Samstag, 5. August 2017

Rabiater Regensburger

Wir Amis sind ja schwer beeindruckt von Alter und Geschichte, weil wir so wenig haben. Väter geben ihren Söhnen ihren eigenen Vornamen und hängen dann ein „II.“ dran; der Zweite.
Einer meiner Cousins trug diese Sitte schon in die nächste Generation; wir haben also schon einen „III.“ in der Familie; das verursacht durchaus schon monarchische Gefühle; zumal die in einem Haus aus den 1940ern leben, das man in Amerika ob des gewaltigen Alters als Antiquität betrachtet.

Amis in Europa sind dementsprechend fassungslos, wenn sie von 2000 Jahre alten Städten hören, viele Jahrhunderte alten Monarchien oder dem Papsttum, welches ungefähr bis zum Urknall zurückreicht.

Was so alt ist und sich so lange halten konnte, muß ja „gut“ sein.
Könnte man denken. Ist aber nicht so.

In dem wüsten Sammelsurium aus sich gegenseitig heftig widersprechenden Texten, welches Christen als „Heilige Schrift“ kennen, gibt es haufenweise historische Lügen, abstruse Übertreibungen, Brutales, aber auch nette Geschichten.
Vieles ist moralisch absolut nicht mehr haltbar. Sklaverei, Rechtlosigkeit von Frauen, brutale Züchtigung von Kindern entstammen eben der archaischen Sicht einer primitiven Hirtenkultur, die heute auf den Müllhaufen der Geschichte gehören.
Anderes, wie zum Beispiel die Speisenvorschriften war mal gut gemeint; sollte die Menschen vor Krankheit bewahren.
Meeresfrüchte und Schalentiere unter antiken Bedingungen in einer klimatisch sehr warmen Gegend zu verzehren ist natürlich ungesund. Botulismus kennt man als  schwerste Form der Fischvergiftung; es gibt aber auch diverse Toxine, sowie andere bakterielle oder virale Verunreinigungen bei Schalentieren.

Mit der Erfindung des Kühlschrankes und der Fähigkeit Eis in großen Mengen herzustellen, sind die biblischen Anweisungen natürlich obsolet.

Eine sinnvolle Sache an den uralten Institutionen ist das Arbeiten bis zum Tod.
So erspart man sich ein Rentensystem und die Mühe sich um die Gebrechlichen zu kümmern.

Aber auch das reißt ein.
Papst Benedikt XVI., 90, arbeitet schon seit vier Jahren nicht mehr richtig. Dennoch benötigt er ein ganzes Kloster für sich, knappst kostbare Gänsi-Zeit von Franziskus ab und nörgelt auch noch rum, wie zuletzt vor zwei Wochen geschehen bei der Meisi-Beerdigung. Gänswein verlas Ratzis Grußwort, welches sofort als bittere Kritik an Bergoglio gedeutet wurde.
Einmal mehr wurden die Ultrakonservativen in ihrer Meinung bestätigt, daß ein Papst gefälligst amtieren soll bis er den Löffel abgibt.

Kollegin Elisabeth II., 91, Königin seit 65 Jahren, ist nicht so eine Lusche und steht voller Tatkraft im Berufsleben. Allerdings fängt ihr Mann, Prinz Philip, mit gerade mal 96 Jahren das Faulenzen an. Nach lediglich 70 Jahren täglicher Pflicht und 22.219 öffentlichen Terminen, will er nun kürzer treten.
Hoffentlich reißt dieser Schlendrian nicht ein.

Papst Franz, 80, der jugendliche Kirchenerneuerer, sägte doch tatsächlich Kardinal Müller ab.

[….] Papst Franziskus hat sich überraschend von einem seiner ranghöchsten Mitarbeiter getrennt. Wie die Katholische Nachrichtenagentur am Freitagabend im Vatikan erfuhr, wird die Amtszeit von Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Leiter der Römischen Glaubenskongregation nicht verlängert.
Müllers Amtszeit endet demnach nach fünf Jahren fristgerecht am 2. Juli. Über die Gründe für die Entscheidung von Papst Franziskus wurde zunächst nichts bekannt.
Müller verdankte seine Ernennung im Jahr 2012 dem damaligen Papst Benedikt XVI. Im Jahr 2014 erhob Franziskus ihn zum Kardinal. Zwischen Müller und Papst Franziskus hatte es in den vergangenen Jahren Meinungsverschiedenheiten in moraltheologischen Fragen gegeben. Zuletzt hatte Müller am 25. Mai in einem Fernseh-Interview die Tatsache kritisiert, dass Franziskus drei Mitarbeiter des Kardinals gegen dessen Willen entlassen hatte. [….]
(Domradio, 30.06.2017)

Das ist blöd.
In erster Linie ist es natürlich blöd für Atheisten wie mich, weil in der Person Müller so ziemlich alles Negative kulminierte, das man sich vorstellen kann. Er ist die Apotheose des Kirchenhorrors und somit die beste Werbung für Konfessionslosigkeit.

