Mittwoch, 4. Februar 2026

Nein, daran sollten wir uns nicht gewöhnen!

Dschungel-Ariel nervt den IBES-Kosmos ganz gewaltig, weil sie es wagt, Mitcamper Gil Ofarim jeden Tag auf seinen Leipziger Prozess anzusprechen. Es müsse doch auch mal gut sein, finden alle anderen RTL-Kakerlakenfresser. Und überhaupt, was bilde die sich eigentlich ein mit ihren gerade mal 22 Jahren, über die höher gestellten reifen Männer zu urteilen?

[…] welch durch und durch unangenehmes Klima in der zwischen Dschungel und Raab gesandwichten »Stunde danach« inzwischen kultiviert wird.

Dort scheint die vollumfängliche Gil-Rehabilitierung seit Tagen vollzogen, die offensichtlichen Widersprüche in seiner Schweigeschwur-Erzählung etwa werden nicht angesprochen, stattdessen kürt man ihn zum »Camper des Tages«. Man müsse »diesen jungen Mann« – Gil ist 43 Jahre alt – »auch mal in Ruhe lassen« dröhnte etwa Talkgast Mario Basler sichtlich erregt, denn er performe doch so gut in den Prüfungen. […] Erschreckend ist vor allem, wie ungehemmt und -hindert die wechselnden Studiogäste Ariel fast schon dämonisieren dürfen. »Guck dir diesen Blick an, wie ein Teufel!«, sagt Claudia Effenberg. »Sie ist einfach abgrundtief böse«, sagt Lutz van der Horst. Basler bezeichnet Ariel wechselweise als »Waschpulver« und »die Kleine«, ausgerechnet Thorsten Legat fordert von ihr »Contenance und Niveau« sowie Ehrfurcht vor der »gehobenen Klasse von Leuten«, die mit ihr im Camp säßen, eine merkwürdige Aschenputtel-Fantasie. […]

(Anja Rützel, 01.02.2026)

Man muss „die Dinge auch mal gut sein lassen“ erscheint hier gleichermaßen als wohliger Allgemeinplatz, wie auch als Todschlagargument. Aber es ist schließlich Gil Ofarim, der gegen eine kolportierte Rekordgage die größtmögliche Öffentlichkeit sucht. Primetime, RTL, erfolgreichste Reality-Show.

Aber es ist keine Petitesse, die Ofarim in Leipzig unterlief, sondern eins der größten moralischen Tabus überhaupt, welches weltweit für Aufmerksamkeit sorgte. Um Aufmerksamkeit für sich zu generieren, andere Menschen fälschlich der Vergewaltigung, Homophobie, des Antisemitismus zu bezichtigen, verdient einen besonderen Platz in der Hölle, Nicolas Puschmann!

(….) Gestern kam es zum Prozess und es kam erheblich schlimmer als erwartet. Puschmann begab sich offenbar auf Ofarim-Smollett-Pfade!

Er war volltrunken, aggressiv und unangenehm. Den gesamten homophoben Aspekt dachte er sich aus. Als er einen Platzverweis kassierte, rastete er komplett aus, pochte auf seine Prominenz und schrie:  Das lasse ich mir von einer fetten Sau, die noch nie im Leben gefickt hat, nicht bieten!

[….] Christian Lange ist der Verteidiger des Security-Chefs und sagt aus, dass sein Mandant am 03. Dezember 2021 zum Weihnachtsmarkt gerufen wurde, weil zwei Personen einen Wasserschlauch abgerissen hätten: Puschmann und sein Begleiter wurden dann dort angetroffen und passten auf die Beschreibung. Daraufhin habe er einen Platzverweis ausgesprochen. Es kam zum Streit und sein Mandant habe in Notwehr gehandelt: „Er hat ihn nicht mit der Faust geschlagen, sondern hat ihn lediglich mit der Hand von sich gestoßen und das in Notwehr, nachdem seitens des Anzeigenden nach ihm geschlagen worden ist.“ [….] Renata Behneke hat einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt und wird hautnah Zeugin der Auseinandersetzung zwischen Nicolas Puschmann und dem Sicherheitsbeauftragten. Im RTL-Interview erinnert sie sich: „Der Herr Puschmann hat sich daneben benommen. Er war stark alkoholisiert und wollte den Platz nicht verlassen und hat den Security-Mann aufs übelste beleidigt.“

Außerdem erzählt Renata Behneke: „Herr Puschmann sagte immer wieder. ‘Du weißt nicht, wer ich bin’ und hat ihn als fette Wanze betitelt“. Der Angeklagte soll dabei sehr ruhig geblieben sein: „Der Security-Mann hat immer gesagt, mir egal wer du bist - wer sich nicht benimmt, verlässt den Platz“. Dann soll Nicolas Puschmann den Sicherheitsbeauftragten angegriffen haben. „Herr Puschmann hat seine letzte Kraft genommen und ist auf den Security los, der sich dann letztendlich gewehrt hat. Und Herr Puschmann ist dann gestürzt.“  [….]

(RTL, 24.01.2023)

Der Security-Mitarbeiter wurde selbstverständlich freigesprochen und erwägt zivilrechtliche Schritte, weil er als vermeidlich Homophober keine Job mehr in Hamburg bekam.

Ich hoffe, es gibt einen besonderen Platz in der Trash-TV-Hölle für Puschmann. Er hat es allen echten Opfern von homophober Gewalt schwerer gemacht, weil nun alle homophoben Blogs, Kirchen, AfD-Politiker den Fall Puschmann als Argumentations-Ass zu ziehen werden, damit man den Opfern nicht glaubt.

Schande über Puschmann! Pfui!

(…..)   Einen ähnlichen Bärendienst leistete Gil Ofarim, der sich in Leipzig gekränkt fühlte, weil er am Check In des Westin Luxushotels nicht sofort als Superpromi erkannt wurde, darauf anfing rumzupöbeln, die Lobby verlies, draußen seinen David-Stern hervorkramte und über seine Social-Media-Kanäle jammerte, er sei antisemitisch beleidigt worden.

[….]  Doch der Musiker lässt sich nicht beruhigen, im Gegenteil. Folgt man der Darstellung der beiden Hotelangestellten, wird er nun ausfallend und redet sich in Rage. Ein Zeuge in der Lobby beschreibt Ofarim später gegenüber der Polizei als »frech«. Der Künstler sei an diesem Abend der einzige Gast gewesen, der sich über den langsamen Check-in beschwert habe. Videoaufnahmen zeigen, wie Ofarim im Streit mit den Armen gestikuliert und sich beidhändig auf dem Schalter aufstützt. Laut Sophie G. spricht er von einer »Frechheit«. Schließlich droht Ofarim, den Vorgang online zu thematisieren, das werde dann viral gehen – so schildern es sowohl Markus W., als auch seine beiden Kolleginnen sowie zwei Gäste direkt hinter dem Musiker. Vermutlich ist es jener von den Kameras festgehaltener Moment, in dem Ofarim die Hände mit schwungvollen Bewegungen ineinanderklatscht, wohl begleitet von den Worten: »Dann geht das auf Facebook und Instagram, bamm, bamm, bamm.«  [….]

(DER SPIEGEL, 31.03.2022)

Was für einen Bärendienst erweist Ofarim damit den Juden, die tatsächlich unter antisemitischen Anfeindungen leiden. Ihnen wird nun aber etwas weniger geglaubt werden.

[….] Als Gil Ofarim erklärte, er sei antisemitisch angegangen worden, glaubte auch ich ihm. Heute weiß ich es besser. Das bedeutet aber nicht, dass Menschen, die Diskriminierung beklagen, nicht geglaubt werden sollte – im Gegenteil.  [….]

(Samira El Ouassil, 07.04.2022)

Ähnlich katastrophal verhielt sich der schwule, schwarze Schauspieler Jussie Smollett, der eine schwulenfeindliche Attacke auf sich inszenierte, um als Opfer Ruhm und Schlagzeilen zu bekommen.

[….]  Schauspieler Jussie Smollett zu 150 Tagen Gefängnis verurteilt. Er soll eine homophobe Attacke auf sich selbst vorgetäuscht haben: Nun muss Schauspieler Jussie Smollett für knapp fünf Monate in Haft – und eine hohe Geldsumme zahlen. [….]

(SPON, 11.03.2022)

Erbärmlich! Was für einen Bärendienst erweist Smollett Myriaden Schwulen in den USA, die wirklich homophob angefeindet werden und deren Berichten man nun skeptischer gegenüberstehen wird.

Im Sexualstrafrecht ist die „Falschbeschuldigung als Vergewaltiger“ regelrecht zum Mythos geworden, auf den sich tatsächliche Vergewaltiger nur allzu gern beziehen. (…)

(Bärendienste, 12.04.2022) (….)

Als Schöffe am Amtsgericht bin ich immer derjenige, der für Verständnis plädiert und offen für mildernde Umstände ist.

