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Montag, 19. Oktober 2026

Wenigstens die Jugendorganisation verbieten.

Ein Parteienverbot ist mit sehr hohen juristischen Hürden belegt. Daher kann kein Minister oder Kanzler so etwas anordnen. Hier sind höchste Gerichte gefragt, so ein Verfahren genau zu prüfen.

Juristen diskutieren aber darüber, die noch radikalere Jugendorganisation gemäß des Vereinsrechtes zu verbieten.

[…] Das kleine Parteiverbot

Lässt sich die Junge Alternative über das Vereinsrecht verbieten?

Es wird viel diskutiert über Sinn und Unsinn oder Erfolg und Misserfolg eines Parteiverbotsverfahrens gegen die AfD. In der Zwischenzeit könnte die Bundesinnenministerin die AfD-Jugendorganisation JA (Junge Alternative) mit einem simplen Verwaltungsakt verbieten. So fordern das, auch beflügelt von der Eilentscheidung des VG Köln zur Einstufung der JA als gesichert rechtsextremistisch, zumindest immer mehr Stimmen. Ein Vereinsverbot dürfte sich jedoch als Schildbürgerstreich entpuppen, sollte sich das grundgesetzliche Parteienprivileg auch auf die JA erstrecken. [….]

(Prof. Dr. Kathrin Groh, 15.02.2024)

Tatsächlich kommen aus der Parteijugendorganisation regelmäßig erschreckend rechtsradikale, revisionistische und geschichtsvergessene Töne.

Diese Parteijugend geriert sich gruselig und abstoßend.

[…] Junge Union Hamburg lädt AfD-Gründer ein […] Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, hat der Altonaer Vorsitzende der Jungen Union (JU), Pierre Kock, Bernd Lucke eingeladen, einen Vortrag in einem Restaurant in Blankenese zu halten. Er rechtfertigt diesen Vorgang mit dem Wunsch nach einem wirtschaftsliberaleren und konservativeren Kurs in seiner Partei. Doch in der Jungen Union und auch in der Mutterpartei hagelt es Kritik.

Unter dem Titel „Wie steht es um die deutsche Wirtschaft“ wird der Wirtschaftswissenschaftler, der seit einigen Jahren wieder an der Universität Hamburg lehrt, Ende Oktober auf der JU-Veranstaltung sprechen. […] Eingeladen hatte […]  die JU Altona unter ihrem Vorsitzenden Pierre Kock. […]

 (Pauline Reibe, 19.10.2026)

In den liberaleren Metropolen geben sich die JUler aus naheliegenden Gründen oft besonders radikal.

[….] Im Jahr 2016 tauchte ein Video auf, das [den Berliner CDU-Generalsekretär Lukas] Krieger als Funktionär der Schüler-Union bei einem Ausflug im lettischen Riga 2005 mit Parteikollegen zeigt. In dem Video wird ein Hakenkreuz-Abzeichen gezeigt, anschließend blickt Krieger in die Kamera und sagt: »Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen, dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind, dass Deutschland deutsch bleibt und wir gegen den jüdischen Bolschewismus durchaus vorgehen.« [….] [….]

(Marten Brehmer 15.07.2026)

Weitere Beispiele:

[….] Skandal um den Kreischef der Jungen Union Nord Alexander Weiß. Gegen den 22-jährigen Jungpolitiker wird wegen ausländerfeindlicher Äußerungen ermittelt. "Niggerschlampe" soll der Jurastudent eine südländisch aussehende Kommilitonin beschimpft haben. Zudem, so die Vorwürfe, soll Weiß "Nicht-Arier" als "eine Schande für das Juristentum" bezeichnet haben.

Die Äußerungen sollen während eines Juristentreffens in Hamburg gemacht worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Beleidigung. CDU-Geschäftsführer Gregor Jaecke will die Vorwürfe klären: "Wir werden in der kommenden Woche mit allen Beteiligten den Sachverhalt prüfen." [….]

(MoPo 23.03.2008)

In Hamburg haben wir gleich mehrere Jungpolitiker dieses Kalibers zu bieten. Zum Beispiel den folgenden Bürgerschaftsabgeordneten.

Mit Nikolaus Haufler hat die Hamburger CDU auch einen kleinen Frank Schäffler.
Haufler (* 1984 in Tscheljabinsk, Ural, Nachfahre Krim-Deutscher) sitzt in der Hamburger Bürgerschaft und hat wie so viele Hamburger CDU’ler der jüngsten Generation einen starken Hang ins Bräunliche.
[…] Für den aktiven CDU-Funktionär kann es gar nicht braun genug sein. Im Internetportal "StudiVZ" ist der Jungpolitiker unter anderem Mitglied in den Gruppen "Gegen Inländerfeindlichkeit durch Ausländer" und "Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten" - eine Anspielung auf den Einmarsch der Nazis im Zweiten Weltkrieg. [….]

(Auf Mäuler schauen 11.11.2009)

Ein ungeheuer sympathischer Mensch ist auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel, [….] [….] Linke, Migranten, Künstler - kurzum die ganze Berliner alternative Szene hasste er schon immer wie die Pest und drückte dies auch in seiner eigenen Sprache aus:

[….] So hatte der Berliner CDU-Mann Frank Steffel mit Max über Jugendsünden geplaudert und preisgegeben, dass er früher mal Ausländer "Bimbos", "Mongos" oder "Kanaken" nannte.  Als das laut Max autorisierte Interview erschien, erklärte eine CDU-Sprecherin, der Stoff sei frei erfunden. Der Reporter aber hatte ein Tonband mitlaufen lassen; Max stellte den Ausschnitt ins Netz.  [….]

 (SZ, 19.05.2010)

(Der Christ des Tages – Teil X, 11.10.2009

 

Ganz aktuell zeigen auch die Berliner JU’ler von 2014 was sie unter CHRISTLICHEM MENSCHENBILD verstehen. [….]

Junge Union jubelt vor Trümmern des Flüchtlingscamps am Berliner Oranienplatz

Nach 17 Monaten wurde am Dienstag ein Protestcamp am Berliner Oranienplatz geräumt. Asylbewerber aus ganz Deutschland hatten dort seit 2012 gegen die schwierigen Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Deutschland protestiert. [….]

Eine neue Eskalationsstufe in Sachen Instinktlosigkeit bewies dagegen die Junge Union Berlin, die am Dienstag eine Pressemitteilung auf ihrer Homepage veröffentlichte. Ein Bild zeigt zwei CDU-Nachwuchspolitiker, die vor den Trümmern der Flüchtlingsbaracken ein Poster halten, auf dem „Danke Frank!“ steht. Gemeint ist damit Innensenator Frank Henkel (CDU), der das Camp schon gern früher geräumt hätte und die Polizeiaktion angeordnet hat.

„Heute ist ein guter Tag für unsere Stadt“, schreibt der Berliner JU-Vorsitzende Christoph Brzezinski in dem Text. „Dem Innensenator ist es zu verdanken, dass der Staat sich nicht hat erpressen lassen und es deshalb in relativ kurzer Zeit zu einem einvernehmlichen Ergebnis der Gespräche gekommen ist. [….].“   Das Ansinnen der Asylbewerber wird in der Pressemitteilung mit keinem Wort erwähnt. Statt Mitgefühl für notleidende Menschen nur Freude über Trümmer. Politik auf christlicher Wertebasis könnte auch anders aussehen.

(Sebastian Christ 09.04.14)

(Junger Dreck, 09.04.2014)

Die JU gibt sich kontinuierlich extrem, überschreitet moralische Grenzen nach Nazistan mit einem Lachen.

