Montag, 20. Juli 2026

Millionenstadt-CDU

In Deutschland gibt es drei oder vier Millionenstädte; je nachdem, ob man Köln dazu zählt.

Wie fast überall in der westlichen Welt, werden auch die größten deutschen Metropolen oft linker, bzw liberaler, als die umliegenden Speckgürtel und Flächenländer regiert. Urbane Menschen sind gebildeter und toleranter als Landeier.

Zohran Kwame Mamdani konnte in der reichen Megametropole New York City (9 Mio Einwohner) Regierungschef werden, hätte aber nicht die geringste Chance, im vergleichsweise armen, aber riesigen Bundesstaat Wyoming (600.000 Einwohner) Gouverneur oder Senator zu werden.

Konservative Parteien tun also gut daran, in Großstädten nicht gerade ihre Rechtsaußen-Vertreter als Kandidaten aufzustellen.

Gelegentlich misslingt das aber, weil in einem kulturell linkliberalen Umfeld, auffällige rechtsextrem-tickende Jungpolitiker zur CDU neigen, da es beispielsweise in Hamburg, generell schon provokativ ist, zur CDU zu gehen.

Wer dann noch laut ist und provoziert, kann schnell aufsteigen, von sich reden machen.

(….) Das CDU-Schätzchen der Woche ist aktuell der JU-Kreischef Alexander Weiss. Gegen den 22-jährigen Jungpolitiker wird wegen ausländerfeindlicher Äußerungen ermittelt. "Niggerschlampe" soll der Jurastudent eine südländisch aussehende Kommilitonin beschimpft haben und sie dann mit Bierdeckeln beworfen haben. Zudem, so die Vorwürfe, soll Weiß "Nicht-Arier" als "eine Schande für das Juristentum" bezeichnet haben.
Für den aktiven CDU-Funktionär kann es gar nicht braun genug sein - Im Internetportal "StudiVZ" ist der Jungpolitiker, der im vergangenen Juni an der Heinrich-Hertz-Schule (Winterhude) Abitur gemacht hat, zudem offensichtlich unter anderem Mitglied in den Gruppen "Gegen Inländerfeindlichkeit durch Ausländer" und "Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten" - eine Anspielung auf den Einmarsch der Nazis im Zweiten Weltkrieg.  (…)

(Hamburger Jungs, Teil II, 22.03.2008)

In den Beust-Jahren waren die ultrarechten, teilweise kriminellen Jung-CDUler all over the party. Es kam regelmäßig zu rechtsextremen Ausfällen in der Hamburger JU. CDU-Chef Christoph Ploß und Kurzzeit-Bürgermeister Christoph Ahlhaus sind weitere Vertreter des viel zu rechtsextremen Flügels für eine Metropolen-Union. Sie schrumpfen die CDU-Wahlergebnisse effektiv.

(….) Aus dieser Schublade kroch nicht nur Ploß empor, sondern auch der gegenwärtige Hamburger JU-Vizechef Maxim Loboda. Der 25-Jährige sitzt für die CDU im Bezirksparlament Eimsbüttel und machte vor einigen Jahren Schlagzeilen als Betthupferl der 63-Jährigen hypersexuellen Krawallschachtel Claudia Obert.

Unglücklicherweise wurde Libido-Loboda mittlerweile nicht nur seine liebestolle Gerontin, sondern auch Führerschein und Parteiämter los.

[….]  Der Hamburger Vizechef der Jungen Union, Maxim Loboda, ist mit Alkohol am Steuer erwischt worden und soll Polizistinnen verletzt haben. Der 25-Jährige soll jetzt alle Parteiämter abgegeben haben, wie das " Hamburger Abendblatt" berichtete. Demnach wurde der CDU-Politiker in der vergangenen Woche im Stadtteil Rotherbaum kontrolliert, weil er auffällig gefahren war. Laut Polizei lehnte er einen Atemalkoholtest ab, versuchte zu flüchten und schlug mit den Armen um sich. Dabei wurden zwei Beamtinnen leicht verletzt. [….]

(NDR, 11.08.2025)

Total hacke den Mittelweg entlang flexen und dann bei einer Kontrolle die Polizistinnen niederzuboxen, passt perfekt ins Hamburger JU-Bild.  (….)

(Hamburg, Jung, Rechts. 11.08.2025)

Taktisch schlau ist das aus CDU-Sicht nicht, denn so verzwergen sie sich und sorgen für RG-Mehrheiten. Die CDUler, die in einer liberalen Großstadt mehrheitsfähig wären, werden vertrieben. Sie wollen mit der Kölner und der Hamburger Partei nichts mehr zu tun haben.

(….) [….] Nach der Wahlschlappe im September eskaliert die Situation in der Kölner CDU. Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma wählt drastische Worte – und zieht Konsequenzen.  Die 50-Jahr-Feier wird es nicht mehr geben: Kölns ehemaliger Oberbürgermeister Fritz Schramma hat im Alter von 78 Jahren seine CDU-Mitgliedschaft beendet. Seine Frau und Tochter zogen mit ihm die Konsequenz. Der langjährige Kommunalpolitiker wirft der Kölner Parteiführung Versagen und Machterhalt vor.  [….]

(T-online.de, 29.10.2025) [….] [….] [….]

Der stramm rechte AfD-affine Hamburger CDU-Landesverband wirkt besonders abstoßend.

[….] Nach Marcus Weinberg verlässt ein weiterer bekannter Politiker die Hamburger CDU: Kai Voet van Vormizeele tritt nach über 46 Jahren Mitgliedschaft aus der Partei aus.  "Dieses Ende fällt mir nach einer so langen Zeit selbstverständlich schwer", schreibt van Vormizeele auf seiner Facebook-Seite. Aber eine weitere Mitgliedschaft mache in seinen Augen keinen Sinn mehr.  In dem Schreiben rechnet er mit der CDU im Bund und in Hamburg ab. Er kritisiert, dass von den politischen Leitzielen der liberalen Großstadt-CDU nicht mehr viel übriggeblieben sei. CDU-Bundeschef Friedrich Merz und Generalsekretär Carsten Linnemann wirft er vor, eher die "neoliberalen Thesen der FDP" zu vertreten. Außerdem bezeichnet er ihre Verkehrspolitik als "antiquiert".  Van Vormizeele saß elf Jahre lang bis 2015 für die CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft und war innenpolitischer Sprecher der Fraktion.  [….]

(NDR, 19.12.2024)

[…..] Mit 14 Jahren kam Dirk Tangemann zur Jungen Union. Ein paar Jahre später trat er in die CDU ein, blieb dort über drei Jahrzehnte lang. Zuletzt arbeitete der Hamburger in der CDU Bezirksfraktion Eimsbüttel im Sozial- und Stadtplanungsausschuss. Am 15. Oktober 2025 ist er ausgetreten. „Nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung“, […..]  Der 58-Jährige wirft der CDU-Parteispitze vor, jeden sachlichen, innerparteilichen Dialog verweigert zu haben. „Ich habe geschrieben, argumentiert, appelliert. Doch geblieben ist: Schweigen. Und das ist in der Demokratie keine Tugend, sondern ein Warnsignal.“ Er beobachte eine „populistische und zunehmend realitätsferne Linie“ – sowohl auf Bundesebene als auch in Teilen der Hamburger CDU – die allem widerspreche, wofür er „als Demokrat, Unternehmer und Bürger stehe“, schreibt er. BuzzFeed New Deutschland von Ippen.Media hat nachgehakt, was er damit meint.  „Dann ist er nicht mein Kanzler“: Ex-CDU-Mitglied kritisiert Friedrich Merz. Der Partei-Austritt habe sich schon länger angebahnt, erzählt der Kommunalpolitiker und Autor. Er kritisiert, dass die Union während der Ampelregierung „destruktive“ Oppositionsarbeit gemacht habe. „Nein sagen geht immer, wo bleiben die eigenen Lösungsansätze?“  [….]

(FR, 17.10.2025)

Marcus Weinberg, 2021 Spitzenkandidat der Hamburger CDU für die Bundestagswahl, 2005-2021 Mitglied des Bundestags, ehemaliger familienpolitischer Sprecher der CDUCSU-Bundestagsfraktion und ehemaliger Landesvorsitzender der CDA, 38 Jahre CDU-Mitglied, trat im August 2024 aus der Ploß-Thering-Partei aus.
Für halbwegs rationale Menschen ist in der populistischen Merz-CDU kein Platz mehr.

