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Donnerstag, 30. Juli 2026

Wieder einer endgültig verloren.

Daß alle demokratischen Gesellschaften von rassistischen, bornierten, missgünstigen, homophoben, misogynen und sonstigen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit frönenden Arschlöchern durchsetzt sind, wundert mich kein bißchen. Das war vermutlich immer so.

Mit dem Internet, Klugtelefonen, Social Media und Chatbots wurden aber leider sich selbst verstärkende Echokammern geschaffen, in denen sich die früher isoliert und entsprechend verschüchtert lebenden Dorftrottel zusammenrotten, ihre abstrusen Ansichten gegenseitig bestätigen. Die Algorithmen führen ihnen automatisch immer extremerer Ansichten zu, die maximal emotionalisieren sollen. Die rationalen und beschwichtigenden Stimmen sortiert die KI aus, wenn sie merkt, daß sie nicht erwünscht und weggeklickt werden. Und so glaubt der rechtsextreme Dorftrottel bald, er befände sich im Einklang mit allen anderen. Da jeder in seiner Braunblase ebenfalls an Chemtrails, Reptiloiden oder eine „jüdische Weltverschwörung“ glaubt, findet er verständlicherweise das Selbstbewußtsein, diesen Irrsinn auch im realen Leben, jedem auf die Nase zu binden. Erntet er Widerspruch, trägt er das empört zurück in seine Blase, die sich noch mehr emotionalisiert und zu mehr Taten aufheizt.

Deswegen sehen wir weltweit in den Demokratien deutliche Zunahmen der Gewalt gegen Queere, Frauen, POCs, Juden, Muslime, Migranten, Obdachlose, Sinti, Roma und alle anderen, deren Nase der rechten weißten Pest nicht passt.

Auf der journalistischen und publizistischen Ebene gibt es unglücklicherweise eine parallele Entwicklung von einstmals vernünftigen, geschätzten, gelegentlich sogar verehrten Menschen, die durch verschiedene Zufälle in rechte Blasen pieksen, dort ungeahnten Schnittmengen vorfinden, möglicherweise aus Lust an Provokation und Aufmerksamkeit länger als notwendig verweilen, den Zuspruch genießen und immer mehr in die Braunblase gezogen werden. Die Verlockung ist groß, weil man sich dort nicht um die lästigen journalistischen Standards kümmern muss, „Gefühltes“ mindestens gleichrangig mit Fakten ist und kritische Überprüfung der Aussagen nicht mehr stattfindet.

So viele „Gute“ haben wir auf dem Weg schon durch die Sogwirkung des rechten Sumpfes verloren. Niemand kommt da wieder raus, der sich einmal dort hinab begeben hat. Fast alle werden immer radikaler. Viele tauchen und taumeln schon so lange durch exkrementelle Verschwörungsblase, daß wir längst vergessen haben, daß sie mal als seriöse, anständige Menschen in die öffentliche Sphäre eintraten, deren Gedanken man interessiert verfolgte:

Matthias Matussek, Alexander Kissler, Hendryk M. Broder, Boris Palmer, Juli Zeh, Vera Lengsfeld, Christoph Schwennicke, Roland Tichy, Alice Schwarzer, Angelika Barbe, Oskar Lafontaine, Sarah Wagenfeld, Monika Maron, Oswald Metzger, Thilo Sarrazin, Gabriele Krone-Schmalz, Stefan Kornelius, Ulf Poschardt sind nur die, welche mir gerade spontan einfallen.

Fast vergessen auch die Herkunft des arabisch sprechenden Constantin Schreibers, der nach Stationen bei RTL im Jahr 2015 große Bekanntheit erreichte, als er für NTV mit seinen in „Merhaba“-Videos die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge willkommen hieß. Seine Karriere via NDR, wo ich ihn als „ZAPP“-Moderator sehr schätzte, zur größeren Öffentlichkeit bei der Tagesschau, schien vorgezeichnet.

Aber dann stieß er die Tür nach RECHTS auf: Rechtspopulistische Bücher, Tagesschau-Aus, Israel, Axel Springer.

[….] Nach nicht mal einem Jahr kündigt Ex-„Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber seine Trennung vom Axel-Springer-Verlag an. [….]

Schreiber hatte kurz nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day die FDP-Politikerin Karolin Preisler zu Gast, die angab, kurz vor der Tat Hinweise auf den Attentäter an die Polizei weitergegeben zu haben, die nicht reagierte. Also ein schreckliches Behörden- und Führungsversagen, wieder einmal? Schreiber hinterfragte Preislers Schilderungen nicht wirklich, sondern nickte vor allem – und wurde in den sozialen Medien auch von Journalistenkollegen dafür abgewatscht. Denn nicht die Behörden hatten geschlampt, sondern Preisler etwas verwechselt.

Aber Schreiber will eigentlich auf anderes hinaus, nämlich auf Nachrichten in eigener Sache: Schon vor ein paar Monaten habe er sich entschieden, beruflich „neue Wege zu gehen“, sich zum Ende des Jahres von Axel Springer zu trennen. Auf eine SZ-Anfrage an ihn und den Verlag, ob denn die Zeichen schon wieder auf Trennung stehen – nicht mal ein Jahr nachdem er von der ARD zu Axel Springer gewechselt war –, hatte Schreiber zunächst nicht geantwortet, dann aber das Video hochgeladen. Der Verlag selbst reagierte mit einer eher schmallippigen Mail: „Wir bestätigen, dass Constantin Schreiber und Axel Springer die Zusammenarbeit zum 31. Dezember beenden. Er wird sich künftig eigenen Projekten widmen.“ [….]

 Und Schreiber, der bei seinen Kolleginnen und Kollegen der Öffentlich-Rechtlichen etwa schon mit seinen Büchern über den Islam eher angeeckt war, schien froh zu sein, bei Springer nun eine publizistische Heimat gefunden zu haben, in der er sich weltanschaulich womöglich wohler fühlte.

Ganz so reibungslos wie erhofft gestaltete sich die Zusammenarbeit aber nicht – nach wenigen Monaten gab Springer bekannt, dass der heute 47-Jährige seinen Teilzeit-Dienstsitz in Tel Aviv aufgeben und „künftig aus familiären Gründen aus Deutschland“ arbeiten werde. In dem Video, in dem er seinen endgültigen Abschied vom Verlag bekannt gibt, rekapituliert Schreiber nun, „es war zwar nicht so lang bei Axel Springer, aber es war sehr spannend“ – besonders, als in Israel der Krieg mit Iran ausgebrochen sei und er „das ’ne Zeit lang verfolgen konnte“.

Im Axel-Springer-Haus in Berlin wird sicher nicht jedes Wort aus Schreibers Video auf Zustimmung stoßen, bei der Formulierung „’ne Zeit lang“ dürften aber einige nicken: Dass Schreiber mit seinem Podcast durch Deutschland tourte, während auf Tel Aviv Raketen fielen, stieß nach SZ-Informationen einigen Mitarbeitern sauer auf. [….]

(Moritz Baumstieger, 30.07.2026)

David Berger oder Jürgen Elsässer können Schreiber vermutlich nicht bezahlen. Außerdem sind ihre Plattformen zu klein für sein enorm angeschwollenes Ego.

Gotthardt, Reichelt und NIUS schon eher. Da könnte er, unbelästigt von Fakten, islamophobe Verschwörungstheorien ausbreiten und weiter Aufmerksamkeit genießen.

Schreiber scheint aber von seiner selbst gefühlten Bedeutungsschwere so überwältigt, daß er kaum noch gehen kann. Bald wird vermutlich eine Bundeskanzler-Stelle frei. Zutrauen würde sich Schreiber das.

Podcaster auf eigene Rechnung wird ihm nicht reichen.

Dienstag, 28. Juli 2026

Lock her up

Über ein Jahr geht das Theater; 63 Prozesstage habe ich akribisch im MoPo-Minutenprotokoll nachgelesen und unzählige Hintergrundartikel studiert.

Mein Interesse an der Causa Block wird aus drei Quellen gespeist:

Erstens Lokalkolorit-Neugier and einer Promi-Familie, die in Hamburg jeder seit Jahrzehnten kennt.

Zweitens tiefe Abneigung gegen die erzkonservative, autoritäre und erzkatholische Fleischhandelsfamilie.

