Mittwoch, 20. Mai 2026

Die Spanier so undeutsch!

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wählten die Spanier seit 2011 keine Konservative Mehrheit mehr. Der seit Juni 2018 als Ministerpräsident amtierende Pedro Sánchez, bekam zwar bei den letzten beiden „Cortes Generales“ (Parlamentswahlen), weder im „Congreso de los Diputados“ (Abgeordnetenhaus), noch im Senat eine Mehrheit, aber die Rechten können auch nicht gegen ihn regieren, so daß der 53-Jährige Vorsitzende der Sozialistischen Internationale bereits acht Jahre das Schicksal Spaniens bestimmt.

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, traut sich die Sánchez-Regierung klare Worte gegenüber des Trumpismus zu wählen und knickt nicht unter den wüsten Drohungen aus Washington und Mar A Lago ein. Sie setzt auf europäische Werte und stärkt die EU.

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, kritisiert Spanien die Kriegsführung Netanjahus deutlich, verurteilt das israelische Gemetzel im Gazastreifen und zog sich sogar aus Protest gegen Israels Politik, aus dem ESC zurück.

[….] Sánchez fordert Kündigung des EU-Assoziierungsabkommens mit Israel

Spaniens. Regierungschef wirft Israel Völkerrechtsverstöße vor. Das Land dürfe kein EU-Partner sein. Auch Irland und Slowenien wollen das Assoziierungsabkommen überprüfen.  Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat Israel erneut Verstöße gegen das Völkerrecht vorgeworfen und die Aufkündigung des EU-Assoziierungsabkommens mit dem Land verlangt. Seine Regierung werde der EU am Dienstag offiziell vorschlagen, das Abkommen zu beenden, da eine Regierung, »die gegen das Völkerrecht verstößt, kein Partner der Europäischen Union sein kann«, sagte Sánchez bei einer Wahlkampfveranstaltung in Andalusien.  [….]

(Zeit, 20.04.2026)

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, setzt Spaniens Regierung konsequent auf erneuerbare Energien, um sich von der Fossillobby unabhängig zu machen und das Klima zu schützen.

[…] Energie aus Wind, Sonne und Wasser

Etwa 60 Prozent des Strombedarfs deckt Spanien aus erneuerbaren Energien, an manchen Tagen sind es sogar bis zu 100 Prozent. Grüner Strom wird vor allem aus Sonne und Wind erzeugt sowie aus Wasserkraft. Über 300 Sonnentage und windreiche Küsten sind perfekte Bedingungen für Windkraft und Photovoltaik. Seit der Jahrtausendwende wird ihr Ausbau massiv vorangetrieben. 2004 startete eine Solaroffensive und Agrarflächen wurden zu Solarstromfeldern. Durch die globale Finanzkrise und den Sparzwang einige Jahre später stockte der Ausbau zwar; ab 2018 nahm er wieder Tempo auf. Bis Mitte 2023 haben sich die Kapazitäten der Solarkraftwerke fast verfünffacht. An den Küsten und im Landesinneren entstanden kleine und große Windparks. 2022 lag die installierte Leistung bei knapp 30.000 Megawatt. Bis zum Jahr 2030 soll sie auf 62.000 Megawatt ausgebaut werden. [….]

(BDEW, 05.01.2026)

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wird Spaniens Wirtschaft wenig vom aktuellen Iran-Krieg und der Hormus-Blockade getroffen. Sie macht sich unabhängig von globalen Ölpreis-Verwerfungen, während Deutschlands Fossilllobbyisten Merz und Reiche ihr Land konsequent in den Abgrund führen.

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, ruft Ministerpräsident Sánchez den Migranten ein „herzlich Willkommen bei uns“ zu.

[….] Spanien umarmt eine halbe Million illegale Einwanderer[….] Hunderttausende Migranten ohne Papiere dürfen bald ganz legal im Land leben und arbeiten. Die Wirtschaft profitiert davon, die Kirche lobt „einen Akt sozialer Gerechtigkeit“. [….] Der Nächste, bitte. Ein Mann mit sorgfältig nach hinten geföhntem Haar und Trainingsjacke erhebt sich im Wartebereich und nimmt am Empfangstisch Platz. Seine Haltung ist gebeugt, er spricht leise. Die Dinge, die er nun erzählen soll, sind ihm sichtlich unangenehm.

Die Fragen der Sachbearbeiterin sind für die anderen Wartenden deutlich zu hören. Woher er komme, will sie von dem Mann wissen, wie lange er sich schon in Spanien aufhalte und ob es Konflikte mit dem Gesetz gegeben habe. Für ihn, einen Kolumbianer, sind das heikle Fragen. Er hält sich illegal in Spanien auf. „Tranquilo. Es passiert dir nichts“, sagt die Frau. Auch sie spricht mit südamerikanischem Akzent. [….] Das Beratungsbüro im Erdgeschoss der Calle de Marcelo Usera 126 in Madrid arbeitet effizient. Vorn prüft die Sachbearbeiterin die Anliegen neuer Klienten, wenige Meter weiter sitzen Anwältinnen und Anwälte wie Schalterbeamte an Schreibtischen. Rund 399 Euro inklusive Mehrwertsteuer kostet die Beantragung von Aufenthaltspapieren, sagt Francia Elena Arroyave, die sich als Vertriebsleiterin der Anwaltskanzlei Distrito de Abogados vorstellt. [….] Der schüchterne Kolumbianer am Empfang hofft auf das, was im Schaufenster beworben wird: Hilfe bei der Einwanderung. Und er hat guten Grund zu hoffen. Spaniens Regierung hat soeben den finalen Text eines Dekrets verabschiedet, das laut Schätzungen rund einer halben Million illegal in Spanien lebenden Menschen ein reguläres Aufenthalts- und Arbeitsrecht gewähren wird.

Bislang mussten illegale Einwanderer mindestens zwei Jahre im Land ausharren, Jahre, die sie oft in einer Schattenwelt aus Ausbeutung und Angst verbrachten. Die behördlichen Hürden waren hoch, das soll von dieser Woche an einfacher werden. Wer bis zum 31. Dezember des vergangenen Jahres mindestens fünf Monate lang durchgehend im Land war, soll ein Bleibe- und Arbeitsrecht erhalten. Für den Nachweis genügen Dokumente wie Einreisestempel, Arztrechnungen, Flugtickets, Handyaufladungen, Gasrechnungen, Metro-Abos oder Mietverträge. [….] Die Migration ist von der links-sozialistischen Regierung unter Premier Pedro Sánchez ausdrücklich erwünscht. Schon aus mitmenschlichen Gründen, wie es der Regierungschef immer wieder betont. Doch gibt es auch gute ökonomische Gründe: Der Zuzug der fleißigen Arbeitskräfte trägt wesentlich dazu bei, dass Spaniens Wirtschaft stärker wächst als die aller EU-Länder im Durchschnitt. [….]

(Patrick Illinger, 15.04.2026)

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, dessen irrer migrantenfeindliche Kurs das Land unsympathisch macht, die Bevölkerung überaltern lässt und zu massivem Fachkräftemangel führt, der wiederum die Unternehmen bremst, boomt Spaniens Wirtschaft DANK der Migranten.

[…] Um 3,2 Prozent stieg die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr, 2,5 Prozent werden in diesem Jahr erwartet. Die Zeitschrift The Economist erklärte Spanien gerade zur besten Wirtschaftsnation der Welt. [….] Großen Anteil daran hat der Bevölkerungszuwachs. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Einwohner Spaniens um fast eine halbe Million Menschen gestiegen, auf mittlerweile mehr als 49 Millionen, 2000 waren es noch etwa 40 Millionen. Grund dafür ist die Zuwanderung. [….] Das ist von der Politik nicht nur akzeptiert, sondern sogar gewollt. „Einwanderung ist nicht nur eine Frage der Menschlichkeit, sondern auch entscheidend für das Wohlergehen unserer Wirtschaft und den Erhalt des Wohlstands“, sagte Premierminister Pedro Sánchez im vergangenen Oktober vor dem Parlament. [….]

(SZ, 20.05.2025)

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, dessen Regierungschef und Wirtschaftsministerin ökonomisch vollkommen ahnungslos sind und, mit sicherem Griff ins Klo, stets die genau falschen Weichen stellen, zeigt der Sozialist Sánchez, wie man ein großes europäisches Land, bei all den Welt-Megakrisen des Jahres 2026, zum Laufen bekommt.

