Dienstag, 22. Januar 2019

Keine Pluralität, nirgends.

Das muss schon hart gewesen sein für den konservativen FUNKE-Medien-Autoren Edgar S. Hasse.
In seinem Bestreben den Kirchen zu mehr Macht in dieser Heiden-Stadt Hamburg zu verhelfen, bahnt sich schon wieder eine Niederlage an.
Erzbischof Heße hatte sich im Januar 2018 maximal unbeliebt gemacht hatte mit der Schließung mehrerer katholischer Schulen. Das Hamburger Abendblatt erst am Wochenende mal wieder eine ganze Seite kostenlose Werbung zur Verfügung stellte (Kirchenkritiker bekommen nie so eine Plattform).
Dieses Heße-Hasse-Gespräch ist ein Lehrbuchbeispiel für unkritischen Journalismus. Hier diminuiert sich ein Interviewer als devoter Stichwortgeber.

Zwei Tage später legt der klamme Katholik schon wieder nach.
Schließlich ging sein Plan schief zu Lasten der Hamburger Bürger mit den vom Senat geschenkten Grundstücken einen riesigen Profit zu machen.
Die erzbischöfliche Abrissbirne bringt nun den Verkauf der katholischen Krankenhäuser ins Spiel.
Der finanzielle Schuh drückt allzu sehr.
Zwar sprudeln die Kirchensteuereinnahmen wie noch nie, aber die Hamburger Katholiken haben sagenhaft schlecht gewirtschaftet und da das Erzbistum noch relativ jung ist, fehlen ihm mehrere Jahrhunderte Zeit Gold, Schätze und Immobilien an sich zu raffen.
Herr Heße fragte schon bei anderen deutschen Bistümern nach, die bekanntlich auf Milliarden-Reserven sitzen, ob sie ihm nicht ein bißchen aus der Klemme helfen würden, um in der hanseatischen Diaspora katholischen Schulen offen zu halten.
Aber daraus wurde nichts – abgeben mag kein Bistum. Schließlich kommt man nicht zu einem Milliarden-Berg, wenn man Anderen Geld gibt.
Ärmeren Geld überlassen??
Dafür gibt es bei den Katholiken gar kein Verfahren. Nein, nein, nein, so geht es nicht. „Solidarität“ klingt schon so fies sozialistisch.

[….] Inzwischen bat Heße sogar reichere Bistümer um Unterstützung. Der Erzbischof: „Kurz nach der Ankündigung der Schulschließungen habe ich im Ständigen Rat der Bischofskonferenz in Würzburg an die grundsätzliche Solidarität appelliert und deutlich gemacht, dass es einen Ausgleich zwischen armen und reichen, großen und kleinen Diözesen geben muss.“ Das sei auf der Frühjahrsvollversammlung vom Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, „ausdrücklich aufgegriffen worden“. Heße: „Aber das müssen wir als Bischofskonferenz jetzt entwickeln. Im Moment gibt es ein solches Solidaritätssystem nicht, sodass ich auch gar nicht einen solchen Antrag hätte stellen können.“ [….]

Nun blickt der Hamburger Oberkatholik schon wieder in den Abgrund und überlegt welche soziale Einrichtung man versilbern könnte.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Heße immer an die Posten denkt, die den größten sozialen Aufschrei verursachen, die am meisten Menschen betreffen. Dann wird schon irgendwer – Senat, Staat, reiche Gönner – einspringen.

Nun sind also die Kranken dran.
Das könnte sich lohnen, da das (flächenmäßig) größte deutsche Bistum über acht katholische Krankenhäuser verfügt, die teilweise riesig sind. Ein davon durfte ich vor zehn Monaten ausführlich von innen kennenlernen und so möge man mir meine Subjektivität verzeihen: Ja bitte! Die Kliniken sollen einen säkularen Träger bekommen, der es erlaubt, daß dort auch Geschiedene, Atheisten, Buddhisten, Juden und sogar Schwule arbeiten dürfen.
Es betriff viele Angestellte und sehr viele Patienten, die lieber Pfleger mit Zeit als mit Bibelversen haben möchten.

[…..] In Hamburg gibt es drei katholische Kliniken: Das Marienkrankenhaus (586 Betten) als größtes konfessionelles Krankenhaus in der Stadt, das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Rahlstedt mit jährlich 11.000 stationären Patienten und das Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg. [….]

Mögen die acht Krankenhäuser aus der kirchlichen Knute entlassen werden und stattdessen wie das Universitätskrankenhaus UKE unter städtischer Trägerschaft stehen, Dann geht es nicht mehr um Glaubensverkündigung und Profit, sondern ums Patientenwohl.
Fun Fact am Rande: Durch den großzügigeren Schwesternschlüssel glänzt das UKE mit hoher Patientenzufriedenheit und macht – ganz nebenbei bemerkt – trotz gewaltiger Investition und des ständigen Ausbaus der bestehenden Kliniken sogar finanziellen Gewinn.

Dies ist meine Meinung. Offenbar bin ich aber der einzige, der so denkt. In der veröffentlichten Meinung kommen zustimmende Ansichten zu Heßes Klinikverkaufsabsichten gar nicht vor.
Daß man überhaupt so denken könnte, etwas Positives im Rückzug der Katholischen Kirche zu sehen, fällt Herrn Hasse gar nicht ein.
Das erscheint aber offenbar auch den befragten Politikern als zu absurd. Von ganz links bis ganz rechts gibt es nur Kritik an den Überlegungen.

Der arme Hasse zitiert sogar einen Linken, der noch dazu – Oh Graus – türkischstämmig ist.

[…..] Deniz Celik (Die Linke), Mitglied der Bürgerschaft und Fachsprecher für Gesundheit und Gewerkschaftspolitik, sagte: „Der mögliche Verkauf an einen privaten Investor wäre ein verheerendes Signal für die Krankenhausversorgung.“ In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Asklepios Kliniken. „Sie wurden privatisiert und belegen im Ranking der Patientenzufriedenheit laut Krankenhausspiegel alle zusammen die letzten Plätze.“ Deniz Celik befürchtet, dass eine weitere Privatisierung in Hamburg für die Patienten zu Verschlechterungen führen würde. „Der Verkauf eines katholischen Krankenhauses sollte, wenn überhaupt, nur an die Stadt Hamburg erfolgen. Damit würde ein Krankenhaus, mit dem die Hamburger überdurchschnittlich zufrieden sind, in öffentliche Hand kommen, und die Qualität könnte wie im UKE auch hoch bleiben“. [….]

Schock, schwer Not – redet der Linke da etwa einer Verstaatlichung das Wort?
Dann können doch gar keine Milliardensummen von den Patienten in die Taschen steinreicher Heuschrecken wie Herrn Broermann fließen und bleiben womöglich einfach im Gesundheitssystem, so daß am Ende noch Krankenschwestern besser bezahlt werden und mehr Personal eingestellt wird!!!!
Zum Glück gibt es die wirtschaftspolitisch noch in den 1980er Jahren lebende Hamburger FDP, die eine gute Lösung weiß: PRIVATISIEREN! Das hat ja bisher auch immer so toll funktioniert, wenn öffentliche Versorger an internationale Heuschrecken verscheuert wurden. Und was ist die Gesundheit der Bürger schließlich für einen Liberalen anderes, als eine Möglichkeit großen Reibach zu machen?

[….] Der Hamburger FDP-Bundestagsabgeordnete Wieland Schinnenburg plädierte dafür, die Trägervielfalt bei den Kliniken zu erhalten. Und fügte hinzu: „Keinesfalls darf ein Krankenhaus von der Stadt Hamburg übernommen werden. Die hat beim Landesbetrieb Krankenhäuser einen großen Schuldenberg hinterlassen.“ [….]

Ja, Schinnenburg, als die CDU mit der FDP Hamburg regierte und die LBK Gelddruckmaschine hielt, ging das schief.
Der Gedanke, daß es um das Wohl der Patienten geht und nicht darum, daß Investoren Gewinne machen, existiert für den Liberalen offensichtlich genauso wenig wie der Gedanke, daß Kirchenrückzug ein positives Signal ist für Herrn Hasse.



