Sonntag, 4. Dezember 2016

Tief gesunken.

Nachdem Hillary Clinton die US-Präsidentschaftswahlen vom 08.November 2016 deutlich mit über 2,6 Millionen Stimmen Vorsprung gewann, sitzt der Frust natürlich tief, wenn man dem president elect dabei zusehen muß, wie er ein Kabinett aus Milliardären und Rechtsextremisten zusammenstellt.

Clintons Vorsprung ist in den vergangenen drei Wochen von wenigen hunderttausend auf 2,6 Millionen Stimmen angewachsen. Laut dem Wahlexperten David Wasserman, der die verfügbaren Teilresultate ausgewertet hat, kommt die Demokratin auf 65,3 Millionen Stimmen gegenüber 62,7 Millionen für Trump (Stand 4.12.).
Es wird erwartet, dass dieser Vorsprung weiter anwachsen wird, da besonders im demokratisch dominierten Staat Kalifornien Hunderttausende von Stimmen noch nicht ausgezählt sind. [….]

Kann man nicht irgendwas gegen diese Ungerechtigkeit unternehmen?


Immerhin eine tut was. Die Grüne Kandidatin Jill Stein.
Sie veranlasste eine Stimmennachzählung in zwei knapp von Trump gewonnenen Staaten (MI, WI); für PA reichte ihr Geld doch nicht aus.
Man ist ihr aber dankbar, weil überhaupt jemand etwas unternimmt, um Trump vielleicht doch noch zu stoppen – denkt man mit heißem Herzen.

In Wahrheit werden die Nachzählungen natürlich nichts bringen. Nachzählungen ergeben in der Regel Veränderungen von maximal wenig hundert Stimmen.
Trumps Vorsprung ist in diesen Staaten viel zu groß (PA 47.000 Stimmen, MI 11.000 Stimmen, WI 22.000 Stimmen).

Abgesehen davon ist es Jill Stein, der wir überhaupt verdanken, daß Trump ins Weiße Haus einzieht. Hätte sie ihre Kandidatur zurückgezogen, wäre Clinton die nächste US-Präsidentin.



In Deutschland sind viele liberal tickende Menschen, insbesondere Grüne froh über die Kanzlerschaft Angela Merkels. Giovanni di Lorenzo, Kathrin Göring-Kirchentag und Winfried Kretschmann sind echte Merkel-Fans. Nur Merkel stemmt sich gegen die rechtsradikalen, xenophoben Obergrenzen-Töne aus der CSU.
Ja, da könne man angesichts der Stimmung in Ostdeutschland, dem Brexit und der Trumpwahl schon froh sein.

In Wahrheit wird aber darüber vergessen wie Merkel mit immer neuen Waffenexportrekorden die Konflikte im Nahen Osten noch anheizt, wie sie die Fluchtursachen verschärft, wie sie abschieben lässt, wie sie den Familiennachzug abschaffte.


Abgesehen davon ist es die bizarre Unversöhnlichkeit mit den Linken, die überhaupt erst möglich macht, daß CSU-Minister wie Dobrindt in der deutschen Regierung sitzen. Falls es jemand vergessen hat: Wir haben gegenwärtig eine rot-rot-grüne Stimmenmehrheit im Bundestag.

Die gute Nachricht aus Frankreich lautet, daß mit dem Republikaner François Fillon nun ein Kandidat zur Verfügung steht, der aus heutiger Perspektive gute Chancen hat die rechtsradikale Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 zu besiegen. Da ist man auch erleichtert.

In Wahrheit wird aber darüber vergessen wie ultrakonservativ François Fillon selbst ist. Würde er gewählt wäre dies auch schlecht für Europa. Sein Denken gegenüber Einwanderern oder Schwulen unterscheidet sich nicht besonders von dem Le Pens.

Abgesehen davon muß man sich aber den ganzen Tag mit dem Holzhammer auf den Hinterkopf klopfen bei der Vorstellung, daß Frankreich gegenwärtig mit François Hollande von einem Sozialisten und Europa-Freund regiert wird, der im besten Präsidentenalter ist und eigentlich mit seinem Amtsbonus solche Flitzpiepen wie Le Pen und Fillon locker bei der nächsten Wahl schlagen sollte.
Unglücklicherweise ist Hollande aber mit so sagenhafter Unfähigkeit geschlagen, daß er nicht nur seine eigenen Wahlchancen ruinierte, sondern gleich die gesamte sozialistische Partei in den Abgrund riss.

Selbstverständlich bin ich ehrlich erleichtert und froh über das Ergebnis der heutigen Präsidentschaftswahl in Österreich. Da sage ich ganz ohne Ironie, Darwin sei Dank hat Alexander von der Bellen im vierten Anlauf den rechtsradikalen Widerling Hofer so deutlich geschlagen, daß man diesmal wohl sicher sein kann.

In Wahrheit wird aber darüber vergessen welch ungeheuerlich hoher Prozentsatz der Österreicher für einen verkappten Nazi und ultimativen Hallodri stimmte.
47% für einen FPÖ-Mann bei Präsidentschaftswahlen? Geht es noch?

[….] Aber selbst diesen Rückschlag bei der Stichwahl wird die FPÖ propagandistisch für sich zu nutzen wissen: Schließlich stimmten mehr als 45 Prozent für Hofer. Das ist ein enorm hoher Wert, der Parteichef Heinz-Christian Strache Mut für sein eigentliches Ziel machen dürfte. Strache will nächster Kanzler Österreichs werden, in Umfragen liegt seine Partei schon seit Monaten klar vor Sozialdemokraten und Konservativen. [….]

Abgesehen davon kann man nur den Kopf schütteln angesichts des Niederganges der SPÖ, die in Österreich so eine lange und stolze Regierungstradition hat.
Die Sozialdemokraten brachten noch nicht mal einen eigenen Kandidaten in die Stichwahl.

Nach den Punkten USA, Merkel, Fillon und van der Bellen sollte an dieser Stelle eigentlich ein fünfter Absatz zur niedrigschwelligen Freude über Renzis mutigen pro-europäischen Kurs folgen.

Aber Italien bietet scheinbar heute gar keinen Grund zur Freude.

Ich erkläre hiermit meinen Austritt aus der menschlichen Rasse.
Ich will nicht mehr zu diesen destruktiven Idioten gehören.


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