Aber es gibt natürlich Grenzen, wenn es nicht um Drogenvergehen, oder Sachschäden geht, sondern menschliche Opfer zu beklagen sind. Der Mann, der von Ofarim in Leipzig fälschlich des Antisemitismus bezichtigt wurde, bekommt bis heute Morddrohungen, musste vor dem Mob aus seiner Wohnung fliehen, während der Täter nun „beim RTL“ seine Primetime-Heldenreise antritt und eine hohe sechsstellige Gage kassiert.

Mein Dank an Ariel, daß wenigstens eine Person das vor den Kameras kritisiert.

Der Spiegel, 31.01.2026

Gegenüber den christlichen Kirchen und konservativen Parteien fühle ich mich wie Ariel. Ich kann, will und werde nicht verstehen, wie man sexuelle Übergriffe auf Kinder so gelassen akzeptiert.

(….) Das größte Erstaunen löst in mir immer noch die enorme Toleranz religiöser und konservativer Menschen gegenüber pädos€xueller Gewalt aus. Es scheint geradezu ein Signature Move von Priestern und Rechten GOPern zu sein, sich missbräuchlich an Kindern zu vergreifen. Dabei war es doch mal das ultimative Tabu. So verachtenswert, daß die Kinderf**ker sogar im Gefängnis von Mördern und Vergewaltigern verachtet wurden. Aber das ist vorbei. In den letzten Jahren produzierten die beiden großen christlichen Konfessionen weltweit derartig viele Kindesmissbrauchsfälle, daß sie den Trumpschen Bullshit-Status erreichten.

Die Menschen nehmen es achselzuckend hin. So sind sie eben, die Geistlichen. So sind sie eben, die US-Republikaner. Deswegen tritt man nicht mehr aus der Kirche aus, deswegen verliert man keine politischen Ämter.

Solche Meldungen schaffen es kaum noch in die Zeitungen, geschweige denn auf die Titelseiten.

Ist halt so. [….]

(E*steinisierung der Nachrichtenmoral, 27.01.2026)

Die Ungeheuerlichkeiten, die aus dem neuesten Schwung der Epstein-Akten zu uns strömen, werden hier erstaunlich achselzuckend hingenommen. Der US-Präsident ein pädophiler Vergewaltiger? Macht ja nichts.

Diese enorme Kinderf!ck€r-Toleranz gegenüber den christlichen Kirchen, erlebt man schließlich auch jeden Tag in der deutschen Politik, in der deutschen Presse.

Massenhafter Kindesmissbrauch und die aktives Vertuschung, bleiben ohne Konsequenzen. Die Opfer werden im Stich gelassen, die Kirchenoberen weiter mit Steuergeld zugeschüttet.

[….] Wer sich durch den 950 Seiten schweren Abschlussbericht des interdisziplinären Verbunds „Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland“ (ForuM) kämpft, ist schockiert: Es gibt 2.225 Betroffene, 1.259 Beschuldigte und eine hohe Dunkelziffer.

Mehr als drei Jahre lang loteten WissenschaftlerInnen, koordiniert durch die Hochschule Hannover, die schwärzesten Abgründe aus. Was sie herausfanden und 2024 veröffentlichten, lässt keine Zweifel: Nicht nur die katholische Kirche hat tiefe Schuld auf sich geladen, flächendeckend und strukturell.

Veränderung ist gefordert. Aber genau damit tut sich die evangelische Kirche ebenso schwer wie die katholische. Das jüngste Indiz für diese Trägheit: Der Rücktritt von Nancy Janz als Betroffenen-Sprecherin des Beteiligungsforums „Sexualisierte Gewalt“ in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ihres Sozialverbandes Diakonie. Seit Mitte 2022 hatte sie diese Position inne.  [….]

(Harff-Peter Schönherr, 04.02.2026)

Hätten wir doch bloß eine politische Ariel im Bundestag, die jeden Tag die Damen und Herren auf der Regierungsbank gewaltig mit diesem Thema nervt. Die ihnen erklärt: Das kann man eben nicht mal gut sein lassen.

Dienstag, 3. Februar 2026

Wenn der Souverän zu schwach ist

Falls ich jemals die Vorstellung von einer funktionierenden Demokratie mit einem schwarmschlauen Souverän hatte, ist das lange her.

Ich erinnere mich an den Gemeinschaftskundeunterricht in der 11. oder 12. Klasse, als es um den Systemvergleich BRD-DDR ging, unsere Lehrerin um Charakteristika, die wir damit assoziierten bat, die sie an die Tafel schrieb. Ich steuerte „Apathie“ auf der Demokratie-Seite bei, erntete abschätzige Blicke. Aber meine Lehrerin gab mir Recht und bat mich, das zu erläutern.

Damals kannte ich noch nicht den von Georg Schramm erfundenen Begriff „Urnenpöbel“, ahnte nicht welche Manipulations- und Ablenkungs-Möglichkeiten Privatfernsehen und Internet einst bieten werden.

Aber ich kannte die BILD, die Springer-Presse, hatte schon bei den Themen, die mich damals umtrieben – Volkszählung, Nachrüstung, Atomkraft – erlebt, auf welche massives Unwissen man bei Wählern stieß. Helmut Kohl und seine dicken konservativen Minus-Minister produzierten Skandale und Peinlichkeiten, während damals auf SPD-Seite hochseriöse faszinierende Figuren die politische Alternative bildeten. Dennoch wählte das Volk tumb 16 Jahren immer Kohl.

Schwarzgelb musste erst die Einkommensteuer auf 56% hochschrauben, die deutsche Einheit massiv verkacken und mit dem zukunftsnegierenden Rumwurschteln einen derartigen Reformstau anrichten, daß 1998 endlich genügend deutsche Michel aufwachten und die Vorstellung von Kohl in seinem 20. Amtsjubiläum verwarfen.

Linke Wähler sind in Deutschland a) strukturell in der Unterzahl und b) extrem aufmerksam und kritisch gegenüber ihren eigenen Leuten. Daher werden CDUler erstens eher zu Kanzlern und gewählt und bleiben zweitens auch länger im Amt, weil deren Wähler schon zufrieden sind, wenn nicht die Linken regieren.

Kohl, Roland Koch, Silvio Berlusconi, Angela Merkel wurden immer und immer wieder gewählt; mussten den Laden erst nachhaltig ruinieren, um abgewählt zu werden. (Merkel rettete sich durch ihren Verzicht 2021. Sie wäre aber, wenn sie gewollt hätte, sicher auch noch mal gewählt worden, hätte aber spätestens 2013 aufhören sollen.)

Meine US-amerikanischen Landsleute haben bekanntlich am 05.11.2024 Donald Trump wieder zu ihrem Präsidenten gewählt und beide Kammern des Kongresses mit Trumpanzee-absoluten Mehrheiten versehen. Die Jungwähler interessierten sich nicht genügend, um überhaupt abzustimmen und die Erstwähler wußten nichts über Trumps erste Amtszeit, hielten ihn als Business-Man aber für kompetenter, um die US-Wirtschaft anzukurbeln, als eine schwarze Frau! Es braucht schon sehr viel Apathie, um das Verhalten zu erklären.

USA Wahl 2020

Immerhin, nach zehn Jahren ganz oben auf der politischen Bühne, wird langsam auch für die ganz Doofen der Todeskuss des Donald sichtbar. Everything Trump touches dies.

Merz, Reiche und die anderen bornierten Fossil-Epigonen profitieren ebenfalls von der strukturell konservativen Wählerschaft und die Manipulation durch rechte Medien, russische Bots, Social-Media-Algorithmen. Die Stimmung ist gnadenlos rechts. Auf Bundesebe und in 14 von 16 Bundesländern zeigen alle Umfragen breite CDUCSU/AfD-Mehrheiten. In Bayern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen die schwarzbraunen Umfragemehrheiten bei ~70%.

Was soll man von einem Souverän halten, wenn sieben von zehn Menschen ihr Heil bei Höcke, Merz und Söder suchen? 

Immerhin hilft auch hier die generelle politische Unfähigkeit der Konservativen auf die Sprünge.

Rechte können einfach nicht mit Geld umgehen und verstehen nichts von Wirtschaft! Wenn sie regieren, führen sie die Nation immer in Rezession und Rekordschulden – das ist eine allgemeine Regel, die auch auf Großbritannien und die USA zutrifft.


Merz ist das Paradebeispiel für diese Regel, indem er auf primitives Trickle-Down und Kosum-Killer-Methoden setzt, weil er denjenigen, die ihre Einkommen in die Nachfrage stecken, Geld wegnimmt und es dafür den Superreichen gibt, die es in Steueroasen außer Landes schaffen. Das funktioniert nicht und ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich widerlegt. Frech schwurbelnd sagt Wirtschaftsstaatssekretärin Connemann dazu, „auch Wissenschaftler irren sich!“

Immerhin könnte die generell CDU/Tories/GOP-Doofheit dem Souverän ein bißchen auf die Sprünge helfen. 

 

Pünktlich zur heißen Phase der Landtagswahlkämpfe in Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg, geben Merzens Mannen alles, um ihre Partei unsympathisch zu machen.