[….]  CDU-Größe Weinberg wirft hin – auch wegen Hamburger Parteifreunden.  Er fährt mit einer hippen E-Vespa statt mit Verbrenner-SUV durch die Stadt, wohnt (ohne Trauschein) mit Frau und zwei Kindern in Ottensen, ist St. Pauli-Fan und kämpft schon sein Leben lang für die Schwachen in der Gesellschaft. Bisher war das für Marcus Weinberg (57) kein Widerspruch zu seinem Parteibuch. Doch das hat sich geändert. Der ehemalige Spitzenkandidat der CDU Hamburg tritt aus seiner Partei aus. Und alle fragen sich: Wechselt der Sozialpolitiker jetzt zu den Grünen?  […..]

(MoPo, 05.08.2024)

Protofaschist Ploß wird Weinberg kaum nachweinen.

[….] Jetzt tritt Marcus Weinberg nach 38 Jahren Mitgliedschaft aus der Partei aus – ein Paukenschlag für die Hamburger CDU. Die Entscheidung habe er sich lange und reiflich überlegt, erzählte er dem Hamburger Abendblatt.  Als Grund nannte der 57 Jahre alte Lehrer im »Hamburger Abendblatt« inhaltliche Differenzen und eine fehlende Identifikation mit dem aktuellen Kurs der Partei. Der CDU-Landesverband bestätigte den Austritt.

»Meine gesellschaftliche Haltung, die auf Zusammenhalt und Solidarität statt auf Populismus und Polarisierung setzt, mein Politikverständnis, das auf Ausgleich und eine politische Gesamtverantwortung allen Menschen gegenüber statt auf eine verengte Wählerklientelpolitik setzt, waren immer unverzichtbare Voraussetzungen zur Bindung an die CDU«, sagte Weinberg dem Abendblatt. »Diese Bindungselemente als Identifikation sind nicht mehr mit der heutigen CDU so, dass sie für mich tragfähig sind.«   […..] Heute erkenne er bei der gesellschaftspolitischen Haltung und beim Auftreten der CDU »Linien und Ausrichtungen, die nicht meine sind.« Empört sei er über den Generalsekretär Carsten Linnemann, der mehr als 100.000 Menschen das Bürgergeld streichen will, weil sie angeblich nicht bereit seien, eine Arbeit anzunehmen. In Hamburg bemängelt er unter anderem, dass das Konzept der liberalen Großstadtpartei beerdigt wurde. Die Unterstützung für ein Gender-Verbot hält er auch für einen Fehler, so Weinberg gegenüber dem Abendblatt. […..]

(SPON, 05.08.2024)  (…)

(Nichts wie raus, aus der CDU, 29.10.2025)

Genauso finster sieht es in der Hauptstadt-CDU aus, die mit finsteren Rechtsaußen-Gestalten, wie Lummer, Landowski und Diepgen aufwartet.

Unvergessen der Dr.-Titel-Betrüger, Hobby-Nazi und CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Steffel.

(….)  Frank Steffel, Jahrgang 1966, ist ein wandelndes Klischee.
Keiner verkörpert den Westberliner kleinbürgerlichen Spießer-Klüngel besser als der CDU-Vielfach-Funktionär, der schon mit 16 in die Partei Diepgens und Landowskys eintrat.
Von Papi erbte er eine Teppichverleger-Firma und fühlte sich allein dadurch seinen Mitbürgern überlegen.
Linke, Migranten, Künstler - kurzum die ganze Berliner alternative Szene hasste er schon immer wie die Pest und drückte dies auch in seiner eigenen Sprache aus:
Die Süddeutschen Zeitung vom 23. August 2001 berichtete als Erste darüber, er habe in seiner Zeit bei der Jungen Union Schwarze „Bimbos“ und Türken „Kanaken“ genannt.
Behinderte waren für ihn „Mongos“ und eine Lehrerin, die diese Ausdrücke bemängelte, bezeichnete Jung-Steffel als „Kommunistenschlampe“.*
Die Kritik an seinen Manieren konnte er nicht verstehen und erklärte Michel Friedman:
„Einem Jugendlichen rutscht sowas schon mal raus!“
Im Intrigantengestrüpp der Berliner CDU hangelte er sich 2001 zum Bürgermeisterkandidat empor und forderte Klaus Wowereit heraus. (….)

(Der Christ des Tages - Teil X, 11. Oktober 2009)

*[….] So hatte der Berliner CDU-Mann Frank Steffel mit Max über Jugendsünden geplaudert und preisgegeben, dass er früher mal Ausländer "Bimbos", "Mongos" oder "Kanaken" nannte.  Als das laut Max autorisierte Interview erschien, erklärte eine CDU-Sprecherin, der Stoff sei frei erfunden. Der Reporter aber hatte ein Tonband mitlaufen lassen; Max stellte den Ausschnitt ins Netz.  [….]

 (SZ, 19.05.2010)

Der neue schwule Berliner Bürgermeisterkandidat Stefan Evers fügt sich nahtlos ein. Arme Menschen will er dazu zwingen, die Stadt zu putzen.

[…..] als die damalige Landesvorsitzende Monika Grütters [Stefan Evers] zum Generalsekretär der Berliner CDU machte, wurde sein Ton rauer. „Ausgeräuchert“ gehörten für ihn etwa jene Angreifer, die Polizisten in der Rigaer Straße durch einen Brand angelockt und dann aus einem Hauseingang mit Steinen beworfen hatten.

 

Im anschließenden Gespräch mit der taz beteuerte Evers, an diesem Begriff nichts relativieren zu wollen. „Wut ist Wut, und die packe ich nicht in Samthandschuhe“, betonte er. Kritiker seines Posts auf Facebook bezeichnete er als „sensible Gemüter“. An die Adresse der Angreifer sagte Evers: „Falls sich die Täter durch meine Aussage verletzt fühlen, sollen sie sich an Behörden wenden. Die werden sich freuen.“ [….]

(Taz, 11.07.2026)

Den richtigen Generalsekretär haben die Berliner Unionisten für ihren neuen starken Evers auch gefunden.

[….] Stühlerücken bei der Berliner CDU: Kaum ist Stefan Evers als Nachfolger des über die Tennis-Affäre gestolperten Kai Wegner ins Amt des Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden gerutscht, stellt er schon sein Team neu auf. Der Bundestagsabgeordnete Lukas Krieger soll künftig als Generalsekretär des Landesverbands fungieren. [….] Krieger soll nun vor allem nach innen wirken, um die Partei für den Wahlkampf zu mobilisieren, wie die »Berliner Morgenpost« berichtet. [….] Ein Großteil der innerparteilichen Kontakte Kriegers geht noch auf seine Zeit in der Jungen Union zurück. In dieser Zeit liegt aber auch ein Skandal, der fast das Ende der politischen Karriere Kriegers bedeutet hätte. Im Jahr 2016 tauchte ein Video auf, das Krieger als Funktionär der Schüler-Union bei einem Ausflug im lettischen Riga 2005 mit Parteikollegen zeigt. In dem Video wird ein Hakenkreuz-Abzeichen gezeigt, anschließend blickt Krieger in die Kamera und sagt: »Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen, dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind, dass Deutschland deutsch bleibt und wir gegen den jüdischen Bolschewismus durchaus vorgehen.« [….] Das Video, das schon vor seiner Veröffentlichung in CDU-Kreisen kursierte, zwang Krieger zum zeitweiligen Parteiaustritt. Nach vierjähriger Pause konnte er seine Parteilaufbahn jedoch fortsetzen. [….] Dass Krieger durchaus ein Händchen für Wahlkampf mitbringt, zeigte er 2025. Im Kampf um ein Direktmandat in Charlottenburg-Wilmersdorf bei der Bundestagswahl schlug der wenig bekannte Krieger sowohl die damalige Familienministerin Lisa Paus (Grüne) als auch den ehemaligen Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Dabei half auch eine Finanzspritze aus Nordrhein-Westfalen. Der CDU-Kreisverband Borken unterstützte den örtlichen Wahlkampf mit 20 000 Euro.  Vorsitzender der CDU in Borken ist Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. [….]

