Dienstag, 28. Februar 2023

Separation – Teil II

Wenn man beobachtet, wie ein demokratisches politisches System aus 300 Millionen Bürgern zuverlässig nicht nur gefährliche und korrupte, sondern auch so ungeheuer dumme Menschen wie Boebert, Greene und Gaetz als „Volksvertreter“ in das mächtige Parlament spült, erübrigt sich die Frage nach der Funktionsfähigkeit.

Es gab natürlich immer radikale und gefährliche Ideen im Parlament. Es gab korrupte und lügende Parlamentarier.

Bei den gegenwärtigen GOPern kommen aber neue „Qualitäten“ hinzu, die man in den letzten 250 Jahren amerikanischer Demokratie nicht kannte:

Sie negieren die Realität, arbeiten absichtlich daran, dem eigenen Volk zu schaden (indem sie beispielsweise manisch gegen Krankenversicherungen und Corona-Impfungen kämpfen), treten im großen Stil offen für die Interessen feindlicher Mächte (Russland) ein, verfügen über keinerlei Allgemeinbildung („Gazpacho-Police“), kennen die eigene Verfassung nicht und zeigen noch nicht mal die rudimentärsten Formen eines höflichen Benehmens. Stattdessen ziehen sie grotesk kostümiert, brüllend und geifernd durch das Parlament und bedrohen ihre Kollegen mit physischer Gewalt.

Der demokratische Parlamentarismus ist ad absurdum geführt, wenn in der Mehrheitsfraktion mehrheitlich Menschen sitzen, die demokratische Wahlergebnisse nicht anerkennen und offene Verfassungsfeinde wie die Rassistin Marjorie Taylor Greene ausgerechnet in das Subcommittee on the Coronavirus Pandemic, das Committee on Oversight and Accountability und das Committee on Homeland Security schicken. Eine Coronaleugnerin, Antisemitin und Verschwörungstheoretikerin, die gegen Staat und Verfassung kämpft, wird dazu bestimmt die USA vor ihr zu schützen.

Das sind keine politischen Meinungsverschiedenheiten mehr, die man ausdiskutieren oder durch Wahlentscheidungen lösen könnte. Mit der Mehrzahl der Republikaner kann man nicht sprechen, weil sie die Realität nicht anerkennen. Man kann sich nicht in Wahlen mit ihnen messen, weil sie aktiv gegen das Wahlrecht kämpfen und keine Ergebnisse anerkennen, aus denen sie nicht als Sieger hervorgegangen sind.

Die US-Demokratie ist am Ende.

Der von FOX und Social Media befeuerte Trumpismus hat ihr den Todesstoß versetzt. Es wird auf zwei Alternativen herauslaufen: Bürgerkrieg oder Separation.

  […] Laut der rechtsextremen republikanischen Abgeordneten Marjorie Taylor Greene sei die „Wokeness“ der Demokraten außer Kontrolle geraten, sodass demokratische und republikanische Bundesstaaten „getrennt“ werden sollten – eine „nationale Scheidung“ müsse her. Greene schrieb auf Twitter: „Wir brauchen eine nationale Scheidung. Wir müssen nach roten Staaten und blauen Staaten trennen und die Bundesregierung verkleinern.“ Laut Greene stimme „jeder“ zu, mit dem sie spreche. „Wir haben genug – von der kranken und ekelhaften Woke-Kultur, die uns unter die Nase gerieben wird, bis zur verräterischen America-Last-Politik der Demokraten“, schrieb Greene. […..]

(FR, 23.02.2023)

Das erste mal, daß ich (in der Konsequenz) mit Klan Mum übereinstimme: Scheidung.

Man muss die roten und die blauen States of America bilden und Mauern hochziehen.

Das wird mit enormen Verwerfungen und Migrationsbewegungen einher gehen.

Der neue Grenzverlauf wird sicher keinen unumstrittenen Verlauf, wie in den geteilten Staaten Korea oder Deutschland haben, sondern chaotisch wie in Israel angelegt sein. Aber alles ist besser, als Bürgerkrieg.

Gut vorstellbar, daß wir auch in Deutschland und weiteren EU-Staaten zu solchen Selbst-Separationen kommen. Migration, Pandemie und Ukrainekrieg zeigen immer mehr, wie auch in Deutschland Politiker mit wachsendem Erfolg die Realität negieren. Die Wahlbeteiligungen sinken dramatisch, das Ansehen der Demokratie schwindet, Autokraten werden bewundert. Es bilden sich groteske Querfront-Allianzen, die Schwurbelvolk aus Ufologen, Covidioten, Chemtrailisten, Reichsbürger, Reptiloidengläubige in ihrer Demokratieverachtung zusammenschweißen. Es bringt Ikonen wie Sahra Wagenknecht hervor, die immer wieder ungeniert in deutschen Talkshows die Realität bestreitet. Solche Typen sind zu weit entrückt, um sie auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Zumal sie in ihren Schwurbelsphären so viel Zustimmung erfahren.

[….] Es ist zudem – nimmt man den Peres-Auftritt hinzu – das fünfte Mal in den letzten 13 Jahren, dass Wagenknecht, deren Karriere in der „Kommunistischen Plattform“ begann, Positionen vertritt, die Positionen aus dem rechtspopulistisch-rechtsextremen Milieu ähnlich oder mit ihnen identisch sind. Das war in der Finanzkrise so. Es war in der Flüchtlingskrise so. Es war in der Corona-Krise so. Und es ist jetzt wieder so. Entsprechend bekommt sie von der AfD auch seit Jahren Beifall – Beifall, den sie seit Jahren mit dem Augenaufschlag der Überraschung zurückweist.  [….]

(Markus Decker, RND, 28.02.2023)

Sahra Sarrazin und ihre Manifestler sind für die Demokratie verloren.

Wenn man nach der großen Putinisten-Demonstration vom Samstag durch die Presse und Social Media scrollt, sieht man die totale Verhärtung der Fronten. Entweder Wagenknecht und Schwarzer werden gehasst, wie die Pest.  Oder als große Friedensikonen bejubelt.  Neutrale Töne gibt es gar nicht mehr.

