Mittwoch, 5. Juli 2017

Schwarzer Tag für die Konfessionslosen in Europa.

Das war tatsächlich so um Ostern rum. Ich besuchte eine Nachbarin und da ich ob der höchsten christlichen Feiertage besonders viele atheistische und antireligiöse Buttons am Revers trug, fragte mich die 88-Jährige Dame, wieso ich es eigentlich nötig hätte gegen gute Christen Stellung zu beziehen. Die täten doch nur Gutes und ließen mich auch in Ruhe.
Es entwickelte sich der Standard-Dialog, den ich so ähnlich schon oft führte.

„Du kannst gern weiter Christin bleiben, ich würde mich sogar dafür stark machen, daß Du Dein Christentum frei ausleben kannst, weil ich für Religionsfreiheit bin!“
-      Und wieso interessiert dich das denn so?
-      „weil ich von euch Christen in Ruhe gelassen werden möchte, ich will euch nicht finanzieren und außerdem gehören die staatlichen Privilegien abgeschafft. Das verlangt schon die Weimarer Reichsverfassung seit 100 Jahren!“
-      So ein Unsinn; ich bin bald neun Jahrzehnte Christin in Deutschland. Wir haben doch keine Privilegien!
-      „Na klar habt ihr die! Ich bezahle eure Bischofsgehälter mit und darf zB am Karfreitag nicht tanzen, obwohl ich ungläubig bin!“
-      Hm, also das habe ich ja noch nie gehört, aber sonst treffe ich ja auch keine Ungläubigen.

Darum kreißt es halt immer wieder. Da lebt man Tür an Tür und spricht nicht über diese Dinge. Politiker und Kirchenvertreter sprechen natürlich von sich aus nie über Kirchenprivilegien und so glauben selbst viele Atheisten, daß alles ganz OK ist, weil die Kirche ihre vielen sozialen Wohltaten mit der Kirchensteuer bezahle.

Engagierte Atheisten wissen natürlich, daß das nicht stimmt, daß die 1,5 Mio Angestellten von Caritas und Diakonie einem diskriminatorischen kirchlichen Spezialarbeitsrecht unterliegen.
Aber Atheisten sprechen mit Atheisten und kommen kaum mit Gläubigen in Kontakt.
Und gerät man doch mal mit überzeugten Gläubigen in Kontakt, glauben sie oft die simpelsten Informationen über Bischofsgehälter, das immer noch geltende Hitler-Konkordat,  oder den verschwindenden finanziellen kirchlichen Anteil an den Löhnen in kirchlichen Kitas nicht.

Ich bin aber nicht nur ein Atheist, der von der bürgerrechtlichen Seite her guckt und das staatliche Gebot der Trennung von Kirchen und Staat durchgesetzt haben möchte, sondern darüber hinaus betrachte ich Religion auch von der philosophischen, moralischen und kriminalistischen Seite. Daher habe ich ein großes Interesse daran neben der kirchlichen Abkopplung vom Staat auch einen generellen Abschied von der Religion zu bewirken. Je weniger Religion, desto aufgeklärter und friedlicher die Menschen. Je weniger Kirche, desto mehr Toleranz.

Glücklicherweise sind wir Atheisten endlich auf der Siegerstraße. Man merkt es noch nicht in der Politik oder den vielen Gremien und Räten, die weiterhin nur kirchlich und nie humanistisch besetzt sind.
Man merkt es auch nicht an den Finanzen. Die Kirchen werden rapide reicher, vermelden ein Rekordeinnahmejahr nach dem nächsten.

Aber die Gläubigen stimmen mit den Füßen ab.
Beide großen deutschen Kirchen verlieren jedes Jahr mehrere Hunderttausend Mitglieder.
Eine sehr erfreuliche Entwicklung, für die wir Atheisten allerdings kaum das Lob einheimsen können.
Kirchisten treten wegen ihrer eigenen Führung aus.

Ein ultrafundamentalistischer Menschenhasser wie Tebartz-van Elst, der mal eben 35 Millionen aus seinem geheimen „Bischöflicher-Stuhl“-Geldquellen für seinen persönlichen Luxus rausprasst, während er die armen Limburger Gemeinden das Personal gestrichen bekommen, ist ein Geschenk für Atheisten.

