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Donnerstag, 30. Juli 2026

Wieder einer endgültig verloren.

Daß alle demokratischen Gesellschaften von rassistischen, bornierten, missgünstigen, homophoben, misogynen und sonstigen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit frönenden Arschlöchern durchsetzt sind, wundert mich kein bißchen. Das war vermutlich immer so.

Mit dem Internet, Klugtelefonen, Social Media und Chatbots wurden aber leider sich selbst verstärkende Echokammern geschaffen, in denen sich die früher isoliert und entsprechend verschüchtert lebenden Dorftrottel zusammenrotten, ihre abstrusen Ansichten gegenseitig bestätigen. Die Algorithmen führen ihnen automatisch immer extremerer Ansichten zu, die maximal emotionalisieren sollen. Die rationalen und beschwichtigenden Stimmen sortiert die KI aus, wenn sie merkt, daß sie nicht erwünscht und weggeklickt werden. Und so glaubt der rechtsextreme Dorftrottel bald, er befände sich im Einklang mit allen anderen. Da jeder in seiner Braunblase ebenfalls an Chemtrails, Reptiloiden oder eine „jüdische Weltverschwörung“ glaubt, findet er verständlicherweise das Selbstbewußtsein, diesen Irrsinn auch im realen Leben, jedem auf die Nase zu binden. Erntet er Widerspruch, trägt er das empört zurück in seine Blase, die sich noch mehr emotionalisiert und zu mehr Taten aufheizt.

Deswegen sehen wir weltweit in den Demokratien deutliche Zunahmen der Gewalt gegen Queere, Frauen, POCs, Juden, Muslime, Migranten, Obdachlose, Sinti, Roma und alle anderen, deren Nase der rechten weißten Pest nicht passt.

Auf der journalistischen und publizistischen Ebene gibt es unglücklicherweise eine parallele Entwicklung von einstmals vernünftigen, geschätzten, gelegentlich sogar verehrten Menschen, die durch verschiedene Zufälle in rechte Blasen pieksen, dort ungeahnten Schnittmengen vorfinden, möglicherweise aus Lust an Provokation und Aufmerksamkeit länger als notwendig verweilen, den Zuspruch genießen und immer mehr in die Braunblase gezogen werden. Die Verlockung ist groß, weil man sich dort nicht um die lästigen journalistischen Standards kümmern muss, „Gefühltes“ mindestens gleichrangig mit Fakten ist und kritische Überprüfung der Aussagen nicht mehr stattfindet.

So viele „Gute“ haben wir auf dem Weg schon durch die Sogwirkung des rechten Sumpfes verloren. Niemand kommt da wieder raus, der sich einmal dort hinab begeben hat. Fast alle werden immer radikaler. Viele tauchen und taumeln schon so lange durch exkrementelle Verschwörungsblase, daß wir längst vergessen haben, daß sie mal als seriöse, anständige Menschen in die öffentliche Sphäre eintraten, deren Gedanken man interessiert verfolgte:

Matthias Matussek, Alexander Kissler, Hendryk M. Broder, Boris Palmer, Juli Zeh, Vera Lengsfeld, Christoph Schwennicke, Roland Tichy, Alice Schwarzer, Angelika Barbe, Oskar Lafontaine, Sarah Wagenfeld, Monika Maron, Oswald Metzger, Thilo Sarrazin, Gabriele Krone-Schmalz, Stefan Kornelius, Ulf Poschardt sind nur die, welche mir gerade spontan einfallen.

Fast vergessen auch die Herkunft des arabisch sprechenden Constantin Schreibers, der nach Stationen bei RTL im Jahr 2015 große Bekanntheit erreichte, als er für NTV mit seinen in „Merhaba“-Videos die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge willkommen hieß. Seine Karriere via NDR, wo ich ihn als „ZAPP“-Moderator sehr schätzte, zur größeren Öffentlichkeit bei der Tagesschau, schien vorgezeichnet.

Aber dann stieß er die Tür nach RECHTS auf: Rechtspopulistische Bücher, Tagesschau-Aus, Israel, Axel Springer.

[….] Nach nicht mal einem Jahr kündigt Ex-„Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber seine Trennung vom Axel-Springer-Verlag an. [….]

Schreiber hatte kurz nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day die FDP-Politikerin Karolin Preisler zu Gast, die angab, kurz vor der Tat Hinweise auf den Attentäter an die Polizei weitergegeben zu haben, die nicht reagierte. Also ein schreckliches Behörden- und Führungsversagen, wieder einmal? Schreiber hinterfragte Preislers Schilderungen nicht wirklich, sondern nickte vor allem – und wurde in den sozialen Medien auch von Journalistenkollegen dafür abgewatscht. Denn nicht die Behörden hatten geschlampt, sondern Preisler etwas verwechselt.

Aber Schreiber will eigentlich auf anderes hinaus, nämlich auf Nachrichten in eigener Sache: Schon vor ein paar Monaten habe er sich entschieden, beruflich „neue Wege zu gehen“, sich zum Ende des Jahres von Axel Springer zu trennen. Auf eine SZ-Anfrage an ihn und den Verlag, ob denn die Zeichen schon wieder auf Trennung stehen – nicht mal ein Jahr nachdem er von der ARD zu Axel Springer gewechselt war –, hatte Schreiber zunächst nicht geantwortet, dann aber das Video hochgeladen. Der Verlag selbst reagierte mit einer eher schmallippigen Mail: „Wir bestätigen, dass Constantin Schreiber und Axel Springer die Zusammenarbeit zum 31. Dezember beenden. Er wird sich künftig eigenen Projekten widmen.“ [….]

 Und Schreiber, der bei seinen Kolleginnen und Kollegen der Öffentlich-Rechtlichen etwa schon mit seinen Büchern über den Islam eher angeeckt war, schien froh zu sein, bei Springer nun eine publizistische Heimat gefunden zu haben, in der er sich weltanschaulich womöglich wohler fühlte.

Ganz so reibungslos wie erhofft gestaltete sich die Zusammenarbeit aber nicht – nach wenigen Monaten gab Springer bekannt, dass der heute 47-Jährige seinen Teilzeit-Dienstsitz in Tel Aviv aufgeben und „künftig aus familiären Gründen aus Deutschland“ arbeiten werde. In dem Video, in dem er seinen endgültigen Abschied vom Verlag bekannt gibt, rekapituliert Schreiber nun, „es war zwar nicht so lang bei Axel Springer, aber es war sehr spannend“ – besonders, als in Israel der Krieg mit Iran ausgebrochen sei und er „das ’ne Zeit lang verfolgen konnte“.

Im Axel-Springer-Haus in Berlin wird sicher nicht jedes Wort aus Schreibers Video auf Zustimmung stoßen, bei der Formulierung „’ne Zeit lang“ dürften aber einige nicken: Dass Schreiber mit seinem Podcast durch Deutschland tourte, während auf Tel Aviv Raketen fielen, stieß nach SZ-Informationen einigen Mitarbeitern sauer auf. [….]

(Moritz Baumstieger, 30.07.2026)

David Berger oder Jürgen Elsässer können Schreiber vermutlich nicht bezahlen. Außerdem sind ihre Plattformen zu klein für sein enorm angeschwollenes Ego.

Gotthardt, Reichelt und NIUS schon eher. Da könnte er, unbelästigt von Fakten, islamophobe Verschwörungstheorien ausbreiten und weiter Aufmerksamkeit genießen.

Schreiber scheint aber von seiner selbst gefühlten Bedeutungsschwere so überwältigt, daß er kaum noch gehen kann. Bald wird vermutlich eine Bundeskanzler-Stelle frei. Zutrauen würde sich Schreiber das.

Podcaster auf eigene Rechnung wird ihm nicht reichen.

Dienstag, 28. Juli 2026

Lock her up

Über ein Jahr geht das Theater; 63 Prozesstage habe ich akribisch im MoPo-Minutenprotokoll nachgelesen und unzählige Hintergrundartikel studiert.

Mein Interesse an der Causa Block wird aus drei Quellen gespeist:

Erstens Lokalkolorit-Neugier and einer Promi-Familie, die in Hamburg jeder seit Jahrzehnten kennt.

Zweitens tiefe Abneigung gegen die erzkonservative, autoritäre und erzkatholische Fleischhandelsfamilie.

Drittens übergeordnetes politisches Interesse:

(….) Natürlich gehen die Öffentlichkeit die Details eines schmerzhaften Sorgerechtsfalles auf dem Rücken der Kinder nichts an. Solche Fälle kommen jedes Jahr myriadenfach vor und sollen diskret behandelt werden.

Der Block-Fall aber ist von öffentlichen Interesse. Nicht, weil die Beteiligten reich und berühmt sind. Sondern weil Block und Delling gezielt die Öffentlichkeit suchten, um mit ihrer Prominenz Gerichte zu beeinflussen. Es geht um die Frage, wie gleich Bürger vor Gericht sind. Können Superreiche mit ihren Kontakten Urteile manipulieren? Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn Megaprominente für ihre privaten Fehden a.) August Hanning, den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) und ehemaligen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, b) den Außenminister Sigmar Gabriel und c.) gar den Vizepräsidenten des Bundestages Wolfgang Kubicki einspannen können, der sofort anbietet, seine Amtsinsignien in die Waagschale zu werfen?

