Sonntag, 11. September 2016

Natural stupid

Es kommt vor, daß stramm rechte konservative Christen ihre unverrückbaren Überzeugungen, für sie sich feiern ließen über den Haufen werfen, wenn sie auf einmal selbst negativ betroffen von ihnen sind.

Dick Cheney überdachte seine hart homophobe Politik, als seine Tochter sich als Lesbe outete und Nancy Reagan fand auf einmal Stammzellenforschung doch ganz prima, als ihr Mann unheilbar an Alzheimer erkrankte.
Bevor sie selbst betroffen waren, konnten sie offensichtlich kein Mitleid für LGBTIs aufwenden, die unter ihrer Politik litten oder an unheilbar Kranke denken, denen Stammzellenforschung die einzige Hoffnung war.

Oder nehmen wir den rabiaten Antisemitismus und Antiziganismus in Ungarn.
Mihály Zoltán Orozs, Jobbik-Bürgermeister in Érpatak, ließ im Sommer 2014 unter dem Jubel der Bewohner Puppen der israelischen Politiker Netanjahu und Peres öffentlich verbrennen.

[….] Der Jobbik-Vorsitzende Gabor Vona forderte bei der Kundgebung Juden dazu auf, sich für Verbrechen während der kommunistischen Herrschaft in Ungarn zu entschuldigen, da in dieser Zeit auch jüdische Politiker zur Führung gehört hätten. Laut dem Fernsehsender ATV sagte er zudem, Geld für die Entschädigung von Holocaust-Überlebenden hätte besser anders verwendet werden können. [….]

Als aber einer dieser Jobbik-Hetzer darauf aufmerksam gemacht wurde selbst jüdische Wurzeln zu haben, fand er auf einmal den Antisemitismus ganz schlecht, konvertierte zum Judentum und trat aus der Jobbik-Partei aus.

Csanad Szegedi war ein aufstrebender Kader in Ungarns rechtsextremer Jobbik-Partei. Mit antisemitischen Parolen zog seine Partei ins Parlament ein - bis Szegedi damit konfrontiert wurde, dass er selbst jüdischer Herkunft ist. [….]
Seine Großeltern mütterlicherseits, so erfährt er an diesem Tag, waren Juden, seine Großmutter ist eine Auschwitz-Überlebende. Für den strammen Antisemiten Szegedi ein Schock, den er tagelang verarbeiten musste, wie er der ungarischen Zeitung "Barikad" später erzählte.

Konservative, Rechte und Religiöse sind generell weniger tolerant, weniger mitfühlend und weniger großzügig als Liberale oder Atheisten.
Sie brauchen einen kleinen Schubs.
Wenn sie wie Reagan, Cheney oder Szegedi selbst zu einer zuvor von ihnen ausgegrenzten Minderheit gehören, können sie umdenken.
Ihnen werden dadurch möglicherweise auch die Augen für die spezifischen Befindlichkeiten anderer Minderheiten geöffnet.

Wer qua Geburt zu einer Minderheit gehört, weil er eine andere Hautfarbe als die meisten andere hat, weil er schwul, behindert oder anderen Glaubens ist, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit für Diskriminierung sensibilisiert.
Daher ist es ganz natürlich, daß die US-Demokraten auf die sogenannte „Obama-coalition“ setzen; also alle Amerikaner, die irgendwie „divers“ sind, während die Republikaner (des Jahres 2016) eine nahezu rein weiße Partei sind, in der die Männer bestimmen.

