Freitag, 13. März 2026

Schatten aus der Vergangenheit

Atheist war ich von Geburt an, weil jeder Mensch als Atheist geboren wird.

Die lokale religiöse Ideeologie wird Kindern erst durch ihre Eltern aufgezwungen.

Kinder, die zufällig im Oman oder Saudi-Arabien geboren werden, macht man zu Muslimen. Malteser oder Philippinos zu Katholiken und wer das Licht der Welt in einer israelischen Siedlung im Westjordanland erblickt, wird als orthodoxer Jude gelistet. Es handelt sich um religiöse Zwangsrekrutierungen. Diesen Mitgliedschaften entkommt man nicht so leicht. Eine Taufe ist genauso wenig rückgängig zu machen, wie eine Genitalverstümmelung.

Ich hatte das Glück, nach meiner Geburt Atheist zu bleiben, weil meine Eltern schon Atheisten waren, die mich nicht taufen ließen.

Im Laufe meines Lebens, kam es zu einigen Eskalationsstufen, die mich in radikale Opposition zu Christentum und Kirche brachten.

Skeptisch wurde ich schon als kleineres Kind, weil ich meine Oma sehr liebte, die aber eine verkrümmte linke Hand hatte, weil sie als Linkshänderin als kleines Mädchen von den Pfaffen immer wieder Stockhiebe auf die Finger erhielt. Man wollte ihr die teuflische Linkshändigkeit austreiben. Der Teufel ist links.

Etwa 14 Jahre nach der Geburt zündete die nächste Stufe, als ich den Konfirmandenunterricht besuchte, der mir von Mitschülern als perfekte Geldquelle angepriesen wurde. Ein paar Wochen Langweile nachmittags beim Pfaff und dann dicke Geld-Umschläge bei der Konfirmation. Ein auch Ungetauften zugänglicher Weg; da man bei der Konfirmation auch unmittelbar vorher noch getauft werden können – alles in einem Abwasch.

(….) Ich wollte wissen was es mit der Bibel und dem Glauben auf sich hatte, konnte mir aber kein Gehör verschaffen, weil allen anderen Konfirmanden schon ab der ersten Stunde ausschließliche diskutierten wie sie ihre zukünftigen Reichtümer, die es zur Konfirmation hageln würde, zu verprassen gedächten.

Der Lehrer war desinteressiert, die Schüler waren desinteressiert.

Der einzige, der sich tatsächlich für die Kirche und ihre Bedeutung interessierte war ich. Und ich fragte.  Das gefiel dem Gemeindehelfer gar nicht. Ich solle an Gott glauben und ihn nicht hinterfragen.

Einige Wochen später erhielt meine Mutter einen Anruf von Pfarrer M. Ihr Sohn sei für den Konfirmandenunterricht ungeeignet, weil er alles hinterfrage.

So schnell kam also das „Aus“ für meine Kirchenkarriere.

Immerhin hatte der Pastor damals eine richtige Eingebung.

Ich tauge wirklich nicht dazu blind Dogmen zu folgen. (…)

(Es soll halt nicht sein, 13.07.2016)

Wenige Jahre später; so etwa im Oberstufen-Alter traten ein halbes Dutzend hochgradig abstoßende katholische Top-Kleriker in mein Leben, die mir den politischen Aspekt der Religion nahebrachten. Ich lernte die ungeheuren Privilegien der Kirchisten kennen, ihre Finanzströme, den exklusiven Zugang zu Regierungen, die massive Einmischung auf Bildungs- und Gesundheitssysteme, ihre homophobe, misogyne Propagandamacht. Ich begann, mein Umfeld darüber aufzuklären, wieso der Staat als Inkassounternehmen die Kirchenmitgliedsbeiträge eintreibt und wir Steuerzahler Bischofsgehälter und Theologenausbildung finanzieren. Meine Kronzeugen und Posterboys waren der Kurt Krenn (1936-2014), Hans Hermann Groër (1919-2003), Johannes Dyba (1929-2000), Johannes Joachim Degenhardt (1936-2002), Joseph Höffner (1906-1987) und Walter Mixa (*1941).

Mixa

(….) Viel Aufklärung erfuhr ich in der Prä-Wendezeit, als Lea Rosh ihre legendären monothematischen „Freitagsnacht“-Talkshows zum Thema Kirche machte.

Da lernte man drei Menschen wirklich kräftig zu hassen: Den stets bis zum Bersten vollgefressenen, immer breitbeinig im Sessel rumlümmelnden Weibischof Krenn, die ZdK-Aktivistin Rita Waschbüsch (CDU) und eben jene evangelische Fundamentalistin Elisabeth Motschmann, geborene Elisabeth Charlotte Baronesse von Düsterlohe.

Die Theologin ist Mitglied des Kuratoriums der Lebensrechtsbewegung „Stiftung Ja zum Leben“ und agitiert leidenschaftlich gegen sexuelle Selbstbestimmung, Feminismus und selbstverständlich auch die Homoehe.

Wer sich schon in einem ähnlich greisen Alter wie ich befindet, wird sich vermutlich an die ersten monothematischen Talkshows erinnern, die es in den deutschen dritten Fernsehprogrammen gab.
Meiner Ansicht nach sind die besten religionskritischen Sendungen überhaupt Lea Roshs „Freitagnacht“-Ausgaben (ab 1988 auf SFB) gewesen.
Interessanterweise übernahmen den Part der Kirchen-Basher die Religiösen selbst, die in ihrem bräsigen Allmachtswahn gar nicht merkten, wie sie sich lächerlich machten.  Damals lernte ich Medienikonen wie Kurt Krenn kennen.


Für immer in Erinnerung wird mir bleiben, daß sich Jutta Dithfurth einst zurücklehnte und sinngemäß sagte:

 „Lieber Bischof, so wie sie reden fügen sie der Kirche schweren Schaden zu und vertreiben die Mitglieder. Ich möchte dazu gar nichts weiter sagen, da mir das sehr recht ist!"

