Posts mit dem Label Türkei werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Türkei werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 8. Juli 2026

Wie Merz mit Trump nicht umgehen sollte

Es war, beim NATO-Gipfel alles, wie immer wenn Trump auftritt: Die erwartete totale Shitshow aus Lügen, wüsten Beleidigungen und dementen Aussetzern – nur noch schlimmer.

Also auch das: Wie immer.

Die peinlichen Versprecher finden kaum noch Erwähnung, weil die ganze Welt schon an die sinnlose Brabbelei des US-Greises gewöhnt ist.

[…] US-Präsident Donald Trump hat sich bei einem Presseauftritt mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mehrere aufsehenerregende Versprecher geleistet. Auf die Frage einer Journalistin sagte er am Rande des Nato-Gipfels in Ankara an einer Stelle, die "Islamische Republik Japan" habe 111 Raketen abgefeuert, obwohl er offensichtlich von der Islamischen Republik Iran sprechen wollte. Zudem bezeichnete der 80-Jährige das frühere internationale Atomabkommen mit dem Iran als JCPOC, obwohl dieses eigentlich JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action) heißt.  Später fragte er dann noch in die Runde der anwesenden Reporterinnen und Reporter, ob diese eine "Frage für Präsident Putin" hätten, und zeigte dabei auf den neben ihm sitzenden Selenskyj. Als daraufhin Aufruhr im Raum entstand, behauptete er, wirklich wissen zu wollen, ob es eine Frage an Putin gebe. [….]

(MoPo, 08.07.2026)

Es gehört sich nicht, offensichtlich Demente aufgrund ihrer schweren mentalen Einschränkungen zu bewerten.

Wenn der debile Patient aber zufällig der mächtigste Mann der Welt ist, der auch noch als Oberbefehlshaber der mächtigsten Streitmacht des Planeten fungiert, muss man seinen Schwachsinn hart zurückweisen. Allein schon, um seinen vielen Pflegern und Co-Stuporen im Weißen Haus zu signalisieren, ihren mental multimorbiden Freigänger besser zu kontrollieren.

[….] Der US-Präsident zerstörte die Hoffnung auf ein geschlossenes Auftreten mit scharfen Attacken gegen Verbündete und einem erneuten Griff nach Grönland. […] Noch vor der Arbeitssitzung kündigte Trump an, die Handelsbeziehungen mit Spanien wegen fehlender Unterstützung im Irankrieg zu beenden. Wohl auch, weil Spanien zu den Ländern gehörte, die den USA die Nutzung von Militärbasen für Angriffe auf Iran verweigern.

Spanien war dem US-Präsidenten aber schon vorher ein Dorn im Auge, weil Ministerpräsident Pedro Sánchez das vor einem Jahr beschlossene Nato-Ziel, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben, nicht einhalten will. »Spanien ist ein furchtbarer Partner in der Nato. Sie nehmen nicht teil, sie zahlen nicht«, sagte Trump bei seinem Treffen mit Rutte am Rande des Gipfels. »Ich will mit ihnen keinen Handel mehr treiben.«

[…] Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Mittwoch, Brüssel werde für »die Interessen der Europäischen Union und all unserer Mitgliedstaaten« einstehen. Er forderte Trump auf, sich an seine Zusagen im Rahmen einer Handelsvereinbarung mit der EU aus dem vergangenen Jahr zu halten. [….] Auch das Thema Grönland warf Trump auf offener Bühne erneut auf; er bekräftigte, die Insel zu beanspruchen, die zum Königreich Dänemark gehört – ebenfalls ein Nato-Partner. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wies die Forderung scharf zurück.  [….]

(SPON, 08.07.2026)

Einem solchen zerstörerischen Aggressor muss man, egal wie mächtig er ist, mit aller Kraft entgegen treten. Insbesondere, wenn man aus Erfahrung weiß, daß Taco ein Angsthase ist und tatsächlich zurückschreckt, wenn er auf starken Widerstand trifft. Man darf sich von ihm nicht auseinander dividieren lassen, sondern muss zusammenstehen, um Washington Grenzen aufzuzeigen. Natürlich begreift es der Bundeskanzler nicht, fällt seinen EU-Partnern in den Rücken und nimmt Kurs auf Trumps Rektal-Region, um sie mit sauerländischen Schmatzern zu bedecken.

Die Leyen-Rutte-Merzsche Kriecherei vor dem gewindelten Bully ist nicht nur kontraproduktiv, weil der Sauron von Mar A Lago dadurch zu immer bösartigeren Aktionen animiert wird.

Sie schwächt auch NATO und EU insgesamt, weil man ihnen nicht mehr vertraut.

 Xi und Putin analysieren das rückgratlose Verhalten genau und ziehen ihre Schlüsse.

[…] Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lobt den Auftritt von US-Präsident Donald Trump beim Nato-Gipfel in Ankara. Trump habe die gesamte Zeit an den Beratungen teilgenommen und auch bei den Beiträgen kleinerer Mitgliedstaaten aufmerksam zugehört.  […]

(ZDF, 08.07.2026)

Ich frage mich, was ich in meinem vorherigen Leben verbrochen habe, um in Diesem, unter 200 möglichen Nationalitäten, ausgerechnet mit der US-amerikanischen und neuerdings auch der Deutschen geschlagen zu sein.

Jede andere wäre mir lieber. Natürlich schäme ich mich für meinen dunkelblauen US-Pass 24/7 in Grund in Boden. Aber der zusätzliche rote Pass ist kaum besser. Wadephul, Reiche und Merz agieren ebenfalls zum Mitschämen!

[….]  Da saß er also in Ankara, neben Mark Rutte, dem regungslosen Nato-Chef, der ihn einst »Daddy« nannte, und wütete hemmungslos. Schlechte Partner, ja gar schlechte Menschen seien die Spanier, sagte Donald Trump: »Ich will keinen Handel mit ihnen treiben.« Ob Scott Bessent, sein Finanzminister, das bitte sofort umsetzen könne? […] Keinen Verbündeten traf es härter als Spanien. Seit dem Irankrieg, als Ministerpräsident Pedro Sánchez dem amerikanischen Militär die Nutzung der Basen in Rota und Morón untersagte, ist der Sozialist so etwas wie Trumps Lieblingsfeind. Spanien sei ein »hoffnungsloser Fall«, sagte Trump nun. Auch »Besuche« wolle er künftig unterbinden – was auch immer damit genau gemeint ist. Trump wies Finanzminister Bessent an: »Sprich nicht mal mit ihnen.« […] […] Auch jetzt kann die spanische Regierung darauf setzen, dass Trumps Aufmerksamkeitsspanne begrenzt ist. Schon seine erste Drohung blieb folgenlos: Im März, im Weißen Haus, als noch Kanzler Friedrich Merz und nicht Nato-Chef Rutte tatenlos daneben saß , redete der US-Präsident ebenfalls von einem Embargo. Doch in New York und Washington kann man noch heute andalusisches Olivenöl kaufen, und auf den Militärbasen in Andalusien sind weiterhin amerikanische Soldaten stationiert. Die entsprechende Vereinbarung wurde gerade geräuschlos verlängert.

Anders als damals, so ließe sich einwenden, scheint Trumps Furor nun in konkrete Anweisungen zu münden. »Yes, Sir«, antwortete Finanzminister Bessent auf Trumps Tiraden. Doch dass er die Drohung wahr macht, ist unwahrscheinlich. Ein Embargo wäre schon technisch schwer umzusetzen. Die Spanier könnten, dem EU-Binnenmarkt sei Dank, ihre Waren einfach nach Portugal fahren und von dort über den Atlantik verschiffen. […] Und so bleibt von Trumps Wutanfall vor allem jene Frage, die langsam zum Treppenwitz wird: Wie lange wird es wohl diesmal dauern, bis er die Sache wieder vergisst? […]

(Timo Lehmann, 08.07.2026)

Das Duckmäusertum ist einfach nicht zu ertragen. Das Grinsen und Schleimen, die Unterwürfigkeit gegenüber einem Faschisten, Rassisten und Vergewaltiger.

