Dienstag, 24. März 2026

Trumps Clusterfuck

Das ist natürlich schon recht unangenehm: Wenn der mächtigste Mann der Welt und Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee des Planeten, einem 48h-Ultimaten stellt und anderenfalls die komplette Energieversorgung eines 90-Millionen Volkes zerbomben will.

Andererseits handelt sich eben um Taco – Trump Always Chickens Out. Die ganze Welt weiß mittlerweile; auf das Wort dieses Vollidioten ist nur insofern Verlass, daß er es morgen wieder brechen wird.

[….] Wars, unlike illegal tariffs, cannot be switched on and off to meet a president’s whims or to permanently shore up free-falling markets.

So the key question following President Donald Trump’s suspension of threatened strikes against Iran’s power plants is not whether he’s had another TACO (“Trump always chickens out”) moment.  It’s whether Trump can get out of his war on Iran, even if he wants to.

After days of oscillating rhetoric, Trump signaled a first potential de-escalation in the conflict Monday, when he cited 15 points of agreement in what he said were productive talks with Iran. Tehran said there’d been no dialogue. [….]

(Stephen Collinson, 24.03.2026)

Unglücklicherweise stehen ihm seine Kabinettsmitglieder in Punkto Selbstüberschätzung und Borniertheit in nichts nach.

Und so stecken die christlichen Herren im Oval Office die Welt in Brand, während sie durch militärische Abenteuer irrlichtern.

[…..] Trump erlag in diesem Konflikt drei zentralen Irrtümern:

·        Er setzte darauf, dass mit Khamenei die gesamte Führung Irans fallen würde. Nach einem Bericht der »New York Times« sollen ihn die Israelis in dieser Annahme bestärkt haben. Demnach habe der israelische Auslandsgeheimdienst erfolglos einen Plan verfolgt, parallel zum Krieg einen Aufstand gegen das iranische Regime anzuzetteln. Inzwischen sind laut »New York Times« jedoch sowohl israelische als auch amerikanische Geheimdienste zu dem Schluss gekommen, dass die Führung in Teheran zwar militärisch geschwächt, jedoch politisch gefestigt ist.

·        Er hat unterschätzt, wie empfindlich Iran die Weltwirtschaft treffen kann, insbesondere durch die Blockade der Straße von Hormus. Nur wenige Tage vor Kriegsbeginn sagte Trumps Energieminister Chris Wright in einem Interview, er sei nicht besorgt, dass ein möglicher Krieg mit Iran die Ölversorgung beeinträchtigen könnte. Schließlich hätte sich auch der Zwölftagekrieg nicht negativ auf die Märkte ausgewirkt. Nun konstatiert die Internationale Energieagentur die »größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes«.

·        Er glaubte, weitgehend ohne Verbündete auskommen zu können. Trump plante für einen kurzen Einsatz. Jetzt sieht es so aus, als könnten über Wochen, wenn nicht über Monate, Kräfte gebraucht werden, die den Verkehr in der Straße von Hormus absichern. Eine Aufgabe, die die Amerikaner und Israelis wohl nicht allein schultern könnten.

  [….] Dass Trump inzwischen wohl selbst ahnt, dass er sich und sein Land in eine Sackgasse manövriert hat, erkennt man auch daran, dass seine Kommunikation immer erratischer wird. Erst am Wochenende drohte er damit, iranische Kraftwerke bombardieren zu lassen, sollte die Führung in Teheran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden öffnen. Am Montag verlängerte er das Ultimatum um fünf Tage. Zugleich behauptete er, die USA und Iran verhandelten über eine »vollständige Beilegung« des Konflikts, was das iranische Regime umgehend dementierte.

Wie im Ukrainekonflikt, wo Trump den Kriegsparteien ebenfalls wiederholt Ultimaten stellte, nur um sie tatenlos verstreichen zu lassen, sind auch seine Adressen an die Führung in Teheran in erster Linie Ausdruck der eigenen Ratlosigkeit. [….]

