Donnerstag, 22. Oktober 2015

GOP, 13 Monate vor der Wahl


Ja, es gab inzwischen auch eine Präsidentschaftskandidatendebatte der Demokraten, bei der Bernie Sanders wie zu erwarten sehr gut ankam, aber interessanter war eigentlich die anschließende Rezeption in den Medien.
Alle verkauften Clinton als strahlende Siegerin, nahmen die anderen „Zwerge“ gar nicht ernst.
So ist es wohl. Bei den Demokraten geht es nicht so sehr um Eignung oder gar Argumente (die hätte eher Sanders), sondern um die Medienmacht und Vernetzung. Hillary ist erheblich bekannter und reicher als alle anderen zusammen.
Joe Biden, der prominenteste demokratische Mitbewerber zog inzwischen offiziell seine Ambitionen zurück. Weg frei für Clinton.
Ich kann damit leben, auch wenn ich natürlich viel lieber einen Präsident Sanders hätte. Aber ich denke, er hätte einfach zu schlechte Chancen gewählt zu werden und außerdem ist sein Apparat zu schwach, um die garantiert anstehende Schmutzkampagne der Republikaner zu parieren.
Am Ende säße womöglich einer der GOP-Irren im Oval Office. Das kann man nicht riskieren.
Also go Hillary, go.

Fragt sich nun noch, welcher GOPer gegen sie antritt.
Nach den ersten beiden TV-Debatten ist das noch keineswegs klar.

Ein kleines bißchen lichten sich die Reihen. Der ultrareligiöse Scott Walker hatte Probleme mit seinem Wahlkampfberater Gott.
Es war nämlich Gott persönlich, der ihm befahl zu kandidieren.
Walker folgte brav und gab für seine Kampagne rund $70.000 pro Tag aus.
Anfang dieses Monats hatte er rund eine Millionen Dollar Schulden und keine Spender mehr.
Zuvor hatte aus dem gleichen Grund auch Rick, the brain, Perry aufgegeben.

Von den verbliebenen Clowns stehen die vier Irrsten auf den vorderen Plätzen.
Man soll zwar keinen Umfragen trauen, die man nicht selbst gefälscht hat, aber den verschiedenen Polls ist immerhin gemeinsam, daß Carson und Trump vorn liegen und daß der Mann des Establishments, Jeb Bush, nicht die 10% erreicht.

A newly released Quinnipiac poll conducted among likely caucus-goers in Iowa from October 14-20 shows Carson in first place at 28 percent and Trump in second place at 20 percent. Rubio has 13 percent while Cruz has 10 percent. The rest of the candidates are polling in single digits.

Overall, Trump's 27% leads the field, followed by Carson at 22%, both head and shoulders above their nearest competition. Former Florida Gov. Jeb Bush and Florida Sen. Marco Rubio are tied for third place with 8% support each, followed by former Arkansas Gov. Mike Huckabee and Kentucky Sen. Rand Paul each at 5%. Fiorina, New Jersey Gov. Chris Christie and Texas Sen. Ted Cruz each have 4% support, while Ohio Gov. John Kasich is at 3%. Former Pennsylvania Sen. Rick Santorum stands at 2% and South Carolina Sen. Lindsey Graham holds 1%.

With the backing of 25 percent of Republican primary voters, Trump is at his highest level of support in the poll since entering the 2016 race. Carson now gets the support of 22 percent of Republican voters, remaining within the margin of error of his first-place rival. Last month, 21 percent of GOP primary voters said Trump was their first choice for the party's nomination, while 20 percent picked Carson.

Nachdem sich Jeb Bush endlich dazu durchgerungen hatte seinen Bruder George dafür zu loben Amerika sicher gemacht zu haben, fällt ihm diese Aussage eigenartigerweise immer wieder vor die Füße



Manchmal haben Donald Trumps Pöbeleien ja einen wahren Kern. Ex-Präsident George W. Bush, so implizierte er dieser Tage, trage zumindest eine Mitverantwortung für die Terroranschläge des 11. September 2001: "Das World Trade Center wurde zu seiner Amtszeit zerstört."


Damit wagte sich Trump an eines der größten Tabus seiner Partei. Dass die Bush-Regierung viele Vorzeichen ignoriert hatte und 9/11 vielleicht sogar hätte verhindern können, das darf kein US-Republikaner laut aussprechen. Doch Trump sagt, was andere kaum zu denken wagen.