Ideal sind natürlich auch homophobe Kardinäle, die gegen die Ehe für alle wettern, während sie in ihren römischen 700qm-Luxusapartments schwule Sexorgien feiern.

[….] Das Gendarmeriekorps der Vatikanstadt hat offenbar eine schwule Sex-Party in einer Wohnung eines Vatikan-Mitarbeiters gestürmt.
Dabei fand die Polizei auch Drogen. Die amerikanische Zeitung "Daily News" berichtete zuerst von dem Vorfall. Demnach soll der Wohnungsinhaber für Kardinal Francesco Coccopalmerio arbeiten, der ein persönlicher Berater von Papst Franziskus ist. Den Namen des Mannes nannte die Polizei nicht.
Die Wohnung gehört der "Vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre". Laut den Zeitungsberichten untersuchte die Polizei die Wohnung, nachdem Nachbarn die Behörden aufgrund von ungewöhnlichen Nachtaktivitäten informiert hatten.
Die Polizei verhaftete offenbar den Priester und brachte ihn zur Drogen-Entgiftung ins Krankenhaus. Da schwuler Sex in Vatikanstadt legal ist, wird er laut Informationen der italienischen Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano" nur wegen der Drogen belangt. [….]

Die besten Helfer der Kirchenaustrittswelle sind natürlich die myridadenfachen Kinderfickereien, die zölibatäre Geistliche überall auf der Welt begehen und von ihren vorgesetzten Bischöfen gedeckt und vor der Polizei geschützt werden.
In besonders widerlichen Fällen, wie zum Beispiel in Regensburg unter dem damaligen Bischof Müller, werden sogar die Opfer unter Druck gesetzt und dafür dem Sextäter aktiv neue kleine Jungs zugeführt, die er dann wieder vergewaltigte.

Sehr schön auch, daß Papst Ratzi eben diesen Müller nach Rom holte und ihm den drittmächtigsten Posten der katholischen Welt verschaffte – als Kurienerzbischof und Präfekt der Glaubenskongregation. Mutmaßlich handelte es sich dabei um einen Dank dafür, daß Müller wie in keiner anderen deutschen Diözese die Aufklärung der Kirchlichen Kindersexskandale blockierte und damit einen cholerischen Kinderschläger der Regensburger Domspatzen, der rein zufällig Bruder des Papstes ist, vor Strafverfolgung bewahrte.

Als 2013 Franzl übernahm, ließ er die Nr 2 des Vatikans, den prunksüchtigen Kardinal Bertone für viele kirchliche Millionen eine 800 qm-Luxuswohnung in einem vatikanischen Palast beziehen, verschaffte TVE einen schönen neuen Job in der Kurie, die ihn vor Strafverfolgung schütze, erhob Kurienerzbischof Müller zum Kardinal und beförderte sogar Schorschi Pell, den berüchtigten Kinderfickerbeschützer zum mächtigen Mitglied des achtköpfigen päpstlichen Kardinalrates und zum Präfekten des mit dem Motu proprio Fidelis dispensator et prudens neuerrichteten Wirtschaftssekretariats (vulgo Finanzchef).

Pell, Müller, dazu noch die rechtsradikalen Hasskardinäle Sarah, Brandmüller und Burke – das ist eine für Atheisten ideale Gläubigen-Abschreckung auf höchster Ebene.

Mit großer Sorge sehe ich daher, daß zwar Burke, der notorische Cappa-Magna-Träger und Bannon-Buddy mit hohem Ekelfaktor brilliert, aber binnen einer Woche wurden Pell und Müller entsorgt.

Pell mußte zurücktreten, da inzwischen die australischen Behörden Belege haben, daß er nicht nur Kinderficker schützte, sondern auch selbst missbrauchte.

Müller, der mit 69 Jahren noch ein Jungspund in der Kurie ist, bekam schlicht und ergreifend seinen Arbeitsvertrag nicht verlängert.
Überraschend ist eher, daß Müller überhaupt so lange im Amt bleib. Nicht wegen theologischer Differenzen mit Franzl, sondern weil Müller zudem illoyal ist und dem Papst immer wieder Knüppel zwischen die Beine warf, ihn als miesen Theologen darstellte.

