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Mittwoch, 25. März 2026

Der Kanzler sinkt jeden Tag tiefer

Es ist und bleibt sein Signature Move.

Merz IST so. Er ist ein zutiefst von Hass und Vorurteilen zerfressener Mann. Misogynie, Xenophobie, Homophobie stecken ihm tief in den Knochen.

[….]  Nach langem Schweigen äußert sich der Kanzler erstmals zu sexualisierter digitaler Gewalt. Dabei gibt er Ausländern die Schuld und belehrt eine Grüne.

In seiner ersten Äußerung zum Fall Fernandes/Ulmen hat Bundeskanzler Friedrich Merz am Mittwoch im Bundestag einer Frau die Welt erklärt.

Im Rahmen der Regierungsbefragung hatte ihn die zunächst die Grünen-Abgeordnete Lena Gumnior zu einer Stellungnahme aufgefordert. „Die Frauen in diesem Land diskutieren seit Tagen über das große Problem von Gewalt gegen Frauen im Internet“, sagte sie. Sie wünschten sich einen Kanzler, der „genau in solchen Momenten nicht schweigt“. An Merz gerichtet fragte sie: „Warum haben Sie sich bisher nicht geäußert?“

„Frau Kollegin, darf ich zunächst einmal festhalten, dass nicht nur die Frauen in diesem Land über dieses Thema diskutieren und sprechen, sondern auch viele Männer“, antwortete Merz. Er gehöre dazu.

„Und ich weiß nicht, wie lange Sie dem Deutschen Bundestag schon angehören“, fuhr Merz in Richtung der Abgeordneten fort, kurzzeitig unterbrochen von einem Raunen im Plenarsaal. Und weiter: Er könne nur aus der letzten Wahlperiode sagen, dass der Bundestag „mit den Stimmen meiner Fraktion, die ich damals geführt habe, auf meinen Wunsch hin“ ein Gewaltschutzgesetz verabschiedet habe. Tatsächlich dürfte Merz damit das Gewalthilfegesetz gemeint haben. [….]

Merz gibt „Zuwanderern“ die Schuld 

 

 [….] Merz gab zunächst an, dass es „eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft“ gebe. „Dagegen müssen wir gemeinsam etwas tun“, fügte er hinzu. Man müsse aber auch über die Ursachen sprechen.

Dann benannte der Kanzler Menschen mit Migrationshintergrund als Sündenböcke: „Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt. Auch das gehört zur Vollständigkeit des Bildes dazu“, sagte Merz, der 1994 erstmals ein Bundestagsmandat errang und 1997 gegen einen Gesetzentwurf stimmte, mit dem Vergewaltigung in der Ehe als Straftatbestand ins Gesetzbuch aufgenommen werden sollte. Täter sexualisierter Gewalt finden sich meist im familiären oder sozialen Nahumfeld. Und Ulmen stammt gebürtig aus Rheinland-Pfalz.

Später in der Debatte griff der Grünen-Abgeordnete Robin Wagener den Kanzler für dessen Äußerungen an. „Als Mann schäme ich mich dafür, wie wenig Empathie und klare Entschlossenheit Sie angesichts der krassen sexualisierten Gewalt zum Ausdruck bringen“, sagte er. Merz erwiderte, diese Bemerkung sei dem Grünen unbenommen, doch er empfinde sie als „ehrenrührig“. [….]

(Tobias Schulze, 25.03.2026)

 

Daß sein genereller Ausländerhass tief in ihm verankert ist, ist das eine.

Bemerkenswert ist aber auch, dass er immer noch so gar keine Reflexkontrolle hat und bei jedem Thema, ohne Nachzudenken, auch als erstes raushauen muss:  "Die Ausländer sind Schuld!" Fast unnötig zur erwähnen, aber selbstverständlich stimmen seinne Aussagen nicht. Ich weiß nicht, ob er bewußt lügt, oder unwissentlich und ungeprüft Falschaussagen loslässt. Es ist definitiv ein Muster, das sich durch seine politische Karriere zieht.

[…] Seit den 60ern liegt der gefährlichste Ort für Frauen im eigenen Zuhause. Auch nach 2015 stammen die Täter meist aus dem direkten Umfeld, häufig Partner, oft Deutsche. Wenn Friedrich Merz von „explodierender Gewalt“ spricht und Migration betont, bleibt dieser Befund auffällig randständig. [….]

(DAK62, 25.03.2026)

Der Fritzekanzler versteht immer noch seinen Job nicht! Er ist für alle Bürger zuständig und sollte nicht mehr, wie ein garstiger Parteiführer, alle anderen niedermachen soll. Stadtbild. Leute zu faul. Kein deutsches Brot in Tansania. Keiner will in Belém sein. Zahnarzttermine nur für Syrer. Homosexualität ("Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht –, ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion.")

Diese sagenhafte Erkenntnisresistenz erweist sich eingemeißelt in seiner Persönlichkeit. Immer wieder kassiert der Regierungschef Shitstorms für seine proletenhaften verletzende Rüpeleien, aber er ist völlig unfähig, dazu zu lernen.

Politisch habe ich Merz schon in den 1990ern scharf abgelehnt.

Aber inzwischen scheint mir ebenfalls sicher zu sein: Merz ist dumm.

Man kann sich leider nur zu gut vorstellen, wie bei der Familie Merz, zu Hause im Sauerland, nach zwei Flaschen Rotwein am Küchentisch gesprochen wird, wenn die Kulturbanausen (Merz hält Weimer) unter sich sind, gesprochen wird. Höhnisch, herablassend, besserwisserisch, verurteilend. Das ist schon unsympathisch genug. Aber bedauerlicherweise spricht der nüchterne Merz auf großer politischer Bühne genauso. 

Als Bürger dieses Landes weiß ich nicht, ob ich mich mehr für den Kanzler und seine C-Minister schämen soll, oder für das Volk, welches immer wieder, zuletzt in Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg, deutliche absolute Mehrheiten für den schwarzbraunen Block wählt. Offenkundig wollen die meisten Deutschen von solchen Gestalten wie Spahn, Söder, Dobrindt, Reiche, Weimer, Prien, Merz, oder gar noch Schlimmeren (Höcke, Weidel) regiert werden.

Als US-Amerikaner und Deutscher kenne ich den Prozess schon aus den USA: Unseriöse Geronten regieren und ruinieren die eigene Nation: Kulturkampf, Fossillobby-Hörigkeit, Hass auf Minderheiten, Xenophobie, drastische Umverteilung von unten nach oben. Aber gerade „die kleinen Leute“, denen es am meisten an den Kragen geht, wählen entweder gar nicht, oder sie wählen gegen ihre Interessen rechts.

Dabei kann man hüben wie drüben wissen, wie toxisch diese rechtslastige wissenschaftsfeindliche Politik ist. Die Wähler entscheiden aber sehr dumm für dumme Parteien mit dummen Politikern.

[….] Union und AfD: Die Union ist unbelehrbar [….] CDU-Chef Merz hatte mal versprochen, die AfD zu halbieren. Bislang erreicht er das Gegenteil. Als AfD light führt der Weg direkt in den Abgrund. [….] Friedrich Merz war mal als CDU-Chef angetreten, um die AfD zu halbieren. Tatsächlich aber hat er sie verdoppelt. Die extrem Rechten haben in den vergangenen Wochen gleich zweimal ihren Rekord für ein westdeutsches Flächenland gebrochen. Sie reichen an eine bisher gläserne Decke von 20 Prozent im Westen, im Osten sind sie vielerorts stärkste Kraft und deutlich über der kritischen Schwelle der Sperrminorität. Die AfD bekommt immer mehr Mittel an die Hand, um die Demokratie weiter zu zersetzen. Das Konzept der Union dagegen lautet nach wie vor: CSU, rechte Politik, Kulturkampf, Kürzungen bei Projekten der Demokratieförderung.

