Sonntag, 24. März 2019

SPD-Briefwechsel

Wenn es offiziell wird drücke ich mich natürlich etwas höflicher aus als in den Tammox-Rants und so schickte ich eine zivilisierter Version meines Wutanfalls nach dem letzten Klingbeil-Verdikt wider die Säkularen unter Klarnamen an die verschiedenen SPD-Gliederungen.
Der Hamburger Landesverband antwortete ebenso wenig wie der Parteivorstand oder gar Andrea Nahles selbst.

Zu Dokumentationszwecken veröffentliche ich den Wortlaut:

Meine lieben Genossen!

Vor zwei Wochen erhielt ich von meiner Hamburger Landeschefin Leonhard ein Glückwunsch-Schreiben zu meinem 25-Jährigen.
Dafür möchte ich mich bedanken und anlässlich dieses runden Datums ein paar Gedanken äußern.

Ich weiß noch genau aus welchen Gründen ich Anfang 1994 in die Partei eintrat, der ich mich ohnehin immer am engsten verbunden fühlte. Es war meiner Ansicht nach eine schwere Fehlentscheidung Rudolf Scharping zum Chef zu wählen. In einem Verfahren, das ohne einen zweiten Wahlgang offensichtlich auf ihn zugeschnitten war, um Gerd Schröder zu verhindern.
Hier in Hamburg hielten alle meine Freunde das für einen offensichtlichen groben Fehler und erklärten unter diesen Umständen nicht die SPD im 1994er Wahlkampf mit dieser absurden Troika, die von dem Schwächsten der drei geführt wurde, zu unterstützen. Uns schien die heißersehnte Möglichkeit Helmut Kohl endlich abzuwählen damit vertan. Und wir sollten Recht behalten.
Im Gegensatz zu meinen Altersgenossen, die sich frustriert von der SPD wegdrehten, dachte ich „jetzt erst recht!“ und trat in die Partei ein, weil ich fand, man müsse mitarbeiten, statt zu kritisieren.

Es kamen auch bald viel bessere Zeiten.
 1995 der Durchmarsch Lafontaines in Mannheim, als mir zum ersten mal auch meine JUSO-Chefin Nahles auffiel, die von einem Kamera-Team der Küppersbuschen WDR-Sendung „ZACK“ begleitet dort einmarschierte und theatralisch verkündete, es ginge nun darum „den Rudolf zu wählen!“
Ich konnte es nicht fassen. Wieso merkte ausgerechnet die Juso-Frau so gar nichts von der brodelnden Anti-Scharping-Stimmung in der SPD?
Es bedurfte nur einer hervorragenden Rede und weg war ihr Rudolf.
Leider sollte es in den folgenden zweieinhalb Dekaden zum Markenzeichen der heutigen Fraktions- und Parteivorsitzenden werden die Stimmung in der Partei spektakulär falsch einzuschätzen: Causa Müntefering/Wasserhövel, Außenminister Schulz, Maaßen-Beförderung – um nur drei eklatante Beispiele zu nennen.

Die Partei ist aber keine einzelne Person; es kamen tatsächlich viele bessere Momente.

1998 zum Beispiel.
Das war die Zeit, als ich stolz auf meine SPD war. Mutig, säkular und fortschrittlich gab sich die SPD-Regierung, das Kanzleramt geführt von einem der prominentesten Atheisten Deutschlands: Rolf Schwanitz.

Deutlich niedrigere Eingangssteuersätze (15% statt 26%!), Homo-Ehe, Zwangsarbeiterentschädigung, Staatsbürgerschaftsrecht, Ökosteuerreform, Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure, Atomausstieg, bis hin zu der Möglichkeit, daß Prostituierte sich krankenversichern lassen können, etc.
Besonders aber hat man Schröder für ewig dankbar zu sein, daß wir eben NICHT mit im Irak stecken, weil nämlich Schröder und Fischer sich mit aller Macht gegen Bush stemmten und schließlich den ganzen UN-Sicherheitsrat überzeugten, so daß USA und GB isoliert waren.

Oder 2011, als Olaf Scholz mit einer absoluten Mehrheit die schwarzgrüne-Chaos-Regierung in Hamburg wegfegte.

Ach Hamburg. Da hat man es schwer als SPD-Kritiker.

Hamburg verfügt über die vermutlich beste Landespartei der SPD, produziert die mit Abstand besten Wahlergebnisse, stellt mit dem introvertierten Wissenschaftler Peter Tschentscher einen sehr guten SPD-Bürgermeister, macht wirklich ausgezeichnete Stadtpolitik (Kriminalität und Arbeitslosigkeit auf Tiefststand, Flüchtlingsintegration klappt vorbildlich, sozialer Wohnungsbau boomt) und zudem ist Olaf Scholz‘ Nachfolgerin als Landeschefin, Melanie Leonhard, die 41-jährige promovierte Historikerin und Sozialsenatorin prima!
Hier bin ich gern Sozi.

Aber nach 25 Jahren Parteimitgliedschaft haben es Nahles und Klingbeil so weit gebracht, daß ich es fast nicht mehr vor mir selbst rechtfertigen kann zahlendes Mitglied der Bundes-SPD zu sein nachdem seit Tagen das erneute Verbot eines säkularen Arbeitskreises durch die Presse geht.

[….] Wer nicht kirchlich orientiert ist, hat es schwer in der SPD: Die „Säkularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen“ wollen einen Arbeitskreis in der Partei gründen – so wie Christen, Muslime und jüdische Genossen jeweils einen haben. Aber die weltlich Gesinnten dürfen nicht. Mehr noch: Generalsekretär Lars Klingbeil verbietet ihnen mit Hinweis auf die Parteijustiziarin, sich als „Sozialdemokraten“ auszugeben. „Das gilt auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet“ schreibt Klingbeil in einem Brief an die Gruppe, welcher der F.A.Z. vorliegt. [….]

Ich kann noch nicht mal sagen angesichts dieser Ungeheuerlichkeit fassungslos zu sein; schließlich ist mir der hartnäckige Katholizismus der Parteichefin und mehrerer anderer Parteiprominenter (Thierse, Griese) lange bekannt.

Erst vor einem Monat machte sich Andrea Nahles gehässig und brutal über die Zehntausenden von katholischen Priestern missbrauchten Kinder lustig, indem sie während des Vatikanischen Missbrauchsgipfels den Papst, der demonstrativ Pädophilenschützer wie Babarin unterstützt und sich weigert Strukturen zu ändern, so daß jetzt weiterhin Kinder durch Priester missbraucht werden, lobte:

 [….] Auch in der katholischen Kirche werde es irgendwann einmal Priesterinnen geben, versicherte sie und warb für Verständnis, dass eine Weltkirche nicht schnell zu reformieren sei. "Erst vor einigen Jahren hat der Papst offiziell festgestellt, dass es keine Lindwürmer gibt. Manchmal braucht das etwas." [….]

Manchmal braucht es etwas, lacht die SPD-Vorsitzende die weltweit über 100.000 von Priestern missbrauchten Opfer aus und verteidigt den Mann, der dafür sorgt, daß weiterhin die RKK-Strukturen Pädophile anziehen.
Wie ist es nur möglich, daß eine Sozialdemokratin so vollkommen gefühllos und mitleidslos spricht?

Nahles ist keine Privatkatholikin sondern zwingt ihre antihumanistischen Überzeugungen auch anderen auf.
Das ist leider typisch für Religion; sie beinhaltet Intoleranz und steht dem Pluralismus im Weg.
Wer nicht so denkt wie Nahles und Klingbeil, darf sich nun noch nicht mal mehr „Sozialdemokrat“ nennen. Das widerspricht so ziemlich allem was ich unter plural und aufgeklärt verstehe.
Hätten sich Sozialdemokraten in den letzten 150 Jahren immer so an die katholische Kirche geklammert wie Nahles, gäbe es heute noch kein Frauenwahlrecht und Kinderarbeit.
Katholikin Nahles hat offensichtlich Angst vor Argumenten, weil sie ihrer religiösen „wir sind besser als die“-Ideologie frönt, die es grundsätzlich ausschließt, daß auch andere Recht haben könnten.

