Donnerstag, 14. Mai 2026

Deutschland unterstützt Russland

Ja, sicher, am 24.02.2022 habe ich die militärische Lage der Ukraine auch völlig falsch eingeschätzt. Als das riesige übermächtige Russland, die Atom-Supermacht losmarschierte.
Und auf der anderen Seite das kleine Problemland, dem wir erst mal mit 5.000 Helme aushelfen mussten.

Wenigstens bin ich Laie. Peinlicher war es natürlich für all die Militärexperten, Generäle und Obersten, die in den Talkrunden saßen und einen totalen Zusammenbruch der Ukraine innerhalb weniger Wochen voraussagten.

Gute vier Jahre wissen wir es besser: Die enorme Waffen-Übermacht auf dem Papier, bedeutet keineswegs einen ebenso klaren und schnellen Sieg auf dem Boden.

Das erlebt das stärkste Militär der Welt unter der glorreichen Führung des Very Stable Genius gerade im Iran: Der USA geht die Munition aus, der größte Flugzeugträger der Erde, die USS Gerald Ford, musste zu Reparaturen vom Golf abgezogen werden und die Mullah haben eine starke Verhandlungsposition.

[….] Dass die eigenen Siege gern größer dargestellt werden als sie sind, ist fast schon normal. Die Erfolgsmeldungen, die Amerikaner und Israelis wenige Tage nach Beginn des Krieges gegen die Islamische Republik Iran kundtaten, gehören aber in eine andere Kategorie. Nicht nur, weil sie so triumphaler nach Sieg an allen Fronten klangen. Sondern auch, weil sie nicht stimmten.

Die Mullah-Republik sei militärisch am Boden, die iranische Marine läge am Grund des Persischen Golfs, hatte US-Präsident Donald Trump wenige Tage nach Kriegsbeginn getönt. Militärisch gesehen habe die Islamische Republik „nichts mehr übrig.“ Auch die meisten der primär von Israel gefürchteten ballistischen Raketen habe man zerstört. Die Zerschlagung des iranischen Raketenprogramms war eines der erklärten Kriegsziele.

Rund 90 Prozent der unterirdischen Raketenstätten Irans sollen in Betrieb sein.

Den amerikanischen und israelischen Jets gingen die Ziele aus, klagte der US-Präsident. Irans Raketen seien „bis auf ein paar verstreute Überreste reduziert worden“. Ähnlich euphorisch formulierte es Verteidigungsminister Pete Hegseth, der den Titel „Kriegsminister“ trägt. Die USA und Israel hätten Irans Streitkräfte „dezimiert und auf Jahre kampfunfähig gemacht“.

Doch die Alliierten waren zu siegessicher. Iran besitze immer noch rund 70 Prozent seiner mobilen Raketenwerfer und fast zwei Drittel der Raketen selbst, berichtete die New York Times am Dienstag unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Ähnliche Zahlen hatte zuvor die Washington Post berichtet. Demnach haben die Iraner weiterhin jede Menge sowohl weitreichender ballistischer Geschosse als auch Kurzstreckenraketen und Marschflugkörper im Arsenal.  [….]

(Tomas Avenarius, 13.05.2026)

Die Todeszahlen, die Verletzten, die Zerstörungen in der Ukraine, sind tatsächlich so verheerend, wie vor vier Jahren für den Fall, daß sie sich mit allen Mitteln gegen Putin wehrt, prognostiziert wurde.

Bei einer sofortigen Ukrainischen Kapitulation im Jahr 2022, könnten heute noch viele Menschen leben, wäre die Infrastruktur noch intakt, wäre nicht das Klima massiv geschädigt worden.

Aber Russland gewinnt nicht militärisch.

Aber Russland wird selbst auch zerstört.

Aber Russland zahl selbst einen aberwitzigen Blutzoll von möglicherweise bis zu einer Million Menschenleben bisher.

Insbesondere veränderte sich aber unsere Sicht auf die Ukrainische Armee, die in den vergangenen Jahren Fähigkeiten entwickelte, von denen die Bundeswehr nur träumen kann.

Sie ist klar die stärkste Militärmacht Europas und ein gefragter Partner der Golf-Staaten, die vom Iran beschossen werden.

[….] Die Golfstaaten leiden im Iran-Krieg unter starkem Beschuss. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sorgen sich um ihre Sicherheit. Präsident Selenskyj bietet ihnen die Expertise der Ukraine an.

Die Ukraine hat mit mehreren Golfstaaten eine Zusammenarbeit bei der Luftverteidigung besiegelt. Bei einer Reise in die Region schloss der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj entsprechende Abkommen zunächst mit Saudi-Arabien und dann mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Nach dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar wurden ukrainische Experten in die Region entsandt, um bei der Abwehr von iranischen Drohnenangriffen zu helfen.  [….]

(NTV, 28.03.2026)

Im linken Schwurbelstan, bei Alice Schwarzer und Alice Weidel, bei Wagenknecht und BSW, bei AfD und Russlanddeutschen, wird immer noch nicht verstanden, daß die Ukraine das einzige ist, das zwischen uns und Putin steht. Auf Trumpmerica ist sicher kein Verlass, unsere eigene Bundeswehr immer noch ein Saftladen.

(….)  Schließlich verstieg [Tagesspiegel-Amerika-Mann Marschall] sich dazu, „Zwei ganz harte Sachen“ zu sagen (ab Minute 44:17):

[….] Ich verstehe nicht, warum wir in Deutschland und Europa irgendwelche Hoffnungen in Gespräche mit Putin setzen. Putin hat alle Abkommen gebrochen. Es spricht überhaupt nichts dafür, wenn es denn zu einem Abkommen käme, dass er das freiwillig einhalten würde. Und das zweite, wir sind einer so schrecklichen Situation, dass wir in einem Gewissenskonflikt sind, dass wir einerseits wünschen, dass der Krieg endet, damit Menschen nicht mehr sterben. Aber solange die Ukraine kämpft, ist das die sicherste Hindernis dafür, dass Putin die NATO Ostflanke angreift. Und ich meine vor allen Litauen, weil dort die Bundeswehr steht, dann wären wir im Krieg. Also, es ist wirklich ein Gewissenskonflikt. Es ist brutal das zu sagen, aber es liegt in unserem Interesse, dass dieser Krieg noch etwas weitergeht, damit wir eine glaubwürdige Abschreckung aufbauen können, damit nach dem Ukrainekrieg nicht ein Litauen Krieg folgt. [….]

(C.v. Marschall)

Wenn aber Russland die NATO-Mitglieder Litauen oder Estland angreifen sollte und daraufhin der Artikel 5 griffe, würde MAGAmerika uns mit hoher Wahrscheinlichkeit im Stich lassen und nicht seine Atomstreitmacht gegen Putin ins Feld führen.

Eine Anruferin war davon derartig entsetzt, daß sie ihre ursprünglich Frage zurück zog, um darauf erneut einzugehen (ab Minute 58:08):


[…] Während der Runde hat mich ein Satz sehr gestört von Herrn Marschall und zwar in dem er gesagt hat, ähm der Krieg könnte ruhig noch ein bisschen weitergehen in der Ukraine, weil sonst ähm würde man ein hohes Risiko eingehen. Und ich finde das ganz schlimm, so einen Satz in die Welt zu setzen, vor allen Dingen als Journalist, weil ich weiß nicht, ob er schon mal selber erlebt hat, wie es ist im Krieg die Menschen, die frieren, die hungern, die Ängste haben und da noch zu sagen, der könne ruhig noch ein bisschen weitergehen, der Krieg das leichtfertig und ich finde es erschütternd.   […]

(Anruferin aus Berlin)

Ich befürchte, hier klingt wieder das fatale Schwurbel-Hufeisen an: Putin-Fans, Rechtsradikale, Öko-Verwirrte, Denk-Amateure und durchaus sympathische Menschen, die sich einfach nur Frieden wünschen.

Aber der Zug ist leider abgefahren. Man kann jetzt nicht das Schießen und Morden beenden, indem man Putin einfach das gibt was er möchte, Donezk, Donbass, die am stärksten befestigten Ukrainischen Stellungen. Denn so viel wissen wir sicher; Putins Versprechungen sind genauso wertlos, wie Trumps. Er wird sich nicht in Zukunft bescheiden zurückhalten, wenn man ihm nur weit genug entgegenkommt. Das hat Chamberlain vergeblich mit Hitler versucht, das versucht Merz vergeblich mit Trump und das wird auch nicht mit Putin funktionieren.

[….] Ich verstehe völlig ihre Empörung, aber ich habe nicht gesagt, der kann noch ein bisschen weitergehen, sondern ich habe genau das getan, was sie von mir gefordert haben. Ich habe gesagt, wir sind in einem Gewissenskonflikt und dass ich jetzt etwas ganz Schreckliches sagen werde.

