Montag, 23. Februar 2026

Der Satire-Kanzler

 

Was war das für ein Streit mit der eigenen Partei, mit den treuesten Merz-Fans der JU, als im Dezember 2025 die junge Kanzler-Koalition bereits zu platzen drohte. Die „Junge Gruppe der Unionsfraktion“ hatte sich komplett mit ihrem Kanzler und Parteichef überworfen.

[….] Johannes Winkel, Kopf der Rentenrebellen, warnt vor einem Ausbleiben weiterer Rentenreformen. »Der Reformbedarf in Deutschland wird durch dieses Rentenpaket nicht kleiner, sondern noch größer«, sagte der Chef der Jungen Union dem SPIEGEL.

319 Abgeordnete hatten am Freitag für Kernpunkte des umstrittenen Rentenpakets gestimmt. Dabei wurde auch die von Bundeskanzler Friedrich Merz faktisch eingeforderte »Kanzlermehrheit« von mindestens 316 Stimmen erreicht. [….] Winkel sieht die Koalition nun in der Pflicht: »Die Bundesregierung hat um Vertrauen geworben, dass eine Rentenreform im nächsten Jahr kommt. Damit steht die Regierung im Wort.« [….] Seit dem Frühsommer haben Winkel und Pascal Reddig, Chef der Jungen Gruppe, intern auf ihr Problem mit der Haltelinie beim Rentenniveau und die Folgekosten nach 2031 aufmerksam gemacht. Dabei fühlten sie sich von der Führung in ihrem Widerstand gegen SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas lange bestärkt. Auch von Merz. Doch beim Deutschlandtag Mitte November kam es zum offenen Streit. [….]

(SPON, 05.12.2025)

Es war faszinierend, wie unvorbereitet und ahnungslos der Fritzekanzler in diese auf den letzten Zentimetern abgebogene Beinahe-Katastrophe, stolperte. Weder Partei (Linnemann), noch Kanzleramt (Frei), noch Fraktion (Spahn) hatten funktioniert. Und das ausgerechnet bei dem Giga-Problem Rente, das seit Jahrzehnten auf der Agenda steht und dessen Stellschrauben in unzähligen Gremien und Kommissionen bis ins kleinste Detail analysiert wurden. Jeder kennt die hochproblematischen Zahlen. Zumindest jeder im politischen Betrieb. Sollte man meinen. Natürlich muss man, um das System zu retten, a) auch bislang verschonte privilegierte Gruppen (Selbstständige, Beamte, Privatiers, Bundestagsabgeordnete) einzahlen lassen und braucht, b) Zuwanderung von rund einer halben Million Menschen nach Deutschland – jedes Jahr. Ausgerechnet den beiden Hebeln verweigert sich aber die Merz-Union aus ideologischen Gründen.

Wie soll denn sonst Altersarmut eingedämmt werden, wollten Bettina Schausten und Anke Gellinek wissen, als Merz anderthalb Wochen nach der Blamage in der ZDF-Sendung „Was nun…?“ auftrat.

Es folgte ein Doppelskandal. Erstens offenbarte der Bundeskanzler, nicht einmal über rudimentäres Basiswissen über das gesetzliche Rentensystem zu verfügen, indem er völlig falsch behauptete, das Rentenniveau von 48% bedeute, man bekäme als Rentner 48% seines letzten Gehalts.

»Jetzt sage ich das mal hier sehr offen: Wir drei hier wollen nicht mit 48 Prozent unseres letzten Gehalts in den Ruhestand gehen«

(Friedrich Merz im ZDF, 16.12.2025)

Zweitens wurde diese ungeheuerliche Selbst-Disqualifikation des Kanzler medial weitgehend totgeschwiegen.


Nicht auszudenken, wenn sich Habeck oder Reichinneck so eine dramatische Offenbarung ihres Unwissens geleistet hätten. Die gesamte Presse wäre über sie hergefallen, hätte es wochenlang höhnisch ventiliert. Aber Merz lässt man seine verstörende Inkompetenz achselzuckend durchgehen.  Ich musste ausgerechnet bis zum rechtslastigen Burda-Focus Online googeln, um eine zitierfähige Richtigstellung zu finden.

[….] Friedrich Merz war zu Gast im ZDF und sprach unter anderem über das Thema Rente. [….] Hat Merz überhaupt verstanden, wie die Rente funktioniert? Scheinbar nicht. Er hebt an: „Und jetzt sag ich das hier sehr offen: Wir drei hier, wir wollen nicht mit 48 Prozent unseres letzten Gehalts in den Ruhestand gehen.“

Lieber Herr Merz, liebe Leser, das ist falsch, aber ich kann mir vorstellen, woher der Irrtum kommt. Lassen Sie mich das erklären.

Das Rentenniveau liegt bei 48 Prozent, so weit, so richtig. Allerdings bekommt der typische Rentner nicht 48 Prozent seines letzten Gehalts. Das Rentenniveau bezieht sich auf den sogenannten Eckrentner, der 45 Jahre lang gearbeitet hat und in jedem dieser Beitragsjahre genau das deutsche Durchschnittseinkommen verdient hat. Der bekommt 48 Prozent seiner durchschnittlichen, lebenslangen Einkünfte.

Genau genommen hat das Rentenniveau mit der konkreten Rente also nichts zu tun und das zu verstehen, ist immens wichtig in der Rentendebatte. Drei Denkfehler führen dazu, dass man überschätzt, wie hoch die Rente sein wird:

    Fehler: Das deutsche Durchschnittseinkommen war vor 45 Jahren deutlich niedriger als heute. Im Jahr 2002 lag es bei 28.626 Euro. Heute steht es bei 50.493 Euro.

