Montag, 29. Juni 2026

Falsch abgebogen

Man hatte ihn natürlich mit positiven Vorurteilen bedacht; also letztlich mit unfairen Stereotypen bedacht:

Volker Beck, den mittlerweile 65-Jährigen, in Stuttgart geborenen Politiker.

Ein Grüner und mutiger Vorkämpfer gegen Peter Gauweilers diskriminierende AIDS-Politik, der sich intensiv für Schwulenrechte einsetzte und 2000 eine wesentliche Rolle spielte, um die „Bundesstiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ einzurichten, die sich um die Entschädigung von 1,7 Millionen Zwangsarbeiter aus über 100 Ländern kümmerte.

(Übrigens eine der wesentlichen Großtaten, für die man Bundeskanzler Schröder ewig dankbar sein muss, auch wenn der Mann heute von allen Linksgrünversifften pauschal gehasst wird.)

Natürlich wünschte ich so einem Politiker stets Erfolg und Anerkennung. Daher war ich bereit, ihm seine religiotische Inselverarmung zu verzeihen. Seine dümmliche Ausrede von 2016, er habe 0,6 Gramm „Meth“ nicht für sich gekauft, war schwach. Er hätte gleich dazu stehen sollen. Es war eine Bagatelle.

Schlimmer war schon sein 1988 erschienener Text zur „Entkriminalisierung der Pädosexualität“. Allerdings war es damals keine exklusive Meinung von ihm, sondern wurde in den 1970ern und 1980ern von Sexualwissenschaftlern durchaus diskutiert. Es galt zeitweilig als eine notwendige Liberalisierung des Sexualstrafrechts unter vielen. Man muss Beck zu Gute halten, den Irrtum bald erkannt zu haben und sich glaubhaft von dem Text distanziert zu haben.

Man kann einem Politiker Dekaden zurück liegende unsinnige Äußerungen nicht ewig vorhalten.

Auch hier würde ich für Milde plädieren, hätte Beck nicht 19 Jahre später in einem Interview auf abgeordnetenwatch.de versucht, sich a posteriori rein zu waschen, indem er behauptete, seinen brisanten Text von 1988 nicht autorisiert zu haben. Überhaupt habe der Herausgeber seine Worte verfälscht. Das war dreist von Volker Beck! Wie aber erst 2013 vom SPIEGEL enthüllt wurde, hatte der prominente Grüne die Öffentlichkeit belogen. Der Text war nicht verfälscht worden.

Aber 2013 war Becks Renommee ohnehin schon zertrümmert, weil ausgerechnet er, der Mann mit dieser problematischen Vergangenheit bezüglich der Unversehrtheit von Kindern, 2012 zum Wortführer der Religioten wurde, als es darum ging Babys und Kleinkinder zu quälen und zu verletzen.

Auf Kritik an seiner Haltung, reagierte er wie bei der Causa Pädokriminalität von 2007, mit dreisten Lügen perfiden Angriffen.

Es dauerte noch bis 2017, aber dann war endlich auch für die Grünen das Maß voll und sie kickten Beck aus dem Bundestag:

(….) Er gehörte vor Äonen zu den ersten Grünen und sitzt bereits seit 22 Jahren ununterbrochen im Bundestag.  Einen politischen Betrieb ohne sich selbst im Zentrum kann sich der in den sozialen Medien unfair und aggressiv auftretende Beck nicht vorstellen.

 Daher will auch er 2017 erneut in den Bundestag einziehen und damit weitere fünf Jahre Abgeordneter bleiben – damit hätte er 27 Jahre voll.

Beck greift in der persönlichen Auseinandersetzung zu perfiden Methoden.

Ich habe das selbst erlebt, als er mich auf Facebook auf widerlichste Art angriff.

So ein Verhalten mir gegenüber würde ich nicht zum generellen Kriterium gegen einen Politiker machen, aber in dem Fall ging Beck anschließend vor die Presse und an das Rednerpult des Bundestags um in unerträglicher Larmoyanz zu beklagen wie gemein alle zu ihm im Netz wären, obwohl er derjenige war, der so austeilte, daß ich fassungslos um einen Shitstorm gegen ihn bitten mußte.

(Das politische Ende, 04.03.2016)

Verblüffenderweise regt sich aber in seiner eigenen Partei Widerstand.

Nicht jeder ist glücklich mit Becks erneuter Kandidatur, da er inzwischen eine Menge Skandale ansammelte. Die Pädophiliedebatte von 2013, seine Crystal Meth-Affäre, sein ostentatives Engagement für die Genitalverstümmelung führen dazu, daß er keineswegs mehr sicher auf Platz 1 der NRW-Landesliste gesetzt wird. (….)

(Loslassen, 29.11.2016)

Seit dem September 2017 sind wir Volksvertreter Beck endlich los.  Spät genug, denn der Mann driftet immer mehr in fundamentalistische antifreiheitliche Sphären ab.  Er tut das wie immer mit dem typischen Beck-Spin, indem er anderen genau den extremistischen Unsinn unterstellt, dem er selbst frönt.  Vor drei Wochen kritisierte der schwere Religiot den Säkularismus nicht nur als antifreiheitlich, sondern verglich ihn gar mit Islamismus.

[….] Volker Becks Mär vom antifreiheitlichen Säkularismus

[…..] Es gibt Politiker, die können es nicht lassen, ihr Halbwissen öffentlich zu machen. So auch Volker Beck (B90/Die Grünen), der sich einmal mehr in eine Debatte einmischte, ohne auch nur die geringste Ahnung von der Materie zu haben.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Kölner Grünen-Politiker Volker Beck ungefragt zu Wort meldet und Dinge verkündet, die ebenso falsch wie unangebracht sind. Man erinnere sich: Als die Diskussion um die Beschneidung von unmündigen Jungen begann und noch kaum ein Argument ausgetauscht war, wedelte Volker Beck bereits mit der Antisemitismuskeule.

Nun hat sich Volker Beck wieder einmal mehr nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Als der Psychologe Ahmad Mansour bei Twitter auf ein ZEIT-Interview mit ihm zur neuen Islam-Initiative hinwies, antwortete Volker Beck: "Deshalb kann ich -bei aller Sympathie für Pluralität- die "Initiative Säkularer Islam" nicht unterstützen: 'Keine Kopftücher, keine Kreuze, keine Kippas' - das ist weder säkular noch neutral, es ist religionsfreiheitsfeindlich & richtet sich gegen das Grundgesetz." Damit zeigte er, wie wenig er von der Idee eines säkularen Staates begriffen hat und wie falsch er das Grundgesetz versteht.

Nun muss man dabei bedenken, dass Volker Beck lange Zeit der religionspolitische Sprecher seiner Partei war. Drum ist es umso peinlicher, dass er noch immer nicht begriffen hat, dass Religionsfreiheit auch die Freiheit von Religion meint.

Als die Diskussion um seinen Tweet an Fahrt aufnahm, legte er nach. Für ihn sei "der Säkularismus ist so antifreiheitlich wie der Islamismus".

Und anstatt wegen der erfolgten Kritik an dieser Meinung (und es ist nicht mehr als das) einmal innezuhalten und nachzudenken … er wäre nicht Volker Beck, wenn er sich nicht verrennen und noch einmal bestätigen würde, dass er keine Ahnung davon hat, wovon er redet: "Was ist daran unsachlich: der Säkularismus ist so antifreiheitlich wie der Islamismus. Die eigene Weltanschauung zur Norm für das Leben aller machen, s. Neutralitätsgesetz." […..]