[….] In der Sorgerechtsaffäre um zwei Kinder aus der Hamburger Unternehmerfamilie Block (Block House) hat sich Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki offenbar deutlich stärker engagiert als bisher bekannt. Diesen Schluss legen Handynachrichten nahe, die der FDP-Politiker an Christina Block geschrieben hat, Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block und die Mutter der Kinder[…] Schon am 1. Januar 2024 schrieb Kubicki an die »liebe Frau Block«, er wünsche ein gutes neues Jahr. »Und wenn es stimmt, was ich lese, alles Glück dieser Erde.« Es folgte der bekannte Satz: »Wenn Recht zum Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.«

Auf die Frage des SPIEGEL, ob er damit eine Entführung befürworten wollte, erklärte Kubicki, er sei von Beruf Strafverteidiger und »befürworte oder relativiere keine Straftaten«.[…] In diesem Zusammenhang war am 2. Dezember 2021 ein Gerichtstermin in Dänemark anberaumt. Im Vorfeld reagierte FDP-Mann Kubicki auf die Bitte der Mutter um diplomatische Unterstützung. Kubicki versprach am 30. November: »Ich tue mein Bestes.« Zwei Tage später teilte er mit, die »diplomatischen Vertretungen« hielten es für »kontraproduktiv«, wenn ihre Leute im Gerichtssaal säßen. Er könne aber selbst anreisen und ihr den Rücken stärken.

Kubicki verwies darauf, er sei als Vizepräsident des Bundestages »protokollarisch ganz weit oben«. In einer weiteren Nachricht teilte er mit, er »käme im Dienstwagen selbst«. […] Kubicki betonte, seine Unterstützung für Christina Block »war und ist nicht unzulässig«. Sie gehöre »zu den Aufgaben eines Abgeordneten«. Im Übrigen kenne er Christina Block und ihren Partner, den Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, »aus einer Vielzahl von Veranstaltungen und Empfängen«. […]

(SPON, 21.03.2025)

Hier liegt ein für die Öffentlichkeit relevanter Skandal vor, der mE nach einer gesetzlichen Regelung verlangt. (….)

(Staatsinteresse, 15.08.2025)

Durch den gezielten Einsatz von Medien und Millionen, nehmen sich die Blocks mehr Rechte und mehr juristische Möglichkeiten heraus, als der 0815-Bürger. Sie können professionelle Geheimdienstler; Mossad-Leute aus Israel engagieren und zu Straftaten animieren, um die Fakten zu schaffen, die Christina und Eugen Block sich wünschen.

Die Blocks sind dementsprechend auch Gegenstand der aktuellen ausführlichen SPIEGEL-Titelgeschichte.

Hier wird die emotionale Dysfunktionalität des „Patriarchen“ und die zwangsläufige Entfremdung zu seinen drei Kindern zwar angesprochen, aber kaum erwähnt, worin die mutmaßlichen Misshandlungen der Mutter und des Opas lagen, so daß drei der vier Block-Kinder nicht nur bei ihrem Vater leben wollen, sondern auch den Kontakt zu ihrer Mutter verweigern. Ebenfalls kaum beachtet von den SPIEGEL-Autoren, werden die in Hamburg wohlbekannten sadistischen Umgangsformen des Friedrich Block gegenüber seinen Untergebenen und Enkeln.

(….)  Der heute 83-Jährige stramm religiöse Patriarch Eugen ist stockkonservativ, sympathisierte lange mit der CDU, bis sie ihm zu lasch wurde und er bereits 2013 erklärte, die AfD zu wählen.  Über die Dekaden konnte ich ferner der Lokalpresse entnehmen, wie fürchterlich Eugen im privaten Umgang sein muss.

Kaum hatte er Sohn Dirk an seine Seite in der Geschäftsführung geholt, zerstritten sie sich coram publico. Eugen warf seinen Sohn raus und behandelte ihn damit wie einen seiner bisher fast 20 Elysee-Hoteldirektoren. Das Hamburger Abendblatt schrieb vor 13 Jahren zu Blocks 70. Geburtstag:

[….] Der 70-Jährige hat innerhalb von 26 Jahren in seinem Hotel Grand Elysée in Hamburg 14 Direktoren verbraucht. Mal ging es um die Dekoration in den Restaurants, mal um die Muster auf den Salzstreuern. Oft vermutlich auch darum, dass der Hotelchef die Erwartungen des Eigentümers nicht erfüllen konnte. "Der hat sich nicht genug angestrengt", begründete Block einmal einem Rauswurf. Und pries den Nachfolger in den höchsten Tönen. Spätestens bei Direktor Nummer acht kamen bei Beobachtern Gedanken wie "mal sehen, wie lange der das jetzt schafft" auf.   […..]

(Daniela Stürmlinger, 08.07.2011)

Offenbar wird es im Alter immer schlimmer; Petitessen reichen aus, um Wutanfälle des AfD-Mannes auszulösen. Nichts ist ihm gut genug, alles kann er besser.

Natürlich wechselte er als einer der ersten, bereits im April 2020 ins Covidioten-Lager.

[….] Eugen Block ist [….] ein Selfmade-Mann, der an das Recht des Stärkeren glaubt. An den Markt. An Gott. In einem alttestamentarischen Sinn. An Friedrich Merz. Mit Mitgefühl hat er es nicht so. Das zeigten vor einigen Jahren schon seine Äußerungen zur AfD (hat er mal gewählt, als „Korrektiv für diesen großen Mischmasch von Politik“) und zum Islam („kann keinen Frieden bringen“). Und jetzt also Corona. Block hat Briefe geschrieben, hat er dem „Spiegel“ erzählt. An Scholz, Altmaier, Spahn, das RKI. Er hat „klargemacht“, sagt er, dass das totale Einstellen des öffentlichen Lebens zum wirtschaftlichen Niedergang führt“. [….] Und dann sagt Block dem „Spiegel“ einige Sätze, die auf so bestechende Art entlarvend sind, dass es fast schon schmerzt, sie zu lesen: „Die Herrschaften haben angstgetrieben Panik gemacht. Ich warte immer noch auf den seit Langem angekündigten Corona-Peak. Noch immer stehen die Krankenhäuser halb leer. Mit den entstehenden Kosten hätte Herr Spahn seine Intensivabteilungen verdoppeln können. Nein, er muss das ganze Volk wegsperren und das Leben auf den Kopf stellen.“ [….]  „Hören Sie auf mit der Panikmache, dann sterbe ich eben drei Tage früher, na, und? Ich habe Gottvertrauen. Ich gehe danach zum liebenden Gott.“ [….]

(Maik Koltermann, 18.02.2024)

Die vier Kinder seiner Tochter Christine hatten nichts zu lachen bei Opa.

[….] Eugen Block gilt als eigensinniger Charakter, der alles selbst macht und nur wenigen traut. Sogar die Gardinen für seine Restaurants sucht er persönlich aus.  Seine Enkelin Johanna erzählt nun in Dänemark eine Geschichte, die für ihn typisch erscheint: Als Johanna ihr Kinderzimmer neu einrichten wollte, habe ihr Eugen Block diesen Wunsch abgenommen – und den Raum nach seinem Geschmack gestaltet.  [….]

(Die Zeit, 01.02.2024)   [….]  [….]

 [….] Es begann damit, dass Johanna, die Älteste der vier Block-Geschwister, im Jahr 2021 (sie war damals 15) während eines Sylt-Urlaubs ins nahe gelegene Dänemark zu ihrem Vater und dessen neuer Frau ausriss. "Es ging einfach nicht mehr", sagt Johanna im Gespräch mit der ZEIT. Sie habe mit ihrer Mutter über Freiheiten und Grenzen gestritten, auch um einen sechsmonatigen Auslandsaufenthalt ging es, den die Mutter für ihre Tochter wollte, den die Tochter aber ablehnte. Und immer wieder: zu viel Strenge, zu hohe Erwartungen.  Johanna sagt: "Vier Tage pro Woche hatten wir Hobbys. Hockey, Ballett, Klavier, Leichtathletik, Schwimmen, Flöte, dazu kam Nachhilfe. Hockeyspiele am Wochenende. Und dann Verabredungen, die sie getroffen hat. Du hast nie freigekriegt. Du durftest unter der Woche nie mal im Bett liegen. Am Wochenende wurden wir auch früh geweckt, weil wir alle zusammen frühstücken sollten – fertig angezogen natürlich." Sie selbst habe sich um die Geschwister kümmern, mit ihnen Hausaufgaben machen, sie bekochen und ins Bett bringen müssen. Johanna sagt: "Ich hatte viel zu viel Druck." [….]  [….]. In den Akten ist die Rede davon, manche der Kinder seien von ihrer Mutter auf den Hinterkopf geschlagen, die Treppe hochgezogen, gelegentlich eingesperrt und über längere Zeit allein gelassen worden. Die Mutter bestreitet das.   […..]  [……]

(Die Zeit, 01.02.2024) (….)

