Montag, 23. März 2026

Was Cem-Odos Gueler sagt!

Die linke Influencer-Blase nervt mich gerade so sehr. Nach dem erneuten SPD-Desaster, schreien sie alle „Klingbeil muss weg!“

Als SPD-Mitglied hätte ich auch lieber einen charismatischen hochintelligenten Parteichef des Formats Schmidt/Bahr/Brandt/Engholm. Aber solche kantigen Typen gibt es nicht mehr. In keiner Partei. Das lässt die Social-Media-Welt mit ihren Blasen und Echokammern gar nicht mehr zu.

Pistorius soll übernehmen, schreien sie auch alle; insbesondere nachdem seine Ex-Freundin Schröder-Köpf dies ventiliert. Der dahinter stehende Gedanke ist offensichtlich: Pistorius steht seit Jahren an der Spitze der Beliebtheitsskala.

Aber es sprechen zwei gewichtige Punkte dagegen: Pistorius ist, erstens, kein Generalist. Er beschäftigt sich bisher gar nicht mit den Mega-Themen Steuern, Finanzen, Soziales, Wirtschaft, Klima, Energie, Rente, Gesundheit. Seine Beliebtheit würde schnell in sich zusammenschnurren, wenn er hier Kürzungen und schmerzliche Kompromisse mit der CDUCSU verkünden müsste. Noch gewichtiger ist der zweite Punkt: Pistorius will nicht Chef werden, lehnt das kategorisch ab.

Das will niemand, der nicht suizidal oder masochistisch veranlagt ist.

[….] Vor wenigen Jahren, als die Machtzirkel der SPD noch einem Piranhabecken glichen, wären beide wohl schon längst weggebissen worden. Doch die Ideenlosigkeit der So­zi­al­de­mo­kra­t*in­nen ist nun vor allem personell bedingt: Es scheint schlicht niemanden zu geben, der den Griff zur Macht wagt. [….]

(Cem-Odos Gueler, 23.03.2026)

RICHTIG!

Außerdem solle die SPD nun endlich linke Politik machen. Keine Sozialkürzungen. Sie habe ihre Anhänger verraten, biete die Arbeitern nichts mehr, sie mache zu viel CDU-Politik.

Ich wünschte, es wäre so, denn das könnte man ändern.

Aber leider wählen gerade diejenigen, die auf soziale Leistungen und faire Steuergesetze angewiesen sind, gegen ihre Interessen.

[….] Die AfD schafft es zunehmend, bei Arbeitern massiv zu punkten. Und bei denjenigen, die laut Infratest dimap über sich selbst sagen, ihre finanzielle Lage sei schlecht. [….] In Rheinland-Pfalz waren laut dem Umfrageinstitut die Themen Wirtschaft, soziale Sicherheit und Bildung entscheidend. Also genau die Themen, die jener Gruppe besonders wichtig sein müssten. Doch in diesen Bereichen schreiben die Befragten der SPD oder der CDU mehr Kompetenz zu.

Zudem hat die rheinland-pfälzische AfD im Wahlkampf kaum über diese unterprivilegierte Wählergruppe gesprochen. Im offiziellen Werbespot ging es um Abschiebungen, um eine angebliche Finanzierung von Antifa-Gruppen durch die Regierung, um Windräder, die weggesprengt werden sollten, und um Corona. Nur günstiges Wohnen wird einmal erwähnt, sonst nichts aus den als besonders relevant erachteten Themenfeldern. Auch Wirtschaft spielte keine Rolle.  Selbst im Programm der AfD kommt das Wort »Arbeitslose« nicht vor, auch nicht »arbeitssuchend«. Armut kommt nur einmal vor, bei Alleinerziehenden. [….] Auch sonst steckt im Programm kaum etwas für Menschen, die wenig verdienen, im Gegenteil. Die rheinland-pfälzische AfD will beispielsweise, dass Geschäfte bis Mitternacht geöffnet haben können statt bis 22 Uhr – was Mehrarbeit für Verkäuferinnen und Verkäufer bedeutet.

Vielmehr wird dem argentinischen Präsidenten Javier Milei gehuldigt. Also jenem Mann, der die Staatsausgaben so radikal kürzte, dass die Zahl der Wohnungslosen allein zwischen 2024 und 2025 um knapp 30 Prozent stieg. Der Generalsekretär der Vereinigung der Staatsangestellten, Rodolfo Aguiar, schätzte vor einem halben Jahr zudem, dass die Armutsrate in Argentinien inzwischen bei 62 Prozent liege. Laut AfD bringt Mileis Kurs jedoch »Wohlstand für alle«.[….]

