Dienstag, 7. Juli 2026

Immer heißer mit der Merz-Regierung.

US-Amerikaner verstehen es nicht und staunen bei Europa-Besuchen über nicht vorhandene Klimaanlagen.

Ich kenne das schon seit Dekaden von den Besuchen meiner US-Verwandten, die augenrollend und kopfschüttelnd bis heute davon berichten, wie sie in Deutschland in Restaurants und Einkaufzentren, ja sogar in Bahnen und Bussen ohne Klimaanlage saßen.

Im Jahr 2026 höre ich immer wieder von US-Reisevloggern im Europaurlaub, wie sehr sie unter der unerwarteten Hitze hier leiden, obwohl sie doch selbst aus noch heißeren Staaten wie Florida oder Arizona stammten.

Aber dort ist es eben „nur“ draußen heiß. Wer es nicht mag, kann der Hitze sehr leicht ausweichen, weil nahezu alle Gebäude und Fahrzeuge runtergekühlt sind.

Dauerhitze, Schlafzimmer, die auch nachts nicht unter 30°C erreichen, sowie komplizierte Fenster-Regelungen („Auf Kipp“) überfordern US-Touristen.

Ich denke, es gibt zwei wesentliche Gründe für den spärlichen Einsatz von Klimaanlagen in Europa.

Der hohe Energieverbrauch schreckt uns ab, weil Energie teuer ist und wir auch aus Umweltschutzgründen darauf konditioniert sind, immer Energie zu sparen.

Bis vor zwei Jahrzehnten, waren heiße Tage von über 30°C in Mittel- und Nordeuropa selten; über 40°C in Deutschland unvorstellbar.

Als ich vor zwei Wochen völlig aufgelöst schwitzend bei meinem Zahnarzt auf dem Stuhl saß, sagte er mitfühlend am Ende der Sitzung. Ja, er sei auch schon von Mitarbeitern darauf angesprochen worden, ob er die Praxis nicht mit einer Klimaanlange ausstatten wolle. „Aber wir haben ja hier in Hamburg nur ein oder zwei wirklich warme Tage im Jahr!“

Über die kognitive Dissonanz konnte ich nach zehn glühend heißen Tagen bis zu 39°C bereits im Juni nur staunen. Vorurteile über das „kalte und regnerische Norddeutschland“ halten sich erstaunlich lange, auch wenn schon die gesamte sichtbare Vegetation braun verbrannt ist und hunderte Hitzetote in Deutschland zu beklagen sind.

[…] Mehr Tote durch Hitze als durch Verkehr

Schon bevor die Hitzekuppel Deutschland tropischen Temperaturen aussetzte, war die hitzebedingte Sterblichkeit hierzulande hoch, zeigt ein Monitoring.

Wenn Hitze tödlich ist: In der Bundesrepublik sind in diesem Jahr bislang 810 Menschen hitzebedingt verstorben – und zwar schon bevor im Juni die große Heißwelle begann. Wie aus dem Monitoring-Bericht des Robert Koch Instituts zur hitzebedingten Mortalität hervorgeht, starben demnach 40 junge Menschen, 500 Hitzeopfer waren älter als 85.

„Der aktuelle Bericht umfasst Schätzungen der hitzebedingten Sterbefälle im Zeitraum der Kalenderwochen 15 bis 25“, heißt es beim Robert Koch Institut. Der letzte Tag war also der 21. Juni. Die neuen Höchstwerte bei den Temperaturen wurden größtenteils in der letzten Juniwoche erreicht – am vergangenen Freitag waren es 41,3 Grad im Saarland, am Samstag 41,5 Grad im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt, bevor am Sonntag das Thermometer in der Brandenburger Lausitz auf 41,7 Grad kletterte. Die Opfer dieser Hitzewelle werden erst im nächsten RKI-Bericht aufgelistet, der in 11 Tagen erscheint.

Wobei „aufgelistet“ nicht ganz korrekt ist: „Auf dem Totenschein steht normalerweise Hitze nicht als Ursache“, erklärt Henny Annette Grewe vom Public Health Zentrum Fulda. Eine Ausnahme sei der „Hitzeschlag“, also das Zusammenbrechen des Kreislaufes mit Organversagen – was an heißen Tagen beispielsweise immer wieder auf Baustellen vorkommt.

„Normalerweise stehen andere Ursachen wie Herzstillstand oder Lungenversagen auf den Totenscheinen“, sagt die Professorin, die seit vielen Jahren zum Einfluss des Klimawandels auf unser Gesundheitssystem forscht.   [….]

(Nick Reimer, 02.07.2026)

Die deutschen Hitzetoten stellen für die Merz-Regierung ganz offensichtlich keinerlei Anlass dar, um ihre Klimaaufheizungs-Politik zu überdenken. Vielleicht aber die enormen ökonomischen Schäden, die mit der Aufheizung Europas einhergehen.

[…] Kein Kontinent erwärmt sich so schnell wie Europa - und die Folgen des Klimawandels sind deutlich zu spüren. Zu diesem Schluss kommt der Europäische Klimazustandsbericht. Wie Celeste Saulo, die Generalsekretärin der Weltorganisation für Meteorologie, betonte, werden Hitzewellen immer häufiger und heftiger. 2025 habe es langanhaltende Hitzewellen vom Mittelmeer bis zum Polarkreis gegeben.

Teile Europas reichen in die Arktis hinein. Die erwärmt sich schneller als der Rest der Welt, so Samantha Burgess, Vize-Direktorin des EU-Programms Copernicus. "Gebiete des nördlichen und östlichen Europas erlebten ihr heißestes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, darunter Länder wie das Vereinigte Königreich, Norwegen und Island."

Die hohen Temperaturen begünstigten im vergangenen Jahr ungewöhnlich frühe Waldbrände. Mehr als eine Million Hektar Land verbrannten.

CO2-Emissionen 2025 wegen Waldbränden auf Rekordhoch

Die größten Waldbrände gab es im Sommer in Spanien und Portugal. Dadurch stiegen auch die CO2-Emissionen auf die höchsten jemals für Europa verzeichneten Werte.

Der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 ist maßgeblich für den menschengemachten Klimawandel verantwortlich. Um das international vereinbarte Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu beschränken, müsste der Verbrauch der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas rasch sinken.

Der Klimabericht zeigt weiter, dass auch die europäischen Meere zu warm sind. Ihre Oberflächentemperatur ist so hoch wie nie. Marine Hitzewellen wirken sich negativ auf Pflanzen und Tiere unter Wasser aus. Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Flüsse aus. 70 Prozent der Flüsse in Europa führten weniger Wasser als gewöhnlich.  […..]

(Tagesschau, 29.04.2026)

Ich weiß nicht, wie lange diese Bundesregierung Hitzeschutzpläne und Klimaschutz noch verbummeln wird, aber in diesem (noch) reichen Industriestaat werden wir unser Klimaanlagen-Fremdeln aufgeben. Ohne geht es zukünftig nicht mehr.

Die hohen Anschaffungspreise werden mit der Massenproduktion sinken und der Energieverbrauch ist akzeptabel, wenn man Wind- oder Solarstrom verwendet.

