Mittwoch, 22. Januar 2020

Mietpreiswahnsinnchen

Hurra, die Hamburger Uniklinik, das UKE, floriert und gedeiht. Sie schreiben schwarze Zahlen, leisten Spitzenmedizin und all das ohne privates Management, sondern unter der Führung des Hamburger Senats.

Derzeit beschäftigt das UKE 11.000 Menschen und will in den nächsten Jahren zusätzliche 4.000 Stellen schaffen. Glücklicherweise ist das UKE ein attraktiver Arbeitgeber und stellt wie die von mir so gelobte Schön-Klinik Nicht-Christen ein, so daß es einfacher als Asklepios oder Krankenhäuser des Hamburger Erzbistums Fachkräfte findet.
Ein Problem bleibt aber: Das zentral gelegene Eppendorf ist natürlich ein teurer Stadtteil und mit einem Schwestern- oder gar Servicekraft-Gehalt kann man dort keine Wohnung bezahlen.

[…..] Das Universitätsklinikum Eppendorf ist nach Asklepios und Airbus schon jetzt Hamburgs drittgrößter Arbeitgeber. Doch UKE-Chef Professor Dr. Burkhard Göke will noch mehr: Er rechnet in den nächsten Jahren mit 4000 neuen Stellen.
„Wir haben in den vergangenen Jahren 2000 neue Stellen geschaffen, sind jetzt bei 11.000 Mitarbeitern. Konservativ geschätzt werden wir bis 2030 auf bis zu 15.000 Mitarbeiter wachsen“, sagte der Klinikchef im Abendblatt-Interview. Die größte Herausforderung sei dabei die Suche nach geeignetem Personal. Man müsse „den Leuten fast hinterherlaufen“, so Göke.
Größte Sorgen mache ihm dabei die Mietpreisentwicklung in Hamburg. Sie sei dramatisch. „Als wir die neue Kinderklinik eingeweiht haben, fanden wir viele Pflegekräfte, nicht aus Hamburg stammend, die vom Projekt begeistert waren und zu uns kommen wollten. Viele haben mit der Begründung abgesagt, dass sie sich hier keine Wohnung leisten können.“ Als Arbeitgeber, so Göke, müsse das UKE ein attraktives Unternehmen sein. Dazu gehöre eine anständige Bezahlung: „Medizinischer Ethos allein zahlt eben die Miete nicht.“ […..]

Erfreulicherweise erkennt also „die Wirtschaft“, ganz anders als ihre Lobbyverbände FDP und CDU, daß kontinuierlicher Mietenanstieg auch ein Standortnachteil ist und nicht bloß die superreichen Immobilienbesitzer in Champagnerlaune versetzt.
Firmen ohne Mitarbeiter gehen pleite.
Das Thema ist allgegenwärtig. Nachdem es vor ein paar Wochen einen aktuellen neuen Mietenspiegel für Hamburg gab, ahnen viele Mieter was ihnen blüht. Mich erwischte es vor drei Tagen.


 Niemand bekommt gern einen dicken Brief von seinem Vermieter. Mit bangem Blick öffnete ich und erfuhr, künftig gute 400 Euro mehr Kaltmiete im Jahr bezahlen zu müssen.


 Sich darüber zu ärgern und zu überlegen was man mit 400 Euro im Jahr lieber anstellen würde, ist eine Sache.

Andererseits muss ich sehr dankbar sein wie moderat der Aufschlag ausfiel.
Unter CDU- und CDU-Grüner Herrschaft (2001 bis 2011) wurde in Hamburg der komplette Wohnungsbau eingestellt. Es gab keine einzige sozial geförderte neue Wohnung mehr. CDU und Grüne im Privatisierungswahn verkauften vielmehr städtische Immobilien, um reiche Investoren auf Kosten der Mieter zu erfreuen.
Die grüne Senatorin Anja Hajduk, vom 7. Mai 2008 bis zum 29. November 2010 war sie Senatorin und Präses der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg, genehmigte nicht nur Monsterkohlekraftwerke und ließ Bäume abholzen, nein, sie erkannte gar nicht, daß es sowas wie Wohnungsnot gibt und ließ keine einzige Sozialwohnung bauen.

Mit Antritt der SPD-Regierung unter Olaf Scholz im Jahr 2011 wurde das Ruder hart herumgerissen. Hartnäckig räumten die neuen SPD-Senatoren alle Hindernisse aus dem Weg und begannen das große Bauen. Die Baustellen gelten gegenwärtig als Hauptärgernis vieler Hamburger.
Aber es lohnt sich. Vom Stand NULL  - im Jahr 2010 mit Grüner Stadtentwicklungssenatorin – kann sich die SPD-Amtsinhaberin Dorothee Stapelfeld nun mit inzwischen knapp 90.000 neuen Wohnungen in den neun Jahren Regierung unter SPD-Führung brüsten.
 Darunter waren im Jahr 2019 auch insgesamt 3717 Sozialwohnungen mit der für die Boomstadt Hamburg mikroskopischen Quadratmetermiete von 6,60 Euro.

[…..] Es ist der zweitbeste Wert seit Jahrzehnten und liegt noch mal um 1.500 höher als im Vorjahr: Hamburgs Bezirksämter haben im vergangenen Jahr den Bau von 12.715 Wohnungen genehmigt - und damit das Ziel von 10.000 Genehmigungen übertroffen.
Für die SPD kommt das im Wahlkampf wie gerufen. Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt erklärte: "Die vor neun Jahren getroffene Entscheidung, das Wohnen zum Herzstück der SPD-Politik zu machen, war richtig." Seitdem hätte Hamburg 96.000 neue Wohnungen genehmigt.
Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erklärte: "Keiner anderen Metropole in Deutschland gelingt es so gut, das Angebot an Wohnraum zu vergrößern." Dadurch sei der Mietanstieg auf 1,3 Prozent im Jahr gesunken. […..]

Dabei handelt es sich um einen stetigen Trend. Schon das Jahr davor gab es einen Rekord.
[…..] In Hamburg sind im Jahr 2018 insgesamt 10.674 neue Wohnungen mit einer Wohnfläche von 849.430 Quadratmetern fertig gestellt worden. Im Vergleich zum Vorjahr wurden damit 34,8 Prozent mehr neue Wohnungen und 26,4 Prozent mehr neue Wohnfläche bezugsfertig. […..]
In keinem Bundesland entsteht pro Einwohner so viel neuer Wohnraum wie in Hamburg.

[…..] Mehr als 3700 neue geförderte Wohnungen sind 2019 in Hamburg fertiggestellt geworden. "Unsere Anstrengungen für mehr bezahlbaren Wohnraum in unserer Stadt zahlen sich aus", sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) am Dienstag bei der Bilanz der Wohnungsbauförderung 2019. Im vergangenen Jahr seien zudem 3500 neue Förderungen bestätigt worden. Damit erreichte der Senat auch 2019 das selbstgesteckte Ziel von mindestens 3000 neu bewilligten Sozialwohnungen pro Jahr und steigerte die Zahl der Förderungsbescheide im Vergleich zu 2018 um mehr als 500.
Insgesamt hätten 280 Millionen Euro von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) bereitgestanden, sagte die Senatorin. […..] Auch die 2019 um fünf auf 20 Jahre verlängerte Mindestbindungszeit von Sozialwohnungen sei gut angenommen worden. Zusammen mit der Neubauförderung seien durch Förderprogramme für den Wohnungsbestand mit Mietpreis- und Belegungsbindung in 2019 mehr als 5300 Wohnungen in die Sozialbindung gebracht worden.
Die FDP-Bürgerschaftsfraktion warnte vor einem Abwürgen des Wohnungsbaus durch die Bürokratie. […..] Laut Stapelfeldt haben die 3000 bewilligten Sozialwohnungen eine Anfangskaltmiete von 6,60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. […..]

Die Mietenexplosion, die wir aus anderen Städten wie Köln oder Berlin kennen, die aber viel weniger stark wachsen als Hamburg und daher auch bei weitem nicht so viele zusätzliche Wohnungssuchende verkraften müssen, ist klar abgeschwächt. Nicht auszudenken wie meine diesjährige Mieterhöhung ausgefallen wäre, wenn die Grünen ihres Wunsches gemäß mit der CDU regiert hätten die letzten neun Jahre und nun 100.000 Wohnungen weniger in Hamburg existieren würden!

[….] Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen: „Der Anstieg der durchschnittlichen Nettokaltmiete hat sich halbiert. Das ist eine gute Nachricht für alle Hamburgerinnen und Hamburger und ist im bundesweiten Städtevergleich ein sehr guter Wert. Unsere konsequente Wohnungsbaupolitik seit 2011 zeigt jetzt auch im Mietenmarkt eine deutliche Wirkung, indem der Anstieg der durchschnittlichen Nettokaltmiete sichtbar gebremst werden konnte. Wir verfolgen mit unserem ambitionierten Neubauprogramm und dem konsequenten Schutz des Wohnungsbestandes die richtige Strategie für unsere Stadt. Wir dürfen jetzt in unseren Anstrengungen nicht nachlassen und werden auch künftig gemeinsam mit den Partnern im Bündnis für das Wohnen in Hamburg und den Bezirken weiter für mehr bezahlbaren Wohnraum in unserer Stadt sorgen. Ich bin sehr froh, dass sich unsere Wohnungspolitik als der richtige Weg für Hamburg erweist.“
Der Mietenanstieg in Hamburg liegt im Zeitraum von April 2017 bis April 2019 mit 2,6 Prozent unter dem Anstieg der allgemeinen Preisentwicklung von 3,3 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau des vorherigen Mietenspiegels. 2017 war noch eine Steigerung von 5,2 Prozent gegenüber 2015 zu verzeichnen. Auch in der absoluten Entwicklung halbierte sich das Anstiegsniveau: 2017 betrug der Anstieg 0,42 €/m² und 2019 nur noch 0,22 €/m². [….]