(Ann-Katrin Müller, 23.03.2026)

Die These, die SPD müsse nur linkere Politik machen, dann werde sie auch wieder gewählt, stimmt (bedauerlicherweise) nicht. Im Gegenteil, diejenigen, die am meisten unter nicht sozialer Politik leiden, wählen rechts!

Man kann in ökologischen, klimapolitischen, ökonomischen sozialen Fragen recht klar definieren, was richtige und vernünftige Politik ist.

Selbstverständlich wäre es schlau, wenn Deutschland den 1998 von Schröder und Trittin eingeschlagenen Weg – ökologische Steuerreform, Windkraft, Photovoltaik – konsequent fortgeschritten wäre und heute völlig unabhängig von Gas- und Öl-Importen wäre, über billige erneuerbare Energie verfügte und nicht 80 Milliarden Euro jedes Jahr den Fossil-Multis in den Rachen werfen müsste.

Das haben Rot und Grün aber seither auch immer den Wählern genau so erklärt. Aber der Urnenpöbel will nicht und wählte rechts! Für Verbrenner, für Ölheizung, gegen Tempolimit.

Seit 20 Jahren haben Grüne, SPD und Linke eine Bürgerversicherung im Wahlprogramm, um die Zweiklassenmedizin abzuschaffen. Das könnte längst implementiert sein. Aber die Wähler haben immer eine Mehrheit dagegen gewählt, immer dafür gesorgt, daß mit CDU, CSU, FDP mindestens eine Partei rechnerisch an der Bundesregierung beteiligt sein muss, die fest im Mastdarm der Privatkrankenkassen-Lobby verankert ist und kategorisch eine Krankenversicherung für alle ablehnt.

Die Wähler haben die Möglichkeit, mit der LINKEn eine Partei in die Regierung zu schicken, die völlig unverdächtig ist, soziale Einschnitte zu machen. Die scheiterte aber just zweimal an der 5%-Hürde.

Nur 12% der Wähler finden die CDUCSU-Bürgergeld-Kürzungen zu streng. Soziale Grausamkeiten sind populär.

[…]     Eine große Mehrheit findet strengere Sanktionen in der Grundsicherung richtig. [….] Auf das Bürgergeld folgt im Sommer die Grundsicherung. Aber nicht nur der Name wird geändert. Auf die etwa 5,5 Millionen Leistungsbezieher kommen strengere Regeln zu. Die Reform der schwarz-roten Koalition sieht unter anderem vor: Wer die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter verweigert, muss deutlich stärkere Kürzungen hinnehmen als bisher. Die aktuelle MDRfragt-Umfrage zeigt: 79 Prozent der mehr als 22.000 Teilnehmenden aus Mitteldeutschland halten solche strengeren Sanktionen in der neuen Grundsicherung für richtig, um Menschen in Arbeit zu bringen.

Eine geplante Regel für die neue Grundsicherung lautet: Wer arbeiten könnte und sich trotz drei Aufforderungen nicht beim Jobcenter meldet, soll gar kein Geld mehr bekommen. 82 Prozent der Befragten halten diese Härte in der geplanten Grundsicherung für angemessen. Außerdem sollen Mütter und Väter nach Geburt schneller als bisher wieder nach Arbeit suchen müssen: 70 Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden halten diese Regel für angemessen. Und noch eine neue Härte in der Grundsicherung war Thema in unserer Umfrage: 74 Prozent befürworten die geplante Obergrenze für Mietzahlungen.  [….]

(MDR, 11.03.2026)

Ich wünschte wirklich, es wäre anders. Aber Neid und Missgunst sind in einer riesigen Mehrheit so verbreitet, daß eine SPD mit einem Plädoyer für mehr soziale Leistungen nichts gewinnen kann.

Die weltpolitische Lage lässt aber ohnehin keinen Spielraum für Koalitionskabale. Das schmerzt mich am meisten, weil ich die von Weimer, Spahn, Merz, Reiche, Wadephul, Söder eingeschlagene ökonomische und Energie-politische Richtung für absolut fatal halte.

[….]  Wegen der globalen Lage mit dem Krieg in Iran und der sich anbahnenden massiven Wirtschaftskrise zeigten sich beide SPD-Chefs aber manövrierunfähig. „Wir werden nicht die zweitgrößte Regierungspartei in ein Chaos stürzen und in einen Prozess gehen, wo wir uns um uns selbst drehen und uns nicht um das Land kümmern“, sagte Klingbeil. [….]

(Cem-Odos Gueler, 23.03.2026)

AUCH RICHTIG!

Klingbeil und Bas haben im Moment einfach nicht den Handlungsspielraum, den mancher aus dem wütenden erweiterten RRG-Influencer-Lager anmahnt!

 Mit 16% kann man gegen eine übermächtige CDUCSU (das war der Wählerwille!) nicht 100% des SPD-Wahlprogramms durchsetzen.