(Marten Brehmer 15.07.2026)

Sonntag, 19. Juli 2026

In der Satirewelt

Natürlich werden zukünftige Generationen daran gewöhnt sein, die dargestellte Realität entweder gefiltert, manipuliert und gänzlich virtuell zu verstehen.

Als Schöffe im Amtsgericht, habe ich es mit Beweisfotos und Beweis-Videos zu tun. Noch. Das wird sich in nicht allzu ferner Zukunft erledigt haben, weil es keine juristische Aussagekraft mehr haben wird.

Zehn Jahre verschwörungstheoretisierten wir, Putin erpresse Trump womöglich mit Pinkel-Videos aus einem Moskauer Hotel. Heute wären solche „Beweise“ wertlos.

(….) Eine tolle, bei Verschwörungstheoretikern beliebte Story, für die es allerdings nicht die geringsten Belege gibt.

Menschen, die sich professionell mit Trump beschäftigen, winken ab:

Putin hätte so ein Erpressungsvideo gar nicht nötig. Der extrem ungebildete, aber auf Schmeicheleien versessene Trump, ist für einen klugen, geheimdienstlich ausgebildeten Mann, ohnehin leicht zu lenken. Dazu kommt Trumps ehrliche Bewunderung für die Machtfülle des Russen, dessen Reichtum und die goldene Pracht des Kremls, gegen die das Weiße Haus wie eine ärmliche Berghütte wirkt.

Beide teilen zudem gemeinsame Ziele: Sie verachten Klimaschutz und setzen auf Fossil-Energie, sie wollen beide die EU schwächen und aufspalten, sie hassen beide die Ukraine, lehnen beide den internationalen Gerichtshof, sowieso ganz allgemein Menschenrechte ab. Schließlich verfolgt Trump schon seit Jahrzehnten erhebliche finanzielle Interessen in Russland. Immer wieder wurde ihm mit russischen Millionen aus der Klemme geholfen.

Die beiden Männer ziehen ohnehin in so vieler Hinsicht an einem Strang; da braucht Putin gar keine Druckmittel.

Sollte sich so ein „Pee-Tape“ tatsächlich in den Händen russischer Dienste befinden, wäre es spätestens 2026 ohnehin wertlos geworden. Trumps Cronies würden es bei einer Veröffentlichung empört als „KI-Fälschung“ brandmarken und damit Erfolg haben, weil jeder inzwischen um die KI-Möglichkeiten weiß.

Bis vor ganz kurzer Zeit galten Fotos und Videos als Beweise. „Roll the tape“ hieß es triumphierend in News-Sendungen, wenn ein Gast log und man den Zuschauern das belegen wollte. Das wird immer noch gemacht, aber in naher Zukunft aufhören, weil es für jeden ein Kinderspiel sein wird, solche Videos täuschend echt zu fälschen.  (…)

(Was ist echt?, 23.06.2026)

Was wir sehen, ist nicht mehr echt. Es wird zunehmend unmöglich, Realität von virtuellen Darstellungen zu unterscheiden, weil die technische Entwicklung es uns unmöglich macht, Fälschungen zu erkennen.

Es kommt aber ein weiterer Aspekt hinzu: Wir können uns nicht mehr auf unser Urteilsvermögen verlassen, weil das eine gewisse Grund-Rationalität aller Beteiligten verlangt. Aber inzwischen spülen die von Algorithmen und Bots verwirrten Wähler so irre Politiker in die Regierungen, die so sagenhaft schwachsinnig handeln, daß mit dem so viel und falsch beschworenen „gesunden Menschenverstand“ nicht feststellbar ist, ob sie irgendetwas tatsächlich tun, oder ob wir einer Satire-Meldung aufsitzen. Nach den Regierungschefs Boris Johnson und Donald Trump, die wie Schildbürger auf Speed durch den Alltag rockern/rockerten, haben wir nun mit Merz, Spahn und Reiche ähnlich debile Protagonisten am Werk, die sich offenbar an Präsident Camacho aus „Idiocracy“ orientieren.

Falscher als Reiche kann man keine Wirtschaftspolitik betreiben.

 

Dir irrste Satire passiert, wenn Extra3, Postillon oder Titanic akkurat Fakten auflisten:

[…]  Was war Ihr Lieblings-Spahn-Skandal?

1.   Dubiose Nebentätigkeiten in einer Lobbyagentur für Pharmaklienten, während er als Politiker in Gesundheitsausschüssen saß. (2006-2010)

2.   Interessenkonflikt wegen privater Beteiligung an Softwarefirma Pareton, während er Finanzstaatssekretär war. (2016-2017)

3.   Kauf einer Wohnung durch Spahn von Pharmamanager Markus Guilherme Leyck Dieken (2017), der dann später auf Betreiben Spahns als Geschäftsführer der mehrheitlich vom Gesundheitsministerium kontrollierten Gematik GmbH eingesetzt wurde – bei doppeltem Gehalt. (2019)

4.   Spendenveranstaltungen, bei denen Beträge von jeweils 9999 Euro für den Bundeswahlkampf gesammelt wurden, um die Veröffentlichungsgrenze von 10.000 zu unterschreiten. (2020)

5.   Verdächtige Finanzierung seiner Villa für 4,125 Millionen Euro durch die Sparkasse Westmünsterland. Behauptung eines Erbes seines Mannes, das es nie gegeben hat. Schließlich stellt sich heraus, dass der Milliardär Christian Angermeyer mit Verbindungen zu Thiel, Trump Jr., Ivanka Trump und Jared Kushner involviert war. (2020)

6.   Ausspähen von Journalisten, die zu seinen Immobiliengeschäften recherchierten, und Versuch, diese zum Schweigen zu bringen. (2020)

7.   Maskenaffäre: Mehrere Milliarden Euro für die Maskenbeschaffung verschleudert und Unionspolitikern Provisionen in Millionenhöhe vermittelt. (2020)

8.   Weitergabe vertraulicher Informationen während Corona an Ex-Signa-Chef René Benko und Einsatz für die Abschaffung der 800-Quadratmeter-Regelung auf dessen Wunsch. (2020)

9.   Mehrere Teilnahmen an Treffen des "Dialog"-Netzwerks des religiös-faschistischen Tech-Milliardärs Peter Thiel (2018-2024)

10.Dubiose Verbindungen zum Gesundheits-IT-Milliardär Frank Gotthardt (Nius-Financier), der unter Gesundheitsminister Spahn in mehrfacher Hinsicht profitierte und dafür auch reichlich an die CDU spendete. (2018-2025)

11.Versagen als Fraktionschef bei im ersten Anlauf vergeigter Kanzlerwahl (2025)

12.Nutzen einer Leihmutter aus den USA, obwohl sich Spahn jahrelang für ein Verbot von Leihmutterschaften in Deutschland eingesetzt hat. (2026) [….]

(Postillon 19.07.2026)

Der Kanzler geht in dieser Krise, die seine ganze „Richtlinienkompetenz“ erfordert, zum ZDF und ist überrascht. Obwohl er von Spahn schon zehn Tage vor der Öffentlichkeit über seine Leihmutter-Vaterschaft informiert worden war, hatte der Sauerländer Simpel mal wieder nicht das geringste Gespür dafür, wie das in der Partei und in der Öffentlichkeit ankäme. Merz begreift es einfach nicht.

[….] Dann aber kam Jens Spahn und ließ die Welt via Bild-Zeitung wissen, er und sein Mann seien mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden – und bescherte damit nicht nur dem Kanzler, sondern auch dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz den Krisensommer Nummer zwei. Schon vor einem Jahr hatte es maßgeblich Spahn zu verantworten, dass die geplante Richterwahl im Bundestag am letzten Sitzungstag scheiterte und anschließend wochenlang über der Koalition hing wie ein sehr hartnäckiges Tiefdruckgebiet. Und jetzt das!

An Merz’ Umgang mit der Causa Spahn sind letztlich zwei Dinge bemerkenswert. Zum einen, wie sehr er sich zunächst verschätzte, was die Reaktion der Partei angeht. Und zum anderen, wie vollständig er sich am Ende von Spahn abgrenzte – und zwar längst nicht nur von dessen Entscheidung, sich den Kinderwunsch auf diese Weise zu erfüllen.

