Montag, 25. Dezember 2017

Miesepetersozis



Kassandra ist dafür berühmt, daß man ihr nicht glaubte.
Darin liegt die Tragik der Tochter des trojanischen Königs Priamos; ihr Weitblick nützte nichts, ihre Fähigkeit Katastrophen zu verhindern verpuffte.
Wenigstens war Kassandra zur Kompensation für ihre Unglaubwürdigkeit schön.
Das soll man nicht geringschätzen, wenn man schon als allgemeiner Unsympath gilt.

Als Sozi ist man in dieser Hinsicht doppelt geschlagen.
Nicht nur glaubt man uns nicht, sondern die Topfiguren Schulz, Nahles, Scholz und Gabriel sind auch noch häßlich.

Wir wissen das spätestens seit 1990, als unsere Jungs, insbesondere in Gestalt des Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine zwar alle Schwierigkeiten der deutschen Einheit präzise voraussagten, aber nicht gehört wurden.
Die Majorität des Urnenpöbel empfand es als grob unsympathisch mit der schnöden Realität konfrontiert zu werden.
Dann lieber den jovial-lockeren Kohl, der von „blühenden Landschaften“ und Kosten, die „aus der Portokasse“ zahlbar wären, fabulierte.

Lafontaine lernte aus dieser Erfahrung uns fegte mit dieser Erkenntnis 1995 in Mannheim auch den elend-öden Parteichef Scharping aus dem Amt.

[….] "Die Sekretärinnen, die Krankenpfleger, die Facharbeiter zahlen brav ihre Steuern, und die höheren Einkommen haben so viele Abschreibungsobjekte, dass Millionäre stolz sind, sich zu brüsten, dass sie keinen Pfennig Steuern zahlen - wie soll denn da das Vertrauen in unseren Staat noch gegeben sein?  Es gibt noch Politikentwürfe, für die wir uns begeistern können, und wenn wir selbst begeistert sind, können wie auch andere begeistern. In diesem Sinne: Glückauf!" [….]


Martin Schulz‘ jüngste Parteitagsrede am 07.12.2017 in Berlin war öde. Ein sichtlich um Deeskalation bemühter Parteichef, der unbedingt wiedergewählt werden wollte, sagte nichts wirklich falsches, tastete sich aber lediglich vorsichtig voran, weil er die Delegierten darauf einstimmen wollte genau das zu verabschieden, was er zwei Monate zuvor noch kategorisch ausgeschlossen hatte: Regieren unter Angela Merkel.

 [….] Schulz versucht sich hier an einem größeren Bogen. Statt mit der Tür ins Haus zu fallen, malt er ein düsteres Panorama der nationalen, europäischen, ach was, der globalen Herausforderungen. Da kann einem schon ein wenig anders werden, schließlich gilt es Schulz zufolge, grob zusammengefasst, den Klimawandel einzuhegen, Google und Facebook zu bändigen, Steuerflucht und Terroristen zu bekämpfen, sowie auch noch die Sache mit den Flüchtlingen zu lösen. Das alles aber könne man gar nicht mehr im Bundestag durchsetzen, dafür brauche man Europa, genauer: "Das soziale Europa, das demokratische Europa!" Schulz ruft: "Wir brauchen das sozialdemokratische Europa!"
Und wie schafft man das, ein sozialdemokratisches Europa? Doch wohl nur, indem die SPD mitregiert. Alles klar?
Die Welt ist schlecht, also werden wir gebraucht, so geht die Argumentation. [….]

Das ist das diametrale Gegenteil des Begeisterungs-Parteichefs von 1995. Hier kommt Jammer-Martin, der alles so scheiße findet und eigentlich auch keinen Bock mehr hat.

(.....)  "Ich strebe keine große Koalition an, ich strebe auch keine Minderheitsregierung an. Ich strebe auch keine Neuwahlen an. Was ich anstrebe: Dass wir die Wege diskutieren, die die besten sind, um das Leben der Menschen jeden Tag ein Stück besser zu machen."
(Martin Schulz, Juso-Kongress, 24.11.2017)

Inhaltslos daher faseln kann der SPD-Chef inzwischen schon fast so gut wie Angela Merkel.
Natürlich strebt kein Sozi irgendetwas an, bei dem am Ende die CDU den Kanzler stellt. So schlau sind schon Viertklässler.

Die Frage ist aber, ob man etwas, das man nicht anstrebt womöglich unter Umständen doch tun muss.
Von Schulz wüßte man gern, welche Umstände dies genau sein könnten, welche Bedingungen dann erfüllt sein müssen und was ihn eigentlich dazu brachte von seinem kategorischen „Nein zur Groko“ abzurücken. Wie erklärt man das dem Wahlvolk und wird dieser schwerwiegende taktische Fehler der SPD-Spitze personelle Konsequenzen haben?

Das Leben „der Menschen“ (allgemeiner geht es kaum noch) „besser“ zu machen, stammt vermutlich aus einem Glückskeks.
Ich bezweifele, daß irgendeiner in CSU, CDU, FDP, bei den Grünen und den Linken etwas anderes möchte. In keinem Parteiprogramm wird eine Verschlechterung des Lebens versprochen. (….)

Unglücklicherweise wird der alte und neue Parteichef rhetorisch auch noch zunehmend schlechter.

[….] Nach einer guten halben Stunde seiner Rede stellt sich erster leichter Kopfschmerz ein. Das liegt weniger an dem, was er sagt, sondern vor allem an der Tonlage. Früher, da konnte Schulz in seinen Reden modulieren, da sprach er mal laut und begeisternd, mal leise und nachdenklich - und vor allem immer wieder witzig, selbstironisch. Das ist komplett weg, nun ist alles ernst, laut und gepresst. […..]

Das ist kaum auszuhalten und so applaudiert man schon deswegen am Ende artig mit, um sicherzustellen, daß der Mann bitte nicht noch länger spricht.

Und die Partei? Wieso wählt sie mit 82% Mimimimi-Martin, den mäandernden Miesepeter?
Dafür gibt es zwei Gründe. Martin Schulz tut den Delegierten ob seiner Tollpatschigkeiten und des enormen Absturzes ganz furchtbar Leid und außerdem gibt es diesmal keinen Lafo, der wie Kai aus der Kiste springt.