 
Eine besonders oft auftauchende Gästin war eine damals phänotypisch 79-Jährige verhärmte Hardcore-Protestantin namens Elisabeth Motschmann mit Topffrisur und Sprachfehler.(….)
(Zurück in die Vergangenheit, 10.05.2015)

Die nächste Eskalationsstufen erfolgte 2002, als das, was sehr gut informierte Kirchenkritiker immer wußten (Kardinal Groërs sexuelle Attacken auf kleine Jungs waren seit 1995 publik) schließlich aus den USA auf die Titelzeilen drang.

[….] 2002 machte der „Boston Globe“ öffentlich, dass im Erzbistum Boston Tausende Kinder und Jugendliche missbraucht worden waren, allein gegen einen Priester lagen 200 Beschuldigungen vor. Die Bistumsleitung hatte die Geistlichen versetzt und versucht, Gerichtsakten unter Verschluss zu halten. Der Erzbischof von Boston trat 2002 zurück. 2009 veröffentlichte Irlands Regierung einen Bericht über sexualisierte Gewalt in katholischen Einrichtungen.  [….]

(DLF, 16.01.2020)

Die evangelischen und katholischen Bischöfe in Deutschland schwiegen und vertuschten weiterhin. Bis sie 2010 von den Canisius-Enthüllungen aufgeschreckt wurden und seither jedes deutsche Bistum als K1nders€x-El Dorado entlarvt wurde.

Anders als deutsche Bischöfe, hatte ich das Thema schon lange vor 2010 stets auf dem Schirm. Nicht durch Undercover-Recherche, sondern aus allgemein zugänglichen Quellen. Man konnte längst alles wissen, aber die Kleriker taten alles, um die K!d€rf!ck€r in ihren Reihen zu schützen, die Opfer weiter zu malträtieren.

(…..) In einem Interview hatte Bischof Bernardo Álvarez Afonso Homosexualität und Päderastie gleichgestellt und behauptet, dass Minderjährige nicht immer schuldlos an sexuellem Missbrauch seien:

"ES GIBT13-JÄHRIGE KNABEN, DIE DAS SOGAR WÜNSCHEN
WENN DU NICHT AUFPASST, PROVOZIEREN SIE DICH."

Das sind die Töne, die immer aggressiver werden und bei einer Massendemo von über 100.000 Katholiken gegen die sozialistische Regierung letzten Sonntag in Madrid zu hören waren. Schließlich sind Spaniens Katholiken fest in der Hand von ultrafundamentalistischen Theo-Cons um den einflussreichen Erzbischof von Madrid, Antonio María Rouco Varela.

Wir kennen das ja auch von deutschen Kardinälen:
Wenn Katholiken pädophil sind und kleine Kinder mißbrauchen sind nicht etwa sie selbst schuld sondern nach katholischer Lesart entweder die Opfer selbst, oder deren Mütter - wie es Kardinal Degenhardt erkannte:

„WENN JUNGE MÄNNER STÄRKER MIT DER PFLEGE VON KLEINKINDERN BETRAUT SIND UND DABEI NACKTE ENTBLÖSSTE KÖRPER STÄNDIG SEHEN; SIE BERÜHREN UND SAUBER MACHEN MÜSSEN, IST DIE GEFAHR GROSS, DASS SIE BEGIERDEN NICHT WIDERSTEHEN KÖNNEN. DER VIELE KÖRPERKONTAKT MIT DEM JUNGEN KINDE BEI DER PFLEGE WÜRDE IHNEN SICHER OFT ZUM VERHÄNGNIS WERDEN.
UND DESWEGEN STELLEN WIR FEST; DASS AUCH DIESE KONSEQUENZ; DASS VÄTER HAUSMÄNNER WERDEN, AUCH NEGATIVE ASPEKTE HAT!“  (…)

(Tammox, 07.01.2008)

(….)  Der berüchtigte Kardinal Groer konnte sich bekanntlich in seine Senilität flüchten, als er hoch in den 80ern sogar krebskranken Jungs im Krankenhaus in die Unterhosen griff.   Fällt die Option „Alzheimer“ als Entschuldigung aus, sind katholische Pädophile keineswegs genötigt Reue zu zeigen oder gar ehrlich zu sein.
Nein, dann kann immer noch bagatellisiert und verharmlost werden, wie es Bischof Krenn tat, als in seinem Priesterseminar 40.000 Pornodateien gefunden wurden und Bilder auftauchten auf denen zu sehen war, wie die angehenden Priester in prä-petting’schen Stellungen mit ihren Lehrern posierten.
Krenn bewertete dies als „Bubenstreiche“.
Bernardo Álvarez Afonso und Kardinal Degenhardt
wiesen die Schuld gleich den Opfern oder deren Müttern zu.
Verfolgt man den Blog „abusetracker“ sieht man, daß auch heute keinerlei Dreistheit gescheut wird, wenn Priester ihre Taten erklären.
Soeben erklärte der bereits fünfmal wegen pädophiler Übergriffe auf kleine Jungs angeklagte Priester Desmond Laurence Gannon in Melbourne, er habe einem 11-Jährigen nur ein paar „Anatomie-Stunden“ geben wollen, als er ihn wieder und wieder belästigte: (…)

(Tatmuster, 13.06.2009)

Wenn Katholiken pädophil sind und kleine Kinder mißbrauchen sind nicht etwa sie, die Täter, schuld, sondern nach katholischer Lesart entweder die Opfer, oder deren Mütter - wie es Kardinal Degenhardt erkannte:

[…] „Junge Frauen sind gleichberechtigt und fordern eine Beteiligung ihrer Männer an der häuslichen Tätigkeit ... Und da liegen die Gefahren für junge Männer, ... daß sie ihren Trieben nachher nicht mehr standhalten können. Wenn junge Männer stärker mit der Pflege von Kleinkindern betraut sind und dabei nackte, entblößte Körper ständig sehen, sie berühren und saubermachen müssen, ist die Gefahr groß, daß sie ihren Begierden nicht widerstehen können. Der viele Körperkontakt mit dem Kind bei der Pflege würde ihnen sicher oft zum Verhängnis werden. Und deswegen stellen wir fest, daß auch diese Konsequenz, daß viele Väter Hausmänner werden, auch negative Aspekte haben kann.“  […..]