    Fehler: So gut wie niemand verdient von Anfang bis Ende seiner Karriere deutsches Durchschnittseinkommen. Es gibt sogar Berufe, in denen über 50.000 Euro im Jahr in so gut wie jeder Karrierestufe utopisch sind. Und selbst wer später gut verdient, hat in der Ausbildung oder zum Berufseinstieg ziemlich sicher ein geringeres Einkommen.

    Fehler: 45 Beitragsjahre schaffen sehr viele Deutsche nicht und das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern sehr viel mit dem Arbeitsmarkt, Krankheiten oder der Familienplanung. Nicht umsonst bekommen Mütter dank der Mütterrente Rentenpunkte für Kinder statt für Einkommen.

[….] Wenn man konkret sehen will, wie viel Rente man bekommt, muss man wissen, wie viele Rentenpunkte man hat, und diese multipliziert man mit dem geltenden Rentenwert, dem Zugangsfaktor (1 für die Rente ohne Abschläge) und dem Rentenfaktor (1 für Altersrente).

Einen Rentenpunkt bekommt man, wenn man in dem Jahr genau das Durchschnittseinkommen verdient hat. Wer mehr verdient, bekommt mehr Rentenpunkte, und wer weniger verdient, weniger. Der Rentenwert für das Jahr 2025 liegt bei knapp über 40 Euro. Wer also 45 Rentenpunkte gesammelt hat, bekommt im Jahr 2025 etwa 1800 Euro Rente.

Das ist Merz‘ Irrtum

Wie kommt Merz also darauf, das letzte Einkommen würde für die Rentenberechnung herangezogen? Vermutlich war er der Annahme, dass die gesetzliche Rente genauso funktioniert wie die Beamtenpension. Denn Beamte bekommen tatsächlich 70 Prozent ihres letzten Solds als Altersbezug.

Übrigens ist noch ein Irrtum von Merz, dass er Bettina Schausten und Anne Gellinek direkt adressiert. Genau können wir zwar nicht wissen, wie die beiden versichert sind. Allerdings zeigen die Klagen vieler anderer TV-Persönlichkeiten, dass die Rentenversorgung von Moderatoren und Stars längst nicht so gut ist, wie man meint. Sie wechseln oft vom Angestelltendasein in die Selbstständigkeit und fallen damit aus der Versicherungspflicht. Und wer nicht einzahlt, bekommt auch keine Rente. [….]

(Philine Lietzmann, 19.12.2025)

Dieser Kanzler ruiniert nicht nur wissentlich mit seiner kontrafaktischen Wirtschaftspolitik unser Land.


Dieser Kanzler ist darüber hinaus auch noch offenkundig blöd. Er kennt nicht einmal die Kernbegriffe der Politik.


Sonntag, 22. Februar 2026

Drei Trumpsche Botschafter

 

Von den Myriaden Lügen, die der 45. und 47. US-Präsident bisher von sich gab, dürfte ihm „I hire only the best people“ am meisten auf die Füße fallen. Er versprach es vor seinem Amtsantritt ….

[…] When Donald Trump (sort of) ostracized longtime adviser Roger Stone last August, he made a commitment that has stuck with him ever since.

"I’m going to surround myself only with the best and most serious people," he told our Robert Costa in a phone interview at the time. "We want top of the line professionals."

Stone, who now runs a pro-Trump PAC, "no longer serve[d] a useful function" for Trump's campaign. Moving forward, Trump said: "I really don’t want publicity seekers who want to be on magazines or who are out for themselves. This campaign is not about them."  […]

(WaPo, 30.08.2016)

…und wiederholte es seither immer wieder.

[…] Trump can't hire the 'very best people,' because he's the very worst president

The president balks at any attempt to bring order to his administration. Nobody reasonably intelligent would want to work for him.  [….]

(Robert Schlesinger, 10.12.2028)

Inzwischen haben wir Gewissheit; Trumpismus ist Kakistokratie. Zwar gab es in seinem ersten Amtsjahr noch einige fähige Mitarbeiter und Minister, aber die suchten allesamt das Weite. Als Trump sich anschickte, wiedergewählt zu werden, weigerten sich 40 der 44 hochrangigsten Mitglieder seiner Administration, eine Wahlempfehlung für ihn auszusprechen. Selbst enthusiastische Trump-Fans erkennen also in den allermeisten Fällen, wenn sie einen Blick hinter die Kulissen bekommen und mit ihm zusammenarbeiten, daß dieser Mann ein gefährlicher Krimineller ist, der unbedingt aus dem Weißen Haus ferngehalten werden muss.

In seiner zweiten Amtszeit wird noch nicht mal mehr so getan, als ob fachliche Qualifikation irgendeine Rolle spielen. Völlig groteske Gestalten wie RFK talibanisieren die US-Politik. Trump duldet nicht nur keinen Widerspruch, sondern misst „den Wert“ aller Mitarbeiter nur daran, wie sehr sie ihn loben und sich für ihn demütigen lassen. Prestigeträchtige Botschaftsposten vergibt Trump gegen Bezahlung an rechtsextreme reiche alte Männer.

Drei Beispiele:

Belgien. Bill White, der rechtsradikale Aktivist, hatte sich bei Trump eingeschleimt, indem er dessen Lügen von der „gestohlenen Präsidentschaftswahl 2020“ weiter verbreitete und verlangte, Brian Kemp, den GOP-Gouverneur von Georgia, sowie seinen Lt. General Raffensperger anklagen zu lassen.

White mischt sich im polternden Trump-Stil in ein Strafverfahren gegen drei Mohelim in Antwerpen ein, die ohne Ausbildung an Baby-Penissen herumschneiden und die blutigen Wunden mit dem Mund ablutschen.

[…] Wer als diplomatisch gilt, beweist Taktgefühl und Respekt dem anderen gegenüber. Davon war auf dem diplomatischen Parkett diese Woche nun gar nichts zu spüren.

