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Donnerstag, 15. Januar 2026

Grönland-Strategie

Aaron Parnas erzählte mir heute Morgen, es gäbe eine Kongressmehrheit für ein Trump-Impeachment, falls er es wagen sollte, militärisch gegen Grönland vorzugehen.

Das wäre sehr zu begrüßen, weil potus #48 Vance gleich ein bißchen mit-eingenordet wäre und wüßte, er könne sich nicht alles erlauben. Falls Trump einfach tot umfiele, ohne daß sich die GOPer je von ihm distanzierten, würde Präsident Vance einfach so weiter machen und wäre vermutlich sogar noch gefährlicher, weil er nicht so senil, wie der orange Prolet ist.

Allein; es handelt sich wohl wieder einmal um Wunschdenken. Die real existierenden Republikaner sind durch die Bank weg mikrotestikeläre Gummirücken, die immer schleimspurziehend zu seinen Füßen kriechen werden, während sie sich darum drängeln, seinen gewindelten flatulierenden Hintern zu küssen.

[….]  Republikaner im US-Senat knicken ein

Der Versuch der Demokraten, die militärischen Befugnisse Trumps zu beschneiden, ist gescheitert. Im US-Senat entscheidet die Stimme von Vize Vance.

Der Versuch, die Befugnisse von US-Präsident Donald Trump einzuschränken und mögliche weitere Militärschläge gegen Venezuela nur nach einer Abstimmung im Kongress zu erlauben, ist gescheitert.

Die republikanische Führung im US-Senat schaffte es, genug Se­na­to­r:in­nen davon zu überzeugen, gegen die sogenannte War Powers Resolution zu stimmen. Die Stimme von Vizepräsident J. D. Vance war ausschlaggebend, nachdem die Abstimmung im Senat mit einem Unentschieden von jeweils 50 Stimmen geendet hatte.  Die Abstimmung zeigt, dass die Republikaner knapp ein Jahr nach Trumps Amtsantritt noch nicht gewillt sind, dem Präsidenten Einhalt zu gebieten.   […]

(Hansjürgen Mai, 15.01.2026)

Wie soll es nun aber weitergehen mit Grönland, das der Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee der Welt völkerrechtswidrig annektieren will? Kein europäisches Land verfügt über die militärischen Kapazitäten, Trump aufzuhalten und der US-Kongress will ihn nicht stoppen.

Es könnte sein, daß ich in meinem gestrigen Posting über Grönland ein winziges bißchen Ironie durchklingen ließ und nicht vollständig zufrieden mit dem außenpolitischen Kurs der Bundesregierung war.

Die Merzsche und Wadephulsche Unterwürfigkeit gegenüber der Aggro-autokratischen US-Administration ist unerträglich. 13 deutsche Soldaten gegen die US-Army zu schicken, schien mir zunächst als größter Witz aller Zeiten.

24 Stunden später revidiere ich diese Einschätzung aber. Offensichtlich steckt die dänische Regierung mit ihrer fähigen sozialdemokratischen Regierungschefin Mette Frederiksen (48) dahinter.

Die Frau, die vom Bully Trump als „nasty“ beschimpft wird, weiß selbstverständlich, wie aussichtslos es ist, sich tatsächlich militärisch gegen den wildgewordenen Oberamerikaner zu behaupten. 99% der Amerikaner, darunter garantiert der Präsident, wären nicht in der Lage Dänemark auf einer Weltkarte zu finden. Sie wissen nicht nur nichts, über so kleine Europäische Länder, sie wollen auch nichts wissen.

Der Name Mette Frederiksen poppt ganz neu auf dem politischen Bildschirm der US-Newssender auf, weil Trump seiner kriminellen Grönland-Obsession frönt und sich dabei für USAner völlig überraschend herausstellte, daß es sich bei der Rieseninsel doch nicht um eine unbewohnte Einöde handelt, die niemanden gehört.

Miller und Vance tun weiter so, als ob es so wäre. Trump hetzte gestern gegen Kopenhagen, er habe gehört, Frederiksen plane, einen weiteren Hundeschlitten in Grönland zu stationieren.

Schlau zieht die dänische Regierungschefin die diplomatischen Register, indem sie immer wieder (zu Recht) betont, mit einem US-Angriff auf das Staatsgebiet eines NATO-Partners sei das Ende der NATO besiegelt. Das scheint tatsächlich Eindruck zu machen; selbst bei Republikanern. Versehentlich die NATO zerstören, wollen sie dann doch nicht so gern. Schon allein, weil sie Europa als militärischen Brückenkopf in den Nahen Osten und nach Russland brauchen. Bei allen Militäreinsätzen gegen Syrien, den Irak, Afghanistan, Libyen, Somalia, den Iran, spielen die US-Basen in Europa eine wichtige logistische Rolle. Insbesondere Ramstein in Deutschland mit seinem Militärkrankenhaus ist wichtig.

Dänemark fädelt es gut ein, wenn nun Soldaten aus verschiedenen europäischen Nationen nach Grönland geschickt werden. Gestern waren vier Länder bekannt – Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland.

Heute ziehen mindestens noch Holland und Frankreich mit.

Die alle zusammen haben immer noch nicht die geringste Chance gegen die USA.

[….] "Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des Präsidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben", sagte die Regierungssprecherin von US-Präsident Donald Trump, Karoline Leavitt, vor Journalisten im Weißen Haus. […]

(NTV, 15.01.2026)

Leavitt und Trump sind, wenig überraschend, viel zu dämlich, das Problem zu begreifen.

 

Was würde passieren, wenn Trump militärisch zugreift?
Nuuk hätte nichts entgegen zu setzen, die paar Franzosen und Holländer wären ebenfalls schnell erledigt.

Aber indem die USA dann gezwungen wäre, direkt die Soldaten der NATO-Partner zu attackieren, wäre es auch unwiederbringlich das Ende der NATO. Berlin, Paris und London könnten sich keinen schlanken Fuß mehr machen und müssten das Bündnis auflösen.