(Kardinal Degenhardt 1994)

 Kaum ein deutscher Kleriker war so beliebt - ich zitiere Wikipedia über die Trauerfeier Degenhardts.

 Die Beisetzung im Hohen Dom zu Paderborn fand am 3. August 2002 in Anwesenheit von neun Kardinälen (Henrik Gulbinowicz (Breslau), Karl Lehmann (Mainz), Franticzek Macharski (Krakau), Joachim Meisner (Köln), Joseph Ratzinger (Rom), Leo Scheffczyk (München), Adrianus Simonis (Utrecht), Georg Sterzinsky (Berlin) und Friedrich Wetter (München)), über 60 (Erz-)bischöfen aus aller Welt und zahlreichen staatlichen Gästen statt. Allein der Einzug der zahlreichen Würdenträger in den Hohen Dom dauerte 20 Minuten.   Den größten Beisetzungsfeierlichkeiten, die Paderborn je in seiner Geschichte erlebt hat, stand als Legat von Papst Johannes Paul II. Joseph Kardinal Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., vor, kurz bevor dieser Dekan des Kardinalskollegiums wurde (27. November 2002). Eine unübersehbare Zahl von Gläubigen gab Degenhardt in dem vom Fernsehen live übertragenen Pontifikalrequiem das letzte Geleit. …

32 Jahre, nachdem ich das Degenhardt-Zitat aus dem SPIEGEL ausgeschnitten und an meine Küchenwand gepinnt hatte, holt es die RKK doch noch ein.

[….] Reinhold Harnisch, 1955 in Paderborn geboren, wurde laut eigenen Angaben über vier Jahre lang vom damaligen Leiter des Domchores, Walter Salmen, missbraucht. In der Krypta des Doms, »nahezu täglich« und »in jeder nur erdenklichen Weise«, wie er im Gespräch mit dem SPIEGEL sagt. Sein Fall fand anonymisiert Eingang in die Studie.  Die Übergriffe ereigneten sich demnach zwischen 1964 und 1967 – da war Harnisch neun, zehn, elf und zwölf Jahre alt. Seine Schilderungen, wie Sexualstraftaten im Erzbistum mutmaßlich verschwiegen und vertuscht wurden, sind erschütternd.

»Die Kirche hat meine Vorwürfe über Jahrzehnte abgestritten und verleugnet«, sagt Harnisch. Erzbischof Jaeger und sein Nachfolger Degenhardt hätten während ihrer Amtszeiten strikte Order gegeben, Missbrauchsfälle zu vertuschen. »Ich wurde von Priestern bedroht, man warnte mich, dass ich zu schweigen habe«, erinnert sich Harnisch.

»Wenn du Schweinereien gemacht hast, kommst du ins Heim«

Degenhardt selbst habe ihm in einem Gespräch gesagt, dass er »das personifizierte Böse« sei und nicht in seine Kirche gehöre. Ein Geistlicher aus dem Erzbistum habe ihm geraten, die Füße stillzuhalten: »Lassen Sie es, der Bischof würde Sie vernichten.«  [….]

(Annette Langer, 12.03.2026)

32 Jahre nach den ungeheuerlichen und öffentlichen Degenhardt-Worten zur Kinderpflege, hat nun auch sein Erzbistum, die reichste deutsche Diözese Paderborn, noch mal nachgeforscht. ÜBERRRASCHUNG, der beliebte Kardinal vergewaltigte mutmaßlich auch selbst kleine Jungs.

[…] Eine Studie deckt Missbrauchsfälle aus den Jahren 1941 bis 2002 auf. Mehr als 200 Geistliche haben sich an 489 Opfern vergangen. Der Sprecher einer Betroffenenvertretung äußerte den Vorwurf, dass ein ehemaliger Erzbischof mutmaßlich sexualisierte Gewalt einem minderjährigen Jungen angetan habe. […] Priesching bei der Pressekonferenz ein Interview mit einem Betroffenen schildert, wird es still. Sie erzählt, dass ein Betroffener ihr in einem Interview sagte, dass er anfing zu weinen und zu schreien, als ein Geistlicher vor ihm mastubierte. […] Die Zahlen der Betroffenen und Tätern ist deutlich höher als bisher angenommen. In der Zeit von 1941 bis 2002 gibt es Hinweise auf 210 Geistliche die sich an Kindern vergangen haben. 489 Missbrauchsopfer konnte die Studie ausmachen. "Das Dunkelfeld dürfte aber nochmal größer sein", sagt Priesching, weil sich wahrscheinlich nicht alle bei ihnen gemeldet haben.

Für die Studie hatten die Forschenden uneingeschränkten Zugang zu Kirchenakten und haben zahlreiche Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und kirchlichen Mitarbeitern geführt. In der Studie wurden die Namen der Täter anonymisiert.

Dass es in den Amtszeiten von Jäger und Degenhardt oft gar nicht erst zur Strafverfolgung gekommen ist, liege laut den Wissenschaftlerinnen nicht nur an untätigen Erzbischöfen. Die Kinder hätten oft gar nicht begriffen, was mit ihnen passiert sei und ihnen wurde wohl auch oft nicht geglaubt. […]

Es habe zwar zahlreiche Meldungen an die Erzbischöfe Jäger und Degenhardt gegeben. Die Geistlichen seien allerdings nur innerkirchlich bestraft worden, zum Beispiel durch Versetzungen. Degenhardt hätte außerdem oft Druck auf Betroffene und Familien ausgeübt, um Anzeigen zu verhindern. "Diese Vertuschungsspirale sorgte dafür, dass Täter ungestraft weitermachen konnten", sagt Priesching weiter. […] Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, hatte vor Veröffentlichung der Studie gegenüber dem WDR mitgeteilt, dass es laut ihm weitere Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Degenhardt gäbe. Schon mehrmals wurden Vorwürfe gegen Degenhardt erhoben. Diese wurden im Oktober 2025 von externen Sachverständigen als nicht plausibel eingeordnet.  […]

(WDR, 12.03.2026)

Mittwoch, 11. März 2026

Framing aus der Hölle

Was so richtig nervt ist, wenn Vereine es schaffen, die für sie typischen Missetaten, anderen aufzuframen.

