Dienstag, 31. Juli 2018

Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.

Als ökonomische Einheit betrachtet bin ich sehr allein.
Meine „Firma“ besteht eigentlich nur aus einem Gewerbeschein und dem was ich so vor mich hinkritzele.
Das hat Vorteile, weil ich wenige Unkosten habe. Schließlich wohne ich allein mit 20 Jahre altem Mietvertrag; keine Haustiere, keine Kinder, keine Exfrauen, die ich finanzieren muß. Keine teuren Hobbys, keine Reisen und für’s „ausgehen“ bin ich glücklicherweise zu alt.

Blöd ist natürlich, wenn ich mir, wie Anfang des Jahres geschehen, einen Krankenhausaufenthalt mit aufwändiger OP gönne und anschließend zwei Monate nicht mehr laufen kann. Miete, die extrem teure private Krankenversicherung, aus der ich nicht rauskomme, die Zeitungsabos, sonstigen Versicherungen, KfZ-Steuer, Telefon, Internet werden selbstverständlich weiterhin jeden Monat abgebucht.

Das wird dann sehr schnell unlustig und bedrohlich, wenn kein Geld mehr reinkommt.
Hilfe kann man nicht erwarten. Wenn ich anfange zu jammern, daß ich diesen Monat leider nicht gearbeitet habe und daher kein Geld habe, wird meinen Vermieter das nicht interessieren.
Politische Appelle kann ich mir auch sparen. Ich habe schließlich keine Lobbyisten bezahlt, bin systemisch irrelevant.

Das ist ganz anders, wenn man Opel, Banker, Atomindustrie oder Bauer ist.
Dann muss man sich auch nicht mit Petitessen aufhalten und zum Beispiel erst mal klären, ob man wie die ein oder andere Landesbank ganz allein schuld an der Misere ist.
Dann reißt an einfach die Klappe auf.
Der Goldstandard ist der Status als „global systemrelevant" (Global Systemically Important Bank, G-SIB), vulgo „too big, to fail“.
Das ist praktisch. Da kann man rücksichtslos rumspekulieren, Milliarden an sich raffen und wird zum Geburtstag zum Privatdinner ins Kanzleramt eingeladen.
Und wenn alles schief geht, man zehnstellige Summen verdaddelt hat, bekommt man weiterhin seine Millionengehälter, wird weiterhin ins Kanzleramt eingeladen und hält dort die Hand auf, um den Steuerzahler die Verluste übernehmen zu lassen.

Man erinnere sich an die international gesehen kleine HSH-Nordbank, die eigentlich Kleinunternehmer in Hamburg und Schleswig-Holstein unterstützen sollte, dann aber auf die Idee kam lieber das ganz große Geld mit internationalen Finanzprodukten und Schiffsfinanzierungen zu machen.
Im Aufsichtsrat hockten völlig überforderte Landespolitiker wie Werner Marnette, von Juli 2008 bis März 2009 CDU-Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein und Wolfgang Peiner, von 2001 bis 2006 CDU-Finanzsenator der Freien und Hansestadt Hamburg, die tumb zu allem Ja sagten.
Und dann waren plötzlich 30 Milliarden verzockt und die Bürger der beiden nördlichen Bundesländer hatten den Schaden.
Peiner und Marnette schämten sich noch nicht einmal.
Nur Bundesfinanzsenator Steinbrück war sauer und verfügte, Manager der vom Steuerzahler „geretteten“ Banken dürften nicht mehr als EUR 500.000,- jährlich verdienen.
CDU-Bürgermeister Ole von Beust hatte es aber bekanntlich nicht so mit Regeln und Anstand. Er ließ dem Mann, der 30 Milliarden verloren hatte, Dirk Jens F. Nonnenmacher, von 2008 bis 2011 Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank, dennoch 1,5 Millionen Euro Gehalt zahlen.
Als die Sache aufflog, zuckte Beust mit den Achseln und verkündete lapidar für bloß 500.000,- bekomme man eben keinen qualifizierten Manager.

Spätestens da bedauerte ich es kein Bankmanager geworden zu sein.
Wenn man noch einem 30-Mrd-Verlust, für den die Hamburger und Schleswig-Holsteiner gerade stehen müssen, immer noch als so qualifiziert gilt, daß man 1,5 Millionen Jahresgehalt verdient, kann der Job ja nicht sehr anspruchsvoll sein.

Deutsche Bauern sind ähnlich gut vernetzt.
Ihre Lobby-Präsidenten sitzen üblicherweise direkt in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und sorgen wie schon Seehofer und Aigner dafür, daß unter allen Umständen geheim gehalten wird, wer eigentlich die gewaltigen Agrarsubventionen bekommt.

Subventionen, die vom Steuerzahler aufgebracht werden, im großen Maßstab, ja sogar global die Landwirtschaft ruinieren, weil sie mit EU-Billigexporten afrikanische Bauern in die Pleite treiben und zur Flucht zwingen. Subventionen, die inzwischen 50% der bäuerlichen Einkünfte ausmachen und nach Fläche verteilt werden. Den Größten und Umweltschädlichsten das Meiste.
Fast alles für Monokulturen, nichts für kleine Ökobauern.

[…..] Die 15 Top-Subventionsempfänger erhielten 2017 zusammen 86 Millionen Euro - von insgesamt 6,5 Milliarden Euro. […..] Auch die dänisch-schwedische Molkereigenossenschaft Arla gehört mit 3,09 Millionen Euro zu den Top-Subventionsempfängern in Deutschland. […..] Die Agrarausgaben machen mit etwa 58 Milliarden Euro jährlich aktuell fast 40 Prozent des EU-Budgets aus. Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) hat auch deshalb einen so großen Stellenwert, weil sie seit mehr als 50 Jahren der einzig voll gemeinschaftlich finanzierte Politikbereich der EU ist. […..] Unter den Top 20 sind auch fünf landwirtschaftliche Großbetriebe - sie bewirtschaften alle riesige Flächen in Ostdeutschland. […..]
Die Molkerei Arla steht mit gut drei Millionen Euro im Ranking der Direktzahlungen auf Platz fünf[…..]
Mit Südzucker landet einer der größten Nahrungsmittelkonzerne Deutschlands auf Platz elf der Empfänger von Direktzahlungen. Das börsennotierte Unternehmen bezog 2017 rund 1,6 Millionen Euro aus dem EGFL-Topf. Hinzu kamen noch fast 300.000 Euro aus dem ELER-Fördertopf für die Entwicklung des ländlichen Raums. 2016 bekam Südzucker Subventionen in Höhe von 1,82 Millionen Euro. Der Konzern machte in den vergangenen beiden Geschäftsjahren unterm Strich jeweils einen Gewinn von mehr als 300 Millionen Euro. […..] Laut Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums erhielten die landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Deutschland im Wirtschaftsjahr 2016/2017 im Durchschnitt 33.817 Euro an Direktzahlungen und Zuschüssen. Dies entsprach 408 Euro pro Hektar. [….]