Da wurde der US-amerikanische Botschafter in Belgien, Bill White, also einbestellt, weil er sich recht undiplomatisch in eine laufende Ermittlung eingemischt hat. Dabei ging es um Beschneidungsriten in der jüdischen Gemeinschaft in Antwerpen - die dürfen in Belgien nur von einem Arzt durchgeführt werden. Details will ich uns hier ersparen. White forderte ein politisches Einlenken und bemühte auf X das Totschlagargument "antisemitisch" und ging damit eindeutig zu weit.

Der US-Botschafter gab aber nicht etwa klein bei, sondern nutzte die diplomatische Sanktion, um seinerseits weiter auszuteilen: Die belgische Regierung habe gefälligst zu verurteilen, dass der Vooruit-Vorsitzende Conner Rousseau in einem Instagram-Filmchen das Vorgehen der ICE-Beamten mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus verglich - und implizit Trump mit Hitler. In Sachen grob fahrlässige Vergleiche stehen sich White und Rousseau in nichts nach. Und das ist alles andere als diplomatisch. Wobei wir nicht verheimlichen wollen, dass Antisemitismus in der belgischen Gesellschaft und der autoritäre Umbau der amerikanischen Gesellschaft ernstzunehmende Probleme sind.

Abgesehen davon, dass die von Trumps Leuten gerne gepredigte "Freedom of speech" von ihnen selbst sehr unterschiedlich ausgelegt wird, lässt das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Diplomaten werden entsandt, um die Interessen ihres Staates und seiner Angehörigen zu schützen - und sie genießen strafrechtliche Immunität. Sie haben aber auch die Gesetze und Vorschriften des Gastlandes zu achten und sich nicht in dessen innere Angelegenheiten einzumischen, Mr. White.  [….]

(Stephan Pesch, 20.02.2026)

Selbst stramm konservative Journalisten sind entsetzt.

[…] Amerikanische Botschafter neigen manchmal dazu, sich in den Ländern, in denen sie auf Posten sind, aufzuführen wie koloniale Vizekönige. […] Aber die von Donald Trump entsandten treiben es besonders bunt. In Deutschland erinnert man sich noch schlecht an einen gewissen Herrn Grenell. Jetzt hat der US-Botschafter in Brüssel sein Gastland im Befehlston angewiesen, eine Ermittlung fallen zu lassen.

Das ist für einen Rechtsstaat nicht akzeptabel. Auch, ja, erst recht, wenn die Intervention von einem Verbündeten kommt, muss man sie entschieden zurückweisen. So hat es Belgiens Außenminister auch getan. […]

(Stephan Löwenstein, FAZ, 19.02.2026)

Israel. Mike Huckabee, rechtsradikaler Pastor der Southern Baptist Convention, war von 1996 bis 2007 Gouverneur von Arkansas. Seine ebenso fanatisch rechtsradikale Tochter Sarah Huckabee Sanders, war von 2017-2019 Trumps Pressesprecherin und amtiert heute ebenfalls als Gouverneurin von Arkansas. Er verfolgt ultraextreme homophobe und misogyne Ziele, die er aus der Bibel ableitet.

[….] Arabische und muslimische Staaten haben empört auf Aussagen des US-Botschafters in Israel, Mike Huckabee, reagiert, wonach der jüdische Staat ein biblisches Recht auf weite Teile des Nahen Ostens habe. In einem Interview hatte ihn der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson gefragt, ob Israel gemäß wörtlicher Auslegung der Bibel das Recht habe, große Teile des heutigen Nahen Ostens zu beanspruchen. Huckabee antwortete: „Es wäre in Ordnung, wenn sie alles nähmen.“ [….] In einer vom saudischen Außenministerium auf der Plattform X veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme verurteilten die Außenministerien mehrerer arabischer und muslimischer Staaten zusammen mit der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), der Arabischen Liga und dem Golf-Kooperationsrat die Äußerungen des US-Botschafters „auf das Schärfste“. Sie äußerten ihre „tiefe Besorgnis“ darüber. Huckabees „gefährliche und hetzerische Äußerungen“ stellten einen „eklatanten Verstoß“ gegen die Grundsätze des Völkerrechts und die Charta der Vereinten Nationen dar. [….]

(SZ, 22.02.2026)

Frankreich. Charles Kushner, Schwiegervater von Trumps Lieblingstochter Ivanka, qualifizierte sich nicht nur durch Nepotismus und sein Milliarden-Vermögen in Trumps Augen als US-Botschafter. Kushner ist zudem kriminell, so wie man es bei Trumps liebt:

[…] Am 30. Juni 2004 wurde Kushner von der Federal Election Commission zu einer Geldstrafe von 508.900 Dollar wegen illegaler Wahlkampfspenden verurteilt. 2005 bekannte er sich im Rahmen eines Vergleichs mit New Jerseys Staatsanwalt Chris Christie in 18 Anklagepunkten wegen illegaler Wahlkampfspenden, Steuerhinterziehung und Zeugenbeeinflussung schuldig. Der Vorwurf der Zeugenbeeinflussung ergab sich aus Kushners Vergeltungsmaßnahmen gegen William Schulder, den Ehemann seiner Schwester Esther, der mit den Bundesermittlern gegen Kushner kooperierte. Kushner heuerte eine Prostituierte an, um seinen Schwager zu verführen und ließ die sexuelle Begegnung zwischen den beiden aufzeichnen und das Band an seine Schwester schicken.  Kushner wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt und verbüßte seine Haftstrafe in dem Federal Prison Camp, Montgomery in Alabama. Nach 14 Monaten wurde er im August 2006 aus der Haft entlassen. Am 23. Dezember 2020 begnadigte Präsident Trump Kushner und annullierte seine Verurteilung nachträglich. […]

(Wikipedia)

Kushner bedankte sich, indem er Millionen für Trumps Wahlkampf 2024 spendete. Der US-Präsident stopft sich aber insbesondere über Kushners Sohn (und seinen Schwiegersohn) Jared die Taschen voll, da dieser in Israel und Gaza Milliarden für die Trumps verdienen will. Also ernannte Trump Charles Kushner zum US-Botschafter in Paris, wo dieser seither extrem unangenehm auffällt.

