Samstag, 3. Februar 2018

Wieder ohne Not der Kirche nachgekrochen.

Es gibt christliche Feiertage, die ich nur am Fehlen der „Süddeutschen Zeitung“ morgens auf meiner Fußmatte bemerke.
Der Zeitungsausträger war da, wie die anderen abonnierten Blätter vor meiner Tür zeigen, aber ausgerechnet meine Lieblingszeitung ist nicht dabei?
Offensichtlich wieder einer dieser bayerischen Sondertage, die im richtigen Deutschland niemand kennt.

[….] Niedersachsen und Bremen gehören mit Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein zu den Ländern mit nur neun Feiertagen. Bayern hat hingegen 13 Feiertage, Baden-Württemberg 12. […..]

Nun wollen die Nordländer NdS, SH, HB und HH auf Initiative Daniel Günthers, des äußerst frommen CDU-Ministerpräsidenten in Kiel und des Hamburger Oppositions-Führers André Trepoll nachlegen.
Die ostdeutschen Bundesländer hatten sich schon vor längerer Zeit einen zusätzlichen Feiertag selbst genehmigt.

[….] Normalerweise ist der Reformationstag zur Erinnerung an den Thesenanschlag von Martin Luther 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg nur in fünf Bundesländern gesetzlicher Feiertag – in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. […..]

Nach den offiziellen Zahlen von 2015 sind in Bremen etwa 50% der Bürger konfessionslos, in Hamburg gehörten sogar 62% keiner Religionsgemeinschaft an. In den Nordwestdeutschen Flächenländern bringt es die EKD ebenfalls nur noch auf relative Mehrheiten. 46% der Niedersachsen und 48% der Schleswig-Holsteiner sind offiziell Protestanten. Regelmäßige Kirchgänger sind davon etwa 6%.

Wir Konfessionsfreien sind schon seit einigen Jahren die relativ größte Gruppe in Gesamtdeutschland, da beide Kirchen zusammen jedes Jahr um die 400.000 Mitglieder verlieren.


Herr Günther ist strenggläubig, aber für mich bleibt unverständlich weshalb auch die Bürgermeister Sieling und Scholz bei der Wahl eines Feiertages wieder einmal die Mehrheit der Bürger ignorieren.

Kirche ist ekelhaft. Wieso wird das nicht erkannt?

Ist es nicht offensichtlich, daß 99% der Nazis Christen waren? Daß in den Kirchen für Hitler gebetet wurde, daß Kirchen Waffen segnen, daß Militärbischöfe noch heute Soldaten auf den Krieg einstimmen, daß Luther der Stammvater aller protestantischen Antisemiten ist, daß sich gerade die "C"-Parteien immer mit ausländerfeindlichen Parolen ins Gespräch bringen, daß christlich erzogene Jugendliche mehr Vorurteile haben und weniger teilen, daß Christen weit überdurchschnittlich Prügelstrafe, Folter und Militäreinsätze befürworten, daß alle gesellschaftlichen Liberalisierungen wie Frauenwahlrecht oder das Verbot von Vergewaltigung in der Ehe gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden mußten, daß Kirchen die eifrigsten Unterstützer von faschistischen Mörderregimen in Südamerika waren, daß die katholische Kirche bis 1975 fest an der Seite der Franco-Diktatur stand, daß es die Kirchen sind, die massiv in Osteuropa und Russland gegen Schwule und Lesben hetzen, daß in christlichen Kinderheimen Hundertausende Kinder verprügelt, ausgebeutet und missbraucht wurden, daß deutsche Bistümer noch heute an den Börsen Geld mit Waffenproduzenten verdienen, daß Kardinal Woelki und Bischof Bohl als erstes von Ausweisungen sprachen, daß die evangelische Kirche in Sachsen Pegida in Schutz nimmt, daß Petrys Ex-Ehemann Pfarrer ist. Daß Beatrix von Storch bibeltreue Christin ist. Daß Christen vier Kontinente kolonialisiert und ausgebeutet haben, daß Christen den Tod von 100 Millionen indigenen Menschen in Nord- und Südamerika anzettelten, daß die Päpste das bis heute als „glückliche Schuld“ schönreden, daß Kirchen die Welt mit Konfessionskriegen, Inquisition und Kreuzzügen überzogen haben, daß Religionen die Hautursache für Gewalt in der Geschichte der Menschheit sind.
Daß die katholische Kirche nach 1945 die KZ-Schlächter vor der alliierten Justiz in Sicherheit brachte, daß sich die Kirchen in Argentinien bemüßigt fühlte Adolf Eichmann zu beschützen, daß Papst Pius XII pauschal alle Angehörigen der Armee, die Auschwitz BEFREITE exkommunizierte, aber hingegen für Hitler nach seinem Tod noch ein Requiem veranstaltete, ihn bis heute nicht exkommunizierte.
Daß der Vatikan bis heute die UN-Menschenrechtskonvention nicht akzeptiert, daß Kirchen in Afrika für die Todesstrafe auf Homosexualität kämpfen, daß Kirchen den sexuellen Missbrauch von Kindern in der ganzen Welt vertuschten.