Schinnenburg und Hasse brauchen offensichtlich ein bißchen Nachhilfe:

(……) Eine Geschichte wie diese spielt sich in den Asklepios-Kliniken offenbar immer wieder ab. Ich selbst habe das bei Angehörigen so ähnlich im Asklepios-Barmbek und im Asklepios St. Georg erlebt.

Die Vorgabe der Asklepios-Gruppe war beispielsweise beim großen Krankenhausneubau von Hamburg-Barmbek, daß die Klinikbetten immer zu 100% belegt sein müssten zur Gewinnmaximierung. Daher wurde eine Bettenzahl von etwa 90% des Bedarfs geplant. Wenn auf der kardiologischen Station mit 18 Doppelzimmern 37 bis 38 Patienten liegen  - alle Zimmer doppelt belegt plus ein oder zwei auf dem Gang, versorgt von zwei kardiologischen Krankenschwestern insgesamt, ist Asklepios-Besitzer Bernd Broermann zufrieden, denn dann rollt der Rubel. Es wird schließlich nach Fallpauschalen bezahlt und nicht nach Erfolg oder Zufriedenheit der Patienten.
Bernd Broermanns Vermögen wuchs in den letzten 12 Monaten von 2,95 Milliarden auf 3,10 Milliarden Euro (BILANZ Magazin September 2016).
150 Millionen Euro Zuwachs in einem Jahr beutet, daß der Mann alle zwei bis drei Tage eine Million Euro mehr hat, die er aus seinen Patienten herauspresst.

Broermann hat inzwischen buchstäblich so viel Geld, daß er kaum noch weiß wohin damit.
Vom Himmel gefallen ist der reiche Bernd Broermann nicht.
Die Genies von der Hamburger CDU haben ihn kreiert.
Sie verachteten den eigenen Staat so sehr, daß sie meinten, die öffentliche Hand könne keine Krankenhäuser betreiben (als ob nicht auch die Stadt fähige Manager einstellen könnte). Sie wollten, daß die Milliardengewinnen aus den Patienten-Portemonnaies aus dem Gesundheitssystem abfließen, um eine einzelne Person reich zu machen, statt allen Kranken zu Gute zu kommen.

Als langjähriger Beobachter der politischen Szene muß ich sagen, daß ich ein derartiges komplettes und nachhaltiges Versagen auf allen Ebenen, wie das des CDU-Senats unter Ole von Beust 2001-2010 noch nie erlebt habe.

Die Zeche für diese katastrophal falsche Wahlentscheidung der Hamburger Wähler während der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts werden wir alle noch lange abzahlen.

Wenige Monate nach dem Schicksalstag in der Colorline-Arena traf Peiner eine für die Stadt noch katastrophalere Entscheidung. Er verschleuderte die landeseigenen Krankenhäuser an Bernd Broermann.

Der Verkauf des Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK) ist begleitet von Protesten, Kritik, Vorwürfen und einem missachteten Volksentscheid.
- Als die Verkaufsabsichten des Senats bekannt wurden, startete die Initiative "Gesundheit ist keine Ware" ein Volksbegehren, das am 29. Februar 2004 zum Volksentscheid führte. 76,8 Prozent der Hamburger lehnten den Verkauf ab. Der Senat ignorierte den Volksentscheid. Im Dezember beschloss die Bürgerschaft den Verkauf des LBK, nachdem das Verfassungsgericht grünes Licht gegeben hatte. Dennoch blieb Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) im Kreuzfeuer der Kritik. Die Vorwürfe:
- Asklepios wurde bevorzugt, andere Mitbewerber wie Helios und das Unternehmen Rhön-Klinikum wurden ausgebootet, ihre Angebote schlechtgerechnet. Der LBK wurde Asklepios zu einem "Schleuderpreis" hinterhergeworfen (Jens Kerstan, GAL). Aus der Finanzbehörde hieß es zu den Vorwürfen nur: "Das Angebot von Asklepios war und ist das beste." Laut Senat wurde der LBK für 318 Millionen Euro verkauft. Die Angebote der Mitbewerber wurden vom Senat nicht veröffentlicht.
Mehr als Tausend LBK Bedienstete warten auch 5 Jahre nach dem LBK "Verkauf" noch auf zugesicherte Stellen im Dienste der Stadt! Kosten für den Hamburger Haushalt und den Steuerzahler 60 Mio. bis Dato!
Auf Stationen von LBK-Krankenhäusern wurde ein Flugblatt verteilt, das offensichtlich der politischen Unterstützung des Hamburger Finanzsenators Wolfgang Peiner (CDU) dient. Verantwortlich für die Verteilung: Asklepios Kliniken Verwaltungsgesellschaft mbH, Zentrale Dienste Unternehmenskommunikation & Marketing.

Daß sich Peiner für Bernd Grosse Broermann entschied ist so verwunderlich nicht – man kannte sich schon.

Im September 2001 übernahm eine Koalition aus CDU, Schill-Partei und FDP nach 44 Jahren SPD-Herrschaft die Regierungsgeschäfte in Hamburg.
Im Dezember 2003 beschloss der neue Senat nach einer internationalen Ausschreibung, dem privaten hessischen Klinikbetreiber Asklepios Anteile am LBK zu verkaufen. Drahtzieher war der damalige Finanzsenator Wolfgang Peiner. Da Asklepios-Inhaber Bernard gr. Broermann zum Verwaltungsrat einer Versicherung gehörte, als Peiner dort im Vorstand saß, warf die SPD dem Senat Vetternwirtschaft vor.
Am 29. Februar 2004 beteiligten sich 788.563 Hamburger Bürger an einem Volksentscheid, den Gewerkschaften und soziale Gruppen unter den Slogan "Gesundheit ist keine Ware" organisiert hatten. 593.497 stimmten gegen den Verkauf, das waren 76,8 Prozent der Stimmen. Da die mittlerweile allein regierende CDU um Bürgermeister Ole von Beust den Volksentscheid als nicht bindend einstufte, zogen dessen Initiatoren vor das Hamburger Verfassungsgericht.
Am 15. Dezember 2004 bestätigte das Gericht die Sichtweise der CDU. Einen Tag später beschloss die Bürgerschaft, den LBK zu 74,9 Prozent an die Asklepios-Kliniken GmbH zu verkaufen. Als Kaufpreis wurden knapp 320 Millionen Euro vereinbart, wovon 75 Millionen ertragsabhängig waren und nicht bezahlt werden mussten, da der erwartete Ertrag ausblieb.

2004 hatte Hamburg den LBK privatisiert, obwohl eine Mehrheit der Hamburger Wahlberechtigten sich in einem Volksentscheid dagegen ausgesprochen hatten. Die Opposition aus GAL und SPD hat schon bei Abschluss des Kaufvertrages 2004 kritisiert, dass die Stadt bei dem Geschäft draufzahle. Nach Lektüre der Verkaufsunterlagen hatten sie den Vorwurf erhoben, Peiner habe bei dem Deal kräftig manipuliert. Er habe sich, entgegen seiner eigenen Darstellung, aktiv in die Verhandlungen eingemischt und strittige Details mit Asklepios-Chef Bernard Broermann persönlich verhandelt - einem alten Geschäftspartner aus Peiners Zeit bei der Gothaer-Versicherung. So sei das Angebot der Asklepios-Klinikgruppe mehrfach geschönt worden.

Mit diesem Superdeal schwoll Bernd Broermanns Privatvermögen binnen weniger Jahre von nichts auf mittlerweile fast drei Milliarden Euro.
Die von seinen Mitarbeitern erwirtschafteten und den Patienten bezahlten Milliarden fließen nämlich nach der Wahnsinnstat des CDU-Bürgermeisters und des CDU-Finanzsenators nicht mehr in die Krankenhäuser, sondern in die Taschen des Peiner-Freundes Broermann.