Im Sommerinterview am Sonntag gab Merz offen zu, mit der Empörungswelle in der Partei „zumindest nicht in diesem Umfang“ gerechnet zu haben. Erst am Samstag war ihm seinem eigenen Bekunden zufolge das volle Ausmaß des Schadens klar. Das zeigt, dass Merz vieles sein mag; aber ein einfühlsamer CDU-Versteher, der den Puls der Partei jederzeit richtig zu erspüren und zu erahnen vermag, eher nicht.

Hinzu kommt: Merz wusste bereits einige Tage vor der breiten Öffentlichkeit von Spahns Vaterschaft. Dass er dessen Wunsch entsprach, die Nachricht selbst zu kommunizieren, kann man integer finden. Dass er aber nicht mal Einfluss darauf nahm, in welcher Art und Weise die Kommunikation stattfinden würde, muss man mindestens als gewagt bezeichnen. Und tatsächlich hat Spahn dann ja auch zielsicher den Weg mit dem größten zusätzlichen Empörungspotenzial gewählt – den über die Bild-Zeitung.  [….]

(Henrike Roßbach, 19.07.2026

Ein qualifizierter Kanzler könnte sich nun verständig, reflektiert und durchsetzungsfähig zeigen. Eigene Versäumnisse benennen und Auswege aufzeigen.

Jeder weiß schließlich, wie überfällig eine Kabinettsumbildung angesichts der diversen C-Totalausfälle in seiner Crew ist.

Aber der Fritzekanzler scheint wieder einmal von einem Titanic-Praktikanten ersetzt worden zu sein und nutzt die Gelegenheit, um sich selbst lächerlich zu machen, indem er Grüne und Linke mit der AfD gleichsetzt. 

[….] Merz feuert Spahn – nicht, weil er die Kanzlermehrheit vergeigt, eine Verfassungsrichterwahl ruiniert, nutzlose Wehrpflicht-Debatten zugelassen hat. Und also als Fraktionschef so munter herumdilettierte, dass es schon wieder nach Absicht roch. Sondern, nachdem aus Landesverbänden der Union einhellig gefordert wurde, den Spahnwahn zu beenden. Seine Wiederwahl als Fraktionschef im Mai mit noch respektablen 86,5 % wurde als Höchststrafe für Merz gelesen und als Indiz, dass der nicht mehr genug Macht habe, einen loyaleren Könner einzuwechseln. Nun betont das Merz-Umfeld, er habe Spahn final unter Druck gesetzt, und nun kann Merz jemanden einsetzen, der schwarzblauer Neigungen unverdächtig ist. Muss er aber auch.  [….]

(Friedrich Küppersbusch, 19.07.2026)

Der Sauerländer Sabbelkopp ist kein „Kanzler-Azubi“. Azubis lernen dazu und können fähige Gesellen und Meister werden. Merz hingegen ist vollkommen erkenntnisresistent und nach einem Jahr als Kanzler noch schlechter als zu Beginn.

Larmoyanz und Selbstmitleid sind erheblich gewachsen.


[….] ZDF-Sommerinterview: Friedrich Merz übernimmt Verantwortung, aber schuld sind schon andere [….]

Im Sommerinterview mit dem ZDF schlängelt er sich biegsam zwischen Verantwortungsübernahme und Schuldzuweisungen hindurch.

Ob er nicht »im Wahlkampf und danach immer wieder sehr viel versprochen« habe, fragt ihn Diana Zimmermann, die Journalistin des ZDF, an einer Stelle etwa. Davon, eigene Fehler einzuräumen, ist Merz diesmal allerdings recht weit entfernt. Er sei damals »von anderen Voraussetzungen ausgegangen«, sagt er. Es gebe seit fünf Jahren einen Krieg in der Ukraine. Der US-Präsident stehe »nicht mehr in dem Umfang zur Nato«. Die Energiekrise halte »durch fehlendes russisches Gas« an. Und dann seien da die Herausforderungen durch China.

Alles freilich Voraussetzungen, mit denen schon sein Vorgänger klarkommen musste. Was aber behauptet der Kanzler allen Ernstes mit sehr sorgenvoller Miene? »Das sind alles Dinge, die sich so massiv verändert haben, insbesondere im letzten Jahr, praktisch auch zwischen den Wahlen und dem nächsten Deutschen Bundestag.« Diana Zimmermann hält ihm immerhin entgegen, dass der Krieg in der Ukraine schon drei Jahre vor seinem Amtsantritt begonnen habe. [….] Merz sagt auch mehrfach, dass er mit seiner Koalition die Verantwortung übernehme. [….] Aber, [….] Er verteilt Verantwortung zugleich sehr großzügig weiter. Angesprochen auf seine eigenen schlechten Vertrauenswerte kritisiert er die Tonlage im Parlament und nennt dann in einem Atemzug AfD, Linke und Grüne. Er nimmt auch die Medien in die Verantwortung. [….] Oder als Zimmermann ihn auf seine Stadtbild-Äußerung anspricht, die »sehr viele Menschen mit migrantischem Hintergrund verstört« habe: Da kritisiert er sie zurück, »Sie zeigen selten diejenigen, die mal sagen, es ist genau so, das war mit den kleinen Paschas schon vor vielen Jahren so. Sie zeigen immer diejenigen, die es kritisieren.« [….]

(Klaus Raab, 19.07.2026)

Kann man sich nicht ausdenken.

Samstag, 18. Juli 2026

Politische Hygiene

Noch vor ein paar Tagen war ich von Spahns Aussitzvermögen überzeugt und dachte, er würde auch das Genörgel über die US-Leihmutter überstehen. Schließlich überstand er schon erheblich größere Skandale mühelos.

Ein Quereinsteiger oder ein junger Minister aus einem kleineren Landesverband wäre längst geflogen.

Aber in 24 Jahren Bundestag bastelte sich der obsessive Netzwerker Spahn den womöglich größten Giftschrank der CDU zusammen. Er kennt jeden wunden Punkt von Jedem.

Spahn wird persönlich von den wenigsten seiner Kollegen gemocht.

Darauf hatte es der Ultraehrgeizige auch nie abgesehen, der durch seine ständige Merkel-Piesackerei schon vor einer guten Dekade als Rechtsaußen-Springteufel der CDU bekannt wurde.

[….] "Bekannt bin ich jetzt, beliebt muss ich noch werden" [….]

Jens Spahn, 38 Jahre alt, CDU-Minister, sitzt am Montag in einem Raum voller Journalisten und eigentlich gibt es nur eine Frage an ihn: "Warum sind Sie der richtige Mann für eine Kanzlerschaft?", [….] 

Spahn sagt: "Wenn man, wie ich, nicht nur reden, sondern was verändern will, dann braucht es das Vermögen, etwas zu ändern."

Dass an diesem Vormittag die halbe Hauptstadtpresse über die aktuellen Karrierepläne des Jens Spahn rätselt, liegt an einer Biografie, die der Chefredakteur der Rheinischen Post, Michael Bröcker, geschrieben hat und mit ihm gemeinsam vorstellt.

Auf dem Einband loben der CSU-Altvordere Edmund Stoiber und Österreichs Kanzler Sebastian Kurz den jungen Konservativen, und Bröcker orakelt, dass Spahn "die Bundesrepublik maßgeblich prägen wird".

Auf knapp 280 Seiten führt er dann aus, warum: Spahn, ein Provokateur und Strippenzieher, habe sich schon seit seiner Jugend im Münsterland nicht auf seinem Weg nach ganz oben beirren lassen. [….] Nun, in der Dämmerung Angela Merkels, sei möglicherweise Spahns Zeit gekommen, schreibt Bröcker. Überschrift: "Kanzler, was sonst?" [….]

(SZ, 17.09.2018)

Spahn ließ nie einen Zweifel an seinem Kanzler-Ehrgeiz aufkommen und spann dafür im Hintergrund emsig sein Netz. Den Kollegen missfiel dieses Verhalten, aber sie erkannten es als Machtfaktor an. Der Mann kann Mehrheiten organisieren und man tritt ihm besser nicht auf die Füße, weil er skrupellos ist. Spahns Arm reicht weit genug, um fast jedem Unions-Abgeordneten die Aufstellung für die nächste Bundestagswahl zu verderben. Mit ihm stellt man sich möglichst gut, wenn man weiter kommen will.

So überstand er jeden Skandal; so wurde er trotz Desaster-Performance am 05.05.2026 mit 86,5% als Fraktionschef wiedergewählt, obwohl der Kanzler und CDU-Vorsitzende ihn hasst, wie die Pest.