[…] Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Nato-Generalsekretär Mark Rutte die letzten 24 Stunden in einer Parallelwelt verbracht hat. „Wir haben es alle gefühlt, die Allianz ist stärker als je zuvor“, sagte er am Mittwochnachmittag zum Abschluss des Nato-Gipfels in Ankara. Die Botschaft, die vom diesjährigen Treffen ausgehe, sei ganz simpel: „Die Nato liefert.“ Donald Trump ließ zwar keine Gelegenheit aus, seine Verachtung über das Bündnis in jedes Mikofon zu sprechen, das ihm hingehalten wurde – und es gab für den US-Präsidenten viele Gelegenheiten zu sprechen. Doch Rutte überschüttete ihn unbeirrt mit dem größten Lob.

„Dieser amerikanische Präsident hat es geschafft, ein Problem zu lösen, das es schon zur Zeit von Eisenhower in der Nato gab“, sagte Rutte. […], verschloss Rutte die Augen. Der wieder ausgebrochene Krieg in Iran? Trumps Gelüste gegenüber Grönland? Die Ankündigung eines US-Handelsembargos gegen Spanien? Der Generalsekretär wirkt, als habe das alles nicht während dieses Treffens der 32 Staats- und Regierungschefs stattgefunden. [….]

(Aus Ankara Cem-Odos Güler und Sabine am Orde, 08.07.2026)

Samstag, 4. Juli 2026

Mediale Darstellung.

Es ist natürlich erklärbar und emotional verständlich; aber rational höchst unbefriedigend: Einzelschicksale berühren viele Millionen Menschen, aber massenhaftes Leiden wird seltsam emotionslos akzeptiert, oder ganz ignoriert.

Die meisten Menschen benötigen offenbar einen emotionalen Zugang, um Mitleid zu empfinden. Das Opfer muss ein Gesicht bekommen, einen Namen haben und dürfen sich nicht hinter einer Zahl verstecken.

Als die Leiche des zweijährigen Alan Kurdi 2015 an die türkische Mittelmeerküste gespült wurde, entstand das berühmte ikonische Bild von ihm, in seinem roten T-Shirt und der blauen Hose am Strand liegend. Es ging um die Welt, das Entsetzen über die Flüchtlingskatastrophe war groß. Man schämte sich für Europa und Nordamerika, die vor den Bombenteppichen über Aleppo und Kobani fliehenden Kurdis, nicht erlauben wollten, daß die Familie zur in Vancouver lebenden Tante zu entkommen. Daß Alans Vater daher gezwungen wurde, Schlepper zu bezahlen, mit der vagen Hoffnung, sie nach Kos, dem griechen EU-Gebiet zu bringen. Die EU, die heute von Merz und Dobrindt mehr denn je auf Abwehr solcher Menschen eingestellt wird. Die EU, in der eine riesige rechts radikale Straßburger Parlamentsfraktion zusammen mit der christdemokratischenEVP und ihrem Chef Manfred Weber (CSU) in „Send them back“-Jubelchöre ausbricht.

Alan Kurdis fünfjähriger Bruder Ghalib und seine Mutter Rehanna ertranken ebenfalls. Ihre Leichname wurden nur etwa 100m weiter am Strand in der Nähe von Bodrum angespült. Aber von ihren Körpern gibt es keine Bilder, auf denen sie so süß aussahen. Bis auf den Vater wurde die ganze Familie ausgelöscht. Sie interessierten die Öffentlichkeit kaum.

Neun weitere Tote, die mit den Kurdis zusammen in dem Schlepperboot saßen, bleiben für immer namenlos für die Weltöffentlichkeit. Zu ihnen findet das Internet keine Informationen.

Ihre Schicksale sind den 500 Millionen EU-Bürgern und insbesondere den migrantophoben AfD- und CDUCSU-Wählern genauso egal, wie die Myriaden Namenlosen, die seit 2015 in der toxischen mediterranen Leichenwanne für immer verschwanden.

[…..] Das Mittelmeer ist die mit Abstand tödlichste Fluchtroute

Mehrere Flüchtlingsboote könnten Ende Januar 2026 im Mittelmeer bei schwerem Wetter verunglückt sein. Dabei sind möglicherweise bis zu 1.000 Menschen ums Leben gekommen. Der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind aktuell 567 Todesfälle bekannt, die in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres gestorben sind - davon allein 459 im Januar. Die Zahlen dürften aber noch steigen. Wie die taz-Redakteur Michael Braun in einem Kommentar schreibt werden an italienischen Stränden immer wieder Leichen angespült. Indes kriegt die Öffentlichkeit laut Braun davon nur wenig mit: "Wenn überhaupt, wird nur lokal berichtet". Das Mittelmeer ist die für Migrant:innen mit Abstand gefährlichste Fluchtroute nach Europa. Seit 2014 sind hier laut IOM mindestens 34.226 Menschen (davon sind 31.631 ertrunken) ums Leben gekommen - das entspricht 42 Prozent aller weltweit auf der Flucht gestorbenen Geflüchteten. [….]

(Mathias Brandt, 23.02.2026)

Über 34.000 Tote, von denen wir wissen.

Aber so lange wir nicht von jedem eine Geschichte und ein Bild, wie von dem kleinen Alan Kurdi kennen, zucken wir mit den Achseln, lassen Merz und Söder hetzen. Lassen Dobrindt unbescholtene Bürger abschieben, höchste Gerichtsurteile ignorieren und die Taliban einladen, um afghanische Frauen zu foltern. Über 40% der Wähler in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen wollen eine Nazi-Partei wählen, die mit Remigrationsplänen von zig Millionen Menschen prahlt.

Die Medien, die bis weit ins linksliberale Lager anerkennend raunen, bei der Migrationsfrage habe die Merz-Regierung „geliefert“, sollten sich in Grund und Boden schämen, wie sie die Schicksale der Flüchtlinge framen.

Miosga, Maischberger, Illner und Lanz sollten sich nicht mehr im Spiegeln ansehen können dafür, daß sie immer und immer wieder faschistoiden Hetzern, die Menschen in allergrößter tödlicher Not, ausschließlich als „Gefahr für uns“ framen, den Roten Teppich ausrollen.

Montag, 15. September 2025

Der Idiot.

Einen Punkt hat Trump, wenn er die Milliarden Euro anprangert, die europäische Nationen an Putin für sein Gas überweisen.

Denn so finanzieren wir den Krieg gegen die Ukraine. Also müssen wir nicht nur wegen der Klimakatastrophe, sondern auch wegen der Kriegskatastrophe alles tun, um so schnell wie möglich auf erneuerbare Energien umzusteigen, um von Russland unabhängig zu werden.

Begriffen wurde das Problem aber von vielen, wenn auch nicht von Fossilllobby-Sklaven wie Merz und Reiche. Es wird immerhin weniger russisches Gas importiert. Aber immer noch zu viel. Die deutsche Wirtschaftsministerin macht natürlich an dieser Stelle alles falsch.

[…] Europe's reliance on Russian energy has fallen dramatically since the start of Moscow's full-scale invasion of Ukraine.

In 2022, the EU got about 45% of its gas from Russia. That is expected to fall to about 13% this year, though Trump's words suggest he feels that figure is not enough.   The US president's message came during heightened tensions between Nato allies and Russia after more than a dozen Russian drones entered Polish airspace on Wednesday.

Warsaw said the incursion was deliberate, but Moscow downplayed the incident and said it had "no plans to target" facilities in Poland.

