Mittwoch, 16. September 2015

Endlich wird richtig sinnvolle Syrienpolitik und Flüchtlingspolitik gemacht!

Foto-Uschi war heute im ZDF-Morgenmagazin und warb bezüglich Syriens um Geduld. Einfache Lösungen könne es nicht geben. Bodentruppen wären daher völlig falsch.

[…]  Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat Forderungen nach einem militärischen Engagement Deutschlands in Syrien zurückgewiesen. "Ich warne vor diesen sehr einfachen Lösungen", sagte von der Leyen am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". […]  Die Ausbildung der Kräfte vor Ort sei "das richtige Vorgehen".
Auf internationaler politischer Ebene brauche es zudem "einen großen diplomatischen Rahmen" angesichts der Vielzahl der Konfliktparteien in Syrien, sagte die Ministerin. "Wenn man, was wir nicht wollen, theoretisch mit Bodentruppen reingehen würde, man würde immer die Falschen treffen, man würde zwischen die Mühlsteine dieser hunderte von verschiedenen Gruppen, die miteinander kämpfen, geraten und mehr Schaden anrichten als eine Lösung" erreichen.
Mit Blick auf die UN-Vollversammlung in diesem Monat forderte von der Leyen eine neue diplomatische Initiative. "Es braucht einen Minimalkonsens zunächst einmal diplomatisch", sagte die CDU-Politikerin. […]

Also gemach, liebe Syrer. Nur weil in den mittlerweile vier Jahren des von der USA mitprovozierten Bürgerkriegs 250.000 von Euch massakriert wurden, das Land in die Steinzeit gebombt wurde, der IS das Land im industriellen Maßstab plündert und die Hälfte der Bevölkerung fliehen mußte, ist es ja noch lange kein Grund, daß man irgendwas unternehmen sollte. Außerdem könnte dann womöglich jemand verletzt werden und das will unsere liebe von der Leyen natürlich nicht. Gemach, gemach.
Erst mal abwarten!

Daß also Russland jetzt aktiv wird, alle Kräfte an einen Tisch bringen will, muß erst mal abgelehnt werden.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die internationale Gemeinschaft erneut zum gemeinsamen Kampf gegen den "Islamischen Staat" IS in Syrien aufgefordert. Doch sowohl die USA als auch Frankreich reagierten mit einer Absage aus einem Grund: Syriens Präsident Bashar al-Assad.

11 Millionen Syrer auf der Flucht?
Egal, für die NATO muß erst mal Assad weg. Mit „Regimechange“ ohne irgendwelche Nachfolgepläne hat man ja im Nahen Osten, Nordafrika und Afghanistan bisher auch immer ganz wunderbare Erfahrungen gemacht.

Im Gegensatz zu Putin hat Barack Obama eine sehr zielführende Strategie in Syrien: Man bombt aus sicherer Entfernung ein bißchen mit und bildet unterdessen sunnitische Kämpfer aus, die gegen Assad UND gegen den IS kämpfen. Für dieses Ausbildungsprojekt stellten die USA schon 500 Millionen US-Dollar bereit und feierten beeindruckende Erfolge:

 […] Die USA bleiben bei der Ausbildung syrischer Rebellen für den Kampf gegen die Terrororganisation IS bislang hinter den eigenen Zielen zurück: Nur vier oder fünf US-trainierte Kämpfer seien derzeit tatsächlich in Syrien im Einsatz gegen den IS, sagte General Lloyd Austin vor dem Streitkräfteausschuss des Senats. Das Programm mit einer Finanzierung von 500 Millionen Dollar war im Frühjahr gestartet worden.
Zwar seien insgesamt 54 Syrer ausgebildet worden, sagte Austin. Nachdem diese im Juli von einem Al-Kaida-Verbündeten angegriffen worden waren, sei jedoch nur noch eine kleine Zahl übrig geblieben, die sich weiter dem IS entgegenstelle. Ziel des Pentagons war es eigentlich, pro Jahr 5.000 Kämpfer für den Einsatz gegen die Dschihadisten fit zu machen.
[…] Der Aufbau einer einheimischen syrischen Truppe moderater Kräfte ist ein zentraler Bestandteil der US-amerikanischen Anti-IS-Strategie. […]

Das klingt doch perfekt und vielversprechend. Immerhin vier Kämpfer!
Möglicherweise sogar fünf! Da muß man nicht mit dem bösen, bösen Putin zusammenarbeiten.

Und überhaupt sind diese Anti-Assad-Rebellen, die der Westen unterstützt ja herzensgute Menschen – im Gegensatz zum bösen, bösen Putin!

Bei einem Rebellenangriff auf unter Kontrolle des syrischen Regimes stehende Stadtteile von Aleppo sind mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen seien 14 Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. 150 Menschen wurden verletzt. Während das Regime den Westen und Süden Aleppos beherrscht, halten die Rebellen den Osten der Stadt unter Kontrolle.
(dpa 16.09.15)

Ja, der Westen kümmert sich eben.