(Jesus hilft Hamburger Multimillionär, 22.02.24)

Mit Prozesstag 64 wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil anderenfalls Persönlichkeitsrechte verletzt werden könnten. Es geht weiterhin heiß her; Block und ihr Promianwalt Ingo „Rasputin“ Bott, treiben die Kammer mit ihrem aggressiven Vorgehen weiterhin zur Weißglut. Rasputin, (sowie auch Patriarch Eugen über Medien und offene Briefe), greifen an jedem Prozesstag die vorsitzende Richterin persönlich an. Offensichtlich mit der Absicht, einen Eklat zu provozieren, einen Prozessabbruch herbeizuführen, oder in Revision zu gehen.

Rasputin, Block

Richterin Hildebrandt lässt die Attacken mit stoischer Ruhe an sich abprallen. Aber auch Block selbst spielt nicht nach den Regeln. So rief sie während des Prozesses, kurz vor den bedeutenden Zeugenaussagen der Ex-Mossad-Leute in Israel an. Selbstverständlich ist Zeugenbeeinflussung verboten. Wollte Christina Block die Aussagen manipulieren? Hat sie jemanden bedroht? Nein, wehrte diese ab; sie habe nur Genesungswünsche übermitteln wollen.

Nun verstößt sie erneut gegen die Prozessregeln:

[….] bevor die Öffentlichkeit aus dem Saal gebeten wird, lässt die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt die eigentliche Bombe des Verhandlungstages platzen. Sie spricht ohne Umschweife die Hauptangeklagte Block direkt an: Die sachverständige Gutachterin hatte demnach am Montag dem Gericht gemeldet, dass Block ihr außerhalb der Hauptverhandlung einen Briefumschlag mit Unterlagen zu ihren Kindern gegeben hatte.

An sich ist das nichts Außergewöhnliches, denn beide Elternteile hatten der Kinderpsychiaterin Unterlagen zur Verfügung gestellt, um sie bei der Begutachtung der beiden Kinder zu unterstützen. Das Brisante: Die Unterlagen, die Block der Gutachterin zusteckte, enthielten nicht einfach Informationen zu den Kindern und ihrem Leben bei der Mutter, sondern Beweisanträge und einen persönlichen Brief. Beide Dokumente sind bislang nicht Aktenbestandteil im Prozess.

Ignorierte Block die vorherige Androhung des Haftbefehls?

Für Hildebrandt steht damit am Dienstag fest, dass das eine versuchte Einflussnahme auf die Sachverständige war. Schon im November hatte die Richterin Block gedroht, sie werde einen Haftbefehl gegen sie erlassen, sollte sie weiter auf Zeugen einwirken. Am Dienstag wirft sie Block vor, genau das getan zu haben. In scharfem Tonfall fordert Hildebrandt die Hauptangeklagte auf, den Vorfall irgendwie zu erklären. [….] "Das ist ja nicht aus der Tasche gefallen", hakt sie nach, und erinnert auch Bott an ihre Warnung im November. "Jetzt passiert wieder so etwas, dass das ein Zufall sein soll, vermag ich schwer zu glauben." Hildebrandt, die sich sonst selten in die Karten schauen lässt, klingt ungewohnt aufgebracht. [….]

(Legal Tribune Online, 28.07.2026)

Es fügt sich perfekt ein in ein Bild von einer Familie, die sich trumpesk außerhalb der Regeln wähnt.

[….] Ihr, Christina Block, sei es allein darum gegangen, der Kinderpsychologin bei der Anamnese zu helfen, also bei der Krankengeschichte der Kinder. Den Brief ihrer Bekannten habe sie im Briefkasten gefunden und ungelesen mit in den Umschlag zu den Beweisanträgen gelegt. So Christina Block.

Problem: Die Unterlagen in dem ominösen Umschlag befassen sich überhaupt nicht mit der Gesundheit der Kinder, sondern handeln vom Vater, und zwar in einer „ehrabschneidenden Weise“, wie dessen Anwalt betont. Sollte der Vater Stephan Hensel im Gutachten möglichst schlecht wegkommen? Nachdem Christina Block im Oktober 2023 bereits „Beweise“ für dessen Pädophilie bei der Polizei abgegeben hatte? Diese Daten hatten sich schnell als gefälscht herausgestellt.

Die Kinderpsychologin korrigiert dann auch prompt die Darstellung von Christina Block: Sie habe tatsächlich um Unterlagen gebeten, allerdings um das Gesprächsprotokoll einer Tochter. Das solle Ingo Bott ihr bitte noch einmal ausdrucken. Dass Christina Block ihr in dem Umschlag auch Beweisanträge mitgegeben habe, habe sie „überrascht“. Eine der beiden Frauen sagt also die Unwahrheit.  Welche Konsequenzen die „versuchte Verdunklungshandlung“ für Christina Block haben wird, muss die Kammer nun entscheiden. „Ich habe bereits im November gesagt, dass jegliche Einflussnahme zu unterbleiben hat, und nun das“, stellte die Vorsitzende fest.  [….] Es ist nicht der erste Schuss vor den Bug. Bereits im November 2025 hatte Isabell Hildebrandt sich mit deutlichen Worten an Christina Block gewandt: „Wir werden nicht zögern, einen Haftbefehl zu veranlassen, wenn Sie nicht aufhören, Zeugen zu kontaktieren“, sagte sie am 21. Verhandlungstag. Damals war der Verdacht aufgekommen, Christina Block habe versucht, Druck auf israelische Zeugen auszuüben, um sie von einer Aussage abzubringen. Außerdem hatte die Angeklagte damals zu einem älteren israelischen Zeugen Kontakt aufgenommen und ihm „gute Besserung“ gewünscht. Für die Zukunft hätten jegliche Kontaktaufnahmen zu unterbleiben, stellte die Vorsitzende damals klar.  [….]

(HH MoPo, 28.07.2026)

Man kann den Blocks nicht vertrauen. Christina Block sollte endlich eingesperrt werden. Zumindest bis zum Prozessende, damit ihre Zeugenbeeinflussungen gestoppt werden. Wir sprechen immerhin von einer Frau, die mutmaßlich kinderpornographisches Material bei ihrem Exmann deponieren ließ und anschließend zur Polizei ging, um ihn und seinen Anwalt anzuschwärzen.

[….] »Frau Block hat auf plumpe Weise versucht, die Sachverständige zu manipulieren. Es ist nicht das erste Mal, dass sie Dreck über meinen Mandanten auszukippen versucht.«  […]

(Hensel-Anwalt Philip von der Meden)

Samstag, 18. Juli 2026

Gibt es einen schwulen Andenpakt?

Am dritten Tag der „Leihmutter-Affäre Spahn“ haben sich so ziemlich alle öffentlichen Figuren zur der Causa geäußert.

99% der Artikel und Reels beginnen mit der pronatalen Feststellung, man gönne ihm persönlich sein Glück, gefolgt von einer Lobeshymne über Kinderwunsch, Kinderkriegen, Kinder im Allgemeinen. Nichts wird in Deutschland so hartnäckig positiv geframt, wie die Vermehrung.

Als ob nicht die Überbevölkerung des größte plantare Problem überhaut wäre. Als ob nicht die Familie auch Hort von Missbrauch und Gewalt wäre.

Anschließend wird das Thema Homosexualität abgefrühstückt: Natürlich habe man nichts gegen Schwule und Homosexuelle könnten genauso gute Eltern, wie Heterosexuelle sein.

(Das sehe ich anders! Ich glaube, Schwule und Lesben sind im Durchschnitt bessere Eltern, als Heterosexuelle, weil alle ihre Kinder Wunschkinder sind, die nur geborenen werden, wenn sie wirklich gewollt sind und die Eltern ihnen volle Aufmerksamkeit widmen. Heterosexuelle werden hingegen dauernd auch ungewollt schwanger oder reproduzieren sich lediglich, weil es die gesellschaftlichen Normen von ihnen erwarten. Kinder „passieren“ ihnen durch Unfälle, Suff oder Launen. Auch wenn sie eigentlich gar keine Lust haben, Eltern zu werden. Gleichgeschlechtliche Paare hingegen müssen einen viel höheren Aufwand betreiben, um schwanger zu werden.)

Der dritte immer wieder mitfühlend angesprochene Aspekt, ist das Schicksal der ungewollten Kinderlosigkeit. Gern mit dem Hinweis darauf, es treffe Heteros genauso, wie Homos. Auch Frau/Mann-Konstellationen wären manchmal auf Leihmütter angewiesen.

Alle drei Themen NERVEN MICH, weil sie für den Fall Spahn irrelevant sind. Sie spielen keine Rolle bei der moralischen und politischen Bewertung seines Handelns.