Drittens übergeordnetes politisches Interesse:

(….) Natürlich gehen die Öffentlichkeit die Details eines schmerzhaften Sorgerechtsfalles auf dem Rücken der Kinder nichts an. Solche Fälle kommen jedes Jahr myriadenfach vor und sollen diskret behandelt werden.

Der Block-Fall aber ist von öffentlichen Interesse. Nicht, weil die Beteiligten reich und berühmt sind. Sondern weil Block und Delling gezielt die Öffentlichkeit suchten, um mit ihrer Prominenz Gerichte zu beeinflussen. Es geht um die Frage, wie gleich Bürger vor Gericht sind. Können Superreiche mit ihren Kontakten Urteile manipulieren? Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn Megaprominente für ihre privaten Fehden a.) August Hanning, den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) und ehemaligen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, b) den Außenminister Sigmar Gabriel und c.) gar den Vizepräsidenten des Bundestages Wolfgang Kubicki einspannen können, der sofort anbietet, seine Amtsinsignien in die Waagschale zu werfen?

[….] In der Sorgerechtsaffäre um zwei Kinder aus der Hamburger Unternehmerfamilie Block (Block House) hat sich Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki offenbar deutlich stärker engagiert als bisher bekannt. Diesen Schluss legen Handynachrichten nahe, die der FDP-Politiker an Christina Block geschrieben hat, Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block und die Mutter der Kinder[…] Schon am 1. Januar 2024 schrieb Kubicki an die »liebe Frau Block«, er wünsche ein gutes neues Jahr. »Und wenn es stimmt, was ich lese, alles Glück dieser Erde.« Es folgte der bekannte Satz: »Wenn Recht zum Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.«

Auf die Frage des SPIEGEL, ob er damit eine Entführung befürworten wollte, erklärte Kubicki, er sei von Beruf Strafverteidiger und »befürworte oder relativiere keine Straftaten«.[…] In diesem Zusammenhang war am 2. Dezember 2021 ein Gerichtstermin in Dänemark anberaumt. Im Vorfeld reagierte FDP-Mann Kubicki auf die Bitte der Mutter um diplomatische Unterstützung. Kubicki versprach am 30. November: »Ich tue mein Bestes.« Zwei Tage später teilte er mit, die »diplomatischen Vertretungen« hielten es für »kontraproduktiv«, wenn ihre Leute im Gerichtssaal säßen. Er könne aber selbst anreisen und ihr den Rücken stärken.

Kubicki verwies darauf, er sei als Vizepräsident des Bundestages »protokollarisch ganz weit oben«. In einer weiteren Nachricht teilte er mit, er »käme im Dienstwagen selbst«. […] Kubicki betonte, seine Unterstützung für Christina Block »war und ist nicht unzulässig«. Sie gehöre »zu den Aufgaben eines Abgeordneten«. Im Übrigen kenne er Christina Block und ihren Partner, den Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, »aus einer Vielzahl von Veranstaltungen und Empfängen«. […]

(SPON, 21.03.2025)

Hier liegt ein für die Öffentlichkeit relevanter Skandal vor, der mE nach einer gesetzlichen Regelung verlangt. (….)

(Staatsinteresse, 15.08.2025)

Durch den gezielten Einsatz von Medien und Millionen, nehmen sich die Blocks mehr Rechte und mehr juristische Möglichkeiten heraus, als der 0815-Bürger. Sie können professionelle Geheimdienstler; Mossad-Leute aus Israel engagieren und zu Straftaten animieren, um die Fakten zu schaffen, die Christina und Eugen Block sich wünschen.

Die Blocks sind dementsprechend auch Gegenstand der aktuellen ausführlichen SPIEGEL-Titelgeschichte.

Hier wird die emotionale Dysfunktionalität des „Patriarchen“ und die zwangsläufige Entfremdung zu seinen drei Kindern zwar angesprochen, aber kaum erwähnt, worin die mutmaßlichen Misshandlungen der Mutter und des Opas lagen, so daß drei der vier Block-Kinder nicht nur bei ihrem Vater leben wollen, sondern auch den Kontakt zu ihrer Mutter verweigern. Ebenfalls kaum beachtet von den SPIEGEL-Autoren, werden die in Hamburg wohlbekannten sadistischen Umgangsformen des Friedrich Block gegenüber seinen Untergebenen und Enkeln.

(….)  Der heute 83-Jährige stramm religiöse Patriarch Eugen ist stockkonservativ, sympathisierte lange mit der CDU, bis sie ihm zu lasch wurde und er bereits 2013 erklärte, die AfD zu wählen.  Über die Dekaden konnte ich ferner der Lokalpresse entnehmen, wie fürchterlich Eugen im privaten Umgang sein muss.

Kaum hatte er Sohn Dirk an seine Seite in der Geschäftsführung geholt, zerstritten sie sich coram publico. Eugen warf seinen Sohn raus und behandelte ihn damit wie einen seiner bisher fast 20 Elysee-Hoteldirektoren. Das Hamburger Abendblatt schrieb vor 13 Jahren zu Blocks 70. Geburtstag:

[….] Der 70-Jährige hat innerhalb von 26 Jahren in seinem Hotel Grand Elysée in Hamburg 14 Direktoren verbraucht. Mal ging es um die Dekoration in den Restaurants, mal um die Muster auf den Salzstreuern. Oft vermutlich auch darum, dass der Hotelchef die Erwartungen des Eigentümers nicht erfüllen konnte. "Der hat sich nicht genug angestrengt", begründete Block einmal einem Rauswurf. Und pries den Nachfolger in den höchsten Tönen. Spätestens bei Direktor Nummer acht kamen bei Beobachtern Gedanken wie "mal sehen, wie lange der das jetzt schafft" auf.   […..]

(Daniela Stürmlinger, 08.07.2011)

Offenbar wird es im Alter immer schlimmer; Petitessen reichen aus, um Wutanfälle des AfD-Mannes auszulösen. Nichts ist ihm gut genug, alles kann er besser.

Natürlich wechselte er als einer der ersten, bereits im April 2020 ins Covidioten-Lager.

[….] Eugen Block ist [….] ein Selfmade-Mann, der an das Recht des Stärkeren glaubt. An den Markt. An Gott. In einem alttestamentarischen Sinn. An Friedrich Merz. Mit Mitgefühl hat er es nicht so. Das zeigten vor einigen Jahren schon seine Äußerungen zur AfD (hat er mal gewählt, als „Korrektiv für diesen großen Mischmasch von Politik“) und zum Islam („kann keinen Frieden bringen“). Und jetzt also Corona. Block hat Briefe geschrieben, hat er dem „Spiegel“ erzählt. An Scholz, Altmaier, Spahn, das RKI. Er hat „klargemacht“, sagt er, dass das totale Einstellen des öffentlichen Lebens zum wirtschaftlichen Niedergang führt“. [….] Und dann sagt Block dem „Spiegel“ einige Sätze, die auf so bestechende Art entlarvend sind, dass es fast schon schmerzt, sie zu lesen: „Die Herrschaften haben angstgetrieben Panik gemacht. Ich warte immer noch auf den seit Langem angekündigten Corona-Peak. Noch immer stehen die Krankenhäuser halb leer. Mit den entstehenden Kosten hätte Herr Spahn seine Intensivabteilungen verdoppeln können. Nein, er muss das ganze Volk wegsperren und das Leben auf den Kopf stellen.“ [….]  „Hören Sie auf mit der Panikmache, dann sterbe ich eben drei Tage früher, na, und? Ich habe Gottvertrauen. Ich gehe danach zum liebenden Gott.“ [….]

(Maik Koltermann, 18.02.2024)

Die vier Kinder seiner Tochter Christine hatten nichts zu lachen bei Opa.

[….] Eugen Block gilt als eigensinniger Charakter, der alles selbst macht und nur wenigen traut. Sogar die Gardinen für seine Restaurants sucht er persönlich aus.  Seine Enkelin Johanna erzählt nun in Dänemark eine Geschichte, die für ihn typisch erscheint: Als Johanna ihr Kinderzimmer neu einrichten wollte, habe ihr Eugen Block diesen Wunsch abgenommen – und den Raum nach seinem Geschmack gestaltet.  [….]

(Die Zeit, 01.02.2024)   [….]  [….]