Einzelne Hyänen, die um ihn herumstrichen, hatten zu große Beißhemmungen; mußten befürchten, von Spahns mächtigen Pranken niedergestreckt zu werden.

Aber in den letzten drei Tagen wurde das Hyänen-Rudel der Spahn-Kritiker immer größer. Selbst Merz wurde immer bissiger.

In den letzten 24 Stunden schlossen sich immer mehr CDU-Landesverbände dem in der demoskopischen Einstelligkeit hockenden MeckPommern an, die mit dem Wahlmühlstein Spahn um den Hals befürchten müssen, am 20.09.2026 gen 5%-Hürde zu krachen.

Moralische Erwägungen, Anstand, Ehrlichkeit spielten dabei, wie in der Union üblich, gar keine Rolle. Es geht ganz allein um die Machtoptionen und damit verbundene Pfründe.

Unpopuläre Spitzenleute zu feuern, kann eine demoskopische Befreiung sein. Dafür gab es gerade in den letzten Tagen zwei Beispiele.

Im eher liberalen US-Bundestaat Maine kämpft die konservative Trumpanzee-Senatorin Collins um ihre Wiederwahl im November. Gegen sie tritt der „unkonventionelle linke“ Graham Platner an, der zum Entsetzen der Demokraten in Umfragen stets noch hinter ohnehin unbeliebten GOPerin Collins rangierte. Nun warf Platner überraschend, nach Vorwürfen sexueller Übergriffigkeit, hin. So spät im Wahlkampf den Spitzenkandidaten zu verlieren, ist eigentlich ein Alptraum für die jeweilige Partei. Aber nicht so in Maine: Nun stehen die Demokraten ohne Kandidaten da und haben deutliches bessere Chancen als mit Kandidaten!

Ein ähnliches Bild in Berlin nach dem unrühmlichen Aus des Bürgermeisters und CDU-Spitzenkandidaten Wegner. Kaum ist Lügen-Kai weg, schießt seine CDU vom blamablen Platz Vier in den Umfragen auf Zwei, überholt Grüne und AfD!

Den beim Volk extrem unbeliebten Spahn loszuwerden, verbindet die CDU daher mit einiger Hoffnung auf bessere Umfragewerte und bessere Wahlchancen in den drei September-Landtagswahlen Sachsen-Anhalt, MeckPomm und Berlin.

Ein schöner Nebeneffekt: Der einzige noch unbeliebtere CDU-Politiker, nämlich Merz, kann sich als derjenige inszenieren, der fähig ist, harte Entscheidungen zu treffen.

Lustigerweise merkt der Fritzekanzler wieder einmal gar nicht, wie lächerlich er sich macht, wenn ausgerechnet er, der notorische Lügner und Wortbrecher, sich zur Ikone der Glaubwürdigkeit stilisiert. Zu halten war Spahn ohnehin nicht mehr. Die Rezeption seines Verhaltens war so verheerend, daß er die CDU in den endgültigen Abgrund gezogen hätte.

[….] Dieser Rücktritt musste sein [….] Der Rücktritt von Jens Spahn wird der Union wenig nutzen. Aber sein Verbleib im Amt des Fraktionsvorsitzenden hätte ihr schwer geschadet.

Er konnte diese Debatte nicht gewinnen. Wenn es in der Politik um die sogenannten „Inhalte“ geht, ums Schließen von Krankenhäusern, um die Erbschaftsteuer oder die Wehrpflicht, kostet es einigermaßen Mühe, sich eine eigene Meinung zu bilden. Man muss Abwägungen treffen und sich zu einer Haltung womöglich durchringen.

Zu Jens Spahn und der Leihmutterschaft hingegen hat praktisch jeder sofort eine Meinung. Das hat erstens damit zu tun, dass das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland nie Gegenstand großer Debatten war; anders als der Schwangerschaftsabbruch oder die Ehe für alle. [….]

Zweitens konnte Jens Spahn die Debatte auch deshalb nicht gewinnen, weil es mit seinem öffentlichen Ansehen ohnehin seit Langem nicht zum Besten stand. [….] 

Das zusammengenommen war der Hintergrund, vor dem sich Jens Spahn drittens einem Vorwurf ausgesetzt hat, der nur sehr schwer zu überstehen ist: dem der Doppelstandards. Wenn er wenigstens mal dafür gekämpft hätte, die Leihmutterschaft auch in Deutschland zu ermöglichen. Wenn er Argumente dafür gesammelt und um sie geworben hätte. Doch Jens Spahn trug die CDU-Beschlüsse zum Verbot der Leihmutterschaft mit. 2020 sprach sich das Bundesgesundheitsministerium, dem er damals vorstand, gegen die Leihmutterschaft aus, indem es auf die unvermeidlichen Schwierigkeiten bei der Selbstfindung eines Kindes hinwies. Und dann umgeht er das Verbot, indem er sich eine Leihmutter in den USA sucht - weil er und sein Mann es sich finanziell leisten können; anders als ein schwules Paar, in dem der eine ein Busfahrer und der andere ein Bäcker ist. [….] Zu den Klischees über Politiker gehört, dass sie Wasser predigten und Wein tränken. Meistens ist dieser Vorwurf ungerecht (ausgenommen unter anderem jene AfD-Politiker, die Verwandten gut bezahlte Jobs in ihren Abgeordnetenbüros verschafft haben). Hier trifft er zu. [….]

(Detlef Esslinger, 18.07.2026)

Diejenigen innerhalb und außerhalb der Union, die über Spahns politisches Ende jubilieren, freuen sich zu früh. Er behält einen Bundestagssitz, seine Position im CDU-Präsidium und all seine Kontakte.

Er hat Döpfner, Ronzheimer, Thiel, Gotthardt, Kurz, Grenell, Reichelt im Rücken. Er ist die Inkarnation des Ehrgeizes. Und er hasst Merz.

Aus sozialdemokratischer parteipolitischer Sicht bedaure ich natürlich Spahns Abgang. Genau wie ich mich als Atheist über Kardinal Woelki freue, der mit jedem Tag im Amt, mehr Leute zum Kirchenaustritt treibt, erkenne ich Spahns Leistung an, Wähler davon abzuhalten, ihr Kreuz bei der CDU zu machen.

Aus demokratischer Perspektive sieht es aber anders aus, weil die Nazis in allen bundesweiten Umfragen klar stärkste Partei sind; in Ossistan absolute Sitzmehrheiten holen können.
Für die Autokratie- und Diktaturbefürworter, für die Putin-Fans, für die rechtsradikalen Gefährder ist ein Spahn, der ohne persönliche Konsequenzen immer im Amt bleibt, die perfekte Metapher, um gegen „die da oben“ zu hetzen. Zu pauschalisieren: „Alle Politiker sind korrupt, die verdienen einen Denkzettel, die AfD muss aufräumen!“

Jens Spahn ruiniert das ohnehin schon viel zu geringe Vertrauen in Staat, freie Wahlen, Parlamentarismus und Demokratie immer mehr.

Daher muss ich froh über seinen Rücktritt sein.

Gibt es einen schwulen Andenpakt?

Am dritten Tag der „Leihmutter-Affäre Spahn“ haben sich so ziemlich alle öffentlichen Figuren zur der Causa geäußert.

99% der Artikel und Reels beginnen mit der pronatalen Feststellung, man gönne ihm persönlich sein Glück, gefolgt von einer Lobeshymne über Kinderwunsch, Kinderkriegen, Kinder im Allgemeinen. Nichts wird in Deutschland so hartnäckig positiv geframt, wie die Vermehrung.

Als ob nicht die Überbevölkerung des größte plantare Problem überhaut wäre. Als ob nicht die Familie auch Hort von Missbrauch und Gewalt wäre.

Anschließend wird das Thema Homosexualität abgefrühstückt: Natürlich habe man nichts gegen Schwule und Homosexuelle könnten genauso gute Eltern, wie Heterosexuelle sein.

(Das sehe ich anders! Ich glaube, Schwule und Lesben sind im Durchschnitt bessere Eltern, als Heterosexuelle, weil alle ihre Kinder Wunschkinder sind, die nur geborenen werden, wenn sie wirklich gewollt sind und die Eltern ihnen volle Aufmerksamkeit widmen. Heterosexuelle werden hingegen dauernd auch ungewollt schwanger oder reproduzieren sich lediglich, weil es die gesellschaftlichen Normen von ihnen erwarten. Kinder „passieren“ ihnen durch Unfälle, Suff oder Launen. Auch wenn sie eigentlich gar keine Lust haben, Eltern zu werden. Gleichgeschlechtliche Paare hingegen müssen einen viel höheren Aufwand betreiben, um schwanger zu werden.)