(…..) Die besten Helfer der Kirchenaustrittswelle sind natürlich die myridadenfachen Kinderfickereien, die zölibatäre Geistliche überall auf der Welt begehen und von ihren vorgesetzten Bischöfen gedeckt und vor der Polizei geschützt werden.
In besonders widerlichen Fällen, wie zum Beispiel in Regensburg unter dem damaligen Bischof Müller, werden sogar die Opfer unter Druck gesetzt und dafür dem Sextäter aktiv neue kleine Jungs zugeführt, die er dann wieder vergewaltigte. (….)

Pech haben aber auch Franz und die Regensburger, da Müller, geboren am 31. Dezember 1947, natürlich noch so ein junger Hüpfer ist, daß er jetzt nicht senil vor sich hinsabbernd die Klappe hält.

Er hat noch nicht aufgegeben, weiß daß er selbst als papabile gilt. Auch Ratzi war vom Posten des Chefinquisitors aus Papst geworden.
Das ist nicht so ungewöhnlich, da der oberste Glaubenshüter qua Amt mit allen Papst-wahlberechtigten Kardinälen in engem Kontakt steht und perfekt Netzwerke anlegen kann. Es gibt genügend Kardinäle, die Bergoglio für ein theologisches Leichtgewicht halten und wieder einen strengen Zuchtmeister an der Spitze wollen.
Müller ist elf Jahre jünger, an seinem radikalen Konservatismus besteht kein Zweifel und außerdem hat Bergoglio nur einen Lungenflügel.
Da geht noch was.
Fragt sich nur, wo man Müller so lange parkt, während der argentinische Zehenlutscher mit den schwarzen Klumpschuhen im Vatikan rumgeistert.
Wie sein enger Freund, mein Lieblingsbischof Tebartz-van Elst, flüchtet Müller offenbar erst mal nach Bayern.
TVE wartet mit den mächtigen Bayern Mixa, Gänsi, Müller und den Ratzi-Brothers auf ein Comeback.

[….] Kardinal Müller kehrt nach Regensburg zurück - und nicht jeder freut sich. [….] Der Kardinal schaut von oben herab. Der Altar steht auf einer Empore, sechs Stufen ist Gerhard Ludwig Müller, 69, hinaufgestiegen. Der Dekan tritt ans Pult, nennt Kardinal Müller "einen überzeugenden Hirten". Oben der Hirte, unten die Schafe. Oben roter Teppich, unten harte Bierbänke. Es müllert wieder im Bistum Regensburg. [….]
"Dabei werden wir auf ein segensreiches Jahrzehnt zurückblicken, in dem Kardinal Müller als Bischof der Diözese Regensburg diente", kündigt das Bistum an.
[….] Segensreiches Jahrzehnt? Das Bistum Regensburg reicht von Wunsiedel in Oberfranken bis Landshut in Niederbayern, von Deggendorf bis Amberg. Man kann nicht messen, wie viel verbrannte Erde Müller auf diesen 15 000 Quadratkilometern hinterlassen hat. Ein Flächenbrand war es schon, als er 2005 das Laiengremium des Bistums abschaffte und durch ein Diözesankomitee ersetzte. Am Dom trafen sich damals Hunderte Katholiken zum Protest, sie fühlten sich regelrecht kastriert in ihrer Mitsprache. Autoritär, abgehoben, arrogant, das sagten die Demonstranten über ihren Bischof. Für diese Leute war Müller nicht Diener, sondern Diktator. Sie waren heilfroh, als Papst Benedikt ihn nach Rom holte.
Die Bistumsspitze dagegen hofiert Müller bis heute. Auch unter dem derzeitigen Bischof Rudolf Voderholzer, heißt es, herrsche Müllers Geist. Nun also lässt das Bistum den Geist auch leibhaftig wieder aus der Flasche. Ausgerechnet jetzt.  Jetzt, da dokumentiert ist, dass mehr als 500 Chorknaben der Regensburger Domspatzen jahrzehntelang misshandelt oder missbraucht wurden. Da dokumentiert ist, dass Müller Verantwortung trägt für die "Schwächen der Aufarbeitung" des Domspatzen-Skandals. So steht es im Schlussbericht, den der unabhängige Aufklärer Ulrich Weber präsentiert hat. Das Bistum holt Müller trotzdem auf die Altarbühne nach Sulzbach-Rosenberg - und stellt ihn auf den roten Teppich. [….]  
Für Voderholzer, das ist bekannt, war Müller ein Mentor. Inhaltlich liegen die beiden nah beieinander, beide Dogmatiker, "Ratzingerianer", erzkonservativ. Beide "halten an einer Theologie fest, die in der Jetzt-Zeit problematisch ist", sagt Sigrid Grabmeier von der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche". Auch der Führungsstil habe sich unter Voderholzer nicht geändert: "Es herrscht immer noch die Idee, dass der Bischof als Person eine Autorität ist." [….] Vielleicht kein Zufall, dass der hochmütige Franz-Peter Tebartz-van Elst nach Regensburg zog, als er wegen seiner Prunksucht aus dem Bistum Limburg rausgeflogen war. Auch die Kritik an Tebartz-van Elst bezeichnete Müller damals als Kampagne gegen die Kirche.  [….]