[…] Um Spaniens Jobwunder und den treibenden Motor dahinter in Augenschein zu nehmen, reicht ein Spaziergang durch Barcelona oder Madrid. Der Wirt der neu eröffneten Bar im Madrider Viertel Chamberí kommt aus Argentinien, das Personal aus Kolumbien und Honduras. Die IT-Spezialistin im Callcenter wurde in Bangladesch geboren. Und die Frau, die in der Zahnarztpraxis in Nou Barris in Barcelona die Geschäfte führt, stammt aus Venezuela und hat inzwischen die doppelte Staatsbürgerschaft.  […] Spanien ist inzwischen zum zweiten Mal in Folge Wirtschaftsmotor der Eurozone. Mit 2,8 Prozent legte die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr doppelt so stark zu wie im europäischen Durchschnitt, für das laufende Jahr liegen die Prognosen zwischen 2,2 und 2,4 Prozent. Ein entscheidender Faktor dabei ist, da sind sich die meisten Ökonomen einig: die Migration. Trotz einer der europaweit niedrigsten Geburtenraten wächst die Bevölkerung – und mit ihr der Konsum, das Arbeitskräfteangebot und die Wirtschaftsleistung. Auf die Stellen der in Rente gehenden Spanierinnen und Spanier rücken immer häufiger Menschen nach, die im Ausland geboren wurden. 

 

Ohne Einwanderung stagniert die Wirtschaft

Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis gezielter Politik. Laut einer viel zitierten Studie der Banco de España von 2023 braucht das Land mehr Migration. Bis 2053 kalkuliert der Bericht je nach Szenario einen Zuwanderungsbedarf von bis zu 24,6 Millionen Menschen. Die Zahl beruht auf modellbasierten Langfristannahmen. Auch in Spanien gilt: Ohne Einwanderung stagniert nicht nur die Wirtschaft, auch die Sozialsysteme geraten ins Wanken. [….] Zwar ist der Anteil ausländischer Beschäftigter in der häuslichen Pflege mit 19 Prozent weiterhin hoch. Doch parallel wächst die Zahl jener, die in wissensbasierten Branchen arbeiten – zum Beispiel in der IT oder in Finanzdienstleistungen. »Das sind Jobs, die eine höhere Qualifikation erfordern, wirtschaftlichen Mehrwert schaffen und deswegen krisenresistenter sind«, sagt Fernández-Huertas.  Das spricht sich herum: Während der ersten großen Einwanderungswelle zu Beginn des Jahrtausends hatten lediglich 17 Prozent aller Zugewanderten einen Universitätsabschluss. Heute sind es 29 Prozent.  [….]

(ZEIT, Julia Macher, 20.05.2026)         

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, dessen illegal handelnder Innenminister Dobrindt sich damit rühmt, sein Land für Migranten unattraktiv und abschreckend zu gestalten, der damit prahlt viel mehr Menschen rauszuwerfen, reinzulassen, macht Spanien das Leben für die Menschen schöner und liebenswerter, so daß der wirtschaftliche Erfolg kommen muss.

[….] Wenn lateinamerikanische Politiker ihre Heimat verlassen, landen sie neuerdings häufig in Madrid. Drei mexikanische Ex-Präsidenten finden hier Zuflucht: Felipe Calderón, bis 2012 Präsident, habe er neulich auf dem Fahrrad getroffen, sagt [der ehemalige Bürgermeister von Caracas, Antonio] Ledezma. »Das muss man sich mal vorstellen: der Mann, der den Narcos den Krieg erklärte – mitten in der Stadt, ohne Bodyguards. In Mexiko wäre das undenkbar.«

Vor gut einem Jahr veröffentlichten spanische Behörden eine Statistik: In der Region Madrid leben mehr als eine Million gebürtige Lateinamerikaner, jeder siebte kam in Süd- oder Mittelamerika zur Welt. Zur Jahrtausendwende waren es keine 100.000.

Bei der nächsten Zählung werden es noch mehr sein. Die linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez bietet irregulär Eingewanderten Papiere an. Hunderttausende stehen Schlange, um ihren Aufenthaltsstatus zu legalisieren. Die meisten von ihnen: Latinos, eingeflogen mit einem Touristenvisum über den Flughafen Madrid-Barajas. [….]   Madrid, das neue Miami, Hauptstadt der Exilanten und Auswanderer.

Den Satz haben spanische Zeitungen schon vor Jahren geschrieben. Doch seit Donald Trump wieder regiert, hört man ihn an jeder Ecke. Wer früher von einem neuen Leben im Süden der USA träumte, kauft nun Flugtickets nach Spanien.

»In den USA stehen jeden Morgen Menschen mit der Angst auf, abgeschoben zu werden«, sagt der Venezolaner Ledezma. In Madrid muss sich niemand sorgen. Nicht einmal jene, deren Visum schon lange abgelaufen ist.

Lange galt Madrid als graue Beamtenstadt. Ein Ort ohne Hafen und echtes Wahrzeichen, hoffnungslos unterlegen im ewigen Wettbewerb mit dem weltoffenen Barcelona. Heute reden so nur noch Katalanen.

Das Tempo des Wachstums ist atemberaubend und brutal zugleich. Derzeit leben sieben Millionen Menschen in der Region. 2050 könnten es neun oder zehn Millionen sein. Die spanische Wirtschaft boomt – auch wegen der Einwanderung aus Lateinamerika.  Madrid, so scheint es, ist auf dem Weg, eine Weltstadt zu werden. Eine globale Metropole wie London oder Paris. Glänzende Aussichten, finden die Geschäftsleute in den Bürotürmen im Norden der Stadt.   [….] 

(SPIEGEL, José Bautista und Steffen Lüdke, 19.05.2026)

Völlig ausgeschlossen, daß Berlin unter dem provinziellen, xenophoben CDU-Wegner so wie Madrid boomen könnte.

Völlig ausgeschlossen, daß Deutschland unter dem provinziellen, xenophoben CDU-Merz prosperiert, wie Spanien.

Merz ist Meister im Miesmachen, Schimpfen und Schuld-Zuschieben. Er kriecht nur vor der Industrielobby, Netanjahu und Trump.

Die Deutschen wollen nun noch viel rechter wählen. Die AfD-Nazis liegen in Umfragen unangefochten vorn. Der deutsche Urnenpöbel will noch mehr Destruktion, noch mehr Blockade, noch mehr Abwehr, noch mehr Unvernunft, noch mehr Fossil-Abhängigkeit, noch mehr brutale Härte gegen Migranten.

Dienstag, 19. Mai 2026

Sieger China, Verlierer Deutschland und USA

Timothy Snyder, Professor an der Yale University, Professor an der Munk School of Global Affairs & Public Policy der Universität Toronto, Permanent Fellow am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen und Senior Fellow for Democracy beim Council on Foreign Relations, zählt zu den bedeutendsten Historikern der Welt.

Er ist der Experte für faschistische Diktaturen, veröffentlichte 2017 mit „On Tyranny“ (Über Tyrannei: Zwanzig Lektionen für den Widerstand) eine maßgebliche Analyse und Handlungsanweisung, um die Transformation einer Demokratie in eine Tyrannei zu erkennen und zu verhindern. Die Kassandra.

Das Wissen ist also vorhanden. Aber es verbreitet sich nicht genügend. Sonst hätten nicht am 05.November 2024 beschämende 77 Millionen US-amerikanische Wähler für die rassistische, demente Abrissbirne gestimmt.

In einem bemerkenswerten Beitrag für das Project Syndicate, erläutert Snyder die Besonderheiten des Kollapses Trumpmericas. Viele Weltreiche sind schon vergangen. Durch Overstretching, Kriege, stärkere Konkurrenz, Naturkatastrophen, Erbfolgestreiterei, Hungersnöte, Epidemien oder Entvölkerung.

Der US-Zivilisationskollapses ist ein Novum; nämlich ein Suizid.

[…..] Die Vereinigten Staaten geben Milliarden Dollar aus, um einen Krieg gegen Iran zu verlieren, der ihre Oligarchen bereichert, ihre Bürger verarmt, ihre Allianzen beschädigt und ihre Feinde stärkt. Der Krieg offenbart ein Leitprinzip der Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump: den Selbstmord der Supermacht. Imperien entstehen und vergehen, aber meines Wissens hat noch nie ein Staat absichtlich und systematisch seine eigene Macht zerstört – erst recht nicht mit solcher Geschwindigkeit.

Dieser strategische Suizid ist schwer einzugestehen: Man hofft immer noch, dass Trumps Fehlschläge auf einem gewissen Verständnis des nationalen Interesses der USA beruhen. Das tun sie nicht.  [….]

(Timothy Snyder, SZ, 17.05.2026)

Nur als Supermacht-Superselbstmord lässt sich das bizarre Treiben der MAGA-Sekte erklären. Snyder führt alle Belege auf und plötzlich macht das republikanische Verhalten gegenüber ihres grell orange geschminkten Messias Sinn.

(…..)  Bedauerlicherweise gibt es keinen Restverstand bei der GOP, sondern nur noch blinden Gehorsam zum orangen Messias.

Aber die Republikaner sind nicht untätig. Sie blicken auf ihren grell geschminkten Gott und handeln mit acht Maßnahmen:

[…] Here’s a concise bullet-point summary of the proposed House GOP measures pending to “honor” Donald Trump:

·        Carve Trump’s likeness into Mount Rushmore

·        Rename Palm Beach airport after Trump

·        Rename Washington Dulles International Airport after Trump

·        Require the State Department to award a “Trump Peace Prize”

·        Declare Trump’s birthday a federal holiday

·        Award Trump a Congressional Gold Medal

·        Create a $250 bill featuring Trump’s image

·        Pass resolutions urging Trump be awarded the Nobel Prize

·        Direct the NIH to study “Trump Derangement Syndrome”  [….]