Wenn man sich stärker mit Rechtsextremismus beschäftigt, fühlt man sich mit der CDU unter Merz, als würde man in den vergangenen Jahren einen Frontalzusammenstoß in Zeitlupe erleben. Sämtliche Studienergebnisse, sogar die der Union nahestehenden Konrad-Adenauer-Stiftung sagen: rechte Politik stärkt das Original. Aber was macht die CDU? Sie verhandelt mit den Taliban über Abschiebungen, greift die kritische Zivilgesellschaft an, weist Geflüchtete an den Grenzen rechtswidrig zurück, kooperiert im EU-Parlament mit der AfD und füttert einen Kulturkampfminister durch, der linke Buchläden mithilfe des Inlandsgeheimdienstes von der Preisträgerliste cancelt und Gendern verbietet.

Doch Deutschland braucht keinen antilinken Kulturkampf und keine restriktive Migrationswende – es braucht eine Wende der Christdemokraten in diesem Land. Denn die haben in den vergangenen vier Jahren mit einem regelrechten Konjunkturprogramm flächendeckend den Rechtsextremismus auf das höchste Niveau nach 1945 befördert. Merkt die CDU eigentlich noch was? [….] Die Union hat mit ihrem bodenlosen Rechtskurs gegen Geflüchtete, Arme und EU-Recht bereits viel zerstört – und läuft geradewegs in die Falle der AfD. Genau das plant die AfD. Ihr erklärtes Ziel ist es, mit Kulturkampf einen Keil zwischen Union und die anderen demokratischen Parteien zu treiben und langfristig die CDU zu marginalisieren. Solange die Union AfD-Politik mit ein paar Abstrichen macht, also rechtswidrige Migrationspolitik und neoliberalen Sozialabbau, befeuert sie exakt das Geschäftsmodell der AfD. [….] 

Wie oft soll das eigentlich noch gesagt werden? Irgendwann muss man also davon ausgehen, dass die Union das absichtlich tut und langfristig eben doch mit den extrem Rechten zusammenarbeiten will – so wie sie das in Brüssel schon mehrfach getan hat. [….] Tatsächlich tritt die Union derzeit auch noch der kritischen Zivilgesellschaft in der fragilen Lage vors Schienbein: Sie will das Förderprogramm „Demokratie leben“ zusammenstreichen. Die AfD kann ihr Glück kaum fassen und freut sich unterdessen schon auf die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt im September. Engagierten Menschen, die sich dort gegen den Rechtsextremismus positionieren, schiebt die Union einen Stock in die Speichen. [….]

(Gareth Josweg, 25.03.2026)

Man muss selbstverständlich Wahlentscheidungen akzeptieren. Daher noch mal ganz klar: Ich rüttele keineswegs an den Ergebnissen der Landtags- und Bundestagswahlen, stelle die Zusammensetzungen der Parlamente nicht in Frage. Meinungsfreiheit und Wahlfreiheit stehen nicht zur Debatte.

Aber die Klugheit der Wahlentscheidungen kann man selbstverständlich diskutieren.

Nach meiner Meinung ist es dem Allgemeinwohl aber enorm abträglich CDUCSUAFDP zu wählen. Es ist dumm.

Dienstag, 24. März 2026

Trumps Clusterfuck

Das ist natürlich schon recht unangenehm: Wenn der mächtigste Mann der Welt und Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee des Planeten, einem 48h-Ultimaten stellt und anderenfalls die komplette Energieversorgung eines 90-Millionen Volkes zerbomben will.

Andererseits handelt sich eben um Taco – Trump Always Chickens Out. Die ganze Welt weiß mittlerweile; auf das Wort dieses Vollidioten ist nur insofern Verlass, daß er es morgen wieder brechen wird.

[….] Wars, unlike illegal tariffs, cannot be switched on and off to meet a president’s whims or to permanently shore up free-falling markets.

So the key question following President Donald Trump’s suspension of threatened strikes against Iran’s power plants is not whether he’s had another TACO (“Trump always chickens out”) moment.  It’s whether Trump can get out of his war on Iran, even if he wants to.

After days of oscillating rhetoric, Trump signaled a first potential de-escalation in the conflict Monday, when he cited 15 points of agreement in what he said were productive talks with Iran. Tehran said there’d been no dialogue. [….]

(Stephen Collinson, 24.03.2026)

Unglücklicherweise stehen ihm seine Kabinettsmitglieder in Punkto Selbstüberschätzung und Borniertheit in nichts nach.

Und so stecken die christlichen Herren im Oval Office die Welt in Brand, während sie durch militärische Abenteuer irrlichtern.

[…..] Trump erlag in diesem Konflikt drei zentralen Irrtümern:

·        Er setzte darauf, dass mit Khamenei die gesamte Führung Irans fallen würde. Nach einem Bericht der »New York Times« sollen ihn die Israelis in dieser Annahme bestärkt haben. Demnach habe der israelische Auslandsgeheimdienst erfolglos einen Plan verfolgt, parallel zum Krieg einen Aufstand gegen das iranische Regime anzuzetteln. Inzwischen sind laut »New York Times« jedoch sowohl israelische als auch amerikanische Geheimdienste zu dem Schluss gekommen, dass die Führung in Teheran zwar militärisch geschwächt, jedoch politisch gefestigt ist.

·        Er hat unterschätzt, wie empfindlich Iran die Weltwirtschaft treffen kann, insbesondere durch die Blockade der Straße von Hormus. Nur wenige Tage vor Kriegsbeginn sagte Trumps Energieminister Chris Wright in einem Interview, er sei nicht besorgt, dass ein möglicher Krieg mit Iran die Ölversorgung beeinträchtigen könnte. Schließlich hätte sich auch der Zwölftagekrieg nicht negativ auf die Märkte ausgewirkt. Nun konstatiert die Internationale Energieagentur die »größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes«.

·        Er glaubte, weitgehend ohne Verbündete auskommen zu können. Trump plante für einen kurzen Einsatz. Jetzt sieht es so aus, als könnten über Wochen, wenn nicht über Monate, Kräfte gebraucht werden, die den Verkehr in der Straße von Hormus absichern. Eine Aufgabe, die die Amerikaner und Israelis wohl nicht allein schultern könnten.

  [….] Dass Trump inzwischen wohl selbst ahnt, dass er sich und sein Land in eine Sackgasse manövriert hat, erkennt man auch daran, dass seine Kommunikation immer erratischer wird. Erst am Wochenende drohte er damit, iranische Kraftwerke bombardieren zu lassen, sollte die Führung in Teheran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden öffnen. Am Montag verlängerte er das Ultimatum um fünf Tage. Zugleich behauptete er, die USA und Iran verhandelten über eine »vollständige Beilegung« des Konflikts, was das iranische Regime umgehend dementierte.

Wie im Ukrainekonflikt, wo Trump den Kriegsparteien ebenfalls wiederholt Ultimaten stellte, nur um sie tatenlos verstreichen zu lassen, sind auch seine Adressen an die Führung in Teheran in erster Linie Ausdruck der eigenen Ratlosigkeit. [….]

(Maximilian Popp, 23.03.2024)

Die Rat- und Ahnungslosigkeit merkt sehr schön daran, wie hartnäckig falsch die GOP-Idioten den Begriff „The Ayatollah“ verwenden; nämlich als Synonym für den obersten Führer/Präsident/Kanzler. Sie begreifen ganz offensichtlich nach all der  Beschäftigung mit dem Iranischen Herrschersystem immer noch nicht, was ein Ayatollah ist.