 [….] Es begann damit, dass Johanna, die Älteste der vier Block-Geschwister, im Jahr 2021 (sie war damals 15) während eines Sylt-Urlaubs ins nahe gelegene Dänemark zu ihrem Vater und dessen neuer Frau ausriss. "Es ging einfach nicht mehr", sagt Johanna im Gespräch mit der ZEIT. Sie habe mit ihrer Mutter über Freiheiten und Grenzen gestritten, auch um einen sechsmonatigen Auslandsaufenthalt ging es, den die Mutter für ihre Tochter wollte, den die Tochter aber ablehnte. Und immer wieder: zu viel Strenge, zu hohe Erwartungen.  Johanna sagt: "Vier Tage pro Woche hatten wir Hobbys. Hockey, Ballett, Klavier, Leichtathletik, Schwimmen, Flöte, dazu kam Nachhilfe. Hockeyspiele am Wochenende. Und dann Verabredungen, die sie getroffen hat. Du hast nie freigekriegt. Du durftest unter der Woche nie mal im Bett liegen. Am Wochenende wurden wir auch früh geweckt, weil wir alle zusammen frühstücken sollten – fertig angezogen natürlich." Sie selbst habe sich um die Geschwister kümmern, mit ihnen Hausaufgaben machen, sie bekochen und ins Bett bringen müssen. Johanna sagt: "Ich hatte viel zu viel Druck." [….]  [….]. In den Akten ist die Rede davon, manche der Kinder seien von ihrer Mutter auf den Hinterkopf geschlagen, die Treppe hochgezogen, gelegentlich eingesperrt und über längere Zeit allein gelassen worden. Die Mutter bestreitet das.   […..]  [……]

(Die Zeit, 01.02.2024) (….)

(Jesus hilft Hamburger Multimillionär, 22.02.24)

Mit Prozesstag 64 wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil anderenfalls Persönlichkeitsrechte verletzt werden könnten. Es geht weiterhin heiß her; Block und ihr Promianwalt Ingo „Rasputin“ Bott, treiben die Kammer mit ihrem aggressiven Vorgehen weiterhin zur Weißglut. Rasputin, (sowie auch Patriarch Eugen über Medien und offene Briefe), greifen an jedem Prozesstag die vorsitzende Richterin persönlich an. Offensichtlich mit der Absicht, einen Eklat zu provozieren, einen Prozessabbruch herbeizuführen, oder in Revision zu gehen.

Rasputin, Block

Richterin Hildebrandt lässt die Attacken mit stoischer Ruhe an sich abprallen. Aber auch Block selbst spielt nicht nach den Regeln. So rief sie während des Prozesses, kurz vor den bedeutenden Zeugenaussagen der Ex-Mossad-Leute in Israel an. Selbstverständlich ist Zeugenbeeinflussung verboten. Wollte Christina Block die Aussagen manipulieren? Hat sie jemanden bedroht? Nein, wehrte diese ab; sie habe nur Genesungswünsche übermitteln wollen.

Nun verstößt sie erneut gegen die Prozessregeln:

[….] bevor die Öffentlichkeit aus dem Saal gebeten wird, lässt die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt die eigentliche Bombe des Verhandlungstages platzen. Sie spricht ohne Umschweife die Hauptangeklagte Block direkt an: Die sachverständige Gutachterin hatte demnach am Montag dem Gericht gemeldet, dass Block ihr außerhalb der Hauptverhandlung einen Briefumschlag mit Unterlagen zu ihren Kindern gegeben hatte.

An sich ist das nichts Außergewöhnliches, denn beide Elternteile hatten der Kinderpsychiaterin Unterlagen zur Verfügung gestellt, um sie bei der Begutachtung der beiden Kinder zu unterstützen. Das Brisante: Die Unterlagen, die Block der Gutachterin zusteckte, enthielten nicht einfach Informationen zu den Kindern und ihrem Leben bei der Mutter, sondern Beweisanträge und einen persönlichen Brief. Beide Dokumente sind bislang nicht Aktenbestandteil im Prozess.

Ignorierte Block die vorherige Androhung des Haftbefehls?

Für Hildebrandt steht damit am Dienstag fest, dass das eine versuchte Einflussnahme auf die Sachverständige war. Schon im November hatte die Richterin Block gedroht, sie werde einen Haftbefehl gegen sie erlassen, sollte sie weiter auf Zeugen einwirken. Am Dienstag wirft sie Block vor, genau das getan zu haben. In scharfem Tonfall fordert Hildebrandt die Hauptangeklagte auf, den Vorfall irgendwie zu erklären. [….] "Das ist ja nicht aus der Tasche gefallen", hakt sie nach, und erinnert auch Bott an ihre Warnung im November. "Jetzt passiert wieder so etwas, dass das ein Zufall sein soll, vermag ich schwer zu glauben." Hildebrandt, die sich sonst selten in die Karten schauen lässt, klingt ungewohnt aufgebracht. [….]

(Legal Tribune Online, 28.07.2026)

Es fügt sich perfekt ein in ein Bild von einer Familie, die sich trumpesk außerhalb der Regeln wähnt.

[….] Ihr, Christina Block, sei es allein darum gegangen, der Kinderpsychologin bei der Anamnese zu helfen, also bei der Krankengeschichte der Kinder. Den Brief ihrer Bekannten habe sie im Briefkasten gefunden und ungelesen mit in den Umschlag zu den Beweisanträgen gelegt. So Christina Block.

Problem: Die Unterlagen in dem ominösen Umschlag befassen sich überhaupt nicht mit der Gesundheit der Kinder, sondern handeln vom Vater, und zwar in einer „ehrabschneidenden Weise“, wie dessen Anwalt betont. Sollte der Vater Stephan Hensel im Gutachten möglichst schlecht wegkommen? Nachdem Christina Block im Oktober 2023 bereits „Beweise“ für dessen Pädophilie bei der Polizei abgegeben hatte? Diese Daten hatten sich schnell als gefälscht herausgestellt.

Die Kinderpsychologin korrigiert dann auch prompt die Darstellung von Christina Block: Sie habe tatsächlich um Unterlagen gebeten, allerdings um das Gesprächsprotokoll einer Tochter. Das solle Ingo Bott ihr bitte noch einmal ausdrucken. Dass Christina Block ihr in dem Umschlag auch Beweisanträge mitgegeben habe, habe sie „überrascht“. Eine der beiden Frauen sagt also die Unwahrheit.  Welche Konsequenzen die „versuchte Verdunklungshandlung“ für Christina Block haben wird, muss die Kammer nun entscheiden. „Ich habe bereits im November gesagt, dass jegliche Einflussnahme zu unterbleiben hat, und nun das“, stellte die Vorsitzende fest.  [….] Es ist nicht der erste Schuss vor den Bug. Bereits im November 2025 hatte Isabell Hildebrandt sich mit deutlichen Worten an Christina Block gewandt: „Wir werden nicht zögern, einen Haftbefehl zu veranlassen, wenn Sie nicht aufhören, Zeugen zu kontaktieren“, sagte sie am 21. Verhandlungstag. Damals war der Verdacht aufgekommen, Christina Block habe versucht, Druck auf israelische Zeugen auszuüben, um sie von einer Aussage abzubringen. Außerdem hatte die Angeklagte damals zu einem älteren israelischen Zeugen Kontakt aufgenommen und ihm „gute Besserung“ gewünscht. Für die Zukunft hätten jegliche Kontaktaufnahmen zu unterbleiben, stellte die Vorsitzende damals klar.  [….]

(HH MoPo, 28.07.2026)

Man kann den Blocks nicht vertrauen. Christina Block sollte endlich eingesperrt werden. Zumindest bis zum Prozessende, damit ihre Zeugenbeeinflussungen gestoppt werden. Wir sprechen immerhin von einer Frau, die mutmaßlich kinderpornographisches Material bei ihrem Exmann deponieren ließ und anschließend zur Polizei ging, um ihn und seinen Anwalt anzuschwärzen.

[….] »Frau Block hat auf plumpe Weise versucht, die Sachverständige zu manipulieren. Es ist nicht das erste Mal, dass sie Dreck über meinen Mandanten auszukippen versucht.«  […]

(Hensel-Anwalt Philip von der Meden)

Dienstag, 21. Juli 2026

Wenn langsam der Groschen fällt.

Die gute Nachricht ist: Alle meine seit Jahren und Jahrzehnten vorgetragenen Merz-Charakterisierungen trafen zu; als Kanzler erweist er sich als genauso unfähig und verblödet, wie ich es immer prognostizierte.