(hpd, 11.12.2018)

Es bleibt nur die Frage, ob Beck bösartig oder vollkommen verblödet, oder beides ist.  Aber daß der „Erfahrungsjurist“ skrupellos und unbelastet jeder Fachkenntnis agiert, wissen wir spätestens seit er im Bundestag mit der Bibel in der Hand aus der Genesis zitierte und daraus das Recht ableitete kleinen Jungs am Penis herumzuschneiden.

Ein Grüner, der sich strikt gegen die UN-Kinderrechtscharta wendet und das Recht auf Unversehrtheit des Individuums aufgibt.

Nur die Religion kann einen zu so einer Perfidie treiben.   In dem Zusammenhang fällt es schwer nicht auf die Geschichte zu verweisen, die Beck immer von rechts vorgeworfen wird. Er hatte bekanntlich schon in den 80er Jahren mal ein Problem mit Kinderrechten und da sollte man doch meinen, er hätte gelernt bei dem Thema vorsichtig zu sein.

(….) Meiner Ansicht nach darf jeder seinen Penis ab- oder beschneiden, ihn tätowieren, piercen, operieren wie er will – vorausgesetzt man ist über 18! Kindern darf man nur am Penis rumschneiden, wenn es aus medizinischen Gründen notwendig sein sollte.

Man darf nicht an Penissen rumschneiden, um wie einst Herr Kellogg damit die vermeidlich unmoralische Masturbation zu verhindern, man darf nicht bei den jährlich rund 40.000 in Deutschland geborenen Babys mit unklarem Geschlecht den Penis amputieren, um sie zu Mädchen zu machen, weil eine überkommene Moral ein eindeutiges Geschlecht verlangt und schon gar nicht darf man aus religiösen Gründen Vorhäute von Kindern und Säuglingen abschneiden.

Herr Beck gehört zu den intensivsten Verteidigern der Säuglingsbeschneidung, argumentiert dafür irrerweise im Bundestag, indem er aus der mörderischen Genesis vorträgt und lügt darüber hinaus auch noch in perfider Weise über die Gefährlichkeit solcher Eingriffe.

„In den USA, wo die Beschneidung übliche Praxis ist, sterben mehr Jungen an der Zirkumzision als am plötzlichen Kindstod. Ganz zu schweigen von den 1.000 schwer verletzten Jungen, die jedes Jahr in den USA ihre ganze Eichel verlieren. Beschneidung ist richtig gefährlich – auch dann, wenn sie angeblich kunstgerecht durchgeführt wird.“
(Christian Bahls)

„Bei der Abwägung muss auch die Bedeutung des Eingriffs bewertet werden. Er ist in der Tat irreversibel, aber doch vergleichsweise gering – eine gesundheitliche Schädigung ist nicht die Folge..“
(Bundestagsrede von Volker Beck, 19.07.2012)


Beschnittene Männer berichten in Psychotherapien darüber, dass sie unter dem Gefühl leiden, es sei ihnen ohne ihr Einverständnis etwas weggenommen worden. In der Tat hat die Vorhaut wichtige erotische Funktionen: Sie erleichtert die Penetration und erhält die sexuelle Erregbarkeit. […] Die Entfernung der Vorhaut von Säuglingen ist buchstäblich einschneidender als die von Erwachsenen oder älteren Kindern. Da Vorhaut und Eichel bei fast allen Neugeborenen noch fest verwachsen sind, ähnlich wie Fingernägel mit dem Nagelbett, müssen diese beiden Strukturen zunächst einmal auseinandergerissen werden. Danach wird - je nach Methode - die Vorhaut längs abgeklemmt und eingeschnitten, mit einem Beschneidungsinstrument rundum für mehrere Minuten gequetscht und schließlich mit einem Skalpell amputiert. Die gesamte Operation dauert bis zu zwanzig Minuten. Obwohl in medizinischen Studien bewiesen wurde, dass die Neugeborenen extreme Schmerzen erleiden, ist eine adäquate Betäubung auch heute noch eher die Ausnahme als die Regel.
(Prof. Wolfgang Schmidbauer)

Becks Feldzug gegen intakte Kinderpenisse ist zudem doppelt verwerflich, weil sie der UN-Kinderrechtskonvention widerspricht und gerade als Politiker, der Pädophilie-Legalisierungs-Vorwürfe an sich kleben hat, sollte sich nicht auch noch über die physischen Unversehrtheit von kleinen Jungs hinwegsetzen. (…..)

(Beck ist weg, 24.12.2018)

Volker Beck wollte sich damals mit 57 Jahren aber keineswegs aus der Öffentlichkeit zurück ziehen, sondern ging den Weg Kisslers und Matusseks nach ganz Rechts in die Religiotie. 2015 setzte er sich ausdrücklich für die Beibehaltung des „Kirchensteuersystem“ zu Gunsten der weltgrößten K!nderf!ckerveine ein.

Volker Beck wieder einmal mit aller Kraft gegen Menschenrechte und Verfassung.

[….]  Wir fordern die konsequente Trennung von Staat und Religion sowie die strikte Beachtung des Verfassungs­gebotes der welt­anschaulichen Neutralität des Staates!

Es muss endlich Schluss damit sein,

·        dass Bischofsgehälter aus dem allgemeinen Steuertopf bezahlt werden,

·        dass die Kirchen das Arbeitsrecht unterlaufen können,

·        dass katholische Missbrauchstäter der Strafverfolgung entgehen,

·        dass schwerstkranken Menschen das Recht verwehrt wird, selbstbestimmt zu sterben,

·        oder dass Frauen Zwangsberatungen über sich ergehen lassen müssen, wenn sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden!

Werden diese und andere Kirchen-Privilegien nicht abgeschafft, so lassen sich auch die politischen Bestrebungen der Islamverbände nicht stoppen, die für sich ebenfalls „religiöse Sonderrechte“ beanspruchen.

Wir erheben diese Forderungen im aktuellen Jahr ganz bewusst auch vor dem Hintergrund, dass der demokratische Rechtsstaat 2019 zwei große Verfassungs-Jubiläen feiern kann, nämlich 70 Jahre Grundgesetz sowie 100 Jahre Weimarer Verfassung. Denn hundert Jahre Verfassungsbruch sind mehr als genug: Es ist an der Zeit, die „Kirchenrepublik Deutschland“ hinter uns zu lassen und die deutsche Politik, die noch immer in einer christlichen Filterblase gefangen ist, mit allem Nachdruck dazu aufzufordern, die verfassungswidrige Diskriminierung religionsfreier Menschen zu beenden.  [….]

(IBKA, GBS, hpd, 2019)

Aus dem sehr ehrenhaften Anliegen, sich gegen Antisemitismus einzusetzen, wurde Beck 2022 schließlich zum Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft gewählt und läßt in dieser Funktion inzwischen jede Moral fallen.

Beck kennt keine Hemmungen mehr und unterstützt zum Schaden des Israelis die rechtsradikale Netanjahu-Regierung.

