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Mittwoch, 9. September 2026

Zukunft abgekürzt.

Die Jugend in den frühen 1980ern, ab dem Sommersemester 1988 an der Uni, Ende der 1990 bekamen die meisten meiner ehemaligen Mitschüler Kinder. In den 2010nern starben meinen Freunden die Eltern weg. Nun sind wir, Ende Boomer/Anfang GenX, kurz vorm Rentenalter. Einige wenige hatten Jobs, in denen sie sehr viel verdienten und sind finanziell gut abgesichert. Die Mehrheit stellt sich auf Schmalhans im Alter ein, gruselt sich vor einsamer Abhängigkeit in völlig überlasteten Pflegeeinrichtungen. Es muss nicht unbedingt besser sein, Kinder und Enkel zu haben, weil man sich darum sorgt, ihnen zur Last zu fallen. Außerdem gibt es diverse Altersgenossen, die jetzt schon mit teilweise erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen leben. Man ist in diesem „irgendwas ist immer“-Alter. Die Gesundheitschecks werden unheimlicher, weil es immer wahrscheinlicher wird, daß Probleme gefunden werden. Mit meinem 25 Jahren altem Auto fahre ich auch nicht mehr unbeschwert zum TÜV.

Als ich letztes Jahr auf der Straße hinschlug, weil ich offenbar zu senil bin, um sicher zu gehen, wurde mein Knie geröntgt. Da Bild klemmte schon auf dem Lichtboard, als ich auf die junge Orthopädin wartete. Nach meinem Laienverständnis sah ich keine Knochenverletzungen, aber merkwürdige Frakturkallus-artige Wucherungen, die mir Sorge bereiteten. Als die Ärztin kam, entwarnte sie; „nichts gebrochen“. Auf meine besorgte Frage, was das für eigenartige Wölkchen wären, winkte sie ab „ach, das sind nur ganz normale Ablagerungen IN IHREM ALTER!“

Klar. Aus Sicht einer Anfang-30erin bin ich ein Wrack. Aber andererseits sollten statistisch noch ein paar Dekaden Lebenszeit übrig sein, auch wenn immer mehr Symptome auf eine baldige Überschreitung meines Mindesthaltbarkeitsdatums hinweisen. Natürlich, Joghurt, Quark und Nudeln sind nach dem Ablauf des MHD immer noch genießbar. Ich habe noch das Schimpfen meiner Mutter im Ohr, wenn ich als Generation Überfluss, Lebensmittel mit dem Erreichen des MHD in den Müll werfe.

Also, man kann den abgelaufenen Reis natürlich noch essen, aber dabei entwickelt sich ein latentes Unbehagen. Unterbewußt schmeckt man nach, ob das wirklich noch gut ist. Genauso geht es mir, bei dem Gedanken, die nächsten Male zu Nullen.

Offensichtlich leben viele dann immer noch, aber ob das noch so toll schmeckt?

Besser wird es jedenfalls nicht.

Allerdings gibt es global erhebliche Anzeichen für eine deutliche Abkürzung unser aller und natürlich damit auch meiner Restlaufzeit.

2020 erinnerte uns an die durchaus reale Gefahr einer Pandemie, die wirklich jedes menschliche Leben ausrottet. Die Chancen, einer globalen Seuche zu erliegen, steigen, weil wir mehr werden, uns enger auf die Pelle rücken, von Algorithmen systematisch zu Covidioten verblöden, die sich Impfungen und Masken verweigern und natürlich durch immer mehr rechtsextreme Gaga-Regierungen, die wie die USA aus der WHO austreten, Virologen die Forschungsmittel entziehen, Gesundheitsbehörden schließen. Ein gefährlicher Spinner und Verschwörungstheoretiker ist jetzt US-Gesundheitsminister, die Amis lassen sich weniger Impfen und die Regierungspartei klagt Dr. Fauci an.

2022 der Ukraine-Krieg, 2023 die Hamas-Attacke mit der darauf folgenden Vernichtung Gazas, 2026 der Beginn des US-Krieges gegen den Iran. Der hybride Krieg Russlands gegen Westeuropa, der Beginn der Kriegsphase Null auf deutschem Boden und erst Recht ein mental inzwischen vollkommen unzurechnungsfähiger US-Präsident, der als Oberbefehlshaber mit dem Atomkoffer in der Hand Wutanfälle bekommt; machen einen Weltkrieg, womöglich einen Atomweltkrieg, sehr viel wahrscheinlicher. Das Two-Theater-Szenario, also ein simultaner Angriff Chinas auf Taiwan und Russlands auf das Baltikum wird rückt näher. Persönlich würde ich einen schnellen Tod in einem nuklearen Pilz natürlich bevorzugen. Für die Flora und nicht humanoide Fauna wäre es allerdings sehr unfreundlich.

Sehr sicher ist der Klimakollaps, von dem wir 2026 einen ordentlich Vorgeschmack in Deutschland erlebten. Schon jetzt sterben jedes Jahr weltweit Hunderttausende an den Folgen der Erderhitzung. Nur wir Reichen in den Industriestaaten können uns mit technischen Hilfsmitteln noch etwas länger am Leben erhalten. Selbst wenn die Menschheit heute vollkommen damit aufhörte, klimaschädigende Gase in die Lust zu blasen, würde sich die Erde noch 15-20 Jahre weiter aufheizen; so lange dauert es, bis die kritische Schicht um die Erdoberfläche erreicht ist.

Aber wir hören nicht nur nicht damit auf, das Klima zu zerstören. Wesentliche Player – USA, Deutschland, Russland – gehen diametral in die falsche Richtung, fördern massiv die Verbrennung fossiler Energieträger, bremsen die erneuerbaren Energien aus.

Der Hitzetod kommt also bestimmt und wird dramatische Migrationsbewegungen auslösen, wenn immer mehr Landstriche austrocknen und unbewohnbar werden. Das wird kein angenehmer Tod, der aber in Nordeuropa mit den entsprechenden finanziellen Mitteln vielleicht noch bis zu 20 Jahre auszusitzen ist, bis alles komplett zusammenbricht.

Aber es gibt Hoffnung! Vielleicht entkommen wir der Zombi-Apokalypse durch Pandemie, dem russischen Raketenbeschuss und der klimatischen Verglühung bei 50°C! Das bleibt uns nämlich alles erspart, wenn hyperkomplexe KI bis Ende der Dekade Homo Sapiens als die Gefahr erkennen, der er ist und uns einfach ausrottet.

Dafür spricht vieles, wie der KI-Guru Nate Soares erklärt.

[….] Soares: Es ist nicht so, dass diese Systeme uns hassen. Wir sind ihnen nur egal. So wie Ameisen uns Menschen egal sind. Wir bemühen uns nicht, Ameisen zu töten. Wir bauen nur manchmal unsere Sachen dorthin, wo Ameisen leben.

ZEIT: Aber wie könnte KI in der Lage sein, alle Menschen zu töten oder überhaupt einen Menschen?

Soares: Man muss sich klarmachen, wie sich die Menschheit entwickelt hat. Uns hat niemand eine Waffe in die Hand gedrückt. Die Primaten, die wir einst waren, haben Waffen entwickelt und sind schließlich bei Atombomben angekommen. Diese Macht, aus fast nichts etwas aufzubauen, mit dem man die Welt kontrollieren kann, sitzt im Kopf. Und genau diese Fähigkeit versuchen die KI-Firmen gerade zu automatisieren. Das ist das erklärte Ziel von Leuten wie Elon Musk und Sam Altman: automatisierte Fabriken, die Roboter bauen, die automatisierte Fabriken bauen.