[…] Paris verwahrt sich gegen Einmischung der „reaktionären Internationalen“

 Die französische Regierung will US-Botschafter Kushner einbestellen, nachdem die US-Regierung Frankreich für gewaltbereiten Linksextremismus kritisiert hatte. […] Wegen US-Äußerungen zum gewaltsamen Tod eines ultrarechten Aktivisten in Lyon will die französische Regierung den Botschafter der Vereinigten Staaten im Land einbestellen. Botschafter Charles Kushner werde wegen eines „Kommentars“ der Botschaft in Paris zu „diesem Drama“ einbestellt, sagte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot am Sonntag gegenüber französischen Medien.

„Wir lehnen jede Instrumentalisierung dieses Dramas (…) zu politischen Zwecken ab“, sagte der Minister. Barrot betonte zudem, Frankreich müsse sich keinerlei „Lektionen“ zum Thema Gewalt gefallen lassen – insbesondere nicht von der „reaktionären Internationalen“. […] Das US-Außenministerium hatte nach dem Tod des 23-jährigen Rechtsextremen Quentin Deranque bei einem Angriff von Linksextremen in Lyon erklärt, gewaltbereiter Linksextremismus nehme in Frankreich zu und stelle eine „Bedrohung der öffentlichen Sicherheit“ dar. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die US-Botschaft in Frankreich verbreitete diese Erklärung weiter.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, Gewalttaten aus dem linksextremen Spektrum hervorzuheben – und sie als größeres Problem als rechtsextrem motivierte Gewalt darzustellen.

Die französische Regierung hatte Botschafter Kushner – den Vater von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner – bereits im vergangenen Sommer einbestellt.   […]

(taz, 22.02.2026)

Samstag, 21. Februar 2026

Inkompetenz, Bosheit und Lobbyhurerei

In den letzten drei, vier Jahrzehnten habe ich mich oft gefragt, ob Konservative ihre Thesen (Kernkraft gut, Schwule schlecht, deregulierte Finanzmärkte gut, Frauenrechte schlecht, Verbrennermotoren gut, Umweltschutz schlecht, Trickledown gut, Bildungsgerechtigkeit schlecht, etc) eigentlich selbst glauben, oder ob sie den Quatsch wider besseres Wissen propagieren, weil es dafür Wählerstimmen und Lobby-Millionen gibt.

Im dritten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts sollte die Frage allerdings geklärt sein. Empirik und Wissenschaft haben längst eindeutig bewiesen, wie falsch die CDUCSU-Ideologie stets war und noch ist.

Klimaschutz und Wirtschaft sind keine Antipoden; im Gegenteil: Wer nicht in erneuerbare Energien und grüne Technologien investiert, sondern sich einseitig auf seit Jahrzehnten völlig veraltete Techniken setzt, ruiniert die Wirtschaft.

China ist längst größer Produzent erneuerbarer Energien und lässt keine Verbrenner-Autos mehr zu. Das ist die Zukunft. C-Politik setzt auf unwiederbringliche Vergangenheit.

Und genau das passiert unter Merz und Reiche gerade wieder: Ökonomischer Niedergang Deutschlands.

Der Irrsinn ist nun offensichtlich: CDUCDU agieren gegen deutsche Interessen. Sie wollen unbedingt die Energie-Abhängigkeit von Schurkenregimen wiederherstellen, die sich in der Ampel-Zeit bedenklich löste, weil Scholz und Habeck auf Energieunabhängigkeit setzten.

Dafür gibt es 81 Milliarden Gründe. Denn während Wind und Sonne kostenlos und unbegrenzt zur Verfügung stehen, zahlt Deutschland jedes Jahr über 80 Milliarden Euro an sympathische Herren wie Trump, MBS und Putin für deren Gas und Öl.

Über 80 Milliarden jedes Jahr futsch, während hierzulande ein möglichst hoher CO2-Ausstoß mit weiteren 65 Milliarden Euro subventioniert wurde, um das Klima noch schneller anzuheizen.

[…] Umweltschädliches Wirtschaften wird in Deutschland noch immer belohnt. Jahr für Jahr fließen Milliarden in den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle – auch international steht Deutschland hier schlecht da.

Das Wort „nachhaltig“ hält seit Jahren einen festen Platz in politischen Reden. Und doch wird nicht-nachhaltiges, umweltschädliches Wirtschaften in Deutschland weiter belohnt. Auf zuletzt 65 Milliarden Euro pro Jahr addieren sich klimaschädliche Subventionen in Deutschland, hat das Umweltbundesamtes (UBA) 2021 berechnet. Dabei sind die milliardenschweren, in weiten Teilen umweltschädlichen Agrarsubventionen aus dem EU-Haushalt noch gar nicht berücksichtigt.

Die Regierung weiß durchaus, dass sich hier etwas ändern muss. Dennoch war es eine kleine Sensation, als die sieben wichtigen Industrienationen der G7 2016 in Japan beschlossen, schädliche Subventionen, etwa Kohle, Öl und Gas, abzubauen. Vor allem, weil sie den Ausstieg aus den Subventionen mit einem Datum versahen: “Wir bleiben der Abschaffung ineffizienter Subventionen für fossile Brennstoffe verpflichtet und ermutigen alle Länder, es uns bis 2025 gleichzutun”, hieß es damals in der Abschlusserklärung. Jetzt, im Jahr 2025, wollte Greenpeace wissen, was seither passiert ist? Sind Deutschland und die anderen G7-Staaten auf Kurs, um ihr Versprechen einzulösen? 