Die schlechte Nachricht ist: Unglücklicherweise begriffen Wähler, Journalisten und CDU-Politiker nicht, was für ein hohler Blender der Sauerländer Simpel ist und machten ihn zum Bundeskanzler und Parteivorsitzenden.

Die gute Nachricht ist: Mit einem knappen Jahr Verspätung sickert die Erkenntnis nun auch bei der CDU ein: Ihr Parteichef ist ein Depp.

Für die ganze Fraktion ist es inzwischen so offensichtlich, daß sie ihn nach Möglichkeit umgehen. Angelegenheiten, mit denen der deutsche Bundeskanzler persönlich befasst ist, gehen schief, weil er keine Geduld hat, sich nicht vorbereitet, sich immer selbst bedauert und eine verhandlungstaktische Null ist. Vor allem aber nervt er seine eigenen Leute mit seinen immer gleichen pathetischen Reden, aus denen doch nie etwas folgt. Sie können ihn nicht mehr ertragen.

[….] »Wahnsinn, wie der heute wieder mit uns umgesprungen ist«, grummelt [ein CDU-Ministerpräsident] und meint den Kanzler. Da kommt man den ganzen Nachmittag nach Berlin ins Kanzleramt zur Ministerpräsidentenkonferenz und wird von Merz so behandelt, als wäre man ein kleiner Angestellter.

Er ist nicht der einzige Teilnehmer, der sich über die »CEO-Attitüde« des Kanzlers ärgert. Schon die Sitzungseröffnung sei unmöglich gewesen, sagen sie. »So«, habe Merz gesagt, »um 18.30 Uhr ist eine namentliche Abstimmung. Deshalb will ich um 18.15 Uhr mit allem durch sein.« Also – nicht rumquatschen, sondern dalli, dalli. Das war die Ansage.

Zwei Sätze, und allen schwoll der Kamm. [….]

Alle merken, dass er nicht im Stoff steht. Dass er sich nicht richtig vorbereitet hat. Dass er deshalb Frei die Bühne überlässt. Um dann anschließend zu erklären, dass es im Moment schließlich Wichtigeres gebe als dieses Problem. [….] »Friedrich Merz ist kein Kanzler«, sagt ein einflussreicher CDU-Strippenzieher, »denn Friedrich Merz ist nur Friedrich Merz.« [….]

Er ist nicht der einzige mächtige Mann in der Union, der in diesen Tagen mit Merz hart abrechnet. [….]  Prozesse und Kommunikation seien bei ihm eine Katastrophe. Von einem Plan oder gar einer Strategie sei schon gar nichts zu erkennen. Die Geschichten, wie der Kanzler innerhalb von Minuten seine Meinung um 180 Grad drehen kann, offenbar ohne es selbst zu merken, sind in der Koalition Legende.

Merz sei oft schlecht vorbereitet, nerve alle mit seinen außenpolitischen Vorträgen und chaotisiere die Prozesse, kritisieren sie. [….]  

Dobrindt und Spahn sind in die Lücke gestoßen, die Merz geöffnet hat. [….] Die beiden Männer versuchen, die Koalition zu stabilisieren, weil sie sonst befürchten müssen, selbst in den Abgrund gezogen zu werden. [….] »[Spahn] lässt sich nicht verarschen«, sagt ein einflussreicher CDU-Abgeordneter, »weil er ständig selbst alle verarscht.« So hört sich heutzutage bei Christdemokraten ein Lob an. Ohne Spahn läuft nun nichts mehr. Er ist unumstritten die Nummer zwei der Partei.

Und Merz? Sieht sich als Master of the Universe, wenn man seinen Leuten Glauben schenken mag. Er lebt in seiner eigenen Welt, es ist die Welt der Großen. In der er Donald Trump erklärt, wo es langzugehen hat. Oder Macron. Oder Meloni.

In dieser Welt sind die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern Pillepalle. [….] »Es ist mit ihm wie im Krankenhaus«, sagt deshalb einer seiner Leute, »man muss dem Patienten den Eindruck vermitteln, dass er noch die Kontrolle hat, obwohl man ihn am Arm festhält und langsam durch den Gang begleitet.«  [….]

(Konstantin von Hammerstein, SPIEGEL, 10.07.2026)

Die schlechte Nachricht für die CDU ist: Spahn ist nun erst mal weg.


Die gute Nachricht für die CDU ist: Merz hat nun die überraschende Gelegenheit für eine große Rochade, um die vielen Versager und Unfähigen in seiner Regierungs-und Parteimannschaft auszutauschen. Um endlich einen funktionierenden Betrieb zu etablieren.

Die schlechte Nachricht für die CDU ist: Blöderweise gehören Personalentscheidungen zu den vielen, vielen Dingen, die der Briloner Brummkreisel nun wirklich gar nicht kann. In der CDUCSU-Fraktion wird gezittert, welche Eselei ihr Chef nun wieder anstellen mag.

[….] Dem Vernehmen nach machte Merz am Montag im Präsidium deutlich, dass er sich eine Personaldebatte verbitte: Er entscheide das allein mit Söder. [….] Doch mit seiner Ansage, die er laut Teilnehmern im Fraktionsvorstand am Nachmittag wiederholte, sorgt Merz für Unzufriedenheit in den eigenen Reihen. In der Union wächst die Sorge, dass der Kanzler eine unkluge Entscheidung trifft. Und dass diese von den Abgeordneten nur murrend mitgetragen wird. [….] Dabei hat der Kanzler dank des Rücktritts von Spahn unverhofft eine große Gelegenheit bekommen. Er kann die Aufstellung der Union in der Koalition korrigieren, ohne zugeben zu müssen, zum Regierungsstart danebengegriffen zu haben. [….] Doch in seiner Partei fürchtet manch einer, dass Merz nicht die beste Aufstellung wählt. [….] Wann der Kanzler seine Entscheidung verkündet, ist unklar. Klar ist nur: Je länger es dauert, desto lauter dürften die Spekulationen werden. Und der Frust.  [….]

(Christian Teevs, 21.07.2026)

Die Bundestags-CDUCSU in Merzens Händen, ihres Spahn-Dobrindtschen Bypasses beraubt? Wie soll das jetzt noch funktionieren? Der mächtige Strippenzieher Spahn ist weg, der cholerische Trottel aus dem Sauerland bleibt?

Hat sich Spahn wirklich so dämlich angestellt, um an Merz zu scheitern?

Oder spielt er über viel mehr Banden? Hat längst erkannt, daß die Merz-CDU gegenwärtig chancenlos gegen die AfD ist? Möglicherweise erinnerte sich der Ausgemusterte an sein Geburtsdatum. Er ist ein Vierteljahrhundert jünger als Merz. Hat er womöglich absichtlich die Koalition mit der verhassten SPD sabotiert, dafür gesorgt, daß der Kanzler in Umfragen abstürzt und nun einen Vorwand geschaffen, um vom toten Gaul abzusteigen? Mit dem idealen Nebeneffekt, sein Image als eiskalter Unsympath aufzuräumen? Zukünftig könnte er sich selbst als der Altruist framen, der seiner Familie den Vorzug vor der Karriere gab.


Könnte Spahn planen, von der Bundestagshinterbank aus, das Scheitern der Brandmauer-CDU genau zu beobachten, weiter seine Fäden zu Thiel, Döpfner, Gotthardt zu spinnen, um in ein paar Jahren als Retter, wie Kai aus der Kiste ins Bundeskanzleramt zu springen? Als der Mann, der ja schon immer wußte, daß man mit Linksgrünversifften nicht zusammenarbeiten kann, weil das zu viel Kompromisse erfordert und nun eine „bürgerliche“ Rechts-Koalition mit einer Rumpf-Union und der AfD zu führen? Weidel und Spahn, als homonationalistische Regierungspaar.

[….] Wenn Jens Spahn drei Schachzüge vor dem doch sehr einfach gefassten Friedrich Merz her denkt, dann wäre dieser Rücktritt als Fraktionschef eine gute Möglichkeit für ihn, gleich mehrere Probleme auf einmal zu lösen. [….] Erstens wäre Spahn die wenig vielversprechende Bindung an diesen Letzte-Patrone-der-Demokratie-Kanzler los, gegen den er selbst mehrfach kandidiert hat, und auch an diese Untergangsregierung mit der 12-Prozent-Partei SPD. Zweitens hätte er durchs Kinderglück die Erinnerung an die Villa- und die Masken-Affäre überspielt. Und drittens könnte sich Spahn drei oder sieben oder mehr Jahre zurückhalten und seinen Plan als Kanzler einer Post-AfD- (oder AfD-)Zeit entwickeln.