Fairerweise sei erwähnt, daß die kleinere Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft diesen Wahnsinn auch kritisch sieht.

[….] Es sei zu einfach, jetzt nur Geld vom Bund zu fordern, sagt ihr Geschäftsführer, Georg Janßen. Er appelliert an die Solidarität der Bauern untereinander und die der Abnehmer ihrer Erzeugnisse. "Faire Preise würden uns viel mehr helfen als die Unterstützung vom Staat", sagt er. [….]

Derzeit erleben wir eine Rekordhitze in Deutschland.
Jeder kann mit eigenen Augen sehen, wie die Natur leidet.
In Hamburg schöpft die Umweltbehörde täglich tonnenweise tote Fische aus der Alster ab, die Straßenbäume werfen die Blätter ab und die Grünflächen sind braun.
Wie so oft, klagen natürlich auch die Bauern.
Nicht so gerne erwähnt wird dabei, wie heterogen das Bild ist. Einigen nützt die Hitze. Und alle können sich über höhere Preise freuen.

[….] "Beim Obst überwiegen die positiven Effekte der Witterung", sagt Michael Koch vom Agrarmarktinformationsdienst (AMI). Die Apfelbäume hängen in diesem Sommer recht voll. Auch melden Obstbauern in diesem Jahr eine deutlich größere Kirschen- und Pflaumenernte. Bereits im Frühsommer hat die Branche sechs Prozent mehr Erdbeeren geerntet als im Vorjahr. [….] Die Winzer profitieren bislang vom langen und warmen Sommer 2018. Die Trauben sind etwa drei Wochen schneller gereift als im langjährigen Durchschnitt, die Rebstöcke reichlich behängt. "Die Ertragsaussichten der Winzer sind gut in diesem Jahr", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Bereits in einer Woche wollen erste Betriebe mit der Weinlese für Federweißer beginnen. Einen so frühen Erntetermin habe es noch nie gegeben. [….]

Die politischen Bauern sind allerdings nicht mehr gewöhnt Risiken zu tragen und vorausschauend zu planen.
Sie kennen es nicht mehr anders, als immer vom Steuerzahler üppige Zulagen zu erhalten.
Fällt die Ernte also mal schlechter aus, ist es ein natürlicher Reflex sofort nach dem Bund zu quaken. Der soll für die Verluste aufkommen.
Eine Milliarde Euro Soforthilfe darf es schon sein. CDU-Rechtsauslegerin Klöckner, ehemalige Weinkönigin und Landwirtschaftsministerin, prüft es wohlwollend. Ist ja nicht ihr Geld und außerdem waren die Bauern schon immer die treuesten CDU/CSU-Wähler.

 [….] Wann immer die Natur nicht will, wie die Landwirtschaft hofft, kommt bald der Staat ins Spiel. Kein Wunder, schließlich sitzen an den Kabinettstischen in Bund und Land genügend Agrarminister, um auf das Wohlergehen der Bauern zu achten. Einen so direkten Draht hat keine andere Branche. Wenn Bauernpräsident Rukwied daher jetzt schon eine Milliarde Euro für „wünschenswert“ hält, um besonders hart getroffene Bauern für die Ernteausfälle zu entschädigen, lässt das politische Echo nicht auf sich warten.
[….]  Auch ist es Kernaufgabe jeden Landwirts, seinen Betrieb gegen Wetterschwankungen zu wappnen.
Es ist seine Sache, das Risiko auf verschiedene Standbeine (etwa Ökostrom oder Tourismus) zu verteilen, Pflanzen entsprechend auszuwählen und zu mischen, Kapitalreserven zu bilden oder sich zu versichern. Doch gerade am Aufbau von Versicherungsschutz scheint der Bauernverband wenig interessiert. Offenbar ist es einfacher, für die Wetterlaunen öffentliche Hilfen zu mobilisieren.[….]

Leider wurde in der Landwirtschaftspolitik längst wieder der Bock zum Gärtner gemacht, nachdem es unter Gerd Schröder mit Renate Künast eine Bundesministerin gab, die Strukturen aufbrach, auf Ökologie setzte und die bäuerlichen Großbetriebe und Monokulturen kritisierte.
Allein, der Wähler wollte das nicht und wählte lieber wieder C-Politiker auf den Posten, die tun, was die Agrar-Großlobby will.

Die Bauern haben zwar zum Teil selbst Schuld an ihrer Misere, aber ihre politischen Vertreter in der Union befördern eine Vollkasko-Mentalität, die ein ökologisches Umdenken unmöglich macht.

[…] Landwirte bekommen staatliche Beihilfen, die knapp die Hälfte ihres Einkommens ausmachen. Und sie können sich auf eine starke Interessenvertretung verlassen. Wie sehr, das zeigt sich in diesen Tagen wieder. Eine Milliarde Euro vom Staat verlangt der Deutsche Bauernverband, um dürregeplagten Erzeugern zu helfen - eine Forderung, die einerseits verständlich, andererseits aber auch dreist ist. Verständlich ist sie, weil tatsächlich Existenzen auf dem Spiel stehen. Dreist, weil ein Teil des Problems hausgemacht ist. Es kann nicht angehen, dass die Agrarlobby einerseits offene Märkte fordert, andererseits aber sofort nach staatlicher Hilfe ruft, wenn sich Markt und Wetter einmal von ihrer schlechten Seite zeigen. [….]
Was auf Äckern und in Ställen geschieht, hat auch Einfluss aufs Klima. In der Tierhaltung entstehen schädliche Treibhausgase; Böden können dagegen CO₂ speichern.
An diesen Stellschrauben muss die Agrarpolitik drehen. Weniger Tiere in Ställen, das bedeutet unter dem Strich weniger Emissionen. Ein Ackerbau, der auf Vielfalt statt auf Monokulturen setzt, wenig Pestizide und Kunstdünger verbraucht, entlastet die Klimabilanz. Wie empfindlich riesige Felder reagieren, zeigt sich in diesem Sommer in Nord- und Ostdeutschland. Wo vor Jahrzehnten noch Bäume und Hecken kleinere Äcker säumten und so ein stabiles Mikroklima schufen, wächst heute Mais, Getreide oder Raps, so weit das Auge reicht. Böden trocken so schneller aus, erodieren leichter. Insekten und andere Tiere können in solche Agrarwüsten nicht überleben. [….]

Montag, 30. Juli 2018

Ich möchte ein Eisbär sein

Wer würde bei den gegenwärtigen Höllentemperaturen nicht gern an den Polarkreis ziehen.
Als Eisbär im Schnee rumstapfen. Das wäre was.

 Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar
dann müßte ich nicht mehr schrei'n
alles wär' so klar.
Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar
dann müßte ich nicht mehr schrei'n
alles wär' so klar. […..]