[…] Die JU wirft der Linken in Berlin Antisemitismus vor – und schweigt zu dem, was in ihren eigenen Reihen passiert. Das ist der eigentliche Skandal.

Es ist das gute Recht der Jungen Union (JU), zuzuspitzen und zu provozieren. Bei ihrem jährlichen Treffen, dem »Deutschlandtag« am vergangenen Wochenende, ging sie allerdings zu weit. Auf einer riesigen Leinwand präsentierte sie den Slogan »Nie wieder ist jetzt!« mit einem Bild von einem Menschen mit dunkelbraunen Augen, maskiert mit einer Kufiya, einem Symbol der palästinensischen Bewegung, und einem Sticker mit dem Namen der linken Spitzenkandidatin Elif Eralp.

Die jungen Konservativen beziehen sich mit dem »Nie wieder!«-Zitat auf den Nationalsozialismus. Es leitet sich direkt ab aus dem Schwur von Buchenwald, in dem ehemalige KZ-Häftlinge die »Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln« forderten. Die JU setzte die mögliche rot-rot-grüne Regierung in einer Linie mit dem NS-Regime. Auch von Social-Media-Kanälen  der Unionsbundestagsfraktion wurde solch eine Erzählung verbreitet. Das ist eine schwere Entgleisung. […] Zur Erinnerung für die JU: Sozialdemokraten, andere Linke und auch Kommunisten saßen mit in den Konzentrationslagern. Der Holocaust, die systematische, industrielle Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden im Zweiten Weltkrieg, war ein Verbrechen von Rechtsextremisten. […] Die JU selbst hat eine lange Tradition von Antisemitismusskandalen. Es gab mehrfach Vorfälle, bei denen Hitlergrüße gezeigt und rechtsextreme Lieder gesungen wurden. […] Ein JU-Mitglied, das einen Hitlergruß gezeigt haben soll, befindet sich inzwischen im direkten Umfeld von US-Präsident Donald Trump. […] Es gab mal ein Mitglied der JU in Nordrhein-Westfalen, das den heutigen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst als »Judensau« beschimpft haben soll. Matthias Helferich bestreitet die Vorwürfe, sitzt inzwischen für die AfD im Bundestag und bezeichnete sich in einem internen Chat als »freundliches Gesicht des Nationalsozialismus«. […]

(Timo Lehmann, 19.10.2026)

  

[…] Nach einer antisemitischen Beleidigung ist ein Nordthüringer Mitglied aus der Jungen Union ausgetreten. […] Anlass ist der Kommentar des JU-Mitglieds in einem internen Chat der Jungen Union. Darin hatte er die scheidende Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, Clara von Nathusius, auch frauenfeindlich beleidigt. […] Das Mitglied schrieb, das passiere, wenn man Frauen in Vorstände wähle. Und wörtlich: "Aber jetzt mal ganz ehrlich: Clara ist Jüdin, die können mit Geld umgehen, es kann sich also nicht um ein Versehen handeln".[…]

(MDR, 17.10.2026)

[…] Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, haben Teilnehmer einer politischen „Bildungsreise“ der JU Limburg am vergangenen Freitag in einer Berliner Kneipe erst Homosexuelle beschimpft und im weiteren Verlauf des offenkundig alkoholreichen Abends unter anderem das „Westerwald-Lied“ gegrölt. Dazu sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag und der HessenSPD am Mittwoch in Wiesbaden: „Wenn sich Mitglieder der hessischen JU in der Öffentlichkeit derartig daneben benehmen, schreit das förmlich nach einer Stellungnahme der Erwachsenen-CDU in Hessen. Ausgerechnet am geschichtsträchtigen 9. November zunächst Homosexuelle zu beschimpfen und anschließend Menschen, die das offensichtlich kritikwürdig fanden, mit einem Lied zu antworten, dass die Bundeswehr bewusst aus dem Repertoire gestrichen hat, ist instinktlos, geschmacklos und geschichtsvergessen.  [….]

(SPD Fraktion, 14.11.2018)

Patrick Schlemmer, der Vize-Chef der Schüler-Union in Altona. Er ist bei der Bezirksversammlungswahl im Februar für die rechte DVU angetreten. Die CDU will das alles aber gar nicht vorher gewußt haben.
Na so eine Überraschung - hatte doch Patrick Schlemmer die "asoziale Politik" von Bürgermeister von Beust kritisiert und unter anderem gesonderte Schulklassen für Ausländer gefordert. […]
"Wie tief ist der braune Sumpf in der Jungen Union?" ätzt sie sozialdemokratische Jugend. Mit Entsetzen hat der Juso-Landesvorstand auf die Nachricht reagiert, dass das führende Mitglied der Hamburger DVU, Patrick Schlemmer, seit über einem halben Jahr als stellvertretender Kreisvorsitzender der Altonaer Schüler-Union amtiert. […]  Die Grünen stört das offenbar weit weniger. (…)

(Nun wächst zusammen, was nicht zusammengehört, 09.04.2008)

(…) Eben jene GAL koaliert auch freundlich mit der CDU, deren bräunliche Jugend-Truppe sich Gestalten wie den JU-Kreischef Alexander Weiss leistet.
[….]  Neuester Vorfall:
Die JU Hamburg lud den ultrarechten Felix Menzel zu einem Seminar im "Ludwig Erhard Haus", bei dem er unter dem Motto "Mit gleichen Waffen zurückschlagen" die "Konservativ-Subversive Aktion" (KSA) Agitationstechniken des braunen Mobs erklärte.
Der politisch Kacke-farbene Menzel ist Mitbegründer der revanchistischen "Pennale Burschenschaft Theodor Körner", Leitspruch: "Deutsch und frei! Kühn und treu".
Die JU sog den braun-national miefenden Handlungsleitfaden gierig auf und setzte die neuen Rüpel-Methoden bereits in destruktiver Weise gegen eine Veranstaltung der Initiative „Eine Schule für alle“ ein.  (….)

(Groundhog day, 15.10.2008)

Der Bundestagsabgeordnete Ploß ist umtriebig. Nach nur drei Tagen im Amt [des CDU-Landesvorsitzenden] gelang ihm ein Coup, auf den er sichtlich stolz ist.
Er holte die ehemalige Schleswig-Holsteinische AfD-Chefin Ulrike Trebesius in die CDU.  Nun wächst zusammen was (zum Beispiel auch in Thüringen) zusammengehört.  Deutlicher kann man wohl nicht sagen wo es hingehen soll, als wenn man als erste Amtshandlung ehemalige AfD-Größen heim ins Reich holt.

[…..] Die frühere schleswig-holsteinische AfD-Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ist der Hamburger CDU beigetreten. […] Trebesius war 2014 auf AfD-Ticket ins EU-Parlament gewählt worden. […]  „Es muss der Anspruch der CDU sein, Personen wie Ulrike Trebesius eine politische Heimat zu bieten”, sagte Hamburgs neuer CDU-Vorsitzender Christoph Ploß dem „Abendblatt”. „Die CDU war immer dann erfolgreich, wenn sie christlich-soziale, liberale und konservative Strömungen vereint hat.” […..]

(Kölnische Rundschau, 30.09.2020)

Dem Übertritt der AfD-Landesvorsitzenden Ulrike Trebesius in die Elb-CDU folgte nun der nächste Ploß-Coup. Mit dem Raffke Jörn Kruse holte er den nächsten Ex-AfD-Chef in die CDU. Natürlich direkt in seinen CDU-Kreisverband Nord.