Man kann mit den Nazis ante portas auch nicht die Regierungskoalition verlassen, weil die Bundesregierung dann noch viel weiter nach Rechtsaußen rücken würde.

Man kann angesichts der dramatischen Weltlage mit zwei Kriegen, die massive Auswirkungen auf uns haben, nicht rechtfertigen, die deutsche Regierung lahm zu legen.

Es ist ein absoluter Clusterfuck, in dem die SPD nur verlieren kann.

Konnotationen

Das war heute ein richtiger Scheiß-Tag für ein SPD-Mitglied. Mal wieder.

1.   […] Mit nur 52 Jahren ist der Fürther SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Träger gestorben. Träger war Staatssekretär im Umweltministerium. Der Politiker sei am Samstag im Skiurlaub in Österreich kollabiert und in ein Krankenhaus in Innsbruck gebracht worden, wo er gestorben sei, […]  Träger hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder.

Wir sind tief erschüttert«, teilte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch mit . »Carsten Träger war Umweltpolitiker mit Leib und Seele, ein leidenschaftlicher Sozialdemokrat und ein warmherziger Mensch. Sein Tod reißt eine Lücke, die nicht zu füllen ist. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seinen beiden Töchtern.«  [….]

(SPON, 22.03.2026)

2.   [….] [Dass] der Grünen-Politiker Dominik Krause [….] den nach einer Affäre um nicht genehmigte Nebentätigkeiten strauchelnden Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geschlagen hat, darf als Zäsur in München gelten.  [….]

(Heiner Effern, 22.03.2026)

3.   […] SPD verliert die Landtagswahl: Der Schniedergang der SPD

Die Sozialdemokraten verlieren in Rheinland-Pfalz deutlich gegen die CDU von Gordon Schnieder. Die herbe Niederlage dürfte auch im Bund nachhallen.  […]

(Taz, 22.03.2026)

Punkt 1 hat nichts mit Parteipolitik zu tun, Punkt 2 ist ebenfalls nicht der Bundes-SPD anzuhängen, sondern wurde wesentlich von den Eseleien Reiters verursacht, wie er selbst klar formuliert.

 Außerdem freue ich mich natürlich, daß Söder nun in seiner bayerischen Hauptstadt ständig auf einen jungen, schwulen, grünen Bürgermeister trifft, wenn es offiziell wird.

Aber Punkt 3 bereitet mir schwere Bauchschmerzen. Die Mainzer Umfragen waren eindeutig. Grüne, FDP und Linke hatten keinerlei Machtoption; sie würden garantiert nicht (mehr) der nächsten Landregierung angehören. Eine Groko war sicher und eine Groko wird es auch. Die einzige Frage, die von taktisch denkenden Wählern entschieden werden konnte, war aber keine Kleine: Wer wird Ministerpräsident; Schweitzer oder Schneider? Damit untrennbar verbunden war das Signal an die Berliner Bundesregierung in dieser womöglich entscheidenden Phase der Staates Deutschlands. Spielen wir weiter eine Rolle unter den Industrienationen des Globus, indem wir den Schritt in die Moderne gehen und die Realität anerkennen?  Oder stürzen wir uns in die Fake News der Fossillobby, setzen auf Gas-Importe, Verbrennermotoren, würgen die Erneuerbaren ab und zerstören unweigerlich die ökonomische Existenz Deutschlands? Setzen wir mehr auf Diskriminierung und Misogynie?

Die Wähler in Rheinland-Pfalz antworteten klar.

Deutliche absolute Mehrheit für den schwarzbraunen Fossillobbyblock! Westdeutsches Rekordergebnis für die Nazis; plus elf Prozentpunkte.

[…] Als Gordon Schnieder am Sonntagabend vor seine Parteifreunde tritt, hört er kaum auf zu grinsen. „Die CDU Rheinland-Pfalz ist wieder da!“, ruft er. „Die Menschen haben den Wechsel gewählt“, sagt Schnieder, und er verspricht, dass sich wirklich etwas ändern werde, in der Sicherheits- und in der Wirtschaftspolitik zum Beispiel.   

Bis zuletzt hatte die SPD, die in den Umfragen zurücklag, auf einen Effekt wie in Baden-Württemberg gehofft, wo sich im Fotofinish der deutlich beliebtere grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir gegen seinen CDU-Kontrahenten durchsetzte. In Rheinland-Pfalz hatten die Sozialdemokraten schließlich schon öfter Rückstände aufgeholt. Und in Umfragen zur Beliebtheit schnitt Noch-Ministerpräsident Alexander zuverlässig besser ab als sein Herausforderer Gordon Schnieder.  […]

(SZ, 22.03.2026)

Schämt Euch, RPler! Es ist schon lange klar: Die Wähler erteilen Klimaschutz und Zukunft eine Absage.

