Dienstag, 25. August 2026

Kanada in die Europäische Union

Staatsrechtler mögen es für zu kompliziert halten, es mag auch sehr lange bis zu einer formalen Mitgliedschaft dauern. Aber so wie es bei militärischen Ukraine-Hilfe, abseits der NATO und der abtrünnigen USA, die sich nun auf die Seite der Angreifer Russland/Nord-Korea stellt, schnell eine zwar inoffizielle, aber effektive „Koalition der Willigen“ gab, sollte Kanada de facto in die EU aufgenommen werden. Vertreter Ottawas könnten auf EU-Sitzungen aller Ebenen als Gäste teilnehmen, in die Diskussionen eingebunden werden, ihr Handeln aufeinander abstimmen.

Lange Zeit waren Kanada und die USA aufgrund ihrer Nachbarschaft mit der langen gemeinsamen Grenze, der ähnlichen Geschichte und den vergleichbaren politischen Systemen, natürlich Verbündete. Die Wirtschaften beider Riesenstaaten sind eng verwoben, die Beziehungen der Kanadier und der US-Amerikaner zu einander freundschaftlich. Aber dann kamen Trump, seine Cronies und 77 Millionen Trumpanzees. Und Trump zerstört unter dem Jubel seiner Jünger alles, das gut ist.

[….] Kanada ist von der US-Wirtschaft abhängig – und umgekehrt. Trotzdem eskaliert der Handelsstreit. Auch weil US-Präsident Trump nun sogar Zölle auf Hockeyschläger verhängt.

 Wer verstehen will, wie eng Kanada und die USA miteinander verbunden sind, muss sich bloß ans Ufer des Detroit River stellen. Auf der nördlichen Seite liegt die Autostadt Detroit mit den Werken von Ford und General Motors. Gegenüber ragt das kanadische Windsor empor, wo sich etliche Autozulieferer angesiedelt haben. Dutzende Lastwagen donnern in jeder Minute über die mächtige Ambassador Bridge, die beide Städte verbindet, beladen mit Fahrzeugen und Fahrzeugteilen.

Es ist eine vollkommen verflochtene Industrieregion, durch die rein zufällig eine Grenze verläuft. Doch was jahrzehntelang zusammengewachsen war, droht jetzt zu zerfallen, nicht nur am Detroit River.

Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kanada haben an diesem Wochenende einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte die Gespräche mit den USA über einen Handelsdeal für gescheitert. Die US-Regierung habe in letzter Minute inakzeptable Änderungen gefordert, sagte Carney. Die USA erließen daraufhin neue Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe von kanadischen Importen. Carney kündigte wenig später Vergeltungszölle an. Er sprach von einem „Krieg“ und versprach, dass sein Land zurückschlagen werde, und zwar „Dollar für Dollar“.

Die beiden Nachbarländer sind damit in eine neue Phase ihres schon länger schwelenden Handelsstreits eingetreten: Alle Zeichen stehen auf Eskalation. Die neuen US-Zölle gelten für eine Vielzahl von kanadischen Gütern. Auf der Liste stehen so unterschiedliche Dinge wie Honig, Parfum, Plastikflaschen und Hundeleinen. Manche davon, etwa Milch- und Holzprodukte, sind für Kanada durchaus von Bedeutung. Andere, wie Hockeyschläger, dürften vor allem einen symbolischen Wert haben. Insgesamt importierten die USA im vergangenen Jahr Güter im Wert von 382 Milliarden Dollar aus Kanada. Die neuen Zölle treffen nur etwa fünf Prozent dieser Einfuhren, sie sind in ihrer Wirkung überschaubar. Trotzdem ist das Scheitern der Gespräche zwischen den beiden Ländern ein tiefer Einschnitt in ihre Handelsbeziehungen. Kanada ist für die USA der zweitwichtigste Handelspartner nach Mexiko. Die Kanadier sind hingegen von keinem anderen Land wirtschaftlich so abhängig wie von den USA. [….]