Das ist leider durch unser Verschulden, weil wir Abschreckung Militär über Jahre nicht ernst genommen haben, brauchen wir Zeit, um abschreckungsfähig zu werden. Und diese Zeit schenkt uns die Ukraine, solange sie kämpft. Ich weiß nicht, ob sie gerne lieber haben wollen, dass dieser Ukrainekrieg ganz schnell runtergeht und kommendes Jahr greift Putin die deutschen Soldaten in Litauen an. Ob sie das für die bevorzugenswerte Variante halten. Es ist ein moralischer und ein Gewissenskonflikt, aber wir müssen ihn offen aussprechen, natürlich in der gebotenen Einordnung, dass das etwas schreckliches ist, das so sagen zu müssen. Aber in diese Lage haben wir uns gebracht [….]

(C.v. Marschall)

Marschall mag persönlich nicht besonders liebenswert sein und auch nicht immer Recht haben. In diesem Fall aber schon. EU-Regierungschefs und Verteidigungsminister werden es nicht laut aussprechen, weil es so amoralisch und empörend ist. Aber ich vermute auch sehr stark, daß sie sich hinter verschlossenen Türen wünschen, der Ukraine-Krieg möge noch ein paar Jahre möglichst blutig weitergehen und dabei dem Kreml jeden Tag viel Geld, Waffen und Menschenleben kosten. Das ist im Moment unsere beste Möglichkeit, die russische Armee zu schwächen. Die Ukrainer zahlen ungerechterweise den tödlichen und perfiden Preis für uns. Da ist es das Mindeste, sie wenigstens finanziell, logistisch und mit allen Waffen, die wir haben, auszustatten. (….)

(Mehr Geld und mehr Waffen für die Ukraine, 25.01.2026)

Es dürfte der eine, aber womöglich wesentliche Verhinderungsgrund sein, der gegen eine CDU-AfD-Bundesregierung spricht: Selbst die meisten relevanten Politiker der CDU haben begriffen, wie wichtig die militärische und finanzielle Unterstützung für die Ukraine ist. Und sei es auch nur aus egoistischen Motiven, um der Bundeswehr Zeit zur Aufrüstung zu verschaffen.

Aber blöd, wie sie nun einmal sind, stärken die Fossil- und Uran-Jünger der CDUCSU dennoch Putin den Rücken.

[…] Ein Gas-Deal für Putins Kriegskasse[…] Ein Bundesunternehmen verhandelte 2023 mit einem Putin-Vertrauten über die Wiederaufnahme von LNG-Lieferungen - das zeigen NDR-Recherchen. Der Kreml gab das Geschäft frei, seitdem fließen Milliarden. […] Es ist eine vertrauliche Mission, Anfang April 2023. Egbert Laege, Chef der bundeseigenen Firma SEFE, ist eigens nach Dubai gereist. Der Mann, den er treffen will: Leonid Mikhelson, einer der reichsten Russen, Chef der Gasfirma Novatek und Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin. […]

SEFE-Chef Laege ist sich offenbar bewusst, dass sein Plan politisch heikel ist. Das deutet er in seinem internen Memo zum Treffen mit Mikhelson an. Aber es hält ihn nicht davon ab, die Gas-Gespräche voranzutreiben. Laege und Mikhelson wollen einen alten Vertrag aus dem Jahr 2015 wieder zum Leben erwecken, aus der Zeit, in der die SEFE noch Gazprom Germania hieß und ein Ableger des russischen Staatskonzerns Gazprom war. Weil die Bundesregierung die Gazprom Germania 2022 aber verstaatlicht, in SEFE umbenannt und dem Zugriff Russlands entzogen hat, boykottiert die russische Regierung die SEFE.

Mit Mikhelson scheint sich Laege schnell einig zu sein. Ein Ableger von Mikhelsons Firma Novatek soll bis 2038 LNG an die SEFE liefern. […] Lieferdaten legen nahe, dass die meisten Lieferungen seit 2023 tatsächlich nach Europa gingen. 2026 landeten laut einer Analyse der Organisation "Urgewald" in den ersten vier Monaten sogar 98 Prozent aller Exporte aus dem Yamal-Projekt in Europa. Die SEFE gilt seit der Wiederaufnahme der Lieferungen 2023 als einer der bedeutendsten Abnehmer. In Häfen wie Seebrügge oder Dünkirchen wird das Gas in Pipelines gespeist. Von dort aus strömt es wohl auch nach Deutschland. […] Bis 2027 aber wird das LNG noch in der EU anlanden - und die Milliarden noch weiter nach Russland fließen. […]

(Tagesschau, 13.05.2026)

Mittwoch, 13. Mai 2026

Schwarzgrün oder Schwarzbraun?

Er ist einer dieser Männer, die während ihres Lebens kontinuierlich nach rechts wandern. Alexander Kissler, Henryk M Broder, Matthias Matussek, Arnulf Baring, Oswald Metzger. Die linkliberal anfingen, lange Zeit geschätzte seriöse Arbeit leisteten, aber zunehmend konservative Einsprengsel bekamen, irgendwann auch mit schwurbeligen rechtsextremen Positionen sympathisierten und schließlich aus dem demokratischen Spektrum wegdrifteten. Christoph Schwennicke, 60, ab 1993 Badische Zeitung, 1996 Süddeutsche Zeitung, 2005 Chef der SZ-Parlamentsredaktion in Berlin, 2007 Der Spiegel, 2012 Chefredakteur Cicero.

Ab 2015 gab es kein Zurück mehr, Schwennickes Xenophobie brach voll durch.

[….] Im Mai 2016 übernahmen Schwennicke und sein Stellvertreter Alexander Marguier die Titel Cicero sowie Monopol von der Schweizer Ringier-Gruppe und gaben daraufhin beide Magazine unter dem Dach der Res Publica Verlags GmbH heraus. Seit der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 beschrieben mehrere Journalisten einen Rechtsruck von Cicero. Jakob Augstein warf Schwennicke im Februar 2016 auf Spiegel Online vor, „völkische Propaganda“ zu verbreiten. Catalina Schröder konstatierte im April 2017 in der Fachzeitschrift Journalist, Schwennicke schaffe es, „einen Großteil seiner Texte und Interviews auf die seiner Meinung nach schwer misslungene Flüchtlingspolitik der Kanzlerin zu drehen“. Im Januar 2021 wurde vor dem Hintergrund wachsender Differenzen zwischen Schwennicke und Marguier bekannt, dass Schwennicke aus der Cicero-Chefredaktion aussteigt und seinen Anteil am Res Publica Verlag an den Bankmanager Dirk Notheis verkauft. […]

(Wikipedia)

Mittlerweile kam Schwennicke in der Chefredaktion von t-online unter und fabuliert im lockeren Plauderton mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider über seine herbeigesehnten Nazi-Koalitionen.

[….] Haider: Lieber Christoph, der Bereich, in dem die Bundesregierung in ihrem ersten Jahr wirklich etwas vorzuweisen hat, ist die Migrationspolitik, da ist etwas passiert. [….]

Schwennicke: Die AfD ist aus dem großen Migrationsfehler von Angela Merkel geboren, aber bezieht ihre Kraft längst nicht mehr nur daraus. [….]

Generell glaube ich, dass alle aus dem Angstmodus rausmüssen, was die AfD anlangt. Nicht noch die letzte Tuttifrutti-Koalition mit allem von Linken bis CDU aufbieten, um eine AfD an der Macht zu verhindern. Die Stärke der Demokratie besteht darin, die AfD selbstbewusst auszuhalten. Und sich nicht mit aller Gewalt gegen große Teile der derzeitigen Wählerschaft zu stellen. Kurz: Mehr Demokratie wagen.  […..]

(HH Abendblatt, 09.05.2026)

Es ist schon schlimm, zu lesen, wie Idioten für die AfD plädieren.

Aber wenn intelligente und gebildete Menschen dies tun, wird es erst richtig gefährlich. Schwennicke ist die Inkarnation der gescheiterten Moral. Ein Mann, der so von seinem Hass auf Grüne, SPD und insbesondere Ausländer, verblendet ist, daß er mit wehenden Fahren die historischen Fehler der deutschen Konservativen von vor 100 Jahren wiederholen will. Was Schwennicke so locker als „mehr Demokratie wagen“ im Abendblatt verbreitet, ist der Weg in den Untergang.

[….] MOPO: Die rechtsextreme AfD erreicht in Umfragen momentan Spitzenwerte. Überrascht Sie das?

Michel Friedman: Nicht wirklich. Wobei ich den Begriff „rechtsextrem“ zunehmend für verharmlosend halte. Diese Partei stellt zentrale Prinzipien unserer demokratischen Ordnung infrage und arbeitet mit Hass als politischem Instrument. Hass ist hungrig. Hass ist nie satt. Und er sucht sich immer neue Ziele. Daraus entsteht dann schleichend das, was man dann Autokratie und Diktatur nennt. [….]  

MOPO: Noch hat die AfD die Ebene der Exekutive in Deutschland nicht erreicht. Einige Beobachter sagen: Die AfD muss nur mal irgendwo regieren. Dann wird sie sich quasi automatisch selbst entzaubern. Ist da nicht vielleicht was dran?