Erst einmal aber hilft die Affäre Spahn, die auch eine Affäre Merz ist, vor allem der AfD. Wieder einmal ist es ein Eindruck von Hilflosigkeit und Überforderung der herrschenden Eliten, der bleibt. Wieder einmal ist es ein Blick in das Mittelmaß der derzeit Regierenden, der zu Schockmomenten und fast schon gewohnter Verzweiflung bei denen führt, die noch an eine demokratische Variante ohne AfD glauben wollen. Wieder einmal sind es die politischen und medialen Scheuklappen, die den Blick auf den Horizont versperren.

Dabei ist es manchmal eigentlich gar nicht so schwer. Friedrich Merz etwa rutscht regelmäßig rhetorisch aus, indem er sagt, was er denkt. So war das zum Beispiel, als er vor Jahren in einem Interview nach Jens Spahn gefragt wurde und antwortete, er habe nichts gegen Homosexuelle, das sei Privatsache – außer es gehe um Kinder, da höre der Spaß für ihn auf. Was die Frage aufwirft, wie jemand wie Jens Spahn mit jemanden zusammenarbeiten konnte, der wie Friedrich Merz Homosexualität recht leger mit Pädophilie verbindet.

Ähnlich nun ließ sich Merz in dem sogenannten Sommerinterview nach dem Rücktritt von Spahn zu dem Satz verleiten, der Aufruhr habe wohl auch mit der „Person“ von Jens Spahn zu tun.

Merz implizierte damit nicht nur, dass der zweitmächtigste Mann der CDU ein Charakterproblem habe – was zu der Frage führt, wie Merz mit jemandem zusammenarbeiten konnte, den er für nicht besonders vertrauenswürdig hält. Er insinuierte damit auch, dass es jenseits der objektiven Verfehlungen von Spahn auch subjektive Gründe gegeben habe, was vor dem Hintergrund der früheren Aussage wiederum wenigstens latent homophob klingt.  [….]

(Georg Diez, 21.07.2026)

Sonntag, 19. Juli 2026

In der Satirewelt

Natürlich werden zukünftige Generationen daran gewöhnt sein, die dargestellte Realität entweder gefiltert, manipuliert und gänzlich virtuell zu verstehen.

Als Schöffe im Amtsgericht, habe ich es mit Beweisfotos und Beweis-Videos zu tun. Noch. Das wird sich in nicht allzu ferner Zukunft erledigt haben, weil es keine juristische Aussagekraft mehr haben wird.

Zehn Jahre verschwörungstheoretisierten wir, Putin erpresse Trump womöglich mit Pinkel-Videos aus einem Moskauer Hotel. Heute wären solche „Beweise“ wertlos.

(….) Eine tolle, bei Verschwörungstheoretikern beliebte Story, für die es allerdings nicht die geringsten Belege gibt.

Menschen, die sich professionell mit Trump beschäftigen, winken ab:

Putin hätte so ein Erpressungsvideo gar nicht nötig. Der extrem ungebildete, aber auf Schmeicheleien versessene Trump, ist für einen klugen, geheimdienstlich ausgebildeten Mann, ohnehin leicht zu lenken. Dazu kommt Trumps ehrliche Bewunderung für die Machtfülle des Russen, dessen Reichtum und die goldene Pracht des Kremls, gegen die das Weiße Haus wie eine ärmliche Berghütte wirkt.

Beide teilen zudem gemeinsame Ziele: Sie verachten Klimaschutz und setzen auf Fossil-Energie, sie wollen beide die EU schwächen und aufspalten, sie hassen beide die Ukraine, lehnen beide den internationalen Gerichtshof, sowieso ganz allgemein Menschenrechte ab. Schließlich verfolgt Trump schon seit Jahrzehnten erhebliche finanzielle Interessen in Russland. Immer wieder wurde ihm mit russischen Millionen aus der Klemme geholfen.

Die beiden Männer ziehen ohnehin in so vieler Hinsicht an einem Strang; da braucht Putin gar keine Druckmittel.

Sollte sich so ein „Pee-Tape“ tatsächlich in den Händen russischer Dienste befinden, wäre es spätestens 2026 ohnehin wertlos geworden. Trumps Cronies würden es bei einer Veröffentlichung empört als „KI-Fälschung“ brandmarken und damit Erfolg haben, weil jeder inzwischen um die KI-Möglichkeiten weiß.

Bis vor ganz kurzer Zeit galten Fotos und Videos als Beweise. „Roll the tape“ hieß es triumphierend in News-Sendungen, wenn ein Gast log und man den Zuschauern das belegen wollte. Das wird immer noch gemacht, aber in naher Zukunft aufhören, weil es für jeden ein Kinderspiel sein wird, solche Videos täuschend echt zu fälschen.  (…)

(Was ist echt?, 23.06.2026)

Was wir sehen, ist nicht mehr echt. Es wird zunehmend unmöglich, Realität von virtuellen Darstellungen zu unterscheiden, weil die technische Entwicklung es uns unmöglich macht, Fälschungen zu erkennen.

Es kommt aber ein weiterer Aspekt hinzu: Wir können uns nicht mehr auf unser Urteilsvermögen verlassen, weil das eine gewisse Grund-Rationalität aller Beteiligten verlangt. Aber inzwischen spülen die von Algorithmen und Bots verwirrten Wähler so irre Politiker in die Regierungen, die so sagenhaft schwachsinnig handeln, daß mit dem so viel und falsch beschworenen „gesunden Menschenverstand“ nicht feststellbar ist, ob sie irgendetwas tatsächlich tun, oder ob wir einer Satire-Meldung aufsitzen. Nach den Regierungschefs Boris Johnson und Donald Trump, die wie Schildbürger auf Speed durch den Alltag rockern/rockerten, haben wir nun mit Merz, Spahn und Reiche ähnlich debile Protagonisten am Werk, die sich offenbar an Präsident Camacho aus „Idiocracy“ orientieren.

Falscher als Reiche kann man keine Wirtschaftspolitik betreiben.

 

Dir irrste Satire passiert, wenn Extra3, Postillon oder Titanic akkurat Fakten auflisten:

[…]  Was war Ihr Lieblings-Spahn-Skandal?

1.   Dubiose Nebentätigkeiten in einer Lobbyagentur für Pharmaklienten, während er als Politiker in Gesundheitsausschüssen saß. (2006-2010)

2.   Interessenkonflikt wegen privater Beteiligung an Softwarefirma Pareton, während er Finanzstaatssekretär war. (2016-2017)

3.   Kauf einer Wohnung durch Spahn von Pharmamanager Markus Guilherme Leyck Dieken (2017), der dann später auf Betreiben Spahns als Geschäftsführer der mehrheitlich vom Gesundheitsministerium kontrollierten Gematik GmbH eingesetzt wurde – bei doppeltem Gehalt. (2019)

4.   Spendenveranstaltungen, bei denen Beträge von jeweils 9999 Euro für den Bundeswahlkampf gesammelt wurden, um die Veröffentlichungsgrenze von 10.000 zu unterschreiten. (2020)

5.   Verdächtige Finanzierung seiner Villa für 4,125 Millionen Euro durch die Sparkasse Westmünsterland. Behauptung eines Erbes seines Mannes, das es nie gegeben hat. Schließlich stellt sich heraus, dass der Milliardär Christian Angermeyer mit Verbindungen zu Thiel, Trump Jr., Ivanka Trump und Jared Kushner involviert war. (2020)

6.   Ausspähen von Journalisten, die zu seinen Immobiliengeschäften recherchierten, und Versuch, diese zum Schweigen zu bringen. (2020)

7.   Maskenaffäre: Mehrere Milliarden Euro für die Maskenbeschaffung verschleudert und Unionspolitikern Provisionen in Millionenhöhe vermittelt. (2020)

8.   Weitergabe vertraulicher Informationen während Corona an Ex-Signa-Chef René Benko und Einsatz für die Abschaffung der 800-Quadratmeter-Regelung auf dessen Wunsch. (2020)

9.   Mehrere Teilnahmen an Treffen des "Dialog"-Netzwerks des religiös-faschistischen Tech-Milliardärs Peter Thiel (2018-2024)

10.Dubiose Verbindungen zum Gesundheits-IT-Milliardär Frank Gotthardt (Nius-Financier), der unter Gesundheitsminister Spahn in mehrfacher Hinsicht profitierte und dafür auch reichlich an die CDU spendete. (2018-2025)

11.Versagen als Fraktionschef bei im ersten Anlauf vergeigter Kanzlerwahl (2025)

12.Nutzen einer Leihmutter aus den USA, obwohl sich Spahn jahrelang für ein Verbot von Leihmutterschaften in Deutschland eingesetzt hat. (2026) [….]