Gute Politik kann also durchaus etwas bewirken. Es ist allerdings wichtig dafür auch die richtige Partei bei der Bürgerschaftswahl am 23.02.2020 zu wählen. Nämlich die SPD, die es offensichtlich kann.

Dienstag, 21. Januar 2020

Das Leben schwer machen


Wenn ein chinesischer Arbeiter nach einer gemütlichen 14-Stunden-Schicht auf dem Bau nach Hause gehen kann, hat er Glück. Ein paar Hundert Millionen von ihnen sind nur Wanderarbeiter und müssen neben den Baustellen im Dreck übernachten.
Aber an der Haustür kann ein Zettel hängen, auf dem ihm lapidar mitgeteilt wird, er habe sechs Tage Zeit auszuziehen; dann werde an der Stelle wo sein Haus steht eine Schnellstraße gebaut.
Aus europäischer Sicht ist die Fatalität, mit der solche Enteignungen hingenommen werden verblüffend.
Aber die Idee persönlicher Rechte gegenüber des Staates gab es lange Zeit gar nicht und keimt erst langsam auf.
Die Schnellstraße komme ja auch allen zu Gute und nicht nur einem wie das alte Haus der Familie.
So eine marktradikale kommunistische Zentraldiktatur ist natürlich ein Traum für Wachstumsfetischisten.
Da geht es voran.
Wenn eine ZK-Provinzgröße gern ein neues Hochhaus, ein Sperrwerk, einen Flughafen oder auch eine neue Stadt haben möchte, wird das eben gemacht. In Windeseile.
Bauzeiten in China sind schon beendet, bevor man in Deutschland einen Termin bei der Genehmigungsbehörde hätte.
Die innovative Firma Broad Group in China stellte im Jahr 2012 ein Hochhaus mit 57 Stockwerken in unter drei Wochen fertig. Drei Stockwerke an einem Tag. Am 20. Tag konnten die Menschen einziehen.


[…..] Das jüngst auf diese Art und Weise entstandene Hochhaus in Changsha, Hauptstadt der chinesischen Provinz Hunan sowie die Stadt, in der Mao Tse Tung seine Karriere begann, hat viel Aufmerksamkeit erregt. Ein auf YouTube eingestelltes Video wurde mehr als drei Millionen Mal aufgerufen. Zeitungen in allen Kontinenten berichteten über die revolutionäre Leistung: Höchstgeschwindigkeit par excellence, 57 Stockwerke nebst Inneneinrichtung in 19 Tagen. 19 Atriums, 800 Apartments und 4.000 neue Arbeitsplätze verteilen sich auf 180.000  Quadratmetern Fläche. [….]

Ein 15-Stöckiges Wohnhaus war schon zuvor in 90 Stunden komplett erbaut worden.

Mit deutschen Arbeits- und Umweltschutzgesetzen, mit Bauvorschriften und Klimaschutzregeln dauern Großprojekte wie Stuttgart 21, der BER, die Elbphilharmonie statt 19 Tagen eher 19 Jahre.

Seit Jahren ist eine der wichtigsten Elbquerungen Hamburgs, das Wahrzeichen Köhlbrandbrücke marode und überlastet. Die 1974 für schlappe 160 Millionen gebaute 3618 m lange Brücke lohnt keine Reparatur mehr.
Ein Neubau kostet zwei bis vier Milliarden. Daher wird überlegt lieber gleich einen Tunnel zu bauen. Der wäre zwar noch teurer, hält aber deutlich länger als eine Brücke.

[…..] Für einen Ersatz der maroden Köhlbrandbrücke rechnet die Hamburger Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) mit deutlich höheren Kosten als bisher bekannt. Nach Informationen von NDR 90,3 würde schon eine neue Brücke mehr als 2,5 Milliarden Euro kosten. Die Kosten für einen Tunnel, wie ihn viele im Hafen für sinnvoll halten, übersteigen sogar die Grenze von drei Milliarden Euro. Nach einer Berechnung der HPA, die bereits seit mehr als einem Jahr in den Schubladen schlummern, liegen die Kosten bei rund 3,2 Milliarden. Diese Summen beinhalten nicht nur den eigentlichen Tunnel beziehungsweise die Brücke, sondern auch den Anschluss an die Autobahn sowie den Abriss der alten Köhlbrandbrücke. [….]

In Hamburg plant man schon seit Jahren, aber so einfach ist das nicht zu entscheiden. Zur Finanzierung sind auch Bauexperten wie die bayerische Blitzbirne Andi Scheuer notwendig; denn der sitzt auf den Milliarden-Fördertöpfen des Bundes.

Die Zeit wird knapp, denn schon im Jahr 2030, spätestens 2035 wird die alte Köhlbrandbrücke kaum noch zu benutzen sein. Ob man so ein Projekt in 15 Jahren fertig bekommt, steht in den Sternen. Die Fertigstellung der Elbphilharmonie – ein wesentlich einfacherer und kleinerer Bau – dauerte von 2007 bis 2017. Ob der Berliner Flughafen jemals in Betrieb geht, weiß niemand.
Dort war 2006 der Spatenstich. Die Pläne für Stuttgart21 waren 1995 fertig. Baubeginn war 2010 und mit der Fertigstellung rechnet man frühestens 2025.

Vielleicht lohnt sich die Planung eines Tunnels unter dem Köhlbrand auch gar nicht mehr. Bei dem Tempo der gegenwärtigen Weltwirtschaftsentwicklung und der unfassbaren finanziellen Potenz Chinas ist es gut möglich, daß bis 2030 oder 2035 der Hamburger Hafen längst einem Pekinger Staatskonzern gehört.
Seit Jahren kaufen Xis Jungs Hochseehäfen in aller Welt und nebenher noch das halbe Ackerland Afrikas.
Wenn der chinesische Präsident eine neue Elbquerung anordnet, wäre das vermutlich in einem Monat erledigt.

Die asiatischen Großbaufähigkeiten ernsthaft zu bewundern – das tue ich – bedeutet allerdings nicht, sich das System auch für Westeuropa zu wünschen.
Es lässt sich trefflich lästern, wenn wieder einmal eine seltene Schneckenart oder dubiose Wasserpflanze endlose Bauverzögerungen in Deutschland verursachen.
Aber Umwelt- und Naturschutz sind Werte, die nachhaltiger als Wachstum sind.
Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der individuelle Rechte irrelevant sind? In der Menschenleben bloß nachgeordnete Rechengrößen sind?
Und was ist eigentlich der Vorteil für die Gesellschaft, wenn man einen Bahnhof 100 mal so schnell baut?
Solange man es sich aussuchen kann, präferiere ich allerdings das westeuropäische Demokratiemodell. Ich präferiere auch deutsche Arbeitsschutzregeln statt der nicht vorhandenen Japanischen, die zu einer derartigen chronischen Erschöpfung führen, daß kein Privatleben mehr existiert und immer mehr Angestellte ihren einzigen Ausweg im Suizid sehen.

Blöderweise können wird nicht wie in der primitiven Gedankenwelt eines Donald Trumps Mauern hochziehen und abgeschottet vom Rest der Welt sein.
Die Globalisierung ist Realität und mehr als jedes andere Land ist Deutschland vom Außenhandel abhängig.
Also muss sich Berlin schon ein wenig anstrengen.
Deutschland kann garantiert nicht in jeder Hinsicht mit Asien konkurrieren, sollte aber durch Bildung und Infrastruktur die Bedingungen für Innovationen und Spezialistentum schaffen.
Wenn wir dabei nicht frühzeitig die Umwelt endgültig zerstören, wäre es auch ganz schön.
Da können wir uns keine Lahmarschigkeit mehr leisten und müssen chinesischer werden. Einst der wirtschaftlich stärksten Bundesländer, Hessen, hat ausgerechnet unter der Regentschaft superstarker Grüner im letzten Jahr gerade mal vier Windräder fertiggestellt.
Das geht nicht! Die Individualrechte, Einspruchsmöglichkeiten und Baurechtsexzesse dürfen nicht dazu führen, daß eine entscheidenden Branche wie die der regenerativen Energie gestoppt wird.

[…..] In einem kleinen Ort in Hessen zeigt sich, warum der Ausbau der Windkraft in Deutschland ins Stocken geraten ist. Der neue Windpark wird bekämpft - von Naturschützern, von AfD-Politikern und mit Angstmacherei. [….]

Das ist Grünes Totalversagen an der Regierung. Wie in Hamburg, so auch in Hessen.

[…..] Ganze vier Windräder sind 2019 in Hessen aufgestellt worden, was Wirtschaftsminister Al-Wazir auf die windradfeindlichen Bundesregelungen zurückführt - andere Länder kommen aber mit ihnen deutlich besser zurecht. Überhaupt sind die hessischen Anstrengungen gegen die Erderwärmung zwar ordentlich, aber auch nicht ehrgeiziger als die des bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder.
Dass es in der hessischen Polizei rechtsradikale Vorfälle gab, müsste die Grünen zutiefst regierungskritisch werden lassen - nur sind sie halt selber in der Regierung. Beim Skandal um die keimbelastete Wurst des nordhessischen Herstellers Wilke machte ausgerechnet die grüne Verbraucher- und Umweltministerin Priska Hinz keine gute Figur. Ein Gesetzentwurf zur Neustrukturierung der Ausländerbeiräte bringt viele Migrationsfachleute gegen die Grünen auf; im Rhein-Main-Gebiet drängen Wohnungsnot und Verkehrskrise, auf dem Land herrscht digitale Steppe. […..]