Sind sie nicht, zeigt eine Untersuchung des Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace. Der Ländervergleich mit dem Titel “Leere Versprechungen” zeigt, dass die Höhe fossiler Subventionen seit dem Jahr 2016 insgesamt um 15 Prozent gestiegen ist. Die dabei zugrundeliegenden Zahlen des Internationalen Währungsfonds addieren sich für das Jahr 2023 auf den Rekordwert von 1,4 Billionen US-Dollar. In Deutschland legten die steuerlichen Beihilfen für fossile Energien in diesem Zeitraum um satte 49 Prozent zu. Stärker steigerte die Subventionen in der G7-Gruppe nur Italien. [….]

(Gregor Kessler & Anne Eggers, 03.02.2024)

Wer das für absoluten Wahnsinn hält, muss angesichts der Reiche-Merz-Politik verzweifeln, weil inzwischen noch deutlich mehr Steuermilliarden fließen, um den CO2-Ausstoß zu erhöhen: Mehr Pendlerpauschale, Flugbenzinsteuerbefreiung, Agrardiesel-Subventionen.

Aber das reicht den toxischen C-Politikern noch lange nicht. Sie fördern nicht nur Gas-, Kohle- und Öl-Verbrauch, sondern gehen massiv gegen Wind- und Solar-Energie vor, um die Erneuerbaren zu stoppen.

Ein Volk, das beständig C-Politiker ins Kanzleramt wählt, braucht keine Feinde mehr.

[…] Nach der Solarenergie bläst die CDU nun zum Angriff gegen die boomende Windenergie!

Auf dem Parteitag soll mit Zustimmung der Antragskommission ein Antrag beschlossen werden, die Chaos bei der erfolgreichen Ausweisung von Flächen für die Windenergie zu stiften.

Welch eine Investitionsbremse!  [….]

(Sven Giegold, 20.02.2026)

Das ist offensichtlich nicht nur eine Klima-killende Zukunftsbremse, sondern ökonomischer Wahnsinn. Niemand bei Verstand kann das gutheißen. Noch nicht einmal Reiche, Söder, Spahn und Merz können derart verblödet sein.

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um sinistere Absichten zu unterstellen: Die Energie-Unternehmen, die den Deutschen Gas und Öl verkaufen, verdienen sich einen goldene Nase an dieser fossilideologischen C-Politik.

Gas-Kathy könnte als wertvollste Lobbyisten für die Fossilindustrie in die Geschichte eingehen. Viel Zukunft bleibt uns nämlich nicht mehr bei dieser Politik.

Freitag, 20. Februar 2026

Hier bricht sowieso alles zusammen – Teil II

Inzwischen mache ich mir um die Pflege und finanzielle Absicherung im Alter, als kinderloser Single, nicht mehr ganz so viele Sorgen, weil offensichtlich ist, wie Reiche, Dobrindt, Merz, Trump, von der Leyen, Putin jeden Tag mit einer neuen völlig irrsinnigen Idee eifrig daran arbeiten, die Zukunft der Menschen in Deutschland ganz abzuschaffen.

Was aber, wenn ein Wunder geschieht, die deutschen Wähler irgendwie doch noch zu Verstand kämen, womöglich sogar die Amis die orange Pest in Rente schickten und somit der Untergang der Gattung Homo Sapiens noch ein wenig hinausgezögert würde? Irgendwie muss man tatsächlich vorsorgen. Doch wie?

Der Fritzekanzler propagiert bekanntlich Aktien-Portfolios, die er bereits für seine unzähligen Enkel einrichtete. Man merkt schon, diese Knaller-Idee könnte bei einigen Kindern daran scheitern, daß sie keinen freigiebigen Multi-Millionär-Opa haben. (Ich bin ohnehin raus, weil ich als US-Amerikaner durch das elende FATCA-Abkommen von jeden Finanzgeschäften ausgeschlossen bin. Ich darf noch nicht einmal eine Kreditkarte haben. Geschweige denn irgendwelche Börsengeschäfte tätigen.)

Mein Vater hatte vor 30 Jahren als Freiberufler mal ganz gut verdient und von irgendjemanden gehört, da er „nicht klebt“ sähe es schlecht im Alter aus. Damals gab es noch kein FATCA und er steckte seine Ersparnisse in Aktien, die er gut fand. So als Künstler.  Geniale Idee. Hauptsächlich hielt er Enron-Aktien und erzählte mir wöchentlich begeistert, wie viel reicher er nun schon wieder geworden wäre. Fast unnötig zu erwähnen, daß natürlich eines Tages alles weg war und er im Alter blank dastand.

 Aktienspekulationen sollte man eben nur wagen, wenn man a) das Geld wirklich übrig hat, b) etwas von der Causa versteht und c) nicht zufällig US-Ami ist, den FATCA fesselt. Alle drei Voraussetzungen erfülle ich nicht. Aber selbst wenn es ginge, wäre ich als demokratischer Sozialist gegen Aktien. Das ist ein System, welches die Reichen belohnt und die armen Arbeitenden bestraft. Die Mitarbeiter erwirtschaften den Gewinn, behalten ihn aber nicht, weil er zu den Shareholdern abfließt, die statt für die Rendite zu arbeiten, damit beschäftigt waren, auszuruhen und Däumchen zu drehen.

Die beste Alterssicherung ist eigentlich die gesetzliche Rente, in die jeder einzahlt. Es funktioniert hier nur nicht, weil wir einen idiotischen Urnenpöbel bilden, der idiotische Politiker Rentenpolitik machen lässt, die darauf ausgerichtet ist, die Superreichen, Unternehmer, Bundestagsabgeordneten und Beamten aus der Solidarität zu entpflichten.