Leider sind ausgerechnet die konservativen Fossillobbyisten, die immer von „Technologieoffenheit“ sprechen, sehr TECHNOLOGIEVERSCHLOSSEN, wenn es um Wärmepumpen geht, weil sie nur in Richtung Verbrennermotoren, Atomspaltung und Gaskraftwerken offen sind.

[….] Kulturkampf in der Hitzewelle: Wer erklärt den Rechten, dass Klimaanlagen Wärmepumpen sind?

[….] Bei der »Welt« aus dem Hause Springer erklärte der »Chefreporter Wissenschaft«, der seit vielen Jahren gegen Klimaschutz und Klimaschützer wettert, dass die Deutschen ein verqueres Verhältnis zum Klimawandel hätten. Das führe dazu, »dass die beste Technik verschmäht wird«.

Grüne und Linke hatten in Frankreich darauf hingewiesen, dass mehr Klimaanlagen besonders in dicht bebauten Innenstädten für noch mehr Hitze im Außenbereich sorgen werden, weil sie warme Luft ins Freie blasen . Die AfD setzte noch einen drauf: Der »Klimawahn«, behauptet die rechtsextreme Partei nun, führe »zu mehr Hitzetoten« und zwar durch »ideologische Baufehler wie den Verzicht auf Klimaanlagen«.

Kurz: Die Leute, die gestern noch behauptet haben, die Erhitzung sei kein Problem, erklären jetzt die Leute für doof, die sich nicht auf die Erhitzung vorbereitet haben. Und die Leute, die gestern noch die Wärmepumpe verteufelt haben, erklären jetzt ausgerechnet die für doof, die seit Jahren für Klimaanlagen werben – denn Klimaanlagen sind Wärmepumpen. Man kann heute ein dummes Haus bauen: mit Gasheizung. Oder ein schlaues: mit Wärmepumpe/Klimaanlage. Aber auch in einer kleinen Mietwohnung lassen sich Balkonkraftwerk und Klimagerät kombinieren.

Leute mit Gasheizung behaupten gern: Das geht nicht

Wer sich heute eine Wärmepumpe in einen Neubau einbaut – das sind zum Glück, der mittlerweile wissenschaftlich aufgearbeiteten Kampagne aus dem Hause Axel Springer  für Gas- und Ölheizungen zum Trotz, die meisten – kann damit auch kühlen. Das geht auch mit einer Fußbodenheizung. Dann kühlt eben der Boden, entweder passiv oder aktiv. Ersteres funktioniert mit jeder Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpe , sogar mit Modellen, die nicht speziell dafür ausgelegt sind. Dazu wird die Kälte des Wassers oder des Erdreichs über den Wärmetauscher ins Haus geleitet. Mit einer Luft/Wasser-Wärmepumpe, wie sie hierzulande verbreitet ist, kann man nur aktiv kühlen: Man dreht die Funktion der Wärmepumpe gewissermaßen um. Sie entzieht dem Haus Wärme und gibt sie nach außen ab.

Ich kenne diverse Haushalte, die dank ihrer Fußbodenheizung hervorragend durch die Hitzewelle kamen. Dass das nicht funktioniert, wird in sozialen Medien derzeit gern behauptet – von Leuten mit Gas- oder Ölheizung. [….] All das erfordert allerdings eine Regierungspolitik, die die fortschreitende Erhitzung endlich als Problem anerkennt. Und sie nicht, wie Regierungssprecher Stefan Kornelius vergangene Woche, als »Wetter« abqualifiziert . Die Realitätsverweigerung muss endlich aufhören – und dazu gehört auch, dass man endlich wirklich Klimaanpassung betreibt.  […]

(Prof. Christian Stöcker, 05.07.2026)

Anders als arme und auf Landwirtschaft basierende Länder, haben wir in Deutschland den Luxus, uns technologisch auf den Klimawandel einstellen zu können und dabei gleichzeitig klimaschützend zu agieren.

Theoretisch zumindest.

In der Praxis stehen allerdings die völlig verblödeten, zerstörerischen Fossillobbyknechte der C-Parteien dagegen.

Merzen konservative Minister haben eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, stets die kontraproduktivste und dümmste Maßnahme zu propagieren.

[….] Die Bundesregierung will bei Zuschüssen für Wärmepumpen und andere klimafreundliche Heizungen deutlich kürzen. Die Förderung für den Heizungstausch soll umgebaut werden, dabei sollen im Finanzplanzeitraum bis 2030 rund 2,1 Milliarden Euro ‌eingespart werden. [….] Die Höhe der maximal förderfähigen Kosten von derzeit 30.000 Euro etwa für den Einbau einer Wärmepumpe soll ab kommendem Jahr sinken. [….] Außerdem sinkt der Klimabonus von derzeit weiteren 20 Prozent Förderung für den Austausch einer noch funktionstüchtigen, mindestens 20 Jahre alten Heizung ab kommendem Jahr alle sechs Monate um vier Prozentpunkte. 2029 würde diese Förderung demnach auslaufen. [….]

(SPON, 07.07.2026)

Schildbürgerstreich? Realsatire? Kognitive Dissonanz?

Es fällt schwer, die sich selbst verstärkenden Merzschen Idiotien noch in Worte zu fassen.

[…] Flusswärmepumpen erfordern hohe Investitionen; große Anlagen kosten über 100 Millionen Euro. Auch deshalb sind sie in Deutschland bislang eine Rarität. Doch vielerorts ändert sich das gerade. […] Keine Stadt ist damit so weit wie Mannheim. Bereits vor drei Jahren hat Ingenieur Hack hier eine erste Pilotanlage ans Netz gebracht. Sie brummt nur 50 Meter von der aktuellen Baustelle entfernt und beliefert rund 3500 Mannheimer Haushalte verlässlich mit Wärme. Die neue, größere Anlage soll weitere Zehntausende Haushalte auf einen Schlag grün machen, die noch durch die Abwärme der Kohleverbrennung versorgt werden – die klimaschädlichste Form der Energieerzeugung.

Experten wie Hack sehen in Flüssen die saubere Alternative. Das ganze Jahr über sind sie warm genug, um als Wärmequelle zu dienen – ob sie 20 oder nur 5 Grad messen. [….]  Hack, der sich seit Jahren mit der Technik beschäftigt, hält sie für den »Gamechanger« der deutschen Wärmewende. […] Flusswärmepumpen verbrauchen keine Rohstoffe wie Steinkohle und kein Erdgas. Sie stoßen null CO₂ aus. Das Einzige, was die Pumpen benötigen, so Hack, sei Wasser aus Flüssen wie dem Rhein und Strom – bestenfalls Ökostrom, erzeugt mit Solarpaneelen oder Windrädern. […] Zwar schieße die Regierung in Berlin rund ein Drittel der Kosten zu – doch erschwere die schwarz-rote Regierung an manchen Stellen die längst beschlossene Energiewende. Clemens nennt als Beispiel unter anderem das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz, das in seiner jetzigen Form mehr verunsichere als Planungssicherheit schaffe. […] Ähnlich gefrustet zeigt sich auch der Oberbürgermeister von Mannheim, Christian Specht (CDU). […]

Auf die Frage, ob er Gegenwind spüre, antwortet Specht: »Massiv.« Gerade aus Berlin.  [….]

(SPON, 07.07.2026)

Montag, 6. Juli 2026

Was soll Klingbeil tun?

