Montag, 27. Juli 2015

Der Christ des Tages LXXXIII

Ob nun per Videotext, news.google, Frühstücksfernsehen, Zeitung und Twitter – kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht als erstes etwas Widerliches aus Dresden hört.

Erneut ist in Sachsen ein zukünftiges Asylbewerberheim angegriffen worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde aus einer Gruppe von rund 30 Menschen am Sonntagabend ein ehemaliges Hotel mit Steinen beworfen. Sechs Fensterscheiben wurden bei dem mutmaßlich fremdenfeindlich motivierten Angriff zerstört. […] Am Sonnabend hat in dem ehemaligen Hotel noch ein Tag der offenen Tür stattgefunden. Bereits bei der Besichtigung des künftigen Heims kam es zu einem Zwischenfall. Unbekannte haben Berichten zufolge eine übelriechende Flüssigkeit verteilt. Dabei handelte es sich vermutlich um Buttersäure. Noch in dieser Woche sollen dort rund 30 Asylbewerber untergebracht werden.

Was für ein Alptraum. Da flüchten Menschen vor IS und Boko Haram, haben oft miterleben müssen, wie ihre Familien getötet wurden, verloren alles und dann landen sie in Dresden, wo einen tumbe gewaltbereite Sachsen mit Steinen und Brandsätzen bewerfen.

Immer wieder Sachsen.
Das Bundesland des Grauens ist nicht nur Schauplatz der ewigen CDU-Herrschaft, sondern auch Brutstätte von Pegida, Hotspot der rechtsradikalen Anschläge und ewige Hochburg der NPD.

Unfassbar; nachdem in Hamburg die widerliche braune AfD, die hier weitgehend von höchst unappetitlichen Ex-Schillianern bestimmt wird, in die Bürgerschaft einzog, brach so etwas wie ein Richtungsstreit bei dem braunen Mob aus: Auf der einen Seite steht dabei die ewiggestrig-völkische Sachsen-AfD und der Hogesa-freundliche Hamburger Landesverband gilt noch als vergleichsweise liberal.

Die braunen Sachsen sind zu allem Übel nicht nur national und xenophob, sondern zudem schwer religiotisch angehaucht.
Es ist, als ob der vor zwei Jahren abgeschlagene Kreuznet-Arm politisch wieder in Sachsen aus dem Sumpf ragt.

Nicht nur in Duisburg finden Rechtspopulisten und konservative Christen beider Konfessionen zusammen. Auf etlichen islamfeindlichen Protestzügen hielten Teilnehmer in den vergangenen Wochen schwarz-rot-golden angestrichene Kreuze hoch, die teilweise elektrisch illuminiert im Dunkeln strahlten. Andere reckten Schilder mit einem schwarzen Kreuz oder der Parole „Dresdner Christen grüßen die Pegida“ in den Himmel. Sachsens Bischof Jochen Bohl verzichtete auf scharfe Kritik an den rechtspopulistischen Demonstrationen und trat für Verständnis und Dialog ein – wohl aus Rücksicht auf die Evangelikalen in seinem Bistum, die im „Bibelgürtel“ vom Erzgebirge bis zum Vogtland beheimatet sind. […]  Populisten und fundamentalistische Christen kämpfen gemeinsam gegen Islamisierung oder Homosexuelle und für ein traditionelles Familienbild, stellte eine Studie im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung über Evangelikale in Sachsen fest. Der Schulterschluss zeigt sich am Beispiel der AfD-Bundessprecherin Frauke Petry. In ihrem sächsischen Landesverband forderte sie ein Referendum gegen die Abtreibungsregelung; es gehe um „das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation“. […] Eine Langzeitstudie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt […], dass Gläubige beider Kirchen für rechtsextreme Einstellungen anfälliger waren als konfessionslose Bürger. Katholiken stachen in der Studie zudem durch einen „höheren Chauvinismuswert“ hervor. Vor allem die katholische Kirche hat ein Problem mit rechtslastigen Gläubigen: Diese haben sich […] radikalisiert. Häme und Hass gegen Andersdenkende prägen eine selbst ernannte neue Glaubenselite. Sie schart sich um Institutionen wie „Kirche in Not“, „Christdemokraten für das Leben“, das „Netzwerk katholischer Priester“ und das „Forum Deutscher Katholiken“.

So wie sich die sächsische Kirche nicht traut von ihrem ausländerfeindlichen Rand zu distanzieren, kuscheln sich auch die Sachsen CDU-Politiker immer wieder gern an das kotbraune Milieu.

Da hat er schon mal ein wenig zwischen den Zeilen hervorgelugt, der hiermit zum Christen des Tages Nr. 83 gekürte Jochen Bohl.

Ist so eine Situation, in der Ethik und Moral völlig abhandenkommen, nicht der klassische Fall, in dem die Kirchen sich einmischen sollten?
So tönen doch immer die Käßmanns, Schneiders und Bedford-Strohms dieser Welt.
Kirche könne Werte vermitteln und Orientierung geben.

Und genau das tut Sachsens evangelischer Landesbischof jetzt.
Wenn brutal verfolgte Opfer von einem üblen hasserfüllten braunen Mob in Dresden angegriffen werden, bezieht Bohl Position.
Er bezeugt Verständnis für die Täter und stellt sich gegen die Opfer.

Eine beliebte Methode der deutschen Kirchenfürsten, die wir von den katholischen Kollegen kennen, die sich jahrzehntelang schützend vor die Kinderficker stellten und ihre Opfer diskriminierten.

So auch Bohl, der sich nicht etwa dem Abschaum in den Weg schützend vor Flüchtlingsheime stellt, sondern die Positionen von PEGIDA und AfD nachplappert.

[….] Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche plädiert für eine harte Linie in der Flüchtlingspolitik. Asylverfahren von Balkanflüchtlingen müssen für Jochen Bohl dringend verkürzt und beschleunigt werden. Probleme in Montenegro, Serbien oder Bosnien-Herzegowina könnten nicht dadurch gelöst werden, dass ihre Bewohner nach Deutschland kommen. »Das ist einfach undenkbar«, sagte der Bischof der dpa.   [….]  Für Zuwanderer, die nach Deutschland kämen, weil sie keine Zukunft sehen, sei das Asylrecht nicht vorgesehen.
Bohl befürwortet, in Verfahren von Balkanflüchtlingen das Konzept der sicheren Herkunftsstaaten anzuwenden. »Wenn man weiß, dass in einem Land (...) keine systematische politische Verfolgung stattfindet, können die Anträge auch in verkürzten Verfahren behandelt werden.« Angezeigt seien auch rasche Abschiebungen. Es könne »nicht so sein, dass jeder, dem es gelingt, deutschen Boden zu betreten, auch das Recht hat, hier dauerhaft zu bleiben.«
Indirekt deutete Bohl sogar Verständnis für Mobilisierungen gegen Flüchtlingsunterkünfte an: Es führe »bei vielen Menschen zu einem gewissen Verdruss«, dass »offenkundige Probleme sehr schwer und mühselig geregelt werden und es nicht zeitnah zu einer Lösung kommt.«

Die Kombination aus „Sachsen“ und „Kirche“ ist eben genauso übel, wie man es erwarten konnte.

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