Mittwoch, 23. September 2026

Keine Regierungsverantwortung für Antisemiten in Berlin!

Zwei Tage nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin rotieren die Spindoktoren auf Maximalgeschwindigkeit.

Während Schwerin ob der mangelnden rechnerischen Alternative (Schwarz UND Gelb unter 5%) geräuschlos in eine rotrotgrüne Regierung rutscht, stellt sich die Situation in Berlin ganz anders dar.

Denn in der Hauptstadt gibt es abseits der der AfD zwei realistische Koalitionsmöglichkeiten.

Eine sehr Knappe aus den drei Wahlverlierern; Kenia mit 82/158 Mandaten. Außerdem eine Deutliche mit der Wahlsiegerin Eralp; RRG mit 95/158 Mandaten.

[….] Der Wahlsieg der Linken löst in bürgerlichen und rechten Kreisen eine Kernschmelze aus. Doch hinter der Schmierkampagne steht ein gefährliches Kalkül. [….] „Das hier macht mir wirklich Angst“, jammert Julius Böhm (Nius) in die Kamera, eingeblendet wird, wie Jung­wäh­le­r:in­nen in Berlin abgestimmt haben: 43 Prozent von ihnen für die Linke. Was genau ihm Angst macht? „Weil es bedeutet, dass junge Menschen dumm sein müssen“, so seine messerscharfe Analyse. Er spricht von „jungen, armen, traurigen Menschen“, die „keinerlei Ahnung von ökonomischen Zusammenhängen“ haben und deshalb eine Politik wählen, die für „Brotschlange, für Menschen, die verhungern, für Elend“ steht. [….]  „Die jungen Berliner Frauen haben das Kalifat gewählt. Burka statt bauchfrei“, erklärte Thorsten Alsleben im reinsten AfD-Ton, Geschäftsführer des Instituts Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Und Maral Salmassi, der die CDU einst Hunderttausende Euro für den Kampf gegen Antisemitismus zuschob, setzte den Wahlsieg der Linken gleich mit der Machtübernahme der Mullahs im Iran: „Was gerade in Berlin passiert, haben wir im Iran schon erlebt.“

Und dann ist da natürlich Ulf Poschardt, der wohl einflussreichste Mann des Axel-Springer-Verlags, der sagte: „Alle haben Angst vor 1933. Die eigentliche Gefahr ist 1949: die Wiederkehr der DDR – und das mit arabischen Islamofaschisten an Bord.“ In einem weiteren Video sprach Poschardt offenbar in Bezug auf Grünen-Wähler:innen unter anderem von „hobbylosen, ehrenlosen, gottlosen Berlin-Mitte-Spacken“, die nun ihre Quittung erhielten: „Ihre Partei wird mit dieser Partei koalieren, dieser Offenbarungseid dieser bürgerlichen Milieus, der fängt jetzt richtig an.“ [….]

(Timm Kühn, 21.09.2026)

Da soll natürlich unbedingt die instabilere Option herbei geschrieben werden, denn Antisemiten gehören für Markus Söder nicht in die Berliner Regierung, sondern in die Bayerische!

Hier hatte der Strauß-Fan das alte CSU-Motto „55%+X“ zu „37% Söder“ modifiziert und regiert seit 2018 geräuschlos mit Hobby-H1tler Aiwanger als seinem stellvertretenden Ministerpräsidenten zusammen.

(….)  Nun ist es passiert. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef entscheidet sich gegen jeden Anstand und für den Pakt mit den völkischen Demokratieverächtern.

[….] Markus Söder hat Hubert Aiwanger die Absolution erteilt. Sein Stellvertreter habe „Reue“ gezeigt, behauptet der Ministerpräsident. [….]  „Damit ist die Sache aber aus unserer Sicht abgeschlossen“, sagte der CSU-Chef am Sonntag über den Antisemitismus-Skandal des Freie-Wähler-Chefs Aiwanger, mit dem er nach der bayerischen Landtagswahl am 8. Oktober weiter regieren will.  [….] Abstoßend ist Aiwangers Versuch, sich zum Opfer zu stilisieren. Er sei „entsetzt“, wie versucht werde, „mich politisch und persönlich fertig zu machen“, schreibt der Freie-Wähler-Politiker frech – und droht nebenbei mit rechtlichen Schritten und dem Dienstrecht. Reue sähe anders aus. [….]