[….] Die Deutschen gönnen sich Lifestyle-Teilzeit, feiern zu oft krank und bekommen zu viele Geldgeschenke vom Staat: Das ist der Vorwurf, mit dem Teile der Union gerade eine heftige Debatte über Leistungsbereitschaft und Leistungskürzungen losgetreten haben. Es geht um Fleiß, Faulheit und kostenlose Zahnarztbehandlungen. Und das kurz vor den ersten wichtigen Landtagswahlen in diesem Jahr. Ein klassisches Eigentor?

Hilft die Fleißdebatte den CDU-Wahlkämpfern – oder schadet sie ihnen? Einer, der eine ganz klare Antwort darauf hat, ist Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels und damit innerparteilicher Gegenspieler des Wirtschaftsrats: „Jeder Wahlkämpfer für die CDU in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz muss sich auf die Zähne beißen angesichts solcher Ideen und Debatten.“ So wie es derzeit laufe, dürfe man sich nicht wundern, dass bei den Umfragen für die Union bundesweit bei 27 Prozent eine gläserne Decke eingezogen sei.

Zahnarzt selbst zahlen? Schnieder findet das „absurd“

Doch was denken die CDU-Wahlkämpfer selbst? Anruf in Mainz, wo Gordon Schnieder am 22. März gegen die SPD gewinnen und Regierungschef von Rheinland-Pfalz werden will. Der CDU-Spitzenkandidat ist maximal genervt. Die Forderung nach der Streichung von staatlichen Zahnarztleistungen weist er umgehend zurück. „Wir kriegen Deutschland nur nach vorne, wenn alle 80 Millionen mitmachen“, sagt Schnieder. „Mit der aktuellen Debatte verlieren wir viele Bürgerinnen und Bürger, die sich zu Recht Sorgen darüber machen, ob sie ihren Zahnarztbesuch nun privat zahlen müssen oder nicht. Diese Forderung ist absurd und rettet im Übrigen unsere Wirtschaft nicht.“ [….] Auch in Baden-Württemberg löst die Fleißdebatte Unmut aus. Unter Spitzenkandidat Manuel Hagel versucht die CDU, die Grünen am 8. März aus dem Ministerpräsidentenamt zu verdrängen – aktuell liegt sie mit 29 Prozent vorne. Möglich, dass sozialpolitisches Scharfschießen auch den Christdemokraten an der Basis im Ländle eher schadet. [….]

(HH Abla, 03.02.2026)

So gruselt sich sogar das konservative FUNKE-Abendblatt.

Viel Hoffnung kann man beim CDUAfD-affinen deutschen Volk nicht haben. Aber wenn Merz, Connemann und Reiche noch ein bißchen auf die Wähler einprügeln….

Montag, 2. Februar 2026

Bis alles in Scherben fällt

Rick Wilson, ehemaliger prominenter Republikaner-Stratege, begleitet uns nun schon seit einem knappen Jahrzehnt, als gewichtiger Trump-Kritiker. Sein Buchtitel aus dem August 2018 wurde zum geflügelten Wort:

[…] From Rick Wilson—longtime Republican strategist, political commentator, Daily Beast contributor—the #1 New York Times bestseller about the disease that is destroying the conservative movement and burning down the GOP: Trumpism.

Includess an all-new chapter analyzing Trump’s impact on the 2018 elections.

In the #1 New York Times bestselling Everything Trump Touches Dies, political campaign strategist and commentator Rick Wilson delivers “a searingly honest, bitingly funny, comprehensive answer to the question we find ourselves asking most mornings: ‘What the hell is going on?’ ( Chicago Tribune). The Guardian hails Everything Trump Touches Dies, saying it gives, “more unvarnished truths about Donald Trump than anyone else in the American political establishment has offered. Wilson never holds back.” Rick mercilessly exposes the damage Trump has done to the country, to the Republican Party, and to the conservative movement that has abandoned its principles for the worst President in American history.  […..]

(Bücher.de)

Mutmaßlich sah Wilson Ende 2018 noch nicht voraus, daß der orange Zerstörer aus Wut über ein ihm nicht genehmes Wahlergebnis, zum Ende seiner ersten Amtszeit, einen bewaffneten Mob auf das Kapitol hetzen würde. Eine rechtsradikale Meute, die der Nummer Drei im Staat, Speaker Pelosi, auf den Schreibtisch kackte und die Nummer Zwei im Staat, Vizepräsident Pence, lynchen wollte.

Das zweite Impeachmentverfahren war damit zwingend. Es war der Paradefall, für den die Verfassung diese Möglichkeit vorsah.

Aber nach vier Jahren des Trumpismus, war die republikanische Partei bereits gestorben, hatte den Boden der Verfassung längst verlassen und die Metamorphose zu einer morbiden Sekte abgeschlossen. Undenkbar, sich gegen ihren allmächtigen Messias zu stellen. Zwar sprachen sich einige GOPer, während des Angriffs, als mehrere Polizisten getötet wurden und sie um ihre Leben zitternd unter ihre Sitze gekrochen waren, gegen Trump aus. Aber es dauerte nur wenige Tage, bis Graham und McCarthy wieder nach Mar A Lago pilgerten, um vor ihrem Abgott auf die Knie zu fallen.

Während der Biden-Präsidentschaft, vermochte es der hochkriminelle Rassist auch die letzten paar ehrlichen Mitglieder seiner Partei politisch zu töten. Er zerstörte nachhaltig das Vertrauen in die US-Institutionen: Die Presse, den Kongress, das Justizsystem. Everything Trump Touches Dies.

Mit dem Project 2025 trat er als Abrissbirne auf Steroiden seine zweite Amtszeit an.

Tödlicher denn je, grabscht er nun alles an, um es sterben zu lassen:
Die Kultur, die Politik, die internationale Handelsordnung, die regelbasierte Diplomatie, die NATO, das Völkerrecht, die UN, Grönland, Venezuela.

In den USA wird es sehr konkret. Alles, das er sich vornimmt, wird vergiftet, stirbt, wird niedergerissen. Everything Trump Touches Dies.

Der Garten des Weißen Hauses, Jacky Kennedys Rosengarten planiert, der gesamte Ost-Flügel des Gebäudes niedergerissen. Todesschwadronen marodieren durch demokratisch regierte Städte und töten wahllos Zivilisten. Sein Todeskuss betrifft natürlich auch die Kultur: Steven Colbert wird abgesetzt, Jimmy Kimmel wurde abgesetzt, musste aber wegen des Zuschauerboykotts gegen ABC zurückgenommen werden. Trumps 211 Milliarden Dollar schwerer Kumpel Larry Ellison wird in seinem Auftrag Warner Bros. Discovery (WBD) by Paramount/Skydance töten. CBS wurde auf GOP gedreht, gehört zu David Ellisons Paramount Skydance Corporation. Auch CNN ist Teil von Warner Bros. Trump-kritische Stimmen sind längst ausgemerzt. Don Lemon, über viele Jahre das bekannteste Gesicht von CNN, wurde als lautstarker Trump-Kritiker gefeuert und vor wenigen Tagen als freier Journalist von Trumps ICE verhaftet.

Trump persönlich übernahm die Leitung der renommiertesten US-Kulturinstitution, der wir die ikonischsten Auftritte verdanken. Und tötete sie in Rekordzeit.

 […] In all der Hybris seiner zweiten Amtszeit versucht der Präsident, mit Bauprojekten seiner Regentschaft Ewigkeit einzuhauchen. So machen es autoritäre Herrscher seit Jahrtausenden.

Im Frühjahr vergangenen Jahres, frisch ins Weiße Haus eingezogen, kündigte Donald Trump an, dass die Residenz der US-Präsidenten unbedingt um einen Ballsaal erweitert werden müsse. Wie bisher bei Staatsempfängen Zelte aufzubauen, sei der Größe der Nation unwürdig. Im Sommer hieß es dann, die unaufdringliche Fassade des sogenannten East Wing, wo der Bankettsaal geplant wurde, bliebe von den Neubauplänen unberührt. Im Herbst war der East Wing weg, abgerissen auf Anordnung Trumps.

Das sollte eine Warnung sein angesichts der Ankündigung des Präsidenten, das Kennedy Center in Washington für zwei Jahre zu schließen und umzubauen, ein Kulturzentrum für Oper und Theater, für Konzerte und Performances, unweit des Weißen Hauses. Nach diesen zwei Jahren wird von dem Kennedy Center, wie man es kennt, nichts mehr übrig sein, wenn man Trump nicht hindert. […] Denn das Kennedy Center ist nicht nur ein in Beton gegossenes Monument zu Ehren des ermordeten Präsidenten. Es ist Symbol für ein Amerika, das sich nach dunklen Zeiten seiner besseren Seiten erinnern wollte, das versuchte, mit der Bürgerrechtsbewegung, die historische Schuld von Sklaverei und Diskriminierung aufzuarbeiten, das sich von einer in weiten Teilen borniert-rassistischen, weißen Nation in eine multi-ethnische, weltoffene Gesellschaft verwandeln wollte. Genau das weiß Trump, deshalb will er das Monument dieses anderen Amerikas schleifen. Und genau deshalb darf das nicht passieren. […]

(Reymer Klüver, 02.02.2026)

Tödlich wird die Nähe zu Trump auch für seine engsten Alliierten. MTG, über Jahre sein treuestes Fan-Girl, ist politisch tot.