Das war ein recht billiger Punkt, den Thilo Jung bei der heutigen Bundespressekonferenz machte, als er den Finanzminister mit der Frage unter Druck setzte, mit „welchen harten Entscheidungen denn die Hochvermögenden, die Milliardäre jetzt gerade leben müssen.“

Klingbeil blieb ganz ruhig, listete auf, die Reichensteuer werde erhöht, die Beitragsbemessungsgrenze und die Versicherungspflichtgrenzen erhöhe man. Das wären „drei Maßnahmen, bei denen Menschen, die mehr haben, stärker in die Verantwortung gezogen“ würden.

-  Gotcha; darauf hatte Jung natürlich gewartet und warf süffisant hinterher, von einem Finanzminister erwarte er zu wissen, daß die Reichensteuer Einkommen betreffe, er habe aber nach Vermögen gefragt!

Das linke Bluesky-Leserschaft feiert das und kippt kübelweise Häme über der verhassten SPD aus, der sie den möglichst schnellen Untergang wünschen.

Weil sie immer noch nicht verstanden haben, nur mit der SPD jemals eine (wenn auch geringe) Chance haben werden, eine Regierung links von der CDUCSU zu bilden.

Wenn sich Linke und Grüne damit beschäftigen, im eigenen RRG-Lager Krieg zu führen, können sich CDUCSU, FDP, FW und die Nazis Popcorn-fressend zurücklehnen und haben schon gewonnen. So lange Linke und Grüne auf die SPD, statt auf CDU, CSU und AfD eindreschen, bleibt das „linke Lager“ chancenlos.

Es ist schon etwas perfide, wie von LinksGrün mit der regierenden SPD umgegangen wird, insbesondere während sich die Berliner Landes-Grünen nach der Abgeordnetenhauswahl am 20.09.2026 schon mal ein Bündnis mit der CDU einstellen, weil ihnen das lieber ist, als Juniorpartner der Linken zu werden.

[…] Mehr war aus Werner Graf nicht herauszulocken. „Was wir sehen, ist, dass Schwarz-Rot, dass CDU und SPD die Stadt nicht mehr hinter sich haben“, sagte der Fraktionschef der Grünen und Spitzenkandidat seiner Partei nach dem jüngsten Berlin-Trend des RBB. […] Nun: Welchen Wechsel will die Stadt? Für die Grünen gibt es da zwei Interpretationen, die nicht unbedingt zueinanderpassen. Will die Stadt ein Linksbündnis, müssen sich Werner Grafs Grüne mit der Linkspartei und der SPD einig werden. […] Oder will Berlin gar nicht die Linke im Roten Rathaus, sondern ihn, Werner Graf, auch wenn er der unbekannteste unter den Spitzenkandidaten ist? Dann müssten die Grünen ihre zweite Option ziehen: eine Kenia-Koalition aus Grünen, CDU und SPD. […] Zwischen Linksbündnis und Rotem Rathaus: Einfach werden die Debatten um beide Alternativen ganz bestimmt nicht werden. Auch wenn auf grüner Realoseite bereits vor dem Berlin-Trend, der die Grünen mit 19 Prozent zwei Punkte vor der CDU mit 17 Prozent sieht, gemunkelt wurde, dass eine Linkspartei auf Platz eins ganz zwingend Kenia bedeute. […]

(Uwe Rada, 05.07.2026)

Linke vorn bedeutet also „zwingend Kenia“ für die neuen Grünen  Macho-Männer?

Es wäre nicht das erste Mal, daß die Grünen ein Regierungsbündnis mit der Fossillobby/Palantir-Partei CDU, einer ebenfalls vorhandenen linken Mehrheit vorziehen (BW, HH). Den Grünen mit ihren hochverdienenden Wählern, gefällt die schwarze Finanzpolitik besser als die Rote.

Damit komme ich auf Lars Klingbeil zurück, der heute, als Bundesfinanzminister der schwarzroten Koalition von Thilo Jung traktiert wurde. Sachlich führte er aus, wenn er mit einem anderen Hut dasäße, nämlich als SPD-Chef, könne Jung ins SPD-Parteiprogramm sehen und fände dort die Vermögenssteuer.

Es regiert aber nun einmal nicht „die SPD“, die 100% ihres Parteiprogrammes umsetzen kann, sondern eine Bundesregierung, der vom Wähler befohlen wurde, eben NICHT das SPD-Parteiprogramm umzusetzen, sondern dies nur zu höchstens einem Drittel zu berücksichtigen. Der Urnenpöbel wünschte sich zu ZWEI DRITTELN Merz-Handschrift in der Regierungskoalition.

Einer Regierungskoalition, die Klingbeil und Bas auch im Sinne der Umsetzung ihres Parteiprogrammes nicht verlassen können, weil daraus, mit oder ohne Neuwahlen, eine Kooperation, Tolerierung oder Koalition aus CDUCSU und Nazis folgen wird.

Wäre dem Land, der Partei SPD und den Nicht-Superreichen geholfen, wenn der Finanzminister heute die Regierung ins Chaos gestürzt hätte? Wenn er neuen Streit gesät und die Merz-Koalition gefährdet hätte?

Das wäre reine AfD-Unterstützung gewesen.

[…]  Das bisschen Haushalt: Schuld allein ist nicht die SPD […] Der SPD-Finanzminister saniert den Haushalt mit Krediten und Geld für Klimaschutz. Doch die Union verhindert, dass Vermögende einen Beitrag leisten. […] Im Haus von Lars Klingbeil versteht man die Welt nicht mehr. Da hat man es trotz Wirtschaftsflaute, Trumpistischer Zollpolitik und Kriegen geschafft, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen – und dann hagelt es nur Kritik. Daran, dass der SPD-Finanzminister ein Viertel der Ausgaben auf Pump finanziert und den Klimafonds als Notgroschen missbraucht. Das ist berechtigt. Aber die Schuldigen sitzen nicht nur im Finanzministerium, sondern vor allem in München und im Konrad-Adenauer-Haus. […]

 Ausgabentreiber ist die Landes- und Bündnisverteidigung. […]

Sicherheit ist wichtig. Doch es ist überhaupt nicht einzusehen, dass die Rüstungsindustrie Preise in jeder beliebigen Höhe aufrufen darf, etwa 12 Milliarden Euro für acht Fregatten, aber Wohngeldbezieher:innen, Pflegebedürftige, gesetzlich Versicherte, Behinderte akzeptieren sollen, dass bei ihnen gespart wird. […] Das liegt vor allem an der Union, die verhindert, dass die mit Staatsgeld gepamperten Rüstungskonzerne einen Teil ihrer Übergewinne wieder an die Allgemeinheit zurückgeben. Genauso strikt ist die Union dagegen, dass die 5.000 Überreichen in Deutschland, denen die schier unfassbare Summe von rund 3 Billionen Euro gehört, einen klitzekleinen Anteil davon abgeben, damit Deutschland durch die Krisen kommt. […]

(Anna Lehmann, 05.07.2026)

Mit Merz, Spahn, Linnemann gibt es keine Vermögenssteuer.

Es gibt auch nicht ansatzweise demoskopische Zahlen, die eine Mehrheit für Parteien signalisieren, mit denen man eine Vermögenssteuer umsetzen könnte.