(Aaron Parnas, 21.04.2026)  (….)

(Was tun mit ihm?, 21.04.2026)

 China stellt die Weichen ganz klar auf Zukunft, hat sich 2026 zur dominierenden Supermacht gemausert, zu der Russland und die USA als Bittsteller aufblicken.

Der entscheidende Faktor ist die chinesische Klima- und Energiepolitik.

Deutschland und die USA hingegen handeln ideologisch verblendet, von der Fossillobby gesteuert. Das führt beide Nationen direkt in den Abgrund.


[…..] Infolgedessen hat die Trump-Regierung die Energiewende in den USA abrupt gestoppt und subventioniert stattdessen ökologisch und wirtschaftlich zunehmend überholte fossile Brennstoffe. Wie ein großartiges, in Kürze erscheinendes Buch zeigt, steigen Gesellschaften auf, die neue Energieformen erschließen; jene, die dies nicht tun, gehen unter. Dies könnte die profundeste Wahrheit in der Menschheitsgeschichte sein und macht Trumps Entscheidung zu einem existenziellen Fehler, der den Bedeutungsverlust der USA beschleunigen und China – ihren Hauptkonkurrenten und die weltweite Supermacht im Bereich sauberer Energie – in eine stärkere Position bringen wird.

Das Gleiche gilt für die Technologie und Innovation, die militärische Macht untermauern. Die USA haben immer schon riesige Summen für Rüstung ausgegeben. Doch konzentriert sich die Regierung auf Ausrüstung der Vergangenheit, darunter eine neue Klasse von Schlachtschiffen, die nach Trump benannt werden soll. Der Plan ist ein absolutes Hirngespinst. Selbst wenn diese Schlachtschiffe irgendwie gebaut würden, wären sie für die moderne Kriegsführung, deren Konturen durch den Hightech-Krieg zwischen Russland und der Ukraine offenbart wurden, völlig ungeeignet. Man kann sie bereits mit dem Stapellauf als versenkt betrachten.  [….]

(Timothy Snyder, SZ, 17.05.2026)

Das Buch, „The Co-Creation. How Earth Made Life and Life Made Earth”, auf das sich Snyder bezieht, stammt von Olivia Judson.

[….] How do we – living creatures – fit into the grand cosmic tapestry unfolding all around us? With rare style and radical originality, Olivia Judson proposes a grand new vision of the nature of life and advances a dazzling argument about how Earth went from an alien world utterly devoid of life 4.4 billion years ago to a planet of riotous life today. She describes how Earth gave rise to a new force of nature—lifeforms—and shows how, over vast spans of time, these lifeforms have acted to transform Earth. To tell this story, Judson divides the planet’s history into a series of five expansions—rock, light, oxygen, flesh, fire—each characterized by the evolution of lifeforms able to access a new source of energy. This conception not only provides a new way to think about the history of this planet, but also about the development of life-planet systems elsewhere. [….]

(Penguin)

 Gesellschaften, die neue Energieformen erschließen, steigen auf; jene, die dies nicht tun, gehen unter: Ein Satz, wie ein Todesurteil für das Reiche/Merz-Deutschland.

[…] Eine Studie, die zeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien Regionen und Kommunen gewaltige neue Geldströme bescheren würde, hielt Reiche zuerst unter Verschluss; dann wurde sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit kommentarlos und schwer auffindbar  auf eine Webseite gestellt. Sie passte nicht in Reiches Narrativ.

Beispiel Stromnetz: Milliarden stehen bereit für Wind- und Solarparks, für Batteriegroßspeicher. Die Investitionen könnten schnell die deutschen Strompreise senken, der Bau würde Arbeitsplätze und neue Erlösströme für die klammen Kommunen schaffen. Doch was tut Reiche?

Sie will mit einer absurden neuen Regel in weiten Teilen Deutschlands zehn Jahre lang verhindern, dass neue Wind- oder Solarkapazität gebaut wird. Und sie bittet Unternehmen mit Gaskraftwerken  um Regulierungstipps, um Batteriespeicher zu verhindern. So blockiert man privates Kapital. Reiches Gesetzespläne müssten eigentlich »Investitionsbremsegesetz« heißen.

Die Ministerin versucht augenscheinlich aktiv, aber möglichst heimlich , dafür zu sorgen, dass möglichst viele Gaskraftwerke und möglichst wenige Batteriespeicher gebaut werden. Die Gaskraftwerke brauchen Subventionen, die Batteriespeicher nicht. […] Reiches Pläne sind so durchsichtig, so einseitig auf die Bevorzugung fossiler Geschäftsmodelle ausgerichtet, dass mittlerweile sogar das Bundeskartellamt öffentlich Kritik übt : Reiches Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) sei in Wahrheit eben nicht »technologieoffen«, sondern bevorzuge Gaskraftwerke. Die geplanten Regelungen würden »Batteriespeicherprojekte faktisch von der Ausschreibung ausschließen«.[…] men: Die zitierten Verbände kritisieren das Gesetz teilweise aus sehr unterschiedlichen Gründen. Die einen finden es gut, dass endlich wieder munter fossile Heizungen eingebaut werden dürfen, sind aber unzufrieden damit, dass Vermieter die dadurch absehbar immer weiter steigenden Kosten nicht einfach auf die Mieter abwälzen können. Die anderen weisen – völlig zu Recht – darauf hin, dass man mit weiteren Fossilheizungen unmöglich die Klimaziele im Gebäudesektor erreichen wird. […]

(Prof. Christian Stöcker, 17.05.2026)

Montag, 18. Mai 2026

Das eigene Grab graben

Die CDUCSU beeindruckt uns täglich mehr mit ihrer Erkenntnisresistenz. Sie tut alles dafür, die AfD zu stärken. Die Zusammenhänge sind seit Jahren bekannt, werden seit Jahren publiziert, sogar von der eigenen Konrad-Adenauer-Stiftung bestätigt.

[…..] Der Extremismus-Forscher Gideon Botsch sieht eine massiv steigende Offenheit der Wähler für die AfD – obwohl die Partei nach seiner Ansicht immer rechtsextremer wird.

„Wir gehen davon aus, dass die Bereitschaft, die AfD zu wählen, massiv gestiegen ist und das Stigma, was mit der AfD-Wahl verbunden sein mag, deutlich geschmolzen ist“, sagte Botsch der Deutschen Presse-Agentur. Der Politikwissenschaftler leitet die Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam. In jüngsten Umfragen erreichte die AfD bundesweit in der Sonntagsfrage 29 Prozent.

Die AfD hat nach Einschätzung des Forschers auch durch eine schärfere Migrationspolitik mehr Anhänger bekommen. „Wir haben die AfD in Brandenburg schon lange mit einer Stammwählerschaft von bis zu einem Viertel der Bevölkerung taxiert“, sagte Botsch. „Besonders seit etwa 2023 hat die AfD ihre Klientel deutlich ausweiten können. Das hängt mit der Bundespolitik zusammen, mit dem deutlichen Versuch, die AfD rechts zu überflügeln seitens der Unionsparteien.“  [….]

(Tagesspiegel, 18.05.2026)

Ich traue Spahn, Linnemann, Merz, Dobrindt und Söder wirklich sehr viel Dummheit zu. Aber; auch wenn ich ungern in den verschwörungstheoretischen Bereich steche; können diese Männer wirklich derart verblödet sein, diese eindeutigen Befunde, die Korrelationen zu den demoskopischen Daten, nicht zu begreifen?


Ist der Fritzekanzler tatsächlich so unterbelichtet, nicht zu verstehen, wie man in den vergleichsweise liberal regierten Bundesländern Hamburg (AfD 7,5%), Bremen (AfD nicht in der Bürgerschaft) und Schleswig-Holstein (AfD nicht im Landtag) die A-Faschisten minimiert, während sie bei den besonders migrantenfeindlichen und stramm rechten CDU-Landesverbänden immer stärker werden?

Wie weit kann die kognitive Dissonanz der Union gehen? Ist eine bewußte Strategie, die auf schwarzbraune Koalitionen zielt, nicht wahrscheinlicher?

Mit der Merz-Regierung und einem Wahlvolk, welches seine Unzufriedenheit nur ausdrücken kann, indem es immer mehr in Richtung 1933 marschiert, sich rechtsradikalisiert und dystopischen Untergangs-Rache-Phantasien nachgeht, muss man sich tatsächlich bei den bevorstehenden Landtagswahlen auf das Schlimmste einstellen.

Nach der immerwährenden CDU-Skandalkette der Wegner-Regierung, liegt in den aktuellsten Umfragen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20.09.2026 die CDU auf Platz 1 und die AfD auf Platz 2!

Am selben Tag wird der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Hier liegen die Nazis unangefochten auf Platz 1, neun Prozentpunkte vor der SPD auf Platz 2.