Es ist viel zu heiß in Deutschland und so drehen wir entsetzt die Klimaanlagen auf. Natürlich geht dadurch der Stromverbrauch so richtig durch die Decke und die Klimaziele, die von der Groko ohne viel Widerstand aufgegeben wurden, weil die KfZ- und Kohlelobby mit schönen Schecks wedelte, werden noch deftiger verfehlt, wodurch sich der Planet noch mehr aufheizt.
„Nach uns die Sintflut“ ist eine erschreckend angemessene Redewendung. Denn so schnell wie die Polkappen und Gletscher ob der Erderwärmung abschmelzen ist es nicht mehr weit bis zur großen Flut.

Was soll ich Strom sparen, schalt es mir von Hitzeleidensgenossen fatalistisch entgegen, wenn der größte Umweltsünder, die USA, ohnehin jeglichen Umweltschutz bekämpft?
Broken Window Theorie im großen Stil:
Wenn der Nachbar sein Hausaufgaben nicht macht, kann ich es ja auch lassen.

Eisbären sind unterdessen massiv vom Aussterben bedroht, weil ihr Lebensraum wegschmilzt.
Sie sammeln sich verhungert an den Küsten und warten vergeblich darauf, daß endlich das Meer zufriert, um zu ihren Jagdgründen zu kommen.

Was für ein Drama; das größte und stärkste Landraubtier der Erde – an der Beringstraße erreichen männliche Polarbären eine Kopf-Rumpf-Länge von über drei Metern und bis zu 500 kg Gewicht – muß elendig eingehen, weil es an Lebensraummangel leidet.

Obwohl sie exzellente Sinne besitzen, brauchen sie in ihrer kargen Umgebung Reviere von etwa 150 Quadratkilometer, um sich zu ernähren.
Das ist pro Bär eine Fläche in der Größenordnung von Bochum, Aachen oder Saarbrücken.
Die weißen Giganten kommen wirklich viel rum.

[…..] Between an initial capture in late August and a recapture in late October 2008, a radio-collared adult female polar bear in the Beaufort Sea made a continuous swim of 687 km over 9 days and then intermittently swam and walked on the sea ice surface an additional 1,800 km. Measures of movement rate, hourly activity, and subcutaneous and external temperature revealed distinct profiles of swimming and walking. Between captures, this polar bear lost 22% of her body mass and her yearling cub. The extraordinary long distance swimming ability of polar bears, which we confirm here, may help them cope with reduced Arctic sea ice. [….]

Die Polarbären frönen einer Lebensweise, die ihnen fast eine Million Jahre seit ihrer Trennung  von der Schwesterart der Grizzlys gut bekam.
Seit sie aber mit dem Mensch in Kontakt kommen und dieser ihnen auch noch die Umgebung aufheizt, gehen sie ihrem Ende entgegen.
Einige, die aufgrund der schmelzenden Eisdecke zurück aufs kanadische Festland gezwungen werden, kommen erstmals seit vielen Hunderttausend Jahren wieder mit Braunbären in Kontakt. Gelegentlich wurden sogar schon Hybride beobachtet. Faszinierend, wenn ein netter Eisbärenherr eine willige Braunbärendame trifft, gibt es bei ihnen also keinen Rassismus, sondern Familiengründung.

Vor 50 Jahren hatten die Menschen die Polarbärenpopulation schon auf etwa 5.000 Tiere zurückgemordet. Die Felle waren so eine schöne Trophäe.
Nach intensiven Schutzmaßnahmen der Arktis-Anrainer konnten sich die Bestände auf bis zu 20.000 Tiere erholen.
Das ist so wenig, daß die Gemeinden, die ich zur Veranschaulichung der Anzahl heranziehen könnte, den meisten völlig unbekannt sein werden: Kleinmachnow, Puchheim oder Obertshausen haben so viele Einwohner wie es weltweit Eisbären gibt.

Natürlich nützen aber die Schutzmaßnahmen gar nichts mehr, wenn Merkel die Klimaziele aufgibt, Trump sie sogar aktiv bekämpft und den weißen Wilden das Eis unter den Tatzen wegschmilzt.

Zudem gibt es auch noch „Eisbärenfreunde“, die so geistesgestört sind, daß sie den armen Viechern so auf die Pelle rücken, daß diese dabei erschossen werden.

 [….] Auf Spitzbergen ist während einer Kreuzfahrtreise ein Eisbär erschossen worden.
[….] Hapag-Lloyd Cruises sagte in einer Stellungnahme, man bedauere den Vorfall sehr. [….] Am Samstag habe ein Team das Schiff verlassen, um eine Landung vorzubereiten. Dabei wurde ein 42-jähriger Mitarbeiter von einem Eisbären angegriffen, den dieser zuvor nicht bemerkt habe, hieß es weiter. Versuche der Kollegen, den Eisbären zu verjagen, seien fehlgeschlagen. Deswegen habe man "aus Gründen der Notwehr und um das Leben der angegriffenen Person zu schützen" den Eisbären erschießen müssen. [….]

Es erinnert an die enthirnten Liebhaber von Meeressäugern, die den Walkühen und Walkälbern beim Whalewatching so zusetzen, daß sie durch den Stress umkommen.
Ähnlich verhalten sich Manati-„Fans“ in Florida, die nur unter Androhung empfindlicher Strafen von den Seekühen ablassen.

Wie soll man bei dem Verhalten des Homo Sapiens nicht dem Antinatalismus anheimfallen und sich wünschen, daß die Anzahl der Menschen radikal schrumpft?

Hätte die norwegische Eisbärin doch lieber alle Passagiere der MS Bremen aufgefressen. Menschen haben wir mehr als genug auf dieser Erde; Eisbären nicht.

Die eigentliche Perversion ist aber, daß Polarbären noch Glück haben.
Sie gelten in den debilen menschlichen Augen als „niedlich“. Eisbärenbabys in Zoos verursachen regelmäßig enormen Medienrummel.
Alle lieben dann ihren „Knut“ in Berlin. Mit diesen süßen Knopfaugen und dem Kindchenschema.
Knut, der 2011 mit vier Jahren im Zoo an Enzephalitis krepierte und nun ausgestopft im Naturkundemuseum der Hauptstadt steht.

Eisbären erregen Aufmerksamkeit. Twitter und Facebook generieren Shitstorms wider die Reiseveranstalter, die den einen norwegischen Bär auf dem Gewissen haben.
Möglicherweise sensibilisiert das die sensationshungrigen Kreuzfahrt-Touristen, oder führt zu staatlichen Verboten solcher Reisen in sensible Naturgebiete.

Die Millionen namenlosen Tiere, die wir jeden Tag in deutschen Schlachtfabriken killen, haben keine Lobby.

Sonntag, 29. Juli 2018

Machtmissbrauch

Nicht alle militärisch sehr mächtigen Eroberer haben sich destruktiv benommen.
Die Inkas übernahmen interessiert kulturelle und wissenschaftliche Errungenschaften der Reiche, die sie besetzten.
Die Mauren brachten eine Hochkultur nach Spanien und praktizierten Toleranz, so daß Juden, Christen und Muslime sich gegenseitig künstlerisch und wissenschaftlich befruchteten.
Auch Alexander, der Große und chinesische Kaiser integrierten neue Länder in ihre Großreiche, indem sie das Beste beider Kulturen zusammenfügten, sich den örtlichen Sitten anpassten.