[…] Der Internationale Strafgerichtshof und die Kampagne gegen Israel

Bei den Haftbefehlen gegen Netanjahu und Gallant geht es um Politik und nicht um Recht […] Mit dem Haftbefehl gegen Netanjahu und Gallant hat der Internationale Strafgerichtshof dem Völkerrecht keinen Dienst erwiesen. […] Dass der Internationale Strafgerichtshof der anti-israelischen Kampagne in Teilen der Völkergemeinschaft nachgegeben hat, straft alle Argumente Lügen, mit denen wir Deutschen die Amerikaner zum Beitritt zu diesem Gremium überreden wollten. Der Gerichtshof und der Chefankläger haben sich vor allem über einen entscheidenden Mechanismus des Rom-Statuts einfach hinweggesetzt. […] Wenn der Strafgerichtshof sich so leichtfertig über die eigenen Statuten hinwegsetzt, sollten wir unser Verhältnis zum Internationalen Strafgerichtshof überdenken.   [….]

(VB, 21.11.2024)

Beck wieder einmal in Total-Opposition zu internationalem Recht!

Selbst innerhalb der proisraelischen Vereine sind Becks Mitstreiter entsetzt von ihm.

[….] Ex-DIG-Präsident Reinhold Robbe attackiert seinen Nachfolger Volker Beck und wirft ihm „fehlendes Mitgefühl für zivile Opfer im Gazastreifen“ vor.

Innerhalb der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) gibt es Streit über den Umgang mit der Gaza-Offensive von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der frühere DIG-Präsident Reinhold Robbe (SPD) sagte dem Tagesspiegel, der amtierende DIG-Präsident Volker Beck (Grüne) sei „inzwischen zum Sprachrohr der rechtsextremistischen israelischen Regierung geworden“.   [….]

(Tagesspiegel, 30.05.2025)

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete ist nicht der erste Fall von ehemals Linken oder Grünen, die inzwischen bis zur strammrechten AfD durchmarschiert sind und dort völkische Schwurbelei betreiben. Man denke nur an Vera Lengsfeld oder Angelika Barbe, Siegmar Faust, Oswald Metzger, Boris Palmer, Werner Molik, Michael Beleites.

Es wird aber Zeit für Banaszak und Brantner, sich über ein Parteiausschlussverfahren gegen den Grünen Beck Gedanken zu machen.

Wollen sie wirklich mit seinen extremen Positionen in Verbindung gebracht werden?

Volker Beck spricht sich auf Musks antidemokratischer Hetz-Plattform für die radikalsten AfD-Positionen aus.

[…..]  die AfD forderte, solche „radikalen Aufmärsche“ sofort zu verbieten, und der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, ging noch einen Schritt weiter: Man müsse „Wege prüfen, wie wir Iraner und andere Menschen aus der Region, die Anhänger der Islamischen Republik Iran sind, unabhängig von ihrem Pass ausweisen können“, schrieb er auf X.

Was seine Partei von seinen Abschiebefantasien hält, ist nicht bekannt: Die Grünen äußerten sich dazu bislang nicht. [….]

(Daniel Bax, 29.06.2026)

Natürlich gewinnt Beck auch neue Fans. Das sind allerdings Verschwörungstheoretiker und Nazis wie David Berger.

D. Berger, 29.06.2026

Liebe Grüne, den Kampf gegen AfD und den Rechtsextremismus kann man nicht glaubhaft führen, wenn man in den eigenen Reihen völkisch argumentierende Freunde eines mutmaßlichen Völkermordes freundlich beschweigt.

Aus wirtschaftlichen Erwägungen!

Mit der von der riesigen Mehrheit der Deutschen gewünschten repressiven Migrationspolitik stimme ich überhaupt nicht überein.

Hundertfach habe ich in Blogartikeln auf Fehlinformationen zu den Folgen von Einwanderung hingewiesen.

Ich bin für offene Grenzen, ich glaube Migranten bereichern Deutschland, ich halte den Zufall des eigenen Geburtsort und erst Recht, nationalsozialistisch-induzierte Blutrechts-Argumente keinesfalls geeignet, um daraus Privilegien abzuleiten.

Ich meine, Humanismus und die UN-Menschenrechte fordern von uns, niemanden an der Grenze abzuweisen. Ich kann nicht akzeptieren, daß wir aus Angst vor Nazis, jedes Jahre Tausende Frauen und Kinder im Mittelmeer ersaufen lassen oder durch illegale Pushbacks der libyschen Prügel-Militärs zum Sterben zu übergeben. Meiner Ansicht nach zwingt uns schon die deutsche Nazigeschichte, mit Millionen aus dem Land gejagten oder ermordeten Deutschen dazu, großherzig mit Asylsuchenden aus aller Welt umzugehen. Wir sind schon deshalb moralisch verpflichtet, Flüchtlinge bei uns aufzunehmen, weil deutsche Finanz-, Agrar-, Export-, Fischerei-, Klima- und Rüstungspolitik maßgeblich zur Verschärfung von Fluchtursachen auf der Welt betragen. Nicht zuletzt war es über Jahrhunderte die christliche europäische Kolonialpolitik, die in vielen Teilen der Welt deren Kulturen zerstörte, künstliche Grenzen und Konflikte schuf, die heute noch ursächlich für Kriege und Ausbeutung sind.

Alles bisher Gesagte, ist aber für die große Mehrheit der Wähler, irrelevant und wird sie nicht von einer Refugees-Welcome-Politik überzeugen, wie alle Wahlergebnisse der letzten Jahre zeigen.

Daher vernachlässige ich alles zuvor Genannte und verweise seit Jahren zunehmend auf ökonomische Argumente.

Deutschland braucht aufgrund seiner katastrophalen  demographischen und bildungspolitischen Entwicklung unbedingt eine jährliche Zuwanderung von 400.000 bis 500.000 Menschen. Unsere Sozialsysteme profitieren massiv von den jüngeren und kinderreicheren migrantischen Einzahlern. Sie sind überdurchschnittlich oft Gründer, Unternehmer, sie schaffen Arbeitsplätze, sichern den Fortbestand der deutschen Ökonomie ab. Der gesamte Gesundheits- und Pflegesektor würde augenblicklich zusammenbrechen, wenn man die Menschen mit migrantischen Wurzeln entfernte. Das betrifft aber natürlich auch viele andere Bereiche des öffentlichen Lebens.

Die Bundesländer mit den höchsten Migrantenanteilen sind ganz klar auch die ökonomisch Stärksten. 

Die Ost-Bundesländer haben die wenigstens Ausländer, den höchsten Zuspruch für ausländerfeindliche Politik und die klar schwächste Wirtschaft.

Indem Merz, Spahn, Linnemann und Dobrindt Deutschland für Zuwanderer immer unattraktiver machen, verschärfen sie die Fachkräftekrise, würgen Innovationen ab und fahren letztendlich die Wirtschaft gegen die Wand.

Nur wenn die C-Parteien, FDP und FW, irgendwann schmerzlich begreifen, welcher Schaden uns ökonomisch durch restriktive Migrationspolitik zugefügt wird, könnten sie umdenken. Ob AfD-Politiker und Wähler überhaupt dazu in der Lage sind, dazu zu lernen, wage ich zu bezweifeln.

