Donnerstag, 6. April 2017

Blame Game.

Das hat mich vielleicht immer genervt in 2009, 2010, als die Republikaner anfingen ostentativ für alles Obama die Schuld zu geben.
Dabei waren der ökonomische Absturz, der rasante Abbau von Arbeitsplätzen und die weltweite Finanzkrise nun wirklich eindeutig die Schuld der Republikanischen George W. Bush-Administration.
Im Laufe der Jahre wurde es zum runnig gag Barack Obama für wirklich alles die Schuld zu geben.



Abgesehen von der ökonomischen und finanziellen Katastrophe erbte Obama insbesondere auch noch ein  außenpolitisches Desaster mit zwei nicht beendeten Kriegen, die alles nur schlimmer gemacht hatten.
Nun gab es ein massives Terrorproblem, weltweiten Hass auf Amerika und militärische Verstrickungen, die man weder beenden noch weiterführen konnte.

Der arme Obama.
Bevor man aber vor Mitleid Tränen ergoss, mußte man sich vergegenwärtigen, daß ihn niemand gezwungen hatte US-Präsident zu werden. Im Gegenteil; er wollte das selbst unbedingt.
Warum bloß? Die Frage stellte ich mir auch im letzten Wahlkampf. Klar, Trump wollte Präsident werden, weil er keine Ahnung von den echten Problemen hatte, gar nicht wußte was ein Präsident tut und der mächtigste Job der Erde perfekt zu seiner debil-größenwahnsinnigen Persönlichkeit passte.

Aber Hillary Clinton? Warum tat sie sich eine erneute Kandidatur an? Sie weiß doch was das für ein Horrorjob ist, weiß wie sehr sie dafür gehasst wurde und zudem kann sie ohne den Job mit sehr viel weniger Stress erheblich mehr Geld verdienen.

Das katastrophale Erbe GWBs war am 21. Januar 2009 eben kein lästiges Rudiment mehr, das Obama ablehnen konnte, sondern es war ab sofort sein Problem.
Für alles was schief gegangen war, was schief ging und was noch schief gehen würde, war nun letztendlich er verantwortlich.

Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Das steht so in der Jobbeschreibung.

Angela Merkel gehörte von 1990 bis 1998 einer Bundesregierung an, die durch katastrophal falsche Sozial-, Steuer- und Wirtschaftspolitik Deutschland zum „kranken Mann Europas“ gemacht hatte. Sie hatte einen nie dagewesenen Reformstau mit fünf Millionen Arbeitslosen und einer völlig verkrusteten Gesetzgebung mitangerichtet.
Die folgenden sieben Jahre betrachtete Merkel bequem von außen wie sich Rotgrün abplagte. Dabei erwarb sie sich den Spitznamen „Mrs Njet“, weil sie konsequent jede konstruktive Mitarbeit verweigerte und im Bundesrat auf Totalopposition schaltete.
Merkel ließ ihre CDU grundsätzlich alles ablehnen – von Steuersenkungen über den Atomausstieg bis zum Staatsbürgerschaftsrecht.
Auch dadurch wurden die Reformbemühungen Gerd Schröders so schwierig, daß er 2005 sogar sein Amt verlor.
Merkel rückte von der Oppositionsbank wieder zurück auf die Regierungsbank; diesmal sogar auf den Chefsessel.
Die größten Baustellen ließ sie weiterhin von den bewährten SPD-Ministern Steinmeier und Steinbrück bearbeiten, die Deutschland dann besser als jedes andere Europäische Land durch die von Merkels Freund GWB angerichtete Weltfinanzkrise manövrierten.
Als Segen stellte sich ferner heraus, daß Merkel im Jahr 2003 noch in der Opposition saß. Sie wollte unbedingt Deutschland am Irak-Einmarsch beteiligen.
Auch die Suppe mußte sie dank der SPD nie auslöffeln.

Als die Agenda-Politik wirkte, die wirtschaftlichen Zahlen immer besser wurden, die Arbeitslosigkeit radikal sank, verabschiedeten sich die lahmen Sozis in die Opposition und Merkel bekam ihren Wunschpartner in die Regierung.

Natürlich debakulierten FDP und CDU auf so groteske Weise, daß es die FDP am Ende ganz zerriss.

Nun sitzen wieder Sozis an den wichtigsten Schaltstellen der Bundesregierung.
Es ist verdammt ungerecht. Merkel richtete das Chaos mit an, half nicht bei der Beseitigung, warf Rotgrün aber fleißig Knüppel zwischen die Beine und am Ende kassierte sie allein die Lorbeeren.

Das ist Politik.
Wer sich um ein Amt bewirbt, kann nicht erwarten von der Geschichte und den Wählern fair behandelt zu werden. Er kann, wie GBW im Jahr 2001 oder Merkel 2005 gemütlich in ein gemachtes Nest fallen, welches die Vorgängerregierung in gutem Zustand hinterlassen hat.
Man kann aber auch wie Obama 2009 oder Schröder 1998 einen maroden Dreckshaufen als Ausgangslage bekommen.

In diesem Fall jammert man nicht und verflucht die Ungerechtigkeit der Welt, sondern beginnt mit der Arbeit.

Donald Trump, soviel ist inzwischen ganz sicher, dürfte der unwissendste und unvorbereitetste Präsident aller Zeiten sein.

