Montag, 13. Februar 2017

Trumpologiefolgenabschätzung – Teil III

In dem Punkt waren sie sich einig; alle, wirklich alle Republikaner, inklusive Donald Trump versprachen im Wahlkampf die böse, böse Obamacare-Krankenversicherung sofort abzuschaffen.
Der inzwischen gewählte Präsident fügte noch hinzu, er werde Obamacare durch etwas viel, viel Besseres ersetzen.

Die Träume der knapp 63 Millionen Amerikaner, die republikanisch wählten, wurden wahr.
Die GOP stellt nicht nur den Präsidenten, sondern verfügt auch in beiden Kammern des Kongresses über eine absolute Mehrheit.
Endlich ist es soweit, der verhasste im Jahr 2010 eingeführte Patient Protection and Affordable Care Act (PPACA), wird abgeschafft.
Nun, nach der Wahl, fällt es den republikanischen Wählern allerdings erstens wie Schuppen aus den Haaren, daß sie dann ja gar nicht mehr krankenversichert sind und daß zweitens die GOP-Politiker in den vergangenen sechs Jahren nicht eine Minute darüber nachgedacht hatten, was stattdessen kommen soll.

Wer einmal eine Krankenversicherung hatte, findet es nicht so lustig, diese jetzt ersatzlos gestrichen zu bekommen.
OK, es war nicht besonders klug diejenigen zu wählen, die ankündigten die Krankenversicherung zu streichen, aber auch wenn die GOP-Wähler intellektuell etwas minimiert sind, so können sie doch laut und unangenehm werden.
Überall in den Staaten werden nun republikanische Kongressabgeordnete bei Townhallmeetings von ihrer eigenen Basis gegrillt:

„DO YOUR JOB!“ skandiert die rechte Menge in

Utah

Tennessee

Florida

Tja, schade, wenn man doof ist.
Hätten sie mal lieber gleich Hillary Clinton gewählt.

Ähnlich ergeht es konservativen Farmern in Kalifornien, die sich für Trumps Mauer begeisterten und sich darauf freuten die Latinos loszuwerden.
Tatsächlich kündigte Trump in einer seiner ersten Executive Orders an, diese Mauer zu bauen.
Nun nach der Wahl fällt den GOP-Bauern wie Schuppen aus den Haaren, daß sie in dem Fall ja gar keine billigen Erntekräfte mehr auf ihren Feldern einsetzen können.

[….]  Jeff Marchini and others in the Central Valley here bet their farms on the election of Donald J. Trump. His message of reducing regulations and taxes appealed to this Republican stronghold, one of Mr. Trump’s strongest bases of support in the state.
As for his promises about cracking down on illegal immigrants, many assumed Mr. Trump’s pledges were mostly just talk. But two weeks into his administration, Mr. Trump has signed executive orders that have upended the country’s immigration laws. Now farmers here are deeply alarmed about what the new policies could mean for their workers, most of whom are unauthorized, and the businesses that depend on them.
“Everything’s coming so quickly,” Mr. Marchini said. “We’re not loading people into buses or deporting them, that’s not happening yet.” As he looked out over a crew of workers bent over as they rifled through muddy leaves to find purple heads of radicchio, he said that as a businessman, Mr. Trump would know that farmers had invested millions of dollars into produce that is growing right now, and that not being able to pick and sell those crops would represent huge losses for the state economy. “I’m confident that he can grasp the magnitude and the anxiety of what’s happening now.”
Mr. Trump’s immigration policies could transform California’s Central Valley, a stretch of lowlands that extends from Redding to Bakersfield. Approximately 70 percent of all farmworkers here are living in the United States illegally, according to researchers at University of California, Davis. The impact could reverberate throughout the valley’s precarious economy, where agriculture is by far the largest industry. With 6.5 million people living in the valley, the fields in this state bring in $35 billion a year and provide more of the nation’s food than any other state. [….]

Tja, schade, wenn man doof ist.
Hätten sie mal lieber gleich Hillary Clinton gewählt.

Besonders populär war im Wahlkampf Trumps Ankündigung die Freihandelsabkommen zu zerstören und auf protektionistische Wirtschaftspolitik zu setzen. Nur so gelang es ihm überhaupt Präsident zu werden, denn das brachte die entscheidenden Stimmen in den nordöstlichen Blue-Collar-Bundesstaaten.

Auch das wird grandios nach hinten losgehen, wie das Entsetzen der Tech-Größen über Trumps Wirtschaftspolitik zeigt.

(….) Man braucht wirklich nicht VWL studiert zu haben, um zu erkennen, daß ein 20%-Strafzoll für den US-Konsumenten Produkte im Wert von über 300 Milliarden Dollar drastisch teurer machen würde.
Zudem dürfte Mexico mit ähnlichen Strafzöllen reagieren, so der Export von US-Waren im Wert von mehr als 280 Milliarden Dollar drastisch erschwert würde.
Die US-Handelskammer spricht daher von fünf Millionen US-Arbeitsplätzen, die in Gefahr wären.
Protektionismus und möglicherweise Handelskriege sind keine Frage der ökonomischen Ideologie. Linke und Rechte, Keynsianer und Neoliberale lehnen Strafzölle daher gleichermaßen ab und wollen den internationalen Handel erleichtern.
Die gegenteilige Politik, die Trump anstrebt, speist sich nur aus destruktiv-nationalistischem Abtrieb und purer Dummheit. Trump versteht einfach nichts von Volkswirtschaft.