Auch das noble Kempinski Hotel Falkenstein und das Villa Rothschild Kempinski – beide in Broemanns Wohnort Königstein im Taunus – gehörten dem Asklepios-Besitzer, während das 5-Sterne-Hotel „St. Wolfgang“ im bayerischen Bad Griesbach sogar direkt in den Asklepios-Konzern eingegliedert ist. Da wissen die Mitarbeiter von Asklepios wenigstens, wofür sie die unzähligen Überstunden leisten und wofür sie sich physisch wie psychisch kaputtmachen lassen. Anstatt die Gewinne dazu zu nutzen, die Qualität der Krankenhäuser zu steigern, indem er dafür sorgt, dass zumindest im Ansatz genügend Personal vorhanden ist, kauft Bernard gr. Broermann sich lieber ein Luxushotel nach dem anderen. Das ist nicht nur eine schallende Ohrfeige für die Mitarbeiter, denen alles abverlangt wird, um die Kosten zu drücken, sondern auch für die Patienten der Asklepios-Krankenhäuser. […] Die gesellschaftliche Bilanz von Broermanns unternehmerischen Tätigkeiten fällt indessen verheerend aus: Die Mitarbeiter der übernommenen Kliniken sind die Verlierer, die nicht nur schlechter bezahlt werden, sondern auch unter dem Stress und der Überbelastung physisch wie psychisch leiden. Die Patienten sind ebenfalls die Verlierer, da sie von Pflegekräften und Ärzten, die chronisch überarbeitet sind, nicht bestmöglich versorgt werden können. Die Kommunen sind ebenfalls die Verlierer, da sie sich ihr Tafelsilber unter Wert haben abnehmen lassen. Die einzigen Gewinner dieses Spiels sind Bernd große Broermann, der mittlerweile Milliardär ist und sich zwei Luxushotels im noblen Taunus angeschafft hat, und seine Geldgeber.

Ungeniert hacken die Hamburger CDU-Politiker von heute auf dem SPD-Senat rum.
Für die Folgen ihrer desaströsen Politik scheinen sie sich nicht zu schämen.

Die Liberalisierer, Privatisierer aus CDU und FDP hatten die Verachtung des Staates gemein mit den Trumps und AfDlern von heute gemein.
„Die Politik“ kann es nicht. Alle Macht der Wirtschaft, alle Macht den Managern, alle Gewinne den Reichsten. (….)

Montag, 21. Januar 2019

Klischee-Heten.

Die Ursachen der Homophobie wurden Myriaden-fach analysiert.
Die Ergebnisse sind allerdings so gar nicht überraschend, sondern genau das was man sich mit 20 Sekunden Nachdenken ohnehin ausgemalt.
Homosexualität ist im Tierreich üblich und war auch in vor-abrahamitischen Kulturen selbstverständlich. Logischerweise, denn wie man sich leicht vorstellen kann, bedeutet die zunehmenden Wahrscheinlichkeit homosexuell zu sein bei zunehmender Kinderzahl einen evolutionären Vorteil.


Ziemlich bizarr, daß 2.000 Jahre später ein misogyner Geront im Frauenkleid vor dem Bundestag erklärt, Homosexualität wäre gegen das Naturgesetz.

(….) Wissenschaftler finden übrigens eine höhere Wahrscheinlichkeit schwul zu sein, je mehr ältere Brüder man hat. Die genauen genetischen Ursachen sind nicht vollkommen geklärt, aber so macht Homosexualität auch evolutionär einen Sinn.
Wenn ein Elternpaar viele Kinder hat, muß der ererbte Acker möglicherweise in so kleine Teile aufgespalten werden, daß die Enkel kaum noch davon leben können. Sind schwule Onkel dabei entspannt sich die Lage, weil sie nicht durch eigene Kinder den Kampf um Ressourcen verschärfen und nach ihrem Tod ihren Erbteil wieder an ihre Neffen weitergeben. Das Prinzip funktioniert auch, wenn der jüngste Sohn Pastor wird – wobei schwul und Pastor sich offensichtlich nicht gerade gegeneinander ausschließen.

  
Auf die heutige Zeit übertragen bedeutet ein schwuler Onkel oder eine lesbische Tante ebenfalls einen großen Vorteil. Homosexuelle sind als „Dinks“ in der Regel wohlhabender und gebildeter. So können sie ihren Neffen und Nichten helfen – sowohl durch Zuneigung, als auch finanziell. Ein Kind mit Homo-Onkel/Tanten hat quasi Co-Eltern, die einen Vorteil gegenüber Kindern mit bloß normalen Eltern darstellen.
Dafür gibt es im Tierreich viele Beispiele. Eine Blässhenne hält sich für ihr großes Gelege gern ein paar weitere nicht sexuell aktive Blässhähne, die dann eifrig dabei helfen Futter für die Küken zu suchen. So überleben mehr Blässhühner.

Homosexualität fördert also Familien. (….)


Es gibt zwei Hauptursachen für Homophobie.

1.)
Religiöse Indoktrinierung. Religionen sind prinzipiell eine exkludierende „Wir sind besser als die“-Ideologie, die Gruppenzusammenhalt generiert, indem sie Hass kanalisiert und gegen Minderheiten richtet.
Bevor die Christen anrückten gab es weder bei australischen, noch bei amerikanischen oder afrikanischen Ureinwohnern Schwulenhass.

2.)
Psychologische Komplexe/Männlichkeitswahn. Wer sich seiner eigenen Männlichkeit und seiner eigenen Sexualität unsicher ist, kann das überkompensieren, indem er besonders extrem auf vermeidlich „unmännliche Schwule“ schimpft.
Kuriale zeigen das mustergültig. Diese maximal feminisierten Männchen in ihren bunten Kostümen, die sich hysterisch vor Frauen verstecken und überwiegend selbst schwul sind, bilden seit Jahrhunderten die Speerspitze des Schwulenhasses.


Das ist nicht „Psychologie Erstes Semester“, sondern primitivste Hausfrauenpsychologie, daß diejenigen, die öffentlich radikal homophob auftreten selbst schwule Gefühle haben, vor denen sie sich offensichtlich so sehr fürchten, daß sie geradezu neurotisch gegen Schwule wettern.

 Bei einigen der weltweit bekanntesten Homohasser gibt es nur Gerüchte – Papst Ratzinger, Mike Pence, Lindsey Graham – aber früher oder später werden die aktivsten LGBTI-Bekämpfer selbst bei schwulen Kontakten ertappt.

[…..]  Pastor Ernest Angley, the 97-year-old head of Grace Cathedral church in Akron, Ohio, admitted to having gay sex with one of his staffers in an audio recording obtained by the Akron Beacon Journal.
[…..] More recently, we learned that Angley was sued by a former staffer, Brock Miller, fox sexual abuse that occurred over the course of several years. When Miller resigned from the church, Angley’s staff told the congregation he was a liar, drug addict, alcoholic, and an adulterer.
The new revelation from Dyer comes via an anonymous source who read his reporting on Miller and came forward with evidence that Angley, who routinely preached against homosexuality, was guilty of it himself.
On the 23-year-old tape, he’s speaking with Rev. Bill Davis (who didn’t provide the recording to Dyer). Davis is berating Angley over a rumor he was spreading about Davis’ wife being “vulgar.” Davis hit back, accusing Angley of gay sex — which Davis says is “vulgar” — only for Angley to deny it only because the men didn’t ejaculate. [….]


Radikaler religiöser Schwulenhasser zu sein, ist schon fast gleichbedeutend damit selbst heimlich schwul zu sein.
Das ist auch in sich logisch, denn wieso sollte man sonst Sex unter Männern zu einem Lebensthema machen und als ewiges Faszinosum umherwälzen?


 [….] An anti-LGBT Republican politician who was allegedly caught having sex with a man in his office is facing more than 30 accusations of sexual misconduct. 
Wes Goodman, a state legislator for Ohio, has already been forced to resign after a witness to the reported extramarital affair told the Ohio House Chief of Staff. [….]
(Independent, 22.11.2017)

Und dann die Anti-gay-Aktivisten.

In der Praxis halten sich die stramm rechten Prediger und US-Politiker nicht immer so ganz an diese Linie. Rechter Sex eben.

