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Donnerstag, 30. Juli 2026

Wieder einer endgültig verloren.

Daß alle demokratischen Gesellschaften von rassistischen, bornierten, missgünstigen, homophoben, misogynen und sonstigen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit frönenden Arschlöchern durchsetzt sind, wundert mich kein bißchen. Das war vermutlich immer so.

Mit dem Internet, Klugtelefonen, Social Media und Chatbots wurden aber leider sich selbst verstärkende Echokammern geschaffen, in denen sich die früher isoliert und entsprechend verschüchtert lebenden Dorftrottel zusammenrotten, ihre abstrusen Ansichten gegenseitig bestätigen. Die Algorithmen führen ihnen automatisch immer extremerer Ansichten zu, die maximal emotionalisieren sollen. Die rationalen und beschwichtigenden Stimmen sortiert die KI aus, wenn sie merkt, daß sie nicht erwünscht und weggeklickt werden. Und so glaubt der rechtsextreme Dorftrottel bald, er befände sich im Einklang mit allen anderen. Da jeder in seiner Braunblase ebenfalls an Chemtrails, Reptiloiden oder eine „jüdische Weltverschwörung“ glaubt, findet er verständlicherweise das Selbstbewußtsein, diesen Irrsinn auch im realen Leben, jedem auf die Nase zu binden. Erntet er Widerspruch, trägt er das empört zurück in seine Blase, die sich noch mehr emotionalisiert und zu mehr Taten aufheizt.

Deswegen sehen wir weltweit in den Demokratien deutliche Zunahmen der Gewalt gegen Queere, Frauen, POCs, Juden, Muslime, Migranten, Obdachlose, Sinti, Roma und alle anderen, deren Nase der rechten weißten Pest nicht passt.

Auf der journalistischen und publizistischen Ebene gibt es unglücklicherweise eine parallele Entwicklung von einstmals vernünftigen, geschätzten, gelegentlich sogar verehrten Menschen, die durch verschiedene Zufälle in rechte Blasen pieksen, dort ungeahnten Schnittmengen vorfinden, möglicherweise aus Lust an Provokation und Aufmerksamkeit länger als notwendig verweilen, den Zuspruch genießen und immer mehr in die Braunblase gezogen werden. Die Verlockung ist groß, weil man sich dort nicht um die lästigen journalistischen Standards kümmern muss, „Gefühltes“ mindestens gleichrangig mit Fakten ist und kritische Überprüfung der Aussagen nicht mehr stattfindet.

So viele „Gute“ haben wir auf dem Weg schon durch die Sogwirkung des rechten Sumpfes verloren. Niemand kommt da wieder raus, der sich einmal dort hinab begeben hat. Fast alle werden immer radikaler. Viele tauchen und taumeln schon so lange durch exkrementelle Verschwörungsblase, daß wir längst vergessen haben, daß sie mal als seriöse, anständige Menschen in die öffentliche Sphäre eintraten, deren Gedanken man interessiert verfolgte:

Matthias Matussek, Alexander Kissler, Hendryk M. Broder, Boris Palmer, Juli Zeh, Vera Lengsfeld, Christoph Schwennicke, Roland Tichy, Alice Schwarzer, Angelika Barbe, Oskar Lafontaine, Sarah Wagenfeld, Monika Maron, Oswald Metzger, Thilo Sarrazin, Gabriele Krone-Schmalz, Stefan Kornelius, Ulf Poschardt sind nur die, welche mir gerade spontan einfallen.

Fast vergessen auch die Herkunft des arabisch sprechenden Constantin Schreibers, der nach Stationen bei RTL im Jahr 2015 große Bekanntheit erreichte, als er für NTV mit seinen in „Merhaba“-Videos die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge willkommen hieß. Seine Karriere via NDR, wo ich ihn als „ZAPP“-Moderator sehr schätzte, zur größeren Öffentlichkeit bei der Tagesschau, schien vorgezeichnet.

Aber dann stieß er die Tür nach RECHTS auf: Rechtspopulistische Bücher, Tagesschau-Aus, Israel, Axel Springer.

[….] Nach nicht mal einem Jahr kündigt Ex-„Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber seine Trennung vom Axel-Springer-Verlag an. [….]

Schreiber hatte kurz nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day die FDP-Politikerin Karolin Preisler zu Gast, die angab, kurz vor der Tat Hinweise auf den Attentäter an die Polizei weitergegeben zu haben, die nicht reagierte. Also ein schreckliches Behörden- und Führungsversagen, wieder einmal? Schreiber hinterfragte Preislers Schilderungen nicht wirklich, sondern nickte vor allem – und wurde in den sozialen Medien auch von Journalistenkollegen dafür abgewatscht. Denn nicht die Behörden hatten geschlampt, sondern Preisler etwas verwechselt.

Aber Schreiber will eigentlich auf anderes hinaus, nämlich auf Nachrichten in eigener Sache: Schon vor ein paar Monaten habe er sich entschieden, beruflich „neue Wege zu gehen“, sich zum Ende des Jahres von Axel Springer zu trennen. Auf eine SZ-Anfrage an ihn und den Verlag, ob denn die Zeichen schon wieder auf Trennung stehen – nicht mal ein Jahr nachdem er von der ARD zu Axel Springer gewechselt war –, hatte Schreiber zunächst nicht geantwortet, dann aber das Video hochgeladen. Der Verlag selbst reagierte mit einer eher schmallippigen Mail: „Wir bestätigen, dass Constantin Schreiber und Axel Springer die Zusammenarbeit zum 31. Dezember beenden. Er wird sich künftig eigenen Projekten widmen.“ [….]

 Und Schreiber, der bei seinen Kolleginnen und Kollegen der Öffentlich-Rechtlichen etwa schon mit seinen Büchern über den Islam eher angeeckt war, schien froh zu sein, bei Springer nun eine publizistische Heimat gefunden zu haben, in der er sich weltanschaulich womöglich wohler fühlte.

Ganz so reibungslos wie erhofft gestaltete sich die Zusammenarbeit aber nicht – nach wenigen Monaten gab Springer bekannt, dass der heute 47-Jährige seinen Teilzeit-Dienstsitz in Tel Aviv aufgeben und „künftig aus familiären Gründen aus Deutschland“ arbeiten werde. In dem Video, in dem er seinen endgültigen Abschied vom Verlag bekannt gibt, rekapituliert Schreiber nun, „es war zwar nicht so lang bei Axel Springer, aber es war sehr spannend“ – besonders, als in Israel der Krieg mit Iran ausgebrochen sei und er „das ’ne Zeit lang verfolgen konnte“.

Im Axel-Springer-Haus in Berlin wird sicher nicht jedes Wort aus Schreibers Video auf Zustimmung stoßen, bei der Formulierung „’ne Zeit lang“ dürften aber einige nicken: Dass Schreiber mit seinem Podcast durch Deutschland tourte, während auf Tel Aviv Raketen fielen, stieß nach SZ-Informationen einigen Mitarbeitern sauer auf. [….]

(Moritz Baumstieger, 30.07.2026)

David Berger oder Jürgen Elsässer können Schreiber vermutlich nicht bezahlen. Außerdem sind ihre Plattformen zu klein für sein enorm angeschwollenes Ego.

Gotthardt, Reichelt und NIUS schon eher. Da könnte er, unbelästigt von Fakten, islamophobe Verschwörungstheorien ausbreiten und weiter Aufmerksamkeit genießen.

Schreiber scheint aber von seiner selbst gefühlten Bedeutungsschwere so überwältigt, daß er kaum noch gehen kann. Bald wird vermutlich eine Bundeskanzler-Stelle frei. Zutrauen würde sich Schreiber das.

Podcaster auf eigene Rechnung wird ihm nicht reichen.

Dienstag, 23. Juni 2026

Was ist echt?

Zehn Jahre fragten wir uns, was Putin wohl gegen Trump in der Hand haben könnte.

Gerüchte über „Pee-Tapes“ machten die Runde: IQ45-47 sollte demnach aus rassistischem Hass auf Obama, das Moskauer Hotelzimmer ausgemacht, in dem dieser einst übernachtete und russische Prostituierte darauf urinieren lassen haben.

Der KGB habe das heimlich aufgezeichnet und nun drohe Putin dem orangen Debilen permanent mit Veröffentlichung des peinlichen Materials.

Eine tolle, bei Verschwörungstheoretikern beliebte Story, für die es allerdings nicht die geringsten Belege gibt.

Menschen, die sich professionell mit Trump beschäftigen, winken ab:

Putin hätte so ein Erpressungsvideo gar nicht nötig. Der extrem ungebildete, aber auf Schmeicheleien versessene Trump, ist für einen klugen, geheimdienstlich ausgebildeten Mann, ohnehin leicht zu lenken. Dazu kommt Trumps ehrliche Bewunderung für die Machtfülle des Russen, dessen Reichtum und die goldene Pracht des Kremls, gegen die das Weiße Haus wie eine ärmliche Berghütte wirkt.