Es geht hingegen um Glaubwürdigkeit, die Heuchelei, daß ausgerechnet ein Politiker, der persönlich, aber auch dessen Partei intensiv dafür streitet, Leihmutterschaft zu kriminalisieren, selbst eine Leihmutter in Anspruch nimmt. Weil er reich und mächtig ist und die Regeln nicht für ihn gelten sollen.

Die Öffentlichkeit wird gerade bei Spahn so getriggert, weil er ein Wiederholungstäter ist, der immer wieder für sich Freiheiten und Sonderrechte herausnahm, die er anderen niemals gönnt. Nun plötzlich reiben sich die Konservativen verwundert die Augen:

Das ist natürlich jetzt blöd, schließlich ist Jens Spahn bekannt für seine absolute Glaubwürdigkeit!  Er ist die Inkarnation der Ehrlichkeit.
Sympathisch und altruistisch. Deswegen ist er ja auch so ungeheuer populär beim Volk.  Man muss ihn einfach lieben!

Inhaltlich ist der Fall klar: Indem die CDU an Spahn festhält, ihn demonstrativ auf dem zweitwichtigsten Posten belässt, betreibt sie wieder einmal massive Wahlkampfhilfe für die AfD und alle demokratieverachtenden Populisten, die sowieso alle Politiker für korrupt und verlogen halten.

Interessanterweise sind die Reihen innerhalb von CDU und CSU nicht sehr geschlossen. Üblicherweise wagt sich niemand mit Kritik an Spahn nach vorn, weil er seit 24 Jahren im Bundestag sitzt und als begnadeter Netzwerker über jeden irgendwelche despektierlichen Informationen im Giftschrank hat. Weil so viele ihm einen Gefallen schulden. Mit ihm will man sich nicht anlegen.

Aber nun könnte eine Welle des Unmuts losbrechen.

[….] Es hatte alles so nett angefangen für ihn. "Ein Baby für Jens Spahn" lautete die Titelzeile der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. "Es ist eine Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung", beginnt die exklusive Homestory im Blatt. Fast eine Seite ist sie lang, große Fotos der lachenden Papas Jens Spahn und Daniel Funke, sein Ehemann.

Einen Tag später ist aus der frohen Botschaft für Jens Spahn ein großes politisches Problem geworden. Denn die beiden haben ihr Kind von einer Leihmutter in den USA austragen lassen. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Und die Union, deren Fraktionschef Spahn im Bundestag ist, will unbedingt, dass das so bleibt.

Zu sagen, dass es in CDU und CSU seit der Nachricht rumort, wäre heillos untertrieben. Unverständnis, Entsetzen, auch Wut – das trifft es eher. Es gibt erste Unionspolitiker, die Spahns Rücktritt fordern. Trotz der Sommerpause, in der sich die Koalition eigentlich Ruhe verordnet hat, wird es brenzlig für Spahn. Ein erfahrener Politiker, der sich nicht namentlich zitieren lassen möchte, sagt t-online: "In der CSU herrscht schiere Fassungslosigkeit."  […]

(Johannes Bebermaier, 17.07.2026)

Interessant ist, wer in diesem Shitstorm nach vorn springt, um für Spahn zu kämpfen.

Der sehr rechte Döpfner-Journalist Paul Ronzheimer macht einen Leihmutterpodcast mit Spahn, der mit enormen Aufwand über alle Springer-Kanäle verbreitet wird.

Der sehr rechte AfD-Anwalt Ralf Höcker springt beim rechtsradikalen „Kontrafunk“ für Spahn in die Bresche.

Natürlich gibt es unter Rechten und Rechtsextremen prozentual genauso viele Schwule, wie überall sonst in der Gesellschaft. Aber es ist schon auffällig, daß sich nun die schwulen ganz Rechten als erstes vor Spahn stellen.

Gibt es womöglich einen schwarzbraunen Homo-Andenpakt, in dem sich erzkonservative Strippenzieher versprochen haben, sich stets öffentlich zu verteidigen und nie um dasselbe Amt zu kämpfen?

Ich will ungern verschwörungstheoretisieren, aber das sind schon erstaunlich viele schwule Rechte/Rechtsextreme, die zusammen klüngeln: Jens Spahn (CDU), Peter Thiel (GOP), Richard Grenell (GOP), sein Ehemann Matt Lashey (GOP), Dave Rubin (rechter Podcaster), Michael Mronz, Daniel Funke, Peter Kurth (CDU/AfD), Stefan Evers (CDU), Hendrick Streeck (CDU), Sepp Müller (CSU), David Berger (AfD), Ralf Höcker (AfD), Paul Ronzheimer (BILD),…

Ronzheimers Springer-Verlag überhäuft jetzt demonstrativ den Rechtsextremen Thiel mit Ehrungen, nachdem dessen geheime Klüngelei mit Jens Spahn ans Licht kam.

[….] Jens Spahn bestätigt Teilnahme an Veranstaltungen von Peter Thiel

Der heutige Unions-Fraktionschef Spahn hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren fünfmal an Veranstaltungen der „Dialog“-Organisation des US-Tech-Milliardärs Peter Thiel teilgenommen. [….]

(Deutschlandfunk, 19.06.2026)

Oder es ist reiner Zufall, daß alle die rechten Skandaloniker ins Spahns Umfeld schwul sind.

Samstag, 20. Juni 2026

Wissenschaft vs Schwurbelschaft

Vor zwei Wochen hatte ich eine Katarakt-Operation; links gucke ich nun durch eine künstliche monofokale asphärische Zeiss-Intraokularlinse.

Ich bin etwas früh dran und war zugegebenermaßen etwas schockiert über die Diagnose und die Notwendigkeit einer Augenoperation.

Mein Vater allerdings war noch früher dran, erkrankte in den 1980ern am Grauen Star und wurde fast blind. Wir fürchteten alle um sein Augenlicht und er reiste sogar in seine alte Heimat New York, um mit den führenden Ophthalmologen zu sprechen.

Schließlich wagte er die OP in einem großen Hamburger Krankenhaus. Dort musste er fast zwei Wochen liegen, weil das Nahtmaterial und die großen Wunden genau beobachtet wurden.

Seither gab es aber Quantensprünge in der Augenheilkunde. Wissenschaftliche Forschung machte es möglich, daß inzwischen eine Million Katarakt-OPs pro Jahr in Deutschland durchgeführt werden. Fast alle ambulant. Der Eingriff dauert 10 Minuten. Wenn man möchte, erledigt der Femto-Laser alles in einer 1986 unvorstellbaren Schnelligkeit und Präzision. Es muss nicht mehr genäht werden.

Komplikationen gibt es fast nie. Nach der OP bekommt man noch schnell einen Kaffee und einen Keks, um sich von der Anästhesie zu erholen und kann nach Hause gehen. Gnade der späten Geburt.

Wie der Eingriff technisch funktioniert, wußte ich genau, aber dennoch litt ich vorher an diffuser Angst. Spritzen und Schnitte INS AUGE habe ich nicht so gern.

Wie sich herausstellte, verstand aber die Anästhesistin ihr Handwerk und schaltete mich mit Propofol und Midazolam soweit aus, daß ich zwar noch ansprechbar war und grob mitbekam, was passierte, aber alles völlig entspannt hinnahm. Im Handumdrehen saß ich mit lauter anderen Augenpflaster-Menschen, von denen ich klar der Jüngste war, im Kaffee-Raum. Der Schlamassel begann anschließend; ich entwickelte jede erdenklichen Komplikation und Medikamentenunverträglichkeit.

Seither musste ich jeden einzelnen Tag zur Nachbehandlung/Kontrolle in die Augenarztpraxis. (Es ist kein Rätsel, was passiert ist, aber die Details führen an dieser Stelle zu weit.)

In der Praxis reagiere ich meiner Natur entsprechend, jeden Morgen beim Hereinkommen und beim obligatorischen Termin-Machen für den nächsten Tag, mit Witzen. Der junge Mann am Counter mit dem Termin-Programm, den ich schon länger kenne und mit dem ich auch schon öfter gequatscht habe, blickte mich auf einmal sehr ernst an und suggerierte, ich trüge auch selbst einen Teil der Schuld. Ob ich denn nicht wisse, daß jeder Mensch in einer persönlichen Frequenz schwinge, die sein Schicksal beeinflusse? Mit zu lockeren Sprüchen könne ich negative Schwingungen auslösen, die das Universum veranlassten, meine Heilung zu verhindern.

Natürlich weiß ich, was eine Inselverarmung ist, wie selektiv Menschen verblödet sein können. Das wurde von Michael Schmidt-Salomon in seinem hochempfehlenswerten „Keine Macht den Doofen“ anschaulich beschrieben.

[….]  Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.

 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).

Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen. [….] 

