Montag, 9. April 2018

Schwarzbraune Zwergchen, winzige.

Ja, dieses eine einzige mal hatte Angela Merkel etwas gewagt.
Im November 1998 zur CDU-Generalsekretärin gewählt, schrieb sie am 22. Dezember 1999 in der FAZ jene beiden ungeheuerlichen Sätze, die sie später zur CDU-Vorsitzenden, zur Fraktionsvorsitzenden, Oppositionsführerin und schließlich zur ewigen Bundeskanzlerin machten:

    „Die Partei muss also laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross, wie Helmut Kohl sich oft selbst gerne genannt hat, den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen. Sie muss sich wie jemand in der Pubertät von zu Hause lösen, eigene Wege gehen.“
(A.M.)

So etwas war bis dahin noch nicht einmal vorstellbar.
Keiner in dem großen Kanzlerwahlverein hätte so etwas gewagt.
Merkel wirkte wie die mutige Jeanne d'Arc des Ostens, die mit ihrer Chuzpe die Parteienlandschaft aufrollen könnte.

Deutschland absurd.
In Wahrheit sprach sie eine Petitesse aus: Kohl, der schwer kriminelle Serienlügner, der die CDU in die schwerste Wahlniederlage seit Jahrzehnten geführt hatte, konnte nicht mehr länger der Fixstern des Unionsuniversums sein.
Glück für Merkel, daß Kohls natürlicher Nachfolger, an dem sie normalerweise nie vorbei gekommen wäre, wie sein Jahrzehnte angehimmelter Herr ebenfalls Parlament und Volk so dreist belogen hatte, daß er gegangen werden musste.

Der Rest der Geschichte ist bekannt; die CDU versank in so einem ungeheuerlichen Lügensumpf aus schwarzen Konten und dunklen Koffern voller Geld, die ihr für gefällige Politik zugesteckt wurden, daß niemand der Sumpfpartei vorsitzen wollte.
Nur mangels Alternative gab man „Kohls Mädel“ mit den schlechten Tischmanieren und den unmöglichen Klamotten eine Chance.
Die CDU-Parteispitze galt als toxisch: keiner der damaligen wichtigen Andenpaktler wollte sich die Hände schmutzig machen.
Koch, Wulff, Merz und Müller wollten Merkel die Drecksarbeit machen lassen und/oder sie dabei scheitern sehen, damit dann nach einer Anstandspause einer der ihren CDU-Chef und nächster Bundeskanzler werden könnte.

Das dürfte ja wohl ein Leichtes sein die Ossi-Protestantin ohne eigene Hausmacht und ohne JU-Sozialisation wieder aus dem Amt zu mobben.
Hatte sie nicht schon als Umweltministerin im Kabinett Kohl geheult, weil sie nicht durchsetzungsfähig war?
1995 war das, als sie strengere Fahrverbote bei Ozonalarm durchsetzen wollte und dann von Verkehrsminister Wissmann und Wirtschaftsminister Rexrodt zusammengefaltet wurde. Als Kohl sie auch noch anblaffte und sie ganz allein gegen die Westmänner stand, flennte sie.

[…..] Teilnehmer der Sitzung berichteten, Frau Merkel habe sich "in ihren Standpunkt nach und nach hineingesteigert". Die Ministerin argumentierte: Das Verbot beziehe sich auf Personenkraftwagen, Motorräder und Lastkraftwagen, die nicht unbedingt zur Versorgung der Bevölkerung notwendig seien. Kohl sagte, er erkenne durchaus die ökologische Dimension der Frage und die Ängste in der Bevölkerung. Die Frage sei aber, ob die Koalitionsfraktionen jetzt einer eilig verkündeten Maßnahme zustimmen würden. Frau Merkel insistierte weiter: Die Beschlüsse müßten jetzt fallen, damit im Sommer Maßnahmen getroffen werden könnten. Da reichte es Kohl.
Ihre Parteifreunde haben Frau Merkel in der Kabinettsitzung nicht verteidigt. Ein Minister sagte über die Tränen der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden: "Sie ist eben ziemlich sensibel." Angela Merkel gibt aber nicht auf. Jetzt will sie über die Fahrverbote mit den Koalitionsfraktionen sprechen. [….]
(Die Welt, 19.05.1995)

So ein Sensibelchen würde man jederzeit wieder wegräumen können, dachten sich Merz und Koch.
Sobald die bundespolitische Großwetterlage für die CDU wieder besser aussähe und sich den Andenpaktler untereinander geeinigt hätten, wer von ihnen es machen soll, könnte man diese ostzonale Interimschefin wieder zurück ins Glied treten.