(Maximilian Popp, 23.03.2024)

Die Rat- und Ahnungslosigkeit merkt sehr schön daran, wie hartnäckig falsch die GOP-Idioten den Begriff „The Ayatollah“ verwenden; nämlich als Synonym für den obersten Führer/Präsident/Kanzler. Sie begreifen ganz offensichtlich nach all der  Beschäftigung mit dem Iranischen Herrschersystem immer noch nicht, was ein Ayatollah ist.

Schon in Trumps erster Amtszeit blamierten sich die Top-Republikaner mit ihrem Unwissen.

(….)  Der arme Irre vergleicht wie viele andere Republikaner nun Trumps Rechte mit „Iran’s Ayatollah“. Die Talkingpoints verbreiten sich rasend schnell.

Twitter may ban me for this but I willingly accept that fate: Your decision to permanently ban President Trump is a serious mistake.    The Ayatollah can tweet, but Trump can’t. Says a lot about the people who run Twitter.

(Lindsey Graham @LindseyGrahamSC, 9. Jan. 2021)

So the ayatollah, and numerous other dictatorial regimes can have Twitter accounts with no issue despite threatening genocide to entire countries and killing homosexuals etc... but The President of the United States should be permanently suspended.

Mao would be proud.

(Donald Trump Jr. @DonaldJTrumpJr, 9. Jan. 2021)

Get this! If you want to follow Iran’s Ayatollah, he’s now got MULTIPLE Twitter feeds. In multiple languages. Italian has just been launched, so the message of hate can be fully understood! […..]

(Donald Trump Jr. @DonaldJTrumpJr, 9. Jan. 2021)

Das kleine Dummerle regt sich ganz fürchterlich auf.

Und bringt da allerhand Historisches durcheinander.      Aber es war ja noch nie das Hellste der Trump-Blagen. Und deren IQ liegt im Durchschnitt ohnehin nur kurz über Zimmertemperatur.

Bekanntlich hassen die Trumps den Iran, aber das liegt ausschließlich daran, daß sie Rassisten sind und das Iran-Abkommen bekämpfen, welche von dem schwarzen Präsidenten Obama mitbeschlossen wurde.

Sie wissen allerdings ganz offensichtlich gar nichts über den Iran.

Wen meinen sie eigentlich mit „The Ayatollah“? Es gibt über 5000 Ayatollahs.

Den Imam Ali Chamenei, den Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte und das Quasi-Staatsoberhaupt des Iran?

Oder vielleicht den Hodschatoleslam Hassan Rouhani, den 7. Präsidenten der Islamischen Republik Iran?

Mal abgesehen davon, daß Chamenei und Rouhani, anders als Trump die amerikanischen Wahlergebnisse anerkennen, keine 30.000 Lügen verbreiteten und auch nicht zum Sturm auf das US-Kapitol anstifteten, sollten Graham und der kleine Trump sich erst mal mit der komplizierten Iranischen Verfassung beschäftigen und darüber hinaus einen Blick auf die geistlichen Ränge des schiitischen Glaubens, der „Zwölferschia“ werfen.

Ganz an der Spitze steht der Mardschaʿ-e Taghlid, quasi der schiitische Papst.  (Der letzte Mardschaʿ-e Taghlid Hossein Ali Borudscherdi starb 1961).

Knapp darunter steht die Großajatollahs oder Ajatollah al-Ozma. Sie entsprechen am ehesten katholischen Kardinälen; es gibt insgesamt 23 Stück, von denen die meisten sehr betagt sind.

 Iran  […..]

    Dschavad Gharavi Aliari (1935–)

    Kazem al-Haeri (1938–)

    Sadiq Hosseini Schirasi (1942–)

Irak

    Morteza Hosseini Fayaz (1928–)

    Ali as-Sistani (1930–)

Pakistan

    Muhammad Hussain Nadschafi (1932–)

Afghanistan

    Mohaqiq Kabuli (1928–)

    Muhammad Asif Muhsini (1935–)

Unter den Großayatollahs stehen die Ajatollahs, vergleichbar mit Bischöfen, die diesen Titel aber auch erst nach jahrzehntelangen theologischen Studien an einer schiitischen Universität erhalten.

Über 5000 Männer tragen diesen Titel im Iran, allein knapp 100 in offiziellen Staatsämtern.  Die klerikale Rangfolge fächert sich nach unten immer breiter aus.

