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Mittwoch, 22. Juli 2026

Die verblödeten Säufer

Glücklich und stolz präsentierten der US-Präsident und sein Kriegsminister schon im März 2026 die Ergebnisse des von ihnen am 28.02.2026 begonnenen Krieges mit dem Iran:

Ein historischer und überwältigender Sieg, das iranische Militär total zerstört, wir haben jedes Kriegsziel erreicht, der Iran wird auf Jahre nicht mehr in der Lage sein, andere Länder anzugreifen.

Dabei lernt man schon als Teenager im Geschichtsunterricht an so vielen Beispielen, wie schnell und siegesgewiss ein Krieg begonnen wird. Das ist einfach. Ein, zwei kleine Lügen präsentiert und schon geht es los.

Beim Thema „Kriegsbeginn“ blickt die USA auf eine Kette von Lügen zurück.

So geht es immer los; als Erstes stirbt die Wahrheit.
Der „Tonking-Zwischenfall“ (US-Lüge, um den Vietnamkriegseintritt zu rechtfertigen), die „Iraker töten Kuwaitische Babies"-Meldung (US-Lüge, um den Irakkriegseintritt 1991 zu rechtfertigen) und die Massenvernichtungswaffen (US-Lüge, um den Irakkriegseintritt 2003 zu rechtfertigen) lassen grüßen. Erst lügen, um Aktionen zu rechtfertigen und wenn Tatsachen geschaffen worden sind, klammheimlich zurück rudern.

Aber die Schwierigkeiten beginnen erst nach der ersten Siegeswelle. Schon Hitler überrollte heute vor genau 85 Jahren die Sowjetunion so schnell, daß dieses unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ geführte gewaltige Kriegsverbrechen, welches 27 Millionen Tote auf der Seite Stalins forderte, schnell mit einer Siegesparade in Moskau enden sollte. Es kam bekanntlich anders.

Inzwischen wissen wir alle, was asymmetrische Kriegsführung ist, wie brutal effektiv Terror, Guerilla-Taktiken, religiöser Fanatismus oder auch nur ein paar entschlossene Technik-Freaks mit Drohnen und IT-Kenntnissen die größten Armeen aufhalten können.

„Auf dem Papier“ schien die Sache klar zu sein, als Hitler am 22.07.1941 mit über drei Millionen  Soldaten, über 4.000 modernen Panzern und fast 5.000 Flugzeugen gegen die marode Rote Armee mit ihren rostigen Geschützen losrollte.

„Auf dem Papier“ musste die unendlich überlegene US-Army gegen Vietnam, gegen Korea, gegen den Irak 1991, gegen Afghanistan 2001, gegen den Irak 2003 überwältigend siegen.

„Auf dem Papier“ musste die Rote Armee 1979 das steinzeitliche Afghanistan schnell niederwalzen.

„Auf dem Papier“ sollte Putin die Ukraine 2022 in wenigen Wochen unterjocht haben.

Man kommt so schnell rein und so langsam wieder raus.

Eigentlich weiß man das. Deswegen haben die US-Administrationen Clinton, Obama und Biden sich auch immer klar Netanjahus Forderungen nach einem Irankrieg widersetzt. Sie alle wußten um die Gefahr, die von Teheran ausging. Sie alle hätten liebend gern das Mullah-Regime beseitigt, um den Nahen Osten zu stabilisieren und die Unterdrückung des iranischen Volks zu beenden.

Aber jeder, der nicht total bekloppt ist, kennt ein paar Grunddaten zum Iran:
Fast fünfmal so groß wie Deutschland, 90 Millionen Einwohner, militärisch alptraumhafte Topographie, Millionen bis an die Zähne bewaffnete Revolutionsgardisten und eine geostrategische Lage, die prädestiniert dazu ist, Chaos zu stiften und den US-Verbündeten zu schaden.

Es mussten schon ein extrem dummer US-Präsident und ein völlig debiler Kriegsminister kommen, um dennoch den Iran anzugreifen und sich ernsthaft einzubilden, man könne „die Sache“ allein mit Luftschlägen erledigen, ohne die eigenen Soldaten mit „boots on the ground“ zu gefährden.

Aber das noch debilere US-Volk setzte erneut Trump ins Weiße Haus und damit mittelbar auch Kriegsminister Hegseth und Sicherheitsberater/Außenminister Rubio.

Die drei bringen gemeinsam eine sagenhafte Dummheit auf die Waage. Die kritische Morologie-Masse wird locker übertroffen und so kam es am 28.02.2026 zur Explosion der Idiotie. Und zu den schnellen Siegesmeldungen. Iran sei so verzweifelt, daß der Krieg nun fast vorbei wäre; der Iran bettele um einen Deal. Jetzt aber wirklich! Verkündete Trump inzwischen 40 mal.


Wenn bloß nicht die lästige Realität wäre!

Die Straße von Hormus ist praktisch zu. Die Huthies, Irans Proxies im Süden Arabiens, versuchen die Meerenge ‌Bab al-Mandab, der Zugang zum Roten Meer zu schließen, indem sie Handelsschiffe unter Feuer nehmen.

Es sind absehbar eingesetzte Daumenschrauben. Damit musste man rechnen. Außer, man ist wirklich sehr dumm und borniert.

Das Desaster ist nun da. Der Iran-Krieg läuft weiter. Der Irankrieg nimmt die Weltwirtschaft in Geiselhaft. Der Irankrieg wird insbesondere für Trump zu teuer – politisch, finanziell und ökonomisch.

Der Krieg, der doch im März schon vollständig gewonnen war.


[….] Jetzt stecken die USA im nächsten Endloskrieg [….] Am Dienstag dieser Woche machte Donald Trump unmissverständlich klar, wohin für ihn die Reise geht. Man sei mit dem Iran "noch lange nicht fertig", sagte der US-Präsident vor Reportern im Weißen Haus. Er kündigte an, man werde die Gegend um den unterirdischen Nuklearkomplex am Pickaxe Mountain "sehr, sehr schwerwiegend" angreifen. [….] Wenige Stunden später flogen amerikanische Kampfflugzeuge erneut Angriffe auf Ziele rund um Teheran. Es war die elfte Bombennacht in Folge. Am Mittwoch legte Trump dann nach und drohte explizit damit, künftig jedes Mal eine Brücke oder ein Kraftwerk im Iran "bombardieren und zerstören", wenn die Islamische Republik ein Schiff in der Straße von Hormus beschießen würde.

Dass der US-Präsident nun sogar ein Verüben von Kriegsverbrechen ankündigt, ist nur das jüngste und deutlichste Zeichen dafür, dass vom Waffenstillstand kaum noch etwas übrig ist. Nicht einmal mehr Rhetorik. [….] Wie jeder Krieg sprengt auch dieser die regulären Haushaltspläne. Im Pentagon wächst laut US-Medienberichten die Sorge, dass die für die Operation notwendigen Etats bereits in wenigen Wochen erschöpft sein könnten. Das Weiße Haus fordert deshalb zusätzliche 67 Milliarden Dollar vom Kongress. [….]

 

[….] Zwar stand die Republikanische Partei nach den ersten Angriffen noch weitgehend geschlossen hinter dem Präsidenten. Diese Einigkeit begann aber bereits nach einigen Wochen zu bröckeln, als klar wurde, wie sehr die Folgen auch die amerikanischen Wählerinnen und Wähler treffen.

Bei einer öffentlichen Anhörung in dieser Woche im Senat fuhr der republikanische Senator John Kennedy Verteidigungsminister Pete Hegseth (ebenfalls Republikaner) ungewöhnlich scharf an und verlangte mehrfach endlich "klare Antworten" zur Strategie der Regierung. [….] Je länger der Konflikt dauert, desto schwieriger dürfte es für republikanische Abgeordnete werden, einen immer teureren Krieg ohne klares Enddatum ihren Wählern gegenüber zu rechtfertigen. Am 3. November finden die Zwischenwahlen statt.  [….]

