Sonntag, 12. April 2026

Größenwahn

Natürlich unterstütze ich meine Partei, die SPD, immer gern. Insbesondere in Hamburg, dem stabilsten Bundesverband. Unter den 16 Länderregierungschefs ist Peter Tschentscher mit Sicherheit der beste und die im Vergleich mit anderen Stadtstaaten und Flächenländern überragenden Wirtschaftsdaten, zeigen es seit 2011 eindeutig. Rot kann es.

Zudem sind wir Hamburger eins der letzten Fleckchen der Bundesrepublik Deutschland, in der es keine breiten schwarzbraunen Mehrheiten gibt. Wir mögen Merz nicht, wir mögen die AfD nicht, wir mögen Ploß nicht.

Damit es auch so bleibt, gönne ich Tschentscher jeden Erfolg.

Mir gefällt, wie sich Hamburg in der Welt positioniert. Wir sind die zweitgrößte deutsche Stadt, kratzen an der Zwei-Millionen-Bewohner-Marke, haben eine starke Sogkraft, liberales politisches Klima, sind die klar internationalste deutsche Metropole. Wir haben die meisten Konsulate, die intensivsten Kontakte mit dem Ausland, waren durch den Hafen schon immer mehr mit der großen weiten Welt verbunden. Hier ist Multikulti ein enormer ökonomischer Booster. Man gibt sich weltläufig, aber protzt nicht. Wir sind eine sehr schöne Stadt, weil es zwei riesige Seen in der Mitte gibt, wir haben viel mehr Brücken als Venedig und stechen die anderen Millionen-Citys mit dem vielen Grün aus, das Touristen und Rückkehrer beim Landeanflug auf den Flughafen Fuhlsbüttel erstaunt.

Wir haben eine rein bürgerliche Tradition als Handelsplatz, waren nie Fürstensitz oder Hauptstadt. Hamburg entstand nicht zentralistisch zum Lobe eines Monarchen.

Wir sind keine Weltstadt mit Triumphbögen oder riesigen breiten Parade-Alleen.

Die CDU macht sich natürlich verächtlich darüber; den Sozis fehle der Weltstadtanspruch, sie planten zu kleinlich.

Aber, willkommen in der Wirklichkeit: Wir spielen nicht in der Liga der Giganten, stehen nicht in Konkurrenz zu Weltmetropolen, wie Rom, Paris, London, New York, Tokio. Wir sind kein Molloch, wie Moskau oder Peking.

Hamburg steht nach Bevölkerungszahl derzeit ungefähr auf Rang 206 der Millionenstädte.

Die letzten Olympischen Sommerspiele fanden/finden statt in:

 2008 Peking (22 Mio Einwohner)

2012 London (9 Mio Einwohner)

2016 Rio (6 Mio Einwohner)

2020/1 Tokyo (14 Mio Einwohner)

2024 Paris (13 Mio Einwohner)

2028 Los Angeles (13 Mio Einwohner)

In diese Liste der Großen, gehört Hamburg offenkundig nicht.

Umso bedauerlicher also, daß auch Peter Tschentscher nicht der Eitelkeit widerstehen kann, seinen Namen mit der Durchführung Olympischer Spiele zu verbinden.

Für die Stadtherren ist das immer attraktiv, weil der mögliche Zuschlag des IOC eine endlose Kette von Presse-Wohlfühlterminen, bei denen man sich international sonnen kann, mit sich bringt.

Wenn dereinst die katastrophal aus dem Ruder gelaufenen Kosten bilanziert werden, sind diejenigen, die sich um die Spiele bemühten, nicht mehr im Amt.

Für den erfolgsverwöhnten Hamburger Senat ergibt sich aber leider außer dem extrem korrupten und maximal amoralischen IOC, welches die Vergabe zu entscheiden hat, ein weiteres Problem: Sein Volk will nicht! Es hat jetzt schon genug vom Größenwahn und dem Leben auf einer gefühlten Dauerbaustelle. Stichwort Hafencity!

Als ich in den 1980ern als Teenager begann, Hamburg auf eigene Faust kennenzulernen, hatten wir nur gut 1,5 Millionen Einwohner. Hamburg wächst sehr stark, weil es im Gegensatz zu den AfD-geprägten Ost-Bundesländern höchst attraktiv ist. Wir mussten seither mehr als 400.000 zusätzliche Einwohner auf derselben Fläche unterbringen, während auch noch die Wohnfläche pro Einwohner größer wurde und in der fatalen CDU- und CDU/Grünen-Regierungszeit (2001-2011) der Wohnungsbau komplett eingestellt wurde und das städtische Immobilien-Tafelsilber privatisiert wurde. Natürlich steigen daher die Mieten, wenn auch deutlich weniger stark, als in Berlin, weil Bürgermeister Olaf Scholz ab 2011 „den Bau-Turbo zündete“. Hamburg macht Wohnungspolitik besser als andere Bundesländer, ist aber durch seine eigene Attraktivität und den Zuzug prinzipiell stärker unter Druck. Es liegt nahe, angesichts eines Mangel an Wohnraumes, mehr verfügbaren Wohnraum zu schaffen. In der Praxis ergeben sich dadurch aber auch enorme Nachteile:

·        Bauen ist eine ökologische Katastrophe und verursacht gewaltige Mengen CO2.

·        Bauen verschandelt die Stadt, weil es immer mehr Berton und weniger Grün wird.

·        Bauen erhitzt die Stadt.

·        Bauen ist extrem teuer.

·        Bauen schafft inzwischen nur noch die falschen Wohnungen; nämlich für die Masse Unerschwingliche.

·        Bauen macht unpopulär. Es gibt keinen einzigen Hamburger, der nicht durch die vielen Baustellen überall genervt ist.

Wir geraten als beim Bauen von simplen Wohnungen wirklich an unsere Grenzen. Dabei sind das architektonische Vorhaben, die wir eigentlich beherrschen. Großprojekte hingegen kann Deutschland ohnehin nicht. Die sind immer von enormen Verzögerungen und Vervielfachung der Kosten geprägt. Stuttgart21, BER lassen grüßen. Nur die Sanierung, nicht etwa der Neubau des Amtssitzes des Bundespräsidenten, kostet EINE MILLIARDE EURO! Eintausend Millionen, damit Schloß Bellevue wieder bewohnbar wird. Und das auch nur, weil es so eine bescheidene Variante wird.

[….] "Das soll hier keine Luxussanierung werden"

Insgesamt könnten also Kosten von rund einer Milliarde Euro entstehen. Man bereite sich auf Debatten zu diesen Zahlen vor, heißt es aus dem Bundespräsidialamt. "Das soll hier keine Luxussanierung werden", verteidigt Dörte Dinger, Chefin des Bundespräsidialamtes, die Pläne. "Es wird das Notwendige gemacht. Auf vieles haben wir verzichtet, zum Beispiel im Bereich der Büroausstattung oder auf ein eigenes Pressezentrum."  [….]

(Tagesschau, 25.02.2026)

Aber leider bildet da auch Hamburg keine Ausnahme, wie die Elbphilharmonie zeigt.

Der spektakuläre „Elbtower“, steht als Ruine namens „kurzer Olaf“ traurig an den Elbbrücken, weil niemand weiterbauen will. Seit vielen Jahren wird über die dringend benötigte Erneuerung des 1974 fertiggestellten Wahrzeichens Köhlbrandbrücke diskutiert.

Offenkundig ist die 50 Jahre alte Hafenquerung aber unrettbar rott.