Der Rest ist Geschichte. Die gesamte starke Männerriege der West-CDU fiel auf die Nase und während man sich kaum noch an die Namen der maskulinen CDU-Phalanx aus der frühen Nach-Kohl-Ära erinnert, ist Merkel immer noch Kanzlerin und Parteivorsitzende.

Wie hat sie das geschafft?
Wie konnten sich Merz und Co so dramatisch verkalkulieren?

Ganz einfach, aus der öffentlichen Heulerei von 1995 zog Merkel die Konsequenz „nie wieder weinen.“ Nie wieder ließ sie sich öffentlich etwas anmerken.
In dieser Disziplin brachte sie es zur wahren Meisterschaft. Merkel ist heute nahezu unbeleidigbar.
Seehofer kann sie geschlagene zehn Minuten auf der offenen Bühne eins CSU-Parteitags zur Schnecke machen und dem höhnischen Gejohle seiner Basis aussetzen, der Iran kann die Kanzlermaschine einen halben Tag entgegen aller diplomatischen Spielregeln im Luftraum kreisen lassen, Berlusconi kann sich öffentlich über Merkels Hintern auslassen, sie beim EU-Empfang wie bestellt und nicht abgeholt stehen auf offener Bühne stehen lassen, während er in aller Ruhe noch telefoniert – an ich perlt alles ab.
Es ist unbekannt, ob sie sich wirklich nie beleidigt fühlt, oder ob sie lediglich meisterhaft so tut, als ob ihr alles egal wäre.

Bisher hat sie aber noch jeden so lange stoisch auf ihrer Nase rumtanzen lassen, bis derjenige entweder das Interesse verlor, oder aber sich bei seinen Tanzschritten selbst ein Bein stellte.
Daher glaube ich auch nicht daran, daß sie Jens Spahn entlassen wird.
Im Gegenteil, je mehr er mit braun-xenophoben  Gepolter die Medien elektrisiert, desto weniger werden ihr Fragen gestellt, desto ungehinderter kann sie das tun was sie eigentlich will.
Spahn wird entweder eines Tages an ihr verzweifeln und wie die ultrakonservativen Vorgänger Koch und Merz entnervt den Bettel hinwerfen, oder aber er wird sich selbst ein Bein stellen und über eine seiner Affären stolpern, auf daß er fürderhin als U40-Politrentner wie Fipsi Rösler, Ecki von Klaeden oder Daniel Bahr Millionen in der Lobbyindustrie verdienen wird.

Wie albern ist es von der Journaille im Jahr 2018 immer noch über die gelegentlich aufpoppenden konservativen Mitesser in der CDU zu berichten.
Davon kriecht fast jedes Jahr irgendeine Gruppierung an die Medien.
Die heißen mal Lummer, mal Kanther, mal Hohmann. Immer wieder versuchten es angebräunte Hessen-CDUler: Kristina Schröder, Erika Steinbach und natürlich der langjährige Wiesbadener Fraktionsvorsitzende Christean Wagner als Mit-Initiator des Berliner Kreises in der Union.
Es gab den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, den Brandenburger Innenminister Jörn Schönborn, den Thüringer Landesvorsitzenden Mike Mohring, fast die gesamte AfDNPD-affine Sachse-CDU und natürlich immer wieder der kameraverliebten Lügner Wolfgang Bosbach.
Im Berliner Kreis sind heute insbesondere noch Philipp Lengsfeld, der Sohn der nach Rechtsaußen abgedrifteten Verschwörungstheoretikerin Vera Lengsfeld, die Düsseldorferin Sylvia Pantel, sowie diverse Sachsen (Veronika Bellmann, Arnold Vaatz, Steffen Flath) aktiv.
Und nun haben sie den radikal islamophoben deutschen Leitkulturler Jens Spahn an der Spitze.
Immer wieder kündigen sie einen konservativen Aufbruch an, schaffen es aber meist nicht Manifeste und Programme zu Papier zu bringen.
Ihre Forderungen sind schließlich auch weniger programmatisch, denn tumbes „dagegen sein“.
Gegen Schwule, gegen Ausländer, gegen Atheisten, gegen den Islam, gegen Sozialleistungen.
In schöner Regelmäßigkeit erheben diese traurigen dunklen Gestalten ihr verwesendes Haupt und werden zur echten Gefahr für die Kanzlerin hochstilisiert.