Trump war mit dem Versprechen angetreten, die Energiekosten deutlich zu senken. Innerhalb von 18 Monaten wollte er etwa die Strompreise halbieren. Diese Frist ist nun abgelaufen. Das Ergebnis: Die Preise sind um 18 Prozent gestiegen. Maßgeblicher Grund dafür sind die Auswirkungen des Iran-Krieges [….]

Nach Einschätzung des israelischen Geheimdienstes hat Teheran Tausende Uran-Zentrifugen tief in die unterirdische Anlage am Pickaxe Mountain verlegt.  Die amerikanischen Geheimdienste haben diese Einschätzung geprüft, weshalb Trump wohl die Bombardierung dieses Gebiets auch angeordnet hat. Experten weisen allerdings darauf hin, dass die Anlage Hunderte Meter tief im Fels liegt und selbst für die stärksten bunkerbrechenden Bomben eine enorme Herausforderung darstellt.

Darum steht Trump bei seinem propagierten zentralen Anliegen in einem strategischen Dilemma. Luftangriffe allein könnten möglicherweise nicht ausreichen, um die verbliebene Nuklearinfrastruktur des Iran dauerhaft auszuschalten. Sollte das Material tatsächlich tief verborgen oder bereits an weitere Orte verteilt worden sein, könnten Bodentruppen notwendig werden, um die Kontrolle zu erlangen.  Für eine solche Aktion aber gibt es wiederum keinen gesellschaftlichen und politischen Rückhalt. Mit Bodentruppen würde Donald Trump ein weiteres entscheidendes MAGA-Wahlversprechen brechen: keine verlustreichen, endlosen Kriege. [….]

(Bastian Brauns, 22.07.2026)

Niemand weiß, wie die USA aus dieser von Trump angezettelten Katastrophe wieder rauskommen könnte. Noch nicht einmal der USA wohlgesonnen denkende Analysten wissen weiter, weil niemand die Kriegsziele Trumps kennt. Insbesondere Trump selbst nicht, der sich dauernd selbst wiederspricht, Chaos anrichtet und täglich neuen Unsinn postet. Seine relevanten Kabinettsmitglieder sind nicht besser.


Der rechtsradikale Alkoholiker und Gotteskrieger setzt nun also auf Genderaffirmation: Seine jungen Muskelsoldaten sollen mit Testosteron-Spritzen männlicher werden.

Montag, 13. Juli 2026

Das menschliche Leben

Wenn ein Mensch geboren wird, stehen dem Individuum viele Wege offen.

Vieles kann er/sie/es beeinflussen und im Sinne einer Meritokratie, das eigene Schicksal bestimmen.

Noch mehr wird aber durch Faktoren beeinflusst, die das menschliche Wesen eben nicht beeinflussen kann. Genetik, Erziehung, soziale Einflüsse, Ort, Zeit, Bildung und finanzielle Verhältnisse der Eltern.

Ein in der Sahel-Zone geborenes Kind mit hungernden, ungebildeten Hirten als Eltern, kann noch so anständig, liebenswert, fleißig, altruistisch und hochintelligent sein; die Überlebenschancen sind schlecht; die Wahrscheinlichkeit ein glückliches Leben zu führen, noch mieser.

Ein in Nordeuropa geborenes Kind mit weißer Hautfarbe und vermögenden Eltern, kann noch so verblödet, missgünstig, faul und egoistisch sein; vermutlich wird es ein gutes Leben führen.

Darüber hinaus spielen auch Zufälle eine enorme Rolle. Prägende Begegnungen, Unfälle, Glück. 

Es gibt im Grunde nur eine echte Sicherheit bei der Geburt eines Menschen: Den Tod. Wir sterben alle. Ausnahmslos jeder.

Du, Deine Freunde, Deine Eltern, Deine Kinder, alle Gesichter, die Du im Fernsehen siehst, oder auf der Straße triffst.

Unsere Gehirne sind allerdings so wenig entwickelt, daß sich die meisten Menschen mit dieser fundamentalen Tatsache kaum beschäftigen und entsprechend schockiert sind, wenn der unausweichliche Tod in ihrer Nähe einschlägt. Dann ist das Entsetzen groß, weil man nicht damit gerechnet hatte.

Man schreibt in ungelenken Lettern „WARUM?“ auf Pappplakate und pilgert zum Ort des Geschehens. Dabei müsste die Frage lauten „Warum nicht?“

Kranke oder ihre Angehörigen reagieren verzweifelt auf terminale Diagnosen „Warum ich?“, „Warum meine Sohn?“

Hier setzt offenbar der Verstand aus; anderenfalls könnte man kein Sterben nach dem St.-Florians-Prinzip erwarten, bei dem der Sensenmann immer nur bei den Nachbarn klingelt.

Je besser und rationaler man die eigene und allgemeine Endlichkeit erkennt, desto bewußter ist man sich des eigenen Lebens.

Deswegen darf auch nur eine Person über die eigene Existenz entscheiden: Man selbst. Niemand darf einen zwingen gegen seinen Willen weiterzuleben, niemand darf einen anderen zum Tode verurteilen.

Der Geschäftsführer der Hamburger Stiftung Altenhof, formuliert es sehr vor sichtig:

[…] Es gibt sehr belastende Krankheitsbilder, bei denen Menschen sagen: So möchte ich nicht leben. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es hier bei uns kaum Diskussionen über Fragen der Sterbehilfe. Gerade diese sind ethisch außerordentlich schwierig und sensibel, aber wir werden nicht umher kommen, sie zu diskutieren. Ansonsten lassen wir Menschen, die sich in einer solchen schwierigen Situation befinden, allein. […]  durch unsere medizinischen Errungenschaften ist der Bereich der Schwerstpflege zum großen Teil erst entstanden. Da gibt es ja das schöne Zitat des französischen Arztes Alexis Carrel: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben“, das von Frau Süssmuth und vor allem von Frau Lehr in die Altenpflege übertragen wurde, wo es seither immer wieder genutzt wird. Aber was konkret soll der Satz für die Praxis bedeuten?

Wir müssen über die Fragen diskutieren, die dieser Satz stellt: Wo ziehen wir da eine Grenze? Wann ist es genug? Wann wird Lebensqualität wichtiger, als jede technisch mögliche Maßnahme? Viele inhaltliche Fragen, die ethisch höchst sensibel und individuell sind. Aber sie nicht zu diskutieren, hilft eben auch nicht.  […]

(Hans-Jürgen Wilhelm, 10.07.2026)

Das gilt umgekehrt natürlich auch für die Todesstrafe, die unter allen Umständen amoralisch ist. Kein lebender Mensch hat das Recht, das Leben eines anderen zu beenden. Die einzigen Ausnahmen sind Notwehr und Tyrannenmord.

Natürlich waren Georg Elser, Graf Stauffenberg und ein paar Dutzend weitere anständige Menschen, absolut im Recht, als sie versuchten Hitler zu töten, weil der Tyrannenmord einer Massennotwehr entsprach. Es ging darum, einen Millionenfachen Mörder aufzuhalten.

Nach dem Stauffenberg-Attentat im Juli 1944, starben in den folgenden neun Kriegsmonaten mehr Menschen, als in den fünf Weltkriegsjahren zuvor.

Hypothetische Geschichte ist selbstverständlich keine exakte Wissenschaft. Wir wissen nicht, ob die Helden von 1944 es mit Hitlers Tod geschafft hätten, die Naziherrschaft zu stürzen, das Militär die Seiten wechseln zu lassen und einen Waffenstillstand auszuhandeln. Womöglich wären sie gescheitert und die NSDAP hätte „den Führer“ ersetzt. Aber das gesamte System war extrem auf die eine Person zugeschnitten, die niemand in Frage stellte, egal wie groß der Wahnsinn war, den sie anzettelte. Soziologen haben gut erforscht, wie Hitler und sein Regime ihre massenhypnotische Wirkung entfalteten, welche Rolle Medien und soziale Wohltaten (auf Kosten der Ermordeten und Vertriebenen) spielten.