Gern hätten wir stattdessen einen Tunnel, der aber 7-8 Milliarden Euro kosten würde. Daher entschied sich der Senat für die vergleichsweise billige Variante eines Brückenneubaus. Das soll nur um die fünf Milliarden Euro verschlingen und bereits in 16 Jahren, also 2042 fertig sein.

Sofern Deutschland noch so lange existieren sollte, weiß ich schon, wie sich die GenAlpha über die Schätzung – 2042/5Mrd – amüsieren wird, wenn die neue Brücke endlich 2060 fertig wird und 100 Milliarden gekostet hat.

Wir können das nun einmal nicht und sollten, nicht unbedingt notwendige, Großbauprojekte unterlassen. Wenn wir einst als chinesisches Protektorat die Planung und Durchführung direkt aus Peking erhalten, kriegen wir auch wieder Großbauten.

Bürgermeister Tschentscher steht selbstverständlich nicht allein mit seinem Olympische-Spiele-Wahn. Die gesamte Hamburger Presse will das unbedingt, die Sportvereine machen Druck und außer der Linken sind auch alle Parteien eindeutig dafür. Wie überall. Auch der junge grüne Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause ist ein glühender Befürworter des Spiele in München, nachdem die Stadt 1972 schon einmal mit einem terroristischen antisemitischen Anschlag für immer als Negativbeispiel der Olympia-Geschichte eingeschrieben wurde.

Aber die Münchner sind begeistert und stimmten mit über 66% für die Bewerbung.

In Hamburg zeichnet sich das Gegenteil ab.

Schon einmal, im Jahr 2015, wurde in Hamburg eine Bewerbung von 51,6% durch Volksabstimmung abgelehnt. Elf Jahre später, am 31.05.2026, versucht es der Senat erneut mit einer Volksabstimmung über die Bewerbung für die Olympischen Spiele.

Aber die Zahlen sehen schlecht aus für die Befürworter.

Der Hamburger Abendblatt-Vizechef Matthias Iken kann es gar nicht fassen. Er geht ganz selbstverständlich davon aus, daß jeder FÜR die Spiele sein muss.

Wenn die Zahlen etwas anderes sagen, sind die Bürger seiner Ansicht nach fehlgeleitet und/oder schlecht informiert. Man muss sie nur endlich zur Raison bringen. Daß er selbst von seinen treuen konservativen Abendblattlesern ablehnende Zuschriften bekommt, kann er nicht fassen.

Aber auch der arme Peter Tschentscher müht sich noch verzweifelt den Trend zu drehen.

[…] Zuletzt sprachen sich knapp zwei Drittel der 16- bis 29-Jährigen für eine Hamburger Bewerbung aus. Aber die bloße Sympathie genügt nicht. Am 31. Mai muss diese Alterskohorte, die das in der Regel deutlich seltener als die Älteren macht, schon noch zur Wahlurne gehen. Beim Referendum entscheidet sich, ob Hamburg wirklich in den erst bundesweiten und dann vielleicht internationalen Wettbewerb um die Ausrichtung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 einsteigt.

Das erklärt wohl, warum Tschentscher in den ersten Minuten seines rund 75-minütigen Olympia-Vortrags dafür wirbt, überhaupt an der Wahl teilzunehmen. Dem überwiegend älteren Publikum braucht er das eigentlich nicht zu erklären, es geht schließlich deutlich häufiger zu Wahlen. Das ist ja hier und will sich vor dem Referendum vom Bürgermeister anhören, wie er sich das mit Olympia vorstellt. Aber die Älteren sind, den Umfragen zufolge, deutlich skeptischer: Bei den über 60-Jährigen liegt die Zustimmung zu einer Bewerbung nur bei 34 Prozent.

Für die Skeptiker:innen hat der Bürgermeister nur Rosiges im Gepäck: Anders als bei früheren Austragungen würde bei den „moderneren“ Spielen nicht mehr eine ganze Stadt umgekrempelt werden; „nichts neu und extra für Olympia“ würde in Hamburg gebaut werden, wenn die Spiele hier stattfänden. […] Durch alle sieben Hamburger Bezirke tourt der Bürgermeister derzeit – eine Einladung an die Hamburger:innen, „sich von der Idee Olympischer und Paralympischer Spiele in Hamburg überzeugen zu lassen“. […] Es sei sogar ein „Muss“, dass sich Hamburg bewerbe, sagte er kürzlich. Denn sonst kämen viele städtische Projekte wohl gar nicht, da doch die Stadt von Fördermitteln abhängig sei – da stehe man hintenan, falls München, Berlin oder die Region Rhein-Ruhr den Olympia-Zuschlag erhalte. Ob man das schon als eine Art sanfte Erpressung verstehen mag – wer nicht für Olympia ist, ist auch gegen andere sinnvolle Entwicklungsprojekte -, sei dahingestellt. […]

(André Zuschlag, 09.04.2026)

Dabei geht es nicht nur um das Bauen und die Kosten.

Viele Menschen interessieren sich nicht für Sport-Megaveranstaltungen, die hauptsächlich als Pharma-Leistungsshow dienen und Funktionäre der übelsten Art reich machen. Außer der FIFA und Trumps Peace-Board gibt es kein unsympathischeres Gremium als das IOC. Ich will nicht, daß Hamburger Steuergelder in deren Taschen fließen!

[….] Hamburg hat etwas Besseres verdient.

NOlympia ist ein breites Bündnis von Menschen aller Lebensbereiche. Uns vereint die Überzeugung, dass Olympische & Paralympische Spiele für Hamburg mehr Probleme schaffen als Zukunftschancen eröffnen.

Moin Hamburg,

der Senat wirbt mit emotionalen Momenten und hautnahem Erleben der Wettkämpfe wie in Paris. Doch die Kehrseite und das Kleingedruckte werden ausgeblendet.

Wenn der Elefant Olympia in die Haushaltsbadewanne steigt, bleibt kein Wasser übrig: Jeder Euro, der in das 30-Tage-Megaevent fließt, fehlt zum Beispiel bei Bildung, Mobilität, Wohnungsbau und sozialen Einrichtungen

Im Durchschnitt lagen Olympiakosten mehr als doppelt so hoch wie vorher propagiert. Paris 2024 hinterließ Ausgaben für die öffentliche Hand von rund 6,7 Milliarden Euro. Selbst wenn es vor dem Referendum eine konkrete Finanzierungszusage des Bundes geben sollte, bliebe eine erhebliche Summe, die von der Stadt zu Lasten anderer Vorhaben finanziert werden müsste.

Mit der Bewerbung übergeben wir den Schlüssel der Stadt einem Eventveranstalter für Profisport. Dessen Priorität ist nicht Hamburgs Lebensqualität, sondern eine reibungslose TV-Show und die Steigerung seiner Einnahmen. Die 4,3 Milliarden Euro Einnahmen von Paris versteuerte das IOC nicht. Auch Hamburg müsste dem IOC Steuerfreiheit garantieren – zu Lasten Deutschlands und unserer Stadt.

Auf folgenden Absätzen zeigen wir nachvollziehbar, warum wir zu dem Schluss kommen:

Hamburg sollte NEIN zu Olympia sagen.  [….]