(Ann-Kathrin Nezik, 24.08.2026)

Sicher, die USA mit ihren 340 Millionen Menschen ist als größte Wirtschaftsmacht der Erde, zehnmal so mächtig wie Kanada mit seinen 40 Millionen Einwohnern. Aber das nördlichere Land mit seinem Staatsoberhaupt King Charles II., mit seiner gewaltigen Natur, die sich über 9.985.000 km² erstreckt, ist flächenmäßig zweieinhalb mal größer als die gesamte EU und verfügt über mehr Soft Skills. Kanada kann den USA durchaus weh tun.

MarK Carney wird international sehr geschätzt, Kanadas Bevölkerung gilt als die freundlichste der Welt. Damit sind sie das diametrale Gegenteil der in dieser Hinsicht sehr hässlichen USA und des Parias unter den Regierungschefs: Donald Trump. Unsere Bewunderung sollte Carney gelten. Er sollte unser Leitbild dabei sein, wie man mit dem Bully Trump und seinem Unrechtsstaat umgeht.

[….] Der kanadische Premier Mark Carney ist ein Mann der klaren Worte. [….] An jenen Sätzen, die Carney am Wochenende in Richtung von Donald Trump sagte, gibt es indes nichts misszuverstehen. Klarer kann man nicht auf die jüngste Provokation aus Washington reagieren, den Abbruch der Handelsgespräche und die neue Orgie an Zöllen, die Trump daraufhin verhängt hat. „Dollar für Dollar“ werde Kanada darauf mit Zöllen reagieren, verkündete Carney. Und weiter: „Wenn du angegriffen wirst, dann befindest du dich im Krieg – wir wurden angegriffen.“

Carney gelingt es sehr viel besser als den Europäern, sich Trump und dessen rüder Politik entgegenzustellen. Das war im Mai 2025 so, beim Antrittsbesuch im Weißen Haus, als er Trump, der das Nachbarland gern übernehmen würde, entgegenhielt: „Kanada steht niemals zum Verkauf.“ Und das war im Januar 2026 so beim Weltwirtschaftsforum in Davos, als er eine bemerkenswerte Rede hielt, die sich gegen die „Zwangsmittel“ und den Imperialismus der Großmächte (also gegen Trump) richtete.

Von dieser Klarheit könnten sich die Europäer etwas abschauen. [….]

(Ulrich Schäfer, 23.08.2026)

Trump und seine Administration sind purer Abschaum und sollten international geächtet werden; das sage ich gerade als US-amerikanischer Staatsbürger mit voller Überzeugung. Man umschmeichelt Trump auf internationaler Bühne, beim G7, in der NATO, beim G20 ausschließlich wegen der gewaltigen militärischen und ökonomischen Power der USA; weil zu viele Abhängigkeiten bestehen.

Ein schwächeres Land, das sich so verhielte, wäre längst mit schweren Sanktionen belegt.

Wir, die nicht autokratischen Staaten, können gegen den Aggressor USA nur bestehen, indem wir zusammenhalten, uns nicht auseinander dividieren lassen; unsere Handelsbeziehungen intensivieren und militärisch zusammenarbeiten.

Außer dem Fritzekanzler, der wie so oft intellektuell hoffnungslos überfordert ist, begreift das jeder.

[…] Weiter betonte der Kanzler, dass "America First" zwar akzeptabel sei, "aber America alone kann nicht in eurem Interesse sein".

Europa könne ein Partner der USA sein, "und wenn Ihr mit Europa nix anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner".

Diese Aussage von Merz stößt nun auf heftige Kritik: die Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brandner, schrieb in einem Beitrag auf X, dass "Merz mit einem Satz die komplette Errungenschaft seiner Partei für Europa über Bord wirft. Dabei bräuchten wir jetzt einen Kanzler, der wie kein anderer für ein starkes Europa kämpft. Denn nur zusammen können wir mit China oder den USA mithalten. Merz hätte einen echten Adenauer-Moment haben können - er hat ihn nicht nur verpasst, er hat ihn abgelehnt."