Immer noch nicht ganz verständlich, ist aber seine Wirkung im kleinen Kreis. Wie konnte er mächtige und wesentlich intelligentere Menschen in seinen Bann ziehen? Wieso hörten sie ihm geduldig zu, wenn er, wie wir inzwischen wissen, auf seinem Berghof mit endlosen Monologen langweilte? Wie konnte Hitler starken Charakteren nahezu mühelos seinen Willen aufzwingen. Und wieso gelang das bei einigen wenigen eben nicht, die ihn wie die ganz junge Marion Dönhoff einmal bei einer privaten Veranstaltung trafen, ihn sofort durchschauten und daraus die einzig richtige Konsequenz zogen, Hitler und die Nazis bekämpfen zu müssen.

Es spricht meiner Ansicht nach vieles dafür, daß ein „Führer“ Goering oder Dönitz oder Goebbels im Juli 1944, nie die Autorität entwickelt hätten, das zerbombte Deutschland, die leidende Bevölkerung, das persönlich auf Hitler eingeschworene Militär, den Massenmord an den Juden und den sicher verlorenen Krieg weitere neun Monate in den Wahnsinn zu führen.

Man hätte das gesamte NS-Regime womöglich zu Fall gebracht, indem der Schlange der Kopf abgeschlagen wäre.

Das gilt aber keineswegs für alle mörderischen und verbrecherischen Regime, wie Israels Mord an Ali Chamenei bewies. Das seit 1989 politische und religiöse Oberhaupt der 90 Millionen Iraner erschien bis zu seinem Tod am 28.02.2026, als nahezu allmächtig. Wie sich herausstellte, wankte das Mullah-Regime mit dem tödlichen Anschlag auf ihn, den Verteidigungsminister Asis Nassirsadeh, den Anführer der islamischen Revolutionsgarde Mohammad Pakpour, den Verteidigungsrats-Vorsitzenden Ali Schamchani sowie Generalstabschef der Streitkräfte Abdolrahim Mousavi, aber nicht!

Die Bibi-Tacoschen Angriffe töteten ebenfalls Sayida Buschra Chamenei (Tochter Chameneis) und ihren Ehemann, Zahra Mohammadi Golpayegani (Enkelkind Chameneis und Tochter von Sayida Buschra Chamenei), Misbah-ul-Huda Baqiri Kani (Schwiegersohn Chameneis), Zahra Haddad-Adil (Schwiegertochter Chameneis), seinen Sicherheitschef Salih Asadi.

Chameneis Ehefrau Mansura Chudschasta Baqirzade und sein Sohn Modschtaba wurden schwer verletzt, aber überlebten.

Die vielen Toten hatten erstaunlich wenig destabilisierenden Effekt auf die Führung.

Nun regiert eben Modschtaba an Alis Stelle, von dem man genauso wenig weiß, ob er wirklich noch lebt, bei Bewußtsein und entscheidungsfähig ist, wie Mitch McConnell.

Das iranische System ist, anders als Hitler-Deutschland offenbar gar nicht (mehr) so abhängig von der Person des „Führers“. Revolutionsgarden und andere Gruppen haben das Land auch ohne sie fest im Griff.

In China und Nordkorea wäre es ähnlich. Der plötzliche Tod Xis oder Kims würde keineswegs das politische System kollabieren lassen. Schnell würde ein Nachfolger in denselben Bahnen agieren.

Etwas undurchschaubarer ist die Lage in Russland. Das schwer gebeutelte Riesenreich ist extrem auf Putin persönlich zugeschnitten. Er zieht alle Fäden.

Wer ihm nachfolgen könnte, ist völlig unklar. Noch unklarer ist, ob derjenige ebenso Justiz, Militär, Medien und Wirtschaft dirigieren könnte, oder ob es Widerstand gäbe.

In den USA hängt die Macht und Bösartigkeit des GOP-Regimes durchaus an bestimmten Personen.

[…] Man sollte meinen, dass die Frage, ob ein amtierender US-Senator noch lebt, leicht zu beantworten ist. Doch die Realität sieht in den USA des Jahres 2026 ganz anders aus. Seit dem 14. Juni, als der 84-jährige Senator Mitch McConnell aus Kentucky ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hat niemand aus dem Umfeld des einst mächtigsten Republikaners im Senat eine klare Antwort auf diese Frage geliefert. […] Nach übereinstimmenden Berichten wurden Rettungskräfte zu McConnells Wohnhaus in Washington gerufen, nachdem eine bewusstlose Person gemeldet worden war –Wiederbelebungsmaßnahmen liefen bereits. […] McConnells Büro hat die Berichte weder bestätigt noch dementiert. Und genau dieses Schweigen befeuert die Gerüchteküche. […] Es ist eine bemerkenswerte Konstellation: Nicht der politische Gegner, sondern Trumps eigene Anhängerschaft verlangt am lautesten Aufklärung. Die rechtsextreme Aktivistin Laura Loomer behauptet unter Berufung auf eine anonyme Quelle aus dem Umfeld des Weißen Hauses, McConnell befinde sich in einem „vegetativen Zustand“, sei „offiziell hirntot“ und „komme nicht zurück“.  […]

(FR, 12.07.2026)

Die aberwitzige McConnell-Posse läßt sich erklären. Sein Heimatstaat Kentucky wird von dem Demokraten Andy Beshear regiert. Üblicherweise bestimmen Gouverneure beim vorzeitigen Ausscheiden eines US-Senators seinen Nachfolger. In Kentucky gibt es ein ganz frisches Gesetz, welches genau das verhindern soll und Nachwahlen vorsieht. Darüber wird aber noch gestritten. McConnells Sitz bliebe als erst einmal vakant, womit ein Problem für die knappe GOP-Mehrheit entsteht.

Der überraschende Tod Lindsey Grahams scheint auf dem Papier nicht so sehr das Machtgefüge der USA zu tangieren. Der 71-Jährige US-Senator war einer der perfidesten, gefährlichsten und ekelhaftesten Menschen überhaupt. Er besetzte sehr mächtige Positionen im US-Senat, wird aber geräuschlos ersetzt werden.

In South Carolina bestimmt der ultrarechte Gouverneur Henry McMaster den Nachfolger. Also rückt einfach ein anderer Trumpanzee für den „Junggesellen“ nach, in den US-Senat.

Grahams eigentliche Macht lag aber in seinem enormen persönlichen Einfluss auf Netanjahu und Trump, die er beide dirigieren konnte. Er war der Haupttreiber für den desaströsen Irankrieg.

Das US-amerikanische Schreckensregime ist anders als China oder Nord-Korea oder der Iran, gerade eben nicht in sich stabil. Es hängt alles an der Person Trump, der die dominierende Partei in eine auf ihn zugeschnittene fanatische Sekte umformte.


Stürbe Trump, gäbe es einen Nachfolger JD Vance.

Aber ob er die Autorität hätte, Justiz, Medien und Kongress nach Belieben zu dirigieren, wage ich zu bezweifeln.

 

Sonntag, 7. Juni 2026

Führungsmacht A.D.

Inzwischen besteht daran nun wirklich kein Zweifel mehr:
Donald Trump ist nicht nur ein manischer Narzisst mit dreisekündiger Aufmerksamkeitspanne, raffgierig, moralisch verdorben, rassistisch, sexuell übergriffig und dumm wie Bohnenstroh, sondern ist ganz offenkundig auch senil.


Insofern ist es albern, sich darüber zu beklagen, wie häufig er abwesend ist, Golf spielt, oder während wichtiger Meetings sofort einschläft, wenn er nicht selbst plappert. „Wenn was passiert in der Welt“, wäre es ohnehin garantiert nicht hilfreich, wenn Trump wach und physisch anwesend ist, um ad hoc Entscheidungen zu treffen. Ein schlafender Potus #45/47 ist besser, als ein Wacher.

Die Washingtoner Regierung, das Weiße Haus, das Parlament, weite Teile der US-Medien und der US-Justiz sind eine einzige Shitshow, deren größter Schaden gar nicht mehr Trump selbst ist, sondern die Regierungspartei mit absoluten Mehrheiten in beiden Kammern des Kapitols, der Gouverneursversammlung und dem Obersten Gericht, die eifrig daran mitarbeitet, das Land in Grund und Boden zu zerstören und gar nicht daran denkt, Trump zu stoppen. Niemand wagt es, zu widersprechen.