(NOlympia)

Samstag, 11. April 2026

Die Zukunft gewonnen

Durch meine linksgrünversiffte Mediablase wabert heute Hoffnung. Werden wir endlich Katherina Reiche los? Die schlechteste Ministerin seit 1949? Daß sie sachlich alles falsch macht, das man nur falsch machen kann und auf geradezu groteske Weise die Weichen in die Vergangenheit stellt, ist das eine. Zum Verhängnis werden, könnte ihr aber kurioserweise etwas anderes; nämlich ihre toxische Persönlichkeit. Sie mag zwar eine hocheffektive Erfüllungsgehilfin der Fossillobby sein, aber sie ist so ein extrem unangenehmer Charakter, daß niemand sie mag. Sie vergrault die Mitarbeiter ihres Ministeriums, gilt als völlig beratungsresistent und pestet derartig undiplomatisch innerhalb der Koalition, daß sich Merz heute genötigt sah, sie öffentlich zu rüffeln.

[….] Merz ist höchst verärgert über Wirtschaftsministerin Reiche

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zieht sich den Zorn von Kanzler Friedrich Merz (CDU) zu. Der Bundeskanzler sei "befremdet über den öffentlichen Schlagabtausch", hieß es aus seinem Umfeld. Merz mahne die Ministerin Reiche zur Zurückhaltung.  [….]

(Daniel Brössler, 10.04.2026)

Tut es die rechtsradikale Ostdeutschen ihrem Lebensgefährten KT von und zu Guttenberg gleich und sprengt sich vorzeitig selbst aus dem Bundesministeramt? Bekommen wir dann endlich eine bessere Wirtschafts- und Energiepolitik?

Nein, liebe RRG-Freunde, Grund zum Optimismus gibt es nicht.

Blöderweise suchen dann der CDU-Vorsitzende Merz und der Bundeskanzler Merz zusammen den Nachfolger aus. Also zwei Unfähige, die ideologisch genauso an der Fossillobby kleben und sich hartnäckig der Realität verweigern. Besser wird es nicht. No hope!

Der Fritzekanzler zählt seine Ministerin nicht an, weil er inhaltlich mit ihrer Politik unzufrieden ist, sondern nur weil selbst er begreift, wie miserabel seine Koalition dasteht und sich durch weiteren Streit völlig zerlegen könnte. In der notorisch Merzophilen Journaille senken sich immer mehr Daunen.

[….] Es reicht!

Die Regierung gibt im Zank über Entlastungen bei den Benzinpreisen ein jämmerliches Bild ab. Wenn nicht bald Ruhe einkehrt, sollte Friedrich Merz Minister auswechseln.

Bekommen Sie noch mit, wer was in dieser schwarz-roten Koalition gerade wieder gefordert hat? Nein? Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Das aktuelle Chaos kann wirklich kaum noch jemand überblicken.

Seit die Benzinpreise an den Zapfsäulen infolge des Irankriegs rasant steigen, reagiert die schwarz-rote Koalition in Berlin wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen. Aus Angst vor dem Zorn der Wähler werden Tausende Ideen in die Luft geworfen, mit denen die Deutschen entlastet werden könnten: Übergewinnsteuer, Erhöhung der Pendlerpauschale, Preisdeckel und, und, und. Nur auf eine Sache warten die Bürgerinnen und Bürger vergebens: eine Entscheidung. [….]

(Roland Nelles, 10.04.2026)

Willkommen in der Wirklichkeit, Herr Nelles. Merz kann es nicht. Mit dieser Regierung wird das nie was. Daher glauben die Idealisten unter uns Rotgrünversifften, Reiche solle entlassen werden, „Merz muss weg“, damit es wieder besser werde.

Realistisch ist das aber nicht. Wenn diese Koalition platzt, wird es nämlich garantiert NOCH SCHLIMMER! Entweder regiert mit den bestehenden Bundestagsmehrheiten  gleich eine Spahn/Weidel-Koalition. Die CDUCSU würde in dem Fall treuherzig in die Kameras gucken und erklären, man habe es schließlich mit der SPD versucht, aber die Sozen hätten sich als nichtregierungsfähig erwiesen. Angesichts der Großkrisen in der Welt, könne man sich aber keine Hängepartie und ein halbes Jahr Wahlkampf leisten. Oder es kommt zu Neuwahlen, bei denen der Urnenpöbel die Nazis noch viel stärker machen wird. Wie bei allen Umfragen und allen Wahlen seit den Bundestagswahlen im Februar 2025. Das Scheitern der „Altparteien“ gäbe den braunen Putinisten noch mehr Aufwind.

Den Sozialdemokraten in der Regierung sei ins Stammbuch geschrieben: Ja, es mag verlocken, wie nach dem Beginn des Ukrainekrieges mit allerlei Wummsen, nämlich 200 Milliarden Euro Steuerzahlergeldern, die Energiepreise zum Wohle der Verbraucher zu drücken. Aber das waren eben auch gewaltige Geschenke an die Fossillobby und ein Schaden für den Klimaschutz. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, daß dadurch die Wähler voller Dankbarkeit, die SPD an den Wahlurnen belohnt hätten.

[….] Und wer glaubt eigentlich im Ernst, die Menschen fielen sich gegenseitig in die Arme und wendeten sich glückselig von der AfD ab, wenn der Liter Diesel statt 2,51 Euro wieder 2,11 Euro kostete? Zumal wenn man eben jenen Menschen im gleichen Atemzug sagt, dass man leider die Mehrwertsteuer anheben oder zur Praxisgebühr beim Arzt zurückkehren muss, um all die Rabatte bezahlen zu können. [….]

(Claus Hulverscheidt, 09.04.2026)

Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus. Versteht die hohen Sprit- und Gaspreise als Freunde der Energiewende. Schon nach einem Monat Krieg, sind Stromer-PKWs und Wärmepumpe gegen den Willen des CDUCSU-Reiche/Merz/Spahn/Söder-Fossil-Kartells außerordentlich populär geworden. Statt den Mehrverbrauch fossiler Brennstoffe mit zwei- oder gar dreistelligen Milliardensummen zu fördern, sollte der Wenigerverbrauch gefördert werden. Das sind auch die einzigen Maßnahmen, die kein Geld kosten: Tempolimit und Sonntagsfahrverbote.

Es muss endlich Schluss damit sein, nach dem Gießkannenprinzip, Benzinverbrauch zu fördern. Porsche- und SUV-Fahrer brauchen keinen finanziellen Hilfen.

[….] Denkbar wären allenfalls eine direkte Unterstützung der – statistisch gesehen – wenigen einkommensschwachen Fernpendler, die nicht auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können, sowie ein Tempolimit und ein zeitweises Sonntagsfahrverbot auf Autobahnen. Die beiden letzteren Maßnahmen würden nichts kosten und zudem den Blick darauf lenken, was den Geldbeutel der Bürgerinnen und Bürger tatsächlich entlasten könnte: eine Drosselung der Sprit-Nachfrage nämlich. Es wäre das exakte Gegenmodell zu einem staatlich erzwungen Preisdeckel, mit dem die Regierung das Signal aussenden würde, alles könne so weitergehen wie bisher.

[….] Preis- und kaufkraftbereinigt ist Sprit über die Jahrzehnte nicht etwa teurer, sondern sogar billiger geworden. Vor 50 Jahren musste jemand, der den Durchschnittslohn verdiente, 47 Minuten arbeiten, um sich das Benzin für eine 100 Kilometer lange Autofahrt leisten zu können. An diesem Mittwoch, auf dem bisherigen Höhepunkt des „Benzinpreisschocks“, waren es 44 Minuten.  [….]

(Claus Hulverscheidt, 09.04.2026)

Die Öl- und Gas-Exporteure Trump, Putin und Chamenei, freuen sich über hohe Verbrauchszahlen und einen hohen Preis. So klingeln die Kassen der heimischen Klimakiller-Konzerne. Wir sollten es tunlichst unterlassen, den gierigen Bestien noch mehr Steuergelder in den Rachen zu werfen.