Wer sich Abgaben für die Superreichen wünscht, muss anders wählen und das RRG-Lager stärken, statt es durch interne Kämpfe noch weiter zu schwächen.

Sonntag, 5. Juli 2026

Mediale Darstellung – Teil II

Gestern ging es darum, wie uns Einzelschicksale berühren, aber uns egal ist, wenn 10.000, 30.000 oder 100.000 sterben.

Aber so lange wir nicht von jedem eine Geschichte und ein Bild, wie von dem kleinen Alan Kurdi kennen, zucken wir mit den Achseln, lassen Merz und Söder hetzen.

Das falsche Wort „Kinderschänder“, das immer noch völlig gebräuchlich ist, obwohl es idiotischerweise aussagt, dem Opfer, dem Kind, sei die Schande übertragen worden, obwohl doch im diametralen Gegenteil dazu, der Täter die Schande tragen sollte! Dieses Wort wird extrem negativ konnotiert.

Jeder kennt die Erzählungen, laut denen „Kinderschänder“ sogar im Gefängnis verachtet werden und in der Knasthierarchie ganz unten, hinter Mördern und Vergewaltigern stehen, ja sogar um ihr Leben fürchten.

Hat man es aber nicht mit einem „Kinderschänder“ zu tun, sondern mit hunderten oder tausenden Fällen pro Bistum, mit hunderttausenden in der katholischen Kirche weltweit, geben wir dem hunderttausendfach mit Schande beladenen Kinderquäler-Verein den Status der Gemeinnützigkeit, überschütten ihn mit Milliarden Euro und nennen die Täterschützer, die erst die Strukturen für den massenhaften sexuellen Kindesmissbrauch schaffen, „Hochwürden“, „Hochwürdigste Exzellenz“, „Eminenz“ oder „Heiliger Vater“.

Das muss aufhören. Medien müssen die homophoben, misogynen Männer in den bunten Kleidern, die so tolerant gegenüber sexueller und psychologischer Folter an Kindern sind, zutreffender benennen: Angehörige einer kriminellen Vereinigung.

Es ist das Versagen der Medien, wenn sie einen einzelnen, in der Ostsee verendenden Buckelwal, als „Timmy“ oder „Fridolin“ framen und diejenigen, die der armen Walkuh auf die Pelle rückten und sie folterten, als „Tierfreunde“ und „Helfer“ bezeichnen.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 750 Millionen Nutztiere geschlachtet. Zwei Millionen Tiere werden jeden Tag in deutschen Schlachthöfen hingerichtet.

[….] Schlachthof: So leiden und sterben Tiere in Schlachthöfen

In Deutschland werden jedes Jahr Millionen Tiere in Schlachthöfen getötet, darunter Hühner, Schweine, Rinder und Pferde. Jede einzelne dieser Tötungen hat immenses Leid verursacht. Einem Tier im Schlachthof die Kehle aufzuschneiden, ist ein gewaltsamer Vorgang, bei dem Lebewesen getötet werden, die leben wollen. Das Leid der Tiere wird noch verstärkt, weil die in Deutschland zulässigen und im Regelfall vorgeschriebenen Betäubungsmethoden vor der eigentlichen Tötung ihnen zusätzliche Qualen und Schmerzen zufügen.

Erfahren Sie hier, wie Tiere im Schlachthof betäubt und getötet werden und warum es keine „humane“ Tötung gibt.[……]

Wie heißt der größte Schlachthof in Deutschland?

Der größte Schlachthofbetreiber in Deutschland ist die Premium Food Group (ehemals Tönnies). Die Premium Food Group hat Schlachthöfe an verschiedenen Standorten. Am größten Standort in Rheda-Wiedenbrück werden vor allem Schweine getötet. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2024 48,7 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sowie 693,3 Millionen Hühner, Puten und Enten getötet.  Die Tiere stammen teils aus deutschen Landwirtschaftsbetrieben und teils aus Nachbarländern. Sie werden meist in Lastwagen durch Europa transportiert. Dabei sind sie auf engem Raum zusammengepfercht und werden teilweise nicht ausreichend mit Wasser und Nahrung versorgt. Schon auf dem Weg zum Schlachthof stehen die Tiere unter extremem Stress, einige überleben den Transport nicht.

Wie werden Tiere im Schlachthof getötet?

Bei der Tötung im Schlachthof wird die Hauptschlagader der Tiere durchtrennt, was zum Blutverlust führt. Vor dem Kehlschnitt werden die Tiere zwar betäubt, jedoch erfolgt die eigentliche Tötung erst mit dem Stich in den Hals. Je nach Tierart und Schlachthof unterscheiden sich die eingesetzten Betäubungsmethoden.  […]

(Peta, 27.06.2025)

Die über Ostsee-Timmy berichtenden Medien hätten wenigstens über die kommerzielle Tötung von Walen aufklären sollen. Daß es jede Menge Spinner gibt, die sich am Schicksal eines einzelnen Wales echauffieren, wundert nicht. Aber seriöser Journalismus müsste das mit Fakten begleiten:

[…] Norwegen: 2024 wurden 415 Zwergwale aus der Quote von 1.157 Tieren getötet. 11 Walfangschiffe waren im Einsatz. Für 2025 erhöhte man die Fangquote um 249 auf 1.406 Wale, obwohl die Nachfrage nach Walfleisch im Land sinkt. Das Fischerei- und Ozeanministerium begründete die Erhöhung mit nicht genutzten Quoten aus dem Vorjahr.  [….] Island: Bis 2029 bestehen jetzt jährliche Walfangquoten für 209 Finnwale und 217 Zwergwale. Die Lizenzen erhielten der 81-jährige Kristján Loftsson und sein Unternehmen Hvalur hf. sowie die Firma Tjaldtangi ehf. […] Japan: 2024 wurden 179 Brydewale, 87 Zwergwale, 30 Finnwale und 25 Seiwale getötet. Im Jahr 2025 dürfen japanische Walfänger 144 Zwergwale, 153 Brydewale, 56 Seiwale und 60 Finnwale erlegen. […]

„Es ist absolut unbegreiflich, dass man auch heute noch kommerziellen Walfang betreibt. Walfang ist grausam und sinnlos und muss endlich gestoppt werden!“, fordert Ulrich Karlowski, Biologe der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Wie fast alle der marinen Megafauna angehörenden Meerestiere sind Wale vielen Gefahren ausgesetzt: Beifang in Fischereigerät, Schiffskollisionen, Meeresverschmutzung mit Plastik und Giftstoffen, Lärmverschmutzung, Überfischung, Lebensraumzerstörung, Übertourismus und Folgen der Klimakrise.

Großwale spielen eine entscheidende ökologische Rolle. Und sie leisten sogar einen Beitrag zum Klimaschutz. Denn sie sind nicht nur langlebige, gigantische Kohlenstoffspeicher, wie der Wissenschaftler Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund betont. Zusätzlich kann ihr Kot in der lichtdurchfluteten Schicht der Wassersäule wie ein natürlicher Dünger für das Phytoplankton wirken. Damit helfen Großwale indirekt bei der Versorgung der Erde mit lebensnotwendigem Sauerstoff, denn das Phytoplankton der Ozeane ist mit weitem Abstand unsere bedeutendste Sauerstoffquelle.