Die Situation ist mit Deutschland nicht zu vergleichen, weil es hier ein viel größeres Parteienspektrum gibt, aber tendenziell findet man auch zwischen Flensburg und Bodensee dunkelhäutige Deutsche, LGBTIs oder türkischstämmige Menschen eher bei SPD, Grünen und Linken als CDU oder CSU.
Warum sollte sich auch ein Schwuler ausgerechnet in einer Partei engagieren, die sich vehement gegen seine Rechte stemmt?
Schwule in der CDU kennt man beispielsweise aus dem Landesverband Hamburg. Zu Zeiten des schwulen Ole von Beust galt die Elb-CDU entsprechend auch als sehr liberal. Der ebenfalls schwule CDU-Spitzenkandidat von 2015, Dietrich Wersich, hatte es schon schwerer, weil seine Partei nach dem Abgang von Beusts klar nach rechts gerückt war.
Für CDU-Verhältnisse ist Wersich ganz erträglich.
Das verführt zu der Deutung, daß er aufgrund seines Schwulseins netter als andere CDUler ist.
So zu argumentieren hat aber mit Vorsicht zu geschehen.
Nur weil man schwul ist, muß man nicht nett sein.
Es gibt sehr schlimme Schwule unter den RKK-Geistlichen.
Und was einst Ernst Röhm und Michael Kühnen bei den Nazis waren, sind heute Mirko Welsch und David Berger am rechten Flügel der AfD.

Man mache also nicht den Fehler Jens Spahn, den ultra-ehrgeizigen Finanzstaatssekretär für liberal und anständig zu halten, weil er zufällig jung und schwul ist.
CDU-Hoffnung Spahn ist tatsächlich mit seiner rabiat-xenophoben Rhetorik eher zwischen Petry und Söder zu verorten.

[….] Die Briten besitzen einen feinen Sinn für Ironie. „Der Mann, der Merkel ersetzen könnte“, so überschrieb die britische Zeitung Guardian jetzt ein Porträt über Jens Spahn. Besser hätte man die hochtrabenden Ambitionen des CDU-Politikers, dem der Ehrgeiz aus allen Poren trieft, kaum karikieren können.
Der 36-jährige Staatssekretär im Finanzministerium strebt unverkennbar nach Höherem. Kaum ein Tag vergeht, an dem Spahn nicht mit einer neuen plakativen Forderung auf sich aufmerksam macht. Mal will er das Rentenalter anheben, mal tritt er für Steuersenkungen ein, mal für ein „Familienwahlrecht“, mit dem Eltern für ihre minderjährigen Kinder mitwählen dürften. Und kaum eine Woche vergeht, in der er nicht in irgendeiner Talkshow sitzt oder sich per Gastbeitrag in einer Zeitung persönlich zu Wort meldet. Es wirkt, als würde er seine politischen Vorstöße im Minutentakt planen und formulieren.
[….] Themen wie nationale Identität und die Sorge vor dem politischen Islam trieben viele Menschen um, sagte er mal dem Spiegel. Spahns Antwort darauf lautet, der AfD auf diesem Feld entgegenzukommen. Für einen Dialog mit Pegida zeigte er sich offen, die Antifa setzte er dagegen auf Twitter einmal forsch mit der NPD gleich.
Vor allem aber profiliert er sich wie kein anderer CDU-Politiker auf dem Rücken der muslimischen Minderheit. Wie seine Parteifreundin Julia Klöckner macht er sich schon lange für ein symbolträchtiges Burka-Verbot stark. Gezielt greift er Ängste und Ressentiments auf, die nicht nur in seiner konservativen Heimat kursieren – sein Wahlkreis ist das tiefkatholische Münsterland –, sondern auch in urbanen, vermeintlich „progressiven“ Milieus. [….]

So ist das mit den Schwulen; die Mehrheit von ihnen mag liberaler als der Bevölkerungsdurchschnitt sein, auch aufgrund eigener Diskriminierungserfahrungen überdurchschnittlich gebildet und erfolgreich sein, aber selbstverständlich gilt das nicht für jeden.

Gestern bekam ich über einen Atheisten-Blog das Video des schwulen Vloggers Aaron Rhodes verlinkt. Der junge Mann aus Ohio spricht eindringlich darüber wie wichtig ihm seine tiefe Verbundenheit zur Kirche ist und wie man als Schwuler sein Leben Gott verschreiben kann, wie man ihm dient.