Die größte Katastrophe wird aber schon zwei Wochen vorher, am 06.09., in Sachsen-Anhalt eintreten, wo die Nazis unmittelbar vor der absoluten Sitzmehrheit im Landtag gehandelt werden. Grüne, BSW und FDP schaffen es demnach nicht ins Parlament, die SPD nur ganz knapp. Die AfD ist so stark, wie alle anderen Parteien zusammen.

Der Magdeburger CDU-Ministerpräsident Sven Schulze bemüht sich unterdessen intensiv, die AfD weiter zu stärken, indem er ihre Hetze gegen die Ärmsten und Schwächsten übernimmt.

Die Machtübernahme der Nazis in einem Ost-Bundesland ist also bedauerlicherweise ein sehr realistisches Szenario. Angesichts der Prahlereien der rechtsradikalen Möchtegern-Regenten, kann ich nur dazu raten, das Bundesland des Grauens zu verlassen. Liebe Migranten in Sachsen-Anhalt, liebe Queere, liebe Linke, liebe Bürgerrechtler, kommt in die westdeutschen Bundesländer! Die große Mehrheit Eurer Mitbürger will eine gesichert rechtsextreme Partei wählen!

Unter dem faschistischen Regenten Ulrich Siegmund droht ein düsteres gruseliges Szenario des Abstiegs.

Natürlich hoffe ich auch noch, das Nazi-Desaster bei der Landtagswahl abzuwenden. Aber es wäre fahrlässig, keinen Plan B in der Tasche zu haben. Man sollte lieber zu den ersten, als zu den letzten gehören, die aus dem Bundesland fliehen.

[….] Noch sind es rund vier Monate bis zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Doch in der AfD wird offenbar bereits jetzt eifrig an Plänen gearbeitet, die beiden Bundesländer im Falle einer Machtübernahme grundlegend auf rechts zu drehen. [….] In Sachsen-Anhalt erörtert die vom dortigen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei bereits die mögliche personelle Neubesetzung des Regierungs- und Verwaltungsapparats. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will in der Landesverwaltung nach eigenen Angaben 150 bis 200 Posten neu besetzen. [….] Bei den anderen Parteien sorgen die immer offensiver vorgetragenen Überlegungen der AfD zur Machtübernahme dennoch für große Sorge. »Jedem muss klar sein, was droht, wenn die AfD an die Macht kommt«, warnt der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Bundestag, Dirk Wiese, im SPIEGEL.

»Einen solch unverhohlenen Zugriff auf den Staatsapparat hat es hierzulande seit dem Ende der Naziherrschaft nicht mehr gegeben«, so der SPD-Politiker mit Blick auf die AfD-Pläne für die zahlreichen Neubesetzungen im sachsen-anhaltischen Verwaltungsapparat. »Die Rechtsaußen-AfD um Siegmund will Behörden willkürlich im Lichte ihrer Vetternwirtschaft umbauen.«

Auch das geplante »Regierungsprogramm« der AfD in Mecklenburg-Vorpommern lehnt Wiese strikt ab. »Dem Wähler wird irgendwas versprochen, einfache Lösungen, möglichst radikal, nicht finanzierbar, egal, ob es möglich ist oder nicht«, so Wiese. Der Partei gehe es um Stimmungen und nicht um Inhalte. »Wer die AfD wählt, hat davon am Ende nichts – außer mehr kremlnahe Verfassungsfeinde in seinem Parlament, bei denen dann Freunde und Verwandte im Büro versorgt werden.« [….]

(Felix Keßler, 17.05.2026)

Wie enthemmt und völlig der Realität entrückt, die Wiedergänger des braunen Horrors sind, zeigt ihre Attacke auf Migranten in der Pflegebranche.
 

[….] In Umfragen liegt die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem geltende AfD vor der Landtagswahl bei knapp 40 Prozent. Nun steht ihr Wahlprogramm fest.  [….] Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt solle auf "kulturfremde Fachkräfte" verzichten, stattdessen solle es ein "Rückkehrprogramm für ausgewanderte deutsche Fachkräfte" geben.

Sachsen-Anhalt hat mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren die älteste Bevölkerung in Deutschland. Deshalb sei die Wirtschaft in hohem Maß auf Zuwanderung angewiesen, entgegnet Reint Gropp, Wirtschaftsforscher und Präsident vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): "Es ist ein Fehler, sich aus irgendeinem Grund auf nur Deutsche im Ausland zu konzentrieren." [….]

(ZDF, 12.04.2026)

Die Katastrophe in ländlichen Regionen, insbesondere im Gesundheitssektor, ist damit vorprogrammiert. Die Sachsen-Anhaltiner sind älter und damit auch kränker und pflegebedürftiger, als die Bürger anderer Bundesländer.

Ohne Pflegekräfte, Krankenschwestern und Ärzte werden sich die Friedhöfe schnell füllen. Die Wirtschaft wird kollabieren, weil Unternehmen ihre Investitionen in Sachsen-Anhalt stornieren. Sie werden das schon aus Imagegründen tun, aber sie müssen es auch, weil es keine Arbeitskräfte mehr geben wird. Die AfD-Wähler sind alt und/oder schlecht gebildet. Die Jungen und Fähigen werden das Land verlassen. Selbst wenn Siegmund einsehen sollte, auf welchem Holzweg er sich damit befindet, migrantische Pflegekräfte und Ärzte aus dem Bundesland zu treiben; wenn er die Rückkehr dunkelhäutiger und muslimischer Mitarbeiter in die Pflegeheime und Krankenhäuser erlaubte, käme keiner mehr.  Schon jetzt wollen migrantische Fachkräfte nicht in Ostdeutschland arbeiten.

Wenigstens die Hotelbranche, in der traditionell Menschen aus vielen verschiedenen Ländern arbeiten, wäre von dem Problem „Fachkräftemangel unter der AfD-Regierung Siegmund“ verschont, weil der Tourismus ohnehin komplett zusammenbräche.

Bedauerlicherweise könnte eine AfD-Landesregierung auch im Bund erheblichen Schaden anrichten. Bedauerlicherweise würde sie auch das Leben der Landeskinder, die nicht rechtsextrem wählen, ruinieren.

Man kann sich das also wirklich nicht wünschen. Aber das Glück im Unglück könnte der massive ökonomische Niedergang sein, der VIELLEICHT eines Tages die AfD-Wähler des Septembers 2026, wie jetzt einige MAGA-Wähler aus dem November 2024 erkennen läßt, wie dumm und destruktiv ihre Wahlentscheidung war.

Darauf zu hoffen, könnte aber enttäuscht werden, da Nazi-Wähler völlig der Realität entkoppelt denken. Sie werden sich mutmaßlich noch mehr als Opfer fühlen, angetrieben von der Landesregierung, die ihr Scheitern allen anderen in die Schuhe schieben wird.

Nazis sind zu Einsicht unfähig. Nazi brauchen erst den totalen Untergang. Selbst anschließend treten sie noch besserwisserisch, arrogant und faktenblind auf. Hermann Göring blühte bei seinem Nürnberger Prozess regelrecht auf, Rudolf Heß wurde zur Spandauer Ikone und Albert Speer, 1966 in Freiheit entlassen, führte anschließend ein Leben in großem Wohlstand, als gefragter Interview-Partner.

Sonntag, 17. Mai 2026

Same procedure as every day, Leo!

In Thüringen, der Diözese Erfurt, im Unstrut-Hainich-Kreis, in der Pfarrei St. Anna in Lengenfeld unterm Stein, flog wieder einmal ein Pfaff auf, der kleinen Jungs sexuell nachstellte.

Es lohnt sich nicht, die Details nachzuerzählen, weil es nun einmal das ist, was passiert, wenn man seine Kinder mit dem Pfaff allein lässt.

Ich empfinde Mitleid mit den einzelnen Opfern, aber nicht mit den Gläubigen.

Wer im Jahr 2026 trotz allem, was wir seit einem Vierteljahrhundert weltweit auf breiter Ebene berichtet bekommen, immer noch die Söhne und Töchter in Einrichtungen kirchlicher Trägerschaft, in Gottesdienste und Freizeitaktivitäten mit dem Pfarrer schickt, begeht moralisch betrachtet, Beihilfe.

Die antidemokratische, diskriminierende Ideologie der Bibel, des Katechismus sind bekannt. Die 2.000-jährige Kriminalgeschichte des Christentums kann jeder nachlesen. Der Antisemitismus, die Entrechtung von Kindern, die Aufforderung, Kinder körperlich schwer zu misshandeln, die Homophobie, die Misogynie – all diese immanenten Bestandteile des Christentums  - liegen jedem offen zu Tage.

Jeder weiß um die von der Kirchen angezettelten Genozide, die Kreuzzüge, die Auto Dafés, die Hexenverbrennungen, die Inquisitionen, den hundertmillionenfachen Mord bei der Missionierung, die Zerstörung der Kulturen ganzer Kontinente durch christliche Conquistadores.