Denmark, France and Germany have joined a new Nato mission to bolster the alliance's eastern flank, and will move military assets eastwards. Last week, Ukrainian President Volodymyr Zelensky also made a demand to European nations over the purchase of Russian oil and gas.

In an interview with ABC News, he said: "We have to stop [buying] any kind of energy from Russia, and by the way, anything, any deals with Russia. We can't have any deals if we want to stop them."

Since 2022, European nations have spent around €210bn (£182bn) on Russian oil and gas, according to the think tank the Centre for Research on Energy and Clean Air, much of which will have funded the invasion of Ukraine.  The EU has previously committed to phasing out the purchases by 2028. The US want that to happen faster - partly by buying supplies from them instead.

Trump's message was to Nato, not the EU, therefore including nations such as Turkey, a major buyer of Russian oil and a country that has maintained closer relations with Moscow that any other member of the alliance.  […]

(BBC, 15.09.2025)

Wenn Donald, das blinde Huhn, auch mal ein Körnchen findet, zieht er daraus selbstverständlich nicht die richtigen Schlüsse, sondern fabriziert daraus einen irren Wortschwall, der dem Rest der Welt beweist, wie unterbelichtet der US-Präsident ist.

[…]  A LETTER SENT BY PRESIDENT DONALD J. TRUMP TO ALL NATO NATIONS AND, THE WORLD: “I am ready to do major Sanctions on Russia when all NATO Nations have agreed, and started, to do the same thing, and when all NATO Nations STOP BUYING OIL FROM RUSSIA. As you know, NATO’S commitment to WIN has been far less than 100%, and the purchase of Russian Oil, by some, has been shocking! It greatly weakens your negotiating position, and bargaining power, over Russia. Anyway, I am ready to “go” when you are. Just say when? I believe that this, plus NATO, as a group, placing 50% to 100% TARIFFS ON CHINA, to be fully withdrawn after the WAR with Russia and Ukraine is ended, will also be of great help in ENDING this deadly, but RIDICULOUS, WAR. China has a strong control, and even grip, over Russia, and these powerful Tariffs will break that grip. This is not TRUMP’S WAR (it would never have started if I was President!), it is Biden’s and Zelenskyy’s WAR. I am only here to help stop it, and save thousands of Russian and Ukrainian lives (7,118 lives lost last week, alone. CRAZY!). If NATO does as I say, the WAR will end quickly, and all of those lives will be saved! If not, you are just wasting my time, and the time, energy, and money of the United States. Thank you for your attention to this matter! DONALD J. TRUMP, PRESIDENT OF THE UNITED STATES OF AMERICA.” [….]

(Taco DingDong, 13.09.2025)

Die mächtigen Player der Welt, China, Russland, Indien und andere, ziehen daraus zunehmend den Schluss, das unsinnige Gebrabbel des US-Präsidenten einfach zu ignorieren.

[….]  Trumps Chaos-Diplomatie: Der Präsident, über den Putin und Xi lachen

Donald Trump liebt die Vorstellung, dass die bösen Buben dieser Welt vor ihm zittern. Dabei merkt er nicht einmal, wie er die Macht der Vereinigten Staaten verspielt. Wer verstehen will, warum Donald Trump ein so spektakulär erfolgloser Staatsmann und Außenpolitiker ist, sollte seinen Erlass  zur Umbenennung des amerikanischen Verteidigungsressorts in »Kriegsministerium« lesen. Es ist nur ein kurzes, zweiseitiges Papier. Aber es dokumentiert das gesammelte Unverständnis des Präsidenten, worauf die Macht der Vereinigten Staaten in Wahrheit beruht.

»Der Name Kriegsministerium, mehr als der gegenwärtige Begriff Verteidigungsministerium, sichert das Prinzip Frieden durch Stärke, weil er unsere Fähigkeit und unseren Willen demonstriert, jederzeit im Namen unserer Nation Kriege zu führen und zu gewinnen«, heißt es in dem Dokument. »Der Name schärft den Blick des Ministeriums auf unser eigenes nationales Interesse und lenkt die Aufmerksamkeit unserer Gegner auf unsere Bereitschaft und Kraft, einen Krieg zu beginnen, um zu sichern, was uns gehört.«

In den Sätzen steckt Trumps Glaube, dass amerikanische Stärke allein auf Flugzeugträgern und Atomsprengköpfen beruht – und die Welt ein Ort ist, in dem derjenige gewinnt, der am schnellsten den Revolver zieht. Es ist ein Machtbegriff, der im 19. Jahrhundert Konjunktur hatte und schließlich in die Katastrophe des Ersten und Zweiten Weltkriegs führte. Aber unter Trump feiert er ein fröhliches Comeback – zur Freude aller Schurken und Potentaten der Welt, die schon immer der Meinung waren, sie dürften sich mit Waffengewalt holen, »was uns gehört«. [….] Aber in Wahrheit sind es die Schurken, die am meisten davon profitieren, wenn Amerika auf alle Regeln pfeift. Warum soll Putin davor haltmachen, das Nato-Land Polen mit Drohnenattacken zu provozieren , wenn Trump selbst seinen imperialen Appetit auf Kanada und Grönland bekundet hat? Weshalb soll Israel davor zurückschrecken, Katar anzugreifen, um die Hamas-Führung zu töten, wenn Trump ganz offenkundig kein Problem damit hat, den Gazastreifen dem Erdboden gleichzumachen? Trump hat nie verstanden, dass neben Waffen auch Ideen eine unheimliche Macht entwickeln können. [….]

(René Pfister, 14.09.2025)


Der bornierte Trottel an der Spitze der USA weiß noch nicht mal, wen er mit seinen Forderungen am meisten brüskiert; nämlich seine geliebten europäischen Antidemokraten Orbán und Erdoğan.

[…] Trump knüpft weitere Russland-Sanktionen der USA an einen Importstopp russischen Öls für alle Nato-Partner. Damit zielt er auf ihm eigentlich wohlgesonnene Regierungschefs. Was soll das?  [….] Es gibt aber auch Länder, die noch Öl und Ölprodukte ganz ohne Schattenflotte aus Russland kaufen. Und das mitten in Europa. Dabei handelt es sich um Ungarn und die Slowakei, die über die Druschba-Pipeline noch immer jede Menge Öl beziehen. Das in den beiden Ländern genutzte Rohöl kam zuletzt fast vollständig aus Russland.

Das Problem: Die Slowakei und Ungarn sind Nato-Mitglieder – und Trumps Forderung bringt die beiden Ministerpräsidenten in eine zumindest auf den ersten Blick verzwickte Lage. Denn eigentlich sind Robert Fico und Viktor Orbán eher Fans des US-Präsidenten. [….] Hart treffen würde ein Aus aller russischen Öllieferungen an Nato-Partner schließlich auch die Türkei. Die Menge des hier umgeschlagenen russischen Öls hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt, das Land ist drittgrößter Importeur russischen Öls, direkt nach China und Indien.

Legt sich Trump also nicht nur mit Fico und Orbán, sondern auch noch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan an?

Ein Stopp aller russischen Öllieferungen in die Türkei könnte die Mineralölwirtschaft des Landes schwer belasten: Drei große türkische Raffinerien bezogen laut einem Ölmarktreport der Internationalen Energieagentur IEA die Hälfte ihrer Lieferungen aus Russland. Gewaltige Mengen des dort hergestellten Sprits wiederum landen dann in Europa. [….]

(Alexander Preker, 15.09.2025)

Unterdessen scheint man in der EU begriffen zu haben, wie man mit Trumps großspurig in full caps angekündigten Weltfriedensplänen gegen Russland und China umzugehen hat.

Einfach ignorieren, was der Idiot in Washington sagt. Taco hat ohnehin eine so kurze Aufmerksamkeitsspanne, daß er seine Drohungen blad wieder vergessen haben wird. Die herausposaunten Erfolge, die der vor Glück an Putins Hintern festgesaugte Trump in Alaska von sich gab – Treffen von Selenskyj, Trump und Putin ins Moskau – sind schließlich auch längst vergessen.