Friedman:   Nein. Das ist historisch widerlegt. Antidemokratische Kräfte nutzen Macht, um sie auszubauen und zu sichern. Wer ihnen Verantwortung überträgt, riskiert, dass demokratische Strukturen systematisch geschwächt werden. Es ist nicht Aufgabe der Demokratie, sich selbst aufs Spiel zu setzen. Und wer glaubt, er selbst bliebe von solchen autoritären Systemen schon verschont, wenn sie einmal an der Macht sind, unterschätzt die Dynamik solcher Entwicklungen. [….]

(Mopo Interview Michel Firedman, 02.05.2026)

Es hilft aber nichts, die Augen davor zu verschließen. Auf vielen politischen Ebenen, von der Kommunalen bis zum EU-Parlament, arbeitet die CDU bereits mit den Faschisten zusammen. Im Bund wäre das zwar höchstproblematisch (Russlandpolitik, Blockade durch den Bundesrat, Abweichler in der CDU), aber dennoch wird sich Schwennickes Wunsch mit einiger Wahrscheinlichkeit erfüllen.

Aus meiner Sicht gibt es zwar kaum noch Hoffnungen, das totale Demokratie-Desaster abzuwenden. Aber wenn überhaupt, kann das nur mit RRG-Mehrheiten gelingen, die durch den Niedergang der CDU sogar einen Tick wahrscheinlicher werden. Für die LTW MeckPomm misst Infratest Dimap heute nur noch 10% für die CDU. Eine einstellige CDU bläst bedauerlicherweise fast nur die AfD auf, schafft aber auch links von ihr mehr Platz.

Mit meinem Eintreten für RotRotGrün stehe ich einsam da. Konservative sind ohnehin dagegen und das linke Spektrum, welches man auf Bluesky erlebt, frönt einem derartigen Hass auf die SPD, daß sie die Möglichkeiten einer linken Mehrheit kontinuierlich reduzieren.

Da aber die regierende Merz-Koalition vor unseren Augen durch die sagenhafte Unfähigkeit der C-Minister zerbröselt, historisch unbeliebt ist, wettet niemand mehr auf ein Überleben bis zur regulären Wahl Anfang 2029.

Wer das Land nicht in den faschistoiden AfD-CDU-Abgrund stürzen sehen möchte, lotet Alternativen aus.

Hierbei bildet sich immer offensichtlicher ein Narrativ heraus: Faktenwidrig soll die SPD, und nicht etwa die CDU, als Sündenbock für das Scheitern der Merk-Söder-Klingbeil-Koalition herhalten. Die SPD wird bereits medial beerdigt, wie die FDP.

An Mehrheiten mit der Linken, RRG-Koalitionen wird gar nicht erst gedacht.

Die Lösung abseits der Nazis lautet nun SchwarzGrün.

[….] Cem Özdemirs Wahl sendet ein starkes Signal Richtung Berlin[….] Nun also ist der Superrealo Ministerpräsident und regiert mit der CDU. Und natürlich beflügelt das die Fantasien, dass Schwarz und Grün auch eine Option für den Bund ist. [….]

(Roland Muschel, 13.05.2026)

Die Grünen sollen sich zu einer Özdemir-Partei transformieren, die den lästigen Klimaschutz hinter sich lässt und Ja zu Palantir sagt! Grüne ohne grüne Themen. Grüne für Abschiebungen und Verbrennermotoren.

[….] Es ist gut, wenn Grün-Schwarz in Baden-Württemberg Politik in einem anderen Stil macht als Schwarz-Rot im Bund. Ein gemeinsames Auftreten mit wenig öffentlichem Streit ist eine Voraussetzung für erfolgreiches Regieren – aber nicht die einzige. Es geht schließlich um Inhalte.

Da gehen manche Zugeständnisse an die CDU zu weit. Etwa in der Migrationspolitik, wo die künftige Stuttgarter Landesregierung dem Bundesinnenminister Dobrindt zubilligt, es gebe „die derzeitige Notwendigkeit von temporären Kontrollen an den deutschen Grenzen“ – als hätten nicht Gerichte Dobrindts Vorgehen für rechtswidrig erklärt, Asylsuchende an den Grenzen zurückzuweisen. Nicht nur hier muss man sich fragen: Was ist daran grün?

Im Kern aber geht es um die Frage, ob das „Autoland“ Baden-Württemberg es schafft, die Arbeitsplätze zu erhalten und gleichzeitig umzusteuern auf moderne, emissionsfreie Antriebe. Zu träge hat die Autoindustrie diesen Wandel realisiert und ist international zurückgefallen bei den Zukunftstechnologien.

Der Klimawandel wartet nicht darauf, dass Unternehmen einsichtig werden. Es gehört zum Gründungsimpuls der Grünen, die Dringlichkeit ökologischer Korrekturen auch im Konflikt mit den Konzernen einzufordern. Kuschen ist nicht das richtige Konzept, auch nicht im „Autoland“. Nur wenn Özdemir und seine grün-schwarze Koalition dies beherzigen, spielt es eine Rolle, ob Grüne mitregieren oder nicht. […]

(FR, 13.05.2026)

Die Grünen als Olivgrüne Mehrheitsbeschaffer für Dobrindt und Reiche. Die CDU solle sich einen Ruck geben.

[….] Koalitionen: Besser Schwarz-Grün [….] Die Union sollte schleunigst ihr Verhältnis zu den Grünen entspannen, denn sie braucht eine Alternative zu einer Koalition mit der SPD. [….] Kündigt sich ein politischer Wetterwechsel an? In der Union sprechen sie plötzlich ein wenig freundlicher über die Grünen. Die wiederum mühen sich öffentlichkeitswirksam, das linke Image abzustreifen, zeigen sich wirtschaftsfreundlich. Die zarten Zeichen der Zuneigung bei Schwarzen und Grünen lassen aufmerken. [….] Denn bei Schwarz-Rot passt es nicht, das zeigt sich Woche für Woche aufs Neue. Zuerst ist da die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. [….]

(SPIEGEL-Leitartikel von Sebastian Fischer, 13.05.2026)

Und die Grünen selbst?

Sehen es offenbar genauso.

Banaszak goes Dobrindt.

Mit dem Blick auf die debakulierende Ampel reichen sie nicht etwa der SPD unterstützend die Hand, um RRG-Mehrheiten auszuloten, sondern umschwärmen Merz, Spahn und Reiche.

[…] Comeback der Pizza-Connection: Wie Grüne die Nähe zur CDU suchen[….] Schwarz-grüner Frühling: Die Bundestagsfraktion lädt Annegret Kramp-Karrenbauer zum Vortrag, Bundestagsabgeordnete treffen sich zu vertraulichen Gesprächen. Wird daraus eine Machtoption für die nächste Bundestagswahl? [….] Getrieben werden die Grünen dabei nicht nur von Hoffnung, sondern auch von mangelnden Alternativen. Seit dem Wahlsieg in Baden-Württemberg im März wächst zwar nach Monaten fallender Umfragewerte wieder das Selbstbewusstsein. Doch das linke Lager aus SPD, Grünen und Linken ist derzeit zu schwach für eine eigene Mehrheit – zusammen kommen sie nur auf 37 Prozent. Als einzige Machtoption gilt derzeit ein Dreierbündnis aus Union, SPD und Grünen. Legen Union und Grüne zu, wäre zudem auch eine schwarz-grüne Koalition im Bund denkbar.

Hinter den Kulissen sind deshalb Bemühungen der Grünen angelaufen, auch abseits der großen Bühne mit der Union wieder stärker ins Gespräch zu kommen. Die Pizza-Connection wird in diesen Wochen wiederbelebt. [….]

(Markus Balser, SZ, 28.04.2026)

Dienstag, 12. Mai 2026

CDU Richtung Keller

Marc Raschke verbreitete gestern einen Drei-Sekunden-Merz-Clip von vor einem Jahr: Der Sauerländer wird auf dem Weg zum Kanzleramt von Reportern umringt, ein Photograph gerät ins Stolpern, bleibt an einer Absperrung hängen und fällt buchstäblich in einer Armlänge Abstand zum CDU-Riesen auf den Rücken. Merz geht ungerührt weiter, schüttelt abfällig den Kopf, ja macht sogar eine zynisch Bemerkung.

Raschke erkennt darin einen „Laschet-Moment“.

[…] Es sind Momente wie dieser hier, in denen sich der #Charakter eines Menschen zeigt: Ein #Mensch droht zu fallen, er stürzt dann tatsächlich. Und der andere Mensch? Sieht den Gestürzten, schüttelt aber nur den Kopf, während er an ihm vorbeiläuft. Und zuckt nicht einmal, um dem am Boden Liegenden zu helfen. Stattdessen bleibt die Hand in der Tasche.

Würde man diese Geschichte einfach so ohne weitere Infos erzählen, würde man sagen: „Wow, was ein Ar…“ Und man würde anhand dieser #Geschichte erklären, wie unsoziales und menschenverachtendes Verhalten aussieht.