[….] Der frühere Hamburger AfD-Vorsitzende Jörn Kruse ist der CDU beigetreten. Das bestätigte Kruse am Mittwoch. Aufgenommen wurde der 73-Jährige vom CDU-Kreisverband Hamburg-Nord, dessen Vorsitzender CDU-Landeschef Christoph Ploß ist. "Der CDU-Kreisvorstand Hamburg-Nord, dem alle Strömungen und Vereinigungen der CDU angehören, hat einstimmig entschieden, Professor Jörn Kruse in die CDU aufzunehmen", teilte der Verband mit.  […]

(NDR, 31.08.2022)

CDU-Jungspund Ploß ist zwar altersmäßig seiner JU entwachsen, aber immer noch genauso stabil auf AfD-affinen Rechtsaußen-Kurs.

[….] Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hält wenig von einem AfD-Verbotsverfahren. „Gerade weil ich die AfD gruselig finde, bin ich gegen ein Verbotsverfahren“, sagt er der MOPO. „Ich will keine juristischen Risiken und die Rechtsradikalen nicht die Märtyrerrolle für sich beanspruchen lassen.“ Er sei überzeugt, die AfD lasse sich durch „die Kraft der Argumente und selbstbewusster Demokraten“ in ihre Grenzen weisen. […] Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß sagt: Ein AfD-Verbotsantrag habe kaum Aussicht auf Erfolg. Ein gescheitertes Verfahren würde die Partei nur stärken. „Die AfD muss politisch und mit Argumenten gestellt werden.“  […]

(Olaf Wunder, 18.10.2026)

Sonntag, 11. Oktober 2026

Die barbarischen Staaten von Amerika.

Mein Vater war US-Amerikaner, ich habe die US-amerikanische Staatsbürgerschaft (und werde sie leider auch nicht los), aber an das Leben in New York erinnere ich mich so gut wie gar nicht mehr, weil ich noch so jung war, als meine Familie nach Deutschland übersiedelte.

Unser Hausarzt machte sich Sorgen, um meine sprachliche Entwicklung. Bilingualität könne Kindergehirne schaden, man solle darauf achten, nur noch deutsch mit mir zu sprechen. Unglaublich, aber das war damals offenkundig der Wissensstand der Medizin. Für meine Eltern war es gar nicht leicht, weil mein Vater damals kein einziges Wort deutsch sprach und sich meine Eltern untereinander bis zu ihrem Tod nur auf Englisch unterhielten. Nach meiner Erinnerung fühlte ich mich nicht wie ein Ausländerkind, obschon ich durchaus einige englische Begriffe verwendete, von denen ich aber teilweise erst mit 10, 15, oder 20 Jahren Verzögerung begriff, daß es dafür andere deutsche Worte gibt, als die von mir Verwendeten. It is „Grown Ups Hour“ war das Signal für uns Kinder ins Bett zu gehen, „Tesa“ hieß bei uns „Scotch Tape“. „Ice Box“ wurde „Iceschrank“ und so weiter.

Am meisten prägte mich aber die immerwährende Sehnsucht meiner Mutter nach Amerika. Sie war einst aus voller Überzeugung aus dem kleinen, engen, spießigen Deutschland in die USA ausgewandert. In die große weite Welt. In unserer Wohnung, am Auto prangten die ikonischen „I Love New York“-Aufkleber bis heute verwende ich das Lawry's Seasoned Salt, das früher jeder, der in die USA flog, in größeren Mengen in seinem Gepäck für uns nach Hamburg bringen musste.

Mein Vater, der gebürtige Amerikaner, fand es aufregend in Europa zu leben. Er flog zwar regelmäßig in die USA, sagte aber immer demonstrativ „schön, wieder zu Hause zu sein“, wenn man ihn am Hamburger Flughafen in Empfang nahm. Meine Mutter hingegen haderte gemäß der alten „Konvertiten sind die Schlimmsten“-Erkenntnis damit in Deutschland; sie war anders als mein Vater oder ich, keine Amerikanerin durch den bloßen Zufall der Geburt, sondern US-Amerikanerin aus Neigung, obwohl sie nie die Staatsbürgerschaft bekam.

Ich wuchs also mit einem verklärten „in Amerika ist alles besser“-Bild auf und meine Mutter erwartete von mir, als Teenager oder spätestens zum Studieren, ebenfalls in die USA zu gehen. Das hatten meine deutschen Cousins auch alle getan und mir war es durch den US-Pass nun wirklich in die Wiege gelegt.

Aber als ich in das Alter kam, war Ronald Reagan, der global Cowboy, US-Präsident. Mit SDI wollte er den Sternenkrieg entfesseln und läutete die konservative Revolution ein. Meine Schule hatte eine US-Partner-Highschool und alle aus meiner Klasse, die dort waren, berichteten von dem unterirdischen Bildungsniveau. Deutschland sollte mit neuen US-Atomraketen Pershing II übersät werden, ich wurde politisch, ging auf die großen Friedensdemonstrationen und war, wie alle jungen Teenager aufmüpfig, stellte alles in Frage, das meine Mutter vorlebte. Da sie Amerika so liebte, fand ich Amerika natürlich erst Recht scheiße. Die übliche rebellische Phase der Kinder; das wußte sie schon. Aber mit meinem pauschalen „USA = Scheiße“ konnte ich meine Mutter höchst erfolgreich triggern. Nicht nur, weil es das Land traf, das sie so liebte, sondern weil sie zu Recht der Meinung war, ich solle mir das erst mal in Ruhe ansehen, bevor ich urteile. Daher würde sie mich auch finanziell unterstützten, wenn ich dort auf ein College gehen wolle.

Men bedenke, es war die Zeit vor Internet und Klugtelefon, sogar vor dem Kabel-Fernsehen. Über die USA wurde man nur durch Lesen und Reportagen im ZDF und ARD informiert. Von den US-Verwandten kamen Fotos, Briefe und Päckchen. Aber wir sprachen nur sehr selten mit ihnen, weil Ferngespräche astronomisch teuer waren. Richtig kennenlernen konnte man NY nur, indem man dort eine Weile lebte.

Hätte ich das mal getan, denke ich heute. Aber damals war ich viel zu uneinsichtig. Ich konnte nicht zugeben, im Unrecht zu sein und hatte auch wirklich keine Lust dazu.

Spätestens in meinen Twen-Jahren wurde mein Blick differenzierter. Ich begriff, was für eine heterogene Angelegenheit die USA sind, wie ungerechtfertigt es ist, ausgerechnet „die Amis“ über einen Kamm zu scheren. Ich lernte amerikanische Dinge zu schätzen, die sie einfach besser können: Musik, TV. Bis heute ist es undenkbar, daß Deutsche so hochwertige Unterhaltung, wie Sopranos, Breaking Bad, Six Feet Under, House Of Cards, Northern Exposure, Shameless produzieren könnten.

Da meine Mutter und ich längst von den Bäumen heruntergeklettert waren, sprach sie auch mit ehrlicher Empörung über die Gewalttätigkeit in den USA. Die durch Religion und Homeschooling weit verbreitete Verblödung der jungen Amerikaner. Den Waffenwahn, die Amokläufe, die Todesstrafe, die Vorliebe für Cage-Fights, die Akzeptanz von Folter, die geheuchelte Außenpolitik, die militärischen Attacken, auf jede politische Bewegung in der Welt, die einem Reagan oder Bush nicht gefiel.

Wir konnten es einfach nicht fassen, als schließlich, nach einer monatelangen peinlichen internationalen Shitshow, der intellektuelle Al Gore zurückzog und im Januar 2001 der völlig unterbelichtete Depp GWB US-Präsident wurde.

Am 11.September 2001 flogen dann unser aller Herzen der USA zu. Ausgerechnet in unserer Familienheimat, dem von meiner Mutter so heiß geliebten Manhattan. Ausgerechnet in Hamburg hatten einige der Attentäter sich vorbereitet.