[…..] Der Schweizer Theologe Hans Küng nannte Müller einst einen "bornierten Scharfmacher" und eine "katastrophale Fehlbesetzung" im Amt des obersten Glaubenshüters. Müller, der ewige Konservative, und Franziskus, der notorische Reformer - das war von Anfang kein Dream-Team. Das Charisma, das Freundlich-Unbestimmte, die theologischen Unschärfen und die Nonchalance, mit der Papst Franziskus sich auch mal medial vermarkten lässt - all das war Müller wohl stets suspekt. […..]

Weil in kirchlichen Dingen alles Schlimme immer dreifach passiert; Dreifaltigkeit ist gewissermaßen der Markenkern der Katholiban – traf mich Atheist heute Mittag per SMS der dritte Tiefschlag:

Der Kölner Alptraum-Kardinal Meisner, aus dessen erzkonservativer Schule fast jeder zweite deutsche Bischof stammt, wurde mit nur 83 Jahren von seinem Herrn in den Himmel abkommandiert.
Ich vermute, daß ihm die Legalisierung der „Ehe für alle“ den Rest gegeben hatte.
In einer deutschen Welt der Homoperversion wollte er nicht länger sein und leitete daher den Rückstoß in den Himmel, das straight-only-Paradies, ein.

Ein Jammer! Joachim Kardinal Meisner war zusammen mit seinen Schützlingen Mixa und TVE der beste Agent der Atheistenszene.

Gegen Meisner wirkte Sarrazin wie Multikulti.

[….] Meisner hatte vergangenen Freitag Mitglieder einer erzkatholischen Bewegung dafür gelobt, große Familien mit bis zu zehn Kindern zu gründen: „Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“ [….]

TVE und Mixa kalt gestellt, Pell geschasst, Müller in Rente und Meisner tot – das sind schlimme Nachrichten für mich!
Zuverlässig wie ein Uhrwerk lieferte er Unverschämtheit um Unverschämtheit, die auch die Frommsten aus der RKK treiben konnte.

Der als einer der wichtigsten Kirchenmänner geltende Kardinal Joachim Meisner ist tot. Der frühere Erzbischof von Köln, der sich selbst als "Wachhund Gottes" bezeichnete, starb im Alter von 83 Jahren. Meisner war ein geistiger Brandstifter, der das gesellschaftliche Klima über Jahrzehnte vergiftete.

Seiner Angedenk hier ein kleines Best-of-Meisner:

* Er verdammte Schwangerschaftsabbrüche und verglich sie auf perfide Weise mit dem Holocaust am jüdischen Volk.

* Noch nachdem ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer von zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen worden war, sprach er sich gegen die Verordnung der "Pille danach" aus.

* Er wetterte gegen Sex vor der Ehe und rief Heranwachsende dazu auf, Gruppen gleichgesinnter Sexabstinenzler zu bilden.

* Religionsferne Kultur nannte er "entartet", was wegen der Nähe zum Nazibegriff der "entarteten Kunst" eine besondere Dimension hat.

* Das Weltbild des britischen Evolutionsbiologen und Religionskritikers Richard Dawkins verglich er mit dem der Nationalsozialisten.

* Er war ein glühender Unterstützer des "Opus Dei", einer Art rechtsgerichtetem Ku Klux Klan der katholischen Kirche, und mischte hinter den Kulissen kräftig mit.

* Er hetzte gegen alle Verbindungen, die nicht dem traditionellen Mann-Frau-Bild entsprachen, sprach von dem Menschen als "Triebbündel", der mit "unwahren" Modellen menschlichen Zusammenlebens die Menschheit zugrunde richte.

Nun wurde Kardinal Meisner von seinem unmittelbaren Vorgesetzten zu sich berufen, ins sogenannte Reich Gottes. Die irdische Welt wird ohne ihn eine bessere sein. Die himmlische Welt, so es sie gibt, eine schlechtere.