Jeder weiß, wie sich „die Kirche“ auch aktuell positioniert: Als die entscheidende Unterstützerin Trumps, Putins, Orbáns, Kaczyńskis.

Wer kann moralisch auf solche Abwege geraten, seinen Nachwuchs der weltweit größten jemals existierenden K!nd€rf!ck€r-Organisation zu überlassen?

Das tut man nicht.

Aus der Kirche tritt man aus.

Aber in St. Anna in Lengenfeld unterm Stein lief es, wie immer: Der zölibatäre Mann, der sich um die Schulkinder kümmern sollte, wurde gleich zu seinem Amtsantritt 1998 mit Vorschusslorbeeren empfangen, so groß und so stark!

[…] Er macht nicht viel Aufhebens um seine Person: Siegfried Bolle, 32 Jahre alt, 1,96 Meter groß, und 110 Kilogramm schwer, ist ein umgänglicher, geselliger und zugleich eher zurückhaltender Mensch, wie er selbst sagt. 100 Tage ist der Neupriester inzwischen Vikar in der Heiligenstädter Propsteigemeinde St. Marien - eine Zeit, die für Siegfried Bolle "so schnell wie bisher noch kein Lebensabschnitt vorbeigegangen" ist. Der aus Worbis stammende Seelsorger hat inzwischen schon viele Male die heilige Messe gefeiert, hält Ministrantenstunden, bietet Jugendabende an, hat einen Kreis für junge Erwachsene eröffnet. Und mehrere Kinder hat er auch schon getauft. […] Wenig zufrieden ist Siegfried Bolle - ganz im Gegensatz zu seinem Dienst in Schulen in Bonn und in Hüppstedt - mit Erfahrungen, die er bisher mit dem schulischen Religionsunterricht in der Regelschule in Heiligenstadt gesammelt hat: "Unter den Schülern der siebenten, achten und neunten Klasse sind viele verhaltensauffällige und sozialgestörte Mädchen und Jungen, die sich sehr schwer tun mit dem Lernen. Religion steht bei ihnen ganz hinten an", sagt der Vikar und Religionslehrer. "Unter diesen Umständen stößt der schulische Religionsunterricht an seine Grenzen." […] 

(Tag des Herrn, Eckhard Pohl, 20.12.1998)

Als Bischof Dr. Ulrich Neymeyr den großen Bolle nach Sömmerda versetzen wollte, passierte das, was meistens passiert, wenn ein übergriffiger Pfaff womöglich Konsequenzen für sein Tun erlebt: Die Gläubigen stellen sich hinter ihn, schützen den Täter, starten Petitionen, diffamieren die Opfer.

  


[…] Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat einen Priester aus dem Eichsfeld vorläufig aus dem Dienst entfernt. Dem Co-Pfarrer der Gemeinde St. Anna in Lengenfeld unterm Stein werden zwei verbale sexualisierte Übergriffe auf Jugendliche vorgeworfen. […] Nachdem bekanntgeworden war, dass der Pfarrer nach Sömmerda versetzt werden sollte, hatten sich die Betroffenen gemeldet und von den Übergriffen berichtet. Nach Auskunft des Jugendamts ist einer der Vorwürfe strafrechtlich relevant. […] Nachdem die Versetzung bekannt geworden war, hatten 1.600 Gemeindemitglieder eine Petition für den Verbleib des Pfarrers unterschrieben.   […]

(MDR, 16.05.2026)

Machen wir uns nichts vor: Die Kirchenmitglieder finanzieren nicht nur die weltweit größte jemals existierende K!nd€rf!ck€r-Organisation, sondern sie sind selbst genauso unsympathisch, wie ihre Pfaffen und Bischöfe.

Aber was will man auch anderes von einem Verein erwarten, der sich Diskriminierung auf die Fahnen schreibt und Frauen generell für derartig minderwertig hält, daß unter 400.000 Priestern und 4.000 Bischöfen keine einzige Frau sein darf?

Wer als Missbrauchsopfer von so einer Organisation Hilfe erwartet, täuscht sich.

[…] Bischof Neymeyr weist die Vorwürfe zurück. […] Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bistum Erfurt erhebt in ihrem aktuellen Jahresbericht 2025 schwere Vorwürfe gegen Mitarbeitende des Bistums. Demnach hätte das Bistum entgegen eigener Aussage bereits vor 2010 von Übergriffen gewusst.

Zudem habe das Bistum die Befragung von Betroffenen über den Umgang mit dem ihnen zugefügten Leid mit Verweis auf den Datenschutz nicht unterstützt. In dem Bericht ist von einer "Untergrabung der Aufarbeitung" die Rede. So wurde ein Brief an die Betroffenen vom Datenschutzbeauftragten der ostdeutschen Bistümer, Matthias Ullrich, als nutzlos bezeichnet. Schriftlich ließ er mitteilen, eine Befragung sei unzulässig. Auch Bischof Ulrich Neymeyr wollte Fragebögen nicht verschicken. Er befürchtete, dass Betroffene retraumatisiert werden könnten. […] Am Ende landete der Fragebogen auf der Internetseite des Bistums. Drei Rückmeldungen habe es daraufhin gegeben. Brune sagte, die meist älteren Menschen verdienten es, "dass wir mit ihnen direkt in Kontakt treten".[…] Besonders kritisch äußert sich die Kommission außerdem über Weihbischof Reinhard Hauke. Hauke werden in dem Bericht "unbarmherzige Teilnahmslosigkeit" bezüglich des Missbrauchsgeschehens vorgeworfen. Er zeige sich unbewegt über die Schicksale der Betroffenen, seine Sorge gelte den Beschuldigten.  […]

(MDR, 21.03.2026)

Wie viele Belege brauchen die Kirchisten denn noch??
Man muss aus der Kirche austreten und Einrichtungen unter kirchlicher Trägerschaft meiden. Nie nie niemals darf man ihnen seinen Kinder überlassen!

Samstag, 16. Mai 2026

Merzsuggestion

Das ist mal eine bequeme Ausrede: Wir machen tolle Politik, sind bienenfleißig und effektiv, aber leider hapert es ein wenig an der Kommunikation.

Wir schaffen es nicht ausreichend, unsere grandiosen  Erfolge zu vermitteln.

Da müssen wir noch etwas besser werden. (NOCH besser.)

Die Regierung auf dem richtigen Weg.

Klingt irgendwie bekannt.

Die CDU-Homepage verbreitet ungerührt Erfolgsbilanzen, die ihren Kanzler als in der Welt bewunderten Macher lobpreisen.

CDU-General Linnemann wirbt bereits für den Neologismus „MERZEN“, als Verb des Erfolgs.

Die kognitive Dissonanz der CDU ist enorm.

Wenigstens käme niemand in der SPD auf die Idee, die klimakillende, antisoziale, Reichen-bereichernde Politik der Bundesregierung zu loben.

Die SPD ging lobenswerterweise in diese Koalition, um alle anderen, wesentlich schlimmeren Optionen zu verhindern. Um die übelsten neoliberalen Auswüchse zu bremsen. Um eine machtvolle Stimme für ihre Wähler zu bleiben.

Offensichtlich durchaus erfolgreich, denn sonst würde die CDU nicht so sehr darüber jammern.

Aber Spahn, Merz, Söder, Dobrindt, Klöckner und Linnemann werden unter den SPD-Abgeordneten leidenschaftlich verachtet. Kein Sozi erwartete ernsthaft, gestärkt aus dieser Kleiko herauszukommen.

Ganz anders die CDU.

Der Fritzekanzler war und ist viel zu blöd, um eine Ahnung davon zu haben, wie man Politik umsetzt und was für Schwierigkeiten es in einer Regierungskoalition gibt. Er dachte offenbar, er werde lauter schöne Glamour-Auftritte haben, da jeweils seine Lieblings-Sprüche kloppen und dann liefe der Laden wieder von allein. 

Aber schon Helmut Kohl wußte: „Die Wirklichkeit ist anders als die Realität“.

Auch wenn sich Merz noch so fabelhaft findet, beim Wahlvolk leidet er unter massiven Generalverschiss.

Inzwischen lauert man bei jedem Merz-Auftritt nur noch auf seine Blamagen und bedauerlicherweise liefert er immer.

Die Nazis sind der CDUCSU in Umfragen enteilt, weil die Christenparteien einfach nicht begreifen wollen, wie das Plagiieren der AfD-Politik nur die AfD fördert.

Obwohl das wissenschaftlicher Konsens ist.

Obwohl das auch die eigene Konrad-Adenauer-Stiftung betont.

Obwohl liberaler regierte Bundesländer, wie Hamburg und Schleswig-Holstein beweisen, wie man sich gegen die Nazi-Partei behauptet.

Wo Intellekt und Erkenntnis fehlen, muss Autosuggestion herhalten. Also bescheinigen sich die Konservativen und Milliardärs-Lobbyisten gegenseitig, wie fabelhaft sie sind, wie gut sie es machen.