 Es ist nur eine Spinnerei, aber ich würde mir einen Generalstreik aller Menschen mit migrantischen Wurzeln für Ostdeutschland wünschen. Drei Monate totale Arbeitsniederlegung. Damit die >40% AfDaffinen Ossis merken, wie es ist, wenn keine Arztpraxis, kein Krankenhaus, kein Pflegeheim mehr funktioniert. Wenn ÖPNV, Straßenreinigung, Lieferdienste, Gastronomie und vieles andere mehr kollabiert sind.

Bei der Klimakrise sollte man ebenso pragmatisch an die Fossillobby-Parteien heran gehen. Die mörderische Hitze über Deutschland wird von den konservativen Leugnern ebenso falsch gehandhabt, wie die Migration.

(…..) Selbst im legendär kalten und regnerischen London werden für morgen 39°C erwartet. Und es ist noch nicht mal Hochsommer.

Deutschland versagt angesichts dieser Katastrophe auf ganzer Linie.

Wie gut, dass Gas-Kathy erkannt hat, der "Klimaschutz wurde in den letzten Jahren überbetont" und der Fritzekanzler weiß "es ist eben nicht so, daß morgen die Welt untergeht" und wir keine Windräder brauchen, "weil sie hässlich sind!"

Wie schön, dass die Bundesregierung über 65 Milliarden Euro zur Subvention von Fossilenergie ausgibt, auf Verbrenner setzt und mehr Gas/Ölheizungen will, weil Habeck ein Kinderbuchautor ist!

Was für ein Segen, daß Fritze sich arschküssend an Trump ranwanzt und mit ihm "im selben Team" sein will. Der Bundeskanzler im Team Taco, der den Klimawandel als HOAX bezeichnet, aus dem Pariser Klimaabkommen ausstieg, Braunkohle für "beautiful clean" hält und manisch Windenergie, ablehnt, weil sie Krebs erregt.

[….] Trump called climate change a 'con job' at the United Nations. [….] Some countries' leaders are watching rising seas threaten to swallow their homes. Others are watching their citizens die in floods, hurricanes and heat waves, all exacerbated by climate change.

But the world U.S. President Donald Trump described in his speech at the United Nations General Assembly on Tuesday didn't match the one many world leaders in the audience are contending with. Nor did it align with what scientists have long been observing.

"This 'climate change,' it's the greatest con job ever perpetrated on the world, in my opinion," Trump said. "All of these predictions made by the United Nations and many others, often for bad reasons, were wrong. They were made by stupid people that have cost their countries fortunes and given those same countries no chance for success. If you don't get away from this green scam, your country is going to fail." […]

(PBS, Sep 25, 2025)

Wie großartig, dass die mit Abstand meisten Deutschen eine Nazi-Partei wählen wollen, die grundsätzlich jeden Klimaschutz beenden will und stattdessen 100% von Putins Gas abhängig werden will.

Ich habe ein GUTES Gefühl!  (….)

(Hitze als soziales Problem, 23.06.2026)

Die Rechten, die Konservativen, die C-Parteien, AFDPFW, Industrielobbyisten und Superreiche werden auf die allermeisten Argumente nicht hören, weil sie ideologische, raffgierige Erkenntnis-Resistenzler sind.

Moral, die Rettung von Menschenleben, Erhalt der Biodiversität, eine Zukunft für die nächsten Generationen, Verhinderung von Leid, soziale Solidarität, elend vertrocknende Senioren in 38°C heißen Pflegeheim-Zimmern, sterbende Herzkranke, massenhaft verendende Fische, Viehbestände, abbrennende Wälder, Verlust der Lebensqualität, zusammenbrechende Krankenversorgung – das

sind keine relevanten Gründe für die rechten Fossillobby-Epigonen, um von ihrem hohen Ross herunter zu steigen. Sie carbonisieren unvermindert weiter.

[….] Hitzewellen werden für Unternehmen zum Kostenfaktor. Der Kreditversicherer Allianz Trade warnt vor Verlusten von rund 112,5 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft bis 2030.

Extreme Hitze entwickelt sich zu einem immer größeren Problem für die deutsche Wirtschaft. Nach einer Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade könnten Deutschland bis 2030 wirtschaftliche Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro entstehen - vorausgesetzt, die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen sich.

Allianz Trade spricht von einer doppelten Belastung für Unternehmen: Einerseits sinkt bei steigenden Temperaturen die Produktivität, andererseits steigen zugleich die Energiekosten. Nach der Untersuchung nimmt die Produktivität pro zusätzlichem Grad über 30 Grad um etwa drei Prozent ab. Die Energiekosten steigen unterdessen um etwa 1,2 Prozent pro Grad, weil mehr gekühlt werden muss.   [….]

(Tagesschau, 28.05.2026)


Das EINZIGE, das sie zum Umdenken bringen KÖNNTE, sind wirtschaftliche Schäden. Das ist das Argument, auf das man sich im Umgang mit Merz, Reiche und Co konzentrieren sollte.

Für alles andere sind sie taub.

[….] Ein Hitzetag kostet Deutschland rund 431 Millionen Euro

Die Zahl überrascht: Ein einziger Tag mit Temperaturen über 30 Grad verursacht in Deutschland wirtschaftliche Schäden von rund 431 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Prognos-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Der eigentliche Aha-Moment steckt allerdings im Detail:

·        97 % der Kosten entstehen durch sinkende Produktivität. 

·        Rund 76.500 zusätzliche Fehltage gehen auf hitzebedingte Erkrankungen und Arbeitsunfälle zurück. 

·        Nur ein kleiner Teil der Schäden entsteht durch Sachschäden oder Produktionsausfälle. 

Mit anderen Worten: Nicht die Technik leidet am meisten unter Hitze – sondern wir Menschen.

Warum jedes Grad plötzlich teuer wird

Viele glauben, zwischen 30 und 34 Grad liege kaum ein Unterschied. Wirtschaftlich gesehen schon.

Studien zeigen:

·        Ab etwa 30 Grad sinkt die Produktivität mit jedem zusätzlichen Grad um rund 3 %. 

·        Gleichzeitig steigen die Energiekosten um etwa 1,2 % pro zusätzlichem Grad, weil Gebäude, Maschinen und Rechenzentren stärker gekühlt werden müssen. 

Unternehmen zahlen also doppelt: Mitarbeitende arbeiten weniger effizient, während gleichzeitig die Betriebskosten steigen.  [….]

(SRH, 26.06.2026)

Samstag, 27. Juni 2026

Deindustrialisierung

Läuft echt super für die ökonomischen Genies Merz und Reiche mit ihrem Kampf für Verbrennerautos! Zum Glück hat niemand auf den doofen grünen Kinderbuchautor gehört, der schon vor sieben Jahren dringend den Umstieg auf E-Autos anmahnte, um auf dem Weltmarkt zu bestehen!