Der Immobilien-Tycoon Trump macht bei jeder Gelegenheit deutlich, dass er die USA künftig wie ein Unternehmen führen will. Die Handelsbilanz des Staates setzt er mit der Bilanz eines Unternehmens gleich. Ist sie negativ, macht der Staat Miese, ist sie positiv, schreibt er Gewinne. "Wir verlieren eine ungeheuerliche Summe an Geld. Statistiken belegen, es sind 800 Milliarden Dollar in einem Jahr im Handel", sagte er einmal während des Wahlkampfes der "New York Times".
Für Dougas Irwin, Handelsexperte und ehemaliges Mitglied der Reagan-Administration, hinkt Trumps Vergleich jedoch. "Während ein Unternehmen nicht unendlich Geld verlieren kann, kann ein Land unendlich lange ein Handelsdefizit aufweisen, ohne Abstriche an seiner guten Verfassung zu machen", zitiert CNN Money aus einem Beitrag für das Magazin "Foreign Affairs". Als Beispiel führt Irwin Australien an. Der Kontinent hat zwar seit Jahrzehnten ein Handelsdefizit, weist aber seit 25 Jahren keine ökonomische Rezession. Umgekehrt weist Japan häufig einen Handelsbilanzüberschuss auf, aber die Wirtschaft stagniert seit Jahrzehnten. 
[….]  Langfristig würde das Wirtschaftswachstum der USA sinken. Die US-Exporteure werden durch die Handelsbarrieren der USA weniger verdienen, die Investitionen zurückgehen und die Verbraucherpreise steigen, prognostizieren die Experten. Ihren Anteil daran dürften dann auch die höheren Produktionskosten in den USA haben, weil Waren nicht mehr im Niedriglohnland Mexiko hergestellt werden. [….] 

Der nächste Schritt ist ebenfalls vorhersehbar.
China guckt sich derzeit ganz genau an, wie sich der US-Präsident gegenüber Mexico verhält. Schließlich hatte Trump im Wahlkampf die Volksrepublik noch viel schärfer angegriffen.
Sollte das Weiße Haus ähnliche Schritte gegenüber Peking einleiten, stünden ganz andere Dimensionen zur Disposition. (….)

Tja, schade, wenn man doof ist.
Hätten sie mal lieber gleich Hillary Clinton gewählt.

Höhere Preise für die Konsumenten und weitere Produktionsdrosselungen in den USA werden den Trump-Wählern kaum schmecken.
Noch dramatischer könnten aber die Folgen auf dem Kapitalmarkt werden.
Sollte der US-Präsident vom irren Bannon angetrieben weiterhin die globalen Wirtschaftsbeziehungen talibanisieren, könnten sich die ganz großen Finanziers der USA überlegen ihr Geld lieber woanders anzulegen.
Dann ginge es rapide bergab mit der US-Wirtschaft.

 [….] Der Präsident, der angetreten ist, Amerika wieder great zu machen, läuft Gefahr, das bislang unerschütterliche Vertrauen zu verspielen, das die USA bei internationalen Investoren genießen. Die Trump-Regierung ist genau auf deren Wohlwollen angewiesen. Das außenwirtschaftliche Defizit der USA dürfte durch den angekündigten Kurs deutlich in die Höhe schnellen. Steigende Ausgaben bei gleichzeitigen Steuersenkungen werden genau das zur Folge haben: Amerika muss sich beim Rest der Welt Geld leihen, in großem Stil.
Bislang war das nie ein Problem. US-Staatsanleihen galten als eine der sichersten Anlageformen der Welt, der Dollar war die wichtigste Anlagewährung. Bisher genossen die USA deshalb ein unschätzbares Privileg: Sie konnten sich zu niedrigen Zinsen in eigener Währung verschulden und sich dauerhaft hohe laufende Defizite leisten - mehr als eine halbe Billion Dollar 2017 und potenziell rapide steigend.
 [….]  Im Wahlkampf ließ Trump bereits durchblicken, man müsse Schulden ja nicht unbedingt vollständig zurückzahlen. Ein "Haircut" auf US-Bundesanleihen ("Treasuries"), also ein teilweiser Zahlungsausfall - dergleichen gab es noch nie. Aber der neue Präsident erweckt ja auch in der Handels-, Klima- oder Außenpolitik nicht den Eindruck, sich an bestehende Verträge gebunden zu fühlen. Er könnte er auch vor einer Diskriminierung ausländischer Kreditgeber nicht zurückschrecken.
    42 Prozent der US-Staatsanleihen gehören ausländischen Gläubigern; sie liegen insbesondere bei Notenbanken und Staatsfonds in Japan, China und den Opec-Staaten. Sollten die ein erhöhtes Ausfallrisiko befürchten, wäre die "rationale Antwort, dieses Risiko zu begrenzen", so Junius. Sie würden also weniger neue US-Schulden kaufen - und wenn, dann zu deutlich höheren Zinsen. [….]

Tja, schade, wenn man doof ist.
Hätten sie mal lieber gleich Hillary Clinton gewählt.


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