(Pitt von Bebenburg, FR, 03.09.2023)

Der deutsche Grundkonsens, man habe die Lektionen aus der deutschen Geschichte gelernt, ist vorbei.

 [….] Mit Moral, mit einer ausgewogenen Beurteilung des Verhaltens Aiwangers in der vergangenen Woche hat diese Entscheidung nichts zu tun. Das zeigt sich schon an den fadenscheinigen Begründungen. Er wolle keine Vorverurteilung vornehmen. Aber was heißt hier Vorverurteilung? Verurteilung vor was? Diesen Satz hätte man direkt nach der ersten Veröffentlichung der Süddeutschen Zeitung bringen können. Aber nun geht es um das seitherige Verhalten Aiwangers. Dieses allen Ernstes als unglückliches Krisenmanagement zu bezeichnen, bedarf schon einer Extraportion Chuzpe.

Man erinnere sich an das Silvestervideo von Christine Lambrecht, das Energiekrisenmanagement von Robert Habeck. Hier hätte man die Vokabel „unglücklich“ vielleicht gebrauchen können. Söder hingegen forderte die Entlassung der beiden. Aber Moral ist bei Söder immer nur die Moral der anderen. Jetzt dürfe nichts mehr dazukommen, hat Söder vor ein paar Tagen noch großspurig gefordert, und er erwarte eine umfangreiche und glaubwürdige Beantwortung seines Fragenkatalogs. Nun lässt er Aiwanger aber etwa mit der Behauptung durchkommen, er wisse nicht, wie die Flugblätter in seine Schultasche gekommen seien. Auch die windelweiche Pseudoentschuldigung seines Vize lobt er als richtig und notwendig. Und dass er sich von dem Flugblatt distanziert habe, spreche für Aiwanger. Hallo? Allein dass Söder offenbar in Betracht zieht, es könne möglich sein, sich nicht von diesem Machwerk zu distanzieren, lässt einen sprachlos zurück.  [….]

(Dominik Baur, 03.09.2023)

Markus Söder springt mit nacktem Arsch voran Jüdischen Organisationen und Antisemitismusbeauftragten ins Gesicht.

Er macht Antisemitismus offiziell hoffähig. Mit Zustimmung der AfD, FW und CSU. Mit schweigender Zustimmung der CDU.  Der 03.09.2023 ist der Tag der größten Schande Deutschlands im 21. Jahrhundert. [….] [….]  Für seine Macht und den Stammtisch adelt Söder jetzt den inkarnierten Antisemitismus an seinem Kabinettstisch. (….)

(Söder gegen die Juden, 03.09.2023)

Die bibelaffinen C-Parteien verhalten sich nach der Splitter im Auge des anderen, Balken-Metapher. Sie selbst hoben NSDAP-Mitglieder der ersten Stunde, Kiesinger und Strauß, zu Parteichefs und in höchste Regierungsämter, wittern aber bei Kritik an der Israelischen Regierung, sofort ungehörigen Antisemnitismus.

[….]  Tipp an die Linken:

Bei der CSU übergeht man Antisemitismus durch sinnlose 20 Fragen. Und am Ende sagt der Beschuldigte dann, dass es eigentlich sein Bruder gewesen sei.

Von Söder, Bayern und Aiwanger lernen, heißt, Antisemitismus ausleben lernen. [….]

(Marc Raschke, 22.09.2026)

Aber zurück nach Berlin, auch hier gibt es einen Bürgermeisterkandidaten, der sich demonstrativ an Antisemiten bindet. Stefan Evers von der CDU.

[….] Stühlerücken bei der Berliner CDU: Kaum ist Stefan Evers als Nachfolger des über die Tennis-Affäre gestolperten Kai Wegner ins Amt des Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden gerutscht, stellt er schon sein Team neu auf. Der Bundestagsabgeordnete Lukas Krieger soll künftig als Generalsekretär des Landesverbands fungieren. [….] Im Jahr 2016 tauchte ein Video auf, das Krieger als Funktionär der Schüler-Union bei einem Ausflug im lettischen Riga 2005 mit Parteikollegen zeigt. In dem Video wird ein Hakenkreuz-Abzeichen gezeigt, anschließend blickt Krieger in die Kamera und sagt: »Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen, dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind, dass Deutschland deutsch bleibt und wir gegen den jüdischen Bolschewismus durchaus vorgehen.« [….] [….]