[….] Robert Habeck kritisiert Konservative: „Das verunsichert den Markt“

Am Mittwoch beklagte Habeck auf eine Frage nach der Situation von VW unter anderem, rund um die Europawahl sei von konservativer Seite in Frage gestellt worden, ob die Mobilität klimaneutral werden solle. Verbrennungsmotoren müssten klimaneutral werden. „Aber die Technik der Wahl ist für die allermeisten Produzenten wie Verbraucher die E-Mobilität. Das in Frage zu stellen, verunsichert den Markt. Und da ist ein schwerer, ein toxischer Schaden entstanden, der schnell aufgeräumt werden sollte.“

Aus der Opposition kam unterdessen Kritik an der Bundesregierung. „VW zeigt, dass wir ein grundsätzliches Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft haben“, erklärte CDU-Chef Friedrich Merz. Deutschland befinde sich in der Rezession. „Die Verantwortung dafür trägt vor allem die Bundesregierung“, führte Merz aus. „Die Bedingungen werden für viele Unternehmen existenzbedrohend.“    [….] Habeck, damals noch in der Opposition, hatte Probleme bei Volkswagen allerdings bereits vorhergesagt und die Strategie des Konzerns scharf kritisiert, als die Grünen noch nicht der Bundesregierung angehörten. Die Zahl der Kunden, die sich ein Auto um 100.000 Euro leisten könnten, sei begrenzt, sagte Habeck in einem Interview im Jahr 2019.

„Wenn Sie 2025 kein E-Mobil für unter 20.000 Euro anbieten, dann werden Sie – so fürchte ich – im Markt scheitern.“ Zuvor hatte Volkswagen angekündigt, zunächst bei hochpreisigen Modellen auf E-Mobilität zu setzen.

Habecks Worte aus der Vergangenheit bekommen angesichts der Krise nun erneute Aufmerksamkeit. In den sozialen Netzwerken erinnerten zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer an die frühe Warnung des Grünen-Politikers. 2019 war Angela Merkel Bundeskanzlerin, mit Peter Altmaier war auch das Wirtschaftsministerium mit einem CDU-Politiker besetzt. [….]

(Kölnische Rundschau, 04.09.2024)

Ein halbes Jahr später wurde Bundeswirtschaftsminister Habeck, durch den Willen des deutschen Urnenpöbels, von der ultrarechten Fossillobbyisten Katherina Reiche ersetzt, die zusammen mit dem neuen Bundeskanzler endlich den ganzen Öko-Schnickschnack stoppt und wieder voll auf Gas-Heizung und Verbrennungsmotoren setzt.

[….] Europas größter Autobauer Volkswagen steht Medienberichten zufolge vor einem weiteren massiven Stellenabbau. ​In den nächsten Jahren sollen im Konzern weltweit bis zu 100.000 der ‌aktuell rund 657.000 Arbeitsplätze wegfallen, [….] Das entspräche einer Verdoppelung des bisherigen Abbauziels von 50.000 bis 2030, das in seiner Radikalität schon beispiellos gewesen war. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung « schreibt gar von bis zu 60.000 zusätzlichen Stellen. [….]

(SPON, 26.06.2026)

Glückwunsch an die christdemokratischen Fossil-Granaten! Das muss man erst einmal schaffen, mit 1.000 zusätzlichen geliehen Milliarden Euro, nicht nur in Zeiten des massiven Fachkräftemangels, die Massenarbeitslosigkeit zurückzubringen, sondern gleich die komplette Wirtschaft abzuwürgen.

Das ist umso bemerkenswerter, weil es andere europäische Industrienationen in vergleichbaren Situationen viel besser machen.

In erster Linie natürlich das sozialistisch regierte Spanien, das seit Jahren politischen Entscheidungen genau konträr zu Merz/Reiche/Spahn/Dobrindt trifft und damit enorme Erfolge vorweisen kann.

Erschreckenderweise funktioniert die rechte Meloni-Wirtschaftspolitik Italiens ebenfalls wesentlich besser, als der teutonische Merz-Murx:

[….] Wirtschaftswachstum - Warum Italien besser dasteht als Deutschland[….] Immerhin ist Italien weiterhin die drittgrößte Volkswirtschaft der EU und Mitglied des exklusiven G-7-Klubs der wichtigsten westlichen Industriestaaten, was Meloni gerade zu einem prestigeträchtigen Auftritt beim Jahrestreffen in Genf verholfen hat. Und Italien liefert seit Langem bessere Zahlen als der Primus Deutschland. Aus der weltweiten Corona-Krise kam das Land mit einem beeindruckenden Wachstum heraus: 3,9 Prozent seit 2019, das ist doppelt so viel wie in Frankreich, fünfmal so viel wie in Deutschland. Zwar schnurrte das Wachstum zuletzt zusammen, ins Jahr 2026 startete man nur noch verhalten optimistisch. Aber während Deutschland in der Rezession steckt, legt Italien weiter zu, jedenfalls ein wenig. Ende Mai, als die Bundesrepublik einen Rückgang der Industrieproduktion um 2,4 Prozent meldete, konnte Italien mit einem Plus von 0,5 Prozent punkten: eine Augenblickaufnahme, die aber das Ego streichelt.   Bahnfahren oder Fliegen – in Italien läuft vieles besser als in Deutschland  [….]

(Marc Beise, 21.06.2026)

Das Totalversagen des Merz ist schon nahezu einzigartig auf der Welt und befindet sich fast auf einer Stufe mit der Dummheit Trumps.

Merz und Reiche sorgen für Massenentlassungen.

Volkswagen, Deutsche Bahn, ZF Friedrichshafen, Bosch, ThyssenKrupp, SAP, Deutsche Post, Audi und Miele streichen jeweils Jobs im fünfstelligen Bereich!

[….]  Ende des ersten Quartals 2026 hat die Zahl der Beschäftigten bei deutschen Industrieunternehmen 2,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Das entspricht rund 127.300 Jobs weniger als im Vorjahr, wie aus einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens ​EY hervorgeht.

Verglichen mit den Zahlen von 2019 sind seit der Coronapandemie 341.500 ⁠Industriejobs verloren gegangen. Das entspricht einem Rückgang um gut sechs Prozent. ​Jeder 17. Industriejob ist demnach verschwunden.

Besonders stark fällt der Stellenabbau in der Automobilindustrie aus. Dort sei seit 2019 jeder siebte Arbeitsplatz verloren gegangen, meldete EY. In den vergangenen zwölf Monaten sank die Beschäftigung in der Autobranche um 32.000, seit ‌2019 insgesamt um etwa 125.800 Jobs.

Prozentual noch stärkere Einbußen verzeichnete den Angaben nach die Textilindustrie, in ​der seit 2019 rund 22 Prozent der Arbeitsplätze verloren gingen. In der Metallindustrie sank die ⁠Beschäftigung um 15 ​Prozent.  [….]

(ZEIT, 25.05.2026)

In anderen Industrienationen läuft es wesentlich besser, weil deren Regierungen, ob links, ob rechts, erkannt haben, wie man Wachstum generiert, indem man auf moderne ökologische, erneuerbare Technologien setzt. Nur die CDUCSU-Minister schaffen es, in jeder Hinsicht genau das Falsche zu tun, auf die tödlichen Untergangs-Methoden von vor hundert Jahren zu setzen und dafür genau die Branchen zu behindern, die als moderne Jobmotoren fungieren.

Vergleichen mit dem ökonomischen Mindset der Merz- und Söder-Parteien, wirken die Schildbürger wie hochrationale Genies.

[…] Öko-Jobmotor droht abgewürgt zu werden […] Die Konjunktur lahmt, und die Bundesregierung sucht händeringend nach einem Turbo für Wachstum und Jobs. Neue Zahlen zeigen hier: Die Energiewende hat sich trotz der ökonomischen Flaute zu einem wichtigen Jobmotor entwickelt. Im vorigen Jahr arbeiteten in Deutschland rund 436.000 Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien – so viele wie noch nie.