[….]  Ein Manifest gegen Angela Merkel
Ist die CDU noch eine Partei, in der sich Konservative aufgehoben fühlen? Diese Frage ist so alt, wie die Amtszeit von Kanzlerin Merkel lang ist. Am Wochenende versuchten Merkel-kritische Abgeordnete eine Antwort auf diese Frage zu finden. Wer in ihrem "Konservativen Manifest" einen gewagten Aufschlag von Partei-Rebellen erwartet hat, wird enttäuscht. Die Autoren wollen die Rückkehr zur Wehrpflicht, erinnern an den Stellenwert der Ehe und fordern einen entschlossenen Kampf gegen Extremisten. Verwegen konservativ ist das nicht.
Auch wenn es sich mancher Merkel-Kritiker wünscht – dieses Manifest wird Merkel nicht aus dem Tritt bringen. […..]

Da kann ich dem FUNKE-Blatt ausnahmsweise nur Recht geben.
Natürlich ist es Merkel völlig egal, was die drei konservativen Hanseln formulieren.
Leider muss sie das nicht kümmern; denn diese ewiggestrige homophobe Trachtentruppe ist für immer abgemeldet.
So sehr ich mir als Sozialdemokrat wünschen würde, daß die CDU stark nach rechts rutscht (umso leichter kann man sich gegen sie profilieren), so wenig wird das passieren.

Das sind kleine Aufregerchen, um die Braunen an der Basis zu begöschen.
Ebenfalls gut geeignet, um leicht zu hysterisierende „Linksgrünversiffte“ in Wallung zu bringen. Sie springen sofort artig über das Stöcken, das der olle C-Bodensatz ihnen hinhält.

[….] Konservative Gruppen und Mitglieder von CDU und CSU, die sich in den letzten Monaten in der "Werte-Union" bzw. dem "Freiheitlich-Konservativen Aufbruch" zusammengeschlossen haben, wollen mit einem am Samstag beschlossenen Manifest ihrer Partei einen konservativeren Stempel aufdrücken.
[….] Wenige Monate nach Einführung der Ehe für alle betont das Manifest daher u.a., "Ehe und Familie" seien "für uns die wichtigsten Grundlagen unserer Gesellschaft" und "das Leitbild 'Vater, Mutter, Kinder'" ein "elementarer Grundpfeiler". Auch spricht sich die "Werte-Union" gegen eine "staatliche Förderung der ideologisch motivierten sogenannten Genderforschung" aus.
[….] Auch ansonsten sucht das Papier eine Nähe zur AfD, will die doppelte Staatsbürgerschaft abschaffen oder die Wiedereinführung der Wehrpflicht prüfen. Die konservativen Unions-Mitglieder bezeichnen die "Masseneinwanderung seit 2015" als "rechtswidrig"; diese sei "rückgängig" zu machen. Die "Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen" über eine Obergrenze hinaus sei "unvertretbar". […..]

Merkel läßt ihre garstigen Exkrement-farbigen Kinderchen unbehelligt spielen; wir sollten das auch tun.
Sie sind wenige, machtlos und irrelevant.

Die wirklich Gefährlichen sind längst ein paar Stationen weiter zur AfD, den „alternativen Medien“, zu bösartigen Hetzern wie Berger gezogen und träumen von ihren Gewalttaten wider alle nichtblonden Minderheiten.

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