Ein wirklich hübscher, lieber Junge, aber leider total auf den Kopf gefallen. So dämlich und naiv über Religion zu reden ist schon erstaunlich.
Der Typ könnte in Deutschland eine große Nummer bei der Schizophrenie-Organisation HUK werden.

Um nicht immer nur von Schwulen zu sprechen, noch ein Blick auf die Schwarzen in den USA.
Trumps Zustimmungsrate unter Afro-Amerikaner soll irgendwo um die 1% liegen. Deutlich über 90% werden für Hillary Clinton stimmen.
Trumps jüngste Peinlichkeit, als er vor einem rein weißen Publikum eine an die Schwarzen gerichtete Rede hielt, machte es noch schlimmer.
Pauschal hatte er sie alle als Loser, die eh nichts mehr zu verlieren hätten angesprochen. Da kommt keine Freude auf.

[….] "The Democrats have failed completely in the inner cities. For those hurting the most who have been failed and failed by their politician — year after year, failure after failure, worse numbers after worse numbers. Poverty. Rejection. Horrible education. No housing, no homes, no ownership. Crime at levels that nobody has seen. You can go to war zones in countries that we are fighting and it's safer than living in some of our inner cities that are run by the Democrats. And I ask you this, I ask you this — crime, all of the problems — to the African Americans, who I employ so many, so many people, to the Hispanics, tremendous people: What the hell do you have to lose? Give me a chance. I'll straighten it out. I'll straighten it out. What do you have to lose?" [….]

Mit etwas Empathie würde man verstehen, daß niemand gerne von oben herab behandelt wird und sich erklären läßt, daß man im totalen Elend lebt.
Die meisten Schwarzen haben mehr Empathie für solche Feinheiten, weil sie selbst Erfahrungen mit negativen Vorurteilen gegen sie gemacht haben.
Daher hat Trump auch keine schwarzen Unterstützer.

Fast keine.
Natürlich gibt es auch unter Schwarzen völlig enthirnte Typen, die wie die ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Herman Cain oder Ben Carson für Trump werben.
Beide dringen aber auch mit ihrer radikalen Bildungslosigkeit und Religiosität in ganz neue Sphären der Doofheit vor.

Ein dritter schwarzer Trump-Supporter ist Paris Dennard, Jahrgang 1982.

Paris Dennard is a GOP political commentator [….] Paris worked in The White House at the pleasure of President George W. Bush from 2005-2009.  [….] Paris served as the Associate Director for Coalitions at the Republican National Committee from 2009-2011 where he traveled across the country working with grassroots leaders and state parties, training, branding mobilizing leaders for various campaigns.  [….]

Klar, die allermeisten Schwarzen mögen Trump nicht.
Aber diejenigen, die ihn toll finden, sind dafür auch richtige Schwachköpfe.
Daß es Umfragen gibt, nach denen sogar bis zu acht Prozent der Schwarzen für einen Rassisten stimmen wollen, bejubelt der Birther Dennard als Durchbruch Trumps. Er sei jetzt beliebter bei Ihnen als Obama.

[…. ] Speaking with host Anderson Cooper, Trump advocate Paris Dennard said he saw a groundswell for Trump reaching the heights of 8 percent with African-Americans in one poll.
“There are a lot of cracks with the Democrats and especially millennial African-Americans,” Dennard remarked. “They don’t trust Secretary Clinton, and so when you see the CNN poll showing that Mr. Trump is leading across the board as it relates to enthusiasm, when it relates to honesty and trustworthiness –” he continued before he was cut off by Cooper who gave Jones a chance to respond.
“Listen, all this stuff sounds good when you say it, Paris,” Jones began. “But the reality is that Hillary Clinton has done an extraordinary job, African-American support for her equals and sometime surpasses Obama himself, which we thought was impossible.” [….]


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