Dabei sind sie so erfolgreich, daß große Teile „der Presse“ das Narrativ vom “Wirtschaftsfachmann Merz“, der ein „ausgezeichneter Redner“ sei, übernehmen.

Er müsse nur einmal in einer Ruck-Rede alles erklären.

Ich staune. Ich staune wirklich über diese Verblendung bei vielen Journalisten, denn gerade diese Punkte beweist uns Merz (nicht erst) seit seiner Kanzlerschaft jeden Tag auf’s Neue:
Er ist ein katastrophaler Redner, der sich täglich mit seinen Sprüchen weiter in den Abgrund reitet.

Er begreift selbst einfache ökonomische Zusammenhänge nicht, plappert stattdessen unermüdlich längst widerlegte Lobbythesen nach: Verbrenner-Motoren sind die Zukunft, erneuerbare Energien schaden der Wirtschaft, die Grünen machen ideologische Politik, Trickle Down funktioniert, nur die Milliardäre schaffen Arbeitsplätze und Innovationen, Migranten brauchen wir nicht.

Es ist alles Unsinn, aber Merz bleibt weiterhin frei von jeder Erkenntnis der Realität.

Eine „große Rede“ wird diesem Kanzler also sicher nicht aus der Patsche helfen.

[….] In den vergangenen Wochen hat sich in der deutschen Kommentarspalte ein eigentümlicher Wunsch herausgebildet, der quer durch politische Lager und mediale Häuser auffächert: Friedrich Merz solle endlich eine Rede halten. Die eine große Ansprache an die Nation, die alle mobilisiert, inspiriert, ja elektrisiert. [….] Und dann war da noch Grünenchef Felix Banaszak, der dem Kanzler Anfang der Woche ebenfalls »angesichts der Situation« die große Fernsehansprache empfahl. Aus mehreren Ecken erklingt also dieselbe Forderung, in der zugleich dieselbe stillschweigende Voraussetzung mitschwingt: dass eine Rede, hinreichend ernst vorgetragen, das Land aus seiner Lethargie wecken könne.

Ist Friedrich Merz zu dieser Rede fähig? Nun, wir sprechen hier immer noch von einem Mann, dessen rhetorisches Talent vor allem darin besteht, in regelmäßigen Abständen eher Feuer zu legen, als Lagerfeuer zu schaffen. Die Vorstellung, er könne mit der einen, lang ersehnten Suada plötzlich vollbringen, was ihm seine sonstigen Wortmeldungen mit beklemmender Verlässlichkeit verweigern, ist von so viel unergründlichem Optimismus und Zuversicht, dass man gar nicht weiß, gegen welche dunklen Wolken Merz da noch anreden sollte. [….] Über die Fettnäpfchen-Frequenz des Kanzlers wurde sich hier schon häufig gewundert , aber nur um seinen Fleiß in der Produktion rhetorischer Ausfälle noch mal in Erinnerung zu rufen: Nur wenige Tage vor den Buhrufen der Gewerkschafter hatte derselbe Rhetoriker bei einem Bürgerdialog in Salzwedel einer Mutter, die für ihr behindertes Kind sprach, die Frage zugemutet, ob es denn »unbedingt notwendig« sei, dass jedes einzelne Kind mit Behinderung eine eigene Schulbegleitung erhalte.

Eine andere, unheilbar an Hautkrebs erkrankte Bürgerin hatte Merz auf derselben Veranstaltung eine Einladung zu ihrer eigenen Beerdigung überreicht, um auf ihre prekäre Lage hinzuweisen – und wurde als Dank von ihm wegen einer angeblichen Falschbehauptung belehrt. Von diesem charismatischen Redner also erhofft man sich den nationalen Pep Talk?

Doch selbst wenn dieser Kanzler Ciceros Wiedergeburt wäre: Auf das Fantasma der erlösenden Rede könnte man dennoch nicht bauen. Es gibt in der politischen Imagination die nachvollziehbare Sehnsucht nach dem vereinenden Wort, dem einen Auftritt, der später in die Geschichtsbücher als der Moment der Verbesserung der Umstände eingehen wird. Ein Kanzler oder eine Kanzlerin tritt vor das Parlament, spricht aus, was zu sagen ist, und die Republik – so die Vorstellung – ändert ihren Kurs. [….] Wer auf die Ruckrede hofft, hofft vergeblich – und sollte lieber auf eine nüchterne Einsicht setzen: Friedrich Merz braucht keine Ansprache, um das Land zu mobilisieren, zu inspirieren, ja, zu elektrisieren. Er bräuchte schlicht: eine bessere Politik.  [….]

(Samira El Ouassil, 16.05.2026)

Das Problem ist nur, liebe Frau El Ouassil, „bessere Politik“ kann Merz erst Recht nicht. Dazu fehlen ihm Intellekt und Mindset.

Freitag, 15. Mai 2026

Die Männerreligion

Im Zuge des Beefs zwischen Prevost und Trump, konnte man viel über die Rolle des Katholizismus bei den MAGAs lesen.

Die Vordenker der ultrarechten „Christian nationalists“, Peter Thiel und Stephen Bannon insbesondere, haben den Katholizismus als Vehikel entdeckt, um ihre radikal reaktionäre menschenfeindliche und antidemokratische Agenda voran zu treiben. So konnte Thiel seinen politischen Ziehsohn J.D. Vance dazu bringen, zum Katholizismus zu konvertieren, sich für einen Agustinus-Experten zu halten und auf dieser Basis den Papst zu attackieren.

[….] Neu ist aber die unmögliche Situation, in die sich der US-Vizepräsident selbst gebracht hat – und damit auch seine Regierung, die mit immer schrilleren Bezügen zum Christentum auffällt. Da ist Verteidigungsminister Pete Hegseth, der mit einem gefälschten Bibelzitat aus dem Film »Pulp Fiction« hantiert. Oder Trumps spirituelle Beraterin Paula White-Cain, die ihren Präsidenten in der Karwoche mit Jesus Christus verglich. Aber bei niemandem zeigt sich das grundsätzliche Missverständnis zwischen Politik und Theologie so deutlich wie bei JD Vance. Erst 2019 ist der Republikaner zum Katholizismus konvertiert.  [….]  Seit ein paar Jahren hat eine Strömung der neuen subversiven amerikanischen Rechten den Katholizismus zunächst als provokative Attitüde entdeckt. Ausgerechnet die coolen Kids von der Lower East Side in Manhattan schmückten sich mit dem Label »Trad Cath« , »traditionell katholisch«. Um die vermeintlich woke-liberale Hegemonie zu verstören, kokettierten sie mit traditionellen Familienbildern und stürzten sich lustvoll auf die reaktionärsten Strömungen, die im Katholizismus zu finden waren. […] Typen wie der Techmilliardär Peter Thiel, der seine ganz eigene Geschmacksrichtung von »Vibe-Katholizismus« entwickelt hat. […] Peter Thiel ist kein Fan des Papstes, den er für zu »woke« hält. Zugleich hält der Hobbytheologe gern Vorträge über sein Konzept vom Antichristen (der seiner Meinung nach Züge der Klimaaktivistin Greta Thunberg trägt). [….]

Vance nahm die Rolle des Papstes gleichzeitig zu ernst und nicht ernst genug. [….] Vance aber wurmte es offensichtlich, dass ihm die oberste Autorität in Glaubensdingen nicht recht gab. [….] Das Problem ist: Der Papst ist kein beliebiger Pastor in irgendeiner protestantischen Freikirche, mit dem man über die richtige Auslegung einer Bibelstelle diskutieren kann. Vance verrannte sich, als er dem Oberhaupt der katholischen Kirche empfahl, in theologischen Fragen »vorsichtig« zu sein, in unerhörtes Terrain. [….] Aber Vance hatte sich immer noch nicht tief genug eingebuddelt. Als Nächstes wies er den Papst großmütig auf die fast tausendjährige Geschichte des Konzepts des »gerechten Krieges« hin. Das Konzept geht unter anderem auf ebenjenen Augustinus zurück, den Vance als seinen Schutzpatron verehrt – womöglich hielt er sich deshalb für ausreichend kompetent. Doch wie Vance wissen müsste, da er dem Papst zu dessen Inauguration zwei Augustinus-Ausgaben geschenkt hat, ist Leo XIV. einer der größten Augustinus-Experten auf dem Planeten. [….]

(Matern von Boeselager, 25.04.2026)

OK, in diesem Fall ging es schief, den katholischen Umhang zu benutzen, weil Prevost US-Amerikaner ist, bei dem Thema keine Auseinandersetzung scheut und weil Vance dumm wie Bohnenstroh ist.

Davon mal abgesehen, ist der Katholizismus eine durchaus naheliegende Wahl, um in der dunkel-abrahamitischen, misogynen, homophoben, antisemitischen und xenophoben Republikaner-Welt, einen „seriösen“ Anstrich zu bekommen. Schließlich war die Kirche die längste Zeit ihrer 2000-Jährigen Geschichte katholisch und wurde von mächtigen weißen Männern geprägt, die sich Frauen/Ungläubigen/Kindern/Schwulen/Dunkelhäutigen/Sklaven gegenüber für superior hielten. Und halten.