(Marten Brehmer 15.07.2026)

Antisemitismus in den eigenen Reihen akzeptiert die CDU demonstrativ.

(…..) Natürlich bedient der CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen immer wieder bewußt antisemitische Klischees.   Das ist in den letzten Wochen so gründlich von seriösen Recherche-Teams und Medien wie dem SPIEGEL nachgewiesen worden, daß ich das Fass nicht erneut aufmache. Maaßen ist Antisemit.  Von einem antisemitischen Kandidaten sollte sich die CDU als größte Regierungspartei verabschieden.   Aber auch die Laschet-CDU versagt in dieser Hinsicht, genau wie auch schon die AKK-CDU zum Entsetzen des Zentralrates der Juden mit Antisemitismus flirtete, ohne diese zu verdammen.

Armin Laschet persönlich verteidigt sogar den antisemitischen Rechtsaußen Maaßen. Er will keinen Antisemitismus wahrgenommen haben.

Und das in einer Krisensituation, in der antisemitische Übergriffe zunehmen.

[….] Armin Laschet möchte nicht unterscheiden, das ist nun hinreichend klar geworden in der vergangenen Woche. Er möchte nicht unterscheiden zwischen der Aussage, jemand sei ein Antisemit, und der Aussage, jemand habe etwas Antisemitisches verbreitet.   Jemand ist in diesem Fall Hans-Georg Maaßen, der ehemalige Chef des Inlandsgeheimdiensts, der für die CDU in den Bundestag will. [….] [….]  Etliche Expertinnen und Experten kamen zu dem Schluss, Maaßen habe in der Tat wiederholt antisemitische Codes verbreitet. Da hätte man Laschets Verteidigung noch für ein Missverständnis halten können.  Gut eine Woche später saß Armin Laschet aber wieder im Fernsehen, diesmal befragten ihn Linda Zervakis und Louis Klamroth für ProSieben. Die Sprache kam wieder auf Maaßen, Klamroth verwies auf jene Experten, denen zufolge Maaßen antisemitische Codes verbreite.   Laschet reagierte wie in der Woche zuvor: »Jetzt beginnt die theoretische Debatte, ist, wenn jemand Globalist sagt, der damit schon Antisemit. Und ich habe ihn bisher nicht als Antisemiten wahrgenommen«. [….] Kurz darauf sagte er über Maaßen noch: »Er ist nicht rechtsradikal und er ist auch kein Antisemit. Wäre er es, würde er die CDU verlassen müssen.«   Laschets Argumentation geht also im Kern so: Würde Maaßen antisemitische Codes verbreiten, wäre er Antisemit, und wäre er Antisemit, müsste er die CDU verlassen, aber er muss die CDU nicht verlassen, also kann er kein Antisemit sein, demnach kann er auch keine antisemitischen Codes verbreiten. So etwas nennt man Zirkelschluss. [….]

 (Jonas Schaible, DER SPIEGEL, 18.05.2021)  (….)

(Laschet-CDU auf Antisemitismus-Kurs, 18.05.2021)

Ich schließe mich der aktuellen Argumentation ausdrücklich an: Antisemiten dürfen nicht dem Berliner Senat angehören.

Daher spricht alles für die Eralp-Regierung mit RRG. Die AfD-freundliche CDU hat im Roten Rathaus nichts zu suchen. Der Parteichef selbst zeigt es deutlich Selbst bei den für einen deutschen Bundeskanzler sensibelsten Themen, kann man sich darauf verlassen, daß er mit seiner ureigenen Mischung aus Borniertheit und Arroganz verbal versagt. Er KANN ES EINFACH NICHT!

 

[….] Totalausfall von Friedrich Merz: [….]