Noch erstaunlicher war aber, wie die GWB-Administration es vermochte, in den nächsten anderthalb Jahren die überwältigende internationale Sympathie in ihr Gegenteil zu verkehren. Schließlich geschah das Undenkbare, ausgerechnet die stets so treue Bundesrepublik Deutschland sagte im UN-Sicherheitsrat „Nein“ zu den US-Plänen. Der Kanzler schmiedete Gegenallianzen, der deutsche Außenminister schleuderte den Amis sein berühmtes „Excuse me, I am not convinced“ entgegen. Unheard. Alles wußten es: Washington log. Aber Washington setzte sich  - wieder einmal – über das internationale Recht hinweg, griff den an 9/11 völlig unschuldigen Irak an und schaffte genau das tödliche Chaos, das jeder Experte prognostiziert hatte. Die US-Regierung erfüllte den größten Wunsch der Al Kaida: Es gab weltweit schwere Terrorattacken gegen US-Bürger, das Ansehen Amerikas sank auf den Tiefpunkt.

Der beste Freund meiner Eltern, ein jüdischer schwuler Drehbuchautor in NY, weinte gar in Telefonaten mit meiner Mutter vor Entsetzen über GWB: „What is he doing to our country?“

Das war nun eindeutig eine USA, die noch nicht einmal meine Mutter mehr schönreden konnte.

Meine Eltern starben versöhnt mit den USA, in der Obama-Zeit, mit dem endlich die Barbarei, der Rassismus überwunden zu sein schien.

Was für eine Fehleinschätzung, der auch einer der größten deutschen US-Fans aufsaß: SPIEGEL-Korrespondent Marc Pitzke, der vor über 30 Jahren nach New York auswanderte und sich zu einem so renommierten USA-Experten mauserte, daß er auch in US-Nachrichtensendern als Fachmann auftritt. Es war genau umgekehrt; die Wahl Obamas fachte den tödliche antidemokratische Furor und Rassismus der Christen und Konserevativen erst richtig an!

[…] »Ich glaube, wir haben alle einen großen Fehler gemacht, als Obama gewählt wurde. Alle haben gedacht, jetzt ist es eine neue Ära für Amerika, der Rassismus ist zu Ende.« […]  »Amerika hat einen schwarzen Präsidenten gewählt. Das Land ist jetzt versöhnt und genau das Gegenteil ist eingetroffen.«

»Obama im Weißen Haus, das ist natürlich etwas, was es noch nie gegeben hatte und es war das erste Mal, dass die schwarze Community hier in Harlem, aber nicht nur hier, sondern im ganzen Land, sich anerkannt fühlte, sich gesehen fühlten, dass man endlich tatsächlich mit an die Macht kam und nicht immer nur zusehen musste, wie andere die Macht hatten.«

»Die Obama-Jahre waren so eine falsche Idylle. Wir haben alle gedacht, dass wir diese ganze Zeit nach 9/11, diese Zeit der Verbissenheit und dieses falschen Patriotismus hinter uns lassen können. Und Obama hat aber genau das Gegenteil bewirkt. Nicht durch seine Taten und seine Aktionen, sondern einfach durch seine Präsenz und seine Existenz. Denn mit Obama hat sich der rassistische Unterbau von Amerika erst recht vereint. Und dahinter versteckte sich nicht nur politisches, sondern auch soziales und gesellschaftliches Denken. Dass sie sagen, es kann nicht sein, dass dieses Land von einem Schwarzen begeht wird. Und so entwickelt sich dann die Tea Party. Aus der Tea Party entwickelt sich Trump und die MAGA-Bewegung und dann kippt das alles in die andere Richtung zurück und den Salat haben wir heute noch.« [….]

(Marc Pitzke, SPIEGEL-Korrespondent)

Sein Abgesang auf sein Amerika gehört für mich zu den ganz großen journalistischen Stücken des Jahres. Kraftvolle Untergangsprosa.

[…] Selbst New York City, mein Zuhause, ist manchmal nur noch eine Kulisse der Reminiszenzen, zusammengehalten von Tesa und Sekundenkleber. Der Süden der USA wird bald ein unbewohnbarer Backofen sein, der Westen abgebrannt, die Küste untergegangen, doch der Klimawandel, glaubt man der Regierung, sei ein Schwindel. Verschwörungserzählungen sind das neue Dogma, Realität ist Fake News, Chaos regiert.  Leute verschwinden spurlos, verschleppt in Massenlager oder repressive Schurkenstaaten, die dafür bezahlt werden, in geheimen Deals mit der Trump-Regierung. Familien, Karrieren, Hoffnungen werden zunichtegemacht. Kinder hungern, Kranke sterben, Alte dämmern in Armut. Kapitalismus im Endstadium.

Die Ursünden der Nation sind wieder salonfähig. Rassismus, Sexismus, Homophobie, Geldgier, Patriarchat, religiöser Fanatismus. Am meisten leiden Minderheiten, denen man Menschenrechte nimmt, die sie so hart erkämpft haben. Die Barbarei der Politik sickert ins tägliche Leben, ein psychologischer »Trickle-down-Effekt«. Die Wärme, die ich lange spürte, selbst in den kalten Straßen von New York, die Gemeinschaft und die Hilfsbereitschaft, die uns auch und gerade in harten Tagen aneinandergebunden haben, weichen zusehends den Charakterzügen unseres digitalen Egotrips: Bosheit, Grausamkeit, Gewalt.

Und über all dem (und dem Gesetz) thront Donald Trump, Imperator von eigenen Gnaden, umringt von Hofschranzen, Mitläufern und Oligarchen. […]

(Marc Pitzke, 08.10.2026)

Er kann dort nicht mehr bleiben.

Ja, ein hochgefährlicher zerstörerischer, debiler, rassistischer Lügner ist US-Präsident und reißt die Welt in den Abgrund. Aber schlimmer ist das große Versagen aller US-Institutionen und insbesondere der republikanischen Partei, die es nicht fertig bringt, den amerikanischen Sauron aus dem Oval Office zu zerren.

Das hässliche Amerika, die gewalttätige Nation ging mit dem Trumpismus in eine echte Barbarei über. Zivilisatorische Errungenschaften werden geschleift, Humanismus abgeschafft.

Trump verbündet sich offen mit dem Kriegsverbrecher Wladimir Putin.

Trump wettert gegen die von Putin angegriffenen und ermordeten Menschen.

Trumpmerica betrachtet das internationale Recht als Feind.

[….] Weitreichende US-Sanktionen Das Weltstrafgericht steht jetzt auf derselben US-Liste wie das Sinaloa-Kartell

Die USA verschärfen ihre Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof. Betroffen sollen künftig auch Unternehmen sein, die Geschäftsbeziehungen mit dem Gericht in Den Haag haben. Droht der Institution das Aus?  [….]

(SPON, 10.10.2026)

Die USA sind die Nation des Bestialismus.

