Donnerstag, 19. Juli 2018

Heimatvertriebene sind Menschen

Es kommen verglichen zu 2015/2016, verglichen zu den 1990er Jahren, verglichen zu den 1960er Jahren, verglichen zu 1945/1946 kaum noch Migranten nach Deutschland.


Daß CSU und “besorgte Bürger” zum Wohle der AfD mit dieser Thematik Presse und Stimmung überfluten, hat keine Entsprechung in der Realität, sondern entspringt ihrer ureigenen Bösartigkeit.

Die Partei, die das christliche „C“ als Monstranz vor sich trägt, sieht in den aus verschiedensten Gründen Heimatvertriebenen keine menschlichen Wesen mit Rechten, sondern moderne Arbeitssklaven, die man demütigen, drangsalieren, ausbeuten und herumschieben kann.
Die wenigen, die sie großzügig bereit zu akzeptieren sind, sollen arbeiten – und zwar für 80 Cent pro Stunde, maximal 6,40 EURO LOHN AM TAG. Nach dem Willen der bayerischen Staatsregierung ist das genug.

[….] Bayerns Integrationsminister Joachim Herrmann (CSU) will durch 80-Cent-Jobs bislang zur Untätigkeit verdammte Flüchtlinge von der Straße holen - nicht zuletzt aus sicherheitspolitischen Überlegungen. [….]  3000 solcher Stellen werden seit Jahren angeboten - viele in den Asylunterkünften selbst. [….] Gesetzlich geregelt sind die Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge neben der Durchführungsverordnung Asyl hauptsächlich im Asylbewerberleistungsgesetz (Paragraf 5). So auch die Bezahlung: 80 Cent pro Stunde, sofern der Leistungsberechtigte "nicht im Einzelfall höhere notwendige Aufwendungen nachweist", die ihm bei der Arbeit entstehen. Ihr Pendant findet diese Regelung im Sozialbuch II - die Empfänger von Hartz-IV-Leistungen betreffend. Hier liegt die Aufwandsentschädigung derzeit zwischen einem und zwei Euro.
[….] Im Juni 2016 hatte die damalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) [die zutiefst überzeugte Katholikin, die nach eigenen Angaben wegen Jesus in die SPD eintrat –T.] die finanzielle Abstufung bei Flüchtlingen damit begründet, dass die meisten Asylbewerber in Aufnahmeeinrichtungen eingesetzt würden - etwa indem sie Gemeinschaftsräume reinigen. […..]

Obwohl gerade in München dringend Arbeitskräfte gebraucht werden („Busfahrer verzweifelt gesucht“) und staatseigene Betriebe gezielt um Flüchtlinge werben, sind Migranten für Seehofer, Söder, Scheuer und Dobrindt bloß nichtmenschliches PR-Material, um die ultrarechte Wählerbasis zu stärken.


[….] Eigentlich muss man Horst Seehofer dankbar sein. Denn mit seinem zynischen Spruch über die 69 Abgeschobenen zu seinem 69. Geburtstag hat er den Fokus wieder auf das gelegt, worum es bei Flüchtlingspolitik gehen sollte: die Menschen. Es ist nämlich mitnichten so, dass in diesem Flugzeug vor allem Gefährder und Straftäter saßen. Mindestens 50 der 69 Abgeschobenen haben sich nichts zuschulden kommen lassen.
Etwa die vier Schüler der Berufsschule Illertissen in Bayern. Alle sollen freundliche, zielstrebige Schüler gewesen sein. Zwei von ihnen hatten schon einen Ausbildungsplatz. Oder der 26-Jährige aus Weiden, der gut deutsch sprach, Wohnung und Job hatte. Oder Alayah, den eine Münchner Zimmerei gerne als Lehrling genommen hätte. […..]

Horst Seehofers BAMF hingegen sieht das anders und identifizierte gerade erst wieder eine besonders gefährliche Gefährderin, die sofort ohne ihre Familie verschwinden soll: Eine Frau soll binnen 30 Tagen, bis zum 11.08.2018 nach Nigeria ausreisen und wird anderenfalls sofort allein abgeschoben.
Diese gefährliche Person ist übrigens noch jung, eine sogar sehr junge Frau. Sie ist drei Jahre alt.

[….] Geht es nach dem Willen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), so soll ein in Bad Abbach lebendes dreijähriges Mädchen baldmöglichst ausreisen. Zumindest erwecken die ersten drei Seiten eines Bamf-Entscheids diesen Eindruck. Per Bescheid vom 11. Juli wurde das Kind aufgefordert, "die Bundesrepublik Deutschland innerhalb von 30 Tagen nach Bekanntgabe dieser Entscheidung zu verlassen".
Während nach Angaben örtlicher Asylhelfer sowohl der Mutter des Mädchens als auch ihrer vierjährigen Schwester für ein Jahr ein Bleiberecht eingeräumt wurde, hieß es im Fall der Dreijährigen: "Sollte die Antragstellerin die Ausreisefrist nicht einhalten, wird sie nach Nigeria abgeschoben." [….]