Etwas anderes könnte man nicht mehr rechtfertigen. De facto ist die Trump-NATO jetzt schon erledigt, weil sich niemand mehr darauf verlassen kann, ob die USA zu Artikel 5 stehen.

[…] Es heißt, die Nato ist erledigt, sollten sich die USA Grönland einverleiben. Doch sie ist es wohl schon. Europa hat keine überzeugende Antwort darauf.

[…] Vor vier Jahren pilgerten europäische Politiker nach Moskau und versuchten, Wladimir Putin vom Einverleiben der Ukraine abzubringen – vergeblich. Heute pilgern andere europäische Politiker nach Washington und versuchen, Donald Trump von seinen Übernahmeplänen für Grönland loszueisen – mit offenem Ausgang. Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal reimt sie sich, wie einst der US-Schriftsteller Mark Twain schrieb.

Die Nato sei am Ende, sollten die USA Grönland und damit das Staatsgebiet des Nato-Mitglieds Dänemark angreifen, heißt es. Ist sie das nicht schon? Trump sagt, Grönland müsse vor Russland und China geschützt werden, und das gehe nur, wenn es Teil der USA sei. Das kann nur heißen: Trump schützt ausschließlich US-Staatsgebiet. Andere Länder nicht, also auch keine Nato-Verbündeten, und Grönland ist Nato-Territorium. Die wichtigste Grundlage der westlichen Militärallianz – dass Nato-Mitglieder im Ernstfall unter US-Schutz stehen – ist unter diesem US-Präsidenten praktisch eingefroren. […]

(Dominic Johnson, 15.01.2026)

Mit dem formalen Ende der NATO beginnen aber viele amerikanische Probleme. Die US-Army müsste ihre europäischen Basen räumen – ein Alptraum für die US-Generäle, die damit ihre Schlagkraft in Nahost, dem Baltikum und dem Mittelmeerraum verlören.

Der raffgierige Trump hofft offenkundig, im Gegenzug durch die Ausbeutung grönländischer Bodenschätze, reich zu werden. Das ist aber nur eine gedankliche Option, wenn man total verblödet, wie die Trumpanzees ist.

Denn abgesehen davon, daß gar nicht sicher ist, was wo im Grönländischen Boden steckt: Das Riesenland ist infrastrukturell nicht erschlossen. Es müsste unter aberwitzigem Aufwand, ein kilometertief durchgefrorenes Land mit  2.166.086 km2 Fläche, also mehr als sechs Mal so groß wie Deutschland (348.672 km2) erschlossen werden. Mit Häfen, Krankenhäusern, Kraftwerken, Straßen und Flughäfen versehen werden. Kein US-Unternehmen könnte die Investitionen stemmen und die Republikaner würden sich bedanken, wenn Trillionen Steuergelder nach Grönland flössen. Im besten Fall fände man tatsächlich Erze mit Seltenen Erden. Die müsste man zum Raffinieren aber nach China schicken, weil die USA nicht über die Technologie verfügen. Und wieso sollte Peking dabei helfen, sich eine Konkurrenz zu schaffen?

Samstag, 29. November 2025

Bürde Binnenbundesland

 

Das tut Bundesländern nicht gut, wenn sie nur von Deutschland umgeben sind.

Ja, auch Hamburg ist ein Binnenbundesland, aber als größter deutscher Hafen, ist die Freie und Hansestadt Hamburg per Definition internationalisiert. Ähnliches gilt für Bremen. Auch Berlin ist durch den Status als Hauptstadt partiell internationalisiert.

Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sind da schon ganz andere Kaliber. Sie fallen alle drei durch eine besonders unangenehm Rechtsaußen stehende CDU auf.

Die beiden Letztgenannten sind als Ossiländer auch noch die Nazi-Hochburgen Deutschlands. 40% AfD in Umfragen, baldige Nazi-Regierung durchaus möglich.

Deutschlands erfolgreichster Fettnapf-Sucher Merz wurde auch in SA fündig und sprang mit Wonne hinein:

[…]  Nach einer ganzen Weile, als Friedrich Merz bereits den Bogen von Donald Trump über Russland zur Bundespolitik geschlagen hat, sagt der Bundeskanzler einen merkwürdigen Satz: »Ich hatte das große Glück, im Westen geboren zu sein.« 

Er sagt diesen Satz in Ostdeutschland, auf dem CDU-Landesparteitag in der Hyparschale am Magdeburger Elbufer. Und es wäre durchaus nachvollziehbar, würden viele Anwesende sich vor den Kopf gestoßen fühlen: Da sagt ein westdeutscher Millionär und Machtmensch einen Satz, den man als Abwertung ostdeutscher Biografien interpretieren könnte. […] Eigentlich hat der Bundeskanzler derzeit wichtigere Termine als einen Landesparteitag in einem Bundesland mit rund zwei Millionen Einwohnern. Unter normalen Umständen jedenfalls. Aber hier, im ländlich geprägten Sachsen-Anhalt, sind die Umstände nicht mehr normal: Der CDU droht bei der Landtagswahl in gut neun Monaten ein Desaster, erstmals seit 1945 könnten Rechtsextremisten eine Regierung in Deutschland bilden.

Und es bliebe an Merz haften, dem Kanzler und Chef der vielleicht letzten Volkspartei, der die Verfassungsfeinde nicht stoppen konnte.

Die Ausgangslage in Sachsen-Anhalt ist dramatisch. Derzeit steht die AfD in Umfragen bei etwa 40 Prozent, weit vor den Konservativen, und angesichts der miserablen Umfragewerte fast aller anderen Parteien könnte das womöglich schon zur absoluten Mehrheit reichen: FDP, Grüne, SPD und BSW liegen derzeit rund um die Fünfprozentmarke. Sollten alle vier Parteien an dieser Hürde scheitern, hätte die AfD auch mit deutlicher weniger als der Hälfte der Stimmen die meisten Sitze im Parlament.  [….]