Finanzminister Olaf Scholz weiß als ehemaliger Landesregierungschef wie man Projekte zügig umsetzt. Nach dem totalen Wohnungsbaustopp unter Schwarzgrün bis zum Jahr 2011 begann er mit seinem Amtsantritt 2011 eine massive Bautätigkeit. Seither sind in Hamburg 89.000 Wohnungen, viele davon sozial gefördert, fertiggestellt worden, die zu einem klaren Rückgang des Mietanstieges führten. Scholz trat auch allen Elphi-Verantwortlichen so in den Hintern, daß der Bau endlich fertiggestellt wurde.
Und so müht er sich nun verzweifelt darum seinerseits Fördermittel unter die Bundesländer zu bringen, so daß diese auch Bauprojekte, Investitionen in die Infrastruktur und Schulsanierungen durchführen.


[…..] Im September 2019 hatte Scholz von 15 Milliarden Euro nicht abgerufenem Fördergeld gesprochen, Mittel für Klimaschutz, Schulen, Straßen und sozialen Wohnungsbau, die ungenutzt liegen blieben, was Scholz zu einer für einen Finanzminister sehr ungewöhnlichen und natürlich öffentlichkeitswirksamen Bitte an Städte und Gemeinden inspirierte: "Bitte nehmt das Geld." […..]

Die Gründe sind komplex. Oft sind es gerade die finanzschwachen Gemeinden, die Fördermittel nicht ausgeben, weil sie den Eigenanteil nicht aufbringen können.

Außerdem kranken Projekte an Langsamkeit und komplizierten Bauvorschriften.
Richtig zu planen bindet viel Personal in Ämtern und Rathäusern. Personal, das nicht da ist, da um die Jahrtausendwende alle deutschen Gliederungen im McKinsey- und Roland-Berger-Wahn ihre Mitarbeiter gefeuert haben. Verschlankung und Entbürokratisierungen lauteten die Zauberworte, mit denen CDU und FDP getrieben von Springer und INSM auf Wählerjagd gingen.
Herzlichen Glückwunsch. Das hat geklappt. Nun sind wir so schlank, daß keine Innovationen mehr möglich sind.
Und wenn sich doch mal findige städtische Angestellte finden, um einen Bau auszuschreiben, winken die Bauunternehmer ab, die gar keine Lust haben mit komplizierten öffentlichen Auftraggebern zu arbeiten.

[…..] Auch der Personalmangel in den Städten führt dazu, dass Geld nicht abgerufen wird, Projekte stillstehen. […..]  Selbst Boomstädte wie München oder Köln, die inzwischen wieder bei Kasse sind, suchen beinahe verzweifelt Mitarbeiter. In Köln fehlen selbst den berühmten Museen die Leute, Gemälde zu restaurieren oder gar Schenkungen zu begutachten. Besonders hart ist das Bauwesen betroffen, wo Planstellen zu Dutzenden frei sind und sich Baugenehmigungen, die viel Arbeit bedeuten, lange hinziehen können. Das Problem sei leider, heißt es dort, erneut die private Konkurrenz: "Dort wird besser gezahlt, als wir es können, uns setzen schon die Tarife Grenzen."
Wenn aber "Planungskapazitäten fehlen", sagt Städte- und Gemeindebundchef Landsberg, trägt dies dazu bei, "dass bestimmte Förderprojekte nicht bearbeitet werden können", schon gar nicht innerhalb der Fristen, die oft recht kurz sind. […..] Ein dritter Grund für liegengelassenes Fördergeld betrifft vor allem arme Kommunen: Oftmals müssen sie, um an die Mittel zu kommen, einen Eigenanteil bezahlen, der je nach Land und Projekt zwischen zehn und 30 Prozent liegt. Wenn sie den nicht stemmen, ist auch die Fördersumme perdu. […..] Ein vierter Grund, warum die Kämmerer das Fördergeld eben nicht so einfach nehmen, wie es der Finanzminister empfiehlt, wiegt wesentlich schwerer: Es ist die ausgeuferte Bürokratie und die Regelungswut. Lange Planungsverfahren, endlose Rechtswege. "Wer den Bauauftrag für eine Kommune übernimmt", sagt Gemeindebund-Experte Portz, "muss erst mal Dutzende Seiten Vorschriften des komplexen Vergaberechtes studieren. Und man kann sich vorstellen, dass er einen privaten Bauherren vorzieht, der ihm weit weniger Mühe macht."
Teil dieser Bürokratie sind die oft sehr knappen Fristen für Fördermittel. [….]

Also bitte keine chinesischen Verhältnisse in Deutschland!
Aber daß wir uns dermaßen in Bauvorschriften und Zuständigkeitsgewirr verstricken, daß hier gar nichts mehr gebaut wird, kann ja nicht die Alternative sein.

Montag, 20. Januar 2020

Marx macht immobil

Wenn man ein katholischer Gottesmann ist, gelten die Regeln immer nur für die anderen.
Klar, es ist irgendwie nicht so schön Myriaden Kinder und Jugendliche in Deutschland sexuell zu missbrauchen, aber wirklich störend ist daran nur wenn das allgemein bekannt wird und dadurch die Kirchenmitgliederzahlen und Milliardeneinnahmen sinken.
Das haben die Kirchenfürsten, die wie der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx gewohnt sind in riesen Palais‘ zu leben mal eben zehn Millionen Euro für einen Ferienpalast auszugeben, nicht so gern.
Der Rubel soll rollen.

Die Lage ist erstklassig, der Preis auch: Für 9,7 Millionen Euro hat das Erzbistum München-Freising in Rom ein neues Gästehaus gekauft. Böse Zungen haben der Immobilien auch schon einen Spitznamen verpasst: „Palazzo Marx“.  [….] Nach vier Jahren im „Schwabinger Asyl“ kehrt Erzbischof Reinhard Marx in dieser Woche wieder in sein traditionelles Quartier im Palais Holnstein in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Stadtzentrum zurück. Das Gebäude, das 1733 bis 1737 im Auftrag des Kurfürsten Karl Albrecht als Rokoko-Adelspalais erbaut wurde, war seit Oktober 2008 vom Staatlichen Bauamt saniert worden. Marx war deshalb vorübergehend ins Schloss Suresnes in Alt-Schwabing gezogen.
[….]  Die Sanierung des Palais kostete 8,1 Millionen Euro, davon trägt die Kirche 1,56 Millionen.

Da muss man also abwägen, wie man mit Kindersexskandalen umgeht.
Die Täter sind Kirchenmänner, also haben sie quasi automatisch Gottes Segen. Einmal beichten und schon ist vergeben und vergessen, daß sie ihren Penis in kindliche Körperöffnungen steckten.

Aber die öffentliche Meinung darf auch nicht aus dem Blick gelassen werden und so kam es gerade mal acht Jahre nach dem Canisius-Megaskandal zur inzwischen berüchtigten Missbrauchsstudie der RKK.
Nun ja, es war eigentlich schon die zweite Studie, aber bei der Ersten im Jahr 2013 hatte man versehentlich den berühmten Kriminologen, Rechtsprofessor und früheren niedersächsischen Justizminister Pfeiffer beauftragt, der das Ganze total missverstanden hatte.
Pfeiffer wollte doch tatsächlich selbst einen Blick in die Akten werfen und sich nicht damit begnügen, was ihm die Domkapitulare genehmigen.
Das konnte die RKK nicht riskieren. Womöglich hätte es Ergebnisse gegeben, die man nicht haben wollte. Da wurde Pfeiffer schnell gefeuert.

Kardinal Lehmann, der selbst als relativ liberale Kraft im deutschen Episkopat gilt, verteidigte am Wochenende das „Aus“ der Prof. Pfeiffer-Missbrauchsstudie der katholischen Bistümer. Womöglich wären Daten der Täter an die Öffentlichkeit gelangt und ein Kind sexuell zu missbrauchen, nennt der hohe Kirchenfürst vielleicht nur einmal eine Dummheit machen“. Halb so wild also. Lehmann ist Professor für Dogmatik.

Mit dem Datenschutz bei Geheim- und Personalakten müsse sehr sorgfältig umgegangen werden, sagte der Mainzer Bischof. "Nicht um den Eindruck zu erwecken, wir haben etwas zu vertuschen, sondern um Tätern, die vielleicht nur einmal eine Dummheit gemacht haben, überhaupt eine Chance zu geben weiterzuleben." Das sei zuerst alles nicht so gut überlegt worden. "Deswegen bin ich ganz froh, dass wir die Studie neu ausgeschrieben haben", ergänzte Lehmann.

Die Bruderschaft der Bischöfe einigte sich darauf lieber einen der ihren ermitteln zu lassen. Den Trierer Bischof Ackermann, der selbst genügend Erfahrungen damit gesammelt hatte pädophile Priester zu schützen und deren Opfern in den Rücken zu fallen.