[…] Die frühere republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene hat die MAGA-Bewegung um Donald Trump scharf kritisiert und sich damit endgültig vom US-Präsidenten abgewendet. Die lange als treue Trump-Anhängerin bekannte Politikerin aus Georgia bezeichnete die gesamte „Make America Great Again“-Kampagne als Täuschung.  [….]

(FR, 02.02.2026)

Trumps Einsatz für republikanische Wahlkämpfer, wie die Texanerin Leigh Wambsganss, tötet politische Ambitionen.

 […] Bei einer Nachwahl im konservativen Texas siegt überraschend der Kandidat der Demokraten. Und das, obwohl zuvor der US-Präsident ausdrücklich die republikanische Kandidatin empfahl - oder gerade deswegen?

Eigentlich hätte das alles ziemlich glattlaufen müssen für Leigh Wambsganss. Die Nachwahl für einen Sitz im texanischen Senat, bei der Wambsganss als Kandidatin der Republikaner angetreten war, fand schließlich in einem absolut verlässlich republikanischen Senatswahlbezirk statt. So dachte man jedenfalls – bis zum vergangenen Wochenende.

In dem Bezirk, der vor allem die konservativen Suburbs nördlich der Großstadt Fort Worth abdeckt, hatte Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch mit gut 17 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Wambsganss, eine im wörtlichen Sinne bestens vernetzte Kandidatin, die für die christlich, nationalistische Mobilfunkfirma Patriot Mobile arbeitet und sich auf ihrer Kampagnen-Website als „bewährte konservative Kämpferin“ präsentierte, schien ihrem demokratischen Gegenkandidaten Taylor Rehmet auch sonst weit überlegen zu sein. Rehmet, ein 33 Jahre alter Politik-Neuling, hatte für seinen Wahlkampf gerade einmal 70 000 US-Dollar zu Verfügung. Bei Wambsganss war es in etwa die zehnfache Summe. Sie wurde außerdem vom republikanischen Partei-Establishment in Texas tatkräftig unterstützt, inklusive des Gouverneurs Greg Abbott. Was sollte da also noch schiefgehen?

Nun, am vergangenen Freitag, einen Tag von der Wahl, mischte sich dann noch US-Präsident Donald Trump in das Rennen ein. Offenbar wollte er helfen. „Ihr könnt diese Wahl für Leigh gewinnen, sie hat meine komplette und totale Unterstützung“, schrieb er auf Truth Social. Im Nachhinein stellt sich die Frage, ob dies für die Kampagne von Wambsganss womöglich der Kuss des Todes war.

Der Demokrat Rehmet hat diese Nachwahl jedenfalls nicht nur gewonnen. Er siegte mit 14 Prozentpunkten Vorsprung und hat Wambsganss damit regelrecht deklassiert. Die unmittelbaren Reaktionen in US-Medien changierten zwischen einem „Schock“ für die Republikaner und einer „Demütigung“ für Trump. […]

(Boris Herrmann, 02.02.2026)

Sonntag, 1. Februar 2026

Impudenz des Monats Januar 2026

 

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Spätestens 2003, als GWB auf einem Haufen Lügen basierend, in einen illegalen Angriffskrieg stürmte, den Nahen Osten ins Chaos versetzt, die Mullahs stärkte, wahrscheinlich bis zu einer Million Tote und noch viel mehr Vertriebene hinterließ, war klar, was für ein militärischer und außenpolitischer Zwerg die EU ist.

Wir wußten; so kann es nicht weitergehen! Das Einstimmigkeitsprinzip, welches in der Praxis natürlich ein Vetorecht für jeden noch so irrelevanten Querkopp bedeutet, muss weg. Das EU-Parlament muss mächtiger werden, die Mitgliedsstaaten haben Geo- und Sicherheitspolitik nach Brüssel abzugeben. Da gehört eine zentralere Gewalt hin, die auf Augenhöhe mit Wahington und Peking spricht. Es muss endlich Schluß damit sein, auf jedes globale Problem in den Hühnerhaufenmodus zu schalten und an Verträgen, wie Mercosu,r geschlagene 25 Jahre zu verhandeln, nur um es dann noch mal zwei Jahre rechtlich überprüfen zu lassen.

Besser geworden ist nichts und daher steht Europa völlig zu Recht als begossener Pudel da, der sich von einem orangen Clown aus Florida anpissen lässt und dazu devot lächelt.

(….) Ungeheuer erbärmlich, wie die deutsche EU-Chefin es vermeidet, die USA zu kritisieren, weil sie a) selbst über keinerlei Moral verfügt und b) einem Staatenbund vorsitzt, der in seinem üblichen Hühnerhaufen-Modus überrascht kreuz und quer plappert. 

Überrascht, wie 2014 nach der Krim-Annexion, überrascht wie 2016 nach dem Brexit-Referendum, überrascht wie 2016 nach Trumps Wahlsieg und seinen Attacken auf die Nato, überrascht wie 2022 nach Putins Angriff auf die Ukraine, überrascht wie nach der Erkenntnis von russischen Energielieferungen abhängig zu sein,  überrascht wie 2024 nach Trumps erneutem Wahlsieg. Wir sind erstaunt, technisch hinterher zu hinken, überrascht keine Geheimdienstfähigkeiten zu haben, überrascht von Cyberangriffen, überrascht von hybrider Kriegsführung, überrascht von Drohnenangriffen, überrascht von unserer schrottreifen Bundeswehr.

Wir müssen schließlich überrascht gewesen sein, weil wir uns anderenfalls doch hätten vorbereiten müssen. Oder?

Europa wird immer mit heruntergelassenen Hosen erwischt.

Leider konnte niemand antizipieren, daß Schurken tun, was sie ankündigten. (…)

(Sehenden Auges in den Abgrund taumeln, 03.01.2026)

Das einzige, das wir Europäer noch haben, ist unsere (schwindende) Marktmacht, obwohl die Konservativen, wie Reiche und Merz und Söder, genau wie die anderen CDU-Größen der letzten Jahren, intensiv daran arbeiten, uns international zu schrumpfen. Wir verjagen Computer- und Handy-Hersteller, lagern unsere Medikamentenproduktion nach Asien aus, killen mutwillig die Zukunftstechnologien (Photovoltaik, Windkraft – Doppel-Altmaierdelle), ruinieren unser Bildungssystem, geben AI, den Geheimdienstsektor aus der Hand.

Die Trump-affine Fossillobbyisten Reiche macht er schlimmer, vergrößert unsere Abhängigkeit von Faschisten.

[….] Ein Unternehmer aus dem unmittelbaren Umfeld von US-Präsident Donald Trump erhält nach einem Medienbericht weitreichenden Einfluss auf einen Teil der deutschen Energieinfrastruktur.

Anlass ist die Übernahme des deutschen Tanklagerbetreibers TanQuid durch das US-Unternehmen Sunoco LP, eine Tochter des Energiekonzerns Energy Transfer. Dessen Vorstandschef Kelcy Warren gilt laut Spiegel als Großspender der „Make America Great Again“-Bewegung und als enger Vertrauter Trumps.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Erwerb unter Auflagen genehmigt. TanQuid teilte auf seiner Website mit, dass Sunoco LP die Übernahme am 16. Januar 2026 erfolgreich abgeschlossen habe.

Nach Angaben von Sunoco ist TanQuid der größte unabhängige Betreiber von Tanklagern in Deutschland und hat seinen Hauptsitz in Duisburg. Das Unternehmen verfügt über 15 Terminals in der Bundesrepublik sowie einen weiteren Standort in Polen. Mit der Akquisition baut Sunoco seine Präsenz auf dem europäischen Energiemarkt deutlich aus. [….] Auch politisch stößt die Entscheidung auf Kritik. Der grüne Energiepolitiker Michael Kellner sprach von einer nicht nachvollziehbaren Genehmigung: „Wir müssen unsere Abhängigkeit von den USA verringern und nicht vergrößern. Wichtige Infrastruktureinrichtungen gehören nicht in russische, amerikanische oder chinesische Hände.“   [….]

(FR, 24.01.2026)

Dieser gezielte Weg in den Abgrund ist ebenso fatal, wie bekannt. Wir wählen solche Typen zu unseren Regierungsvertretern.

Was uns nun noch bleibt, ist unsere Verbrauchermacht. Ein sehr scharfes Schwert, da es die Bösen im Portemonnaie trifft. Wir nutzen es aber nicht, weil wir zu doof sind.