Statt auf Aktiendepots und gesetzliche Rente, würde ich mich lieber auf stabile Werte verlassen. Gold zum Beispiel. Aber das wirft keine Rendite ab und niemand kann seriös die Entwicklung des Goldpreises prognostizieren.

Die andere Möglichkeit sind natürlich Immobilien. Das sind reale Werte. Man besitzt die Steine. Die können sich nicht in einem Börsencrash auflösen.

Die schönen Vermieterzeiten, als man Jahrzehntelang nichts tun, nichts investieren musste und einfach die Miete abkassierte, sind aber auch lange vorbei. Energie- und Klimawende verlangen enorme Anstrengungen (Dämmung, Heizung!) von den Hausbesitzern. Außerdem sollte man tunlichst schon ganz jung angefangen haben, in Immobilien zu investieren.

(….) Die öde Begriff Alterssicherung, dieses unglaublich spießige Wort, nichts könnte weniger sexy sein, spukt in meinem Kopf herum.

Das war wirklich ein Vorteil ein Jugendlicher zu sein. Solche Begriffe spielten keine Rolle. Man kannte sie entweder gar nicht, oder aber man assoziierte sie nicht mit einem selbst.

Eine Schulfreundin, die von ihren Eltern mit Anfang 20 etwas Geld vorab „erbte“, weil diese ihr großes Haus verkauften und in eine Wohnung zogen, kaufte damals, es muss so ungefähr 1990 gewesen sein, zusammen mit ihrem Verlobten ein Reihenhaus am nordöstlichen Rande Hamburgs. Kurz vor Pinneberg.

Im Erdgeschoss gab es Marmorfliesen, so daß jeder Besucher hartnäckig schon vor der Tür genötigt wurde die Schuhe auszuziehen und nur in weichen Socken über die makellosen fußbodengeheizten weißen Fliesen zu gleiten.

Und zum Rauchen auf die Terrasse. Ebenfalls auf Socken. Schon ein Nikotin- oder Teer-Molekül könnte schließlich einen wertmindernden Schleier auf die frisch geweißte Raufaser legen.

Das gab uns anderen für Jahre Stoff, um uns die Münder fransig zu lästern.

„Hast Du Dir auch die Schuhe ausgezogen“ fragte ich als runnig gag gelegentlich meine Besucher, die natürlich sofort wußten auf wen das gemünzt war. Und dann ging es los:

Wer verlobt sich denn bitte heutzutage noch? Spießiger geht es ja wohl nicht. Und das in dem Alter. Und wer zieht in DIE Gegend? Da möchte man ja nicht mal tot und begraben sein. Wie sollte man eigentlich als normaler Alkoholiker diese Fahrtstrecke bewältigen?

Und ein Reihenhaus, oder „Reihenendhaus“ – darauf legten sie Wert – mit 25? Zumal in derselben Reihe auch die zukünftigen Schwiegereltern eine dieser völlig gleichen Buden bewohnten.

Ich bin eine treue Seele, habe mich immer sehr geduldig und solidarisch gegenüber meinen Freunden verhalten. Aber in diesem Fall half nach vielen, schrecklichen langweiligen Geburtstagen und sonstigen Partys in dem marmorgefliesten Reihenhaus leider nur das große Schisma. Ich lud die beiden eines Tages zu mir ein und erklärte freundlich aber bestimmt bei einem Glas Weißwein, daß ich in Zukunft keinen Kontakt mehr mit ihnen haben wolle; wir hätten offensichtlich keine Gemeinsamkeiten. An dem Abend fiel auch aus ihrem Munde das schöne Wort „undeutsch“, gemeint ganz offensichtlich als Beleidigung.

Wir haben uns tatsächlich nie wieder gesprochen und ich bin immer noch gern undeutsch. Die beste Entscheidung meines Lebens. Da habe ich weise voraus gedacht.

Von solchen Mitmenschen muss man sich in seinem persönlichen Umfeld befreien.

Mit einem hätte ich aber nie gerechnet: Ein Vierteljahrhundert später beiße ich mir in den Hintern, daß ich nicht damals auch eine Immobilie angezahlt habe.

Das wäre was! Damals waren die Preise vergleichsweise spottbillig, ich hätte die Bude inzwischen längst abgezahlt und sie wäre inzwischen das Dreifache wert.

Damit wäre meine Alterssicherung erledigt. Ich könnte entweder mietfrei wohnen, das Haus selbst vermieten oder aber das Ding jederzeit zu einem großen Haufen Geld machen.

Verdammt noch mal, wer hätte damals geahnt, daß diese CDU-affinen Schuhe-aus-Verlobten mit den Marmorfliesen RECHT HATTEN so früh eine Immobilie zu kaufen?

Ein abgezahltes Reihenendhaus im inzwischen hochbeliebten Hamburger Speckgürtel: Dort wo seit zehn Jahren die Immobilienpreise explodieren.

Leider kommt mir diese Erkenntnis ein Vierteljahrhundert zu spät. Jetzt sind sowohl die Mieten als auch die Kaufpreise für Immobilien in Hamburg in astronomische Höhen geklettert.  (….)

(Als ich mal Kapitalist werden wollte, 24.09.2026)

Aber selbst, wer nicht viel zu spät dran ist und frühzeitig plant, eine Wohnung zu erwerben, steht vor einem gewaltigen Problem: Es gibt nur attraktive Angebote in Gegenden von Deutschland, die durch Abwanderung und Leerstand geprägt sind.