(SPON, 29.11.2025)

 Einen Zweikampf mit der AfD haben wir schon in vielen Ossi-Landtagswahlen erlebt.

Taktische Wähler, die eigentlich SPD, Grünen, FDP, Linken oder BSW nahestehen, wählen mit der geballten Faust in der Tasche CDU, obwohl sie Sven Schulze nicht leiden können. Aber er ist das kleinere Übel als die Nazis.

Ich habe es immer unterstützt, strategisch und nicht parteipolitisch zu denken. Manchmal kann man sich den Luxus nicht leisten, seine Lieblingspartei zu wählen, sondern muss für ein Übel stimmen, um das noch größere Übel zu stoppen.

In diesem Fall ist das aber ein hochriskantes Spiel, da außer den beiden rechten Großparteien, alle Sachsen-Anhaltiner so schwach sind, daß sie in der 5%-Hürde hängenbleiben könnten, wenn sich einige ihrer Anhänger aus demokratischer Verantwortung dazu durchrängen, CDU zu wählen.

Landen SPD, Grüne, BSW bei 4% und die FDP bei 3%, sowie die „Sonstigen“ zusammen bei 5%, fehlen 20% der abgegebenen Stimmen im Landtag, die anteilig AfD, CDU und Linken zugeschlagen würden. Holocaust-Verharmloser Ulrich Siegmund könnte mit 40% die absolute Mehrheit der Sitze bekommen.

In Höckestan sehen die Umfragen genauso gruselig aus, auch hier ist eine absolute Nazi-Sitzmehrheit möglich. Zum Glück wird in Thüringen aber erst im Sommer 2029 gewählt.

Unterdessen blamieren sich Ministerpräsident Voigt und seine wackelige Null-Stimmenmehrheits-Koalition aus CDU, SPD und BSW nach Herzenslust mit NS-Werbeslogans.

[….] Thüringen, so spottete der Kabarettist Rainald Grebe , sei »eines von den schwierigen Bundesländern«. Im Thüringer Wald würden zur winterkalten Stunde noch Hunde nach altem Rezept gegessen. Es sei »das Land ohne Prominente«, reduziert in seiner Größe »auf Würste und Klöße«. Und niemand außerhalb von Thüringen kenne es.

Die Staatskanzlei von Thüringens Regierungschef Mario Voigt (CDU) will das dringend ändern. Das Marketing des Bundeslandes wird umgekrempelt, statt »Das ist Thüringen« und »Thüringen entdecken« will die Landesregierung künftig mit dem eingängigen Slogan »Das Grüne Herz Deutschlands« für sich werben. Kleiner Schönheitsfehler: Der Spruch stammt von einem völkisch angehauchten Schriftsteller und fand bereits unter den Nazis breite Verwendung.

Voigts Regierungszentrale hat gerade die Ergebnisse einer umfassenden Markterkundung vorgestellt. Demnach würden 88 Prozent der befragten Thüringer das »Grüne Herz« kennen und 86 Prozent den Claim »als sehr oder eher positiv« bewerten. [….] Der Stolz ist nicht im ganzen Freistaat verbreitet. Schon während der Coronapandemie, als erstmals die Rückkehr zur alten Werbeformel diskutiert wurde, meldete sich der einstige Chef des Weimarer Hauptstaatsarchivs mit Zweifeln. Bernhard Post verwies auf die Herkunft des Slogans, der dem Heimatschriftsteller August Trinius zugeschrieben wird und zuerst 1897 auftaucht. Ihm und anderen Wanderfreunden seiner Zeit wird von Historikern ein völkisch, also radikal-nationalistisch getöntes Heimatbild nachgesagt. [….] Später übernahmen die Nationalsozialisten den Slogan. Post fand bei seinen Recherchen das Titelbild der »Wirtschaftsblätter für den Gau Thüringen« aus dem Jahr 1941. Dort wird über die Frühjahrsmesse berichtet, das Grüne Herz prangt direkt neben dem Hakenkreuz – mit der Aufschrift »Kauft Thüringens Werterzeugnisse«. [….] Zu allem Überfluss hatte die Wehrmacht unter dem Kommando eines Thüringers ein Jagdgeschwader mit dem Beinamen »Grünherzjäger«. Die Flugzeuge brachten den Tod mit einem grünen Herzen auf dem Flugzeugrumpf. [….]

(Steffen Winter, 29.11.2025)

Thüringen, das braune Kemmerich-Herz Deutschlands, in dem sich Geschichte wiederholt.

[….] Thüringen war auch das Land, in dem erstmals ein Faschist mitregierte. Wilhelm Frick, ein führender Politiker der NSDAP, der 1923 in München zusammen mit Hitler erfolglos gegen die Weimarer Republik geputscht hatte, wurde hier bereits im Januar 1930 zum Staatsminister für Inneres und Volksbildung ernannt. Das Land diente den Nazis als ein breites Rekrutierungsfeld von Antidemokraten aller Art. Hier konnten sie ihre rassistischen und menschenfeindlichen Diktaturmethoden erproben, hier begann ihre Herrschaft nicht erst am 30. Januar 1933, sondern bereits im August 1932.  [….]

(Jacobin, 30.03.2023)

Montag, 9. Oktober 2023

Rechtspopulistisches Versagen

 Es ist ein Glück. Durch die heute nahezu jedem zur Verfügung stehenden Technik, kann man das Weltgeschehen live und in Farbe über ein nur wenige Gramm schweres 6-Zoll-Gerät verfolgen und sich dabei umfassend informieren.

Es ist ein Pech. Durch die heute nahezu jedem zur Verfügung stehenden Technik, kann man das Weltgeschehen live und in Farbe über ein nur wenige Gramm schweres 6-Zoll-Gerät verfolgen und dabei unweigerlich in Depressionen verfallen.