(Keine Macht den Doofen, s.42f)

Natürlich arbeiten auch im medizinischen Bereich Menschen mit Inselverarmungen, aber immer, wenn mir einer begegnet, den ich schon länger kenne und als vernünftig einschätzte, bin ich auf’s Neue verblüfft. Die massenhafte Vermehrung der Covidioten nach dem Beginn der Impfkampagnen 2020/21, haben leider noch mal die Schleusentore weit geöffnet. Die Schwurbler haben ihre Scham abgelegt und posaunen ungefragt den größten Unfug in die Welt hinaus.

Es gibt aber keine „alternativen Fakten“! Es gibt genauso wenig „alternative Medizin“, wie „alternative Physik“ oder „alternative Mathematik“.

Wenn Taco und RFK so etwas verbreiten, zeigt das nur ihre sagenhafte Dummheit und nicht etwa eine Alternative zu mathematischen Gesetzen.


[….] "Er versteht nicht mal Grundlagen-Mathematik." Dieses harsche Urteil löst in vielen traurige Erinnerungen an die Schulzeit aus. Für US-Präsident Donald Trump ist diese Kritik hingegen kein Schnee von gestern, sondern hochaktuell.

In den vergangenen Monaten blamierte er sich bereits. [….] Und nun folgt also die oben formulierte vernichtende Kritik, sie kommt von einer renommierten Wirtschaftswissenschaftlerin. Denn Trump hat sich mal wieder verrechnet. [….] In den vergangenen Tagen erklärte Trump mehrmals, wie er die Preise für Medikamente in den USA massiv senken will, teils um das Zehnfache. Ein hehres Ziel, keine Frage. Die Zahlen schinden Eindruck. Und doch schafft es Trump erneut nicht, sich mit der Realität zu begnügen, sondern lügt seinen Erfolg noch größer.

Am Montag betonte er: Die Medikamentenpreise sollen um "1000 Prozent, 1200 Prozent, 1300 Prozent, 1400 Prozent" oder noch mehr sinken. Mathematisch ist diese Aussage eine Unmöglichkeit, schlicht Unsinn.

Denn senken kann man einen Preis um höchstens 100 Prozent. Kostet ein Medikament 10 Euro und man senkt den Preis um 10 Euro, senkt man ihn um 100 Prozent. Die Prozentzahl bezieht sich immer auf den Ausgangswert, dieser liegt eben bei 100 Prozent. Mehr geht nicht, denn das Produkt wäre in diesem fiktiven Szenario bereits kostenlos.   [….]

(Dariusch Rimkus, 23.12.2025)


Ein besonders bizarres Beispiel faktenwidriger Wirrnis liefert heute der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker und AfD-Berater David Berger, indem er auf seinem PP-Blog einen der größten Spinner der faschistoiden Szene loslässt:
David Cohnen.

[….] Irgendwo verortet zwischen Werteunion und AfD kämpft ein Mann seinen Kampf für eine Gesellschaft wie früher, und seine Waffe sind Tausende Mails an Fremde. David Cohnen ist Polit-Spammer. [….] Willkommen in der Welt von david_cohnen@gmx.de, in der ständig von der Gefahr durch Überfremdung geraunt wird, die CDU durch Merkel unwählbar geworden ist und er nach einer Alternative zu Parteien sucht, die nicht die Interessen des deutschen Volkes vertreten. [….] Denn David Cohnen belästigt massenhaft Deutsche mit unerwünschten Mails. Er ist so etwas wie der nigerianische Prinz. Die Betrügermasche mit der Aussicht auf eine Erbschaft war früher Dauergast in Postfächern, jetzt wandert David Cohnen in die Postfächer ein. [….] Aber wer ist David Cohnen? Genug E-Mail-Adressen, ihn das zu fragen, gibt es ja. Allerdings kommt von keiner eine Antwort. [….]  Die Spuren des Mannes, der so engagiert seine Meinung unters Volk bringt, reichen weiter zurück. Im Februar 2013 ging es für ihn unter einem Artikel von focus.de los, als er die niedrige Geburtenrate in Deutschland kommentierte. [….] [….]

(Lars Wienand, 29.12.2021)

Für den klerikalfaschistischen PP-Lügenblog „analysiert“ Cohnen nun die Parteipolitischen Umfragedaten der letzten fünf Jahren und extrapoliert sie maximal antiwissenschaftlich bis zum Jahr 2036.

[….] Das gemeinsame Kurvenmodell zeigt eine starke Divergenz der langfristigen Entwicklungen:

·        Die AfD entwickelt den stärksten Aufwärtstrend.

·        CDU und SPD verlieren kontinuierlich an Zustimmung.

·        Die Grünen stabilisieren sich und wachsen leicht.

·        Die FDP verbleibt auf niedrigem Niveau.

·        Die Linke etabliert sich nach ihrem Niveauwechsel oberhalb der SPD.

·        Das BSW stabilisiert sich im Bereich um 3 %.

Die Untersuchung stellt keine Prognose dar. Sie ist vielmehr eine grafische und mathematische Fortsetzung der beobachtbaren Kurvenformen unter der Annahme, dass deren jeweilige Grundrichtung erhalten bleibt. [….]

(PP, 20.06.2026)

Sie kennen keine Scham mehr.

Selbstverständlich hat das mit seriöser Demoskopie rein gar nichts zu tun. Niemand kann Wahlergebnisse auf 0,5 Prozentpunktegenau in zehn Jahren prognostizieren.

Bemerkenswert in Cohnens „Berechnung“ ist sein Trumpsches Scheitern an einfacher Prozentrechnung.

AfD, CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP und BSW erreichen bei David Berger im Jahr 2036 gemeinsam 127,4%!

Ein Wunder!

Sonntag, 31. Mai 2026

IOC-Kelch geht an Hamburg vorbei

Es geschieht wahrlich selten genug, fast nie, daß ich mich über politische Wahlergebnisse irgendwo in der Welt freuen kann. In den allermeisten Fällen schlage ich die Hände vor dem Kopf zusammen.

Was für ein Zufall, daß ausgerechnet meine beiden Heimatstädte Hamburg (RotGrün!) und New York (Mamdani!) zu diesen löblichen Ausnahmen gehören.

Im Gegensatz zu den Kielern, den Münchnern und RheinRuhrern, sagten die Hamburger heute NEIN DANKE zum IOC-Kommerz-Irrsinn.

[….] Mit einer deutlichen Mehrheit von rund 55% haben die Hamburger*innen gegen eine Hamburger Bewerbung Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 gestimmt. Mit 50% hatte Hamburg im nationalen Vergleich gegenüber München (42%) und NRW (33%) die mit Abstand höchsten Wahlbeteiligung.

Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg: 

„Mit dem zweiten Nein hat Hamburg ein Zeichen für Fairplay und Teamgeist bei den Spielregeln der Olympischen Spiele gestimmt. Dieses Ergebnis zeigt: Die Hamburger*innen lieben ihre Stadt und lassen sich nicht von einer Millionen Euro teuren Werbekampagne hinter die Fichte führen. Die Versprechungen des Senats waren zu unglaubwürdig: Olympia als Heilserzählung für alles, was der Senat nicht auf die Reihe bekommt, eine magische Geldquelle für Hamburgs Bauprojekte beim Bund und auf einmal ‚stabile Mieten‘, obwohl Olympia ein Mietentreiber ist. Unglaubwürdig war auch das Finanzkonzept, bei dem die milliardenschweren Kosten für Sicherheit und den Bau eines Leichtathletikstadions einfach weggelassen wurden. Dieses Votum sollte der Hamburger Politik eine Lehre sein: Die Menschen in der Stadt wollen kein weiteres Leuchtturmprojekt. Die Hamburger*innen wollen bezahlbare Mieten, gut ausfinanzierte soziale Einrichtungen, Sportplätze, Universitäten und Schulen und sie wollen nicht, dass Grundrechte wie Barrierefreiheit von einem Megaevent wie Olympia abhängig gemacht werden. Diese Probleme muss der Hamburger Senat jetzt angehen. Wir stehen für Gespräche über Hamburgs Zukunft zur Verfügung.“[….]

(Nolympia Hamburg, 31.05.2026)

Maudrichs Ton zeigt, wieso ich mir darüber hinaus Triumphgeheule erspare.

Diese erneute Klatsche ist eben auch eine heftige Niederlage des RotGrünen Senats und des Bürgermeisters Tschentscher. (Klimaentscheid!) Meine SPD hatte massiv für das Monsterevent geworben, mir täglich Jubel-Mails mit OlympiJA-Veranstaltungen geschickt.

Die politische Lage in Deutschland und der Welt ist aber viel zu düster, viel zu dramatisch, viel zu sehr von einem permanenten Kurs nach Rechtsaußen geprägt. Hier kann man sich nicht erlauben, eine der wenigen Regierungen links der CDU, mit einem wirklich guten Bürgermeister, zu beschädigen.
Ich gönne diesem Senat nicht nur durch meine parteipolitische Brille jeden Erfolg, sondern halte es auch essentiell für unsere Demokratie, daß eine linke, in diesem Fall rotgrüne, Landesregierung zeigt, Wirtschafts- und Finanzpolitik wesentlich besser als die CDU-Destruktionstruppe Reiche-Merz-Linnemann-Spahn zu beherrschen. Daß man aus Unzufriedenheit mit der Merz-Regierung eben keineswegs noch rechter, sondern ganz im Gegenteil, linker wählen muss.