Ausgerechnet die CDU, deren Kernkompetenz die Schmutzkampagne ist – „Rote Socken“, „Heizungshammer“, „Kinder statt Inder“, „Drei Exfrauen können nicht irren“, „ Grüne Verbotspartei“ – jammert und jammert, sie sei in Baden Württemberg Opfer einer Schmutzkampagne geworden.

Konservative Christen sind es auch, die maßgeblich die Kriegstreiber und Kinderkiller Putin und Trump unterstützen, sich dabei selbst aber hartnäckig als „Lebensschützer“ oder „Pro Life“ framen, während sie für mehr Tote sorgen.  Was für eine sagenhafte Unverschämtheit!

(….) Die US-Frauenunterdrücker haben schon vor Jahrzehnten einen enormen PR-Erfolg erzielt, als sie die Labelung der beiden politischen Positionen als „pro Life“ und „pro Choice“ einführten. Das klingt für jeden so, als ob die „Pro-Life“-Fraktion – zu Deutsch „Lebensschützer“ – vorrangig Abtreibungen minimieren und mehr Embryos zu Babys werden lassen würden.

Genau das ist aber falsch!    200 Jahre Erfahrungen in aller Welt zeigen ganz klar, daß die Abtreibungszahlen genau da drastisch runtergehen, wo ein liberales Recht herrscht, Frauen also gerade NICHT strafrechtlich unter Druck gesetzt werden.

Alice Schwarzer, die in den letzten Jahren immer merkwürdiger wird, stellte im jüngsten Spiegel in einem zum 50. Jahrestag des STERN-Covers „Wir haben abgetrieben“ Tripel-Interview mit Silvia Kontos (Soziologin) und Molli Hiesinger (Studiendirektorin), einige Fakten klar, die Spahn, „Christdemokraten für das Leben“, Trump („There hast o be a punishment“), Lebensschützer und sonstige militante Abtreibungsgegner vielleicht sogar kennen, aber in ihrer perfiden Scheinheiligkeit ignorieren.

[……]  Kontos: Ich lag 1965 auf so einem Küchentisch. [……]  Am Ende bin ich wirklich bei einer Engelmacherin auf dem Küchentisch gelandet. Die Frau hatte zum Glück eine Abmachung mit einem niedergelassenen Arzt, zu dem man gehen konnte, wenn die Blutung eingeleitet war. Es war die demütigendste Erfahrung, die ich in meinem Leben gemacht habe. Und natürlich haben beide ordentlich die Hand aufgehalten. [……]

Hiesinger: Der Tabubruch war auch deshalb so riesig, weil es nicht nur um Abtreibung ging. Es ging um Sexualität. Die beteiligten Frauen bekannten sich öffentlich dazu, abgetrieben zu haben, und gleichzeitig dazu, eine selbstbestimmte Sexualität zu leben.[……]

Schwarzer: Seriöse Schätzungen gingen für die Bundesrepublik 1971 von einer Million Abtreibungen im Jahr aus. Heute haben wir in Gesamtdeutschland ungefähr 100.000 Abtreibungen. [……]  Wir werden weiterhin beschimpft, von der katholischen Kirche und von Reaktionären. Aber niemand hat so für die Abnahme der Abtreibungen gesorgt wie die Feministinnen.   [……] Frauen sind aufgeklärter geworden: Sie haben gelernt zu verhüten. Frauen sind selbstbewusster geworden, auch sexuell: Sie tun im besten Fall nur das, was sie auch selber möchten. Frauen sind eigenständiger geworden: Sie haben ihr eigenes Geld. Die Folge: Frauen heute haben ein sehr viel geringeres Risiko, ungewollt schwanger zu werden als früher. Die ungewollte Schwangerschaft ist ja der einzige Grund, warum Frauen abtreiben – in allen Zeiten, in allen Ländern, unter allen Umständen, selbst wenn ihnen dafür die Todesstrafe droht. Eine ungewollt schwangere Frau treibt ab. Es geht beim Recht auf Abtreibung ja nicht darum, ob man abtreibt, sondern nur darum, wie man abtreibt: ob gedemütigt, entmündigt und in Lebensgefahr – oder selbstbestimmt und mit medizinischer Hilfe. [……]

Schwarzer: Der Kern des Abtreibungsverbots ist leider erhalten geblieben: Das ist die Entmündigung der Frauen. In Deutschland haben wir eine absurde rechtliche Konstruktion: Abtreibung ist formal rechtswidrig, wird aber bis zur zwölften Woche nicht bestraft. Wenn eine Frau abtreiben will, muss sie die Bescheinigung eines Experten vorlegen. Das heißt, sie darf nicht selbst entscheiden. Keine Frau darf sagen: Ich treibe ab, und die Gründe gehen euch einen feuchten Kehricht an. [……]

Schwarzer: Selbst katholische Länder wie Irland, Italien, Frankreich haben heute eine uneingeschränkte Fristenlösung. Was ist hier eigentlich los? [……]

SPIEGEL: In Deutschland gehören Abtreibungen nicht zur medizinischen Grundausbildung und werden auch in der Facharztausbildung nicht explizit gelehrt. Ein Fehler?

Schwarzer: Verrückt! Dazu kommt, dass Ärzte nach ihrer Ausbildung im Namen ihrer persönlichen Überzeugung das Recht haben, Abtreibungen zu verweigern.

Kontos: Das ist unterlassene Hilfeleistung. [……]

(SPIEGEL, 05.06.2021)

Was für eine Ungeheuerlichkeit, daß im Jahr 2021 Frauen rechtlich als so minderbemittelt angesehen werden, daß der Staat ihnen keine selbstständige Entscheidung zutraut, sie dazu zwingt sich von (zumeist kirchlichen Stellen) beraten zu lassen und Ärzte noch nicht einmal über den medizinischen Vorgang informieren dürfen.