(Postillon 19.07.2026)

Der Kanzler geht in dieser Krise, die seine ganze „Richtlinienkompetenz“ erfordert, zum ZDF und ist überrascht. Obwohl er von Spahn schon zehn Tage vor der Öffentlichkeit über seine Leihmutter-Vaterschaft informiert worden war, hatte der Sauerländer Simpel mal wieder nicht das geringste Gespür dafür, wie das in der Partei und in der Öffentlichkeit ankäme. Merz begreift es einfach nicht.

[….] Dann aber kam Jens Spahn und ließ die Welt via Bild-Zeitung wissen, er und sein Mann seien mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden – und bescherte damit nicht nur dem Kanzler, sondern auch dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz den Krisensommer Nummer zwei. Schon vor einem Jahr hatte es maßgeblich Spahn zu verantworten, dass die geplante Richterwahl im Bundestag am letzten Sitzungstag scheiterte und anschließend wochenlang über der Koalition hing wie ein sehr hartnäckiges Tiefdruckgebiet. Und jetzt das!

An Merz’ Umgang mit der Causa Spahn sind letztlich zwei Dinge bemerkenswert. Zum einen, wie sehr er sich zunächst verschätzte, was die Reaktion der Partei angeht. Und zum anderen, wie vollständig er sich am Ende von Spahn abgrenzte – und zwar längst nicht nur von dessen Entscheidung, sich den Kinderwunsch auf diese Weise zu erfüllen.

Im Sommerinterview am Sonntag gab Merz offen zu, mit der Empörungswelle in der Partei „zumindest nicht in diesem Umfang“ gerechnet zu haben. Erst am Samstag war ihm seinem eigenen Bekunden zufolge das volle Ausmaß des Schadens klar. Das zeigt, dass Merz vieles sein mag; aber ein einfühlsamer CDU-Versteher, der den Puls der Partei jederzeit richtig zu erspüren und zu erahnen vermag, eher nicht.

Hinzu kommt: Merz wusste bereits einige Tage vor der breiten Öffentlichkeit von Spahns Vaterschaft. Dass er dessen Wunsch entsprach, die Nachricht selbst zu kommunizieren, kann man integer finden. Dass er aber nicht mal Einfluss darauf nahm, in welcher Art und Weise die Kommunikation stattfinden würde, muss man mindestens als gewagt bezeichnen. Und tatsächlich hat Spahn dann ja auch zielsicher den Weg mit dem größten zusätzlichen Empörungspotenzial gewählt – den über die Bild-Zeitung.  [….]

(Henrike Roßbach, 19.07.2026

Ein qualifizierter Kanzler könnte sich nun verständig, reflektiert und durchsetzungsfähig zeigen. Eigene Versäumnisse benennen und Auswege aufzeigen.

Jeder weiß schließlich, wie überfällig eine Kabinettsumbildung angesichts der diversen C-Totalausfälle in seiner Crew ist.

Aber der Fritzekanzler scheint wieder einmal von einem Titanic-Praktikanten ersetzt worden zu sein und nutzt die Gelegenheit, um sich selbst lächerlich zu machen, indem er Grüne und Linke mit der AfD gleichsetzt. 

[….] Merz feuert Spahn – nicht, weil er die Kanzlermehrheit vergeigt, eine Verfassungsrichterwahl ruiniert, nutzlose Wehrpflicht-Debatten zugelassen hat. Und also als Fraktionschef so munter herumdilettierte, dass es schon wieder nach Absicht roch. Sondern, nachdem aus Landesverbänden der Union einhellig gefordert wurde, den Spahnwahn zu beenden. Seine Wiederwahl als Fraktionschef im Mai mit noch respektablen 86,5 % wurde als Höchststrafe für Merz gelesen und als Indiz, dass der nicht mehr genug Macht habe, einen loyaleren Könner einzuwechseln. Nun betont das Merz-Umfeld, er habe Spahn final unter Druck gesetzt, und nun kann Merz jemanden einsetzen, der schwarzblauer Neigungen unverdächtig ist. Muss er aber auch.  [….]

(Friedrich Küppersbusch, 19.07.2026)

Der Sauerländer Sabbelkopp ist kein „Kanzler-Azubi“. Azubis lernen dazu und können fähige Gesellen und Meister werden. Merz hingegen ist vollkommen erkenntnisresistent und nach einem Jahr als Kanzler noch schlechter als zu Beginn.

Larmoyanz und Selbstmitleid sind erheblich gewachsen.


[….] ZDF-Sommerinterview: Friedrich Merz übernimmt Verantwortung, aber schuld sind schon andere [….]

Im Sommerinterview mit dem ZDF schlängelt er sich biegsam zwischen Verantwortungsübernahme und Schuldzuweisungen hindurch.

Ob er nicht »im Wahlkampf und danach immer wieder sehr viel versprochen« habe, fragt ihn Diana Zimmermann, die Journalistin des ZDF, an einer Stelle etwa. Davon, eigene Fehler einzuräumen, ist Merz diesmal allerdings recht weit entfernt. Er sei damals »von anderen Voraussetzungen ausgegangen«, sagt er. Es gebe seit fünf Jahren einen Krieg in der Ukraine. Der US-Präsident stehe »nicht mehr in dem Umfang zur Nato«. Die Energiekrise halte »durch fehlendes russisches Gas« an. Und dann seien da die Herausforderungen durch China.

Alles freilich Voraussetzungen, mit denen schon sein Vorgänger klarkommen musste. Was aber behauptet der Kanzler allen Ernstes mit sehr sorgenvoller Miene? »Das sind alles Dinge, die sich so massiv verändert haben, insbesondere im letzten Jahr, praktisch auch zwischen den Wahlen und dem nächsten Deutschen Bundestag.« Diana Zimmermann hält ihm immerhin entgegen, dass der Krieg in der Ukraine schon drei Jahre vor seinem Amtsantritt begonnen habe. [….] Merz sagt auch mehrfach, dass er mit seiner Koalition die Verantwortung übernehme. [….] Aber, [….] Er verteilt Verantwortung zugleich sehr großzügig weiter. Angesprochen auf seine eigenen schlechten Vertrauenswerte kritisiert er die Tonlage im Parlament und nennt dann in einem Atemzug AfD, Linke und Grüne. Er nimmt auch die Medien in die Verantwortung. [….] Oder als Zimmermann ihn auf seine Stadtbild-Äußerung anspricht, die »sehr viele Menschen mit migrantischem Hintergrund verstört« habe: Da kritisiert er sie zurück, »Sie zeigen selten diejenigen, die mal sagen, es ist genau so, das war mit den kleinen Paschas schon vor vielen Jahren so. Sie zeigen immer diejenigen, die es kritisieren.« [….]

(Klaus Raab, 19.07.2026)

Kann man sich nicht ausdenken.

Samstag, 18. Juli 2026

Politische Hygiene

Noch vor ein paar Tagen war ich von Spahns Aussitzvermögen überzeugt und dachte, er würde auch das Genörgel über die US-Leihmutter überstehen. Schließlich überstand er schon erheblich größere Skandale mühelos.

Ein Quereinsteiger oder ein junger Minister aus einem kleineren Landesverband wäre längst geflogen.

Aber in 24 Jahren Bundestag bastelte sich der obsessive Netzwerker Spahn den womöglich größten Giftschrank der CDU zusammen. Er kennt jeden wunden Punkt von Jedem.

Spahn wird persönlich von den wenigsten seiner Kollegen gemocht.

Darauf hatte es der Ultraehrgeizige auch nie abgesehen, der durch seine ständige Merkel-Piesackerei schon vor einer guten Dekade als Rechtsaußen-Springteufel der CDU bekannt wurde.