Nun ist dieser Vorfall jedoch mit Friedrich Merz neben dem Kanzleramt passiert, der seelenruhig an einem Gestürzten vorbeiläuft. Und man möchte sagen: Symbol für sein #Menschenbild! - Spötter nahmen Merz in Kommentaren in Schutz: Merz könne sich nicht bücken, weil er mangels Rückgrat ein Korsett tragen müsse.

Es war einer dieser vielen „#Laschet-Momente“, die Merz sammelt wie andere Leute Bierkrüge oder Briefmarken.  [….]

(Marc Raschke, 11.05.2026)

Daß er nicht den geringsten Reflex zeigt, um jemanden zu helfen, der zu Boden fällt, oder wenigstens kurz guckt, ob es dem gut geht, bezeugt einerseits den miesen Charakter des Kanzler und andererseits seine Dummheit. Ein intelligenterer Menschen mit genauso sadistischem Charakter, hätte vielleicht die PR-Gelegenheit erkannt, sich als sympathischer Mensch zu inszenieren, der demonstrativ vor Kameras stehen bleibt, sich als hilfsbereite Person beweist.

Immer wieder mal sammeln Popmusiker, Schauspieler, Politiker enorme Pluspunkte, wenn sie zufällig in solche menschelnden Situationen geraten, sich aus der Rolle des Superstars lösen und blitzartig zu einem empathischen Normalmensch werden.

Friedrich Merz fehlt dazu aber die emotionale Intelligenz.

Aber es passt in das lange bekannte Bild von ihm; es ist seine natürliche Attitüde, sich über Ärmere und Schwächere zu erheben, sie zu demütigen, Sadismus auszuleben.

 [….] Das Urteil, das seine Fraktionskollegen über Friedrich Merz fällten, war hart, teilweise vernichtend. Nach dessen Abgang von der Spitze der Unionsfraktion nannte ein mächtiger Landesgruppenchef Merz' "Neigung zur Dogmatik und zur Sturheit" als eine zentrale "politische Schwäche". Er berichtete von "ausgeprägter Eitelkeit und auch einer Neigung (…) zur Selbstdarstellung" und von Merz' Unfähigkeit, gute Leute "an sich zu binden".

Als Merz den Fraktionsvorsitz der Union 2002 nach nur 31 Monaten verlor, hatte er zahlreiche Abgeordnete gegen sich aufgebracht. Während sich heute die meisten CDU-Anhänger an einen brillanten Rhetoriker und glänzenden Analytiker erinnern, waren viele in der Fraktion vor 16 Jahren unzufrieden mit dem Chef. Selbst einstige Förderer sprachen ihm damals grundlegende politische Fähigkeiten ab.

Nachlesen lässt sich das in einer bislang unbekannten wissenschaftlichen Arbeit, die 2005 verfasst wurde und Zeit Online vorliegt.   […..]

(Tagesspiegel, 27.11.2018)

Der Mann ist charakterlich zutiefst verdorben. Daher mögen ihn selbst seine Mitarbeiter, die ihn als Politiker bewundern, nicht.

Er zeigt zudem keinerlei Lernfähigkeit. Als Spätsechziger nimmt er die alte Rolle als Fraktionschef wieder auf, lässt aber keinerlei Anzeichen von Einsicht, oder gar Altersmilde erkennen. Er genießt es immer noch, die Kollegen niederzumachen. Insbesondere, wenn es Frauen sind, oder gar eine Migrantin, wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler.

[…..] Zwischen Merz und Güler hat es einige Male gekracht, vor allem wenn es um das Thema Migration ging. So kritisierte sie ihn beispielsweise, nachdem er Anfang vergangenen Jahres Söhne von Migranten als »kleine Paschas« bezeichnet hatte. Ende 2022 kam es zu einem echten Eklat. Es ging damals um das Chancenaufenthaltsgesetz der Ampel, mit dem man geduldeten Asylbewerbern einen sicheren Aufenthalt ermöglichen will. Die Union war dagegen, aber 20 Abgeordnete stimmten nicht mit Nein, sondern enthielten sich der Stimme, unter ihnen Serap Güler.

Merz bezichtigte die Abweichler, einen kleinen Aufstand zu proben. Im Plenarsaal nahm er sich seinerzeit Güler vor, in Gegenwart zahlreicher konsternierter Augen- und Ohrenzeugen. Mit erhobenem Zeigefinger baute sich der Fast-Zwei-Meter-Mann vor der deutlich kleineren Kollegin auf und schleuderte ihr entgegen: »Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?« Seine Wut richtete sich gegen die Abgeordnete, weil er sie als treibende Kraft vermutete. Es war wie eine Bestrafung.  […]

(Florian Gathmann, 27.04.2024)

Merz selbst hingegen agiert - da gibt es starke Parallelen zu seinem Freund Donald Trump - dünnhäutig. Er teilt gern aus, kann aber überhaupt nicht einstecken.

[…]  Wenn sich die Grünen gegen Pöbeleien und Anfeindungen juristisch wehrten, war das Unionspolitikern immer ein Thema wert. Hier werde mit Kanonen auf Spatzen geschossen, so oft der Tenor. Doch offenbar soll auch Friedrich Merz umfangreich gegen Beleidigung vorgegangen sein. In seiner Zeit als Unionsfraktionschef soll Merz seit 2021 Hunderte Strafanträge wegen mutmaßlicher Beleidigungen gestellt oder mitverfolgt haben, berichtet die »Welt am Sonntag«  unter Berufung auf Strafanträge, Ermittlungsakten und Anwaltsschreiben.

Merz ging offenbar systematisch gegen Kritiker in sozialen Medien vor. In mindestens zwei Fällen führten diese Strafanträge zu Hausdurchsuchungen, darunter bei einer schwerbehinderten Rentnerin im Rollstuhl, die Merz als »kleinen Nazi« bezeichnet haben soll. Trotz ihres sofortigen Geständnisses wurde ihr Mobiltelefon beschlagnahmt, berichtet die Zeitung. […]

(SPIEGEL, 08.12.2025)

Friedrich Merz fehlt es nicht nur an emotionaler Intelligenz, sondern genauso an intellektueller Intelligenz. Nach 70 Lebensjahren, Jahrzehnten in Politik und Wirtschaft, ist sein ökonomisches Verständnis bemerkenswert unterkomplex. Er versteht die allermeisten Probleme Deutschlands gar nicht.


Ein Jahr im Amt des Kanzlers bewies diese erstaunliche Borniertheit nur noch mehr. Er begreift es nicht, er will es nicht begreifen, er kann es nicht begreifen.

Sein ganzes Wesen reduziert sich auf Missgunst und Schimpfen.

Ökonomische Zusammenhänge sind für den Sauerländer Simpel viel zu komplex.

Nun sind, wie Wirtschaftsexpertin Ulrike Hermann völlig richtig feststellt, die durchschnittlichen Wähler keineswegs schlauer als Merz und billigen der CDU, trotz der diametral entgegengesetzten Empirik, hartnäckig die größte Wirtschaftskompetenz zu.

Daher geht es gerade mit Deutschland ganz klar bergab. Der von der Fossillobby vorgegebene Kurs, den Reiche, Linnemann, Spahn, Söder und Merz strikt verfolgen, erweist sich, wie zu erwarten, nicht nur als ökologisches, sondern auch ökonomisches Desaster.

Ein kluges Wahlvolk könnte die Zeichen erkennen und würde bei den Landtagswahlen breite rotgrüne Mehrheiten wählen, um der Bundes-Kleiko zu signalisieren, wohin die Reise gehen soll. Leider haben wir kein schlaues Wahlvolk, sondern hauptsächlich Halbidioten, die zwar wahrnehmen, daß es mit Merz nicht funktioniert, aber daraus nicht die richtigen Schlüsse ziehen können, sondern nun den einzigen Weg beschreiten, der es NOCH schlimmer macht. Sie rennen zu den Nazis!

So langsam beginnen Panik und Hysterie in der Union, nachdem immer offensichtlicher wird, dass Merz und Dobrindt einerseits die eigenen Truppen halbieren, aber anderseits die Nazis auf Rekordgröße aufblasen. 

 

Umso erstaunlicher die kognitive Dissonanz, mit der sich die CDUCSU jeder Erkenntnis verweigert und partout nicht einsehen will, daß sie durch Plagiieren der AfD nur die AfD stärkt.

Montag, 11. Mai 2026

Altern – Teil II

Keine Kinder und Enkelkinder zu haben, empfinde ich als Segen, wie ich gestern ausführte.

Kein Tag, an dem ich nicht erneut mit weit aufgerissenen Augen aktuellsten Moves unserer Anführer Trump, Merz, Putin, Netanjahu, Erdoğan entgegen sehe und denke, „das wird uns noch schneller in den Abgrund führen“.

Außer Sanchez und Carney, sehe ich niemanden an der Spitze, die ich auch nur mit minimaler Hoffnung auf Besserung assoziiere.

Dabei stellt das Beschimpfen der Führungsfiguren auch nur einen billigen Weg zur Wutkanalisierung dar, der den totalen Clusterfuck, in dem sich Homo Sapinens derzeit befindet, nicht auflöst.