Auch wenn es noch so irre ist, was der kriminelle Orange treibt; seine Minister und seine Partei jubeln. Die Großen der GOP kennen keinerlei Schamgefühl und bestreiten die Realität.


Die politischen Gräben in den USA sind zu tief. Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, daß sich Vertrauen zwischen den Parteien in den nächsten Jahrzehnten zurück entwickeln kann, nachdem eine der Beiden sich zu einer fanatischen Sekte entwickelt hat.

Daher sind auch die wesentlichen US-amerikanischen Institutionen nachhaltig beschädigt.

Die abscheuliche pseudoschwule Liberace-Einrichtung des Weißen Hauses könnte man wieder entfernen. Man könnte den von Trump zerstörten Jacky-Kennedy-Rosengarten wiedererrichten. Aber die GOP-Trumpsche Zerstörungswut in Washington geriet mittlerweile völlig außer Kontrolle.

Das halbe Weiße Haus, der gesamte Ostflügel, wurde komplett abgerissen und wird derzeit mit einem eine Milliarde teuren goldenen Tunten-Palast ersetzt. Der „Reflecting Pool“ ist ruiniert. Als nächstes wird eine monströse Trump-Bogen-Abscheulichkeit errichtet. Der Regierungssitz wird in eine Idiocracy-Farce transformiert.

Der selbst verursachte völlige Niedergang der USA lässt sich schon deswegen schwer revidieren, weil die Republikaner systematisch Universitäten und Schulen zerschlagen, Intellektuelle außer Landes treiben, alle Verbindungen zu internationalen Forschern kappen. So wird die ohnehin weit fortgeschrittene Verdummung des US-Volkes beschleunigt.

Hilfe von außen kann die USA nicht mehr erwarten, falls sie jemals aus dem Trump-Alptraum aufwachen sollte, da sie systematisch alle internationalen Verbündeten und die NATO verprellte. Sogar die größten Speichellecker, wie Fritze Merz, werden vergrault.

Trumpmerica wendet sich ausschließlich den antidemokratischen Diktaturen zu:
Russland, China, Nordkorea.


Aber selbst die absolutistischen, homophoben, misogynen Golf-Monarchien; über Jahrzehnte die verlässlichsten Partner der USA; kappen die Verbindungen.

[…..] Trumps Politikstil lebt von widersprüchlichen Erklärungen, er legt sich nicht fest und verwirrt damit nicht nur die Länder des Mittleren Ostens, sondern auch die eigene Regierung und sein Militär. Damit trägt er Mitverantwortung für das Scheitern der Kriegsziele. Am Ende könnten die aktuellen Verhandlungen deshalb zugunsten Irans ausgehen. […..] […..] Die Enttäuschung sitzt tief. Der Krieg legt auch die Ambivalenz der Partnerschaft zwischen den USA und den Golfstaaten offen. Amerika bleibt die unverzichtbare Kraft in der Region, weil weder China noch die EU sicherheitspolitisch ernsthaft einspringen können. Doch das Verhältnis ist auch ein Paradox: strategisch alternativlos, politisch hochumstritten. […..]  Da geht es uns wie Teilen der Nato. Das Königreich [Saudi Arabien] setzt auf Eigenständigkeit. Über 96 Prozent der iranischen Raketen und Drohnen hat die saudi-arabische Luftverteidigung inzwischen abgefangen. Die militärische Kooperation mit Washington konzentriert sich zunehmend auf Ausbildung und Defensive, und im Land sind keine US-Kampftruppen mehr stationiert. […..]  Die Golfstaaten erleben Iran gerade wegen ihrer Nähe zu den USA als Bedrohung. Wir fragen uns deshalb, ob dieses Bündnis mehr Last als Rückversicherung ist. […..] Wir diskutieren aktuell eine neue regionale Sicherheitsarchitektur – ohne Israel. Es geht darum, die amerikanische Abhängigkeit zu verringern. Wir sprechen von einem Drei-Säulen-Modell: erst der Selbstschutz, dann traditionelle westliche Allianzen wie die mit den USA, dazu neue Partnerschaften in Asien und der islamischen Welt. […..] In der Region wächst die Auffassung, dass die Anerkennung Israels und der Beitritt zu den Abraham-Verträgen entscheidend dafür waren, dass die VAE einen Großteil der Angriffe abbekamen. Diese Abkommen werden in der Region deshalb als politisches und sicherheitspolitisches Risiko betrachtet. Das Drängen der USA auf eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel sehe ich deshalb als größte Herausforderung für die saudi-arabisch-amerikanischen Beziehungen während Trumps Amtszeit. […..] […..]

(Politikwissenschaftler Saleh Alkhathlan, SPON, 07.06.2026)

Von dem immensen Schaden, den Trumps Administration außenpolitisch anrichtet, werden sich die Vereinigten Staaten nicht mehr erholen.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Wie werden wir weniger?

Nie war es offensichtlicher als heute: Homo Demens zerstört seine eigenen Lebensgrundlagen, wandelt das Klima in eine für ihn selbst toxische Umwelt um.

Wir sind nicht nur viel zu viele, sondern auch viel zu dumm.

Denn eine umweltschonendes Wirtschaften ist möglich, man kann Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen, ohne klimazerstörende Gase zu erzeugen. 

Aber wenn die größte und die drittgrößte Industrienation der Welt, sich in freien Wahlen radikale Fossillobbyisten als Regierungschefs aussuchen, die buchstäblich gegen Windmühlen kämpfen, mit all ihrer Macht für das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle kämpfen, obwohl die besseren, gesünderen Techniken sogar billiger sind, muss man Massensterben in unserer gegenwärtigen Fauna und Flora nicht nur befürchten, sondern akzeptieren. Es geschieht bereits. Das Massensterben stört uns aber nicht. Die ökonomischen Folgen der Erhitzung schon.

Das Verschwinden des Homo Sapiens von dieser Erde, wäre kein Verlust, sondern ein Segen. Aus kosmischer Perspektive, bliebe dem Planeten noch genügend Zeit, um wie in den Milliarden Jahren zuvor, andere Lebensformen auszuprobieren.

Willkommen Klimatod, Pandemie, Atomkrieg.

Aus humaner Perspektive, mit einer Lebenserwartung von maximal hundert Jahren, erscheint die eigene Vernichtung hingegen nicht sehr rosig, nur weil in 100 oder 800 Millionen Jahren vielleicht mal wieder irgendwas auf zwei Beinen auf dieser blauen Kugel umherkraucht.

Aus humaner Perspektive ist es wünschenswert, diese Zivilisation zu erhalten.

Zumal anders, als bei einem globalen Exitus durch Pandemie, durch 5% Erderhitzung oder radioaktives Fallout auch Tiere und Pflanzen massenhaft stürben.

(….) Siebeneinhalb Milliarden Individuen sind einfach zu viel, wenn man so einen gewaltigen Ressourcen-Verschleiß aufzuweisen hat.   Wir roden die letzten Wälder, treiben den Meeresspiegel hoch, lassen die Gletscher schmelzen, verseuchen die Böden, trocknen Seen aus, verdrängen so effektiv andere Tierarten, daß täglich mehrere aussterben.  Wir erodieren, planieren und asphaltieren Gebirge, buddeln Kohle aus, pumpen Gas und Öl aus der Tiefe, generieren Ozonloch und CO2-Hüllen.

Homo Sapiens lebt auf Kosten der anderen Spezies.

Homo Sapiens vermehrt sich inzwischen nahezu ungehindert.

Pro Jahr werden es 83.686.000 Menschen mehr, das sind 229.277 Menschen pro Tag; 159 Menschen pro Minute und 2,7 Menschen pro Sekunde.  Ein paar von denen kann man aushalten, aber ein Zehntel würde locker ausreichen. 750 - 800 Millionen betrug die Gesamtweltbevölkerung Ende des 18. Jahrhunderts. Die Eine Milliarde-Menschen-Marke wurde 1804 geknackt. Reicht das nicht?

Schon damals konnten wir Ebenbilder Gottes bekanntlich Kriege, Genozide und Ausbeutung ganzer Kontinente vollbringen, weil es genug Soldatennachschub gab, weil die Frauen im Durchschnitt so viele Söhne hatten, daß sie es hinnahmen, daß ab und zu einer davon „auf dem Feld der Ehre“ zerhackt oder zerfetzt wurde.