Die Schwarzenknechts sind faktenentrückt wie die Republikaner, die behaupten Trump habe die Wahl gewonnen: Da gibt es keine Gesprächsgrundlage. Es erübrigt sich jedes Gespräch, weil sie komplett in ihren Desinformationsblasen verirrt sind und die Realität bestreiten.

Wer ernsthaft auf ein Schild schreibt, Baerbock und Scholz wären angsteinflößender, als Putin, ist so phasenverschoben, daß Diskutieren gar nichts mehr nützt.

Man wird ein Teile der EU-Länder abtrennen müssen. Sachsen, Bayern, Südtirol, Kärnten und noch einiges mehr. Daraus wird dann ein autokratisches Schwurbelstan formen, in dem es keine freie Presse, keine Schwulenrechte, keine Schulen und natürlich keine Impfpflicht gibt. Die Menschen werden sich bei Youtube informieren, sich mit neuer germanischer Medizin und Globuli behandeln, ihre Kinder selbst unterrichten. Tier- und Umweltschutz aussetzen und befestigte Grenzanlagen bauen, damit keiner reinkommt, da sie genau wie die spinnerte MTG annehmen, jeder wolle in die Red States of America (RSA) ziehen.

Tatsächlich werden RSA und Schwurbelstan schneller den Bach runtergehen als Großbritannien ohne die EU unter den Tories.

Die Aufgabe der Blue States of America (BSA) und der Rest-EU wird darin bestehen, einige Jahre kein Mitleid zu zeigen, nicht zu helfen und abzuwarten, bis die Putinisten und Trumpisten so völlig demoralisiert und verhungert in ihren Erdhöhlen sitzen, bis jeder einzelne einsieht, ein Idiot zu sein. Erst dann kann man über Wiedereingliederungsmaßnahmen verhandeln.

Der mühsame Fortschritt aus der christlichen Umklammerung

Deutschland ist, wie fast alle anderen Europäischen Länder, natürlich eine christliche Nation. In dem Sinne, daß die christliche Kirche rund 1.500 Jahre allein ihre Wertvorstellungen durchdrücken konnte und damit auch ihre intoleranten anti-humanistischen Vorstellungen einer primitiven Hirtenkultur in das weltliche Recht einpflegte. 

Sklaverei, insbesondere in der deutschen Form der Leibeigenschaft, mit dem netten christlichen „Ius prima Noctis“, also dem Recht des Lehensherrn, bei jeder Eheschließung zuerst mit der Frau zu kopulieren, wurde erst im Zuge der Aufklärung im frühen 19. Jahrhundert abgeschafft. Im Königreich Bayern 1808, im Königreich Hannover 1833, im Großherzogtum Hessen 1813, Fürstentum Lippe 1809, Herzogtum Oldenburg 1814, Preußen 1811, Sachsen 1832, usw.

Das Frauenwahlrecht konnten die Kirchen bis 1918 verhindern.

Die Nürnberger Rassegesetze endeten erst 1945 mit dem Sieg der Alliierten über Deutschland. Volle Bürgerrechte bekamen deutsche Juden mit dem Grundgesetz 1949.

Und mit unserer wunderbaren deutschen Verfassung durften Frauen weder ohne Zustimmung des Mannes eine Arbeitsstelle annehmen, noch ein Konto eröffnen. Sie durften sogar in der Ehe straflos vergewaltigt werden.

Wussten Sie, [….] dass eine Ehefrau bis in die 50er Jahre hinein nicht ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten durfte? Unglaublich, aus heutiger Sicht, dass wir diese Rechte erst seit ein oder zwei Generationen besitzen. Denn für uns sind das Recht auf Arbeit sowie das Wahlrecht mittlerweile selbstverständlich.  [….] Die Möglichkeit zu arbeiten und selbst über das eigene Leben zu entscheiden war in der Jugend unserer Eltern und Großeltern noch alles anderes als selbstverständlich. Großmutters Satz "Das hätte es früher nicht gegeben!" ist in vielen Fällen leider traurige Wahrheit.

So galt bis Ende der 50er Jahre das "Letztentscheidungsrecht" des Ehemannes in allen Eheangelegenheiten. Und dieses Recht hatte es in sich: Beruf, Führerschein, Kindererziehung, eigenes Geld und Konto - all das wurde per Gesetz zu Gunsten des Mannes geregelt. So hatte der Ehemann das Recht, über das Geld seiner Ehefrau frei zu verfügen. Und das betraf nicht nur ihr Einkommen, sondern auch das Geld, das sie mit in die Ehe gebracht hatte. Frauen konnten noch nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen. Der Mann konnte sogar den Job seiner Frau ohne deren Zustimmung kündigen.

Diesen Missständen wurde erstmals am 1. Juli 1958 begegnet, als das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf Grundlage des bürgerlichen Rechts in Kraft trat. Mit dem neuen Gesetz wurden unter anderem die Vorrechte des Vaters bei der Kindererziehung eingeschränkt. Es sollte jedoch noch bis zum Jahr 1977 dauern, bis Frauen ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein durften und es keine gesetzlich vorgeschrieben Aufgabenteilung in der Ehe mehr gab.

[….] Frauen durften  [….]  bis 1958 nur dann ihren Führerschein machen, wenn ihr Mann oder ihr Vater die Erlaubnis dazu erteilte.

(Go feminin)

(Ungleichzeitige Entwicklungen, 21.06.2016)

Der Paragraph 175, mit dem Myriaden Männer ins Gefängnis geschickt wurden, weil sie sich verliebt hatten, wurde 1969 gelockert und erst am  11. Juni 1994 gestrichen. Erbärmlich!

Die Prügelstrafe verschwand in den 1970ern; als letztes Bundesland setzte Bayern das Verbot, Kinder grün und blau zu schlagen, im Jahr 1983 um. Schweren Herzens, denn die Bibel fordert ausdrücklich, seine Kinder zu prügeln.

Das Recht, seine Ehefrau straffrei zu vergewaltigen, wurde sogar erst 1997 gegen die Stimmen der meisten CDUCSU-Abgeordneten, zB Friedrich Merz, verändert.

Es dauerte bis 2017, als endlich die in der Bibel verdammten Homosexuellen heiraten durften.