[….] Um das zu verstehen, muss man sich kurz vorstellen, diese Rede hier hätte jemand anderes gehalten. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zum Beispiel, der bei den Genossen so beliebt ist, wie Klassenstreber eben beliebt sind: Solange sie einen abschreiben lassen, geht's. Oder Andrea Nahles, die jetzt zwar an der Spitze der Bundestagsfraktion steht, für viele hier aber mutmaßlich immer die böse Linke bleiben wird, die einst den Parteivorsitzenden Franz Müntefering gestürzt hat - was man auch daran ablesen kann, dass Nahles zwar später in der Aussprache die klarere, bessere Rede hält als Schulz, dafür aber nur einen kurzen Höflichkeitsapplaus erhält. Oder Sigmar Gabriel: Sie alle hätten es hier deutlich schwerer als Schulz.
Weil er eben trotz allem noch der Martin ist, den sie ins Herz geschlossen haben und nicht einfach fallen lassen wollen, und weil sie dann ja auch zugeben müssten, sich damals, als sie ihn mit 100 Prozent wählten, womöglich geirrt zu haben. [….]

Den Job als Parteivorsitzender konnte Schulz retten.

Aber im Jammermodus wird die Partei in den Umfragen nicht reüssieren, auch wenn ihre Konzepte noch so viel besser sind als die der anderen Parteien.
Den Urnenpöbel interessieren Inhalte viel weniger als Parteistrategen sich das wünschen.
Niemand liest Parteiprogramme, der sich nur peripher für Politik interessiert.
Stimmungen, Sympathie und Bauchgefühl sind die neue harte politische Währung.

[…..] Partei der schlechten Laune
Sozialdemokraten lamentieren am liebsten darüber, was sie nicht erreicht haben. Es wäre höchste Zeit, dass man in der SPD nicht nur die Partei, sondern auch die Mentalität erneuert.
[…..] Viele Mitglieder treibt die Furcht um: Egal, was sie tun - sie werden das nächste Mal ja doch wieder nur abgestraft von den Wählern.
Diese Angst ist berechtigt; allerdings aus ganz anderen Gründen als denen, die auch auf dem Parteitag wieder allzu oft genannt werden. Indem Delegierte Gespräche mit der Union schon deshalb ablehnen, weil mit ihr "keine sozialdemokratische Bildungspolitik" zu machen sei, oder weil sie mutmaßen, dass auch am Ende der nächsten Groko die Großaktionärin von BMW weiterhin nur 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlt, der Schichtarbeiter jedoch 37 Prozent Einkommensteuer - indem sie so argumentieren, bringen sie schon die Saat für das nächste Desaster aus.
Das Grundproblem der SPD besteht nicht darin, was sie tut, sondern wie sie es tut. Es ist das ewige Hadern mit sich selbst, die ewige schlechte Laune, die unzerstörbare Liebe zur reinen Lehre und der Irrglaube, es sei grundsätzlich erstrebenswerter, null Prozent in der Opposition zu erreichen als 70 Prozent in der Regierung. […..] Ludwig Stiegler, ihr früherer Fraktionschef im Bundestag, hat es auf den Punkt gebracht. Er fragte, wie eigentlich Wahlkampfhelfer und mögliche Wähler "den Hintern hochkriegen" sollen, wenn sie immer nur hören, was die Partei leider alles nicht erreicht habe. In der Tat, man wird mit der Union, zum Beispiel, keine sozialdemokratische Steuerpolitik machen können - umgekehrt wird man mit der SPD auch keine christsoziale Flüchtlingspolitik etablieren können. Wer jedoch in vier Jahren vor allem bejammern will, dass die BMW-Erbin immer noch keine Einkommensteuer zahlt, der sollte in der Tat an eine neue Koalition nicht einmal denken. […..]

Sonntag, 24. Dezember 2017

Frieden à la Christen

Die Christen in den USA sind so glücklich. Sie haben ihren Traum-Präsidenten, der sich mit ultrafrommen Fundireligioten umgibt.
Der radikalhomophobe Vizepräsident Pence glaubt, die Erde ist 6.000 Jahre alt und Minister Carson hält Obamacare für Sklaverei und schwört Gott habe ihn die Antworten in College-Examina gegeben.
Kinderficker unterstützen, Behinderte nachäffen, Dutzende Frauen sexuell belästigen, Nazis lobpreisen, rassistisch und bigott rumpöbeln, Lügen und Vulgarität in nie dagewesenen Ausmaß – so gefällt es den Frommen in Amerika.

 [….] Evangelicals and Mass-attending Catholics gave the president healthy majorities when they voted last fall, and largely that support has not wavered. For those wondering why, it comes down to the issue at the core of Masterpiece Cakeshop: Will Americans be allowed to practice their religious beliefs without fear of ruin from secular absolutists? In the view of these voters, elites believe every knee must bend to their secular creed, not just on matters regarding sexual intimacy but also on issues of when life begins and when death ought to be optional.
Many people of faith are convinced that their ability to believe, proclaim and practice their genuine faith convictions is in danger not just of ridicule but also of punishment. [….]

Die Christen weltweit haben sich lange als Verfechter von Menschenrechten und Anstand hoffnungslos disqualifiziert.

Sich aber so entschieden im Jahr 2017 hinter einen echten misogynen Rassisten zu stellen, zeigt deutlicher denn je, daß US-Christen eine zutiefst unmoralische, verblendete, verblödete und bösartige Hategroup darstellen.

Überwältigend die Beweise und Hinweise wie sehr sich Trump von plumpen rassistischen Vorurteilen und blankem Hass leiten lässt.