Beide teilen zudem gemeinsame Ziele: Sie verachten Klimaschutz und setzen auf Fossil-Energie, sie wollen beide die EU schwächen und aufspalten, sie hassen beide die Ukraine, lehnen beide den internationalen Gerichtshof, sowieso ganz allgemein Menschenrechte ab. Schließlich verfolgt Trump schon seit Jahrzehnten erhebliche finanzielle Interessen in Russland. Immer wieder wurde ihm mit russischen Millionen aus der Klemme geholfen.

Die beiden Männer ziehen ohnehin in so vieler Hinsicht an einem Strang; da braucht Putin gar keine Druckmittel.

Sollte sich so ein „Pee-Tape“ tatsächlich in den Händen russischer Dienste befinden, wäre es spätestens 2026 ohnehin wertlos geworden. Trumps Cronies würden es bei einer Veröffentlichung empört als „KI-Fälschung“ brandmarken und damit Erfolg haben, weil jeder inzwischen um die KI-Möglichkeiten weiß.

Bis vor ganz kurzer Zeit galten Fotos und Videos als Beweise. „Roll the tape“ hieß es triumphierend in News-Sendungen, wenn ein Gast log und man den Zuschauern das belegen wollte. Das wird immer noch gemacht, aber in naher Zukunft aufhören, weil es für jeden ein Kinderspiel sein wird, solche Videos täuschend echt zu fälschen.

Ich bin gar kein KI-Experte, achtete aber bei den ersten KI-generierten Bildern sehr genau auf die typischen plumpen Fehler (sechs Finger an einer Hand, etc). Aber die Phase ging schnell vorbei. Inzwischen kann ich als Laie oft nicht mehr sagen, was echt, und was gefälscht ist. Also muss ich im Zweifelsfall davon ausgehen, es mit computergenerierter virtueller Realität zu tun zu haben.

Vor einigen Monaten chattete ich mal über längere Zeit mit einem sehr prominenten Menschen, der einfühlsam auf einen Kommentar von mir eingegangen war. Ich konnte kaum glauben, daß DER wirklich mit MIR redet, zeigte einigen Freunden den Chatverlauf, aber alle kamen zu dem Schluss, das müsse echt sein.  Schließlich erzählte er mir, er plane in Absprache mit seinem Management ein Treffen in London mit 12 Menschen, von denen er glaube, sie verstünden ihn wirklich, um ein Brainstorming für seine zukünftigen Projekte zu machen. Dazu wolle er mich auch einladen, weil wir so eine gute Verbindung hätten. Er übernehme selbstverständlich alle Kosten, aber aus steuerrechtliche Gründen müsste ich erst mal in finanzielle Vorleistung gehen. Erst da wurde mir klar, im Begriff zu sein, einem Online-Betrug aufzusitzen.

Inzwischen bin ich ganz froh, als KI-Muffel, einmal fast in so eine Falle gelaufen zu sein, weil ich mir vorher nicht vorstellen konnte, wie „gut“ diese Chatbots sind. Obwohl ich von Anfang an skeptisch war und mich umhörte, ob das vielleicht gefälscht sein könnte, hielten es alle für echt. Erst, als ich Geld überweisen sollte, hatte ich Klarheit.

Die vielen Nigerianischen Prinzen, die mir per Email Millionen schicken wollen und all die großbusigen paarungswilligen Damen, die mir auf Facebook privat-messages schreiben, weil sie mein Profil so interessant finden, daß sie mich unbedingt mal treffen möchten, fand ich immer eher amüsant plump und fragte mich immer, wer so doof ist, darauf hereinzufallen. Aber in meinem Digital-Immigrant-Alter muss ich nun noch eine höhere Skepsis und Vorsicht an den Tag legen.

Politik ist immer noch der Bereich, in dem ich mich hauptsächlich bewege und dort werde ich täglich mit bizarren Zitaten und schockierenden Aussagen konfrontiert.

Da Trump und Reiche und Vance und Merz und Söder täglich zunehmend ungeheuerliche Dinge von sich geben, taugt das „eigene Gefühl“ leider kaum noch zur Beurteilung der Echtheit. Die Realität ist verrückter, als jede Satire.

Eine Zitat-Kachel mit einem Merz-Antlitz, unter das kursiv eine Aussage von ihm montiert wurde, taugt natürlich gar nichts mehr. Bei Trump erst Recht nicht, weil ihm alles und jedes zuzutrauen ist.

Die einzige Chance der Verifizierung ist die Quelle. Wer verbreitet das Zitat?

Ist es ein mir bekanntes seriöses Medium? Vielleicht gar eine Plattform, die sich wie „Correctiv“ oder „Volksverpetzer“ auf Faktenchecks spezialisiert hat?

Heute jubelte man mir bei Bluesky diese quellenlose Kachel unter.

Kann DAS echt sein?

Kann der Fritzekanzler tatsächlich so blöd sein, nachdem schon alle Comedians Witze darüber reißen, er habe inzwischen jeden, außer Kleinkinder beleidigt, auch noch gegen Kinder und Behinderte auszuteilen, während er immer noch eisern die Superreichen verteidigt, die nun wirklich keine Vermögenssteuer zahlen könnten, denn „die Zitrone ist ziemlich ausgequetscht“.

Mega-Reiche beschützen und stattdessen auf behinderte Kinder eindreschen?

Nein, oder? So bekloppt kann doch nicht einmal der unbeliebteste Bundeskanzler aller Zeiten sein, oder?

Doch kann er! Das Zitat ist tatsächlich echt.

[….] Kanzler Merz will Einsparungen bei Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und Unterhaltsvorschuss prüfen lassen

Bundeskanzler Merz will zur Entlastung der Kommunen mehrere Sozialprogramme prüfen lassen. [….] Konkret benannte der CDU-Politiker die Gesetze für Unterhaltsvorschuss, Jugendhilfe und die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Merz sagte, es gebe in den Bereichen eine Kostenexplosion für die Kommunen. Er äußerte sich optimistisch, in den kommenden Tagen eine Einigung mit den Ländern zu erzielen.

Sozialverbände kritisieren mögliche Einsparungen in den von Merz benannten Bereichen. Sie erklärten mehrfach, dass die Kostensteigerungen nicht auf die Gesetze an sich zurückzuführen seien und warnten vor den gesellschaftlichen Folgen von Kürzungen. [….]

(Deutschlandfunk, 22.06.2026)

Nein, also die Milliardäre sind wahrlich ausgequetscht, wie Zitronen. Die können nichts mehr abgeben. Aber diese Behinderten leben doch ins Saus und Braus! Da ist laut des Christen-Kanzlers noch ordentlich was zu holen!

Mittwoch, 27. Mai 2026

Die alten Methoden sind besser – Teil II

Vom Glück der frühen Geburt berichtete ich vorgestern. Der analoge Mensch kapiert mehr: Auf Papier gedruckte Texte werden besser verstanden, man lernt effektiver, wenn man mit der Hand schreibt, Zusammenhänge bleiben nachhaltiger im Gedächtnis, wenn man nicht kontinuierlich das Klugtelefon zur Nachhilfe benutzt.

Das Textverständnis, das Schreiben wird ausgefeilter, wenn man viele gedruckte Texte liest. Das Stilgefühl geht verloren, wenn man KI-generierte Texte konsumiert und immer nur kleine Zusammenfassungen konsumiert.

An dieser Stelle sei ein Artikel aus dem vorletzten SPIEGEL empfohlen, der erklärt, wieso KI und Large Language Models (LLMs) nicht in der Lage sind, witzig zu sein.

Selbstverständlich wird die KI nicht aufzuhalten sein, selbstverständlich kommen die Zeiten nicht zurück, in denen jeder mit der Hand schrieb und man nur auf Papier gedruckte Informationen verarbeitete.

Ich glaube ohnehin nicht an eine noch wesentlich länger währende Zukunft des Homo Sapiens. Das nächste Jahrhundert wird diese Spezies meiner Ansicht nach nicht erleben.

Als Antinatalist, der mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, kommt mir das entgegen. Wer sich hingegen um den Fortbestand seiner eigenen egoistischen Gene sorgt, oder sich womöglich schon reproduziert hat, sieht das mutmaßlich anders.

Vielleicht irre ich mich und die Menschheit wird in hundert Jahren prosperieren; ich werde es sicher nicht erleben. Aber wenn es so käme, wären die „digital immigrants“, die letzten Vertreter des analogen Zeitalters ausgestorben. Die Menschen werden nicht vergleichen können und daher keinen Verlust empfinden, wenn niemand mehr alle Rechtschreibregeln beherrscht, mit einem Füller schreiben kann, auf stilistische Feinheiten in Texten reagiert.