ZEIT: Aber noch mal: Um der Menschheit ernsthaft gefährlich werden zu können, müsste sie Fähigkeiten entwickeln, die heute kaum vorstellbar sind. Wie genau kommt sie dorthin?

Soares: Das ist ungefähr so, als würde man im Jahr 1800 fragen, wie das Militär der Zukunft aussieht. Ein Wissenschaftler von damals wüsste bereits, wie viel Energie in Schwarzpulver steckt, also würde er sich vielleicht vorstellen, dass die Kanonen der Zukunft zehnmal stärker sein werden als seine. Das stimmt, damit hätte er ungefähr die Feuerkraft eines Panzers vorausgesagt. Aber auf die Vorhersage, dass es eine Bombe geben wird, die eine ganze Stadt auslöschen kann, käme er wohl nicht, sie klänge verrückt. Aber sie wäre wahr.

ZEIT: Wie könnte ein KI-Äquivalent der Atombombe aussehen?

Soares: KI könnte zum Beispiel den Gen-Code knacken. Wir können heute schon DNA auslesen und sogar verändern. Aber wir wissen nicht genau, wie sich die Aminosäureketten zu Proteinen falten. KI kann das schon heute besser als Menschen berechnen. Und wenn sie noch intelligenter wird, könnte sie es so gut können, dass sie neue Lebensformen erschaffen kann. Dann schickt sie vielleicht eine DNA-Sequenz an ein Labor und lässt sie synthetisieren. Das Röhrchen schickt sie zu irgendeinem Menschen und sagt ihm: Zerbrich das draußen. Und dann haben wir eine selbstreplizierende, von der KI gesteuerte Spezies. Wie gesagt, die KI macht das nicht, weil sie uns hasst, aber danach wäre sie nicht mehr auf Menschen angewiesen. Die neue Spezies gedeiht und verbraucht mit der Zeit alle Ressourcen, bis für uns nichts mehr übrig bleibt.   [….]

(ZEIT, 26.08.26)

Die Aussicht auf einen baldigen Tod aller Menschen wird gerade sehr viel wahrscheinlicher.

Das könnte schnell gehen.

[…]  Ein Forscher hat mit dramatischen Worten seinen Job bei Anthropic gekündigt und behauptet, dass die KI-Firma genauso wie OpenAI – wo er vorher gearbeitet hat – nicht verantwortungsvoll handle. „Die Menschen, die KI entwickeln, sind fest davon überzeugt, dass die uns bis zum Ende des Jahrzehnts auslöschen könnte“, schreibt der 27-Jährige namens Jacob Coxon auf dem Kurznachrichtendienst X. „Keine andere menschliche Aktivität ist so gefährlich“, schreibt er weiter. Während man die enorme Gefahr bei OpenAI nicht verstanden haben möge, sei das bei Anthropic anders, erklärt er: „Doch sie befinden sich in einem Wettlauf, um als Erste anzukommen und sie glauben, dass niemand sonst verantwortungsvoll handeln wird.“ Deshalb meinten sie, das Risiko eingehen zu müssen.

Laut den Beiträgen auf X und einem ausführlichen Artikel beim Wall Street Journal hat sich der 27-jährige Brite auf das Training neuer KI-Modelle mit riesigen Datenmengen spezialisiert. Gegenüber der US-Zeitung hat er demnach erklärt, dass viele seiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen die Begriffe „Crunchtime“ und „Endgame“ („Endspiel“) benutzen, wenn sie über die Richtung der Branche sprechen. „Wir steuern auf viele der pessimistischsten dieser Szenarien zu, bei denen die Lage bereits Ende nächsten Jahres außer Kontrolle geraten könnte“, zitiert das Wall Street Journal noch. Auf X schreibt er noch, dass eine Koordinierung möglich scheine und „Warnschüsse“ wie der automatisierte Hackerangriff auf Hugging Face Vereinbarungen wahrscheinlicher gemacht hätten. [….]

(Martin Holland, 09.09.2026)

Mittwoch, 2. September 2026

Russland 2026

Mir gefällt es wirklich gar nicht. Ich verabscheue das Militär. Ich bin immer für Gespräche. Ich verstehe russische Umzingelungsängste. Ich halte es für einen großen Fehler, daß sich die NATO bis an russische Grenzen ausdehnte. Ich finde es nachvollziehbar empörend, wenn das einstige UdSSR-Staatsgebiet Ukraine als Kandidat für NATO und EU gehandelt wird. Ich war entsetzt, als Obama Russland abfällig als „Mittelmacht“ abtat. Ich glaube, „der Westen“ beging seit 2000 enorme Fehler im Umgang mit Moskau und es hätte die Option gegeben, auf Augenhöhe gemeinsame transnationale demokratische Strukturen mit Russland zu entwickeln. Ich fand es richtig, daß Gerd Schröder im Vorfeld des illegalen US-Angriffs auf den Irak, welcher den ganzen Nahen Osten ins Chaos stürzte, einen engen Draht mit Putin entwickelte. Ich schätzte die außenpolitische Entente aus Chirac, Schröder und Putin. Ich will keinen Krieg. Ich meine, es darf nie vergessen werden, welche verheerenden Vernichtungen Deutschland im 20. Jahrhundert über die UdSSR brachte: 27 Millionen Sowjetbürger wurden durch Deutsche getötet. Ich liebe russische Literatur und russische Musik.

Ja, ich habe wirklich Verständnis für Russland und russische Interessen.

Aber nichts davon ist eine Rechtfertigung für den Überfall auf die Krim 2014.

Aber nichts davon ist eine Rechtfertigung für den Krieg gegen die Ukraine ab 2022.

Aber nichts davon ist eine Rechtfertigung für den brutal-autokratischen Umbau in Russland.

Aber nichts davon ist eine Rechtfertigung für Staatsterrorismus.

Aber nichts davon ist eine Rechtfertigung für Putins gegenwärtiges Verhalten.

Im Gegenteil, inzwischen blicke ich mit Entsetzen auf die Appeasement-Politik der AfD, des BSW, Alices Schwarzers und Michael Kretschmers, der heute so tief im Anus des Kreml steckt, daß er sich nicht traut, den Terrorismus in seinem eigenen Bundesland (Leipzig!) als das zu benennen, was er ist.

[…] Nachdem die Bundesregierung den Kreml für den gescheiterten Drohnenanschlag auf den Leipziger Flughafen verantwortlich gemacht hat, nimmt BSW-Vorsitzende Sahra Wagenknecht Deutschland in die Pflicht: Die einzig richtige Strategie sei es nun, dass sich alle Deutschen hinlegen und Putin den ungeschützten Bauch zeigen, damit er von uns ablässt und sich lieber andere Opfer sucht.  "Warum greift Putin uns denn an? Natürlich, weil er denkt, dass von uns Gefahr ausgeht", so Wagenknecht auf einer BSW-Veranstaltung in Berlin. "Da ist es klar, dass er in Notwehr Deutschland attackiert. Wir müssen ihm also mit einer deutlichen Unterwerfungsgeste zeigen, dass wir so schwach sind, dass es vernünftig ist, uns zu verschonen."  […]

(Postillon, 02.09.2026)

Selbst in seiner Partei sind viele Amtsträger weiter als Kretschmer. Oder sie haben mehr Rückgrat. Jan Redmann nennt Ross und Reiter.