Umso mehr schmerzt es, wie sehr sich SPD und Grünen zusammen mit CDU, FDP, Wirtschaftslobbyisten, Medien und Sportfunktionären verrannt haben. Natürlich macht jeder Politiker Fehler und ich werde deswegen keinesfalls mit der Hamburger SPD brechen. Aber so eine Fehleinschätzung erstaunt schon sehr, wenn man sie das zweite Mal macht. Schon 2015 sagten die Hamburger bei einem Referendum um die Bewerbung beim hochkorrupten IOC nein. Schon einmal stellte sich der Sportbund als völlig unfähig heraus, schon einmal wurde die Stadtstimmung völlig verkehrt antizipiert.

Hamburg steht geradezu sprichwörtlich für Understatement. Der Drang, international zu prahlen und zu protzen, ist an der Alster wesentlich geringer ausgeprägt, als in Bayern oder Berlin.  Olympische Spiele passen nicht an Elbe und Alster. Wir haben die Nase gestrichen voll von Großprojekten.

Ob 2036, 2040 oder 2044 die politische Großwetterlage überhaupt noch so ist, daß man ein derartiges Monsterevent stattfinden lassen kann, wage ich zu bezweifeln.

Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio mussten wegen der Pandemie abgesagt werden. Die Durchführung mit einem Jahr Verspätung unter Corona-Bedingungen geriet zum Desaster. Ein Vierteljahrhundert später, wird es garantiert noch viel heißer, viel kriegerischer und in jeder Hinsicht gefährlicher.

Selbst wenn es noch „Spiele“ 2040 oder 2044 geben sollte, halte ich einen Austragungsort in Deutschland für unwahrscheinlich. Möglicherweise werde ich es ohnehin nicht mehr erleben. Aber definitiv sicher, werde ich es nicht in Hamburg erleben.

Dabei ist der vierwöchige Spuk der Spiele das kleinste Problem. Das eigentliche Desaster sind die jahrelangen nationalistischen Wallungen, die thematische Verengung, Bauarbeiten, Staus, Kosten und CO2-Emissionen vorher.

Alle 698 Stimmbezirke sind ausgezählt. Landeswahlleiter Oliver Rudolf verkündet im Anschluss das vorläufige Ergebnis des Referendums. 
Ja-Stimmen: 293.819. Nein-Stimmen: 357.911. Damit ist nach dem vorläufigen Ergebnis das Bürgerschaftsreferendum abgelehnt worden“, sagte Rudolf.

(HH MoPo, 31.05.2026)

Ich könnte jetzt lange aufzählen, was die Befürworter falsch gemacht haben. Aber ich will nicht nachtreten, um RotGrün nicht weiter zu beschädigen. Ich hoffe vielmehr, diese politische Groß-Eselei wird bald vergessen.

Umso erbärmlicher verhalten sich Hamburger Journalisten, die selbst seit Monaten massive Propaganda „für die Spiele“ betrieben haben und nun mit der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses, die Schuld allein beim Senat abwälzen und den Mantel des Schweigens über ihr eigenes Totalversagen ausbreiten.

[….] Zweimal Nein, zweimal eine Klatsche für den rot-grünen Senat. Damit ist klar: Die Spiele kommen nicht nach Hamburg, das Thema ist tot. Die aktuelle Politikergeneration hat sich die Finger verbrannt – und auch den Kontakt zu einem Teil der Bevölkerung verloren.  [….] Die Befürworter sollten selbstkritisch analysieren, warum die Menschen den vielen Versprechungen und Vorteilen, die Olympia ihnen angeblich beschert hätte, nicht folgten.  [……]

(Mathis Neuburger, HH MoPo, 31.05.2026)

Noch eine Woche zuvor hatte der stellvertretender Chefredakteur Neuburger in seiner Zeitung die Werbetrommel rühren lassen.

Seit Monaten wird die Bewerbungskampagne in der MoPo als gemeinsames Projekt aller Kräfte hochgejubelt.

Nach der 55%-Ablehnung wird der Schwarze Peter nur SPD und Grünen in die Schuhe geschoben, als hätte die Mopo nicht genauso für das fatale Projekt getrommelt.

Das erzkonservative, größere Hamburger Abendblatt, das stets als großer Befürworter auftrat und mit seinen prahlerisch-nationalistischen Argumenten abschreckte, heuchelt, wie zu erwarten, noch viel mehr als die MoPo.

Hier macht sich Chefredakteur Haider auf perfide Weise einen schlanken Fuß und bricht das ganze Desaster auf eine rein parteipolitische Ebene hinunter.

Als hätten nicht gerade sein rechter FUNKE-Verlag, seine Zeitung, seine CDU, die Wirtschaft und Sportfunktionäre genauso im Boot der Befürworter gesessen.

[….] Das klare Signal an den Senat: Hamburg will nicht mehr sein, als es ist

Hamburg. [….] Was für ein schöner Abend für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und das Münchner Kampagnen-Team, was für ein Desaster für den Hamburger Senat, der mit ganzer Kraft für ein Ja der Bevölkerung gekämpft hat, aber die Mehrheit anders als bei der Bürgerschaftswahl nicht auf seine Seite ziehen konnte. Trotz einer Millionen Euro teuren Kampagne, trotz Zigtausender Wahlplakate, unzähliger Veranstaltungen und einem Bürgermeister Peter Tschentscher, den man leidenschaftlich wie selten erlebt hat. [….] Und dann das. Hamburg will Olympia nicht, ganz anders als Kiel (Zustimmung 63 Prozent), Köln/Rhein-Ruhr und München (jeweils 66 Prozent), und es ist Zeit, sich zu fragen, woran das liegt. [….]

Womit wir bei der Frage sind, warum die Parteien der Mitte, vor allem der rot-grüne Senat, die Wahl um Olympia gegen die politischen Ränder verloren haben. Neben den Linken war auch die AfD gegen die Hamburger Bewerbung, und kann sich jetzt, eigentlich zum ersten Mal so richtig bei uns in der Stadt, als Sieger fühlen. Das wird vielen nicht gefallen, aber das ist genauso ein Teil der politischen Realität, wie die Tatsache, dass der Senat sich zum zweiten Mal bei einer wichtigen Frage für die Zukunft Hamburgs nicht hat durchsetzen können: erst der Klimaentscheid, jetzt Olympia.

Der Hamburger Senat kann nicht so weiterregieren wie bisher [….]

Die zweitgrößte Stadt Deutschlands, die schönste Stadt der Welt aus Sicht vieler, die hier leben: Das reicht. Die mangelnde internationale Bekanntheit der Stadt Hamburg, die dabei deutlich hinter Berlin, München oder Frankfurt liegt, scheint viele Hamburgerinnen und Hamburger nicht zu stören. Im Gegenteil. Sie möchten anscheinend nicht, dass die Stadt bekannter wird, dass sie versucht, eine Weltstadt zu werden. [….]

(Lars Haider, 31.05.2026)

An Erbärmlichkeit ist das Olympia-Lobby-Organ Abendblatt kaum zu überbieten.

Haider und sein Stellvertreter Iken hatten intensiv PR gemacht. Letzterer empörte sich sogar in einem Leitartikel darüber, daß seine Olypische-Spiele-Bewerbungs-Lobhudelei so viele kritische Kommentare bekam.

[….] Zumindest eins muss der Kolumnist konstatieren: Olympische Sommerspiele stoßen in der Gunst der Leserbrief- und E-Mail-Schreiber ungefähr auf so viel Gegenliebe wie Kopfläuse, Knöllchen oder Knoblauchatem. Viele Hamburger wünschen sich die Spiele dorthin, wo der Pfeffer wächst, nur nicht an die Elbe. Wie viele es am Ende sind, wird das Referendum am 31. Mai zeigen. Ich verspreche, auch um mein Mailfach zu entlasten: Es werden keine weiteren Argumente folgen, warum ich dafür bin. [….] Mehr bewegt mich, warum so viele kluge und sympathische Menschen dagegen sind. [….] Während das Nein und der Widerstand hochgeschätzt sind, gilt jedes Ja als verdächtig, naiv, ja gekauft. Wer möchte schon Ja-Sager sein, wenn er als kritischer Kopf durchgehen kann? Dagegen sein ist sexy. Und oft erfolgreich. Jede Bürgerinitiative, jeder Verein, jede Partei des Neins kann sich auf den heldenhaften Kampf gegen vermeintlich übermächtige Gegner berufen. Wir erzählen die Geschichte von David gegen Goliath in Endlosschleife. David ist sympathisch. Der bloße Widerstand adelt seine Träger als kritischen Geist, selbst wenn es nur um den Eigennutz geht. Er wird Teil einer großen Rettergeschichte: die Rettung des Grünstreifens, des Viertels, der Stadt oder gleich der ganzen Welt.  [….]

