Donnerstag, 6. August 2015

Peinliches und Unpeinliches.


Scham ist ein Gefühl und somit nicht rational zu bewerten.
So schäme ich mich auch für Dinge, die ich nicht zu verantworten habe.
Die EU-Flüchtlingspolitik, die jedes Jahr Tausende Menschen in den Tod treibt, ist so etwas, für das ich mich so mitschäme, daß ich kaum die Berichte darüber lesen kann.
Dabei würde ich, selbst wenn ich jemals in Deutschland ein Wahlrecht bekäme für keinen Preis der Welt CDU oder CSU wählen.
Aber obwohl es irrational ist, schäme ich mich für Frau Merkel, dafür in einem Land zu leben, welches so eine verbrämliche* Frau tumb bejubelt und immer wiederwählt.

(*Verbärmlichkeit: ein an dieser Stelle absolut notwendiges, neues Wort, montiert aus Versagen und ErbärmlichkeitSascha Lobo)

Durch ein breites Staatsversagen entwickelte sich Terror in Deutschland, der dieses Jahr schon zu 200 Angriffen auf Flüchtlinge führte. Aber niemand stört es.

[….]  Mitten in Deutschland schäumt Menschenhass aus den Gullis der Dörfer und Städte. Und ich bin es leid, dass Teile der Bundesregierung diesem Treiben mit einer an Fahrlässigkeit grenzenden Gelassenheit zuschauen.
Fast jeden Tag gibt es neue Anschläge auf bewohnte und unbewohnte Flüchtlingsheime. In Halberstadt wurden Helfer der Roten Kreuzes kürzlich vor einer Asylbewerberunterkunft mit Steinen attackiert, in Freital explodierte eine Bombe unter dem Auto eines Kommunalpolitikers, der sich für Menschen eingesetzt hat, die in größter Not unsere Hilfe brauchen.
[….] Vor unseren Augen ereignet sich eine rechte Terrorwelle. Während die NSU noch aus dem Untergrund heraus agierte, können sich die rechten Terroristen des Jahres 2015 auf eine Unterstützerbasis von mehreren Millionen Deutschen berufen, die das Treiben des braunen Mobs zumindest dulden, wenn nicht gar gutheißen.
[….] Als Anfang des Jahres der Hass zum ersten Mal durch die Straßen schwemmte, hatten Unionspolitiker wie der sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nichts Besseres zu tun, als sich mit flotten Sprüchen den neuen rechten Wirrköpfen anzubiedern. [….] Auch Sie tragen an der Entwicklung eine Mitschuld, Frau Merkel.
[….] Mit Ihrer Tatenlosigkeit haben Sie genau jenes politische Vakuum erzeugt, dass die Radikalen vom rechten Rand jetzt ausnützen. [….] Sie reden gerne darüber, dass Sie im Supermarkt Artischocken einkaufen. Auch ist bekannt, dass Sie an Deutschland die Wertigkeit der Fenster schätzen. Bei Männern mögen sie "schöne Augen". Verstehen Sie? Das ist so absurd: Weil wir nicht wissen, was Sie zu Stanislaw Tillichs Ausfällen in Sachen Islam denken. Weil Sie seit Wochen so seltsam still dabei zuschauen, wie die ausländerfeindlichen Proteste gegen Asylunterkünfte immer weiter eskalieren. Unser gemeinsamer Dachstuhl brennt. Und Sie gießen sich noch einen Tee ein. [….]

Der hässliche Deutsche ist wieder da. Vielen Dank dafür, Frau Merkel.
Und meine Verachtung gilt dem Urnenpöbel, der diese Politik mit beachtlicher Mehrheit unterstützt.

Das ist der peinliche Aspekt Deutschlands.
Fairerweise muß man aber auch sagen, daß es durchaus unpeinliches Verhalten gibt.

Wie schön erwähnt, verhalten sich viele Hamburger ganz anders. In dieser Stadt, die den zehnfachen Migrantenanteil Dresdens hat, gibt es eine enorme Zustimmung zur Aufnahme von Flüchtlingen.
Die Menschen spenden und stellen ihre Man-Power zur Verfügung, indem sie sich einzelnen  Flüchtlingen annehmen.

Einem Spendenaufruf zu Gunsten der Menschen, die vor Terror und Krieg flüchten mußten, folgte die halbe Stadt  an einem Tag.

Was war das für eine Hilfsbereitschaft, was für ein Zeichen der Hamburger. Während anderswo Flüchtlingsunterkünfte angegriffen oder beschmiert werden, kommen hier an einem Ferientag im Juli mehr als 10.000 Menschen zusammen, um zu helfen. Und um Willkommen zu sagen. Auf diese Weise entstand genau das Gemeinschaftsgefühl, das man sonst in einer Großstadt wie Hamburg so oft vermisst. Und auf diese Weise zeigten die Hamburger, dass sie anders sind als andere.