[….] Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) hält einen Zusammenhang zwischen den Angriffen auf Stromversorgungsanlagen bei Jänschwalde und Bergheim für wahrscheinlich. »Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind«, sagte er laut einer Mitteilung seines Ministeriums. »Es ist folgerichtig, dass der Generalbundesanwalt prüft, die Ermittlungen an sich zu ziehen.«

Nach dem Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg gehen die Ermittler davon aus, dass auch die Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückgeht. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt. Unbekannte hätten Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU). »Das war Absicht. Wer da rangeht, greift unser Land an.«

Die Ermittler sehen Parallelen zu dem Fall in Brandenburg, wo Unbekannte am Dienstagmorgen unweit des Umspannwerks Turnow-Preilack einen Angriff auf die Stromversorgung gestartet hatten. In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden, die womöglich bereits vor längerer Zeit dort installiert worden waren.

CDU-Innenpolitiker sehen die Angriffe als gezielte Versuche der Destabilisierung. »Das sind keine Einzelfälle mehr, das ist eine Serie von Angriffen auf unsere Energieversorgung«, sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), der Nachrichtenagentur Reuters.  [….]

(SPON, 02.09.2026)

Es hilft leider alles nichts: Man muss einsehen; Putin testet Deutschland und die nordosteuropäischen Nato-Staaten. Er will wissen, wie weit er gehen kann, wie entschlossen reagiert wird. Zwischenstand: Nicht so überzeugend. Eine Strategie zum Schutz der Kritis gibt es nicht, die russische Schattenflotte zieht ihrer Wege, wir kaufen weiterhin russische Gas, weil der Fritzekanzler Windräder hässlich findet und russischen Seelachs können wir natürlich schon gar nicht sanktionieren, weil die Bundesregierung um die Fischstäbchenpreise fürchtet!

Kein Witz, die EU-Kommission plante im Juli 2026 offenbar, die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland in die EU innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte zu reduzieren. Aber dann griff die Merz-Regierung ein und stoppte das Vorhaben.

Der Kreml wird aufmerksam registrieren, wo die Schmerzgrenzen Deutschlands liegen. Offenkundig schloss der russische Langzeit-Präsident daraus, nun vom „hybriden Krieg“ in „Phase Null“ des Angriffskrieges gegen Deutschland übergehen zu können. Ihm läuft die Zeit weg, idealerweise beginnt er die heiße Phase noch bevor sein Verbündeter Donald Trump aus dem Amt scheidet.

[….] An der Schwelle zum echten Krieg [….] Dass Russland gegen den Westen einen „hybriden Krieg“ führt, gilt als sicher. Viele Experten glauben nun aber, dass mit dem versuchten Anschlag in Leipzig eine weit gefährlichere Stufe erreicht ist. [….]

Russland, da sind sich westliche Sicherheitspolitiker einig, überzieht die europäischen Unterstützer der Ukraine seit Beginn des Kriegs mit derartigen hybriden Angriffen. Das Spektrum reicht dabei von kleineren und größeren Anschlägen, etwa auf Fabriken, Bahnlinien oder Unterwasserkabel in der Ostsee, über Sabotage und angeblich unabsichtliche Luftraumverletzungen durch Drohnen oder Kampfjets bis zu Desinformationskampagnen im Internet, um beispielsweise Wahlen zu beeinflussen. Oft beauftragt der russische Geheimdienst dazu Handlanger, die billig und entbehrlich sind – Amateure, die dafür bezahlt werden, einen bestimmten Einsatz durchzuführen und dann bei einem sozialen Netzwerk ein Video davon hochzuladen.

Seit allerdings im August auf dem Leipziger Flughafen mehrere Drohnen gefunden wurden, die Sprengstoffpäckchen trugen und offenbar eine dort geparkte ukrainische Frachtmaschine sprengen sollten, gibt es in Sicherheitskreisen eine Debatte über das Adjektiv hybrid. [….] Sicherheitspolitiker in Brüssel, wo bisher stets nur von einer „hybriden Kriegführung“ durch Russland gesprochen wurde, sind sich seither nicht mehr so sicher, ob das noch angemessen ist. [….]

 Phillips O’Brien, Professor für strategische Studien an der University of St Andrews in Schottland, nannte das missglückte Attentat in Leipzig vor einigen Tagen bei X einen „bewussten kriegerischen Akt“ Russlands. „Es ist wichtig, dass Deutschland das so sagt“, fügte er hinzu. Der frühere deutsche Diplomat und heutige Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, pflichtete bei: Tatsächlich sollte man nicht mehr von „hybridem Krieg“ reden, schrieb er. „Stattdessen sollten wir Begriffe wie kriegerische Akte oder Staatsterrorismus verwenden.“

In Militärkreisen gibt es zudem technokratisch klingende Begriffe wie „Phase null“ oder „Gestaltung des Schlachtfelds“, die nach Ansicht von Fachleuten zu dem passen, was Russland derzeit in Europa tut. Damit sind Maßnahmen gemeint, die vor der Eröffnung der eigentlichen Kampfhandlungen – der „Phase eins“ – stattfinden und durch die ein möglichst günstiges Umfeld für einen Angriff geschaffen werden soll. [….]

(Hubert Wetzel, 31.08.2026)

In dieser Situation – aggressives Russland, marode Bundeswehr, ökonomische Schwierigkeiten, russland-affine AfD ante portas, Putin-Fan im Weißen Haus – gibt es für die Bundesregierung nur Ganz Schlechte und Weniger Schlechte Reaktionsmöglichkeiten. Meines Erachtens ist es überfällig, die russische Bedrohung ernst zu nehmen, mit Hochdruck an Schutzmaßnahmen zu arbeiten, international Entschlossenheit zu zeigen. Es ist wichtig, zwar deeskalierend zu reden, aber gleichzeitig durch Taten Unnachgiebigkeit zu beweisen. Auf keinen Fall dürfen Kreml-Analysten zu dem Schluss kommen, daß NATO-Staatschefs nur Maulhelden sind, die martialisch ankündigen, dann aber doch nie liefern und im Ernstfall schnell einknicken.

[…] Nato-Generalsekretär Mark Rutte und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kamen beide am Mittwoch in Brüssel zusammen. Ihr Top-Thema: die Drohnenattacke am Flughafen Leipzig/Halle und die Ansage der Bundesregierung, dass russische Dienste für den Vorfall zur Verantwortung zu ziehen sind.

Beide sagten Deutschland ihre volle Solidarität zu und sprachen von einer neuen Eskalation seitens Russlands. Eine Attacke, ausgeführt von russischen Agenten mit militärischem Material, die Nato-Territorium ins Visier nahm, markiere eine weitere Stufe russischer Aggression. „Wäre der Anschlag geglückt, hätte er tödlich enden können“, sagte von der Leyen.

Von der Leyen ordnete den Vorfall in Leipzig in eine Reihe ähnlicher Ereignisse in Europa ein: etwa Drohnen, die in den Luftraum Estlands eindringen, oder Einschläge in Rumänien und Polen. Rutte erinnerte an brennende Munitionsfabriken. All das seien Sabotageakte und Angriffe auf kritische Infrastruktur in Staaten, die die Ukraine militärisch, politisch und humanitär unterstützen. [….]

(Taz, 02.09.2026)

Fast unnötig zu erwähnen, daß der unfähigste Bundeskanzler aller Zeiten, wieder einmal alles genau falsch macht. Er kann einfach nichts.

[….] Was in dieser Lage nicht hilft, ist deutsches Säbelrasseln. Damit würde Berlin nur Putins Märchenerzählung vom angeblich so bösen Westen befeuern. So gesehen war es ein Fehler von Bundeskanzler Friedrich Merz, in der vergangenen Woche in martialischen Worten zu erklären, die Urheber des Drohnenvorfalls würden »dafür bezahlen«.