Insbesondere Christen mit ihrer bornierten „wir sind besser als die“-Haltung setzten hingegen negative Maßstäbe.
Als sie in Nord- und Südamerika einfielen, rotteten sie die vorhandenen Kulturen aus, zerschlugen alles Nichtchristliche.
Sie zwangen die Urvölker Afrikas und Australiens ihre Sprachen und Sitten aufzugeben.
Als Isabella die Katholische nach 800 Jahren maurischer Blüte Spanien erstmals wieder unter christliche Kontrolle brachte, wurden Muslime und Juden der Inquisition überantwortet.
Ähnlich dachte sich das auch der Katholik Adolf Hitler, der bei seinen Eroberungen alles Nichtdeutsche für „unwert“ hielt und Millionen Menschen einfach umbringen ließ.

Im 21. Jahrhundert kann man die Haltung anderen Kulturen gegenüber ganz grob am politischen Rechts-links-Schema festmachen.
Je rechter die Partei, desto nationaler, je linker, desto internationaler.

Nationalismus ist oft eine Methode, um kurzfristig zu Hause zu punkten.
Wir gegen die. Wir auf Kosten der anderen.
Sie passt zum Selbstverständnis präpotenter Bullys.

Donald Trump ist die Apotheose dieser Sichtweise.
Er glaubt, Amerika wäre so stark, daß es nicht nur alle anderen Nationen nach Belieben dominieren könnte, sondern auch unbedingt sollte.
Rücksichtnahme auf andere Interessen, wie sie alle seine Amtsvorgänger gelegentlich praktizierten und eben nicht immer mit Gewalt alles durchsetzen, was möglich gewesen wäre, diffamiert er als „failed“.

Da sich die ökonomischen Konkurrenten der USA notorisch uneinig sind, kommt Trump mit dieser rücksichtslosen Methode ziemlich weit.
Abgesehen vom ethisch-moralischem Desaster vergisst er dabei aber, daß Amerika langfristig durchaus vom Wohlwollen der anderen Nationen abhängig ist.
Wenn alle die USA hassen und die kulturellen und ökonomischen Verbindungen kappen, kann auch die stärkste Nation der Erde nicht überleben.

Eine Ebene darunter, also innerhalb Europas, praktizierte Merkels Regierung ebenfalls eine milde Trump-Politik gegenüber der EU-Partnern.
Unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer hatten das Ansehen Deutschlands und seine außenpolitischen Beziehungen eine regelrechte Blüte erlebt.
Die Deutschen waren beispielsweise als eine der ganz wenigen Nationen gleichermaßen in Israel, als auch in der arabischen Welt hochgeschätzt.
Die Beziehungen zu Russland und Frankreich waren exzellent. Mit dem konservativen Chirac arbeitete die rotgrüne Regierung so eng zusammen, daß sich Schröder sogar bei einem Gipfel von Chirac vertreten ließ.

[….] Premiere auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union: Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac hebt die Hand für Deutschland, da Bundeskanzler Gerhard Schröder ihm vertrauensvoll die Wahrnehmung der deutschen Interessen übertragen hat.   Hinter dem Schild "Deutschland" auf dem Konferenztisch des Brüsseler EU-Gipfels ist Schröders Stuhl leer geblieben.   Wo sonst der Bundeskanzler und Außenminister Joschka Fischer sitzen, hatte am Morgen lediglich der deutsche EU- Botschafter Wilhelm Schönfelder Platz genommen. Er beobachtet das Treffen aber nur.   Chirac hat die Vertretung übernommen, damit Schröder und Fischer an der Abstimmung des Bundestags über die Reformgesetze der Agenda 2010 teilnehmen konnten. Der Franzose nimmt seine neue Rolle ernst: Entgegen seiner Gewohnheit traf Chirac am Freitag als einer der ersten am Konferenzort ein und begrüßte die später ankommenden Staats- und Regierungschefs an der Tür des Saals mit Handschlag. [….]

Später wiederholte sich der Vorgang mit umgekehrten Vorzeichen, als Chirac einmal verhindert war und Gerd Schröder als französischer Präsident bei der EU verhandelte.

2005, mit dem Einzug der CDU-Vorsitzenden ins Kanzleramt, wurde Deutschland wieder klar nationalistischer und egoistischer.
Die außenpolitischen Beziehungen zu den wichtigsten Nachbarn – Polen, Frankreich, Russland und der Türkei – verschlechterten sich rapide.
Merkel trug meiner Ansicht nach entscheidend dazu bei, daß sich Putin und Erdoğan so stark radikalisierten und sich schließlich von Deutschland abwandten.

Aber sogar zum Entsetzen ihrer eigenen Parteifreunde zeigte Merkel kaum Engagement in der EU, konnte keinerlei Gefühle für die Südeuropäer aufbringen.
Die Beziehungen zu Frankreich wurden insbesondere durch die rücksichtslos nationale und Austerität-fetischistische Politik Wolfgang Schäuble so schlecht wie seit Adenauers Zeiten nicht mehr.

In die EU schickte Merkel statt der Besten nur noch ausrangierte Provinzler wie Oettinger, der bis heute kein englisch spricht. Ihr vertrauter CDU-Fraktionschef verkünde rabiat „in Brüssel wird jetzt deutsch gesprochen“.
Klarer kann man kaum ausdrücken wie gering man Europa schätzt.

Nun, Merkel war ähnlich wie die USA in der Welt, in Europa eindeutig die Stärkste. Sie konnte es sich leisten. Kurzfristig.

[…..]  Im EU-Durchschnitt […..] leidet Deutschlands „Beliebtheit“ unter dem als herrisch empfundenen Auftreten deutscher Regierungsvertreter und Parlamentarier gegenüber den unter der Euro-Krise leidenden Staaten Südeuropas. In den mittelosteuropäischen Ländern von Polen über Tschechien, die Slowakei bis nach Ungarn, wird Deutschland durchgängig als schulmeisterlich und penetrant wahrgenommen. Man kann es auch als mangelnde Empathie bezeichnen. […..] So lange es keinen äußeren Gegner gab, der versuchte, das Vereinte Europa durch Druck auf einzelne Mitgliedsstaaten zu zerstören, konnte es Deutschland vielleicht gleichgültig sein, dass es wenig wirkliche Freunde hatte – obwohl das schon immer ein fataler Fehler gewesen ist. [….]

Im Gegensatz zu der Regierung in Washington hat Merkel aber bereits erfahren wie das ist, wenn man jahrelang keine Rücksicht nimmt und die kleinen, vermeidlich schwachen Nationen wie Griechenland oder Portugal respektlos behandelt. Gelder zurückzahlen, die Hitler Griechenland abgepresst hatte?
Pah, Merkel dachte gar nicht daran dieses Ansinnen des Zwerges aus Europas Südosten auch nur eines Gespräches zu würdigen.