Bewegen sich die Rohölpreise dauerhaft oberhalb 100 Dollar pro Barrell, verstehen nicht nur Verbraucher, Eigenheimbesitzer und Autofahrer, daß sie nun endlich in die elektrische Zukunft wechseln müssen. Auch Großkonzerne und Regierungen haben es längst verstanden und steuern massiv um. Dänemark, China, England, Frankreich – sie alle machen längst den Habeck.

[…] Fossile Brennstoffe – das spürt und versteht mittlerweile jeder – machen abhängig. Jede Wind- und Solaranlage bedeutet ein Stück Freiheit.

Auch für die Umwelt ist der Krieg eine Katastrophe…]  In den Jahren 2022 bis 2023 hatte schon die Ampelkoalition kurzfristig rund 200 Milliarden Euro locker gemacht, um die Folgen der damaligen Energiekrise abzufedern. Solche Gelder sind keine Investitionen in die Zukunft, sondern verpuffen. Kein Staat kann sich alle paar Jahre solche Notprogramme leisten.

Frankreich will seine Wirtschaft deshalb schneller elektrifizieren als geplant. Auch der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle fordert, Wind- und Solarenergie zügiger auszubauen, und die Europäische Kommission betont so deutlich wie nie, dass Europa unabhängiger von Öl- und Gasimporten werden muss.

In Schwellenländern beginnt ebenfalls ein Umdenken. Dort gibt es wachsende Märkte und viel Geld, das in den kommenden Jahren in Autos, Kraftwerke und Stromnetze fließen soll. Und wer will schon auf Energien setzen, die unzuverlässig sind und die Menschen auf die Barrikaden treiben? Einige Länder in Afrika oder Südostasien könnten daher die westliche »fossile Phase« weitestgehend überspringen. »Leapfrogging« nennen das Ökonomen, so wie viele Afrikaner einst das Festnetz ausließen und direkt ins Mobiltelefonzeitalter einstiegen. Windräder und Solarpanels in Kombination mit einer immer ausgefeilteren Batterietechnik werden immer billiger. Und man braucht Wind und Sonne nicht über Weltmeere zu schippern und durch Meerengen schleusen.  [….]

(Susanne Götze, 10.04.2026)

Selbst dort, wo hartnäckig verblödete Fossillobbyisten an der Regierung mit neroesken Maßnahmen die eigene Zukunft zerstören wollen – Deutschland und USA – können Unternehmer rechnen: Sonne und Wind gibt es kostenlos. Für Öl- und Gas-Importe prassen wir jedes Jahr erneut 80 Milliarden Euro raus. Erneuerbare Energien machen unabhängig von weltpolitischen Krisen. Die Errichtung von Solarparks und Windkraftanlagen ist billiger und ungefährlicher, als Fossilkraftwerke oder die gar völlig unbezahlbare Atomkraft.

[…] Don Quijote hätte seine Freude an Donald Trump. Wie einst der Don de la Mancha im Roman von Miguel de Cervantes zieht heute der Don aus Mar-a-Lago gegen Windmühlen ins Feld, genau genommen hat Trump es auf Windkraftanlagen abgesehen. Den »Betrug des Jahrhunderts« nennt er die Stromerzeugung auch aus Sonne – und versucht, diese sauberen Energiequellen mit allen möglichen Mitteln kleinzuhalten.

»Ich kann mit Stolz sagen«, verkündete Trump noch zu Jahresanfang im Weißen Haus, »dass wir keine einzige Windmühle genehmigt haben, seit ich im Amt bin. Mein Ziel ist es, nicht zuzulassen, dass eine einzige Windmühle errichtet wird. Sie sind Loser.« Und so zahlt die US-Regierung dem französischen Konzern TotalEnergies nun 928 Millionen Dollar: damit Total zwei geplante Hochseewindparks vor der US-Ostküste nicht baut – und stattdessen in Erdöl- und Erdgasprojekte investiert.

»Es ist haarsträubend«, sagt Bill McKibben, Ikone der US-Umweltbewegung, dem SPIEGEL. »Sie geben unsere Steuergelder dafür aus, zu verhindern, dass unser Land sauberen Strom bekommt.« Der Deal mit TotalEnergies ist eine neue, skurrile Volte in Trumps erbittertem Kampf gegen die erneuerbaren Energien. …] Allerdings läuft der Feldzug des Klimawandelleugners im Weißen Haus nicht nach Plan: Die erneuerbaren Energien gewinnen in den USA weiter an Bedeutung. Von Februar 2025 bis Januar 2026 stieg die Kapazität von Solaranlagen um gut 33 Gigawatt, wie eine Auswertung von Daten der staatlichen Energiebehörde EIA zeigt. Solarenergie macht jetzt mehr als ein Sechstel der installierten Stromerzeugungskapazität in den USA aus. 2025 starteten mehrere bedeutende Solarparks, etwa in Texas, Colorado und Arizona . Und der Boom geht weiter. …] »Es liegt schlicht und einfach an der Wirtschaftlichkeit«, sagt Umweltaktivist McKibben. »Strom aus erneuerbaren Energien ist preiswerter als aus fossilen Brennstoffen. Und jetzt, da die Batterien zum Speichern des Stroms immer günstiger werden, wird die wirtschaftliche Logik erdrückend.« …] In Wahrheit gehe es um etwas anderes: Trumps Rachegelüste. Wegen eines Golfplatzes in Schottland.

Als Trump noch Immobilienentwickler war, ließ er auf dem Menie Estate nördlich von Aberdeen ein Luxus-Golfresort errichten. Dann wurden Pläne für einen Offshore-Windpark in Sichtweite des Projekts bekannt. Trump zog vor Gericht und verlor in allen Instanzen. Seither verbreitet der US-Präsident allen möglichen Unsinn über solche Anlagen, etwa, dass sie Krebs verursachen würden. Und seine Regierung versucht auch, den Ausbau der Solarenergie nach Kräften zu verhindern. Sie streicht die steuerliche Förderung, hat hohe Zölle auf Solarmodule beschlossen und seit Sommer 2025 so gut wie kein Solarprojekt auf öffentlichem Land mehr genehmigt. …] Gegen Windmühlen kämpfen ist hart – das hat vor Donald Trump schon Don Quijote erfahren.  [….]

(Claus Hecking, 10.04.2026)

Donnerstag, 9. April 2026

Ein Kanzler gibt auf.

Wie Ulrike Herrmann zu Beginn der Merz-Kanzlerschaft sehr hellsichtig sagte:
„Da er programmatisch außerordentlich schwachbrüstig ist“ und außer „Steuern runter für die Reichen“ nichts anzubieten hat, tönt er immer, wenn er nicht weiter weiß: Ausländer raus“! 

Seine Befragung im Bundestag zum Fall Christian Ulmen zeigte das mustergültig. Merz war mit dem Thema intellektuell hoffnungslos überfordert und polterte angesichts eines mutmaßlichen Täters mit dem Namen „Christian“, der aus Rheinland-Pfalz stammt, „aber die Migranten!“

[….] Frauenfeindlich, das sind immer die anderen

Friedrich Merz versteht Sexismus nicht, deshalb kann er aus seiner Sicht nur importiert sein. Aber Gewalt an Frauen kann man leider nicht abschieben. [….] Der Fall Fernandes  führte – und führt noch immer – zu einer immensen Auseinandersetzung mit dem Thema sexualisierte Gewalt, sowohl in Medien als auch im Netz, zivilgesellschaftlich und in Teilen der Politik. Der Gesprächsbedarf ist vergleichbar mit dem nach #MeToo.