Es wird Lebensqualität verloren gegangen sein, die niemand vermissen wird.

Dazu gehört für mich auch Musikverständnis. Es ist eine Unsitte, daß durch die allgegenwärtigen Streamingdienste heute jeder Song nur zwei Klicks entfernt ist und in Sekundenbruchteilen beurteilt wird, ohne den Sänger, den Produzenten, das Album, das Konzept, das Cover zu kennen. Ich alter Sack glaube ernsthaft, daß deswegen so viel zeitgenössische Musik so schlecht ist. Es wird für den ganz schnellen Erfolg einzelner kurzer Stücke produziert. Eingängliche Bass-lines, die Hooks werden primitiver.

„Konzeptalben“ sterben aus, weil ohnehin nur noch einzelne Schnipsel „zu meiner playlist geadded“ werden. Zum Glück gibt es für Dinosaurier wie mich noch genügend Musiker, die sich dem Trend widersetzen, so daß ich immer wieder Neues entdecken kann, das mich erfreut.

Aber ich empfinde viel Wehmut für die Zeiten, als man sich neue Popmusik noch mit erheblich mehr Mühe erarbeitete und sie daher auch viel mehr würdigte. Es war nicht alles über die Ohrstecker verfügbar, sondern erforderte technischen und logistischen Aufwand!

(….)  Schon bevor ich 16 wurde, [und noch keinen eigenen Plattenspieler hatte] kaufte ich mir Schallplatten, beispielsweise genau vor 40 Jahren, zum Erscheinungsdatum im März 1983, „The Hurting“ (Tears for Fears), die ich aber meinem Alter entsprechend keinesfalls immer in Gegenwart meiner Mutter im Wohnzimmer hören wollte. Also fuhr ich mit meiner Schallplatte und Leercassetten zu meiner liebsten Schulfreundin, die bereits einen eigenen Plattenspieler besaß und ließ mir dort alles überspielen. So wie ich schon zuvor meine Lieblingsmusik in der Zeit; Helen Schneider, Kate Bush, David Bowie, Depeche Mode und The Cure; immer auf Cassette umformatieren musste, um sie in meinem Zimmer hören zu können.

Eine Single-Platte kostete sechs D-Mark, Langspielplatten an die 20 DM. Kein Pappenstiel für Taschengeld-abhängige Jung-Teenager. Man musste darauf sparen. Zudem war es nicht unbedingt leicht, die Objekte der Begierde überhaupt zu bekommen. Zunächst einmal musste man sich durch Zeitschriften informieren und dann mit Bus und Bahn durch die Stadt fahren, die wenigen guten Plattengeschäfte aufsuchen, in die Alben reinhören und hoffen, daß noch ein Exemplar da war. Das erforderte oft viele Anläufe, viele Stunden Bahnfahrt und viele vergebliche Stunden Stöberei.

Für die Generation Klugtelefon mag das extrem umständlich klingen, aber der Gedanke kam mir logischerweise nie, weil ich es nicht anders kannte. Auch a posteriori möchte ich die Erfahrung nicht missen, da wir unsere neuen Schätze eben auch wie einen echten Schatz schätzten. Ich erinnere mich an eine Verabredung mit einer Mitschülerin, die vorher noch nie bei mir war, so daß ich üblicherweise einigen Aufwand betrieben hätte, um es ihr angenehm zu machen. An dem Tag bekam ich aber die lang ersehnte „The Head in the Door“ (The Cure, 1985), so daß ausführliche Untersuchungen des Covers, Lesen der Texte und ununterbrochenes Hören notwendig wurde.

Ich weiß noch genau, wie ich mich entschuldigte, nicht fragen zu können, was meine Besucherin gerne hören würde, aber nun müsse ich nun einmal ununterbrochen „in between days“ und „close to me“ hören. Aber selbstverständlich akzeptierte sie das, da es ihr auch immer so mit einer neuen Platte ginge; damit beschäftige man sich über Tage intensiv.(……..)

Heute gehöre ich zu den Alten, die sogar noch älter sind, als meine Eltern zu dem Zeitpunkt, als ich sie erstmals nicht mehr als totale Autorität akzeptierte.

Akustische Verbrechen wie Max Giesinger und Philipp Poisel können heute geschehen, weil die universelle, billige und superschnelle Verfügbarkeit jeder Musik das Urteilsvermögen der jungen Generation zerstört haben.

Daß ich vor 40 Jahren ein großen Aufwand für eine neue Schallplatte trieb und mich tagelang intensiv nach dem Kauf damit beschäftigte, korrespondierte mit den Ebenen der Plattenfirmen und der Künstler. Schallplatten waren ihre Haupteinnahmequelle und dementsprechend viel Mühe steckten auch die Musiker in ein neues Album. Sie wußten, es würde von jedem Käufer auf Herz und Nieren geprüft. Heute kommt das Geld durch Konzerte und Merchandising rein. Ein Popmusiker ist nicht mehr auf die Verkaufszahlen seiner CDs angewiesen. 12 ausgefeilte Songs aufwändig zu produzieren, ist pure Verschwendung. Ein radiotauglicher Track reicht. Der Rest wird lieblos zusammengesampelt, um das Album zu füllen. Die Konsumenten downloaden ohnehin nur das eine Lied. Da alle vernetzt sind, mögen ohnehin alle dasselbe. Social Media nivelliert die Jugend nicht nur optisch, sondern auch in jeder anderen geschmacklichen Hinsicht. (…….)

(Die Alten von heute, 07.04.2023)

Weil die enorme Arbeit, die Musiker in ein Album stecken, ohnehin nicht mehr gewürdigt werden, sind Vinyl-Platten und CDs kaum noch ein wirtschaftlicher Faktor. GenZ versteht nicht, wieso man 20 Euro oder mehr für ein haptisches Ding ausgeben soll, wenn die darauf gepressten Töne ohnehin quasi kostenlos zur Verfügung stehen.

Daher beschwert sich GenZ auch laut lamentierend über Paywalls für ausgezeichneten Journalismus. Ihre ausgeprägte Gratis-Mentalität ist nichts anderes, als eine widerliche Missachtung der Leistung, des Könnens, der Mühe, der Arbeit Dritter.

Presseartikel haben aber eben nicht die gleiche Qualität, wenn sie ein Praktikant durch KI und Wikipedia zusammenbastelt – verglichen mit einem investigativen Journalisten, der recherchiert und alles nach dem Zwei-Quellen-Prinzip überprüft.

So wandert guter Journalismus heute in die Nische und wird immer teurer. Oder stirbt aus. Ein Alptraumszenario, denn so steht es Algorithmen und KI frei, das Volk nach Belieben zu manipulieren.

Musiker, die nicht verhungern wollen, suchen sich andere Einnahmequellen. Merchandising und Mega-Tourneen, wenn man schon berühmt ist. Anderenfalls Patreon und OnlyFans.

Man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Aber es nimmt gelegentlich erbärmliche Formen an, wenn alte und wirklich nicht gesunde Künstler aus purer Geldnot zu Tourneen und Auftritten gezwungen werden, weil über die Tonträger kein Cent mehr reinkommt.

Aber auch die ganz großen Stars stoßen an Grenzen in einem System, das ohne Plattenverkäufe läuft und somit eine permanente Geringschätzung der Hörer für ihre Stars darstellt. Konzerttickets werden derartig teuer, daß selbst die ganz Großen sie nicht mehr alle loswerden.

[…] Sein erster Tourstopp in Europa ist nicht ausverkauft. Ist Harry Styles schon in seiner »Flop-Era«? […] Was, wenn niemand kommt?

Keine Sorge, Harry: Natürlich kam jemand! Und doch wurde vor dem Auftakt seiner »Together Together«-Tour in Amsterdam getuschelt. In nahezu jeder Kategorie gab es am Tag des Konzerts noch Tickets zu kaufen. Auf TikTok berichteten  Fans , sie hätten aus »Produktionsgründen« bessere Plätze zugewiesen bekommen. Andere klagten, sie würden ihre Karten nicht mehr  loswerden  – und wenn, dann deutlich unter dem Originalpreis.  [….]

(SPIEGEL, 18.05.2026)

Megastar Styles wird es verkraften. Seine Tour findet statt, in Amsterdam gibt er gleich zehn Shows.

Andere müssen klammheimlich ihre gesamten Tourpläne begraben.

[…] Live-Konzerte in den USA kosten Fans oftmals ein kleines Vermögen. Immer häufiger sagen Künstler ihre Auftritte ab. Möglicherweise liegt das an schlechten Verkaufszahlen. […] In den USA gibt es schon einen neuen Begriff für das Phänomen: Das "blue dot fever" - das Blaue-Punkte-Fieber - gehe um. Das Phänomen ist benannt nach den blauen Punkten, mit denen Ticketplattformen freie Sitze markieren. Die These: Mehr Konzerte würden abgesagt, weil nicht genug Tickets verkauft worden seien. Nur wenige Acts räumen das freimütig ein, so wie die Pussycat Dolls. Sie gaben für die kürzlich abgesagten US-Konzerte ihrer Revival-Tour halbwegs deutlich zu: Man habe sich den US-Teil der Tour ehrlich angesehen und alle bis auf ein Konzert gestrichen. Die Konzerte in Europa hingegen finden statt.