Über die MAGA-und GOP-Schiene gewinnt die katholische Kirche enormen Einfluss in der US-Politik, weil es die katholischen Stimmen waren, die maßgeblich Donald Trump über die Ziellinie trugen. Darunter sehr viele Latinos, die am allermeisten unter dem ICE-Terror leiden und schon seit 2015 permanent von Trump dämonisiert werden. Eigentlich sollte die GOP keine einzige Latino-Stimme bekommen, aber der Katholizismus, mit seiner Homophobie und dem radikalen Kampf gegen schwangere Frauen, überwog bei der Wahlentscheidung 2024.

[….] Eine wachsende Minderheit in den USA sieht den Einfluss von Religion steigen. 37 Prozent äußerten diese Einschätzung in einer vom Pew Research Center in Washington veröffentlichten Umfrage.

Das sind 19 Prozentpunkte mehr als 2024, kurz vor Beginn der aktuellen Trump-Regierung. 17 Prozent sprachen sich dafür aus, das Christentum zur Staatsreligion zu erklären, das ist ein Anstieg um vier Prozentpunkte. Zwischen Parteigängern der regierenden Republikaner und der Demokraten zeigen sich erhebliche Unterschiede.

75 Prozent der Republikaner bekundeten eine positive Sicht auf den öffentlichen Einfluss von Religion, doppelt so viele wie Anhänger der Demokratischen Partei (38 Prozent). Dass bei der Gesetzgebung die Bibel im Zweifelsfall größeres Gewicht als die Volksmeinung haben sollte, meinten 45 Prozent der Republikaner gegenüber 13 Prozent der Demokraten. 27 Prozent der Republikaner befürworteten eine christliche Staatsreligion.  [….]

(ORF, 15.05.2026)

Für mächtige weiße heterosexuelle Männer ist der Dunkelkatholizismus eine prima Sache. Damit kann man die Frauen zurück an den Herd drängen, auf das Kinderkriegen reduzieren, Schwulenrechte streichen und drakonische Strafen durchsetzen.

Für Frauen/Queere stellt sich die Sache anders dar.

[…] Amerikas junge Frauen wenden sich zunehmend vom Glauben ab. Inzwischen bezeichnen sich bereits 43 Prozent der unter 30-jährigen Amerikanerinnen als nicht religiös.

Der Anteil der nicht religiösen jungen Frauen (von 18 bis 29 Jahren) hat seit 2013 stetig zugenommen – von 29 auf 43 Prozent (2025). Der Begriff (im Original: none) umfasst Atheisten, Agnostiker und andere, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören. Ein Großteil dieses Zuwachses resultiert aus einem Rückgang der Religionszugehörigkeit bei jungen Frauen aus ethnischen Minderheiten (Women of Color). Dagegen blieb der Anteil der nicht religiösen jungen Männer im selben Zeitraum bei 35 Prozent stabil.

Zu diesen Ergebnissen kommt die jetzt veröffentlichte Studie Census of American Religion 2025 des Public Religion Research Institute (PRRI) in Washington, D. C. Über alle Geschlechter hinweg identifizierten sich demnach 9 Prozent der unter 30-Jährigen in den USA als nicht religiös.

Eine bedeutende Rolle bei der Abwendung junger Frauen von den Kirchen spielen die traditionellen Geschlechterrollen in konservativen Glaubensgemeinschaften, sagt die PRRI-Direktorin Melissa Deckman. "Ich glaube, wir erleben gerade einen frontalen Zusammenstoß: Viele jüngere Frauen legen ihre religiöse Selbstbezeichnung ab, weil sie die Ansichten konservativer und lautstarker Kirchen nicht unterstützen."

Während die Frauen gehen, drängen junge Männer mit christlich-fundamentalistischen Überzeugungen – die sogenannten "Theo Bros" – zunehmend an die Öffentlichkeit. Einige Wortführer der Bewegung fordern in den sozialen Medien sogar eine Abschaffung des Frauenwahlrechts. Beobachter vermuten deshalb auch einen erhöhten Zulauf junger Männer zu den Kirchen. Dem widerspricht Deckman: Nach ihrer Ansicht sei es unwahrscheinlich, dass dieser Trend viele Menschen in die Kirchen locken wird.  […]

(hpd,15.05.2026)


Kein Wunder, für Frauen ist die Rolle, die ihnen abrahamitische Ideologien zubilligen, reichlich suboptimal. Es war mir schon immer ein Rätsel, was Queere und Frauen an einer Religion finden, die sie generell als minderwertig gegenüber heterosexuellen Männern ansieht! AUSTRETEN! Heten auch!

Donnerstag, 14. Mai 2026

Deutschland unterstützt Russland

Ja, sicher, am 24.02.2022 habe ich die militärische Lage der Ukraine auch völlig falsch eingeschätzt. Als das riesige übermächtige Russland, die Atom-Supermacht losmarschierte.
Und auf der anderen Seite das kleine Problemland, dem wir erst mal mit 5.000 Helme aushelfen mussten.

Wenigstens bin ich Laie. Peinlicher war es natürlich für all die Militärexperten, Generäle und Obersten, die in den Talkrunden saßen und einen totalen Zusammenbruch der Ukraine innerhalb weniger Wochen voraussagten.

Gute vier Jahre wissen wir es besser: Die enorme Waffen-Übermacht auf dem Papier, bedeutet keineswegs einen ebenso klaren und schnellen Sieg auf dem Boden.

Das erlebt das stärkste Militär der Welt unter der glorreichen Führung des Very Stable Genius gerade im Iran: Der USA geht die Munition aus, der größte Flugzeugträger der Erde, die USS Gerald Ford, musste zu Reparaturen vom Golf abgezogen werden und die Mullah haben eine starke Verhandlungsposition.

[….] Dass die eigenen Siege gern größer dargestellt werden als sie sind, ist fast schon normal. Die Erfolgsmeldungen, die Amerikaner und Israelis wenige Tage nach Beginn des Krieges gegen die Islamische Republik Iran kundtaten, gehören aber in eine andere Kategorie. Nicht nur, weil sie so triumphaler nach Sieg an allen Fronten klangen. Sondern auch, weil sie nicht stimmten.

Die Mullah-Republik sei militärisch am Boden, die iranische Marine läge am Grund des Persischen Golfs, hatte US-Präsident Donald Trump wenige Tage nach Kriegsbeginn getönt. Militärisch gesehen habe die Islamische Republik „nichts mehr übrig.“ Auch die meisten der primär von Israel gefürchteten ballistischen Raketen habe man zerstört. Die Zerschlagung des iranischen Raketenprogramms war eines der erklärten Kriegsziele.

Rund 90 Prozent der unterirdischen Raketenstätten Irans sollen in Betrieb sein.

Den amerikanischen und israelischen Jets gingen die Ziele aus, klagte der US-Präsident. Irans Raketen seien „bis auf ein paar verstreute Überreste reduziert worden“. Ähnlich euphorisch formulierte es Verteidigungsminister Pete Hegseth, der den Titel „Kriegsminister“ trägt. Die USA und Israel hätten Irans Streitkräfte „dezimiert und auf Jahre kampfunfähig gemacht“.

Doch die Alliierten waren zu siegessicher. Iran besitze immer noch rund 70 Prozent seiner mobilen Raketenwerfer und fast zwei Drittel der Raketen selbst, berichtete die New York Times am Dienstag unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Ähnliche Zahlen hatte zuvor die Washington Post berichtet. Demnach haben die Iraner weiterhin jede Menge sowohl weitreichender ballistischer Geschosse als auch Kurzstreckenraketen und Marschflugkörper im Arsenal.  [….]

(Tomas Avenarius, 13.05.2026)

Die Todeszahlen, die Verletzten, die Zerstörungen in der Ukraine, sind tatsächlich so verheerend, wie vor vier Jahren für den Fall, daß sie sich mit allen Mitteln gegen Putin wehrt, prognostiziert wurde.

Bei einer sofortigen Ukrainischen Kapitulation im Jahr 2022, könnten heute noch viele Menschen leben, wäre die Infrastruktur noch intakt, wäre nicht das Klima massiv geschädigt worden.

Aber Russland gewinnt nicht militärisch.

Aber Russland wird selbst auch zerstört.

Aber Russland zahl selbst einen aberwitzigen Blutzoll von möglicherweise bis zu einer Million Menschenleben bisher.

Insbesondere veränderte sich aber unsere Sicht auf die Ukrainische Armee, die in den vergangenen Jahren Fähigkeiten entwickelte, von denen die Bundeswehr nur träumen kann.

Sie ist klar die stärkste Militärmacht Europas und ein gefragter Partner der Golf-Staaten, die vom Iran beschossen werden.

[….] Die Golfstaaten leiden im Iran-Krieg unter starkem Beschuss. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sorgen sich um ihre Sicherheit. Präsident Selenskyj bietet ihnen die Expertise der Ukraine an.