Spätestens 2015 war es soweit, daß Deutschland auch mal auf die Solidarität der anderen angewiesen war.
Nun rächt sich die nationalistischere und außenpolitisch rücksichtslosere Politik der CDU-Kanzlerin.

[…..] Deutschland braucht mehr Demut vor dem Freund
Der Handelsstreit mit den USA zeigt: Ohne Verbündete steht Deutschland in Europa allein. […..] Mit dem Auftauchen eines Donald Trump hat sich das schlagartig geändert. Warum sollte es etwa Griechenland, Spanien, Ungarn und Polen in eine gemeinsame Anti-USA-Haltung zwingen, dass die Amerikaner plötzlich Zölle auf deutsche Importautos erheben wollten? Kaum eines dieser Länder hatte aus den deutschen Ausfuhren nennenswerte Vorteile gezogen. Zumindest tat die deutsche Industrie wenig zur Stärkung des Selbstbewusstseins ihrer Zulieferer aus anderen EU-Ländern. […..] 30 Prozent der deutschen Arbeitsplätze hängen vom Export ab. 58,6 Prozent der deutschen Exporte gingen 2016 in EU-Staaten. Von Deutschlands 15 wichtigsten Export-Ländern sind zwölf Staaten der EU. Die drei anderen sind die USA, China und die Türkei. Aber wann schon hätte Deutschland diesen Ländern jemals zu verstehen gegeben, dass unsere Politik und unsere Wirtschaft dankbar für diese engen Handelsbeziehungen sein müssen – und nicht etwa die EU-12 dafür, dass sie deutsche Waren kaufen dürfen? […..] Deutschland ist, was es ist, dank der Europäischen Union. […..]

Samstag, 28. Juli 2018

conspiracy theory, textbook-definition

Das Internet ist so voll mit Verschwörungstheorien, daß es natürlich auch schon ein Wiki gibt, um sie alle zu sammeln.

Eine der bekanntesten ist die von Hitlers Nationalsozialisten obsessiv vorgetragene Verschwörung des „Weltjudentums“ oder des „internationalen Finanzjudentums“.
Hierbei handelt es sich um eine der perfidesten Verschwörungstheorien, weil sie in Kombination mit dem auf dem Christentum fußenden Antisemitismus zur Ermordung von sechs Millionen Europäischen Juden führte.

[….] Die Jüdische Weltverschwörungstheorie ist eine Verschwörungstheorie, die davon ausgeht, dass eine Weltverschwörung existiert, die von Juden betrieben wird und sich gegen Gojim (Nichtjuden) richten würde.
In diesem Rahmen wird dem Judentum die Schuld an zahlreichen negativen Ereignissen, gegeben. Als Beleg werden immer wieder die  gefälschten Protokolle der Weisen von Zion herangezogen.
Der Glaube an eine jüdische Weltverschwörung ist ein fester Bestandteil des Antisemitismus und führte mit der Rassenlehre im Dritten Reich zum Holocaust, der grausamen Ermordung von Millionen Männern, Frauen und Kindern in den Gaskammern der Nazischergen. Heute ist sie vor allem, wegen des Konflikts mit Israel, in arabischen Ländern verbreitet. [….]

Eine wirkungsmächtige Demagogie mit einer derart langen Historie – schließlich werden „die Juden“  seit dem Frühchristentum als „Gottesmörder“ gebrandmarkt und verfolgt.

Eine eigentlich völlig verrückte Angelegenheit, denn Jesus war selbst Jude und somit nach katholisch-antisemitischer Lesart als Jude also sein eigener Mörder.
Außerdem fußt die gesamte Christliche Ideologie auf dem „Opfertod“ Jesu, so daß man „den Juden“ eigentlich dankbar sein müßte.
Judas war Jesu wertvollster Jünger; ohne seine Aktion gäbe es heute keine zwei Milliarden Christen.
Zudem war Jesu Kreuzungen kein wirklich großes Opfer, schließlich ist er ja nur wenige Tage später gleich wieder auferstanden und war als unsterblicher Gottessohn nie in Gefahr.

Der eliminatorische Antisemitismus beider großen Christlichen Sekten – neben Hitler war Martin Luther, bis heute der Held der EKD, einer der größten Antisemiten der Geschichte – ist aber nicht nur ein historisches Relikt, sondern fungierte stets auch als Machtinstrument.
Juden dienten als Sündenböcke, ihnen konnte das Regime (Päpste, Hitler, Orban) stets die Schuld für alles in die Schuhe schieben.
In allen Jahrhunderten entluden sich judenfeindliche Pogrome und vereinten damit das Volk im gemeinsamen Hass auf einen selbst kreierten Feind.

Nach dem zweiten Weltkrieg war der deutsche Antisemitismus natürlich nicht verschwunden, wurde aber ein paar Dekaden eher hinter verschlossenen Türen propagiert.

Nach dem „Mauerfall“ von 1989 stellten Antisemitismusforscher wie Wolfgang Benz fest, daß ein Viertel der ostdeutschen Jugendlichen tiefsitzendem Antisemitismus frönte.
Laien reagierten erstaunt; schließlich gar es in der DDR offiziell gar keinen Antisemitismus und außerdem lebten auch so gut wie keine Juden dort.

Für Fachleute war es keine Überraschung. Das ist typisch für Antisemitismus: Er blüht insbesondere in völliger Abwesenheit von Juden auf.

Betrachtet man Antisemitismus durch die Nazi-Brille als spezielle Erscheinungsform einer Verschwörungstheorie, wird es noch offensichtlicher: Hass und Angst blühen umso mehr, je weniger sie von der Realität gestützt sind.
Die fanatischsten Verschwörungstheoretiker, die von der Existenz Aldebaraner überzeugt sind, Merkel für eine Reptiloidin halten oder die Kugelgestalt der Erde negieren, brauchen keine Beweise. Als echte Verschwörer denken sie sich sowas aus.
In Deutschland gibt es dort die größten Überfremdungsängste und den stärksten Ausländerhass, wo die wenigstens Ausländer wohnen.
Bei der letzten Bundestagswahl hatte Hamburg von allen Bundesländern das niedrigste AfD-Wahlergebnis, obwohl, bzw weil hier zehnmal so viele Migranten wie in Sachsen leben. In Sachsen wurde die dezidiert fremdenfeindliche AfD hingegen sogar vor der CDU landesweit stärkste Partei.

Das ist das Kennzeichen aller Aluhut-Träger: Sie lassen sich nicht von Fakten verwirren; eine evidenzbasierte Diskussion mit ihnen ist unmöglich.

Wenige Jahre nach dem Mauerfall war es die FDP, die als erste der etablierten Parteien offen mit antisemitischen Stereotypen spielte. Jürgen Möllemann gewann damit Rekordergebnisse in NRW und so nickte Parteichef Westerwelle seinen judenfeindlichen Kurs offiziell ab – selbst zu dem Preis, daß wahre Liberale wie Partei-Urgestein Hildegard Hamm-Brücher nach 54 Jahren ihr Parteibuch abgaben.