Schon in Trumps erster Amtszeit blamierten sich die Top-Republikaner mit ihrem Unwissen.

(….)  Der arme Irre vergleicht wie viele andere Republikaner nun Trumps Rechte mit „Iran’s Ayatollah“. Die Talkingpoints verbreiten sich rasend schnell.

Twitter may ban me for this but I willingly accept that fate: Your decision to permanently ban President Trump is a serious mistake.    The Ayatollah can tweet, but Trump can’t. Says a lot about the people who run Twitter.

(Lindsey Graham @LindseyGrahamSC, 9. Jan. 2021)

So the ayatollah, and numerous other dictatorial regimes can have Twitter accounts with no issue despite threatening genocide to entire countries and killing homosexuals etc... but The President of the United States should be permanently suspended.

Mao would be proud.

(Donald Trump Jr. @DonaldJTrumpJr, 9. Jan. 2021)

Get this! If you want to follow Iran’s Ayatollah, he’s now got MULTIPLE Twitter feeds. In multiple languages. Italian has just been launched, so the message of hate can be fully understood! […..]

(Donald Trump Jr. @DonaldJTrumpJr, 9. Jan. 2021)

Das kleine Dummerle regt sich ganz fürchterlich auf.

Und bringt da allerhand Historisches durcheinander.      Aber es war ja noch nie das Hellste der Trump-Blagen. Und deren IQ liegt im Durchschnitt ohnehin nur kurz über Zimmertemperatur.

Bekanntlich hassen die Trumps den Iran, aber das liegt ausschließlich daran, daß sie Rassisten sind und das Iran-Abkommen bekämpfen, welche von dem schwarzen Präsidenten Obama mitbeschlossen wurde.

Sie wissen allerdings ganz offensichtlich gar nichts über den Iran.

Wen meinen sie eigentlich mit „The Ayatollah“? Es gibt über 5000 Ayatollahs.

Den Imam Ali Chamenei, den Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte und das Quasi-Staatsoberhaupt des Iran?

Oder vielleicht den Hodschatoleslam Hassan Rouhani, den 7. Präsidenten der Islamischen Republik Iran?

Mal abgesehen davon, daß Chamenei und Rouhani, anders als Trump die amerikanischen Wahlergebnisse anerkennen, keine 30.000 Lügen verbreiteten und auch nicht zum Sturm auf das US-Kapitol anstifteten, sollten Graham und der kleine Trump sich erst mal mit der komplizierten Iranischen Verfassung beschäftigen und darüber hinaus einen Blick auf die geistlichen Ränge des schiitischen Glaubens, der „Zwölferschia“ werfen.

Ganz an der Spitze steht der Mardschaʿ-e Taghlid, quasi der schiitische Papst.  (Der letzte Mardschaʿ-e Taghlid Hossein Ali Borudscherdi starb 1961).

Knapp darunter steht die Großajatollahs oder Ajatollah al-Ozma. Sie entsprechen am ehesten katholischen Kardinälen; es gibt insgesamt 23 Stück, von denen die meisten sehr betagt sind.

 Iran  […..]

    Dschavad Gharavi Aliari (1935–)

    Kazem al-Haeri (1938–)

    Sadiq Hosseini Schirasi (1942–)

Irak

    Morteza Hosseini Fayaz (1928–)

    Ali as-Sistani (1930–)

Pakistan

    Muhammad Hussain Nadschafi (1932–)

Afghanistan

    Mohaqiq Kabuli (1928–)

    Muhammad Asif Muhsini (1935–)

Unter den Großayatollahs stehen die Ajatollahs, vergleichbar mit Bischöfen, die diesen Titel aber auch erst nach jahrzehntelangen theologischen Studien an einer schiitischen Universität erhalten.

Über 5000 Männer tragen diesen Titel im Iran, allein knapp 100 in offiziellen Staatsämtern.  Die klerikale Rangfolge fächert sich nach unten immer breiter aus.

[…..] Hodschatoleslam […..] ist ein islamischer Gelehrtentitel, der heute vor allem im Bereich der Zwölfer-Schia Verwendung findet.  […..] In der Titel-Rangordnung der modernen Zwölfer-Schia ist Hodschatoleslam oberhalb der Titel Fādil und ʿAllāma und unterhalb von Ajatollah angesiedelt. […..][…..]. […..]

(Wiki)

Aber das nur am Rande erwähnt.  Mit Sicherheit wissen Trump und Graham nichts darüber.

(Ausgetwittert, 10.01.2021)

Daß Menschen wie Trump oder Reiche wegen ihrer eigenen Blödheit die US-amerikanische, bzw deutsche Ökonomie zerstören, ist schon ärgerlich genug. Aber daß sie sehenden Auges in die Katastrophe schlittern, obwohl sie von allen Experten gewarnt wurden und Zusammenhänge nicht wahrnehmen können, die bereits jeder Schüler kennt, macht es unerträglich.

Aber es geht noch schlimmer:  Hier kommt der Urnenpöbel ins Spiel, der hartnäckig solche zukunftsfeindlichen Saurons in ihre Ämter wählt.

Der Souverän entscheidet sich freiwillig für eine Kakistokratie, wählt also die Dümmsten zu ihren obersten Anführern.

[…] Donald Trump ist ein Meister darin, mit Absicht oder durch Ignoranz und Dummheit schwere Krisen zu erzeugen, die er dann irgendwie gelöst bekommt, um schließlich einen Sieg zu verkünden, den „niemand für möglich gehalten“ habe.

Im Fall des Irankrieges ist es so weit noch nicht. Zunächst hat Trump mit der Androhung, die zivile Energie-Infrastruktur Irans zu zerbomben, eine Eskalationsstufe angedeutet, die nicht nur eine weitere eklatante Verletzung des Völkerrechts wäre, sondern die Weltwirtschaft noch tiefer ins Chaos stürzen würde. […] Als Trump am Montag auf dem Flugfeld von Palm Beach in Florida vor die TV-Kameras trat, war es, als sähe man sein Hirn auf der Suche nach irgendeinem Rettungsanker live dahinschmelzen. Niemand habe vorhersehen können, dass Iran einfach seine Nachbarländer beschießen werde, behauptete Trump – dabei war das so ziemlich das Erste, was absolut alle Analysten vorhergesagt hatten, genau wie die Blockade der Straße von Hormus. Die Meerenge wäre bald geöffnet und könne dann gemeinschaftlich kontrolliert werden, sagte Trump, und zwar vielleicht von ihm selbst und „dem Ajatollah“, wer auch immer das sein werde, man habe ja ganz viele umgebracht. Aber mit irgendwem werde sich ein Deal machen lassen, der dann für alle gut sei. […] Ein paar Stunden später dann befand sich Trump bereits im Schuldabwehrmodus für das gesamte Schlamassel des Irankrieges: Bei einem weiteren Presseauftritt, bei dem unter anderem Verteidigungsminister Pete Hegseth am Tisch saß, stichelte Trump, der sei es doch gewesen, der zuerst gesagt habe, dass „wir es tun“ sollten. Ein Kindergarten entscheidet über den dritten Weltkrieg. […] Trump will ja immer in die Geschichte eingehen, und er ist auf dem besten Wege dazu. Als dümmster Kriegsherr der modernen USA. [….]

(Bernd Pickert, 24.03.2026)

Was für ein Geschenk für die islamische Killer-Republik Iran! Das mächtigste Land des Planeten zum Kriegsgegner zu haben, sollte eigentlich ein Todesstoß sein. Aber der weltgrößte Polit-Idiot Trump offenbart Teheran höchstpersönlich, wie man ihm am meisten wehtun kann: Hormus sperren. Dazu hebt er die Ölimportsanktionen auf, so daß der Iran seinen Kriegskassen füllen kann und signalisiert Chamenei Jr. ‚mach dir keine Sorgen, falls ich mal wüste Drohungen ausstoße: Ich plappere nur sinnloses Zeug vor mich hin und setze das nie um!‘

Gegen Trump und Hegseth wirken die Schildbürger wie hochkompetente strategische Genies.