Es ist noch Luft nach oben. Immer noch blockieren Wahnvorstellungen von der männlichen Superiorität und der apokalyptischen „macht euch die Erde unteran“-Haltung den Humanismus.

So wie wir uns heute dafür schämen, erst so spät begriffen zu haben, daß man Menschen nicht dafür, wen sie lieben, ins Gefängnis steckt, oder aufgrund ihrer Genitalien Rechte vorenthält, werden uns in 100 Jahren unsere Nachfahren (sofern wir uns bis dahin nicht ausgerottet haben) dafür verachten, was wir im Jahr 2023 immer noch nicht erkannten.

Es stehen noch viele Trans- und Queerenrechte aus, der Ehebegriff muss erweitert werden, selbstverständlich darf ein Menschen nicht mehr gegen seinen Willen gezwungen werden, unter grauenvollen Schmerzen am Leben zu bleiben. Das Recht auf Suizid muss genau verankert werden, wie die Genitalverstümmelung an Babys illegal werden wird. Man wird sich fassungslos fragen, wie es legal und kostenlos sein konnte, die Umwelt zu zerstören und Tiere in gigantischen Zuchtbetrieben und erbärmlichen Bedingen turbomäßig zu mästen und zu schlachten.

Das deutsche Recht hat noch viel Nachhilfebedarf.

Zum Beispiel dürfen Brüder in Deutschland Sex miteinander haben. Es dürfen Schwestern miteinander Sex haben. Verboten ist aber Sex zwischen Bruder und Schwester. Hier ist tatsächlich heterosexueller Verkehr juristisch schlechter als Homosexueller gestellt. Absurd. Das Inzest-Tabu gehört abgeschafft.

Alle Regelungen, die das Sexualleben erwachsener Menschen von einer vorgeblich höheren moralischen Position aus reglementieren, gehören abgeschafft. Auch der individuelle Drogenkonsum gehört liberalisiert.

Eine höchst abstruse Regelung, der Paragraph 2018, betrifft ebenfalls das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Es ist aber ein Kernanliegen der Kirchen und der Konservativen, Frauen, das Recht über ihren eigenen Körper, vorzuenthalten.

Das ist schon deswegen absurd, weil es die Kirche nichts angeht und keine Christin gezwungen wird, abzutreiben. So wie auch kein Christ durch die „Homoehe“ 2017 gezwungen wurde, seine heterosexuelle Ehe in eine Homosexuelle umzuwandeln.

If you don't believe in gay marriage, you're a dickhead. Because its got nothing to do with you...If you hate gay marriage you know what you should do? Don't marry a gay person.“

(JJ, 2014)

Bei der Frage der Schwangerschaftsunterbrechung wird es aber doppelt absurd, weil die Frauenfeinde aus Kirche und C-Parteien, das Argument vorschieben, sie wollten das Leben an sich schützen, also weniger Abtreibungen erreichen.

Dabei geht bei Liberalisierung der Abtreibungsrechte, die Zahl der Abtreibungen zurück, weil die Frauen nicht mehr unter Druck gesetzt werden.

Der §218 gehört genau wie der §219a ersatzlos gestrichen.

[…] Sind Abtreibungen bald nicht mehr strafbar?

Die Ampel überlegt, den Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Eine Kommission soll in Kürze die Entkriminalisierung durchspielen[…] Die Ampelkoalition hat sich vorgenommen, »Regulierungen für den Schwangerschaftsabbruch außerhalb des Strafgesetzbuchs« zu prüfen. So steht es im Koalitionsvertrag. […] Unter den Mitgliedern ist etwa die Vorsitzende des deutschen Juristinnenbundes, Maria Wersig. Ihr Verein hatte bereits ein Gutachten erstellt, in dem die Juristinnen feststellen, wie der Paragraf 218 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden könnte und anmerken, wie rückschrittlich das deutsche Recht in diesem Punkt ist.  [….]

(SPON, 27.02.2023)

Gegen eine Streichung des §218 gibt es erheblichen Widerstand aus den misogynen Kreisen – Kirche, AfD, CDU, CSU und Marco Buschmann.

Es wird aber wie beim Frauenwahlrecht oder der Leibeigenschaft doch irgendwann passieren. Mögen sich die Christen auch noch so sehr gegen Menschenrechte sperren.

Sonntag, 26. Februar 2023

Gut gemeint.

 

Das Schlimmste an prominenten politischen Skandalinskis wie den Masken-Raffkes Sauter, Tandler, Spahn, Laschet, Nüßlein, Löbel, Hauptmann, Korte, Huml und Limberger -  alle CDUCSU! – ist nicht deren amoralische kriminelle Energie, sondern der Schaden, den sie dem Ansehen des Parlamentarismus und der Demokratie zufügen. Die weit überwiegende Anzahl der Abgeordneten ist nämlich nicht so verkommen und arbeitet nicht in die eigene Tasche.

Der Informations-apathische Urnenpöbel differenziert aber nicht, sondern schert alle 736 Abgeordneten über einen Kamm. „Die sind alle korrupt!“ So geht Vertrauen in die Demokratie verloren und die AfD bekommt Zulauf.

Dabei ist unsere anfällige, wenig perfekte und ineffektive Demokratie nun einmal immer noch die beste Staatsform, die es gibt.

Protestantische Pfaffen, die persönlich anständige Menschen sind und keine Messdiener befummeln, beklagen ebenfalls, in Mithaftung für ihre moralisch verkommenen katholischen Pädo-Kollegen genommen zu werden. Sie finden es ungerecht, daß die Menschen allgemeine Vorurteile gegen „die Kirche“ entwickeln und auch ihre Lutherischen Mitgliedschaften hinwerfen.

In dem Fall muss man die Entwicklung aber nicht bedauern, weil Religion grundsätzlich eine destruktive, volksverdummende Wir-sind-besser-als-die-Ideologie ist. Wir, die Menschen, wir, die Welt, sind ohne Religion besser dran. Atheisten sind friedlicher, toleranter und klüger.

Das ist der Unterschied zur Demokratie mit ihren faulen CDUCSU-Äpfeln: Wir sind garantiert nicht besser ohne Demokratie dran. Die Alternative Autoritarismus zeigt weltweit für jeden offenkundig seine hässliche Fratze.