Der dritte immer wieder mitfühlend angesprochene Aspekt, ist das Schicksal der ungewollten Kinderlosigkeit. Gern mit dem Hinweis darauf, es treffe Heteros genauso, wie Homos. Auch Frau/Mann-Konstellationen wären manchmal auf Leihmütter angewiesen.

Alle drei Themen NERVEN MICH, weil sie für den Fall Spahn irrelevant sind. Sie spielen keine Rolle bei der moralischen und politischen Bewertung seines Handelns.

Es geht hingegen um Glaubwürdigkeit, die Heuchelei, daß ausgerechnet ein Politiker, der persönlich, aber auch dessen Partei intensiv dafür streitet, Leihmutterschaft zu kriminalisieren, selbst eine Leihmutter in Anspruch nimmt. Weil er reich und mächtig ist und die Regeln nicht für ihn gelten sollen.

Die Öffentlichkeit wird gerade bei Spahn so getriggert, weil er ein Wiederholungstäter ist, der immer wieder für sich Freiheiten und Sonderrechte herausnahm, die er anderen niemals gönnt. Nun plötzlich reiben sich die Konservativen verwundert die Augen:

Das ist natürlich jetzt blöd, schließlich ist Jens Spahn bekannt für seine absolute Glaubwürdigkeit!  Er ist die Inkarnation der Ehrlichkeit.
Sympathisch und altruistisch. Deswegen ist er ja auch so ungeheuer populär beim Volk.  Man muss ihn einfach lieben!

Inhaltlich ist der Fall klar: Indem die CDU an Spahn festhält, ihn demonstrativ auf dem zweitwichtigsten Posten belässt, betreibt sie wieder einmal massive Wahlkampfhilfe für die AfD und alle demokratieverachtenden Populisten, die sowieso alle Politiker für korrupt und verlogen halten.

Interessanterweise sind die Reihen innerhalb von CDU und CSU nicht sehr geschlossen. Üblicherweise wagt sich niemand mit Kritik an Spahn nach vorn, weil er seit 24 Jahren im Bundestag sitzt und als begnadeter Netzwerker über jeden irgendwelche despektierlichen Informationen im Giftschrank hat. Weil so viele ihm einen Gefallen schulden. Mit ihm will man sich nicht anlegen.

Aber nun könnte eine Welle des Unmuts losbrechen.

[….] Es hatte alles so nett angefangen für ihn. "Ein Baby für Jens Spahn" lautete die Titelzeile der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. "Es ist eine Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung", beginnt die exklusive Homestory im Blatt. Fast eine Seite ist sie lang, große Fotos der lachenden Papas Jens Spahn und Daniel Funke, sein Ehemann.

Einen Tag später ist aus der frohen Botschaft für Jens Spahn ein großes politisches Problem geworden. Denn die beiden haben ihr Kind von einer Leihmutter in den USA austragen lassen. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Und die Union, deren Fraktionschef Spahn im Bundestag ist, will unbedingt, dass das so bleibt.

Zu sagen, dass es in CDU und CSU seit der Nachricht rumort, wäre heillos untertrieben. Unverständnis, Entsetzen, auch Wut – das trifft es eher. Es gibt erste Unionspolitiker, die Spahns Rücktritt fordern. Trotz der Sommerpause, in der sich die Koalition eigentlich Ruhe verordnet hat, wird es brenzlig für Spahn. Ein erfahrener Politiker, der sich nicht namentlich zitieren lassen möchte, sagt t-online: "In der CSU herrscht schiere Fassungslosigkeit."  […]

(Johannes Bebermaier, 17.07.2026)

Interessant ist, wer in diesem Shitstorm nach vorn springt, um für Spahn zu kämpfen.

Der sehr rechte Döpfner-Journalist Paul Ronzheimer macht einen Leihmutterpodcast mit Spahn, der mit enormen Aufwand über alle Springer-Kanäle verbreitet wird.

Der sehr rechte AfD-Anwalt Ralf Höcker springt beim rechtsradikalen „Kontrafunk“ für Spahn in die Bresche.

Natürlich gibt es unter Rechten und Rechtsextremen prozentual genauso viele Schwule, wie überall sonst in der Gesellschaft. Aber es ist schon auffällig, daß sich nun die schwulen ganz Rechten als erstes vor Spahn stellen.

Gibt es womöglich einen schwarzbraunen Homo-Andenpakt, in dem sich erzkonservative Strippenzieher versprochen haben, sich stets öffentlich zu verteidigen und nie um dasselbe Amt zu kämpfen?

Ich will ungern verschwörungstheoretisieren, aber das sind schon erstaunlich viele schwule Rechte/Rechtsextreme, die zusammen klüngeln: Jens Spahn (CDU), Peter Thiel (GOP), Richard Grenell (GOP), sein Ehemann Matt Lashey (GOP), Dave Rubin (rechter Podcaster), Michael Mronz, Daniel Funke, Peter Kurth (CDU/AfD), Stefan Evers (CDU), Hendrick Streeck (CDU), Sepp Müller (CSU), David Berger (AfD), Ralf Höcker (AfD), Paul Ronzheimer (BILD),…

Ronzheimers Springer-Verlag überhäuft jetzt demonstrativ den Rechtsextremen Thiel mit Ehrungen, nachdem dessen geheime Klüngelei mit Jens Spahn ans Licht kam.

[….] Jens Spahn bestätigt Teilnahme an Veranstaltungen von Peter Thiel

Der heutige Unions-Fraktionschef Spahn hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren fünfmal an Veranstaltungen der „Dialog“-Organisation des US-Tech-Milliardärs Peter Thiel teilgenommen. [….]

(Deutschlandfunk, 19.06.2026)

Oder es ist reiner Zufall, daß alle die rechten Skandaloniker ins Spahns Umfeld schwul sind.

Freitag, 17. Juli 2026

Politikerverdrossenheitsgenerator Spahn


„Quod licet Iovi, non licet bovi”

 (Was Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt)

Besser als Jens Spahn kann man Politiker- und Demokratieverdrossenheit nicht fördern: Immer wieder fordert und fördert der Mann strenge Regeln mit drastischen Konsequenzen für die Betroffenen. Regeln für andere, die für ihn aber nicht gelten sollen.

Kein amtierender deutscher Politiker hat sich ungestraft selbst so die Taschen vollgestopft, wie Jens Spahn. Keine Konsequenzen für ihn.

Kein amtierender deutscher Politiker hat ungestraft so viele Steuermilliarden verplempert, wie Jens Spahn. Keine Konsequenzen für ihn.

Kein amtierender deutscher Politiker zeigt so ungeniert seine Heuchelei, wie Jens Spahn bei seiner Familienplanung. Keine Konsequenzen für ihn.

Der Mann, der sich als konservativer Christ, als Gesundheitsminister und CDU-Vertreter strikt gegen Leihmutterschaft einsetzt, bekommt ein Kind von einer Leihmutter. Weil er reich ist. Weil er über dem Gesetz steht. Weil er mit jeder miesen Nummer durchkommt.

[…] Spahn gegen Leihmütter

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Forderung der FDP nach einer zumindest teilweisen Legalisierung der Leihmutterschaft zurückgewiesen. Durch das im Embryonenschutzgesetz festgelegte Verbot habe der Gesetzgeber im Interesse des Kindeswohls die Eindeutigkeit der Mutterschaft gewährleisten wollen, heißt es in der Antwort von Spahns Ministerium  [….]

(SZ, 06.04.20)

Immerhin sind diesmal alle sauer – von ganz links bis ganz rechts. Die Konservativen in der CDU, die Kirchenvertreter, die Linksgrünversifften:

[….]  Der evangelische Theologe und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, nannte es „bedenklich, wenn einer der mächtigsten Menschen der Republik sich in diese rechtliche Grauzone begibt“. Öffentliche Personen wie Spahn hätten auch eine öffentliche Verantwortung: „Es bleibt ein Gefühl der Betrübnis, dass sich jemand da etwas herausnimmt, weil er das Geld, die Position, die Möglichkeit dazu hat“, sagte der Erlanger Theologie-Professor dem Evangelischen Pressedienst. „Ich tue mich schwer mit der hier offenkundigen Diskrepanz zwischen dem Politiker, der Regeln für andere mitgestaltet, und der Privatperson, die das überhaupt nicht schert.“ [….]