Es sind eben nicht (nur) DIE Parteien, DIE sozialen Medien oder DER ÖRR Schuld, dass wir uns Richtung 1933 bewegen, sondern WIR, das Volk selbst. Wir sind schlecht informiert, leichtgläubig, missgünstig, phlegmatisch und borniert. Wir könnten viel schlauer wählen, wenn wir genauer hinguckten und etwas intensiver nachdächten, was unsere Wahl- und Kauf-Entscheidungen für Konsequenzen haben.

Niemand ist gezwungen, sich bei der BILD, bei Nius, in einer AfD-FB-Blase oder dubiosen Tiktok-Kanälen zu informieren.

Aber die fortschreitenden Generalverdummung ist ein sich selbst verstärkendes System, in dem Vernunft, Besonnenheit und Selbstreflexion an den Rand gedrängt werden und dafür Dreistheit und Lüge ins Zentrum rücken.

Ich sehe keinen Ausweg und das ist angesichts der demoskopischen Katastrophe in Deutschland, der sicheren Altersarmut und der Klimaüberhitzung auch gut so. Möge des das Ende der Menschheit schnell kommen und mir ein langes unerfreuliches Siechtum ersparen.

Leider gilt aber immer noch Murphys Law. Wenn ich also ab sofort keinen Gedanken mehr an die Zukunft verschwende und JETZT alles verprasse, das ich habe, werde ich natürlich uralt und werde meine Unvernunft fürchterlich bereuen. 

(….) Ich ärgere mich darüber, mich Dekaden über das Plastikschrott-Regal geärgert zu haben. Wieso habe ich nicht all die Jahre mit einem optisch ansprechenden Regalsystem gelebt? Wozu sparen, wenn irgendwann eh keine Lebenszeit mehr übrig ist?
Das dachten sich weltweit auch Millionen Menschen, als sich 1910 der Halleysche Komet ankündigte, um das Leben auf der Erde zu vernichten. Viele hörten auf zu arbeiten und verkauften alles, das sie hatten. Das erschien nur sinnvoll: Wenn man eh nur noch ein paar Wochen oder Tage zu leben hat, dann besser nicht Trübsal blasen, sondern sich endlich das leisten, was man schon immer wollte. Die menschliche Zivilisation mit „Koks und Nutten“ ausklingen lassen. Das hat sicher Spaß gemacht.

Blöd war es nur, als der giftig tödliche Komet vorbeiflog und man immer noch lebte – allerdings total pleite.

[….] Bei seiner Wiederkehr im Jahr 1910 löste der Halleysche Komet sogar eine weltweite Massenpanik aus. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Astronom William Huggins bei Untersuchungen festgestellt, dass sich im Licht von Kometenschweifen die Spektrallinien für Kohlenstoffverbindungen nachweisen ließen. Unter anderem wurden auch Spuren von Cyan gefunden, das in der Verbindung mit Kalium das hochgiftige und tödliche Gas Zyankali ergibt.

Als es nun so aussah, dass die Erde 1910 in den riesigen Schweif des Halleyschen Kometen geraten würde, waren die Menschen wochenlang in Panik. In Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) standen 100.000 Menschen in Nachtgewändern auf den Dächern, in Chicago verstopften die Hausbewohner alle Tür- und Fensterfugen mit Lappen, und Papst Pius X. verurteilte das Hamstern von Sauerstoffflaschen. Alle Welt fürchtete den Tod durch Giftgas.

Als der Komet dann vorüberzog, zeigten die Messgeräte nicht die geringste Spur von Cyanid: Die Gasdichte von Kometenschweifen ist viel zu gering.   [….]

(Planet Wissen 2019)

Wenn der kurzperiodische 1P/Halley im Jahr 2061 wiederkehrt, bin ich ohnehin mit hoher Wahrscheinlichkeit längst von dieser irren Affenkugel abgereist. Der Periheldurchgang wird also meine persönliche finanzielle Situation kaum beeinflussen. Ich mutmaße allerdings, daß in35 Jahren menschliches Leben auf diesem Planeten ohnehin kaum noch möglich sein wird. Vielleicht unter großem Elend, oder für die wenigen Superreichen, die sich schon jetzt abseits der Bevölkerungszentren, gerne auf Privatinseln, gewaltige autarke Bunkeranlagen bauen lassen, in denen sie atomaren Fallout, Pandemien oder höllisch-heiße Außentemperaturen aussitzen können, während draußen die Zombiapokalypse tobt.

Es wird schon im reichen Norddeutschland mutmaßlich äußerst unangenehm, wenn Fritze Merz seine Drohung wahrmacht, bis zum Jahr 2033 zu amtieren. (…)
(Hier bricht sowieso alles zusammen, 20.02.2026)

Klar, Morbus Belgicum, ein selbstbestimmtes Ende, würde ich bevorzugen, aber darauf kann man sich nicht verlassen. Zu viele Menschen, die das auch immer vor hatten, verpassten den Zeitpunkt oder wurden zu plötzlich lahmgelegt.

Ein Plan B für den fatalen Fall des eigenen Überlebens muss her. Und zwar schnell.

Wenn der Kalk erst rieselt, wenn man immobil daliegt, ist es zu spät, Pläne zu schmieden. Und es sind keine Abkömmlinge vorhanden, die für mich eine Entscheidung treffen werden.

Es gibt Menschen, die bis an ihr Lebensende völlig autark bleiben, keine massiven mentalen oder physischen Einschränkungen erleiden, in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und schließlich relativ plötzlich sterben. Das ist aber der best case und sehr selten.

Der weit überwiegende Teil in unseren Breiten, wird im Alter auf Hilfe angewiesen sein. In meinem Fall also Hilfe, die von außen kommen müsste und die ich zu bezahlen habe. Eine Variante, die aber auch vielen Eltern/Großeltern lieber ist, weil sie es ihren Nachkommen nicht zumuten mögen, sich aufzuopfern. Das gilt natürlich nicht mehr bei Alzheimer oder Demenz.

Die selbstorganisierte, selbstfinanzierte und professionelle Hilfe, wäre also der Königsweg. Tatsächlich habe ich schon Pflegeeinrichtungen gesehen, in denen man in wunderbaren Zwei- oder Dreizimmer-Apartments lebt und jeden erdenklichen Service in Anspruch nehmen kann.

Kleiner Nachteil: Das geht los ab 10.000 Euro im Monat und wird garantiert in Zukunft noch wesentlich teurer, weil Pflegepersonal kaum noch zu finden ist.

Ich könnte abendfüllend von den grauenhaften Zuständen in „normalen“ Alten- und Pflegeheimen berichten.

Es gibt in einigen durchaus auch glückliche Bewohner, die es mögen, gemeinsam zu essen, mit Schlagermusik bespaßt zu werden, Ansprachen des Pfaffs zu lauschen und Weihnachten zu feiern.

Bedauerlicherweise bin ich dafür inkompatibel.

Die einzig mögliche Alternative scheint mir zu sein, mit Gleichgesinnten ein kleines eigenes „Heim“ aufzumachen, indem man zusammen legt, mit einem halben Dutzend Freigeistern eine Immobilie anschafft, in der jeder sein eigenes Reich hat.

Es gäbe allerlei Synergieeffekte. Ein gemeinsames Auto würde ausreichen, man teilt die Gebäudekosten, könnte Einkäufe zusammen legen. Idealerweise finanziert man zusammen eine oder mehrere Hilfspersonen, die so deutlich überdurchschnittlich verdienen und so wenige Stunden am Tag arbeiten, daß sie nie in Stress geraten.

Natürlich ginge das nur bis zu einem gewissen Morbiditätsgrad.

Lange vor dem präfinalen Stadium müsste man abreisen.

Natürlich erfordert das viel Planung und erhebliche finanzielle Mittel.

Niederschwelliger wäre eine „Alten-WG“.

[….] Mit über 80 Jahren in eine WG ziehen? Es ist nicht so, dass Margot Rückert sich das unbedingt ausgesucht hätte. „Manchmal schaue ich mich um und frage mich: Ist das alles, was mir geblieben ist?“ Sie macht eine Bewegung, die ihr Zimmer umschließt – zwei Sessel, ein Schrank, ein Bett und ein Regal, auf dem sie alkoholfreien Sekt lagert, den sie ihren Besuchern ausschenkt. Die Tochter hat ihr das Zimmer eingerichtet. Schöne, weiße, neue Möbel, aber eben nicht ihr Zuhause, nicht ihr Haus im hessischen Rodgau mit Garten. Heim aber könne sie nicht mehr, sagt Rückert. Sie sei mehrfach gestürzt. Es kann jederzeit wieder passieren.

Also muss Margot Rückert mit 86 Jahren noch mal ganz neu anfangen. „Ich versuch’ das bisschen Leben, das ich noch habe, gut zu gestalten“, sagt sie. Dafür, das wird schnell klar, ist die Pflege-WG kein schlechter Ort. Margot Rückert ist dort umsorgt wie in einem Pflegeheim. Und sie lebt trotzdem wie in einer normalen Wohnung mitten im Ort, mit Klingel und Haus-Nachbarn, von denen sie schon zahlreiche kennengelernt hat. Die Tochter ist nicht weit.