[…] Unter Trump begeben die USA sich auf das Niveau des IS[…] Der Präsident und sein Verteidigungsminister wollen die Erschießung eines Mörders per Livestream übertragen. Sie bestehen also darauf, ihr Land weiter zu verrohen. […] Am 19. August 2014 verbreitete der Islamische Staat ein Video, es war nur dreißig Sekunden lang und etwas verwackelt. Zu sehen war der US-Journalist James Foley, kniend. Dahinter zwei maskierte Männer, einer hielt einen Säbel. Der Henker holte aus, schlug zu. Die Welt war entsetzt. Später sperrten große Plattformen die Kanäle des IS, um die Verbreitung solch barbarischer Propaganda-Videos zu unterbinden. […] Nun wollen die USA selber ein derartiges Video produzieren. Und sie gehen sogar noch weiter: Die ganze Welt soll am 3. Dezember per Livestream verfolgen können, wie Nidal Hasan von einem Erschießungskommando getötet wird. […]  

 


Öffentliche Hinrichtungen sind aus Ländern wie Iran oder Saudi-Arabien bekannt - aus Ländern mit einem ohnehin archaischen Rechtsverständnis. In den Verfassungen moderner demokratischer Staaten ist die Menschenwürde als unantastbar verankert - eine Idee, die mit einem Hinrichtungsspektakel nicht zu vereinbaren ist. In den USA verspricht der 8. Zusatzartikel der Verfassung  eigentlich Schutz vor „grausamen und ungewöhnlichen Bestrafungen“.  Das hält Verteidigungsminister Pete Hegseth nicht von seinem Vorhaben ab. Ihm gefällt das Außergewöhnliche und Brutale. „Das haben wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gemacht“, sagt er stolz, und Donald Trump spricht von „endgültiger Gerechtigkeit“. Mit Gerechtigkeit aber hat die Inszenierung einer Hinrichtung als Spektakel nichts zu tun. Wer einen Menschen im Augenblick seines Todes zur Schau stellt, will vor allem eines: seine eigene Grausamkeit demonstrieren. Das war beim IS nicht anders. […] Außenminister Marco Rubio sagte vor kurzem, die nationalen Interessen der USA bildeten die Grenze des Völkerrechts, diese gingen immer vor. Trumps Gönner Elon Musk bezeichnet Empathie als „Schwäche der westlichen Zivilisation“. […]

(Charlotte Walser, 10.10.2026)

Freitag, 9. Oktober 2026

Als alles noch so schön übersichtlich-unsichtbar war.

Früher, als noch nicht die Homos und Emanzen, die Ökos und die Grünen, die Ausländer und die Gastarbeiter, die Atheisten und Chaoten, völlig ungeniert wagten mitzureden, war es viel schöner. Schöner für reiche weiße alte Christenmänner.

Aufklärung, Mitbestimmung, Emanzipation, Bürgerrechte sind daher für Dunkelkatholiken, MAGA-Amis, Fritze Merz und AfD-Wähler gleichermaßen abstoßend. Denn so werden ihre gefühlten Freiheiten von einst eingeschränkt.

Die Freiheit, Frauen zu begrabschen, Frauen sexistisch zu titulieren, sie zu vergewaltigen, ohne daß sie gleich zur Polizei rennen, um sich zu beklagen. Die Freiheit, Frauen vorzuschreiben, was sie zu tun haben, sie zu verprügeln. Die Freiheit, People Of Color zu duzen, sie rumzukommandieren. Die Freiheit, Schwule nach Herzenslust zu beschimpfen und zu verprügeln. Die Freiheit, Kinder übers Knie zu legen; Kinder grün und blau zu schlagen, ohne daß gleich einer das Jugendamt informiert. Die Freiheit, seine vollen Aschenbecher einfach aus dem Autofenster zu entleeren. Ohne von einem Ökopax deswegen angezeigt zu werden. Die Freiheit, vor den Kindern, beim Essen, im Bus, der S-Bahn und im Flugzeug zu rauchen. Die Freiheit, auch mal ein Kind zu vergewaltigen und sich darauf zu verlassen, daß alles vertuscht wird.

Aber alle diese Freiheiten werden die weißen Männer, die mit dem Privilegien-Löffel im Arsch geboren wurden, inzwischen streitig gemacht. Wäre es doch bloß wieder so schön wie früher, als Mann immer automatisch das letzte Wort hatte und niemand widersprach.

Aber jetzt darf Mann ja nichts mehr.

[…] FTC Chair Says He's Proud Of Efforts To Protect 'White American Men From Discrimination'[…] Chairman of the Federal Trade Commission Andrew Ferguson said Thursday he’s proud of the work President Donald Trump’s administration is doing to combat discrimination ― for white men, that is.

At a press conference with Vice President JD Vance about alleged abuses of work visa programs, Ferguson touted the work of U.S. Equal Employment Opportunity Commission Chair Andrea Lucas, a vocal critic of diversity, equity and inclusion.  “I also want to acknowledge the work of Andrea Lucas, who is the chairman of the EEOC,” Ferguson said. “She is the greatest chairman of that institution, since Clarence Thomas back in the 1980s.”

Ferguson then praised Lucas’ work to combat a problem that doesn’t exist.

“On every issue that previous EEOCs refused to touch: protecting white American men from discrimination, protecting American citizens from national origin discrimination ... she has led the EEOC headlong to defend Americans from these abusive practices.”  Lucas has been vocal about helping white men who say they’ve faced discrimination in the workplace.

“Are you a white male who has experienced discrimination at work based on your race or sex?” she said in a video posted to social media last year. “You may have a claim to recover money under federal civil rights laws.” […]

 (HuffPo, 08.10.2026)

Trump, Höcke, Putin, Manfluencer, Andrew Tate, Testosterone-maxxer und die Katholische Kirche kämpfen für den weißen Mann, damit seine Freiheiten wieder exklusive Freiheiten werden, die nicht eingeschränkt werden, nur weil sie anderen schaden. Freiheiten, die frei von Verantwortung sind.

Als der weiße Mann frei davon war, auf Frauen, Kinder, Schwule, Juden, Schwarze, Ausländer, Behinderte, Kranke, Umwelt, Tierwelt, Klima Rücksicht nehmen zu müssen. Als es noch die gute alte Zeit war, die Jugend Joseph Ratzingers, der als Stellvertreter Gottes auf Erden gefragt wurde, wie er sich das Paradies vorstellte, mit dem „Bayern seiner Jugend“ antwortete.

[….] Papst Benedikt hat das Leben nach dem Tod mit seinen Kindheitstagen im Deutschland der 1930er verglichen. "Das Paradies könnte so sein, wie meine Jugend war, so dass ich hoffe, nach Hause zu gehen, wenn ich vom anderen Teil der Welt komme", sagte das Kirchenoberhaupt, der 1927 unter dem Namen Joseph Ratzinger in Bayern geboren wurde, laut der Nachrichtenagentur "Kathpress" am Samstagabend beim Weltfamilientreffens in Mailand. [….]

(Die Presse, 03.06.2021)

Ratzi in jung

Ach, war das damals herrlich in der Nazizeit, ganz ohne Ausländer, Emanzen und Juden. So gefiel es ihm. So betrachtete der Pontifex Maximus als geistiges Oberhaupt von 1,3 Milliarden Menschen das vollkommene Glück. 

Wie in seiner wundervollen Zeit im Studienseminar St. Michael in Traunstein.

[….] Die Kindheit und Jugend verbrachte Joseph Ratzinger in Traunstein, einer Kleinstadt nahe der österreichischen Grenze, 30 km von Salzburg entfernt. In dieser Umgebung, die er selber als "mozartianisch" bezeichnete, erhielt er seine christliche, menschliche und kulturelle Prägung.

[….] Der junge Joseph wurde Zeuge, wie die Nazis den Pfarrer vor der Feier der Heiligen Messe verprügelten.  Gerade in dieser schwierigen Situation sollte er die Schönheit und die Wahrheit des Glaubens an Christus entdecken; [….] Bis September 1944 war er in den Hilfsdienst der Fliegerabwehr eingezogen.  […]

(Der Heilige Stuhl, BIOGRAPHIE SEINER HEILIGKEIT BENEDIKT XVI.)

Es war aber auch paradiesisch im Studienseminar St. Michael in Traunstein!