Musiker wie Meghan Trainor, Post Malone oder Zayn Malik nannten dagegen andere Gründe für kurzfristige Absagen. Fans und Experten spekulieren trotzdem, ob Ticketverkäufe eine Rolle gespielt haben. […] Die Theorie von Musikjournalist Chris Willman: Topstars wie Billie Eilish oder Taylor Swift könnten zwar fast jeden Preis verlangen, aber wer nicht in der absoluten Top-Liga spiele, verkalkuliere sich schneller mal - mit der Höhe der Ticketpreise, der Größe der Halle oder der Zahl der interessierten Fans, sagte er bei Entertainment Tonight.

Die Konzertpreise in den USA sind hoch: Im Schnitt zahlt man mittlerweile für erfolgreiche Künstler nach Pollstar-Daten mehr als 130 US Dollar pro Ticket, für Superstars sind ein paar Hundert Dollar keine Seltenheit - und bei begehrten Tickets bestimmt immer öfter die Nachfrage den Preis, das sogenannte dynamic pricing. […]

 (Tagesschau, 25.05.2026)

Montag, 25. Mai 2026

Die alten Methoden sind besser

Tatsächlich versteht man Texte besser, wenn man sie auf Papier gedruckt liest, als auf dem PC-Bildschirm.

[….] Das gedruckte Buch erlebt eine Renaissance – und die Wissenschaft erklärt warum. Aktuelle Meta-Analysen bestätigen den sogenannten „Bildschirm-Unterlegenheits-Effekt“. Demnach fördert Lesen auf Papier das tiefe Verständnis deutlich stärker als die digitale Lektüre.

Forschungsteams, unter anderem der Universität Valencia, werteten Daten Hunderttausender Teilnehmer aus. Ihr Ergebnis: Das Verständnis komplexer Texte leidet signifikant bei digitalem Konsum. Lesen auf Papier stärkt das Textverständnis um den Faktor sechs bis acht.

Experten führen das auf unterschiedliche Nutzungsmuster zurück. Der Bildschirm ist mit schnellem Scrollen und Multitasking verbunden. Das Gehirn schaltet unbewusst in einen Modus der Oberflächenverarbeitung. Papier hingegen signalisiert Ruhe und aktiviert die Fähigkeit zum „Deep Reading“.   [….]

(AdHoc News, 29.12.2025)

Tatsächlich lernt man auch viel besser, wenn man mit der Hand schreibt, als wenn man bloß auf dem Handy oder einer PC-Tastatur tippt.

[….] Schreiben mit der Hand ist keine veraltete Kulturtechnik – kein Relikt aus prä-digitalen Zeiten, das dank neuer Medien und Technologien früher oder später überflüssig wird. „Es ist genauso wichtig wie das Lesen und die Rechtschreibung“, sagt Dr. Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Schreibmotorik Instituts. Mehr noch: Schreiben mit der Hand unterstützt das Lesen- und Schreibenlernen nachhaltig. Denn Handschreiben ist ein sehr komplexer Vorgang, bei dem zwölf Hirnareale aktiv sind, mehr als 30 Muskeln und 17 Gelenke zusammenwirken und von den Schreibenden – unbewusst – koordiniert werden. „Von Hand zu schreiben bedeutet, dass wir charakteristische Buchstabenformen schreiben. Der damit verbundene Bewegungsablauf wird im Gehirn verarbeitet. Schreibanfänger können etwa Buchstaben, die sie mit der Hand zu schreiben gelernt haben, besser erkennen. Beim Tippen handelt es sich dagegen immer um die gleiche Bewegung, egal, ob ich ein A, ein S oder ein B drücke“, erklärt die SchreibmotorikExpertin.

Schreiben macht schlau! „Zahlreiche neurowissenschaftliche Studien bestätigen, dass bei Kindern motorische und kognitive Entwicklung zusammenhängen – und dass sich das Schreiben mit der Hand positiv auf die Entwicklung der motorischen und geistigen Fähigkeiten auswirkt. Außerdem werden Merkfähigkeit, das inhaltliche Verständnis und die Kreativität gefördert“, weiß Dr. Marianela Diaz Meyer.

Die praktischen Erfahrungen der Lehrkräfte bestätigen dies: Dass sich Handschreiben positiv auf die Rechtschreibung auswirkt, meinen laut STEP-Studie 84 Prozent der Befragten, positive Auswirkungen auf die Fähigkeiten, Texte zu verfassen, sehen 77 Prozent, auf die schulischen Leistungen insgesamt 74 Prozent. Das ist nicht verwunderlich: Denn wer flüssig oder – wie es in der Fachsprache heißt – automatisiert schreibt, braucht sich über den Schreibvorgang selbst keine Gedanken zu machen. Er (oder sie) entlastet sein „Arbeitsgedächtnis“, dessen Kapazität begrenzt ist, und kann die freien Ressourcen für die wesentlichen Inhalte verwenden, sich also auf Rechtschreibung, Zeichensetzung, die Formulierung des Textes und die Beantwortung der Fragen konzentrieren.  [….]

(Friedrich-Verlag)

Tatsächlich verkümmert die Intelligenz, wenn durch die sekundenschnelle Informationsbereitstellung per Klugtelefon, Google, Gemini, KI, das Gehirn Fakten nur oberflächlich aufnimmt, statt sie sich zu erarbeiten.

Für uns alte Säcke (ich bin übrigens kein „B00mer“, sondern wurde nach der GenX-Schallgrenze geboren), sind diese mannigfachen Verblödungseffekte der Digital Natives offensichtlich.

Rechtschreibung und Grammatik gehen verloren. Copy and Paste von KI-generierten Texten führt zu immer schrilleren Formen der stilistischen Degeneration, wie die Misogynie-Debatte um Denis Scheck beweist, der in ganz kurzer From in seinen „Druckfrisch-TopTen“ Sophie Passmanns neuen Bestseller kritisierte.

[….]  «Was soziale Medien in einem Kopf ohne echte Bildungsressourcen anrichten, in dieser intellektuellen Desasterzone von einem Buch lässt es sich besichtigen. ‹Ich denke über die Frau nach, die ich sein könnte, wenn ich einen schöneren Bauchnabel hätte›, schreibt Sophie Passmann. Passmann auf diesen Denkbewegungen zu begleiten, ist ein schwerer Gang. Wie ein Wellensittich in seinem Käfig nur ein Blick für sein eigenes Abbild im Spiegel hat, so kreist Passmanns Schreiben unablässig um ihren eigenen Nabel: Bin ich schön? Bin ich attraktiv? Werde ich geliebt? In Passmanns Versuch, diesen Narzissmus zu reflektieren, kommt lediglich Narzissmus 2.0 heraus. Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins.» […..]

(Druckfrisch, April 2026)

In Wahrheit wurde Passmanns Buch offenkundig nicht lektoriert und entweder gar nicht von ihr gegengelesen, oder sie bemerkte ihre stilistisch völlig verunglückten Satzkonstruktionen nicht.

Titanic, Mai 2026

 
 

Ich mutmaße, hier handelt es sich um einen klassischen Fall des höheren kognitiven  Anspruchs der analog aufgewachsenen Leser-Generation. Wir sehen genauer hin und stolpern über die dankenswerterweise von der Titanic hervorgehobenen Sinnlos-Sätze, die Digital-Natives möglicherweise gar nicht auffallen.

[….] Der Literaturkritiker Denis Scheck steht nach zwei kontroversen Buchbesprechungen im Fernsehen in der Kritik: Mit harschen Worten hatte er die neu erschienenen Bücher der Autorinnen Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy kritisiert. Er bezeichnete die Neuerscheinungen als »Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins« und als »Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit«. Die Autorinnen warfen Scheck daraufhin Sexismus und Verachtung von Frauen vor.

Als Reaktion darauf bemühte Scheck einen Spruch des Physikers und Literaten Lichtenberg. »Georg Christoph Lichtenberg sagte, glaube ich mal, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es hohl klingt, dann muss es nicht unbedingt am Buch liegen«, sagte Scheck, als er bei der Vorstellung des Programms für das Literaturfestival LIT:potsdam gefragt wurde, ob er nach den Vorwürfen Schaden am Festivalprojekt befürchte. »Das trifft auch beim Zusammenstoß einer Literaturkritik und eines Kopfes in meinen Augen zu.«

Weiter wollte sich Scheck nicht auf die Vorwürfe einlassen. Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa sagte der 61-Jährige, seine Besprechungen gelten »den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern«. [….]