Evolutionäre Humanisten wie ich, die Nahles und Klingbeil in der SPD verbieten,  verfolgen genau den diametral entgegengesetzten Weg: Wir argumentieren, diskutieren und sind immer bereit eine These zu Gunsten einer Besseren aufzugeben. Es gibt immer mal wieder neue Themenfelder, die Humanisten vor 100 Jahren noch nicht in den Sinn kamen – Tierrechte, Verbot der Kinderarbeit, §218, Frauenrechte, Beschneidungsverbot, Transident-Ehe – die wir aber in unsere Agenda integrierten.
Möglicherweise gibt es im Jahr 2119 Sozialdemokraten, die sich wundern, daß die Humanisten von heute an für sie ganz wichtige Themen noch gar nicht dachten.
Bei Kirchisten verbietet sich dieser evolutionäre Ansatz; sie haben schon vor 2.000 Jahren ex cathedra gehört was das einzig Richtige ist. Für sie gilt die Bibel, in der Jesus den Sklaven vernietet sich gegen ihre Besitzer aufzulehnen, den Frauen gebietet in der Gemeinde zu schweigen, den Hass auf Juden ausdrückt.

Eine ungeheuerliche Demütigung, daß ausgerechnet die traditionell kirchenfernen Sozialdemokraten, die sich gegen die der Obrigkeit verpflichteten Pfaffen stellten, nun von einer religiösen Extremistin geführt werden.

Als säkularer Sozialdemokrat, als Humanist, trete ich für die Rechte von Religiösen ein, würde immer dafür kämpfen, daß jeder glauben darf was er möchte, daß jeder privat so katholisch sein kann wie er will.
Das sind sozialdemokratische Werte: Toleranz, Freiheit, Solidarität.
Der katholische Parteivorstand hingegen agiert diametral umgekehrt: Er setzt sich nicht nur nicht für die Freiheit etwas anderes zu glauben ein, sondern verbietet ausdrücklich Gedankenfreiheit, will Säkulare per order di mufti auf Kurs bringen.

Dabei sind wir Säkulare im Gegensatz zu Katholiken nicht mit einer schwulenfeindlichen, frauenfeindlichen Ideologie verknüpft, die allein in Deutschland Zehntausende Kinder quälte und missbrauchte.
Und ganz nebenbei bemerkt, wir Säkularen sind eine relative Mehrheit in Deutschland. Es gibt mehr deutsche Konfessionslose als Katholiken und wir werden jedes Jahr mehr.
Und wir wenden uns von der SPD ab.

Ich würde jederzeit dafür kämpfen, daß eine SPD-Vorsitzende Katholikin sein darf, aber sie darf nicht anderen ihre metaphysischen Überzeugungen aufzwingen und andere ausgrenzen.

2019 ist offenbar die religiöse Wende vollzogen, die Parteispitze der SPD ist sicher nichts mehr, auf das man stolz wäre. Die Kirchen-Mitglieder haben übernommen. Statt bei Schröders bundesweiten 41% liegen wir nun bei 15%.

Kein Wunder, denn das Überstülpen von Klerikalen freiheitsfeindlichen Ansichten, die von der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werden – ich nenne nur Verbot der Sterbehilfe, Einschränkungen bei der Patientenverfügung, Beschneidungsdebatte – treibt die Menschen von der SPD weg.

Die bedeutenden sozialdemokratischen Intellektuellen Ingrid Matthäus-Maier und Rolf Schwanitz werden kalt gestellt und dafür kommt nun die rheinisch-schlichte katholische Karnevals-Fraktion.
Projekt Fünfprozenthürde?

Die Konfessionslosen sind heute nicht nur heimatlos; sie werden von ostentativ frommen Führungsfiguren der SPD-Parteiführung abgeschreckt.

Ich glaube nicht, daß ich noch SPD-Mitglied bin, wenn ein nächstes rundes Datum anstünde, zu dem eine Landesvorsitzende einen Glückwunschbrief schreiben würde.

Mit freundlichen Grüßen

Immerhin eine Reaktion gab es.
Vom Generalsekretär Lars Klingbeil.

(….)
vielen Dank für die Mail und die damit verbundene Nachfrage! Es ist immer wichtig, sich direkt auszutauschen, damit kein falscher Eindruck entsteht.

Die Mitglieder der SPD gehören unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften an und es gibt auch viele konfessionsfreie Menschen in der SPD. Alle sind herzlich eingeladen, sich in der SPD zu beteiligen.

Die Nutzung des Parteilogos und des Namens der SPD allerdings ist klar geregelt. Grundsätzlich steht die Nutzung neben unseren Funktions- und Mandatsträger*innen im Rahmen der Parteiarbeit nur offiziellen Organisationseinheiten und Gremien zu. Und welche das sind, darüber entscheide nicht ich, sondern ein Parteitag oder der Parteivorstand. Für die Einhaltung dieser Regeln bin ich als Generalsekretär verantwortlich.

Als SPD bekennen wir uns zum jüdisch-christlichen und humanistischen Erbe Europas und zur Toleranz in Fragen des Glaubens. Grundlage und Maßstab dafür ist unsere Verfassung. Kernanliegen der „Säkularen Sozis“ ist die strikte Trennung von Kirche und Staat. Das ist eine legitime Position. Es ist allerdings nicht die Position der SPD, so wie es auch nicht die Position des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ist. 2011 hat der SPD-Parteivorstand daher die Einrichtung eines laizistischen Arbeitskreises einstimmig abgelehnt.

Natürlich darf sich jeder der säkularen Mitstreiterinnen und Mitstreiter Sozialdemokrat nennen, so wie alle Mitglieder der SPD. Wo kämen wir denn da hin? Nur die säkulare Gruppierung, die nicht offiziell von der Partei als Arbeitskreis anerkannt wird, darf die Bezeichnung SPD sowie Sozialdemokrat nicht verwenden. Gegen die Bezeichnung „Säkulare Sozis“ bestehen z.B. hingegen keine Bedenken. Diese Regeln gelten selbstverständlich für alle.

Ich habe den säkularen Sozis vor gewisser Zeit zur Klärung des Sachverhalts ein Gesprächsangebot gemacht, das bisher nicht angenommen wurde. Vielleicht nutzt die aktuelle Debatte, den Gesprächsfaden doch noch einmal aufzunehmen. Ich würde es mir wünschen.

Beste Grüße
Lars

Lars Klingbeil
Generalsekretär

SPD-Parteivorstand
Willy-Brandt-Haus
Wilhelmstraße 141
10963 Berlin

Samstag, 23. März 2019

Weihnachten für Amerikas Linke?


Die Mueller-Probe ist fertig.
Der Bericht wird sicherlich die nächsten Wochen die Agenda bestimmen.
Die Republikaner werden alles versuchen, um möglichst viel davon verschwinden lassen, aber wie man hört, soll Mueller schon Teile an untergeordnete Staatsanwaltschaften weitergeleitet haben.
Amerikas Politanalysten reden über nichts anderes mehr, kommentieren, verdammen und loben den Report, von dem sie alle noch keine einzige Zeile gelesen haben.
Es ist die Zeit der Spin-Doktoren.


Anklagen gegen 32 Menschen resultierten aus Mueller Untersuchungen, sechs Menschen aus Trumps innerstem Kreis sitzen im Knast, ein brutal effektiver Bericht und dennoch bezeichnete Trump den gesamten Vorgang 170 mal als „Witch-hunt.“


Das ist Amerika 2019: Fakten spielen keine Rolle mehr, Trump hat es geschafft die Hälfte der USA in eine fiktive Parallelwelt zu tweeten, in der nicht mal mehr physikalische Gesetze gelten.
Jeder einzelne Abgeordnete der Republikaner verklebt sich sofort Augen und Ohren mit Scheiße, wenn er mit der Realität konfrontiert wird, zieht die Hosen runter, beugt sich vorn über und lässt sich von Trump rapen.