Der CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hat mit gleich mehreren Äußerungen in seiner letzten Wahlkampfrede für Empörung gesorgt. Unter anderem bezeichnete er die israelische Fahne als „Judenfahne“ und verbreitete Lügen über die Demonstrant:innen, die gerade im ganzen Land gegen rechts auf die Straße gehen. Nicht nur in den sozialen Medien hagelte es Kritik.

Wörtlich stelle Merz in seiner Rede bei der Wahlkampf-Abschlussveranstaltung in München die rhetorische Frage, wo der „Aufstand der Anständigen“ geblieben sei, „als in diesem Land Palästinenserflaggen geschwenkt wurden, ‚From the River to the Sea‘ gesungen wurde, als Judenfahnen, als Fahnen des Staates Israel verbrannt wurden?“ [….]

Die Berliner Grünen-Politikerin Bettina Jarasch kommentierte das am Wahlsonntag auf X: „‚Judenfahnen‘, Herr @FriedrichMerz? Echt jetzt? Noch alle Tassen im Schrank?“, schrieb die Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der vergangenen Landtagswahl in der Hauptstadt. Sie bezog sich damit auch auf Merz' Äußerung, dass die CDU eine Politik für „die Mehrheit“ mache, also für jene, die noch „alle Tassen im Schrank“ hätten.

Der Soziologe Jules El-Khatib, ehemaliger Linken-Politiker und bei der Landtagswahl 2022 Spitzenkandidat der Partei, schrieb: „Die Gleichsetzung von Israel und Judentum stellt Antisemitismus dar. Stellt euch vor, so etwas hätte Mohammed gesagt, es gäbe einen Aufschrei, doch wenn Friedrich von der CDU es sagt, ist es kein Problem.“

Laut der International Holocaust Remembrance Alliance stellt es eine Form von Antisemitismus dar, den Staat Israel mit dem Judentum gleichzusetzen. In rechtsextremen Kreisen ist es weit verbreitet, die israelische Fahne als „Judenfahne“ zu bezeichnen. [….]

(Daniel Bax, 23.02.2025)

Ganz offensichtlich existiert in den C-Parteien 81 Jahre nach dem Ende des Holocaust, 93 Jahre nachdem die Vorgänger-Parteien der CDUCSU Hitler ins Amt hoben, ein schweres Antisemitismus-Problem. Deswegen sollte die CDU in der Hauptstadt nicht erneut Regierungsverantwortung übernehmen.

[…] Und er hat wieder danebengegriffen

Friedrich Merz nennt Antisemitismus die „perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit“. Man möchte einfach nur den Kopf schütteln.

Friedrich Merz ist bekannt dafür, die absolut falschen Worte zu wählen. Und er hat es wieder getan: Antisemitismus sei die „perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit“, sagte der Kanzler bei einer Wahlkampfveranstaltung der Berliner CDU am Donnerstagabend im Konrad-Adenauer-Haus. Man möchte einfach nur den Kopf schütteln. Denn in diesem einen Satz steckt gleich so viel Problematisches.

Wer Antisemitismus als „Ausländerfeindlichkeit“ bezeichnet, sagt damit, ob nun absichtlich oder nicht: Jüdinnen und Juden in Deutschland sind anders. Die sind hier „fremd“. Das muss nicht mal abwertend gemeint sein – es zieht aber eine Grenze zwischen dem kollektiven „wir“ und den „anderen“, den Jüdinnen und Juden. Ein Fremdmachen, das lange bekannt ist; die Wissenschaft nennt es Othering.  […..]

(Dinah Riese, 18.09.2026)

Zurecht wird in der Presse auch auf die Verbindungen zur Clan-Kriminalität im Zusammenhang mit den Remmos verwiesen. So eine Partei will ich nicht in der Berliner Stadt-Regierung.


[….] Clanchef Issa Remo bei der CDU? Meine Güte, kann ja mal passieren. Issa Remo auf der Wahlparty der Linken, wo er direkt wieder hinausgebeten wurde? Unfassbar? Wie kann man mit denen regieren wollen!!1!

https://www.tagesspiegel.de/berlin/clan-boss-im-parlament-cdu-politiker-ladt-issa-remmo-ins-abgeordnetenhaus-ein-13074775.html  [….]