Mit Projekten zum Schutz von Lebensräumen, zur Einrichtung von Schutzgebieten, Regulierung der Fischerei und nachhaltigem Whalewatching sowie mit der Unterstützung von Aktivitäten gegen den Walfang setzen wir uns für das langfristige Überleben der friedlichen Ozeanriesen ein.

Unsere Bitte: Essen Sie im Urlaub kein Walfleisch! Sie unterstützen damit die Walfangindustrie. […]

(Deutsche Stiftung Meeresschutz)

Und ganz aktuell, der Sechsfach-Mord von Stade, der natürlich von Nazis instrumentalisiert wird und jetzt wieder Menschen mit den dämlichen „Warum“-Schildern aufmarschieren lässt:

Auch ein klassischer Fall von Einzelfall-Empörung gegenüber der Gleichgültigkeit gegenüber 70.000 getöteten Kinder und Frauen in Gaza.

Menschen sind zu emotional und zu wenig rational. Das kann und wird man nicht ändern.

Aber Journalisten sollten schon die richtigen Worte verwenden und die Morde nicht als Tragik verschwurbeln:

[….] Gewalt in Stade: Warum schreiben wir nicht »patriarchale Gewalt«, wenn es sich um patriarchale Gewalt handelt? [….] Wie oft denn noch?, dachte ich, als am Montag ein Mann in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Sozialarbeitende erschoss . Wie oft denn noch müssen wir Gewalt von Männern an Frauen, Kindern oder denjenigen, die sie schützen wollen, ertragen? Und wie oft denn noch werden deutsche Medien mit irreführenden Formulierungen verschleiern, worum es hier eigentlich ging: um patriarchale Gewalt, geschlechtsspezifische Gewalt, männliche Gewalt.

Da war von »Familientragödie« die Rede (»Stern«), von »Sorgerechtsstreit« (»Tagesschau«) und auch der SPIEGEL schrieb zunächst von einer »Beziehungstat« und einem »privaten Hintergrund«. Und es ist im ersten Moment ja auch logisch: Viele Medien zitieren hier die Polizei, und wenn die sagt, dass es weder einen extremistischen, noch einen politischen Hintergrund gab, bleibt nur noch der »private« übrig.

Doch hier offenbaren sich gleich zwei Probleme: Erstens, dass offenbar selbst auf den Polizeiwachen immer noch ein verharmlosendes Narrativ darüber herrscht, um welche strukturelle und eben nicht private Gewaltart es sich hier tatsächlich handelt. Und zweitens, dass Redakteur*innen eigentlich schon in der Journalistenausbildung lernen, eine Pressemitteilung nicht eins zu eins zu übernehmen. Weder von Unternehmen, noch von Politiker*innen, noch von der Polizei.

Klar, man kann die Polizeipräsidentin damit zitieren, dass der Hintergrund des Sechsfachmordes wohl ein Sorgerechtsstreit war. Nur muss man dann einordnen, dass es sich dabei um die sogenannte patriarchale »Nachtrennungsgewalt« handelt; erklären, dass in der Phase der Trennung – ob von Partnerin oder vom Kind – ganz grundsätzlich nicht nur sie am gefährdetsten sind, sondern auch deren Umfeld, Eltern, Freunde oder auch die zuständigen Anwälte und Sozialarbeitende; und es in dieser Zeit sehr häufig nicht bei der Drohung bleibt, sondern es tatsächlich zu Gewalt kommt. Und dass das Tatmotiv somit kein »Sorgerechtsstreit« war und auch keine »Beziehungstat« – sondern ganz einfach patriarchale Gewalt. [….] Doch diese Einordnungen fehlen in der deutschen Berichterstattung. Stattdessen wird der Fokus von der mordenden Gewalt verschoben hin zu einer Art Ausrede, die diese Gewalt erklären soll: Ach okay, Sorgerechtsstreit – er hat es ja nur getan, weil er sein Kind sehen wollte. Oder auch: Ehedrama – er hat es ja nur getan, weil er eifersüchtig war – und so weiter und so schrecklich fort. Was zu einer perfiden Täter-Opfer-Umkehr führt, die die Täter entlastet und die Opfer in Mithaftung nimmt. [….]

(Alexandra Zykunov, 04.07.2026)

Samstag, 4. Juli 2026

Mediale Darstellung.

Es ist natürlich erklärbar und emotional verständlich; aber rational höchst unbefriedigend: Einzelschicksale berühren viele Millionen Menschen, aber massenhaftes Leiden wird seltsam emotionslos akzeptiert, oder ganz ignoriert.

Die meisten Menschen benötigen offenbar einen emotionalen Zugang, um Mitleid zu empfinden. Das Opfer muss ein Gesicht bekommen, einen Namen haben und dürfen sich nicht hinter einer Zahl verstecken.

Als die Leiche des zweijährigen Alan Kurdi 2015 an die türkische Mittelmeerküste gespült wurde, entstand das berühmte ikonische Bild von ihm, in seinem roten T-Shirt und der blauen Hose am Strand liegend. Es ging um die Welt, das Entsetzen über die Flüchtlingskatastrophe war groß. Man schämte sich für Europa und Nordamerika, die vor den Bombenteppichen über Aleppo und Kobani fliehenden Kurdis, nicht erlauben wollten, daß die Familie zur in Vancouver lebenden Tante zu entkommen. Daß Alans Vater daher gezwungen wurde, Schlepper zu bezahlen, mit der vagen Hoffnung, sie nach Kos, dem griechen EU-Gebiet zu bringen. Die EU, die heute von Merz und Dobrindt mehr denn je auf Abwehr solcher Menschen eingestellt wird. Die EU, in der eine riesige rechts radikale Straßburger Parlamentsfraktion zusammen mit der christdemokratischenEVP und ihrem Chef Manfred Weber (CSU) in „Send them back“-Jubelchöre ausbricht.

Alan Kurdis fünfjähriger Bruder Ghalib und seine Mutter Rehanna ertranken ebenfalls. Ihre Leichname wurden nur etwa 100m weiter am Strand in der Nähe von Bodrum angespült. Aber von ihren Körpern gibt es keine Bilder, auf denen sie so süß aussahen. Bis auf den Vater wurde die ganze Familie ausgelöscht. Sie interessierten die Öffentlichkeit kaum.

Neun weitere Tote, die mit den Kurdis zusammen in dem Schlepperboot saßen, bleiben für immer namenlos für die Weltöffentlichkeit. Zu ihnen findet das Internet keine Informationen.

Ihre Schicksale sind den 500 Millionen EU-Bürgern und insbesondere den migrantophoben AfD- und CDUCSU-Wählern genauso egal, wie die Myriaden Namenlosen, die seit 2015 in der toxischen mediterranen Leichenwanne für immer verschwanden.