[……] Der US-Präsident will nur dann Sanktionen gegen Russland verhängen, wenn die Nato-Partner Moskau kein Öl mehr abkaufen und zudem China mit Zöllen bestrafen. In Brüssel wecken diese unrealistischen Forderungen Misstrauen.

Würde es ein Geräusch machen, wenn Pläne in sich zusammenfallen, dann hätte man am Samstag über Brüssel ein lautes Krachen gehört: Gegen Mittag veröffentliche Donald Trump auf seiner Nachrichtenplattform Truth Social einen „Brief an alle Nato-Staaten und die Welt“. Darin legte der US-Präsident dar, welche Bedingungen er erfüllt sehen will, bevor er weitere Sanktionen gegen Russland wegen des Kriegs in der Ukraine verhängt. Für die Europäer, die seit Wochen versuchen, Trump genau dazu zu bewegen, war das Schreiben eine schwere Enttäuschung. Eins scheint jetzt sicher: Schnelle, harte US-Sanktionen, die Moskau zu Verhandlungen zwingen, wird es wohl nicht geben. [……] So gibt es kaum eine Handhabe gegen die Türkei. Der Handel mit russischem Öl unterliegt keinem weltweit gültigen Verbot, lediglich der Preis ist gedeckelt.

Die EU hat zwar ein Importverbot für russisches Öl verhängt, aber Ungarn und die Slowakei haben Ausnahmegenehmigungen erhalten. Das war unter anderem der Preis dafür, dass sie bisher 18 europäischen Sanktionspaketen gegen Russland zugestimmt haben. Die EU-Kommission hat zwar einen Plan vorgelegt, um sämtliche Importe von russischem Öl und Gas in die Union bis Ende 2027 zu stoppen. Aber die Regierungen in Budapest und Bratislava wehren sich vehement dagegen. [……] Das von Trump nun vorgeschlagene Zwangsmittel – pauschale Zölle in erheblicher Höhe auf alle Importe – ist allerdings nach Angaben von Diplomaten dezidiert nicht das von Europa präferierte. Für derart umfassende und provokante Strafmaßnahmen gegen einen wichtigen Handelspartner fehlen der EU der rechtliche Rahmen, der politische Wille und die wirtschaftliche Kraft – Europas ökonomische Abhängigkeit von China ist schlicht zu groß. [……] Trumps Brief legt diesen Widerspruch offen. Dass der US-Präsident weitere Sanktionen ausdrücklich an Bedingungen koppelt, von denen er wissen kann, dass die Europäer sie kaum erfüllen werden, weckt in Brüssel Misstrauen. Vielleicht, so sagt ein Diplomat, suche Trump nur Sündenböcke dafür, dass seine Bemühungen um ein Ende des Kriegs bisher gescheitert seien. [……]

(Hubert Wetzel, 15.09.2025)

Freitag, 9. Mai 2025

Sugarcoat

Man darf den Trumpismus und die AfD nicht mit verbalem Zuckerguss versehen, wenn man über sie berichtet oder mit ihren braunen Vertretern diskutiert.

Die bangen Fragen, ob das Rechtsradikale, Faschisten oder gerade noch Demokraten sind, dürfen inzwischen lange als geklärt gelten. In Trumps Fall durch seine Kriminalakte und sein Regierungshandeln. Im AfD-Fall allerspätestens durch das 1.100-Seiten-Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Es sind Nazis.

Da gibt es nichts schön zu reden. Jeder Euphemismus ist unangebracht. Die klinische reine Nachrichtenwelt, in der man Obszönitäten weg-piepsen kann, um den leicht zu empörenden Zuschauer nicht zu verschrecken, sind vorbei.

Natürlich kann und soll man über Trump und Höcke berichten. Aber es ist zu unterlassen, ihnen einfach den roten Teppich auszulegen, ihnen Sendezeit zur Selbstdarstellung zu schenken. Ihre hochgefährlichen Lügen dürfen nicht unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit achselzuckend, als eine Ansicht unter vielen akzeptiert werden. Sie sind stets als hochgefährliche Lügen zu identifizieren. 

Es muss jedem Zuschauer deutlich gemacht werden, wie toxisch, verkommen und perfide diese Leute Politik betreiben. 

Kürzlich mahnte Sascha Lobo diesbezüglich ein gänzlich verändertes Verhalten seiner Zunft an. Anderenfalls könnte es bald nicht nur mit der Demokratie, sondern auch mit der Pressefreiheit vorbei sein. Siehe PiS, siehe Fidesz, siehe Erdoğan, siehe Putin, siehe Trump. Lanz und Strobl-TV sollten sich schämen.

[…] Das lange erwartete Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz stuft die AfD vom Verdachtsfall zu einer gesichert rechtsextremen Partei hoch.  […]Spielt eine Berichterstattung, die die AfD als gesichert rechtsextrem benennt, ihrer Opferinszenierung in die Karten? Und was folgt aus dem journalistischen Grundsatz der Neutralität: Schulden die Medien der AfD eine den politischen Kräfteverhältnissen entsprechende Darstellung ihrer Positionen – oder tragen sie damit zu einer falschen Ausgewogenheit bei, die den öffentlichen Diskurs nach rechts außen verschiebt? […][…] Der Fokus auf den Erfolgsbedingungen radikal rechter Politik macht deutlich, warum die politischen und medialen Reaktionen auf diesen Erfolg ihn oft ungewollt verstärken. Wenn demokratische Parteien etwa beginnen, sich in Rhetorik und Themenwahl an radikal rechte Parteien anzulehnen – in der Hoffnung, ihnen »das Wasser abzugraben« –, tragen sie zur weiteren Erosion der Normen bei, die die Artikulation solcher Positionen bisher beschränkt haben.

Diese Problematik stellt sich mit besonderer Dringlichkeit für die Medien. Einerseits verlangt es ihr Informationsauftrag, über die Positionen radikal rechter Parteien ausgewogen zu berichten. Andererseits erklärt die Normalisierungsthese, wie die regelmäßige Präsenz radikal rechter Positionen – selbst bei kritischer Begleitung – zu ihrem Erfolg beitragen kann. Wie lässt sich dieses Dilemma auflösen? Ein möglicher Ausweg besteht in dem, was man als normalisierungsbewussten Journalismus beschreiben könnte. Gemeint ist eine Berichterstattung, die sich ihrer Wirkung auf soziale Normen bewusst ist und daraus Konsequenzen zieht. Dieser Vorschlag lässt sich anhand von fünf Empfehlungen konkretisieren:

Erstens: Fundamentale Unterschiede benennen

Die soziale Norm, die die Unterstützung radikal rechter Parteien ächtet, ist keine willkürliche Diskriminierung, sondern lässt sich aus zentralen Voraussetzungen der liberalen Demokratie ableiten. Radikal rechte Parteien vertreten eine Ideologie der Ungleichheit und des Antipluralismus, die nicht nur mit der liberalen Demokratie unvereinbar ist, sondern auch – wie sich von Ungarn bis in die USA beobachten lässt – die Pressefreiheit bedroht. Diesen Umstand in der Berichterstattung im Namen einer vermeintlichen Unparteilichkeit zu nivellieren, wie es jüngst die Intendantin des WDR, Katrin Vernau,  mit Blick auf die AfD forderte, lässt sich spätestens mit der Einstufung der Partei als gesichert rechtsextrem nicht mehr rechtfertigen: Ein Journalismus, der sich aus Sorge vor dem Vorwurf der Parteilichkeit normativer Einordnungen und Gewichtungen enthält, macht am Ende genau das, was er zu vermeiden versucht: Er privilegiert eine Position – die der radikalen Rechten –, weil er sie im Sinne einer falschen Ausgewogenheit als gleichartig und gleichberechtigt darstellt, obwohl sie mit Grundsätzen unserer Gesellschaft bricht: Ob zum Beispiel die Staatsangehörigkeit von Millionen Deutschen mit Migrationsgeschichte zur Disposition gestellt werden sollte, kann nicht in der gleichen Weise medial verhandelt werden wie die Frage, ob der Spitzensteuersatz zu hoch oder das Renteneintrittsalter zu niedrig ist.