[….] "Bekannt bin ich jetzt, beliebt muss ich noch werden" [….]

Jens Spahn, 38 Jahre alt, CDU-Minister, sitzt am Montag in einem Raum voller Journalisten und eigentlich gibt es nur eine Frage an ihn: "Warum sind Sie der richtige Mann für eine Kanzlerschaft?", [….] 

Spahn sagt: "Wenn man, wie ich, nicht nur reden, sondern was verändern will, dann braucht es das Vermögen, etwas zu ändern."

Dass an diesem Vormittag die halbe Hauptstadtpresse über die aktuellen Karrierepläne des Jens Spahn rätselt, liegt an einer Biografie, die der Chefredakteur der Rheinischen Post, Michael Bröcker, geschrieben hat und mit ihm gemeinsam vorstellt.

Auf dem Einband loben der CSU-Altvordere Edmund Stoiber und Österreichs Kanzler Sebastian Kurz den jungen Konservativen, und Bröcker orakelt, dass Spahn "die Bundesrepublik maßgeblich prägen wird".

Auf knapp 280 Seiten führt er dann aus, warum: Spahn, ein Provokateur und Strippenzieher, habe sich schon seit seiner Jugend im Münsterland nicht auf seinem Weg nach ganz oben beirren lassen. [….] Nun, in der Dämmerung Angela Merkels, sei möglicherweise Spahns Zeit gekommen, schreibt Bröcker. Überschrift: "Kanzler, was sonst?" [….]

(SZ, 17.09.2018)

Spahn ließ nie einen Zweifel an seinem Kanzler-Ehrgeiz aufkommen und spann dafür im Hintergrund emsig sein Netz. Den Kollegen missfiel dieses Verhalten, aber sie erkannten es als Machtfaktor an. Der Mann kann Mehrheiten organisieren und man tritt ihm besser nicht auf die Füße, weil er skrupellos ist. Spahns Arm reicht weit genug, um fast jedem Unions-Abgeordneten die Aufstellung für die nächste Bundestagswahl zu verderben. Mit ihm stellt man sich möglichst gut, wenn man weiter kommen will.

So überstand er jeden Skandal; so wurde er trotz Desaster-Performance am 05.05.2026 mit 86,5% als Fraktionschef wiedergewählt, obwohl der Kanzler und CDU-Vorsitzende ihn hasst, wie die Pest.

Einzelne Hyänen, die um ihn herumstrichen, hatten zu große Beißhemmungen; mußten befürchten, von Spahns mächtigen Pranken niedergestreckt zu werden.

Aber in den letzten drei Tagen wurde das Hyänen-Rudel der Spahn-Kritiker immer größer. Selbst Merz wurde immer bissiger.

In den letzten 24 Stunden schlossen sich immer mehr CDU-Landesverbände dem in der demoskopischen Einstelligkeit hockenden MeckPommern an, die mit dem Wahlmühlstein Spahn um den Hals befürchten müssen, am 20.09.2026 gen 5%-Hürde zu krachen.

Moralische Erwägungen, Anstand, Ehrlichkeit spielten dabei, wie in der Union üblich, gar keine Rolle. Es geht ganz allein um die Machtoptionen und damit verbundene Pfründe.

Unpopuläre Spitzenleute zu feuern, kann eine demoskopische Befreiung sein. Dafür gab es gerade in den letzten Tagen zwei Beispiele.

Im eher liberalen US-Bundestaat Maine kämpft die konservative Trumpanzee-Senatorin Collins um ihre Wiederwahl im November. Gegen sie tritt der „unkonventionelle linke“ Graham Platner an, der zum Entsetzen der Demokraten in Umfragen stets noch hinter ohnehin unbeliebten GOPerin Collins rangierte. Nun warf Platner überraschend, nach Vorwürfen sexueller Übergriffigkeit, hin. So spät im Wahlkampf den Spitzenkandidaten zu verlieren, ist eigentlich ein Alptraum für die jeweilige Partei. Aber nicht so in Maine: Nun stehen die Demokraten ohne Kandidaten da und haben deutliches bessere Chancen als mit Kandidaten!

Ein ähnliches Bild in Berlin nach dem unrühmlichen Aus des Bürgermeisters und CDU-Spitzenkandidaten Wegner. Kaum ist Lügen-Kai weg, schießt seine CDU vom blamablen Platz Vier in den Umfragen auf Zwei, überholt Grüne und AfD!

Den beim Volk extrem unbeliebten Spahn loszuwerden, verbindet die CDU daher mit einiger Hoffnung auf bessere Umfragewerte und bessere Wahlchancen in den drei September-Landtagswahlen Sachsen-Anhalt, MeckPomm und Berlin.

Ein schöner Nebeneffekt: Der einzige noch unbeliebtere CDU-Politiker, nämlich Merz, kann sich als derjenige inszenieren, der fähig ist, harte Entscheidungen zu treffen.

Lustigerweise merkt der Fritzekanzler wieder einmal gar nicht, wie lächerlich er sich macht, wenn ausgerechnet er, der notorische Lügner und Wortbrecher, sich zur Ikone der Glaubwürdigkeit stilisiert. Zu halten war Spahn ohnehin nicht mehr. Die Rezeption seines Verhaltens war so verheerend, daß er die CDU in den endgültigen Abgrund gezogen hätte.

[….] Dieser Rücktritt musste sein [….] Der Rücktritt von Jens Spahn wird der Union wenig nutzen. Aber sein Verbleib im Amt des Fraktionsvorsitzenden hätte ihr schwer geschadet.

Er konnte diese Debatte nicht gewinnen. Wenn es in der Politik um die sogenannten „Inhalte“ geht, ums Schließen von Krankenhäusern, um die Erbschaftsteuer oder die Wehrpflicht, kostet es einigermaßen Mühe, sich eine eigene Meinung zu bilden. Man muss Abwägungen treffen und sich zu einer Haltung womöglich durchringen.

Zu Jens Spahn und der Leihmutterschaft hingegen hat praktisch jeder sofort eine Meinung. Das hat erstens damit zu tun, dass das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland nie Gegenstand großer Debatten war; anders als der Schwangerschaftsabbruch oder die Ehe für alle. [….]

Zweitens konnte Jens Spahn die Debatte auch deshalb nicht gewinnen, weil es mit seinem öffentlichen Ansehen ohnehin seit Langem nicht zum Besten stand. [….] 

Das zusammengenommen war der Hintergrund, vor dem sich Jens Spahn drittens einem Vorwurf ausgesetzt hat, der nur sehr schwer zu überstehen ist: dem der Doppelstandards. Wenn er wenigstens mal dafür gekämpft hätte, die Leihmutterschaft auch in Deutschland zu ermöglichen. Wenn er Argumente dafür gesammelt und um sie geworben hätte. Doch Jens Spahn trug die CDU-Beschlüsse zum Verbot der Leihmutterschaft mit. 2020 sprach sich das Bundesgesundheitsministerium, dem er damals vorstand, gegen die Leihmutterschaft aus, indem es auf die unvermeidlichen Schwierigkeiten bei der Selbstfindung eines Kindes hinwies. Und dann umgeht er das Verbot, indem er sich eine Leihmutter in den USA sucht - weil er und sein Mann es sich finanziell leisten können; anders als ein schwules Paar, in dem der eine ein Busfahrer und der andere ein Bäcker ist. [….] Zu den Klischees über Politiker gehört, dass sie Wasser predigten und Wein tränken. Meistens ist dieser Vorwurf ungerecht (ausgenommen unter anderem jene AfD-Politiker, die Verwandten gut bezahlte Jobs in ihren Abgeordnetenbüros verschafft haben). Hier trifft er zu. [….]

(Detlef Esslinger, 18.07.2026)

Diejenigen innerhalb und außerhalb der Union, die über Spahns politisches Ende jubilieren, freuen sich zu früh. Er behält einen Bundestagssitz, seine Position im CDU-Präsidium und all seine Kontakte.

Er hat Döpfner, Ronzheimer, Thiel, Gotthardt, Kurz, Grenell, Reichelt im Rücken. Er ist die Inkarnation des Ehrgeizes. Und er hasst Merz.

Aus sozialdemokratischer parteipolitischer Sicht bedaure ich natürlich Spahns Abgang. Genau wie ich mich als Atheist über Kardinal Woelki freue, der mit jedem Tag im Amt, mehr Leute zum Kirchenaustritt treibt, erkenne ich Spahns Leistung an, Wähler davon abzuhalten, ihr Kreuz bei der CDU zu machen.