Es fiel deshalb auf, dass der Bundeskanzler recht wortkarg blieb. Dementsprechend adressierte am Mittwoch die grüne Bundestagsabgeordnete Lena Gumnior Friedrich Merz im Bundestag: »Viele Frauen wünschen sich einen Kanzler in diesem Land, der genau in solchen Momenten nicht schweigt. Deswegen frage ich sie: Warum haben Sie sich bisher nicht geäußert?«

Merz reagierte, wie er oft reagiert, wenn sein offenbar leicht zu erschütterndes Ego die Kommunikation übernimmt – er wurde paternalistisch: »Darf ich zunächst einmal festhalten, dass nicht nur die Frauen in diesem Land über dieses Thema diskutieren und sprechen, sondern auch viele Männer. Und ich gehöre dazu.« Dann mansplainte er, was er für die Frauen schon umgesetzt habe und was er fest geplant habe noch umzusetzen.

Als die Unions-Bundestagsabgeordnete Susanne Hierl nachhakte, welche Maßnahmen genau ergriffen würden, hatte Merz zwar keine zufriedenstellende Antwort, aber zumindest einen Sündenbock: die Ausländer. Konkret sagte er: »Wir haben eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft, und zwar im analogen wie im digitalen Raum, und dagegen müssen wir gemeinsam etwas tun.« Man müsse dann aber auch darüber sprechen, wo diese Gewalt herkomme. »Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt.«  [….]

(Samira El Ouassil, 27.03.2026)

Geht es um Weltpolitik, Fragen von Krieg oder Frieden und Weltfinanzprobleme, taugt die Methode aber nicht. Er kann den Irankrieg oder die Hormus-Blockade nicht auf Zuwanderungen und dunkelhäutige Menschen im „Stadtbild“ schieben.

Stattdessen fällt er total aus und tut nichts.

[….] Europäische Spitzenpolitiker verfolgen den Krieg gegen Iran kommentarlos. Sie sind zu feige, sich deutlich gegen Trump und Netanjahu zu positionieren. [….] Wo war Europa? Was haben die EU-Politiker getan, um US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Iran zu stoppen und das Schlimmste zu verhindern? Diese Frage wird Bundeskanzler Friedrich Merz, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und viele andere europäische Politiker noch lange verfolgen. Denn sie haben nichts getan. Als Trump und Netanjahu den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg starteten, haben Merz und von der Leyen dafür sogar noch Verständnis gezeigt.

Als Trump drohte, das ganze Land auszuschalten, haben sie sich weggeduckt. Als er schließlich die Auslöschung der iranischen Zivilisation ankündigte, haben sie geschwiegen. Es war ein schändliches Schweigen. Die EU und ihre selbst ernannte Führungsmacht Deutschland haben auf ganzer Linie versagt. Wenn die USA und Iran nicht in letzter Minute einen Waffenstillstand ausgerufen hätten, wären die meisten EU-Außenpolitiker zu stillschweigenden Komplizen eines apokalyptischen Vernichtungskriegs geworden. [….] Selbst jetzt klingen die EU-Statements noch so, als würde nur der Iran Krieg führen. Auch Merz und von der Leyen halten sich an diese kafkaeske Sprachregelung. Einzig der spanische Regierungschef Pedro Sánchez redet Tacheles: Seine Regierung werde nicht jenen Beifall spenden, „die die Welt in Brand setzen, nur weil sie danach mit einem Eimer auftauchen“, erklärte er. Sanchez ist der Einzige, der die Ehre der EU verteidigt. Alle anderen haben sie womöglich irreparabel beschädigt. [….]

(Eric Bonse, 08.04.2026

Trumps Ankündigung, einen Genozid an 90 Millionen Menschen zu begehen, die er „Tiere und Bastarde“ nennt, kommentiert der Sauerländer Simpel mit, das sei halt seine Rhetorik und die habe auch den Waffenstillstand bewirkt.

[….]  "Ja, ich halte das für einen rhetorischen Teil seiner Strategie. Ich denke, auch ihm war klar, dass man ein Land wie den Iran nicht einfach auslöschen kann. Und das hat ja jetzt auch zu einem vorläufigen Ende der Kampfhandlungen geführt." [….]

(Merz, 09.04.2026)

Die Kanzler Schröder und Schmidt spielten bei internationalen Großkrisen eine segensreiche und dominante Rolle. Merz hingegen lässt hoffnungslos überfordert die Ereignisse auf sich einprasseln, hat keinerlei Plan wie er reagieren soll:

[…] Wilde Drohungen: Zieht Trump jetzt US-Truppen aus Deutschland ab?

Der US-Präsident will die Nato-Verbündeten wegen ihrer Haltung im Irankrieg bestrafen, sein Außenminister Marco Rubio bringt die Schließung von US-Basen in Europa ins Spiel. Das hätte drastische Folgen. [….]

(Timo Lehmann und Christoph Schult, 09.04.2026)

Das Dummerle im Kanzleramt, erweist sich aber nicht nur international als völlig irrelevant. Er ist aber auch bei der deutschen Politik mit seinem Latein am Ende. Er gibt einfach auf. Weis nicht weiter. Kein Kanzlerformat. In seinem Kopf herrscht intellektuelle Wüste. Er kann nicht nur keine Lösungen anbieten; er ist offensichtlich auch zu unterbelichtet, um die Problematik in Deutschland auch nur ansatzweise zu erkennen.

[….] In seiner Erklärung zum Iran-Krieg ergeht sich Bundeskanzler Merz in Abhandlungen über Außenpolitik. Über die Sorgen der Menschen in Deutschland - kein Wort. Warum kümmert er sich nicht um das, was er entscheiden kann? [….] Merz hat viel geredet, aber wenig gesagt. Jedenfalls nichts, was Bürger und Bürgerinnen beruhigen könnte. Merz being Merz - einmal mehr ohne jegliche Empathie.

Dass Menschen wegen des Krieges und der Folgen für Deutschland, für das eigene Leben, verunsichert, verängstigt, verärgert sind - kein Wort dazu. Stattdessen: Abhandlungen über Außenpolitik. [….] Das ist alles schön und gut und wichtig. Aber hätte Merz doch bloß mal einen Kontakt mit den Menschen in Niedereimer erwähnt, sofern er ihn hat - etwa mit dem Bäcker, dem die Energiekosten um die Ohren fliegen, mit den Pflegediensten, die den Sprit bald nicht mehr bezahlen können oder irgendeinem anderen besorgten Bürger - suchen muss man sie nicht. Aber nein. Stattdessen die Ansage: kurzfristige Entlastung braucht keiner zu erwarten. [….] Dabei wird Merz selbst gar keinen Einfluss darauf haben, ob der Krieg endet oder nicht - best-buddy-tum mit Trump hin oder her. Trump wird sich von Friedrich Merz genauso wenig sagen lassen wie von einem Ernährungsberater. [….] Warum also kümmert sich Merz dann nicht um das, was er entscheiden kann? [….] Der Oppositionspolitiker Merz hätte längst nach der Richtlinienkompetenz gerufen. Aber den gibt es nicht mehr - stattdessen einen offenkundig ratlosen Bundeskanzler. [….]

(Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio, 09.04.2026)

Mittwoch, 8. April 2026

We’re all tired of this shit

Als ob man nicht genug Problem in der Welt hätte, um sich mühelos 24/7 mit aktuelle  politischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Themen zu befassen.