Wer eine Immobilie dort kaufen möchte, wo es auch Jobs und reichlich Mietinteressenten gibt, findet vor allem zwei Typen von Wohnungen:
Erstens energetisch optimale Neubauten, die aber völlig unbezahlbar sind. Zweitens günstigere Buden, die einen enormen Sanierungsstau und katastrophale Energie-Effizienzwerte aufweisen, so daß erhebliche Kosten auf einen zurollen werden.

In beiden Fällen bleiben Wohnungen für Normalverdiener nahezu unerschwinglich.

Das geht nur, wenn man durch Erbschaft oder Lottogewinn zufällig mehrere Hunderttausend Euro übrig hat, die man als Eigenkapital einbringen kann.

Weil Immobilienpreise und Finanzierungskosten hoch bleiben, rückt der Traum von den eigenen vier Wänden für viele immer weiter weg, wie der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel mitteilt. Besonders hart trifft es die junge Generation – rund 470.000 Hamburgerinnen und Hamburger zwischen 25 und 40 Jahren gelten inzwischen als „Verlierer-Generation“ auf dem Immobilienmarkt. Experten warnen: Wer heute nicht kaufen kann, zahlt womöglich ein Leben lang Miete – und trägt das Risiko bis ins Alter.   „Die eigenen vier Wände rangieren bei den Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Das Institut hat den regionalen Wohnungsmarkt analysiert und die Ergebnisse nun vorgelegt. „Gerade Jobstarter und Familiengründer gehören zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, sagt Günther. […] Während bundesweit rund 43,5 Prozent der Menschen in den eigenen vier Wänden leben, liegt die Eigentumsquote in Hamburg laut einer aktuellen Analyse bei gerade einmal 21,1 Prozent. Das bedeutet: Die große Mehrheit der Hamburger lebt weiterhin zur Miete. […] Besonders schwierig ist die Lage für jene Altersgruppe, die traditionell Wohnungen kauft oder Häuser baut: Rund 470.000 Hamburgerinnen und Hamburger zwischen 25 und 40 Jahren leben derzeit in der Stadt. Doch steigende Immobilienpreise, hohe Zinsen und fehlendes Eigenkapital machen den Einstieg für viele nahezu unmöglich.

Experte Günther beobachtet deshalb einen deutlichen Trend: Immer mehr Menschen bleiben dauerhaft Mieter – nicht aus freier Entscheidung, sondern weil Eigentum finanziell außer Reichweite gerückt ist. Viele Eigenheimpläne scheitern an der Realität des Marktes.

Eine Studie des German Real Estate Index (GREIX) aus dem vergangenen Jahr ergab, dass Millennials heutzutage über 17 Jahre sparen müssen, bevor sie sich in Hamburg eine Eigentumswohnung leisten können. Bei der Babyboomer-Generation waren es vergleichsweise kurze 7,7 Jahre. Die Studie bezieht sich auf eine Sparquote von 20 Prozent, die bei den Hamburger Mietpreisen bereits für viele schwer zu erreichen ist. […]

(Annika Ehlers, 19.02.2026)

Durchschnittsverdiener mit normalen Jobs sind in den Großstädten also vom Immobilienerwerb de facto ausgeschlossen. An ein nettes Häuschen mit Garten ist ohnehin nicht zu denken. Downsizing ist angesagt für diejenigen, die nicht zufällig Enkel des Fritze Merz sind.

Mal gucken, was die Immobilienportale gerade in Hamburg heute offerieren:

29qm, St. Georg, Baujahr 1974, KEIN Balkon, Fernwärme, ultrahäßliches Haus, für 271.000 inkl.

Wer 50.000 Euro Eigenkapital mitbringt, wird bei 1% Tilgung für etwa 1.000 Euro im Monat eine Finanzierung bekommen. Für einen Schuhkarton ohne Balkon.

Etwas weiter weg, in Eilbek, bekommt man für 275.000 Euro immerhin 33qm in einem Nachkriegsbau (1959)mit Ölheizung und Energieeffizienzklasse E.




Ich erspare uns allen an dieser Stelle die Beispiele und Preise für Wohnungen, bzw Häuser, die man als Paar mit zwei Kindern bräuchte. Die sind außer Reichweite. Es sei denn, man verdient zufällig bei Blackrock ein, zwei Millionen Euro im Jahr.

Man wird also Mieter bleiben müssen. Bei rasant steigenden Mieten, die ob der verfehlten Wohnungsbaupolitik und der Massen-Privatisierung von Sozialwohnungen, kein Halten finden werden.
Das erzeugt Frust und treibt die Menschen zur AfD, die in einer Koalition mit der CDU endgültig jede Sozialpolitik abschaffen wird.

Hier bricht sowieso alles zusammen.

Inzwischen mache ich mir um die Pflege und finanzielle Absicherung im Alter, als kinderloser Single, nicht mehr ganz so viele Sorgen, weil offensichtlich ist, wie Reiche, Dobrindt, Merz, Trump, von der Leyen, Putin jeden Tag mit einer neuen völlig irrsinnigen Idee eifrig daran arbeiten, die Zukunft der Menschen in Deutschland ganz abzuschaffen.

Es wäre schon blöd, bis zu seinem Renteneintrittsalter, zu darben und zu sparen, um nach Jahrzehnten eine halbwegs lebensabsichernde Reserve zu haben und dann einen Tag später zu sterben. Wäre es nicht sinnvoller, sein Leben mit dem Luxus zu erfüllen, den man sich gerade so eben leisten kann? Mit vollen Händen, alles zu verprassen, so lange es geht? Zu genießen, was möglich ist?

Ich habe in meinem täglichen Leben einige alte Baustellen, bei denen ich aus Sparsamkeit und/oder Desinteresse an einem Provisorium festhalte.