Eine sehr gute Sache, die wir auf keinen Fall verlieren dürfen, ist die EU.  Nur mit der EU können wir Frieden und Menschenrechte auf unserem Kontinent sichern. In der EU arbeiten die Mächte friedlich zusammen, sie sich über Jahrhunderte als „Erbfeinde“ betrachteten und sich immer wieder mit Kriegen gegenseitig abmurxten. Daher ist die Europäische Union immer noch so etwas wie ein Wunder. Und ganz nebenbei bemerkt, sichert sie auch unsere ökonomischen Prosperität, wie die ökonomische Talfahrt der Brexiteers in London gerade wieder einmal beweist.

Umso schlimmer ist es, wenn ausgerechnet Top-Politiker der EU korrupt sind, wie der erbärmliche FIFA-Katar-Bestechungssumpf um die Parlaments-Vizepräsidentin Eva Kaili zeigt. Umso übler, wenn ausgerechnet die größte EU-Nation, gescheiterte und überforderte Pfeifen wie Günther Oettinger oder Ursula von der Leyen nach Brüssel entsorgt. Umso peinlicher, wenn der deutsche Chef der größten EU-Parlamentsfraktion Manfred Weber, damit auffällt, sich an die europaverachtenden italienischen Postfaschisten heran zu wanzen und sich die eigenen Taschen vollzustopfen. Damit werden alle 705 Abgeordneten diskreditiert und die EU-feindlichen Nationalisten bekommen Zulauf.

Höchst bedauerlich ist auch das Klischee von der, uns allen angeblich schadenden EU-Bürokratie. Tatsächlich nützen und helfen die allermeisten EU-Regeln nämlich den 450 Millionen EU-Bürgern. Das Ende vom Roaming-Nepp, Plastiktütenverbot. Niederlassungs- und Gewerbefreiheit, sicheres, grenzenloses Reisen, einheitliche Sicherheitsstandards beim Onlinehandel, Umtauschrecht für Internet-Käufe ohne Angabe von Gründen, Schulobst-, Gemüse und -Milchprogramm der EU, Recht auf Wechsel des Stromanbieters ohne Scherereien und Extrakosten, einheitliche Ladegeräte für Smartphones, Regeln des Wettbewerbs gegen Monopole und Kartelle, Facebook darf  in Europa nicht mehr automatisch Personen auf Fotos markieren, das Recht, Daten löschen zu lassen, nur zwölf Minuten Werbung pro Stunde. Zweifellos würden wir außenpolitisch, sicherheitspolitisch, wirtschaftspolitisch, verteidigungspolitisch und klimapolitisch ohnehin ohne Brüssel untergehen. Leider werden all die positiven Effekte für selbstverständlich genommen und im Alltag nicht gewürdigt, während die Fehlleistungen medial so hochgejazzt werden, daß jeder die EU mit „Regelungswut“ assoziiert. Besonders bedauerlich ist es, wenn durchaus sehr gut gemeinte EU-Regelungen so schlecht gemacht sind, daß sie in grotesker Weise das Gegenteil erreichen.

Beispiel: Die Förderung regionaler Produkte, um klimaschädliche Transportwege und Verpackungen einzusparen. Eine völlig richtig gemeinte Maßnahme, die bei der öffentlichen Vergabe von Aufträgen ab einer gewissen Größenordnung, eine regionale Ausschreibung verlangt.

Der Ort Buxtehude soll sich Gebrauchsmaterialien wie Klopapier oder Dienstleistungen wie Büroreinigungen, möglichst in der niederelbischen Umgebung und nicht in Palermo oder Ostpolen bestellen. Das ist sinnvoll.

Aber ob die Regelung nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht ist, hängt davon ab, wenn genau man so eine Ausschreibung verlangt und wie man Region definiert. Extra3 zeigt zwei besonders drastische Fälle, bei denen die gute Absicht ins diametrale Gegenteil verkehrt wird.

Natürlich lachen wir nicht nur über diesen „Irrsinn“, sondern wir sind auch empört und prägen uns den Fall als „EU-Irrsinn“ ein.

Die EU ist gut und damit die EU-Bürger sich nicht dagegen aufhetzen lassen, sollten solche bürokratischen Unfälle nicht passieren. Oder zumindest ganz schnell korrigiert werden.

Samstag, 25. Februar 2023

Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.

 

Sahra Wagenknecht kann sich nicht über zu wenig Medienaufmerksamkeit beschweren. Keine Polit-Sendung, die sich nicht mit dem Schwarzer-Wagenknecht-Manifest befasst. Fast jeden Tag Talkshowauftritte. Die beiden Aluhütinnen finden reichlich Gehör, bekommen viel Redezeit und konnten bis heute 660.000 Unterschriften sammeln. Wie es sich für eine Demokratie gehört, gibt es viel Gegenrede. Die Argumente werden ausgetauscht, man bezieht Stellung – und zwar in diesem Fall nicht entlang der Parteilinien.

Fast der gesamte seriöse Journalismus stellt sich gegen die beiden Frauen. Die schärfte Kritik des politischen Lagers kommt von den Streithähnen Grün und Gelb, die sich in der Ukrainepolitik völlig einig sind. Auch CSU, SPD und CDU stellen sich gegen das Manifest. Die Linke zerreißt es in dieser Frage. Nur aus der putinesken AfD kommt einhellige Unterstützung.

Die Stimmung beim gemeinen Volk ist uneindeutig. Ganz grob betrachtet, sind ein Drittel der Deutschen für mehr Waffenlieferungen, ein Drittel dagegen und das letzte Drittel ist unentschieden.

Die deutsche Debattenkultur ist durch die Talkshowformate und Social-Media-Blasen ohnehin zerstört. Niemand nimmt sich die Argumente der Gegenseite zu Herzen. Mir fällt das zugegebenermaßen auch sehr schwer, weil ich die beiden Damen regelrecht verachte. In unzähligen Blogpostings habe ich Alice Schwarzer und noch viel mehr Wagenknecht in Grund und Boden verdammt.

Dennoch agieren die beiden Damen nicht bar aller Argumente.