Neun alte Menschen bewohnen das weitläufige Apartment im unterfränkischen Randersacker. Bis zu zwölf dürften es laut Gesetz werden. Sie bilden eine sogenannte ambulant betreute Wohngemeinschaft (abWG) – eine Wohnform, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. 588 solcher Einrichtungen gab es 2024 in Bayern. [….]

(Nina von Hardenberg, SZ, 10.05.2026)

Ich bin zu sozialphobisch für so eine Wohnform. Aber besser als ein Pflegeheim erscheint sie mir schon.

[….] Nicht mehr die eigene Wohnung, aber auch kein großes Heim: Pflege-WGs schließen eine Lücke im System.  Sie können gerade für kleinere Ortschaften attraktiv sein, die ihren betagten Mitbürgern ermöglichen wollen, in ihrer Gemeinde alt zu werden und nicht für den letzten Lebensabschnitt fortziehen zu müssen.

Fünf Frauen und vier Männer teilen sich in der WG in Randersacker eine Wohnküche, eine Sofaecke und die Terrasse. Ein Ehepaar ist gemeinsam eingezogen, ihre zwei privaten Räume haben sie als Wohn- und Schlafzimmer eingerichtet. Für den Platz in der WG zahlen die Bewohner je nach Zimmergröße 2800 bis 2900 Euro aus eigener Tasche –  etwas weniger als im Schnitt für einen Heimplatz anfallen. [….] Eine Pflege-WG ist keine Studenten-WG: Die Bewohner hier sind alle hochbetagt oder krank, viele sind dement.  Das macht das Zusammenleben manchmal schwierig. „Es gibt wenige, mit denen man reden kann“, sagt Margot Rückert. Sie geht darum oft nach draußen. Manche Bewohner könnten in ihrer Demenz böse werden, sagt auch eine andere Bewohnerin, die frühere OP-Schwester Karin König. Sie kommt trotzdem zurecht. Sie habe früher als Krankenschwester und Verkäuferin gearbeitet: „Ich hatte noch nie Probleme mit Menschen.“ [….]

(Nina von Hardenberg, SZ, 10.05.2026)

Ich schon. Lieber Atomweltkrieg.

Altern – Teil I

Wer in seinen Zwanzigern Kinder bekommt, dadurch gezwungen ist, seine Individualität etwas runterzuschrauben, weil man Verantwortung übernimmt, um sich um die Bedürfnisse seiner Ableger zu kümmern; wer entsprechend in seinen Fünfzigern Enkel generiert und damit gleich in mehrere Nachfolgefamilien involviert ist, altert auf natürliche Weise.

Derjenige nabelt sich automatisch mehr von den eigenen Eltern und Großeltern ab, weil sich der Fokus stark auf den eigenen Nachwuchs richtet.

Über Jahrzehnte habe ich das in Alters- und Pflegeheimen beobachten können: Die wirklich vereinsamten Geronten haben Kinder, die wiederum eigene Kinder haben, um die sich vordergründig gekümmert wird. Das ist „natürlich“ und insofern ist es naheliegend; Oma im Heim zu vernachlässigen.

Wer kinderlose Kinder hat, pflegt in der Regel einen viel engeren Kontakt zu ihnen, wird viel häufiger besucht. Es mag auf den ersten Blick überraschend sein, aber am wenigsten leiden in Pflegeheimen kinderlose Alte unter Einsamkeit, weil sie ihr ganzes Leben über gelernt haben, Kontakte außerhalb der Blutsverwandtschaft zu pflegen und generell selbstständiger sind.

Jeder Kinderlose kennt das Phänomen aus seinem Freundeskreis: Wenn die Altersgenossen mit Nestbau beginnen und Babys aus den Geburtskanälen pressen, werden sie schlagartig langweilig, sind für alle möglichen Unternehmungen nicht mehr zu haben und drehen sich thematisch nur noch um den eigenen Nachwuchs. Kaum eine junge Mutter, kaum ein junger Vater versteht, wie uninteressant die physischen und mentalen Mini-Entwicklungsschritte ihrer Brut für andere sind. Baby-Bilder sind wie Dia-Abende der 70er und 80er: Reiner Egoismus, den man nur aus Höflichkeit mitmacht, aber möglichst vermeidet.

Selbstverständlich sind nicht alle jungen Eltern Idioten. Einige ahnen durchaus, wie wenig Enthusiasmus die Themen Windelmarken, Kitasuche, „Schnuller – ja, oder nein“ und „auf Töpfchen gehen“ bei feuchtfröhlichen Runden unter Twens auslösen, die sich bisher gegen Nachwuchs entschieden.

Daher wenden sie sich gezielt anderen jungen Eltern zu, die sie schon in ihren Geburtsvorbereitungskursen massenhaft kennenlernen und bilden ganz neue soziale Strukturen.

Junge Eltern nerven! Und es wird schlimmer, weil Smartphone und soziale Medien so viele Möglichkeiten bieten, sich selbst zu inszenieren. Zudem werden Geschlechtsverkehr und Gebären medial und politisch extrem gehyped. Keine Partei, die sich nicht selbst als besonders familien- und kinderfreundlich feiert.

Nach meiner Beobachtung sind aber gerade die heute über 70-Jährigen, die ihre eigenen Kinder über alles lieben, besonders kritisch, weil sie vor einem halben Jahrhundert zwar häufiger Kinder bekamen, aber das Kinder-Haben entsprechend selbstverständlicher war und nicht 24/7 als Großtat inszeniert werden musste.

Als Kinderloser beobachte ich immer mehr zarte Versuche der Gesellschaft, sich Freiräume zu suchen. Man bekommt Einladungen mit dem Hinweis „Adults only“, geht in entsprechende Restaurants, bucht Urlaube in Hotels, die nicht von Kleinkindgeschrei gestört werden. Das geschieht natürlich in aller Stille, weil der Shitstorm sicher ist. Wehe dem Wirt, der eine säugende Mutter bittet, nicht coram publico ihre Brüste zu zeigen, um das Gör anzulegen. Wehe dem Gastronomen, der ab 20 Uhr nur noch über 14-Jährige einläßt.

Das muss Ärger geben, weil sich jemand diskriminiert fühlt. Weil es unfreundlicherweise auch die Eltern trifft, deren Kinder keine Nervensägen sind.

Als Kinderloser weiß ich; der PR-Streit ist nicht zu gewinnen. Man verlange niemals offensiv, eine kinderfreie Umgebung, sondern meide sie auf subtilere Weise.

Erstaunlich an der Fortpflanzerei, ist die bis heute anhaltende Darstellung der Familie als „Normal-Model“ als „Keimzelle der Gesellschaft“, das Bedauern, welches Singles und Kinderlosen entgegen gebracht wird.

Dabei sind Single-Haushalte ein Zeichen von Wohlstand und persönlicher Entfaltung. Je reicher die Menschen sind, desto mehr von ihnen leben allein. Offenbar strebt man nach Individualität und Unabhängigkeit, die man sich aber oft nicht leisten kann.


[…] Hamburg ist eine echte Single-Hochburg! In mehr als der Hälfte aller Haushalte lebt nur eine Person. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein für das Jahr 2025.

In 55,4 Prozent aller Hamburger Haushalte lebte im vergangenen Jahr demnach nur eine Person. Außerdem gibt es nur in rund jedem sechsten Haushalt Kinder. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass der Anteil der Haushalte mit Kindern ziemlich konstant blieb. Insgesamt gab es in Hamburg rund 1.078.000 Haushalte, davon sind 598.000 Single-Haushalte. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr konstant.  […]

(MoPo, 05.05.2026)

Wohnen ist teuer. Haushalte mit Kindern sind eine extrem Minderheit, auch wenn sich medial und politisch alles um sie dreht.

Über 55% Single-Haushalte. Über 82% kinderlose Haushalte!

[…] In rund jedem sechsten Hamburger Haushalt leben Kinder

In Hamburg gab es im Jahr 2025 rund 1 078 000 Haushalte. In rund jedem sechsten dieser Haushalte (17,5 Prozent) lebten Kinder, so das Statistikamt Nord. Gegenüber dem Vorjahr blieb der Anteil der Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren nahezu konstant (minus 0,2 Prozentpunkte). […]

(Statistik informiert … Nr. 74/2026)

Wir sind eine riesige Mehrheit, werden aber als bedauernswerte Ausnahmen betrachtet.

Angesichts der weltpolitischen Lage, kann ich nicht oft genug betonen, wie dankbar ich bin, keine Nachkommen zu haben, um die ich mich sorgen muss.

Klimatod, Atomkrieg, Pandemie, Rechtsextremismus, Autokratie – es wird sehr übel werden. Ich bin glücklich, meine Familiengene als letzter auf diesem Planeten zu vertreten.

Aber als Kinderloser war ich, so lange meine Eltern lebten, selbst zu 100% Kind, habe beide gepflegt.

Anschließend sprang ich direkt in die Gerontenperspektive.