[…] Wenn Kirchenmänner ihren Zöglingen das Leben zur Hölle machen […] Eine neue Missbrauchsstudie über das Seminar St. Michael in Traunstein zeigt auf, wie diese Einrichtung für manche Zöglinge zu einem Ort körperlicher, seelischer, sexueller und spiritueller Gewalt werden konnte. […] es waren keine erwachsenen Männer, die hier auf den Kirchendienst vorbereitet wurden. Sondern Kinder und Jugendliche, die in der Stadt das staatliche Chiemgau-Gymnasium besuchten und im Seminar oben auf dem Hügel ihre Nachmittage, Abende und Nächte verbrachten – so wie 1939 der junge Joseph Ratzinger, der viele Jahre später zu Papst Benedikt XVI. werden und Traunstein seine „Vaterstadt“ nennen sollte.

Viele[n] der Zöglinge von einst […] haben die Kirchenmänner das Leben hier fast zur Hölle gemacht. So geht es aus einer Studie hervor, mit der das Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik die Gewalt- und Missbrauchserfahrungen ehemaliger Seminaristen aus den Jahren 1960 bis 1990 aufgearbeitet hat. […] Das Bild, das sie aus all dem zusammengesetzt haben, zeigt neben positiven Erfahrungen von Seminaristen auch verschiedene Formen von Gewalt. Von psychischer, körperlicher, sexualisierter und auch von spiritueller Gewalt, mit der Kirchenmänner wie manche Seminarleiter ihre Macht und ihre religiöse Deutungshoheit missbraucht und ihre Zöglinge so in Gefühle von Angst, Schuld, Scham und Sünde gestürzt und in tiefe seelische Krisen getrieben haben. „Die Angst vor der Hölle hat halt immer irgendwo mitgespielt, und es wurde einem auch klargemacht“, sagte ein Seminarist aus den 1970er-Jahren den Studienautoren.

Drohungen, kollektive Bestrafungen für echte oder vermeintliche Verfehlungen Einzelner und eine erniedrigende Behandlung bestimmter Jungen waren laut der Studie einst keine Seltenheit im Seminar. Oft traf es solche Buben, die wenig oder gar keine Berufung zum Geistlichen erkennen ließen. […] Die angeblichen Seelsorger von damals verletzten nicht nur die Seelen der Jungen wie bei Georg Rieperdinger. Auch Ohrfeigen, Kopfnüsse oder Schläge auf den Hinterkopf verabreichten manche Geistliche ihren Schutzbefohlenen immer wieder. Kinder wurden zum Essen gezwungen und mussten schlimmstenfalls ihr eigenes Erbrochenes wieder zu sich nehmen. […] Bei dem jungen und von etlichen Ehemaligen als charismatisch beschriebenen Klosterbruder hatte Koch Hilfe, Trost und Rat gesucht für sich und für einen gleichaltrigen Freund, dem es äußerst schlecht gegangen war in St. Michael. Stattdessen wurde der Mönch plötzlich zudringlich. Für Koch, damals Schüler in der Oberstufe, brach damit eine Welt zusammen. Ein ähnlicher Vorfall wird darüber hinaus aus den 1950er-Jahren über einen Jesuitenpater berichtet.

Das Seminar „hat mich nicht geschützt, hat uns nicht geschützt, nicht auf Hilferufe reagiert“, sagt Koch am Donnerstag. Diese Vernachlässigung aber „war die Grundlage für sexualisierte Gewalt“. […]

(Matthias Köpf, 08.10.2026) 

Da hatten die Priester und Mönchen noch alle Freiheiten im Umgang mit den Kindern. Freiheiten, die ihnen der verdammte Modernismus nun nehmen will.

Samstag, 26. September 2026

Wie viele politische Leben hat Spahn noch?

Er ist einer dieser klassischen Teflon-Spitzenpolitiker, die Skandal auf Skandal türmen, immer wieder beim Lügen ertappt werden, aber einfach nicht fallen. Bemerkenswerterweise benötigte er dafür nicht die massive Protektion eines mächtigen Parteichefs. Thomas de Maizière blieb trotz seiner Baron Münchhausen-Attitüde einfach im Amt, weil er ein Protegé der damals allmächtigen CDU-Vorsitzenden und Kanzlerin Angela Merkel war. Andreas Scheuer überstand seine Skandal-Kaskade, weil er unter dem Schutz Söders stand.

Andere Politiker verwenden ihre persönliche Beliebtheit als Drachenblut. Volker Beck hielt sich trotz erheblicher Kontroversen 23 Jahre (1994-2017) ununterbrochen im Bundestag, weil ihn seine Fraktionskollegen so sehr mochten und er starke Beschützerinstinkte auslöste.

Jens Spahn kann diese beiden Strategien nicht nutzen; die weit überwiegende Mehrheit der Parlamentarier seiner CDUCSU-Fraktionskollegen kann ihn nicht ausstehen. Das gilt erst Recht für die Chefs Merkel, AKK, Laschet und Merz, die Spahn keinen Zentimeter über den Weg trauen.

Spahn schmiedete den tonnenschweren Anker, der ihn davor bewahrt, aus der C-Fraktion gespült zu werden, ganz allein, indem er unermüdlich mauschelte und netzwerkte.

(….) Interessanterweise sind die Reihen innerhalb von CDU und CSU nicht sehr geschlossen. Üblicherweise wagt sich niemand mit Kritik an Spahn nach vorn, weil er seit 24 Jahren im Bundestag sitzt und als begnadeter Netzwerker über jeden irgendwelche despektierlichen Informationen im Giftschrank hat. Weil so viele ihm einen Gefallen schulden. Mit ihm will man sich nicht anlegen. (….)
(Gibt es einen schwulen Andenpackt?, 18.04.2026)

Die Ehrung des supermächtigen, superrechten, superreichen antidemokratischen Extremisten Peter Thiel in Berlin zeigt einmal mehr, was für mächtige Freunde Spahn hat.

[….]  Die Verleihung des Axel Springer Awards an den Unternehmer und Investor Peter Thiel hat am Donnerstag Proteste ausgelöst. Mehrere hundert Menschen demonstrierten vor dem Axel-Springer-Haus in Berlin gegen die Übergabe der Auszeichnung des Unterstützers von US-Präsident Donald Trump. [….]  Der in Frankfurt am Main geborene und als Kind mit seinen Eltern in die USA ausgewanderte Tech-Milliardär ist Mitgründer der Datenanalyse-Software „Palantir“, die unter anderem im militärischen und polizeilichen Bereich verwendet wird. Eine Sprecherin der Demonstration erklärte: „Die Kriege der Gegenwart werden mit Software geführt, an der Peter Thiel verdient.“Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte die Verleihung. Erst am Donnerstag hatte ein US-Bundesgericht die von Präsident Donald Trump verhängte Sperre für Journalisten von CNN, MS Now und Politico für ⁠das Weiße Haus aufgehoben. [….]  Während der Verleihung kritisierte Thiel Teile der Medien scharf. Er frage sich, warum so viel davon „zu einer Art linken Hassfabrik verkommen“ sei, sagte er. Die Medienlandschaft sei „sehr, sehr einseitig“ und „bei Weitem nicht so frei, wie wir es uns wünschen würden“. [….]

(SZ, 24.09.2026)

Spahn kennt also die wirklich mächtigen Personen in den Schaltstellen der Macht und nutzt offenkundig auch ein rechtsextremes schwules Netzwerk.

(….) Natürlich gibt es unter Rechten und Rechtsextremen prozentual genauso viele Schwule, wie überall sonst in der Gesellschaft. Aber es ist schon auffällig, daß sich nun die schwulen ganz Rechten als erstes vor Spahn stellen.