(SZ, 16.07.2026)

Da es sich um einen der ihren, einer der Superreichen handelt, gratulieren die erzkonservative Bundestagspräsidentin Klöckner und der erzkonservative Bundeskanzler Merz. Sie treten nur nach unten.

[….]  Grünen-Bundestagsabgeordnete und Ärztin Paula Piechotta (39) ist sauer und sagt in BILD: „Spahn als Politiker verbietet Millionen Deutschen in ihrem Privatleben, was er sich selbst gönnt. Das ist klassische Doppelmoral und einer von vielen Gründen, warum ganz Deutschland Jens Spahn hasst. Man duldet ja auch keinen SPDler in der Bundesregierung, der zu Hause Zimmermädchen unter Mindestlohn beschäftigt.“ […]

Erst vor vier Monaten, als die von Spahn bezahlte Leihmutter längst schwanger war, applaudierte er auf dem CDU-Bundesparteitag der Feststellung: „Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft – auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.“

 Ein strenge Regel für den Plebs mit Kinderwunsch, über die sich Spahn ganz selbstverständlich hinwegsetzt, wenn es ihn persönlich betrifft.

[….] „Nach dem Bundesbeauftragen für Sucht und Drogen, Prof. Dr. Hendrik Streeck, ist nun der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, über eine Leihmutterschaft Vater geworden. Beide sind nicht nur prominente Vertreter der CDU, sondern haben darüber hinaus auch wichtige politische Funktionen inne. Deshalb geht ihre private Entscheidung über ihre persönliche Lebenssituation weit hinaus. Noch vor wenigen Jahren hat Jens Spahn sich gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. Wäre es da nicht nur konsequent, bei sich dieselben Maßstäbe anzulegen, die man auch für die Bürger anlegt? Beide Politiker haben durch ihr Verhalten – wenn auch ungewollt – dem Ansehen unserer Rechtsordnung einen erheblichen Vertrauensverlust zugefügt, da sie den Eindruck erwecken, dass für unsere politischen Entscheidungsträger offenbar andere Maßstäbe gelten als für den Bürger.“ […]

(Susanne Wenzel, Christdemokraten für das Leben)

Die besonders Konservativen und besonders Christlichen in der CDU sind genervt von Spahn, weil er sonst immer auf ihrer Seite steht.

[….] Hubert Hüppe hat sich schon als Bundestagsabgeordneter intensiv mit dem Thema beschäftigt. Heute ist er Chef der Senioren-Union. »Wir haben als CDU den klaren Beschluss des Bundesparteitages, dass wir Leihmutterschaft ablehnen«, sagte Hüppe dem SPIEGEL. »Die CDU war die Partei, von der man sagte, dass sie bei dem Thema am deutlichsten ist.«

Er sei »persönlich geschockt« gewesen von der Nachricht über Spahns Elternschaft, so Hüppe. »Ich hatte gehofft, das würde nicht stimmen. Natürlich kann ich verstehen, dass jeder Mensch den Wunsch auf ein Kind hat, auch homosexuelle Paare, aber es geht darum, ob man Frauen instrumentalisiert.«  [……]

(SPON, 16.07.2026)

Es ist wie bei Trump, wie bei Merz und eben auch bei Spahn: Ich wundere mich schon lange nicht mehr darüber, daß sie sind, wie sie sind. Daß sie täglich neue Ungeheuerlichkeiten produzieren. Aber ich staune immer noch, wie ungehindert sie damit durchkommen. Daß sie niemand stoppt, die Bürger sie nicht abwählen, ihre Parteien sich nicht gegen sie wenden.

[….] Dass Jens Spahn und sein Ehemann jetzt ein Kind haben, ist grundsätzlich eine schöne Nachricht für die beiden. Das gilt unabhängig davon, wie dieses Kind auf die Welt gekommen ist. [….] Wie sie jedoch zu ihrem Glück gekommen sind, ist politisch und moralisch verwerflich. Heuchlerisch wird es, wenn Spahn dies als private Angelegenheit abtut, obwohl er politisch jahrelang gegen die Möglichkeit der Leihmutterschaft stand. Ein Kind »auf Bestellung« ist in Deutschland verboten. Spahn und sein Mann haben ihren Sohn von einer Leihmutter in den USA austragen lassen, was dort rechtlich möglich ist. Auch der biologisch nicht verwandte Elternteil des Babys kann in Deutschland dann als Vater anerkannt werden.

»Homosexuelle sind keine schlechteren Eltern als Heterosexuelle«, sagt das Paar der »Bild«-Zeitung – was richtig ist, aber nichts mit der Leihmutterschaft zu tun hat. Auch heterosexuelle Paare nutzen diese Option. Es gibt zahlreiche andere Modelle, wie gleichgeschlechtliche Paare ein Kind bekommen können. Denkbar wäre eine Adoption oder eine Co-Parentschaft — für schwule Männer etwa mit einem lesbischen Pärchen. [….] Spahn selbst und seine CDU stemmen sich deswegen seit Jahrzehnten gegen eine Legalisierung. »Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht«, schrieb Spahn 2015 im »GQ«-Magazin, als der italienische Designer Domenico Dolce mit Elton John über die Frage in einen öffentlichen Streit geriet. [….] Zumal es nicht das erste Mal ist, dass Spahn den Eindruck vermittelt, für ihn gälten andere Regeln als für andere. Man denke nur zurück an das Jahr 2020, als der damalige Gesundheitsminister öffentlich wegen der Pandemie vor geselligen Treffen warnte, zugleich aber an einem privaten Spendendinner in Leipzig teilnahm. [….]

(Tim Lehmann, Spon, 16.04.2026

Lehmann spricht einen weiteren besonders verwerflichen Spahn-Move an: Die falsche Instrumentalisierung von Homophobie.

Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Jussie Smollett, Gil Ofarim, Nikolas Puschmann, Frauen, die Vergewaltigungsvorwürfe erfinden und eben auch Jens Spahn.

(….) Aber es ist keine Petitesse, die Ofarim in Leipzig unterlief, sondern eins der größten moralischen Tabus überhaupt, welches weltweit für Aufmerksamkeit sorgte. Um Aufmerksamkeit für sich zu generieren, andere Menschen fälschlich der Vergewaltigung, Homophobie, des Antisemitismus zu bezichtigen, verdient einen besonderen Platz in der Hölle, Nicolas Puschmann!

(….) Gestern kam es zum Prozess und es kam erheblich schlimmer als erwartet. Puschmann begab sich offenbar auf Ofarim-Smollett-Pfade!

Er war volltrunken, aggressiv und unangenehm. Den gesamten homophoben Aspekt dachte er sich aus. Als er einen Platzverweis kassierte, rastete er komplett aus, pochte auf seine Prominenz und schrie:  Das lasse ich mir von einer fetten Sau, die noch nie im Leben gefickt hat, nicht bieten!

[….] Christian Lange ist der Verteidiger des Security-Chefs und sagt aus, dass sein Mandant am 03. Dezember 2021 zum Weihnachtsmarkt gerufen wurde, weil zwei Personen einen Wasserschlauch abgerissen hätten: Puschmann und sein Begleiter wurden dann dort angetroffen und passten auf die Beschreibung. Daraufhin habe er einen Platzverweis ausgesprochen. Es kam zum Streit und sein Mandant habe in Notwehr gehandelt: „Er hat ihn nicht mit der Faust geschlagen, sondern hat ihn lediglich mit der Hand von sich gestoßen und das in Notwehr, nachdem seitens des Anzeigenden nach ihm geschlagen worden ist.“ [….] Renata Behneke hat einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt und wird hautnah Zeugin der Auseinandersetzung zwischen Nicolas Puschmann und dem Sicherheitsbeauftragten. Im RTL-Interview erinnert sie sich: „Der Herr Puschmann hat sich daneben benommen. Er war stark alkoholisiert und wollte den Platz nicht verlassen und hat den Security-Mann aufs übelste beleidigt.“

Außerdem erzählt Renata Behneke: „Herr Puschmann sagte immer wieder. ‘Du weißt nicht, wer ich bin’ und hat ihn als fette Wanze betitelt“. Der Angeklagte soll dabei sehr ruhig geblieben sein: „Der Security-Mann hat immer gesagt, mir egal wer du bist - wer sich nicht benimmt, verlässt den Platz“. Dann soll Nicolas Puschmann den Sicherheitsbeauftragten angegriffen haben. „Herr Puschmann hat seine letzte Kraft genommen und ist auf den Security los, der sich dann letztendlich gewehrt hat. Und Herr Puschmann ist dann gestürzt.“  [….]