[…..] Hodschatoleslam […..] ist ein islamischer Gelehrtentitel, der heute vor allem im Bereich der Zwölfer-Schia Verwendung findet.  […..] In der Titel-Rangordnung der modernen Zwölfer-Schia ist Hodschatoleslam oberhalb der Titel Fādil und ʿAllāma und unterhalb von Ajatollah angesiedelt. […..][…..]. […..]

(Wiki)

Aber das nur am Rande erwähnt.  Mit Sicherheit wissen Trump und Graham nichts darüber.

(Ausgetwittert, 10.01.2021)

Daß Menschen wie Trump oder Reiche wegen ihrer eigenen Blödheit die US-amerikanische, bzw deutsche Ökonomie zerstören, ist schon ärgerlich genug. Aber daß sie sehenden Auges in die Katastrophe schlittern, obwohl sie von allen Experten gewarnt wurden und Zusammenhänge nicht wahrnehmen können, die bereits jeder Schüler kennt, macht es unerträglich.

Aber es geht noch schlimmer:  Hier kommt der Urnenpöbel ins Spiel, der hartnäckig solche zukunftsfeindlichen Saurons in ihre Ämter wählt.

Der Souverän entscheidet sich freiwillig für eine Kakistokratie, wählt also die Dümmsten zu ihren obersten Anführern.

[…] Donald Trump ist ein Meister darin, mit Absicht oder durch Ignoranz und Dummheit schwere Krisen zu erzeugen, die er dann irgendwie gelöst bekommt, um schließlich einen Sieg zu verkünden, den „niemand für möglich gehalten“ habe.

Im Fall des Irankrieges ist es so weit noch nicht. Zunächst hat Trump mit der Androhung, die zivile Energie-Infrastruktur Irans zu zerbomben, eine Eskalationsstufe angedeutet, die nicht nur eine weitere eklatante Verletzung des Völkerrechts wäre, sondern die Weltwirtschaft noch tiefer ins Chaos stürzen würde. […] Als Trump am Montag auf dem Flugfeld von Palm Beach in Florida vor die TV-Kameras trat, war es, als sähe man sein Hirn auf der Suche nach irgendeinem Rettungsanker live dahinschmelzen. Niemand habe vorhersehen können, dass Iran einfach seine Nachbarländer beschießen werde, behauptete Trump – dabei war das so ziemlich das Erste, was absolut alle Analysten vorhergesagt hatten, genau wie die Blockade der Straße von Hormus. Die Meerenge wäre bald geöffnet und könne dann gemeinschaftlich kontrolliert werden, sagte Trump, und zwar vielleicht von ihm selbst und „dem Ajatollah“, wer auch immer das sein werde, man habe ja ganz viele umgebracht. Aber mit irgendwem werde sich ein Deal machen lassen, der dann für alle gut sei. […] Ein paar Stunden später dann befand sich Trump bereits im Schuldabwehrmodus für das gesamte Schlamassel des Irankrieges: Bei einem weiteren Presseauftritt, bei dem unter anderem Verteidigungsminister Pete Hegseth am Tisch saß, stichelte Trump, der sei es doch gewesen, der zuerst gesagt habe, dass „wir es tun“ sollten. Ein Kindergarten entscheidet über den dritten Weltkrieg. […] Trump will ja immer in die Geschichte eingehen, und er ist auf dem besten Wege dazu. Als dümmster Kriegsherr der modernen USA. [….]

(Bernd Pickert, 24.03.2026)

Was für ein Geschenk für die islamische Killer-Republik Iran! Das mächtigste Land des Planeten zum Kriegsgegner zu haben, sollte eigentlich ein Todesstoß sein. Aber der weltgrößte Polit-Idiot Trump offenbart Teheran höchstpersönlich, wie man ihm am meisten wehtun kann: Hormus sperren. Dazu hebt er die Ölimportsanktionen auf, so daß der Iran seinen Kriegskassen füllen kann und signalisiert Chamenei Jr. ‚mach dir keine Sorgen, falls ich mal wüste Drohungen ausstoße: Ich plappere nur sinnloses Zeug vor mich hin und setze das nie um!‘

Gegen Trump und Hegseth wirken die Schildbürger wie hochkompetente strategische Genies.

