Mittwoch, 30. August 2017

Trump für immer?

Beim täglich neuen Trump-Wahnsinn konzentrieren die (nicht rechtsradikalen) US-Medien und ich uns zunehmend auf die Reaktionen von Republikanern.
Schließlich ist die GOP nahezu allmächtig in den USA des Jahres 2017. Die Demokraten können kaum etwas ausrichten.
Trump kann tun und lassen was er will, solange sich seine Partei nicht von ihm abwendet.
Nach buchstäblich 1000 Lügen, ausuferndem Rassismus und dem Versagen bei allen Wahlversprechen finden über 80% der republikanischen Wähler ihn immer noch toll. Seine Zustimmungsrate liegt bei 39%.
Sagenhaften 39%, die beim amerikanischen Wahlsystem dazu ausreichen ihn noch einmal zu wählen.

Der flehentliche Blick auf die GOP - wann stehen sie endlich gegen Trump auf? – lässt ein anderes Problem unter den Tisch fallen.
Die Demokraten haben keine Figur, hinter der sie sich versammeln. Es gibt keine Wortführer der Opposition.
Die Top-Demokratin im House ist Minderheitenführerin Nancy Pelosi (* 26. März 1940), verdiente Vertreterin des Wahlkreises Kalifornien-8, die mit ihren 77 Jahren aber kaum für die Generation Online attraktiv ist.
Senate Minority Leader ist der ebenfalls angesehene New-Yorker Clinton-Kumpel Chuck Schumer (*1950), der ebenso wenig die Jungwähler vom Hocker reißt.
Die höchste Anerkennung bei Jungwählern genießt vermutlich immer noch der (wieder) parteilose Senator Bernie Sanders aus Vermont, der nächste Woche frische 75 Jahre alt wird.
Es gibt auch einen Vorsitzenden der Demokratischen Partei; Chairman Tom Perez, *1961, der aber seit seiner Wahl im Februar 2017, als er sich im zweiten Wahlgang gegen den progressiveren Keith Ellison durchsetzte, in der Versenkung verschwand.

Wieso gibt es in einem Land mit 330 Millionen Einwohnern eigentlich keinen „jungen“ (in den 30ern oder 40ern) charismatischen Politiker, der die breite Opposition gegen Trump und seine heuchlerische Bande anführt?
Müßte das nicht ein Leichtes sein, wenn die Regierung täglich so viele Steilvorlagen bietet, daß hartgesottene TV-Anchors verzweifelt mit der Stirn auf den Tisch schlagen?

Amerikaner mögen Helden. Es wäre jetzt wirklich Zeit für einen politischen Helden, der generationenübergreifend die Anti-Trump-Stimmung bündelt.

GOPer reißen schon Witze, nachdem Hillary Clinton ihr neues Buch „What Happened“ vorlegte, in dem sie ihre Wahlniederlage mit drei Millionen Stimmen mehr als Trump analysiert.


Ein Buch, welches mich sehr interessiert, zumal ich Hillary immer für sehr intelligent hielt. Aber soll jetzt wirklich noch einmal eine Establishment-Vertreterin aus der Generation 70+ die Demokraten anführen?

Es ist eine myriadenfach wiederholte Binse, die aber dennoch stimmt:
Amerika erleidet eine allgemeine Vertrauenskrise.
Die Mehrheit der Amerikaner misstraut ihrem Präsidenten und der Regierung.
Medien, Kongress und Parteien sind aber noch schlechter angesehen.
Also müssen es Einzelpersonen richten.

Omar El Akkads Buch „American War“ führt gerade die Bestsellerlisten an. Es geht um den im Jahr 2075 stattfindenden zweiten US-amerikanischen Bürgerkrieg; eine Zukunftsvision, die im Trump-Amerika erschreckend real wirkt.

El Akkad, 35, in Ägypten geboren, wanderte mit seinen Eltern als Kind nach Kanada aus, lebt jetzt als Journalist im ultraliberalen Portland, Oregon.

Ihn erinnert die Trump-Herrschaft an die autoritären Führer im Nahen Osten. Rassismus war in den USA immer vorhanden; mehr oder weniger versteckt.
Das Problem ist die GOP, die in den letzten 20 Jahren ihre Seriosität soweit aufgegeben hat, daß sie sich hinter einen wie Trump scharte. Dadurch brauchen White Supremacists sich nicht mehr zu verstecken.

