die Diener Gottes keine Geldprobleme, auch dank der guten wirtschaftlichen Situation. […]  Allein bei der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern waren es im vergangenen Jahr rund 30.000 Menschen. Im Jahr 2013 hatte es knapp 19.000 Austritte gegeben.
Die katholischen Bistümer legen ihre Zahlen erst im Sommer vor. Er könne aber den Trend bestätigen, dass die Zahl der Austritte steigt, sagt ein Sprecher des Erzbistums Bamberg. […]  Der Mitgliederschwund ist für die Kirchen dramatisch. Über die finanzielle Situation müssen sie sich aber keine Sorgen machen. Wenn die Kirchen ein Problem mit Geld haben, dann besteht es darin, dass sie nicht wissen, wie sie es anlegen sollen.
"Gut" sei die finanzielle Lage, sagt Kirchenrat Minkus. […]  Auch bei der katholischen Kirche sprudelt das Steuergeld. Anita Hirschbeck vom Bischöflichen Ordinariat Eichstätt berichtet, dass allein die Eichstätter in diesem Jahr mit Steuereinnahmen von 96,7 Millionen Euro rechnen: "Von einem Einbruch kann also bislang in unserem Bistum noch nicht die Rede sein."
[…]  Sorgenfrei macht das Vermögen nicht. Den Kirchen geht es wie allen Kapitalanlegern und Vermögensverwaltern: Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank macht es schwer, das Geld sicher und ertragreich anzulegen. […]  

Der in diesem Blog schon hinlänglich als Trottel bekannte stellvertretende Chefredakteur des Hamburger Abendblattes Matthias Iken kann zu den Kirchenschließungen nicht schweigen.
Der Mann macht Meinung.

Das Kirchensterben hat erst begonnen. Aber wollen wir das wirklich?
[Ja!!!]  
Inzwischen hat sich in der Hansestadt fast Routine eingestellt, wenn wieder ein Gotteshaus seine Bestimmung verliert. Allein die evangelische Kirche hat sich seitdem [2002] von elf Gotteshäusern getrennt. Die Bethlehem-Kirche in Eimsbüttel endete als Kindertagesstätte, andere Gotteshäuser wie die Bugenhagen- oder Gnadenkirche sind nun Gebetsräume orthodoxer Christen. Die Kapernaumkirche in Horn wird derzeit gar zur Moschee umgebaut. Die Heilig-Geist-Kirche in Barmbek wurde 2004 wegen Baufälligkeit geschlossen und später abgerissen – der Rest eines Kirchenflügels folkloristisch in ein neugebautes Wohnhaus eingefügt. Und das war erst der Anfang: In den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren stehen knapp 100 Gebäude allein im Kirchenkreis Ost auf dem Prüfstand. [Weiter so!]  
Wer Gotteshäuser aufgibt, gibt ein Stück seines Glaubens preis. [Sehr gut! Mehr Denken und Wissen statt Glauben!] Es ist schon seltsam, mit welcher Beiläufigkeit gerade in Hamburg dieser Kulturverlust hingenommen, ja begrüßt wird. [Nein, Ikens Larmoyanz ist seltsam in einer völlig ungläubigen Stadt!]  
Kein Zufall aber ist, wie selbstverständlich Staat und Gesellschaft sich bei der sozialen Fürsorge von den Kirchen unterstützen lassen – ob bei der Flüchtlingshilfe, der Jugend- oder Seniorenarbeit, in Altersheimen und Krankenhäusern. Selbst Atheisten schicken ihre Kinder gerne in konfessionelle Kindergärten oder Schulen, weil sie die besondere Vermittlung von Werten schätzen.
[Irrtum! Die kirchlichen Träger vermehren sich sogar rasant und das liegt nicht daran, daß wir ihre Werte schätzen, sondern das genau Gegenteil ist richtig: Sie halten sich dabei eben NICHT an unsere demokratischen Werte wie das Arbeitsrecht und das Diskriminierungsverbot. Sie schließen Dumpinglohnverträge ab, erlauben keine Streiks und bezahlen einfach weniger.]  Allerdings sollten sie sich fragen, wie lange sich die Kirchen dieses Engagement noch werden leisten können. [Völliger Unsinn! Schulen und Kindergärten in christlicher Trägerschaft werden ohnehin nur vom Steuerzahler finanziert. Da leistet die Kirche finanziell GAR NICHTS!]  
[…]   Der Austritt aus der Kirche beispielsweise ist eben mehr als ein legaler Steuertrick, er ist auch ein Stück Entsolidarisierung der Gesellschaft. [Da die Kirchen nur einen verschwindend geringen Anteil ihrer Kirchensteuern – deutlich unter 10% für gemeinnützige Ausgaben aufwenden, ist es ein Schritt FÜR Solidarität in der Gesellschaft, wenn man sein Geld nicht ihnen als Kirchensteuer zur Verfügung stellt.]  

Die armen, armen Kirchen……

Nein, arm sind sie wirklich nicht die Kirchen.

Pro Tag werden werden in Deutschland 25 Millionen Euro in „Kirchensteuer“ bezahlt. In Wahrheit ist das natürlich keine Steuer, sondern Mitgliedsbeiträge, die der  Staat als Inkassounternehmen für Katholen und Evangelen eintreibt.
Eine feine Sache. 
Die christlichen Kirchen kassieren also allein in Deutschland über eine MILLION EURO PRO STUNDE!
Damit werden aber nicht etwa die „sozialen Leistungen“ finanziert. [….] Von den allein in Deutschland über eine MILLION EURO PRO STUNDE an die Kirchen gezahlten Mittel werden aber auch nicht Bischofsgehälter oder Theologenausbildung bezahlt.
Auch das stopft der Steuerzahler – von denen eine relative Mehrheit nicht Mitglied einer Kirche ist – RKK und EKD noch zusätzlich in den Allerwertesten. 
[….] Offensichtlich werden wir aber von Volksvertretern bestimmt, die in ihrer überwältigenden Mehrheit die Mehrheit der Konfessionslosen ignorieren und die darüber hinaus auch noch die Verfassung ignorieren.

Gerade 40 Sekunden benötigte der Bundestag, um den lästigen Tagesordnungspunkt abzuhandeln. Im Schnellverfahren votierten am frühen Freitagmorgen die wenigen noch im Plenum anwesenden Abgeordneten um 0.26 Uhr ohne Aussprache, aber mit großer Mehrheit dafür, weiterhin das Grundgesetz zu ignorieren. Wenn es um das gute Verhältnis zu den beiden Großkirchen geht, kommt es für die Fraktionen von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen nicht so drauf an. Gemeinsam stimmte die ganz große Koalition gegen einen Gesetzentwurf der Linkspartei, der den Einstieg in den Ausstieg aus den historisch begründeten Staatsleistungen an die Kirchen bedeutet hätte.
Unglaublich, aber wahr: Damit bleibt ein seit 94 Jahren bestehender Verfassungsauftrag nach wie vor unerfüllt. Dabei ist der Auftrag eindeutig: "Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst“. […]


Man stelle sich vor irgendeine andere Organisation, die seit Jahrzehnten systematisch Kinderficker in ihren Reihen vor der Staatsanwaltschaft schützt, würde in ähnlich unverfrorener Weise die Hand beim Steuerzahler aufhalten!

Die kirchliche Abzocke auf Kosten der Allgemeinheit kennt aber keine Grenzen. (…)


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