Ich alterte nicht natürlich, wie diejenigen, die nach und nach Eltern, bzw Großeltern werden. Die Phase des „normalen Erwachsenen“ ging an mir vorbei.

Ich fühlte mich viele Jahrzehnte als Angehöriger der jungen Generation und wechselte abrupt; auch bedingt durch physische Verfallserscheinungen; in die greise Generation. Aber gut. Das ist auch besser so, während noch viel Greisere – Putin, Merz, Trump, Bibi – den Planeten abfackeln und es ohnehin keine Zukunft gibt.

Samstag, 9. Mai 2026

Damals wie heute.

So wie deutsche Großeltern es schwer hatten, ihren Enkeln zu erklären, weshalb sie sich für Adolf Hitler begeisterten, die NSDAP wählten, nicht nur tatenlos zusahen, wie Juden deportiert wurden, sondern sich sogleich raffgierig um deren zurückgelassene Besitztümer rissen, begeistert die Abschaffung der Demokratie feierten und ihm willig in den apokalyptischen Untergang folgten; werden auch die Amerikaner von heute einst kaum erklären können, wieso sie zweimal Trump wählten und zusahen, wie er Demokratie und Gewaltenteilung zertrampelte, die Welt ins Chaos stürzte, Millionen Menschen quälte und vertrieb, während er sich und seine Cronies hemmungslos bereicherte. Wie er buchstäblich ein goldenes Kalb von sich selbst errichtete, zu dem seine Jünger betend pilgerten

Eine frappierende Parallele zu Deutschland in den 1930ern ist die Begeisterung der Kirchen und religiösen Anführer für die irre demokratiezerstörende Führerfigur.

Trump wäre ohne die Evangelikalen und Katholiken nie Präsident geworden.

 Hitler hätte es ohne die religiöse Zentrumspartei nie zum Kanzler gebracht und wäre nicht an der Macht geblieben, wenn die Christen sich widersetzt hätten.

Dabei waren damals wie heute die wahnhaften, größenwahnsinnigen Züge mehr als offensichtlich.

[….] Es ist nicht schwer, den cäsaristischen Führerfiguren der Gegenwart psychiatrische Diagnosen zuzuordnen. Die Frage ist, ob es erlaubt und ob es hilfreich ist.

Zu Beginn von Trumps erster Amtszeit veröffentlichten 27 der bekanntesten US-amerikanischen PsychiaterInnen und PsychologInnen einen Sammelband mit dem Titel „Wie gefährlich ist Donald Trump?“ („The Dangerous Case of Donald Trump: 27 Psychiatrists and Mental Health Experts Assess a President“, deutsch 2017). Bereits damals wiesen sie auf Trumps bösartigen Narzissmus mit einem Mangel an Schuldbewusstsein und einer Neigung zur „Wirklichkeitssabotage“ hin.

Philip Zimbardo und Rosemary Sword bescheinigten in ihrem Beitrag zum Buch Trump einen „zügellosen oder extremen Gegenwartshedonismus“, welchen man mit Hilfe eines Time Perspective Inventory sogar messen könne. Eine geordnete Zeitperspektive zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sei in Trumps Fall außer Balance geraten oder zerbrochen. Emotional unreife Erwachsene bleiben in der für Kinder normalen Gegenwartsfixierung hängen und produzieren dadurch eine Fülle von Widersprüchen. „Entscheidungen werden aufgrund unmittelbarer Reize getroffen.“ Dazu gehört auch die Übernahme unüberprüfter Informationen und plötzlicher Einfälle.

Wenn man sich heute über das „erratische Element“ in Trumps Politik wundert, dann muss man der über zehn Jahre alten Diagnose und Prognose der psychologischen ExpertInnen eine hohe Treffergenauigkeit zuerkennen.  [….]

(Klaus Ottomeyer, 09.05.2026)

Aber auch im Deutschland des Jahres 2026 laufen die Demokraten mehrheitlich den xenophoben Klimawandelleugnern hinterher, wählen Merz, Söder und Reiche, erfreuen sich ihrer Lust an der Destruktion.

Auch unsere Enkel könnten uns eines Tages fragen, wieso wir das geschehen ließen, den Fossilwahn mitmachten.

Allerdings existierte in den 1960ern, 1970ern, 1980ern, 1990ern noch eine Gesellschaft, welche der Tätergeneration all diese unangenehmen Fragen stellen konnte.

Natürlich nicht gern, denn man sah in Oma die vorbildliche mutige fleißige „Trümmerfrau“, die alles aufgebaut hatte und blendete aus, daß es dieselbe Oma war, die kurz zuvor erst dem zujubelte, der alles zerstörte. Die Kriegsgenration hatte Deutschland nicht nur wieder aufgebaut, sondern vorher eigenhändig ganz Europa zerstört. Der Opa in der Wehrmacht gehörte nicht zu den ehrenhaften Soldaten, während nur eine kleine Elite der SS die Verbrechen beging. Nein, es waren „ganz normale Deutsche“, es war die Wehrmacht selbst, die verbrecherisch handelte.

Nachvollziehbarerweise stellte man diese Fragen nicht so gern den eigenen Eltern, den eigenen Großeltern, die man liebt und die in den meisten Fällen auch nicht von selbst darüber sprechen.

Zum Glück werden die 2060 oder 2070 geborenen Jahrgänge diese unangenehmen Fragen nicht stellen müssen.

Wie konntet ihr damals Höcke wählen? Wie konntet ihr für Trump stimmen, wieso habt ihr den Klimawandel nicht Anfang des 21. Jahrhunderts verhindert, wenn ihr doch schon Jahrzehnte davon wußtet? Wieso seid ihr nicht in Generalstreik gegangen, als Trump Millionen Bürger jagen ließ, die unabhängige Justiz und Pressefreiheit abschaffte? 

Wie konntet ihr so irre sein, nach Merz auch noch Spahn und Weidel zu Kanzlern zu machen, statt demokratisch zu wählen, als es noch ging? 

Diese Fragen werden zukünftige Generationen kaum stellen müssen, weil es gar keine Menschen mehr geben wird. Wir rotten uns gerade selbst aus und haben es nicht besser verdient.

Vermutlich wird es aber noch Rechenzentren und KIs geben, die immerhin über genügend Daten verfügen werden. Dem Internet sei Dank, wird diesmal unser Untergang detailliert dokumentiert.

Die KI wird möglicherweise verstehen, was 2026 los war, als die frommen Amerikaner buchstäblich um das goldene Trump-Kalb in den Untergang tanzten.

Als erwachsener Mann des Jahres 2026, als Augenzeuge, kann ich nämlich kaum glauben, wie unfassbar verblödet meine Generation ist. Obwohl ich es mit eigenen Augen sehe.

[…] Auf Trumps Golf-Platz in Florida steht jetzt eine riesige goldene Statue des US-Präsidenten. Manche erinnert das an den Tanz ums Goldene Kalb und Götzendienst. […]  Ein Geistlicher in den USA hat seine Einweihungszeremonie für eine fast fünf Meter große goldene Statue von US-Präsident Donald Trump verteidigt, für die er heftig kritisiert worden war. Er sei „verblüfft“ darüber, wie schnell einige Menschen das Standbild Trumps, das auf dessen Golfplatz in Florida aufgestellt wurde, mit einem „Goldenen Kalb“ oder „Götzendienst“ in Zusammenhang gebracht hätten, erklärte der evangelikale Pastor Mark Burns am Freitag im Onlinedienst X.

Burns, ein Verbündeter des 79-jährigen Präsidenten, hatte am Mittwoch eine Zeremonie zur Einweihung der Statue auf dem Gelände des Golfclubs Doral geleitet. Die Statue zeigt Trump mit erhobener Faust – seine berühmte Geste, die nach einem Attentatsversuch auf ihn im Juli 2024 auf einem Foto verewigt wurde.

„Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Dies ist kein Goldenes Kalb“, erklärte Burns. […]

(taz, 09.05.2026)

No hope for the human race.

Jensus Iunius Spahnus

Immerhin einmal, ein einziges Mal in seiner politischen Laufbahn, lag Joachim-Friedrich Martin Josef Merz, geb. 1955, nicht falsch: Er mag Jens Spahn nicht, vertraut ihm nicht. Also gehörte sein ehemaliger Konkurrent um den Parteivorsitz nicht zu seinem engeren Wahlkampfteam 2025 und spielte zunächst nur eine untergeordnete Rolle in den Koalitionssondierungen mit der SPD.

Vor der Bundestagswahl schien der ehemalige Bundesgesundheitsminister vorläufig in einer politischen Sackgasse zu stecken. Seine Minister-Bilanz war absolut verheerend, ständig poppten neue Skandale, mehr von ihm verplemperte Milliarden, weitere persönliche Bereicherungen auf. In der Führung der Oppositions-CDU spielte er keine Rolle, verfügte über kein mächtiges Amt mehr.