(Kommentar von Matthias Iken, Stv. Chefredakteur, 11.04.2026)


Heute ist das alles vergessen. Die Grünen und die Roten sind allein Schuld, so die Linie des Funke-Blattes.

Vor drei Wochen analysierten die beiden Abendblatt-Chefs noch, wie sich die Stimmung massiv zu Gunsten der OlympiJa-Kampagne drehe.

Und heute heißt es vorwurfsvoll, der Senat habe die Stimmung sträflich falsch eingeschätzt: was für ein Desaster für den Hamburger Senat, schreibt Haider.

Was für ein Desaster für das Hamburger Abendblatt.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Wie werden wir weniger?

Nie war es offensichtlicher als heute: Homo Demens zerstört seine eigenen Lebensgrundlagen, wandelt das Klima in eine für ihn selbst toxische Umwelt um.

Wir sind nicht nur viel zu viele, sondern auch viel zu dumm.

Denn eine umweltschonendes Wirtschaften ist möglich, man kann Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen, ohne klimazerstörende Gase zu erzeugen. 

Aber wenn die größte und die drittgrößte Industrienation der Welt, sich in freien Wahlen radikale Fossillobbyisten als Regierungschefs aussuchen, die buchstäblich gegen Windmühlen kämpfen, mit all ihrer Macht für das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle kämpfen, obwohl die besseren, gesünderen Techniken sogar billiger sind, muss man Massensterben in unserer gegenwärtigen Fauna und Flora nicht nur befürchten, sondern akzeptieren. Es geschieht bereits. Das Massensterben stört uns aber nicht. Die ökonomischen Folgen der Erhitzung schon.

Das Verschwinden des Homo Sapiens von dieser Erde, wäre kein Verlust, sondern ein Segen. Aus kosmischer Perspektive, bliebe dem Planeten noch genügend Zeit, um wie in den Milliarden Jahren zuvor, andere Lebensformen auszuprobieren.

Willkommen Klimatod, Pandemie, Atomkrieg.

Aus humaner Perspektive, mit einer Lebenserwartung von maximal hundert Jahren, erscheint die eigene Vernichtung hingegen nicht sehr rosig, nur weil in 100 oder 800 Millionen Jahren vielleicht mal wieder irgendwas auf zwei Beinen auf dieser blauen Kugel umherkraucht.

Aus humaner Perspektive ist es wünschenswert, diese Zivilisation zu erhalten.

Zumal anders, als bei einem globalen Exitus durch Pandemie, durch 5% Erderhitzung oder radioaktives Fallout auch Tiere und Pflanzen massenhaft stürben.

(….) Siebeneinhalb Milliarden Individuen sind einfach zu viel, wenn man so einen gewaltigen Ressourcen-Verschleiß aufzuweisen hat.   Wir roden die letzten Wälder, treiben den Meeresspiegel hoch, lassen die Gletscher schmelzen, verseuchen die Böden, trocknen Seen aus, verdrängen so effektiv andere Tierarten, daß täglich mehrere aussterben.  Wir erodieren, planieren und asphaltieren Gebirge, buddeln Kohle aus, pumpen Gas und Öl aus der Tiefe, generieren Ozonloch und CO2-Hüllen.

Homo Sapiens lebt auf Kosten der anderen Spezies.

Homo Sapiens vermehrt sich inzwischen nahezu ungehindert.

Pro Jahr werden es 83.686.000 Menschen mehr, das sind 229.277 Menschen pro Tag; 159 Menschen pro Minute und 2,7 Menschen pro Sekunde.  Ein paar von denen kann man aushalten, aber ein Zehntel würde locker ausreichen. 750 - 800 Millionen betrug die Gesamtweltbevölkerung Ende des 18. Jahrhunderts. Die Eine Milliarde-Menschen-Marke wurde 1804 geknackt. Reicht das nicht?

Schon damals konnten wir Ebenbilder Gottes bekanntlich Kriege, Genozide und Ausbeutung ganzer Kontinente vollbringen, weil es genug Soldatennachschub gab, weil die Frauen im Durchschnitt so viele Söhne hatten, daß sie es hinnahmen, daß ab und zu einer davon „auf dem Feld der Ehre“ zerhackt oder zerfetzt wurde.

Der enorme Bevölkerungsdruck, die Verzehnfachung der Menschen in 200 Jahren führte aber zu noch viel mehr Konflikten, Kampf um Ressourcen, Massenmigrationen, Fluchtwellen.

In den Teilen der Welt, die ein sehr geringes Bevölkerungswachstum ausweisen, oder gar wie Deutschland, Japan, Südkorea und die baltischen Länder (Fertilitätsrate bis 1,3) schrumpfen, ist die Kriegsmüdigkeit hingegen recht ausgeprägt.

Verständlich, denn wenn man/frau bloß ein Kind hat, geht es ihm einerseits ökonomisch besser, so daß es weniger wahrscheinlich auf die Idee kommt Soldat zu werden und andererseits sind die Eltern auch protektiver, lassen ihre Kindern weniger gern in den Krieg ziehen.

Länder mit den höchsten Fertilitätsraten – Gaza 4,9 Jemen 5,0 Ruanda 5,3 Kongo 5,8 Uganda 6,1 Somalia 6,3 Ost-Timor 6,3 Afghanistan 6,4 – sind offenbar auch besonders unfriedlich, weil die enorme Kinderzahl die Ressourcen erschöpft, Konkurrenz entsteht und Eltern auch eher mal den Tod eines ihrer Blagen verkraften.

Wir brauchen also weniger Menschen und daher weniger Nachwuchs.

Es ist wohl auch kein Zufall, daß die Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte auch die mit den geringsten Geburtenraten sind. (…..)

(Menschenmassen, 14.10.16)

Das schrieb ich vor zehn Jahren, inzwischen sind wir schon 8,3 Milliarden Individuen.

Das rasante Weltbevölkerungswachstum darf nicht so weitergehen.

[….]  Zu Beginn der Landwirtschaft, etwa 8000 v. Chr., betrug die Weltbevölkerung ungefähr 5 Millionen. Über den 8.000-jährigen Zeitraum bis 1 n. Chr. wuchs sie auf 200 Millionen (einige schätzen 300 Millionen oder sogar 600, was darauf hindeutet, wie ungenau Bevölkerungsschätzungen früher historischer Perioden sein können), mit einer Wachstumsrate von unter 0,05 % pro Jahr.

Mit der industriellen Revolution kam es zu einer gewaltigen Veränderung: Während es die gesamte Menschheitsgeschichte bis etwa 1800 gedauert hatte, bis die Weltbevölkerung eine Milliarde erreichte, wurde die zweite Milliarde in nur 130 Jahren (1930) erreicht, die dritte Milliarde in 30 Jahren (1960), die vierte Milliarde in 15 Jahren (1974) und die fünfte Milliarde in nur 13 Jahren (1987).

·        Allein im 20. Jahrhundert ist die Weltbevölkerung von 1,65 Milliarden auf 6 Milliarden Menschen angewachsen.

·        Im Jahr 1970 gab es auf der Welt etwa halb so viele Menschen wie heute.

·        Aufgrund sinkender Wachstumsraten wird eine erneute Verdopplung nun über 200 Jahre dauern.  [….]

(Worldometer 2026)

Der einzig wirklich humane Weg, die für Fauna und Flora so toxische Bevölkerungsexplosion zu hemmen, wäre ein freiwilliger, auf Vernunft basierender Antinatalismus. Das wird sich aber niemals durchsetzen, weil wir als Spezies dazu viel zu dumm, zu egoistisch und zu religiös sind.

(….) Acht Milliarden Menschen sind viel zu viel für diesen Planeten. Diese Massen produzieren so viel Schmutz und Wärme, daß im Rekordtempo Fauna und Flora ausgerottet werden. Im Anthropozän sterben aber nicht nur die anderen Spezies, sondern der dominante Parasit Homo Demens selbst, wird im Kampf um die knappen Ressourcen zum Opfer. Im Gegensatz zu anderen Tieren, die so viel fressen und so viel töten, wie sie müssen, agiert Homo Demens vollkommen ungehemmt. Er killt zum Vergnügen, rafft viel mehr an sich, als er braucht, verteilt die Ressourcen grotesk ungerecht und vernichtet auf dem Altar des Kapitalismus gewaltige Lebensmittelmengen. Diese Spezies insgesamt ist für mich die unsympathischte Tierart überhaupt.

Dieses Pauschalurteil gilt aber nicht für das Individuum, welches (zumindest aus humaner Perspektive) sehr interessant und erstaunlich sein kann.

Daher gehe ich gar nicht so weit, alle Menschen ausrotten zu wollen. Nein, ich bin für die Menschen und würde mir ihr langfristiges Überleben auf der Erde wünschen.