Schwarzer nahm gestern beim Schwurbelsender „ServusTV“ (Talk im Hangar) Stellung zu Sahra Sarrazins inzwischen legendärer Fehleinschätzung vom 20.02.2022, drei Tage vor Kriegsbeginn:

Sie selbst habe ganz unabhängig davon dieselbe Fehleinschätzung abgegeben und sich eben so grundlegend in Putin geirrt. Aber gerade aus diesem Irrtum heraus, wisse man jetzt, daß Putin zu sehr viel mehr irrationalem Handeln und mehr Grausamkeit fähig sei, als man sich vorstellen konnte. Daher sei es widersinnig, wenn diejenigen, die ihr den damaligen Irrtum vorwerfen, nun gleichzeitig sagten, ihre Angst vor atomarer Eskalation sei irrational, weil Putin das nicht täte.

Da hat Schwarzer tatsächlich einen Punkt. Man sollte sich nicht mehr auf Gewissheiten darüber ausruhen, was Putin NICHT tut, weil er dafür angeblich zu rational ist.

Wenig überraschend beziehe ich aber insgesamt klar Position gegen das Manifest. Das ist aber eine reine Vernunft-Entscheidung. Habituell liegt mir die russische Kultur näher als die Ukrainische. Ich verstehe die Einkreisungs-Phobie Moskaus, bin harter Kritiker der US-Geopolitik, habe keine Sympathie für Selenskyjs Oligarchen-Verbindungen und bin zudem grundsätzlich Pazifist, der sich gegen alle Waffenexporte sträubt.

All das ändert aber nichts an der Tatsache, daß in diesem Fall die Kriegsschuld eindeutig bei Putin liegt. Die Ukraine wurde angegriffen und nicht umgekehrt. Die Massaker finden an Ukrainischer Zivilbevölkerung statt, die Ukraine wird zerstört.

Drei Hauptargumente sprechen gegen das Manifest.

1.   Es ärgert mich maßlos, wie Schwarzer und Wagenknecht der Ukraine Handlungsratschläge geben. Ergeben, verhandeln oder kämpfen, sind die drei Optionen, über die ganz allein die Ukrainer entscheiden muss und ganz offensichtlich votieren sie klar für maximalen militärischen Widerstand.

2.   Die beiden Querfrontlerinnen nehmen für sich in Anspruch quasi allein für den Frieden zu votieren, unterstellen der Bundesregierung und insbesondere den Grünen gar „Kriegstreiberei“. Das ist infam. „Wir“, also die Bundesregierung, Sascha Lobo, Georg Restle, ich, Annalena Baerbock, wünschen uns genauso Frieden. Keiner schickt glückserfüllt Panzer und erfreut sich an einem Krieg.

Der Wagenknecht-Fanboy und rechtsextreme Hasskatholik Berger hetzt heute in seinem VT-Blog:

[….] Ein Jahr heiße Phase des Ukraine-Kriegs, das ist auch ein Jahr bislang unvorstellbarer Kriegsgeilheit in der veröffentlichten Meinung europaweit, ganz besonders aber in jenem Land, das bereits den Ersten und Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen hat. Gewissenlos hetzten deutsche Mainstreammedien seit dem über viele Jahre u.a. von den USA provozierten Einmarsch russischer Gruppen in die Ukraine die Deutschen in einer Weise auf, die man hier in Kriegsdingen zuletzt beim „Stürmer“ zu lesen bekam.  Jeder, der auch nur ganz vorsichtig und mit der standardisierten Verurteilung der russischen Intervention auf die wahnwitzige Idee kommt, an Friedensverhandlungen zu denken, den baldigen Endsieg über den Russen und ein möglichst rasches Ende des Bluvergießens in der Ukraine zu fordern, wird sofort als gewissenloser Putinist beschimpft und – so er denn prominent ist – besonders von der Springerpresse öffentlich hingerichtet. Bestes Beispiel dafür derzeit die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Gleichsam die Krönung der Kriegshetze der Mainstreammedien bietet anlässlich des Einjährigen der „Spiegel“ mit einem Artikel von Sascha Lobo. Für alle, die mit dem Namen nichts anfangen können: dass ist der stark gealterte Mann mit einer Punkfrisur, die vermutlich ein alternatives Denken insinuieren soll. Aber ähnlich wie der Punk der „Toten Hosen“ doch zu einer Signatur des geistlosen Mitläufertums weißer Cis-Männer geworden ist, die ihre beste Zeiten längst hinter sich haben  [….]

(PP, 25.02.2023)

3.   Man macht nicht gemeinsame Sache mit Nazis und den Putin-Sockenpuppen der AfD!

Der letzte Punkt wurde heute auf der großen Berliner Manifest-Demo deutlich. Sahra Sarrazin und Schwarzer sprechen von 50.000 Teilnehmern, alle total friedlich und andächtig, keine Nazis.

Die Polizei zählte 13.000 Teilnehmer, ein paar kleine Tumulte und Putin-affine Nazis waren definitiv anwesend.

 [….] Nach Polizeiangaben gab es am Rande der Demonstration einen kurzen Tumult: Teilnehmende der Kundgebung versuchten demnach eine Gruppe um Jürgen Elsässer, den Chefredakteur des rechten "Compact"-Magazins, aus der Veranstaltung zu drängen. [….] Die Spitze der Linkspartei hielt Distanz und kritisierte den Demonstrationsaufruf, weil dieser nicht mit der Partei abgesprochen worden sei. Führende AfD-Politiker unterzeichneten das Friedens-Manifest, das Wagenknecht und Schwarzer vor zwei Wochen veröffentlicht hatten. Nach Parteiangaben waren auch zahlreiche Mitglieder der AfD vor Ort, darunter der AfD-Landesvorsitzende aus Sachsen, Jörg Urban, schrieb die Bundespartei am Samstag auf Twitter. [….] Kritik an der Veranstaltung kam unter anderem von den Grünen: Wirtschaftsminister Habeck sagte am Freitagabend in der ARD, jeder, der bei Sinnen und Verstand sei, wünsche sich Frieden. Die Linken-Politikerin Wagenknecht und ihre Gefolgsleute wollten aber etwas als Frieden verkaufen, das ein "imperialistischer Diktator" Europa aufzwinge. Wagenknecht und ihre Unterstützer betrieben eine "Irreführung der Bevölkerung". [….]