Der Urnenpöbel ist hoffnungslos verblödet. Und so gibt es auch heute Jubel bei der CDU-Mainz, im Konrad-Adenauer-Haus und im Kanzleramt.

Nach DER Performance von Spahn, Weimer, Reiche, Merz!

Nach dem total irrsinnigen Gasheizung- und Verbrennerkurs!

Nach der beispiellosen Peinlichkeitskette aus den C-Ministerien.

Nachdem die Merz-CDU Deutschland klar in den Untergang führt.

Die Wähler sagen dazu: Mehr davon!

Wir erleben weltweit wie durch rechtsradikale Propaganda die Bedeutung von Begriffen in ihr Gegenteil pervertiert werden. So sind firmiert eine tödliche Ideologie unter „pro Life“.

Der Begriff „Gut-Mensch“ wurde zum Schimpfwort.

Die SPD wird aus dem erweiterten RRG-Influencer-Lager mir Abscheu und Empörung bedacht, weil sie „staatstragend“ und auf „Realo-Kurs“ wäre, sich für „das kleinere Übel“ entscheide.

Es stimmt sogar. Nicht nur SPD-Abgeordnete handeln realistisch und staatstragend, sondern auch ihre Wähler denken vernunftorientierter als Grüne und Linke. Das zeigte sich, als vor zwei Wochen viele Sozis für die Grünen stimmten. Ich hatte es ausdrücklich befürwortet, obwohl ich wirklich von dem rechten Duo Özdemir/Palmer abgestoßen bin. Aber Sozis sind bereit, ihre Partei-Interessen hintan zu stellen, wenn es um etwas wichtigeres geht; in diesem Fall, den Sexisten Hagel verhindern und Merz die Rote Karte zeigen.

Grüne denken offenkundig Partei-egoistischer und halfen Schweitzer eben nicht, den CDU-Mann zu verhindern, obwohl sie selbst nichts gewinnen konnten.

„Staatstragend“ zu sein ist etwas Gutes! Es ist etwas Gutes, „realistisch“ zu sein, statt einer „Nach mir die Sintflut“-Ideologie zu frönen, die kurzfristig das eigene Gewissen umschmeichelt, aber dafür Schwarzbraun den Boden bereitet.

Wer ernsthaft glaubt, es mache keinen Unterschied, ob Merz mit der SPD regiere, oder Spahn mit der AfD, muss nur den CDUCSU-SPD-Koalitionsvertrag mit den Parteiprogrammen von CDU, CSU und AfD vergleichen, sich den sagenhaften Unsinn anhören, den Martin Huber heute von sich gibt.

Ohne die SPD stünde Deutschland heute wesentlich schlechter da.

Die „Kleinen“ würden es wesentlich in ihrem Portemonnaie merken. Cannabis-Legalisierung, Selbstbestimmungsrecht, doppelte Staatsbürgerschaft wären Geschichte. Die CDU wollte sogar deutsche Staatsbürgerschaften wieder entziehen. Nicht zu machen mit der SPD. Der Solidaritätsbeitrag blieb gegen den Willen der CDUCSU.

Samstag, 21. März 2026

Merkwürdige Ansichten – Teil II

Freunde meine Eltern hatten bei der Pleite der Herstatt-Bank im Jahr 1974 alle ihre Ersparnisse verloren. Darum wurde mir in den 1980ern bei der Eröffnung meines ersten eigenen Kontos dringend nahegelegt, zur Deutschen Bank zu gehen. Die möge nicht besonders sympathisch sein, aber dafür könne sie nicht Pleite gehen und das Sparbuch wäre sicher.

Ja, die Deutsche Bank war skandalaffin, aber hatte sich durch den Aufkauf anderer Banken auf der ganzen Welt so enorm vergrößert, daß sie ganz oben mitspielte.

Heute steht die Deutsche Bank nach Bilanzsumme (1,4 Billionen Dollar) weltweit an 28. Stelle, die Commerzbank kommt mit 596 Milliarden Dollar an 61. Stelle, nachdem sie eine ganze Reihe von Konkurrenten wegfusioniert hatte:
2003 Übernahme der polnischen BRE Bank.

2004 Teilübernahme der Schmidtbank

2007 Übernahme der Ukrainischen Bank Forum

2008 Übernahme Dresdner Bank

Dennoch, die internationale Finanzwelt wird von den nicht gerade für ihre demokratischen Werte bekannten chinesischen und US-amerikanischen Instituten dominiert.

