Natürlich unterstütze ich meine Partei, die SPD, immer
gern. Insbesondere in Hamburg, dem stabilsten Bundesverband. Unter den 16
Länderregierungschefs ist Peter Tschentscher mit Sicherheit der beste und die
im Vergleich mit anderen Stadtstaaten und Flächenländern überragenden Wirtschaftsdaten,
zeigen es seit 2011 eindeutig. Rot kann es.
Zudem sind wir Hamburger eins der letzten Fleckchen der Bundesrepublik
Deutschland, in der es keine breiten schwarzbraunen Mehrheiten gibt. Wir mögen
Merz nicht, wir mögen die AfD nicht, wir mögen Ploß nicht.
Damit es auch so bleibt, gönne ich Tschentscher jeden
Erfolg.
Mir gefällt, wie sich Hamburg in der Welt positioniert.
Wir sind die zweitgrößte deutsche Stadt, kratzen an der Zwei-Millionen-Bewohner-Marke,
haben eine starke Sogkraft, liberales politisches Klima, sind die klar
internationalste deutsche Metropole. Wir haben die meisten Konsulate, die
intensivsten Kontakte mit dem Ausland, waren durch den Hafen schon immer mehr
mit der großen weiten Welt verbunden. Hier ist Multikulti ein enormer
ökonomischer Booster. Man gibt sich weltläufig, aber protzt nicht. Wir sind
eine sehr schöne Stadt, weil es zwei riesige Seen in der Mitte gibt, wir haben
viel mehr Brücken als Venedig und stechen die anderen Millionen-Citys mit dem
vielen Grün aus, das Touristen und Rückkehrer beim Landeanflug auf den
Flughafen Fuhlsbüttel erstaunt.
Wir haben eine rein bürgerliche Tradition als
Handelsplatz, waren nie Fürstensitz oder Hauptstadt. Hamburg entstand nicht
zentralistisch zum Lobe eines Monarchen.
Wir sind keine Weltstadt mit Triumphbögen oder riesigen
breiten Parade-Alleen.
Die CDU macht sich natürlich verächtlich darüber; den
Sozis fehle der Weltstadtanspruch, sie planten zu kleinlich.
Aber, willkommen in der Wirklichkeit: Wir spielen nicht in der Liga der Giganten, stehen nicht
in Konkurrenz zu Weltmetropolen, wie Rom, Paris, London, New York, Tokio. Wir
sind kein Molloch, wie Moskau oder Peking.
Hamburg steht nach Bevölkerungszahl derzeit ungefähr auf Rang 206 der
Millionenstädte.
Die letzten Olympischen
Sommerspiele fanden/finden statt in:
2008 Peking (22 Mio Einwohner)
2012 London (9 Mio Einwohner)
2016 Rio (6 Mio Einwohner)
2020/1 Tokyo (14 Mio Einwohner)
2024 Paris (13 Mio Einwohner)
2028 Los Angeles (13 Mio Einwohner)
In diese Liste der Großen,
gehört Hamburg offenkundig nicht.
Umso bedauerlicher also, daß
auch Peter Tschentscher nicht der Eitelkeit widerstehen kann, seinen Namen mit
der Durchführung Olympischer Spiele zu verbinden.
Für die Stadtherren ist das
immer attraktiv, weil der mögliche Zuschlag des IOC eine endlose Kette von
Presse-Wohlfühlterminen, bei denen man sich international sonnen kann, mit sich
bringt.
Wenn dereinst die katastrophal
aus dem Ruder gelaufenen Kosten bilanziert werden, sind diejenigen, die sich um
die Spiele bemühten, nicht mehr im Amt.
Für den erfolgsverwöhnten
Hamburger Senat ergibt sich aber leider außer dem extrem korrupten und maximal
amoralischen IOC, welches die Vergabe zu entscheiden hat, ein weiteres Problem:
Sein Volk will nicht! Es hat jetzt schon genug vom Größenwahn und dem Leben auf
einer gefühlten Dauerbaustelle. Stichwort Hafencity!
Als ich in den 1980ern als
Teenager begann, Hamburg auf eigene Faust kennenzulernen, hatten wir nur gut
1,5 Millionen Einwohner. Hamburg wächst sehr stark, weil es im Gegensatz zu den
AfD-geprägten Ost-Bundesländern höchst attraktiv ist. Wir mussten seither mehr
als 400.000 zusätzliche Einwohner auf derselben Fläche unterbringen, während
auch noch die Wohnfläche pro Einwohner größer wurde und in der fatalen CDU- und
CDU/Grünen-Regierungszeit (2001-2011) der Wohnungsbau komplett eingestellt
wurde und das städtische Immobilien-Tafelsilber privatisiert wurde. Natürlich
steigen daher die Mieten, wenn auch deutlich weniger stark, als in Berlin, weil
Bürgermeister Olaf Scholz ab 2011 „den Bau-Turbo zündete“. Hamburg macht Wohnungspolitik
besser als andere Bundesländer, ist aber durch seine eigene Attraktivität und
den Zuzug prinzipiell stärker unter Druck. Es liegt nahe, angesichts eines
Mangel an Wohnraumes, mehr verfügbaren Wohnraum zu schaffen. In der Praxis
ergeben sich dadurch aber auch enorme Nachteile:
·
Bauen ist eine ökologische Katastrophe und verursacht
gewaltige Mengen CO2.