[….] According to six officials who attended or were briefed about the meeting, Mr. Trump then began reading aloud from the document, which his domestic policy adviser, Stephen Miller, had given him just before the meeting. The document listed how many immigrants had received visas to enter the United States in 2017.
More than 2,500 were from Afghanistan, a terrorist haven, the president complained.
Haiti had sent 15,000 people. They “all have AIDS,” he grumbled, according to one person who attended the meeting and another person who was briefed about it by a different person who was there.
Forty thousand had come from Nigeria, Mr. Trump added. Once they had seen the United States, they would never “go back to their huts” in Africa, recalled the two officials, who asked for anonymity to discuss a sensitive conversation in the Oval Office.
As the meeting continued, John F. Kelly, then the secretary of homeland security, and Rex W. Tillerson, the secretary of state, tried to interject, explaining that many were short-term travelers making one-time visits. But as the president continued, Mr. Kelly and Mr. Miller turned their ire on Mr. Tillerson, blaming him for the influx of foreigners and prompting the secretary of state to throw up his arms in frustration. If he was so bad at his job, maybe he should stop issuing visas altogether, Mr. Tillerson fired back.
Tempers flared and Mr. Kelly asked that the room be cleared of staff members. But even after the door to the Oval Office was closed, aides could still hear the president berating his most senior advisers. [….]

Eine Religion, die in den USA 300 Jahre so von den Kanzeln predigte, daß ihre Mitglieder dem zujubeln, der seiner Bosheit und seinem Menschenhass freien Lauf lässt, sollte ihre Schriften lieber schnell auf den Müll werfen und ihre Priester entlassen.

Aber vielleicht bekommen die amerikanischen Christen ja auch bald das wonach ihr manisch-destruktiver Held so sehr strebt.
Die Apokalypse. Das Ende der Welt. Armageddon.
Politisch ist die Trump-Administration, das muss ich ihr neidlos zugestehen, eifrig bemüht den großen finale Atomknall herbeizuführen. Hosianna.

Den US-General, der sich 2005 ob seiner öffentlichen Begeisterung dafür “irakische Machos abzuknallen” den Namen “Mad dog Mattis” erwarb, machte Trump zu seinem Kriegsminister.

[….] Mattis machte diese Bemerkung während einer Podiumsdiskussion in San Diego in Kalifornien, wie die Zeitung "USA Today" und weitere Zeitungen übereinstimmend melden. Mattis erklärte demnach: "Also, ich muss sagen, das Kämpfen macht viel Spaß. Es macht eine ganze Menge Spaß...." Der Generalleutnant, der zuvor auch in Afghanistan eingesetzt war, fuhr dann fort: "Du gehst nach Afghanistan und gerätst an Leute, die ihre Frauen fünf Jahre lang verprügeln, weil sie sich nicht verschleiert haben. Solche Leute sind eh keine richtigen Männer mehr. So macht es denn unheimlich viel Spaß, sie zu erschießen." […]

Zu Weihnachten 2017 reden US-Generäle immer noch so, daß Putin und Erdoğan neben ihnen wie Friedensaktivisten wirken.

[…..] Nach Worten des US-amerikanischen Generals Robert Neller sollen sich die Streitkräfte des Marinekorps der Vereinigten Staaten auf einen "verdammt großen Kampf" ("bigass fight") vorbereiten. "Ich hoffe, dass ich falsch liege. Aber es wird Krieg geben. Vergesst nicht, warum ihr hier seid", sagte der oberste General der Marinestreitkräfte in Norwegen vor 300 Soldaten bei einem Truppenbesuch.
[….] Mehrere US-Medien berichten über die Ansprache des Generals. Als Mitglied des sogenannten "Joint Chiefs of Staff" ist er im Pentagon für die Notfallplanung zuständig. [….]

Irgendwie muss man die Welt ja kaputt kriegen können. US-Christen sind begeistert.
"Finally a leader in the White House. Jobs returning, North Korea backing down, bold truthful statement about Charlottesville tragedy. So proud of Donald Trump," Falwell Jr. tweeted. Atomkriege anzetteln, Pussys grabben, Nazis loben, dem Rassismus frönen. Jesus ist entzückt.

 [….] One evangelical leader present offered that Cardinal Timothy Dolan, whose palatial cathedral and residence is blocks from Trump Tower, may also suggest a blessing before dining. Trump agreed before commenting on the cardinal's lavish digs.
He then pointed to several of the religious leaders before saying an iteration of: "The Christians, they know what I'm doing for them, right?" He grinned and nodded as he was praised.
The episode provides a window into Trump's symbiotic relationship with evangelical voters, according to more than a dozen White House officials, advisers and religious leaders. [….]

Zum christlichen Weihnachtsfest verstärkte Trump noch einmal seine Bemühungen den Nahen Osten mit seiner Jerusalempolitik zu entflammen und ein atomares Inferno in Asien auszulösen.

[….] Nordkorea nennt Uno-Sanktionen "kriegerische Handlung"
Die Uno hat neue Strafmaßnahmen gegen Nordkorea verhängt, das Regime reagiert aggressiv. Wer die Resolution unterzeichne, werde "einen sehr hohen Preis zahlen." [….]

Während die Mitglieder der US-Administration ihre Weihnachtsbäume aufstellten und ihre christlichen Überzeugungen preisen, machen sie gleich noch ein neues Fass auf, gießen Öl in den Ukraine-Konflikt.
Falls Kim Jong Un sich nicht zu einem ganz großen Krieg provozieren lässt, haben sie noch Osteuropa im Auge. Vielleicht kann man da einen Weltuntergang einläuten.

[….]  Die USA mischen sich in den Ukraine-Konflikt ein - und ernten dafür, wie erwartet, massive Kritik aus Russland. "Das ist ein großer Fehler", sagte die Föderationsratsvorsitzende Valentina Matwijenko über mögliche Waffenlieferungen der USA an die Ukraine. Washington werde damit in den Konflikt in der Ukraine hineingezogen. Eine Lösung sei so noch schwieriger, sagte sie der Agentur Tass zufolge.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump erwägt, die Ukraine mit Waffen für eine "verbesserte Verteidigungskapazität" auszustatten. [….] Die USA drängten die Ukrainer zu neuem Blutvergießen, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow. Washington sei kein Vermittler, sondern helfe bei Kriegstreiberei. Im Osten der Ukraine kämpfen Regierungstruppen seit 2014 gegen Separatisten, hinter denen sich die russische Militärmacht verbirgt. Eine Friedensregelung von 2015 wird nicht umgesetzt.
"Die Lieferung solcher Waffensysteme stärkt die Kräfte in Kiew, die eine militärische Lösung für den Donbass wollen", sagte der russische Senator Alexej Puschkow. Moskau streitet seine militärische Verwicklung in den Konflikt ab und sieht sich als Vermittler, nicht als Kriegspartei. [….]