[…] Was erschwert für den Iran die Rückkehr an den Verhandlungstisch?

Zum einen tiefes Misstrauen. Das Duo Steve Witkoff/Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, ist aus iranischer Sicht verbrannt. Beide Hobby-Diplomaten, ohne jede tiefe Expertise in der zentralen Atomfrage, waren mit ausschlaggebend dafür, dass Trump am 27. Februar grünes Licht für die Militär-Mission „Epischer Zorn“ gab. [….] Warum scheut Trump die Befreiung der Straße von Hormus mit militärischen Mitteln?

Weil sämtliche Experten sagen, dass dies ohne den Einsatz von US-Soldaten am Boden nicht funktionieren kann. Bevor Kriegsschiffe die Öl- und Frachtschiffe via Konvoi durch die Meerenge begleiten können, müssten zunächst die Küsten „gesäubert und gesichert“ werden. Wenn die aus Japan und anderen Regionen abkommandierten Spezialeinheiten der Marines (rund 7000 Soldaten) demnächst in iranischen Gewässern anlanden und – als Faustpfand – die für Teheran wichtige Öl-Export-Insel Kharg einnehmen würden, seien hohe Verluste auf US-Seite wahrscheinlich. Von Teheran angedrohte Vergeltungsmaßnahmen auf Energieeinrichtungen und Meerwasserentsalzungsanlagen der Anrainerstaaten würden den Energieschock weltweit erheblich verschlimmern und echtes Chaos über den Nahen Osten hinaus auslösen. Davon würde sich Trump politisch acht Monate vor den Zwischenwahlen im Kongress „nicht wieder erholen“, sagen parteiunabhängige Analysten in Washington. […..]

(Dirk Hautkapp, 25.03.2026)

Trumps Hybris und Borniertheit haben den vollständigen Nahost-Clusterfuck angerichtet, aus dem es nun keinen Ausweg mehr gibt.

[….] Der Krieg als Instant-Phänomen: Heute kalt anrühren, morgen genüsslich den Sieg verkünden. So führt Donald Trump seinen Iran-Krieg. Und wundert sich, wenn es in der vierten Woche nicht mehr so läuft, wie es in den ersten Tagen aussah. Deshalb mäandert der US-Präsident jetzt hilflos vor und zurück, macht sich international zum Gespött.

Erst sagt er, die feindliche Marine sei versenkt, die Luftwaffe zerstört, die Raketen vernichtet und der Krieg fast zu Ende. Dann wieder droht er mit der Zerstörung der Energie-Infrastruktur des Landes, weil der Gegner nicht einknickt. Er verkündet ein Ultimatum und verschiebt dann dessen Ende. Souveräne Kriegsführung sieht anders aus; wer sich an ihr versucht, sollte vorher wissen, was er erreichen will.

Dass die Teheraner Führer die Waffen nicht strecken würden, war zu erwarten – die Islamische Republik kämpft ums Überleben. Daher blockieren die Revolutionswächter die Straße von Hormus, lassen den Ölpreis nach oben schnellen, die Börsenkurse in den Keller sacken. Offensichtlich reichen zwei US-Flugzeugträger und das weitere Aufgebot nicht aus, eine Meerenge von 50 Kilometern Breite offen zu halten. Das hätte Trump wissen können; seine Generale und Admirale haben gewarnt.  […]

(Thomas Avenarius, 24.03.2026)

Montag, 16. März 2026

Pauschalverurteilungen.

Vor vier Wochen verursachte ein Bayern-Kritisches Meme von Marius Sixtus, das ich auf Facebook repostet hatte, einen Shitstorm auf meiner Seite. Über 1.000 Hass-Kommentare konservativer Bayern erschienen darunter. Sie wünschten mir alles erdenkliche Schlechte und zeigten eine erstaunliche destruktive Kreativität.

 Ich amüsierte mich natürlich prächtig, weil die weitgehend grenzdebilen Attacken unfreiwillig die Bayern-Pauschalkritik bestätigten und mir andererseits sehr viel online-Aufmerksamkeit verschafften, die mir die wütenden Südländer so gar nicht gönnen wollten. Wäre mein meta-Content monetarisiert, hätte sich das Posting richtig gelohnt. Üblicherweise erreiche ich die rechten Bubbles gar nicht; aber in diesem Fall muss mein Posting irgendwie in eine reichweitenstarken Braunblase geraten sein und dort tausende Menschen getriggert haben. Die meisten schimpften. Die zweitmeisten wiesen auf die enorme Wirtschaftskraft Bayerns hin und lästerten; ich im rotgrünen Norden hinge an ihrem Tropf und solle dankbar sein. Es war naiv von mir, inhaltlich darauf einzugehen. Zu belegen, daß lediglich zwei bis drei Prozent der Haushalte aus dem Länderfinanzausgleich stammten, daß Bayern zwar reich, aber das rotgrünversiffte Hamburg noch deutlich reicher ist und ein viel höheres Prokopfeinkommen aufweist.

Eine dritte Kommentargruppe bewegte sich soweit außerhalb der Nettikette, ragte ins Strafbare hinein, so daß ich rund 100 von ihnen löschen musste.

Dennoch endete es für mich mit einer temporären Kontoeinschränkung und Identitätsüberprüfung. Offenkundig war ich massenhaft gemeldet worden.

Immer wieder erstaunt mich in solchen Fällen, wie sehr sich Bayern und insbesondere Ostdeutsche persönlich auf den Schlips getreten fühlen, wenn man ein pauschales Vorurteil aufgreift.

(….)  Die Ossis mochte ich; so kommt es mir a posteriori vor, noch nie.

Natürlich wollte ich ihnen 1989 unbedingt positiv begegnen und hatte vollstes Verständnis für Ossi-Eigenarten. Denn die völlig entgegengesetzte Sozialisation von 1945 bis 1989 war offenkundig. Meine relativ schnell entstandenen Vorurteile, schob ich auf einige rein zufällig negative persönliche Begegnungen und versuchte, diese nicht zu verallgemeinern.

Lange Zeit schleppte ich nur ein latentes Unbehagen mit mir herum, das ich ab Pegida 2014 auch verbalisierte. Aber da traute ich mich noch nicht, es einfach mal klar auszusprechen: „Ich mag die Ossis nicht!“
Aber wieso sollte man das eigentlich nicht sagen? Ein „Vorurteil“ ist ja eben kein fundiertes Urteil.
Pauschalurteile kann man schließlich nie ganz ernst nehmen; das liegt in der Natur einer „Pauschalisierung“. Ich mag auch die Bayern nicht. Die Amis auch nicht. Und die Inder finde ich besonders doof. So eine reduzierte Aussage über Millionen, Hunderte Millionen, oder im Fall der Inder, über 1,4 Milliarden Individuen zu fällen, impliziert automatisch, daß nicht jeder einzelne gemeint sein kann.

Selbstverständlich gibt es ganz tolle Amis und Bayern.

Entsprechendes gilt für positive Diskriminierung. Ich mag Hamburger, Holländer und Iraner sehr gern. Dennoch gibt es unter den drei Volksgruppen natürlich miese Typen. (….)

(Die Apotheose des Ossi-Unsympathen, 09.08.2024)

Daß DIE Ossis und DIE Bayern irgendetwas überkompensieren, erscheint mir ob der enormen Bereitschaft, sofort beleidigt zu sein und der atemberaubenden Bayern-Prahlerei Söders nur zu offensichtlich. Schwer vorstellbar, daß im Understatement-verliebten Hamburg jemand zum Bürgermeister gewählt würde, der auch nur ansatzweise so obsessiv von Hamburg prahlt, wie Söder von Bayern.