(…..) Nach gerade einmal neuneinhalb Jahren im Amt des offiziellen Missbrauchsbeauftragten, traf er sich diese Woche erstmalig mit den Opfern, den in seinem Bistum vergewaltigten, verprügelten und gequälten Kindern.
Man soll ja auch nichts übereilen.
Eine Dekade geht ja schließlich schnell ins Land und außerdem hatte Ackermann auch viel wichtigeres zu tun, als mit den Quälgeistern zu sprechen, die heute immer noch rumjammern, nur weil sie ein paar Jahre lang als Kind sexuell missbraucht und geschlagen wurden.
Da galt es vor allem den ursprünglich von ihm selbst engagierten Kriminologen Christian Pfeiffer wieder loszuwerden. Pfeiffer sollte den Missbrauch in der RKK zwar offiziell untersuchen, aber doch bitte nichts Negatives zu Tage fördern.
Der renitente Professor wollte sich aber bei seiner Studie tatsächlich ein eigenes Urteil bilden und nicht das schreiben, was Ackermann ihm vorschrieb.
Der Niedersachse wollte sich zur Empörung Ackermanns noch nicht mal bestechen lassen!

[…..] Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen KFN von Christian Pfeiffer hatte 2011 vom Verband der Diözesen Deutschlands den Auftrag bekommen, einen unabhängigen Forschungsbericht zum Missbrauch in der katholischen Kirche von 1945 bis heute zu erstellen. In den Wochen und Monaten danach soll die Kirche laut Aussage Pfeiffers aber immer mehr Einfluss auf die Forschungsarbeiten genommen haben - sogar von Zensur sei die Rede gewesen.
Im Dezember 2012 sollte die Zusammenarbeit dann bei einem Treffen in Hannover beendet werden. An dem Treffen nahm demnach auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann teil. Christian Pfeiffer sagte dem SWR, dass die Kirche ihm ein Schreiben vorgelegt hatte, in dem er sich verpflichten sollte, jeglichen Vorwurf von Zensur und Kontrollwünschen der Kirche zu unterlassen. Für dieses Schweigen soll die Kirche auch 120.000 Euro geboten haben. Pfeiffer sagte, das habe er abgelehnt. Daraufhin habe der Trierer Bischof Ackermann ihm erklärt, wenn er nicht unterschreibe und der Zensurvorwurf nach außen dringe, sei er ein Feind der katholische Kirche und man würde seinen guten Ruf öffentlich massiv attackieren. Pfeiffer nennt den Vorgang eine Bedrohung. Wörtlich heißt es in der "Zeit": "Das war der Versuch einer Nötigung." […..]

Ich verstehe gar nicht, was sich die Leute nun wieder aufregen. Ackermann ist damit nur ein ganz gewöhnlicher kirchlicher Schreibtischtäter, der dafür sorgt, daß seine Priester weiter Kinder ficken können und daß die Priester, die schon Kinder gefickt haben, in Ruhe gelassen werden.
Wer sich der weltgrößten misogynen und homophoben Missbrauchsorganisation anschließt, darf nichts anderes von den Kirchenfürsten erwarten.

Nach zwei Jahren im Amt des Missbrauchsbeauftragten nervten einige garstige Medien allerdings weiter.
Ackermann („Null Toleranz für Missbrauchstäter“) schützte weiterhin die Pädo-Verbrecher seines Bistums. Da regten sich die Linksgrünversifften schon wieder auf. Nur weil der Trier Bischof sieben pädophile und vorbestrafte Priester einsetzte. Na und? Sind doch nur Kinder, die missbraucht werden.

Im September 2018 erschienen schließlich die Ergebnisse der für die RKK angenehmeren Studie, in der nicht etwa unabhängige Leute die kirchlichen Archive einsehen durften, sondern die Bischöfe stets Herren des Verfahrens waren. Außerdem hatten sich besonders schwer betroffene Bistümer wie Regensburg, in dem Papst-Bruder Georg bei den Domspatzen wütete, schon Jahre zuvor jeder Aufklärung verweigert und die Archive gesäubert. Sehr zur Freude des Papstes Ratzinger, der den pädofreundlichen Vertuscher-Bischof Müller zum Dank nach Rom holte und ihn auf den drittmächtigsten Posten der Welt setzte. Papstnachfolger Franz erhob Müller zum Kardinal.

[…..]  Zahl der beschuldigten Kleriker.
Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden Personal-und Handakten von 38.156 Klerikern der  27  Diözesen  aus  den  Jahren  1946  bis  2014  durchgesehen  (TP6).  Dabei  fanden  sich  bei 1.670  Klerikern  der  katholischen  Kirche  Hinweise  auf  Beschuldigungen  des  sexuellen  Miss-brauchs  Minderjähriger.  Das  waren 4,4 Prozent aller Kleriker  aus  den  Jahren 1946  bis  2014, von  denen  Personalakten  und  weitere  Dokumente  in  den  Diözesen  durchgesehen  wurden. Diese  Zahl  stellt  eine  untere  Schätzgröße  dar;  der  tatsächliche  Wert  liegt  aufgrund  der  Er-kenntnisse aus der Dunkelfeldforschung höher. Bei  Diözesanpriestern  betrug  der  Anteil  5,1  Prozent  (1.429  Beschuldigte),  bei  Ordenspriestern im Gestellungsauftrag 2,1 Prozent (159 Beschuldigte) und bei hauptamtlichen Diakonen 1,0 Prozent (24 Beschuldigte). Bei 58 Beschuldigten war der Klerikerstatus unbekannt. Sofern  Personalakten  von  Klerikern  durchgesehen  wurden,  die  im  Zuge  des  Antragsverfahrens zu „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ beschuldigt worden waren, fand sich nur in 50 Prozent der in den Anträgen von der katholischen  Kirche  als  plausibel  eingestuften  Beschuldigungen  ein  entsprechender  Hinweis auf  die  Beschuldigung  oder  die  Tat  in  der  Personalakte  oder  anderen  kirchlichen  Dokumenten des jeweiligen Klerikers. Damit wäre die Hälfte aller Fälle im Rahmen einer reinen Personalaktendurchsicht ohne die aktive Antragstellung der Betroffenen zu „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ nicht entdeckt worden. Dies gibt einen Hinweis auf das Ausmaß des anzunehmenden Dunkelfelds.
Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen
 Den  1.670  beschuldigten  Klerikern  konnten nach  den Personal-und  Handakten  insgesamt 3.677  Kinder  und  Jugendliche  als  von  sexuellem  Missbrauch  betroffen  zugeordnet  werden. Dies  waren  im  Durchschnitt  2,5  Betroffene  pro  Beschuldigtem  (TP6).  In  der  Analyse  von Strafakten lag die Zahl bei 3,9 (TP3). Bei 54 Prozent der Beschuldigten lagen Hinweise auf einen einzigen Betroffenen vor, bei 42,3 Prozent Hinweise auf mehrere Betroffene („Mehrfachbeschuldigte“), bei 3,7 Prozent fehlten entsprechende Angaben. Die Mehrfachbeschuldigten hatten durchschnittlich 4,7 Betroffene. Der Maximalwert lag bei 44 Betroffenen eines Beschuldigten (TP6). […..]
                                                 
Na fein, statt Hunderttausenden, konnten nun nur noch 3.677 von sexuellem  Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche ausgemacht werden.
Die knapp 1700 Pädosex-Priester sind doch kaum der Rede wert.
So sieht es offenbar Kardinal Marx, der knappe anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung der Studie demonstrativ rein gar nichts unternommen hat.

Für die katholischen Bischöfe gibt es drei Aspekte des Kinderfickens.

1.) Es muss finanzieller Schaden von der Kirche abgewendet werden. Daher gilt es mit aller Energie möglichst keine schlechte PR entstehen zu lassen. Vertuschen, verschweigen, weißwaschen.
2.) Die sadistischen und perversen Täter müssen geschützt werden; schließlich sind es Brüder im Amte und Gottesmänner.
3.) Die Opfer sind bloß dumme Kinder. Darum muss man sich nicht sorgen. Die können mit Almosen abgespeist oder am besten durch juristische Kniffe ganz leer ausgehen.

Die Straftat an sich, die Vergewaltigung eines Kindes durch einen Priester, scheint bis heute von den Klerikerfürsten als Petitesse angesehen zu werden.

[…..] Missbrauch in Kirche: Fast alle Verfahren in Bayern eingestellt
Eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung der großen Missbrauchsstudie der katholischen Kirche haben die Behörden in Bayern in keinem einzigen Fall Anklage erhoben. Das haben die zuständigen Staatsanwaltschaften auf Anfrage bestätigt. […..]

Massenhafter sexueller Missbrauch an Kindern durch Geistliche?
Nichts weswegen man sich sorgen oder gar irgendetwas ändern müsste.
Die Studie wurde wunschgemäß so verfasst, daß die RKK nichts befürchten musste.

[…..] Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche: "Das war alles nur Show - mehr nicht"
[…..] Die Unterlagen - so das Versprechen - sollten an die Staatsanwaltschaften weitergeleitet werden. Dort zeigt sich nun: Strafrechtlich sind die Dokumente nahezu wertlos. […..] Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) mit dem Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, wollte das Ermittlungsergebnis in Bayern nicht kommentieren. […..]
Der Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer, der die Untersuchung ursprünglich leiten sollte, sagte: "Für die Kirche war die der MHG-Studie folgende Ankündigung von Marx, wonach alles an die Staatsanwaltschaften gegeben wird, kein Risiko. Das war alles nur Show - mehr nicht." Marx habe Forschern den uneingeschränkten Zugang zu Akten verweigert und damit eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung verhindert. "Für die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit" wäre es das Beste, Marx würde von der Spitze der Bischöfe zurücktreten - "und so einen echten Neuanfang ermöglichen".
DBK-Sprecher Matthias Kopp wies die Vorwürfe entschieden zurück. […..]
Der Strafrechtsprofessor [und CSU-Politiker! –T.] Holm Putzke aus Passau sagte, die Kirche habe sich "redlich darum bemüht, damit die in ihren Reihen massenweise begangenen Verbrechen an Kindern inzwischen nicht mehr verfolgbar sind". Er stellte nach der Veröffentlichung der Studie gemeinsam mit einigen Kollegen Anzeige gegen unbekannt und stieß damit die staatsanwaltlichen Ermittlungen an. […..]

