Donnerstag, 27. Dezember 2018

Solche und Solche

Eine meiner amerikanischen Tanten stammt ebenfalls aus Hamburg. Sie ist in den 1950er Jahren nach New York ausgewandert und wie so viele amerikanische Einwanderer total assimiliert.
Keins ihrer Kinder oder Enkel spricht ein Wort Deutsch, sie wurde religiös und lebt wie sich das klein Fritzchen so vorstellt inzwischen behütet weit außerhalb der City auf Long Island in einer Senioren-Community, wo niemand die Türen abschließt und man zu Weihnachten und Thanksgiving 300 bis 500 Karten verschickt.
Das sind Bilderbuch-Amerikaner.

Ein Typ, den ich nur über Emails kenne verbrachte just ein Jahr an der Uni Yale in New Haven, CT. Als mir auffiel, daß das schräg gegenüber von Longs Island liegt, dachte ich ein Kontakt vor Ort könne hilfreich sein, habe eine kurze Nachricht geschickt und sofort wurde er von der ganzen Familie eingeladen, inklusive Übernachtung.
Amis können so nett sein.
(Ich wäre nicht so nett auf eine Email einen Unbekannten gleich bei mir aufzunehmen.)
Meine Tante, inzwischen 80+ und Witwe spricht neuerdings ganz gern mal wieder deutsch. Während der letzten 60 Jahre hatte sie das fast ganz eingestellt, aber das scheint eine typische Alterserscheinung zu sein, daß man sich irgendwann wieder an diese Dinge aus der Jugend erinnert.
Auf Long Island gibt es keine Gelegenheit deutsch zu reden.
Am liebsten würde sie noch mal nach Hamburg fliegen, aber leider lässt ihre Gesundheit das nicht mehr zu.
Einem der Kinder fiel inzwischen ein, daß in Manhattan ein Wempe-Geschäft existiert. Das ist ein aus Hamburg stammender Juwelier, bei dem meine Tante in den 50ern eine Ausbildung begonnen hatte, aber dort nicht arbeitete, weil sie dann aus privaten Gründen in die USA auswanderte.
Ein Besuch bei Wempe-NY wäre quasi das „next best thing Hamburg“, wenn man nicht mehr selbst rüber fliegen könnte.
Das Geschäft liegt weit außerhalb der Price-Range meiner Tante und so trauten sie sich nicht einfach reinzumarschieren.
Da kam ich ins Spiel, weil ich über drei Ecken jemand kenne, der hier bei Wempe arbeitet. Ich schickte eine Mail, erklärte meine Familiengeschichte, woraufhin offensichtlich eine Mail nach Manhattan ging, um mein Anliegen weiter zu leiten.
Gestern starteten mein Ami-Verwandten ihren Familienausflug nach Manhattan, klopften bei Wempe an und was passierte? Der Geschäftsführer persönlich hatte sie erwartet, freute sich über die Geschichte, bewirtete alle mit Champagner und führte sie herum.

Meine Cousine mailt mir heute überglücklich:

„She truly had the best time. He treated her like royalty. I have not seen her that happy in a long time. She was so surprised. She thought we were just going to the theatre. Then she pointed out the Wempe store. I pulled over and told her let’s get a picture and they took her in for coffee. It was so nice. She said it was the best day of her life. Rudy made us feel very comfortable! It was the most beautiful day today in the city. Seeing my mom’s face light up as we were greeted with champagne and a tour of the jewelry store.”

Das ist eben auch so typisch amerikanisch. Die Amis können so nett sein und so unkompliziert. Der Geschäftsführer stellt sich gleich mit dem Vornamen vor und nun sind sie alle Freunde.
Solche Geschichten kennt jeder, der ab und zu mal in den Staaten ist oder dort Verwandte hat.
Insbesondere in Notsituationen, zB nach Naturkatastrophen, kann man nur staunen wie wenig gejammert wird und mit welch ungeheuren Hilfsbereitschaft sich sofort alle in Gang setzen, um den Betroffenen in der Not beizustehen.
Meine Ami-Verwandten wunderten sich auch dementsprechend als meine Eltern länger im Krankenhaus lagen, daß ich immer noch in deren Wohnungen fahren musste, um Blumen zu gießen.
In ihrer Gegend springen ganz automatisch die Nachbarn ein, gehen mal rüber (die Türen sind ja ohnehin nicht abgeschlossen), räumen auf, kochen etwas für einen, wenn man wieder kommt.