Es muss doch irgendwie klappen uns alle zu töten.
Eine Mischung aus Gier, Bosheit und Religion ist da der perfekte Weg; das erkannte Anne Clark schon in den frühen 1980ern.

Suicide is an urban disease
Spread by people and places like these
A quick self destruct from the 21st floor
A smell of gas through the kitchen door
A stab in the back from the workers and bosses
They're counting their gains as you count your losses
As you count your losses
Blow the world apart with the press of a button
We all say it shouldn't but we know it will happen
Again and again like the rain and the ark
Onwards forever eternally dark
Eternally dark
The grit in your eye soon enters your heart
And all that was strength is just falling apart
We're jumping from one bed and into another
Searching for something that we'll never discover
Never discover
So we go on breeding - breeding contempt
From all of the repression that this has meant
If the bombs and the fire don't instantly kill
Then the greed from the ashes certainly will
Certainly will
This place is not my place
This place is not yours
We're set on self destruct
For no reason or cause
If the bombs and the fire don't instantly kill
Then the greed from the ashes certainly will
Certainly will

Samstag, 23. Dezember 2017

Drei Bischöfinnen zum 23.12.17

Eigentlich hatte ich heute gar keine gute Laune, aber bei diesen News mußte ich natürlich schallend lachen:

"Käßmann beklagt Inhaltsleere des Weihnachtsfestes"

Und da spricht immerhin die absolute Koryphäe der Inhaltsleere!

Margot Kässmann: Mehr als Ja und Amen
Gibt es Jämmerlicheres, als wenn Erwachsene beim Besuch im Kindergarten oder in der Grundschule so tun, als wären sie selbst Kindergartenkinder oder Grundschüler? Dieses literarische Leben auf Kredit, diese geborgte Naivität, dieses Sich-blöd-stellen mit großen Stauneaugen ist der basso continuo von Margot Kässmanns publizistischem Oevre. "Für dieses Buch habe ich über viele Monate Zeitungsauschnitte gesammelt und war am Ende fast erschlagen von der Vielfalt der Probleme, der Stimmen, der Ansätze", schreibt sie. Ein unnötiges Buch, von der Konzeption her Kraut und Rüben, in der Ausführung lieblos hingerotzt, ein Buch, dessen Leser sich wie zu Unrecht ans Kreuz geschlagen fühlen müssen.

Margot Käßmann: "Sehnsucht nach Leben"
Zwölf Aufsätzlein der Ex-EKD-Vorsitzenden zu Themen wie Mut, Trost, Liebe und Geborgenheit versammelt dieses leider illustrierte Büchlein. "Ich denke, jeder Mensch muss für sich selbst herausfinden, wo die eigenen Kraftquellen liegen", schreibt Margot Käßmann darin. Aus dem Mund einer FDP-Vorsitzenden klänge das akzeptabel, für eine protestantische Theologin aber ist das bis zur Selbstaufgabe lasch und opportunistisch: ein Offenbarungseid.

Margot Kässmann: "In der Mitte des Lebens"
Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"

Aus dem frommen Hamburger Abendblatt guckt mir heute natürlich die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs entgegen und verkündet:

[….]  In diesem Moment zählte nicht das, was uns trennt, sondern nur die Begegnung.    Wenn ich unsere Weihnachtsgeschichte lese, dann finde ich darin genau das: Es zählt der Augenblick. "Euch ist heute der Heiland geboren", sagt der Engel. Heute! Vergrabt euch nicht im Gestern und lasst euch nicht gefangen nehmen vom unsicheren Morgen. Und die Hirten überlegten nicht lange, sondern machten sich auf den Weg. Sie fanden das Kind in der Krippe. [….] Wir sollten uns weder in die Vergangenheit noch in die Zukunft verlieben. Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern, die Zukunft nicht vorhersagen. Erst einmal steht etwas anderes auf dem Programm: die Gegenwart, das Heute, das Jetzt. Das ist für mich die Botschaft der Weihnachtsgeschichte.
Nicht im ängstlichen Grübeln liegt der Trost, sondern im beherzten Tun und Dasein – heute. Und dieses Jetzt ist unmittelbar mit dem Nächsten verbunden. Es ereignet sich in der Gegenwart, in der ich einen Bettler sehe oder ein Kind, das etwas von mir möchte. In der eine Fremde mich nach dem Weg fragt und ein einsamer Mensch meine Zuwendung erbittet.
Weihnachten heißt für uns Christen: Es ist die Zeit angekommen, um dem Erbarmen Gottes auf die Welt zu helfen. [….]

Tja, wenn da irgendetwas dran wäre an dem Erbarmen Gottes, das an diesem Tag auf die Welt komme, gab es ja schon 2.000 Gelegenheiten seit Jesu Pubertät.
Geholfen hat es ja offensichtlich gar nichts. Krebs, Aids, Krieg, Hunger, Folter, Mord, jeden Tag 20.000 verhungerte Kinder weltweit, Vertreibungen, Rassismus, Homophobie, Brexit, Trump, Erdogan, Lindner, Umweltzerstörung, Tier-Ausrottungen, Waffenexportrekorde feiern fröhlich die Abwesenheit des Gotteserbamen.

Die letzte GONG-Kolumne der bayerischen Bischöfin Breit-Keßler kann ich hier leider nicht besprechen, da ich nach dem ersten Lesen mehrere Stunden ohnmächtig auf dem Klo saß.
Heute suchte sie mich allerdings erneut in Gestalt eines SZ-Artikels heim.
Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler war im Knast.
Natürlich nicht zum stillen Besuch, sondern nachdem sie dazu die Presse geladen hatte. Denn wozu Gutes tun, wenn niemand darüber berichtet und man sich nicht in allgemeiner Bewunderung sonnen kann?