Das Ganze auch noch wohlwissend, daß der juristische Druck auf Frauen in so einer Situation zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen führt, weil sie eben NICHT frei entscheiden können, sondern für den Fall, daß sie kein Kind wollen rechtzeitig anfangen müssen sich um Beratungen und Behördengespräche zu kümmern.  Absurd, perfide, ewiggestrig und heuchlerisch (….)

(Ohne Uterus über Leute mit Uterus befinden, 09.06.2021)

Auch Kriege werden geführt, weil Christen es wollen.


Trump, der gleich in den ersten Iran-Kriegstagen 165 kleine Mädchen einer Grundschule in Minab killte, wurde bereits durch das Ende von USAID zum Massenmörder. 200.000 Kinder getötet durch einen Federstrichs Trumps. So gefällt es den selbst ernannten PRO-LIVE-Lebensschützer-Christen, die sich für Trump begeistern. So will es ihr Gott.

Die Lebensschützer, ProLifer der USA, die sich im Heiligen Eifer gynäkologische Eingriffe verbieten, sorgen für immer mehr elend verblutende Schwangere, denen medizinische Hilfe verweigert wird.

[….]  Mindestens fünf Schwangere sind in den USA gestorben, weil sie in Bundesstaaten lebten, in denen besonders strenge Abtreibungsgesetze herrschen. Die Ärzte verweigerten offenbar eine angemessene Behandlung als es Komplikationen gab.

Ihre zwei kleinen Söhne und ihr Mann Hope Ngumezi trauern um Porsha Ngumezi, 35 Jahre alt. Sie freute sich auf ihr drittes Kind, ihr Mann hoffte schon auf eine Tochter. Noch vor der ersten ärztlichen Kontrolle begann die Schwangere zu bluten. Sie suchte Hilfe bei der Notfallaufnahme eines Spitals in der texanischen Millionenstadt Houston. Dort wurden die Blutungen stärker.

Ein Tod, der sehr einfach zu vermeiden gewesen wäre. Zu diesem Schluss kommt Pro Publica, eine gemeinnützige Journalismus-Organisation, die den Leidensweg von Porsha Ngumezi minutiös aufarbeitete und von mehreren Fachärztinnen und -ärzten beurteilen ließ. Es ist bereits die fünfte Tragödie dieser Art, die Pro Publica in einer Serie über die Folgen der Aufhebung des Rechts auf Abtreibung dokumentiert. Alle fünf Frauen lebten in Staaten mit strengen Abtreibungsverboten und erlitten Komplikationen während der Schwangerschaft. Allen fünf Frauen hätte ein Routineeingriff geholfen, der ihnen verweigert wurde.

Drei Frauen in Texas und zwei Frauen in Georgia haben demnach mit dem Leben dafür bezahlt, dass das Oberste Gericht des Landes 2022 die frühere Rechtsprechung des Supreme Court umstieß und dabei das nationale Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch aufhob. Seitdem kann jeder US-Bundesstaat Abtreibungen selbst regulieren; in 13 sind sie inzwischen verboten. Darunter ist Texas, dessen Gesetz selbst für Opfer von Vergewaltigung und Inzest keine Ausnahme macht. [….]

(Fabian Fellmann, 05.12.2024)

Da insbesondere mehr schwarze Frauen sterben, feiern sich die Lebensschützer-Christen in den USA.

[…] Frauen in US-Staaten mit Abtreibungsverbot haben ein fast doppelt so hohes Risiko, während der Schwangerschaft oder Geburt zu sterben. Besonders betroffen sind Schwarze. Ein Überblick.

Seit dem 1. Januar 2025 leben in den USA rund 62,7 Millionen Frauen und Mädchen in Bundesstaaten, die Abtreibungen verboten haben.

Eine Analyse der Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC von 2019 bis 2023 durch das Gender Equity Policy Institute (GEPI) zeigt nun: Frauen in diesen Staaten haben ein deutlich höheres Risiko, während der Schwangerschaft, Geburt oder kurz nach der Entbindung zu sterben, verglichen mit Frauen in Staaten, in denen Abtreibungen legal und zugänglich sind.

Das Sterberisiko für Mütter ist in Staaten mit Abtreibungsverbot ist demnach fast doppelt so hoch. In Louisiana ist die Wahrscheinlichkeit sogar dreimal höher als in Staaten, die den Zugang zu Abtreibungen unterstützen.  [….]

(Marcel Kunzmann, 24.04.2025)

Eine weitere Möglichkeit Menschen durch seinen Glauben und sein Gottvertrauen zu töten, besteht in der fanatischen Wissenschaftsfeindlichkeit der Prolifer/Lebensschützer.

[….] Religiöser Wahn statt Arzt: Eltern lassen 21-jährige Tochter mit Down-Syndrom sterben[….] Es ist ein durchaus hartes Urteil, aber die Verurteilten nehmen es scheinbar ungerührt entgegen: Das Landgericht in Frankfurt verurteilte am Dienstagnachmittag (3. März) wegen Totschlags durch Unterlassen einen 64 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs und seine gleichaltrige Ehefrau zu einer von sechseinhalb Jahren. Die 32 Jahre alte Tochter der beiden wird wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. [….] Nach Überzeugung der Kammer waren die Eltern für den Tod ihrer 21 Jahre alten Tochter im Oktober 2016 verantwortlich. Sie hatten die Tochter, die das Down-Syndrom hatte und an Diabetes und anderen Krankheiten litt, jahrelang in dem gemeinsam bewohnten Haus in Ehringshausen im Lahn-Dill-Kreis gepflegt [….] Beide sind Mitglieder einer evangelikalen Freikirche und haben wohl selbst dafür recht unorthodoxe Ansichten. In dem ansonsten total vermüllten Haus fanden sich Riesenvorräte an abgepacktem Trinkwasser – wofür auch immer – sowie Videofilme eines afrikanischen Wunderheilers. Offenbar glaubten sie, dass ihre Tochter wenn nicht medizinisch, dann vielleicht spirituell geheilt werden könne.