Aber die elende orange Vollkatastrophe Trump, seine verbrecherischen Cronies Orbán, Netanjahu und Putin, sowie die hausgemachte Unfähigkeit Brüssels und Berlins, lassen einem keine Wahl.

Stets muss man, gebannt wie das Kaninchen vor der Schlange, gen Washington starren, um den neuesten potentiell weltzerstörenden Wahnsinn des US-amerikanischen Präsidenten zu verfolgen. Was wird Tangerine Turd heute wieder anrichten? Dabei hat man sich längst eine schwere Überdosis Trump zugeführt und kann das Gesicht einfach nicht mehr ertragen, die grotesk gestammelten Worte nicht mehr hören, den Gesamtpeinlichkeit nicht mehr verkraften.

Ich halte es nicht mehr aus, wie seine Project25-Apologeten um ihn herum, nicht müde werden, ihren buchstäblich stinkenden senilen Psychopathen zu bejubeln.

Heerscharen rechter Kommentatoren und Journalisten schwärmen nach jedem neuen großen verbalen Schiss in seine präsidialen Windeln aus, um sich als loyalste Trump-Bewunderer zu inszenieren.

Das gesamte US-amerikanische System ist Rott: Politik, Bildung, Medien, Wirtschaft, Justiz, Moral. Don Lemon gräbt bei seinen Straßenumfragen auf der Suche nach enttäuschten Trump-Wählern (die es wirklich in immer größerer Menge gibt), fatal verblödete Exemplare aus. Gebildete Männer in guter Kleidung, die sich zerknirscht über die Benzinpreise zeigen, aber voll von der Klugheit Trumps überzeugt sind.

Oder Männer, die unfähig sind, in Worte zu fassen, was Trump für die US-Präsidentschaft qualifiziere, aber die Alternative Kamala Harris sei nun einmal noch viel schlimmer.

Really?

Der Mann, der mit Genozid an 90 Millionen Menschen droht, darf aber nicht unterstützt werden. Es ist möglich, diesen weltgrößten Verbrecher und Lügner aufzuhalten, wie das Beispiel Grönland zeigte, wie seine gescheiterte Zoll-Kriegserklärung zeigte. Wie jetzt der isolierte Paria-Staat Iran zeigt, der sich im Alleingang gegen die übermächtige Trump-Armee behauptete und nach dem derzeitigen Verhandlungsstand, besser da steht, als vor dem Israelisch-US-amerikanischen Angriff am 28.04.2026.

[….] Kapitulationsaufforderung an die USA

Eines aber ist klar: Amerikas und Israels Kriegsziele wurden verfehlt. Das iranische Nuklearprogramm existiert weiter, das Raketen- und Drohnenprogramm ebenfalls. Das Regime ist noch an der Macht, nur ideologisch verhärtet. Die iranischen Proxies in der Region – Hisbollah, Huthis, schiitische Milizen im Irak – sind strukturell intakt. Wer glaubte, ein Luftkrieg könne eine Regionalmacht wie Iran brechen, hat sich geirrt. Und zu einem verlustreichen Bodenkrieg war Trump verständlicherweise nicht bereit. Der Krieg war von Anfang an strategisch nicht durchdacht. [….] Der US-Präsident [….]  hat Stunden vor der Einigung mit seinen wahnwitzigen Drohungen, Irans Zivilisation auszulöschen, die Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit amerikanischer Politik verstärkt. [….]

(Mathieu von Rohr, 08.04.2026)

  

Trump hat versagt, Chamenei hat sich durchgesetzt. Das Mullah-Regime ist gefestigt und wird künftig reich durch die „Hormus-Gebühren“. Die iranische Opposition liegt am Boden. Herzlichen Glückwunsch, Bibi und Taco!

[…. ] Sieht man sich den Plan näher an, wird klar, dass es eine Einigung unter Teherans Diktat wäre. Der Plan, der von dem von den Revolutionsgarden kontrollierten Medium Tasnim News veröffentlicht wurde, enthält nur Maximalforderungen, darunter die fortgesetzte Kontrolle der Straße von Hormus durch Iran, das Recht Irans auf Urananreicherung, die Aufhebung aller Sanktionen gegen Iran, die Aufhebung aller Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und des Gouverneursrats der Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) sowie die Beendigung des Krieges an allen Fronten, einschließlich Libanons.

Teherans größter „Sieg“ in diesem Krieg dürfte die Entdeckung sein, dass es die Straße von Hormus und damit einen erheblichen Teil des Welthandels so mühelos gegen so wenig internationalen Widerstand jederzeit lahmlegen kann. [….] Trumps scheinbar strategieloses Vorgehen vergleichen selbst Kriegsbefürworter mit einer abgebrochenen Antibiotikatherapie, die den Krankheitserreger am Ende eher stärkt statt eliminiert. Auch Trumps Drohungen, die iranische „Zivilisation untergehen zu lassen“, spielten der antiamerikanischen Regimepropaganda direkt in die Hände.

Liberal und demokratisch eingestellte Iraner – die Mehrheit der Bevölkerung – müssen nun mit ansehen, wie diejenigen, die noch im Januar Tausende Demonstranten kaltblütig massakriert haben, ihren großen Sieg verkünden und sich als standfeste Beschützer der Nation inszenieren.  [….] Der großen Verlierer des Krieges und der Waffenruhe ist Irans Opposition, egal welchen Lagers. „Fuck it“, schrieb ein Iraner, der in der Vergangenheit an Aufständen gegen das islamistische Regime teilnahm, der taz, nur kurz nachdem Trump die Feuerpause bekanntgab. […]

(Teseo La Marca, 08.04.2026)

Staaten wie Frankreich oder Irland oder Dänemark, beweisen wie man sich mit Klugheit und Mut gegen den tobenden US-Clown durchsetzt. Mit Härte und Konsequenz.

Macron ließ dezent 129 Tonnen in den USA lagerndes französisches Gold zurück nach Paris holen. Nebenbei erzielt er damit einen Gewinn von 12,8 Milliarden Euro.

Einen weit größeren Goldhaufen – unfassbare 1.236 Tonnen – lässt Deutschland schön brav in New York unter Trumps Zugriff liegen.  Eine Tonne sind 130 bis 140 Millionen Euro wert. Konservativ gerechnet liegen also über 160 Milliarden Euro in deutschem Gold in US-Tresoren.

Aber Merz und Wadephul und Hardt und Dobrindt können habituell nicht anders, als vor Trump auf Knien zu rutschen.

[…] Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Mittwoch mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Wie der SPIEGEL aus Regierungskreisen erfuhr, ging es in dem kurzen Gespräch um die vereinbarte Waffenruhe im Irankrieg, aber auch um das transatlantische Verhältnis. Trump hatte zuletzt wiederholt die Bundesregierung und den Kanzler dafür kritisiert, dass Deutschland sich nicht an der Öffnung der Straße von Hormus beteiligen wollte. Der US-Präsident drohte zudem mit einem Austritt aus der Nato. Dem Vernehmen nach bemühte sich Merz in dem Gespräch darum, seinen zunächst guten Draht zu Trump wiederaufzunehmen. Das Telefonat ging vom Kanzler aus.

Die Bundesregierung will einen Bruch im Nato-Bündnis unbedingt verhindern. Zudem möchte sie sicherstellen, dass die US-Regierung weiterhin die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland unterstützt. In den kommenden Tagen dürfte es weitere Wiederannäherungsbemühungen Berlins gegenüber Washington geben.  [….]

(SPON, 08.04.2026)

Die deutsche Regierung versagt und versagt und versagt. Wie die meisten Europäer.