Daher erkläre ich die deutschen Konsumenten zur Impudenz des Monats Januar 2025

Wir haben doch bei Schlecker gelernt, wie bewußtes Kundenverhalten einen betrügerischen Ausbeuter in die Knie zwingen kann.

Wenn schon die Bundesregierung und 14 von 16 Bundesländer komplett unfähig und unwillig sind, sich aus der Trumperikanischen Abhängigkeit zu lösen, sollten doch wenigstens die Verbraucher im Supermarkt drauf achten, nicht zu den Produkten der US-Mega-Food-Konzerne zu greifen. Zumal es fast immer europäische und deutsche Alternativen gibt.

Ich habe seit 20 Jahren nichts mehr bei Amazon bestellt, weil mich damals schon ärgerte, wie ein steuervermeidender Megakonzern, die kleinen Buchläden ruinierte.

Das ist gar nicht schwer. Man kann auch bei lokalen inhabergeführten Läden bestellen und hat unter anderem mit dem OTTO-Konzern, ein riesiges Versandhaus zur Verfügung, welches stark auf Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit setzt.

Es ist teilweise umständlicher, im digitalen Raum, auf die Marken zu verzichten, deren Eigentümer glühende Trump-Unterstützer sind. Aber vielfach auch nur Gewohnheit. Man kann jede Menge anderer Suchmaschinen, statt Google verwenden.

[….] Wenn ich umständlich die Sofortüberweisung bei einem Internetshop einrichte, statt einfach auf das Symbol für Apple Pay oder PayPal zu klicken.

Wenn ich mühsam Amazon umschiffe, um schnell etwas zu bestellen, und dann das Lieferdatum – nicht vor nächster Woche – erfahre.

[….] Immerhin kann ich sagen: Ich bin kein Anfänger. Dass die USA mein Leben auf ungute Weise digital beherrschen, ist mir nicht erst eingefallen, seit überall von »digitaler Souveränität« geredet wird. Davon, dass es jetzt aber wirklich ernst sei. Nicht erst seit Trump II.

Neu ist für mich, dass ich nach Jahren des nerdigen Einzelgängertums plötzlich im Mainstream anzukommen scheine. Und dass ich von meinen Kollegen, die meine Abwehrversuche bislang kaum nachgeahmt haben, gefragt werde: Wie es so ist, wenn man versucht, loszukommen von Amerika.

Mittlerweile haben auch sie gemerkt, dass es eine gruselige, aber gar nicht so hypothetische Vorstellung ist, dass der US-Präsident mal anordnen könnte, ihre Daten abzugreifen oder Nutzerkonten zu sperren. Es spricht sich herum, dass Behörden, Unternehmen, Bildungseinrichtungen kaum überlebensfähig sind ohne Apple, Microsoft, PayPal, Amazon, Meta. Dass auch der SPIEGEL an US-Techfirmen hängt. Von ihrem Privatleben ganz zu schweigen.

Und plötzlich schauen mich alle an, als wäre ich eine Art Schleswig-Holstein auf zwei Beinen. In dem Land nutzen Ämter und Ministerien Open-Source-Systeme und nur noch als Ausnahme Word oder Outlook von Microsoft.

Google meide ich schon lange. Schließlich herrscht an Suchmaschinen kein Mangel: Bing, Yahoo, Brave zum Beispiel, und jenseits der USA Ecosia aus Berlin oder Qwant aus Paris. [….] Ich beschloss während der ersten Trump-Legislatur, Google aus meinem Leben zu verbannen. Der Laden vertickt alles, was er über seine Nutzer weiß, das war für mich Grund genug. Meine Google-Mail-Adresse war schon lange nicht mehr mein Hauptaccount und schnell durch den deutschen Dienst Mailbox.org ersetzt.

Für Googles Suchmaschine bietet der niederländische Anbieter Startpage einen charmanten Dienst: Die Eingaben in dessen Suchfeld werden an Google weitergegeben – ohne die persönlichen Informationen des Nutzers. Zurück bekommt man original Google-Suchergebnisse, nur ohne die sonst üblichen Anpassungen an den individuellen Nutzer. Inzwischen wurde Startpage von einem US-Investor übernommen. Auch wenn die Zentrale weiterhin in Den Haag sitzt: Kommt für mich nicht mehr infrage.

Heute nutze ich den deutschen Anbieter Ecosia. Der spuckt Ergebnisse von Google und Microsofts Bing aus. Künftig möchte er zusammen mit dem französischen Dienst Qwant einen eigenen europäischen Suchmaschinenindex aufbauen. Immerhin ein Anfang. [….]

(Matthias Kaufmann, 31.01.2026, DER SPIEGEL 6/2026)

Es ist höchste Zeit für jeden von uns, es Matthias Kaufmann nachzutun.

Nicht zu fassen, welche Erpressung wir uns als Europäer bieten lassen.

[…] Richarda Danielczick steht an einem kalten Freitagmorgen im Januar auf dem Platz vor dem Landgericht Göttingen, an ihrer Jacke steckt ein Button von den Omas gegen Rechts. Sie ist empört. „Erst im Sommer habe ich vor der Sparkasse Göttingen demonstriert, weil die der AfD ein Konto gegeben hat“, sagt sie. Damals sei ein freundlicher Abgesandter der Sparkasse zu den Demonstrierenden gekommen und habe um Verständnis gebeten, erinnert sie sich: Die Sparkasse sei dazu verpflichtet, der AfD ein Konto zu geben.

Heute protestiert sie gegen eine Kündigung. Die Sparkasse hat die Geschäftsbeziehung zur Gefangenenhilfsorganistion Rote Hilfe gekappt. Der AfD ein Konto zu geben und es der Roten Hilfe zu nehmen, das findet Danielczick unmöglich. [….] Die Rote Hilfe fürchtet um ihre Existenz, nachdem die Sparkasse Göttingen und die Genossenschaftsbank GLS ihre Konten gekündigt haben. Sie geht davon aus, dass die Nennung der Antifa Ost auf der US-Sanktionsliste die Finanzinstitute dazu bewogen hat denn die Rote Hilfe leistet Prozesskostenhilfe für Mitglieder ostdeutscher Antifa-Gruppen. Zumindest im Fall der Sparkasse Göttingen bestätigt sich dieser Zusammenhang vor dem Landgericht. [….]

(taz, 01.02.2026)

Ich bin fein raus, weil ich als US-Staatsbürger in Deutschland, durch einen gewissen Konvertiten-Antiamerikanismus geprägt bin. Mein Vater, der nie richtig deutsch lernte, war so überzeugt von der mangelnden Qualität der Produkte aus seiner Heimat, daß er uns stets anhielt, lieber Europäisch zu kaufen. Ein amerikanisches Auto wäre undenkbar für mich. Ich hatte auch noch nie ein US-amerikanisches Streaming-Abo.

Aber selbstverständlich habe auch ich noch Nachholbedarf, bin noch zu sehr mit m*ta und Micr0soft verstrickt.

Menschen in Vorbildfunktionen, die immer noch vor dem rassistischen Verschwörungstheoretiker M*sk kriechen, sind nicht zu entschuldigen.

[….] Digitale Souveränität: Staatschefs runter von X! [….] Als Trump am Sonntag vor zwei Wochen behauptete, er werde Staaten, die sich der Annexion Grönlands durch die USA entgegenstellen, mit weiteren Strafzöllen belegen, tat er auch das auf Truth Social. Trotzdem bekam die Welt es bekanntlich mit.

Die europäischen Staatschefs und auch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierten auf einer anderen Plattform: bei X. Der schwedische Premierminister Ulf Kristersson postete dort – auf Schwedisch – »wir lassen uns nicht erpressen«. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte auf X, auf Englisch, »keine Einschüchterung oder Drohung werden uns beeinflussen«. Der britische Premier Keir Starmer erklärte dort, »Zölle gegen Verbündete zu verhängen, die die kollektive Sicherheit der Nato-Alliierten verfolgen, ist vollkommen falsch«.

Europäische Staatschefs betonen, man lasse sich nicht erpressen – auf einer Plattform, die von den Erpressern betrieben wird.  Dieses Muster ist allen, die regelmäßig die Weltnachrichten verfolgen, vertraut: »Erklärte … auf der Plattform X« ist schon lange ein Standardsatz in Nachrichtensendungen.

Zuletzt brachte X sogar konservative US-Amerikaner gegen sich auf, weil Grok auf Zuruf Nacktversionen beliebiger Fotos erstellte. Mindestens Hunderttausende, vermutlich Millionen, zeigten Kinder , oft in sexualisierenden Posen. Die britische Medienaufsicht ermittelt  deshalb gegen X, droht sogar mit Sperrung.