Und dieses Syrien?
Einfach ein paar Bomben drauf und alles löst sich in Wohlgefallen auf?
Wieso soll das nicht funktionieren?

Und nun wird auch noch Giftgas eingesetzt?
Nur weil Trumps Emissäre Tillerson und Haley quasi grünes Licht gaben und der Welt erklärten Assad sei allein ein Problem der Syrischen Bürger, bei dem sich die USA nicht einmischten?
Gemein, denn Giftgas gibt auch in der USA schlechte Presse.

Klar, daß Trump auch dafür einen Schuldigen gefunden hat: Obama natürlich.

[…..] Donald Trump has called a suspected chemical attack in Syria the result of the "weakness" of the Obama administration.
The White House blamed the strike on Idlib province - which killed dozens and injured hundreds - directly on the government of President Bashar al-Assad.
[Trump] also made clear that his administration believed the attack occurred thanks to the actions of the President's predecessor, Barack Obama.
[…..] “These heinous actions by the Bashar al-Assad regime are a consequence of the past administration's weakness and irresolution,” Mr Trump said. […..]

Wenn ein pathologischer Lügner wie Trump behauptet, daß Obama damals seine „rote Linie“ nicht verteidigt hätte, bleibt es richtig.
Tatsächlich ließ Obama Assad gewähren, obwohl er erst etwas anderes angedroht hatte.
Ein Wunder, Trump behauptet hier etwas, das nicht völlig falsch ist.

Immerhin, beim Thema maximale Heuchelei bleibt sich Trump treu.

Wer aber war 2013 noch mal der Typ, der am schärfsten gegen Obama schoss, als dieser drohte entsprechend seiner Red-Line-Drohung in Syrien einzugreifen?

Ach ja, Donald Trump; hier sind ein paar Tweets:

Donald J. Trump  @realDonaldTrump
mr trump would attack Syria or no?" No, lets make our country great again as they fight their war!  3:45 AM - 4 Sep 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump

Obama wants to unilaterally put a no-fly zone in Syria to protect Al Qaeda Islamists http://thebea.st/143tmfM  Syria is NOT our problem. 8:58 PM - 29 May 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
We should stay the hell out of Syria, the "rebels" are just as bad as the current regime. WHAT WILL WE GET FOR OUR LIVES AND $ BILLIONS?ZERO 2:33 AM - 16 Jun 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
What will we get for bombing Syria besides more debt and a possible long term conflict? Obama needs Congressional approval. 8:14 PM - 29 Aug 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
If Obama attacks Syria and innocent civilians are hurt and killed, he and the U.S. will look very bad!   9:26 PM - 30 Aug 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
How bad has our "leader" made us look on Syria. Stay out of Syria, we don't have the leadership to win wars or even strategize. 11:28 PM - 30 Aug 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
If the U.S. attacks Syria and hits the wrong targets, killing civilians, there will be worldwide hell to pay. Stay away and fix broken U.S. 3:55 AM - 3 Sep 2013

Donald J. Trump  @realDonaldTrump
President Obama, do not attack Syria. There is no upside and tremendous downside. Save your "powder" for another (and more important) day! 3:21 PM - 7 Sep 2013

Donald J. Trump  @realDonaldTrump
The only reason President Obama wants to attack Syria is to save face over his very dumb RED LINE statement. Do NOT attack Syria,fix U.S.A. 1:13 PM - 5 Sep 2013

So ging es noch lange weiter. Trump forderte laut und pöbelnd keineswegs aufgrund der Red-Line-Aussage in Syrien einzugreifen.

Nun, selbst im Amt, bepöbelt er Obama dafür sich an diesen Trumpschen Rat gehalten zu haben.

“President Obama said in 2012 that he would establish a 'red line' against the use of chemical weapons and then did nothing.”

In Wahrheit hörte Obama natürlich damals nicht auf einen windigen Geschäftsmann mit absurder Frisur und Pussy-Affinität, sondern wurde vom republikanischen Kongress ausgebremst.

[…..] It will come as no surprise at this point that the Trump White House's position was hypocritical. First, Obama's red line at the time was a threat of US military action against Syria should it continue to use chemical weapons. When Obama asked the GOP-led Congress to authorize the potential use of force against Syria, the Republicans, not wanting to take a firm stance, declined to hold a vote. Still, Obama's move prompted Assad to agree to a Russian-brokered deal to give up his chemical weapons. To a degree, Obama's threat worked.
Whether or not Obama's policy in 2013 was successful, this much is clear: at that point, Trump had an unambiguous position regarding Syria— do nothing. Throughout this episode, Trump tweeted up a storm about Syria. Repeatedly, he declared—occasionally in all-caps!—that Obama should not be messing around in Syria. He said there was no reason to attack Syria or take any action there. Let the Arab League deal with the problem. He was asserting that Obama should not respond to the chemical attacks—a policy certainly in sync with Assad (and his Russian patrons). Stay out of this, Trump demanded, and focus on domestic issues. [….]

Spicer und Trump haben allerdings immer noch nicht verstanden, daß dieses blame-game irrelevant ist.
Was auch immer Obama weswegen auch immer angerichtet haben mag; jetzt ist es Trumps Problem. Das gehört zum Job als Präsident.
Nun muß er Lösungen finden und nicht Schuldige der Vergangenheit benennen.