Der enorme Bevölkerungsdruck, die Verzehnfachung der Menschen in 200 Jahren führte aber zu noch viel mehr Konflikten, Kampf um Ressourcen, Massenmigrationen, Fluchtwellen.

In den Teilen der Welt, die ein sehr geringes Bevölkerungswachstum ausweisen, oder gar wie Deutschland, Japan, Südkorea und die baltischen Länder (Fertilitätsrate bis 1,3) schrumpfen, ist die Kriegsmüdigkeit hingegen recht ausgeprägt.

Verständlich, denn wenn man/frau bloß ein Kind hat, geht es ihm einerseits ökonomisch besser, so daß es weniger wahrscheinlich auf die Idee kommt Soldat zu werden und andererseits sind die Eltern auch protektiver, lassen ihre Kindern weniger gern in den Krieg ziehen.

Länder mit den höchsten Fertilitätsraten – Gaza 4,9 Jemen 5,0 Ruanda 5,3 Kongo 5,8 Uganda 6,1 Somalia 6,3 Ost-Timor 6,3 Afghanistan 6,4 – sind offenbar auch besonders unfriedlich, weil die enorme Kinderzahl die Ressourcen erschöpft, Konkurrenz entsteht und Eltern auch eher mal den Tod eines ihrer Blagen verkraften.

Wir brauchen also weniger Menschen und daher weniger Nachwuchs.

Es ist wohl auch kein Zufall, daß die Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte auch die mit den geringsten Geburtenraten sind. (…..)

(Menschenmassen, 14.10.16)

Das schrieb ich vor zehn Jahren, inzwischen sind wir schon 8,3 Milliarden Individuen.

Das rasante Weltbevölkerungswachstum darf nicht so weitergehen.

[….]  Zu Beginn der Landwirtschaft, etwa 8000 v. Chr., betrug die Weltbevölkerung ungefähr 5 Millionen. Über den 8.000-jährigen Zeitraum bis 1 n. Chr. wuchs sie auf 200 Millionen (einige schätzen 300 Millionen oder sogar 600, was darauf hindeutet, wie ungenau Bevölkerungsschätzungen früher historischer Perioden sein können), mit einer Wachstumsrate von unter 0,05 % pro Jahr.

Mit der industriellen Revolution kam es zu einer gewaltigen Veränderung: Während es die gesamte Menschheitsgeschichte bis etwa 1800 gedauert hatte, bis die Weltbevölkerung eine Milliarde erreichte, wurde die zweite Milliarde in nur 130 Jahren (1930) erreicht, die dritte Milliarde in 30 Jahren (1960), die vierte Milliarde in 15 Jahren (1974) und die fünfte Milliarde in nur 13 Jahren (1987).

·        Allein im 20. Jahrhundert ist die Weltbevölkerung von 1,65 Milliarden auf 6 Milliarden Menschen angewachsen.

·        Im Jahr 1970 gab es auf der Welt etwa halb so viele Menschen wie heute.

·        Aufgrund sinkender Wachstumsraten wird eine erneute Verdopplung nun über 200 Jahre dauern.  [….]

(Worldometer 2026)

Der einzig wirklich humane Weg, die für Fauna und Flora so toxische Bevölkerungsexplosion zu hemmen, wäre ein freiwilliger, auf Vernunft basierender Antinatalismus. Das wird sich aber niemals durchsetzen, weil wir als Spezies dazu viel zu dumm, zu egoistisch und zu religiös sind.

(….) Acht Milliarden Menschen sind viel zu viel für diesen Planeten. Diese Massen produzieren so viel Schmutz und Wärme, daß im Rekordtempo Fauna und Flora ausgerottet werden. Im Anthropozän sterben aber nicht nur die anderen Spezies, sondern der dominante Parasit Homo Demens selbst, wird im Kampf um die knappen Ressourcen zum Opfer. Im Gegensatz zu anderen Tieren, die so viel fressen und so viel töten, wie sie müssen, agiert Homo Demens vollkommen ungehemmt. Er killt zum Vergnügen, rafft viel mehr an sich, als er braucht, verteilt die Ressourcen grotesk ungerecht und vernichtet auf dem Altar des Kapitalismus gewaltige Lebensmittelmengen. Diese Spezies insgesamt ist für mich die unsympathischte Tierart überhaupt.

Dieses Pauschalurteil gilt aber nicht für das Individuum, welches (zumindest aus humaner Perspektive) sehr interessant und erstaunlich sein kann.

Daher gehe ich gar nicht so weit, alle Menschen ausrotten zu wollen. Nein, ich bin für die Menschen und würde mir ihr langfristiges Überleben auf der Erde wünschen.

Damit die unangenehmen Erscheinung der Menschenmasse nicht auftreten, sollte ihre Gesamtzahl aber auf ein Prozent der heutigen Zahl begrenzt sein. Statt acht Milliarden Einzelexemplaren, also 80 Millionen. Oder sagen wir, aufgerundet: 100 Millionen Menschen auf diesem Planeten.

Es gab Zeiten der Erdgeschichte, als Homo Sapiens auf wenige Tausend Exemplare geschrumpft war. Das nenne ich dünn besiedelt. Aber bei 100 Millionen, die noch dazu durch das Internet alle miteinander vernetzt wären, sollte es genügend Auswahl geben, um Gleichgesinnte zu treffen und überall zu siedeln. Wir würden aber nicht mehr die Meere leerfischen und die Atmosphäre mit Stickoxiden und CO2 verpesten. Wir könnten sogar Autos mit Verbrennungsmotor fahren, Flugzeuge mit Kerosin betreiben, im Wohnzimmer einen hübschen gekachelten Steinkohleofen verwenden. Bei 99% weniger Individuen wäre der ökologische Fußabdruck keine Größe mehr, mit der die Umwelt nicht fertig würde. Keine überfüllten Strände, verstopften Straßen, saubere Flüsse, überall gedeihende Fauna und gesunde Luft.

Paradiesisch. Aber wie reduziert man von acht Milliarden, also 8.000 Millionen Menschen auf 100 Millionen Menschen, ohne Seuchen, Kriege oder Naturkatastrophen? (….)

(Weniger Menschen bitte, 13.10.2022)

Immerhin gibt es Erfahrungen mit der enormen Regenerationskraft der Natur, wenn man den Faktor Mensch reduziert.

Das bewiesen Dschingis Khan und seine Nachfolger im frühen 13. Jahrhundert.

[….]  1206 ernannten ihn die Fürsten der Steppenvölker zum »Dschingis Khan«, danach zog er mit der wohl größten Kavallerie aller Zeiten weiter und terrorisierte das benachbarte Riesenreich China und die Regionen des heutigen Usbekistans und Turkmenistans. [….] Dass die mongolischen Horden im Laufe des 13. Jahrhunderts ganze Menschenmassen umbrachten, wirkte sich auch auf das Weltklima aus, wie eine Studie zeigt, an der das Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg beteiligt war. Es fehlten zunehmend Menschen in Asien und Europa, die die Felder und Äcker hätten bestellen können, und auf riesigen Landflächen wuchs wieder Wald. Hunderte Millionen Tonnen Kohlendioxid wurden auf diese Weise gebunden, die Erderwärmung wurde gebremst. »Nicht einmal der Schwarze Tod, also die verheerende Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts, hatte derartig einschneidende Auswirkungen auf das Klima wie die Mongoleneinfälle«, sagt Wemhoff. [….]

(SPIEGEL, 25.05.2026)

Es folgten Pandemien zum Nutzen der Natur.

Die Deutschen schafften eine ähnliche Renaturierung durch den 30-Jährigen Krieg.

Ohne den Heiligen Bonifatius, „Apostel der Deutschen“, auch kein Dreißigjähriger Krieg (von 1618 bis 1648), der als vermutlich verheerendster Religionskrieg Mitteleuropa entvölkerte.