Auch im EU-Parlament wurde das Angebot des Kanzlers kritisiert. EU-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann beschuldigte Merz in einem Beitrag auf X, "mal wieder ein verheerend unklugen Satz" getätigt zu haben "in Zeiten, in denen ein geeintes Europa so wichtig ist wie nie zuvor."

"Merz wollte in Europa führen und schert jetzt aus, wenn’s eng wird. Das ist verantwortungslos. Trump lacht sich ins Fäustchen", so Strack-Zimmermann. […]

(Euronews, 10.12.2025)

Es ist ein echtes Unglück; ausgerechnet in dieser hochbrisanten internationalen Krisenzeit, wird das größte Land der EU von einem Deppen regiert, der lieber der eigenen EU ins Bein schießt, statt sie zu stärken.

Brüssel wäre gut beraten, stets das Gegenteil dessen zu tun, das aus dem Kanzleramt schallt. (Verbrennermotoren länger erlauben, Bibi Netanjahu nicht sanktionieren, russischen Seelachs erlauben, um die deutsche Fischstäbchenproduktion zu schützen, Lieferkettengesetz schwächen – von Merz kommt nur Unsinn.)

[….] So ist Donald Trump: Fügt der andere Staat sich nicht, greift er zum Hockeyschläger. Dieses kanadische Produkt belegt der US-Präsident nun mit einem neuen Einfuhrzoll. [….] Die deutliche Haltung Carneys hat anscheinend ausgelöst, dass Trump nun auch Importe verteuert, die bisher unter das bestehende Handelsabkommen zwischen USA, Kanada und Mexiko fallen. Nach kanadischer Lesart hat Washington außerdem versucht, dem nördlichen Nachbarn Vereinbarungen mit anderen Staaten zu erschweren – eine Einmischung in die außenpolitische Souveränität.

In solchen Forderungen zeichnen sich die Umrisse der neuen Weltordnung Trumps ab. Dazu gehört die Hegemonie über die sogenannte westliche Hemisphäre, zu der Washington auch Kanada zählt. [….] Dem US-Präsidenten gefällt es, die Welt zu chaotisieren. Kürzlich begründete er höhere Zölle mit dem lästigen Rauch von Waldbränden in Kanada. Im Übrigen betrachtet er das souveräne Land im Norden eigentlich als 51. Bundesstaat der USA, nach Grönland wäre es dann schon der 52.

Trump verhängt Zölle, setzt eine Ersatz-UNO für einen sogenannten Frieden im Gaza-Streifen ein, greift den Iran an, droht ihm mit kompletter Vernichtung, erklärt die Meerenge von Hormus zu US-Territorium und kumpelt mit Nordkoreas Atomdiktator. Der US-Präsident schafft neue Probleme, kreiert dysfunktionale Lösungen und lenkt von deren Misserfolg ab, indem er weitere Konflikte lostritt, die ebenfalls ohne Ausweg bleiben.

Das sind durchwachsene Aussichten für die Europäische Union, die ebenfalls ein Handelsabkommen mit den USA abgeschlossen hat. Für EU-Produkte gelten unterschiedliche Zölle zwischen 10 und 50 Prozent. Doch das kann sich ändern, wenn es der US-Regierung in den Kram passt. [….]

(Hannes Koch, 23.08.2026)

Kanada widersetzt sich Trumpmerica, Carney tut Trump weh. Wir, die EU, aber auch die anderen demokratischen Nationen; ich denke insbesondere an Australien, Neuseeland, die Südamerikaner, Mexiko, Japan, Südkorea und Südafrika; sollten Kanada dabei helfen, der Trump-Administration große Schmerzen zu bereiten. 

Dabei sind Doug Fords Vorschläge, insbesondere die „Red States“, die überwältigend Trump wählen, zu treffen. Es ist bedauerlicherweise richtig, Trumpamerica die Energie abzuknipsen. Die extrem feindlichen Annektierungs-Pläne aus dem Oval Office rechtfertigen das zweifellos; wir müssen an Kanadas Seite stehen.

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