Zweitens: Souveränität bei der Themenwahl behalten […]

Drittens: Keine Übernahme rechter Frames […]

Viertens: Auf Formatwirkungen achten […]

Fünftens: Orientierungsfunktion nicht aufgeben […]

(Cord Schmelzle, Spiegel, 09.05.2025)

Selbst die nicht der Faschismus-Sympathie verdächtige taz sugarcoatet, indem sie heute beispielsweise Trumps rassistischen Sadismus unter dem tag "USA und Diversität" meldet.

[….] USA und Diversität: […] US-Präsident Donald Trump hat die Leiterin der US-Kongressbibliothek entlassen. Carla Hayden, die als erste schwarze Frau dieses Amt bekleidete, wurde am Donnerstagabend vom Personalbüro des Weißen Hauses über ihre Kündigung informiert, wie ein Sprecher der Library of Congress der AP mitteilte. […] Hayden, deren zehnjährige Amtszeit als 14. Bibliothekarin des US-Kongresses im nächsten Jahr regulär geendet hätte, war kurz vor ihrer Entlassung von der konservativen Stiftung American Accountability Foundation (AAF) auf dem Nachrichtendienst X angegriffen geworden: „Die derzeitige #LibrarianOfCongress Carla Hayden ist woke, anti-Trump, und fördert trans Kinder. Es ist an der Zeit, sie zu entlassen und einen neuen Mann für diesen Job einzustellen!“ […] Das US-Verteidigungsministerium entlässt bis zu 1.000 Menschen aus dem Militär, die sich offen als transgeschlechtlich identifizieren. Alle übrigen Mitglieder der Streitkräfte hätten 30 Tage Zeit, um ihre Transidentität offenzulegen, hieß es in einer am Donnerstag (Ortszeit) erlassenen Richtlinie von Verteidigungsminister Pete Hegseth. […] Nachdem der Supreme Court auf Antrag des US-Präsidenten Donald Trump die Umsetzung des Transgender-Verbots beim Militär trotz laufender Verfahren erlaubt hatte, äußerte sich Hegseth unmissverständlich: „Keine Trans mehr im US-Verteidigungsministerium“, postete er im Kurznachrichtendienst X. Sein Ministerium wolle Wokeness und Schwäche hinter sich lassen. „Keine Kerle in Kleidern mehr. Wir sind fertig mit diesem S---“, sagte er auf einer Konferenz für Spezialeinheiten in Tampa im US-Bundesstaat Florida. […]

(taz, 09.05.2025)

"USA und Diversität" ist nichts als unangebrachter Euphemismus, der eine simple Tatsache verschleiert: Trump und seine MAGAs hassen alle Menschen, die keine weißen Cis-Heteros sind.

Alles mit etwas dunklerer Hautfarbe wird gefeuert. So hielt er es schon sein ganzes Leben lang, akzeptierte People Of Color nicht als Mieter seiner Gebäude. So waren Trumps Vater und sein Opa. So sind seine Kinder: Miese dreckige strunzdumme sadistische Rassisten. Schlicht und ergreifend: NAZIS! 

Samstag, 3. Mai 2025

Was bringt was

Putin ist viel intelligenter als Trump, kann strategischer denken und kann auf professionellere Dienste zurückgreifen. Daher vermag er, als ökonomischer Zwerg auf Augenhöhe mit den Amerikanern zu agieren.

Allmächtig und allsichtig ist der Kreml-Diktator aber nicht.

Ich mutmaße sehr stark, daß er sich Anfang 2022 dachte, die Ukraine in wenigen Monaten niedergerungen zu haben, weil sie unfähig sein würde, sich Unterstützung zu organisieren. Der Tattergreis im Weißen Haus hätte nicht die Kraft sich zu engagieren, die notorisch zerstrittene EU, ohne die bellizistischen Briten, verfiele in einen Hühnerhaufen-Modus. Die größte europäische Wirtschaftsmacht Deutschland, neuerdings von die pazifistischen Grünen regiert, würde ohnehin auf Appeasement setzen, so daß Moskau schnell Fakten schaffen könne. Im östlichen Teil der Ukraine leben eh zur Hälfte Russen; die würden sich im Zweifelsfall eher wie die Krimtataren verhalten, statt ihre Heimat zu Klump schießen zu lassen.

Einige dieser Annahmen klingen für mich immer noch überzeugend. Allein, es kam bekanntlich anders. Biden warf sein gesamtes politisches Gewicht für Europa in die Waagschale, machte gewaltige Summen Militärhilfe locker. Die Grünen mutierten zu Oliv-Grünen. Scholz begann eine gewaltige Aufrüstung, die EU schnürte ein Sanktionspaket nach dem Nächsten. Man sah schon ein neues geeintes EU-Zeitalter aufziehen. Aber von der Leyen konnte sich letztlich nicht durchsetzen. Fico und Orbán tanzen ihr auf der Nase herum, die Versprechen zur Lieferung von Artillerie-Munition wurden nie eingehalten und die Sanktionen sind löchrig.

Zudem sprangen Indien, China und die Türkei nur zu gern ein, um die durch Sanktionen verursachten ökonomischen Probleme Russlands zu kompensieren. Die Weltmarkpreise für Gas und Öl verteuerten sich durch die Krise enorm und davon profitieren die großen Petro-Exporteure – zum Beispiel Russland!

Die Sanktionen erwiesen sich als kapitaler Flop: Die EU-Wirtschaft schwächelt, Deutschland befindet sich in einer Rezession und ausgerechnet die russische Wirtschaft wächst kräftig. So hatte sich von der Leyen das vermutlich nicht gedacht.

Sind Wirtschaftssanktionen also ein generell untaugliches Mittel? Haben die schon irgendwann mal etwas gebracht? Ist es etwa so, wie Wagenknecht und Weidel behaupten, daß Habeck damit gezielt Deutschland schade?

Sanktionen sind aber das schärfste Mittel gegenüber Kriegsverbrechern  - außer kriegerischen Methoden.

Wir wissen auch nur, diese Sanktionen schaden Russland ganz offensichtlich nicht hinreichend, um den Krieg einzustellen. Das heißt aber nicht, daß sie grundsätzlich untauglich sind. Sie sind aber definitiv zu schwach. Sie werden von den mächtigen Playern – BRICS! – unterlaufen und überkompensiert.

Vor allem aber werden sie schändlich von der EU selbst nicht eingehalten.

Russland hatte nämlich in den vergangenen 20 Jahren hervorragende Arbeit geleistet, indem es Europa in energiepolitische Abhängigkeit dirigierte, während die schwarzgelben teutonischen Taubnesseln ganz freiwillig die energiepolitische Unabhängigkeit in die Tonne traten, indem sie die von der Schröder/Fischer-Regierund initiierte Solar- und Windkraft-Wende abstellten, den Netzausbau stoppten. Typen, wie Seehofer und Söder reisten regelmäßig nach Moskau, um Putin den Hintern zu küssen und wetterten zu Hause in Bayern gegen die Windkraft, die sie mit allen Mitteln zu verhindern suchten und russisches Erdgas anpriesen.

[….] EU kauft wieder mehr russisches Gas

[….] Bis 2027 will das vereinte Europa völlig unabhängig sein von russischem Gas und Öl. Doch jetzt gibt es Zweifel, ob das Ziel erreichbar ist: Der Import von russischem Gas nimmt nicht ab, er nimmt wieder zu.