Nein, auch im Jahr 2017 sind „die Kirchen“ gut und Atheisten werden laufend als moralisch zweifelhaft dargestellt. (….)

Dabei gibt es schon jede Menge christlicher Feiertage – für die MINDERHEIT der Norddeutschen und gar keine säkularen Feiertage – für die MEHRHEIT der Norddeutschen.

[…..] Der Reformationstag am 31. Oktober soll auch in Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Niedersachsen ein freier Tag werden.
Diese Empfehlung gaben die Ministerpräsidenten der vier Länder auf einer Sondersitzung der Konferenz Norddeutschland (KND) am Donnerstag in Berlin ab, wie ein Sprecher des Hamburger Senats mitteilte. Nun müssen allerdings noch die Landesparlamente zustimmen.
"Mit der Verständigung auf den 31. Oktober sind wir auf dem Weg zu einem gemeinsamen zusätzlichen Feiertag in Norddeutschland einen wichtigen Schritt weitergekommen", sagte Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Ziel sei es, den Reformationstag schon in diesem Jahr als einen gemeinsamen neuen Feiertag zu begehen. […..]
(SPON, 01.02.2018)

Erstaunlich kräftig und eindeutig stemmt sich heute Mopo-Leitartikler Mathis Neuburger gegen diesen Plan. Er schlägt einen Volksentscheid vor, um das Datum eines neuen Feiertages festzulegen.

[….] Schon allein die Auswahl des Reformationstages zeigt von der Blase, in der unsere Politiker durch den Raum schweben. 500 Jahre Reformation sollten im vergangenen Jahr groß gefeiert werden, angefeuert von einer beispiellosen Werbe-Show der evangelischen Kirche, unterstützt von unseren Politikern mit großen Reden [und zig Millionen Steuergeldern! – T.] und einem freien Tag für alle. Nur: Der Funke sprang nicht über, dem gemeinen Volk was das abgehobene Brimborium herzlich wurscht, die Beteiligung bei den zig Veranstaltungen ließ arg zu wünschen übrig. Als Folge jetzt ausgerechnet diesen Tag par ordre die Mufti zum Dauerfeiertag zu machen, ist also mehr als zweifelhaft. [….]
(MOPO, 03.02.18)

Und dabei hat Herr Neuburger noch nicht mal erwähnt, daß Luther neben Hitler zu einem der übelsten Antisemiten der deutschen Geschichte gehört und somit generell als Feiertags-Anlass ausscheidet. Hitlers Inspiration mit einem neuen Feiertag ehren?

«Luther war ein Riese, er sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.» So beschreibt Adolf Hitler sein Idol, den evangelischen Reformator Martin Luther, in einem Gespräch mit seinem Mentor Dietrich Eckart. So immens war Hitlers Bewunderung für Luther, dass die Nazis Luthers zahlreiche Dekrete gegen die Juden mit deutscher Gründlichkeit, rückhaltloser Unterstützung der christlichen Kirchen und der tatkräftigen Hilfe gütiger Christenmenschen umsetzten. «Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher» («Mein Kampf»).

Daß der Katholik Adolf Hitler den Ur-Protestanten Martin Luther so grenzenlos bewunderte liegt nicht nur an der offensichtlichen Ursache, Luthers fanatischem und eliminatorischem Antisemitismus.

Darüber hinaus zeigte Luther „dem Führer“ beispielhaft, wie man Rücksichtslosigkeit und Destruktion mit nie dagewesener Radikalität praktizierte.

Luther. Ein widerlicher Geselle, ein Verbrecher an der Menschheit. Den haben wir noch nicht richtig aufgearbeitet. Wir gehen mit Luther um, als sei er ein „Heiliger“ der evangelischen Kirche. Er war aber ein für die damalige Zeit untypisch aggressiver Antisemit, Frauen verachtend bis ins Mark und vom Denken her völlig mittelalterlich. Teufel war sein Lieblingswort. Die Gesellschaft war sehr viel weiter.