Die Missbrauchsopfer sind zu lustig. Nun fordern sie im Jahr 2020 Konsequenzen. Konsequenzen? Wozu das denn? Zehn Jahre nach Canisius zeigt sich doch mustergültig was passiert, wenn die RKK den myriadenfachen Missbrauch aussitzt:
Die gesamte politische Klasse steht wie ein Mann hinter der Kirche, denkt gar nicht daran den Auftrag von vor 100 Jahren aus der Weimarer Reichsverfassung, die die Ablösung der staatlichen Dotationen an die Kirchen vorsieht umzusetzen.
Staat und Kirche werden nicht entkoppelt und die Kirchensteuereinnahmen des Jahres 2019 werden wieder einen absoluten Rekordwert, weit über 12 Milliarden Euro, erreichen.
Kardinal Marx‘ Gehalt, rund 13.000 Euro monatlich wird genau wie seine Dienstlimousine weiterhin vom Steuerzahler – auch den Atheistischen und muslimischen – bezahlt. Der trottelige Teutone läßt sich das offenbar gerne bieten, wählt Religioten in den Bundestag und bleibt freiwillig Kirchenmitglied.
Die Vorwürfe der totalen Untätigkeit an die DBK sind nicht neu und werden immer wieder in den Medien erhoben. So klang es schon vor vier Monaten in der Tagesschau und auch damals reagierten Marx, Ackermann und Co mit einem müden Achselzucken. Wieso auch nicht? Die sogenannten Gläubigen solidarisieren sich genau wie die politische Klassen lieber mit der Täterorganisation als mit den Opfern.

[…..] Ein Jahr nach Missbrauchsstudie: Außer Versprechen nicht viel passiert. […..]
"Wahrheit" und "Gerechtigkeit" für die Opfer, versprach der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, vor einem Jahr im Dom zu Fulda. An diesem Tag stellte er die Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche vor. Mehr als 1600 Kleriker haben sich demnach nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland an Schutzbefohlenen vergangen. Die Macher der Studie betonten an diesem Tag in Fulda, man müsse ein "mindestens" bei allen Aussagen zu Opfern und Tätern mitdenken. Denn die Zahlen lieferten die Bistümer selbst. Kein Wissenschaftler durfte für die Studie kirchliche Archive betreten. […..]
Der Psychiater Harald Dressing spricht leise, aber deutlich. Vor einem Jahr, als die Studie in Fulda vorgestellt wurde, saß er auf einer Pressekonferenz neben Kardinal Marx. Als der Bischof gefragt wurde, ob denn ein deutscher Bischof angesichts dieses Skandals Konsequenzen für sich in Betracht zöge, antwortet Marx sichtlich überrascht: "Nein!"
[…..] Dressing erzählt, wie er dem Bischof vor der Pressekonferenz gesagt habe, dass diese Frage kommen werde. Ackermann sei darüber verwundert gewesen. "Es ist in keiner Institution denkbar, dass nach so einem Skandal nicht ein einziger Verantwortung übernimmt", sagt Dressing heute. Er nennt es "erschreckend".
Der Psychiater sagt, die Studie sei keine Aufarbeitung. Dieser Prozess habe nicht einmal ansatzweise begonnen. "Jeder Täter hatte Mitwisser und Verharmloser. Es ist notwendig, dass solche Menschen, die möglicherweise immer noch in Verantwortung sind, auch Verantwortung übernehmen. Ein kollektives Bekenntnis von Schuld und Scham ist nicht ausreichend."
Für die vor einem Jahr vorgestellte Missbrauchsstudie hätten sie nur auf anonymisierte Daten aus den Bistümern zugreifen können. "Mehr hat uns die Kirche nicht gewährt. Jetzt steht an, die Beschuldigten zu nennen. Die Mitwisser, die Verantwortlichen, die Netzwerke, die den Missbrauch vertuscht haben. Eine Wahrheitskommission muss Zugang zu allen Akten bekommen." […..]

Sonntag, 19. Januar 2020

Medienkompetenz!

Es fasziniert mich immer wieder auf den Socialmedia-Seiten nicht nur Einzelpersonen mit völlig unseriösen dubiosen Quellen um sich werfen, sondern auch große Accounts von Parteien, Prominenten und anderen Multiplikatoren nahezu ungefiltert alle Quellen verlinken.
Neben reinen Fake-News-Fabrikanten von sonderbaren Domains aus sonderbaren Ländern, werden aber auch wahllos bekannte deutsche Medien verlinkt, deren Seriosität man eigentlich sehr leicht einschätzen kann.
Viele Quellen sind sehr konservativ – Focus, Welt, FAZ – da wird man nicht unbedingt objektive Berichte über Grüne, Linke oder SPD finden.
Hinzu kommen aber die Boulevardesken, die nicht nur sehr weit am rechten Rand stehen, sondern wie BILD oder Focus Online gezielt mit xenophoben und gefälschten Berichten Stimmung machen.

Ich dachte, inzwischen lachen alle über den Witz „Quelle Internet“, wenn jemand etwas besonders Abstruses behauptet.
Ich dachte, inzwischen haben alle verstanden, daß Netzfrauen, Deutsche Wirtschaftsnachrichten, Kopp, RT.com, Compac, Epoch Times, JF, Ken.FM, PI, PP nur Lügen verbreiten.

Aber darüber hinaus gibt es genügend andere Medien, die man sehr kritisch betrachten muss.
Es reicht nicht seine Informationen aus der Morgenpost oder Markus Lanz zu beziehen. Frank Plasberg ist ein tendenziöser Unterhalter und keine Nachrichtenagentur. Wikipedia taugt dazu schnell etwas nachzuschlagen, das man schon weiß, aber gerade ein paar Details vergessen hat.
Wikipedia ist aber sehr anfällig für Manipulationen und darf natürlich nicht herangezogen werden, um etwas ganz Neues zu lernen, von dem man noch nie vorher gehört hat.

Konservative Meinungsmacher wie FAZ, Welt oder Cicero sind nicht grundsätzlich schlecht. Man kann dort durchaus einige Juwelen finden. Daher verlinke ich auch immer wieder mit großem Vergnügen Schwennickes Fußball-Abrechnung von 2013: Es ist ein großartiger Artikel, auch wenn ich die derzeit eingeschlagene Richtung des Blattes unerträglich finde.

Zeit und Tagesspiegel sind überdurchschnittlich gute Zeitungen, besser als die meisten anderen. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, daß der Chefredakteur/Herausgeber di Lorenzo ein schwerer Religiot ist und dementsprechend alle Artikel zu dem Thema von Fehlern strotzen und sehr einseitig prokirchlich ausgerichtet sind.
Selbst die beste überregionale Zeitung in deutscher Sprache, die Süddeutsche Zeitung, hält sich allerdings einen zu frommen Kirchenredakteur. Mehr Neutralität zu Kirchenthemen findet man da schon im SPIEGEL, den ich immer noch als eine der seriösesten Quellen ansehe, auch wenn er nur noch ein schwacher Abglanz von einst ist, keine Themen mehr setzt und viel zu langsam geworden ist.

Medienkompetenz bedeutet heute in Ermangelung einer einzigen superseriösen und umfassend informierenden Quelle, daß man mehrere Periodika gleichzeitig und regelmäßig konsumieren muss. Darunter muss auch mindestens eine sein, die tendenziell eher nicht die eigene Meinung vertritt.
Nur mit großer Faktenkenntnis kann man teilseriöse Blätter wie Cicero Hamburger Abendblatt lesen.
Nur mit umfassender Medienkenntnis kann man die in den sozialen Medien auf einen einprasselnden Meldungen schon gleich aufgrund der dubiosen Quelle wegklicken.
Nur so kann man seine Zeit sinnvoll einteilen.
Wenn in einer Facebook-Gruppe mit fünfstelliger Mitgliederzahl über „die Linken in der SPD“ von den Administratoren fortwährend Focus Online und Welt-Kommentare gepostet werden, kann man die Gruppe verlassen.
Und man kann jede Gruppe sofort verlassen, die sich mit BILD-Links beschäftigt.

Man muss sich immer darüber bewußt sein wie unsäglich verblödet fast alle Medienkonsumenten auf der Welt sind.
Fox-Fake-News haben 62 Millionen Amerikaner dazu gebracht für Donald Trump zu stimmen, Multimilliardär und Medienmogul Rupert Murdoch vermochte es mit seinem Imperium aus rechten Troll-Sendern und Zeitungen gleich mehreren Nationen debile und höchstgefährliche Regierungen aufzustülpen. Er kann im Alleingang den Klimaschutz verhindern.

Drastische Medieninkompetenz gibt es aber inzwischen allumfassend.
Als in den 1980er Jahren die Sendung „Lindenstraße“ begann, schnitt ich mir einen Artikel aus und pinnte den an die Küchenwand, in dem es darum ging, daß die Schauspieler mit ihrer Serienrolle verwechselt werden, daß sich Menschen für Wohnungen bewerben, wenn jemand in der „Lindenstraße“ umzieht.
Damals schockierte mich die Ebenenvertauschung noch.
Heute erlebe ich das jeden Tag.
Vor ein paar Stunden sah ich auf Instagram Interview mit den beiden Schauspielern, die in der Fernsehshow „Shameless“ ein schwules Paar spielen und wie selbstverständlich wurde angenommen, daß die beiden auch im Privatleben liiert wären.
Oder das RTL-Dschungelcamp, in dem derzeit eine offenbar besonders unsympathische Person aus dem TV-Trash-Universum hockt.
In dem Fall gibt es eine einfache Lösung: Nicht die Sendung gucken.
Oder aber, wenn man es dennoch möchte, kann man mit seinen kostenpflichtigen Anrufen dazu beitragen einem anderen Teilnehmer zur Siegprämie zu verhelfen.
Stattdessen wird aber die reale Person mit Morddrohungen überschüttet.