Anfang der 1970er wollte ich unbedingt mein eigenes Zimmer und zog in die leere Dachkammer des Hauses meiner Oma. Meine Mutter fuhr mit mir zu einem Möbelmarkt auf der grünen Wiese – es gab noch kein IKEA – und kaufte extra dafür eine „Jugendschrankwand“ mit einigen Regalen, Fächern, einer ausklappbaren Schreibtischplatte und einer kleinen Vitrine. Sie besteht aus billigstem Pressholz, einem glitzernden Plastik-Furnier mit silbernen Plastik-Verschnörkelungen. Unfassbar häßlich, aber als Kind war es „meins“ und ich fand es toll. Wir zogen noch zweimal um, die Schrankwand kam mit. Meine erste eigene Wohnung war zu klein, aber da ich gar keine eigenen Möbel hatte, stellte ich die halbe Plasikschrankwand in die Küche als Regal, der Rest lagerte auf dem Dachboden. Bei meinem letzten Umzug setzte ich das ganze Ding wieder zusammen und schob es in ein langes 7qm-Zimmer, welches als meine Abstellkammer dient. Es sollte ein Provisorium sein, weil ich gar nicht so lange in der Bude bleiben wollte. (Das war im letzten Jahrtausend).

Inzwischen ist diese Schrankwandungetüm weitgehend zusammengebrochen. Regalböden sind aus ihrer Verankerung geplatzt und haben Teile des spröden Pressplattenmaterials und des Plastiks mit sich gerissen. Das Teil liegt in Trümmern und ist nicht zu reparieren, weil man in das billige Material weder Schrauben, noch Nägel treiben könnte. Und warum sollte ich das auch noch reparieren? Das muss auf den Müll und ist ein Beweis dafür, weshalb man lieber in ewig langlebige hoch qualitative Möbel investieren sollte.

Bedauerlicherweise bin ich von dem „Ich bin noch zu jung, um mir richtig gute Möbelstücke zu leisten“-Zustand direkt in die „Ich bin jetzt zu alt; es lohnt sich nicht mehr, teure Möbel zu kaufen“-Phase gewechselt.

Ich ärgere mich darüber, mich Dekaden über das Plastikschrott-Regal geärgert zu haben. Wieso habe ich nicht all die Jahre mit einem optisch ansprechenden Regalsystem gelebt? Wozu sparen, wenn irgendwann eh kleine Lebenszeit mehr übrig ist?
Das dachten sich weltweit auch Millionen Menschen, als sich 1910 der Halleysche Komet ankündigte, um das Leben auf der Erde zu vernichten. Viele hörten auf zu arbeiten und verkauften alles, das sie hatten. Das erschien nur sinnvoll: Wenn man eh nur noch ein paar Wochen oder Tage zu leben hat, dann besser nicht Trübsal blasen, sondern sich endlich das leisten, was man schon immer wollte. Die menschliche Zivilisation mit „Koks und Nutten“ ausklingen lassen. Das hat sicher Spaß gemacht.

Blöd war es nur, als der giftig tödliche Komet vorbeiflog und man immer noch lebte – allerdings total pleite.

[….] Bei seiner Wiederkehr im Jahr 1910 löste der Halleysche Komet sogar eine weltweite Massenpanik aus. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Astronom William Huggins bei Untersuchungen festgestellt, dass sich im Licht von Kometenschweifen die Spektrallinien für Kohlenstoffverbindungen nachweisen ließen. Unter anderem wurden auch Spuren von Cyan gefunden, das in der Verbindung mit Kalium das hochgiftige und tödliche Gas Zyankali ergibt.

Als es nun so aussah, dass die Erde 1910 in den riesigen Schweif des Halleyschen Kometen geraten würde, waren die Menschen wochenlang in Panik. In Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) standen 100.000 Menschen in Nachtgewändern auf den Dächern, in Chicago verstopften die Hausbewohner alle Tür- und Fensterfugen mit Lappen, und Papst Pius X. verurteilte das Hamstern von Sauerstoffflaschen. Alle Welt fürchtete den Tod durch Giftgas.

Als der Komet dann vorüberzog, zeigten die Messgeräte nicht die geringste Spur von Cyanid: Die Gasdichte von Kometenschweifen ist viel zu gering.   [….]

(Planet Wissen 2019)

Wenn der kurzperiodische 1P/Halley im Jahr 2061 wiederkehrt, bin ich ohnehin mit hoher Wahrscheinlichkeit längst von dieser irren Affenkugel abgereist. Der Periheldurchgang wird also meine persönliche finanzielle Situation kaum beeinflussen. Ich mutmaße allerdings, daß in35 Jahren menschliches Leben auf diesem Planeten ohnehin kaum noch möglich sein wird. Vielleicht unter großem Elend, oder für die wenigen Superreichen, die sich schon jetzt abseits der Bevölkerungszentren, gerne auf Privatinseln, gewaltige autarke Bunkeranlagen bauen lassen, in denen sie atomaren Fallout, Pandemien oder höllisch-heiße Außentemperaturen aussitzen können, während draußen die Zombiapokalypse tobt.

Es wird schon im reichen Norddeutschland mutmaßlich äußerst unangenehm, wenn Fritze Merz seine Drohung wahrmacht, bis zum Jahr 2033 zu amtieren.

Auf funktionierende staatliche Strukturen für die Masse – Grundsicherung, Energie/Gesundheitsversorgung, Pflege, Lebensmittel, Schutz vor Hitze – wird man vermutlich nicht mehr bauen können, wenn Dobrindt, Reiche und Co, ihr Zerstörungswerk bis dahin fortsetzen. Diejenigen, für die 2033 ungefähr in die statistisch wahrscheinliche ablaufende biologische Uhr fällt, haben Glück. Sie können zurückblicken und sich daran erfreuen, zumindest das erste halbe Jahrhundert ihres Lebens in Frieden gelebt zu haben. Millennials, GenZ und Gena sind allerdings die Gelackmeierten und brauchen eine Exit-Strategie.