(Krsto Lazarević, 22.09.2026)

Nun liegt es an SPD und Grünen, ob sie die CDU, die immer wieder mit Antisemitismus auffällt, als Regierungspartei unterstützen, oder ob sie lieber auf die am wenigsten antisemitische Partei Die Linke setzen.

[….]  Diese Massenpsychose, die gerade die deutsche Medienlandschaft bezüglich des Siegs der Linken in Berlin ereilt erinnert stark an New York und den Versuch Mamdani zu verhindern. Er ist jetzt übrigens nach ein paar Monaten der beliebteste Bürgermeister seit langem. [….]

(Natascha Strobl, 22.09.2026)

Montag, 21. September 2026

Gibt es einen ganz winzigen Hoffnungsschimmer?

Das Frustrierende am Merzismus schien mir bisher immer die Alternativlosigkeit zu sein. Ja, es herrscht Konsens; dieser Mann kann es nicht, dieser Mann ist viel zu borniert, um dazu zu lernen.

Aber es gibt im Bund keine andere demokratische Mehrheit. Die SPD ist in einer maximal unbeliebten Koalition gefangen, die sie nicht verlassen kann, weil es dann entweder ohne Neuwahlen eine schwarzbraune Kooperation gibt, oder mit Neuwahlen die Nazis zur mit Abstand stärksten Macht durchmarschieren. Die SPD ist in einer maximal unbeliebten Koalition gefangen, die sie von innen nicht grundlegend verändern kann, weil sie mit 16% zu schwach ist und immer schwächer wird.

Die politisch Desinteressierten und Durchschnittsbürger, die unter der tatsächlich falschen Regierungspolitik leiden, differenzieren nicht mehr, werfen alles in einen Topf: SPD, CDU, CSU, Regierung, Minister. Sie finden alles gleichermaßen schlecht.

Die Rechten und die Schwurbler sind der Realität ohnehin entkoppelt, baden in ihren algorithmierten braunen Bot-Blasen der ersehnten Autokratie entgegen, in der „die Altparteien“ als Feinde angesehen werden.

Linke und Grüne, die völlig zu Recht Merz und Reiche verachten, geben sich der Illusion hin, die SPD könne allein die Regierungspolitik bestimmen, nach Belieben die CDUCSU dirigieren und verdiene für jeden Kompromiss den ewigen politischen Tod.

Jede Wahl nach Amtsantritt der gegenwärtigen Bundesregierung bestätigte es: Die SPD bekommt eins auf die Mütze, das Volk rutscht massiv nach rechts, die Grünen bleiben angesichts dieser Rekordunzufriedenheit mit CDUCSU und SPD, geradezu erbärmlich schwach und es profitieren immer nur die Nazis.

Die Lage zeigt sich damit als so hoffnungslos, daß die Fortführung der Merz-Kanzlerschaft unter allen Übeln, tatsächlich das kleinste zu sein scheint, bevor wir bei der nächsten Bundestagswahl unweigerlich auf eine Nazi-Regierung zu steuern.

Die Menschen entscheiden sich bei Wahlen nicht mehr FÜR etwas, sondern nur noch GEGEN Parteien. Sie wollen Frust ablassen, Denkzettel verteilen, votieren für Destruktion, Strafe, Härte, Obstruktion. Sie haben kein Vertrauen mehr, jede Geduld verloren.

Man muss in diesem Sinne tatsächlich der letzten Sauerländer Patrone der Demokratie Erfolg wünschen. Aber das fällt erstens extrem schwer, weil man diesen arroganten Mann so sehr verachtet und zweitens längerfristiger Erfolg mit Fossillobbyismus, neoliberales Umverteilungspolitik nach ganz Oben und regierungshandwerklichem Dilettantismus, unmöglich ist.

Die Landtagswahl von Sachsen-Anhalt am 06.September 2026 schien die Düsternis zu bestätigen. Es kann nicht mehr gut ausgehen für Deutschland, wenn es sogar rechts von der CDU eine absolute Mehrheit (AfD + BSW) für völkische Putinkriecherei gibt.

Allerdings ergaben beide Wahlen von gestern mit viel Glück eine parlamentarische rotrotgrüne Mehrheit.