[…..] Das Mittelmeer ist die mit Abstand tödlichste Fluchtroute

Mehrere Flüchtlingsboote könnten Ende Januar 2026 im Mittelmeer bei schwerem Wetter verunglückt sein. Dabei sind möglicherweise bis zu 1.000 Menschen ums Leben gekommen. Der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind aktuell 567 Todesfälle bekannt, die in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres gestorben sind - davon allein 459 im Januar. Die Zahlen dürften aber noch steigen. Wie die taz-Redakteur Michael Braun in einem Kommentar schreibt werden an italienischen Stränden immer wieder Leichen angespült. Indes kriegt die Öffentlichkeit laut Braun davon nur wenig mit: "Wenn überhaupt, wird nur lokal berichtet". Das Mittelmeer ist die für Migrant:innen mit Abstand gefährlichste Fluchtroute nach Europa. Seit 2014 sind hier laut IOM mindestens 34.226 Menschen (davon sind 31.631 ertrunken) ums Leben gekommen - das entspricht 42 Prozent aller weltweit auf der Flucht gestorbenen Geflüchteten. [….]

(Mathias Brandt, 23.02.2026)

Über 34.000 Tote, von denen wir wissen.

Aber so lange wir nicht von jedem eine Geschichte und ein Bild, wie von dem kleinen Alan Kurdi kennen, zucken wir mit den Achseln, lassen Merz und Söder hetzen. Lassen Dobrindt unbescholtene Bürger abschieben, höchste Gerichtsurteile ignorieren und die Taliban einladen, um afghanische Frauen zu foltern. Über 40% der Wähler in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen wollen eine Nazi-Partei wählen, die mit Remigrationsplänen von zig Millionen Menschen prahlt.

Die Medien, die bis weit ins linksliberale Lager anerkennend raunen, bei der Migrationsfrage habe die Merz-Regierung „geliefert“, sollten sich in Grund und Boden schämen, wie sie die Schicksale der Flüchtlinge framen.

Miosga, Maischberger, Illner und Lanz sollten sich nicht mehr im Spiegeln ansehen können dafür, daß sie immer und immer wieder faschistoiden Hetzern, die Menschen in allergrößter tödlicher Not, ausschließlich als „Gefahr für uns“ framen, den Roten Teppich ausrollen.

Freitag, 3. Juli 2026

Berliner müssen von Hamburgern noch viel lernen!

Ein bißchen wundere ich mich schon noch über die Umfragen zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20.09.2026.

Trotz einer kontinuierlichen Debakel- und Peinlichkeiten-Performance der regierenden CDU, inklusive Anklagen und Senatoren-Rücktritten, verlieren die schwarzen Wegnerianer bei Infratest-Dimap vom 29.04.2026 bis zum 01.07.2026 gerade mal zwei Prozentpünktchen und die Grünen legen nur ein mickriges Pünktchen zu. Das sind Größenordnungen innerhalb der Messungenauigkeit; könnte also auch bedeuten, daß es gar keine Bewegung gab.

Es bleibt das Geheimnis des Tagesspiegels, wie er angesichts dieser lähmenden statischen Unbeweglichkeit der politischen Stimmung, solche abstrusen Schlagzeilen produzieren kann:

[….]  Absturz vom ersten auf den vierten Platz: In der Berliner CDU herrschen „Entsetzen“ und „Panik“

Auf nur noch 17 Prozent kommt die Regierungspartei in einer Umfrage. Intern ist die Sorge groß, dass es kurz vor der Wahl noch schlimmer kommt.

Am Tag nach dem Wahlkampfbeben herrschte in der Berliner CDU vor allem eines: Schweigen. Kaum einer will darüber reden, dass die Partei tags zuvor in der sogenannten Sonntagsfrage erstmals seit Januar 2023 ihre Führung eingebüßt hatte. Bei 17 Prozent hatten die Demoskopen des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap die Berliner CDU einsortiert – dem schlechtesten Wert seit September 2021.

Diejenigen, die dennoch sprachen, sparten nicht mit deutlichen Worten. „Die Panik ist schon groß“, erklärte ein Funktionär. Ein anderer sprach von „Entsetzen“, wieder andere von „Verzweiflung“. Baff und erstaunt gewesen seien viele über das Abstrafen der eigenen Partei, heißt es. Schließlich schienen die ganz großen Skandale, Stichwort Tennis-Affäre des Regierenden Bürgermeisters, einigermaßen schadlos überstanden. Warum also ausgerechnet jetzt der Absturz?

Wegner selbst hatte einen Teil der Ursachen bereits am Mittwochabend ausgemacht. Neben eigenen Fehlern schlage sich der negative Bundestrend für die CDU in der Umfrage zur Abgeordnetenhauswahl nieder, erklärte der Regierungschef im Interview mit dem Tagesspiegel.  […]

(Robert Kiesel, 02.07.2026)

„Absturz“ „Entsetzen“ „Panik“ „Verzweiflung“?

Clickbaiting aus der Hölle!

Ich verstehe nicht, wieso die Berliner CDU überhaupt noch über 5% kommt. Was geht in den Hirnen derjenigen vor, die Wegner für den richtigen Mann halten, Berlins Zukunft zu bestimmen?

Wieso liegen AfD, CDU, Grüne, Linke alle gleichauf? Wieso weisen die Umfragen keine deutliche Dreiviertel-Mehrheit für RotGrün aus?

Ein anderer Stadtstaat zeigte 2020, wie es geht.

(…..) SPD und Grüne verfügen über 87 von 123 Sitzen. Das ist eine 70,7%-Mehrheit.

Sogar SPD und Linke hätten mit 67 Sitzen eine absolute Mehrheit von 54,5% der Mandate im Parlament.

Den linken Durchmarsch zeigt eindrucksvoll die Addition von SPD, Grünen und Linken, die zusammen auf 100 von 123 Mandaten kommen. Das entspricht 81,3 % der Sitze.

Es ist eine Wonne sich durch die interaktive Karte der Wahlkreise zu klicken. Alles rot bis auf die beiden grünen Gewinner „Altona“ und „Harvestehude-Rotherbaum-Eimsbüttel Ost“.

Hier zeigt sich auch sehr deutlich wie sich das Grüne Klientel gewandelt hat. Waren sie einst die Partei der Jungen und Alternativen, sind ihre Wähler inzwischen eindeutig Diejenigen mit höchsten Einkommen. Folgerichtig gewannen sie die mit Abstand teuersten Villen-Stadtteile Hamburg-Rotherbaum und Hamburg-Harvestehude direkt an der Außenalster, wo die Wohnungspreise über 10.000 Euro/m2 liegen und sich die Söhne in weißen maßgeschneiderten exklusiven Segelvereinen amüsieren, die immer noch keine weiblichen Mitglieder zulassen. Wo das Durchschnitteinkommen bei 111.000,- liegt, hat nicht nur die alte Partei der Besserverdienenden, die FDP, ihre Hochburg, sondern nun auch die neue Partei der Besserverdienenden; die Grünen. (….)

(Zahlen zum Genießen, 24.02.2020)

Lieber Tagesspiegel, bei der Hamburger CDU war es immer wieder angebracht von „Absturz“ „Entsetzen“ „Panik“ „Verzweiflung“ zu sprechen. Berlin eher nicht.

2004 erhielt die Beust-CDU bei der Hamburger Bürgerschaftswahl mit 47,2% die absolute Mehrheit der Sitze. Beusts CDU-Nachfolger Ahlhaus schrumpfte die Schwarzen 2011 auf nur noch 21,9%. Olaf Scholz holte für die SPD eine satte absolute Mehrheit. Bei der nächsten Landtagswahl 2015 zerkleinerte CDU-Spitzenkandidat Wersich seine Partei auf 15,9% und unter meinem Lieblings CDU-Parteichef 🤎Christoph Ploß🤎 ging es 2020 auf 11,2% in den Keller bei der Bürgerschaftswahl! Daran sollten sich die Berliner Wähler ein Beispiel nehmen.