Nach den gestrigen Wahlen und den grauenvollen Bildern aus Israel, ist wieder einer dieser Tage, an denen man sich eine Auszeit von der Welt wünscht, die aber nun einmal unmöglich ist.


Die Konsequenzen der rechtspopulistischen Spalter in Regierungsverantwortung – Trump in Washington und Natanyahu und Jerusalem – erleben wir jetzt.

[…..] Israels Präsident Izchak Herzog geht davon aus, dass seit dem Holocaust nicht mehr so viele Juden an einem Tag getötet worden sind, wie bei den Terrorattacken der Hamas am Samstag. Eine konkrete Zahl nannte der Präsident nicht. „Seit dem Holocaust haben wir nicht mehr erlebt, wie jüdische Frauen und Kinder, Großeltern – sogar Holocaust-Überlebende – in Lastwagen gepfercht und in die Gefangenschaft gebracht wurden“, sagte er in einem auf X zu sehenden Video.

Auch unschuldige Muslime und andere Gläubige hätten die Hamas-Anhänger gefoltert. Ganze Familien seien kaltblütig ermordet worden. „Wir werden mit voller Kraft und unerschütterlichem Engagement handeln, um diese Bedrohung für unser Volk zu beseitigen“, so der Präsident. Hamas habe die Grausamkeit des sogenannten Islamischen Staates übernommen. Die Angreifer seien kaltblütig in Häuser eingedrungen und hätten ganze Familien ausgelöscht. Dies alles zeuge von der Brutalität, Unmenschlichkeit und Barbarei von Monstern. „Nicht von Menschen, Monstern“, setzte Herzog nach.  [….]

(SZ live, 09.10.2023)

IQ45 hatte seinen zutiefst korrupten und menschenfeindlichen Schwiegersohn eingesetzt, um, wie Trump offenbar glaubte, mal eben den Nahost-Konflikt zu lösen.

Jerusalem als Hauptstadt anerkannt, um die Hamas maximal zu reizen.

Aber die Welt ist nicht so einfach, wie es sich ein ungebildeter Golfer aus Florida vorstellt. In Kombination mit Bibi, dem rechtsradikalen Antidemokraten mit schwerer Macht-Hybris, wurde ein toxisch-tödliches Gemisch angerührt. Es scheint wirklich so zu sein, wie Stephan Stetter von der Bundeswehr-Uni in den Tagesthemen vom 07.10.2023  andeutete; die israelischen Geheimdienste waren womöglich gar nicht so ahnungslos und haben ihre Regierung durchaus gewarnt. Allein, die rechtsradikalen Irrem Im Bibi-Kabinett hatten anderes zu tun.

[…..] Das pogromartige Gemetzel, das die islamistische Hamas am vergangenen Samstag an israelischen Zivilisten veranstaltet hat, ist in der Geschichte des Landes einzigartig. Die Verantwortung dafür tragen allein die palästinensischen Terroristen. Doch dass sich Israel in solch einer Situation wiederfindet, nämlich geschwächt, überrascht, attackiert, hat viel mit der Politik des israelischen Premiers Benjamin Netanyahu zu tun.

Netanyahu ist klarer Gegner einer Zweistaatenlösung. […..] Damit teilt er ein Ziel mit der ideologischen Siedlerbewegung. Auch sie will das Gebiet behalten, aber aus theologischen Gründen: Weil es Teil des von Gott an die Juden verheißenen Landes sei. Diese Gründe interessieren ihn weniger. Und doch unterstützt er die Siedler seit den Anfängen seiner politischen Karriere. […..] Da Netanyahu stets klar war, dass eine offizielle Annexion des Westjordanlands weder von den USA noch von einem Großteil der weiteren Staaten akzeptiert werden würde, ließ er sie inoffiziell geschehen. […..] Gleichzeitig aber betrieb er eine Politik des »divide et impera«, des Teilens und Herrschens. Er begrüßte die Spaltung der Palästinenser in zwei Lager: mit Palästinenserpräsident Abbas im Westjordanland auf der einen Seite und der radikal-islamischen Hamas in Gaza auf der anderen Seite. Sie führte zu einem kompletten Stillstand des Friedensprozesses. Das wiederum war Netanyahu wohl nur Recht. Dass man auf Dauer ein Volk mit knapp sechs Millionen Menschen nicht unter Besatzung halten kann, ließ er unter den Tisch fallen. […..] Der Überfall der Hamas am vergangenen Samstag hat diesen Friedensvertrag in weite Ferne gerückt. Und bewiesen, dass Netanyahus Politik der reinen Krisenverwaltung nicht funktioniert. […..] Dass eine Explosion in den Palästinensergebieten kommen würde, davor hatten Geheimdienste und Militärs schon lange gewarnt. Nach dem Wahlsieg im vergangenen November, der Benjamin Netanyahu nach knapp anderthalb Jahren wieder zurück an die Macht brachte, schmiedete er die rechtsextremste und ultrareligiöseste Koalition in der Geschichte des Staates Israel. […..] Nicht nur die Kampfkraft der Armee begann zu leiden, schlimmer noch: Die Feinde Israels beobachteten genau, wie sich Israel innenpolitisch selbst zerlegte. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand in der Nachbarschaft Israels diese Situation ausnutzen würde, war groß. Genau davor hatten die Militärs Angst. Wie desinteressiert Netanyahu war, zeigte sich Anfang Juli, als kurz vor der Verabschiedung eines ersten Gesetzes der Justizreform Generalstabschef Herzl Halevi seinen Premier in der Knesset aufsuchte, um ihn über die Sicherheitslage zu briefen. Netanyahu weigerte sich, vor der Abstimmung für das Gesetz mit Halevi zu reden.