Daher habe ich auch wiederholt geschrieben wie sehr ich mit Mueller hadere.
Was wäre wenn er einen echten Rücktritts-, bzw Impeachment-Grund findet, der tatsächlich Trumps Amtszeit vorzeitig beendete?
60 Millionen vollkommen fanatisierte Amerikaner würden es für eine liberale Deep-State-Verschwörung halten. #45 würde unweigerlich zum Märtyrer, eine gewaltige Dolchstoßlegende entstünde.
Die USA wären auf Dauer in unversöhnlichen Hass zweier Fraktionen gespalten. Kein demokratischer Amtsinhaber könnte die Anerkennung Trumpmericas erarbeiten. Trumps eliminatorisches Destruktionswerk bestünde lange fort.
Daher bevorzuge ich, ähnlich wie beim Brexit eine volle vierjährige Amtszeit Trumps, bei der er hoffentlich einen derartigen ökonomischen Schaden anrichtet, daß die Majorität seiner Wähler einsieht sich geirrt zu haben.
Wahlen wären das bessere, überzeugendere und effektivere Mittel Trump loszuwerden.
Eigentlich.
Uneigentlich ist seine Präsidentschaft aber derart toxisch, daß schon jetzt eine Rückkehr zur Normalität mit „Checks And Balance“ fast unmöglich scheint.
Politiker unterschiedlicher Parteien, die im Kongress miteinander ringen, um in Kompromissen das Beste für das Land auszutüfteln?
Was Jahrhunderte funktionierte, dürfte in der Post-Trump-Phase unmöglich sein.
Die GOP ist viel zu extrem geworden und hat überdeutlich immer wieder gezeigt, daß sie nicht verlässlich ist und sich vollständig von der Realität entkoppelt hat.

Jeder Tag, den Trump regiert nagt an Amerikas Substanz; möglicherweise ist nichts mehr übrig, wenn vier Jahre um sind.

[….] A recent study by scholars from the University of North Texas has shown that “counties that had hosted a 2016 Trump campaign rally saw a 226 percent increase in reported hate crimes over comparable counties that did not host such a rally.”
We already knew that U.S. hate crimes have been on the rise since Trump’s election. Even though the president’s spokespeople falsely claim that he doesn’t support political violence, he continues making barely veiled threats to his political opponents.
But this is the first study to quantify how Trump’s very presence might increase animus against marginalized people (though researchers stop short of claiming causation). [….]

Zudem, ist der außenpolitische Schaden, den dieser völlig bornierte Rechtsextremist anrichtet kaum noch umkehrbar.



Gezielt fördert Trump die Rechtsextremen weltweit, tut alles dafür den Friedensprozess im Nahen Osten unmöglich zu machen, hofiert die Kriegstreiber.

[….] Donald Trump will die von Israel annektierten Golanhöhen anerkennen [….] Völkerrechtlich betrachtet ist dies ein grober Rechtsbruch: Israel hat den strategisch wichtigen Bergzug 1967 erobert und 1981 rechtswidrig annektiert. Dies offiziell abzusegnen, verbietet sich jedem, der an den Wert internationalen Rechts glaubt. Was Trump wohl nicht tut.
Auch politisch ist der Schritt eine Riesendummheit. Kaum irgendwo sind die Verhältnisse so explosiv wie in Nahost. Statt den fragilen Zustand rund um Israel nicht anzurühren und Verhandlungslösungen zu suchen, erkennt Trump erst Jerusalem als Hauptstadt an und gibt Israel nun noch den Freibrief für den Golan. Trump zündelt, als ob er nicht wüsste, dass die Zeichen ohnehin längst auf neue Konflikte deuten - mit Iran, in Syrien, in Kurdistan. [….]

Vielleicht bleibt keine Zeit mehr bist zur Wahl im November 2020 zu warten.
Möglicherweise wird #45 auch wieder gewählt.
Und wenn ein Demokrat ihn schlägt, bleibt fraglich, ob Trump und seine fanatischen Wirklichkeitsantagonisten das Wahlergebnis anerkennen.

Freitag, 22. März 2019

Am Pranger

Zum Weltbild der Rechtsradikalen gehört es nicht nur Andersdenkende zu bekämpfen, sondern auch Andersglaubende, Andersfühlende, Andersaussehende, Andersliebende.
Sie frönen einem sehr primitiven, nivellierenden Weltbild, in dem jeder genauso sein soll wie sie, in dem kein Platz ist für Extravaganz und Unruhe.
Daher lieben Rechtsextreme Uniformen, Uniformität, Einheitsfrisuren und fürchten sich vor Diversität. Wer sich nicht total anpasst, ist ihnen verdächtig.
Multikultur ist ihnen ein Graus, sie streben nach dem Einheitsmensch, dessen Parameter von einer allmächtigen Führung bestimmt werden.
Die Kombination aus Obrigkeitskult und der Lust an Homogenität führt dazu, daß in allen faschistischen Staaten schon die Jugend vereinheitlicht wird, Adoleszente in paramilitärische Strukturen gepresst und Widerborstige hart sanktioniert werden. Sie wünschen sich den Schablonen-Menschen, der immer blond, gesund, national gesinnt, heterosexuell und christlich ist.
Der feuchte Traum eines Rechtsextremen manifestiert sich in Leni Riefenstahls Parteitagsfilmen, in denen endlose akkurate Reihen von Menschen, denen jegliche Individualität ausgetrieben wurde, einem Führer frönen.
Ein typisches Kennzeichen rechtsradikaler Gesinnung ist die Lust am melden, anschwärzen, denunzieren. Sie wünschen sich eine Institution wie die Gestapo und versuchen aus Ermangelung Derselben das Internet als Onlinepranger zu nutzen.
Daher ist es nur folgerichtig, daß die AfD in allen Landesverbänden Meldeportale einrichtete, mit denen sie Schüler zur Denunziation all dessen auffordert, das nicht in ihr primitives Weltbild passt.

[….] Die AfD hat bundesweit Aufregung und Kritik mit ihrem "Informationsportal Neutrale Schulen Hamburg" hervorgerufen. Die rechtspopulistische Partei wirft Lehrerinnen und Lehrern unter anderem vor, das staatliche Neutralitätsgebot im Umgang mit der AfD zu verletzen. Das "Angebot" der AfD: Eltern und Schüler können über die "mutmaßlichen Verstöße" über ein Kontaktformular an die AfD berichten. Dafür startete die AfD in mehreren deutschen Städten Online-Meldeportale. [….]

Der Berliner Urinduscher Berger begeistert sich selbstverständlich auch für das Denunzieren und berichtet als selbsternannter Führer der „freien Medien“ entzückt von den Erfolgen der Meldemuschis seiner Partei.

[….] Internetportal „Neutrale Schule“: Erste Erfolge im Einsatz gegen linksextreme Propaganda an Schulen
Der Hinweis eines Schülers auf dem Internetportal „Neutrale Schule“ sowie eine kleine Anfrage der AfD-Bürgerschaftsfraktion haben dazu geführt, dass die Hamburger Schulaufsicht eine Ortsbegehung an der Ida-Ehre-Schule im Stadtteil Eimsbüttel durchführen musste.
Aushänge und Werbeaufkleber der gewaltbereiten und vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppierung „Antifa Altona Ost“ mussten daraufhin entfernt werden. Diese Vorgänge zeigen:
An Hamburger Schulen konnten offenbar linksextremistische Gruppierungen ihr verfassungsfeindliches Gedankengut ungehindert verbreiten. Und: Es war allerhöchste Zeit, dass hier ein Meldeportal eingeführt wurde.
Der Hamburger Bundestagsabgeordnete und Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Baumann äußerte sich zufrieden mit den ersten Erfolgen. [….]

Die faschistoiden Pipi-Epigonen im Kommentarbereich bekamen ob dieser Meldung sofort vermehrten Speichelfluss.



Ein toller Erfolg für die Rechten, die sich nun selbst ausgiebig beglückwünschen.