[…..]  Es gibt keinen Heiligen Abend in Haft. Es gibt keine Bescherung, kein Familientreffen, keinen Entenbraten und keinen Tannenduft. Weihnachten ist in der Haftanstalt, wenn es in den Ablauf passt. Und "Stille Nacht" wird nicht am Sonntagabend, sondern am Freitagmittag gesungen. [….] Weihnachten in Haft, das sind drei Tage ohne Unterbrechung mit sich und seinen Gedanken. Drei Tage Zeit zum Grübeln. Da kommt die Frau gerade recht, die da vorne am Altar steht und den Strafgefangenen in der Haftanstalt Stadelheim zuruft: "Fürchtet euch nicht."
Sie sagt es immer wieder: "Fürchtet euch nicht." Sechs Mal wiederholt die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler die Worte des Engels, der zu den Hirten sprach. Dann fügt sie etwas Wesentliches hinzu: "Wer so etwas sagt, der weiß, dass manches zum Fürchten ist." [….]
 Bei "O du fröhliche" holen sie die Taschentücher raus. Beim Vaterunser nehmen sie sich an den Händen und halten sich aneinander fest.
Der Knabenchor, die Predigt, die Stimmung: Manche Häftlinge ertragen das nicht.
Manche sind erst gar nicht gekommen. "Die schaffen es einfach nicht", sagt Sandro Nitsche, der hier verantwortlich ist. "Wenn sie die Kinder sehen, gefriert ihnen das Herz zu sehr." [….]
 Auch Beate Zschäpe ist nicht gekommen. [….]
Nach dem Segen geht es um 15.30 Uhr in die Zelle, dann wird abgeschlossen. Die Gefangene Maria hat schon während des Gottesdienstes Tränen vergossen. Sie denkt an ihre alte Mutter, bei der sie so gerne wäre. "Ich bin nah am Wasser gebaut", sagt sie. "Wenn dann morgens die Zelle wieder aufgeht, dann kommt bei mir die Sintflut."
[….] "Fürchtet euch nicht", sagt die Bischöfin, nicht vor der Dunkelheit, aber vor allem auch nicht vor dem Licht. "Wer sich selber anschaut, seine Tat, die eigene Abhängigkeit, die Gewaltbereitschaft, dem kann schon der Schreck in die Glieder fahren." Später sagt Breit-Keßler: "Dass ich hier in der JVA bin, ist auch ein Signal an die Gefangenen: Ihr seid da draußen willkommen." [….]

Missionierung im Gefängnis ist ähnlich perfide, wie das Rumlungern von Geistlichen auf Intensivstationen. Da können die Menschen nicht wegrennen.
Knastinsassen machen alles, das auch nur die leiseste Abwechslung des unerträglich öden Gefängnisalltags bedeutet.
Außerdem kann man sich die Gelegenheit Punkte für „gute Führung“ zu sammeln nicht entgehen lassen.
Deswegen sind auch rund 99% der zwei Millionen amerikanischen Schwerverbrecher in den Knästen Christen.
Man bekommt de facto nämlich nie Bewährung, wenn man sich nicht glaubwürdig darlegen kann „zu Gott gefunden“ zu haben.

Aus theologischer Sicht hatte der Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche Eduard Lohse (* 19. Februar 1924; † 23. Juni 2015) wohl doch recht, als er anlässlich der Amtsübernahmen Käßmanns grundsätzlich die Eignung von Frauen für das Bischofsamt bezweifelte.
Aber als Atheist freue ich mich natürlich über das feminine Plapperpower.
So bekommt man die noch Gläubigen umso schneller dazu auch aus der Kirche auszutreten.

Freitag, 22. Dezember 2017

Anything Goes

Kein Jahresrückblick ohne eine besondere Würdigung von Donald Trump als international größter Vollpfosten.

Kann man das fassen, eine Nation mit Millionen Obdachlosen, maroder Infrastruktur und einem so unfassbaren Defizit, daß Washington alljährlich am Staatsbankrott entlanghangelt, schiebt Dank Trump einige Milliarden an die milliardenschwersten Milliardäre – unter anderem in Deutschland.

(….)  Warren Buffett zahlt weniger Steuern als seine Sekretärin Debbie Bosanek; geschätztes Jahreseinkommen: 50.000 Dollar, für die sie etwa 36 Prozent Steuern zahlt. Ihr Boss zahlt gute 14%.
Multimillionär Mitt Romney zahlte 12,9% Steuern auf seine 22 Millionen Dollar Kapitaleinkünfte.

Das ist so offensichtlich ungerecht, daß amerikanische Millionäre schon seit Jahren regelrecht darum betteln mehr Steuern zu zahlen.

[….] "Erhöht die Steuern für Millionäre". Das fordern nicht etwa linke Aktivisten, sondern 80 Vermögende aus New York. Unter anderem unterzeichneten George Soros, Steven Rockefeller und Abigail Disney den offenen Brief, der am Dienstag veröffentlicht wurde.
Das Schreiben ist an den demokratischen Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, gerichtet. Aus Sicht der Unterzeichner sollten Top-Verdiener mehr für Schulen, Straßenbau oder Programme für Arme und Obdachlose bezahlen. […..]

Andere Superreiche denken stattdessen lieber an ihr eigenes Wohl und spenden für Konservative.
Für ihr intensives Däumchendrehen und konzentriertes Chillen wuchs beispielweise das Vermögen der Susanne Klatten, geborene Quandt, im vergangenen Jahr um zwei Milliarden Euro.

Susanne Klatten gewinnt zwei Milliarden Dollar hinzu
[….] Schwer genervt ist Susanne Klatten, 54, wenn sie immer nur als die reichste Frau Deutschlands tituliert wird. "Das beschreibt den Menschen nicht, das beschreibt nur einen Status", klagte die Multimilliardärin im vergangenen Sommer in der Zeit. [….] Umso besser läuft es bei BMW. Gemeinsam sind die Geschwister - ihre Mutter Johanna ist vor zwei Jahren gestorben - Großaktionär. Die Dividende wird erneut angehoben, und die Quandt-Erben bekommen alleine etwas mehr als eine Milliarde Euro ausgeschüttet. Auch viele andere Beteiligungen laufen gut, zur Freude Klattens. Gerade wurde wieder die Liste der reichsten Menschen der Welt veröffentlicht, berechnet von dem auf die Superreichen spezialisierten US-Magazin Forbes. Für Susanne Klatten reicht es in der Hitliste auf Platz 38, ihr Vermögen wird jetzt auf 20,4 Milliarden Dollar taxiert, immerhin knapp zwei Milliarden Dollar mehr als 2016. Der jüngere Bruder Stefan Quandt liegt mit 18,3 Milliarden Dollar auf Platz 47. [….]