(DPA, 16.04.2026)

Es ärgert mich über alle Maßen, wenn junge Frauen fälschlicherweise die Sexismus-Karte gegen alte weiße Männer ziehen, weil das alle Fälle diskreditiert, in denen solche Vorwürfe angebracht sind!

Frauen sollen keinen Sexismus erfinden, weil es genug Sexismus gibt. Schwule sollen keine Homophobie erfinden, weil genügend reale Homophobie existiert. Juden sollen niemanden fälschlicherweise des Antisemitismus bezichtigen, weil echter Antisemitismus virulent genug ist.

Schämt Euch, Nicolas Puschmann und Gil Ofarim!

(….)  Ähnlich katastrophal verhielt sich der schwule, schwarze Schauspieler Jussie Smollett, der eine schwulenfeindliche Attacke auf sich inszenierte, um als Opfer Ruhm und Schlagzeilen zu bekommen.

[….]  Schauspieler Jussie Smollett zu 150 Tagen Gefängnis verurteilt.

Er soll eine homophobe Attacke auf sich selbst vorgetäuscht haben: Nun muss Schauspieler Jussie Smollett für knapp fünf Monate in Haft – und eine hohe Geldsumme zahlen. [….]

(SPON, 11.03.2022)

Erbärmlich! Was für einen Bärendienst erweist Smollett Myriaden Schwulen in den USA, die wirklich homophob angefeindet werden und deren Berichten man nun skeptischer gegenüberstehen wird.

Im Sexualstrafrecht ist die „Falschbeschuldigung als Vergewaltiger“ regelrecht zum Mythos geworden, auf den sich tatsächliche Vergewaltiger nur allzu gern beziehen.

Frauen, die sich eine Vergewaltigung ausdenken, um einem Mann zu schaden, agieren doppelt verwerflich, weil sie eben nicht nur dem Opfer schaden, sondern allen wirklich vergewaltigten Frauen einen Bärendienst erweisen. Man wird ihnen weniger glauben.  (….)

(Bärendienste, 12.04.2022)

Bei Sophie Passmann habe ich den Eindruck, daß sie als Buchautorin gar nicht versteht, worauf die Kritik an ihrem Werk zielt.

Das hat aber nichts mit ihrem Geschlecht oder Alter zu tun. Es ist viel einfacher: Sie schreibt schlecht. Möglicherweise merkt sie es nicht, weil die digital aufwuchs. Das ist nicht ihre Schuld!

Selbstverständlich hätte ich Klugtelefone auch in der Schule genutzt, wenn es das damals schon gegeben hätte. Es ist reiner Zufall, wenn man noch analog aufwuchs. Elitäre Generationenbeschimpfungen sollen hier keinen Platz haben. Zumal es keine Option ist, zu Stift, Papier und Druckerpresse zurück zu kehren. Dafür sind insgesamt die Vorteile der Digitalisierung zu überwältigend.

Aber natürlich kann ich der Versuchung nicht widerstehen, gelegentlich über die digitale Abhängigkeit der jüngeren Generationen Witze zu reißen.

Nach dem großen Blobb, wenn ein elektromagnetischer Impuls oder der Zusammenbruch der Energieversorgung, nur noch mechanische Geräte funktionieren ließe, wäre sie völlig aufgeschmissen. Sie könnten sich nicht ohne GoogleMaps orientieren, wüßten nicht wie man ein Drehscheibentelefon bedient, wären außerstande die Uhrzeit auf einer Zweizeiger-Uhr abzulesen.

Die analoge Welt führte aber nicht nur zu höheren kognitiven Leistungen, sondern auch zu mehr Lebensqualität.

Dazu morgen mehr.
Nachtrag
: Sorry, doch erst ÜBERmorgen.

Sonntag, 8. Februar 2026

Rechts gewinnt.

Es gab in der BRD immer, sowohl Nazis in der außerparlamentarischen Opposition, als auch einen schmierig-braunen Rand in CDU. In der CSU erst Recht (Norbert Geis, Johannes Singhammer, Peter Ramsauer)

(….)  Über Jahrzehnte gab es verstreut über die gesamte Unions-Bundestagsfraktion diese richtig braunen Hardliner, die Ausländer nicht ausstehen konnten, Frauen nicht die gleichen Leistungen zutrauten und Schwule für pervers und kriminell hielten.

Bayern, aber auch die Landesverbände BW, Hessen, Berlin und Sachsen brachten solche Typen in das Parlament.

Es gab eine beachtliche „Stahlhelm-Fraktion“, die sich auch zuverlässig gegen Umweltschutz und außenpolitische Entspannung einsetzte.

Heinrich Lummer, Martin Hohmann, Alfred Dregger, Erika Steinbach, Manfred Kanther, Frank Steffel, Arnold Vaatz, Wilfried Böhm, Ute Granold und Katherina Reiche.

Legendär die Aussprüche der sogenannten Stahlhelm-Fraktion in der CDU: "Die Rückkehr der Ausländer in ihre Heimat darf nicht die Ausnahme, sondern muss die Regel sein", so Alfred Dregger, Chef der Hessen-CDU 1982. Es sei "nicht unmoralisch zu fordern, dass der uns verbliebene Rest Deutschlands in erster Linie den Deutschen vorbehalten bleibt". Oder der frühere CDU-Innenminister Manfred Kanther 1996: Es sei unzulässig, ein Land als Einwanderungsland zu definieren, nur "weil viele Menschen versuchen, ihren Zutritt unter unberechtigter Berufung auf politische Verfolgung zu erzwingen". Das dichtbesiedelte Deutschland, so Kanther, habe "nie Bedarf" gehabt, "leere Räume mit Menschen zu füllen".

(Spon 02.02.2006)

Die Rechten und Nationalkonservativen in der Union mosern kontinuierlich seit Merkel Parteichefin ist.  So sicher wie das Amen in der Kirche melden sich alle paar Monate ein paar versprengte CDUler und beklagen den Verlust des konservativen Profils, einen Ausverkauf der Werte und das Ausfransen am rechten Rand.

Zu den usual suspects gehört natürlich der TV-Lügner Wolfgang Bosbach, der maßgeblich den rechten „Berliner Kreis“ in der CDU installierte. (….)

(Alleinstellungsmerkmal CSU, 02.07.2016)

Unter den Zehntausenden Abgeordneten, die in bundesrepublikanischen Parlamenten saßen, waren diese faschistoiden Totalausfälle glücklicherweise eine Minderheit. Solche Vögel wie Erika Steinbach, Norbert Geis oder Heinrich Lummer sollten zwar lieber nicht im Bundestag zum allgemeinen Mitschämen aktiv (gewesen) sein, wurden aber von der Parteiführung gezielt eingesetzt, um den braunen Rand der Gesellschaft – Antisemiten, Vertriebenenverbandsfunktionäre, Nationalisten, Frauenhasser – an sich zu binden. Sie fristeten ihr Dasein als schrille Hinterbänkler, die zwar als Stimmvieh geduldet wurden, aber bitte nicht zu sehr in der Öffentlichkeit stehen sollten. Manchmal muckten sie frustriert auf, wurden kurz eingenordet und waren wieder still.

(….) Davon kriecht fast jedes Jahr irgendeine Gruppierung an die Medien.

Die heißen mal Lummer, mal Kanther, mal Hohmann. Immer wieder versuchten es angebräunte Hessen-CDUler: Kristina Schröder, Erika Steinbach und natürlich der langjährige Wiesbadener Fraktionsvorsitzende Christean Wagner als Mit-Initiator des Berliner Kreises in der Union.

Es gab den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, den Brandenburger Innenminister Jörn Schönborn, den Thüringer Landesvorsitzenden Mike Mohring, fast die gesamte AfDNPD-affine Sachse-CDU und natürlich immer wieder der kameraverliebten Lügner Wolfgang Bosbach.

Im Berliner Kreis sind heute insbesondere noch Philipp Lengsfeld, der Sohn der nach Rechtsaußen abgedrifteten Verschwörungstheoretikerin Vera Lengsfeld, die Düsseldorferin Sylvia Pantel, sowie diverse Sachsen (Veronika Bellmann, Arnold Vaatz, Steffen Flath) aktiv.

Und nun haben sie den radikal islamophoben deutschen Leitkulturler Jens Spahn an der Spitze.

Immer wieder kündigen sie einen konservativen Aufbruch an, schaffen es aber meist nicht Manifeste und Programme zu Papier zu bringen.

Ihre Forderungen sind schließlich auch weniger programmatisch, denn tumbes „dagegen sein“.

Gegen Schwule, gegen Ausländer, gegen Atheisten, gegen den Islam, gegen Sozialleistungen.