[…] Was erschwert für den Iran die Rückkehr an den Verhandlungstisch?

Zum einen tiefes Misstrauen. Das Duo Steve Witkoff/Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, ist aus iranischer Sicht verbrannt. Beide Hobby-Diplomaten, ohne jede tiefe Expertise in der zentralen Atomfrage, waren mit ausschlaggebend dafür, dass Trump am 27. Februar grünes Licht für die Militär-Mission „Epischer Zorn“ gab. [….] Warum scheut Trump die Befreiung der Straße von Hormus mit militärischen Mitteln?

Weil sämtliche Experten sagen, dass dies ohne den Einsatz von US-Soldaten am Boden nicht funktionieren kann. Bevor Kriegsschiffe die Öl- und Frachtschiffe via Konvoi durch die Meerenge begleiten können, müssten zunächst die Küsten „gesäubert und gesichert“ werden. Wenn die aus Japan und anderen Regionen abkommandierten Spezialeinheiten der Marines (rund 7000 Soldaten) demnächst in iranischen Gewässern anlanden und – als Faustpfand – die für Teheran wichtige Öl-Export-Insel Kharg einnehmen würden, seien hohe Verluste auf US-Seite wahrscheinlich. Von Teheran angedrohte Vergeltungsmaßnahmen auf Energieeinrichtungen und Meerwasserentsalzungsanlagen der Anrainerstaaten würden den Energieschock weltweit erheblich verschlimmern und echtes Chaos über den Nahen Osten hinaus auslösen. Davon würde sich Trump politisch acht Monate vor den Zwischenwahlen im Kongress „nicht wieder erholen“, sagen parteiunabhängige Analysten in Washington. […..]

(Dirk Hautkapp, 25.03.2026)

Trumps Hybris und Borniertheit haben den vollständigen Nahost-Clusterfuck angerichtet, aus dem es nun keinen Ausweg mehr gibt.

[….] Der Krieg als Instant-Phänomen: Heute kalt anrühren, morgen genüsslich den Sieg verkünden. So führt Donald Trump seinen Iran-Krieg. Und wundert sich, wenn es in der vierten Woche nicht mehr so läuft, wie es in den ersten Tagen aussah. Deshalb mäandert der US-Präsident jetzt hilflos vor und zurück, macht sich international zum Gespött.

Erst sagt er, die feindliche Marine sei versenkt, die Luftwaffe zerstört, die Raketen vernichtet und der Krieg fast zu Ende. Dann wieder droht er mit der Zerstörung der Energie-Infrastruktur des Landes, weil der Gegner nicht einknickt. Er verkündet ein Ultimatum und verschiebt dann dessen Ende. Souveräne Kriegsführung sieht anders aus; wer sich an ihr versucht, sollte vorher wissen, was er erreichen will.

Dass die Teheraner Führer die Waffen nicht strecken würden, war zu erwarten – die Islamische Republik kämpft ums Überleben. Daher blockieren die Revolutionswächter die Straße von Hormus, lassen den Ölpreis nach oben schnellen, die Börsenkurse in den Keller sacken. Offensichtlich reichen zwei US-Flugzeugträger und das weitere Aufgebot nicht aus, eine Meerenge von 50 Kilometern Breite offen zu halten. Das hätte Trump wissen können; seine Generale und Admirale haben gewarnt.  […]

(Thomas Avenarius, 24.03.2026)

Montag, 23. März 2026

Was Cem-Odos Gueler sagt!

Die linke Influencer-Blase nervt mich gerade so sehr. Nach dem erneuten SPD-Desaster, schreien sie alle „Klingbeil muss weg!“

Als SPD-Mitglied hätte ich auch lieber einen charismatischen hochintelligenten Parteichef des Formats Schmidt/Bahr/Brandt/Engholm. Aber solche kantigen Typen gibt es nicht mehr. In keiner Partei. Das lässt die Social-Media-Welt mit ihren Blasen und Echokammern gar nicht mehr zu.

Pistorius soll übernehmen, schreien sie auch alle; insbesondere nachdem seine Ex-Freundin Schröder-Köpf dies ventiliert. Der dahinter stehende Gedanke ist offensichtlich: Pistorius steht seit Jahren an der Spitze der Beliebtheitsskala.