·
Bauen verschandelt die Stadt, weil es immer mehr
Berton und weniger Grün wird.
·
Bauen erhitzt die Stadt.
·
Bauen ist extrem teuer.
·
Bauen schafft inzwischen nur noch die falschen
Wohnungen; nämlich für die Masse Unerschwingliche.
·
Bauen macht unpopulär. Es gibt keinen einzigen
Hamburger, der nicht durch die vielen Baustellen überall genervt ist.
Wir geraten als beim Bauen von
simplen Wohnungen wirklich an unsere Grenzen. Dabei sind das architektonische Vorhaben,
die wir eigentlich beherrschen. Großprojekte hingegen kann Deutschland ohnehin
nicht. Die sind immer von enormen Verzögerungen und Vervielfachung der Kosten
geprägt. Stuttgart21, BER lassen grüßen. Nur die Sanierung, nicht etwa der
Neubau des Amtssitzes des Bundespräsidenten, kostet EINE MILLIARDE EURO! Eintausend
Millionen, damit Schloß Bellevue wieder bewohnbar wird. Und das auch nur, weil
es so eine bescheidene Variante wird.
[….] "Das
soll hier keine Luxussanierung werden"
Insgesamt
könnten also Kosten von rund einer Milliarde Euro entstehen. Man bereite sich
auf Debatten zu diesen Zahlen vor, heißt es aus dem Bundespräsidialamt.
"Das soll hier keine Luxussanierung werden", verteidigt Dörte Dinger,
Chefin des Bundespräsidialamtes, die Pläne. "Es wird das Notwendige
gemacht. Auf vieles haben wir verzichtet, zum Beispiel im Bereich der
Büroausstattung oder auf ein eigenes Pressezentrum." [….]
(Tagesschau, 25.02.2026)
Aber leider bildet da auch
Hamburg keine Ausnahme, wie die Elbphilharmonie zeigt.
Der spektakuläre „Elbtower“, steht als Ruine namens „kurzer
Olaf“ traurig an den Elbbrücken, weil niemand weiterbauen
will. Seit vielen Jahren wird über die dringend benötigte Erneuerung des 1974
fertiggestellten Wahrzeichens Köhlbrandbrücke diskutiert.
Offenkundig ist die 50 Jahre
alte Hafenquerung aber unrettbar rott.
Gern hätten wir stattdessen
einen Tunnel, der aber 7-8 Milliarden Euro kosten würde. Daher entschied sich der
Senat für die vergleichsweise billige Variante eines Brückenneubaus. Das soll nur um die fünf Milliarden Euro verschlingen und
bereits in 16 Jahren, also 2042 fertig sein.
Sofern Deutschland noch so
lange existieren sollte, weiß ich schon, wie sich die GenAlpha über die
Schätzung – 2042/5Mrd – amüsieren wird, wenn die neue Brücke endlich 2060
fertig wird und 100 Milliarden gekostet hat.
Wir können das nun einmal nicht
und sollten, nicht unbedingt notwendige, Großbauprojekte unterlassen. Wenn wir
einst als chinesisches Protektorat die Planung und Durchführung direkt aus
Peking erhalten, kriegen wir auch wieder Großbauten.
Bürgermeister Tschentscher
steht selbstverständlich nicht allein mit seinem Olympische-Spiele-Wahn. Die
gesamte Hamburger Presse will das unbedingt, die Sportvereine machen Druck und
außer der Linken sind auch alle Parteien eindeutig dafür. Wie überall. Auch der
junge grüne Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause ist ein glühender Befürworter
des Spiele in München, nachdem die Stadt 1972 schon einmal mit einem
terroristischen antisemitischen Anschlag für immer als Negativbeispiel der
Olympia-Geschichte eingeschrieben wurde.
Aber die Münchner sind begeistert
und stimmten
mit über 66% für die Bewerbung.
In Hamburg zeichnet sich das Gegenteil
ab.
Schon einmal, im Jahr 2015,
wurde in Hamburg eine Bewerbung von 51,6% durch Volksabstimmung abgelehnt. Elf
Jahre später, am 31.05.2026, versucht es der Senat erneut mit einer Volksabstimmung über die Bewerbung für die Olympischen
Spiele.
Aber die Zahlen sehen schlecht aus für die Befürworter.
Der Hamburger
Abendblatt-Vizechef Matthias Iken kann es gar nicht fassen. Er geht ganz
selbstverständlich davon aus, daß jeder FÜR die Spiele sein muss.
Wenn die Zahlen etwas anderes
sagen, sind die Bürger seiner Ansicht nach fehlgeleitet und/oder schlecht
informiert. Man muss sie nur endlich zur Raison bringen. Daß er selbst von
seinen treuen konservativen Abendblattlesern ablehnende Zuschriften bekommt,
kann er nicht fassen.