Nachbarn hatten den Vater nachts manchmal dabei beobachtet, wie er „betend, tanzend und singend“ durch das Haus gelaufen sei. Die Mutter glaubte wohl, die Trisomie 21 ihrer Tochter sei „eine Strafe Gotts für die Sünden ihrer Ahnen“ – einer ihrer Vorfahren war offenbar Freimaurer. [….] (Steffen Behr, 10.03.2026)

Tod durch Lebensschutz. Framing aus der Hölle.

Dienstag, 10. März 2026

Der Rücktritt

Meine Generation erinnert sich noch an die empörten Blicke der Eltern, wenn ein Schulfreund um 20.05 Uhr anrief. „Während der Nachrichten!“ Unerhört. Für mich ist es bis heute in meine DNA gestanzt, daß man niemanden zwischen 20.00 und 20.15 Uhr anruft, während die Tagesschau läuft.

Es waren hochpolitische Zeiten, man stritt, wie die Kesselflicker, wählte unterschiedlich, las unterschiedliche Zeitungen, demonstrierte gegeneinander.

Aber man stellte nicht die Fakten in Frage. Die Tagesschau galt als hochseriös und vermittelte täglich ein kurzes Grundgerüst an nüchternen Informationen für alle. Wer sich darüber hinaus interessierte; natürlich auch damals schon nur eine Minderheit; sah sich nach 20.15 noch seine Politmagazine an, die es in stramm rechts und linksliberal gab. Tagesthemen und Heute-Journal boten ausführlichere Berichte und ausdrücklich auch Meinungen in Form von Kommentaren.

Man bewertete Fakten anders, vertrat ganz unterschiedliche Ansichten. Der Informationsstand war heterogen. Daher rührte der frühere Slogan „Spiegel-Leser wissen mehr“. Aber all das basierte auf einer gemeinsamen Wahrheit. Eine Wahrheit, deren Existenz nicht thematisiert wurde, weil Fakten nun einmal Fakten sind und niemand bisher auf die Idee gekommen war, daneben könne noch ein Paralleluniversum mit „alternativen Fakten“ existieren.

Aus der gemeinsamen Fakten-Basis ergab sich auch eine konsensuelle politische Moral.

Für private Verfehlungen, die zwar vollkommen legal, aber doch moralisch anrüchig waren, nahm man klaglos die Konsequenzen auf sich.

 Wie zum Beispiel der junge Grüne Abgeordnete Özdemir.

[…] Als Mitglied des Deutschen Bundestages war er ab 1998 innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Dieses Amt legte er am 26. Juli 2002 nieder, nachdem die Annahme eines Privatkredites über 80.000 DM vom PR-Berater Moritz Hunzinger im Jahr 1999 und die private Verwendung dienstlich erworbener Bonus-Meilen bekannt geworden waren. Özdemir bedauerte die Annahme des Kredits, der der Begleichung einer Steuerschuld gedient hatte, öffentlich und zahlte den Betrag umgehend zurück. Da der damalige Zinssatz von 5,5 Prozent unter den üblichen Marktkonditionen lag, spendete er die Differenz von 5200 Euro an ein Zentrum für Folteropfer. Özdemir trat in der Folge als innenpolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion zurück und erklärte den Verzicht auf ein Mandat im nächsten Bundestag. Die Kandidatur für die Bundestagswahl 2002 konnte er wegen einer bereits erteilten Zustimmung nicht mehr zurückziehen, nach seiner Wiederwahl nahm er das Bundestagsmandat jedoch nicht an.   [….]

(Wikipedia)

Wie zum Beispiel der Linke Berliner Wirtschaftssenator Gysi.

[…] 2001 wurde Gysi Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Am 17. Januar 2002 wurde er Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen des Landes Berlin in dem vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geführten Senat Wowereit II. Am 31. Juli 2002 trat er im Rahmen der Bonusmeilen-Affäre von allen Ämtern zurück. In einem Artikel des Tagesspiegels heißt es zur Begründung des Rücktritts: „Der PDS-Politiker sagte, er habe sich mit seinem Verhalten von seinen Wählern entfernt und habe begonnen, Privilegien selbstverständlich zu nehmen“. Er habe demnach in seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter zwischen 2000 und 2001 Bonus-Flugmeilen aus Dienstreisen auch teilweise für private Zwecke genutzt. Dies hielt er für einen Fehler, „den ich mir nicht verzeihen will“. Klaus Wowereit bedauerte diesen Schritt. Zudem beschrieb Roland Claus, Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion, den Schritt als „schweren Schlag für die PDS“ und fand ihn „überzogen und unangemessen“.  [….]

(Wikipedia)

Wenn dramatische Fehler gemacht wurden, trat der Dienstherr zurück, auch wenn ihn persönlich gar keine Schuld traf. Aber er trug selbstverständlich die politische Verantwortung.

(….)  Mein Greisenalter macht sich auch dadurch bemerkbar, daß ich gelegentlich an Rudolf Seiters, *1937, CDU, denken muss.

Das war einer dieser stramm konservativen Langweiler, der keine Ausländer und keine Schwulen mochte, gegen das Asylrecht polemisierte, aber über gar kein Charisma verfügte. Der Mann war treuer Parteisoldat, unterstützte den Betrüger und Schwarzgeldverschieber Helmut Kohl bedingungslos und wurde 1989 Kanzleramtsminister, weil er über das das richtige Proporz-Portfolio verfügte: Jurist, stramm katholisch, Landesverband Niedersachsen, Provinz.

Kohl nannte ihn herablassend öffentlich „Rudi“ und als Lohn wurde er, wie andere Kanzleramtsminister vor ihm, im November 1991 zum Innenminister befördert. „Rudi“ kämpfte erbittert für eine Grundgesetzänderung zur Einschränkung des Asylrechts und focht leidenschaftlich gegen jede Form der Sterbehilfe.