(RBB, 25.02.2023)

Wagenknechts Distanzierungen von der völkisch-homophoben AfD sind schon lange nicht mehr ernst zu nehmen. Seit Jahren gibt sie im Wochentakt braune Propaganda von sich. Längst wurde sie zum Liebling der islamophoben, queerfeindlichen verschwörungstheoretischen Covidioten-Hetzblogs. Auch heute überschüttet sie der faschistoid-antisemitische VT-Ideologe Dr. Dr. David Berger mit Liebe – in seiner typischen mit Rechtschreibfehlern gespickten Diktion.

[…] Heute wurde in Berlin Geschichte geschrieben. Trotz nasskaltem Wetter und verlogener Stimmungsmache von Politikern sowie gleichgeschalteten Medien, setzten heute Tausende ein Zeichen gegen Kriegstreiberei, für Frieden und Freiheit. Was mit den Querdenken-Demos begann, hat sich heute endgültig etabliert: Der Beginn einer neuen Bürgerbewegung.  „Was gerade am Brandenburger Tor in Berlin passiert, ist unglaublich. Es ist ein Ausrufezeichen gegen die Kriegstreiber & ihre Interessen. Friedensflaggen überall, mit einer Rede von Wagenknecht, die Gänsehaut auslöst. Wir sind mehr. Wir sind stark. Wir wollen Frieden.“ – so einer der Teilnehmer an der großen Friedensdemo am Brandenburger Tot, die gerade eben zuende gegangen ist. „Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Baerbock weg“ sowie Fahnen mit Friedenssysmbolen bestimmten das Bild der Großdemonstration [….]

(PP, 25.02.2023)

Die nach wie vor auch existenten vernünftigen Kräfte unter den Linken, äußern sich ob dieses braun-dunkelroten Amalgams entsetzt.

[….] Wegen einer fehlenden Abgrenzung von rechts hatten aber schon im Vorfeld mehrere Spitzen-Politiker die Demonstration scharf kritisiert. Aus Hamburg waren sowohl von der Linken als auch von der AfD Abgeordnete anwesend.

Alice Schwarzer hat die von ihr und Sahra Wagenknecht initiierte Kundgebung am Samstag in Berlin als „gewaltigen Erfolg” gewertet. „Ich bin total glücklich”, sagte die Frauenrechtlerin am Abend. Es habe eine so friedliche und fröhliche Stimmung gegeben. „Keine parteigebundene Stimmung, keine Sektenstimmung. Da waren einfach Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die aus allen Ecken Deutschlands angereist waren, um ein Zeichen zu setzen.” [….] Unter den Hamburger Linken hatte es wenige Tage vor der Demo noch sehr unterschiedliche Meinungen zu einer möglichen Teilnahme gegeben. Letztendlich hatte sich die Partei gegen einen Aufruf zur Demo und für eine eigene Demo vor dem russischen Konsulat in Hamburg am Freitag entschieden. Der Grund war, dass Wagenknecht und Schwarzer ihre Demo nicht klar von rechts abgegrenzt hatten. Die Hamburger Linken-Bundestagsabgeordnete Zaklin Nastic, die schon länger als Wagenknecht-Anhängerin gilt, ging offensichtlich trotzdem hin.

Auf ihrem Instagram-Kanal postete sie mehrere ein Videos direkt vor und von der Bühne, auf der Schwarzer und Wagenknecht ihre Reden hielten. „Gleichzeitig war auch die Hamburger AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Olga Petersen vor Ort. „Bei jedem Wetter für den Frieden. Heute kamen zig tausende Menschen zusammen um gemeinsam ein Zeichen für den Frieden zu setzen”, schrieb sie auf Twitter. [….] Das Manifest wurde unter anderem auch von AfD-Chef Tino Chupralla unterschrieben. Zu möglichen Demonstrationsteilnehmern aus dem rechten Spektrum hatte Wagenknecht dem „Spiegel“ vor der Demo gesagt: „Auf unserer Kundgebung ist jeder willkommen, der ehrlichen Herzens für Frieden und für Verhandlungen demonstrieren möchte. Rechtsextreme Flaggen oder Symbole dagegen haben auf ihr nichts zu suchen und werden nicht geduldet. Mehr ist dazu nicht zu sagen.“ [….]

(MoPo, 25.02.2023)

Kurioserweise kam die einzige vernünftige und konstruktive Stellungnahme zum Thema heute von Thüringer Faschistenführer Bernd Höcke:

[…..] Höcke lädt Sahra Wagenknecht in die AfD ein. [….]  »Ich bitte Sie, kommen Sie zu uns«, sagte er; in seiner Partei könne Wagenknecht die Politik machen, von der sie träume – anders als in der Linken: »Sie werden mit dieser Partei niemals ihre Vorstellungen von Friedenspolitik durchsetzen.« [….] Bereits in den vergangenen Wochen hatten AfD-Politiker und andere Rechte für eine Teilnahme geworben. In der Forderung nach umgehenden Friedensverhandlungen und einem Ende der westlichen Waffenlieferungen erkennen sie ihren eigenen Kurs wieder. Er sei »stolz und glücklich«, so Höcke bei seiner Einladung, dass Wagenknecht und Schwarzer den Protest gegen die Regierungspolitik »gegen viel Widerstand« organisierten.  […..]

(SPON, 25.02.2025)

Bitte Wagenknecht. Folge Deinem Herzen. Folge Bernd. Das macht die Politik in Deutschland so viel klarer. Und mit Hilfe des destruktiven Geschick Deines Ehemannes bekommt ihr vielleicht auch noch die dritte Deutsche Partei klein. Diesmal aber eine, um die man nicht weint.

Freitag, 24. Februar 2023

Alki-Christen

 

Alkohol, als der gemeinhin zum Zwecke des Betrunken-Werdens gesoffene Ethanol (nicht die chemische Stoffklasse der Alkohole) ist ein sehr tückisches und abhängig machendes Gift. Knapp drei Millionen Menschen sterben jedes Jahr weltweit am Alkoholismus.

[….]  Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jedes Jahr circa drei Millionen Menschen an den Folgen ihres zu hohen Alkoholkonsums, das heißt alle 12 Sekunden tötet Alkohol einen Menschen auf der Erde. Alkohol ist außerdem der Auslöser für über 200 Krankheiten und Störungen.