Vermutlich ist die vierjährige Schwester einfach schon reifer und nicht mehr ganz so gemeingefährlich wie die Jüngere?

[….]  Die Familie muss im Zentrum stehen. Familien sind der kostbarste Schatz unserer Gesellschaft. Sie verdienen unsere ganze Anerkennung und Unterstützung. Wir wollen eine familiengerechte und kindergerechte Gesellschaft gestalten. Der Staat sollte Familien mit Zutrauen begegnen und nicht mit Misstrauen. Jede Familie soll frei wählen können, für welchen Lebensplan sie sich entscheidet. [….]   Horst Seehofer: „Es war so und wird so bleiben bei der CSU, dass wir Ehe und Familie besonders fördern und unterstützen.“ [….]

Offensichtlich vergaß die CSU an dieser Stelle zu erwähnen, daß der Begriff „Familie“ nur für Weiße und Deutsche gilt.
Und Christen.

[….]  Feste Werte – Wofür wir stehen
Das C: Vom christlichen Menschenbild zum Leben in Würde, Freiheit und Verantwortung
Das C in unserer Partei steht für die christliche Werteorientierung. Unsere Grundwerte leiten sich aus dem christlichen Menschenbild ab. Auf Basis dieser Werte gestalten wir eine Ordnung, die ein Leben in Würde, Freiheit und Verantwortung ermöglicht. Im Zentrum unseres Denkens steht kein abstrakter Gesellschaftsentwurf. Bei uns ist der Mensch im Mittelpunkt, mit seiner unantastbaren Würde, seiner Freiheit und seiner Verantwortung. [….]

Damit appelliert die CSU  an die niedersten Instinkte der Menschen, an ihren „Fernstenhass“.

[…..] "Nächstenliebe ist kein origineller christlicher Wert, sondern eine biologische Notwendigkeit, denn die Evolution hat uns Menschen zu herausragenden 'Teamplayern' gemacht. Die ethischen Probleme der Menschheit resultieren daher auch nicht aus einem Mangel an Nächstenliebe, sondern aus einem Überschuss an Fremdenhass. Tatsächlich ist die Menschheitsgeschichte seit jeher von einem brandgefährlichen 'moralischen Dualismus' geprägt, nämlich der Unterscheidung zwischen den 'guten' Mitgliedern der eigenen Gruppe, denen man mit Liebe und Respekt begegnen sollte, und den 'bösen' Repräsentanten fremder Gruppen, die man notfalls ausrotten müsse." [……]

Damit brachte Schmidt-Salomon das ist schön Worte, was ich schon lange Zeit als „Wir sind besser als die“-Kernideologie der Christen bezeichne, die es zu überwinden gilt.
Glücklicherweise sind wir in Hamburg einen kleinen Schritt weiter, haben die C-Parteien aus der Regierung geworfen und betreiben eine etwas realistischere Politik, die sogar Personen mit dunkler Hautfarbe menschliche Rechte einräumt. In Bayern möglicherweise schwer vorstellbar, aber möglich.

[….] Flüchtlinge in Hamburg
 [….] Ismaila Barjo steht am Küchentresen und guckt konzentriert auf sein Schneidebrett. Lange, zartrosa Stücke liegen dort. „Geflügel-Fleischwurst“, sagt der 19-Jährige und legt die Streifen gewissenhaft nebeneinander. [….] „Vom 1. August an bin ich ein echter Lehrling, darauf freue ich mich sehr.“
[….] Seine zweijährige Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe wird er in der Großküche der Firma Kreative Gemeinschaftsverpflegung an der Landwehr machen. „Ismaila haben wir schon als Praktikanten kennengelernt, er passt zu uns“, sagt Betriebsleiter Torsten Fröhling. Der Küchenmeister, [….] hat Erfahrung mit der Ausbildung von Geflüchteten. „Wir müssen uns ein bisschen mehr um sie kümmern, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede berücksichtigen. Aber wer bei uns im Betrieb landet, der hat Ambitionen und will etwas leisten.“ [….] Neben dem Afrikaner bearbeitet Mahdi Housseini am Tresen ebenfalls lange Fleischwurststreifen. Er stammt aus Herat in Afghanistan, lebte mit Eltern und Geschwistern im Iran und kam vor drei Jahren über die Balkanroute allein nach Hamburg. „Ich möchte einmal ein eigenes Restaurant führen“, sagt der 19-Jährige. [….] Auch Friederike Friedrich vom Hamburger Institut für Berufliche Bildung lobt die beiden Jungs. „Die Jugendlichen an unserer Schule sind hoch motiviert, sie sind loyal, leistungsbereit und sehr gute Teamplayer“, sagt die Abteilungsleiterin Fachkräfte im Gastgewerbe. „Oft befinden sich die Schüler durch ihre Fluchtgeschichte in schwierigen Lebenslagen und brauchen Hilfestellung im sozialen Bereich.“ Deshalb hilft die Initiative KoALA (Kooperation Arbeiten, Lernen und Ausbildung) Pro den Azubis in der Großküche. [….]

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