Einziger kleiner Schönheitsfehler: An der Geschichte ist rein gar nichts dran.
Der inkriminierte Aufkleber war Teil des Gemeinschaftskundeunterrichts einer 12. Klasse, in dem auf einer als „Meinungswand" gestalteten Fläche Dutzende Aufkleber, wie z.B. „Bier für mich, Tequila für Haiti" oder „I am not a nugget" oder „Viva la Bernie" und auch der Antifa-Sticker prangte, um Parteienprofile zu erstellen. Es sollte diskutiert werden welche künstlerischen Zugänge zum politischen Handeln existieren.

[…..] AfD-Petze wird zum Bumerang: Schüler solidarisieren sich mit Ida-Ehre-Schule.
Das nennt man wohl ein klassisches Eigentor. Die AfD hatte einen vermeintlichen Erfolg mit ihrem Petz-Portal erzielt und von Antifa-Stickern in der Ida-Ehre-Schule (Hoheluft-Ost) erfahren. Über die zugehörige Senatsanfrage der Partei berichteten die Medien. Jetzt der Bumerang: Schüler des Gymnasium Allee (Altona) solidarisieren sich mit der Ida-Ehre-Schule. Und deren Schulleitung stellt klar: die Sticker waren ganz normaler Teil des Politik-Unterrichts.
„Wir, die Schüler*innen des Gymnasium Alllee, solidarisieren uns mit den von der AfD diffamierten Schüler*innen und Lehrer*innen der Ida-Ehre-Schule“, heißt es im Statement der Altonaer Schüler. Dazu gibt es ein Foto, das eine offenbar recht große Zahl von Schülern zeigt. In der Hand Antifa-Sticker, die ja der Stein des Anstoßes waren, im Vordergrund ein großes Banner mit der Aufschrift „Antifa Area überall“. Sich gegen Rassismus und soziale Missstände auszusprechen sei eben kein Linksextremismus, sondern selbstverständlich, heißt es in dem Statement weiter..
Auch die Leitung der Ida-Ehre-Schule hat sich mit einer Stellungnahme positioniert. […..] Worauf die Schulleitung allerdings mit Stolz verweist, ist die politische, antifaschistische Tradition der Schule. Schwester und Mutter der jüdischen Schauspielerin Ida Ehre waren im KZ gestorben. [….]


Wieder einmal erweist sich Hamburg, wo die AfD bei Umfragen unter 5% liegt als schwieriges Pflaster für die Hobby-Nazis. Sie erreichten, wieder einmal, das Gegenteil: Nun solidarisieren sich andere Schulen mit der Ida-Ehre-Schule (IES), demonstrieren gegen die AfD und stellen klar, daß Antifaschismus nicht etwa linksextrem, sondern allgemeingültig ist.



[….]  Hamburgs DGB-Gewerkschaften erklären sich solidarisch mit Schüler*innen, Lehrer*innen und Schulleitung der Ida Ehre Schule und schließen sich einer Stellungnahme der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an.
Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger: „Nicht Antifaschismus ist das Problem, sondern Faschismus. In Anbetracht der deutschen Geschichte ist es unfassbar, dass Menschen mit einer antifaschistischen Haltung sich in dem Ausmaß rechtfertigen müssen, weil eine rechtspopulistische Partei Druck aufbaut. Als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter reihen wir uns ein bei den vielen, die sich jetzt hinter die Akteure an der Ida Ehre Schule stellen. Eine antifaschistische Haltung gehört zu unserer DNA, die wir tagtäglich in den Betrieben und auf der Straße leben. Alle Beteiligten Institutionen, die die Diskussion um die Ida Ehre Schule losgetreten haben, sollten sich kritisch hinterfragen. Antifaschismus in eine linksextremistische Krawallecke zu stellen ist genau das, was die AfD will. Dabei darf man ihr nicht helfen. Das Meldeportal der Partei lehnen wir nach wie vor ab, denn wir wollen keine Stadt der Denunzianten.“ [….]

Sogar das konservative Hamburger Abendblatt senkt verwundert die Daumen über die AfD-Dümmlichkeit. Und leider auch das Versagen der Schulbehörde, die tatsächlich eingeschritten war, um den Aufkleber zu entfernen.
Nun sind die Eltern empört.


[….]  Die Schulbehörde mache sich „in einem ersten Reflex auf die Initiative der AfD auf die Suche nach den Antifaschist*innen“, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung von Eltern der IES. „Wir hätten uns gewünscht, dass eine Behörde dieses Thema eher zum Anlass nimmt, Schüler*innen und Lehrer*innen zu schützen und sich klar gegen Denunziation von rechts positioniert. Als Eltern unterstützen wir unsere Kinder und die Lehrer*innen in ihrem Engagement gegen Faschismus und fordern eine klare Positionierung der Schulbehörde.“
Auch einige Medien betrachteten „die Denunziationsplattform der AfD nun als normale Bezugsquelle von Informationen“, so die Kritik. Dabei erinnere dieses an „Denunziationsstrategien in der NS-Zeit“, so die Elternerklärung, für die derzeit weitere Unterschriften gesammelt werden. „Schon vor 1933 legten die Nazis Listen an, auf deren Grundlage nach der Machtübernahme Tausende verhaftet und ermordet wurden.“
[…..] „Kunstunterricht als offenes Experiment ermutigt Schüler, durch mitunter ungewöhnliche Impulse eigenes einzubringen und Neues zu entwickeln“, sagte Birte Abel-Danlowski, Mutter einer IES-Schülerin und selbst Kunstpädagogin und Autorin, dem Abendblatt. „Solche Prozesse arbeiten mit widersprüchlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen jenseits von Standards. Sie setzen darauf, das kritische Denken der Schüler über selbstständiges Entdecken, nicht über Belehrung, zu fördern und eigene kreative Lösungen anzustoßen. Damit leistet der Kunstunterricht einen wesentlichen Beitrag zur Demokratie-Erziehung.“ […..]

Unnötig zu erwähnen, daß der Urinduscher selbst natürlich auch die einfachsten Formen journalistischen Anstands ignoriert, auf seinem Pipi-Blog nichts richtigstellt und weiterhin seine Lügen auftischt.

Donnerstag, 21. März 2019

Dumme Menschen.

Es gab drei Hauptargumentationsliegen für die Brexiteers. Mit einer Stimme für „Leave“ würde viel mehr Geld in England bleiben, man bekäme Souveränität zurück und die verhassten Ausländer flögen raus.

 In allen Fällen ist das Gegenteil der Fall.
Statt ein paar Hundert Millionen Pfund monatlich mehr für GB, werden die Insulaner erst mal 50 Milliarden an Brüssel abstottern müssen.
Die außenpolitische Souveränität ist außerhalb der EU sogar drastisch gesunken, wie das völlige Versagen Londons beim Abschluss von alternativen Handelsverträgen zeigt: Die Briten sind allein einfach zu schwach, um ihre Wünsche bei Verträgen mit den Riesen China, USA, Japan durchzusetzen.
Bleibt die Ausländerfrage.
Durch die xenophobe Stimmung in England und die unklaren Rechtslage der EU-Arbeitsmigranten im Königreich, haben Hunderttausende tatsächlich das Land verlassen.
Aber:

[….] Boris Johnson, einer ihrer Köpfe und ein möglicher künftiger konservativer Ministerpräsident, geißelte 2016 das "unmoralische, teure und unkontrollierte System" der EU-Freizügigkeit.
[….]  Hunderttausende EU-Bürger, zumal Polen und Rumänen, haben seit dem Referendum vor knapp drei Jahren die britischen Inseln verlassen.
[….] Ende 2018 arbeiteten 2,3 Millionen Europäer in Großbritannien, 61.000 weniger als ein Jahr zuvor.
Allerdings bedeutet das nicht, dass die Gesamtzahl der Zuwanderer gesunken ist. Im Gegenteil: Der Nettozuzug liegt nach wie vor bei knapp 300.000 Personen jährlich, dreimal so hoch wie von May versprochen. Allerdings kommen jetzt mehr Immigranten von außerhalb der EU, Inder und Chinesen insbesondere. Deren Zahl ist seit dem Brexit stark angestiegen.
Ein seltsames Resultat, zurückhaltend formuliert. Brexit-Wähler, die angesichts der großen Zahl von EU-Zuwanderern zuvor von Überfremdungsängsten getrieben wurden, sind nun mit einer neuen Realität konfrontiert: einer Immigration in gleicher Größenordnung, allerdings aus ferneren Ländern. [….]