Gibt es womöglich einen schwarzbraunen Homo-Andenpakt, in dem sich erzkonservative Strippenzieher versprochen haben, sich stets öffentlich zu verteidigen und nie um dasselbe Amt zu kämpfen?

Ich will ungern verschwörungstheoretisieren, aber das sind schon erstaunlich viele schwule Rechte/Rechtsextreme, die zusammen klüngeln: Jens Spahn (CDU), Peter Thiel (GOP), Richard Grenell (GOP), sein Ehemann Matt Lashey (GOP), Dave Rubin (rechter Podcaster), Michael Mronz, Daniel Funke, Peter Kurth (CDU/AfD), Stefan Evers (CDU), Hendrick Streeck (CDU), Sepp Müller (CSU), David Berger (AfD), Ralf Höcker (AfD), Paul Ronzheimer (BILD),…

Ronzheimers Springer-Verlag überhäuft jetzt demonstrativ den Rechtsextremen Thiel mit Ehrungen, nachdem dessen geheime Klüngelei mit Jens Spahn ans Licht kam.

[….] Jens Spahn bestätigt Teilnahme an Veranstaltungen von Peter Thiel

Der heutige Unions-Fraktionschef Spahn hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren fünfmal an Veranstaltungen der „Dialog“-Organisation des US-Tech-Milliardärs Peter Thiel teilgenommen. [….]

(Deutschlandfunk, 19.06.2026)

Oder es ist reiner Zufall, daß alle die rechten Skandaloniker ins Spahns Umfeld schwul sind. (….)
(Gibt es einen schwulen Andenpackt?, 18.04.2026)

Aber der Verlust des Fraktionsvorsitzes zeigt, daß selbst der Spahnsche Posten-Superkleber nicht unendlich belastbar ist. Da er aber 25 Jahre jünger als Fritze Merz ist, denkt er gar nicht daran, sich endgültig aus der Politik zu verabschieden. Schließlich will er noch Kanzler werden. Und so flog er lediglich zwei, drei Monate unterhalb des Radars, bis er sich den nächsten ultraeinflussreichen Posten zuschieben ließ.

Im extrem mächtigen Haushaltsausschusses, an dem kein Minister vorbei kommt, weil hier bestimmt wird, welche Mittel fließen, sitzt Spahn nun wieder im Zentrum des Spinnennetzes.

[….]  Jens Spahn soll nach seinem Rücktritt als CDU-Fraktionschef Mitglied im Haushaltsausschuss werden. Das teilt die Partei mit. Die Opposition sieht einen Interessenkonflikt. [….]  Aus der Opposition kam Kritik an Spahns künftiger Tätigkeit gerade in diesem Ausschuss. "Er hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er kein ausreichendes Verantwortungsgefühl im Umgang mit Steuergeldern hat", sagte die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta mit Blick auf umstrittene Maskenkäufe zu Beginn der Corona-Pandemie in Spahns Amtszeit als Gesundheitsminister.  Zudem liege ein Interessenkonflikt vor, da er befangen sei bei weiter anfallenden Kosten für Maskendeals. Der Ausschuss habe nicht nur das letzte Wort beim Haushalt, sondern kontrolliere und sanktioniere auch die Regierung bei Fehlverhalten.  [….]

(ZDF, 03.09.2026)

Spahns Skandalfrequenz übertrifft aber nach wie vor fast alle anderen Politiker. Nach gerade einmal zwei Wochen gehören ihm schon wieder die Schlagzeilen. Mitten in einer der größten politischen Krisen, meldete er sich krank und fehlte. 

In Wahrheit ging es, kurz nach der NEUNWÖCHIGEN parlamentarischen Pause, für Spahn in den Privaturlaub nach Sardinien.

[….]  Heftiger Streit in der CDU: Weil Jens Spahn in einer Sitzungswoche auf Sardinien weilte, sollte er seinen Sitz im Haushaltsausschuss verlieren. [….]  Hintergrund ist, dass Spahn in dieser Woche mit seiner Familie privat auf Sardinien weilte. Öffentlich wurde seine Reise, weil die „Bild“-Zeitung am Mittwoch kurzzeitig ein Foto von ihm am Flughafen in Olbia auf der italienischen Ferieninsel veröffentlicht hatte.

In der Arbeitsgruppe Haushalt von CDU und CSU hatte der Bericht des Boulevard-Blatts umgehend für heftige interne Reaktionen gesorgt. Mit Entsetzen hätten viele Mitglieder des mächtigen Zirkels auf die Nachricht reagiert, heißt es – für diesen Freitag bestellten sie Spahn in einer Sondersitzung der AG zum Rapport. Auch über die Arbeitsgruppe hinaus ist Kritik am Ex-Fraktionschef zu hören. In Teilen der Fraktion wird Spahn als ständige Belastung für die CDU gesehen. [….]  [….]  Der Fall ist für Frei und die gesamte Fraktion unangenehm, weil er in ohnehin schwierigen Zeiten neue Unruhe schafft. Der Haushaltsausschuss ist nicht irgendein Gremium. Derzeit befindet er sich in entscheidenden Beratungen zum Etat für das Jahr 2027. Auch deshalb wird das Fehlen von Spahn so kritisch gesehen. Dass ausgerechnet unter den Haushältern eine derartige Vertrauenskrise entstanden ist, kann die Beratungen deutlich erschweren.

Fraktionskollegen fühlten sich nach stern-Informationen von Spahn getäuscht. Intern soll er sein Fehlen in dieser Woche mit einer Erkrankung gerechtfertigt haben, berichten Fraktionskollegen. [….] 

(STERN, 25.09.2026)

Montag, 21. September 2026

Fritze sichert seine Ämter. Für heute.

Vor zwei Wochen hatte der CDU-Bundesvorsitzende die Spitzen seiner Partei zum sachsen-anhaltinischen Wahlabend ins Berliner Konrad-Adenauer-Haus geladen.

Neben CSU-Söder stellen die Schwarzen gegenwärtig sieben Herren (keine Frauen!); Wegner, Rhein, Wüst, Schnieder, Kretschmer, Schulze, Günther und Voigt.

Nur einer von Acht, ausgerechnet der politisch am meisten von Merz entfernteste grünschwarze Kieler, kam zur Unterstützung nach Berlin. Eine Demütigung für Merz, der so ins Straucheln geriet, daß er sich nur mit Mühe zwei Wochen Gnadenfirst bis heute erkämpfen konnte. Es war eine Unverschämtheit der CDU-Landesväter, den Weg nach Berlin zur Unterstützung ihres Chefs nicht anzutreten und zu Hause zu bleiben. So dachte ich bis vorgestern, als ich im SPIEGEL las, daß es sogar noch viel schlimmer war. Die meisten schwarzen MPs waren in der Hauptstadt, scheuten also nicht die Mühe, ihre Heimatbundesländer zu verlassen, aber sie ließen den Fritzekanzler demonstrativ allein in der CDU-Zentrale, um nicht zusammen mit ihm gesehen zu werden. Obwohl sie vor Ort waren.

Man ahnt, wie der Sauerländer Simpel tobte und so überließ er für das zu erwartenden Desaster von heute nichts dem Zufall. Zunächst wurden die sieben Provinz-Epigonen verdonnert, einen Solidaritätsbrief zu verfassen, dessen Notwendigkeit selbst, allerdings die Schwäche des Chefs bewies. Zudem hatte Boris Rhein jede Erwähnung des Namens „Merz“ aus dem Schreiben entfernt, um die Solidaritätsadresse noch unsolidarischer erscheinen zu lassen.