[….] Europäische Spitzenpolitiker verfolgen den Krieg gegen Iran kommentarlos. Sie sind zu feige, sich deutlich gegen Trump und Netanjahu zu positionieren. [….] Wo war Europa? Was haben die EU-Politiker getan, um US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Iran zu stoppen und das Schlimmste zu verhindern? Diese Frage wird Bundeskanzler Friedrich Merz, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und viele andere europäische Politiker noch lange verfolgen. Denn sie haben nichts getan. Als Trump und Netanjahu den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg starteten, haben Merz und von der Leyen dafür sogar noch Verständnis gezeigt.

Als Trump drohte, das ganze Land auszuschalten, haben sie sich weggeduckt. Als er schließlich die Auslöschung der iranischen Zivilisation ankündigte, haben sie geschwiegen. Es war ein schändliches Schweigen. Die EU und ihre selbst ernannte Führungsmacht Deutschland haben auf ganzer Linie versagt. Wenn die USA und Iran nicht in letzter Minute einen Waffenstillstand ausgerufen hätten, wären die meisten EU-Außenpolitiker zu stillschweigenden Komplizen eines apokalyptischen Vernichtungskriegs geworden. [….] Selbst jetzt klingen die EU-Statements noch so, als würde nur der Iran Krieg führen. Auch Merz und von der Leyen halten sich an diese kafkaeske Sprachregelung. Einzig der spanische Regierungschef Pedro Sánchez redet Tacheles: Seine Regierung werde nicht jenen Beifall spenden, „die die Welt in Brand setzen, nur weil sie danach mit einem Eimer auftauchen“, erklärte er. Sanchez ist der Einzige, der die Ehre der EU verteidigt. Alle anderen haben sie womöglich irreparabel beschädigt. [….]

(Eric Bonse, 08.04.2026)

Man schämt sich so für Merz.

Dienstag, 7. April 2026

Zu spät

Ob die Republikaner im Kongress sich wohl selbst dafür verfluchen, am 07. Januar 2021 gleich wieder eingeknickt zu sein und das zweite Impeachment-Verfahren abgeschmettert zu haben?

Trumps Amtszeit war ohnehin vorbei. Der nächste Präsident Joe Biden stand ohnehin fest.

Man hätte die Partei von Trump befreien; ihn für immer von einer weiteren Kandidatur abhalten können. In die Midterms von 2022 und die Präsidentschaftswahl von 2024 frisch aufgestellt, mit neuen Kandidaten gehen können. 

Republikanische Renegaten, die sich öffentlich gegen Trump stellten, dafür viel Medienaufmerksamkeit bekommen, aber auch alle Ämter verloren und die politische Karriere vom orangen Wüterich zertrampelt bekamen, erzählen es immer wieder: Hinter vorgehaltener Hand, hinter verschlossenen Türen, off camera, wären sie alle von Trumps Vulgarität und Peinlichkeit entsetzt. Angeblich hassen sie ihn heimlich und stimmen nur aus Angst für ihn.

Es ist keine schmeichelhafte Deutung der republikanischen Partei, aber wie sehr sie sich alle vor Trumps Zornesausbrüchen in die Hosen scheißen, wird jeden Tag auf’s Neue offensichtlich. Wenn die mächtigen Minister vor den Kameras der Welt bizarre Demütigungsrunden aufführen, in denen die auf Knien rutschend ihren Anführer lobpreisen, so daß sogar Kim Jong Un die Inszenierung peinlich berührt als übertrieben empfindet. Wenn sie in ihren grotesken riesigen Trump-Schuhen durch das Weiße Haus schlurfen, weil sie viel zu viel Angst haben, ihrem Gott zu sagen, er hätte sich bei der Schuhgröße vertan.

Aber die Wahrheit ist noch weit schlimmer.

Sie fürchten Trump nicht nur; sie bewundern ihn auch. Sie hassen dieselben Menschen. Sie ergötzen sich daran, wie Transsexuelle, Schwule, Lesben, Schwarze, Latinos niedergemacht werden. Wie unter Demokraten Angst und Schrecken verbreitet wird. Wie Incels und Kindervergewaltiger ermächtigt werden. Wie Frauen entrechtet und Aktivisten niedergeknüppelt werden.  Dafür stellen sie sich gern hinter den senilen Irren, auch wenn seine Pläne (Grönland, Zölle, Iran) nichts als blanker Schwachsinn sind.

Die Republikaner, weite Teile der US-Presse, die Tech-Oligarchen, die Wirtschaftslobbyisten verfügen ohnehin über keine Moral, die sie beiseiteschieben müssten. Sie sind charakterlich so verdorben, so sehr von Hass zerfressen, daß sie stolz verkünden, auch noch für Trump zu stimmen, wenn er Atombomben zünde und das Ende der Welt einleite.

[….] Not even a nuclear war could make conservative podcaster Megyn Kelly shun President Donald Trump and the Republican Party.

During Monday’s episode of “The Megyn Kelly Show,” the former Fox News star criticized Democrats as “smug” and “arrogant” while professing her absolute loyalty to Trump’s GOP.

“I mean, honestly, Trump could drop a nuke and I’d still vote Republican over those people,” Kelly said, adding that Democrats “want to nuke our own country.”

“The open borders, what they’re doing to children, all that stuff,” Kelly continued. “They would do it all if put back in power, and I think most Republicans know that.”

Kelly’s comments came amid increasingly strained relations between the U.S. and Iran during the ongoing war in the Middle East.   [….]

(Nick Moyle, 07.04.2026)

Wenn es nur die Angst vor Trump wäre, wenn die GOPer bloß feige wären, hätten sie ihn am 07.01.2021 gefahrlos ausschalten können.

Sie teilen nicht nur seinen Hass, sondern sie stopfen sich alle auf atemberaubende Weise die Taschen voll. Der Staat ist für die Mächtigen an Trumps Seite ein Selbstbedienungsladen. Der Chef selbst fungiert dabei als Inkarnation der Korruptheit und blähte das Familienvermögen seit seines zweiten Amtsantritts um mehrere Milliarden Dollar auf. Auch Melania und seine Kinder kennen keinerlei Hemmungen; sie zocken die Trumpanzees und die Steuerzahler mit nie endender krimineller Energie ab. Die Republikaner wollen alle etwas vom Kuchen abhaben und verfügen über kein dabei störendes Gewissen.

Wann, wenn nicht jetzt, wäre es Zeit, mit dem 25. Verfassungszusatz oder einem dritten Impeachment, Trump aus dem Amt zu entfernen?

Aber sie tun es nicht.

Vielleicht sind die Würfel auch schon gefallen und der dritte Weltkrieg ist nicht mehr abzuwenden. Es könnte zu spät sein.

Montag, 6. April 2026

Irre Mullahs?

Als Gerhard Schöder und Jacques Chirac noch in ihren Ämtern waren, warnte Bibi auch schon, wie eine Schallplatte mir Sprung: Der Iran sei unmittelbar davor, Atomwaffen einsatzbereit zu bekommen. Nun müsse aber wirklich etwas unternommen werden.

Keine schlechte internationale Strategie, da Ayatollah Chamenei und seine Revolutionsgarden eins der grausamsten und unsympathischsten Regime der Welt waren. Das junge und gebildete iranische Volk wurde und wird brutal unterdrückt. Es gibt keine seriösen Meinungsumfragen im Iran, aber die Experten schätzen die Anhänger des Systems auf ein Fünftel bis ein Viertel der Bevölkerung. Eine sehr große Mehrheit wäre glücklich, die Ayatollahs loszuwerden. In der westlichen Welt herrscht absolute Einigkeit: Teheran darf auf keinen Fall Atomwaffen in den Hand bekommen.