Merz hat mit mehreren Äußerungen vor der Pressekonferenz von Innenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul Erwartungen an einen massiven deutschen Gegenschlag erzeugt, von denen er wissen konnte, dass es ihn so nicht geben kann. Der Kanzler ist wieder einmal seinem Hang zu großen Ankündigungen und zur pompösen Sprache erlegen. Er kann wohl nicht anders. Manche seiner Berater werden die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. Wenn er in den Augen seiner Kritiker erneut wie ein Kanzler dasteht, der die Backen aufbläst und dann nur ein wenig pfeift, hat er sich das selbst zuzuschreiben. [….]

(Roland Nelles, SPIEGEL-Leitartikel, 01.09.2026)

 

Samstag, 29. August 2026

Wie sich der Blick auf Trump veränderte.

Das gehört zu den Dingen, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann: Vor elf Jahren, als sich Donald Trump um die GOP-Präsidentschaftskandidatur bewarb, hielt man dieses Ansinnen für einen PR-Stunt. 

Der notorische Pleitier und Frauenheld suchte offenbar nach medialer Aufmerksamkeit, um seine Marke „Trump“ noch bekannter zu machen. Er würde aber schnell die Lust verlieren und ohnehin, ob der offensichtlichen Chancenlosigkeit, bald aus dem Vorwahlprozess ausscheiden. Was hatte der pöbelnde Rüpel bar jedes politischen Wissens, schon einem Vollprofi wie Jeb Bush, aus der Doppelpräsidenten-Dynastie, entgegenzusetzen?

Nahezu täglich produzierte er so ungeheuerliche Lügen, Vulgaritäten und Attacken weit unter der Gürtellinie, daß er nun aber wirklich aus dem Rennen ausscheiden müsse. Andere, wie zB John Edwards, hatten schon für viel kleinere Affären ihre Karriere endgültig beenden müssen.

Aber es gab auf der politischen Bühne auch noch nie einen Menschen, der dermaßen selbstverliebt und gleichzeitig so völlig schamlos war. Er blieb einfach und faszinierte durch dieses ostentative Ignorieren aller politischen Gepflogenheiten, immer mehr primitive US-Amerikaner. Nachdem der Favorit Jeb Bush aus dem Rennen ausgeschieden war, erschien seine offizielle Nominierung erstmals möglich. 

  

Ich diskutierte damals mit meine US-amerikanischen Verwandten/Freunden, ob wir Trump oder Cruz mehr hassen, wer beim Wahlvolk unbeliebter wäre und ob der Texaner oder der New Yorker als Präsident gefährlicher wäre.

Damals fürchtete ich mich mehr vor Ted Cruz, hielt ihn für gemeiner, weil er intelligenter als Trump ist.

Potus Trump würde, ähnlich wie GWB, gar nicht so recht verstehen, was vor sich geht, viel urlauben und golfen und als Kasper zu PR-Terminen erscheinen, während die USA eigentlich von den Routiniers des republikanischen Establishments regiert werden würde. Und das müsse gar nicht schlecht sein, betonten konservative Analysten.

Und dann kam der Tag, als der unwahrscheinliche Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl von 2016 satte 2,5 Millionen Stimmen weniger als Hillary Clinton bekam und damit die Wahl gewann.

Trump trat sein Amt genauso unvorbereitet an, wie wir alle es erwartet hatten.

Trump benahm sich genauso schlecht, wie wir alle es erwartet hatten.

Trump war genauso dumm, wie wir alle es erwartet hatten.

Unerwartet war aber das Ausmaß seiner Gefährlichkeit.

Unerwartet war die Instabilität der politischen Institutionen der USA.

Unerwartet war, wie es Trump trotz einer unendliche Kette politischer Peinlichkeiten gelang, auch die selbstbewußtesten Alphamänner der Partei auf Linie zu bringen. 

Die US-Senatoren Rubio, Vance, Graham, Cruz, die sich alle selbst für Präsidentenmaterial halten/hielten und Trump extrem scharf attackiert hatten, krochen schließlich alle in seiner toxischen Flatulenz-Wolke umher und können gar nicht mehr damit aufhören seinen Hintern zu küssen.

Und genauso verbalisiert es Trump hochzufrieden auch öffentlich: They all kiss my ass.

In den folgenden zehn Jahren arbeitete ich mich täglich an Trump ab, überzog ihn mit allen Verwünschungen und Beschimpfungen, die mir verbal zur Verfügung stehen. Unterdessen wurde der gewindelte Geront kontinuierlich immer gefährlicher, vermochte es sogar, in den vier Jahren nach seiner verlorenen Wahl 2020 immer toxischer zu werden, der US-Demokratie immer mehr Schaden zuzufügen.

Spätestens nach dem 20.Januar 2025 dürfte klar sein, daß wir mit Donald Trump den toxischsten Parasiten der menschlichen Zivilisation erleben. Er zerstört alles: Demokratie, Frieden, die Weltgesundheit, das Klima, die Nato, die internationalen Institutionen, das Verhältnis zu den US-Alliierten, das Bildungssystem, die US-Army, ja sogar die Gebäude, Denkmäler, Naturschutzparks bis hin zum Weißen Haus, dessen gesamter Ostflügel niedergerissen wurde.

Mit vier Aspekten kann man Trumps destruktives Verhalten erklären:
Dummheit, Bösartigkeit, Psychose, Senilität.

Auf ihn trifft alles zu; in den letzten zehn Jahren stellte sich nur die Frage, wie stark was davon jeweils sein Handeln bestimmt. Und natürlich, wie man ihn stoppen und zur Rechenschaft ziehen könnte. Man hatte Hoffnungen auf die Demokraten, das Parlament, die Presse, die Impeachments, die Justiz und schließlich die Wähler gesetzt. Alle versagten, alle prallten an dem Teflon-Kriminellen ab.

Nach so langer Zeit, möchte ich heute das ewige Analysieren der Trumpschen Bösartigkeit beenden. Es hat keinen Sinn. Seine fanatischen Jünger mögen seine Borniertheit, seinen Egoismus, seine Lügen nicht erkennen. Aber für jeden Menschen bei Verstand, ist es vollkommen offensichtlich, daß Trump mental nicht geeignet ist, US-Präsident zu sein. Er ist nicht nur eine theoretische Gefahr für die USA und die Welt, nein er setzt sein Zerstörungswerk schon lange in der Praxis um. Darüber kann es keine zwei Meinungen mehr geben.

Ich wäre inzwischen sogar möglicherweise bereit, ihm Strafunmündigkeit einzuräumen, weil er geistig einfach zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Statt Prozessen und Knast, tut es auch eine Gummizelle in einem Pflegeheim.

Das ganz große Drama Amerikas und der Welt, ist für mich nicht mehr die Tatsache, daß Trump amtiert, sondern die Schande der Republikanischen Partei, die ihn über ein Impeachment oder Artikel 25 absetzen könnte und es nicht tut, sondern lieber sehenden Auges, die Nation in die Hölle stürzen lässt.

Donnerstag, 27. August 2026

Militärisches Alptraumszenario

Kriege sind einfach großartig – für die Rüstungsindustrie! Wenn minütlich Munition im Wert von Millionen verschossen wird, klingeln bei den Konzernen die Kassen. Die Trump-Familie und ihre Cronies, die das Insiderwissen schamlos ausnutzen und rechtzeitig entsprechende Aktien kaufen oder sich direkt bestechen lassen, werden märchenhaft reich.

[….] Die 100 weltweit größten Rüstungskonzerne haben 2024 Rekordeinnahmen von 679 Milliarden US-Dollar (etwa 585 Milliarden Euro) verzeichnet. Deren Umsatz aus dem Verkauf von Waffen und militärischen Dienstleistungen sei im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2023 um 5,9 Prozent gestiegen, hieß es in einem am Montag vom schwedischen Friedensforschungsinstitut Sipri veröffentlichten Bericht.