Da gab es den Abgeordneten Mark Foley, der männlichen Pagen schlüpfrige Pimmel-E-Mails sandte, Bob Allen, republikanischer Abgeordneter in Florida, der bei der Bitte nach Oralsex versehentlich an einen Polizisten geriet und James Guckert alias Jeff Gannon, der einen "Begleit-Service" für Männer betrieb und vom Weißen Haus einen Presseausweis bekam, weil er immer so nette Fragen an George W. Bush stellte. Glenn Murphy Jr., der Vorsitzende der GOP-Jugendorganisation Young Republicans, trat von allen Ämtern zurück, nachdem er einen 22-jährigen Mann sexuell genötigt hatte. (…..) "Als die Nachricht von Senator Craig die Runde machte, forderten manche Republikaner seinen Rücktritt — andere wollten seine Telefonummer haben", spottete der Late-Night-Talker Dave Letterman.  Der einzige Republikaner, der wenigstens bloß gegenüber Frauen anzüglich wird, ist Arnold Schwarzenegger.

Auch da ist es an der Tagesordnung, daß diejenigen, die am lautesten die Homoperversion verdammen und durch die same-sex-marriage den Untergang des Abendlandes eingeleitet sehen, sofort nach Abschalten der Kameras ihre schwulen Callboys anrufen, um mit ihnen Koks-Sex-Orgien zu veranstalten (Ted Haggard) oder wie Senator Craig auf Flughafentoiletten andere Männer molestieren. (….)




[….] 17 Antigay Leaders Exposed as Gay or Bi
Not every antigay crackpot is actually gay, but there's no shortage of those who actually are — especially in the Republican Party. Here is a list hypocrites who just couldn't practice what they preached. [….]


Sonntag, 20. Januar 2019

Zukunftssorgen.

Richard Grenells best buddy in Deutschland, Jens Spahn, ist noch keine 40 und hat das Alte-weiße-Männer-Verhalten der Politik schon völlig verinnerlicht.
Hoppla, hier komme ich. Mir kann keiner was. Der streng katholische konservative Hardliner ist alles, nur nicht schüchtern.

[….] Leicht zu übersehen ist dieser 1,91-Meter-Hüne mit Schuhgröße 49 ja nun wahrlich nicht. Hände wie Bratpfannen, breitschultrig, die Arme muskelbepackt, was daran liegt, dass er gegen den Rat seines Fitnesstrainers lieber Gewichte stemmt, als auf dem Laufband Meter zu machen. [….]

Er umgibt sich mit den richtigen Leuten (Trumps mächtiger Europa-Ableger), heiratet die richtigen Leute (den Berliner BUNTE-Chef), hört auf die richtigen Leute (nur Industrielobbyisten) und achtet stets darauf, daß der Mammon in die eigenen Taschen fließt.
Als für Steuerzahlungen zuständiger Staatssekretär im Bundesfinanzministerium ging er das ganz direkt an.

 [….] Taxbutler war mit der Idee angetreten, Lohnsteuererklärungen online zu erstellen. Die Kunden sollten lediglich Fotos ihrer Belege und ihrer Lohnsteuerbescheinigung senden – den Rest wollte das Startup übernehmen. [….] Bundesweite Aufmerksamkeit erhielt Taxbutler, als bekannt wurde, dass unter den Business Angels auch der damalige Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) war. 15.000 Euro hatte Spahn aus seinem privaten Vermögen in das Startup gesteckt und dafür 1,25 Prozent der Anteile erhalten. Spahn, heute Bundesgesundheitsminister, war in seiner Funktion zu dieser Zeit auch für Fintechs wie Taxbutler zuständig. [….]

Vor seiner Zeit in Schäubles Finanzministerium widmete sich Spahn schon einmal der Gesundheitspolitik: 2009 bis 2015 als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und von 2005–2009 als Obmann für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gesundheitsausschuss.
In der Lobbyisten-verseuchten Pharmapolitik ließ sich noch einfacher Geld in die eigene Tasche leiten. Er beteiligte sich gleich selbst an der Lobbyagentur Politas.

[….] Zusammen mit seinem Freund und Büroleiter Markus Jasper und dem befreundeten Lobbyisten Max Müller gründete Spahn im Jahre 2006 eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GbR), welche die Beratungsagentur Politas verwaltet.
Vorteil einer GbR ist, dass weder Angaben über die Geschäftstätigkeiten noch über die Gesellschafter gemacht werden müssen. Daher war lediglich Jasper als Eigentümer eingetragen. Da es sich im Falle Spahns um eine Minderheitenbeteiligung von 25% handelte, war er nicht verpflichtet, seine Beteiligung dem Bundestag zu melden. Firmenbeteiligungen müssen erst bei „mehr als 25 Prozent der Stimmrechte“ offengelegt werden. [….] Max Müller ist ein „gut verdrahteter Lobbyist“. Neben seiner Tätigkeit für Politas ab 2006, war Müller ab 2008 für den Pharmakonzern Celesio tätig. Anfang diesen Jahres wechselte er zu den Röhn-Kliniken, welche er bereits Ende des Jahres 2012 wieder verließ. Zwischen 2002 und 2008 war Müller Geschäftsführer der KPW-Gesellschaft für Kommunikation in Politik und Wirtschaft und pflegte unter anderem für „DocMorris die politischen und gesellschaftlichen Kontakte“. Dies zeigt seine gute Vernetzung in die Gesundheitsbranche. Spätestens seit 2008 war auch Jasper für die KPW tätig. [….]

Wenn es um das eigene Portemonnaie geht arbeitet der schwule Spahn auch mit einem der letzten radikal Homophoben in der Union zusammen.
Spahn und Singhammer ("Der Arbeiter am Fließband oder der Kumpel unter Tage muss sich krumm legen, damit die Rente der Homo-Witwe mitfinanziert wird") setzten in der Gesundheitspolitik die Positionen der privaten Krankenkassen durch.

[….] Nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" vom 30. November 2012 haben Jens Spahn (CDU) und Johannes Singhammer (CSU) ein Positionspapier der CDU/CSU gegen die von den Grünen gewünschte Bürgerversicherung vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) abgeschrieben. So seien beispielsweise von den Unionsexperten wort- und spiegelstrichgleich die PKV-Passage zum "schönen Namen ,Bürgerversicherung'" übernommen worden, hinter der sich das Gegenteil verberge: "ausnahmslose Zwangsmitgliedschaft, mehr staatliche Bevormundung und Bürokratie, beschränkter Leistungskatalog für alle, weniger Selbstbestimmung, weniger Wettbewerb, keine Nachhaltigkeit". Auch in ihrer optischen Gestaltung seien PKV- und Unionspapier gleich. Jens Spahn war bis März 2015 Vorsitzender des "Beirats Gesundheit" der Gesellschaft zum Studium strukturpolitischer Fragen, die zur Vorbereitung von Gesetzesinitiativen Unternehmen und Verbände mit Abgeordneten und Vertretern der Bundesregierung zusammenbringt. Mitglied der Gesellschaft ist u.a. der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). [….]

Spahns Engagement lohnt sich offenbar. Schon mit Anfang 30 konnte er sich mindestens eine Eigentumswohnung in Berlin-Mitte leisten – derzeit vermietet an einen anderen bekannten PKV-Lobbyisten: FDP-Chef Christian Lindner.

Angela Merkel, die schon vor ihrer Kanzlerschaft intensiv für die Interessen der PKV stritt und zusammen mit CSU-Mann Zöller der früheren Gesundheitsministerin Ulla Schmidt beim sogenannten „Gesundheitskompromiss“ die Wünsche der PKVen in das Gesetz diktierte, wußte also welche Interessen Spahn vertreten würde, als sie ihn im März 2018  zum Bundesgesundheitsminister beförderte.