Wie in Deutschland, Benelux und Skandinavien herrscht auch in GB bei den niedrig bezahlen Jobs, sowie bei allen Jobs  im Bereich Pflege und Agrar längst Vollbeschäftigung. London ist dringend auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen.

Wieder so ein Beispiel dafür wie der Urnenpöbel durch seine eigene Doofheit an der Wahlurne genau das Gegenteil dessen erreicht, was er wollte.

Wähler wählen in vielen großen Demokratien eklatant gegen ihre Interessen.
Der verarmte White Trash Amerikas hält den Republikanern die Treue, die Ärmsten und Dümmsten Deutschlands wählen die neoliberale AfD und die Hauptempfänger von EU-Strukturhilfen stimmten für „Leave“.

Auch der xenophobe Deutsche und konservative EU-Politiker sorgen mit ihrer Agrarpolitik und ihrem Kaufverhalten nicht für weniger Flüchtlinge, sondern für mehr.

Hochsubventioniertes EU-Gemüse oder EU-Hühnerteile werden so billig nach Afrika exportiert, daß die Farmer dort massenhaft pleitegehen und sich aus blanker Not gen Norden aufmachen, um schließlich in den gigantischen Billigplantagen Andalusiens, Kalabriens und Siziliens bei der Produktion des EU-Gemüses zu helfen, das ihnen selbst die Existenzgrundlage entzieht.

Schuld sind das konservative Wahlverhalten der Deutschen bei EU-Wahlen und die ekelerregende Billigheimer-Mentalität der Germanen, die über 80 ihrer Lebensmittel bei Discountern und Mega-Ketten absurd billig erwerben.
Die vier ganz großen Player – Aldi, Schwarzgruppe, REWE und EDEKA – haben dadurch eine so gewaltige Marktmacht generiert, daß sie alle Mindestlohnstandards unterlaufen. Die Produzenten unseres Supermarktgemüses holen sich Billig-Pflücker vom afrikanischen Arbeitsstrich.


Mittwoch, 20. März 2019

Ana und ich

Angesichts der US-Republikaner von 2019, die sich eisern um Trump scharen und keinerlei Anstalten machen seine ungeheuren Lügen, seinen Sadismus, Hass und Rassismus zu stoppen, verblüffen die prominenten Ex-GOPer, die in schärfster Rhetorik ihre ehemalige Partei verdammen, nicht.
Max Boot, Steve Schmidt, George F. Will, Gordon Humphrey, Joe Scarborough und Peter Wehner sind Beispiele.
Wer auch nur einen Funken Anstand in sich hat, muss die Partei verlassen.

Mit Ana Navarro gibt es aber zumindest noch ein prominentes Parteimitglied, das öffentlich aus allen verbalen Rohren gegen Trump schießt und dabei alle Register zieht.


Natürlich wird ihr immer mal wieder die Frage gestellt, wann sie eigentlich aus der GOP austritt. Sie pflegt dann zu antworten, sie wäre schon Republikanerin gewesen, als Trump noch Demokrat war, sie wäre schon Republikanerin gewesen, als Trump noch ein Independent war und nun wäre sie Republikanerin, während Trump behaupte Republikaner zu sein.

Es ist sehr ehrenvoll zu seinen Überzeugungen zu stehen und zu versuchen in seinem eigenen Verein aufzuräumen. Einfach abhauen und sich so elegant reinzuwaschen, ist sicherlich die billigere Lösung. Austreten, abhauen, den Rücken kehren ist zudem die ineffektivste Methode, weil man von außen auf die innerparteilichen Entscheidungsprozesse keinen Einfluss mehr nehmen kann – und schließlich kann man die Regierung nur als Parteimitglied direkt beeinflussen.
That said, muss man sich allerdings fragen wann der point of no return erreicht ist.
 Die US-Republikaner verließen schon Anfang der 1990 mit Newt Gingrich und Kenneth Starr den Bereich, der noch als „sane“ gilt und wurden zu einer rein destruktiven Hypocrite-Partei.
Es ging nur noch darum den Demokraten zu schaden und gerne wurde das Wohl des Landes als Geisel genommen, mutwillig versucht in eine Wirtschaftskrise zu steuern, um die Wahlchancen der Demokraten zu schmälern.
Anschließend kam es mit GWB-Cheneys Kriegsverbrechen zu einer zweiten Eskalationsstufe des Parteiwahnsinns und es wurde noch schwerer ein moralischer Republikaner zu sein. Die dritte Eskalationsstufe erfolgte mit dem Amtsantritt Obamas, als die Teebeutler die letzten zurechnungsfähigen GOP-Kandidaten aus den Vorwahlen kippten und auf offen rassistischen Kurs gingen.
Mit Eskalationsstufe Vier, dem Amtsantritt Trumps war die republikanische Partei allerspätestens ein hoffnungsloser Fall, symbolisiert durch das öffentliche Sterben des siechen John McCain, der als letzter Held der anständigen GOPer galt.
Dabei war er nur im Vergleich zu Trump erträglich, aber für moralisch und humanistisch verwurzelte Menschen immer noch ein knochenkonservativer Kriegstreiber.
Die GOP ist verloren für alle Menschen mit einem dreistelligen IQ, die nicht bösartige Psychopathen sind.
Ana Navarro könnte es also auch lassen.

Und ich? Wann verlasse ich die SPD?
Gerade erhielt ich zu meinem silbernen Partei-Jubiläum ein Glückwunsch-Schreiben meiner Hamburger Parteichefin.


Daß ich auch ausgerechnet Hamburger sein muss!
Hamburg verfügt über die vermutlich beste Landespartei der SPD, produziert die mit Abstand besten Wahlergebnisse, stellt mit dem introvertierten Wissenschaftler Peter Tschentscher einen sehr guten SPD-Bürgermeister, macht wirklich ausgezeichnete Stadtpolitik (Kriminalität und Arbeitslosigkeit auf Tiefststand, Flüchtlingsintegration klappt vorbildlich, sozialer Wohnungsbau boomt) und zudem ist Olaf Scholz‘ Nachfolgerin als Landeschefin, Melanie Leonhard, die 41-jährige promovierte Historikerin und Sozialsenatorin prima!

Aber es dürfte nicht überraschen wie ich gerade über die Bundesführung denke nachdem seit Tagen das erneute Verbot eines säkularen Arbeitskreises durch die Presse geht.

 
[….] Wer nicht kirchlich orientiert ist, hat es schwer in der SPD: Die „Säkularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen“ wollen einen Arbeitskreis in der Partei gründen – so wie Christen, Muslime und jüdische Genossen jeweils einen haben. Aber die weltlich Gesinnten dürfen nicht. Mehr noch: Generalsekretär Lars Klingbeil verbietet ihnen mit Hinweis auf die Parteijustiziarin, sich als „Sozialdemokraten“ auszugeben. „Das gilt auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet“ schreibt Klingbeil in einem Brief an die Gruppe, welcher der F.A.Z. vorliegt. [….]