Überdurchschnittlich stark legten demnach die Umsätze der deutschen Rüstungskonzerne zu. Die vier deutschen Unternehmen in der Sipri-Rangliste Rheinmetall, Diehl, ThyssenKrupp Marine Systems und Hensoldt steigerten ihre Einnahmen aus Waffengeschäften um 36 Prozent auf 14,9 Milliarden Dollar (12,9 Milliarden Euro).  […..]

(BR, 01.12.2025)

Nach dem Umsatz-Rekordjahr 2025 gibt es nichts Schöneres, als einen weiteren Krieg, wie dem im Februar 2026 von Bibi und Taco angezettelten Iran-Krieg, den das Mullah-Regime aufgrund der sagenhaften Blödheit Washingtons de facto gewonnen hat.

Für die Menschen, die da lebten, wo all die Waffen einschlagen, ist es nicht ganz so schön.

Wenn die Opfer des Krieges keine weißen Christen sind, interessiert es Deutschland traditionell wenig. Merz und Wadephul machen bis heute keine Anstalten, Israel (wegen Gaza) oder die USA (wegen Iran) zu sanktionieren. Im Gegenteil, die Israelis machten "die Drecksarbeit" für die westlichen Verbündeten, lobte der christliche Fritzekanzler.

Die Ukraine, mit ihren weißen Todesopfern kümmert ihn schon und man darf annehmen, der 70-Jährige Großvater aus dem Sauerland, würde sich auch über lettische, estnische oder litauische Opfer grämen.

Genau das wird leider immer konkreter. Schon seit Jahren wird spekuliert, Putin könne „zu Testzwecken“ einen nordöstlichen NATO-Staat angreifen. Um 2030 wäre er militärisch bereit.

Offenkundig passiert das insbesondere deswegen bisher nicht, weil seine Armee viel stärker, als von ihm erwartet, in der Ukraine gebunden ist. Solange der russisch-ukrainische Krieg „heiß“ ist, sind die NATO-Staaten einigermaßen sicher.

Aus Kreml-Sicht darf aber nicht zu viel Zeit verstreichen, weil Europa aufrüstet und die Gefahr besteht, aber Januar 2029 seine besten Verbündeten zu verlieren: Donald Trump. Potus #48 könnte sich als NATO-treuer und Moskau-kritischer entpuppen. Spinnt man den Gedanken weiter, sollte Putin sein „Baltikum-Experiment“ nicht erst in fünf, sondern in ein bis zwei Jahren starten.

Genau dafür scheint es offenkundig so konkrete Hinweise zu geben, daß der CIA-Chef Radcliffe persönlich nach Moskau flog.

[….] Rätsel um Geheimbesuch: Warum die mysteriöse Moskaureise des CIA-Chefs so brisant ist [….]  Erst US-Präsident Donald Trump plapperte den prominenten Passagier am Mittwoch aus. [….] Doch der Besuch eines CIA-Chefs in der russischen Hauptstadt ist alles andere als Routine. Solche Reisen werden nur in geopolitischen Notlagen unternommen – zuletzt im November 2021, als William Burns, der damalige Direktor, nach Moskau flog, um den Machthaber Wladimir Putin persönlich davor zu warnen, die Ukraine militärisch zu überfallen. [….] Am Mittwochabend meldete  das »Wall Street Journal« schließlich unter Berufung auf informierte Kreise, Ratcliffe habe Russland gewarnt – und zwar vor einem Angriff auf einen Nato-Staat. Zuvor hatte die Zeitung über neue Erkenntnisse der US-Geheimdienste berichtet : Man fürchte, Putin wolle den Zusammenhalt der Allianz »in den nächsten Jahren« mit einer begrenzten Attacke auf ein Mitgliedsland testen. Die Szenarien reichten von einem Cyberangriff bis zur »Landinvasion in kleinem Maße«, »wahrscheinlich« in einem baltischen Staat. [….] Das Horrorszenario eines russischen Angriffs auf die Nato scheint noch weit hin. Doch Trump nahm die Hinweise darauf wohl so ernst, dass er den CIA-Direktor nach Moskau schickte – seine Delegation war die hochrangigste dort seit acht Monaten. [….] Die Lage scheint sich zugespitzt zu haben. »Normalerweise schicken die Amerikaner einen so hochrangigen Beamten nicht unangekündigt kurzfristig nach Moskau, es sei denn, es stimmt etwas nicht«, sagte  John Foreman, Ex-Militärattaché Londons in Moskau, dem Sender Radio 4. Die frühere US-Vizegeheimdienstchefin Beth Sanner malte sich Ratcliffes Botschaft so aus: »Wir wissen, worüber ihr nachdenkt, und ihr lasst es lieber sein«, sagte  sie dem »Wall Street Journal«.[….]

(Marc Pitzke, 27.08.2026)

Ob der Kreml sich vor US-Drohungen fürchtet, darf bezweifelt werden. Denn der Iran-Krieg spielt nicht nur den Rüstungskonzernen in die Hände, die ihre Produktion immer mehr hochfahren und immer mehr verdienen, sondern auch dem Kreml.

Zum Einen lenken der Irankrieg und die Hormus-Krise von Putins Überfall auf die Ukraine ab. Zum Anderen passt es bestens zur Putinschen Erzählung gegenüber des globalen Südens: Nato, EU und die USA wären enorme Heuchler mit ihrer Betonung von Recht und Demokratie. Natürlich verfängt das angesichts der Bilder aus Gaza,  des Raketenhagels auf den Iran und der Präsenz der US-Navy mit ihren vollkommen demoralisierten Seeleuten, die aus Frust über ihre eigene Führung über Bord springen. Der Iran-Krieg stärkt BRICS als Gegengewicht zum Dollar-Raum. Trumps Iran-Abenteuer führte zum atomaren MEKKA-Verteidigungsbündnis (Türkei, Saudi Arabien, Pakistan) in direkter Konkurrenz zur NATO. Noch interessanter für Russland ist aber, wie die parallelen Kriege die westlichen Arsenale leeren.

[….] Das US-Militär leidet in Europa offenbar unter einem »mehr als kritischen« Mangel an Raketenabwehrsystemen, der vor allem auf den Krieg von Präsident Donald Trump gegen Iran zurückzuführen ist. [….] Der US-Verteidigungsbeamte erklärte demnach gegenüber der Nachrichtenagentur, der besorgniserregendste Mangel betreffe vorwiegend Patriot-Abfangraketen, mit denen Russlands ballistische Hochgeschwindigkeitsraketen abgeschossen werden könnten. Der Nato-Beamte habe die geringen Bestände an Patriot-Raketen bei den amerikanischen und Nato-Streitkräften in Europa bestätigt. [….] Für die Nato-Länder in Europa könnte das schwerwiegende Folgen haben. Im Falle eines russischen Raketenangriffs, etwa auf ein Militärhauptquartier oder ein Kraftwerk, könnte sich die Nato in einer ähnlichen Lage wie die mit Patriot-Raketen unterversorgte Ukraine befinden und gezwungen sein, »einen Schlag nach dem anderen einzustecken«, zitiert die AP den US-Verteidigungsbeamten.

Und weiter: In Europa verfüge das US-Militär »definitiv« nicht über genügend Patriot-Raketen, um einen möglichen anhaltenden ballistischen Raketenangriff abzuwehren. [….]