Ich bin übrigens gar kein Linksradikaler, der Frau Klatten und Herrn Quandt alles wegnehmen will. Reichtum an sich stört mich nicht. Ich halte es durchaus für möglich, daß anständige Menschen, die sozial denken mit moralisch akzeptablen Methoden sehr reich werden.
Meinetwegen kann Frau Klatten gern Milliardärin bleiben.
Es stört mich nur, wenn Superreiche steuerlich besser gestellt werden als Normalverdiener, daß es offensichtlich möglich ist mit einem Heer von Anwälten und Steuerberatern die Abgabenlast gen Null zu drücken.
Für Einkommens-Multimillionäre sollte eine staatlich festgelegte Mindeststeuerquote gelten, von der nichts abziehbar ist.
 (Stichwort „Buffett-Steuer“) (…..)
(Was wir uns nicht leisten können, 29.03.2017)

Trump gibt den bei 38,7 Milliarden Euro darbenden Quandts nun endlich noch ein bißchen was dazu. Er sorgt sich eben um Bedürftige.

[….] US-Steuerreform Milliarden für Daimler und BMW. [….] Weil der Steuersatz für Unternehmen ab 2018 von bisher 35 auf 21 Prozent sinkt, haben sowohl Daimler als auch Rivale BMW die bereits in der Bilanz berücksichtigten künftigen Steuerforderungen und -verbindlichkeiten neu bewertet. Das Resultat: Für das zu Ende gehende Geschäftsjahr 2017 fallen die Konzerngewinne deutlich höher aus als bisher angenommen, wie Daimler und BMW am Abend nur wenige Stunden nach der Unterzeichnung der US-Steuerreform mitteilten.
[….] BMW rechnet [….]  mit einem milliardenschweren Geschenk durch die Steuerreform von Trump. Die Neubewertung von Steuerpositionen werde zu einem positiven Effekt auf das Konzernergebnis von 0,95 bis 1,55 Milliarden Euro führen, teilte der Konzern mit. […]

Das ist so offensichtlich, daß man eigentlich mit Riots in den USA rechnen müsse.
Aber das schwachsinnige Trickle Down ist dort in weiten Teilen der Gesellschaft noch vorherrschende Ideologie.

(…..) Daß Trickle Down nicht funktioniert wurde seit Jahrzehnten eindrucksvoll bewiesen.
Gegenwärtig haben Unternehmen sogar ein diametral entgegengesetztes Problem.
Sie haben derartig viele Gewinne, die sie dank freundlicher Steuergesetze und Steueroasen auch nicht schmälern müssen, daß sie diese schon verzweifelt in Billionenhöhe parken müssen, weil sie keine Ahnung haben was sie damit anfangen sollten. Wohin bloß mit all dem Geld?
Es wird wohl nicht bei den ehemaligen Stahlarbeitern im Rustbelt landen.

So kauft die deut­sche Bay­er AG für 66 Mil­li­ar­den Dol­lar den um­strit­te­nen Saat­gut­kon­zern Mons­an­to. […] Ein Ge­win­ner steht schon fest: Mons­an­to-Boss Hugh Grant hat sich eine so­ge­nann­te Chan­ge-of-Con­trol-Klau­sel in den Ver­trag schrei­ben las­sen. Er kann sich nach der Über­nah­me mit 135 Mil­lio­nen Dol­lar ver­ab­schie­den.
[…] Gleich­zei­tig wis­sen die Un­ter­neh­men mit dem vie­len Geld, das sie in der glo­ba­len Wirt­schaft ver­die­nen, nichts Pro­duk­ti­ves an­zu­fan­gen. War­um sonst soll­ten sie es in Steu­er­oa­sen bun­kern oder für den Rück­kauf ei­ge­ner Ak­ti­en aus­ge­ben (was de­ren Kurs treibt und so­mit den Ver­mö­gen­den zu­gu­te­kommt), statt es zu in­ves­tie­ren? Auch das spricht da­für, dass der Wett­be­werb im glo­ba­len und di­gi­ta­len Zeit­al­ter nicht wirk­lich funk­tio­niert.
(DER SPIEGEL, 46/2016, s. 57)

Von wegen Investitionen in Arbeitsplätze.

Allein 30 große US-Konzerne (darunter Apple, Pfizer, Microsoft, Google und IBM) haben derzeit 1.650 Milliarden Dollar in Niedrigsteuerländern wie Panama oder den Bermudas geparkt, weil sie vor lauter Geld gar nicht mehr wissen was sie damit tun sollen.

American Fortune 500 corporations are avoiding up to $695 billion in U.S. federal income taxes by holding $2.4 trillion of “permanently reinvested” profits offshore. In their latest annual financial reports, 27 of these corporations reveal that they have paid an income tax rate of 10 percent or less in countries where these profits are officially held, indicating that most of these monies are likely in offshore tax havens. [….]

Wenn besorgte und Wutbürger glauben mit der Wahl von antisozialen, antisolidarischen und stramm nationalistischen Steuersenkungskonzepten dagegen anzugehen, erreichen sie das Gegenteil. (….)
(Der Abgrund, 13.11.2016)

Gestern konnte man CNN-Reportagen sehen, bei denen treue Trumpvoter, die als Bedienung im Diner oder an einer Tankstelle jobbten die Taxcuts for the superrich bejubelten. Sie würden als Geringverdiener gern mehr Steuern zu Gunsten der Großkonzerne zahlen, weil das der economy helfe.

Ja, sorry CNN, MSNBC, sorry NYT und WaPo, ihr könnt noch so ausführlich vorrechnen wie Trump einseitig den Milliardären das Geld zuschiebt.
Natürlich hilft das nicht den entlassenen rustbelt-Arbeitern, die ­dem tumben Golfer mit dem Vakuumkopf wählten, aber so weit können sie gar nicht mitdenken. Sie freuen sich schon darüber, daß wieder etwas passiert, das Journalisten ärgert.