Durch die europäische und markwirtschaftliche Brille betrachtet, wäre es also wichtig, wenn sich europäische Finanzhäuser zusammenschließen, um nicht von den ganz Großen verschluckt zu werden. Schließlich wurden auch die dicksten deutschen Banken, durch Übernahmen groß.

Aktiv in dieser Hinsicht agiert seit einigen Jahren die italienische Unicredit, Nr. 44 in der Welt einer Bilanzsumme von gut einer Billion Dollar (870 Milliarden Euro).

Ihr Chef Andrea Orcel, 62, ist ein helles Köpfchen, das geschickt seine Trümpfe ausspielt.

[….] Für einen Moment meint man, Andrea Orcel förmlich Luft holen zu hören, als er am Mittwochmorgen auf einer Branchenkonferenz in London nach seinen Übernahmeplänen für die Commerzbank gefragt wird. Dann aber erklärt der Chef der italienischen Großbank Unicredit den Zuhörern – cool wie immer –, was er sich wohl dabei gedacht hat, als er Anfang der Woche doch recht überraschend ein freiwilliges, für die Aktionäre jedoch wenig attraktives Übernahmeangebot für die zweitgrößte deutsche Privatbank angekündigt hat.

Er wolle die „Pattsituation mit der Commerzbank durchbrechen“ und, sofern das konstruktiv verlaufe, „gemeinsam Ziele“ formulieren, um seinen Anteil von derzeit rund 29 Prozent auf irgendwas jenseits von 30 Prozent zu erhöhen. Es gehe darum, Missverständnisse auszuräumen, rote Linien auszuloten und generell jene „Angst“ zu verringern, die auf beiden Seiten durch Fehlinterpretationen entstanden sei. Orcel spricht Englisch, benutzt aber tatsächlich das deutsche Wort „Angst“ und klingt dabei wie ein Paartherapeut.

Noch immer scheint Orcel darauf zu hoffen, die inzwischen als feindlich eingestufte Übernahme doch noch in eine freundliche zu verwandeln. Das kommt in solchen Konstellationen durchaus vor: Die eine Seite sträubt sich, um das Maximum herauszuholen, ehe sie dann doch konstruktiv verhandelt. Auch das ist hier nicht ausgeschlossen.  [….]

(Meike Schreiber, 18.03.2026)

Es gibt aber einen Sauerländer Piefke, der nicht in der Lage ist, europäisch und strategisch zu denken, sondern von nationalistischem Mief geprägt ist.

Er mag nur, wenn deutsche Unternehmen andere europäische Unternehmen aufkaufen und bekommt ganz schlechte Laune, wenn andere Europäer sich für deutsche Firmen interessieren.

[…] Bundeskanzler Merz hat sich gegen die Pläne der italienischen Unicredit ausgesprochen, die Frankfurter Commerzbank zu übernehmen.

Er teile die Ansicht von Finanzminister Klingbeil, dass ein unabgestimmtes und unfreundliches Vorgehen wie das der Unicredit Group nicht akzeptabel sei, schrieb Merz in einem Brief an den Betriebsratsvorsitzenden der Commerzbank, Uebel. Das gelte besonders, wenn es sich um eine systemrelevante Bank handle.  [….]

(DLF, 03.07.2025)

Ein markwirtschaftlich völlig verrückte Position, die antieuropäisch ist und den ganz Großen in China und den USA in die Hände spielt.

Wir sollten froh sein, wenn EU-Banken sich konsolidieren und sich stärker aufstellen.

[….] Was will die UniCredit überhaupt mit der Commerzbank?

Die UniCredit ist die größte Bank Italiens und hat im deutschen Markt mit der Münchner HypoVereinsbank (HVB) bereits ein Standbein. Käme nun noch die Commerzbank hinzu, könnte sie einen starken europäischen Finanzkonzern formen, der es mit den mächtigen US-Geldhäusern aufnehmen kann. Das jedenfalls ist Orcels Credo seit September 2024. Dass der gewiefte Investmentbanker durchpauken kann, was er sich in den Kopf gesetzt hat, hat er oft genug bewiesen in seiner Karriere.  [….]

(Tim Bartz, 16.03.2016)

Welcher Schlaumeier hatte es eigentlich Orcel ermöglicht an die 30%-Schwelle der Commerzbank-Aktion zu kommen, ab der das deutschen Aktienrecht ein offizielles Pflichtangebot an die restlichen Shareholder erzwingt?

[….] Zur ganzen Wahrheit gehört indes auch, dass die vorherige Bundesregierung, damals also noch die Ampelkoalition, im Commerzbank-Drama eine mindestens unglückliche Rolle gespielt hat. Als der Bund im September 2024 rund 4,5 Prozent seiner Anteile über Nacht am Markt platzierte, stand die UniCredit Gewehr bei Fuß und nahm das gesamte Paket – ein Umstand, den man in Berlin offenbar nicht vorausgesehen hatte und der dem Bund nicht genehm war. Zumal sich die Italiener vorher heimlich am Kapitalmarkt weitere Commerzbank-Aktien gesichert hatten.  [….]