Die ungebildeten Landeier sind zunehmend für die Demokratie verloren. Aber die urbaneren Deutschen, die sich auch mal waschen und einen Schulabschluss haben, entscheiden sich tatsächlich positiv, wollen etwas stärken und nicht immer nur schwächen.

[….]  Wenn man sich mal kurz etwas Freude gönnen möchte nach diesem Wahlsonntag in Berlin: Die Jugend in der Hauptstadt hat ein linkes Herz. 43 Prozent der 16- bis 24-Jährigen wählte die Linke, bei den 25- bis 34-Jährigen gar 49 Prozent – zum Vergleich: Bei der letzten Abgeordnetenhauswahl 2023 erreichten die Linken nur jeweils 26 Prozent in diesen Altersgruppen.

Meist beugt man sich nach Wahlen mit Sorge über die Jugend. In Sachsen-Anhalt wählten vor zwei Wochen 43 Prozent der jungen Leute unter 25 die rechtsextreme AfD, nur 18 Prozent die Linke. Bei der Bundestagswahl 2025 wuchs die AfD bei den U25 im zweistelligen Prozentbereich (die Linke allerdings auch).

Man kann daraus ablesen, dass sich natürlich auch bei der Jugend die bekannte Stadt-Land-Spaltung zeigt: Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen sind überproportional in den Städten vertreten, und sie wählen, egal wie alt, tendenziell links. In Berlin hat sogar die Hälfte der 25- bis 64-Jährigen einen Hochschulabschluss, bundesweit im Schnitt nur jeder Dritte. [….]

(Anna Klöpper, 21.09.2026)

Rechte alte weiße Männer sind out; nahbare Frauen mit einem Fokus auf soziale Aspekte, Schwesig und Eralp, sind in.

Offensichtlich gibt es also mit der Bundespolitik Unzufriedene, die nicht nur pauschal „gegen die da oben“ wettern und zu den Nazis rennen.

Es wird differenziert, die Schuld dahin geschoben, wo sie hingehört: Nämlich bei der CDU und CSU, speziell bei Friedrich Merz und den grundsätzlich falschen Weichenstellungen der Schwarzbraunen.

Wenn Wähler das Gefühl bekommen, durch ihre Stimmabgabe tatsächlich etwas zu verändern – und Eralp wird Berlin anders gestalten als Wegner – können sie auch wieder zugänglicher für unterschiedliche Argumente sein.

Sie differenzieren zwischen den Regierungsparteien, wissen wer den Totalschaden anrichtet – die CDUCSU – und wer für Vernunft und Gerechtigkeit steht – die SPD!


Sie erkennen, wie man regierenden Schwarzen mit einem Kreuz bei Grünen, bei Linken, bei Sozis, ein konkretes Model zeigt, um es besser zu machen.


Statt mit einem Kreuz bei der AfD das ganze Land zu zertreten.

Fritze sichert seine Ämter. Für heute.

Vor zwei Wochen hatte der CDU-Bundesvorsitzende die Spitzen seiner Partei zum sachsen-anhaltinischen Wahlabend ins Berliner Konrad-Adenauer-Haus geladen.

Neben CSU-Söder stellen die Schwarzen gegenwärtig sieben Herren (keine Frauen!); Wegner, Rhein, Wüst, Schnieder, Kretschmer, Schulze, Günther und Voigt.

Nur einer von Acht, ausgerechnet der politisch am meisten von Merz entfernteste grünschwarze Kieler, kam zur Unterstützung nach Berlin. Eine Demütigung für Merz, der so ins Straucheln geriet, daß er sich nur mit Mühe zwei Wochen Gnadenfirst bis heute erkämpfen konnte. Es war eine Unverschämtheit der CDU-Landesväter, den Weg nach Berlin zur Unterstützung ihres Chefs nicht anzutreten und zu Hause zu bleiben. So dachte ich bis vorgestern, als ich im SPIEGEL las, daß es sogar noch viel schlimmer war. Die meisten schwarzen MPs waren in der Hauptstadt, scheuten also nicht die Mühe, ihre Heimatbundesländer zu verlassen, aber sie ließen den Fritzekanzler demonstrativ allein in der CDU-Zentrale, um nicht zusammen mit ihm gesehen zu werden. Obwohl sie vor Ort waren.