Ich kann noch nicht mal sagen angesichts dieser Ungeheuerlichkeit fassungslos zu sein; schließlich ist mir das schwere Religiotentum der Parteichefin und mehrerer anderer Parteiprominenter (Thierse, Griese) lange bekannt.
Nahles ist leider keine Privatreligiotin sondern zwingt ihre antihumanistischen Überzeugungen auch anderen auf. Das ist leider typisch für Religiotie; sie beinhaltet Borniertheit, Intoleranz und steht dem Pluralismus im Weg.
Wer nicht so denkt wie Nahles, darf sich nicht äußern.
Religioten haben Angst vor Argumenten, weil sie ihrer „wir sind besser als die“-Ideologie frönen, die es grundsätzlich ausschließt, daß auch andere Recht haben könnten.
Evolutionäre Humanisten wie ich verfolgen genau den diametral entgegengesetzten Weg, wir argumentieren, diskutieren und sind immer bereit eine These zu Gunsten einer Besseren aufzugeben. Es gibt immer mal wieder neue Themenfelder, die Humanisten vor 100 Jahren noch nicht in den Sinn kamen – Tierrechte, Beschneidungsverbot, Transident-Ehe – die wir aber in unsere Agenda integrierten.
Möglicherweise gibt es im Jahr 2119 Blogger, die sich wundern, daß die Humanisten von heute an für sie ganz wichtige Themen noch gar nicht dachten.
Bei Kirchisten verbietet sich dieser evolutionäre Ansatz; sie haben schon vor 2.000 Jahren ex cathedra gehört was das einzig Richtige ist und dürfen daran nicht rütteln, weil ihr heiliges Buch Gottes Wort transportiert.

Eine ungeheuerliche Demütigung, daß ausgerechnet die traditionell kirchenfernen Sozialdemokraten, die sich gegen die der Obrigkeit verpflichteten Pfaffen stellten, nun von einer Hardcore-Religiotin geführt werden.

[…..] Seit Jahren versuchen religionsfreie Menschen in der SPD einen Arbeitskreis zu gründen, wie der hpd schon mehrfach berichtete. […..] Die "Säkularen Sozis" haben mehrere hundert Mitglieder, darunter prominente Personen aus der säkularen Szene wie die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ingrid Matthäus-Maier und Lale Akgün, die sich für einen aufgeklärten Islam stark macht, sowie der ehemalige Staatsminister und Staatssekretär Rolf Schwanitz. Das nicht anerkannte Bündnis setzt sich für die Belange Konfessionsfreier und einen weltanschaulich neutralen Staat ein.
Andere Weltanschauungen haben Arbeitskreise, die von der Partei akzeptiert werden: Sowohl Christen, Menschen jüdischen Glaubens und seit 2014 auch Muslime. Der Antrag der Nicht-Religiösen zur Gründung eines Arbeitskreises wurde hingegen abgelehnt, der damalige Chef der SPD, Sigmar Gabriel, begründete dies seinerzeit damit, dass die strikte Trennung von Kirche und Staat das Kernanliegen der Laizisten, nicht aber Mehrheitsposition der SPD sei.
Aktuell existieren die "Säkularen Sozis" in erster Linie im Internet. Doch auch das will der Generalsekretär jetzt unterbinden: "Auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet" gilt das Verbot, die Bezeichnung "Sozialdemokraten" zu verwenden. Er verlangt Respekt für die "Entscheidung, dass der Parteivorstand keinen säkularen Arbeitskreis einrichten wird und dass Ihr daher den Namen 'SozialdemokratInnen' nicht weiter verwenden könnt." […..]

Bin ich sowas wie eine Ana Navarro der SPD, der Jahre nach der Kaperung durch die Religioten die Werte der säkularen, humanitären, pluralistischen SPD hochhält?

Vor zwei Dekaden sah das noch ganz anders aus – mutig verzichteten Bundeskanzler, Vizekanzler und mehrere weitere Minister schon beim Amtseid auf die Gottesformel und zogen sich den blanken Hass der Religioten Deutschlands zu.

(…..)  Das waren noch Zeiten, als im Jahr 1998 das neue Kabinett vereidigt wurde und neben Bundeskanzler Schröder gleich sieben weitere Minister auf die Gottesformel „so wahr mir Gott helfe“ verzichteten.
Oskar Lafontaine, Otto Schily, Walter Riester, Edelgard Bulmahn, Bodo Hombach, Joschka Fischer und Jürgen Trittin waren die „Skandalpolitiker“, die sich anmaßten ohne Gottes Hilfe regieren zu können.
Frau Merkel war empört.

Die Gottlosen hätten nun das Ruder übernommen, hieß es, Religion werde vollends aus dem öffentlichen Raum gedrängt. Schröder begründete das Weglassen der religiösen Schlussformel mit dem Hinweis, Glaube sei Privatsache. Dies stieß bei Teilen der Kirchen auf Kritik, die Politik dürfe sich nicht nur an Sachzwängen ausrichten, sondern müsse sich ihrer Verantwortung vor Gott bewusst sein, hieß es beispielsweise in einem "Wort zum Sonntag". Der Erfurter Bischof Joachim Wanke gab zu bedenken, dass mit der fehlenden Rückbindung an eine transzendente Instanz auch andere "letzte Überzeugungen" wie etwa die gleiche Würde aller Menschen oder die Solidarität mit den Schwachen verloren gingen.

Dazu muß man wohl Katholik sein, um zu erkennen, daß nach 16 Jahren Schwarzgelb nun unter RotGrün die Solidarität mit den Schwachen verloren ginge.

Als die große Koalition 2005 unter Merkel vereidigt wurde, verzichtete nur noch ein Regierungsmitglied auf die Gottesformel. Die Justizministerin Brigitte Zypries war die Übeltäterin und die schlimmsten Befürchtungen wurden wahr! Sie offenbare ihre satanischen Überzeugungen, indem sie Studien zitierte, nach denen Kinder, die von homosexuellen Eltern großgezogen wurden sich mindestens genauso gut entwickelten, wie die in „traditionellen Ehen“ und zog daraus den Schluß auch gleichgeschlechtlichen Paaren eine gemeinsame Adoption zu erlauben.
Zum Glück konnten die christlichen CDU-Minister diesen Frevel bis heute verhindern und Deutschlands Kinder davor schützen massenhaft der Homoperversion anheim zu fallen. (…..)

Das war die Zeit, als ich stolz auf meine SPD war. Mutig, säkular und fortschrittlich gab sich die SPD-Regierung, das Kanzleramt geführt von einem der prominentesten Atheisten Deutschlands: Rolf Schwanitz.

Deutlich niedrigere Eingangssteuersätze (15% statt 26%!), Homo-Ehe, Zwangsarbeiterentschädigung, Ökosteuerreform, Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure, Atomausstieg bis hin zu der Möglichkeit, daß Prostituierte sich krankenversichern lassen können, etc.
Besonders aber hat man Schröder für ewig dankbar zu sein, daß wir eben NICHT mit im Irak stecken, weil nämlich Schröder und Fischer sich mit aller Macht gegen Bush gestemmt haben und schließlich den ganzen UN-Sicherheitsrat überzeugten, so daß USA und GB isoliert waren.
Der sanfte klerikale Umsturz der SPD begann schon vor zehn Jahren.

 (…..) Genau wie in den USA, ist auch in Deutschland die Kenntnis der eigenen Verfassung nicht besonders ausgeprägt.
Mit sagenhafter Ignoranz phantasieren die Spitzen der Parteien bei uns Dinge in das Grundgesetz, die es nicht gibt und die es nie gab.
Es mußte erst der atheistische Philosoph Michael Schmidt-Salomon kommen, um Figuren wie Merkel, Wulff und Seehofer ein paar simple Wahrheiten über unsere Verfassungsgeschichte mitzuteilen.

Nicht, daß es etwas genutzt hätte.
Noch immer wird fleißig die Lüge von der „jüdisch-christlichen Leitkultur“ bemüht, die erst die Werte des Grundgesetzes ermöglicht hätten - obwohl gerade umgekehrt ein Schuh draus wird - seit 200 Jahren haben sich Aufklärer in Deutschland gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Institutionen für gleiches Wahlrecht, Frauenrechte, die Ächtung von Kinderarbeit, etc pp eingesetzt.

Es ist erschreckend zu sehen, daß trotz des stetigen Mitgliederverlustes der Kirchen ausgerechnet die höchsten Vertreter unseres säkularen Staates ein klerikales Rollback versuchen.