Niemand wird mir unterstellen auch nur einen Hauch Sympathie für die Teebeutler zu haben, aber mit einem liegen sie nicht so falsch: Das GOPer Parteiestablishment ist am Ende.


John Andrew Boehner, seit knapp fünf Jahren Sprecher des Repräsentantenhauses und damit offiziell nach Präsident und Vize-Präsident der drittmächtigste Mensch der US gab am 25. September 2015 bekannt zurück zu treten.
Nun herrscht seit vier Wochen Hauen und Stechen bei den GOPern. Sie stellen zwar eine satte Mehrheit, aber unter ihnen sind derartig viele komplett Wahnsinnige, daß sich niemand findet, der freiwillig diesem Konglomerat des Schwachsinns vorsitzen will.


Speaker - verzweifelt gesucht
[…] Um den Zwist in der Republikanischen Partei zu illustrieren, reicht ein einziger Tweet, geschrieben hat ihn die Pressestelle des Abgeordneten William McClellan Thornberry. Die bestätigte, dass dieser auf die Frage, ob er für das Amt des Speakers des Repräsentantenhauses kandidiere, für das formal höchste Amt nach dem Präsidenten und dessen Vize, dem Parlamentsvorsitz also, gesagt habe: "Eher werde ich Vegetarier."
[…] Das Wall Street Journal sprach von einem unversöhnlichen Graben: Auf der einen Seite stehen jene, die beweisen wollen, dass die Grand Old Party imstande ist, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Männer wie Boehner also, die mit Blick auf die Wahlen im nächsten Jahr ihre Partei als mehrheitsfähig und besonnen präsentieren.
Ihnen stehen Mitglieder der Tea Party gegenüber, die ihre konservativen Prinzipien unbeirrbar hochhalten, die Kompromisse als Schwäche betrachten und bei jeder Gelegenheit gegen das Establishment wettern. […] Offen ist, ob Wunschkandidat Paul Ryan das Amt antreten wird. Ryan, 45, ist ein bekanntes Gesicht, er war 2012 auf Mitt Romneys Ticket als Vizepräsident vorgesehen, ein Haushaltsexperte, von dem es heißt, er wolle eines Tages selber ins Weiße Haus hinter den Tisch im Oval Office. Ryan überlegt sich nun offenbar, ob ihm das Amt des Speakers dabei eher nützen oder schaden könnte.
[…] Der chaotische und führungslose Eindruck, den die amerikanischen Konservativen derzeit hinterlassen, wird zusätzlich genährt durch einen Wahlkampf, den die bisherigen Nicht-Politiker Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina dominieren. […]

So kann es kommen. Die Republikaner sind steinreich, haben Milliardenschwere Spender, sitzen auf absoluten Mehrheiten in beiden Kammern des Parlaments und werden von einer mächtigen Allianz aus ultrarechten Medien gestützt, aber dadurch haben sie die Selbstdebilisierung so weit getrieben, daß sie sich noch nicht einmal mehr selbst leiden können.


Trumps Präsidentschaftskandidatur bricht mit allen Konventionen. Er beleidigt, lügt, hetzt - vor allem auch gegen Minderheiten und Ausländer. […] Ähnlich Trumps Parteirivale Ben Carson: Getarnt hinter der Maske des netten Onkels, profiliert sich der Gehirnchirurg a.D. mit immer wilderen Statements, die nicht nur eine profunde Unkenntnis der Geschichte bezeugen, sondern auch einen skrupellosen Hang zur Agitation.

 
Etwa seine Behauptung, der Holocaust wäre wahrscheinlich nicht geschehen, hätten die Juden bloß private Schusswaffen gehabt. Carson liebt Nazi-Analogien: Er vergleicht Obama mit Hitler und die Demokraten mit der NSDAP und empfiehlt die Lektüre von "Mein Kampf", in dem er Omen für Amerikas Niedergang sieht, ohne es wohl selbst gelesen zu haben.


Trotz solcher Aussagen werden beide immer populärer: In jüngsten Meinungsumfragen begeistern sie gemeinsam fast die Hälfte der republikanischen Vorwähler. Alle anderen Kandidaten rangieren nur noch unter ferner liefen.
Dieser US-Wahlkampf ist mehr als der übliche Zirkus. Sarah Palin, die 2008 als dümmlich-stolze Vizekandidatin der Republikaner Schlagzeilen machte, verblasst gegen die heutigen Stars: Trump und Carson zündeln mit einem populistischen, fremdenfeindlichen, perfide offenen Nationalismus. […]




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