Hitler lernte von Luther wie man jedes Maß-Halten hinter sich läßt und Bösartigkeit in einer ganz neuen Größenordnung praktiziert.

Martin Luther verfasste schon im frühen 16. Jahrhundert detaillierte Pläne zur „Endlösung der Judenfrage“.

Hitler besaß endlich die technischen und politischen Mittel Luthers genozidale Vision umzusetzen. (….)
(Hitlers Inspiration, 10. Juni 2016)

Mir persönlich sind Feiertage herzlich egal, weil die als kollektive Veranstaltungen funktionieren.

Es ist angesichts des süddeutschen Feiertagsübergewichts aber nicht abwegig, wenn Sieling, Weil, Günther und Scholz ihren Wählern zu Gefallen ebenfalls an weitere freie Tage denken.

Aber sie sollten dabei lieber den Vorschlägen Neuburgers, 23.05. oder 14.07., folgen.

Beides hätte Charme.
Der Tag der Unterzeichnung des GG insbesondere deswegen, weil es auf ewig daran erinnert, daß die CSU 1946 als einzige Partei neben der KPD gegen die deutsche Verfassung stimmte.
Der Tag der Erstürmung der Bastille wäre ein echter „Volksfeiertag“ und zudem eine große Geste an die Franzosen, mit denen wir zukünftig zusammen feiern könnten.

Noch besser wäre ein ausdrücklich säkularer Tag.

[…..] Christi Himmelfahrt soll künftig Evolutionstag heißen! Das ist das Ziel einer Kampagne, die die Giordano Bruno Stiftung am Aschermittwoch startete. Das Darwin-Jahr 2009 biete einen hervorragenden Anlass, um den enormen Erkenntnisgewinn durch die Evolutionstheorie gesellschaftlich stärker zu verankern, erklärte gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon am Stiftungssitz in Mastershausen.
Eine gute Möglichkeit hierfür sei die Einrichtung eines offiziellen Feiertags: „Am Evolutionstag sollte gefeiert werden, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als 'Krone der Schöpfung’ zu betrachten.“
(mein gegenwärtiges FB-Profilbild)
 Da nicht zu erwarten sei, dass die gesetzgebenden Länder den „Evolutionstag“ als zusätzlichen Feiertag einführen werden, biete sich die offizielle Umbenennung eines bereits bestehenden christlichen Feiertags an, heißt es in dem von Schmidt-Salomon verfassten Petitionstext. Der hierfür am besten geeignete Kandidat sei „Christi Himmelfahrt“, einer der neun bundeseinheitlich geltenden Feiertage. Christi Himmelfahrt empfehle sich schon allein deshalb, weil viele Familien an dem Tag Ausflüge in die Natur unternehmen würden. „Angemessener kann ein 'Evolutionstag’ kaum begangen werden!“, sagte der gbs-Sprecher, der mit dem kürzlich erschienenen Kinderbuch „Susi Neunmalklug erklärt die Evolution“ einen der provokantesten Beiträge zum Darwin-Jahr vorgelegt hat.
Für die Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag spreche, so Schmidt-Salomon, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Christen nicht mehr „an das Dogma der leiblichen Auffahrt Jesu in den Himmel“ glaube. Außerdem müsse endlich auch das konfessionsfreie Drittel der Gesellschaft berücksichtigt werden, dem aus Fairnessgründen ein Drittel der gesetzlichen Feiertage zustehe. „Davon sind wir noch meilenweit entfernt!“, kritisierte Schmidt-Salomon. „Die Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag wäre ein erstes Anzeichen dafür, dass dieser Staat in seiner Feierkultur nicht nur gläubige Christen respektiert, sondern auch die vielen Millionen Bundesbürger, die eine dezidiert säkulare Weltsicht vertreten.“
Die Petition zur Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag kann auf dem Internetportal zum Darwin-Jahr (www.darwin-jahr.de/e-day) unterzeichnet werden. Zur Unterstützung der Kampagne hat die Giordano Bruno Stiftung heute Charles Darwin persönlich in den Ring geschickt. In dem u.a. auf YouTube veröffentlichten Musikvideo „Children of Evolution“ erklärt der Jubilar in fröhlicher Rockstarpose, warum es keine Schande ist, ein „nackter Affe“ zu sein. [….]

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