Die Ukraine hat mit mehreren Golfstaaten eine Zusammenarbeit bei der Luftverteidigung besiegelt. Bei einer Reise in die Region schloss der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj entsprechende Abkommen zunächst mit Saudi-Arabien und dann mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Nach dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar wurden ukrainische Experten in die Region entsandt, um bei der Abwehr von iranischen Drohnenangriffen zu helfen.  [….]

(NTV, 28.03.2026)

Im linken Schwurbelstan, bei Alice Schwarzer und Alice Weidel, bei Wagenknecht und BSW, bei AfD und Russlanddeutschen, wird immer noch nicht verstanden, daß die Ukraine das einzige ist, das zwischen uns und Putin steht. Auf Trumpmerica ist sicher kein Verlass, unsere eigene Bundeswehr immer noch ein Saftladen.

(….)  Schließlich verstieg [Tagesspiegel-Amerika-Mann Marschall] sich dazu, „Zwei ganz harte Sachen“ zu sagen (ab Minute 44:17):

[….] Ich verstehe nicht, warum wir in Deutschland und Europa irgendwelche Hoffnungen in Gespräche mit Putin setzen. Putin hat alle Abkommen gebrochen. Es spricht überhaupt nichts dafür, wenn es denn zu einem Abkommen käme, dass er das freiwillig einhalten würde. Und das zweite, wir sind einer so schrecklichen Situation, dass wir in einem Gewissenskonflikt sind, dass wir einerseits wünschen, dass der Krieg endet, damit Menschen nicht mehr sterben. Aber solange die Ukraine kämpft, ist das die sicherste Hindernis dafür, dass Putin die NATO Ostflanke angreift. Und ich meine vor allen Litauen, weil dort die Bundeswehr steht, dann wären wir im Krieg. Also, es ist wirklich ein Gewissenskonflikt. Es ist brutal das zu sagen, aber es liegt in unserem Interesse, dass dieser Krieg noch etwas weitergeht, damit wir eine glaubwürdige Abschreckung aufbauen können, damit nach dem Ukrainekrieg nicht ein Litauen Krieg folgt. [….]

(C.v. Marschall)

Wenn aber Russland die NATO-Mitglieder Litauen oder Estland angreifen sollte und daraufhin der Artikel 5 griffe, würde MAGAmerika uns mit hoher Wahrscheinlichkeit im Stich lassen und nicht seine Atomstreitmacht gegen Putin ins Feld führen.

Eine Anruferin war davon derartig entsetzt, daß sie ihre ursprünglich Frage zurück zog, um darauf erneut einzugehen (ab Minute 58:08):


[…] Während der Runde hat mich ein Satz sehr gestört von Herrn Marschall und zwar in dem er gesagt hat, ähm der Krieg könnte ruhig noch ein bisschen weitergehen in der Ukraine, weil sonst ähm würde man ein hohes Risiko eingehen. Und ich finde das ganz schlimm, so einen Satz in die Welt zu setzen, vor allen Dingen als Journalist, weil ich weiß nicht, ob er schon mal selber erlebt hat, wie es ist im Krieg die Menschen, die frieren, die hungern, die Ängste haben und da noch zu sagen, der könne ruhig noch ein bisschen weitergehen, der Krieg das leichtfertig und ich finde es erschütternd.   […]

(Anruferin aus Berlin)

Ich befürchte, hier klingt wieder das fatale Schwurbel-Hufeisen an: Putin-Fans, Rechtsradikale, Öko-Verwirrte, Denk-Amateure und durchaus sympathische Menschen, die sich einfach nur Frieden wünschen.

Aber der Zug ist leider abgefahren. Man kann jetzt nicht das Schießen und Morden beenden, indem man Putin einfach das gibt was er möchte, Donezk, Donbass, die am stärksten befestigten Ukrainischen Stellungen. Denn so viel wissen wir sicher; Putins Versprechungen sind genauso wertlos, wie Trumps. Er wird sich nicht in Zukunft bescheiden zurückhalten, wenn man ihm nur weit genug entgegenkommt. Das hat Chamberlain vergeblich mit Hitler versucht, das versucht Merz vergeblich mit Trump und das wird auch nicht mit Putin funktionieren.

[….] Ich verstehe völlig ihre Empörung, aber ich habe nicht gesagt, der kann noch ein bisschen weitergehen, sondern ich habe genau das getan, was sie von mir gefordert haben. Ich habe gesagt, wir sind in einem Gewissenskonflikt und dass ich jetzt etwas ganz Schreckliches sagen werde.

Das ist leider durch unser Verschulden, weil wir Abschreckung Militär über Jahre nicht ernst genommen haben, brauchen wir Zeit, um abschreckungsfähig zu werden. Und diese Zeit schenkt uns die Ukraine, solange sie kämpft. Ich weiß nicht, ob sie gerne lieber haben wollen, dass dieser Ukrainekrieg ganz schnell runtergeht und kommendes Jahr greift Putin die deutschen Soldaten in Litauen an. Ob sie das für die bevorzugenswerte Variante halten. Es ist ein moralischer und ein Gewissenskonflikt, aber wir müssen ihn offen aussprechen, natürlich in der gebotenen Einordnung, dass das etwas schreckliches ist, das so sagen zu müssen. Aber in diese Lage haben wir uns gebracht [….]

(C.v. Marschall)

Marschall mag persönlich nicht besonders liebenswert sein und auch nicht immer Recht haben. In diesem Fall aber schon. EU-Regierungschefs und Verteidigungsminister werden es nicht laut aussprechen, weil es so amoralisch und empörend ist. Aber ich vermute auch sehr stark, daß sie sich hinter verschlossenen Türen wünschen, der Ukraine-Krieg möge noch ein paar Jahre möglichst blutig weitergehen und dabei dem Kreml jeden Tag viel Geld, Waffen und Menschenleben kosten. Das ist im Moment unsere beste Möglichkeit, die russische Armee zu schwächen. Die Ukrainer zahlen ungerechterweise den tödlichen und perfiden Preis für uns. Da ist es das Mindeste, sie wenigstens finanziell, logistisch und mit allen Waffen, die wir haben, auszustatten. (….)

(Mehr Geld und mehr Waffen für die Ukraine, 25.01.2026)

Es dürfte der eine, aber womöglich wesentliche Verhinderungsgrund sein, der gegen eine CDU-AfD-Bundesregierung spricht: Selbst die meisten relevanten Politiker der CDU haben begriffen, wie wichtig die militärische und finanzielle Unterstützung für die Ukraine ist. Und sei es auch nur aus egoistischen Motiven, um der Bundeswehr Zeit zur Aufrüstung zu verschaffen.

Aber blöd, wie sie nun einmal sind, stärken die Fossil- und Uran-Jünger der CDUCSU dennoch Putin den Rücken.

[…] Ein Gas-Deal für Putins Kriegskasse[…] Ein Bundesunternehmen verhandelte 2023 mit einem Putin-Vertrauten über die Wiederaufnahme von LNG-Lieferungen - das zeigen NDR-Recherchen. Der Kreml gab das Geschäft frei, seitdem fließen Milliarden. […] Es ist eine vertrauliche Mission, Anfang April 2023. Egbert Laege, Chef der bundeseigenen Firma SEFE, ist eigens nach Dubai gereist. Der Mann, den er treffen will: Leonid Mikhelson, einer der reichsten Russen, Chef der Gasfirma Novatek und Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin. […]

SEFE-Chef Laege ist sich offenbar bewusst, dass sein Plan politisch heikel ist. Das deutet er in seinem internen Memo zum Treffen mit Mikhelson an. Aber es hält ihn nicht davon ab, die Gas-Gespräche voranzutreiben. Laege und Mikhelson wollen einen alten Vertrag aus dem Jahr 2015 wieder zum Leben erwecken, aus der Zeit, in der die SEFE noch Gazprom Germania hieß und ein Ableger des russischen Staatskonzerns Gazprom war. Weil die Bundesregierung die Gazprom Germania 2022 aber verstaatlicht, in SEFE umbenannt und dem Zugriff Russlands entzogen hat, boykottiert die russische Regierung die SEFE.

Mit Mikhelson scheint sich Laege schnell einig zu sein. Ein Ableger von Mikhelsons Firma Novatek soll bis 2038 LNG an die SEFE liefern. […] Lieferdaten legen nahe, dass die meisten Lieferungen seit 2023 tatsächlich nach Europa gingen. 2026 landeten laut einer Analyse der Organisation "Urgewald" in den ersten vier Monaten sogar 98 Prozent aller Exporte aus dem Yamal-Projekt in Europa. Die SEFE gilt seit der Wiederaufnahme der Lieferungen 2023 als einer der bedeutendsten Abnehmer. In Häfen wie Seebrügge oder Dünkirchen wird das Gas in Pipelines gespeist. Von dort aus strömt es wohl auch nach Deutschland. […] Bis 2027 aber wird das LNG noch in der EU anlanden - und die Milliarden noch weiter nach Russland fließen. […]

(Tagesschau, 13.05.2026)