Und dann kam Bad Kleinen. Am 27. Juni 1993 wollte die GSG9 auf dem mecklenburgischen Bahnhof den untergetauchten RAF-Terroristen Wolfgang Grams festnehmen. Aber die legendäre Eliteeinheit stümperte, der GSG-9-Beamte Michael Newrzella wurde erschossen und Wolfgang Grams brachte sich selbst um, bevor man ihn ergreifen konnte. Das war sicher nicht die persönliche Schuld von Seiters, aber als oberster Dienstherr übernahm er die politische Verantwortung und trat am 4. Juli 1993 von seinem Amt zurück.

Es sollte das letzte mal sein, daß ein konservativer Politiker freiwillig politischen Anstand zeigte und Verantwortung übernahm. Fortan griffen CDU/CSU-Minister auf die Rechtfertigung „davon habe ich nichts gewußt“ zurück und taten so, als spiele es gar keine Rolle, damit eingeräumt zu haben, ihr Amt nicht im Griff zu haben. Horst Seehofer trieb es auf die Spitze, indem er selbst kaum noch physisch anwesend war, Kabinettssitzungen schwänze und weitgehend im heimischen Ingolstadt rumgammelte, statt in sein Superministerium zu fahren.

Besonders drastische Fälle waren aber auch Wolfgang Schäuble, Thomas de Maizière und Ursula von der Leyen, die immer wieder bei dreisten Lügen ertappt wurden. Von der Leyen ging über Leichen, indem sie gern mal einen Abteilungsleiter oder Staatssekretär als Bauernopfer für ihre Fehler feuerte. Minister de Maizière bewies mit seinen Äußerungen wider die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer, da nur möglichst viele tote Kinder den nötigen „Abschreckungseffekt“ erzielten, daß er als streng gläubiger Christ ohnehin bar jeder Moral lebte. (….)

(Keine Konsequenzen, 06.07.2022)

Inzwischen guckt man nicht mehr Tagesschau. Inzwischen gibt es keine gemeinsame Faktenbasis mehr. Inzwischen haben sich Konservative, Liberale, Rechte und alle noch Rechteren, aus der faktenbasierten Politik verabschiedet. Bis ganz hinauf in die politische Spitze – Söder, Reiche, Merz – wird auf Basis von Hirngespinsten Politik gemacht. „Beautiful clean coal“ nennt es  Trump, Staatssekretärin Connemann schnüffelt für ihre Leben gern an Benzin, Merz redet von „hocheffizienten Verbrennern“, Söder orakelt von „Minifusionsreaktoren“ und Reiche sieht eine Zukunft im Ausbau massiver Abhängigkeit von Putins Gaslieferungen. Das ist alles nicht nur hanebüchener Unfug, sondern Politik wider die Naturgesetze. Konservative auf Kollision mit der Physik.

[…] Unglücklicherweise haben wir im Jahr 2026 wieder eine Bundesregierung, die all den Vorzügen der Elektrifizierung zum Trotz, das Gegenteil anzustreben, ja zu bewerben scheint: neue Öl- und Gasheizungen! Verbrennungsmotoren, sogar über das Jahr 2035 hinaus! Möglichst viele neue Gaskraftwerke!

Dass das Verbrennen von uralten Ablagerungen aus den Kadavern vor Abermillionen von Jahren verendeter Tiere und ebenso alten, komprimierten Pflanzenresten auf Dauer nicht nachhaltig ist, wissen wir schon seit fünfzig Jahren. Dass die Thermodynamik sich nicht überlisten lässt, dass die Umwandlung von Hitze in andere Formen der Energie immer enorme Verluste mit sich bringt, wissen wir sogar schon seit dem 19. Jahrhundert. Und doch regiert in Deutschland im Jahr 2026 eine Koalition, die standhaft so tut, als müsse man nur andere Dinge verbrennen als bisher, dann könne alles beim Alten bleiben. Die Fehlentscheidungen all der Gasheizungs- und Verbrennerkäufer sollen so politisch validiert werden.

Das ist objektiv falsch. Nicht nur wegen der physikalisch-ökonomischen Absurdität von »E-Fuels« für Pkw oder Wasserstoff als Gas für private Heizkessel. Verbrennungsprozesse brauchten volatile, teure Brennstoffe, die wir nahezu vollständig importieren müssen (abgesehen von der Kohle, dem dreckigsten aller Energieträger). Sie machen uns wirtschaftlich und politisch abhängig, sie sind grotesk ineffizient, sie verursachen nicht nur CO₂, sondern auch Lärm, Ruß, Feinstaub, Stickoxide. Fossile Emissionen töten weltweit Millionen Menschen , Jahr für Jahr.  [….]

(Prof. Christian Stöcker, 08.03.2026)

Wo es aber keine gemeinsamen Fakten mehr gibt, existiert auch keine gemeinsame Moral mehr.

Der Sozialdemokrat Andreas Stoch wurde abgestraft und verzichtet auf alle Ämter, wegen einer Leberwurst für 1,80 Euro.

[…..] In den sozialen Medien brach sofort ein Shitstorm los. Das gehöre sich nicht für einen Spitzenkandidaten, so die einhellige Meinung, erst recht nicht für einen Sozialdemokraten und erst recht nicht nach einem Besuch bei der Tafel. Stoch bemühte sich um Schadensbegrenzung, gab zu, „in einen Fettnapf marschiert“ zu sein – und betonte gleichzeitig, dass es sich bei den Produkten nicht um teure Feinkost gehandelt habe, sondern um „Hausmacher-Leberwurst, die 1,80 Euro pro 100 Gramm kostet“. Doch der Schaden war angerichtet. [….]

(Vivien Timmler, 08.03.2026)

Eine absolute NICHTIGKEIT, die er "verbrochen" hatte – in Relation zu Spahn und Dobrindt und Reiche, die alle gar keine Konsequenzen tragen müssen.  Oder in Relation zu Manuel Hagel, der seinen Lebenslauf frisierte, Mädchen sexualisierte und mit brachialer physikalischer Unkenntnis auffiel.