Allerdings haben wir in Hamburg mit Ploß, dem immer noch starken und extrem weit rechts außen stehenden Mann der Landespartei, auch immer noch eine bedeutende Geheimwaffe, um die CDU winzig zu halten.

Zudem ist Ploß äußerst fleißig und liefert seit 15 Jahren kontinuierlich einen Klopfer nach dem nächsten. So fand der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus letzte Woche, als Hamburg bei fast 40°C im Schatten brütete und in Deutschland hunderte Menschen durch die Hitze starben, ein Mittel gegen den Klimawandel.

[….] CDU-Politiker Ploß fordert Sonnencremespender in Städten

In der Debatte über mehr Hitzeschutz in Deutschland kommt aus der Union die Forderung nach Sonnencremespendern in deutschen Städten.

 "Auch Wasser- und Sonnencremespender sollten installiert werden, um die Gesundheit der Menschen in Deutschland zu schützen", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß der "Rheinischen Post".  [….]

(dts, 28.06.2026)

Wären die Elb- und Spree-Christdemokraten nicht so rechtsaffine leidenschaftliche Klimakiller, könnte man über Merzens Metropolen-Schildbürger herzlich lachen.

Denn es muss doch Satire sein, wie die Ploßianer der Realität Dekaden hinterherhinken und den größten, wissenschaftlich widerlegten Unsinn, als ihr „Konzept“ vorstellen.

[….] Kampf gegen Drogensucht: Null Punkte für den Zehn-Punkte-Plan der CDU [….] Am Freitag stellte die Hamburger CDU ihren Zehn-Punkte-Plan gegen Drogensucht am Hauptbahnhof und in St. Georg vor. Sie kritisiert die „zunehmende Verwahrlosung des öffentlichen Raums“, die nicht zu „unserer schönen Stadt“ passt – und scheint dabei komplett vergessen zu haben, wie es zu dieser „Verwahrlosung“ kam.

Wie können wir die Probleme lösen, die infolge der Verdrängungspolitik am Hauptbahnhof entstanden sind?, fragte sich die CDU. Und hat eine ganz einfache Antwort: noch mehr Verdrängung.

In ihrem Aktionsplan gegen Drogensucht setzt die CDU vor allem auf Kontrolle, Verbote und Repression. Mehr Polizeipräsenz. Mehr Videoüberwachung. Mehr Verbote. Mehr Erfassung, mehr Kontrolle, mehr Druck. [….] Das sind keine neuen Antworten auf Drogensucht. Das sind ordnungspolitische Maßnahmen gegen ihre Sichtbarkeit. Maßnahmen, die am Hauptbahnhof bereits greifen – und maßgeblich dafür gesorgt haben, dass sich die offene Drogenszene weiter in die Wohngebiete nach St. Georg und Hammerbrook verlagert hat. Das Einzige, was sich durch die vorgeschlagene Ausweitung der Maßnahmen ändern würde, ist der Radius der Verdrängung. [….] [Es] müssten auch möglichst schnell Wege aus der Abhängigkeit eröffnet werden, „um die offene Szene aktiv zu verkleinern“. [….] Hinter dieser „offenen Szene“ stecken Menschen. Menschen, die zu unserer Gesellschaft dazugehören. Sucht ist eine Krankheit, die nicht einfach überwunden werden kann, nur weil einem jemand dazu rät. Schon gar nicht, wenn der Druck auf diese Menschen mit Kontrollen und Verboten parallel weiter erhöht wird. [….] Das ist kein Zehn-Punkte-Plan gegen Drogensucht. Das ein Plan gegen Drogensüchtige. Gegen suchtkranke Menschen. Nicht die Sucht soll bekämpft werden, sondern ihre Sichtbarkeit. [….]

(HH Mopo, 03.07.2026)

Donnerstag, 2. Juli 2026

Das rechtsreaktionäre Spiel

Nun muss ich leider meiner Abrechnung mit dem Trumpschen Fußball-Spektakel, noch ein Kapitelchen hinzufügen.

Nein, natürlich habe ich immer noch keine einzige Minute eines Spiels gesehen und werde auch nicht in eine sportliche Beurteilung einsteigen. Es interessiert mich auch nicht, wer Bundestrainer war, ist, bleibt, oder wird. Aber selbstverständlich halte ich die überbordende Schlagzeilenfülle zu dem Thema für absurd, angesichts der Megaprobleme der menschlichen Zivilisation, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Wenn sich Volk, Politik und Medien den „Leistungen“ einzelner Bällchentreter widmen, statt die tödlichen Auswirkungen der Klimakrise anzugehen, versteht man, wieso unsere Zivilisation dem Untergang geweiht ist.

Diese Meldung….

[….] In dem seit mehr als vier Jahren andauernden Ukrainekrieg sind einer Studie zufolge mehr als zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder als vermisst gemeldet worden. »Die kombinierten russischen und ukrainischen Verluste haben zwei Millionen überschritten«, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) in Washington. Den Großteil der Verluste tragen demnach die russischen Streitkräfte.

Seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 hat die russische Armee der Studie des CSIS zufolge rund 1,4 Millionen Verluste verzeichnet. Davon seien zwischen 400.000 und 450.000 russische Soldaten getötet worden. Die ukrainischen Streitkräfte hätten im selben Zeitraum hingegen zwischen 525.000 und 625.000 Verluste erlitten, darunter zwischen 125.000 und 150.000 Tote.  Die Zahl der russischen Todesopfer in der Ukraine sei "mehr als viermal so hoch wie alle US-Todesopfer in sämtlichen Kriegen seit dem Zweiten Weltkrieg zusammen«, heißt es in der CSIS-Studie. Zudem sei das Verhältnis von russischen zu ukrainischen Verlusten in der ersten Jahreshälfte 2026 vermutlich auf etwa acht zu eins gestiegen. [….]

(SPON, 02.07.2026)

….geht heute in den News unter zwischen all den Nagelsmann-Überschriften.

Die Millionen Opfer des Ukraine-Krieges überlässt man hingegen Bohlen und Putinella.

Nur, um sich einem moralisch untragbaren milliardenschweren Funktionärs-Event zu widmen, welches homophobe und misogyne Attacken fördert.


[….] Häusliche Gewalt und Fußball: Der Spieltag als Albtraum [….] Fußball kann aber auch Todesangst bedeuten. Studien in England zeigen, dass häusliche Gewalt an Spieltagen zunimmt. "Ich hatte Angst um mein Leben - ich dachte, er bringt mich um", erinnert sich Emma Bray. Sie hat selbst erlebt, wie ihr Ex-Partner Fußball als Ausrede nutzte, um ihr gegenüber gewalttätig zu werden, körperlich und emotional. [….] Emma ist kein Einzelfall. Die Nationale Statistikbehörde im Vereinigten Königreich schätzt die Zahl der Betroffenen von häuslicher Gewalt auf über 2,1 Millionen. Dass während eines Fußballspiels die Fälle in England steigen, haben in den vergangenen Jahren verschiedene Studien nachgewiesen - etwa in Manchester.