Allerdings bekam Netanjahu ein enormes Glaubwürdigkeitsproblem. Wenn man 20 Jahre lang behauptet, der Iran wäre morgen aber wirklich so weit, einsatzfähige Atomraketen abzufeuern, genau das aber 20 Jahre nicht geschieht, braucht man schon einen sehr sehr dummen Menschen, um das immer noch glaubhaft zu behaupten. Einen derartigen Idioten findet man üblicherweise nicht in den Reihen der Staatenlenker. Aber dann kam Trump, dem Bibi offensichtlich seine Märchen einreden konnte. Er hatte leichtes Spiel, da der US-Diktator nicht nur selbst vollkommen ungebildet ist und an einer schweren Form von Morbus Dunning-Kruger leidet, sondern seine Administration auch alle Nahost-Experten feuern ließ, so daß es auch jenseits des Präsidenten, keinerlei Sachverstand in der US-Regierung gibt.

Ich kenne Ali Chameneis IQ nicht, aber da er mutmaßlich deutlich klüger als Trump war (wie 99% der Menschheit), wird er angesichts der geographischen Lage des Irans, eins und eins zusammengezählt haben:

1.   Afghanistan, unser direkter Nachbar im Osten, hatte keine Atombomben und wurde von den USA angegriffen, das Land wurde zerbombt, 200.000 Tote.

2.   Irak, unser direkter Nachbar im Westen, hatte keine Atombomben und wurde von den USA angegriffen, das Land wurde zerbombt, 1.000.000 Tote.

3.   Nordkorea hat ca. 10 Atombomben, wird von den USA verschont.

4.   Israel hat ca. 200 Atombomben und kann uns jederzeit von der Landkarte radieren.

Selbstverständlich war und ist es daher aus Sicht des Teheraner Regimes sehr erstrebenswert, selbst über Atombomben zu verfügen. Das ist geostrategisch vernünftig und eine Absicherung gegen die USA und Israel. Der gegenwärtige Krieg zeigt einmal mehr, was dem Regime blüht, weil es keine Atomwaffen hat.

Zudem muss die Selbstverständlichkeit, mit der die Christen-Länder England, Frankreich und die USA, für sich selbst Atomwaffen erlauben, es aber allen anderen Nationen verbieten, aus Sicht eines Schiitischen „Schurkenstaates“ sauer aufstoßen.

Wie „schlimm“ wäre es eigentlich, wenn Teheran Atomwaffen hätte?

Aus Sicht Israels ist das Szenario verständlicherweise unerträglich:

1.   Chamenei drohte bereits mit der Auslöschung Israels.

2.   Israel ist winzig und wäre mit wenigen Atombomben erledigt.

3.   Israel hat bereits Erfahrungen mit einem Genozid gegen die Juden und will sich verständlicherweise nie wieder dem Vorwurf aussetzen, sich nicht genügend gewehrt zu haben, zu naiv gewesen zu sein.

Wer weiter entfernt vom Iran, größere Länder mit anderer Geschichte regiert, mag das anders sehen:

[….] Jacques Chirac schien zu wissen, wovon er sprach: "Eine Bombe zu haben oder vielleicht ein wenig später eine zweite - nun ja, das ist nicht sehr gefährlich", versicherte Frankreichs Staatschef und oberster Befehlshaber über dessen Atomstreitmacht, vor Journalisten. Im Plauderton fügte er hinzu, Atomwaffen würden Iran nichts nützen, und sollte er damit versuchen, Israel anzugreifen, würde Teheran sofort "dem Erdboden gleich gemacht". Vergeblich versuchte Chirac, seine leichtfertigen Worte zu einem der heikelsten Dossiers der Weltpolitik noch zurückzunehmen. Doch sie gelangten in die Öffentlichkeit, nun ist der Ärger groß.  [….]

(Tagesspiegel 01.02.2007)

Chirac wies lapidar auf das zwar unethische, aber über Dekaden erfolgreich praktizierte „atomare Gleichwicht des Schreckens“ hin. Die UdSSR konnte die USA ausradieren, die USA konnten die UdSSR ausradieren, aber beide würden es nicht tun, da die „Zweitschlagkapazität“ mit Sicherheit dafür sorgen würde, eine Stunde später ebenfalls als apokalyptische entvölkerte Atomwüste zu enden.

Kein Regime, das überleben will, würde also einen Atomkrieg beginnen.

Dieses Planspiel fußt auf zwei Voraussetzungen:

1.   Ein Atomkrieg wird nicht versehentlich durch Fehlalarme, Sabotage oder menschliches Versagen ausgelöst.

2.   Derjenige am Roten Knopf, ist nicht irre, nicht erpressbar und würde bei möglichen Zweifeln, vom jeweiligen politischen System eingehegt und abgesetzt.

Bisher funktionierte das, obwohl neben den fünf offiziellen Atom- und UN-Vetomächten, auch Nordkorea, Indien, Pakistan und Israel illegal über Atomwaffen verfügen.

Aber wären die Voraussetzungen auch im Iran erfüllt? Schaukelt ein atomares Mullah-Regime sich nicht vielleicht versehentlich mit Israel in einen Atomkrieg hinauf? Sind die Ayatollahs rational und wollen überleben?

Kurz gesagt, sind Ali Chamenei, bzw sein Sohn Modschtaba Chamenei, „irre“?

Genau daran scheiden sich die Geister. Zumal mittlerweile das eintrat, das in den Weltatomplanspielen nie vorgesehen war: Am weltweit größten roten Atomknopf, sitzt tatsächlich ein Irrer, der eben nicht durch Impeachment oder den 25. Verfassungszusatz aus dem Amt entfernt wird, weil das politisches System der USA völlig versagt.

Es sieht nicht so aus, als ob die Mullahs bald einknicken. Das wird den irren Trump immer mehr in Rage versetzen.

[...] Trumps Wortwahl rief eine scharfe Rüge iranischer Offizieller hervor. In einer von der iranischen Botschaft in Thailand veröffentlichten Erklärung kritisierte die Mission den Ton der Äußerungen des Präsidenten und sagte: „Wir verstehen ja, dass ihr ein blutrünstiges Imperium im Niedergang seid, aber ihr müsst eure Minderwertigkeit nicht durch eine solche Sprache zur Schau stellen. Allah ist weitaus größer und allumfassender, als dass er von deinem Najis-Mund benutzt werden dürfte. Geh, ruiniere noch ein paar Unternehmungen und komm nie wieder in die Weltpolitik zurück.“ [...]

(FR, 06.04.2026)

Trump scheint immer noch vollkommen planlos zu agieren und gibt Modschtaba Chamenei mit seinen immer schrilleren und vulgäreren Wutanfällen wertvolle Hinweise:

Mit der Hormus-Blockade tut ihr mir wahnsinnig weh. Genau das ist mein wunder Punkt, weil ich Depp das nicht voraussah. Mein überlegenes Militär nützt mir gar nichts, wenn ihr die Weltwirtschaft in Geiselhaft nehmt, dadurch in den USA die Verbraucherpreise explodieren und ich deswegen ein totales Desaster bei den Midterms erleben muss.“

 

Der Iran reagiert hier hochrational, indem er daraus die Schlüsse zieht, keinesfalls seinen größten Trumpf, nämlich die Kontrolle über Hormus abzugeben. Falls ihnen das vorher nicht ganz klar war, wissen sie es nun durch den großen orangen Satan höchstpersönlich.