Mittwoch, 20. Juli 2016

Mein Kopf tut weh

Eins sollte ich doch in den letzten zehn Jahren gelernt haben: Unterschätze niemals die Dummheit und Bösartigkeit amerikanischer GOPer.
GWB war so klar der „worst President ever“, daß man verführt wurde zu denken, es könne nur noch besser werden. Aber das wurde spätestens 2008 mit Sarah Palins VP-Kandidatur obsolet.
Erstaunlicherweise ging es anschließend sogar noch weiter bergab. Man erinnere sich nur an Herman Cain 2012.
In diesem amerikanischen Wahljahr haben die Republikaner zweifellos das Wunder vollbracht, das bisherige unterirdische Niveau noch einmal zu unterbieten. Trump, Fiorina, Carson, Cruz – da wurde gar nicht mehr versucht wenigstens ab und zu mal die Realität zu steifen, sondern eine frei schwebende Hass-Parallelwelt erschaffen, gegen die Schilda als Hort der Vernunft wirkt.

Letzte Nacht beging ich nun den schweren Fehler ein bißchen republican convention in Cleveland zu gucken, nachdem Donald Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde.

Nur folgerichtig, daß sich die größten rechtsradikalen Flitzpiepen Europas bei Trumps Fans einfanden.

Beim Parteitag der US-Republikaner geben sich führende Rechtspopulisten aus Europa ein Stelldichein. Der Niederländer Geert Wilders zog bei seinem Eintreffen bei der Versammlung am Dienstag Parallen zwischen der politischen Stimmung in Europa und den USA: «Was in Amerika passiert, passiert auch in Europa. Die Menschen fühlen sich nicht mehr vertreten.» Wilders äusserte unter Bezug auf Präsidentschaftsbewerber Donald Trump die Hoffung, dass sich in den USA wie Europa ein gleicher neuer Typus von Führungspolitiker etabliert. Damit die Entwicklung auf beiden Kontinenten in die gleiche Richtung gehe, «würde es sicherlich helfen, wenn Trump gewählt wird», sagte der niederländische Rechtspopulist.
Auch der frühere Chef der rechtspopulistischen britischen Ukip-Partei, Nigel Farage, wurde zu dem Parteitag in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio erwartet. Die Versammlung soll am Dienstag den rechtspopulistischen Immobilienmilliardär Trump als Präsidentschaftskandidaten nominieren.

Unglaublich, aber wahr: Ich bin immer noch zu überraschen.
Aus purem Irrsinn war die Convention bisher vor allem eine NRA-Bejubelungsveranstaltung und eine geradezu exorzistische Dauerverdammung Hillary Clintons.
Daß Amerika als ein völlig verkommenes Land am Abgrund gesehen wurde und die Redner logen, daß sich die Balken bogen, versteht sich von selbst.

[….] Donald Trumps Festival der Lügen
Selten wurde auf einem US-Parteitag so viel gelogen wie jetzt beim Treffen der Republikaner. Das ist ganz im Sinne des frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten - Trumps gesamter Wahlkampf fußt auf Unwahrheiten.
Kerry Woolard ist wohl die erste Winzerin, die auf einem US-Wahlparteitag eine Ansprache zur besten Redezeit hält. Da steht sie, die Chefin der Trump Winery, in flammendem Republikaner-Rot. Vor ihr sprachen ein Gouverneur, nach ihr kommt eine Senatorin, alle reden von hoher Politik. Woolard redet von Wein.
Besser gesagt vom Weingeschäft: "Die Einnahmen sind eindrucksvoll", sagt sie. "Fast hundert Prozent Umsatzwachstum in fünf Jahren." Und das nur dank Donald Trump, der das Weingut 2011 gekauft und gerettet habe. Fazit: Trump sei "ein Visionär", der "das Leben der Menschen verbessern" werde.
Eine hübsche Geschichte. Sie hat nur einen Haken: Die Trump Winery ist weder "das größte Weingut an der Ostküste", wie Trump gerne prahlt - noch gehört sie ihm. Wie so oft leiht er nur seinen Namen. Die Kellerei selbst stellt auf ihrer Internetseite klar, sie habe "mit Donald J. Trump nichts zu tun".
[….] Ein Redner nach dem anderen tritt da ans Podium der Quicken Loans Arena, benannt nach einer unter Betrugsverdacht stehenden Hypothekenfirma, und beschwört eine bizarre Fantasiewelt, in der Amerika am Abgrund steht, Hillary Clinton eine Mörderin ist und Donald Trump ein ehrenwerter Geschäftsmann/Winzer. Und je schamloser die Lüge, desto lauter der Jubel der Delegierten.
[….] So ging es weiter. Unter Präsident Barack Obama seien Amerikas Städte viel unsicherer geworden (das Gegenteil ist der Fall), sei die Arbeitslosenquote gestiegen (das Gegenteil ist der Fall), seien die Löhne gesunken (das Gegenteil ist der Fall). [….][….]

Man ahnt gar nicht wie viele auf den ersten Blick harmlos wirkende Semi-Promis die krudesten Theorien verbreiten.
Der gebürtige Römer Antonio Sabàto junior, 44, in den 90ern als Unterwäschemodel und Seriendarsteller in Hollywood unterwegs, will nach siebeneinhalb Jahren unter muslimischer Präsidentschaft wieder einen christlichen US-Präsidenten.

“We had a Muslim president for seven and a half years. I don’t believe he is [a Christian] ... He’s with the bad guys,” Sabato told ABC News during an interview following his speech at the Republic National Convention podium. 
When pressed by ABC about whether his remarks and support for Trump will hurt his career in Hollywood, Sabato brushed it off.
“If Hollywood feels a certain way about me because I’m speaking about Trump, then so be it,” he said. “I don’t worry about it ... I’ll find a job.”

Relativ zum Schluß, noch eben vor der durchgeknallten Kimberlin Brown (eine rechtsradikale Soap-Darstellerin), holte man den ehemaligen GOP-frontrunner Ben Carson, also den König der Irren auf die Bühne.


Selbstverständlich sprach auch Carson kein einziges Wort über ökonomische Pläne oder überhaupt irgendwelche konkreten Programme Trumps.
Stattdessen überraschte er die Zuschauer außerhalb der Halle mit der Erkenntnis, Hillary Clinton stünde mit Saul Alinsky und Luzifer in Verbindung.
Für die GOP-Delegierten war das eine ganz übliche Erkenntnis.
Man applaudierte.
Carsen erklärte, so biete sich die einmalige Gelegenheit bei der Wahl zu entscheiden, ob man für Satan oder für Gott stünde.


Von der demokratischen Kandidatin wird in Cleveland mit einer Wut und einem Hass gesprochen, der selbst für das vergiftete politische Klima Amerikas außergewöhnlich ist. Als Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und ehemaliger Staatsanwalt, am Dienstagabend eine "Anklageschrift" gegen Clinton vortrug, brüllten ihm die Delegierten wieder und wieder das Urteil zu: "Schuldig!" Weißhaarige Damen keiften verzückt: "Sperrt sie ein, sperrt sie ein!" Ihn habe die Szenerie eher an einen Hexenprozess als an einen Parteitag erinnert, sagte später ein indignierter CNN-Kommentator.[…]

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