Pauschalurteile sind immer falsch, ungerecht und perfide.

Es gehört zwar zum allgemeinen Sprachgebrauch zu pauschalisieren, indem man „die Schwaben“ als geizig oder „die Bayern“ als doof oder „die Amerikaner“ als ungebildete waffenfanatische Trumpisten bezeichnet. In geschriebener und offiziellerer Form sollte das nicht vorkommen, denn selbstverständlich sind weder alle Schwaben, noch alle Bayern oder alle Amis gleich. Bei Millionen Individuen ist ein breites Charakterspektrum so selbstverständlich, daß man von meiner US-amerikanischen Staatsbürgerschaft natürlich nicht darauf schließen kann, Trump-Fan zu sein.

Eine solche Unterstellung wäre bösartig und dumm. Nein, nur weil ich Amerikaner bin, verpflichtet es mich nicht extra dazu, mich von Trump zu distanzieren. Es ist sachlich angemessen, DIE Amerikaner dafür zu verachten, daß sie 2024 noch einmal Trump wählten, DIE Deutschen dafür zu verachten, daß sie Fritze Merz, nachdem er der AfD am Holocaustgedenktag 2025 die Hand reichte, zum Kanzler wählten, DIE Hamburger dafür zu verachten, daß sie mit 19,1% Roland Schill zum Zweiten Bürgermeister wählten. Deswegen fühle ich mich, als Amerikaner, als Deutscher und als Hamburger doch noch lange nicht persönlich beleidigt.  Ich habe in keinem Fall so gewählt, aber kann doch die entsprechenden Mehrheit, die es in der Bevölkerung gab, nicht abstreiten.

(….) Das Spannende an negativen Stereotypen ist natürlich der wahre Kern in ihnen.  Sie sind üblicherweise nicht total aus der Luft gegriffen und es lässt sich trefflich streiten wie viel tatsächlich zutrifft.

Psychologie spielt insofern eine Rolle, weil man Erlebnisse, welche die eigenen Vorurteile bestätigen viel bewußter und deutlicher in Erinnerung behält. (….)

(Die Ossis, 26.08.2019)

Sich mit dem Wahrheitsgehalt, den Wurzeln und der Veränderlichkeit von Vorurteilen zu beschäftigen, ist durchaus interessant. Als ich vor sieben Jahren (sic!) das Folgende schrieb, ahnte ich natürlich nicht, es mit einem völlig in der Vergangenheit verhafteten Bundeskanzler zu tun zu bekommen, der Stereotype geradezu lebt.

(….)  Die wirklich negativen Vorurteile aus der zweiten Hälfte des 19. und ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Militarismus, Humorlosigkeit – wurden von den Deutschen weitgehend verdrängt.

Die noch sehr viel übleren Stereotype, die ab 1933 und erst recht ab 1939 um die Welt gingen, verblassen ebenso.

Kurioserweise wurden dafür Vorurteile aus dem Ende des 18. Jahrhunderts wieder populär. Deutschland, das Volk der Dichter und Denker.

Die deutsche Rechte sucht sich die Stereotype der eigenen Vergangenheit sehr selektiv. Jeder fühlt sich verantwortlich für Beethoven, Schiller und Goethe, niemand für Hugenberg, Breker oder Harlan.

Weniger Fanatische denken weniger in bellizistischen Schablonen, sind sich aber sicher im Rest der Welt für Pünktlichkeit, Fleiß, Ordnungsliebe und Pazifismus bewundert und vielleicht auch ein bißchen auf den Arm genommen zu werden.

Als Griechenland in die Finanzkrise schlitterte war es die Bundeskanzlerin höchst selbst, die verkündete, es ginge nicht an am meisten Hilfe zu bekommen, aber am wenigstens zu arbeiten.

Angeblich soll sich sich anschließend bei ihren Beratern beklagt haben so schlecht gebrieft worden zu sein, als überall die europäischen Statistiken zitiert wurden, nach denen Griechen sehr viel mehr Stunden pro Jahr arbeiten als Deutsche.

Das ist typisch für Vorurteile; auch wenn sie auch einem wahren Kern beruhen, überdauernd sie Jahrzehnte. Deutschen halten sich selbst ganz selbstverständlich noch für die fleißigste Nation aller Europäer, obwohl sie längst mehr Urlaub als alle anderen haben, früher in Rente gehen und am wenigsten Wochenarbeitszeit haben.

Dabei ändern sich die Zeiten.

[…..]  “You know the world is going crazy when the best rapper is a white guy, the best golfer is a black guy, the tallest guy in the NBA is Chinese, the Swiss hold the America's Cup, France is accusing the U.S. of arrogance, Germany doesn't want to go to war, and the three most powerful men in America are named "Bush", "Dick", and "Colin." Need I say more?” [….]

(Chris Rock)

So ganz langsam dämmert es den Deutschen, die sich zwei Dekaden als Mülltrennungs-Vorreiter für die umweltbewußteste Nation hielten und den Klimaschutz nur wegen der Bremser in China und den USA nicht weltweit durchsetzen konnten, daß inzwischen wir die Bremser sind, die alle Klimaziele reißen, Selbstverpflichtungen ignorieren, während in China längst Windkraft und Photovoltaik im gigantischen Maßstab aufgezogen werden. Alle nordeuropäischen Nationen bauen Offshore-Windkraftanlagen; nur Deutschland hat das Knowhow verloren, besitzt kein einziges Errichterschiff mehr, das ein Windrad in der Nordsee aufstellen könnte.

Die Deutschen halten sich immer noch für das Land der Ingenieurskunst, bilden sich etwas auf „made in Germany“ ein. Dabei ist das Deutschland im 14. Regierungsjahr Merkel nicht in der Lage ein Smartphone, Tablet oder Notebook zusammen zu schrauben, kann keine emissionsarmen Autos bauen und hat das langsamste Internet Europas. Nigeria und Rumänien haben bessere Mobilfunknetze.

Noch amüsieren wir uns über unser eigenes Totalversagen bei Großprojekten wie Toll Collect, Magnetschwebebahn, Schneller Brüter, BER, Stuttgart 21 oder Elphi.

Aber so langsam entwickeln sich in der Sicht auf Deutschland neue Vorurteile. Die Deutschen als Volk der Technik-Trottel, Elektronik-Esel und Mechanik-Muffel.

Vorurteile, die ähnlich wenig begeistern wie die von den Russen, die alle saufen, den Polen, die alle klauen oder den Italienern mit den Minipimmeln.

Alle Vorurteile sind ungerechte Verallgemeinerungen, aber man leidet doch lieber unter positiven Vorurteilen, wie den Japanern, die alle so höflich sind, den Franzosen, den weltbesten Liebhabern oder Kanadiern, die alle freundlich sind. (…)

(Die Deutschen, 04.09.2019)

Viele Amerikaner sind durchaus zu einem selbstironischen Humor fähig. MAGAs natürlich nicht. Interessanterweise sind alle Mitglieder der Trump-Familie völlig humorlos. Aber es ist durchaus wohltuend, wie Sarkastisch und selbstkritisch so viele Oppositionelle in den USA auf ihr eigenes Land, ihr politisches System, die Bildungseinrichtungen losgehen. Ich empfinde es auch als wohltuend, wie sehr sich die Hamburger Mentalität von der sprungbereiten Empörungs-Kultur der Bayern und Ossis unterscheidet.