Netanyahu schien sein eigenes Wohl wichtiger zu sein als das des Landes und seiner Bürger. Und um an der Macht zu bleiben, um eines Tages seinen Prozess beenden zu können, gab er seinen Koalitionspartnern, was auch immer sie forderten. Sie hatten ihn in der Hand, allen voran der rechtsextreme Nationale Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich. Letzterer gibt der Siedlerbewegung immer mehr Geld, um immer schneller neue Siedlungen zu bauen, um die Annexion des Westjordanlands voranzutreiben. Smotrich und Ben-Gvir machen keinen Hehl aus ihren Plänen. Die Folgen dieser Politik waren unübersehbar. Immer häufiger kam es zu Anschlägen von palästinensischer Seite, immer härter griff die Armee durch. Die Zahl der Toten auf beiden Seiten wuchs. Und ebenso wuchs die Selbstermächtigung der radikalen Siedler, die nun zwei der ihren in der Regierung wussten. […..]

(Richard C. Schneider, 09.10.2023)

Ja, sicher, kurzfristig stehen Israelis zusammen. Sie spenden alle Blut. Stellen sich ohne Wenn und Aber hinter ihre Armee und die Regierung. Aber sie werden den Blutzoll aus dem Oktober 2023 nicht vergessen, die Demütigung verinnerlichen und Netanyahu künftig auch an den mutmaßlich weit über 100 israelischen Geiseln in der Hand der Hamas messen.

[…..] Der israelische Staat hat gleichzeitig sein Grundversprechen auf Abschreckung und Verteidigung vernachlässigt. Die Sicherheit der Grenzen und der Schutz durch die Freunde waren geschwächt. Das Land, das stets und vor allem anderen darauf achten musste, möglichst wenig verwundbar und angreifbar zu sein, war abgelenkt. […..] Premierminister Benjamin Netanjahu mag sich noch so sehr als eiserner Beschützer gerieren. Aber seine Machterhaltungsstrategie der vergangenen Jahre, die obskuren Winkelzüge im Koalitionsspiel und die ideologische Polarisierung des Wahlvolks haben Israel gefährdet. Eine Bevölkerung von nicht mal zehn Millionen Menschen kann sich die Spaltung nicht erlauben, die Netanjahu aus niedrigem, politischem Überlebensinstinkt befeuert hat. Die Verfassungskrise hat den Bruch zwischen der radikalen Netanjahu-Front samt ihrer obskuren Koalition und den Institutionen des Staates sichtbar gemacht. Militär und Sicherheitsapparat haben sich Netanjahu offen verweigert. Die Spaltung des Landes verläuft mitten durch die Dienste. Das hat sie geschwächt und ihren Fokus verschoben. […..] Auch die Bedingungen in Israels Nachbarschaft haben sich zu Ungunsten des Landes verändert. Die von Donald Trump willkürlich inszenierte Abraham-Übereinkunft zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bahrain hat Israel freie Hand in der Siedlungspolitik gegeben. Palästinensische Interessen wurden dabei marginalisiert und ignoriert. Die arabischen Staaten haben diesem seltsamen Deal zulasten Dritter zugestimmt, weil sie einen Vorteil daraus zogen: Isoliert wurde vor allem Iran, ihr Gegner und die Patronatsmacht von Hamas und Hisbollah. So geriet der Gazastreifen zum weißen Fleck auf der Landkarte, eine terroristische Brutstätte unter iranischer Obhut. Der Terrorangriff belegt nun brutal, wie undurchdacht und kurzlebig diese Verabredung war. Die Sympathien vieler Araber werden am Ende wie stets den Palästinensern gelten, der Hamas-Terror wird zum heldenhaften Widerstand stilisiert. Dass es vor allem diese Organisation ist, mit der kein Frieden zu finden ist und die auf dem Rücken der Gaza-Bewohner ihr Mordgeschäft betreibt, geht im Schlachtenlärm unter. […..]

(Stefan Kornelius, SZ, 09.10.2023)

Tom Segev berichtet ebenfalls von dem schweren Versagen seiner Regierung. Eine starke Arme zu haben, ist das eine. Aber eine zutiefst inkompetente rechtsradikale Regierung zu haben, das andere.

[…..]  Als der Historiker am Tag zuvor um sechs Uhr früh in seiner Wohnung in Jerusalem Sirenen und Raketenalarm gehört hatte, schaltete er den Fernseher ein, ehe er in den Schutzbunker flüchtete. Beim Anblick der Bilder habe er zuerst gedacht, es handle sich um einen der vielen Filme über den Jom-Kippur-Krieg, die in den vergangenen Wochen ausgestrahlt wurden, sagt Segev. Immer wieder habe es geheißen, so etwas könne erneut drohen. "Offenbar hat man sich nur theoretisch damit beschäftigt, aber nicht für den Ernstfall vorbereitet. Es ist genauso eine Situation wie 1973."

Segev ist einer der international bekanntesten israelischen Historiker, er hat Standardwerke zur Geschichte seines Landes verfasst und sich intensiv mit der Zeit der Staatsgründung 1948 und mit den nachfolgenden Kriegen auseinandergesetzt. Er verweist darauf, dass auch dieser Krieg 1973 mit einem Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens am 6. Oktober, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, auf dem Sinai und den Golanhöhen, begonnen hatte. […..] "1973 haben die Dinge in Israel nicht funktioniert. Jetzt ist es wieder so", sagt Segev. Eine Milliarde Euro habe man in den angeblich sichersten Grenzzaun investiert. "Und dann kommen die Jungs aus dem Gazastreifen mit einem Bulldozer und reißen das einfach weg." […..]

(SZ, 08.10.2023)

Die militärische Aufgabe, die vor der politischen Führung liegt, scheint ohne schwere Verluste und Menschenrechtsverletzungen nicht lösbar zu sein. Militärexperten geben äußerst düstere Prognosen.