Gegenüber 2023, dem bisherigen Spitzenjahr, entspricht das einem Zuwachs von knapp vier Prozent. Das geht aus neuen Berechnungen der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Die Autoren warnen allerdings, dass der von der Bundesregierung eingeleitete energiepolitische Kurswechsel den Beschäftigungsaufschwung wieder abwürgen könnte.

Größter Arbeitgeber ist inzwischen die Windenergie. Die Zahl der dort Beschäftigten stieg zwischen 2023 und 2025 um rund 30 Prozent auf 172.000. Damit entfällt deutlich mehr als jeder dritte Arbeitsplatz der Branche auf Windräder an Land und auf See, also Herstellung, Zulieferung, Projektierung sowie Betrieb und Wartung. Es folgen die Bioenergie mit etwa 97.000 und die Solarenergie mit knapp 90.000 Beschäftigten. Auf Herstellung und Installation von Wärmepumpen entfallen gut 72.000 Stellen.

[…] Die Statistik zeigt, wie unmittelbar politische Rahmenbedingungen auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Als die Investitionen aufgrund der Förderung durch das von der rot-grünen Bundesregierung eingeführte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2010 und 2011 auf fast 28 Milliarden Euro jährlich stiegen, kletterte die Beschäftigung auf einen ersten Höchststand von rund 415.000. Nach radikalen Förderkürzungen durch die Regierung von Union und FDP sowie sinkenden Investitionen ging es stark bergab. Im Jahr 2025 erreichten die Investitionen aufgrund der Gesetzespakete der Ampel-Regierung mit 37,5 Milliarden Euro einen neuen Rekord – und parallel stieg auch die Zahl der Stellen. „Die Beschäftigung wächst dort, wo durch Planungssicherheit private Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen“, sagt Bertelsmann-Arbeitsmarktexpertin Jana Fingerhut.

Besonders drastisch war der Absturz vor rund 15 Jahren in der Solarindustrie. Zwischen 2011 und 2013 halbierte sich die Beschäftigtenzahl von 156.700 auf 70.200, bis 2017 sank sie auf nur noch 39.900. Auslöser waren die Kürzung der Solarförderung, ein zeitweise einbrechender deutscher Markt und die Verlagerung der Modulproduktion nach Asien. […] Ob es künftige weitere Rekorde bei den Erneuerbaren-Jobs geben wird, ist fraglich. Denn die Bundesregierung novelliert nicht nur das Heizungsgesetz, auch das EEG wird umgebaut. Hierdurch droht der Zubau von Öko-Energien einzubrechen. Hinzu kommt ein neues Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz, mit dem Berlin Dunkelflauten bei Wind und Solar ausgleichen will. Umwelt- und Branchenverbände kritisieren, die Pläne begünstigten neue Gaskraftwerke und könnten Investitionen in Stromspeicher schwächen. […]

(Joachim Wille, 24.06.2026)

Freitag, 26. Juni 2026

Kurzer Einschub zur Israel-Lobby in den USA

Die US-Parteipolitiker haben ein Problem. Ich glaube, Israelis und Republikaner, aber auch Demokraten, unterschätzen im Moment massiv, wohin sich der Wind in den USA dreht.

Bisher war die bedingungslose politische und militärische Unterstützung aus Washington eine Lebensversicherung Israels. Dazu schaufelt die AIPAC Milliarden Dollar aus den USA nach Israel.

BISHER befanden sich alle US-Politiker komplett auf AIPAC-Linie. GOPer, wegen der Evangelikalen Endzeit-Theorien und aus Muslimhass. Die Demokraten noch aus Verantwortungsgefühl für die vielen Angehörigen derHolocaust-Opfer, die aus Europa in die USA ausgewandert sind. Deswegen sind viele mächtige US-Demokraten Juden. Bidens Außenminister Antony Blinken, der Chef der Demokraten im US-Senat Chuck Schumer, das soziale Aushängeschild Bernie Sanders, oder der prominenten Anklageführer des zweiten Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump Jamie Raskin.

Alles völlig verständlich.

[…] Die Israel-Lobby in den Vereinigten Staaten ist ein vielschichtiges und komplexes Netzwerk aus Personen, Interessengruppen, Lobbykomitees und Basisbewegungen, die darauf abzielen, die amerikanische Außenpolitik zugunsten Israels zu beeinflussen.

Obwohl das bekannteste und mächtigste Mitglied dieses Netzwerks stets das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) war, existieren zahlreiche weitere Akteure mit unterschiedlichen Rollen, Zielgruppen und Strategien. Im Jahr 2025 ist dieses Umfeld besonders dynamisch: Veränderungen in der öffentlichen Meinung, geopolitische Entwicklungen und neue gesetzgeberische Aktivitäten verändern das Kräfteverhältnis innerhalb der Lobbylandschaft.

[…]  AIPAC gilt als eine der zentralen Säulen der Israel-Lobby, bekannt für ihre direkte und strategische Arbeit mit Mitgliedern des US-Kongresses. Die öffentlich erklärte Mission der Organisation besteht darin, das US-israelische Bündnis als Schlüssel amerikanischer Interessen und Werte zu stärken.

AIPAC verfügt über beachtlichen Einfluss durch parteiübergreifendes Lobbying, erhebliche politische Spenden und die Organisation von Kongressreisen nach Israel. Mit jährlichen Ausgaben von über 100 Millionen Dollar verfolgt die Organisation ihre politischen Ziele in Washington konsequent. […]

Neben AIPAC zählt Christians United for Israel (CUFI) zu den populärsten und am schnellsten wachsenden Lobbygruppen, die pro-israelische Politik aus einer evangelikal-christlichen Perspektive vertreten. CUFI organisiert über 10 Millionen Mitglieder und führt Basisinitiativen durch, die Kirchen und Einzelpersonen dazu bewegen, für eine bedingungslose US-Unterstützung Israels einzutreten.  [….]

(DCTransparency 2025)

Aber der US-Staatsbürger Bibi Netanjahu vermochte es mit seinem kriegsverbrecherischen und kriminellen Gebaren, erst die Studenten in den USA, dann die Parteijugend der DEMs, sowie den progressiven Flügel so massiv zu verprellen und das Image von Israel so zu ruinieren, daß die engen Verbindung zur AIPAC zur Belastung werden.

Bis vor wenigen Jahren war es noch undenkbar, daß bei demokratischen Vorwahlen „demokratische Sozialisten“, die sich mit Palästinensern solidarisieren, durchmarschieren.

[…] Die Masse jubelt, Menschen umarmen sich, springen kollektiv in die Höhe. So ausgelassen feierten sie am Dienstagabend den Wahlsieg der 32-jährigen Darializa Avila Chevalier bei den demokratischen Vorwahlen in New York. […] Es werde nicht einfach werden für sie in Washington, D.C.: »Der Faschismus schreitet voran und Trump ist im Amt.« Neben Avila Chevalier steht der amtierende Bürgermeister der Stadt, der Demokratische Sozialist Zohran Mamdani, ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht.

Er hat allen Grund zur Zufriedenheit, der Erfolg der jungen Linksaktivistin ist auch seiner. Im Gegensatz zu vielen früheren Bürgermeistern hatte Mamdani sich im Wahlkampf aktiv für seine Verbündeten eingesetzt – und gilt nun als Königsmacher, der seine Macht unter Beweis gestellt hat. Auf der Siegesparty in Brooklyn sprach er von einem »neuen Kapital in der Geschichte« der Demokratischen Partei.