Aber es sprechen zwei gewichtige Punkte dagegen: Pistorius ist, erstens, kein Generalist. Er beschäftigt sich bisher gar nicht mit den Mega-Themen Steuern, Finanzen, Soziales, Wirtschaft, Klima, Energie, Rente, Gesundheit. Seine Beliebtheit würde schnell in sich zusammenschnurren, wenn er hier Kürzungen und schmerzliche Kompromisse mit der CDUCSU verkünden müsste. Noch gewichtiger ist der zweite Punkt: Pistorius will nicht Chef werden, lehnt das kategorisch ab.

Das will niemand, der nicht suizidal oder masochistisch veranlagt ist.

[….] Vor wenigen Jahren, als die Machtzirkel der SPD noch einem Piranhabecken glichen, wären beide wohl schon längst weggebissen worden. Doch die Ideenlosigkeit der So­zi­al­de­mo­kra­t*in­nen ist nun vor allem personell bedingt: Es scheint schlicht niemanden zu geben, der den Griff zur Macht wagt. [….]

(Cem-Odos Gueler, 23.03.2026)

RICHTIG!

Außerdem solle die SPD nun endlich linke Politik machen. Keine Sozialkürzungen. Sie habe ihre Anhänger verraten, biete die Arbeitern nichts mehr, sie mache zu viel CDU-Politik.

Ich wünschte, es wäre so, denn das könnte man ändern.

Aber leider wählen gerade diejenigen, die auf soziale Leistungen und faire Steuergesetze angewiesen sind, gegen ihre Interessen.

[….] Die AfD schafft es zunehmend, bei Arbeitern massiv zu punkten. Und bei denjenigen, die laut Infratest dimap über sich selbst sagen, ihre finanzielle Lage sei schlecht. [….] In Rheinland-Pfalz waren laut dem Umfrageinstitut die Themen Wirtschaft, soziale Sicherheit und Bildung entscheidend. Also genau die Themen, die jener Gruppe besonders wichtig sein müssten. Doch in diesen Bereichen schreiben die Befragten der SPD oder der CDU mehr Kompetenz zu.

Zudem hat die rheinland-pfälzische AfD im Wahlkampf kaum über diese unterprivilegierte Wählergruppe gesprochen. Im offiziellen Werbespot ging es um Abschiebungen, um eine angebliche Finanzierung von Antifa-Gruppen durch die Regierung, um Windräder, die weggesprengt werden sollten, und um Corona. Nur günstiges Wohnen wird einmal erwähnt, sonst nichts aus den als besonders relevant erachteten Themenfeldern. Auch Wirtschaft spielte keine Rolle.  Selbst im Programm der AfD kommt das Wort »Arbeitslose« nicht vor, auch nicht »arbeitssuchend«. Armut kommt nur einmal vor, bei Alleinerziehenden. [….] Auch sonst steckt im Programm kaum etwas für Menschen, die wenig verdienen, im Gegenteil. Die rheinland-pfälzische AfD will beispielsweise, dass Geschäfte bis Mitternacht geöffnet haben können statt bis 22 Uhr – was Mehrarbeit für Verkäuferinnen und Verkäufer bedeutet.

Vielmehr wird dem argentinischen Präsidenten Javier Milei gehuldigt. Also jenem Mann, der die Staatsausgaben so radikal kürzte, dass die Zahl der Wohnungslosen allein zwischen 2024 und 2025 um knapp 30 Prozent stieg. Der Generalsekretär der Vereinigung der Staatsangestellten, Rodolfo Aguiar, schätzte vor einem halben Jahr zudem, dass die Armutsrate in Argentinien inzwischen bei 62 Prozent liege. Laut AfD bringt Mileis Kurs jedoch »Wohlstand für alle«.[….]

(Ann-Katrin Müller, 23.03.2026)

Die These, die SPD müsse nur linkere Politik machen, dann werde sie auch wieder gewählt, stimmt (bedauerlicherweise) nicht. Im Gegenteil, diejenigen, die am meisten unter nicht sozialer Politik leiden, wählen rechts!