[…..] Wenn Israel die Kontrolle über sein eigenes Territorium zurückerlangt hat, beginnt die heiße Phase der Bodenoperation. Dabei wird Israel sich aller Wahrscheinlichkeit zunächst auf die Befreiung der israelischen Geiseln konzentrieren. Sollte der Geheimdienst Informationen darüber haben, wo sich die Geiseln aufhalten, werden wohl zunächst Spezialkräfte in Gaza operieren, um diese zu befreien. Erst danach würde es zu einer massiven Bodenoffensive kommen, die im urbanen Gelände stattfindet und aller Wahrscheinlichkeit nach einen hohen Blutzoll nach sich ziehen wird - auch auf israelischer Seite. […..] Unklar ist, was nach einer erfolgreichen Bodenoffensive (die Monate dauern kann) passieren wird. In Israel gibt es durchaus Stimmen, die fordern, den Gazastreifen erneut zu besetzen.

Man sollte sich dabei aber keine Illusionen machen. Eine dauerhafte Besetzung des dichtbesiedelten Fleckens der Welt würde jahrelange Spannungen und terroristische Aktivitäten gegen Israel in Gaza und in Israel nach sich ziehen. Deshalb erscheint es eher unwahrscheinlich, dass Israel diese Option ernsthaft ins Auge fasst.

Doch Israel kann sich nicht nur auf die Operation in Gaza konzentrieren. Es muss auch sicherstellen, dass keine ihm feindlich gesonnenen Akteure eine zweite Front eröffnen. Und diese zeichnet sich gerade im Libanon ab, wo die Hisbollah Raketen auf den Norden Israels abfeuert. Und auch aus Syrien könnte die Gefahr einer Eskalation gegenüber den Golanhöhen drohen.  [……]

(Carlo Masala, ZDF, 09.10.2023)

Es ist vielleicht der einzige winzige Lichtblick der Katastrophe, daß die Israelischen Wähler endlich erkennen mögen, wohin ihr Dauerregierungschef Netanyahu sie steuert. Möge er endlich abgewählt und durch den Verlust seiner Regierungsimmunität genau wie sein amerikanischer Orange-gesprühter Zwilling im Knast verrotten.

[…..] Geschwächt war der israelische Sicherheitsapparat diesmal durch die innenpolitischen Konflikte, überdehnt durch die irregeleitete Siedlungspolitik der rechtsreligiösen Regierung, die mehr Militär als je zuvor im Westjordanland gebunden hat. Die Regierung wiegte sich dennoch in trügerischer Sicherheit, nachdem selbst Saudi-Arabien zu einem politischen Ausgleich bereit zu sein schien. Die Hamas und zweifelsohne ihre Helfer in Iran haben diese doppelte Angreifbarkeit erkannt, sie wollten Israel treffen und dem saudischen Herrscher die Macht der Straße vor Augen führen.  […..]

(Stefan Kornelius, SZ, 10.10.2023)

Was für ein Desaster!

Donnerstag, 31. März 2022

Die Hepatitisgelben und die Liebe zum Virus.

 

Die Stiko sagt nicht so klar, ob und wann jemand wie ich (unter 60, doppelt geimpft, Omikron-genesen) eine Auffrischungsimpfung („Booster“) braucht.

In dem Pflegeheim, das ich regelmäßig besuche, sind aber alle Bewohner und das Personal schon vierfach geimpft; da wollte ich nicht nachstehen und auf Nummer sicher gehen.

Also ergoogelte ich gestern einen Termin und war schon heute, um 16.30 Uhr dran.

Das ging zackig und zentral in der Impfambulanz der Uniklinik.

Schnell tauchte der Impfmann auf, ein junger Sportarzt, netter Typ, der gar nicht nach Stiko-Empfehlungen fragte. „2 Biontech + 1 Omikron haben Sie?“, da passe doch Moderna gut dazu. Mutmaßlich vertrüge ich das auch besser, da der Moderna-Booster nur die halbe Dosis sei.

Nebenan kam dann eine Studentin, die mich piekste und erzählte, ich wäre DER LETZTE. Der Letzte überhaupt. Also nicht nur heute der letzte Termin, sondern die Impfambulanz schließt heute endgültig, weil es in der Hamburger Innenstadt GAR KEINE NACHFRAGE MEHR nach Auffrischungsimpfungen gibt.

Da kommt einfach niemand mehr, der sich impfen lassen will.

Wir lockern ja jetzt.

Ich kann das immer noch nicht glauben. 300.000 Neuinfektionen jeden Tag in Deutschland, 100 bis 300 Tote jeden Tag, 130.000 Covid-Tote bisher in Deutschland.

Jeden Tag so viele Tote, wie bei einem Flugzeugsabsturz.

Man stelle sich vor, zwei Jahre lang würde jeden Tag ein voll besetzter Passagierjet in Deutschland vom Himmel krachen.

Meine Phantasie reicht aus, um mir auszumalen, daß man nach 600 Tagen die einzelnen Crashs gar nicht mehr wahrnähme.

Aber würde man es auch bejubeln, wenn die FDP-Minister daraus folgernd verlangten, nun auch die Flugsicherheit, Waffenkontrollen am Airport, die bisher vorgeschriebenen akribischen Wartungen  und die Fluglotsen, abzuschaffen?
Diese ganzen Kontrollen am Flughafen sind ja schließlich ungeheuer lästig, kosten die armen Fluggesellschaften Geld und widersprechen der freiheitlichen Entscheidung mit Risiko zu fliegen. Sind solche Maßnahmen nicht ein Zeichen von gescheiterter Planwirtschaft, die den mündigen Bürger gängeln?
Nun ist ein gewisser pathologischer Wahnsinn bei FDP-Rumpelstilzchen wie Wolfgang Kubicki natürlich zu erwarten. Ich verstehe sogar, daß Olaf Scholz während eines heißen Krieges in Europa, bei dem das größte Land, das Zweitgrößte überfallen hat, den Kopf zu voll hat, um sich mit einer platzenden Ampel abärgern zu können, so daß er der FDP mehr nachgibt als nötig.