Aus demokratischer Perspektive sieht es aber anders aus, weil die Nazis in allen bundesweiten Umfragen klar stärkste Partei sind; in Ossistan absolute Sitzmehrheiten holen können.
Für die Autokratie- und Diktaturbefürworter, für die Putin-Fans, für die rechtsradikalen Gefährder ist ein Spahn, der ohne persönliche Konsequenzen immer im Amt bleibt, die perfekte Metapher, um gegen „die da oben“ zu hetzen. Zu pauschalisieren: „Alle Politiker sind korrupt, die verdienen einen Denkzettel, die AfD muss aufräumen!“

Jens Spahn ruiniert das ohnehin schon viel zu geringe Vertrauen in Staat, freie Wahlen, Parlamentarismus und Demokratie immer mehr.

Daher muss ich froh über seinen Rücktritt sein.

Gibt es einen schwulen Andenpakt?

Am dritten Tag der „Leihmutter-Affäre Spahn“ haben sich so ziemlich alle öffentlichen Figuren zur der Causa geäußert.

99% der Artikel und Reels beginnen mit der pronatalen Feststellung, man gönne ihm persönlich sein Glück, gefolgt von einer Lobeshymne über Kinderwunsch, Kinderkriegen, Kinder im Allgemeinen. Nichts wird in Deutschland so hartnäckig positiv geframt, wie die Vermehrung.

Als ob nicht die Überbevölkerung des größte plantare Problem überhaut wäre. Als ob nicht die Familie auch Hort von Missbrauch und Gewalt wäre.

Anschließend wird das Thema Homosexualität abgefrühstückt: Natürlich habe man nichts gegen Schwule und Homosexuelle könnten genauso gute Eltern, wie Heterosexuelle sein.

(Das sehe ich anders! Ich glaube, Schwule und Lesben sind im Durchschnitt bessere Eltern, als Heterosexuelle, weil alle ihre Kinder Wunschkinder sind, die nur geborenen werden, wenn sie wirklich gewollt sind und die Eltern ihnen volle Aufmerksamkeit widmen. Heterosexuelle werden hingegen dauernd auch ungewollt schwanger oder reproduzieren sich lediglich, weil es die gesellschaftlichen Normen von ihnen erwarten. Kinder „passieren“ ihnen durch Unfälle, Suff oder Launen. Auch wenn sie eigentlich gar keine Lust haben, Eltern zu werden. Gleichgeschlechtliche Paare hingegen müssen einen viel höheren Aufwand betreiben, um schwanger zu werden.)

Der dritte immer wieder mitfühlend angesprochene Aspekt, ist das Schicksal der ungewollten Kinderlosigkeit. Gern mit dem Hinweis darauf, es treffe Heteros genauso, wie Homos. Auch Frau/Mann-Konstellationen wären manchmal auf Leihmütter angewiesen.

Alle drei Themen NERVEN MICH, weil sie für den Fall Spahn irrelevant sind. Sie spielen keine Rolle bei der moralischen und politischen Bewertung seines Handelns.

Es geht hingegen um Glaubwürdigkeit, die Heuchelei, daß ausgerechnet ein Politiker, der persönlich, aber auch dessen Partei intensiv dafür streitet, Leihmutterschaft zu kriminalisieren, selbst eine Leihmutter in Anspruch nimmt. Weil er reich und mächtig ist und die Regeln nicht für ihn gelten sollen.

Die Öffentlichkeit wird gerade bei Spahn so getriggert, weil er ein Wiederholungstäter ist, der immer wieder für sich Freiheiten und Sonderrechte herausnahm, die er anderen niemals gönnt. Nun plötzlich reiben sich die Konservativen verwundert die Augen:

Das ist natürlich jetzt blöd, schließlich ist Jens Spahn bekannt für seine absolute Glaubwürdigkeit!  Er ist die Inkarnation der Ehrlichkeit.
Sympathisch und altruistisch. Deswegen ist er ja auch so ungeheuer populär beim Volk.  Man muss ihn einfach lieben!

Inhaltlich ist der Fall klar: Indem die CDU an Spahn festhält, ihn demonstrativ auf dem zweitwichtigsten Posten belässt, betreibt sie wieder einmal massive Wahlkampfhilfe für die AfD und alle demokratieverachtenden Populisten, die sowieso alle Politiker für korrupt und verlogen halten.

Interessanterweise sind die Reihen innerhalb von CDU und CSU nicht sehr geschlossen. Üblicherweise wagt sich niemand mit Kritik an Spahn nach vorn, weil er seit 24 Jahren im Bundestag sitzt und als begnadeter Netzwerker über jeden irgendwelche despektierlichen Informationen im Giftschrank hat. Weil so viele ihm einen Gefallen schulden. Mit ihm will man sich nicht anlegen.

Aber nun könnte eine Welle des Unmuts losbrechen.

[….] Es hatte alles so nett angefangen für ihn. "Ein Baby für Jens Spahn" lautete die Titelzeile der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. "Es ist eine Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung", beginnt die exklusive Homestory im Blatt. Fast eine Seite ist sie lang, große Fotos der lachenden Papas Jens Spahn und Daniel Funke, sein Ehemann.

Einen Tag später ist aus der frohen Botschaft für Jens Spahn ein großes politisches Problem geworden. Denn die beiden haben ihr Kind von einer Leihmutter in den USA austragen lassen. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Und die Union, deren Fraktionschef Spahn im Bundestag ist, will unbedingt, dass das so bleibt.

Zu sagen, dass es in CDU und CSU seit der Nachricht rumort, wäre heillos untertrieben. Unverständnis, Entsetzen, auch Wut – das trifft es eher. Es gibt erste Unionspolitiker, die Spahns Rücktritt fordern. Trotz der Sommerpause, in der sich die Koalition eigentlich Ruhe verordnet hat, wird es brenzlig für Spahn. Ein erfahrener Politiker, der sich nicht namentlich zitieren lassen möchte, sagt t-online: "In der CSU herrscht schiere Fassungslosigkeit."  […]

(Johannes Bebermaier, 17.07.2026)

Interessant ist, wer in diesem Shitstorm nach vorn springt, um für Spahn zu kämpfen.

Der sehr rechte Döpfner-Journalist Paul Ronzheimer macht einen Leihmutterpodcast mit Spahn, der mit enormen Aufwand über alle Springer-Kanäle verbreitet wird.

Der sehr rechte AfD-Anwalt Ralf Höcker springt beim rechtsradikalen „Kontrafunk“ für Spahn in die Bresche.

Natürlich gibt es unter Rechten und Rechtsextremen prozentual genauso viele Schwule, wie überall sonst in der Gesellschaft. Aber es ist schon auffällig, daß sich nun die schwulen ganz Rechten als erstes vor Spahn stellen.

Gibt es womöglich einen schwarzbraunen Homo-Andenpakt, in dem sich erzkonservative Strippenzieher versprochen haben, sich stets öffentlich zu verteidigen und nie um dasselbe Amt zu kämpfen?

Ich will ungern verschwörungstheoretisieren, aber das sind schon erstaunlich viele schwule Rechte/Rechtsextreme, die zusammen klüngeln: Jens Spahn (CDU), Peter Thiel (GOP), Richard Grenell (GOP), sein Ehemann Matt Lashey (GOP), Dave Rubin (rechter Podcaster), Michael Mronz, Daniel Funke, Peter Kurth (CDU/AfD), Stefan Evers (CDU), Hendrick Streeck (CDU), Sepp Müller (CSU), David Berger (AfD), Ralf Höcker (AfD), Paul Ronzheimer (BILD),…

Ronzheimers Springer-Verlag überhäuft jetzt demonstrativ den Rechtsextremen Thiel mit Ehrungen, nachdem dessen geheime Klüngelei mit Jens Spahn ans Licht kam.

[….] Jens Spahn bestätigt Teilnahme an Veranstaltungen von Peter Thiel

Der heutige Unions-Fraktionschef Spahn hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren fünfmal an Veranstaltungen der „Dialog“-Organisation des US-Tech-Milliardärs Peter Thiel teilgenommen. [….]

(Deutschlandfunk, 19.06.2026)

Oder es ist reiner Zufall, daß alle die rechten Skandaloniker ins Spahns Umfeld schwul sind.