(Tim Bartz, 16.03.2016)

Welcher Depp war damals Finanzminister?

Freitag, 20. März 2026

Merkwürdige Ansichten.

Die Medien sind dermaßen voll mit Interviews von „Wutbürgern an Tankstellen“, daß ich schon zwei Wochen mit Sorge auf meine nah der Reserve liegende Nadel der Tankanzeige gucke.

Normalerweise tanke ich immer schon, wenn mein Auto noch halbvoll ist, weil ich es nicht leiden kann, in die Bredouille zu kommen. Gestern Abend war es dann soweit; aber es lief völlig glimpflich. Keine Presse an der Zapfsäule, kein Mikrofon im Gesicht, keine Schlange. 46 Liter Super E5 rein, 100 Euro bezahlt, weg.

A posteriori bedauere ich es ein bißchen, kein Mikro von Radio Hamburg oder RTL-Regional vor der Nase gehabt zu haben: „was sagen Sie zu den hohen Sprit-Preisen?“

Denn ich hätte ohne jede Ironie voller Ernsthaft geantwortet: „Ich finde es prima! Allerdings sollten die Preise noch mindestens doppelt so hoch werden!“

Schließlich findet bisher keinerlei Lenkungswirkung statt. Es wird mehr mit dem Auto gefahren denn je, mehr Benzin verkauft, denn je.

[….] Der Verbrauch von Benzin und Diesel ist 2025 nicht wie erhofft gesunken, sondern leicht gestiegen. Der Straßenverkehr verursachte damit offenbar erstmals so viele Treibhausgase wie die gesamte Industrie.

 Um die Erderhitzung auszubremsen, muss der Verbrauch klimaschädlicher Kraftstoffe zurückgehen. Doch 2025 ist der Absatz von Benzin und Diesel in Deutschland sogar wieder gestiegen - um etwa ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigen vorläufige Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, einer Gruppe aus Wirtschaftsverbänden und Instituten, die den Energieverbrauch in Deutschland auswertet.  Autos, LKW, Busse und Motorräder waren damit im vergangenen Jahr für rund 142 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich - etwa genauso viel wie die gesamte Industrie in Deutschland. Es sei dringend eine Trendwende notwendig, damit Deutschland wie vereinbart bis 2045 klimaneutral werden könne, sagt deshalb Wiebke Zimmer, stellvertretende Direktorin der Organisation Agora Verkehrswende.  […]

(Tagesschau, 29.01.2026)

Natürlich, ich befinde mich in einer bequemen Situation. Die 100 Euro für die Tankfüllung tangieren mich nicht besonders, weil ich nur zwei Mal im Jahr tanke.  Das Auto ist uralt, längst abgezahlt, ich fahre auf der niedrigsten Schadensfreiheitsrabatt-Stufe und schaffe kaum mal mehr als 1.000 km im Jahr.

Deswegen wäre es nicht ökologisch, den Bau eines 1,5 Tonnen schweren Stromers zu bezahlen. Bei meiner minimalen Fahrleistung, amortisiert sich der ökologische Fingerabdruck nie. Das Haus, in dem ich wohne wird mit Fernwärme geheizt, selbstverständlich beziehe ich 100% erneuerbaren Wind-Strom von Greenpeace und ich bin in diesem Jahrtausend noch nicht ein einziges mal geflogen oder mit dem Schiff gefahren. Fuck you, Fossillobby.

Und die armen Pendler, die auf ihr Auto angewiesen sind? Bin ich ihnen gegenüber zu arrogant?