Aber der Wahnsinn ist weit über das FDP-Lager hinausgeschwappt. Schon im Februar 2022 erzählte mir die Leiterin eines Hamburger Pflegeheims vor Ort, wie erleichtert sie darüber wäre, Corona endlich los zu sein und die Bewohnern wieder alle Freiheiten zu geben.

Als ich verschämt einwarf, daß Corona nicht nur nicht vorbei wäre, sondern sich schneller denn je ausbreite, atmete sie entnervt einmal tief, rollte mit den Augen und befand „ja, aber das ist ja jetzt harmlos wie ein grippaler Effekt.“

Selbst als ich nachsetzte, indem ich auf meine eigenen Erfahrungen mit einem Impfdurchbruch aus dem Dezember 2021 verwies, brachte sie das keineswegs aus dem Konzept. „Dann sind Sie wohl auch generell extrem empfindlich!“

Die öffentliche Meinung hat sich gedreht.

Wurden vor einem halben Jahr noch die umsichtigen Landeschefs von der schreibenden Zunft verteidigt, unterstellte die Hamburger Morgenpost nun dem habilitierten Mediziner und Hamburger Bürgermeister Tschentscher, er mache krumme Dinger, wenn er die armen Hamburger weiterhin zum Maskentragen verdonnere.

[….] Tschentschers fragwürdiger Trick mit der Maskenpflicht

Der Senat will, dass wir weiter Maske tragen. Und auch Zugang nach 2G plus und 3G soll weiter eine Option bleiben. Möglich macht das ein Trick: Hamburg, das Bundesland mit der niedrigsten Inzidenz, soll zum „Corona-Hotspot“ erklärt werden, so kann die Maskenpflicht in Innenräumen bleiben. Dieses Vorgehen ist in Teilen fragwürdig.  [….]

(MOPO, Mathis Neuburger 23.03.2022)

Nein, Neuburger, das ist weder ein Trick, noch fragwürdig, sondern entspricht der dringenden Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Lauterbach, der ausdrücklich an die Bundesländer appelliert „Nutzen Sie die Hostspotregelung!“

[….]  Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bemühte sich am Montag um Aufklärung. Laut seinem Ministerium sind vier Punkte mitentscheidend für eine drohende sich ausbreitende Infektionslage, wobei nicht alle gleichzeitig erfüllt sein müssen:

    Die Absage von planbaren Eingriffen in Krankenhäusern

    Die Verlegung von Patienten und Patientinnen

    Eine gefährdete Notfallversorgung

    Die Unterschreitung von Personal-Untergrenzen in der Pflege

Lauterbach riet den Landesregierungen jetzt ausdrücklich, davon Gebrauch zu machen. Zu den Plänen in Hamburg sagte er: "Ich glaube, die Begründung, die in Hamburg jetzt vorgelegt wird, ist eine gute Begründung." Bisher haben nur die Hansestadt und Mecklenburg-Vorpommern konkret angekündigt, von der Hotspot-Regelung Gebrauch zu machen. Bayern etwa will die Möglichkeit nicht nutzen und alle Maßnahmen fallen lassen - bei einer deutlich höheren Inzidenz.  [….]

(NDR, 30.03.2022)

Wenn schon eine bundeseinheitliche Meinung wegen der fanatischen FDP-Minister nicht möglich ist, halte ich Lauterbachs Linie für die zweitbeste Lösung. Seine vier Kriterien sind überzeugend.

[….]  Die Hamburger Bürgerschaft hat am Mittwoch einen Antrag von SPD und Grünen beschlossen, der Hamburg zum Hotspot macht. Damit bleiben die bisherige Maskenpflicht und die 2G-Plus-Regel in Clubs bis Ende April bestehen. Die Abstimmung wurde auf Antrag der AfD hin namentlich durchgeführt. 78 Abgeordnete stimmten mit „Ja“, 19 Abgeordnete mit „Nein“. Enthaltungen gab es keine. FDP und AfD haben bereits vorher Klagen angekündigt gegen die weiteren Infektionsschutzmaßnahmen angekündigt. „Wir sind zuversichtlich, dass diese Regelung vor Gerichten standhalten wird“, sagte Grünen-Fraktionschefin Jenny Jasberg am Mittwoch im Rathaus. [….]

(Mopo, 30.03.2022)

Der Irrsinn insbesondere der FDP ist aber so weit fortgeschritten, daß sie sich in Hamburg erneut mit ihrem strategischen Partner AfD zusammentut.

Da sie offenbar dringend noch mehr Covid-Tote als bisher produzieren wollen, gehen AFDP gemeinsam gegen den Tschentscher-Senat vor.

[….] Nach der FDP hat auch die AfD in Hamburg eine Klage gegen die geplante Corona-Hotspot-Regelung in der Stadt angekündigt. Eine weitere Verlängerung der Maskenpflicht und anderer Eindämmungsmaßnahmen mit einer drohenden Überlastung der Krankenhäuser zu begründen, sei falsch, da Hamburg eine der bundesweit niedrigsten Inzidenzen und eine stabile Situation in den Kliniken aufweise, sagte Landesvize Krzysztof Walczak am Dienstag. "Die Krankenhauskapazitäten in Hamburg werden nicht zusammenbrechen, nur weil Kinder außerhalb des Sitzplatzes ihre Masken abnehmen oder man beim Einkaufen im Supermarkt wieder anderen Menschen ins Gesicht schauen kann."  Sollte die Bürgerschaft, wie von Rot-Grün geplant, Hamburg am Mittwoch zum Corona-Hotspot erklären, werde der AfD-Landesvorstand Feststellungsklage vor dem Verwaltungsgericht Hamburg erheben. "Die Gerichte müssen diese illegale Knallhart-Politik Hamburgs stoppen", forderte Walczak. Zuvor hatte bereits der Hamburger FDP-Landesvorsitzende Michael Kruse eine Klage gegen eine Hotspotregelung, mit der die Corona-Maßnahmen über den 2. April hinaus verlängert werden sollen, angekündigt.  [….]