Diese gräßlich-xenophobe Haltung, die wir aus vielen Teilen Sachsens und Bayerns kennen, ist eben NICHT überall so.

In Bremen ist es wie in Hamburg. Enormes bürgerliches Engagement zu Gunsten von Flüchtlingen.
Ehrenamtliche Helfer sind vernetzt und koordinieren die vielen Bremer, die alle freiwillig und unentgeltlich helfen möchten.

Da ich bei jeder Gelegenheit betone welch großer Fan ich von der PANORAMA- und ZAPP-Moderatorin Anja Reschke bin, verlinke ich gerne ihren deutlichen Aufruf zu Solidarität im Tagesthemenkommentar.


Erstaunlich ist heute aber nicht, daß die prognostizierten Hass-Kommentare tatsächlich kamen, sondern daß sich auch enorm viele dagegen stellten und Reschke ausdrücklich lobten.
Wo Staat, Regierung und insbesondere die Unionsparteien zu verbrämlich agieren, gibt es also doch noch Hoffnung.
Nicht alle Deutschen sind so schlecht. Leider geben sich die meisten aber einer selbstzufriedenen gefährlichen Apathie hin.

Zu den peinlichsten Akteuren im Flüchtlingsdrama gehören die Kirchen.
An vorderster Front zu nennen ist der evangelische Landesbischof Jochen Bohl des Failed States Sachsen.

Wenn brutal verfolgte Opfer von einem üblen hasserfüllten braunen Mob in Dresden angegriffen werden, bezieht Bohl Position.
Er bezeugt Verständnis für die Täter und stellt sich gegen die Opfer.

Eine beliebte Methode der deutschen Kirchenfürsten, die wir von den katholischen Kollegen kennen, die sich jahrzehntelang schützend vor die Kinderficker stellten und ihre Opfer diskriminierten.

So auch Bohl, der sich nicht etwa dem Abschaum in den Weg schützend vor Flüchtlingsheime stellt, sondern die Positionen von PEGIDA und AfD nachplappert.

[….] Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche plädiert für eine harte Linie in der Flüchtlingspolitik. Asylverfahren von Balkanflüchtlingen müssen für Jochen Bohl dringend verkürzt und beschleunigt werden. Probleme in Montenegro, Serbien oder Bosnien-Herzegowina könnten nicht dadurch gelöst werden, dass ihre Bewohner nach Deutschland kommen. »Das ist einfach undenkbar«, sagte der Bischof der dpa.   [….]  Für Zuwanderer, die nach Deutschland kämen, weil sie keine Zukunft sehen, sei das Asylrecht nicht vorgesehen.
Bohl befürwortet, in Verfahren von Balkanflüchtlingen das Konzept der sicheren Herkunftsstaaten anzuwenden. »Wenn man weiß, dass in einem Land (...) keine systematische politische Verfolgung stattfindet, können die Anträge auch in verkürzten Verfahren behandelt werden.« Angezeigt seien auch rasche Abschiebungen. Es könne »nicht so sein, dass jeder, dem es gelingt, deutschen Boden zu betreten, auch das Recht hat, hier dauerhaft zu bleiben.«
Indirekt deutete Bohl sogar Verständnis für Mobilisierungen gegen Flüchtlingsunterkünfte an: Es führe »bei vielen Menschen zu einem gewissen Verdruss«, dass »offenkundige Probleme sehr schwer und mühselig geregelt werden und es nicht zeitnah zu einer Lösung kommt.«

Die Kombination aus „Sachsen“ und „Kirche“ ist eben genauso übel, wie man es erwarten konnte.

Kollege Bergoglio in Rom bekommt inzwischen wieder mal Millionenspenden aus Bayern – aber das Geld behält er lieber für sich.
Franzl hat wohl wichtigeres zu tun; z.B. Schwule zu bekämpfen.

Verblüffend ist, daß es ausgerechnet der konservativ-christliche BILD-Kolumnist Hugo Müller-Vogg war, der in einer der harmlosen Blabla-Talkshows die eigentlich angebrachten Worte fand.

Der Papst hätte  lieber sagen sollen: (Aus dem Gedächtnis zitiert)
„Heute habe ich alle meine Bischöfe angewiesen jedem ihrer Pfarrer zu befehlen mindestens drei Flüchtlinge in ihrer Pfarrei aufzunehmen!“

Während in Hamburg sogar die Messegesellschaft von sich aus anbot 1.200 Flüchtlinge in ihren Hallen unterbringen zu können, machen die unermessliche reichen Kirchen ihre Pfarrhäuser nicht auf.
Das gilt insbesondere auch für die riesigen weitgehend leerstehenden Kloster, die auf Steuerzahlerkosten unterhalten werden.