"Hans Philipp Goßmann von Spachbrücken zu Tod geschlagen. Hans Gerhards schwangeren Frauen die Rippen entzweigeschlagen, dass sie bald gestorben. Jakob Hans Frau zu Tod geschändet. Hans Simon mit dem Gemächt ufgehängt und vollends erschlagen ... Summa: 18 Personen", endet die "Schadensliste", die man nach einem Überfall der kaiserlichen Soldaten auf das hessische Reinheim im Mai 1635 bei der zuständigen Obrigkeit einreichte.

Der Dreißigjährige Krieg zeigt sich in solchen Beispielen als Krieg schlechthin: erschlagene, gefolterte, vergewaltigte Unbeteiligte. Ausgebrannte Städte, verwüstete Dörfer, kahlgefegte Äcker. Hungersnöte, Seuchenzüge. Wer da noch lebte, lebte nicht mehr lange: "Wir Leut leben wie die Tier, essen Rinden und Gras", heißt es in einem Bibeleintrag aus den zerstörten Dörfern der Schwäbischen Alb gegen Ende des Krieges. Man ernährte sich von Eicheln und Kleie, briet Ratten, Katzen, Hunde und krepierte Pferde. [….]

(Cora Stephan 09.02.2013)

In den letzten Tagen habe ich mich mal wieder etwas genauer in den 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648) hineingelesen.
Es war bekanntlich der schwerste Religionskrieg, der jemals in Europa tobte.
Protestanten und Katholiken haben so lange aufeinander eingedroschen, bis das „heilige römische Reich deutscher Nationen“ entvölkert und verwüstet war.
Die Hälfte der Deutschen Gesamtbevölkerung wurde massakriert oder fiel Seuchen zum Opfer, die Zivilisation wurde um 100 Jahre zurück geworfen.
Die Bauernhöfe waren verwaist, der Viehbestand nahezu komplett ausgerottet.
Der Mega-Religionskrieg bescherte uns Begriffe wie „magdeburgisieren“.
Magdeburg war damals eine von den Bischöfen unabhängige Stadt mit 30.000 - 40.000 Einwohnern, die versuchte neutral und friedlich zu bleiben.
Das gefiel den Katholiken natürlich überhaupt nicht und so schickt im April 1631 die katholische Majestät Kaiser Ferdinand II den kaiserlichen Befehlshaber Tilly, der die Stadt bis auf die Grundmauern zerstört und seine Truppen anschließend so lange plündern, morden und vergewaltigen läßt, daß nach einer Zählung aus dem Jahr gerade noch 468 Magdeburger leben.
Es war aber auch nicht alles schlecht am 30-Jährigen Krieg.
Da es weit über 200 Jahre brauchte, bis die Bevölkerungszahl wieder auf den Stand vom Beginn des 17. Jahrhunderts angestiegen war, kam es zu einer großartigen Verwaldung der ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Die menschengemachte Monokultur verschwand zugunsten eines intakten Ökosystems aus Urwäldern.

Und wer hat Schuld am 30-Jährigen Krieg?  Dazu gibt es selbstverständlich ein ganzes Bündel Ursachen aus unterschiedlichen Machtinteressen.
Zwei Hauptschuldige will ich aber hervorheben.
Erstens der tiefsitzende Menschenhass der Horrorreligion des Katholizismus.
Es war die katholische Kirche, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollte und mit ihrer Marionette Ferdinand II ganz Europa rekatholisieren wollte.

Das Restitutionsedikt war eine von Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629 erlassene Verordnung, mit der ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände der Status quo des geistlichen Besitzstands im Reich wieder auf den Stand des Jahres 1552 gebracht werden sollte. Es setzte damit die katholische Interpretation des Augsburger Religionsfriedens (1555) durch.
(Wikipedia)

Die RKK war dermaßen blutrünstig, daß sie selbst nachdem schon der halbe Kontinent verwüstet war erbittert Propaganda gegen diejenigen betrieb, welche auch nur an einen Frieden dachten.
Insbesondere die Jesuiten und der Pater am Kaiserlichen Hof, Johannes Weingarten empörten sich ab dem Jahr 1633 über den katholischen Heerführer Wallenstein, der "den Krieg vernachlässige“ und nicht mehr die rechte Lust verspürte Protestanten zu massakrieren.
Als auch noch Gerüchte auftauchten Wallenstein wolle Friedensverhandlungen beginnen, hetzten die katholischen Geistlichen so gegen den Kriegsmüden, daß sie seine Ermordung durchsetzen konnten.

Die zurückhaltende Art seiner Kriegführung während des zweiten Generalates [Wallensteins], seine Friedenspolitik und die dadurch hervorgerufene Sorge um den Triumph der katholischen Idee ließen am Hofe bald eine starke Partei gegen ihn erstehen, an der Spitze der Sohn des Kaisers, der spätere Ferdinand III. Sie gewann im Laufe der Zeit einen entscheidenden Einfluß auf den schwachen und schwankenden Kaiser, zumal in ihr Männer wie der bayerische Kurfürst, der böhmische Oberste Kanzler Slawata, die Jesuitenpatres Lamormaini, der Beichtvater, und Weingartner, der Hofprediger, mit Leidenschaft gegen Wallenstein wirkten.
(Uni Giessen.de) (……)

(Historische Parallelen 31.21.2011)

Die Methoden Tilly und Dschingis Khan erscheinen relativ unerfreulich.

Aber immerhin würde die Menschheit überleben.  Die Methoden Merz, Reiche und Trump sind hingegen gesamt-toxisch. Wenn wir uns immer mehr vermehren und auf ewiges Wirtschaftswachstum auf Kosten der Natur setzen, werden wir alle ausgerottet.

Dienstag, 26. Mai 2026

Unkurierbare Verblödung.

Es ist heiß in Europa. Verdammt heiß. Und es kommt alles andere, als überraschend.

[….] Tropennächte schon vor dem Sommerbeginn

Die Bretagne ist nicht die heißeste Gegend Frankreichs - doch selbst hier gibt es jetzt Temperaturen von weit über 30 Grad. Das Land erlebt eine historische Hitzewelle - mit massiven Risiken.

In der sonst zu dieser Jahreszeit eher noch frischen Hafenstadt Saint-Malo in der Bretagne steuerte das Thermometer heute erneut auf die Marke von 34 Grad zu. Ähnlich hohe Temperaturen gibt es in Rennes. Hinter den erstaunten Einheimischen und Touristen liegen die ersten Tropennächte des Jahres, noch bevor der Sommer überhaupt begonnen hat.

Katou Blaise ist Krankenpflegerin in der Notaufnahme an der Uniklinik von Rennes: "Wir bekommen sehr viele ältere Menschen eingeliefert, die dehydriert sind." [….]

(Tagesschau, 26.05.2026)

Schon bevor der Sommer überhaupt angefangen hat, sterben in Europa Menschen an den Folgen der Hitze.

[….] In Großbritannien hat es auch heute wieder einen Mai-Hitzerekord [….] Temperaturen um die 35 Grad waren auf der Insel einst selbst im Hochsommer ungewöhnlich. Nun ist nicht einmal der Juni erreicht. [….] Im Met Office, dem nationalen meteorologischen Dienst, blickt man mit Sorge auf das Thermometer. Richard Betts, Leiter der Klimafolgenforschung, sagt im BBC-Radio, dies sei ein Vorgeschmack auf die Zukunft.

"Solche Hitzewellen werden öfter und auch heftiger stattfinden", erklärt er. In 20 Jahren könnten die Temperaturen schon bei mehr als 40 Grad im Sommer liegen, wenn der Mensch den Planeten weiter aufheize, so Betts.

Mit fatalen Folgen etwa für die Landwirtschaft. Im Winter habe es in den vergangenen Jahren vermehrt Überflutungen gegeben, die die Ernte in Großbritannien stark beschädigt hätten. Das Gegenteil passiere im Sommer: "Es ist mit vermehrten Dürreperioden zu rechnen, was die Nahrungsmittelproduktion erschweren dürfte." [….] Experten warnen vor dem "climate whiplash", zu Deutsch in etwa "Klima-Schleudertrauma". Der Begriff beschreibt, dass ein extremes Phänomen schnell von einem anderen abgelöst wird. [….]