Monatelang hatte der 34-jährige Bürgermeister für seine Leute geworben, in den vergangenen Tagen vor der Wahl bis spätabends an Veranstaltungen teilgenommen und die Wahlen ein Referendum über die zukünftige Richtung der Partei genannt. Drei von ihm unterstützte Kandidaten gewannen daraufhin in New York die demokratischen Vorwahlen und haben nun sehr gute Aussichten, im Herbst tatsächlich in den Kongress einzuziehen. […] Die Mamdani-Kandidaten sorgten durchaus für Unmut bei den Demokraten in der Hauptstadt: Avila Chevalier gewann gegen den langjährigen Kongressabgeordneten Adriano Espaillat, der die parlamentarische Gruppe der hispanischen Abgeordneten im US-Kongress leitet. Er war vom Anführer der Demokraten im Abgeordnetenhaus, Hakeem Jeffries, unterstützt worden. […] Alle drei Mamdani-Kandidaten konzentrierten sich im Wahlkampf auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten und forderten ein gerechteres Steuersystem. Außerdem kritisieren sie die US-Einwanderungsbehörde ICE. […] Alle drei Kandidaten verurteilten zudem deutlich den Krieg Israels im Gazastreifen und sprachen sich dafür aus, dass die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung für Israel einstellen sollen. Damit spiegeln sie eine weitreichende Veränderung in der öffentlichen Meinung wider, sogar im jüdisch geprägten New York stehen gerade jüngere, progressive Juden Israel zunehmend kritisch gegenüber

»New York zeigt, dass es nicht nur um die Person Mamdani geht, die Unterstützung der Wählerschaft geht darüber hinaus, das beweist, dass es sich hier um eine Bewegung handelt«, sagte der progressive Aktivist Aaron Regungberg dem SPIEGEL. »Es zeigt, dass die demokratischen Wähler endlich bereit sind, die leblose, von Aipac und großen Unternehmen kontrollierte Führung abzuservieren, die uns in diese schlimme Lage gebracht hat.« […]

 (Nicola Abé, SPON, 25.06.2026)

Das Dem-Parteiestablishment wirkt irritiert und weiß nicht, wie es reagieren soll.

Bisher gehörte bedingungslose Israel-Unterstützung zur DNA der Partei und selbst die leiseste Israel-Kritik verschafft den GOPern die Gelegenheit, mit der Antisemitismus-Keule zu kommen. Die AIPAC-Millionen gehen dann als Wahlkampfunterstützung zu der GOP.

Daher haben schon Obama und Hillary Clinton, von denen durch Leaks bekannt wurde, daß sie persönlich Netanjahu absolut nicht ausstehen können und für einen notorischen Lügner halten, nie öffentlich die völlige Solidarität mit Israel in Frage gestellt.


Ein kritischer Kurs gegen Israel ist in den USA parteipolitisch hochriskant!

Deswegen gefällt es den Granden gar nicht, was Mamdani tut.

ABER das Partei-Establishment ist auch nicht doof. Die können Umfragen lesen und wissen, daß das Ansehen Israels in der US-Bevölkerung gerade kollabiert. Bei den GOPern; aber noch viel stärker bei den Dems.


Das ist eine Zwickmühle, weil es nun nicht nur Wähler gibt, die Demokraten wegen MANGELNDER Israel-Unterstützung nicht wählen, sondern auch zunehmend (gerade junge Menschen), die Dems wegen ZU VIEL Israel-Unterstützung nicht wählen.

Auch der Antisemitismus-Vorwurf verliert an Kraft, weil zB allein in New York fast zwei Millionen Juden leben, von denen viele aber sehr liberal sind und an vorderster Front der Bibi-Kritiker stehen.

Die Demokratische Kritik an Israel, soll „antisemitisch“ sein, wenn sie von Raskin, Schumer, Blinken und Sanders kommt?

Man sieht in New York sogar orthodoxe Rabbis, die an Demonstration gegen die Israelische Besatzungspolitik teilnehmen.

Wer für Israel ist, den Israelis ein friedliches Leben wünscht, wem das Existenzrecht Israels wirklich etwas bedeutet, der sollte sich mit all den liberalen und Exil-Juden solidarisieren, die sich für Palästinenser und gegen die Verbrechen der rechtsradikalen Netanjahu-Regierung engagieren.

 Wer sich, wie Wadephul, Prien, Söder, Dobrindt, Klöcker und Merz nahezu kritiklos an die Seite der gegenwärtigen Israelischen Regierung stellt, die diplomatischen EU-Maßnahmen gegen Israelische Minister blockiert und Bibi auch noch wohlwollend dazu gratuliert „unsere Drecksarbeit zu machen“, handelt nicht nur moralisch verwerflich, sondern schadet Israel massiv.

Die Bibi-Regierung mit Itamar Ben-Gvir, dem rassistischen und rechtsradikalen Minister für die Nationale Sicherheit Israels und Bezalel Joel Smotrich, dem rechtsextremen und fundamental-religiösen Finanzminister, stellt die größte Gefahr für den Staat Israel dar. Sie haben das internationale Ansehen ihres Landes endgültig ruiniert, durch ihre Kriege ein Desaster in Nahem Osten angezettelt und den Tod von  Myriaden Frauen und Kinder verursacht.

Das wurde fast überall in der Welt begriffen. Noch nicht im Berliner Merz-Kabinett und nicht in den Parteizentralen der USA.

Aber die Demokraten bemerken langsam etwas. Es ist an der Zeit, sich von der AIPAC und der CUFI zu verabschieden, Bibi entgegen zu treten und sich endlich wieder an die Seite der friedlichen Juden der USA zu stellen.


Mit Typen wie Israels Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, der jetzt die „Friedensverhandlungen“ mit dem Libanon organisiert, kann man nicht zusammenarbeiten.

[…] Der rechtsextreme Siedler [Yechiel Leiter] und Sohn US-amerikanischer Eltern wurde 1959 in Scranton, Pennsylvania, geboren. Er schloss sich laut der israelischen Zeitung Ha’aretz früh der Jewish Defense League des Rechtsextremen und später wegen Terrorismus verurteilten Meir Kahane an. Nach Angaben des FBI war die Gruppe an der Planung und Ausführung terroristischer Anschläge in den USA beteiligt.

Mit 18 ging er nach Israel und trat der Armee bei. 1984 zog er in eine der radikaleren israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland in Hebron. Leiter war Mitglied der heute verbotenen Kach-Partei, die Kahane 1971 in Israel gründete und die den Aufbau eines rein jüdischen Staates unter Einsatz von Gewalt anstrebte.

Später stieg der promovierte Politikwissenschaftler und Vater von acht Kindern in der israelischen Politik auf, unter anderem als Berater des früheren Ministerpräsidenten Ariel Scharon.  [….]

(Felix Wellisch, 26.06.2026)

Donnerstag, 25. Juni 2026

Die falsche Toleranz

Die Nichthandel-Bundesregierung, die uns weder digitalisiert, noch entkarbonisiert, noch Hitzeschutzprogramme entwickelt, noch das seit vielen Jahren überfällige AfD-Verbotsverfahren prüfen lässt, versagt selbstverständlich auch bei der Prävention und Aufklärung von pädosexuellen Verbrechen.