Hagel 30%, Stach 5%.

Wären Politiker wie Dobrindt, Scheuer, Spahn oder Reiche aus dem RRG-Lager, hätten sie schon sehr lange keine Ämter mehr.

Aber für Konservative und Christen gibt es keine moralischen Maßstäbe mehr. Da wird ein Rassist, Vergewaltiger und K!nd€rf!<k€r im Weißen Haus gefeiert, da werden die K!nd€rf!<k€r auf den Kirchenkanzeln vor den Interessen ihrer Opfer geschützt.

Natürlich tritt da auch ein Totalausfall wie Staatsminister Weimernicht zurück.

[….] Wolfram Weimer hat sich selbst ins Aus manövriert

Der Kulturstaatsminister drückt sich vor den zu erwartenden Protesten und sagt die Verleihung des Buchhandlungspreises kurzerhand ab. Bleibt die Frage: Wie will er sein Amt weiter ausüben? [….] Was auf Deutschlands Bühnen passiert, was in Kunstausstellungen zu sehen ist und wie über kontroverse Themen gesprochen wird, das bestimmen andere: Kuratoren, Intendanten und natürlich die Künstler und Schriftsteller selbst. Man nennt es Kunstfreiheit. Dass diese Kunst einerseits frei ist, oft auch anstößig, andererseits mit staatlichen Mitteln gefördert wird, ist ein Paradox, das man aushalten muss. Es unterscheidet ein freies, demokratisches Land von Regimen wie der DDR und dem Nationalsozialismus. Weimer will gegen „Extremismus“ vorgehen, doch er geht damit gegen die Kunst selbst vor. Sie ist keine mehr, wenn sie sich – innerhalb der bestehenden Gesetze – nicht auch die Freiheit nehmen darf, extrem zu sein. [….] 


Doch Weimer scheint das nicht einzusehen. Erst vor zwei Wochen stand er kurz davor, die Berlinale-Chefin Tricia Tuttle zu entlassen [….] Nun hat er sich ein weiteres, noch kopfloseres Manöver erlaubt: [….] Wie plant er, sein Amt weiter auszuüben? Welche Veranstaltung will er als Nächstes kippen? Indem er das Vertrauen von Kultur und Kunst zerstört hat, hat er sich in die Handlungsunfähigkeit manövriert.  […..]

(Jörg Hantzschel, 10.03.2026)

In der CDUCSU gibt es keine Scham mehr.

[….] Als Wolfram Weimer im Mai 2025 Kulturstaatsminister wurde, waren die Befürchtungen groß. Zu groß, sagten manche. "Lasst ihn doch erstmal ankommen, gebt ihm eine Chance." Zehn Monate später lässt sich sagen: Er hat die schlimmsten Erwartungen nicht erfüllt. Er hat sie übertroffen.

Schon die Berufung war ein Warnsignal. Weimer, alter Golfgefährte und Nachbar von Friedrich Merz am Tegernsee, ohne kulturpolitische Erfahrung, dafür mit einem „Manifest des Konservativen", dessen völkische Passagen selbst der FAZ aufstießen. Die SZ nannte es die „Tegernsee-Connection".

Eine seiner ersten Amtshandlungen: Er verbietet 470 Mitarbeitenden im Kanzleramt geschlechtergerechte Sprache. Er hätte sich um Kulturförderung kümmern können, um Restitution, um Filmförderung, aber nein: Erstmal einen auf dicken Max machen und das Gendern verbieten.

Die Urheberrechts-Affäre: Sein Magazin „The European" hatte jahrelang Texte von Politikern ohne Zustimmung veröffentlicht. Ausgerechnet der Mann, der geistiges Eigentum schützen soll. Diverse Autoren und Autorinnen fanden Artikel unter ihren Namen, ohne je davon gewusst zu haben.

Die Interessenkonflikte: Weimer zog sich zwar aus seiner Weimer Media Group zurück, aber seine Frau übernahm. Die Gewinne bleiben in der Familie - Söders Bayern hatte den Gipfel der Weimers mit 700.000 € gefördert. Im Bundestag wurde über seine Entlassung debattiert, die Koalition hielt ihn.

Der Angriff auf die Berlinale: Nach propalästinensischen Äußerungen bei der Gala setzte er alles daran, Festivalchefin Tuttle loszuwerden. Erst als Hunderte Filmschaffende protestierten (darunter Goldene-Bär-Gewinner Çatak und Tom Tykwer) ruderte er zurück. Tuttle dürfe „vorerst" bleiben. Vorerst.

Und jetzt: Weimer streicht drei Buchläden vom Buchhandlungspreis und zwar auf Basis geheimer Verfassungsschutzerkenntnisse, die er selbst nicht kennt und ohne Anhörung. Als die Kritik zu laut wird, sagt er die gesamte Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse ab. Problem gemacht, Problem „gelöst".

Das Muster ist immer gleich: Autoritär handeln, maximalen Schaden anrichten, halbherzig zurückrudern, verbrannte Erde hinterlassen. Kurz nach seinem Amtsantritt schrieb Weimer, er wolle "die Korridore des Sagbaren und Darstellbaren weiten". Was er wirklich tut: Er verengt sie systematisch.

Sollte Wolfram Weimer zurücktreten? Die Antwort ist einfach: Ja. Nicht wegen eines einzelnen Fehlers, sondern weil sich ein Muster zeigt. Dieser Mann beschädigt die Kunstfreiheit, die Autonomie kultureller Institutionen und das Amt, das er bekleidet. Weimer muss gehen. Augenblicklich. Sofort. [….]

(Lorenz Meyer, 10.03.2026)

Selbst wenn es bei Konservativen nur Moral-Rudimente GÄBE, also Reiche, Spahn und Weimer ihren Hut nähmen, wäre wenig gewonnen, weil Merz die jeweiligen Nachfolger bestimmt. Er fände sicherlich noch ungeeignetere Personen. Und wenn Merz selbst ginge, fände der Urnenpöbel noch ungeeignetere Kanzler bei der AfD.

Es ist hoffnungslos.