Am Montag dieser Woche leitete die EU-Kommission aus dem gleichen Grund ein Verfahren gegen X ein. Zuvor hatte die EU X zu einer Strafzahlung von 120 Millionen Euro verdonnert , weil die Plattform ständig die Transparenzregeln des Digital Services Act bricht. [….] Es ist höchste Zeit für Europas Staatschefs, demokratische Parteien, Parlamente und Behörden, aus diesen Entwicklungen Schlüsse zu ziehen. Niemand ist darauf angewiesen, auf X zu kommunizieren. [….] So kennt man das aus dem alten, offenen Internet. Ein paar eigene Server zu betreiben, das nötige Personal zur Administration und Moderation vorzuhalten, das wäre vergleichsweise billig. Viel billiger als viele andere Maßnahmen, mit denen Europa sich der US-Erpressung zu widersetzen versucht. [….] X ist ein Scheinriese, der in Europa primär von Politik, Medien, Bots und Trollen am Leben erhalten wird. Es würde Musk und Trump (und Putin) wehtun, wenn das endet. Es würde keine neue Regulierung erfordern, nur ein bisschen digitale Infrastruktur und die Bereitschaft, durchzuhalten. [….]

(Christian Stöcker, 01.02.2026)

Samstag, 31. Januar 2026

Internationale Lachnummer Deutschland

Das ökonomische Versagen der maßgeblichen CDU-Figuren Reiche und Merz, verblüfft inzwischen die Lobbyisten und Parteispender.

Sie zeigen damit aber nur ihre eigene Ignoranz; schließlich war der Sauerländer Sabbelkopp, schon lange vor seiner Wahl zum Kanzler, als völlig ahnungsloser rechter Lobby-Papagei bekannt, der konsequent auf falsche Pferde setzte und Fehlprognosen anstellte.

Wir erinnern uns an seinen exzessiven Kampf gegen jede Kreditaufnahme des Bundes, weil er behauptete, man könne den gesamten Reformstau Deutschlands ohne zusätzliches Geld und deutlichen Steuersenkungen wuppen. Einfach die Superreichen noch superreicher machen und Abrakadabra-Trickledown, brummt die deutsche Wirtschaft wieder.

Jede zukunftstaugliche Branche abwürgen, klimaschädliches Verhalten subventionieren (Flugbenzin, Pendlerpauschale, Dienstwagenprivileg) auf Kohle/Gas/Öl setzen und eine massive Abhängigkeit zum faschistischen Staat USA ausbauen. Wer erwartete, diese Schildbürger-Politik würde einen enormen Aufschwung auslösen, staunt nun über das Desaster des ersten Reiche-Jahreswirtschaftsberichtes.

Den Menschen mit einem IQ über Zimmertemperatur, bleibt nur ein verzweifeltes „I told you so! Deswegen wählt man nicht CDUCSU!“

Der erste Jahreswechsel mit der Trump-affine C-Granate im Kanzleramt und schon bekommen wir zwei alte Bekannte zurück:


[….] In Deutschland gibt es wieder mehr als drei Millionen Arbeitslose [….] So viele Jobsuchende gab es in einem Januar zuletzt 2014. Auch die Aussichten für das übrige Jahr sind nicht berauschend. [….] Neueinstellungen halten sich in Grenzen. [….]  Die deutsche Wirtschaft ist seit 2023 drei Jahre hintereinander geschrumpft oder kaum gewachsen. Das wirkt sich am Arbeitsmarkt aus. Unternehmen halten sich mit Neueinstellungen zurück. Und in der Industrie werden Stellen abgebaut, [….] Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schätzt, dass Industriefirmen vergangenes Jahr unterm Strich 130 000 Stellen abgebaut haben und dieses Jahr weitere 70 000 Stellen streichen. [….]

(Alexander Hagelüken, 30.01.2026)

[….] In Deutschland sind die Lebenshaltungskosten wieder stärker gestiegen. Die Verbraucherpreise lagen im Januar um 2,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats - nach 1,8 Prozent Inflation im Dezember, [….] Größter Preistreiber im Januar blieben den Angaben zufolge die Dienstleistungen, die sich überdurchschnittlich um 3,2 Prozent verteuerten. Hier schlägt sich die Verteuerung des Deutschlandtickets für bundesweite Fahrten im Regional- und Nahverkehr nieder.

Für Lebensmittel mussten die Menschen laut den Statistikern im Januar 2,1 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Im Dezember hatten die Nahrungsmittelpreise um 0,8 Prozent angezogen. Deutlich teurer als ein Jahr zuvor waren nach Daten aus den Bundesländern vor allem Kaffee, Schokolade und Fleisch, aber auch Obst und Gemüse. [….] Enttäuschend ist die Entwicklung im Bereich Gastronomie. In vielen Restaurants und Cafés bemerken die Gäste nichts davon, dass zum Jahreswechsel die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent gesenkt wurde. Viele Betriebe behalten die Steuerersparnis ein. [….] Chefökonom Michael Heise von der Vermögensberatung HQ Trust [verwies] darauf, dass die staatlichen Maßnahmen die Verbraucher in der Summe wohl eher leicht belastet hätten. "Geringeren Umlagen und Entgelten bei Strom und Gas standen höheren CO2 Abgaben für Heizöl, Gas und Kraftstoffe gegenüber", so Heise in einem Kommentar. [….]

(Tagesschau, 30.01.2026)

Inflation und Arbeitslosigkeit sind genau das, was man zu erwarten hat, wenn man statt eines fähigen, zukunftsorientierten Habecks, eine radikal bornierte Fossillobbyisten ins Amt holt, die so unfähig ist, daß sie nach einem halben Jahr auch von ihren eigenen Mitarbeitern gehasst wird.

[….]  Wenn man optimistisch annimmt, die aktuelle schwarz-rote Regierung werde vier Jahre durchhalten, dann hat sie jetzt in ihrem politischen Lebenszyklus ungefähr die Pubertät erreicht. Manches an ihrem Handeln und noch mehr an ihrem Auftreten erweckt den Eindruck, als wisse sie nicht so genau, was gerade mit ihr geschieht und wohin sie sich entwickeln wird. [….] Zum Alltag der Koalition gehört die Neigung, öffentlich immer wieder Dinge zu verlangen, von denen man weiß, dass sie den jeweils anderen in erster Linie provozieren. [….] Das beginnt ganz oben. Der Bundeskanzler spricht gerne mal, ohne lange nachzudenken. Dann redet er von den Fährnissen des Stadtbilds oder unserer „Drecksarbeit“, die Israel erledige. Er meint es angeblich nie so, wie es für viele klingt. Manchmal klingt es nahezu scheußlich, auf jeden Fall für die, die ihm ohnehin skeptisch gegenüberstehen – auch solche aus der Koalitionspartei SPD. Merz gibt immer wieder mal das Bild eines Mannes ab, der mindestens nicht weiß, was er mit dem anrichtet, was so aus seinem Mund heraussprudelt. Leider passt das zu dem Eindruck, dass es auch im Kabinett Sprudel-Existenzen gibt – die Wirtschaftsministerin Reiche etwa oder den Tegernseer Kultur-Eventisten Weimer. Im Vergleich zu den Verbalunfällen des Kanzlers hat sich übrigens der CSU-Chef Söder bisher für seine Verhältnisse nahezu vernünftig und koalitionsfreundlich verhalten. [….]

(Kurt Kister, 31.01.2026)

Unterdessen dreht sich die Welt weiter. Die Welt, die laut Friedrich Merz „nun in der Tat morgen nicht untergeht“ und für deren klimatische Rettung wir mit unserem 1% der Weltbevölkerung und dem 3%-Beitrag CO2 auch nichts unternehmen müssen.

Der Fritzekanzler-Logik folgend, muss ich auch keine Steuern mehr zahlen, weil mein Beitrag zum deutschen Gesamtsteueraufkommen, zu vernachlässigen ist.

Die großen bevölkerungsreichen Staaten der Erde sind glücklicherweise intellektuell nicht so verarmt, wie Trump und Merz. Sie handeln moralischer und denken auch an die nachfolgenden Generationen.

[….] China und Indien wenden sich von fossilem Strom ab

[….] In China und Indien zeichnet sich ein Wendepunkt in der Energiegewinnung ab: In beiden Ländern ist 2025 die Stromproduktion aus fossilen Energien gesunken, insbesondere aus der Kohleverstromung. Und das, obwohl ihr Stromverbrauch weiter wächst. Das zeigt eine Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air basierend auf Daten der zentralen Strombehörden in beiden Ländern.

In China sank die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen von 6.237 Terawattstunden auf 6.164, ein Rückgang um etwa 1,6 Prozent. In Indien war die Entwicklung deutlicher: Dort sank die fossile Stromproduktion von 1.578 Terawattstunden auf 1.516, also um etwa 3.9 Prozent. Eine Terawattstunde entspricht etwa einer Milliarde Kilowattstunden, in Deutschland entspricht eine Terawattstunde dem Jahresverbrauch etwa 200.000 Vier-Personen-Haushalte.

Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung: Beide Länder haben die erneuerbaren Energien ausgebaut. In Indien kamen 35 Gigawatt von Solarkraftwerken und 6 Gigawatt durch Windräder hinzu, in China mehr als 300 Gigawatt Solar- und 100 Gigawatt Windenergie. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2025 Solaranlagen mit insgesamt 17 Gigawatt und Windkraftanlagen mit 5 Gigawatt neu gebaut. [….] Sowohl China als auch Indien tragen historisch deutlich weniger Verantwortung für die Klimakrise als etwa die USA oder Europa, pro Kopf emittieren die Menschen dort weiterhin weniger, viele leben in Energiearmut. Der gestiegene Verbrauch in den vergangenen Jahren bedeutet dass mehr Menschen dort Zugang zu mehr Energie haben. [….]

(Lalon Sander,  31.01.2026)

Freitag, 30. Januar 2026

Mein Spezialagent in Berlin

 

Die vielen Landtagswahlen dieses Jahres, dürften extrem unerfreuliche Abende für die immer kleiner schrumpfende RRG-Freundesschar werden. Ich sehe schon kommen, wie ich, wieder einmal, niedergeschlagen bedauern werde, keinerlei Drogen zu nehmen und den Weg in den Faschismus völlig nüchtern, bei klarem Verstand beobachte. Es wird ein verdammt unangenehmes Jahr.

Zunächst wird am 08.03.2026 in Baden Württemberg gewählt.

Am 22.03.2026 folgt dir Landtagswahl in Rheinlandpfalz.

Die Totalkatastrophen folgen am 06.09. in Sachsen-Anhalt, am 20.09. in Mecklenburg Vorpommern und Berlin.

Wenigstens für den fünften Akt, das Abgeordnetenhaus der Hauptstadt, habe ich ein geheimes Ass im Ärmel. Als Inspiration fungierte der wertvollste Säkularisierungsagent, den meine atheistische Weltverschwörung, tief im Herzen des Katholizismus einschleusen konnte und der bis heute sein systematisches Kirchenzerstörungswerk fortsetzt: Die Kölner Doppel-Null Rainer-Maria W.

(….) Eine solcher Leuchtturm ist der Kölner Held mit dem kleinen Hut, der es als atheistischer Top-Agent vermag, im Alleingang Myriaden zahlenden Kirchenmitglieder aus der RKK zu vertreiben.

(….) Unser wertvollster Agent, ein schwerer Zerstörer der TVE-Mixa-Klasse, bleibt nach der der Beförderung Ratzingers am 31.12.2022 weiterhin der Kölner Metropolit.

(….) Umso erfreulicher, daß Papst Franziskus mit Rainer Maria Kardinal Woelki, 66, am 11. Juli 2014 einen so wirkungsmächtigen Säkularisierungsbeschleuniger zum wichtigsten und reichsten deutschen Metropoliten machte. Als Kölner Erzbischof vermochte es Woelki, erst in Köln und dann bundesweit, die Terminvergabe für Kirchenaustrittsgesuche kollabieren zu lassen! Dank seiner Leistung unterschritten protestantische und katholische Kirche zusammen bereits 2022 die 50% Grenze und stellen nun erstmals seit vielen Jahrhunderten eine Minderheit in Deutschland.

Woelki ist mein Held und ich werde ihm für seinen Einfallsreichtum immer dankbar sein.

Langsam steigen in mir aber Sorgen um meinen Helden auf. Könnte mir nach Dyba, Mixa, TVE und Meisner etwa auch Woelki vorzeitig genommen werden?

Es spricht eigentlich wenig dafür, denn der Stellvertreter Gottes setzte ihn mit seiner unfehlbaren Weisheit nach einer kurzen Zeit des hochbezahlten Chillens (mit B11 auf Steuerzahlerkosten) am Aschermittwoch, dem 2. März 2022, wieder in seine Amtsgeschäfte ein. Ein Unfehlbarer kann nicht irren und daher wäre es schwierig für Matteo Bruni, den Direktor der Pressestelle des Heiligen Stuhls, wenige Wochen später zu erklären, Bergoglio habe da wohl Mist gebaut und nun müsse Woelki doch gehen.

Aber die braven Kölner Katholiken sind in derartiger Aufruhr gegen ihren verhassten Kardinal, daß selbst die treuesten der Treuen, Geistliche, wie Laien; jede Zusammenarbeit mit dem Kardinal verweigern.

Ein Oberhirte, der so verachtet wird, daß noch nicht mal Katholische Priester mit ihm zusammen gesehen werden wollen, ist für mich persönlich zwar äußerst amüsant, aber ich mache mir ernsthafte Sorgen, der Vatikan könnte doch noch einknicken und den Mann absägen. [….] [….] Welch ein Dilemma für den Vatikan. Köln ist nach dem Bistum Rom die zweitreichste Diözese dieses Planeten. Geldströme sind wichtig und so kann Bergoglio nicht zusehen, wie dieser Säkular-Agent die Gläubigen verjagt. Er muss Woelki abberufen, wenn er nicht ganz Deutschland dem Atheismus vorwerfen will.

Der Papst hat aber andererseits bereits entschieden, Woelki im Amt zu lassen. Würde er sich auf Druck des Fußvolkes umentscheiden, wäre das ein ungeheuerlicher Präzedenzfall, der seine umfassende Allmacht unwiederbringlich ramponierte. Wenn das Schule macht, könnten überall auf der Welt, Gläubige ihren Bischof boykottieren, bis sie einen anderen bekommen. Also kann Bergoglio Woelki gar nicht abberufen.  (…..)

(Sorge um Köln, 07.09.2022)

Zum Glück ist der Kardinal der Herzen, Eminenz Woelki weiterhin aktiv uns einfallsreich. Mit diabolischer Perfidie setzt er den Opfern und Zeugen des sexuellen Missbrauchs durch seine Priester zu.

[….] Woelki lässt Anwalt gegen Zeugin vorgehen[….] [….]

(FAZ, 15.01.2023)

Ja, Woelki weiß eben, wie man die Spenden der Kirchenmitglieder sinnvoll einsetzt: Indem man Millionen für Anwälte ausgibt, die mit perfidesten Mitteln seine Kritiker drangsalieren. So dient man Jesus und der Menschheit!

Oh Darwin in der Erde, ich danke Dir für Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki! Welch ein Glücksfall für den deutschen Atheismus!  (….)

(Dankgebet, 16.03.2023)

Am Wochenende schaffte es der Top-Agent wieder einmal durch die pure Abstoßungskraft seiner toxischen Persönlichkeit in die Medien.

Der Kölner Metropolit wollte eins seiner Suffraganbistümer – neben Aachen sind das Essen, Limburg, Münster und Trier – besuchen und mit dem Aachener Bischof Helmut Dieser einen Gottesdienst abhalten; also sein eigenes Reich inspizieren.

Aber selbst die treuesten der Treuen, die fleißigen Kirchengänger seiner Suffragan-Diözese Aachen, bekamen schon bei der Vorstellung Brechdurchfall und Ausschlag. Seine Schäfchen gingen auf die Barrikaden. (…)

(Woelki und die Giftigen, 19.06.2023)

Meine geheime Doppel-Null-Agentenschule vermochte es, auch in Woelkis vorherigen Desaster-Zone, dem Erzbistum Berlin, einen Chaos-Agenten tief hinter den feindlichen Linien einzuschleusen.

Der linke Held tritt unter dem Alias „Kai Wegner“ auf, ist in die Tarnidentität eines regierenden CDU-Bürgermeisters geschlüpft und arbeitet mit Raffinesse daran, die Merz-Partei wieder in die Opposition zu schicken.

Leider wurde er zuletzt nachlässig und produziert so auffällig grobe Sabotage, daß ich schon seine Enttarnung befürchtete. Im beginnenden Wahlkampf, verarschte der CDU-Spitzenkandidat während eines dramatischen Anschlages auf die Berliner Infrastruktur seine leidenden Berliner, indem er ihnen den Stinkefinger zeigte, Tennis spielen ging und dazu kräftig log.

Seine Absicht, die Wähler von der CDU zu verjagen, ist offensichtlich.

(…..) Das Paradebeispiel eines Politikers, der nicht über den Skandal an sich stolpert, sondern über die Dämlichkeit, wie er anschließend versucht, zu verschleiern, vertuschen, abzulenken, schönzureden. Ähnlich, wie bei Merz (mit dem Wegner leidenschaftlich verfeindet ist), hatte man ihn schon vor seiner Wahl für geistig etwas minderbemittelt gehalten. Aber als Regierungschef beweisen sie eben beide eindrücklich, tatsächlich schlicht und ergreifend, dumm zu sein.

