Sonntag, 2. August 2015

Bertolt Brecht ist out



Zorn und Unzufriedenheit allein genügen nicht,
so etwas muss praktische Folgen haben.
Bertolt Brecht

Fragte man Marcel Reich-Ranicki nach den besten Schriftstellern aller Zeiten, fielen die Namen Goethe und Shakespeare.
Bei seinen persönlichen Vorlieben nannte er stets Thomas Mann, Bertolt Brecht, Thomas Bernhard, Sarah Kirsch und Ingeborg Bachmann.
Brechts Theaterstücke machen seinen Ruhm aus, aber MRR hielt ihn als Lyriker für unterschätzt.
Ich glaube Brechts Gedanken kennen mehr Menschen, als seinen Namen.
Viele werden gar nicht ahnen wie viele sprichwörtliche Aussagen auf Brecht zurückgehen.

Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

Alle großen Ideen scheitern an den Leuten.

Es ist schlimm, in einem Lande zu leben, in dem es keinen Humor gibt. Aber noch schlimmer ist es, in einem Lande zu leben, in dem man Humor braucht.

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen/ Den Vorhang zu und alle Fragen offen.
         
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein kluges Licht, und mach dann noch 'nen zweiten Plan, geh'n tun sie beide nicht.

    Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.

Alles Brecht, alles zeitlos gut.

Ein besonders berühmtes  Brecht-Zitat ist allerdings veraltet.
Seine Zorneszeilen, die er nach dem DDR-Aufstand vom 17. Juni 1953 in den „Buckower Elegien“ schrieb:

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
Zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

So sehen es wohl viele Linke und Piraten noch heute in Deutschland:
Der Regierung ist nicht zu trauen, daher bedarf es mehr plebiszitärer Elemente.
Das Volk muß wieder mehr mitreden.

Leider stimmt nur die Hälfte der Theorie.

Ja, der Regierung ist tatsächlich nicht zu trauen.

·        Der Vizekanzler gibt sich öffentlich TTIP-kritisch, wird aber hinter den Kulissen TTIP fördern.

·        Der Finanzminister zwingt Griechenland zu Schritten, die seine Partei für Deutschland empört zurückweist.

·        Der Innenminister kapituliert vor dem rechten Mob und übernimmt den Abwehr-Duktus der Nazi-Terroristen.

·        Zehn Jahre Merkel zeigen sich unterdessen in totalem Staatsversagen, wenn es um die kriminellen NSA-Tätigkeiten geht: Die Regierung Merkel kuscht, der Bundestag ist stumm, die Bundesanwaltschaft dreht Däumchen.

·        Nebenher sorgte die Kanzlerin mit ihrer katastrophalen EU-Politik dafür, daß weltweit wieder vom „häßlichen Deutschen“ gesprochen wird; sie zertrampelt aus Desinteresse und nationalem Egoismus die über Jahrzehnte mühsam gepflegten Beziehungen zu unseren Nachbarn.

·        Merkel macht sich sogar mitschuldig am rechten Terror gegen Schwache und Minderheiten in Deutschland.

·        Merkel führt mit ihrer Crash-Diplomatie Deutschland wieder in konfrontatives Fahrwasser, in dem Aufrüstungen und Eskalation herrschen.

·        Die ganze Regierung verhält sich gegenüber dem eigenen Volk unehrlich, indem sie suggeriert es flössen großzügig Milliarden an das griechische Volk, obwohl mit diesen Milliarden in Wahrheit nur deutsche Banken großzügig bedacht werden, damit Millionäre noch schneller noch reicher werden können.

Doch, doch – diese Regierung ist Mist.

Während aber Brecht durch seinen berühmten ironischen Satz noch suggerierte, das Volk wäre mit so einer Regierung so unzufrieden, daß es eine Neue wählen würde, kann davon im Deutschland des Jahres 2015 keine Rede sein.
Dieses Wochenende waberten Meldungen durch die Medienwelt, die Kanzlerin gedenke die 16 Jahre voll zu machen.
Der deutsche Urnenpöbel ist mittlerweile so verblödet, daß er Merkel sogar mit noch mehr Stimmen überhäufen würde, wenn jetzt gewählt würde.
Absolute Mehrheit für die CDU im Bundestag – dank des Merkel-Effekts. (Nur Oberclown wußte es bereits vor vielen Jahren, daß Merkel länger als Kohl bleiben würde.)

[…] Wenn am Wochenende Bundestagswahl wäre, dann hätte die Union gute Chancen auf einen Sieg. Einer Umfrage zufolge könnten CDU und CSU gemeinsam sogar eine absolute Mehrheit erreichen.
Die Bild am Sonntag zitiert in ihrer aktuellen Ausgabe aus einer Emnid-Umfrage von Ende Juli. Demnach würden CDU und CSU zusammen 43 Prozent aller Stimmen erhalten. […] Die SPD mit 24 Prozent, Linkspartei mit neun und die Grünen mit zehn Prozent würden zusammen ebenfalls 43 Prozent erreichen. Nicht im Parlament vertreten wären dem Meinungsforschungsinstitut zufolge die FDP mit vier sowie die AfD mit drei Prozent der Stimmen - beide würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. […] Auch aus dem "Deutschlandtrend" der ARD lässt sich eine zunehmende Popularität der Union ablesen. […]

Der einzige sinnvolle Kommentar zu Merkels vierter Amtszeit bis 2021 und ihrer mutmaßlichen absoluten Mehrheit stammt ebenfalls aus der Süddeutschen Zeitung: Alles andere als ewiger Machterhalt Merkels wäre eine Überraschung. Sie will und ihr in die Verblödung gesendetes und geschriebenes Volk jubiliert.
Die Wahlen 2017 gibt es nur noch pro forma. Ein anderes Ergebnis als eine strahlende Siegerin Merkel ist nicht vorstellbar. Selbst eine kämpferische SPD hätte es schwer etwas auszurichten gegen Merkels tumbe Wohlfühlmasche.
Aber da sich Gabriel und die meisten anderen SPD-Toppolitiker bereits freiwillig die eigenen Hoden abschnitten, hat Merkel noch nicht einmal Wahlkampfgegner.

[…] Das Sommerloch gebiert jedes Jahr aufs Neue erstaunliche Meldungen. So auch an diesem Wochenende. Da meldet ein Magazin, Angela Merkel habe sich "offenbar" entschieden, 2017 noch einmal anzutreten. Ein überzeugender Beleg für diese eh schon vage Aussage wird nicht genannt. Trotzdem beginnt der Blätterwald mehr zu rauschen als die Bäume am windigen Strand.
Seit Monaten gehen alle Parteienversteher davon aus, dass Merkel 2017 noch einmal antritt. Sogar Horst Seehofer hat längst erklärt, er rechne mit einer Spitzenkandidatin Merkel. Nur das Gegenteil wäre also eine Nachricht. […]


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