Wissenschaftler haben dort mithilfe von Polizeidaten die Auswirkungen von fast 800 Spielen von Manchester City und Manchester United ausgewertet. Das Ergebnis: Nach einem Spiel steigt die Zahl der gemeldeten Vorfälle an - in den ersten vier Stunden um fünf Prozent, alle zwei Stunden. Der stärkste Anstieg zeigt sich nach zehn bis zwölf Stunden. 16 Stunden nach einem Spiel verschwindet der Effekt. [….]

(Renée Severin, 23.08.2024)

Die stark ansteigende psychische, sexuelle und physische Gewalt während Fußballmeisterschaften durch die Zuschauer, Fan-Brutalität gegenüber der Familie, korreliert mit der Toleranz gegenüber gewalttätiger Spieler.

Vergewaltiger und Frauenschläger werden weder von Fans, noch von ihren Vereinen oder den internationalen Funktionären adäquat sanktioniert.

[……] Vorwürfe gegen WM-Spieler: Eine Branche schweigt [……] Der Fußball hat ein Systemproblem: Etliche Spieler, denen sexuelle Übergriffe gegen Frauen vorgeworfen werden, spielen auf der größten Bühne, die ihr Sport zu bieten hat. Wo bleibt der Kulturwandel?  [….]

(FAZ, 02.07.2026)

Die moralische Niedertracht der frustrierten deutschen Fußballfans, muss von den Minderheiten und Schwachen unserer Gesellschaft ausgebadet werden. Die Fußball-WM befördert rassistische Ausschreitungen.

[….] Nach dem deutschen Ausscheiden bei der WM häufen sich hierzulande rassistische Gewalttaten. Aus Chemnitz wird von Ausschreitungen berichtet. [….] Für Jonathan Tah steht der Fehlschuss sinnbildlich für das Scheitern. Dass er Deutschland in der Verlängerung mit einem Kopfballtreffer vermeintlich zum Sieg geführt hatte, der nach Videobeweis aberkannt wurde, zählt nach dem Abpfiff kaum noch. Ebenso rückt in den Hintergrund, dass auch Kai Havertz und Nick Woltemade ihre Elfmeter nicht verwandelten. Stattdessen richtet sich der öffentliche Zorn auf Tah. Für viele steht der Schuldige schnell fest – schließlich sei er angeblich „nicht deutsch“. Unter seinem Instagram-Beitrag häuften sich rassistische Beleidigungen und Anfeindungen.

Tah wurde in Hamburg geboren, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater stammt aus der Republik Côte d'Ivoire. Dennoch sprechen ihm einige die Zugehörigkeit zu Deutschland ab. In rechten Kreisen taucht in diesem Zusammenhang oft der Begriff „Passdeutscher“ auf. Von einer „passdeutschen Fußballnationalmannschaft“ sprach die AfD-Bundestagsabgeordnete Christina Baum bereits 2022. Solche Narrative grenzen Spieler mit Migrationsgeschichte aus und schaffen einen Resonanzraum für rassistische Anfeindungen, die sich nach dem Schlusspfiff auch auf den Straßen entladen.

WM-Veranstaltungen werden zu Orten rechtsextremer Anfeindungen. So war es schon beim Spiel gegen die Elfenbeinküste. Beim Public Viewing in Berlin-Friedrichshain skandiert ein Zuschauer rassistische Parolen. Bei einem Autokorso in Kassel wird ein Hitlergruß aus dem Auto mit rechter Symbolik gezeigt. [….] Von einer rassistischen Verfolgungsjagd nach dem deutschen WM-Aus gegen Paraguay wird aus Chemnitz berichtet. [….] Schon während der TV-Übertragung, so das Recherchekollektiv, wurden Menschen rassistisch und antisemitisch beschimpft, Sitzplätze verweigert. [….] [….] Ein Zusammenhang zwischen dem Erstarken rechter Akteure, der politischen Instrumentalisierung des Fußballs und den rassistischen Vorfällen rund um die deutsche Nationalmannschaft liegt nahe. [….]

(Taz, 02.07.2026)

Es ist ein ekelhafter Sport, von dessen abscheulichen Seiten weder Spieler, noch Politiker, noch Funktionäre, noch Fans, noch begleitende Medien freizusprechen sind.

[….] Statt über die wahren Gründe für das blamable WM-Aus zu sprechen, werden Familientage und radelnde Ehefrauen vorgeschoben. Der deutsche Fußball ist und bleibt reaktionär. [….] Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie reaktionär der deutsche Fußball immer noch ist. Ein paar Beispiele aus dem Boulevard gefällig?

    Lothar Matthäus kritisiert die sogenannten Familientage. »Frauen, Familien, alles war dabei«, durfte der Rekordnationalspieler bei der »Bild«-Zeitung erzählen. »Ich weiß nicht, warum man schon von Anfang an die ganzen Familien dabeihaben muss.«

    In anderen Berichten wird Bundestrainer Julian Nagelsmann dafür kritisiert, mit seiner Ehefrau zum Trainingsplatz geradelt zu sein. Und das Quartier in Winston-Salem war langweilig, auch das noch.

    Den erstaunlichsten Take liefert Bob Hanning, ebenfalls in der »Bild«. Hanning, ein Handballfunktionär, kritisiert ebenfalls die Familientage, die an den Tagen nach den Spielen stattgefunden haben, wo ohnehin Rehabilitation angesetzt war. Ausgerechnet der Mann, der 1000 Euro teure Versace-Pullover trägt, verknappt seine Kritik auf »Gucci, Gucci, Cappuccino« . [….] 

Um es an dieser Stelle einmal klar zu betonen: Die Nationalmannschaft hat gegen Paraguay verloren, weil sie ideenlosen, schlecht vorbereiteten und taktisch unzulänglichen Fußball gespielt hat. [….] Die zweite Komponente in dieser Matthäus-Hanning-Erzählung ist umso unerfreulicher: Die Frauen sind schuld, na klar, wer denn auch sonst?

ARD-Expertin Almuth Schult, vierfache Mutter und für einige Wochen in den USA, wurde vor der WM wiederholt gefragt, wie sie Familie und Beruf vereinbart. »Bastian Schweinsteiger wird auch nicht gefragt, wie er seine Kinder betreut«, lautete ihre verärgerte Antwort. [….]

(Marcus Krämer, SPON, 02.07.2026)

Natürlich weiß ich, daß es glühende Fußball-Fans, wie die beiden SPD-Generalsekretäre Kevin Kühnert und Tim Klüssendorf gibt, die ganz sicher nicht in ein homophobes, misogynes, gewalttätiges Raster passen. Die in jeder Hinsicht rühmliche Gegenteile der genannten abscheulichen Fußball-Begleiterscheinungen sind. Wieso sie sich für einen solchen „Sport“ begeistern, bleibt für mich völlig rätselhaft. Ich kann mir das nur mit einer Inselverarmung erklären, die wie bei Religiotie oder Homöopathie, offenkundig auch Fußballfans ergreifen kann.

[….]  Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.

 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).

Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen. [….] 

(Keine Macht den Doofen, s.42f)