(SPON, 27.08.2026)

Im Internationaler Frühschoppen zum Thema „Trumps Schlingerkurs - Chance oder Risiko für Europa?“ gruselte Christoph Schiltz, der Brüssel-Korrespondent der erzkonservativen WELT,(ab ca Minute 53) in seiner Antwort auf eine Zuschauerfrage mit dem Hinweis, es könne die Situation entstehen, in der simultan China Taiwan angreift und Russland einen Nato-Staat attackiert. In dem Fall wären die USA-Kräfte im Pazifik gebunden und Europa wäre mit runtergelassenen Hosen erwischt, während uns zudem die Munition ausgegangen ist. Die Nato spricht von dem „Two Theater“ Szenario.

[….] NATO’s Nightmare

The U.S. and Europe have no clear plan for a joint attack from Russia and China.

Western military planners do not seem eager to talk about their nightmare scenario, much less prepare for it. But they tend to agree on how it would begin: a coordinated, near-simultaneous attack on opposite sides of the planet, in which Russia targets a NATO member in Eastern Europe while China makes its move against Taiwan. The U.S. military would need to react on two fronts at once—three if it remains at war in the Middle East.

Until recently, this possibility sat at the more outlandish end of the threat spectrum, somewhere between a loose nuke and an alien invasion. Synchronized attacks would require a conspiracy too big for Beijing and Moscow to hide. Satellites would see their forces getting into position, giving the United States and its allies time to rally their defenses.

About a year ago, General Alexus Grynkewich, the top NATO commander in Europe, issued a rare public warning about the risk of a two-front war against Russia and China, and he called on European allies to help the U.S. prepare. But when I asked a range of military experts and strategists what the West would do in such a situation, the responses rang surprisingly hollow. Most of them expressed bewilderment and a bit of shame about how little has been done in recent years to study this risk in detail. [….]

(Simon Shuster, August 17, 2026)

Gäbe es Angriffe auf Litauen und Taiwan, während eine völlig unfähige US-Militärführung sich mit leeren Waffenarsenalen in Nahost mit dem Iran beschäftigt, könnten Putin und Xi sich die einst demokratische Welt bald untereinander aufteilen.

Mittwoch, 26. August 2026

Der alte orange Feigling

Sein berühmtes „You are fired!” stieß er bei NBC in seiner "The Apprentice"-Show nur unter kontrollierten Kamera-Bedingungen aus. Als realer Firmenboss und Politiker traut sich Trump nicht einmal das „You are fired!” den Gefeuerten direkt ins Gesicht zu sagen, sondern läßt ihm treu Untergebene die Kündigung überbringen.

Trump ist ein Feigling. Das war bei GI Bone Spurs, dem five Times Draft Dodger schon sein ganzes Leben so. Ihm gefällt es, sich selbst als harter, mutiger Mann zu inszenieren, der rücksichtslos durchgreift und so wurde er für ständige Rüpeligkeiten bekannt. Aber diese Attacken kommen entweder aus der Sicherheit seines nächtlichen Telefons in Form von Tweeds und „Truths“, oder aber aus einer absoluten Position der Stärke. Er, umgeben von Bodyguards und loyalen Cronies, poltert gegen Schwächere, die sich nicht wehren können: Frauen, Minderheiten, Arme, Queere. Seine Feigheit zeigt sich darin, wie er sich seine Mitarbeiter aussucht: Sie müssen alle extrem devot sein, dürfen ihm niemals widersprechen oder mit unangenehmen Wahrheiten konfrontieren, die sein zartes Ego verletzen können.

Er legt sich nicht mit mächtigen weißen Männern an, die es wagen, ihm direkt zu widersprechen.

Er spricht mit Wolodymyr Selenskyj nicht unter vier Augen Klartext, staucht ihn nicht zusammen, wenn er mit ihm allein ist, sondern nur im Oval Office, wenn er alle seine treuen Kabinettscronis als Unterstützung dabei hat, wenn JD Vance und Rubio auch auf Selenskyj eindreschen und treu ergebene FOX-Reporter den Ukrainer wegen seiner Kleidung angiften. Wenn sie mit Heimvorteil eine „viele gegen einen“-Situation schaffen.

Als es in seiner Amtszeit einmal eine größere Demonstration gegen Trump gab, verkroch sich der Feigling sofort in den Bunker unter dem Weißen Haus.

[….] As protesters gathered outside the White House Friday night in Washington, DC, President Donald Trump was briefly taken to the underground bunker for a period of time, according to a White House official and a law enforcement source.

The President was there for a little under an hour before being brought upstairs.

A law enforcement source and another source familiar with the matter tell CNN that first lady Melania Trump and their son, Barron, were also taken to the bunker.

The law enforcement source familiar with protocol said that if authorities moved Trump, they would move all protectees, meaning Melania and Barron.

The second source told CNN that “if the condition at the White House is elevated to RED and the President is moved” to the Emergency Operations Center “Melania Trump, Barron Trump and any other first family members would be moved as well.”  [….]

(CNN, 01.06.2020)

Als es rund um den NATO-Gipfel in der Türkei Drohungen aus dem nahen Iran gab, flüchtete Trump mit seiner Windel-Fachkraft Natalie Harp heimlich im Supplytruck und ließ Marco Rubio mit der restlichen Regierungsmannschaft und den Journalisten als Köder für iranische Raketen im Regierungs-Jumbo zurück.

[…] Als Trump im Juli den Nato-Gipfel in der Türkei verließ, schmuggelte ihn der Secret Service wegen angeblicher Mordpläne Irans mit einem riskanten Täuschungsmanöver außer Landes. Zugleich wurde seine ahnungslose Reisedelegation zur Zielscheibe.  [….]

(Marc Pitzke, 14.08.2026)

Regierungschefs, die nicht ganz so verblödet wie Friedrich Merz sind, verstehen längst, wie Trump tickt. Er reißt das Maul auf, um andere aus der Position US-amerikanischer Stärke einzuschüchtern, droht wüste Konsequenzen an, bis alle einknicken und das tun, was er will, egal wie dumm und schädlich es ist.

Wer sich aber nicht von dem Gebell der orangenen Töle verjagen lässt und standhaft bleibt, erlebt ziemlich sicher, wie sich der mächtigste Mann der Welt einnässt. Er wird nicht ohne Grund „der Gewindelte“ oder TACO genannt: Trump always chickens out.

Die Mullahs in Teheran wissen es, die kanadische Regierung offensichtlich auch.

[….] Die Kunst der Diplomatie gehört bekanntlich nicht zu den Stärken von Trump und seinen Leuten. Das kann man gerade erst wieder im Zollstreit mit Kanada sehen. Dort spult Donald Trump sein übliches Programm ab: Er droht, er eskaliert und überzieht die Nachbarn mit Schimpftiraden. Doch der Erfolg dieser Politik ist überschaubar, der kanadische Premierminister Mark Carney hält dagegen. Trumps Drohgebärden haben sich abgenutzt. Jeder weiß, dass er wahrscheinlich bald doch wieder einen Rückzieher macht.

Bis dahin richten Trumps Rambo-Methoden viel Schaden an, vor allem im eigenen Land. Die Zölle gegen Kanada stürzen die ohnehin angeschlagene US-Wirtschaft in noch größere Turbulenzen. Damit beschädigt Trump nicht zuletzt mutwillig die Erfolgschancen seiner Partei bei den bevorstehenden Zwischenwahlen im November.  [……]

(Ann-Kathrin Nezik, 25.08.2026)

Der liberale Mark Carney und der Doug Ford, der konservative Premierminister Ontarios, kuschen aber nicht vor Trump, sondern widersprechen ihm furchtlos.

Damit kann der gewindelte Geront absolut nicht umgehen.


Trumps Feigheit bleibt auch ein Problem bei seinen martialischen, von Superlativen strotzenden Drohungen gegen den Iran.