 [….] Die Lobbyorganisationen der Apotheker hatten offenbar einen deutlich größeren Einfluss auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) als andere Vertreter des Gesundheitswesens. Im Zusammenhang mit seinem Vorschlag für ein neues Apothekengesetz, den Spahn Mitte Dezember der Öffentlichkeit vorgestellt hatte, "gab es insgesamt elf Termine von Vertretern der Leitungsebene des Bundesministeriums für Gesundheit mit Vertretern der Apothekerverbände", [….]  aber kein einziges dokumentiertes Treffen mit anderen betroffenen Akteuren wie beispielsweise den Krankenkassen.
Dabei stellt Spahn den Apothekern mit seinen Eckpunkten zur "Stärkung der flächendeckenden Versorgung" viel Geld in Aussicht. Insgesamt 375 Millionen Euro zusätzlich sollen Apotheken demnach für Nacht- und Notdienste, die Abgabe von Betäubungsmitteln und für "zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen" bekommen. [….] Nachdem die Lobbyisten der Apotheker bereits mit Spitzenleuten des Gesundheitsministeriums über diese neue Regelung beraten hatten, trafen sich die Mitglieder der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände am vergangenen Donnerstag in Berlin, um über die Vorschläge zu diskutieren. Heraus kam ein neuer Forderungskatalog. Man wünsche sich nun 495 Millionen Euro zusätzlich, heißt es darin, also 120 Millionen Euro mehr als von Spahn versprochen. [….]

Ach ja, die CDU ist wieder deutlich beliebter, legt in allen Umfragen deutlich zu.

Prof Karl Lauterbach, sein Gegenspieler, nicht so sehr.

(…..) Der Sozi ist habilitierter Mediziner und Gesundheitswissenschaftler, der fachkundigste Gesundheitspolitiker des Bundestages, völlig unbestechlich (er veröffentlicht jedes Lobbyistenschreiben an ihn umgehend) und wäre die Idealbesetzung als Gesundheitsminister. Er ist aber einfacher Abgeordneter und hat im Bundeskabinett nichts zu sagen.

Der Christdemokrat hingegen ist fachfremd, erhielt 2008 den Bachelor of Arts der Fernuni Hagen, arbeitete selbst als Pharmalobbyist und fungiert heute als mächtiger Bundesgesundheitsminister.

Deutschland ist eben alles andere als eine Meritokratie, in der der Qualifizierteste den Regierungsjob bekommt, sondern ein von dummen Wählern idiotisiertes Land. (….)

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach ist völlig immun gegen Lobbyisten, weil er jede kleinste Anfrage von Lobbyisten, jeden Kontaktversuch sofort veröffentlicht, ist nicht Gesundheitsminister.
Die SPD stürzt weiter ab.

Zu sehen welche U40-Politiker sich durchsetzen und als Minister weitreichende Entscheidungen treffen, stimmt mich nicht gerade froh.
Die Jungen werden immer konservativer.
Keine schönen Aussichten.

Samstag, 19. Januar 2019

Wenn Schule Politik wird.


Schulpolitik kann die Wähler bei Landtagswahlen extrem ärgern.
Wenn da viel schiefgeht wie in NRW unter Rotgrün, oder in BW unter Schwarzgelb, kann das durchaus mal eine Landesregierung aus dem Amt fegen.

Wenn die Bürger glauben ihr Nachwuchs werde durch schlechte Ausbildung um die Chancen gebracht, werden sie garstig.
Der erbärmliche deutsche Föderalismus verhindert nachhaltig die Zukunft der Kinder sinnvoll zu gestalten.
Seit Jahrzehnten gibt es Myriaden Lehrer zu wenig und an den Grundschulen jobben Quereinsteiger, die nie Pädagogik studierten, weil irrlichternde Landesregierungen annehmen bei den Jüngsten käme es nicht so drauf an.

Von Schulpolitik verstehe ich nicht so viel. Das hängt sicher damit zusammen, daß ich keine Kinder habe und sehr lange keine Schulen mehr von innen gesehen habe.
Meine Schulzeit war wenig aufregend; Grundschule Gymnasium, fertig, keine zusätzlichen Wechsel.
Die Gymnasialjahre verliefen a posteriori betrachtet fast ohne Stress. Da waren zwar einige wirklich schlechte Lehrer, mit denen ich mich in den Haaren hatte, aber auch einige sehr Gute und viele Mittelmäßige.
Ungerechterweise genoss ich große Narrenfreiheit, konnte so viel schwänzen wie ich wollte, weil ich eine tolerante Tutorin und sehr gute Noten hatte.

Mein Problem war eher, daß ich mein Studium schon mit 18 anfing. Da war ich noch viel zu unreif, um mich richtig zu entscheiden. Für mich wäre so ein amerikanisches College-System besser gewesen. Also noch ein paar weitere Jahre Schul-ähnlicher Betrieb, bei dem man seine Interessen breiter auffächert, bevor man sich für die eine Sache entscheidet, die man dann an der Uni ganz gründlich lernt. Ich konnte schon als 14-Jähriger Fächer auswählen, beendete nach der zehnten Klasse den Französisch-Unterricht, weil ich darin a) nicht besonders gut war und b) den Lehrer, der in der 11. Unterrichten würde nicht mochte.

Heute bin ich schlauer. Damals hatte ich aber keinerlei Vorbereitungen, keine Beratung, keine Eingangstests. Ich wußte gar nicht was „Uni“ ist.
Man schrieb sich als Teenager für irgendetwas ein, das dann den Rest des Lebens bestimmen sollte.
Von eben auf jetzt sollte man ganz selbstständig sein.

In den ersten Semestern jobbte ich natürlich – wie die meisten Studenten.
Auch da hatte ich Glück, konnte an der Uni selbst etwas Geld verdienen und gab außerdem Nachhilfe.
Dabei kamen mir erstmals große Zweifel am Schulsystem.
Bis dahin dachte ich alle Abiturienten würden in etwa das gleiche wie ich lernen.
Aber weit gefehlt. Nachhilfeschüler auf Wirtschaftsgymnasien und Aufbauschulen hatten noch in der 11., 12., 13. Klasse keinerlei Grundlagen in Mathe und Physik.
Ich erinnere mich an einen, der Abitur machte, dem ich erklärte was ein Platzhalter in einer mathematischen oder physikalischen Formel ist. Ich konnte es nicht fassen.
Und ich erlebte Schüler, die wirklich schlechte Lehrer hatten; nicht die Sorte, die ich an meiner Schule für schlecht hielt, sondern echte Sadisten, die unter Aufsätze schrieben „Fabian, Du kannst wirklich gar nichts! Du kannst nur Hilfsarbeiter werden!“
Als ich noch studierte lernte ich eine Lehrerin kennen und fragte wie es eigentlich angehen könne, daß Schüler ohne irgendwelche Grundlagenkenntnisse versetzt werden und andere, die sich sichtbar Mühe gaben offenbar mit Wonne gedemütigt wurden.
Ihre simple Antwort: Das hinge vom Stadtteil ab. Sie hätte jahrelang auf einer katholischen Schule in den Hamburger Walddörfern (konservative Vorortgegend) unterrichtet und sei nun nach Wilhelmsburg (Problemviertel!) versetzt. Wenn sie dort die Maßstäbe ansetze, wie an der alten Schule, müsse sie alle durchfallen lassen, keiner wäre besser als „vier“.
Nun gäbe sie Schülern schon mal ein „gut“, die an ihrer vorherigen Schule gerade mal ausreichend bekommen hätten.
Aber anders ginge es gar nicht, wenn man den Schulbetrieb nicht zusammenbrechen lassen wolle. Schließlich liebe sie ihren Beruf und wolle die Schüler nicht demotivieren.

Als kurz nach dem Anschluss der DDR die Debatte begann, ob man nicht die Gymnasialzeit verkürzen sollte, hielt ich das für völlig verrückt. G8 statt G9? Noch weniger Schulzeit, obwohl deutsche Schüle offensichtlich ohnehin schon verblödet waren?
Was für ein Unsinn! Heute wünsche ich mir, ich hätte G11 oder G12 genossen. Es fällt meiner Gerontenbirne so schwer Sprachen zu lernen. Warum hat man mich nicht mit 14 gezwungen den verdammten Französischunterricht noch drei Jahre länger zu machen und am besten noch Spanisch oder Italienisch dazu?
Das wäre mir verglichen mit heute so leicht gefallen.
Und wieso konnte ich durch meine gesamte Schulzeit rutschen ohne eine einzige Stunde Religionsunterricht zu haben? Ich erfuhr nichts über die Kirche und schon gar nichts über andere Glaubens-Konstrukte. Das musste ich mir alles autodidaktisch erarbeiten.