[….] Daniela Büchner polarisiert mit ihrem Verhalten im Dschungelcamp 2020 – das steht fest. Büchner spricht von ihrer „Sendezeit“ und wirkt auf viele Zuschauer arrogant. Doch welches Ausmaß der Hass gegenüber der Witwe von Jens Büchner (†49) mittlerweile angenommen hat wird klar, wenn man sich die aktuellen Aussagen ihrer Managerin Melanie Thiele anschaut.
Während Danni Büchner im Dschungel in Australien festsitzt, muss Thiele sich nämlich mit schlimmsten Morddrohungen auseinandersetzen, die ihre Klientin und Freundin von Instagram-Nutzern bekommt. […..]

Kaum zu glauben, aber wahr. Die Menschen gucken abends eine RTL-Show und halten das für so real, daß sie anschließend Tötungsfantasien ventilieren.

Hier ist die Bildungspolitik gefordert. In den Schulen muss endlich als Pflichtfach „Internet und Kommunikation“ eingerichtet werden, damit schon die Kleinsten lernen einen kritischen Blick zu behalten, die Medienmechanismen einschätzen zu können und begreifen wie man aus der endlosen Informationsflut des Netzes die Wahren und Relevanten herausfischt.

Samstag, 18. Januar 2020

Böses Omen Hamburg.

Die neuneinhalb Jahre Beust-Regierung in der Freien und Hansestadt Hamburg haben den Irrglauben erweckt, es handele sich um einen erfolgreichen liberalen CDU-Landesverband.
Nichts könnte falscher sein. Ole von Beust war nicht liberal, sondern bloß zufällig schwul und darüber hinaus ein ostentativ fauler Bürgermeister, der oftmals nur von Dienstag bis Donnerstag in der Stadt war, weil er sehr lange Wochenenden auf Sylt verbrachte.
Er kümmerte sich nicht persönlich um Projekte, so daß man nahezu alles in ihn hereininterpretieren konnte.
Daß er 2001 mit gerade mal 26% (Die SPD kam auf 36%) überhaupt Bürgermeister wurde war nur Glück. Die geifernde Springerpresse hatte den rechtsradikalen Kokser Schill auf 19% hochgeschrieben und Beust hatte keinerlei Hemmungen den grotesken Wüterich zwei Jahre als seinen Stellvertreter berserken zu lassen bis dieser ihn mit einem Outing erpresste.
In der Folge kam es zu einem Solidaritäts-Wahlsieg der Beust-CDU und schließlich zu einer weiteren Amtszeitverlängerung durch die CDU-affinen Hamburger Grünen. Als Beust keine Lust mehr hatte und wieder ein üblich stramm rechter CDUler – Ahlhaus – übernahm, vollbrachte die CDU bei der Landtagswahl von 2011 ein 21-Prozentpunkte-Minus und die Scholz-SPD errang mit 48,4% die absolute Mehrheit der Sitze.

Tatsächlich ist das aber der Normalzustand der CDU in Hamburg. Rechtslastig, zerstritten, erfolglos.
Meine Generation erinnert sich noch schaudernd an die stramm konservativen CDU-Bürgermeisterkandidaten Jürgen Echternach, Walter Leister Kiep und Hartmut Perschau.

Auch zu den Beust-Zeiten dominierten noch die tiefschwarzen Typen mit Hang zum Braunen: Roger Kusch, Christoph Ahlhaus, Andreas Wankum, Wolfgang Peiner – allesamt Spitzen-CDUler in ständigem Konflikt mit Staatsanwaltschaften.

Der windige Pleitier Andreas Wankum!
Wankum, mit dem kein Mensch ein zweites mal geschäftlich zu tun haben wollte - davon können insbesondere die geprellten Käufer von Wohnungen seiner Firma Deuteron ein Lied singen.
Der Mann mit den Freunden in der Hamburger CDU.
So schob er immer wieder Großprojekte wie den Bau der HSH Nordbank Arena und der Color Line Arena an. Natürlich ging auch dabei nicht alles mit rechten Dingen zu - Wankum betrog, manipulierte und mauschelte soviel es ging.
Unbezahlte Handwerker-Rechnungen in Höhe von mehr als 10 Millionen DM und erhebliche Baumängel führten zu Verzögerungen beim Bau und zu Mehrkosten.
Im Streit mit den schäumenden Abnehmern ging Wankum auch privat pleite.
Im Dezember 2000 hatte Andreas C. Wankum für seine Firma, die Wankum- Deuteron-Gruppe, Insolvenz angemeldet. Ein Gläubiger wollte Geld sehen - regelrecht genötigt gefühlt habe er sich, so Wankum. Der Mann erstattete Anzeige, als Wankum der Forderung nicht nachkam. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelte in zwei Fällen gegen Wankum.
Die Verfahren wurden im Jahr 2007 gemäß §170 II StPO (mangels hinreichenden Tatverdachts) endgültig eingestellt.

Obwohl der stellvertretender Ortsvorsitzender des CDU-Ortsverbands Winterhude, inzwischen schon so viele Prozesse und halbseidene Finanzaffären hinter sich hat, daß man als Wähler glatt den Überblick verliert, ist Wankum nach 2004 im Jahr 2008 erneut in die Hamburger Bürgerschaft gewählt worden.
An dem Teflon-Mann bleibt einfach nichts kleben. Die CDU und Beust halten verbissen an Wankum fest; dabei dürfte nicht gerade unerheblich die Tatsache helfen, daß er seit 1992 Schatzmeister der CDU-Nord ist und in den Jahren 1999 bis 2000 parallel Landesschatzmeister der Hamburger Christdemokraten war.

CDU-Finanzen sind bekanntlich immer ein heikles Thema und daß die Hanse-CDU sich für diesen Zweck einen in unzählige Finanzaffären verstrickten Pleitier sucht, spricht Bände.

Andere Stimmen munkeln, daß der halbseidene CDU-Mann nicht nur wegen seines Insiderwissens über die Beust-Partei sakrosankt ist, sondern auch durch sein Engagement in der jüdischen Gemeinde Beißhemmungen auslöst.

Wenn die schwarzen Kassen der CDU getarnt werden, hat man schon vorher mit dem Hinweis auf "Gelder aus jüdischen Vermächtnissen" versucht Staatsanwälten den Eifer zu nehmen.

Von Juni 2003 bis August 2007 war Andreas C. Wankum Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Hamburg KdöR sowie Mitglied im Direktorium des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Die anderen Juden seiner Gemeinde waren es schließlich, die ihn als Chef absetzten, weil er auch in der Funktion großzügig die ihm anvertrauten Gelder in die eigene Tasche wirtschaftete und sich alle weigerten noch einmal mit ihm zusammen zu arbeiten, die ihn kennen gelernt haben.


Wankums Nachfolger wurde der ebenfalls dem ultrarechten Rand der CDU angehörende Christoph Ploß.
Wankums Homunculus Ploß zeigt sich aber auch gern mit CDU-Ganz-rechts-außen Nikolaus Haufler.

Bei der morialogischen BI „Unsere Uhlenhorst“ ist Ploß besonders aktiv und bepöbelt den SPD-Senat dafür, daß Hamburgs berühmte „XXL-Busse“ frühzeitig zusammenbrechen und ausgetauscht werden müssen.

Er vergisst allerdings zu sagen, daß seine heißgeliebte CDU regierte, als die offenbar nicht besonders haltbaren Doppelgelenkbusse angeschafft wurden und somit das Steuergeld der Hamburger aus dem Fenster geworfen wurde.

Ploß ist inkompetent und bemüht sich einzig und allein darum, ein Aufregerthema zu seinen Zwecken zu nutzen.

Ploß, der es mittlerweile zum Bundestagsabgeordneten gebracht hat, werkelt auch in Berlin daran seine Partei noch weiter nach rechts zu rücken, weg von Koalitionen à la Merkel, die auch mit SPD und Grünen arbeiten kann.

Ploß ist einer der Merz-Claqueure.

[….] Bei mir im Wahlkreis sind 80% für Merz [….]

Merz, der seine unsägliche Rolle auch in den zehn Jahren als Vorsitzender der in Hamburg gegründeten Atlantik-Brücke spielte und nun als der größte politische Feigling Deutschlands gilt, weil er immer nur aus sicherer Deckung und großer Entfernung gegen die CDU-Frontfrauen wettert, sich aber im direkten Aufeinandertreffen mit von der Leyen, Merkel oder Kramp-Karrenbauer sofort einnässt und in ein schnurrendes Kätzchen verwandelt.

Ploß umgarnt auch nachdem AKK Parteivorsitzende wurde, den feigen Bierdeckelmann.

Zur gegenwärtig in Hamburg stattfindenden CDU-Außenpolitik- und Strategie-Klausur meldet er sich auch lieber nur aus dem sicheren Bayern.