(Tagesschau, 26.05.2026)

Europa erwärmt sich schneller als andere Kontinente.

2026 könnte der Hitze-Horror neue Maßstäbe setzen.

[….] Im Pazifik mehren sich die Anzeichen für das Klimaphänomen El Niño. Forschende warnen, ein starkes Ereignis könnte Extremwetter verstärken und die globale Temperatur noch weiter anheizen. [….] Sollte sich in den kommenden Monaten ein sehr starkes El-Niño-Ereignis entwickeln, könnte das die ohnehin schon aufgeheizte Erde zusätzlich belasten. Die Prognosedaten verschiedener Wettermodelle deuten darauf hin, dass sich das oberflächennahe Meerwasser des tropischen Pazifiks in der Nähe des Äquators in den nächsten Monaten erwärmen könnte - mit weitreichenden Folgen. [….] Klimaforscherin Otto richtet den Blick [….]  auf die Folgen. Ein starker El Niño, sagt sie, träfe heute auf eine Welt, die durch Treibhausgase bereits deutlich wärmer ist als noch bei früheren Ereignissen. El Niño werde die Auswirkungen des Klimawandels weiter verschärfen - mit heißeren Hitzewellen, schwereren Dürren und extremeren Waldbränden. El Niño wird damit ein natürlicher Verstärker auf einer bereits aufgeheizten Grundlinie.

Genau darin liegt der zusätzliche Sprengstoff für die globale Temperatur. El Niño heizt die Erde nicht "neu" auf, sondern setzt auf den langfristigen Erwärmungstrend noch einen natürlichen Wärmeschub. Solange weiter Kohle, Öl und Gas verbrannt würden, steige die globale Mitteltemperatur weiter - und mit ihr das Risiko, dass natürliche Klimaschwankungen wie El Niño immer gefährlicher wirken. [….]

(Tagesschau, 31.03.2026)

https://www.ventusky.com

Menschen, Tiere, Pflanzen sterben durch den menschengemachten Klimawandel. Im reichen Europa wird man sich noch etwas länger schützen können, während in Asien, Nahost und Afrika bereits apokalyptische Verhältnisse herrschen.

[….] Über 45 Grad und keine Abkühlung in Sicht – Indien ächzt derzeit unter einer der stärksten Hitzewellen der vergangenen Jahre. Im Bundesstaat Telangana im südlichen Zentralindien verstarben an einem Tag mindestens 16 Menschen wegen der Folgen der enormen Hitze, [….] Schon seit Tagen schwitzt Indien unter den enormen Temperaturen. Am Samstag meldete der indische Wetterdienst im Osten des Bundesstaats Maharashtra mit 47,2 Grad die höchste gemessene Temperatur im Land. Bis Ende Mai wird die Schwitze-Hitze das Land auch weiterhin im Griff halten. [….]

(Sandra Marschner, 25.05.2026)

Deutschland tut alles dafür, den Planeten noch schneller zu erhitzen.

[…] Umweltschädliches Wirtschaften wird in Deutschland noch immer belohnt. Jahr für Jahr fließen Milliarden in den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle – auch international steht Deutschland hier schlecht da.

Das Wort „nachhaltig“ hält seit Jahren einen festen Platz in politischen Reden. Und doch wird nicht-nachhaltiges, umweltschädliches Wirtschaften in Deutschland weiter belohnt. Auf zuletzt 65 Milliarden Euro pro Jahr addieren sich klimaschädliche Subventionen in Deutschland, hat das Umweltbundesamtes (UBA) 2021 berechnet. Dabei sind die milliardenschweren, in weiten Teilen umweltschädlichen Agrarsubventionen aus dem EU-Haushalt noch gar nicht berücksichtigt.  [….] Innerhalb der G7-Gruppe hat lediglich Kanada seine fossilen Subventionen seit 2016 (minus 11 Prozent) leicht gesenkt. Alle anderen Staaten haben die klimaschädlichen Zuschüsse gesteigert. Am größten fallen sie 2023 in den USA aus (790 Mrd. $), gefolgt von Japan (269 Mrd. $) und Deutschland (114 Mrd. $). Der extrem klimaschädliche Ausbau von Anlagen für Flüssiggas (LNG) wurde aufgrund mangelnder Daten in der Studie nicht berücksichtigt. 

In Deutschland wird der Klimaschutz besonders in den Bereichen Energieerzeugung und Verkehr durch Steuergeschenke untergraben. Zum Beispiel gibt es Subventionen für klimaschädliche Kohle, Steuerbefreiungen für Flugbenzin, Vergünstigungen für Dieselkraftstoff und das Dienstwagenprivileg.

Profiteure der umweltschädlichen Subventionen sind Energieversorger, die Auto- und Flugzeugindustrie sowie Unternehmen mit hohem Stromverbrauch, beispielsweise die Stahl-, Aluminium- und Zementindustrie. Diese genießen großzügige Ausnahmen bei der Stromsteuer und sind praktisch von der Umlage für Erneuerbare Energien befreit, die alle Verbraucher zahlen müssen.   [….]

(Gregor Kessler, Anne Eggers, GP, 03.02.2024)

Durch die Amtsübernahme der extremen Fossillobby-Erfüllungsgehilfen Merz, Reiche, Spahn, Söder wird das zu zaghafte Umsteuern der Ampel rückgängig gemacht.

Und in Deutschland wählen große Mehrheiten die Fossillobby-Parteien AfDPCDUCSUFWBSW, die auf Gasheizung und Verbrennerautos setzen. Wir geben 81 Milliarden für Gas/Ölimporte ausund subventionieren fossilen Energieverbrauch laut Greenpeace-Zahlen von 2024 mit weiteren 98 Milliarden Euro. (Tankrabatt, Entfernungspauschale, verbilligtes Flugbenzin, Agrardiesel, Dienstwagenprivileg,..) Eine Verblödung apokalyptischen Ausmaßes!

[….] Sieben Billionen US-Dollar wurden laut Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) 2022 für direkte und indirekte Subventionen fossiler Brennstoffe aufgewendet. Mitverantwortlich für den deutlichen Zuwachs des Vorjahres ist der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die in dessen Folge steigenden Energiepreise.

Aber auch davor zeigte der Trend schon nach oben, wie der Blick auf die Statista-Grafik verdeutlicht. Und auch künftig dürfte die Subventionen eher zulegen. Grund hierfür ist laut Analyst:innen-Einschätzung das Wirtschaftswachstum des globalen Südens und der daraus resultierende steigende Verbrauch von Kohle, Öl und Gas.

Wie enorm diese Summe ist, zeigt beispielsweise der direkte Vergleich mit einem anderen wichtig Haushaltsposten von Regierungen. So entspricht die staatliche Unterstützung bei fossilen Rohstoffen etwas mehr als sieben Prozent der Wirtschaftsleistung des Planeten. Dagegen machen die Bildungsausgaben aller Länder zusammengenommen 4,3 des globalen Bruttoinlandsprodukts aus.

Bei den fossilen Subventionen gegenzusteuern böte laut IWF nicht nur die Chance die Menschheit bei der Erreichung ihrer Klimaziele wieder auf Kurs zu bringen, sondern könnte auch jährlich 1,6 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr vermeiden und die Staatseinnahmen um 4,4 Billionen Dollar zu erhöhen.  [….]

(Matthias Brandt, 11.10.2023)

Diese Menschheit hat es nicht verdient, zu überleben.

Dienstag, 19. Mai 2026

Sieger China, Verlierer Deutschland und USA

Timothy Snyder, Professor an der Yale University, Professor an der Munk School of Global Affairs & Public Policy der Universität Toronto, Permanent Fellow am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen und Senior Fellow for Democracy beim Council on Foreign Relations, zählt zu den bedeutendsten Historikern der Welt.

Er ist der Experte für faschistische Diktaturen, veröffentlichte 2017 mit „On Tyranny“ (Über Tyrannei: Zwanzig Lektionen für den Widerstand) eine maßgebliche Analyse und Handlungsanweisung, um die Transformation einer Demokratie in eine Tyrannei zu erkennen und zu verhindern. Die Kassandra.