Man ahnt, wie der Sauerländer Simpel tobte und so überließ er für das zu erwartenden Desaster von heute nichts dem Zufall. Zunächst wurden die sieben Provinz-Epigonen verdonnert, einen Solidaritätsbrief zu verfassen, dessen Notwendigkeit selbst, allerdings die Schwäche des Chefs bewies. Zudem hatte Boris Rhein jede Erwähnung des Namens „Merz“ aus dem Schreiben entfernt, um die Solidaritätsadresse noch unsolidarischer erscheinen zu lassen.

[….]  Der Soli-Brief für Merz ging völlig nach hinten los

Die CDU-Ministerpräsidenten glaubten, mit ihrer Erklärung könnten sie Zweifel an ihrer Loyalität zum Kanzler ausräumen. Tatsächlich aber offenbart das Schreiben, wie tief der Riss zwischen ihnen und Merz wirklich ist.  [….]

(Marina Kormbaki, 17.09.2026)

Zudem wurden die MPs diesmal ultimativ zur CDU-Sitzung um 17.00 Uhr; eine Stunde vor Schließung der Wahllokale; in KAH zitiert. Angesichts der traurigen demoskopischen Lage und den enormen globalen Schwierigkeiten, hatte aber keiner der Sieben Zwerge den Mut, vorzutreten, um Merz herauszufordern.

Bereits kurz nach 18.00 Uhr trat der Briloner Brausekopf allein im Helmut-Kohl-Saal vor die Presse und erklärte den verdutzten Hauptstadtjournalisten, in dieser enorm verzwickten Lage müssten seine sogenannten „Reformen“ mit eisernem Griff umgesetzt werden und dafür erfordere es „Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“, also gleich drei sehr positive Eigenschaften, über die nur einer verfüge: Er selbst, der große Merz!

[…] Das Vertrauen in Institutionen sinke und werde gezielt untergraben – auf das alles könne man nur auf eine Art reagieren: „Die Reformen müssen kommen!“ Man brauche Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld. Und genau das wolle er nun aufbringen, um zu beweisen, dass Deutschland ein Land eben doch ein Land des Aufbruchs sein könne.

Kein Rücktritt also. Auch nicht vom Parteivorsitz.

Merz bleibt – das klingt sogar für manchen in der CDU wie eine Drohung

Dass der Kanzler nach den harten Pleiten wild entschlossen zu sein scheint, die Leute doch noch irgendwie emotional zu erreichen, ist spürbar. Dass die Zeit dafür davonläuft, ebenso. Und es wird nicht einfacher. Beim Koalitionspartner SPD werden weiter die Stimmen derer lauter werden, die an den Reformen nagen wollen. Schließlich ist Manuela Schwesig in ihrem Wahlkampf damit gut gefahren.  […]

(Maik Koltermann, 20.09.2026)

Fritze findet sich selbst weiterhin einfach fabelhaft, er ist nach der einzigen relevanten Einschätzung, nämlich seiner eigenen, der richtige Mann als Kanzler und CDU-Chef. Die "Reformen" findet er goldrichtig und will sie genauso umsetzen.

[…..] Wie Merz es schafft, so selbstgefällig wie abgedroschen, in einem Satz die gesichert rechtsextremistische AfD als lediglich radikal zu verharmlosen, um die Linke sodann mit der Höcke Truppe gleichzusetzen, das ist so erbärmlich, falsch & gefährlich. Ich will so einen Typ nicht als Kanzler. [….]

(Michael Lühmann, @herrluehmann.bsky.social, 20.09.2026)

Weiterhin scheint der bornierte Briloner der Realität vollständig entkoppelt. Aber offenbar haben alle CDU-MPs die Hosen gestrichen voll und trauen sich nicht, Fritze zu stürzen.  Dafür bringe ich ein gewisses Verständnis auf.