Nun gibt es da aber diese Tiktoker, dessen Namen ich seit vorgestern kenne: Levi Penell (levihallo). (An dieser Stelle denke man sich bitte alle B00mer-Voruteile* über GenZ-Tiktoker selbstständig hinzu.)

* Interessant finde ich, wie negativ „Boomer“ konnotiert wird. Gern in der Schreibweise „B00mer“, mit der Doppel-Null, um an ein Klo zu erinnern. Mich amüsiert der triumphale Tonfall, mit dem ich als Boomer abgekanzelt werde.

Erstens ist das eine völlig willkürliche Kategorisierung, zweitens bin ich gar kein Boomer und drittens fühle ich mich ohnehin grundsätzlich nicht durch Pauschalurteile beleidigt. Das impliziert schließlich schon das Wort „pauschal“, daß man eben nicht den konkreten Einzelnen meint.

Deswegen schimpfe ich auch über „die Amerikaner“, oder „die Ossis“, oder „die Bayern“ oder „die Christen“, weil man damit ganz pauschale Eigenschaften bei einer Gruppe verorten kann, ohne jedes Individuum persönlich zu meinen.

Natürlich können einzelne Ossis oder Bayern ganz wunderbare Menschen sein.

Also nur zu, ich lade herzlich dazu ein, über Hamburger, Amerikaner, Boomer oder GenXer herzuziehen – daran ist sicher vieles richtig, aber ich fühle mich garantiert nicht persönlich beleidigt!

Jener Penell hatte im Januar etwas über Hamburg gepostet.

Die Mopo griff das in offenkundiger Clickbait-Absicht knappe zwei Monate später noch einmal auf und verhalf dem angeblich geschmähten Berliner zu erheblich mehr Aufmerksamkeit, weil er damit in die Sphäre alter weißer Hamburg-Männer gehoben wurde, die nicht wissen, was auf TikTok passiert.

Als jemand, der seine Stadt Hamburg sehr mag, sich als Lokalpatriot versteht und seine rotgrüne Stadt stets vor konservativen Angriffen in Schutz nimmt, habe ich Penell folgendes zu sagen: Er soll sagen, was er möchte. Ich verstehe natürlich die dahinter stehende Aufmerksamkeits-Ökonomie. Die Hamburger in Rage zu versetzen, verhilft ihm und der Mopo zu Klicks. Die Aussage an sich, halte ich streng genommen für relativ unproblematisch. Hamburg gilt allgemein als schön, weil es im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten sehr viel Grün und sehr viel Wasser bietet. Das sind aber letztlich persönliche Vorlieben, die man nicht mögen muss. Wenn ich als Hamburger „die schönste Stadt der Welt“ sage, greife ich damit ironisch einen alten Werbeslogan auf. Selbstverständlich kann man die Schönheit von Städten nicht objektiv vergleichen. Ich war auch schon in andere Städten, die ich sofort als „schönste Stadt“ bezeichnen würde. Penells Ausführung „Wenn man sich nicht nur die Speicherstadt, sondern die Wohngebiete anschaut, ist Hamburg nicht schöner als Berlin“ triggert natürlich die bekannte Hamburg-Berlin-Rivalität und es juckt mich sehr, für Hamburg Partei zu ergreifen. Aber natürlich ist Hamburg nicht überall schön. Natürlich gibt es trostlose, üble Siedlungen, aber auch viele Neubauten, für die man sich eher schämt, als mit ihnen prahlt. Auch wenn ich das einem Berliner gegenüber nie zugeben könnte. Aber etwas macht mich doch wütend:

[….] TikToker aus Berlin lästert über Hamburg

Ein gewagtes Statement, das bei den hanseatischen Lokalpatrioten gar nicht gut ankommt: „Der hat ab heute Hamburg-Verbot“, schreibt ein Nutzer. „Teeren und federn und aus der Stadt jagen“, kommentiert ein anderer. „Er ist wahrscheinlich nur traurig, weil er hier keine Wohnung bekommen hat“, wird gemutmaßt.

Neben diversen Medien verteidigen auch Hamburger Prominente ihre Stadt. „Fake News!“, schreibt der SPD-Abgeordnete Danial Ilkhanipour. Der Tierschutz-Influencer Malte Zierden kommentiert ironisch: „Mutig, Hamburg hässlich zu nennen. Wenn du das nächste Mal hier bist, bekommst du ’ne Ohrfeige … von GZUZ. Genau wie der Schwan.“  [….]

(HH Mopo, 13.03.2026)

Von Ilkhanipour bin ich Unsinn gewöhnt, aber dennoch, liebe Penell-Kritiker: Solche Ausfälle will ich aus Hamburg nicht hören. Das ist genau der Mist, den ich eigentlich aus Bayern und Ossistan erwarte. Was für ein aggressives, erbärmliches Niveau des Widerspruchs! Man kann Penell ignorieren, man kann sachlich damit umgehen, man kann  - das wäre meine Empfehlung – humorvoll, satirisch, ironisch damit umgehen.

Aber „Hamburg-Verbot“ oder „teeren und federn“ sind indiskutabel schlecht. Unhamburgisch!

Freitag, 13. März 2026

Schatten aus der Vergangenheit

Atheist war ich von Geburt an, weil jeder Mensch als Atheist geboren wird.

Die lokale religiöse Ideeologie wird Kindern erst durch ihre Eltern aufgezwungen.

Kinder, die zufällig im Oman oder Saudi-Arabien geboren werden, macht man zu Muslimen. Malteser oder Philippinos zu Katholiken und wer das Licht der Welt in einer israelischen Siedlung im Westjordanland erblickt, wird als orthodoxer Jude gelistet. Es handelt sich um religiöse Zwangsrekrutierungen. Diesen Mitgliedschaften entkommt man nicht so leicht. Eine Taufe ist genauso wenig rückgängig zu machen, wie eine Genitalverstümmelung.

Ich hatte das Glück, nach meiner Geburt Atheist zu bleiben, weil meine Eltern schon Atheisten waren, die mich nicht taufen ließen.

Im Laufe meines Lebens, kam es zu einigen Eskalationsstufen, die mich in radikale Opposition zu Christentum und Kirche brachten.

Skeptisch wurde ich schon als kleineres Kind, weil ich meine Oma sehr liebte, die aber eine verkrümmte linke Hand hatte, weil sie als Linkshänderin als kleines Mädchen von den Pfaffen immer wieder Stockhiebe auf die Finger erhielt. Man wollte ihr die teuflische Linkshändigkeit austreiben. Der Teufel ist links.

Etwa 14 Jahre nach der Geburt zündete die nächste Stufe, als ich den Konfirmandenunterricht besuchte, der mir von Mitschülern als perfekte Geldquelle angepriesen wurde. Ein paar Wochen Langweile nachmittags beim Pfaff und dann dicke Geld-Umschläge bei der Konfirmation. Ein auch Ungetauften zugänglicher Weg; da man bei der Konfirmation auch unmittelbar vorher noch getauft werden können – alles in einem Abwasch.

(….) Ich wollte wissen was es mit der Bibel und dem Glauben auf sich hatte, konnte mir aber kein Gehör verschaffen, weil allen anderen Konfirmanden schon ab der ersten Stunde ausschließliche diskutierten wie sie ihre zukünftigen Reichtümer, die es zur Konfirmation hageln würde, zu verprassen gedächten.

Der Lehrer war desinteressiert, die Schüler waren desinteressiert.

Der einzige, der sich tatsächlich für die Kirche und ihre Bedeutung interessierte war ich. Und ich fragte.  Das gefiel dem Gemeindehelfer gar nicht. Ich solle an Gott glauben und ihn nicht hinterfragen.

Einige Wochen später erhielt meine Mutter einen Anruf von Pfarrer M. Ihr Sohn sei für den Konfirmandenunterricht ungeeignet, weil er alles hinterfrage.