Und es ist ja auch nicht so, daß die deutsche Wehrm…, äh Bundeswehr gar nichts täte, nein, Flinten-Uschi ist schließlich auf dem Mittelmeer präsent und läßt alle Boote, die Flüchtlinge retten könnten, zu Klump schießen!

Die Bundesregierung hat Phase zwei des Marineeinsatzes im Mittelmeer beschlossen. Jetzt sollen bis zu 950 Soldaten Schleuser jagen und ihre Boote vernichten.

Grenzen zu, den Menschen die Tür vor der Nase zugeschlagen, Tränengas und Wasserwerfer gegen verzweifelte Heimatvertriebene, dann verschwindet das Problem von allein!

Dann werden die Menschen eben im wunderschönen Syrien bleiben; so die Logik der zu 100% christlichen Bundesregierung.
Der brillante neue Hamburger CDU-Chef Roland Heintze (CDU-Landtagswahlergebnis in HH: 15,9%) schlug unterdessen vor, die fliehende Syrer doch IN SYRIEN in Lager zu stecken.

Der CDU-Politiker Heintze sagte, es gehe darum, "in Syrien Auffanglager für Flüchtlinge zu schaffen, die militärisch gesichert sind". Über diesen Auffanglagern müssten Flugverbote durchgesetzt werden, sagte der Hamburger CDU-Landesvorsitzende.

Vielleicht sollte man auch einfach mehr kollektiv für Frieden beten.
Denn das Gebet ist die radikalste Form der Einmischung – da ist sich die omnipräsente TV-Bischöfin Käßmann sicher.
Und wenn die doofen IS-ler drohen islamistisch zu werden, dann müsse man eben dafür sorgen, daß mehr von ihnen in die Kirche gingen!
Das verkündete die Lutherbotschafterin der EKD gestern wieder einmal in der WDR-Sendung „Hart, aber fair“:

Wer "Angst vor vollen Moscheen habe", müsse eben "für volle Kirchen" sorgen. Margot Käßmann ist sehr stolz auf diesen Satz, sie wiederholte ihn auch hier. Für ein Deutschland der vollen Kirchen und Moscheen. Wer gegen Gefrömmel allgemein allergisch ist, der kann wohl solange ins Kino gehen.

Komisch, ist denn in Syrien – dort leben immerhin auch rund zwei Millionen Christen, noch nie einer auf die Idee gekommen zu beten, um den Bürgerkrieg zu beenden?

OK, da wurde doch gebetet, fällt mir gerade wieder ein.
Nur leider haben die betenden Syrer-Christen nicht auf Käßmann, Kauder und von der Leyen gehört. Daher haben sie versehentlich für den Sieg des Falschen gebetet.
Mist. Das hat Gott offensichtlich verwirrt, daß seine Jungs und Mädels IN Syrien FÜR Assad beten, während seine europäischen Schäfchen total gegen Assad sind.

Obamas neuestes Nichthandeln, das wie entschlossenes Handeln aussieht, ist die 500 Mio-Dollar-Spritze an die gemäßigten Anti-Assad-Kräfte in Syrien.
Ein Placebo, das mit richtiger Politik nichts zu tun hat.
Ich frage mich, wie die USA überhaupt Adressaten für das Geld finden wollen.
Es gibt keine Anti-Assad-Koalition mit Geschäftsstelle und einem Direktor für „gemäßigten Bürgerkrieg“.

Dort ist die katholische Kirche eine der letzten und wichtigsten Stützen des Assad-Regimes. Daß Hunderttausende gekillt werden, teilweise sogar vergast wurden, stört nicht weiter.

Oberin Agnes-Mariam vom Kreuz erhebt ihre Stimme, sie will versöhnen in einem Krieg, 'der Syrien ausbluten lässt'. Und doch klingt sie nur wie der Lautsprecher des Regimes. Für die Rebellen ist die Ordensfrau denn auch 'Assads Nonne'. Sie behauptet etwa, die Opferzahlen beim Damaszener Giftgasangriff seien übertrieben gewesen - Russlands Außenminister Sergej Lawrow zitierte sie sogar als Kronzeugin. Sie erklärt, die Rebellen töteten Babys, um ihre Leichen als Kriegsopfer auf der Internetplattform YouTube zu zeigen: Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte den Vorwurf 'bizarr'.
Die Gegner des Aufstands hingegen sehen in der 61-Jährigen eine Stimme der Wahrheit. [….]  Als Christin steht Agnes-Mariam Präsident Baschar al-Assad zwangsläufig näher als den Aufständischen. […]  Sie sagt, unter den Assads sei Syrien ein 'liberaler, säkularer Staat' gewesen, in dem die Frauen Rechte hatten.


Im Syrischen Bürgerkrieg  kämpfen lauter Gruppen, die untereinander verhasst sind und laufend Alliierte wechseln. Mittendrin die ISIS, die mit vielen dieser Anti-Assad-Gruppen verquickt ist, einige davon sogar komplett aufsaugt.
Ziemlich fest verortet sind eigentlich nur die Syrischen Christen, die auf der Seite des Alawiten Baschar Hafiz al-Assad stehen. Toller Plan.

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