Experten schlagen Alarm, auch EU-Energiekommissar Dan Jörgensen ist verärgert: Dass EU-Staaten weiter fossile Brennstoffe aus Russland kaufen und so Wladimir Putins Kriegskasse füllen, sei „völlig inakzeptabel“ und auch sicherheitspolitisch ein Problem, sagt Jörgensen.

Im vorigen Jahr stieg der Gasimport aus Russland – durch Pipelines und als Flüssigerdgas (LNG) – um 18 Prozent, obwohl der europäische Gasbedarf insgesamt stabil blieb, rechnet die britische Energie-Denkfabrik Ember in einer neuen Analyse vor. 45 Milliarden Kubikmeter Gas lieferte Russland, das entspricht fast der früheren Jahreskapazität der stillgelegten Gaspipeline Nord Stream 1 . Besonders Italien, Tschechien und Frankreich haben mehr gekauft als im Jahr zuvor, Ungarn, Österreich und die Slowakei sind stabil gute Kunden.

Dieser Trend habe sich auch 2025 fortgesetzt, vor allem bei LNG, nachdem zur Jahreswende die Gaslieferungen durch die Ukraine eingestellt worden waren, so die Ember-Analyse. Den Energieexperten zufolge setzt Russland zunehmend auf „Schattenschiffe“ zum Transport der LNG-Lieferungen. Auch Deutschland profitiere, obwohl es den Direktimport von russischem Flüssiggas verboten habe. [….] Die Experten von Ember machen eine brisante Rechnung auf: Insgesamt beliefen sich die Importe russischer fossiler Brennstoffe in die EU 2024 auf 21,9 Milliarden Euro und überstiegen damit die Finanzhilfen für die Ukraine in Höhe von 18,7 Milliarden Euro. Ember-Analyst Pawel Czyzak sagt: „Es ist ein Skandal, dass die EU immer noch russisches Gas importiert“. Statt in erneuerbare Energien und mehr Effizienz zu investieren, „verbrennen die Mitgliedstaaten Geld mit teuren LNG-Kapazitäten“. [….]

(HH Abendblatt, 03.05.2025)

Mit den konservativen Tölpeln – Söder, Orban, Kretschmer – hat Putin natürlich leichtes Spiel.

Daß Russland sich bisher dennoch die Zähne an der Ukraine ausbiss, liegt an der Ukrainischen Armee, die Übermenschliches leistet. An der finanziellen Unterstützung, die hauptsächlich Washington und Berlin locker machen. An der Bereitschaft tatsächlich das ganze Land zerstören zu lassen, hunderttausende Tote hinzunehmen, bevor man sich ergibt.

Daß Russland noch im Spiel ist, liegt an der Unfähigkeit des Westens, die Rüstungs- und Munitionsproduktion anzukurbeln. Russland ist dabei deutlich effektiver und erfolgreicher, findet Verbündete in Nordkorea und dem Iran.

Es bewegte sich also auf ein politisches und militärisches Patt zu.

Bis vor 100 Tagen. Als Putins kleiner oranger Epigone im Weißen Haus installiert wurde, änderte sich alles. Er übernahm tumb-debil die Kreml-Argumentation und warf die Ukraine unter den Bus.

 

Dienstag, 7. Mai 2024

Vor 1000 Jahren

Kann es sein, daß die Evangeliban immer irrer werden?

Die amtierende Ratsvorsitzende Bischöfin Fehrs kann zwar 14 Jahre nach Canisius noch niemanden finden, der mal die Akten über Tausende von protestantischen Pfarrern sexuell missbrauchte Kinder raussucht, aber dafür karrt sie 17.000 Posaunisten in meine Nachbarschaft, die im Hamburger Stadtpark, wie damals die ersten Kreuzritter im Jahr 1099 vor Jerusalem, versuchen gegen die Hamburger Kalifatsanhänger vorzugehen.

[…]  17.500 Musikbegeisterte zum Deutschen Evangelischen Posaunentag in Hamburg erwartet [….] Am kommenden Wochenende werden in Hamburg rund 17.500 Menschen aus ganz Deutschland mit ihren Blechblasinstrumenten den Ton angeben. Fast drei Tage lang ist Deutscher Evangelischer Posaunentag.  Veranstalter dieses größten ehrenamtlichen Bläsertreffens der Welt ist der Evangelische Posaunendienst in Deutschland (EPiD), der Dachverband aller evangelischen Posaunenchöre in Deutschland. […..] Großes Finale ist der Schlussgottesdienst im Stadtpark auf der Festwiese. Bischöfin Kirsten Fehrs hält die Predigt und wird die Musikerinnen und Musiker abschließend mit dem Segen auf ihren Heimweg senden. „Ich freue mich auf dieses kraftvolle Bild von einem positiven Wir", betonte Bischöfin Fehrs im Vorfeld. „Ein dreitägiges Fest mit Pauken und Trompeten, mit dem auch Gottes Liebe in dieser Welt sichtbar und vor allem hörbar wird.“  [….]

(Nordkirche, 03.05.2024)

Genau, Gottes Liebe wird ja gerade in der Ukraine und in Gaza wieder besonders sichtbar. Viel dazu gelernt haben die Christidioten ganz offenkundig nicht.

1095 hatte der zutiefst sadistische Hassfanatiker Papst Urban II. Europa zu einem Genozid aufgerufen.

Sie sollten alle Ungläubigen im Heiligen Land (und auf dem Weg dahin) töten. Heute verstehen wir unter den Opfern Juden und insbesondere Muslime. Die Begriffe „Muslim“ oder „Islam“ waren damals aber im  zutiefst wissenschaftsfeindlichen christlichen Hochmittelalter gar nicht bekannt. 99% der Bevölkerung waren landlose Leibeigene, die nicht lesen und schreiben konnte, unter erbärmlichsten Bedingungen hausten, nur eine  Lebenserwartung von 35 Jahren aufwiesen. 40% der Menschen starben bereits als Kinder, weil im Christentum Hygiene verboten war und die Kirche Gelehrte als Ketzer ins Feuer warf. Nur ein Prozent der Menschen, der Adel, durfte sich frei bewegen und besaß den gesamten Boden. Das Problem war aber die adelige Erbfolge. Der älteste Sohn erbte allein den gesamten Besitz und Titel. Die jüngeren Geschwister, der niedere Adel, also die heute so idealisierten Ritter, hatten nichts zu tun, kein Einkommen und zogen daher marodierend und vergewaltigend durch die Gegend. Die christlichen Herren mordeten so exzessiv und willkürlich, daß sie zu einer echten Landplage wurden.

Für Otto von Lagery, Papst Urban II. von 1088 bis 1099, den Herrn aller adeliger Herrn, spielten mutmaßlich weniger religiöse Motive oder der Hilferuf des byzantinischen Kaisers Alexios I. eine Rolle, als die Überlegung endlich eine Beschäftigungstherapie für den westeuropäischen adeligen Mord-Mob zu finden.

Das Pack wußte nichts von Muslimen oder anderen Religionen. Für die waren es schlicht „Ungläubige“, deren unverzügliche Ermordung ihr lieber Gott eindeutig befahl. Es war eine Win-Win-Win-Situation. Urban bekräftigte seinen Suprematieanspruch des Papstamtes, die Adeligen des heutigen Frankreichs und Deutschlands hörten auf, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und der niedere Adel konnte nun darauf hoffen, sich in der Levante ebenfalls Ländereien, Grafschaften, Herzogtümer und Königreiche unter den Nagel zu reißen, die in ihrer Heimat den älterem Bruder vorbehalten waren.