(RTL, 24.01.2023)

Der Security-Mitarbeiter wurde selbstverständlich freigesprochen und erwägt zivilrechtliche Schritte, weil er als vermeidlich Homophober keine Job mehr in Hamburg bekam.

Ich hoffe, es gibt einen besonderen Platz in der Trash-TV-Hölle für Puschmann. Er hat es allen echten Opfern von homophober Gewalt schwerer gemacht, weil nun alle homophoben Blogs, Kirchen, AfD-Politiker den Fall Puschmann als Argumentations-Ass zu ziehen werden, damit man den Opfern nicht glaubt.

Schande über Puschmann! Pfui!

(…..)   Einen ähnlichen Bärendienst leistete Gil Ofarim, der sich in Leipzig gekränkt fühlte, weil er am CheckIn des Westin Luxushotels nicht sofort als Superpromi erkannt wurde, darauf anfing rumzupöbeln, die Lobby verlies, draußen seinen David-Stern hervorkramte und über seine Social-Media-Kanäle jammerte, er sei antisemitisch beleidigt worden.

[….]  Doch der Musiker lässt sich nicht beruhigen, im Gegenteil. Folgt man der Darstellung der beiden Hotelangestellten, wird er nun ausfallend und redet sich in Rage. Ein Zeuge in der Lobby beschreibt Ofarim später gegenüber der Polizei als »frech«. Der Künstler sei an diesem Abend der einzige Gast gewesen, der sich über den langsamen Check-in beschwert habe. Videoaufnahmen zeigen, wie Ofarim im Streit mit den Armen gestikuliert und sich beidhändig auf dem Schalter aufstützt. Laut Sophie G. spricht er von einer »Frechheit«. Schließlich droht Ofarim, den Vorgang online zu thematisieren, das werde dann viral gehen – so schildern es sowohl Markus W., als auch seine beiden Kolleginnen sowie zwei Gäste direkt hinter dem Musiker. Vermutlich ist es jener von den Kameras festgehaltener Moment, in dem Ofarim die Hände mit schwungvollen Bewegungen ineinanderklatscht, wohl begleitet von den Worten: »Dann geht das auf Facebook und Instagram, bamm, bamm, bamm.«  [….]

(DER SPIEGEL, 31.03.2022)

Was für einen Bärendienst erweist Ofarim damit den Juden, die tatsächlich unter antisemitischen Anfeindungen leiden. Ihnen wird nun aber etwas weniger geglaubt werden.

[….] Als Gil Ofarim erklärte, er sei antisemitisch angegangen worden, glaubte auch ich ihm. Heute weiß ich es besser. Das bedeutet aber nicht, dass Menschen, die Diskriminierung beklagen, nicht geglaubt werden sollte – im Gegenteil.  [….]

(Samira El Ouassil, 07.04.2022)

Ähnlich katastrophal verhielt sich der schwule, schwarze Schauspieler Jussie Smollett, der eine schwulenfeindliche Attacke auf sich inszenierte, um als Opfer Ruhm und Schlagzeilen zu bekommen.

[….]  Schauspieler Jussie Smollett zu 150 Tagen Gefängnis verurteilt. Er soll eine homophobe Attacke auf sich selbst vorgetäuscht haben: Nun muss Schauspieler Jussie Smollett für knapp fünf Monate in Haft – und eine hohe Geldsumme zahlen. [….]

(SPON, 11.03.2022)

Erbärmlich! Was für einen Bärendienst erweist Smollett Myriaden Schwulen in den USA, die wirklich homophob angefeindet werden und deren Berichten man nun skeptischer gegenüberstehen wird.

Im Sexualstrafrecht ist die „Falschbeschuldigung als Vergewaltiger“ regelrecht zum Mythos geworden, auf den sich tatsächliche Vergewaltiger nur allzu gern beziehen. (…)

(Bärendienste, 12.04.2022) (….)

Die „Schwulenkarte“ zu ziehen, um die Kritiker seiner Heuchelei in eine homophobe Ecke zu drängen, ist hochgradig verwerflich. Da herrscht Einigkeit von BILD bis SZ, von CSU bis Linke, von FAZ bis taz.

Da herrscht Einigkeit vom PP-Verschwörungstheoretiker bis EMMA. Das erlebt man auch nicht alle Tage.

[….] Nachdem Hendrik Streeck (CDU) ein Baby von einer Leihmutter gekauft hat, hat nun auch Jens Spahn in den USA geshoppt. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die CDU hatte sich den Kampf dagegen auf die Fahnen geschrieben. Und nun? [….]

„Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht. Aber wie sagte der große Franz Beckenbauer: ‚Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.‘“ – Das sagte Daniel Funke, der Ehemann von Jens Spahn, der BILD-Zeitung.

[….] Es geht nicht um Elternschaft! Es geht um Menschenhandel, Herr Spahn!

Leihmutterschaft ist in Deutschland gesetzlich verboten – aber das scheint Jens Spahn nicht zu stören. Könnte er sich eigentlich auch eine Niere im Iran kaufen? Dort ist Organhandel auch nicht verboten. Mal konkret: Darf ein deutscher Politiker die deutsche Rechtslage ohne Probleme und mit Rückendeckung seiner Partei, ja vom deutschen Bundeskanzler unterlaufen? Scheinbar ja. Noch dazu darf er sich von der Bild-Zeitung bejubeln lassen. „Gott freut sich über jedes Kind.“ Der Zynismus kennt keine Grenzen!

Da kauft also der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein Kind. Ausgerechnet ein Mitglied von den Parteien, die sich den Kampf gegen Leihmutterschaft im Koalitionsvertrag ausdrücklich auf die Fahnen geschrieben haben und dafür eintreten, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten bleibt – weil es Menschenhandel ist. [….] Laut UN nimmt Leihmutterschaft weltweit zu. Der globale Markt wurde 2023 auf fast 15 Milliarden Dollar geschätzt und soll bis 2033 die 100 Milliarden erreichen. Leihmütter erhalten davon in der Regel zwischen zehn und 25 Prozent der Gesamtzahlung. Die kann in der Ukraine bei 30.000 Euro liegen oder in den USA bei 120.000 Dollar. Der größte Teil des Geldes geht an Agenturen und Anwälte. [….] Spahn und sein Mann ziehen nun die „Homosexuellen-Karte“. „Homosexuelle sind keine schlechteren Eltern als Heterosexuelle“, sagen sie der BILD.

Doch darum geht es nicht. Es geht nicht um schwule Eltern. Es gibt auch Heterosexuelle, die Kinder bei Leihmüttern kaufen.

Es geht nicht um Elternschaft! Es geht darum, dass Frauen und Kinder zur Ware gemacht werden, Herr Spahn! Es geht um Menschen, die bestellt und verkauft werden. [….]

(Annika Ross, EMMA, 15.07.2026)

Beim Thema Leihmutterschaft, die meiner Ansicht nach legalisiert gehört, aber von Emma-Feministinnen und rechtskonservativen Christen gleichermaßen abgelehnt wird, geht es keineswegs um Homosexualität oder Heterosexualität. Spahn könnte mit einer Frau verheiratet sein und handelte gleichermaßen moralisch verkommen, wenn er sich über die Regeln für andere hinwegsetzt.

Sein Schwulsein ermöglicht ihm allerdings, mit seinen falschen Anschuldigungen, noch tiefer zu sinken.

Ich verachte und verabscheue Jens Spahn. Ich wünsche ihm kein persönliches Glück. Ich halte sein politisches Wirken für fatal und demokratieschädigend. Er schadet dem Volk, er schadet Deutschland mit fast allem, das er tut. Mir fällt nur ein Aspekt von Spahns Persönlichkeit ein, gegen den ich wirklich gar nichts habe: Daß er rein zufällig schwul ist.