Er will die totalen Wirtschaftssanktionen, Teheran jede Lebensader abschneiden. Aber dem Oman und Syrien zu drohen ist das eine. Wirklich brutal und existenzbedrohend für die Mullahs, wären die Sanktionen nur wenn Trump auch alle mit dem Iran geschäftlich verbundenen Banken und den Hauptabnehmer Iranischen Öls sanktionierte.

Aber das sind finanziell mächtige Gegner, sowohl die Banken, als auch China. Staatspräsident Xi zeigte schon zuvor, daß er nicht einknickt und so weicht Trump auch diesmal feige vor dieser angekündigten Maßnahme zurück.

[…] Der von den USA angedrohte wirtschaftliche D-Day ist nur heiße Luft. Sanktionen gegen Banken wären ernstzunehmender. Doch die finden nicht statt. […] Sie sollten ein „ökonomischer D-Day“ sein, die neuen US-Sanktionen gegen die Islamische Republik Iran. Alle noch bestehenden finanziellen Rettungsleinen sollten dem Regime in Teheran gekappt werden, unter dem vollmundigen Namen „Operation Economic Outcast“, also „wirtschaftlicher Ausgestoßener“. Dutzende Individuen und Firmen sind betroffen, darunter Transportunternehmen und Zwischenhändler vor allem in China und Hongkong. Ihre Kosten dafür, weiter mit Iran Handel zu treiben, sollten dadurch deutlich erhöht werden.

Doch das Paket ist kein D-Day, sondern eine kalkulierte Mini-Offensive. Viele betroffene Firmen arbeiten eher regional in China und Hongkong, wie exponiert sie den US-Sanktionen sind, ist unklar. Außerdem können sie schnell durch ähnliche, bislang nicht designierte Firmen ersetzt werden. Wirklich haarig – und damit auch effektiv – wäre es geworden, wenn auch große, mit Iran arbeitende Banken in China sanktioniert worden wären.

Doch an die trauen sich die USA nicht heran, denn das würde einen offeneren Konflikt mit Beijing heraufbeschwören. Und davor scheinen die USA – trotz aller kampfeslustiger Rhetorik – doch zurückzuscheuen. […]

(Lisa Schneider, 25.08.2026)

Trump ist eben nur ein Hosenscheißer; im übertragenen und wörtlichen Sinne. Wer ihm die Stirn bietet, hat gute Chancen, zwar sein Gebell ertragen zu müssen, aber ohne die wirklich harten Konsequenzen davon zu kommen. Einen ökonomischen Frontalangriff auf Irans größten Ölabnehmer China traut sich das mit 40 Trillionen Dollar verschuldete Washington nicht, wenn die Midterms bevorstehen und die Wähler über die jetzt schon viel zu hohen Preise stöhnen.

[….] Es sollte ein „D-Day“ werden, eine Operation wie die Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie, die 1944 das Ende des Zweiten Weltkriegs einleitete. So hatten es US-Präsident Donald Trump und sein Finanzminister Scott Bessent vollmundig angekündigt. [….] Doch das, was Bessent dann am Montag bekannt gab, war kein „D-Day“. [….]  Der Trump-Minister fuhr zwar rhetorisch scharfe Geschütze auf. Er versprach, alle noch verbliebenen „Lebensadern“ des iranischen Regimes zu kappen und erst nachzulassen, wenn Teheran vollkommen allein dastehe. [….]  Aber eine Bazooka, um es in den Worten von Ex-Kanzler Olaf Scholz zu sagen, waren die Ankündigungen nicht. [….]

(Ann-Kathrin Nezik, 25.08.2026)

Dienstag, 25. August 2026

Kanada in die Europäische Union

Staatsrechtler mögen es für zu kompliziert halten, es mag auch sehr lange bis zu einer formalen Mitgliedschaft dauern. Aber so wie es bei militärischen Ukraine-Hilfe, abseits der NATO und der abtrünnigen USA, die sich nun auf die Seite der Angreifer Russland/Nord-Korea stellt, schnell eine zwar inoffizielle, aber effektive „Koalition der Willigen“ gab, sollte Kanada de facto in die EU aufgenommen werden. Vertreter Ottawas könnten auf EU-Sitzungen aller Ebenen als Gäste teilnehmen, in die Diskussionen eingebunden werden, ihr Handeln aufeinander abstimmen.

Lange Zeit waren Kanada und die USA aufgrund ihrer Nachbarschaft mit der langen gemeinsamen Grenze, der ähnlichen Geschichte und den vergleichbaren politischen Systemen, natürlich Verbündete. Die Wirtschaften beider Riesenstaaten sind eng verwoben, die Beziehungen der Kanadier und der US-Amerikaner zu einander freundschaftlich. Aber dann kamen Trump, seine Cronies und 77 Millionen Trumpanzees. Und Trump zerstört unter dem Jubel seiner Jünger alles, das gut ist.

[….] Kanada ist von der US-Wirtschaft abhängig – und umgekehrt. Trotzdem eskaliert der Handelsstreit. Auch weil US-Präsident Trump nun sogar Zölle auf Hockeyschläger verhängt.

 Wer verstehen will, wie eng Kanada und die USA miteinander verbunden sind, muss sich bloß ans Ufer des Detroit River stellen. Auf der nördlichen Seite liegt die Autostadt Detroit mit den Werken von Ford und General Motors. Gegenüber ragt das kanadische Windsor empor, wo sich etliche Autozulieferer angesiedelt haben. Dutzende Lastwagen donnern in jeder Minute über die mächtige Ambassador Bridge, die beide Städte verbindet, beladen mit Fahrzeugen und Fahrzeugteilen.

Es ist eine vollkommen verflochtene Industrieregion, durch die rein zufällig eine Grenze verläuft. Doch was jahrzehntelang zusammengewachsen war, droht jetzt zu zerfallen, nicht nur am Detroit River.

Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kanada haben an diesem Wochenende einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte die Gespräche mit den USA über einen Handelsdeal für gescheitert. Die US-Regierung habe in letzter Minute inakzeptable Änderungen gefordert, sagte Carney. Die USA erließen daraufhin neue Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe von kanadischen Importen. Carney kündigte wenig später Vergeltungszölle an. Er sprach von einem „Krieg“ und versprach, dass sein Land zurückschlagen werde, und zwar „Dollar für Dollar“.

Die beiden Nachbarländer sind damit in eine neue Phase ihres schon länger schwelenden Handelsstreits eingetreten: Alle Zeichen stehen auf Eskalation. Die neuen US-Zölle gelten für eine Vielzahl von kanadischen Gütern. Auf der Liste stehen so unterschiedliche Dinge wie Honig, Parfum, Plastikflaschen und Hundeleinen. Manche davon, etwa Milch- und Holzprodukte, sind für Kanada durchaus von Bedeutung. Andere, wie Hockeyschläger, dürften vor allem einen symbolischen Wert haben. Insgesamt importierten die USA im vergangenen Jahr Güter im Wert von 382 Milliarden Dollar aus Kanada. Die neuen Zölle treffen nur etwa fünf Prozent dieser Einfuhren, sie sind in ihrer Wirkung überschaubar. Trotzdem ist das Scheitern der Gespräche zwischen den beiden Ländern ein tiefer Einschnitt in ihre Handelsbeziehungen. Kanada ist für die USA der zweitwichtigste Handelspartner nach Mexiko. Die Kanadier sind hingegen von keinem anderen Land wirtschaftlich so abhängig wie von den USA. [….]

(Ann-Kathrin Nezik, 24.08.2026)

Sicher, die USA mit ihren 340 Millionen Menschen ist als größte Wirtschaftsmacht der Erde, zehnmal so mächtig wie Kanada mit seinen 40 Millionen Einwohnern. Aber das nördlichere Land mit seinem Staatsoberhaupt King Charles II., mit seiner gewaltigen Natur, die sich über 9.985.000 km² erstreckt, ist flächenmäßig zweieinhalb mal größer als die gesamte EU und verfügt über mehr Soft Skills. Kanada kann den USA durchaus weh tun.