Während es sogar in erzkatholischen Ländern, wie Irland Regierungskommissionen gab, die die unfassbaren Massenverbrechen der Kirchen an Kindern untersuchten, unternehmen CDUCSU-Politiker nichts, um die größte transnationale Kinderf|ck€rorganisation der Weltgeschichte zu stoppen.

Der Christenkanzler und Vorsitzende der Christenpartei Merz, versagt moralisch, politisch und juristisch.

Aber wir versagen natürlich alle. Medien, Juristen, Parteien, Wähler, Kirchenmitglieder.

Berichte über Geistliche, die Kinder sexuell und psychisch missbrauchen, ihnen lebenslange Schäden zufügen und wirklich perfidem Sadismus auch noch selbst die Schuld dafür einreden, stoßen kaum noch auf Interesse.

Noch schlimmer: 16 Jahre nach Canisius, scheint es in unserem Volk auf breite Toleranz zu stoßen, daß Multimilliarden Euro schwere, steuerbefreite, vom Staat jährlich mit weiteren Milliarden überschüttete Vereine, deren Amtsträger nicht nur 100.000e Kinder in Deutschland missbrauchten, sondern deren höchste Amtsträger bis heute vertuschen und die Täter vor den Opfern „schützen“, im rechtsfreien Raum schweben.

Priester, Pater, Mönche, Nonnen, Bischöfe, Erzbischöfe, Äbte, Kardinäle, die sich an Kindern vergreifen?

Offenbar juckt das niemanden mehr. Deutschland nimmt es achselzuckend hin.

[…] »Es gab klare Hinweise, dass Franz Hengsbach ein Täter war«, sagte die Forscherin Helga Dill. Bisher waren zwei mögliche Übergriffe aus den Fünfzigerjahren und Sechzigerjahren bekannt.

Der viele Jahre hoch angesehene Ruhrbischof soll in drei Fällen in den Fünfzigerjahren bis Achtzigerjahren sexualisierte Gewalt gegen junge Mädchen ausgeübt haben, ein möglicher Übergriff gegen einen Jungen gilt als »in der Schilderung konsistent«, sagten die Forscher. […] »Hengsbach war ein Sexualstraftäter – ohne Wenn und Aber«, sagte der Sprecher der Betroffenen, Johannes Norpoth. Die Kirche müsse Konsequenzen ziehen und Macht in ihren Strukturen begrenzen. […] der aktuelle Essener Bischof Franz-Josef Overbeck […]  räumte auch selbst Versäumnisse im Kontext des Falls ein: Er habe Informationen aus Paderborn über einen Missbrauch durch Hengsbach, die ihm bereits 2011 vorlagen, jahrelang nicht weitergegeben. […]

(SPON, 25.06.2026)

Sind ja „nur“ Kinder. Das Kirchenvolk liebte Hengsbach.

Und nicht vergessen: Niemand hat es so schwer, wie unser armer Bundeskanzler.

[…] Er war zu seiner Zeit eine Art katholischer Superstar: Kardinal Franz Hengsbach war nicht nur 1958 der erste Bischof des neu gegründeten Ruhrbistums Essen. Er war wegen seiner volksnahen Art auch allseits beliebt. […] […]  Kurzum: Hengsbach galt als Lichtgestalt.

Eine Lichtgestalt mit einer dunklen Seite. Denn der 1991 gestorbene Kardinal war wohl ein Missbrauchstäter. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Hengsbach ist damit der erste deutsche Kardinal, dem nicht nur Vertuschung, sondern selbst Missbrauch zur Last gelegt wird. Das Münchner Institut IPP, die Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg und das Berliner Institut Dissens untersuchten mehrere Tausend Seiten von Aktenbeständen aus Essen, Köln und Paderborn. Außerdem führten sie 22 Interviews mit Betroffenen und Zeitzeugen. […] Die Forscher identifizierten zwölf konkrete Missbrauchsvorwürfe gegen Hengsbach, […] Im September 2023 hatte das Bistum Essen zum ersten Mal öffentlich gemacht, dass Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegen den Gründungsbischof erhoben werden, und angekündigt, diese untersuchen zu lassen. Schnell geriet dabei auch Essens amtierender Bischof Franz-Josef Overbeck in die Kritik: Denn Overbeck wusste seit 2011 von einem Vorwurf gegen Hengsbach, unternahm aber nichts. Mehr noch: Durch Overbecks Schweigen gingen die Fälle in keine einzige der anderen Aufarbeitungsstudien ein, die zwischenzeitlich gestartet worden waren.

In den untersuchten Beständen fanden die Forscher einen Aktenvermerk, aus dem hervorgeht, dass Overbeck im August 2011 per Fax vom Erzbistum Paderborn über Vorwürfe gegen Franz Hengsbach informiert wurde. Danach habe Overbeck dieses Fax an einem nicht dafür vorgesehenen Ort abgelegt und „vergessen“. Nur wenige Tage später ging im Bistum Essen die Anfrage des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) ein, ob etwas gegen Hengsbach vorläge. Dem LWL gegenüber hatte ein Mann angegeben, als Heimkind von Hengsbach sexualisierte Gewalt erfahren zu haben. […] Der Fall Hengsbach sei, so das Fazit der Forscher, ein „Spiegel des deutschen Katholizismus“. Nach außen trat Hengsbach als wertkonservativer Mahner für christliche Sexualmoral und Sittlichkeit ein. So beliebt er im Volk war, so autoritär herrschte er im Inneren. Zeitzeugen berichteten, wie Hengsbach Untergebene niedermachte und schikanierte. […]

(Annette Zoch, 25.06.2026)

 

[….] Bekannt geworden ist laut Studie auch, dass sich die Missbrauchvorwürfe auch auf Hengsbachs Bruder Paul beziehen - er war ebenfalls Priester. Die beiden sollen gemeinsam einem Mädchen Gewalt angetan haben. Paul Hengsbach hatte dies zu Lebzeiten immer abgestritten. [….] Zu hohe Erwartungen an die vom Bistum Essen beauftragte Forschung seien allerdings nicht angebracht: "Je prominenter die Täter, um so seltener finden wir grundsätzlich Nachweise, die dokumentiert sind", ordnet es Kirchenrechtler Professor Thomas Schüller von der Universität Münster ein. Vieles dürfte also nie bekannt werden. [….] Die Betroffenen werden wohl auch weiterhin noch auf die Aufklärung der Vorfälle warten müssen. Dem Thema Machtmissbrauch und möglicher Komplizenschaften mit anderen übergriffigen Geistlichen oder sogar Täternetzwerken werden die Forschenden des IPP erst 2027 in ihrem Abschlussbericht nachgehen. "Ich hätte gerne schneller Fakten gehabt - immerhin dürfte das älteste Opfer fast 90 Jahre alt sein", so WDR-Kirchenexperte Theodor Dierkes. [….] Einen kleinen Teilerfolg nehmen die Betroffenen aber jetzt schon aus den Zwischenergebnissen der Studie mit, der auch für die weitere Aufarbeitung wichtig ist: "Wir sprechen jetzt nicht mehr von einem Angeschuldigten, sondern einem Täter", fasst Johannes Norpoth, Betroffenen-Vertreter zusammen. [….]

(WDR, 25.06.2026)