[….]  Der Soli-Brief für Merz ging völlig nach hinten los

Die CDU-Ministerpräsidenten glaubten, mit ihrer Erklärung könnten sie Zweifel an ihrer Loyalität zum Kanzler ausräumen. Tatsächlich aber offenbart das Schreiben, wie tief der Riss zwischen ihnen und Merz wirklich ist.  [….]

(Marina Kormbaki, 17.09.2026)

Zudem wurden die MPs diesmal ultimativ zur CDU-Sitzung um 17.00 Uhr; eine Stunde vor Schließung der Wahllokale; in KAH zitiert. Angesichts der traurigen demoskopischen Lage und den enormen globalen Schwierigkeiten, hatte aber keiner der Sieben Zwerge den Mut, vorzutreten, um Merz herauszufordern.

Bereits kurz nach 18.00 Uhr trat der Briloner Brausekopf allein im Helmut-Kohl-Saal vor die Presse und erklärte den verdutzten Hauptstadtjournalisten, in dieser enorm verzwickten Lage müssten seine sogenannten „Reformen“ mit eisernem Griff umgesetzt werden und dafür erfordere es „Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“, also gleich drei sehr positive Eigenschaften, über die nur einer verfüge: Er selbst, der große Merz!

[…] Das Vertrauen in Institutionen sinke und werde gezielt untergraben – auf das alles könne man nur auf eine Art reagieren: „Die Reformen müssen kommen!“ Man brauche Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld. Und genau das wolle er nun aufbringen, um zu beweisen, dass Deutschland ein Land eben doch ein Land des Aufbruchs sein könne.

Kein Rücktritt also. Auch nicht vom Parteivorsitz.

Merz bleibt – das klingt sogar für manchen in der CDU wie eine Drohung

Dass der Kanzler nach den harten Pleiten wild entschlossen zu sein scheint, die Leute doch noch irgendwie emotional zu erreichen, ist spürbar. Dass die Zeit dafür davonläuft, ebenso. Und es wird nicht einfacher. Beim Koalitionspartner SPD werden weiter die Stimmen derer lauter werden, die an den Reformen nagen wollen. Schließlich ist Manuela Schwesig in ihrem Wahlkampf damit gut gefahren.  […]

(Maik Koltermann, 20.09.2026)

Fritze findet sich selbst weiterhin einfach fabelhaft, er ist nach der einzigen relevanten Einschätzung, nämlich seiner eigenen, der richtige Mann als Kanzler und CDU-Chef. Die "Reformen" findet er goldrichtig und will sie genauso umsetzen.

[…..] Wie Merz es schafft, so selbstgefällig wie abgedroschen, in einem Satz die gesichert rechtsextremistische AfD als lediglich radikal zu verharmlosen, um die Linke sodann mit der Höcke Truppe gleichzusetzen, das ist so erbärmlich, falsch & gefährlich. Ich will so einen Typ nicht als Kanzler. [….]

(Michael Lühmann, @herrluehmann.bsky.social, 20.09.2026)

Weiterhin scheint der bornierte Briloner der Realität vollständig entkoppelt. Aber offenbar haben alle CDU-MPs die Hosen gestrichen voll und trauen sich nicht, Fritze zu stürzen.  Dafür bringe ich ein gewisses Verständnis auf.

Wir haben es mehrheitlich mit einem tumben deutschen Urnenpöbel zu tun, der sich nach einfachen Lösungen sehnt, von Zumutungen verschont bleiben will und generell denkfaul ist. Ein Robert Habeck wird nicht gewollt, eine rotgrüne Mehrheit scheint im Bund meilenweit außer Reichweite.
Leider sehe ich keinen realistischen Weg, wie es mit einem anderen C-Kanzler besser werden soll. Was würden Bundeskanzler Rhein oder Bundeskanzler Söder oder Bundeskanzler Wüst ändern? Die grundlegend falsche Fossillobby-Politik, die Umverteilung von unten nach oben, die einwanderungspolitische Xenophobie, die Kulturkampfattitüde teilen alle CDUCSUler. Bei Neuwahlen käme es NOCH schlimmer. Die Lage ist aufgrund der Verblödung des Souveräns hoffnungslos.

Die Konservativen verstehen nach weit über einer Dekade des stetigen Anschwellens der braunen Pest immer noch nicht, die simplen Zusammenhänge.

[…] Gern noch mal in einfachen Worten für Union und FDP: Wenn man fünf Jahre lang so tut, als habe die AfD im Grunde Recht (“Migration=größtes Problem”, “Grüne=sozialistische Deutschlandhasser”), dann hilft man damit der AfD und schadet sich selbst. Es ist wirklich nicht schwer.   [….]

(Christian Stöcker, @christianstoecker.de, 20.09.2026)

Aus Merzscher Sicht, war es richtig, schon um 18.00 Uhr vor die Presse zu treten, um seinen Kritikern zuvor zu kommen, denn in folgenden fünf Stunden verschlimmerten sich die Zahlen für seine CDU sogar noch.

In Mecklenburg-Vorpommern fliegt die CDU tatsächlich aus dem Parlament; Putinellas BSW überspringt nicht die 5%-Hürde.

Damit ist zwar keine Fortführung der alten RotRoten Regierungskoalition möglich, aber RRG hätte drei Sitze mehr als die absolute Mehrheit. Das ist für ein ostdeutsches Bundesland mit AfD-Rekordzuwachs ein bemerkenswertes Ergebnis.

Auch in Berlin kam es für Merz schlimmer als das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Linken und Schwarzen. Tatsächlich hängte Elif Eralp den CDU-Finanzsenator mit sieben Prozentpunkten Differenz ab.

Graf, Krach und Evers sind erschreckend öde und zudem extrem ähnliche Kartoffel-Typen. Angegraute Mainstreamer mit Sparkassen-Appeal, deren Gesichter man gleich wieder vergisst. Den Grünen Graf googelte ich in den letzten Wochen immer wieder, weil der dermaßen langweilig und nichtssagend ist, daß ich sofort wieder vergaß, was der für einen Hintergrund hat.

Für die konservative Hauptstadt-CDU ein passender Kandidat. Aber Grüne und SPD haben bei ihrer Personalauswahl schwer danebengegriffen. Dagegen ist Elif Eralp natürlich ein extrem erfrischender guter Pick der Linken.

In Berlin bedauere ich fast das Scheitern des BSWs, weil mit dessen Einzug eine Kenia-Koalition rechnerisch unmöglich geworden wäre und nur noch RRG in Frage käme. Das BSW hätte einen Linke Bürgermeisterin erzwungen; genau das, was AfD-Fan-Girl Putinella Wagenknecht auf jeden Fall verhindern wollte.

Franziska Brantner rückt in der ARD schon von RGR für Berlin ab. Mit den Linken "Antisemiten in Neukölln" wollten die Grünen nicht zusammen regieren. Umgekehrt scheint die Linke Berliner Parteibasis insbesondere nach diesem starken Wahlergebnis keinerlei Kompromisse eingehen zu wollen.

'Vergesellschaftung', die für Linke essentiell ist, lehnen die Grünen und SPD ab. Beide blinken also Evers an! Allerdings verfehlte Krach sein Direktmandat und Bürgermeisterin Franziska Giffey, die für die CDU-Koalition stand, flog ganz aus dem Abgeordnetenhaus.

Man könnte das als klares RRG-Signal interpretieren. Zumal Eralp die ganz große Gewinnerin bei den Jungen ist.

Der jungen Generation den Stinkefinger zu zeigen, indem man den rechten Stefan Evers zum Regierenden Bürgermeister wählt, dürfte SPD und Grünen zukünftig schwer schaden.