Man kann in ökologischen, klimapolitischen, ökonomischen sozialen Fragen recht klar definieren, was richtige und vernünftige Politik ist.

Selbstverständlich wäre es schlau, wenn Deutschland den 1998 von Schröder und Trittin eingeschlagenen Weg – ökologische Steuerreform, Windkraft, Photovoltaik – konsequent fortgeschritten wäre und heute völlig unabhängig von Gas- und Öl-Importen wäre, über billige erneuerbare Energie verfügte und nicht 80 Milliarden Euro jedes Jahr den Fossil-Multis in den Rachen werfen müsste.

Das haben Rot und Grün aber seither auch immer den Wählern genau so erklärt. Aber der Urnenpöbel will nicht und wählte rechts! Für Verbrenner, für Ölheizung, gegen Tempolimit.

Seit 20 Jahren haben Grüne, SPD und Linke eine Bürgerversicherung im Wahlprogramm, um die Zweiklassenmedizin abzuschaffen. Das könnte längst implementiert sein. Aber die Wähler haben immer eine Mehrheit dagegen gewählt, immer dafür gesorgt, daß mit CDU, CSU, FDP mindestens eine Partei rechnerisch an der Bundesregierung beteiligt sein muss, die fest im Mastdarm der Privatkrankenkassen-Lobby verankert ist und kategorisch eine Krankenversicherung für alle ablehnt.

Die Wähler haben die Möglichkeit, mit der LINKEn eine Partei in die Regierung zu schicken, die völlig unverdächtig ist, soziale Einschnitte zu machen. Die scheiterte aber just zweimal an der 5%-Hürde.

Nur 12% der Wähler finden die CDUCSU-Bürgergeld-Kürzungen zu streng. Soziale Grausamkeiten sind populär.

[…]     Eine große Mehrheit findet strengere Sanktionen in der Grundsicherung richtig. [….] Auf das Bürgergeld folgt im Sommer die Grundsicherung. Aber nicht nur der Name wird geändert. Auf die etwa 5,5 Millionen Leistungsbezieher kommen strengere Regeln zu. Die Reform der schwarz-roten Koalition sieht unter anderem vor: Wer die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter verweigert, muss deutlich stärkere Kürzungen hinnehmen als bisher. Die aktuelle MDRfragt-Umfrage zeigt: 79 Prozent der mehr als 22.000 Teilnehmenden aus Mitteldeutschland halten solche strengeren Sanktionen in der neuen Grundsicherung für richtig, um Menschen in Arbeit zu bringen.

Eine geplante Regel für die neue Grundsicherung lautet: Wer arbeiten könnte und sich trotz drei Aufforderungen nicht beim Jobcenter meldet, soll gar kein Geld mehr bekommen. 82 Prozent der Befragten halten diese Härte in der geplanten Grundsicherung für angemessen. Außerdem sollen Mütter und Väter nach Geburt schneller als bisher wieder nach Arbeit suchen müssen: 70 Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden halten diese Regel für angemessen. Und noch eine neue Härte in der Grundsicherung war Thema in unserer Umfrage: 74 Prozent befürworten die geplante Obergrenze für Mietzahlungen.  [….]

(MDR, 11.03.2026)

Ich wünschte wirklich, es wäre anders. Aber Neid und Missgunst sind in einer riesigen Mehrheit so verbreitet, daß eine SPD mit einem Plädoyer für mehr soziale Leistungen nichts gewinnen kann.

Die weltpolitische Lage lässt aber ohnehin keinen Spielraum für Koalitionskabale. Das schmerzt mich am meisten, weil ich die von Weimer, Spahn, Merz, Reiche, Wadephul, Söder eingeschlagene ökonomische und Energie-politische Richtung für absolut fatal halte.

[….]  Wegen der globalen Lage mit dem Krieg in Iran und der sich anbahnenden massiven Wirtschaftskrise zeigten sich beide SPD-Chefs aber manövrierunfähig. „Wir werden nicht die zweitgrößte Regierungspartei in ein Chaos stürzen und in einen Prozess gehen, wo wir uns um uns selbst drehen und uns nicht um das Land kümmern“, sagte Klingbeil. [….]