Bereits im vergangenen Dezember wies Hubertus Mynarek in einem Artikel des hpd darauf hin, dass die katholische Kirche, trotz öffentlicher Bekundungen, "bis heute für Flüchtlinge keine kirchlichen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat, obwohl viele Kirchen in der ganzen Welt leer stehen, zahlreiche Klöster keinen Ordensnachwuchs haben und auch die vatikanischen Gemächer und Gärten groß genug wären, um eine Menge von Flüchtlingen aufzunehmen." Daran hat sich auch bis jetzt nicht sonderlich viel geändert.
Franziskus weiß, wie man die Medien nutzt und lässt sich feiern. Auf Lampedusa forderte er bereits 2013 mehr Solidarität mit Flüchtlingen und wurde dafür von den Medien gelobt. Im Jahr danach sprach er Flüchtlingen in der Türkei Mut zu. Und im April dieses Jahres drängte er auf mehr internationale Unterstützung bei der Bekämpfung der "Flüchtlingskrise". [….] Doch die von Franziskus geforderte Solidarität - oder, um im katholischen Sprachgebrauch zu bleiben: Barmherzigkeit, wird offenbar nur von "den Anderen" erwartet. Die von ihm geführte Kirche scheint davon ausgenommen.
Im schweizerischen Kanton Zug gibt es für rund 880 Flüchtlinge Plätze. Ab Ende August wird der Kanton keine Unterbringungsplätze mehr zur Verfügung stellen können. Deshalb hat die "Direktion des Innern die diversen Religionsgemeinschaften, die Landeskirchen sowie die Klöster um Hilfe angefragt." Doch die Klöster winken fast alle schon jetzt ab. Sie können nicht helfen, heißt es.

Das gleiche, widerliche verbrämliche Bild gibt Österreichs katholische Kirche ab.
Zum Mitschämen, dieses geldgierige Pack.
Die Kirche zeigt hier moralische Totalversagen und Heuchelei in höchster Vollendung.

Kirchliche Immobilien sind durch die vielfache Befreiung von Grund- und Grunderwerbssteuer und durch Denkmalpflegezuschüsse subventioniert. Trotzdem sind – durch den steigenden Bedeutungsverlust der Kirche - immer mehr Leerstände zu verzeichnen. [….]  Christoph Baumgarten, Mitautor des Buches "Gottes Werk und unser Beitrag" fordert mehr kirchliches Engagement bei der Unterbringung von Flüchtlingen: "Die Österreicherinnen und Österreicher subventionieren das System Kirche jährlich mit 3,5 Milliarden Euro. Das ist ein Vielfaches dessen, was die Unterbringung aller Asylwerber in Österreich kostet."
[….] "Wenn wir mit unserem Steuergeld kirchliche Infrastruktur fördern, dürfen wir auch einen gesellschaftlichen Beitrag der Kirchen angesichts des Betreuungsnotstands für Flüchtlinge erwarten", bekräftigt auch Fiala. Er erinnert an die millionenschweren Mensalgüter – kirchliche Immobilen, die ausschließlich dem feudalen Leben des Kardinals und der Bischöfe dienen. Und dann wären da noch die insgesamt 3051 österreichischen Pfarren, zu denen ebenso viele, meist leerstehende Pfarrhäuser zählen, die vielfach nur mehr vom Pfarrer selbst bewohnt werden.
[….] Kardinal Schönborn möchte nur christliche Flüchtlinge in den Klöstern aufgenommen wissen. "Das ist angesichts des aktuellen Betreuungsnotstands einfach nur zynisch", moniert Christian Fiala. [….] Eine Recherche offenbart: Österreichs Klöster verwaisen: "Unserem Augustiner-Vikariat gehören derzeit 12 Mitglieder an", schreibt etwa der Augustiner-Orden in einer Selbstbeschreibung: 12 Leute in drei Klöstern also. [….] Die Kreuzherren hingegen zählen ganze fünf Mitglieder, die Mechitaristen wiederum zählen 17 Mitglieder in der Wiener Abtei. Die Dominikaner – das ist Schönborns Orden – zählen in Österreich 31 Mitglieder. Die Minoriten verfügen über 27 Brüder, verteilt in sechs Gemeinschaften. [….] "Die wenigen in Österreich verbleibenden Klosterbrüder und –schwestern leben also in weiträumigen Immobilien, deren Erhalt massiv von uns Steuerzahlern finanziert wird", fasst Buchautor Baumgarten zusammen.


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