Wir haben es mehrheitlich mit einem tumben deutschen Urnenpöbel zu tun, der sich nach einfachen Lösungen sehnt, von Zumutungen verschont bleiben will und generell denkfaul ist. Ein Robert Habeck wird nicht gewollt, eine rotgrüne Mehrheit scheint im Bund meilenweit außer Reichweite.
Leider sehe ich keinen realistischen Weg, wie es mit einem anderen C-Kanzler besser werden soll. Was würden Bundeskanzler Rhein oder Bundeskanzler Söder oder Bundeskanzler Wüst ändern? Die grundlegend falsche Fossillobby-Politik, die Umverteilung von unten nach oben, die einwanderungspolitische Xenophobie, die Kulturkampfattitüde teilen alle CDUCSUler. Bei Neuwahlen käme es NOCH schlimmer. Die Lage ist aufgrund der Verblödung des Souveräns hoffnungslos.

Die Konservativen verstehen nach weit über einer Dekade des stetigen Anschwellens der braunen Pest immer noch nicht, die simplen Zusammenhänge.

[…] Gern noch mal in einfachen Worten für Union und FDP: Wenn man fünf Jahre lang so tut, als habe die AfD im Grunde Recht (“Migration=größtes Problem”, “Grüne=sozialistische Deutschlandhasser”), dann hilft man damit der AfD und schadet sich selbst. Es ist wirklich nicht schwer.   [….]

(Christian Stöcker, @christianstoecker.de, 20.09.2026)

Aus Merzscher Sicht, war es richtig, schon um 18.00 Uhr vor die Presse zu treten, um seinen Kritikern zuvor zu kommen, denn in folgenden fünf Stunden verschlimmerten sich die Zahlen für seine CDU sogar noch.

In Mecklenburg-Vorpommern fliegt die CDU tatsächlich aus dem Parlament; Putinellas BSW überspringt nicht die 5%-Hürde.

Damit ist zwar keine Fortführung der alten RotRoten Regierungskoalition möglich, aber RRG hätte drei Sitze mehr als die absolute Mehrheit. Das ist für ein ostdeutsches Bundesland mit AfD-Rekordzuwachs ein bemerkenswertes Ergebnis.

Auch in Berlin kam es für Merz schlimmer als das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Linken und Schwarzen. Tatsächlich hängte Elif Eralp den CDU-Finanzsenator mit sieben Prozentpunkten Differenz ab.

Graf, Krach und Evers sind erschreckend öde und zudem extrem ähnliche Kartoffel-Typen. Angegraute Mainstreamer mit Sparkassen-Appeal, deren Gesichter man gleich wieder vergisst. Den Grünen Graf googelte ich in den letzten Wochen immer wieder, weil der dermaßen langweilig und nichtssagend ist, daß ich sofort wieder vergaß, was der für einen Hintergrund hat.

Für die konservative Hauptstadt-CDU ein passender Kandidat. Aber Grüne und SPD haben bei ihrer Personalauswahl schwer danebengegriffen. Dagegen ist Elif Eralp natürlich ein extrem erfrischender guter Pick der Linken.

In Berlin bedauere ich fast das Scheitern des BSWs, weil mit dessen Einzug eine Kenia-Koalition rechnerisch unmöglich geworden wäre und nur noch RRG in Frage käme. Das BSW hätte einen Linke Bürgermeisterin erzwungen; genau das, was AfD-Fan-Girl Putinella Wagenknecht auf jeden Fall verhindern wollte.

Franziska Brantner rückt in der ARD schon von RGR für Berlin ab. Mit den Linken "Antisemiten in Neukölln" wollten die Grünen nicht zusammen regieren. Umgekehrt scheint die Linke Berliner Parteibasis insbesondere nach diesem starken Wahlergebnis keinerlei Kompromisse eingehen zu wollen.

'Vergesellschaftung', die für Linke essentiell ist, lehnen die Grünen und SPD ab. Beide blinken also Evers an! Allerdings verfehlte Krach sein Direktmandat und Bürgermeisterin Franziska Giffey, die für die CDU-Koalition stand, flog ganz aus dem Abgeordnetenhaus.

Man könnte das als klares RRG-Signal interpretieren. Zumal Eralp die ganz große Gewinnerin bei den Jungen ist.

Der jungen Generation den Stinkefinger zu zeigen, indem man den rechten Stefan Evers zum Regierenden Bürgermeister wählt, dürfte SPD und Grünen zukünftig schwer schaden.