[….] Mir ist der Krieg gegen Iran keineswegs egal, seine Auswirkungen auf die Energiepreise aber schon. Öl und Gas spielen bei meinen Haushaltskosten keine Rolle. Das klingt privilegiert, doch auch Sie können etwas tun.   [….] Ich finde es angenehm, dass zu unserem Haus keine Leitung führt, die ein flüchtiges, extrem brennbares Gift enthält, an dem man ersticken kann. Mir ist völlig klar, dass das überwiegend irrational ist, denn Gasunfälle sind in Deutschland recht selten. Aber mal ehrlich: Haben Sie schon mal von einer Wärmepumpenexplosion gehört? Oder davon, dass eine ganze Familie nachts  wegen einer kaputten Wärmepumpe erstickt ist? Ich auch nicht.  [….]  Meine Familie und ich leben, energetisch betrachtet, in der Zukunft: Wenn die menschliche Zivilisation die Klimakrise überleben soll, dann werden bald alle so leben müssen wie wir. Vollständig elektrifiziert, versorgt mit Energie von der Sonne.  [….] Knapp 44 Prozent der Deutschen lebten 2022 in selbstgenutztem Wohneigentum . All diese Menschen treffen permanent private Investitionsentscheidungen. [….] Noch 2022 wurden in 28 Prozent  der neu gebauten Wohneinheiten Gasheizungen als primäre Wärmequellen verbaut. Seit 2022, seit Russlands Angriff auf Kyjiw also, wurden in Deutschland weitere zwei Millionen Gasheizungen verbaut . [….] Deutsche Autokäufer zahlten 2025 durchschnittlich über 44.000 Euro für einen Neuwagen. Dieselfahrzeuge sind im Schnitt sogar teurer als Elektroautos. Und trotzdem waren nur 19 Prozent der in Deutschland 2025 verkauften Wagen rein batterielektrisch. Die Leute entscheiden sich sehenden Auges für das Falsche, Giftige, Teure, Gefährliche, geopolitisch Problematische. Kommen Sie mir also bitte nicht mit der armen Krankenschwester auf dem Land. Bei sehr vielen Deutschen liegt es keineswegs am Geld. [….]

(Prof. Christian Stöcker, 08.03.2026)

Eine Woche vor der Landtagswahl im Baden Württemberg, erschien im SPIEGEL eine Reportage über die Stimmung unter den vielen Angehörigen der Autobau- und Zulieferer-Industrie. Wieso wählen diese seit Jahrzehnten vom Erfolg verwöhnten und gut verdienenden Menschen rechts?

Schon vor Trumps Irankrieg schimpften die Reichen Schwaben über die Benzinpreise

[….] Die Automobilbranche in Deutschland ist vom Erfolgskurs abgekommen, sie schlingert und verliert an Tempo, wo sie beschleunigen müsste. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als am Geburtsort des modernen Automobils. In Baden-Württemberg hängen direkt und indirekt knapp eine halbe Million Arbeitsplätze am Auto.  [….]

(Christine Keck, 28.02.2026, DER SPIEGEL 10/2026)

Wäre es nicht gerade an den wohlhabenden Cleverles, sich rechtzeitig zu Stromern umzuorientieren?

Technisch sind wir so weit. Viele Deutsche sind auch reich genug, sich aus den Krallen der Fossillobby zu lösen.

Aber die Propaganda der rechten Medien und der toxischen CDUCSUAfD-Politik ist so stark, daß sich die Verbraucher von Ideologie und Unwissenheit treiben lassen.

Fragt man die genervten Pendler, wieso sie nicht auf E-Autos umsteigen, hört man „das ist nichts für mich.“

Man muss die Menschen zu ihrem eigenen Glück, zu ökologischer Vernunft, zum Klimaschutz zwingen. Mit Freiwilligkeit wird das nichts, weil die Fossil-Cheflobbyistin Reiche viel zu toxisch agiert.

[…] Die Wirtschaftsministerin will für neue Ökostrom-Anlagen den Zugang zu knappen Stromnetzen verteuern und die Vergütung für private Solarzellen kappen. Kommt die Energiewende ins Straucheln? [….]

(Michael Bauchmüller, 20.03.2026)

Benzin ist viel zu billig.

Es dürfen nicht mehr zig Milliarden Steuergelder den Verbrauch fossiler Energie subventionieren.

[…] Vermutlich muss Sprit noch viel teurer werden, bis es auch der letzte Autofahrer merkt, dass er sich nur mit einem Stromer von der Ölmafia lösen kann. […] Sorry, liebe Wutbürger: Auch wenn der Preishammer an den Tankstellen vielen und gerade den sozial Schwächeren wehtut – die Spritpreise sind in Deutschland einfach noch viel zu niedrig. Das ist keine grünversiffte Illusion, das ist Klimaschutz und die einzig mögliche Antwort auf eine bereits weit vorangeschrittene Verkehrswende.

Donald Trump führt die USA gerade in den zweiten Kriegsschlag ums Öl – seit Jahresbeginn. Die beste Versicherung gegen die Abhängigkeit von den Fossilen sind E-Autos. Sie helfen dem Klima, schaffen Jobs und schützen uns vor fossilen Oligarchen. Wer jetzt schon mit grünem Strom fährt, ist gegen die Flummibewegungen der neuen Geopolitik ganz gut gefeit. Der Preisschock an den Zapfsäulen durch den Iran-Krieg belastet die Fahrer*innen von Benzinautos fünfmal so stark wie jene von Stromern.