Er brauchte aber politische Macht, um medial vorzukommen, da er in den gut zwei Jahrzehnten seiner Bundestagskarriere sein größtes Handicap immer mehr kultivierte:
Niemand mag ihn. Spahn verfügt über einen beeindruckend abstoßenden Charakter, der ihn gleichermaßen in der äußerem Wahrnehmung zu einem der unbeliebtesten Politiker der Bundesrepublik macht, als auch im inneren Zirkel der CDUCSU-Fraktion toxisch wirken lässt. Er hat keine persönlichen Freunde in der Partei. Seine Kollegen, die täglich mit ihm arbeiten, misstrauen ihm auf ganzer Linie, trauen ihm jede Niedertracht zu, rechnen immer damit, von ihm hintergangen zu werden.

Aber Spahn ist auch der geborene Strippenzieher, der ausgebuffte Hinterzimmer-Akteur, der bienenfleißig kompromittierende Informationen sammelt und mutmaßlich über den wirkungsvollsten Giftschrank in der gegenwärtigen Politik verfügt. Jeder schuldet ihm irgendetwas, von überall kann er Gefallen einfordern, Loyalität erzwingen und nach Belieben erpressen, weil er irgendwas gegen jeden in der Hand hat.

So natterte er sich während der CDUCSU/SPD-Koalitionsverhandlungen ganz tief ins Geschehen, machte sich für Merz unentbehrlich, indem er all die finanzpolitischen Details parat hatte, von denen der garstige Linnemann und Merz noch nie gehört hatten.

Er wurde schnell so wichtig, daß die Hauptstadtpresse, in deren Hinterzimmer Spahn natürlich auch intensive Kanäle etablierte, seinen Namen bei den Spekulationen um die Ministerämter ventilierte. Zunächst schien nur Merzens größter Fanboy Linnemann gesetzt.  

Finanzen, Wirtschaft, Energie – der General hatte freie Auswahl. Aber als beim Feilschen mit der wesentlich intelligenter verhandelnden SPD, Linnemanns Lieblingsposten immer mehr gerupft wurden und er überraschend seinen Verzicht verkündete, war der Weg für Spahn frei.

Eine Horrorvorstellung für Friedrich Merz, der den schwulen Masken-Dealer keineswegs permanent im Kabinett an seiner Seite wissen wollte.

So entstand die Idee, ihn zum Merz-Nachfolger als CDUCSU-Koalitionsvorsitzenden wegzuloben, bzw hochzuloben. Mutmaßlich hatte Spahn es von Anfang an darauf angelegt, geschickt über Bande gespielt und den Tölpel Merz ausmanövriert.

Vielleicht wäre er auch gern Wirtschaftsminister geworden. Wahrscheinlicher ist aber, daß er nach dem totalen Desaster, welches er vier Jahre unter Merkel in der Exekutive angerichtet hatte, seine Neigungen als Vollzeitstrippenzieher lieber in der Legislative ausleben wollte. Merz war so froh, Spah nicht im Kabinett zu wissen, daß er ihn nur zu gern als Fraktionschef empfahl.

Dabei überhörte der legendär beratungsresistente Merz die Warnungen aus der Partei: Spahn könne man nicht vertrauen, Spahn als Fraktionsführer wäre nicht der Kabinettsdisziplin, nicht der Richtlinienkompetenz unterworfen. Könne sich als Allrounder in alles einmischen. Befände sich auf dem klassischen CDU-Sprungbrett ins Kanzleramt. Kohl, Merkel, Merz waren alle Fraktionsvorsitzende, bevor sie Kanzler wurden, weil das Amt im konservativen Universum wichtiger als jeder Ministerposten ist.

Merz hätte es also selbst am besten wissen sollen, aber dennoch ignorierte er alle Einsprüche. Er ist nun einmal nicht die hellste Kerze auf der Torte.

Ein Jahr später sind genau die worst-case-Szenarien eingetreten, vor denen der Sauerländer Simpel gewarnt wurde: Er als Kanzler steht mit dem Rücken zur Wand, rangiert demoskopisch auf einer Stufe mit Fußpilz und Mundfäule, während sich Chaos-Agent Spahn zum eigentlich starken Mann mauserte. 

[….] Seine Vertrauten hatten Merz schon vor der Regierungsbildung davor gewarnt, ausgerechnet dem Machtpolitiker Spahn ein so machtvolles Amt anzuvertrauen. Und damit einem Mann, der aus seinen eigenen Kanzlerambitionen nie einen Hehl gemacht hat. Doch Merz denkt hierarchisch. Oben schlägt unten, glaubt er. Für ihn war klar, dass er als Kanzler und Parteichef selbstverständlich oben sein würde.

Dabei misstraut auch er Spahn offenbar schon lange, so wie Spahn schon lange Merz misstraut. In den vergangenen Monaten hat der Kanzler nun erleben müssen, wozu der Fraktionschef in der Lage ist. Während er selbst und seine Regierung im Strudel von Fehlern, Missmanagement, übertriebenen Versprechungen und Missverständnissen unterzugehen drohten, präsentierte sich ausgerechnet Spahn als einer der wenigen Erwachsenen in der Koalition, als Profi der Macht, als Hort der Stabilität.

Im Kanzleramt glauben nicht wenige, dass Spahn das Chaos der vergangenen Wochen nicht nur genutzt habe, sondern dass er es über seine guten Verbindungen zur Springer-Presse womöglich sogar angefeuert haben könnte. Merz, so heißt es aus seiner Umgebung, vermute wenigstens schon lange, dass »Bild« und »Welt« ihn aus dem Amt schreiben wollten.

Wie auch immer – selbst im Umfeld des Kanzlers hält man Spahn nach seiner überzeugenden Wiederwahl für den eigentlichen Krisengewinnler. Die Machtbalance zwischen dem Kanzler und seinem Fraktionschef habe sich damit ein Stück weit verschoben, weg von Merz, hin zu Spahn. Was das bedeute? Wenn man das nur wüsste. Spahn stellt sich gegen Zusammenarbeit mit »dieser AfD«

Und Merz? Der habe, so glaubt man in seinem Umfeld, aufmerksam registriert, wie Spahn die Abgeordneten in den vergangenen Wochen umgarnt habe. Wie er für jeden ein offenes Ohr gehabt habe, wie er sich mit allen immer wieder zusammengesetzt habe, wie er seine langjährige Koalitionserfahrung als früherer Staatssekretär und Minister systematisch ausgespielt habe. Und so die Fraktion hinter sich brachte, obwohl viele dort ihn persönlich nicht mögen würden.

Zugleich gelte die mögliche Alternative, der Merz-Vertraute und Kanzleramtsminister Thorsten Frei, in der Fraktion neben dem Kanzler inzwischen als Hauptschuldiger der Chaoswochen. Am Ende habe Merz gar nicht anders gekonnt, als Spahn wieder vorzuschlagen. […]

(Der SPIEGEL 20/2026, s. 24)

Gern hätte Merz Spahn endgültig gefeuert, seine Macht als Parteichef und Kanzler demonstriert, indem er einen loyaleren Fraktionschef (Dobrindt oder Frei) durchgepaukt hätte. Spahn wäre der perfekte Sündenbock für das desaströse erste Regierungsjahr geworden und hätte die dringend notwendige Kabinettsumbildung katalysieren können.

Aber Merz ist dem 25 Jahre jüngeren Rivalen beim Strippenziehen hoffnungslos unterlegen, erlebte eine dramatische Machtdemonstration. Nun ist Spahn der starke Mann.

Es spricht viel für eine AfD-affine Hinterzimmer-Seilschaft aus Daniel Funke, Döpfner, Poschardt, Reichelt und anderen, die daran arbeiten, Merz frühzeitig zum Abdanken zu bringen, um Spahn zum Kanzler zu promovieren. Die Bedingungen sind noch unklar. Würde er bloß in der bestehenden Koalition den Vorgänger subsituieren? Eine Minderheitenregierung anführen? Eine Tolerierung durch die AfD aushandeln? Eine förmliche CDUCSU/AfD-Koalition bilden? Neuwahlen ohne Brandmaueraussage anstreben und sich dadurch quasi vom Wähler in eine schwarzbraune Verbindung zwingen lassen? Jede der Varianten ist mit enormen Risiken beschwert. Aber Spahn hält sich zumindest alle Optionen offen.

[….] Spahn stellt sich gegen Zusammenarbeit mit »dieser AfD«

Immer wieder wird behauptet, Jens Spahn bereite die Annäherung der Union an die AfD vor. Der Unionsfraktionschef hat diesen Vorwurf nun in einem Interview zurückgewiesen. Mit bemerkenswerter Wortwahl. Spahn stellt sich gegen Zusammenarbeit mit »dieser AfD«

Der Satz ist insofern interessant, als Spahn »dieser AfD« sagte statt »der AfD«. Rein semantisch lässt er die Möglichkeit offen, mit einer AfD zusammenzuarbeiten, die sich eben nicht verhält wie »diese AfD«. Ob Spahn seine Worte in diesem Sinne gemeint hat oder es sich lediglich um eine sprachliche Unschärfe handelt, führte er in dem Gespräch nicht weiter aus.  [….]

(SPON, 08.05.2026)