(Cem-Odos Gueler, 23.03.2026)

AUCH RICHTIG!

Klingbeil und Bas haben im Moment einfach nicht den Handlungsspielraum, den mancher aus dem wütenden erweiterten RRG-Influencer-Lager anmahnt!

 Mit 16% kann man gegen eine übermächtige CDUCSU (das war der Wählerwille!) nicht 100% des SPD-Wahlprogramms durchsetzen.

Man kann mit den Nazis ante portas auch nicht die Regierungskoalition verlassen, weil die Bundesregierung dann noch viel weiter nach Rechtsaußen rücken würde.

Man kann angesichts der dramatischen Weltlage mit zwei Kriegen, die massive Auswirkungen auf uns haben, nicht rechtfertigen, die deutsche Regierung lahm zu legen.

Es ist ein absoluter Clusterfuck, in dem die SPD nur verlieren kann.

Konnotationen

Das war heute ein richtiger Scheiß-Tag für ein SPD-Mitglied. Mal wieder.

1.   […] Mit nur 52 Jahren ist der Fürther SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Träger gestorben. Träger war Staatssekretär im Umweltministerium. Der Politiker sei am Samstag im Skiurlaub in Österreich kollabiert und in ein Krankenhaus in Innsbruck gebracht worden, wo er gestorben sei, […]  Träger hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder.

Wir sind tief erschüttert«, teilte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch mit . »Carsten Träger war Umweltpolitiker mit Leib und Seele, ein leidenschaftlicher Sozialdemokrat und ein warmherziger Mensch. Sein Tod reißt eine Lücke, die nicht zu füllen ist. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seinen beiden Töchtern.«  [….]

(SPON, 22.03.2026)

2.   [….] [Dass] der Grünen-Politiker Dominik Krause [….] den nach einer Affäre um nicht genehmigte Nebentätigkeiten strauchelnden Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geschlagen hat, darf als Zäsur in München gelten.  [….]

(Heiner Effern, 22.03.2026)

3.   […] SPD verliert die Landtagswahl: Der Schniedergang der SPD

Die Sozialdemokraten verlieren in Rheinland-Pfalz deutlich gegen die CDU von Gordon Schnieder. Die herbe Niederlage dürfte auch im Bund nachhallen.  […]

(Taz, 22.03.2026)

Punkt 1 hat nichts mit Parteipolitik zu tun, Punkt 2 ist ebenfalls nicht der Bundes-SPD anzuhängen, sondern wurde wesentlich von den Eseleien Reiters verursacht, wie er selbst klar formuliert.

 Außerdem freue ich mich natürlich, daß Söder nun in seiner bayerischen Hauptstadt ständig auf einen jungen, schwulen, grünen Bürgermeister trifft, wenn es offiziell wird.

Aber Punkt 3 bereitet mir schwere Bauchschmerzen. Die Mainzer Umfragen waren eindeutig. Grüne, FDP und Linke hatten keinerlei Machtoption; sie würden garantiert nicht (mehr) der nächsten Landregierung angehören. Eine Groko war sicher und eine Groko wird es auch. Die einzige Frage, die von taktisch denkenden Wählern entschieden werden konnte, war aber keine Kleine: Wer wird Ministerpräsident; Schweitzer oder Schneider? Damit untrennbar verbunden war das Signal an die Berliner Bundesregierung in dieser womöglich entscheidenden Phase der Staates Deutschlands. Spielen wir weiter eine Rolle unter den Industrienationen des Globus, indem wir den Schritt in die Moderne gehen und die Realität anerkennen?  Oder stürzen wir uns in die Fake News der Fossillobby, setzen auf Gas-Importe, Verbrennermotoren, würgen die Erneuerbaren ab und zerstören unweigerlich die ökonomische Existenz Deutschlands? Setzen wir mehr auf Diskriminierung und Misogynie?

Die Wähler in Rheinland-Pfalz antworteten klar.

Deutliche absolute Mehrheit für den schwarzbraunen Fossillobbyblock! Westdeutsches Rekordergebnis für die Nazis; plus elf Prozentpunkte.