MarK Carney wird international sehr geschätzt, Kanadas Bevölkerung gilt als die freundlichste der Welt. Damit sind sie das diametrale Gegenteil der in dieser Hinsicht sehr hässlichen USA und des Parias unter den Regierungschefs: Donald Trump. Unsere Bewunderung sollte Carney gelten. Er sollte unser Leitbild dabei sein, wie man mit dem Bully Trump und seinem Unrechtsstaat umgeht.

[….] Der kanadische Premier Mark Carney ist ein Mann der klaren Worte. [….] An jenen Sätzen, die Carney am Wochenende in Richtung von Donald Trump sagte, gibt es indes nichts misszuverstehen. Klarer kann man nicht auf die jüngste Provokation aus Washington reagieren, den Abbruch der Handelsgespräche und die neue Orgie an Zöllen, die Trump daraufhin verhängt hat. „Dollar für Dollar“ werde Kanada darauf mit Zöllen reagieren, verkündete Carney. Und weiter: „Wenn du angegriffen wirst, dann befindest du dich im Krieg – wir wurden angegriffen.“

Carney gelingt es sehr viel besser als den Europäern, sich Trump und dessen rüder Politik entgegenzustellen. Das war im Mai 2025 so, beim Antrittsbesuch im Weißen Haus, als er Trump, der das Nachbarland gern übernehmen würde, entgegenhielt: „Kanada steht niemals zum Verkauf.“ Und das war im Januar 2026 so beim Weltwirtschaftsforum in Davos, als er eine bemerkenswerte Rede hielt, die sich gegen die „Zwangsmittel“ und den Imperialismus der Großmächte (also gegen Trump) richtete.

Von dieser Klarheit könnten sich die Europäer etwas abschauen. [….]

(Ulrich Schäfer, 23.08.2026)

Trump und seine Administration sind purer Abschaum und sollten international geächtet werden; das sage ich gerade als US-amerikanischer Staatsbürger mit voller Überzeugung. Man umschmeichelt Trump auf internationaler Bühne, beim G7, in der NATO, beim G20 ausschließlich wegen der gewaltigen militärischen und ökonomischen Power der USA; weil zu viele Abhängigkeiten bestehen.

Ein schwächeres Land, das sich so verhielte, wäre längst mit schweren Sanktionen belegt.

Wir, die nicht autokratischen Staaten, können gegen den Aggressor USA nur bestehen, indem wir zusammenhalten, uns nicht auseinander dividieren lassen; unsere Handelsbeziehungen intensivieren und militärisch zusammenarbeiten.

Außer dem Fritzekanzler, der wie so oft intellektuell hoffnungslos überfordert ist, begreift das jeder.

[…] Weiter betonte der Kanzler, dass "America First" zwar akzeptabel sei, "aber America alone kann nicht in eurem Interesse sein".

Europa könne ein Partner der USA sein, "und wenn Ihr mit Europa nix anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner".

Diese Aussage von Merz stößt nun auf heftige Kritik: die Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brandner, schrieb in einem Beitrag auf X, dass "Merz mit einem Satz die komplette Errungenschaft seiner Partei für Europa über Bord wirft. Dabei bräuchten wir jetzt einen Kanzler, der wie kein anderer für ein starkes Europa kämpft. Denn nur zusammen können wir mit China oder den USA mithalten. Merz hätte einen echten Adenauer-Moment haben können - er hat ihn nicht nur verpasst, er hat ihn abgelehnt."

Auch im EU-Parlament wurde das Angebot des Kanzlers kritisiert. EU-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann beschuldigte Merz in einem Beitrag auf X, "mal wieder ein verheerend unklugen Satz" getätigt zu haben "in Zeiten, in denen ein geeintes Europa so wichtig ist wie nie zuvor."

"Merz wollte in Europa führen und schert jetzt aus, wenn’s eng wird. Das ist verantwortungslos. Trump lacht sich ins Fäustchen", so Strack-Zimmermann. […]

(Euronews, 10.12.2025)

Es ist ein echtes Unglück; ausgerechnet in dieser hochbrisanten internationalen Krisenzeit, wird das größte Land der EU von einem Deppen regiert, der lieber der eigenen EU ins Bein schießt, statt sie zu stärken.

Brüssel wäre gut beraten, stets das Gegenteil dessen zu tun, das aus dem Kanzleramt schallt. (Verbrennermotoren länger erlauben, Bibi Netanjahu nicht sanktionieren, russischen Seelachs erlauben, um die deutsche Fischstäbchenproduktion zu schützen, Lieferkettengesetz schwächen – von Merz kommt nur Unsinn.)

[….] So ist Donald Trump: Fügt der andere Staat sich nicht, greift er zum Hockeyschläger. Dieses kanadische Produkt belegt der US-Präsident nun mit einem neuen Einfuhrzoll. [….] Die deutliche Haltung Carneys hat anscheinend ausgelöst, dass Trump nun auch Importe verteuert, die bisher unter das bestehende Handelsabkommen zwischen USA, Kanada und Mexiko fallen. Nach kanadischer Lesart hat Washington außerdem versucht, dem nördlichen Nachbarn Vereinbarungen mit anderen Staaten zu erschweren – eine Einmischung in die außenpolitische Souveränität.

In solchen Forderungen zeichnen sich die Umrisse der neuen Weltordnung Trumps ab. Dazu gehört die Hegemonie über die sogenannte westliche Hemisphäre, zu der Washington auch Kanada zählt. [….] Dem US-Präsidenten gefällt es, die Welt zu chaotisieren. Kürzlich begründete er höhere Zölle mit dem lästigen Rauch von Waldbränden in Kanada. Im Übrigen betrachtet er das souveräne Land im Norden eigentlich als 51. Bundesstaat der USA, nach Grönland wäre es dann schon der 52.

Trump verhängt Zölle, setzt eine Ersatz-UNO für einen sogenannten Frieden im Gaza-Streifen ein, greift den Iran an, droht ihm mit kompletter Vernichtung, erklärt die Meerenge von Hormus zu US-Territorium und kumpelt mit Nordkoreas Atomdiktator. Der US-Präsident schafft neue Probleme, kreiert dysfunktionale Lösungen und lenkt von deren Misserfolg ab, indem er weitere Konflikte lostritt, die ebenfalls ohne Ausweg bleiben.

Das sind durchwachsene Aussichten für die Europäische Union, die ebenfalls ein Handelsabkommen mit den USA abgeschlossen hat. Für EU-Produkte gelten unterschiedliche Zölle zwischen 10 und 50 Prozent. Doch das kann sich ändern, wenn es der US-Regierung in den Kram passt. [….]

(Hannes Koch, 23.08.2026)

Kanada widersetzt sich Trumpmerica, Carney tut Trump weh. Wir, die EU, aber auch die anderen demokratischen Nationen; ich denke insbesondere an Australien, Neuseeland, die Südamerikaner, Mexiko, Japan, Südkorea und Südafrika; sollten Kanada dabei helfen, der Trump-Administration große Schmerzen zu bereiten. 

Dabei sind Doug Fords Vorschläge, insbesondere die „Red States“, die überwältigend Trump wählen, zu treffen. Es ist bedauerlicherweise richtig, Trumpamerica die Energie abzuknipsen. Die extrem feindlichen Annektierungs-Pläne aus dem Oval Office rechtfertigen das zweifellos; wir müssen an Kanadas Seite stehen.