Über eine Sache kann es keinen Dissens geben: Während die Christliche Herrschaft im Europa des Mittelalters ein 1000-Jähriger mörderischer Alptraum für die Bevölkerung war, erlebten die Untertanten der Kalifen goldene Zeiten: Reichtum, religiöse Toleranz, Blüte der Wissenschaft und Kunst.

[….] "Für die Europäer ist der Osten Tausendundeine Nacht und steht für Reichtum, schöne Kleidung, junge Konkubinen, blühendes öffentliches Leben, Lieder und Kultur", sagt Elias al-Kattar, Geschichtsprofessor an der Libanesischen Universität. Während der muslimische Osten in Wohlstand lebte, war Europa relativ arm und von Konflikten gebeutelt.  [….]

(Kriege im Namen Gottes, 2018)

Verblödet, wie Christen vor 1.000 Jahren nur einmal waren, gingen sie vor den Toren Jerusalems zunächst einmal mit der Bischöfin-Fehrs-Methode aus dem Hamburger Stadtpark vor. Die halbdebilen ersten Kreuzfahrer Gottfried von Bouillon, Robert von Flandern und Raimund Graf von Toulouse dachten, die Stadt ließe sich bestimmt wie in der Bibel bezüglich Jericho beschrieben, einnehmen.

[….] Die Kreuzfahrer umschlossen Jerusalem und richteten sich auf eine langwierige Belagerung ein: Unter dem Gespött der islamischen Garnison zogen sie mit frommen Gesängen und schallenden Trompetensignalen um die Stadt und zum Ölberg. Aber die Trompeten vor Jerusalem waren nicht die Posaunen von Jericho: Die Mauern hielten. Inzwischen war auch Peter der Eremit, Führer des sogenannten Bauernkreuzzuges, mit den Resten seiner armseligen Truppe angekommen und hielt auf dem Ölberg flammende Reden. Auch sie vermochten gegen die "Ungläubigen" nichts. Nun wurden die Karren mit den Belagerungsmaschinen, den Sturmleitern und hölzernen Türmen herangefahren. Der Sturm begann Durch einen alten Einsiedler ermuntert, wagten die inzwischen wieder vereinigten Heere der Kreuzfahrer unter gemeinsamer Führung Gottfrieds, Rolands und Raimunds am 12. Juni 1099 bei tödlicher Hitze und ungenügender Vorbereitung den Sturm. Zwar erreichten einzelne Christen die Zinnen der Mauer, aber die seldschukischen Moslime konnten sich behaupten, die Stadt war nicht zu nehmen. Während Ritter und Fußsoldaten ihren Schock erst überwinden mußten - hatte ihnen doch nicht einmal die legendäre Heilige Lanze geholfen -, begannen die Fürsten bereits darüber zu streiten, welchen Titel der künftige Herrscher Jerusalems tragen sollte.  [….]

(Berliner Zeitung, 25.11.1995)

Für die Kreuzfahrer sollte es durch ihre Übermacht doch noch eine Win-Win-Win-Geschichte werden. Für die Bewohner Jerusalems nicht so. Die adeligen Ritter konnten nicht auseinander halten, wer Jude, wer Christ, wer Muslim war. Es war ihnen auch herzlich egal, weil sie ohnehin alle ermordeten. Je mehr Blut sie vergossen, desto zufriedener waren ihr Gott und ihr Papst. Dadurch erlangten sie völligen Ablass aller Sünden und konnten somit ins Paradies einziehen.

Zehn Tage brauchte die Kreuzritter-Armee. Zehn Tage Morden im Akkord. Vermutlich töteten die Vertreter der christlichen Nächstenliebe bei ihrem Genozid in einer guten Woche bis zu 100.000 Menschen. Frauen und Kinder wurden noch vergewaltigt, aber am Ende wurden alle dahingemetzelt. Natürlich zerstörten sie mit großer Freude auch die Al-Kuds-Moschee; drittheiligste Stätte des Islams, nach Mekka und Medina.

[…..]  Nun stand auch der Herzog selbst auf der höchsten Plattform, erst kletterten zwei seiner Ritter auf die Mauerkrone, dann sprangen auch schon Gottfried und die Männer seiner Leibwache. Und das war das Ende der muslimischen Verteidiger Jerusalems. Was kurz darauf passierte, beschrieben Augenzeugen:

„In die Stadt eingedrungen, verfolgten unserer Pilger die Sarazenen bis zum Tempel des Salomo, wo sie den Unsrigen den wütendsten Kampf lieferten, so dass der ganze Tempel von ihrem Blut überrieselt war. Nachdem die Unsrigen die Heiden endlich zu Boden geschlagen hatten, ergriffen sie im Tempel eine große Zahl Männer und Frauen und töteten oder ließen leben, wie es ihnen gut schien.

Bald durcheilten die Kreuzfahrer die ganze Stadt, sie rafften Gold, Silber, Pferde und Maulesel an sich, sie plünderten die Häuser. Dann glücklich und vor Freude weinend gingen die Unsrigen hin, um das Grab unseres Erlösers zu verehren.

Am folgenden Tag erkletterten die Unsrigen das Dach des Tempels, griffen die Sarazenen an, zogen das Schwert und schlugen ihnen die Köpfe ab. Niemand hat jemals von einem ähnlichen Blutbad unter dem heidnischen Volk gehört. Scheiterhaufen gab es wie Steine, und niemand außer Gott kennt ihre Zahl.“

Das Massaker im Jahr 1099 war der Höhepunkt des ersten Kreuzzugs – und der Auftakt zu einem der mörderischsten Kapitel der katholischen Kirchengeschichte. Der Papst hatte zum Heiligen Krieg aufgerufen, offiziell ging es darum, Christen im Osten vom Joch der Muslime zu befreien – in Wahrheit ging es um mehr Macht für den Vatikan und um das Prestige, die Stadt Jesu zu beherrschen. Natürlich trieb die adligen Ritter auch die Gier nach Land, nach Titeln, nach Fürstentümern.  [….]

(Spiegel Geschichte, 2009)

Ich empfehle bei dieser Gelegenheit dringend die vierteilige Dokumentation „Kriege im Namen Gottes - Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht“ von Bilal Momen aus dem Jahr 2018.

Denn wir kennen die Story nur durch die 1000-jährige Schönfärbung durch die christliche Brille. Und selbst aus der Perspektive ist es nur scheußlich.

[….] Die Kreuzfahrer, nach so viel Leiden und Entbehrungen völlig von Sinnen, rasen wie Besessene durch Straßen, Häuser und Moscheen, schreibt der britische Mediävist Steven Runciman. Er stützt sich dabei auf Augenzeugenberichte wie diesen: „Alle Feinde, die sie finden konnten, streckten sie mit der Schärfe ihrer Schwerter nieder, ohne auf Alter oder Rang Rücksicht zu nehmen, und es lagen überall so viele Erschlagene und solche Haufen abgehauener Köpfe umher, dass man keinen anderen Weg oder Durchgang finden konnte als über Leichen.“ [….]

(Florian Stark, 15.07.2017)

Im 21. Jahrhundert wissen wir allerdings auch diesen auf Päpstliche Anordnung verübten Genozid einzuordnen. Es blieb schließlich nicht dabei. Inquisition, Hexenverbrennung. Die Ausrottung von mehr als der halben Bevölkerung Europas im 30-Jährigen krieg, mehr als 100 Millionen von christlichen Conquistadores ermorde Einwohner Süd- und Nordamerikas. Auch der Holocaust wurde von Christen verübt. Ebenso wie das Massaker in Ruanda 1994.

Genozide können sie, die Christen.

Wer im Mai 2024 in Hamburg junge Muslime nach einem Kalifat schreien hört, denkt an den IS in Syrien und dem Irak und Libyen. Wie irre kann man sein, um sich diese Zustände zu wünschen?