Nach meinem Eindruck ging es bei der G8 oder G9-Debatte weniger um das Wohl der Schüler, sondern um einen Standortvorteil einzelner Bundesländer.
Es war die CDU mit ihrem Leitbild Leistung, die auf das Turbo-Abi drängte. Deutsche Schüler wären viel zu alt beim Berufseinstieg.
Das müsse alles schneller gehen und man könne auch viel Geld an Schulen sparen, wenn die Kinder schneller durchgeschleust würden. Endlich Lehrpläne entrümpeln

Meine rudimentären Erkenntnisse von all dem, was schief geht an deutschen Schulen, fand ich in Philipp Möllers „Isch geh Schulhof“ bestätigt.
Die Lehrerausbildung verläuft katastrophal falsch und das Schulsystem krankt an der Unstetigkeit. Die allermeisten Änderungen der 16 einzelnen Kultusminister sind durchaus sinnvoll, oder zumindest gut gemeint, aber sie kommen so häufig, daß die Lehrer keinerlei Elan mehr aufbringen alles umzusetzen.

(….) Es dürfte sogar noch viel schlimmer werden, wenn die asozialen und desintegrierten gegenwärtigen Klein-Bälger erwachsen werden.
Lehrer berichten von unfassbaren Zuständen an den Schulen.

„Pinsel und Malutensilien werden verteilt – und die Klopperei beginnt! Es wird laut, Kinder müssen ihrem Nachbarn ins Gesicht schreien, dass sein Bild doof (das Wort war ein anderes) ist.“
„Einige werden maulig, geben unpassende Kommentare ab und antworten auf Fragen von Frau G. mit Fäkalsprache.“
„Wir malen noch einmal auf dem Fußboden der Sammlung – eigentlich eine tolle Erfahrung für Kinder. Freud- und anstrengungslose Versuche vieler Kinder, Striche aufs Papier zu bringen.“   „Endlich stehen alle, da trampeln Kinder mit dreckigen Schuhen über die Bilder! Absichtlich! Am nächsten Tag wird mir ein Kind erklären, dass ihm langweilig war – und dass es dann ja wohl klar ist, dass es das tun kann.“  „Ältere Herrschaften steigen über Butterbrotpapiere, Rucksäcke und Kinder. Den Kindern kommt das nicht einmal komisch vor. Als ich sie auffordere, Platz zu machen, schauen sie mich verständnislos an – und essen in Ruhe weiter!“
„Die Mitschüler werden angeschrien, geboxt, getreten und Rucksäcke umhergeschleudert. Ein älterer Herr bekommt auch einen ab. Eine Entschuldigung ist nicht zu erwarten.“
„Kinder lassen die Hälfte ihrer Sachen liegen in der Erwartung, dass es ihnen schon jemand hinterhertragen wird.“
„Es ist für die Kinder nicht einsehbar, dass wir in dem wuseligen Hauptbahnhof dicht zusammenbleiben müssen. Ich komme mir vor wie ein Schweinetreiber.“
„In der Bahn plötzlich vertraute Geräusche. Rülpsen! Kein Versehen, sondern volle Absicht. Wer kann es am lautesten? Sie denken: Die redet sicher von meinem Nachbarn? Falsch: Gehen Sie davon aus, dass ich auch von Ihrem Kind spreche – es gibt nur sehr wenige Ausnahmen!“
[…]   „Kinder kommen bereits um 8 Uhr früh gut gefüllt mit einer Stunde Super RTL, gewalttätigen und blutrünstigen Gameboy-Spielen und einem beachtlichen Blutzuckerspiegel in die Schule.“
„Sie springen mit erhobenen Fäusten wie Ninjakämpfer in die Klasse, semmeln erstmal drei Mitschüler über den Haufen und merken es nicht einmal.“

Und wenn man Philipp Möllers brillantes und lehrreiches Buch „Isch geh Schulhof“ gelesen hat, möchte man sich bei dem Gedanken an die Zukunft gleich erschießen.
Dabei ist das Unfassbare, daß wir sehenden Auges in die Katastrohe schlittern. Wir wissen wie man es besser machen kann; Möller hat das in seinem Buch alles dargelegt. Wir wissen auch aus den PISA-Spitzenländern, warum ihre Schulen so viel besser als die Deutschen sind. Aber Kleinstaaterei, Phlegma und Ideologie verhindert, daß Deutschland endlich was ändert.

Dabei wäre es viel zu simpel „der Politik“ dafür die Schuld in die Schuhe zu schieben.
Denn der Stillstand ist vom Volk gewollt. (….)

Inzwischen gibt es fast flächendeckend G8, die CDU hat ihren Willen bekommen und endlich könnte etwas Ruhe einkehren. Da fällt der mittlerweile auf 14% abgestürzten Hamburger CDU mangels anderer Themen und mangels anderer Kandidaten in Gestalt des debakulierenden Fraktionschefs Trepoll ein das Faß wieder aufzumachen.
Die Elb-CDU will alles wieder rückgängig machen und auf G9 umstellen.
Just nachdem endlich so etwas wie Burgfrieden an den Hamburger Schulen eingetreten ist.

[….] Rathaus-Zoff um G9-Plan „Schulfrieden“ in Gefahr: CDU zettelt Bildungsstreit an. [….]

Das schafft nur Chaos hilft niemand, aber G9 ist populär.
So kommt die CDU mal wieder in die Presse.
Absolut verantwortungslos, diese Partei!

[….] Nein, nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich einmal für eine Verkürzung der Schulzeit eintreten würde. Als G8 – also das achtjährige Gymnasium – eingeführt wurde, war ich absolut gegen diese Reform. Aber jetzt appelliere ich: Lasst uns bei G8 bleiben! Denn ausgerechnet die CDU, die uns das alles eingebrockt hat, will die Reform jetzt zurückdrehen. Und das nicht nur aus Überzeugung, sondern aus wahltaktischen Gründen.
Hamburgs Parteien finden sich plötzlich in einer paradoxen Situation wieder: Grüne und SPD, die das Turbo-Abi ursprünglich gar nicht gut fanden, wollen es jetzt erhalten. Und die CDU, die es eingeführt hat, möchte die Uhr zurückdrehen. Vielleicht jedenfalls. [….] Ich habe meine Meinung in der Sache nicht geändert. Ich halte es nach wie vor für unsinnig, dass Schüler weniger Zeit zum Lernen und Reifen haben, damit sie dem Arbeitsmarkt früher zur Verfügung stehen. Das Ergebnis ist bei vielen, dass sie nach dem Abitur erst mal eine Auszeit nehmen oder sich durchs Studium bummeln. Oder mit 22 Jahren einen Master in BWL haben und als Unternehmensberater Firmenchefs coachen wollen, die mehr als doppelt so alt und lebenserfahren sind wie sie. [….] Die CDU triumphiert derzeit über eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Hamburger Abendblatts“, laut der 76 Prozent der Hamburger für eine Rückkehr zu G9 sind. Aber das ist eine Zahl, die vor jeder öffentlichen Diskussion in der Stadt erhoben wurde. Wenn CDU-Fraktionschef André Trepoll G9 zum Wahlkampfthema macht, könnte eine aktuelle Befragung ganz anders ausfallen. Insbesondere, da die politischen Gegner ihm immer wieder unter die Nase reiben werden, dass er das Thema für Wahlzwecke missbraucht. Und das dürfte kräftig an der Glaubwürdigkeit der Partei nagen. [….]