Hochkonsumland Deutschland: In Deutschland wird überdurchschnittlich viel Alkohol konsumiert. Etwa 1,6 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Das heißt, ihr Leben dreht sich nur noch um die Droge Alkohol. Circa 1,4 Millionen Deutsche konsumieren Alkohol missbräuchlich. Darunter versteht man jeden Alkoholkonsum, der gesundheitliche, soziale oder psychische Schäden verursacht. Etwa 6,7 Millionen der über 18-jährigen trinken Alkohol in riskanten Mengen, also oberhalb der empfohlenen Grenzwerte von 5 bis 10 kleinen Gläsern pro Woche. Dieses Trinkverhalten kann auf Dauer gesundheitsschädlich sein.

Gefährliche Konsequenzen: Etwa 20.000 Todesfälle jährlich werden in Deutschland allein durch Alkoholkonsum verursacht. Fast jede dritte Gewalttat wird unter Alkoholeinfluss begangen. Und bei über 35.000 Verkehrsunfällen im Jahr ist Alkohol im Spiel. [….]

(Kenn-dein-limit.de)

Keine Frage; eine Gesellschaft, die nicht vollkommen verrückt ist, würde Cannabis legalisieren und Alkohol kriminalisieren. Aber wir müssen ja auch unbedingt ohne Tempolimit auf den Autobahnen rasen und in 16, sich gegenseitig blockierenden Kleinstländern, unterschiedliche Schulpolitik machen. Wer unter unerträglichem trockenen Krampfhusten leidet, deswegen seit Tagen nicht geschlafen hat und sich mit schmerzhaften Zwerchfell-Muskelkater plagt, hat keine Chance, ohne ärztliches Rezept auch nur an 5 ml rettende Codein-Lösung zu kommen. Sich neben der Apotheke bei Penny mit 10 Litern Stroh-Rum 80%vol einzudecken, ist hingegen legal und unkompliziert. Wir sind eben eine Alkoholkulturnation mit langer Tradition.

Es ist viel Alkoholismus in der Bibel. Jesus wandelte Wasser zu Wein, damit sich all seine Jünger ordentlich hämmern konnten. Um den Alkoholfetisch auf die Spitze zu treiben, wird beim symbolischen Kannibalismus des Abendmahls, also dem allerheiligsten Sakrament der Eucharistie, Messwein in Jesu‘ Blut gewandelt. Sich mit Alkohol volllaufen zu lassen, galt als erstrebenswert. Nur zu passend, daß sich Mönche gern ihren öder Alltag im Kloster mit Bier brauen oder Wein keltern aufpeppen, bis sie optisch selbst wie ein Bierfass aussehen.

(Völlerei ist eine Todsünde)

Die Vorstellung von den Frühzeit-, Mittelalter- oder Renaissance-Christen, die sich ein lockeres Leben machten, indem sich vom Kleinkind bis zum Greis jeder mit Bier und Wein ballerten, ist aber falsch. Sie soffen nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil sie stinkende Siffbirnen waren. Es gab kein warmes fließendes Wasser und kein Duschgel. Die Leute haben nicht gebadet, sich nicht gewaschen und waren allesamt verkeimte Dreckschleudern. Zudem hatte Gott noch nicht den Kühlschrank erfunden. Milch, Wasser, Säfte wurden unter den unhygienischen Bedingungen mit all den verlausten müffelnden Mief-Menschen zu hochgefährlichen Mikrobenkulturen. Die Entdeckung des Gärvorganges mit dem dabei entstehenden Ethanol, brachte endlich ein Gift hervor, das die schlimmsten Krankheitserreger in Amphoren und Fässern abtötete.

Daß Jesus, Maria und die Jünger allesamt stanken wie Zossenbock, führte auch zu anderen biblischen Vorschriften. Tatsächlich ist es sinnvoll, wenn so ein verspakter Jude im warmen Nahem Osten beschnitten war, weil der sich niemals unterum wusch und sich unter der Vorhaut unter den Bedingungen tatsächlich Krankheiten ausbreiten konnten. So kam es auch zu den Speiseverbot von Schalentieren: Wer seine Küche nicht mit Domestos reinigt, kein Sagrotanspray kennt, sondern einfach alles im Dreck und der Wärme rumliegen lässt, kann Muscheln kaum zubereiten, ohne Vergiftungen zu riskieren.

Idiotisch ist es hingegen, nach 2.000 Jahren immer noch auf solchen Regeln zu bestehen. Wer Zugang zu sauberen Wasser hat und sich damit ab und zu den Penis wäscht, verhindert damit jede gefährliche Keimbildung und muss nicht dran rumschnibbeln. Und auch, wenn ich es kaum ausschreiben kann, weil ich Meeresfrüchte absolut widerlich finde: Aber nach der Erfindung von Eismaschinen und Kühlschrank, kann man sie selbstverständlich so transportieren und zubereiten, daß man die Mahlzeit überlebt.

Ab dem 20. Jahrhundert hätten die Christen also auch das Saufen lassen können. Mineralwasser im Kühlschrank kann man ewig ganz ohne zu Alkohol vergorene Substanzen stehen lassen.

Da die Kirchen aber doof sind, bestehen sie auf ihrer alkoholischen Botschaft. Besonders für katholische Geistliche mit ihrem enormen Pädosextäter-Anteil, ist der Messwein natürlich wichtig, um im Zweifelsfall den ein oder anderen Messdiener gefügiger zu machen.

Alkohol muss sein bei den Katholiban. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, wie beispielsweise den inzwischen berüchtigten Multikinderfic**r Priester H., der vor über 40 Jahren im Bistum Essen jeden Knaben missbrauchte, der nicht bei Drei auf dem Baum war, dann zum Erzbischof Joseph Ratzinger in die Erzdiözese München-Freising geschickt wurde, um dort kontinuierlich mit frischen Jungs versorgt zu werden.