Als 1998 Joschka Fischer und Gerhard Schröder ihre Amtseide als Kanzler und Vizekanzler leisteten, geschah das erstmalig ohne die Formel „so wahr mir Gott helfe“.
Ein schönes hohes Amt erklomm auch Wolfgang Thierse, der sogar formal über dem Bundeskanzler stehend Bundestagspräsident wurde.
Einwände gegen die Amtseide Fischers und Schröders gab es nicht vom neuen Bundestagspräsidenten, der sie einschwor.

12 Jahre später ist alles anders. Inzwischen ist Thierse genau wie seine Kollegin Nahles, die ebenfalls 1998 ganz zufrieden war, deutlich in die klerikale Ecke gerutscht und läuft schon verbal Amok, wenn nur darüber berichtet wird, daß sich einige Genossin in seiner Partei zu einer laizistischen Gruppe zusammenschließend wollen.

Es wird mir Angst und Bange, wenn ich sehe, wie die obersten Vertreter unseres Landes, die verdammt noch mal auch für die Mehrheit der Menschen, die nicht der protestantischen oder der katholischen Kirche angehören, da zu sein haben, sich als Werkzeuge der Neumissionierung inszenieren. [….]

2019 ist die Wende vollzogen, die Parteispitze der SPD ist sicher nichts mehr, auf das man stolz wäre. Die Religioten haben übernommen. Statt bei Schröders bundesweiten 41% liegen wir nun bei 15%. Die Partei- und Fraktionsvorsitzende ist eine einzige Katastrophe.

(….) Ich muss nicht an dieser Stelle alle Vorwürfe wiederholen, die ich seit elf Jahren öffentlich über ihr ausschütte.

Nehmen wir nur mal als Beispiel ihre radikale Religiosität. Ja, sie soll natürlich so fühlen dürfen; für diese Freiheit trete ich ausdrücklich ein.
Aber wenn sie ihre persönliche beschränkte Weltsicht auf die Partei überträgt, treibt es viele Menschen von der SPD weg.

Als Humanist, der länger Parteimitglied ist als Andrea Nahles, sehe ich mich von dieser Religiotin aus der Partei gedrängt!
Nahles, die im Bundestag einen Pädophilenförderer bejubelte, dann in die Kamera jubelt Papst Benedikt habe mit seinen Anmerkungen zum „Naturrecht“ für die Umwelt Partei ergriffen und damit ihre grenzenlose Ungebildetheit zu erkennen gab (offensichtlich hat sie nicht den geringsten Schimmer was „Naturrecht“ im katholischen Zusammenhang bedeutet), als Generalsekretärin den säkularen Arbeitskreis in der SPD verbot (dafür aber Thilo Sarrazin in der Partei hielt) und schließlich auch noch im Bundestag für die Genitalverstümmelung an Kleinkindern und gegen das Recht auf einen selbstbestimmten Tod votierte. (….)

Mit der Frage der Säkularität endet aber die Ana-Navarro-Parallelität.
Die GOP ist durch und durch verdorben. Es gibt rein gar nichts mehr, für das man sich als Republikanerin nicht schämen müsste.

Als SPD-Mitglied schäme ich mich zwar für einiges, aber die Religiotengang hat noch nicht die gesamte Mitgliedschaft durchsetzt. An der Basis wird der ostentative Katholizismus der Nahles nicht verstanden, nicht goutiert.
Nahles ist noch nicht mal beliebt, wurde nur sehr knapp gewählt, weil niemand anders den Job wollte.

Es gibt sehr starke Kräfte in der SPD, die gegen Nahles opponieren.
Sie wird niemals Kanzlerin werden.
Die SPD verfügt über gute Minister, sehr gute Landesminister und ist in der Groko zumindest in dem Sinne unverzichtbar, daß alle Alternativen viel schlimmer wären:

 Merkel-Minderheitsregierung mit noch mehr Ministern à la Spahn und Seehofer – toleriert von AfD und FDP?

Koalition mit der Lindner-FDP, also Pharma- und Industrielobbyisten statt der Sozi-Minister im Kabinett?

Neuwahlen mit Kanzlerkandidatin AKK?

Neuwahlen mit Kanzlerkandidat Merz und einer erstarkten AfD und einer schwarz-braunen Koalition?

Bedauerlicherweise machen Nahles und Klingbeil die Konfessionslosen, die immerhin die relative Mehrheit der Deutschen bilden, heimatlos.

(…..)
Im aktuellen MIZ, den Materialien und Informationen zur Zeit, fand ich einen Hinweis auf das Evangelische Sonntagsblatt.
Die Ausgabe vom 26.06.2016 des frommen Bayernblattes zitiert eine INSA-Conulare-Umfrage, welche die Parteipräferenzen nach Konfessionen aufschlüsselt.
Das interessierte mich natürlich brennend, weil ich bekanntlich seit Jahren die zunehmende Christianisierung von Grünen und SPD scharf kritisiere.
Als „christlich“ werden in erster Linie aufgrund ihres Namens und der konservativeren Haltung die „C“-Parteien CSU und CDU verstanden. Das ist naheliegend, weil sie das „christlich“ auch in ihrem xenophoben Kampf wider die Menschenrechte vor sich her tragen.
Die AfD-artigen Ausfälle der Bayerischen C-Schwester brachten zuletzt allerdings mehrfach ausgerechnet die Kirchen in Stellung gegen die Partei.
Kann man also heute überhaupt noch sagen, daß die rechten Parteien die Kirchenfreunde und die linken Parteien eher die der Aufklärung Verpflichteten sind?
Die gesamte Bundesregierung ist christlich; es gibt keinen einzigen konfessionsfreien Minister, evangelische Kirchentage gleichen einem Grünen-Kongress, die ultrafromme SPD-Christin Kerstin Griese setzt ihren religiotischen Kurs in der Frage der Patientenverfügungen und Sterbehilfe im ersten Wahlgang gegen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung durch und die ultrafromme damalige Generalsekretärin Andrea Nahles verbietet zusammen mit dem gläubigen Parteichef Gabriel die Einrichtung eines laizistischen Arbeitskreises in der SPD.
Unglaublich! 1998 schworen der atheistische Bundeskanzler und sein ebenfalls atheistischer Vizekanzler demonstrativ mit weiteren sechs Ministern nicht die Formel „so wahr mir Gott helfe“ bei ihrer Vereidigung.
Wenige Jahre später, im September 2013 verbieten Nahles und Gabriel, daß in der SPD überhaupt über sowas wie Konfessionsfreiheit und Atheismus nachgedacht werden darf.
Offensichtlich haben schwere Religioten wie Thierse und Nahles, die mal eher die Ausnahme bei den Sozialdemokraten waren, inzwischen die Partei gekapert und tun alles dafür, um die Säkularen zu verdrängen.
Die bedeutenden sozialdemokratischen Intellektuellen Ingrid Matthäus-Maier (Rechtsexpertin, Finanzexpertin, langjährige stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion) und Rolf Schwanitz (sieben Jahre Staatsminister im Bundeskanzleramt) wurden also von der eher schlichten Denkerin Nahles (keinerlei Expertentum) ausgebremst.

Wer ist also im Jahr 2016 wirklich eine christliche Partei?
Und was bedeutet das für die Wählerpräferenzen?
Ich kann doch nicht der einzige eher links positionierte Mensch in Deutschland sein, den die Grieses-Nickels-Kretschmanns-Nahles-Thierses-Göring-Eckardts eher davon abhalten deren Parteien zu wählen.
Offensichtlich werden meine Bedenken in der SPD-Parteiführung auch nicht verstanden, sonst würde irgendjemand schon mal den wie wild gegen Atheisten hetzenden Wolfgang Thierse wegen parteischädigenden Verhaltens zur Raison gebracht haben.

Unglücklicherweise finde ich keine Originalquelle für die oben erwähnte INSA-Consulare-Umfrage. Wer hat das in Auftrag gegeben? Welche Methode wurde verwendet? Wie viele Menschen wurden befragt?
Zudem ist INSA von den größeren deutschen Instituten sicher das Unseriöseste.