Der braune Schoß, aus dem der Antisemitismus kroch ist immer noch fruchtbar; gerade weil es so wenig Juden gibt, eignen sie sich so gut als Sündenböcke.

Mit weltweit 14 Millionen Juden, stellen sie gerade mal knapp 0,2% der Weltbevölkerung. 99,8% der Menschen sind also nicht betroffen, wenn man Juden verteufelt.

Heute wird der europäische Antisemitismus in rechtsradikalen Parteien im Westen, sowie mehreren osteuropäischen Regierungen wieder offen zur Schau getragen.

Insbesondere zwei „jüdische Namen“, Rothschild und Soros, triggern aufgrund des perfiden verschwörungstheoretischen Dauerfeuers rechtsradikale Gefühle.
Da kommen alle negativen Konnotationen aus Hitlers Zeit lehrbuchartig zusammen:
Reichtum, Geheimnisvoll, Jüdisch, International.

David Bergers PP-Blog
Wie viele amerikanische Milliardäre engagiert sich George Soros politisch. Im Gegensatz zu seinen Geld-Kollegen Koch, Mercer oder Adelson allerdings nicht für rechtsextreme Parteien und die radikale Umverteilung von unten nach oben, sondern für Liberale und Demokraten, für Bürgerrechtler, Umweltschützer und Entwicklungshelfer.

Inzwischen dürfte er um die zehn Milliarden Dollar gespendet haben.
Empfänger waren unter anderem

Open Society Foundations (half schwarzen südafrikanischen Studenten, die University of Cape Town zu besuchen)

Central European University (Förderung der Idee der „offenen Gesellschaft“)

Demokraten USA 2004

MoveOn.org (23,5 Millionen US-Dollar, um die Wiederwahl GWBs zu verhindern)

Osteuropäische Dissidenten und Bürgerrechter

Gewerkschaft Solidarność in Polen

Bürgerrechtsbewegung Charta 77 in der Tschechoslowakei

Andrei Sacharow in der Sowjetunion

Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen.

2009 in Kopenhagen Ankündigung eine Milliarde US-Dollar in erneuerbare Energien zu investieren.

Climate Policy Initiative (CPI)

Institute for New Economic Thinking (INET)

 2010 versprach Soros 7 Mrd. US-Dollar an The Giving Pledge zu spenden

1 Million US-Dollar für eine Marihuana-Legalisierungskampagne in den USA.

Jose Antonio Vargas „Defining American“.

Anti-Brexit-Kampagne der Gruppe Best for Britain

Soviel „Gutmenschentum“ bringt Rechtsradikale wie Viktor Orbán, den Hass-Blogger David Berger oder die deutschen AfD-Politiker in Wallung.
Nun wittern sie überall Soros-Einfluss und setzen wie hysterische Pawlow-Hunde überall Soros-Hashtags.


[…..]  Antisemitischer Hass auf Soros als gemeinsamer Nenner der internationalen Rechten
Nicht nur in Osteuropa wird der Milliardär und Philanthrop George Soros von Nationalist*innen angegriffen: Soros sei der Kopf einer Weltverschwörung zur Unterdrückung des Westens durch „Umvolkung“.
In vielen Bereichen sind sich die rechtsextreme Szene, die sogenannte “Neue Rechte”, Alt Right, Verschwörungsideolog*innen und Querfrontler*innen uneins. In einem Punkt herrscht allerdings szeneübergreifend Einigkeit: Schuld an allem Übel in der Welt ist George Soros.
Alleine in 2017 soll Soros in Syrien einen chemischen Angriff vorgetäuscht, Protestmärsche in Washington organisiert und finanziert, in Mazedonien einen Regierungswechsel erzwungen und wichtige Berater*innen aus dem Weißen Haus geworfen haben. Und ganz wichtige: Seit Jahren soll der 87-Jährige an dem geheimen Plan der „Umvolkung“ arbeiten. All das sind natürlich Verschwörungstheorien. Doch wie konnte es soweit kommen, dass Soros für all das verantwortlich gemacht wird? Und warum ist es ausgerechnet George Soros, dem diese übermächtige Rolle zugewiesen wird?
Nicht unwesentlich ist dafür die jüdische Herkunft des Philanthropen. Sie dient Verschwörungstheoretiker_innen international ihn und seine demokratiefördernde Arbeit in antisemitischer Weise zu diskreditieren. [….]

David Bergers PP-Blog

Bisweilen ergeben sich bizarre Allianzen, wenn sich Atheisten aus ihrer Opposition zum Islam mit radikalen Islamhassern wie David Berger zusammentun.

Facebook 28.07.2018
Berger wiederum steht innerhalb der RKK so weit rechts, daß er den Papst als linksradikal verdammt, Bergoglio den „dümmsten Papst aller Zeiten“ nennt.

In seinem Hass auf alle Migranten stellt der ehemalige vatikanische Theologe sogar die CSU in den Schatten; auch die AfD ist ihm noch zu mild. Er preist Identitäre, Pegida-Mitglieder und setzt sich nur allzu gern mit Rechtsradikalen in ein Boot, die traditionell antisemitisch sind. Durch seinen noch größeren Hass auf Muslime, schlug sich Berger aber getreu des Mottos „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ aber auf die radikal proisraelische Seite und posiert so oft er kann in der französischen Rothschild-Villa.


Als klassischem Verschwörungstheoretiker sind Logik und Moral für ihn irrelevant.
Während er den einen Juden preist – Rothschild – hasst er den anderen – Soros – umso mehr und schiebt ihm nahezu alles, das ihm nicht passt in die Schuhe.

David Bergers PP-Blog

Berger zu Folge kontrolliert Soros nämlich nicht nur alle Flüchtlingsströme, sondern auch alle deutschen Medien, die Bundesregierung und die EU.

Er folgt damit dem rechtsradikalen Idol von Horst Seehofer.

David Bergers PP-Blog

[….]  Orban betonte im Wahlkampf, in klarer völkischer Rhetorik, die Wichtigkeit einer "ethnisch homogenen" ungarischen Gesellschaft, die durch finstere äußerer Mächte bedroht sei. Ungarn stehe diesen Überfremdungsplänen im Weg, weshalb die ungarische Opposition damit beauftragt sei, "die Macht zu ergreifen und einen großen Plan umzusetzen: Ungarn zu brechen, dass den Migranten im Weg steht", so Orban wörtlich auf einer Veranstaltung am 15. März.
Wer steckt hinter diesen Plänen? Der ewige Soros, offensichtlich. Ein in die Tausende gehendes "Söldnerheer" arbeitet in diesem Augenblick im Geheimen unermüdlich daran, Ungarn zu zersetzen, hieß es aus der Fidesz. Dieses sei von George Soros finanziert und aufgestellt worden, behauptete Orban kürzlich. Der jüdische Milliardär ungarischer Abstammung, der einstmals Viktor Orban seine Ausbildung finanzierte, gilt inzwischen als Staatsfeind Nr. 1 in Budapest.
Der Hass auf Flüchtlinge, den der durch Korruptionsskandale bedrängte Orban schürt, wird durch einen nur oberflächlich kaschierten Antisemitismus begleitet. Die Juden, konkret der jüdische Milliardär George Soros, werden als die Hintermänner der Flüchtlingskrise halluziniert. Dieses Wahngebilde ist auch unter polnischen Rechtsextremisten weit verbreitet.
Soros: "Einer der größten Feinde Ungarns", der "kein Heimatland kennt"
Inzwischen sieht die ungarische Regierung hinter jeden Stein einen Soros hervorkriechen. Ungarns Parlamentspräsident etwa warnte kürzlich vor einer "Weltregierung", die "Gesellschaften ohne Identität erschaffe" und die "Köpfe der Menschen" besetze. Die Proteste in der Slowakei nach dem Mord an einem Journalisten - sie seien ebenfalls von der Soros-Verschwörung gesteuert. Soros stünde in der Slowakei "schon vor der Tür", so der ungarische Spitzenpolitiker. […..]