Freitag, 18. Januar 2019

Geschichtsstunde

Es ist ja nicht so, daß ich in den vergangenen Jahren viel von den strategischen Fähigkeiten europäischer und amerikanischer Spitzenpolitiker gehalten hätte, aber 2019 zeigt wieder einmal eine weitere Steigerung des Irrsinns.
Sagenhaft was sich in den USA und in GB abspielt – ganz allein verursacht durch vollkommen Schwachsinnige an der Regierungsspitze.


Man mag gar nicht daran denken, daß diese Kategorie Regent mal mit einer echten von außen auf sie einprasselnden Katastrophe konfrontiert sein könnte.
Schwere Wirtschaftskrise, AKW-Supergau, Krieg, 9/11, Naturkatastrophe.
Diese Leute sind doch offensichtlich schon nicht in der Lage normale Regierungsgeschäfte zu führen.

Schon vier Wochen Kasperle-Theater, weil klein Donald nicht bekommt was er will. Und das müssen 800.000 amerikanische Familien ausbaden, die ohne Gehalt und Job da sitzen.

Neuester Stand: Der schmollende Präsident streicht der Nummer Drei im Staat ihre Flüge.

[….] Melania Flies Alone To Mar-A-Lago On Government Jetliner After Trump Cancels Pelosi’s Trip To Visit Troops [….]


Januar 2019

Die Situationen in London und Washington sind festgefahren. Nichts bewegt sich mehr.
Unglücklicherweise hilft noch nicht mal die Poesiealbum-Binse „der Klügere gibt nach“ weiter. Jeremy Corbyn ist genauso blöd wie PM May und verfügt über keinerlei Mehrheiten.
Klarer sieht es im Amerika aus; dort ist jeder klüger als #45. Aber sollte dementsprechend jeder Trump gegenüber nachgeben?


Nancy Pelosi ist ganz sicher sehr viel intelligenter als der Präsident und sie verfügt über einen veritablen Machthebel; sie könnte ihm die 5,7 Milliarden Dollar bewilligen. Wieviel sind schon fünf oder sechs Milliarden angesichts von 2.000 Milliarden Schulden, die Trump in zwei Jahren angehäuft hat?
Kann eine dem Wähler verantwortliche demokratische Partei Millionen Menschen wegen so einer überschaubaren Summe leiden lassen?
Gibt es hier nicht eine moralische Verpflichtung gegenüber 800.000 von Trump genommenen Geiseln, die Forderung des Erpressers zu erfüllen?

Der Wahnsinn ist sehr, sehr weit fortgeschritten.


Also Nancy, gib dir einen Ruck und rück’ die paar Milliarden raus.
Oder nicht?

Moralisch ist das keine einfache Frage.
Blicken wir zurück auf den 27.02.1975.

Peter Lorenz, Landesvorsitzender der Berliner CDU und Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters wurde drei Tage vor der Landtagswahl von Mitgliedern der Terrorgruppe „Bewegung 2. Juni“ entführt und als Geisel genommen. Am nächsten Tag veröffentlichten sie ein Bild von ihm und verlangten die Freilassung und Ausreise der sechs RAF-Terroristen Horst Mahler, Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Ingrid Siepmann, Rolf Heißler und Rolf Pohle.

Der SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt war in der Woche nahezu amtsunfähig, lag mit sehr hohem Fieber und Grippe im Bett.
Oppositionsführer Helmut Kohl, CDU-Bundesvorsitzender und enger Freund von Peter Lorenz übte erheblichen Druck auf die Bundesregierung aus auf den Vorschlag einzugehen. Anderenfalls werde der Entführte nicht überleben; außerdem mache es doch keinen großen Unterschied, ob die sechs Terroristen im Knast oder irgendwo am anderen Ende der Welt hockten.
Es kam zu dem „der Klügere gibt nach-Präzendenzfall“.
Die Regierung Schmidt ließ Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Ingrid Siepmann, Rolf Heißler und Rolf Pohle nach Aden ausfliegen. Nur der heute für die NPD aktive Horst Mahler weigerte sich.
Die Terroristen hielten Wort, die Ereignisse überschlugen sich:

02.03.1975:
Rekordergebnis für die Berliner CDU bei der Abgeordnetenhauswahl: 43,9%.
03.03.1975:
Fünf linksextreme Terroristen auf freiem Fuß im Jemen
04.03.1975:
Peter Lorenz wird tatsächlich freigelassen; Helmut Kohl, die CDU und Lorenz‘ Familie sind verständlicherweise glücklich.

Was zunächst nach einem großen Erfolg und glücklichem Ende aussah, erwies sich a posteriori als Desaster.

Die RAF verstand die Botschaft vom 03.03.1975 als Aufforderung weitere Politiker zu entführen; der Staat ließe sich bequem erpressen, so bekomme man die RAF-Kumpel immer wieder frei.
Die fünf Freigepressten kehrten umgehend nach Deutschland zurück und mordeten. Mehrere Opfer, insbesondere Polizisten waren zu beklagen. Am Blutigsten wurde es 1977 im Zuge der Schleyer- und Landshut-Entführung.
Diesmal sollten die Stars der Terrorszene freigepresst werden: Baader, Ensslin, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller.
Helmut Schmidt hatte schon im März 1975 den Austausch als schweren Fehler angesehen, seine Befürchtungen sollten sich bewahrheiten.
Gibt man einmal nach, wird es in Zukunft nur noch schlimmer. Wieso sollten skrupellose Menschen eine Methode, die sich aus ihrer Sicht als erfolgreich erwiesen hatte, nicht erneut anwenden?
Helmut und Loki Schmidt verfassten unbemerkt von der Öffentlichkeit eidesstattliche Erklärungen, daß sie im Falle der eigenen Entführung unter keinen Umständen ausgetauscht werden wollten, daß sie bereit wären ihren Tod zu akzeptieren; keinesfalls dürfe man den Forderungen terroristischer Entführer nachgeben.
Auch konservative Politiker und der Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, der dem am 07.04.1977 von der zwei Jahre zuvor freigepressten Verena Becker ermordeten Siegfried Buback nachfolgte, folgten dem Beispiel der Schmidts.
Diese Schreiben blieben für Jahre geheim, damit Terroristen nicht bei der Auswahl von Opfern geholfen werden konnte. Sie dienten aber dazu den mit Entführern verhandelnden Personen moralisch zu helfen, um nicht die grausamen Entscheidungen allein fällen zu müssen.

Ich bin alt genug, um mich an den Herbst 1977 zu erinnern. Eine gespenstische Stimmung herrschte.
Helmut Schmidt bekam die volle Wucht der Staatskrise diesmal im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ab. Wieder ging es mit Hanns Martin Schleyer um einen persönlichen Freund vieler handelnder Politiker, aber Schleyer hatte nicht nur keine Anweisungen hinterlassen wie im Falle eine Entführung verfahren werden sollte, sondern seine Kinder und Ehefrau entfalteten den größtmöglichen Druck auf die Bundesregierung der RAF nachzugeben, um ihren Vater/Ehemann zu retten.

Der Bundeskanzler rief einen Krisenstab unter Beteiligung der Oppositionssitzen und Sicherheitschefs zusammen.
Der CSU-Rechtsaußen Friedrich Zimmermann (später Innen- und Verkehrsminister unter Kohl), sowie der vor vier Wochen mit 90 Jahren verstorbene damalige BKA-Chef Horst Herold waren derartig beeindruckt von Schmidts Führungsstärke und kühlem Kopf, daß sie bis zum Ende ihres Lebens nie ein schlechtes Wort über den Sozen verloren.
Das war in Anbetracht der grauenhaften Umstände allerhöchste Regierungskunst.
Versagt hatte allerdings das tiefschwarze CDU-Justizministerium in Stuttgart; das Chaos in Stammheim wurde nie richtig aufgeklärt, keiner kann genau sagen wie es Raspe, Baader und Ensslin gelingen konnte unbeobachtet zu sein und tödliche Waffen in ihren Zellen zu haben, um Selbstmord zu verüben.
Dadurch entstanden immer wieder Verschwörungstheorien.
Neben den vier ermordeten Sicherheitsbeamten, starben auch Jürgen Schumann, der Pilot der Landshut, sowie Schleyer selbst. 86 Geiseln wurden befreit.
Aber Schmidts harte Linie stellte sich langfristig als Sieg über die RAF heraus. So eine große Entführung wagten sie nie wieder.