Das Wissen ist also vorhanden. Aber es verbreitet sich nicht genügend. Sonst hätten nicht am 05.November 2024 beschämende 77 Millionen US-amerikanische Wähler für die rassistische, demente Abrissbirne gestimmt.

In einem bemerkenswerten Beitrag für das Project Syndicate, erläutert Snyder die Besonderheiten des Kollapses Trumpmericas. Viele Weltreiche sind schon vergangen. Durch Overstretching, Kriege, stärkere Konkurrenz, Naturkatastrophen, Erbfolgestreiterei, Hungersnöte, Epidemien oder Entvölkerung.

Der US-Zivilisationskollapses ist ein Novum; nämlich ein Suizid.

[…..] Die Vereinigten Staaten geben Milliarden Dollar aus, um einen Krieg gegen Iran zu verlieren, der ihre Oligarchen bereichert, ihre Bürger verarmt, ihre Allianzen beschädigt und ihre Feinde stärkt. Der Krieg offenbart ein Leitprinzip der Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump: den Selbstmord der Supermacht. Imperien entstehen und vergehen, aber meines Wissens hat noch nie ein Staat absichtlich und systematisch seine eigene Macht zerstört – erst recht nicht mit solcher Geschwindigkeit.

Dieser strategische Suizid ist schwer einzugestehen: Man hofft immer noch, dass Trumps Fehlschläge auf einem gewissen Verständnis des nationalen Interesses der USA beruhen. Das tun sie nicht.  [….]

(Timothy Snyder, SZ, 17.05.2026)

Nur als Supermacht-Superselbstmord lässt sich das bizarre Treiben der MAGA-Sekte erklären. Snyder führt alle Belege auf und plötzlich macht das republikanische Verhalten gegenüber ihres grell orange geschminkten Messias Sinn.

(…..)  Bedauerlicherweise gibt es keinen Restverstand bei der GOP, sondern nur noch blinden Gehorsam zum orangen Messias.

Aber die Republikaner sind nicht untätig. Sie blicken auf ihren grell geschminkten Gott und handeln mit acht Maßnahmen:

[…] Here’s a concise bullet-point summary of the proposed House GOP measures pending to “honor” Donald Trump:

·        Carve Trump’s likeness into Mount Rushmore

·        Rename Palm Beach airport after Trump

·        Rename Washington Dulles International Airport after Trump

·        Require the State Department to award a “Trump Peace Prize”

·        Declare Trump’s birthday a federal holiday

·        Award Trump a Congressional Gold Medal

·        Create a $250 bill featuring Trump’s image

·        Pass resolutions urging Trump be awarded the Nobel Prize

·        Direct the NIH to study “Trump Derangement Syndrome”  [….]

(Aaron Parnas, 21.04.2026)  (….)

(Was tun mit ihm?, 21.04.2026)

 China stellt die Weichen ganz klar auf Zukunft, hat sich 2026 zur dominierenden Supermacht gemausert, zu der Russland und die USA als Bittsteller aufblicken.

Der entscheidende Faktor ist die chinesische Klima- und Energiepolitik.

Deutschland und die USA hingegen handeln ideologisch verblendet, von der Fossillobby gesteuert. Das führt beide Nationen direkt in den Abgrund.


[…..] Infolgedessen hat die Trump-Regierung die Energiewende in den USA abrupt gestoppt und subventioniert stattdessen ökologisch und wirtschaftlich zunehmend überholte fossile Brennstoffe. Wie ein großartiges, in Kürze erscheinendes Buch zeigt, steigen Gesellschaften auf, die neue Energieformen erschließen; jene, die dies nicht tun, gehen unter. Dies könnte die profundeste Wahrheit in der Menschheitsgeschichte sein und macht Trumps Entscheidung zu einem existenziellen Fehler, der den Bedeutungsverlust der USA beschleunigen und China – ihren Hauptkonkurrenten und die weltweite Supermacht im Bereich sauberer Energie – in eine stärkere Position bringen wird.

Das Gleiche gilt für die Technologie und Innovation, die militärische Macht untermauern. Die USA haben immer schon riesige Summen für Rüstung ausgegeben. Doch konzentriert sich die Regierung auf Ausrüstung der Vergangenheit, darunter eine neue Klasse von Schlachtschiffen, die nach Trump benannt werden soll. Der Plan ist ein absolutes Hirngespinst. Selbst wenn diese Schlachtschiffe irgendwie gebaut würden, wären sie für die moderne Kriegsführung, deren Konturen durch den Hightech-Krieg zwischen Russland und der Ukraine offenbart wurden, völlig ungeeignet. Man kann sie bereits mit dem Stapellauf als versenkt betrachten.  [….]

(Timothy Snyder, SZ, 17.05.2026)

Das Buch, „The Co-Creation. How Earth Made Life and Life Made Earth”, auf das sich Snyder bezieht, stammt von Olivia Judson.

[….] How do we – living creatures – fit into the grand cosmic tapestry unfolding all around us? With rare style and radical originality, Olivia Judson proposes a grand new vision of the nature of life and advances a dazzling argument about how Earth went from an alien world utterly devoid of life 4.4 billion years ago to a planet of riotous life today. She describes how Earth gave rise to a new force of nature—lifeforms—and shows how, over vast spans of time, these lifeforms have acted to transform Earth. To tell this story, Judson divides the planet’s history into a series of five expansions—rock, light, oxygen, flesh, fire—each characterized by the evolution of lifeforms able to access a new source of energy. This conception not only provides a new way to think about the history of this planet, but also about the development of life-planet systems elsewhere. [….]

(Penguin)

 Gesellschaften, die neue Energieformen erschließen, steigen auf; jene, die dies nicht tun, gehen unter: Ein Satz, wie ein Todesurteil für das Reiche/Merz-Deutschland.

[…] Eine Studie, die zeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien Regionen und Kommunen gewaltige neue Geldströme bescheren würde, hielt Reiche zuerst unter Verschluss; dann wurde sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit kommentarlos und schwer auffindbar  auf eine Webseite gestellt. Sie passte nicht in Reiches Narrativ.

Beispiel Stromnetz: Milliarden stehen bereit für Wind- und Solarparks, für Batteriegroßspeicher. Die Investitionen könnten schnell die deutschen Strompreise senken, der Bau würde Arbeitsplätze und neue Erlösströme für die klammen Kommunen schaffen. Doch was tut Reiche?

Sie will mit einer absurden neuen Regel in weiten Teilen Deutschlands zehn Jahre lang verhindern, dass neue Wind- oder Solarkapazität gebaut wird. Und sie bittet Unternehmen mit Gaskraftwerken  um Regulierungstipps, um Batteriespeicher zu verhindern. So blockiert man privates Kapital. Reiches Gesetzespläne müssten eigentlich »Investitionsbremsegesetz« heißen.

Die Ministerin versucht augenscheinlich aktiv, aber möglichst heimlich , dafür zu sorgen, dass möglichst viele Gaskraftwerke und möglichst wenige Batteriespeicher gebaut werden. Die Gaskraftwerke brauchen Subventionen, die Batteriespeicher nicht. […] Reiches Pläne sind so durchsichtig, so einseitig auf die Bevorzugung fossiler Geschäftsmodelle ausgerichtet, dass mittlerweile sogar das Bundeskartellamt öffentlich Kritik übt : Reiches Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) sei in Wahrheit eben nicht »technologieoffen«, sondern bevorzuge Gaskraftwerke. Die geplanten Regelungen würden »Batteriespeicherprojekte faktisch von der Ausschreibung ausschließen«.[…] men: Die zitierten Verbände kritisieren das Gesetz teilweise aus sehr unterschiedlichen Gründen. Die einen finden es gut, dass endlich wieder munter fossile Heizungen eingebaut werden dürfen, sind aber unzufrieden damit, dass Vermieter die dadurch absehbar immer weiter steigenden Kosten nicht einfach auf die Mieter abwälzen können. Die anderen weisen – völlig zu Recht – darauf hin, dass man mit weiteren Fossilheizungen unmöglich die Klimaziele im Gebäudesektor erreichen wird. […]

(Prof. Christian Stöcker, 17.05.2026)