David Bergers PP-Blog
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Freitag, 27. Juli 2018

Manche Kriege müssen geführt werden.

Gestern verhandelte der EU-Kommissionspräsident im Weißen Haus und einigte sich mit dem orangen Lügen-Golfer zunächst einmal nichts eskalieren zu lassen.
Keine neuen Zölle, während man über einen umfangreichen Zollabbau verhandelt. Freieren Zugang zu allen Dienstleistungen, Ausweitung des Soja-Handels und außerdem will die EU verstärkt US-Flüssiggas importieren.

Der Meinungs-Tenor der seriösen Presse in Europa ist recht homogen:

Erleichterung und vorsichtiger Optimismus nach Junckers Trump-Besuch.
Großes Lob für den allesküssenden Luxemburger, der mehr erreichte als Merkel, May und Macron zusammen. Leichte Skepsis wegen Trumps bekannter Sprunghaftigkeit. Aber alles, was einen Handelskrieg verhindert ist gut.

[….] Vor allem die deutschen Autobauer reagierten darauf mit Erleichterung, ihre Aktien legten kräftig zu. Das sei ein wichtiges Signal der Deesklation, heißt es beim Branchenverband VDA. „Damit besteht nun eine reale Chance, zusätzliche Zölle oder gar einen Handelskrieg zwischen den USA und der EU zu verhindern.“
Tatsächlich könnte der Deal, auf den sich Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Mittwochabend in Washington geeinigt haben, für beide Seiten von Vorteil sein. […..]

Offenbar herrscht in dieser Angelegenheit Konsens: Handelskrieg ist für alle Seiten so schlecht, daß jeder Kotau in Kauf genommen wird, um ihn abzuwenden.
Die ökonomischen Konsequenzen könnten nämlich auch Regierungen aus dem Amt fegen.

Die Börsen reagierten prompt, die US-Wirtschaft zeigt starkes Wachstum, das sich Trump natürlich selbst auf die Fahnen schreibt.

Mich wundert das Missverhältnis zwischen Handelskriegen und militärischen Kriegen. Erstere werden so sehr gefürchtet, daß sie unter allen Umständen verhindert werden, während letztere durchaus in Kauf genommen werden.
Dutzende bewaffnete Konflikte finden weltweit statt.

Der leichtfertigere Umgang mit militärischen Kriegen liegt offenbar daran, daß diejenigen, die in Ankara, Moskau, Washington, Paris und London Militärschläge anordnen keine persönlichen Konsequenzen fürchten müssen.
Sie werden nicht selbst zu den Opfern gehören. Die Toten gibt es weit weg.

Handelskriege sind für „den Westen“ schlimmer.

[….] Dies kann man festhalten: Es hat alle überrascht. Dass Donald Trump und Jean-Claude Juncker es bereits bei diesem Treffen geschafft haben, die Eskalationsspirale im Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union zu unterbrechen und beide Seiten zurück an den Verhandlungstisch zu bringen. Denn das ist den beiden Präsidenten gelungen, und das ist ein großer Erfolg. Zumindest für den Moment.
Um zu sehen, warum das so wichtig ist, muss man sich die Alternative noch einmal bewusst machen, auf die sich viele eingestellt hatten. Ein echter Handelskrieg, bei dem Zug um Zug Zölle erhöht werden, erst auf Stahl, dann auf Whiskey, Jeans, Motorräder und Autos. Und das auf der Grundlage, dass man im ehemals engsten Partner eine Gefahr für die nationale Sicherheit erkannt haben wollte, weshalb der Austausch mit ihm ab- statt zunehmen müsse, und Produkte teurer und Jobs in andere Weltregionen abwandern würden. Das Worst-Case-Szenario war schon fast eingepreist, zusammen mit der Überzeugung, dass es niemand schafft, diesen US-Präsidenten davon zu überzeugen, dass sein Vorgehen falsch ist und am Ende auch seinem eigenen Land schadet. [….]

Ich kann mich der Meinung von Wolfgang Schäubles Tochter nicht anschließen.

Das liegt unter anderem an meinem schlechten Charakter: Ich gönne Donald Trump keinen Verhandlungserfolg und sehe ihn lieber auf offener Bühne bei seinen Deal-Versuchen scheitern.

Es liegt aber auch im allgemeinen Interesse der Amerikaner und ihrer Handelspartnern wirklich zu erkennen wie schädlich Trumps Negierung aller moralischen und demokratischen Werte ist.
Mit Argumenten und Fakten sind jedoch die Dutzenden Millionen Anhänger der #45 nicht zu überzeugen; sie die völlig Realitäts-taub und blind.
Sollte Trump impeached werden, unter dem Druck der Presse zurücktreten oder von Herrn Mueller verhaftet werden, entstünde eine gewaltige Dolchstoßlegende.
60 Millionen Trumpwähler würden ihn noch mehr lieben und die Demokraten/Linken/People of Color/Liberals/Schwulen/Schwarzen mehr hassen, denn je.
Sie würden nie einsehen sich in Trump getäuscht zu haben und die Republikaner wüßten nun erst recht wie weit man mit gnadenlosem Hass, Populismus und Lügen kommt.

Trump kann man irgendwie, irgendwann loswerden, aber was nützt das schon, wenn der fanatische Abschaum, der bereit ist so eine ethisch völlig verkommene Type zu wählen, nicht nur bleibt, sondern sich angeheizt von religiotischen Demagogen und ultrarechten Medienunternehmern auch noch kontinuierlich vermehrt?