So schnell kam also das „Aus“ für meine Kirchenkarriere.

Immerhin hatte der Pastor damals eine richtige Eingebung.

Ich tauge wirklich nicht dazu blind Dogmen zu folgen. (…)

(Es soll halt nicht sein, 13.07.2016)

Wenige Jahre später; so etwa im Oberstufen-Alter traten ein halbes Dutzend hochgradig abstoßende katholische Top-Kleriker in mein Leben, die mir den politischen Aspekt der Religion nahebrachten. Ich lernte die ungeheuren Privilegien der Kirchisten kennen, ihre Finanzströme, den exklusiven Zugang zu Regierungen, die massive Einmischung auf Bildungs- und Gesundheitssysteme, ihre homophobe, misogyne Propagandamacht. Ich begann, mein Umfeld darüber aufzuklären, wieso der Staat als Inkassounternehmen die Kirchenmitgliedsbeiträge eintreibt und wir Steuerzahler Bischofsgehälter und Theologenausbildung finanzieren. Meine Kronzeugen und Posterboys waren der Kurt Krenn (1936-2014), Hans Hermann Groër (1919-2003), Johannes Dyba (1929-2000), Johannes Joachim Degenhardt (1936-2002), Joseph Höffner (1906-1987) und Walter Mixa (*1941).

Mixa

(….) Viel Aufklärung erfuhr ich in der Prä-Wendezeit, als Lea Rosh ihre legendären monothematischen „Freitagsnacht“-Talkshows zum Thema Kirche machte.

Da lernte man drei Menschen wirklich kräftig zu hassen: Den stets bis zum Bersten vollgefressenen, immer breitbeinig im Sessel rumlümmelnden Weibischof Krenn, die ZdK-Aktivistin Rita Waschbüsch (CDU) und eben jene evangelische Fundamentalistin Elisabeth Motschmann, geborene Elisabeth Charlotte Baronesse von Düsterlohe.

Die Theologin ist Mitglied des Kuratoriums der Lebensrechtsbewegung „Stiftung Ja zum Leben“ und agitiert leidenschaftlich gegen sexuelle Selbstbestimmung, Feminismus und selbstverständlich auch die Homoehe.

Wer sich schon in einem ähnlich greisen Alter wie ich befindet, wird sich vermutlich an die ersten monothematischen Talkshows erinnern, die es in den deutschen dritten Fernsehprogrammen gab.
Meiner Ansicht nach sind die besten religionskritischen Sendungen überhaupt Lea Roshs „Freitagnacht“-Ausgaben (ab 1988 auf SFB) gewesen.
Interessanterweise übernahmen den Part der Kirchen-Basher die Religiösen selbst, die in ihrem bräsigen Allmachtswahn gar nicht merkten, wie sie sich lächerlich machten.  Damals lernte ich Medienikonen wie Kurt Krenn kennen.


Für immer in Erinnerung wird mir bleiben, daß sich Jutta Dithfurth einst zurücklehnte und sinngemäß sagte:

 „Lieber Bischof, so wie sie reden fügen sie der Kirche schweren Schaden zu und vertreiben die Mitglieder. Ich möchte dazu gar nichts weiter sagen, da mir das sehr recht ist!"

 
Eine besonders oft auftauchende Gästin war eine damals phänotypisch 79-Jährige verhärmte Hardcore-Protestantin namens Elisabeth Motschmann mit Topffrisur und Sprachfehler.(….)
(Zurück in die Vergangenheit, 10.05.2015)

Die nächste Eskalationsstufen erfolgte 2002, als das, was sehr gut informierte Kirchenkritiker immer wußten (Kardinal Groërs sexuelle Attacken auf kleine Jungs waren seit 1995 publik) schließlich aus den USA auf die Titelzeilen drang.

[….] 2002 machte der „Boston Globe“ öffentlich, dass im Erzbistum Boston Tausende Kinder und Jugendliche missbraucht worden waren, allein gegen einen Priester lagen 200 Beschuldigungen vor. Die Bistumsleitung hatte die Geistlichen versetzt und versucht, Gerichtsakten unter Verschluss zu halten. Der Erzbischof von Boston trat 2002 zurück. 2009 veröffentlichte Irlands Regierung einen Bericht über sexualisierte Gewalt in katholischen Einrichtungen.  [….]

(DLF, 16.01.2020)

Die evangelischen und katholischen Bischöfe in Deutschland schwiegen und vertuschten weiterhin. Bis sie 2010 von den Canisius-Enthüllungen aufgeschreckt wurden und seither jedes deutsche Bistum als K1nders€x-El Dorado entlarvt wurde.

Anders als deutsche Bischöfe, hatte ich das Thema schon lange vor 2010 stets auf dem Schirm. Nicht durch Undercover-Recherche, sondern aus allgemein zugänglichen Quellen. Man konnte längst alles wissen, aber die Kleriker taten alles, um die K!d€rf!ck€r in ihren Reihen zu schützen, die Opfer weiter zu malträtieren.

(…..) In einem Interview hatte Bischof Bernardo Álvarez Afonso Homosexualität und Päderastie gleichgestellt und behauptet, dass Minderjährige nicht immer schuldlos an sexuellem Missbrauch seien:

"ES GIBT13-JÄHRIGE KNABEN, DIE DAS SOGAR WÜNSCHEN
WENN DU NICHT AUFPASST, PROVOZIEREN SIE DICH."

Das sind die Töne, die immer aggressiver werden und bei einer Massendemo von über 100.000 Katholiken gegen die sozialistische Regierung letzten Sonntag in Madrid zu hören waren. Schließlich sind Spaniens Katholiken fest in der Hand von ultrafundamentalistischen Theo-Cons um den einflussreichen Erzbischof von Madrid, Antonio María Rouco Varela.

Wir kennen das ja auch von deutschen Kardinälen:
Wenn Katholiken pädophil sind und kleine Kinder mißbrauchen sind nicht etwa sie selbst schuld sondern nach katholischer Lesart entweder die Opfer selbst, oder deren Mütter - wie es Kardinal Degenhardt erkannte:

„WENN JUNGE MÄNNER STÄRKER MIT DER PFLEGE VON KLEINKINDERN BETRAUT SIND UND DABEI NACKTE ENTBLÖSSTE KÖRPER STÄNDIG SEHEN; SIE BERÜHREN UND SAUBER MACHEN MÜSSEN, IST DIE GEFAHR GROSS, DASS SIE BEGIERDEN NICHT WIDERSTEHEN KÖNNEN. DER VIELE KÖRPERKONTAKT MIT DEM JUNGEN KINDE BEI DER PFLEGE WÜRDE IHNEN SICHER OFT ZUM VERHÄNGNIS WERDEN.
UND DESWEGEN STELLEN WIR FEST; DASS AUCH DIESE KONSEQUENZ; DASS VÄTER HAUSMÄNNER WERDEN, AUCH NEGATIVE ASPEKTE HAT!“  (…)

(Tammox, 07.01.2008)

(….)  Der berüchtigte Kardinal Groer konnte sich bekanntlich in seine Senilität flüchten, als er hoch in den 80ern sogar krebskranken Jungs im Krankenhaus in die Unterhosen griff.   Fällt die Option „Alzheimer“ als Entschuldigung aus, sind katholische Pädophile keineswegs genötigt Reue zu zeigen oder gar ehrlich zu sein.
Nein, dann kann immer noch bagatellisiert und verharmlost werden, wie es Bischof Krenn tat, als in seinem Priesterseminar 40.000 Pornodateien gefunden wurden und Bilder auftauchten auf denen zu sehen war, wie die angehenden Priester in prä-petting’schen Stellungen mit ihren Lehrern posierten.
Krenn bewertete dies als „Bubenstreiche“.
Bernardo Álvarez Afonso und Kardinal Degenhardt
wiesen die Schuld gleich den Opfern oder deren Müttern zu.
Verfolgt man den Blog „abusetracker“ sieht man, daß auch heute keinerlei Dreistheit gescheut wird, wenn Priester ihre Taten erklären.
Soeben erklärte der bereits fünfmal wegen pädophiler Übergriffe auf kleine Jungs angeklagte Priester Desmond Laurence Gannon in Melbourne, er habe einem 11-Jährigen nur ein paar „Anatomie-Stunden“ geben wollen, als er ihn wieder und wieder belästigte: (…)