[…..] Es ist eine gezielte Botschaft aus den bayerischen Bergen in den hanseatischen Norden.
«Wir müssen mit der bestmöglichen Formation in die nächste Bundestagswahl gehen. Das ist nicht nur eine Person an der Spitze, das ist eine Mannschaft, und ich möchte auch in einer Mannschaft dabei sein», spricht Friedrich Merz auf einer Wirtschaftskonferenz am Tegernsee ins Mikrofon. […..]
(dpa, 17.01.2020)

Der junge Ploß mauschelt derweil im Hintergrund beim neuen LKK Berlin, der neuen antigrünen C-Gang. Wieder einmal ein rechter „Berliner Kreis“ der CDU.

[…..] In Berlin hat sich der "Liberal-konservative Kreis" (LKK) gegründet. Als Sprecher fungieren die Bundestagsabgeordneten Axel E. Fischer (CDU), Torsten Herbst (FDP) und Silke Launert (CSU). Ihm gehören neben Ramsauer auch Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz sowie die CDU-Bundestagsabgeordneten Olav Gutting, Klaus-Peter Willsch und Christoph Ploß an. Etwa ein Dutzend weiterer Abgeordneter aus Union und FDP soll bereits Interesse an einer Mitarbeit signalisiert haben.
Am Dienstag hat der Kreis nun - mit Ramsauers Hilfe - zum ersten Mal seine Positionen vorgestellt. "10-Punkte-Plan für Deutschland" steht über dem Papier. Und wer den Plan liest, merkt schnell, dass die Abgeordneten vor allem von der Sorge getragen sind, dass die Politik in Deutschland zu stark von den Grünen getrieben werden könnte. Eine schwarz-grüne Regierung wäre "der maximale politische GAU", sagt Ramsauer. Man wolle "einen ganz klaren Gegenpol" gegen "schwarz-grüne Fantasien" bilden. [….]

Wohin der schwarzbraune Ploß-Kurs der Hamburger CDU, der Fraktion vom ultrarechten Ploß-Freund André Trepoll geleitet wird, führt zeigen die Wahlumfragen: 13-15% nachdem Beust noch vor 15 Jahren die absolute Mehrheit geholt hatte.

Hamburg ist einfach kein gutes Pflaster für die Christenunion.

[…..]  CDU-Vorstandsklausur Hamburg, keine Perle
 […..] Anfang 2019 schien ihr – erst wenige Wochen zuvor auf dem Hamburger Bundesparteitag zur Vorsitzenden gewählt - die Zukunft der CDU zu gehören. Doch von der Aufbruchstimmung und ihrer Strahlkraft ist zwölf Monate später nicht mehr viel übrig. Kramp-Karrenbauer machte Fehler, sie unterschätzte aber vor allem die ungewohnte Konstellation als Parteichefin, die nicht gleichzeitig Kanzlerin ist. Während die Ex-Vorsitzende Angela Merkel als Nur-noch-Regierungschefin wieder zu alter Beliebtheit aufstieg, sanken die Werte Kramp-Karrenbauers. Und die CDU liegt in Umfragen ziemlich genau da, wo sie stand, als Merkel im Herbst 2018 - auch unter dem Druck der Partei - den Rückzug vom Vorsitz bekannt gab. […..] Aber "Hamburg, meine Perle", wie der Sänger Lotto King Karl seine Heimatstadt viele Jahre lang vor den HSV-Fans im Stadion besang, entpuppt sich für Kramp-Karrenbauer an diesem Wochenende eher als das Gegenteil.
Die Hansestadt hat sich die CDU ja vor allem als Ort ihrer Klausur ausgesucht, um die dortige Partei mit Blick auf die Bürgerschaftswahl in einem Monat zu unterstützen. Zum Abschluss verabschiedet der Vorstand sogar einen Wahlaufruf für die Parteifreunde. Aber Spitzenkandidat Marcus Weinberg und seine Hamburger CDU sind abgeschlagen in den Umfragen, das historisch schlechteste Ergebnis von 15,9 Prozent von 2015 könnte noch mal unterboten werden. […..]

Freitag, 17. Januar 2020

Doof, doofer, FDP, Sachsen-FDP!

Lars Seefeldt und Bernd Benthin, die Jungs vom ZDF hatten offenbar einen ganz guten Riecher mit ihrer Dokumentation „Die Müllers und das Hohe Haus. Zwei Jahre im Deutschen Bundestag“.
Das war nicht nur für Politjunkies wie mich interessant, weil nur Landzeitdokumentationen wirklich Einblick in Entwicklungen ermöglichen.
Zu Beginn konnten sie natürlich noch nicht wissen, wie sich die Karrieren der sechs beobachteten Bundestags-Müllers aus allen Parteien entwickeln würden.
Die sechs Müllers aus "Die Müllers und das Hohe Haus" sind Sepp Müller (CDU), Stefan Müller (CSU) Detlef Müller (SPD), Hansjörg Müller (AfD), Beate Müller-Gemmecke (Grüne) und Frank Müller-Rosentritt (FDP) dabei - zudem als Ausnahme Amira Mohamed Ali (Linke).
Wer konnte schon ahnen, daß die Hamburgerin Mohamed Ali nach Fertigstellung der Doku im November 2019 neue Fraktionsvorsitzende der Linken sein würde?
Wer konnte wissen, daß Sepp und Stefan genau entsprechend des Parteienklischees langweilige Hinterbänkler bleiben sollten, daß der SPD-Müller zu der nahezu ausgestorbenen Spezies der echten Arbeiter gehörte, daß die Grüne natürlich eine Doppelnamenfrau wie aus dem Buche ist, daß AfD-Hansjörg nicht nur mit weitem Abstand der Unsympathischste ist, sondern auch wie alle Rechtsextremen, die frisch ins Parlament einziehen, sehr bald mit ostentativer Faulheit auffällt. Die Ausschusssitzungen sind ihm viel zu lang. Statt das aber zu bedauern, schaltet er wie ein kleines bockiges Kind in den „Ich bin beleidigt“-Modus und erklärt dummdreist, er lasse sich das nicht bieten und gehe immer früh nach Hause zu seiner Familie, wenn die Kollegen der anderen Fraktionen sich noch stundenlang die Kopfe zerbrechen.
Mehr Rechtsaußen-Klischee geht wirklich nicht.

Der Lustigste ist aber der Rosentritt-Müller von der FDP.
Pyknischer Glatzkopf, geboren in Sachsen, in Sachsen lebend, Baujahr 1982, dreifacher Familienvater.
Stationen seines jungen Lebens:
Soldat, Trompeter im Heeresmusikkorps, Diplom-Betriebswirt, Geschäftsführender Gesellschafter der Chemnitzer Grundbesitzgesellschaft und der Kamenica Immobilien GmbH.
Mitglied in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Trompeter bei den Heidelbachtal-Musikanten (Blaskapelle aus dem Erzgebirge), Mitglied im Industrieclub Sachsen, Mitglied des Lions Club Chemnitz.
In welcher Partei sollte so einer sonst sein?
Während die Bundesregierung erklärt von Trump erpresst zu werden, der 15.000-fache Lügner impeached wird, weil er in jedem erdenklichen Maße die Demokratie und Verfassung der USA bekämpft und täglich massive neue Belege für seine Schuld auftauchen; während Trump kurz davor ist eine dritten Weltkrieg anzuzetteln und selbst konservative US-Generäle schreiend weglaufen.  

[…..] Präsident Trump soll US-Generäle als "Trottel und Babys" beschimpft haben. […..] Trump soll vor hohen Militärs komplett ausgerastet sein. […..]  Am meisten habe den Präsidenten aber das US-Engagement in Afghanistan umgetrieben. Er verlangte demnach von seinen Mitarbeitern eine Erklärung dafür, warum die USA dort noch nicht gewonnen hätten. "Ihr seid alle Verlierer", rief er demnach. "Ihr wisst nicht mehr, wie man gewinnt." […..]

Während all dies geschieht, wendet sich Müller-Rosentritt an eine ausländische Zeitung, um von dort aus in einem Gastkommentar über die Amerikafeindlichkeit Deutschlands zu lamentieren.

 [….]  Deutschlands blühender Antiamerikanismus ist eine Schande
Nur noch vier von zehn Bundesbürgern haben eine positive Meinung von den USA. Dabei handelt es sich um Deutschlands wichtigsten Partner in der Welt. Wie konnte das passieren? […..][…..]  Dabei geht es um unsere Partnerschaft zu den Vereinigten Staaten: Immer mehr Deutsche stehen ihr ablehnend gegenüber. Eine der Ursachen ist die Politik der grossen Koalition. [Ach was, Rosentritt?! Heiko Maas ist schuld am schlechten USA-Bild. Gut zu wissen; ich Depp dachte, das hätte womöglich etwas mit Donald Trump und seiner GOP zu tun. –T.] Union und SPD müssen sich die Frage gefallen lassen, welche Werte es eigentlich sind, die ihre angeblich «wertegeleitete» Aussenpolitik führen. […..]
[Es ist] kaum nachvollziehbar, warum der Präsident eines liberalen, demokratischen Rechtsstaats für 41 Prozent der befragten Bundesbürger eine grössere Gefahr für den Weltfrieden darstellen soll als Antidemokraten wie Kim Jong Un [Ist Kim etwa auch Leader oft he free world und unser Nato-Partner? Verfügt Nordkorea über ähnliche ökonomische Macht i nder Welt die die USA?- T.] […..]
Haben wir schon vergessen, wie sich ein Leben in Unfreiheit in einem Unrechtsstaat anfühlt? Betrachtet man das Bild, das die Deutschen von den USA haben – und in welchem sie durch wichtige Leitmedien regelmässig bestätigt werden –, dann könnte man diesen Eindruck durchaus gewinnen. Dabei sind und bleiben die USA als eine der ältesten Demokratien der Welt unser wichtigster Wertepartner. [Werte wie Vertragsbruch, 15.000 Lügen, Bildungsfeindlichkeit, Rassismus und Grab Em By The Pussy? –T.]  […..]
Während anderswo eher die politische Linke antiamerikanisch und das rechte Milieu eher amerikafreundlich eingestellt ist, zieht sich die Ablehnung in Deutschland durch alle sozialen und politischen Gruppen. […..]
Die Vereinigten Staaten sind ein Symbol für Freiheit und Wohlstand. […..]
Aussenpolitik ist dann gut, wenn sie aus einem integren und klaren Standpunkt heraus gestaltet wird. Für Deutschland lässt er sich ganz einfach beschreiben: Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, Freihandel, Rechtsstaatlichkeit, [Genau diese fünf Punkte bekämpft die US-Regierung mit aller Macht!]  eine starke transatlantische Partnerschaft sowie eine tiefe Solidarität mit Israel. Wer sich stattdessen an Mullahs und Autokraten anschmiegt [Deutschland und die EU haben sich sehr kritisch über Soleimani geäußert. Wer sich wirklich extrem an Autokraten anschmiegt, ist die US-Regierung.-T.] und im gleichen Atemzug von einer Emanzipation Europas spricht, der hat sich verirrt. […..]