In schöner Regelmäßigkeit erheben diese traurigen dunklen Gestalten ihr verwesendes Haupt   (…)

(Schwarzbraune Zwergchen, winzige, 09.04.2018)

2016 konnte ich mir aber noch nicht vorstellen, daß Extremisten wie Reiche, Merz und Spahn in die allermächtigsten Partei- und Regierungspositionen aufrücken, weil ihre kruden Ansichten systematisch normalisiert wurden.

Dabei handelt es sich auch um ein erschreckendes Presseversagen. Wie in den USA. Dort bieten die Medien seit einer Dekade diesen Demokratiezersetzern ein Plattform, um sie öffentlich lügen lassen, weil nun einmal viele Bürger diese Lügen auch glaubten.

Das hat selbstverständlich Folgen. Ein Jahr seiner zweiten Amtszeit reichte Trump aus, um die US-Demokratie de facto abzuschaffen und das mächtigste Land der Welt in eine faschistische Autokratie umzuwandeln, in der Fakten und Verfassung irrelevant geworden sind. Menschenrechte abgeschafft, Pressefreiheit verhöhnt, Gewaltenteilung niedergewalzt.

Die Faschismusbeschleuniger in Deutschland findet man leider nicht nur bei Gotthardt und Döpfner, sondern auch in den Talkshow-Redaktionen Miosga, Maischberger und Lanz.

[….] Immer wieder taucht das Argument auf, man müsste AfD-Leute in Talkshows einladen, weil die ja gewählt seien und der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Grundversorgungsauftrag habe, der alle relevanten politischen Kräfte abbilden müsse. Lasst uns da mal kurz raufschauen.

Dieses Argument setzt  voraus, dass es sich um Akteure handelt, die innerhalb des demokratischen Rahmens operieren. Die AfD wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Das ist kein Detail. Es verändert die gesamte Argumentationsgrundlage.

Der Grundversorgungsauftrag leitet sich aus derselben Verfassung ab, zu deren Schutz der Verfassungsschutz existiert. Wenn die eine Institution sagt, diese Partei arbeitet gegen die Grundordnung, kann die andere nicht so tun, als sei das irrelevant.

Wer sich auf die Verfassung beruft, um verfassungsfeindliche Kräfte auf Augenhöhe zu empfangen, hat die Verfassung nicht verstanden. Abgesehen davon wollen die AfD-Leute ja eh die Sender abschaffen. Wenn man sie nicht einlädt, käme man ihnen also nur entgegen. Gern geschehen!  [….]

(Lorenz Meyer, 08.02.2026)

Was Strobl-TV da immer wieder abliefert, ist mehr als frustrierend. Der Urnenpöbel kommentiert fleißig live zu Miosgas Fasche-Präsentation und 99% der Stellungnahmen schlagen sich auf Chrupallas Seite. Wieder ein paar Prozentpunkte mehr für die gesichert rechtsextremen Verfassungsfeinde – Dank der ARD!

(….)  Als überzeugter und enthusiastischer Verfechter des ÖRR, bin ich natürlich umso frustrierter, wenn ausgerechnet die politischen Aushängeschilde, nämlich die prominenten Abend-Talkshows im ZDF und bei Strobl-TV, so sehr bei ihrem Informationsauftrag versagen: Seit Jahren puschen sie rechtsradikale Narrative, lassen Hetzer und Covidioten, genau wie wissenschafts-antagonistische Ideologen von CDU, FDP und CSU unwidersprochen plappern.

Besonders perfide ist es, wenn Caren Miosga das Brandolini-Gesetz in Extremform nachspielt: Sie lässt Weidel unwidersprochen dreiste Lügen behaupten und reicht Tage später, wenn niemand mehr hinguckt und ihre giftigen Falschinformationen längst in den Hirnen abgespeichert sind, einen Faktencheck nach. Der erreicht dann aber niemanden mehr. (….)
(Presseversagen, 09.02.2025)

Auf einer anderen Ebene zeigt zeitgleich RTL das gleiche Brandolini-Muster beim Dschungelcamp, indem man ungeniert für Quote und Kohle Gil Ofarim lügen lässt.

Wenigstens gibt es die großartige Anja Rützel, die dieses Jahr für ihre IBES-Berichterstattung den Grimme-Preis hochverdient.

[….]  Inzwischen findet diese Nebenhandlung im Digitalen statt, was praktisch ist, weil viel mehr Leute mitspielen können. Jürgen Milski zum Beispiel, der früher als Moderator bei Call-in-Sendungen auf keinen Fall systematisch Leute abgezockt hat und unbedingt als moralische Instanz gehört werden muss, macht regelmäßig Videos auf Instagram über Ariel. Auch Gils Anwalt ist oft dort zu sehen.

In einem Livestream mit einem befreundeten Richter führte er aus, Gil habe die Lüge damals womöglich deshalb erzählt, weil er sich mittels Autosuggestion selbst davon überzeugt habe, sie sei wahr. Eine eingeredete Erfahrung, die es aber gar nicht gebe, sei auch »etwas, das man aus unzähligen Missbrauchsverfahren kennt«, in denen vermeintliche Opfer nur glaubten, Missbrauch erlebt zu haben, aber in Wahrheit sei gar nichts passiert. Da staunt man dann doch kurz, weil man dachte, dieser ganze Gil-im-Dschungel-Großkomplex könnte keine schlimmeren, über eine bloße TV-Sendung hinausreichenden Signale mehr senden. Diese gedankliche Verknüpfung ist nicht nur abgrundtief zynisch, sondern gefährlich: Eine Lüge wird mit einem Verweis auf angeblich »unzählige« eingebildete Missbrauchserfahrungen relativiert und damit grundsätzliches Misstrauen gegen Betroffene gleich mit normalisiert.

Man hält das alles nur aus, wenn man es sich mit der Kommentierung von Rechtsanwalt Alexander Boos anschaut, der noch weitere irritierende Stellen in diesem Livestream aufdröselt. Darin nennt Gils Anwalt, der ganz offensichtlich keine Schweigevereinbarung unterschrieben hat, auch die Summe, die Gil dem von ihm falsch Beschuldigten habe zahlen müssen: 40.000 Euro seien das gewesen, sagt sein Anwalt, und deutet an, dass dies doch eine hübsche Summe sei. Dass er die Zahl später, außerhalb des Streams, auf 20.000 Euro korrigieren muss, war sicher ein aufrichtiges Versehen und sollte keinesfalls als rhetorisches Manöver gelesen werden.

»Weil Widerlegen immer mehr Arbeit ist als Behaupten, gewinnt die Lüge.«

Eine RTL-Sprecherin erklärte übrigens gegenüber »Bild«, warum man Gils nachweisliche Lügen (etwa über seine augenscheinlich nicht existente Schweigevereinbarung oder über seinen nicht existenten Freispruch) unkommentiert lasse: Das Format lasse »alle Protagonisten unzensiert sprechen« und gebe somit den Zuschauern und Zuschauerinnen die Möglichkeit, »sich mithilfe der begleitenden Presseberichterstattung, dem intensiven Diskurs auf Social Media und in Begleitformaten sowie Diskussionen in ihrem persönlichen Umfeld ihre eigene Meinung zu bilden und durch Anrufe aktiv in den weiteren Verlauf der Sendung einzugreifen«. Das macht fassungslos. Erstens, weil es natürlich nicht stimmt, dass die Moderationen im Dschungel das Verhalten und die Äußerungen der Camper unkommentiert stehen lassen, sie waren für exakt das kunstvolle Gegenteil berühmt (und zeigen aktuell auch gegen Ariel, wie meinungsfroh sie sind).

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Zweitens, und das ist viel wichtiger und dramatischer, ist diese Erklärung eine Gebrauchsanleitung fürs Postfaktische. Sie delegiert die Verantwortung für das, was man da so wegsendet, und unterstützt das hochgefährliche Prinzip von »Alle dürfen alles sagen, Einordnung kommt später irgendwo anders, vielleicht«, das Vertrauen in Medien und Institutionen erodieren lässt. Sie kippt ihren Zuschauenden einen Eimer Unwahrheiten vor die Füße und nennt es »unzensiert«, also Meinungsfreiheit, und sagt: Sieh du mal zu, wie du damit klarkommst und was du daraus machst – während im Hintergrund Musik läuft, die einem sagt, was man fühlen soll, und der Schnitt entscheidet, wer glaubwürdig wirkt. RTL verkauft das als demokratisches Angebot, aber es ist eine Beweislastumkehr: Nicht die Redaktion muss prüfen, sondern das Publikum muss widerlegen. Weil Widerlegen immer mehr Arbeit ist als Behaupten, gewinnt die Lüge. Nicht, weil sie überzeugt – sondern, weil sie bequem ist. Im Dschungelkontext ist es egal, weil es keine Rolle spielt, wer gewinnt. Wie verheerend die Normalisierung dieser Praxis im Politischen ist, muss man wohl nicht mehr betonen.