Daher halte ich es für notwendig, daß Trump seine Legislaturperiode ausfüllt und tatsächlich den Handelskrieg mit all seinen dramatischen Folgen durchzieht.
Seine Anhänger müssen auf die harte Tour lernen, daß rücksichtsloses „Amerika first“ mit all den Drohungen, Lügen und Vertragsverletzungen sich nicht auszahlt.
Dafür ist eine kräftige Wirtschaftsschrumpfung notwendig.
Erst wenn die Rednecks und Hillbillies in Trumpland in Massen ihre Jobs verlieren, aus der Krankenversicherung fliegen und aller Sozialleistungen beraubt werden….
Erst wenn die Climate-change-Leugner am eigenen Leib die Auswirkungen massiver Umweltkatastrophen spüren - aufgrund Trumps Natur- und Klimafeindlicher Politik…..
Erst wenn die tumben NRA-Waffennarren ihre eigenen Angehörigen in Mass-shotings verlieren…..
Erst wenn die Trumpbejubelnden Farmer auf ihren vertrockneten Ernten sitzen bleiben, weil keine Migranten mehr auf den Feldern helfen und China kein Soja mehr kauft...werden sie vielleicht einsehen, daß es nicht klug war einen brutalen Rüpel zum Präsident zu wählen, der allen halbwegs anständigen Regierungen ins Gesicht schlägt und dafür vor Salman, Kim und Putin kriecht.

Trump ist nicht nur wegen seiner zutiefst destruktiven soziopathischen Persönlichkeit gefährlich, sondern in erster Linie, weil er alle Regeln des Umgangs miteinander zerstört.

Lieber nehme ich ein paar Jahre Rezession in Europa, China und Russland in Kauf, bevor ich den Trumpisten und ihren rechtsextremen Claqueuren in Europa Erfolg gönne.

Dabei sieht auch Frau Schäuble klar bezüglich Trumps Glaubwürdigkeit.

[….] „Denkt daran, das was ihr seht und was ihr lest, ist nicht das, was passiert.“ Donald Trump steht an einem Pult in Kansas City, als er sie ausspricht. Er hält eine Rede vor Veteranen des Zweiten Weltkriegs, er dankt ihnen für ihre Tapferkeit und lobt dann vor allem: sich selbst. Wo stünde das Land ohne ihn? Ein Trottel, wer denkt, der Handelsstreit schade der US-Wirtschaft, dumm, wer den Journalisten und ihren Nachrichten glaubt, den „Fake News“.
 „Stick with us, just stick with us“, sagt Trump. Haltet euch einfach an uns.
Für den US-Präsidenten, so scheint es, gibt es nicht nur „alternative Fakten“, er lebt in einer alternativen Welt. Manchmal, wie vor wenigen Tagen in Kansas City, gelingt ein Blick hinein. Es ist eine Welt, in der Zweifel nicht angebracht sind, und er immer recht hat. Auch wenn er seine Meinung ändert.
Kritische Fragen sind nicht mehr erwünscht. [….]

Trump nimmt es inzwischen locker mit Erdoğan auf.
Daß höchstrangige amerikanische Geheimdienstler es wagten ihn zu kritisieren, nur weil er ganz offensichtlich log, daß sich die Balken biegen, erträgt er nicht.
So wie schon die seriöse Presse aus den White-House-Press-room verwiesen wird, so will er nun auch die Ex-Chefs von NSA und CIA medial kaltstellen.

[…]  US-Präsident Donald Trump erwägt, mehreren Ex-Geheimdienstvertretern ihre spezielle Sicherheitsgenehmigung zu entziehen. Trump prüfe, ob die Genehmigungen von Ex-CIA-Chef John Brennan, Ex-FBI-Chef James Comey, Ex-Geheimdienstkoordinator James Clapper und anderen aufgehoben werden könnten, sagte seine Sprecherin Sarah Sanders. [….] Bei der Sicherheitsgenehmigung (englisch: Security Clearance) geht es um einen speziellen Status, der nach einer sehr gründlichen Überprüfung gewährt wird und Regierungsmitarbeitern beispielsweise Zugang zu geheimen Informationen gibt. Frühere Geheimdienstvertreter behalten den Status üblicherweise.
Neben Brennan, Comey und Clapper nannte Sanders auch Ex-NSA-Direktor Michael Hayden, den früheren stellvertretenden FBI-Direktor Andrew McCabe sowie Susan Rice, die ehemalige nationale Sicherheitsberaterin von Barack Obama. Alle sechs sind Kritiker Trumps. [….]

Wir, als zivilisierte Humanisten können es uns nicht erlauben, einen Mann, der auf solche Methoden setzt, zum Erfolg zu verhelfen.
Daher lieber ein kräftiger Handelskrieg jetzt.
Iran, Russland, China, Japan, die EU, sowie Kanada und Mexiko gemeinsam mit voller Kraft gegen die USA.

Soll doch Trump schäumen und toben auf seinen Golfplätzen.
Wichtig ist, daß seine unterbelichteten Wähler trotz FOX merken, wie schlecht Amerika diese Politik bekommt.
Also Schluß mit den heißen feuchten Küssen von Jean-Claude Juncker, Schluß mit den kräftigen Umarmungen von Emmanuel Macron, Schluß mit Mays Händchenhalten.

[…..]   "Die EU kommt morgen nach Washington, um einen Handelsvertrag auszuhandeln", twitterte Trump. Er habe da einen Vorschlag: Sowohl die EU als auch die USA sollten einfach alle Zölle und Subventionen abschaffen. Aber natürlich würden die Europäer das nicht tun - womit er schon vorab die Schuld für ein Scheitern des Gesprächs bei Juncker abgeladen hat.
Dabei ist es Trump, der erst neue Strafzölle auf Stahl und Aluminium einführte und noch am Dienstag twitterte: "Zölle sind das Größte!" [….]
 Zugleich droht er unverhohlen mit einer weiteren Eskalation: Entweder, ein Land schließe mit den USA "einen fairen Deal", oder es werde mit Zöllen bestraft. "So einfach ist das", schrieb Trump.
Für die EU ist die Lage damit ebenfalls einfach: Ihr bleibt kaum eine Alternative, als eine harte Linie zu fahren. Juncker muss in Washington eines deutlich machen: Wenn Trump zuschlägt, schlägt die EU mindestens ebenso hart zurück.
 Für eine solche Strategie sprechen drei Argumente:
    Die EU hat es mit einem US-Präsidenten zu tun, dessen Reden und Handeln sich immer weiter von der Realität entfernen und der seine Interessen rücksichtslos durchsetzen will. Ein "fairer Deal" ist aus Trumps Sicht alles, was seiner "America First"-Doktrin entspricht. Bei Verhandlungen zielt er nicht auf Ausgleich, sondern auf die Unterwerfung des Gegners. Zu denen gehört auch die EU, wie Trump neulich ausdrücklich betont hat - und einiges deutet darauf hin, dass er am Zerfall der EU größeres Interesse hat als an einem Deal mit ihr.
    Der Versuch des Appeasements wäre deshalb keine gute Idee. Würde man Trump ohne Gegenleistungen Zugeständnisse machen, fühlte er sich in seiner Vorgehensweise bestärkt und unternähme vermutlich gleich den nächsten Erpressungsversuch.
    Die Europäer haben guten Grund, selbstbewusst aufzutreten - dank der Brexit-Verhandlungen. Sie zeigen, dass die EU notfalls bereit ist, für langfristige Erfolge kurzfristige Verluste zu riskieren. [….][….][….]