(Tatmuster, 13.06.2009)

Wenn Katholiken pädophil sind und kleine Kinder mißbrauchen sind nicht etwa sie, die Täter, schuld, sondern nach katholischer Lesart entweder die Opfer, oder deren Mütter - wie es Kardinal Degenhardt erkannte:

[…] „Junge Frauen sind gleichberechtigt und fordern eine Beteiligung ihrer Männer an der häuslichen Tätigkeit ... Und da liegen die Gefahren für junge Männer, ... daß sie ihren Trieben nachher nicht mehr standhalten können. Wenn junge Männer stärker mit der Pflege von Kleinkindern betraut sind und dabei nackte, entblößte Körper ständig sehen, sie berühren und saubermachen müssen, ist die Gefahr groß, daß sie ihren Begierden nicht widerstehen können. Der viele Körperkontakt mit dem Kind bei der Pflege würde ihnen sicher oft zum Verhängnis werden. Und deswegen stellen wir fest, daß auch diese Konsequenz, daß viele Väter Hausmänner werden, auch negative Aspekte haben kann.“  […..]

(Kardinal Degenhardt 1994)

 Kaum ein deutscher Kleriker war so beliebt - ich zitiere Wikipedia über die Trauerfeier Degenhardts.

 Die Beisetzung im Hohen Dom zu Paderborn fand am 3. August 2002 in Anwesenheit von neun Kardinälen (Henrik Gulbinowicz (Breslau), Karl Lehmann (Mainz), Franticzek Macharski (Krakau), Joachim Meisner (Köln), Joseph Ratzinger (Rom), Leo Scheffczyk (München), Adrianus Simonis (Utrecht), Georg Sterzinsky (Berlin) und Friedrich Wetter (München)), über 60 (Erz-)bischöfen aus aller Welt und zahlreichen staatlichen Gästen statt. Allein der Einzug der zahlreichen Würdenträger in den Hohen Dom dauerte 20 Minuten.   Den größten Beisetzungsfeierlichkeiten, die Paderborn je in seiner Geschichte erlebt hat, stand als Legat von Papst Johannes Paul II. Joseph Kardinal Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., vor, kurz bevor dieser Dekan des Kardinalskollegiums wurde (27. November 2002). Eine unübersehbare Zahl von Gläubigen gab Degenhardt in dem vom Fernsehen live übertragenen Pontifikalrequiem das letzte Geleit. …

32 Jahre, nachdem ich das Degenhardt-Zitat aus dem SPIEGEL ausgeschnitten und an meine Küchenwand gepinnt hatte, holt es die RKK doch noch ein.

[….] Reinhold Harnisch, 1955 in Paderborn geboren, wurde laut eigenen Angaben über vier Jahre lang vom damaligen Leiter des Domchores, Walter Salmen, missbraucht. In der Krypta des Doms, »nahezu täglich« und »in jeder nur erdenklichen Weise«, wie er im Gespräch mit dem SPIEGEL sagt. Sein Fall fand anonymisiert Eingang in die Studie.  Die Übergriffe ereigneten sich demnach zwischen 1964 und 1967 – da war Harnisch neun, zehn, elf und zwölf Jahre alt. Seine Schilderungen, wie Sexualstraftaten im Erzbistum mutmaßlich verschwiegen und vertuscht wurden, sind erschütternd.

»Die Kirche hat meine Vorwürfe über Jahrzehnte abgestritten und verleugnet«, sagt Harnisch. Erzbischof Jaeger und sein Nachfolger Degenhardt hätten während ihrer Amtszeiten strikte Order gegeben, Missbrauchsfälle zu vertuschen. »Ich wurde von Priestern bedroht, man warnte mich, dass ich zu schweigen habe«, erinnert sich Harnisch.

»Wenn du Schweinereien gemacht hast, kommst du ins Heim«

Degenhardt selbst habe ihm in einem Gespräch gesagt, dass er »das personifizierte Böse« sei und nicht in seine Kirche gehöre. Ein Geistlicher aus dem Erzbistum habe ihm geraten, die Füße stillzuhalten: »Lassen Sie es, der Bischof würde Sie vernichten.«  [….]

(Annette Langer, 12.03.2026)

32 Jahre nach den ungeheuerlichen und öffentlichen Degenhardt-Worten zur Kinderpflege, hat nun auch sein Erzbistum, die reichste deutsche Diözese Paderborn, noch mal nachgeforscht. ÜBERRRASCHUNG, der beliebte Kardinal vergewaltigte mutmaßlich auch selbst kleine Jungs.

[…] Eine Studie deckt Missbrauchsfälle aus den Jahren 1941 bis 2002 auf. Mehr als 200 Geistliche haben sich an 489 Opfern vergangen. Der Sprecher einer Betroffenenvertretung äußerte den Vorwurf, dass ein ehemaliger Erzbischof mutmaßlich sexualisierte Gewalt einem minderjährigen Jungen angetan habe. […] Priesching bei der Pressekonferenz ein Interview mit einem Betroffenen schildert, wird es still. Sie erzählt, dass ein Betroffener ihr in einem Interview sagte, dass er anfing zu weinen und zu schreien, als ein Geistlicher vor ihm mastubierte. […] Die Zahlen der Betroffenen und Tätern ist deutlich höher als bisher angenommen. In der Zeit von 1941 bis 2002 gibt es Hinweise auf 210 Geistliche die sich an Kindern vergangen haben. 489 Missbrauchsopfer konnte die Studie ausmachen. "Das Dunkelfeld dürfte aber nochmal größer sein", sagt Priesching, weil sich wahrscheinlich nicht alle bei ihnen gemeldet haben.

Für die Studie hatten die Forschenden uneingeschränkten Zugang zu Kirchenakten und haben zahlreiche Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und kirchlichen Mitarbeitern geführt. In der Studie wurden die Namen der Täter anonymisiert.

Dass es in den Amtszeiten von Jäger und Degenhardt oft gar nicht erst zur Strafverfolgung gekommen ist, liege laut den Wissenschaftlerinnen nicht nur an untätigen Erzbischöfen. Die Kinder hätten oft gar nicht begriffen, was mit ihnen passiert sei und ihnen wurde wohl auch oft nicht geglaubt. […]

Es habe zwar zahlreiche Meldungen an die Erzbischöfe Jäger und Degenhardt gegeben. Die Geistlichen seien allerdings nur innerkirchlich bestraft worden, zum Beispiel durch Versetzungen. Degenhardt hätte außerdem oft Druck auf Betroffene und Familien ausgeübt, um Anzeigen zu verhindern. "Diese Vertuschungsspirale sorgte dafür, dass Täter ungestraft weitermachen konnten", sagt Priesching weiter. […] Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, hatte vor Veröffentlichung der Studie gegenüber dem WDR mitgeteilt, dass es laut ihm weitere Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Degenhardt gäbe. Schon mehrmals wurden Vorwürfe gegen Degenhardt erhoben. Diese wurden im Oktober 2025 von externen Sachverständigen als nicht plausibel eingeordnet.  […]

(WDR, 12.03.2026)