Damit die unangenehmen Erscheinung der Menschenmasse nicht auftreten, sollte ihre Gesamtzahl aber auf ein Prozent der heutigen Zahl begrenzt sein. Statt acht Milliarden Einzelexemplaren, also 80 Millionen. Oder sagen wir, aufgerundet: 100 Millionen Menschen auf diesem Planeten.

Es gab Zeiten der Erdgeschichte, als Homo Sapiens auf wenige Tausend Exemplare geschrumpft war. Das nenne ich dünn besiedelt. Aber bei 100 Millionen, die noch dazu durch das Internet alle miteinander vernetzt wären, sollte es genügend Auswahl geben, um Gleichgesinnte zu treffen und überall zu siedeln. Wir würden aber nicht mehr die Meere leerfischen und die Atmosphäre mit Stickoxiden und CO2 verpesten. Wir könnten sogar Autos mit Verbrennungsmotor fahren, Flugzeuge mit Kerosin betreiben, im Wohnzimmer einen hübschen gekachelten Steinkohleofen verwenden. Bei 99% weniger Individuen wäre der ökologische Fußabdruck keine Größe mehr, mit der die Umwelt nicht fertig würde. Keine überfüllten Strände, verstopften Straßen, saubere Flüsse, überall gedeihende Fauna und gesunde Luft.

Paradiesisch. Aber wie reduziert man von acht Milliarden, also 8.000 Millionen Menschen auf 100 Millionen Menschen, ohne Seuchen, Kriege oder Naturkatastrophen? (….)

(Weniger Menschen bitte, 13.10.2022)

Immerhin gibt es Erfahrungen mit der enormen Regenerationskraft der Natur, wenn man den Faktor Mensch reduziert.

Das bewiesen Dschingis Khan und seine Nachfolger im frühen 13. Jahrhundert.

[….]  1206 ernannten ihn die Fürsten der Steppenvölker zum »Dschingis Khan«, danach zog er mit der wohl größten Kavallerie aller Zeiten weiter und terrorisierte das benachbarte Riesenreich China und die Regionen des heutigen Usbekistans und Turkmenistans. [….] Dass die mongolischen Horden im Laufe des 13. Jahrhunderts ganze Menschenmassen umbrachten, wirkte sich auch auf das Weltklima aus, wie eine Studie zeigt, an der das Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg beteiligt war. Es fehlten zunehmend Menschen in Asien und Europa, die die Felder und Äcker hätten bestellen können, und auf riesigen Landflächen wuchs wieder Wald. Hunderte Millionen Tonnen Kohlendioxid wurden auf diese Weise gebunden, die Erderwärmung wurde gebremst. »Nicht einmal der Schwarze Tod, also die verheerende Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts, hatte derartig einschneidende Auswirkungen auf das Klima wie die Mongoleneinfälle«, sagt Wemhoff. [….]

(SPIEGEL, 25.05.2026)

Es folgten Pandemien zum Nutzen der Natur.

Die Deutschen schafften eine ähnliche Renaturierung durch den 30-Jährigen Krieg.

Ohne den Heiligen Bonifatius, „Apostel der Deutschen“, auch kein Dreißigjähriger Krieg (von 1618 bis 1648), der als vermutlich verheerendster Religionskrieg Mitteleuropa entvölkerte.

"Hans Philipp Goßmann von Spachbrücken zu Tod geschlagen. Hans Gerhards schwangeren Frauen die Rippen entzweigeschlagen, dass sie bald gestorben. Jakob Hans Frau zu Tod geschändet. Hans Simon mit dem Gemächt ufgehängt und vollends erschlagen ... Summa: 18 Personen", endet die "Schadensliste", die man nach einem Überfall der kaiserlichen Soldaten auf das hessische Reinheim im Mai 1635 bei der zuständigen Obrigkeit einreichte.

Der Dreißigjährige Krieg zeigt sich in solchen Beispielen als Krieg schlechthin: erschlagene, gefolterte, vergewaltigte Unbeteiligte. Ausgebrannte Städte, verwüstete Dörfer, kahlgefegte Äcker. Hungersnöte, Seuchenzüge. Wer da noch lebte, lebte nicht mehr lange: "Wir Leut leben wie die Tier, essen Rinden und Gras", heißt es in einem Bibeleintrag aus den zerstörten Dörfern der Schwäbischen Alb gegen Ende des Krieges. Man ernährte sich von Eicheln und Kleie, briet Ratten, Katzen, Hunde und krepierte Pferde. [….]

(Cora Stephan 09.02.2013)

In den letzten Tagen habe ich mich mal wieder etwas genauer in den 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648) hineingelesen.
Es war bekanntlich der schwerste Religionskrieg, der jemals in Europa tobte.
Protestanten und Katholiken haben so lange aufeinander eingedroschen, bis das „heilige römische Reich deutscher Nationen“ entvölkert und verwüstet war.
Die Hälfte der Deutschen Gesamtbevölkerung wurde massakriert oder fiel Seuchen zum Opfer, die Zivilisation wurde um 100 Jahre zurück geworfen.
Die Bauernhöfe waren verwaist, der Viehbestand nahezu komplett ausgerottet.
Der Mega-Religionskrieg bescherte uns Begriffe wie „magdeburgisieren“.
Magdeburg war damals eine von den Bischöfen unabhängige Stadt mit 30.000 - 40.000 Einwohnern, die versuchte neutral und friedlich zu bleiben.
Das gefiel den Katholiken natürlich überhaupt nicht und so schickt im April 1631 die katholische Majestät Kaiser Ferdinand II den kaiserlichen Befehlshaber Tilly, der die Stadt bis auf die Grundmauern zerstört und seine Truppen anschließend so lange plündern, morden und vergewaltigen läßt, daß nach einer Zählung aus dem Jahr gerade noch 468 Magdeburger leben.
Es war aber auch nicht alles schlecht am 30-Jährigen Krieg.
Da es weit über 200 Jahre brauchte, bis die Bevölkerungszahl wieder auf den Stand vom Beginn des 17. Jahrhunderts angestiegen war, kam es zu einer großartigen Verwaldung der ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Die menschengemachte Monokultur verschwand zugunsten eines intakten Ökosystems aus Urwäldern.

Und wer hat Schuld am 30-Jährigen Krieg?  Dazu gibt es selbstverständlich ein ganzes Bündel Ursachen aus unterschiedlichen Machtinteressen.
Zwei Hauptschuldige will ich aber hervorheben.
Erstens der tiefsitzende Menschenhass der Horrorreligion des Katholizismus.
Es war die katholische Kirche, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollte und mit ihrer Marionette Ferdinand II ganz Europa rekatholisieren wollte.

Das Restitutionsedikt war eine von Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629 erlassene Verordnung, mit der ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände der Status quo des geistlichen Besitzstands im Reich wieder auf den Stand des Jahres 1552 gebracht werden sollte. Es setzte damit die katholische Interpretation des Augsburger Religionsfriedens (1555) durch.
(Wikipedia)

Die RKK war dermaßen blutrünstig, daß sie selbst nachdem schon der halbe Kontinent verwüstet war erbittert Propaganda gegen diejenigen betrieb, welche auch nur an einen Frieden dachten.
Insbesondere die Jesuiten und der Pater am Kaiserlichen Hof, Johannes Weingarten empörten sich ab dem Jahr 1633 über den katholischen Heerführer Wallenstein, der "den Krieg vernachlässige“ und nicht mehr die rechte Lust verspürte Protestanten zu massakrieren.
Als auch noch Gerüchte auftauchten Wallenstein wolle Friedensverhandlungen beginnen, hetzten die katholischen Geistlichen so gegen den Kriegsmüden, daß sie seine Ermordung durchsetzen konnten.

Die zurückhaltende Art seiner Kriegführung während des zweiten Generalates [Wallensteins], seine Friedenspolitik und die dadurch hervorgerufene Sorge um den Triumph der katholischen Idee ließen am Hofe bald eine starke Partei gegen ihn erstehen, an der Spitze der Sohn des Kaisers, der spätere Ferdinand III. Sie gewann im Laufe der Zeit einen entscheidenden Einfluß auf den schwachen und schwankenden Kaiser, zumal in ihr Männer wie der bayerische Kurfürst, der böhmische Oberste Kanzler Slawata, die Jesuitenpatres Lamormaini, der Beichtvater, und Weingartner, der Hofprediger, mit Leidenschaft gegen Wallenstein wirkten.
(Uni Giessen.de) (……)

(Historische Parallelen 31.21.2011)

Die Methoden Tilly und Dschingis Khan erscheinen relativ unerfreulich.

Aber immerhin würde die Menschheit überleben.  Die Methoden Merz, Reiche und Trump sind hingegen gesamt-toxisch. Wenn wir uns immer mehr vermehren und auf ewiges Wirtschaftswachstum auf Kosten der Natur setzen, werden wir alle ausgerottet.