Aber auch der arme Peter
Tschentscher müht sich noch verzweifelt den Trend zu drehen.
[…] Zuletzt
sprachen sich knapp zwei Drittel der 16- bis 29-Jährigen für eine Hamburger
Bewerbung aus. Aber die bloße Sympathie genügt nicht. Am 31. Mai muss diese
Alterskohorte, die das in der Regel deutlich seltener als die Älteren macht,
schon noch zur Wahlurne gehen. Beim Referendum entscheidet sich, ob Hamburg
wirklich in den erst bundesweiten und dann vielleicht internationalen
Wettbewerb um die Ausrichtung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 einsteigt.
Das
erklärt wohl, warum Tschentscher in den ersten Minuten seines rund 75-minütigen
Olympia-Vortrags dafür wirbt, überhaupt an der Wahl teilzunehmen. Dem
überwiegend älteren Publikum braucht er das eigentlich nicht zu erklären, es
geht schließlich deutlich häufiger zu Wahlen. Das ist ja hier und will sich vor
dem Referendum vom Bürgermeister anhören, wie er sich das mit Olympia
vorstellt. Aber die Älteren sind, den Umfragen zufolge, deutlich skeptischer:
Bei den über 60-Jährigen liegt die Zustimmung zu einer Bewerbung nur bei 34
Prozent.
Für die
Skeptiker:innen hat der Bürgermeister nur Rosiges im Gepäck: Anders als bei
früheren Austragungen würde bei den „moderneren“ Spielen nicht mehr eine ganze
Stadt umgekrempelt werden; „nichts neu und extra für Olympia“ würde in Hamburg
gebaut werden, wenn die Spiele hier stattfänden. […] Durch alle sieben
Hamburger Bezirke tourt der Bürgermeister derzeit – eine Einladung an die
Hamburger:innen, „sich von der Idee Olympischer und Paralympischer Spiele in
Hamburg überzeugen zu lassen“. […] Es sei sogar ein „Muss“, dass sich
Hamburg bewerbe, sagte er kürzlich. Denn sonst kämen viele städtische Projekte
wohl gar nicht, da doch die Stadt von Fördermitteln abhängig sei – da stehe man
hintenan, falls München, Berlin oder die Region Rhein-Ruhr den Olympia-Zuschlag
erhalte. Ob man das schon als eine Art sanfte Erpressung verstehen mag – wer
nicht für Olympia ist, ist auch gegen andere sinnvolle Entwicklungsprojekte -,
sei dahingestellt. […]
(André Zuschlag, 09.04.2026)
Dabei geht es nicht nur um das
Bauen und die Kosten.
Viele Menschen interessieren
sich nicht für Sport-Megaveranstaltungen, die hauptsächlich als
Pharma-Leistungsshow dienen und Funktionäre der übelsten Art reich machen.
Außer der FIFA und Trumps Peace-Board gibt es kein unsympathischeres Gremium
als das IOC. Ich will nicht, daß Hamburger Steuergelder in deren Taschen
fließen!
[….] Hamburg
hat etwas Besseres verdient.
NOlympia
ist ein breites Bündnis von Menschen aller Lebensbereiche. Uns vereint die
Überzeugung, dass Olympische & Paralympische Spiele für Hamburg mehr
Probleme schaffen als Zukunftschancen eröffnen.
Moin
Hamburg,
der Senat
wirbt mit emotionalen Momenten und hautnahem Erleben der Wettkämpfe wie in
Paris. Doch die Kehrseite und das Kleingedruckte werden ausgeblendet.
Wenn der
Elefant Olympia in die Haushaltsbadewanne steigt, bleibt kein Wasser übrig:
Jeder Euro, der in das 30-Tage-Megaevent fließt, fehlt zum Beispiel bei
Bildung, Mobilität, Wohnungsbau und sozialen Einrichtungen
Im
Durchschnitt lagen Olympiakosten mehr als doppelt so hoch wie vorher
propagiert. Paris 2024 hinterließ Ausgaben für die öffentliche Hand von rund
6,7 Milliarden Euro. Selbst wenn es vor dem Referendum eine konkrete
Finanzierungszusage des Bundes geben sollte, bliebe eine erhebliche Summe, die
von der Stadt zu Lasten anderer Vorhaben finanziert werden müsste.
Mit der
Bewerbung übergeben wir den Schlüssel der Stadt einem Eventveranstalter für
Profisport. Dessen Priorität ist nicht Hamburgs Lebensqualität, sondern eine
reibungslose TV-Show und die Steigerung seiner Einnahmen. Die 4,3 Milliarden
Euro Einnahmen von Paris versteuerte das IOC nicht. Auch Hamburg müsste dem IOC
Steuerfreiheit garantieren – zu Lasten Deutschlands und unserer Stadt.
Auf
folgenden Absätzen zeigen wir nachvollziehbar, warum wir zu dem Schluss kommen:
Hamburg
sollte NEIN zu Olympia sagen. [….]
(NOlympia)