[….]  Erzbistum München: Missbrauch unter den Augen der Bischöfe

[….] Pfarrer H. [….] ist pädophil und zum Zeitpunkt seiner Predigt in Sankt Josef ein verurteilter Sexualstraftäter, seine Bewährungszeit lief damals noch. 1986 hatte das Amtsgericht Ebersberg H. für schuldig befunden, zehn minderjährige Buben sexuell missbraucht zu haben. [….] H. konnte sich jahrzehntelang an Jungen vergehen, weil die Kirchenleitung wegsah. Statt den Pfarrer anzuzeigen oder kirchenrechtlich zu belangen, wurde er versetzt. Die BR Recherchen zeigen: Ranghohe Kirchenmänner hatten dabei vor allem das Image der Institution im Blick – und vergaßen die Opfer. [….] "Ich hab ihn nicht in Einzeltherapie, sondern Gruppentherapie gesteckt", erinnert sich der ehemalige Psychotherapeut von Pfarrer H., Dr. Werner Huth. Der heute 92-Jährige gab dem Bistum Empfehlungen ab, unter welchen Bedingungen man den stark rückfallgefährdeten H. als Seelsorger einsetzen könne. "Die erste Bedingung: Nie mehr mit Jugendlichen. Zweite Bedingung: Er darf keinen Alkohol mehr trinken. Das Dritte: Er muss einen Supervisor haben."  Eindeutige Auflagen, die von H. nicht befolgt und vom Erzbistum nicht kontrolliert wurden – weder unter Joseph Ratzinger noch seinen Nachfolgern. Nach Recherchen von BR und Correctiv feierte er in jeder Pfarrei, in die er kam, Kinder- und Jugendgottesdienste, fuhr mit zu Firmfreizeiten oder gab Religionsunterricht. Überall kam es zu Annäherungsversuchen. Der Pfarrer konnte sich weiter an Kindern vergehen. 23 Missbrauchsfälle sind bestätigt. Für die meisten wurde H. nie bestraft. Wie hoch die Dunkelziffer ist, ist nicht bekannt. [….] Weihbischof von Soden half dem pädophilen Priester die Gerüchte zu zerstreuen. Dabei hätte er einschreiten und weitere Opfer verhindern können. Auch viele Gemeindemitglieder unterstützten damals nach dem Pfarrfest den Pfarrer, weil sie dessen Lügen Glauben schenkten. [….] 2008 wurde Pfarrer H. ein letztes Mal versetzt. Kardinal Reinhard Marx schickte ihn in die Kurseelsorge nach Bad Tölz. Damals galten bereits die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz, nach denen Priester, die Minderjährigen Gewalt angetan haben, nicht mehr in die Gemeindearbeit dürfen. Auch in Bad Tölz hatte Pfarrer H. Kontakt zu Kindern, bestätigt uns sein damaliger Kollege, Pastoralreferent Herbert Konrad. Er wirft den Verantwortlichen im Erzbistum vor, die Mitarbeiter H.s in der Kurseelsorge nicht informiert zu haben. Dabei hatte Herbert Konrad noch bei Domdekan Lorenz Wolf, der als Gerichtsvikar des Erzbistums über H. Bescheid wusste, nachgefragt, warum ausgerechnet in der Kurseelsorge eine Stelle aufgestockt werde.    "Er hat gesagt, wir schicken Euch einen guten Mann. 'Guter Mann' ist, im Nachhinein betrachtet, ziemlich unpassend." Pastoralreferent Herbert Konrad. [….]

(BR, 12.01.2022)

Ratzinger war empört, in ein schlechtes Licht gerückt zu werden, sorgte sich um sein eigenes Ansehen. Um die vielen Opfer H.s sorgte er sich hingegen nie. Mit dem Fall sei er nie befasst gewesen, verkündete Ratzi noch vor einem Jahr schriftlich. Es dauerte nur wenige Tage, bis er der Lüge überführt wurde.

Inzwischen vom Herrgott auf seinen finalen Posten abberufen, wird es für den Lügen-Ratz noch peinlicher.

Priester H., den er angeblich gar nicht kannte und von dessen Kinderfickereien er nichts wußte, wurde mit einer Sondergenehmigung davon befreit, Messwein zu saufen, weil er bekanntermaßen unter Alkoholeinfluss sofort anfing, die Altarjungs zu vergewaltigen. Wem er die Sondergenehmigung, mit Traubensaft zu eucharistieren zu verdanken hat? Nun, das war ein gewisser Joseph Kardinal Ratzinger.

[…..]  Dokument belastet verstorbenen Papst Benedikt XVI.

Als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan erlaubte Joseph Ratzinger, dass Priester H. die Heilige Messe nicht mit Wein, sondern mit Traubensaft feiern durfte. Der Grund: Der Geistliche soll zuvor unter Alkoholeinfluss Kinder missbraucht haben.  Was wusste Joseph Ratzinger im Missbrauchsskandal über den Wiederholungstäter Priester H.? Diese ohnehin brisante Frage bekommt neuen Zündstoff durch einen nun bekannt gewordenen Schriftwechsel, über den die Rechercheplattform Correctiv und der Bayerische Rundfunk berichten. Wie das Erzbistum München und Freising bestätigte, erteilte Ratzinger 1986 als Chef der Glaubenskongregation dem Skandalpriester in einem von ihm selbst unterschriebenen Brief die Erlaubnis, die Heilige Messe mit Traubensaft statt mit Wein zu feiern. Das Erzbistum hatte zuvor um diese Sondererlaubnis gebeten und die Bitte damit begründet, dass der Priester unter Alkoholeinfluss Straftaten nach den Paragrafen 174, 176 und 184 des Strafgesetzbuches (StGB) begangen habe. […..] 

Der Priester H. war 1980 nach Missbrauchsvorwürfen gegen ihn aus Nordrhein-Westfalen in das Erzbistum München und Freising versetzt worden. Damals war Kardinal Ratzinger dort Erzbischof. Der spätere Papst Benedikt XVI. hatte zu Lebzeiten stets bestritten, damals von den Vorwürfen gegen H. gewusst zu haben. […..]  H. wurde nach seiner Versetzung rückfällig und 1986 - dem Jahr des Schriftwechselns des Erzbistums mit Ratzinger - vom Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Mark verurteilt.

Trotzdem wurde H. danach wieder als Pfarrer eingesetzt - und missbrauchte in Garching an der Alz erneut Kinder. […..] 

(SZ, 21.02.2023)