Aber dann gibt es in unmittelbarer Nähe von Wempe-New York den Trump-Tower mit den Menschen, die das diametrale Gegenteil dieser netten Amis sind.
Donald Trump ist selbstverständlich ein besonders extremes Arschloch, das völlig unfähig ist Mitleid zu empfinden, Hilfsbereitschaft zu zeigen oder überhaupt Empathie aufzubringen.
Im Gegenteil, er lebt einen ausgesprochen egomanischen und sadistischen Charakter aus, frönt Rassismus und Bösartigkeit.
Und so singulär kann das auch nicht sein, da es eine hohe zweistellige Millionenzahl von Amerikanern gibt, die ihn großartig finden und hingebungsvoll unterstützen.

Es fällt schwer die beiden Amerika-Bilder unter einen Hut zu bekommen.
Trump steht für das durch und durch verrottete, unmenschliche Amerika, in dem zur Belustigung seiner FOX-Fanschar kleine Immigranten-Kinder an der Grenze umgebracht werden.

[…..] Ein achtjähriger Junge aus Guatemala ist in US-Gewahrsam ums Leben gekommen. Damit ist bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Monats ein Kind nach seiner Festnahme durch US-Grenzbehörden gestorben. [….]

Das miese Stück Dreck Trump ist noch nicht mal in der Lage für ein paar Stunden die US-Truppen, die im Irak im Dreck hocken zu besuchen, ohne sich selbst maßlos zu loben und in Szene zu setzen, statt zumindest für das TV die Soldaten in den Vordergrund zu stellen.

[……] So gaben Soldaten Trump rote Kappen zum Unterschreiben - Kappen aus dem Wahlkampf mit der Aufschrift "Make America Great Again". Militärische Regeln verbieten eigentlich eine solche Parteinahme. Kritik gab es auch an seiner Ansprache: "Wir sind nicht mehr die Trottel der Welt. Ich mag euch, weil ihr nickt - wir werden als Nation wieder respektiert."
Trump behauptete, er habe den Soldaten die erste Solderhöhung seit zehn Jahren verschafft - was die Faktenchecker der US-Medien sofort widerlegten. Außerdem kritisierte er vor den Soldaten die oppositionellen Demokraten im Streit um eine Mauer an der Grenze zu Mexiko. Der Demokrat Jimmy Panetta gab sich deswegen enttäuscht: "Das ist eine Chance für ihn, zuzuhören, zu lernen und nicht zu belehren und eine politische Kundgebung abzuhalten. Leider kennt dieser Präsident nur ein Tempo, er kann nur diese politischen Kundgebungen abhalten - und das haben wir auch im Irak gesehen." [….]

G.I. Bone Spur bringt es fertig sich selbst weiter zu desavouieren, während er gerade auf einem PR-Trip ist, um von seinen gesammelten Peinlichkeiten abzulenken.

[….] Truppenbesuche von Präsidenten in Kampfgebieten, auch und gerade an Feiertagen, sind eigentlich üblich und in der Öffentlichkeit in den USA gern gesehen - als moralische Unterstützung für die Soldaten im Einsatz. Anders als seine Amtsvorgänger hatte Trump bisher in seiner Präsidentschaft aber noch nie US-Kampftruppen im Ausland besucht. [….] Im Irak kam es offenbar zu einem peinlichen Fauxpas. Trump hat wohl unbeabsichtigt den Stationierungsort eines Teams der US-Spezialeinheit Navy Seals öffentlich gemacht. Der Präsident veröffentlichte bei Twitter ein Video, das ihn zeigt, wie er mit US-Soldaten posiert, Hände schüttelt und Autogramme gibt. [….]

Auf dem Rückweg stoppte Präsident Peinlich auch noch in Ramstein, aber auch das gefiel ihm gar nicht.

[….] Trump enttäuscht von Ramstein-Besuch: "Ich dachte, da gibt es harte Musik und eine krasse Pyro-Show!"
Was für eine Debakel! US-Präsident Donald Trump hat seinen Blitzbesuch in Deutschland enttäuscht abgebrochen, nachdem er nicht wie erwartet von harter Rockmusik und Pyrotechnik, sondern lediglich von langweiligen Soldaten begrüßt wurde. Aus dem Umfeld Trumps heißt es, der Präsident sei außer sich.
Dabei soll die Zwischenlandung in Deutschland sogar Trumps Idee gewesen sein. Als ein Angehöriger seines Stabs einen möglichen Zwischenstopp in der Ramstein Airbase vorschlug, soll der Präsident sofort Feuer und Flamme gewesen sein. "Aber natürlich! Ich wollte schon immer mal Ramstein sehen", soll er ausgerufen haben. "Ich habe schon so viel darüber gehört."
Während des mehrstündigen Flugs vom Irak nach Deutschland habe Trump sich dann zurückgezogen und sich auf seinem iPod eigenen Angaben zufolge "erstmal wieder ein bisschen reingehört". […..]

Keine Kommentare:

Kommentar posten