Alle E-Autos weltweit sparen heute schon zwei Drittel des Öls ein, das durch die Straße von Hormus transportiert wird. Außerdem werden sie preislich immer attraktiver gegenüber Benzinern. Doch EU und Bundesregierung setzen auf ein ökologisches Rollback. […]

(Kai Schöneberg, 17.03.2026)

Kommen wir jetzt endlich mal zu einem Ende?

Das mit dem Eskapismus; einfach keine Nachrichten mehr gucken; klappt bei mir leider so gar nicht, obwohl mir der/die/das News-Fatigue tief in den Knochen sitzt. Aber ich kann nicht anders. Ich bin ein Politik-Nerd. News Avoidance ist für mich keine Option; das wäre zu sehr wider meine Natur.

Die permanente Eskalation, die tägliche Verschlimmerung der Lage, obwohl man ständig denkt, JETZT haben wir aber Rock Bottom erreicht; noch irrer kann Trump nicht sein, noch verblödeter kann sich Merz nicht anstellen, noch tiefer kann die SPD nicht in den Umfragen abstürzen, noch dreister kann Reiche nicht die Fossillobby hofieren, noch widerlicher kann die AfD nicht mehr werden.

David Pakman erzählt seit gefühlt zehn Jahren in seinen täglichen Videos, wie schockierend der kognitive und physische Verfall Trumps ist. Und er liefert schließlich immer die Belege, die nur zu einem Schluss führen können: Jetzt ist er endgültig durchgedreht, jetzt müssen sich die GOPer von ihm distanzieren, jetzt muss er in den Knast oder in ein Irrenhaus.

Aber dann passiert stattdessen …. gar nichts … und am nächsten Tag unterschreitet Trump seinen Niveau-Tiefpunkt ein weiteres Mal.

Nach den empirischen Daten der letzten zehn Trump-Jahre wäre es absurd, immer noch auch Trumps politisches Ende zu hoffen, auch wenn es jeder rationalen Erwartung widerspricht. Aber dieser Mann ist moralisches Teflon; für ihn gilt nichts, was seit Jahrhunderten gewiss war. Wir müssen inzwischen ernsthaft einkalkulieren, daß er nicht nur das Kennedy-Center und das Weiße Haus niederreißt, sondern die Grundfesten der Demokratie: Freie Wahlen, unabhängige Justiz, Pressefreiheit, wissenschaftliche Fakten, Grundrechte – er wird alles zertrümmern, bis nichts mehr übrig bleibt.

Ob Fritze Merz, Giorgia Meloni oder heute Sanae Takaichi  - man kann Trump noch so sehr einhegen, umschmeicheln, abküssen: Niemand ist sicher.

Jeder kann jederzeit von ihm mit einem gewaltigen Tritt in den Hintern niedergestreckt werden. Es gibt kein Auswegszenario, welches man überleben könnte.  

Aber immerhin, der endgültige Ausweg des Homo Sapiens aus der terranischen Fauna, scheint inzwischen greifbar.

Bibi, Donny und Putin rühren da gerade einen geotoxischen Alptraum zusammen – Ukraine/NahOst/Kuba – den wir mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht überleben.  Der Wahnsinn galoppiert. Die USA zetteln einen Großkrieg an, dessen geopolitischen Folgen sie nicht ansatzweise bedacht haben, stecken jetzt schon in der totalen Sackgasse und winden sich heraus, indem sie Kriegskassen Chameneis und Putins füllen.

[….] Bessent erwägt Lockerung der Sanktionen gegen iranisches Öl

Angesichts der angespannten Lage auf dem internationalen Ölmarkt hat US-Finanzminister Scott Bessent teilweise Lockerungen von Handelsbeschränkungen für iranisches Öl in Aussicht gestellt. „In den kommenden Tagen werden wir möglicherweise die Sanktionen gegen iranisches Öl aufheben, das sich derzeit auf See befindet“, sagte er dem US-Sender Fox Business. Dabei handele es sich um etwa 140 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter).

Bessent zufolge entspricht die schwimmende Ölmenge einem Vorrat von 10 bis 14 Tagen, der ansonsten nach China gegangen wäre. Dabei betonte er, dass iranisches Öl weiterhin aus dem Persischen Golf heraus nach Indien und China exportiert werde. China und Indien sind die wichtigsten Abnehmer des Rohstoffs aus Iran.

Mit der Aufhebung von Sanktionen für bereits im Transport befindliches Öl aus Iran versuchen die USA, die steigenden Preise für den Rohstoff unter Kontrolle zu bekommen. Zuletzt hatten sich Öl und Gas infolge des Iran-Kriegs deutlich verteuert. [….]

(SZ, 19.03.2026)

Eine Menschheit, die es nicht schafft, einen solchen Typen wie Trump von der mächtigsten Position (unter 8,5) Milliarden Individuen fernzuhalten, hat es auch wirklich nicht verdient, zu überleben.