Das ist bedauerlich nach einem Jahr Trump. Immer noch unterliegen die Presse, die Opposition und die Wissenschaftler dem Irrtum man müsse Trump nur entlarven.
Es reiche zu beweisen wie extrem er lügt, was für katastrophale Folgen seine Politik haben wird.

Damit ist es aber nicht getan, weil der Mann moralisch immun ist.
Grab em-by-the-pussy, Behinderte verhöhnen und lügen, daß sich die Balken biegen – und dennoch stehen die Evangelikalen uneingeschränkt zu ihm, preisen ihn als großen Christen.
Er nimmt den Rustbeltarbeitern die Krankenversicherung, lässt die Umwelt zerstören und schiebt Trillionen an die superreichen Bosse – und dennoch stehen die weißen jungen arbeitslosen Männer zu Trump.

Die offensichtlichen Misserfolge Trumps zählen nicht in einer Internetblasen-Welt ohne Faktengerüst.

Das außenpolitische Desaster ist für Menschen mit Gehirn offensichtlich.

Self-inflicted-wounds! So schreiben es die Top-Journalisten jeden Tag.
Ähnlich geht auch ein Tagesschau-Kommentar über die Jerusalem-Pleite.

[….] US-Präsident Trump hat versucht, die Abstimmung der UN-Vollversammlung zum Status von Jerusalem zu beeinflussen, indem er anderen Mitgliedstaaten damit drohte, Hilfszahlungen einzustellen. Das ist nicht nur unwürdig - es funktioniert noch nicht einmal.
"Wer gegen uns stimmt, bekommt kein Geld mehr!": Das ist Donald Trump, wie er im Buche steht. Und zwar in seinem eigenen Buch, dem Bestseller "The Art of the Deal", die "Kunst des Deals" mit Erfolgsrezepten eines Immobilien-Löwen aus den Achtzigerjahren.
Leider hat Trump immer noch nicht kapiert, dass internationale Beziehungen und Außenpolitik nicht nach den Gesetzen des New Yorker Immobilienmarktes funktionieren. Während in der New Yorker Baubranche Löwen und Haie gnadenlos ums Überleben kämpfen, sind die Beziehungen zwischen Staaten eben kein Nullsummenspiel, sondern brauchen jahrelange Pflege und gegenseitiges Vertrauen, damit beide Seiten profitieren.
Doch auch nach Trumps eigenen Erfolgskriterien ist seine Drohung ein klassisches Eigentor. Was ansonsten eine eher symbolische Abstimmung in der UN-Vollversammlung gewesen wäre, die in den USA kaum jemand beachtet hätte, hat Trump ohne Not zu einer Abstimmung über seine Person und seinen Einfluss auf andere Länder gemacht.
 Dass Trump nicht erkennt, dass er dabei nur verlieren kann, zeigt, wie sehr es ihm an strategischem Weitblick fehlt. [….][….]
Dass jetzt ausgerechnet der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan dem US-Präsidenten eine Lektion über demokratische Werte erteilt, zeigt, wie tief das Weiße Haus unter Trump gesunken ist. Nach der krachenden Abstimmungsniederlage für Trump und seine UN-Botschafterin Nikki Haley werden vor allem in Peking und Moskau die Sektkorken knallen. [….]

Ja Ganselmeier, Trump weiß nichts über den Nahen Osten und seine Wähler, seine Enabler, seine ihm treu ergebenen ultrarechten Medien auch nicht.
Sie finden es gut, wie Trump die UN aufmischt.

Presse und Opposition versagen.
Wir können nur noch auf Mueller hoffen, aber auch da wirkt schon Trumps Methode, die eben kein „Eigentor“ ist.
Trumps Immobilienhai-Methoden, also Lügen, Drohen, Schummeln, machen auch Mueller mürbe. Seit Wochen  bewerfen ihn die ultrakonservativen Medien mit Dreck. Mueller wird demnächst so tainted sein, daß auch der radikalste Schuldspruch gegen den Präsidenten nichts mehr ausrichten wird.

DIE Sachsen

Ich lese gerade „Unter Sachsen“.
Schön ist das nicht, was Heike Kleffner und Matthias Meisner da zusammen getragen haben.


 Was ist das nur für ein schreckliches Volk. Schreckliche Sprache, schreckliche Ansichten.
Und wenn man das so sagt, hat man sich gleich in dasselbe Boot gesetzt, in dem die argumentieren, wenn sie sagen, sie mögen „die“ Flüchtlinge oder „die“ Ausländer nicht.
Das nervt mich ja gerade so „denen“ daß sie pauschal über Volksgruppen urteilen, die sie gar nicht kennen, weil Sachsen ja das Bundesland mit dem niedrigsten Migrantenanteil und gleichzeitig höchsten Anteil rechtsradikaler Straftaten ist.
Bin ich da so viel besser? Ich mag Sachsen nicht, dabei kenne ich gar keine Sachsen. Hier in Hamburg laufen keine Sachsen rum.
Wenn ich ganz scharf nachdenke, stimmt das gar nicht. Ich kenne einen Sachsen hier. Ach und noch eine, meine Friseurin.
Aber das sind ja keine Sachsen-Sachsen. Die können hochdeutsch und daß sie nicht mehr in Sachsen leben, spricht sie ja auch von ihrer Kollektivschuld frei, oder?
Man kann mich ja auch nicht für Trumpisten-Massen verantwortlich machen, wenn ich zwischen mich und Amerika einen ganzen Ozean Abstand gebracht habe.

Die schrecklichen Szenen von „Haut-Ab!“-grölenden Sachsen in Bautzen, Freital, Dresden, Heidenau, Clausnitz sind aber so häufig geworden, daß man sie nicht als „Einzelfälle“ betrachten kann.
Die Sachsen tun das häufiger als anderen Landsmannschaften; die Zahlen sind eindeutig.
Sie wählen auch anders als die anderen.
Nur in Sachsen wurde die AfD bei den Bundestagswahlen am 24.09.2017 die stärkste Partei und die regierende Sachsen-CDU ist ganz klar der mit Abstand rechteste Unions-Landesverband. Michael Kretschmer, der neue MP, ist sogar noch rechtsextremer als Vorgänger Tillich.