Dem muss man aber zwei Dinge entgegenhalten: Etwa 20.000 der sechs Millionen Muslime in Deutschland, haben islamistische Vorstellungen. Es ist eine winzige Minderheit.  Die Muslime in Deutschland sind eine bessere Stütze der Demokratie, als die Christen.

[…..]  Laut einer Allensbach-Umfrage halten 81 Prozent der muslimischen Bürger in Deutschland die Demokratie für die beste Staatsform – in der Gesamtbevölkerung sind es nur 70 Prozent. Auch mit dem Funktionieren des politischen Systems sind sie überdurchschnittlich zufrieden.

Deutsche Muslime bewerten die Demokratie und das Funktionieren des politischen Systems in Deutschland einer Umfrage zufolge positiver als der Durchschnitt der Bürger. Das geht aus einer veröffentlichten Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hervor. So halten 81 Prozent der muslimischen Bürger die Demokratie für die beste Staatsform, gegenüber 70 Prozent der Gesamtbevölkerung. Während in der Gesamtbevölkerung nur 26 Prozent äußern, sie seien mit dem Funktionieren des politischen Systems in Deutschland sehr zufrieden, sind es unter den Muslimen mit deutscher Staatsangehörigkeit 53 Prozent.  [….]

(Welt, 25.08.2021)

Als Atheist möchte ich in gar keinem religiösen Staat leben und wünsche mir eine völlige Trennung von Staat und Religion.

Vor die Frage gestellt, ob ich in der Gegenwart lieber unter IS-Kontrolle oder unter einem christlichen Präsidenten leben möchte, wähle ich selbstverständlich die Christen.

Vor die Frage gestellt, ob ich im elften Jahrhundert lieber in einem Kalifat oder unter päpstlicher Herrschaft leben möchte, wäre aber meine Antwort ganz eindeutig Kalifat. Dann hätte ich die Posaune-spielenden Christen genau so ausgelacht, wie ich heute die EKD-Blechbläser im Hamburger Stadtpark auslache. Die Kalifenherrschaft war sehr viel humaner, toleranter und wissenschaftsorientierter.

(…..) In den Kalifaten mit Sitz in Bagdad und Konstantinopel, denen Abu Bakr al-Baghdadi nun nacheifert wurde erheblich liberaler geherrscht, als es der IS jetzt tut. Und natürlich auch erheblich liberaler, als es Christliche Herrscher der Zeit taten.

Es gab bei Hofe berühmte schwule Dichter, jüdische Minister und Christliche Gelehrte. Deswegen haben wir ja jetzt in Syrien, Irak und Ägypten Millionen Christen!

 […] Mehr als 750 Jahre ist es her, dass zuletzt ein Kalif am Tigris regierte. […] Das Leben am Hofe der Kalifen von Bagdad hatte nur wenig gemein mit dem, was die Dschihadisten unter einer islamischen Ordnung verstehen. Die Hauptstadt des Reichs war jahrhundertelang nicht nur das Zentrum der Wissenschaften und Künste, sondern auch ein Sündenbabel.

Viele Kalifen, in deren Fußstapfen nun die ISIS-Terroristen treten wollen, liebten den Wein und junge Männer. Und sie beschäftigten Hofpoeten, die das ausschweifende Leben am Tigris-Ufer in Verse packten. Der bekannteste Dichter jener Zeit war Abu Nuwas, der Ende des achten, Anfang des neunten Jahrhunderts zu Zeiten des legendären Kalifen Harun al-Raschid lebte und ein enger Vertrauter des Herrschers war. Er verfasste viele Wein- und Liebesgedichte, zumeist in homoerotischer Form. […] Der Sohn von Harun al-Raschid und Nachfolger auf dem Kalifenthron, al-Amin, trieb es noch bunter. Laut den Überlieferungen der Hofschreiber unterhielt er einen ganzen Harem mit jungen Männern und ließ allabendlich Eunuchen für sich tanzen und singen. […] Alkohol und Glücksspiel waren keineswegs nur das Privileg der reichen Oberschicht. Auch das gemeine Volk zog es in Trinkhäuser und Cafés, in denen es Wein tranken und Backgammon spielte.

Jenseits dieser Ausschweifungen war Bagdad im achten und neunten Jahrhundert unter den Kalifen die Welthauptstadt für Astrologen und Mediziner, Philosophen und Mathematiker. Christliche und Jüdische Wissenschaftler hatten daran entscheidenden Anteil. Und die Stadt war nicht zuletzt Austragungsort erhitzter innerislamischer Debatten über den Koran. […]

 (Christoph Sydow, 22.06.2014)

„Der Islam“ war tolerant und duldete nicht nur Andersgläubige, sondern fühlte sich verpflichtet sie aus Gastfreundschaft zu schützen.

Das berühmteste Beispiel dafür ist sicherlich die Maurische Hochkultur in Spanien, als unter Islamischer Kontrolle Wissenschaft und Kunst aufblühten, weil Christen und Juden akzeptiert waren. Dadurch konnten sich im schönsten Multikulti die Wissenschaften gegenseitig befruchten. Daher waren Astronomie, Mathematik und Medizin in Islamischen Herrschaftsbereich Jahrhunderte vor dem Christentum in Nordeuropa.

Die iberische Halbinsel erlebte in den sieben Jahrhunderten maurischer Herrschaft eine beispiellose kulturelle Blüte, bevor mit Isabella der Katholischen alles zerschlagen wurde, Inquisition und Judenverfolgung das Bild bestimmten.
Blüte ist durchaus wörtlich zu verstehen - die islamischen Einwanderer hatten nämlich auch den Blumentopf erfunden und brachten bunte Pflanzen nach Spanien. Sie legten Gärten an.
Ebenfalls aus Arabien importiert wurde die Gitarre - man stelle sich den Flamenco ohne Gitarren und bunte Stoffe vor - so sähe er wohl heute aus, wenn Spanien nur unter Christlichen Einfluss gestanden hätte.
Weitere heute nicht mehr wegzudenkende islamische Errungenschaften sind:
Mehrstöckige Architektur, Burgenbau, Liedgut, Farbige Stoffe, Zuckerrohranbau, Schulwesen, Übernahme der Papierproduktion aus China, Brieftaubenkommunikation, Schach, Kristallglas, golddurchwirkte Stoffe, Muster.

Im 11. Jahrhundert sind Arabische Erfindungen z.B. Uhren, Messgeräte, Hebegeräte und Energiespender, Linsen für Fernrohre und andere optische, astronomische und medizinische Instrumente und Geräte.
Die Christen sind beleidigt, ob ihrer eigenen Doofheit. Die Araber brachten eine derartige Hochkultur hervor, daß die wissenschaftsfeindlichen Christen im Vatikan dies als eine Bedrohung ansahen, auf die sie mit Gewalt reagierten.

Die Kirche fängt an, Forschung mit arabischen Grundlagen zu verbieten und lässt Forscher deswegen in den Kerker werfen oder sogar mit dem Tod bestrafen.
Die Kirche beginnt ihre Weltzensur gegen die überlegene islamische Lebensweise und technische Entwicklung.

500 Jahre Krise nannte Sebastian Schoepp seine feuilletonistische Analyse dieses destruktiven Christlichen Debakels in Spanien.

(Eviva Espana Teil II – 07.06.2012)

Es ist also unerfreulicher heute im IS zu leben als in einem christlichen Land, aber das liegt NICHT daran, daß „der Islam“ oder „der Koran“ grundsätzlich rückwärtsgewandter oder intoleranter als Christentum und Bibel sind.

Bei den Christen hingegen wurden Anders- und Ungläubige NICHT toleriert. Das konnte man wiederum perfekt nach der Vertreibung der Mauren aus Spanien erleben. Unter Isabella, der Katholischen kamen nämlich alle Ungläubigen, inkl „getaufter Juden“ gleich auch den Scheiterhaufen. (…..)

(Islamophobe Umtriebe, 16.09.2014)