Es gibt aber wenig seriöse Zahlen zur konfessionellen Anhängerschaft der Wähler.
Gelegentlich wird nachgewiesen, daß AfD-Fans rassistischer und antisemitischer als anderen Wähler sind – so eine Überraschung.
Untersucht man solche rechtsextremen Tendenzen, gibt es ebenso wenig überraschend den Befund der Uni Leipzig, daß Christen generell ausländerfeindlicher sind.

[….] Von den Befragten gehören 905 der evangelischen und 773 der katholischen Kirche an. Keine Konfession haben 687 Personen. Die Erhebung zeigt, dass Katholiken mit Ausnahme der Dimension „Sozialdarwinismus“ in allen anderen Bereichen häufiger rechtsextreme Positionen vertreten. Personen ohne Konfessionen stimmten im Vergleich mit den Angehörigen der beiden großen christlichen Glaubensrichtungen seltener antisemitischen – also judenfeindlichen – Aussagen zu. Katholiken und Protestanten lagen in dieser Dimension nahezu Kopf an Kopf. Einzig in der Dimension „Sozialdarwinismus“ waren die Konfessionslosen einen Hauch rechtsextremer eingestellt. [….]

Nach INSA ist es nun so, daß CDU-Wähler sich aus 39% RKK, 32% EVG und 23% Konfessionsfrei zusammensetzen.
Die Betonung des „C“ nützt ihnen also tatsächlich, weil sie überdurchschnittlich viele Stimmen von evangelischen und katholischen Wählern bekommen.

Die Konfessionslosen sind hingegen heimatlos; sie werden von ostentativ frommen Führungsfiguren der SPD- und Grünen-Parteiführung abgeschreckt.
Das mickrige SPD-Wählerpotential setzt sich aus aktuell nur noch 17% RKK, 23% EVG und 16% Konfessionsfreien zusammen. (….)

Dienstag, 19. März 2019

Falsche Zeichen, richtige Zeichen

Es ist eine großartige Methode, die hoffentlich weltweit Schule macht:

[….] Sie möchte Terroristen keine Bühne bieten: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern will nach eigenen Angaben niemals den Namen des mutmaßlichen Attentäters von Christchurch aussprechen. "Mit seinem Terrorakt wollte er viele Dinge erreichen, eines davon war der Bekanntheitsgrad", sagte Ardern bei einer Parlamentssitzung am Dienstag, die sie mit der Friedensbotschaft an Muslime "As Salaam Alaikum" eröffnete. "Deshalb werden Sie niemals hören, dass ich seinen Namen nenne."
"Er ist ein Terrorist, er ist ein Krimineller, er ist ein Extremist", sagte Ardern. "Aber er wird, wenn ich spreche, namenlos sein", sagte sie. Dem 28-jährigen Australier wird vorgeworfen, am Freitag in zwei Moscheen in Christchurch auf Gläubige geschossen und 50 Menschen getötet zu haben.
"Ich bitte Sie: Nennen Sie die Namen derer, die ihr Leben verloren, statt des Namens des Mannes, der sie auslöschte", sagte die schwarz gekleidete Ardern weiter. [….]

Journalisten von ganz links bis ganz rechts sind beeindruckt. Sogar die erzkonservative Welt schreibt über die junge Sozialistin „So geht Führung“.

Ja, Politiker können also doch moralische Instanzen sein und ein Beispiel setzen. Ich werde Ardern in dieser Angelegenheit und ihrer Sauron-Methode folgen: Ich werde nicht dazu beitragen diesen Abschaum noch berühmter zu machen.

Schon früher versuchten Medien demonstrativ auch die Opfer zu nennen und nicht immer nur den Täter zu betonen.

Anderson Cooper verlas auf CNN zu besten Sendezeit in sehr emotionaler Weise alle 49 Namen der am 12. Juni 2016 im Orlandoer Nachtclub Pulse Ermordeten.


Weltweit folgen die Medien dem Beispiel, würdigen die Opfer.

Mucad Ibrahim, 3  Abdullahi Dirie, 4 a 12-year-old Boy Sayyad Milne, 14 Khaled Mustafa and son Hamza, 16 Naeem Rashid & son Talha, 21 Ansi Karippakulam Alibava, 25 Vora Ramiz, 28 Farhaj Ahsan, 30 Mojammel Hoq, 30 Atta Elayyan, 33 Syed Jahandad Ali, 34 Hussain Al-Umari, 36 Osama Adnan, 37 Kamel Darwish, 39 Haroon Mahmood, 40 Husne Ara Parvin, 42 Mohammad Imran Kahn, 47 Amjad Hamid, 57 Abdelfattah Qasem, 59 Linda Armstrong, 65 Ali Elmadani, 66, Haji-Daoud Nabi, 71, Lilik Abdul Hamid, Ashraf Ali


Wer könnte sich der beeindruckenden Wirkung der Māorischen Hakas entziehen, die vielfach zu Ehren der Opfer abgehalten wurden?



Arderns Eltern sind Mormonen und so wurde sie erzogen.
Als sie erwachsen wurde, tat sie das was gute Menschen tun: Sie verließ die The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, weil sie insbesondere die kirchliche Haltung zu den gay rights radikal ablehnt.

[….] The social conscience, she says, was instilled by her parents. Dad may have been the long arm of the law, but it was Mum who taught her to ice Christmas cakes for delivery to pensioners. She was in her 20s when she left the Mormon faith, mostly as a consequence of its anti-homosexual stance.
"For a lot of years, I put it to the back of my mind. I think it was too unsettling. If something like religion is part of your foundation, and then suddenly you start questioning that - it's quite a confronting thing to deal with.
"Even before the Civil Union Bill came up, I lived in a flat with three gay friends and I was still going to church every so often and I just remember thinking 'this is really inconsistent - I'm either doing a disservice to the church or my friends'. Because how could I subscribe to a religion that just didn't account for them?
"It was one of the issues that became a real flashpoint. You drift along a bit, there are always going to be things you can't reconcile, but I could never reconcile what I saw as discrimination in a religion that was otherwise very focused on tolerance and kindness."
And now?
"I can't see myself being a member of an organised religion again." [….]

Ein Mann, der bei seiner Kirche blieb und sogar eine gewisse Karriere machte, ist der Argentinier Jorge B., 82.
B., der zur Zeit in Rom lebt kann den absurden Ansichten der Ardern – Opfer ehren, Täter ächten – gar nichts abgewinnen. Schließlich ist B. als Stellvertreter Gottes auch Inhaber der absoluten Moral.
Als Christ weiß er wie man sich in der Causa Opfer versus Täter zu positionieren hat:
Man ehrt, schützt, herzt und küsst den Pädo-Sextäter und trampelt noch nachträglich auf den Opfern herum.
Auf der Vatikanischen Missbrauchskonferenz hörte B. keins der Opfer an, ließ keine Vertreter der Hunderttausend von Priestern missbrauchten Kindern mitdiskutieren.
Als jedoch vor wenigen Tagen der französische Kardinal Philippe Barbarin, der Primas Galliens wegen Vertuschung sexuellen Missbrauchs zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, handelte B. sofort:
Er lud Barbarin demonstrativ ein weiter als sein Kardinal zu dienen.

[….] Kindesmissbrauch vertuscht: Papst hält an verurteiltem Kardinal fest
Papst Franziskus hat den Rücktritt von Kardinal Barbarin als Erzbischof von Lyon nicht angenommen. [….]

Und um den Opfern so richtig Salz in die Wunden zu streuen, ehrte B. den Kardinal gleich noch mit einer Privataudienz. Für Kinderfickervertuscher hat B. immer ein Herz.


[….] Am Montag traf Barbarin Franziskus zu einer Privataudienz.
Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, zeigte sich erstaunt über die Entscheidung des Papstes. Das führe zu einer noch nie dagewesenen Situation, sagte Pontier französischen Medienberichten zufolge. [….]