Als Amerikaner, der zu der großen Mehrheit der Amerikaner gehört, die Trump nicht wählten – er bekam 62 Millionen Stimmen von 330 Bürgern – kann ich nur staunen, wie ein FDP-Parlamentariern denjenigen in den Rücken fällt, die Demokratie und Rechtsstaat erhalten wollen.
Wer wie Müller-Rosentritt aus finanziellen Erwägungen dafür plädiert vor Natanjahu und Trump zu kuschen, schadet nicht nur dem außenpolitischen Standing Deutschlands, sondern letztlich auch Israel und den USA, weil dadurch die so toxisch für das eigene Land agierenden Regierungen gestärkt werden.
Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus. Deutschland muss sich endlich davon lösen aus Angst vor finanziellen Nachteilen vor Antidemokraten zu kriechen.
Gerade Trumpmerica muss merken, daß die USA unter IQ45 eben nicht stärker werden und die Handelspartner nach Belieben dominieren kann.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Predigende Musiker

Wenn man den Bandnamen „Coldplay“ erwähnt, bekommen eingefleischte Musikliebhaber, die durch die Alternative-Szene mäandern, in der Regel Ausschlag.
Mehr Mainstream als Chris Martins Jungs geht nicht.
Natürlich sind die Briten liebe, gute Jungs, die sich politisch engagieren und ein gewaltiges Publikum erreichen.
2018 wurden sie nur knapp von U2 als bestverdienende Musiker der Welt geschlagen und spielten knapp 120 Millionen Dollar ein.
Wer wie ich die  Band schon kannte, bevor sie Megastars wurde, ist natürlich etwas pikiert nun zu so einem durchschnittlichen Geschmack zu gehören.
Inzwischen sind sie ein Synonym für kommerziellen Erfolg.
Ich erinnere mich an nette Indie-Bands wie Keane oder Aqualung, die nach einigen sperrigen Alben und wenig Erfolg „hörbarer“ wurden, ein größeres Publikum erreichten und dann von nörgelnden Kritikern im „Rolling Stone“ attestiert bekamen nun allerdings so gefällig wie Coldplay zu klingen.
Es stimmt aber, dem netten Matt Hales von Aqualung stand ich bei Konzerten im winzigen INDRA-Club 2002 und 2003 genau gegenüber als er vor den anwesenden 30 Leuten musizierte. Es war grandios. 2007 erschien dann „Memory Man“ mit reinen Popsongs. Der Coldplay-Effekt.
Es fragt sich, ob kommerziell erfolgreich auch schlecht sein muss.
Zu den Topverdienern der Branche zu gehören, bedeutet definitiv nicht, daß man auch zu den besten Musikern gehört.
Lady Gaga, Katy Perry, Justin Bieber und Taylor Swift, die sich ebenfalls in den Top Ten der Bestverdiener tummeln, sind eher durchschnittliche Musiker mit keinen weltbewegenden Stimmen. So sympathisch ich Madonna finde, aber natürlich ist sie durch ihren genialen Geschäftssinn so erfolgreich. Eine große Sängerin ist sie nicht und seit vielen Jahren gab es kein Album mehr von ihr, das man gern gehört hätte. Man kauft die CD, weil es eben „die neue Madonna-CD ist“, hört sie einmal, denkt sich nur „das ist wieder nichts“ und stopft sie zum Vertauben ist CD-Regal. Bei Depeche Mode ist es genauso.
Die international supermegaerfolgreiche Adele hat allerdings wirklich eine Jahrhundertstimme und ist eine begnadete Songwriterin. Auch wer mit dieser Art der Musik gar nichts anfangen kann, wird nicht bestreiten, daß sie ein echtes Goldkehlchen ist.
Auch Top Verdiener Elton John ist zweifellos extrem talentiert, kann komponieren und Piano spielen wie kaum einer.

Coldplay und U2 verdienen weltweit so gut, weil sie begnadete Stadionspieler sind. Sie haben einen charismatischen Sänger, dessen Stimme Wiedererkennungswert hat, verfügen über so gutes Songwriting und so perfekte Produzenten, daß sie es verstehen 50.000 Menschen mit Hymnen-artigen Songs in einen gemeinsamen Rausch des Mitsingens und Mitgrölens zu versetzen.

Alternde Musik-Redakteure schimpfen natürlich wie die Rohrspatzen. Nichts hassen sie so sehr wie Erfolg.

[…..] Man muss es so hart sagen: Coldplay haben in den vergangenen Jahren eine furchtbare Entwicklung genommen. Der Weg in die Stadion-Liga wurde gepflastert mit einem  hyperaktiven Konzeptalbum („Mylo Xyloto“), einer unsäglichen Trennungschmerzplatte („Ghost Stories“) und zuletzt mit Songs, die ein amerikanischer Kritikerkollege polemisch mit tröpfelndem Elefantensmegma verglich. […..]

Aber grundsätzlich ist Stadiontauglichkeit kein Verbrechen. Das verschafft große Erlebnisse für die Fans.
Jim Kerr von den Simple Minds kann das auch, ebenso wie David Gahan (Depeche Mode).
Begnadete Hymnen-Performer sind aber auch Gerard Way (My Cemical Romance), Jared Leto (Thirty Seconds To Mars) oder Brandon Flowers (Killers).
Man sollte die Fähigkeit Hymnen zu performen nie unterschätzen, wenn es um kommerziellen Erfolg geht. In der Disziplin sind Coldplay maßstabbildend.


Ich halte nichts von der Arroganz der Indie- und Alternative-Liebhaber, die Bands wegen ihres Erfolgs verachten.
Coldplay-Live-Konzerte sind beeindruckende Erlebnisse – auch wenn man damit leider zu einer Masse von vielen Millionen gehört, die das genauso empfinden.
Insofern rate ich auch durchaus dazu das aktuelle Album „Everyday Life“ zu kaufen.
Da gibt es prima Songs.
Voraussetzung, um die neuesten Coldplay-Werke zu genießen, ist allerdings daß man kein Wort Englisch versteht.
In jedem zweiten Satz geht es nämlich um Gebete, Kirchen, Kathedralen und den Herrgott. Wie konnte das denn passieren? Hatte Martin vielleicht Sex mit Xavier Naidoo und sich dabei mit Religion angesteckt?
Das Album ist sehr abwechslungsreich, aber alles ist hochspirituell. Es gibt Gospel, Klosterchöre und viel Halleluja.
Ich mag Weltmusikeinflüsse, auch wenn es nicht ganz so genial wie bei Peter Gabriel klingt.
Viele Instrumente und Straßenmusikattitüde wie Arcade Fire begrüße ich ebenfalls, aber muss es so dermaßen religiös sein?

[……] In „Church“, einem Klagegesang, der sich dann doch noch zu einer hochtrabenden, wenn auch melancholisch gebrochenen Euphorie steigert. Doch dieser so typische Coldplay-Song wird zum Abschluss mit arabischem Gesang aufgemotzt. [….]

Für mich ist das zunächst einmal ein sehr gelungener Popsong mit einer hellen und klaren Martin-Stimme.


Ich kann aber nicht verstehen, wie politisch so engagierte Menschen wie Coldplay, die nun sogar auf dreistellige Millioneneinnahmen verzichten, weil sie aus Sorge um den Klimawandel nicht mehr so viel fliegen wollen, die sich gegen Waffengewalt und für Flüchtlinge einsetzen, so sehr der Kirche an den Hals werfen.
Spiritualität klingt euphemistisch, aber Martin singt in Wahrheit viel profaner von der Kirche. Also der Institution, die all die korrupten rechten Umweltzerstörer und Kriegstreiber – Bolsonaro, Trump, Orban, Assad – unterstützt.
Leider verstehe ich genügend englisch, um die Textzeilen in Songs wie „Church“ nicht zu überhören.

[…..] What can't I get through?
And for everyone everywhere
You're answering every prayer
[…..]
'Cause when I'm hurt
Then I go to your church
'Cause when I'm hurt
Then I go to your church
[…..] أبي يا الله يا قادر، لماذا تركتني؟
ابي يا الله ياقادر
حرية يا الله
محبة يا
محبة يا الله
I worship you in church, baby
Always
I worship you in church
All the seven days
I praise and praise