Dass im RTL-Statement obendrein noch Social Media als kompetente Reparaturwerkstatt imaginiert wird, die zur faktenorientierten Meinungsbildung taugen soll, ist insofern tragikomisch, weil auf den offiziellen Dschungelcamp-Kanälen in den letzten Tagen immer wieder sachlich formulierte Gil-kritische Kommentare wundersam verschwunden sein sollen, wie User berichten. Und dass die Zuschauenden »durch Anrufe aktiv eingreifen« sollen, setzt dem komplett desolaten Statement die Krone auf, weil er Demokratie nur simuliert: Du darfst abstimmen, aber nicht auf der Basis einer verlässlichen Faktengrundlage. Wann wurde das Dschungelcamp eigentlich so grundsätzlich unangenehm? [….]

(Anja Rützel, 08.02.2026)

Schande, Schande, Schande über die Fernsehsender und Dank an Anja Rützel, den Lichtblick in dieser braunen Düsternis.

Sonntag, 11. Januar 2026

Moralische Orientierung

Mit dem Klugtelefon war ich wirklich spät dran; das Erste habe ich mir vor gut sechs Jahren angeschafft und bis dahin tapfer ein analoges Seniorenhandy verwendet, weil ich keine internetfähige Zeitklau-Maschine in meinem Leben wollte.

Stattdessen tippte ich Telefonnummern, die ich extra nicht auf Kurzwahltasten hatte, um mein Hirn frisch zu halten. Sah mir Stadtpläne ganz genau an, wenn ich mit dem Auto in eine unbekannte Gegend musste, um nicht von Navis abhängig zu werden. Verdaddelte nicht sinnlos meine Zeit mit Messenger-Apps.

Aber irgendwann wurde der technische Druck der Moderne zu groß. Ich ergab mich dem Schicksal. Klar, am Anfang konnte ich die mir selbst auferlegten Regeln noch aufrecht erhalten: Kein Handy im/am Bett. Da war nur Informationsaufnahme auf gedrucktem Papier erlaubt.

Aber ich bin natürlich schwach. Wurde schwächer. Die Zeitklau-Maschine zog mich immer tiefer in ihren Bann, auch wenn ich einige Regeln tatsächlich bis heute aufrecht erhalten konnte (nicht in der Öffentlichkeit auf dem Handy rumdaddeln, keine Spiele, keine Selfies), aber die FOMO erwischte mich. Nach dem Aufwachen, oder vorm Schlafen, geht der Griff nun durchaus ans Klugtelefon, um zu gucken, was jetzt wieder Irres auf der Welt passiert ist. Welchen Wahnsinn habe ich verpasst?

Die Trumps, Millers, Vances, Merze, Bibis, Spahns beherrschen leider das Medium, dominieren auch meine Infoblase, die sie kontinuierlich befüllen: Flood the zone with shit! Und wie sie das können! Eine Stunde Mittagsschlaf, Telefon in die Hand nehmen und schon poppt eine neue neroeske Katastrophe auf. Ein nächstes Land, das der orange Jabba annektieren will. Dabei werden die Methoden immer skurriler. Holt Trump sich Grönland, indem er seinen Sohn Barron mit der ältesten Tochter des dänischen Königs verheiratet? Sind Prinzessin Isabella zu Dänemark, Komtess von Monpezat (* 21. April 2007) und Barron William Trump (geboren am 20. März 2006) ein Paar? Na schön, das scheint Satire zu sein, aber die Trump-Realität ist fähig, die Absurdität jeder Satire zu übertreffen.

Im MAGAversum wird zudem ventiliert, Stephen Miller als König von Venezuela einzusetzen. Marco Rubio soll Präsident von Kuba werden.

[…..] President Donald Trump has issued a strong warning to Cuba, declaring the island nation would receive “zero” oil or money from Venezuela – after joking that U.S. Secretary of State Marco Rubio would be its next president.

“THERE WILL BE NO MORE OIL OR MONEY GOING TO CUBA – ZERO!” Trump wrote on his Truth Social platform early Sunday morning. “I strongly suggest they make a deal, BEFORE IT IS TOO LATE,” Trump added.

Trump’s plan for Venezuela’s massive oil reserve has started to become clearer in recent days. While the South American country has been Cuba’s largest oil supplier, after the U.S. capture of Venezuelan leader Nicolas Maduro, Trump convinced the country’s interim leader, Delcy Rodriguez, to send between 30 and 50 million barrels of sanctioned oil to the U.S.

“Cuba lived, for many years, on large amounts of OIL and MONEY from Venezuela,” Trump wrote. “In return, Cuba provided ‘Security Services’ for the last two Venezuelan dictators, BUT NOT ANYMORE!”

Trump’s stern warning on social media came after the president shared a screenshot of another person’s lighthearted post reading, “Marco Rubio will be president of Cuba.” To which Trump added, “Sounds good to me!” [….]

(Isabel Keane, 11 January 2026)

Leider kann sich niemand auf der Welt leisten, schon gar nicht die Europäer, den orangen Sado-Clown auszulachen, weil er zu mächtig ist und nicht aufgehalten wird, wenn er auf den Roten Knopf drücken will.

Es gibt Menschen, die in Phasen der Verzweiflung und Desorientierung, ihren Halt in der Kirche suchen. Jener seit 2.000 Jahren bestehenden Amoral-Institution, die auch heute zuverlässig, Benzin ins lodernde Feuer des Unheils gießt.

[…] In his first half-year in office — amid his tariff campaign, government-slashing moves and immigration crackdown — President Donald Trump has also repeatedly delivered for conservative Christians, who form the bedrock of his Republican support.

While he has made overtures to Jewish, Muslim and other religious groups, his Christian supporters have been among his most high-profile surrogates and appointees.

The Trump administration has green-lit political endorsements from the pulpit and encouraged religion in the federal workplace. Trump has established faith-focused entities with numerous influential Christian appointees. He's energized supporters with assaults on cultural and academic targets long seen as liberal bastions. His administration and his Supreme Court appointees have expanded areas for religious exemptions and expression in the public square. […] 

Here are 10 ways Trump has repaid his supporters, particularly conservative evangelicals and Catholics:

Crackdowns on transgender identity and treatment

Trump has cracked down on transgender identity and medical treatment, long targets of religious conservatives. […]

Pastors, politics and the IRS

The IRS declared on July 7 that pastors can endorse political candidates from the pulpit without risking their churches' tax-exempt status. The move effectively calls for a carve-out for religious organizations from the IRS rule known as the Johnson Amendment, enacted in 1954 and named after then-Sen. Lyndon Johnson. […]

Task force on anti-Christian bias

Trump created a Task Force to Eradicate Anti-Christian Bias, chaired by Attorney General Pam Bondi and composed of high-ranking government representatives. […]

Religious Liberty Commission

Trump created a Religious Liberty Commission. It includes several conservative Christian clerics and commentators, some of whom have supported Trump politically. Its chair, Texas Lt. Gov. Dan Patrick, supports prayer and Ten Commandments postings in public schools. […]

Evangelical ambassador to Israel

Trump appointed former Arkansas Gov. Mike Huckabee, a Southern Baptist minister and prominent religious conservative, as ambassador to Israel. […] Religion in the federal workplace

The Office of Personnel Management said in a July 28 memo that federal employees may promote and talk about their religion with fellow employees on the job, so long as it's not "harassing in nature." […] […] […] […]

(Peter Smith, AP, 07.08.2015)

Trumps russischer Bruder im Geiste kann sich ebenfalls auf die Christen und Kirchen verlassen.

[…] Der Moskauer Patriarch Kyrill sieht in Russland einen Hort der Menschenrechte und Religionsfreiheit. Im traditionellen Weihnachtsinterview, das vom Sender Rossija 1 zum orthodoxen Weihnachtsfest ausgestrahlt wurde, erörterte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche die Frage, woher die Spannungen zwischen Russland und dem Westen rührten. […] „Wir bieten Werte, die der Westen abgelehnt hat und weiterhin ablehnt.“ Dazu gehöre auch, dass in Russland der christliche Glaube hochgehalten werde, was im Westen nicht der Fall sei. Der Glaube werde dort an den Rand des öffentlichen Lebens gedrängt, basierend auf der „falschen“ Annahme, dass Religion Privatsache sei. […] Der Patriarch bezichtigte den Westen diesbezüglich auch eines „militanten Säkularismus’“. Und er fügte hinzu: „Wir lehnen ab, was im Westen derzeit unter dem Deckmantel der ‚Menschenrechte‘ akzeptiert wird, in Wirklichkeit aber auf die Zerstörung der menschlichen Moral abzielt.“ […] „Und wenn heute unter dem Deckmantel der Freiheit die persönliche und familiäre Moral zerstört wird, sehen wir, wohin das führt“, so der Patriarch. Er beobachte insbesondere in westlichen Ländern den moralischen Verfall der jüngeren Generation. Nachsatz: „Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt.“ […] In der Glückwunschbotschaft Kyrills an den russischen Präsidenten, die vom Patriarchat veröffentlicht wurde, würdigte der Patriarch dafür einmal mehr die unzähligen Verdienste Putins um Russland und die Kirche. Der Präsident kümmere sich unermüdlich um den Wohlstand des russischen Volkes, stärke die Souveränität des Landes und die traditionellen Werte der Gesellschaft.