[…] Als Gordon Schnieder am Sonntagabend vor seine Parteifreunde tritt, hört er kaum auf zu grinsen. „Die CDU Rheinland-Pfalz ist wieder da!“, ruft er. „Die Menschen haben den Wechsel gewählt“, sagt Schnieder, und er verspricht, dass sich wirklich etwas ändern werde, in der Sicherheits- und in der Wirtschaftspolitik zum Beispiel.   

Bis zuletzt hatte die SPD, die in den Umfragen zurücklag, auf einen Effekt wie in Baden-Württemberg gehofft, wo sich im Fotofinish der deutlich beliebtere grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir gegen seinen CDU-Kontrahenten durchsetzte. In Rheinland-Pfalz hatten die Sozialdemokraten schließlich schon öfter Rückstände aufgeholt. Und in Umfragen zur Beliebtheit schnitt Noch-Ministerpräsident Alexander zuverlässig besser ab als sein Herausforderer Gordon Schnieder.  […]

(SZ, 22.03.2026)

Schämt Euch, RPler! Es ist schon lange klar: Die Wähler erteilen Klimaschutz und Zukunft eine Absage.

Der Urnenpöbel ist hoffnungslos verblödet. Und so gibt es auch heute Jubel bei der CDU-Mainz, im Konrad-Adenauer-Haus und im Kanzleramt.

Nach DER Performance von Spahn, Weimer, Reiche, Merz!

Nach dem total irrsinnigen Gasheizung- und Verbrennerkurs!

Nach der beispiellosen Peinlichkeitskette aus den C-Ministerien.

Nachdem die Merz-CDU Deutschland klar in den Untergang führt.

Die Wähler sagen dazu: Mehr davon!

Wir erleben weltweit wie durch rechtsradikale Propaganda die Bedeutung von Begriffen in ihr Gegenteil pervertiert werden. So sind firmiert eine tödliche Ideologie unter „pro Life“.

Der Begriff „Gut-Mensch“ wurde zum Schimpfwort.

Die SPD wird aus dem erweiterten RRG-Influencer-Lager mir Abscheu und Empörung bedacht, weil sie „staatstragend“ und auf „Realo-Kurs“ wäre, sich für „das kleinere Übel“ entscheide.

Es stimmt sogar. Nicht nur SPD-Abgeordnete handeln realistisch und staatstragend, sondern auch ihre Wähler denken vernunftorientierter als Grüne und Linke. Das zeigte sich, als vor zwei Wochen viele Sozis für die Grünen stimmten. Ich hatte es ausdrücklich befürwortet, obwohl ich wirklich von dem rechten Duo Özdemir/Palmer abgestoßen bin. Aber Sozis sind bereit, ihre Partei-Interessen hintan zu stellen, wenn es um etwas wichtigeres geht; in diesem Fall, den Sexisten Hagel verhindern und Merz die Rote Karte zeigen.

Grüne denken offenkundig Partei-egoistischer und halfen Schweitzer eben nicht, den CDU-Mann zu verhindern, obwohl sie selbst nichts gewinnen konnten.

„Staatstragend“ zu sein ist etwas Gutes! Es ist etwas Gutes, „realistisch“ zu sein, statt einer „Nach mir die Sintflut“-Ideologie zu frönen, die kurzfristig das eigene Gewissen umschmeichelt, aber dafür Schwarzbraun den Boden bereitet.

Wer ernsthaft glaubt, es mache keinen Unterschied, ob Merz mit der SPD regiere, oder Spahn mit der AfD, muss nur den CDUCSU-SPD-Koalitionsvertrag mit den Parteiprogrammen von CDU, CSU und AfD vergleichen, sich den sagenhaften Unsinn anhören, den Martin Huber heute von sich gibt.

Ohne die SPD stünde Deutschland heute wesentlich schlechter da.

Die „Kleinen“ würden es wesentlich in ihrem Portemonnaie merken. Cannabis-Legalisierung, Selbstbestimmungsrecht, doppelte Staatsbürgerschaft wären Geschichte. Die CDU wollte sogar deutsche Staatsbürgerschaften wieder entziehen. Nicht zu machen mit der SPD. Der Solidaritätsbeitrag blieb gegen den Willen der CDUCSU.