[….] Seit dem Tag, an dem es in Berlin zum längsten Stromausfall seit Ende des Zweiten Weltkriegs kam und Kai Wegner Tennis spielte, ist er in Erklärungsnot. [….] [….]  Die Grünenpolitikerin Ricarda Lang spottete auf X: »Immerhin Kai Wegner hatte am Samstag Netz«. Der Autovermieter Sixt präsentierte ihn als Werbefigur für einen Mercedes der Premiumklasse: »Ganz großes Tennis zum ganz kleinen Preis.« Die Witze über Wegner prägen nun sein öffentliches Bild [….] Kann einer, den die eigene Karikatur inzwischen überstrahlt, jemals wieder als Politiker ernst genommen werden? [….] [….] [….] Er hätte »da als King rausgehen können und müssen« , schrieb später ein Parteifreund in einer internen Chatgruppe. Stattdessen sei das alles ein »kommunikatives Desaster«.[….] Der Regierende Bürgermeister hätte nicht die Aufgabe, »vor Ort zu sein«, habe der DRK-Mann gesagt, sondern müsse sich informieren und organisieren. Außerdem, sagt Wegner, hätte er vor Ort keine Handyverbindung gehabt, weil am Samstag im Berliner Südwesten das Mobilfunknetz ausgefallen war. »Ich hätte dort nicht telefonieren können.«

Auf die Idee, dass ihn seine Tennisstunde einholen würde, kam er an jenem Tag anscheinend nicht. Oder darauf, dass es vielleicht weniger angreifbare Möglichkeiten gegeben hätte, um sich abzulenken. [….] Weder die Tennisstunde inmitten der Notlage noch seinen Umgang damit will Wegner als Fehler bezeichnen. [….]

(Wegner im SPIEGEL-Gespräch, 15.01.2026)

Ein echtes Highlight der politischen Torheit; ich habe mich großartig amüsiert und empfehle diesen Text zukünftigen Politikstudenten als Negativbeispiel. Hier können sie lernen, wie man es auf keinen Fall machen sollte.

Einen Tag später, scheint Wegner aber noch nicht zufrieden zu sein, sich coram publico dermaßen in den Fuß geschossen zu haben. Daher legt er flugs noch einmal an und durchlöchert mit seiner verbalen Polit-Flinte auch seinen anderen Fuß.

[….]  Spendenaktion für Obdachlose untersagt Berlin hat den Kaffee auf.  Mit der sogenannten Kaffeewette wollen Berliner Bezirke Geld für die Kältehilfe für Obdachlose sammeln. In diesem Jahr aber wird das nichts. [….] Nun hat Wegners Senatskanzlei noch eine Möglichkeit ausgemacht, viele Berlinerinnen und Berliner gegen sich aufzubringen. Dabei geht es um Kaffeespenden für Obdachlose.

Der Einzelhändler Michael Lind rief 2019 in Berlin-Neukölln die sogenannte Kaffeewette ins Leben. Das Prinzip dahinter ist simpel. Die Bezirke rufen die Berlinerinnen und Berliner dazu auf, Kaffeepäckchen zur Unterstützung lokaler Kältehilfeeinrichtungen zu spenden. Jeder Bezirk, der es schaffte, mindestens 500 solcher Päckchen zu sammeln, erhielt von Einzelhändler Lind und mehreren Partnern 2500 Euro zusätzlich für die Kältehilfe im jeweiligen Bezirk. [….] Berlins Regierender Bürgermeister Wegner will die Aktion stoppen. »Die Senatskanzlei informierte die Berliner Bezirke darüber, dass nach der Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters der Verdacht auf Käuflichkeit oder Bestechlichkeit bestünde«, teilt das Bezirksamt Neukölln mit. [….] Initiatoren und Unterstützer der Kaffeewette sind trotzdem erzürnt. [….] [….]

(Florian Pütz, 16.01.2026)

Großartig, Wegner! Immer weiter so! Bin gespannt, womit er morgen nachlegt!  (…)

(Danke, Kai Wegner, 16.01.2026)

Als Sozialdemokrat muss ich solchen Helden dankbar sein.

Unbeirrt setzt Agent Wegner sein CDU-Zerstörungswerk fort.

[…] Berlin blamiert sich mit Glatteis-Posse […] Salzhaltige Taumittel, bekannt als Streusalz, würden helfen. Doch die sind in Berlin auf Gehwegen grundsätzlich verboten: Das Salz sickert mit dem Schmelzwasser in den Boden, es entzieht Feuchtigkeit, im Sommer trocknen dadurch Bäume aus.

Streusalzverbote gibt es in vielen Städten, doch nirgendwo ist das Verbot derart rigoros formuliert wie in der Hauptstadt. In Hamburg etwa rettet ein Paragraf die Behörden vor dem Zorn der Bevölkerung und die Fußgänger vor Knochenbrüchen. […] Die SPD zeigte auf die zuständige Verkehrs- und Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU), die viel früher hätte handeln können und müssen. […] Keine 24 Stunden zuvor hatte sich Bürgermeister Kai Wegner (CDU) beinahe verzweifelt an Öffentlichkeit und Politik gewendet. »Wir erleben in Berlin extreme Wetterbedingungen – mit Eisregen und anhaltendem Frost«, schrieb der wegen seiner Tennis-Affäre angeschlagene  Regierende auf der Plattform X. »Ich appelliere an das Abgeordnetenhaus, den Einsatz von Tausalz in Berlin in Ausnahmen möglich zu machen«.  [….]

(SPON, 30.01.2026)

Natürlich stockte mir heute der Atem, weil ich befürchtete, mein linker Spaltpilz in der CDU riskiere einfach zu viel. Müsste es Merz und Linnemann nicht endlich auffallen, daß man ihnen da einen Saboteur ins Nest gesetzt hat?

Aber bei denen fällt immer noch nicht der Groschen, obwohl 00Kai gerade mustergültig der CDU-Hauptstadtwahlkampf zertrümmert.

[…] Berlins Regierender Bürgermeister appelliert ans Abgeordnetenhaus und erntet Spott. Acht Monate vor der Wahl erlebt die Stadt eine Wegner-Dämmerung.  Selbst Armin Laschet macht sich über ihn lustig. „Es ist keine überraschende Wetterkrise: Man nennt es Winter“, postete der CDU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Kanzlerkandidat auf X. Der Adressat: Laschets Parteifreund, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner.

Wegner, die Tennisaffäre während des Stromausfalls noch immer in den Knochen, ist schon wieder ausgerutscht. […] Wegners frommer Wunsch: „Wir müssen die gefährliche Lage auf Gehwegen, Treppen und Straßen entschärfen. Es ist unsere Pflicht, dass die Menschen auch im Winter gut und sicher durch die Stadt kommen.“

Was Wegner dabei übersieht: Nicht das Abgeordnetenhaus ist verantwortlich dafür, dass Menschen „gut und sicher“ über Berlins Gehwege kommen. Es sind die Hausbesitzer, deren verdammte Pflicht es ist, Schnee zu schippen oder Eis zu räumen. Warum also appelliert Wegner ans Parlament statt sich mit einer Schippe oder einem Pickel auf den Weg zu machen?

Nicht nur Parteifreund Laschet erinnerte an die geltende Gesetzeslage, sondern auch SPD-Fraktionschef Raed Saleh, dessen Partei seit 2023 mit Wegners CDU regiert. „Selbstverständlich hat bei uns der Schutz von Leib und Leben Vorrang vor anderen Erwägungen, was wir im Gesetzgebungsverfahren berücksichtigen werden“, ließ Saleh am Donnerstagabend etwas umständlich formuliert mitteilen. „Wir erwarten jedoch von der Verwaltung sofortiges Handeln. Dazu gehören insbesondere, Räumpflichten zum Beispiel durch Kontrollen durchzusetzen und Ersatzvornahmen technisch und materiell abzusichern.“

Sofortiges Handeln ist für die SPD das entscheidende Wort. „Ein komplettes, mehrwöchiges Gesetzgebungsverfahren abzuwarten, ist weder nötig noch zumutbar.“ An die zuständige CDU-Verkehrssenatorin geht der Hinweis Salehs: „Auch Frau Senatorin Bonde sollte wissen, dass unsere Geduld begrenzt ist und der kalendarische Winter am 1. Dezember 2025 begonnen hat.“

Inzwischen hat die Verkehrssenatorin in ihren Kalender geschaut und vielleicht auch aus ihrem Bürofenster. Am Freitagnachmittag jedenfalls hat Ute Bonde beschlossen, doch Streusalz auf den Gehwegen einzusetzen. […] Ausgerutscht ist nicht nur der Regierende Bürgermeister. In den Kliniken der von Glatteis betroffenen Regionen, das berichtet der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, herrsche Hochbetrieb. „Die Krankenhäuser berichten von verstärkter Belastung der Notaufnahmen und der stationären Bereiche durch Glätteunfälle.“

Vor allem Berlin sei davon betroffen, so Gaß. „Leider muss man als Fußgänger in Berlin auch den Eindruck haben, dass die Stadt und die privaten Grundstückseigentümer es nicht schaffen, ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen.“ […] Bereits zweimal hat den CDU-Spitzenkandidaten der Instinkt verlassen. Erlebt Berlin gerade eine Wegner-Dämmerung?

Einer, der selbst etwas hält auf seinen politischen Instinkt, kommentiert das so: „Ein Regierungschef, der über X um Mehrheiten für Selbstverständlichkeiten bettelt, ist politisch am Ende“, schrieb der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Kubicki auf X. […]

(Uwe Rada, 30.01.2026)