Hypothetische Geschichte ist sinnlos, aber natürlich wurde immer wieder spekuliert, daß es zu den späteren RAF-Morden und dem „deutschen Herbst 1977“ nie gekommen wäre, wenn die deutsche Bundesregierung schon im Frühjahr 1975 in der causa Lorenz knallhart geblieben wäre.

Ich weiß nicht, ob Nancy Pelosi die Vorgänge im Bonner Kanzleramt von 1975 und 1977 kennt, aber sie wird sicher schlau genug sein, um zu wissen, daß es im Mauerstreit mit Trump nicht um 5,7 Milliarden Euro geht, sondern darum Trump endgültig zu zeigen, daß er mit Erpressung nicht weiterkommt.
Bekäme er den Eindruck durch Regierungs-Shutdown seinen Willen zu erhalten, über die verhassten Demokraten zu siegen und mit dieser ruchlosen Erpressung seine rassistische Basis erfreuen zu können, griffe er bei nächster Gelegenheit wieder zu der Methode.
Das ist der tiefere Sinn von Pelosis Linie: Die Geiselnahme von 800.000 Staatsangestellten darf sich für Trump nichts als Erfolgsmodell herausstellen.

Donnerstag, 17. Januar 2019

Politchrist

William Barr ist ein sehr konservativer Katholik, der aus offensichtlichen Gründen neuer US-Justizminister und damit Mueller-Aufseher wird.

Wie man Jobs in der Trump-Administration bekommt, weiß der designierte 68-Jährige DOJ-Chef.

[….] Bei den Demokraten gibt es Befürchtungen, dass Barr von Trump dazu gedrängt werden könnte, Muellers Untersuchung zu behindern. [….] Die Befürchtungen der Demokraten gehen zurück auf eine Stellungnahme, die Barr im vergangenen Jahr über Muellers Ermittlungen geschrieben hatte. Darin äußerte er sich sehr kritisch gegenüber einigen Aspekten der Untersuchung. Sein Schreiben schickte er unaufgefordert an Trumps Anwälte. Die Opposition sah darin ein Bewerbungsschreiben für ein Amt in der Administration. [….]

Jurist Barr kennt sich aus mit der Verfassung und so ließ er schon mal wissen wie es laufen wird.

 […..] Theocracy alert: Trump’s Attorney General Pick William Barr is a Catholic conservative who rejects the separation of church and state, calls secularists “fanatics,” and blames secularism for “moral decline.”
[…..] Barr is a states’ rights, religious conservative who believes women do not have a constitutional right to abortion, that Roe vs. Wade was wrongly decided, and that the legality of abortion should be determined by individual states. As attorney general under the late President George H.W. Bush, Barr was the architect of America’s failed war on drugs and the current punitive criminal justice system. Barr was and is a big proponent of mass incarceration, despite the fact that research shows such a system fosters and promotes racial discrimination.
In addition to the racism and misogyny one would expect from a conservative Catholic, Barr is also a bigot when it comes to non-religious people and others who respect the separation of church and state.
In a 2011 address to “The Governor’s Conference on Juvenile Crime, Drugs and Gangs,” Barr condemned church/state separation in public schools:

    This moral lobotomy of public schools has been based on extremist notions of separation of church and state or on theories of moral relativism which reject the notion that there are standards of rights or wrong to which the community can demand adherence.

In a 2017 article published by The Catholic Lawyer, Barr bemoaned the rise of secularism and offered an answer to the challenge of “representing Catholic institutions.” [….]

Er sieht seine streng christlichen Überzeugungen offenbar am besten bei dem Mann vertreten, der im Oval Office sitzt und als Ausbund der Tugendhaftigkeit gilt.
Treue, Keuschheit, Wahrhaftigkeit, Fleiß, Bescheidenheit – wer stünde mehr für diese christlichen Werte als Donald Trump?


Bei so einem frommen Christen fühlt sich auch die Second Family, Karen und Mike Pence wohl.
VP Mike leidet unter so radikaler Sexualphobie, daß er grundsätzlich niemals mit einer anderen Frau als Karen allein in einem Raum ist. Mutmaßlich ist er diesbezüglich ganz auf Linie mit seinem Boss.
Ehefrau Karen braucht sich also endlich nicht mehr um die erotische Sittlichkeit ihres Gatten zu sorgen und kann wieder ihren eigenen Interessen nachgehen:
Grundschüler an der Immanuel Christian School in Virginia von der Homoperversion fernhalten.
Man kennt ja diese Sechsjährigen: Alle halbschwul und spitz wie Nachbars Lumpi. Da kann man gar nicht genug aufpassen.

 [….] That school bans anyone — students or parents — for “participating in, supporting, or condoning sexual immorality, homosexual activity or bi-sexual activity.” No gay people allowed… at least if they ever act on it.
The school also requires prospective employees to promise to live a life of moral purity. By their definition, that excludes transgender people. In fact, even acknowledging the existence of a trans identity goes against the requirement to accept the “unique roles of male and female.” [….]

Ja, so modern wünscht man sich die USA im Jahr 2019.

[….] Homo- oder bisexuelle Schüler werden nicht aufgenommen, Lehrer dürfen keinen vorehelichen Sex haben: [….] Eltern von Schülern müssen beispielsweise eine Einverständniserklärung unterschreiben, in der es unter anderem heißt: Die Schule habe das Recht, Schüler abzulehnen oder von der Schule zu verweisen, die "sexuelle Immoralität, homosexuelle Aktivitäten oder bisexuelle Aktivitäten betreiben, unterstützen oder befürworten".
Wer an der Schule unterrichten möchte, muss unter anderem angeben, keinen vorehelichen, außerehelichen oder homosexuellen Sex zu haben. Polygamie und Transgender werden an der Schule nicht geduldet. Bewerber müssen auch zustimmen, dass "eine Ehefrau dazu befohlen ist, sich ihrem Ehemann zu unterwerfen". Außerdem muss ein Haken gesetzt werden bei dem Punkt: "Der Begriff 'Ehe' hat nur eine Bedeutung: die Vereinigung von einem Mann und einer Frau." [….]

Diese Eigenschaft an Evangelikalen Christen schätze ich am Meisten; ihr Urteilsvermögen.
Sie erkennen einen guten Menschen, wenn sie ihn sehen, wie zB Trump.
Sie wissen wie Jesu‘ Konzept von der Nächstenliebe erfüllt wird: Folter, Waffenbesitz, Todesstrafe. Oder wie es auf Amerikanisch heißt: „Pro Life!“
Und sie kennen sich auch am besten mit Familienwerten aus: Ist eins ihrer Kinder schwul, wird es verprügelt, von der Familie verstoßen und mit einem kräftigen Tritt in den Sünder-Hintern auf die Straße befördert.


Trumps ausgesprochen christliche Moral wird auch von seinem Außenminister geschätzt: Mike Pompeo.
Er weiß wie das Heilige Land befriedet und Jesus näher gebracht wird:
Ordentlich Öl ins Pulverfass Jerusalem gießen (Umzug der US-Botschaft) und den radikalen Wahabiten in Riad, die Myriaden Jemeniten abschlachten und Schwule köpfen, für 110 Milliarden Dollar amerikanische Waffen liefern.

[….] Secretary of State Mike Pompeo opened a speech in Cairo on Thursday by referring to the Bible that he keeps in his small, wood-panelled office on the seventh floor of the State Department. “This trip is especially meaningful to me as an evangelical Christian,” he began, in a predominantly Muslim country that accounts for almost a quarter of the population in the Arab world. Only ten per cent of Egypt’s hundred million people are Christian. “I keep a Bible open on my desk to remind me of God and His Word, and The Truth.” [….]

Wo könnte jemand besser aufgehoben sein, der sich so offensive der Wahrheit verpflichtet fühlt, als bei Donald Trump?