Ausdrücklich würdigte Kyrill die guten Beziehungen zwischen Staat und orthodoxer Kirche. […] Patriarch Kyrill ist einer der entschiedensten Befürworter und Unterstützer des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. […]

(ORF, 07.01.2026)

Die miesesten Menschenfeinde in Deutschland – Spahn, Klöckner, Linnemann, Dobrindt, Merz, Söder, Amthor – sind auch allesamt Vertreter des Christentums, repräsentieren eine CHRISTLICHE Partei.

Religion ist toxisch, wie eh und je.

Aber es gefiel mir besser, als ich nur ein paar Mal am Tag daran erinnert wurde. Nicht kontinuierlich, wie im Handy-Zeitalter.

Sonntag, 21. September 2025

Das geht böse aus – Teil II

Auf einer Skala von Optimismus bis Pessimismus, liegt der Realismus inzwischen nah bei Letzterem.

Das ist schon praktisch für mich, da ich habituell Misanthrop und Pessimist bin. Also muss ich meine Einstellungen nicht ändern.

Es gilt die alte Küchenweisheit, nach der man als Pessimist wenigstens nicht enttäuscht werden kann, sondern höchstens positive Überraschungen erlebt.

Der Realo in mir erwartet angesichts der politischen Großlage – Klima, Nahost, Russland, Rechtsradikalismus, Demokratiefeindlichkeit, Trump, Social Media, Merz/Reiche-Regierung, Kampf um die Ressourcen, Pandemien, allgemeine Verdummung – keine angenehmen Überraschungen mehr.

Im Gegenteil, wir wissen schon seit Jahrzehnten, welchen Katastrophen wir entgegenrasen, sind aber unfähig, uns entsprechend zu rüsten.

Aber obwohl ich pessimistisch denke, war noch ein Fünkchen zu viel Gutgläubigkeit in mir. Denn offensichtlich habe ich die Geschwindigkeit, mit der sich die westliche, demokratische Welt in den Abgrund bewegt, noch unterschätzt.

Bisher hatte ich recht hoffnungsfroh ausgerechnet, als semi-ältlicher Kinderloser meine Landung auf dieser Affenkugel perfekt getimt zu haben: Geboren zufällig zu einer Zeit des Wachstums, an einer friedlichen Stelle des Planeten und dann auch noch zufällig als Mann, Weißer und Demokrat.

Die Restlaufzeit für ein halbwegs gutes Leben in Nordeuropa; bevor Krieg, Hitze, ökonomischer Niedergang zu irgendeiner Art von Flucht zwingen; taxierte ich auf etwa 20 Jahre. Das fiele ungefähr mit meinem natürlichen biologischen Lebensende zusammen. Sorge um die Nachkommen müsste ich mir nicht machen und könnte erleichtert die Hühner satteln.

Inzwischen erscheinen mir zwei Dekaden Lebensrestlaufzeit aber doch als zu lang. Die Einschläge kommen näher und erfolgen immer schneller.

Sicher, es war zu erwarten, daß Merz und Söder die Weichen auf Vergangenheit stellen und auf diese Art nicht nur das Klima und Deutschlands Zukunft, sondern auch sehr konkret die Ökonomie abwürgen werden. Aber daß sie so eifrig daran arbeiten, die AfD zur stärksten Partei zu machen, hatte ich unterschätzt.

Schon jetzt sind die Nazis bestimmende Kraft in Deutschland. Eine schwarzbraune Regierung hatte ich erst ab 2029 erwartet. Auch das könnte zu optimistisch gewesen sein, weil Merz sich sogar noch dümmer anstellt, als ich dachte. Ein vorzeitiges Kleiko-Aus ist durchaus möglich. Passiert das, während die Nazis bereits Ministerpräsidenten und 40%-Fraktionen in Ossistan stellen, werden Spahn, Ploß und Amthor erklären, der Wähler wolle nun einmal keine Koalition mit RRG-Parteien mehr und 1933 erneut aufführen.

Die USA transformieren sich weitgehend widerstandslos zu einer faschistischen Autokratie. Dort geht es noch schneller.

[….] Trump drängt offenbar US-Justizministerium zu Verfahren gegen politische Gegner

»Jetzt muss Gerechtigkeit her«, schreibt der US-Präsident auf Truth Social. Er bezieht sich damit auf zwei demokratische Kritiker und fordert seine Justizministerin zu Ermittlungen auf – worum es in dem Fall geht.  [….]

(SPON, 21.09.2025)

 

Seit Jahren arbeitet die Mehrheit der US-Gouverneure immer dreister daran, die Wahlgesetze zu ihren Gunsten zu ändern. Obwohl schon jetzt ein Republikaner mit 10%-Stimmenminderheit US-Präsident werden kann. Die Midterms werden aber auf noch nie dagewesene Art die demokratische Stimmabgabe unterdrücken. Dachte ich. Auch das erscheint mir inzwischen als zu optimistisch. Nun rechne ich mit einer Absage der Wahlen, sofern sich Trump nicht ganz sicher ist, zu gewinnen.

Vorwände lassen sich leicht finden. Nach acht Monaten Trump 2.0, haben sich Justiz, Opposition, Presse und Bürger als klar zu schwach und phlegmatisch erwiesen, sich dem Trump-Faschismus entgegen zu stellen. Das ermutigt die Antidemokraten.

Justiz und Presse lassen sich sagenhaft leicht gleichschalten im Land Of The Free.

[….] US-Präsident Donald Trump will innerhalb seiner Regierung vor allem eins: Menschen, die ihm gehorchen. Diejenigen, die ihre Loyalität gegenüber der US-Verfassung sehen und nicht gegenüber ihm, haben es da schwer. Das aktuellste Opfer dieser Philosophie scheint Erik Siebert zu sein. Der amtierende US-Bundesstaatsanwalt trat am Freitag nach zunehmendem Druck aus dem Weißen Haus zurück. Er soll sich geweigert haben, gegen eine langjährige Gegnerin des Präsidenten Anklage zu erheben.

„Heute Abend habe ich meinen Rücktritt als Interimsstaatsanwalt für EDVA (östlichen Bezirk des US-Bundesstaates Virginia) eingereicht“, schrieb Siebert laut US-Medien in einer E-Mail an seine Kollegen am Freitagabend. Nur wenige Stunden zuvor hatte Trump seine Entlassung gefordert. „Ich will, dass er geht“, sagte Trump auf die Frage eines ABC-News-Journalisten im Oval Office.  [….]

(taz, 21.09.2025)


Wieso sollte Trump also noch Wahlen riskieren, wenn er so einfach mit schlichten Willensäußerungen durchkommt? Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika erklärt Kritik an ihm für illegal.

[…] President Donald Trump doubled down on his administration’s brazen attacks on free speech in a Friday afternoon press conference, telling reporters that publishing negative stories about him is “really illegal.” [….]

(Daily Beast, 20.09.2025)

Die amerikanische Öffentlichkeit schluckt das. Geht nicht in Generalstreik. Sie werden auch eine Absage künftiger Wahlen hinnehmen.

[…] Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom gilt als möglicher Kandidat der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahl 2028 – befürchtet aber offenbar, dass Amtsinhaber Donald Trump keine freie und faire Abstimmung mehr zulassen wird. »In meinen Augen gibt es null Zweifel daran, dass er keine weitere Wahl haben will«, sagte Newsom dem »Sydney Morning Herald« in einem Telefoninterview.  Falls es doch eine Wahl geben werde, so Newsom, werde diese im Stil des russischen Präsidenten Wladimir Putin stattfinden: »das Vortäuschen einer Wahl, aber nicht fair, nicht offen. Davon bin ich absolut überzeugt.«

Newsom bescheinigte Trump »außerordentliche Effizienz« bei der Durchsetzung seiner Pläne. »Es ist chirurgisch. Die Verwirklichung einer Vision.« In der aufgeheizten Stimmung nach dem tödlichen Attentat auf den rechtsextremen Aktivisten Charlie Kirk würden Trump und seine Getreuen mit ihrer »rachelüsternen« Rhetorik zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

Das sollte »allen einen kalten Schauer über den Rücken jagen«, sagte Newsom der australischen Zeitung. »Ich bin zutiefst besorgt ob der kommenden Wochen und Monate. Das ist ein höllischer Moment für unser Land.« [….]

(SPON, 21.09.2025)