 [….] Jedes Mal, wenn es zu rassistischer Gewalt kommt, sagen wohlmeinende, fortschrittliche Leute: „This is not who we are“, so sind wir nicht. Solche Aussagen ignorieren die Geschichte dieses Landes – auf vielen Ebenen ist Amerika nämlich genau so. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dieser Tatsache hat es nie gegeben. Trump ist ein Mann, der fast sein ganzes Leben ohne irgendwelche Konsequenzen für sein Handeln gelebt hat. Seine einzige Leistung besteht darin, als Sohn eines reichen weißen Mannes geboren worden zu sein. Ich glaube, er will überhaupt nicht unterscheiden zwischen der Wahrheit und dem, was er für die Wahrheit halten möchte. Dieser Tweet neulich, mit dem er auf General Pershing und die Legende der Patronen in Schweineblut angespielt hat – das bringt für mich die beiden Hauptmerkmale von Trump auf den Punkt: eine Begeisterung für totale Grausamkeit und eine völlige Unfähigkeit zwischen Fakten und Legenden zu unterscheiden. [….]
(Omar El Akkad, STERN, 24.08.2017)

Im Moment geht es Amerika dank Obama ökonomisch einigermaßen gut, aber zu was wird Trump erst fähig sein, wenn es eine Rezession geben sollte oder wenn es noch einmal einen richtig großen IS-Anschlag wie 9/11 in den Staaten geben sollte? Das ist El Akkads Sorge. Und was für eine Generation Politiker wächst eigentlich heran, wenn man acht Jahre Trump-Präsidentschaft erlebt hat?
Wer stellt sich 2024 zu Wahl, wenn Hetze, Hass und Lügen überhaupt nicht mehr sanktioniert werden?

Ich sehe derzeit niemand auf der progressiven Seite, der sich dem Trumpismus entgegen stellt. Die GOP wird es nicht tun.

Vergessen wir nicht, daß Trump immer noch sehr mächtige Verbündete hat, wie die Mercer-Multimilliardäre, die BREITBART finanzieren.
Trump kann sich ohnehin auf ein mächtiges ultrarechtes Medienkonglomerat stützen.
Wer von FOX und Co braingewashed ist, hört ohnehin nicht auf Pelosi, Ana Navarro oder Chuck Schumer.

Gefährlich werden könnten Trump eigentlich nur die christlichen Führer, insbesondere die mächtigen reichen Evangelikalen, die bei der Trump-Basis gehört werden.

Aber bezeichnenderweise stellt sich kein prominenter Evangelikaler gegen Trump. Die Christenführer stehen alle zu ihm und stören sich offensichtlich kein bißchen an der permanenten Lügerei, der Heuchelei und der menschenfeindlichen Hetze.


Als Europäer darf man nie vergessen wie irre die einflussreichen US-Evangelikalen sind.

Ich erinnere zum Beispiel an Typen, wie den schwarzen Pastor Manning.

(….) Der Christ des Tages Nr 81 ist der New Yorker Pfarrer James David Manning, der als Chef der ATLAH ("All The Land Anointed Holy") die Atlah Worldwide Missionary Church leitet.
Die Botschaft der christlichen Nächstenliebe versteht Manning sehr gut, daher  betreibt er so schöne Websites wie den „Obama Hate Club“ oder „Boycott the Dunghead Media Demagogues.
Der 67-Jährige Manning wurde als Baptist in North Carolina geboren. Nach einigen Aushilfsjobs schlug er sich in den späten 1960ern nach NY durch und begann eine Karriere als Einbrecher. 1974 wurde er verurteilt, saß fast vier Jahre im Gefängnis („for burglary, robbery, larceny, criminal possession of a weapon, and other charges“), in dem er 1978 Pastor wurde.
Später studierte er, bereiste Südamerika, sowie West- und Südafrika und wurde Rassist. Die Durchmischung der Rassen gefällt dem Afroamerikaner gar nicht und daher kann er insbesondere Obama nicht leiden. (….)

Manning wurde seitdem nicht etwa in eine Gummizelle gesteckt, in die er gehört, sondern befindet sich in einem analen Höllenrausch, orakelt von krebszerfressenen FLAMING BUTTHOLES der Schwulen.

So geht religiöse Führung in den USA.



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