(….) Sachsen bleibt das Bundesland der Schande.

[….] Über Jahrzehnte hat sich eine fremdenfeindliche Stimmung entwickelt, die sich mit der Flüchtlingskrise aggressiv entlud: in Freital, Clausnitz, Bautzen, Heidenau. Kritik begegnete die CDU-Führung mit trotzigem Stolz auf das Bundesland. Schuld seien vor allem die Medien, die Sachsen als braunen Fleck verunglimpften, hieß es. Diskussionen schienen unmöglich. Perfekter Nährboden für eine rechtsradikale Partei wie die AfD.
2019 sind Landtagswahlen in Sachsen. Pessimisten vermuten, dass die AfD stärkste Kraft werden könnte, ja sogar die absolute Mehrheit erringt. Andere hoffen angesichts dieses Gruselszenarios auf eine Neuausrichtung der CDU.
Tillich, weniger ehrfürchtig auch "Teflon-Tillich" genannt, hatte nach der Bundestagswahl eine mögliche Richtung vorgegeben: Deutschland müsse Deutschland bleiben, sagte er in einem Interview und dachte offen über einen möglichen Rechtsruck nach. Viele Parteifreunde in der sächsischen CDU unterstützten ihn. Dabei gilt Tillichs CDU bereits als rechter Landesverband innerhalb der Union. Eine sächsische CSU, wenn man so will, deren Anhänger sich klar gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und deren Flüchtlingspolitik stellen. [….]

Sachsens CDU will also dem Beispiel Österreich folgen, zu Nord-Ungarn werden.
Dafür spricht insbesondere der auserwählte Nachfolger, der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer, der just sein Bundestagsmandat verlor.

Der Partei-Erneuerer soll also ein abgewählter Rechtsaußen sein, der gruseliges Anti-Ausländer-Vokabular propagiert.
Immer wenn es in den letzten Jahren richtig widerlich braun wurde am rechten CDU-Rand, mischte der designierte Sachsen-MP Kretschmer mit. (….)
(Tiefer in den Sumpf, 18.10.2017)


Ich verstehe die anständigen Sachsen so gut, wenn sie es nicht ertragen können mit ihren braunen Landsleuten in einen Topf geworfen zu werden.
Natürlich gibt es auch in Sachsen Linke, Antifaschisten und Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen.
Das sind mutige Menschen. Ich nenne als Beispiel nur die großartige Familie des Wirtschaftsministers Martin Dulig, die den Kopf hinhält. Auch Duligs Sohn wurde schon wegen seines humanistischen Engagements von Nazis gejagt.

Was können die Engagierten für ihre tumben Nachbarn?
Nichts, natürlich.

Aber „die Sachsen“ müssen sich eben gefallen lassen von außen betrachtet allesamt in der braunen Schublade zu stecken, weil sie in der Mehrheit zu indolent sind, sich nicht kümmern.
In Hamburg versuchen Pegida und AfD auch aufzumarschieren. Aber dann finden sich immer sofort so viele Hamburger zusammen, die sich der braunen Pest entgegenstellen, daß die Rechten frühzeitig wieder abhauen und nicht ihre Bilder bekommen.
Ja, einmal gab es diese Schill-Peinlichkeit. Aber immerhin wurde das erkannt und zwei Jahre später sank seine Partei von 19,1 % bei den vorgezogenen Neuwahlen ins bodenlose Nichts weit unter die 5%-Hürde ab.
Wir schämen uns heute wenigstens für Schill.

Die Sachsen aber sind Enabler, weil die Mehrheit zu phlegmatisch ist, um sich zu engagieren. Ihnen fehlt der menschliche Anstand, um sich genügend über Nazi-Terroristen aufzuregen.
Sie beschwichtigen immer noch.
Ihr eigener Ruf ist ihnen immer noch wichtiger als Wahrheit und das Wohl der Flüchtlinge.
Sie verharmlosen und ermöglichen.

[…..] "Lausbuben": Wie man in Freital Terroristen verharmlost
Viele Menschen im sächsischen Freital sind genervt. Genervt davon, dass ihr Ort eigentlich nur noch in Verbindung mit Protesten gegen Flüchtlinge genannt wird, in Verbindung mit Rassismus. Und vor allem in Verbindung mit einer Clique mutmaßlicher Rechtsterroristen, die sogar den Namen des 40.000 Einwohner-Städtchens vor den Toren Dresdens trägt: Die sogenannte "Gruppe Freital". […..] Die "Gruppe Freital" steht u.a. wegen versuchten Mordes und Bildung einer terroristischen Vereinigung vor Gericht. Doch diese harte Anklage stößt bei einigen in Freital auf Unverständnis. […..] Die Angeklagten räumen die meisten Vorwürfe ein. Doch sie sehen sich in ein falsches Licht gerückt. Patrick Festing, einer der Hauptangeklagten, stellt im Fernsehinterview klar: "Bloß weil ich ein Problem mit der Asylpolitik hab und nicht unbedingt damit einverstanden bin, dass hier jeder Ausländer reinkommen und machen kann, was er will, heißt es ja nicht, dass ich gleich ein Nazi bin", sagt er. Dabei sprechen interne Chats und Audionachrichten, die vor Gericht vorgespielt wurden, eine ganz andere Sprache. Flüchtlinge werden da als "Kanaken" und "Bimbos" bezeichnet. Auf einem Foto posiert die Gruppe mit Hitlergruß - vermummt hinter einer Hakenkreuzfahne. "Für den einen sind die Taten extrem, für den anderen sind es halt Taten mit Sachschaden, die man halt nicht jeden Tag sieht, weil halt Böller verwendet wurden, wie auch immer.  
Ich sehe mich nicht als rechtsextrem", erklärt Patrick Festing im Interview.
[…..] Eine Sichtweise, die in Freital von vielen geteilt wird. Von einem "Schauprozess" ist die Rede. Die hätten doch nur ein paar "Knaller" gezündet. Und: Linksradikale würden ähnliche Straftaten begehen, aber dafür nicht vor Gericht gestellt. Die konkreten Vorwürfe gegen die Gruppe - in Freital spielen sie für viele anscheinend keine Rolle. [….]
(Panorama, 14.12.2017)