(dpa, 29.03.2022)

No Hope For The Human Race.

Offensichtlich sind nicht nur Spaziergänger, Covidioten und Schwurbler total verblödet, sondern gleich mehrere Parteien mit ihnen.

Ich halte mich an meinen allgemeinen Rat:

Menschen vermeiden, wann immer es geht und die FFP2-Maske stets aufbehalten.

Sonntag, 6. März 2022

Multikrisenwelt.

 

Streng religiöse Menschen nehmen sich heraus, Ungläubige schlecht zu behandeln, weil ihnen suggeriert wird, sie wären etwas Besseres.  Sich den strengen Regeln eines religiösen Ritus zu unterwerfen, hat aber auch einen psychologischen Effekt. Man glaubt, schon so viel geopfert zu haben, daß man, gewissermaßen als Belohnung, anderen gegenüber auch mal ekelig sein darf.

Das Gehirn konstruiert dabei einen nicht existierenden Zusammenhang. So trickst Mensch sich selbst immer wieder aus.

Wenn ich den ganzen Samstag mit Hausarbeit verbringe, nachmittags noch drei Stunden gebügelt habe, denke ich, nun habe ich aber wirklich genug getan für heute und muss nicht auch noch den Müll rausbringen.

Das ist natürlich Unsinn, weil der stinkende Müll raus muss, völlig unabhängig davon, ob die Hemden gebügelt oder krumpelig sind.

Etwas Ähnliches löst der Krieg in der Ukraine aus. Die Bilder sind so schrecklich, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit so enorm, daß alles andere verblasst. Weltweit poppen Tragik-komische Memes auf; so habe man sich das Ende der Corona-Dominanz in den Medien nicht vorgestellt.

Letzte Woche erlebte ich in einem Pflegeheim, wie der Belegungschef höchstpersönlich verkündete, wie glücklich er sei, wenigstens Corona hinter sich zu haben. Die Zumutungen für die hochbetagten Bewohner wären auch keine Woche länger erträglich gewesen. Und nun der Krieg! Müsse denn immer was Neues kommen?

Eine mustergültige Selbsttäuschung. Weder sind Krieg, Raketenangriffe auf Städte, Massenflucht und millionenfaches Elend der Zivilbevölkerung neu, noch ist die Pandemie ausgestanden.

Täglich sterben 200 Menschen in Deutschland an Covid19, infizieren sich 200.000 Menschen mit Omikron. Die Inzidenz liegt stabil im vierstelligen Bereich, wird durch die von der FDP ultimativ verlangte Rücknahme der Pandemie-Maßnahmen wieder angefacht.

[….]  Die Karnevalsfeiern haben sich erkennbar auf das Infektionsgeschehen in Köln ausgewirkt. Eine Woche nach dem Ende des Karnevals verzeichnet die Stadt die höchste Coronainzidenz in ganz Nordrhein-Westfalen. Zudem hat das Landeszentrum (LGZ) am Sonntag einen Wert von 2.018,7 gemeldet. Zum Vergleich: Noch vor einer Woche lag der Wert bei 1.073,8. Während sich die Inzidenz in Köln nahezu verdoppelt hat, liegt sie in ganz Nordrhein-Westfalen auf etwa gleichem Niveau. [….]  Allein am Donnerstag waren laut LZG 6.648 neue laborbestätigte Fälle gemeldet – so viele wie an keinem anderen Tag zuvor. [….]

(SPON, 06.03.2022)

Ominöserweise ebben Impf- und Boosterzahlen kontinuierlich ab; der so lang ersehnte Tot-Impfstoff bleibt ein Ladenhüter.

[….] Geringe Nachfrage nach Alternativimpfstoff von Novavax

Das proteinbasierte Mittel war entwickelt worden, um diejenigen zu erreichen, die eine mRNA-Impfung ablehnen. Die FDP fordert ein Ende aller Maßnahmen. […]

(ZEIT, 06.03.2022)

Unglaublich, nachdem sich die Öffentlichkeit schon 2020 und 2021 fälschlich einbildete, nach dem Sommer wäre die Pandemie vorbei, verfällt sie nun das dritte mal diesem Trugschluss.

[….] In den Karnevalsregionen zeigt sich ein deutlicher Anstieg der Inzidenz: Die Inzidenz vor allem in der Gruppe der 20-29-Jährigen stieg laut Spiegel Online stark an. Sie liegt laut der nordrhein-westfälischen Landeszentrale für Gesundheit bei 4336,6, vor einer Woche hatte sie noch bei 1387,1 gelegen. Den Karnevalseffekt sieht auch Michael Hallek, Klinikdirektor an der Kölner Uniklinik: „Um das zu verstehen, muss man kein Wissenschaftler sein. Der Zusammenhang erscheint absolut eindeutig“, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.  Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte dem Blatt, man könne an dieser Entwicklung sehen, wie schnell die Zahlen bei vielen Kontakten stiegen. Und er warnte: „Nach wie vor haben wir 200 Todesfälle am Tag. Und wir haben viele Patienten, die für immer bleibende Schäden behalten werden. Es ist leider noch nicht vorbei. Ich warne vor einem komplett unvorsichtigen Verhalten.“ Lauterbach hatte zuletzt auch vor einer „Sommerwelle“ des Coronavirus* gewarnt. [….]

(Merkur, 06.03.2022)

Wir haben jetzt eine neue Zeit, hauen mal eben 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr raus – mehr als eine halbe Million Euro pro Soldat.

SZ 01.03.2022

Aber die Notwendigkeit des einen, heißt eben nicht, daß andere Aufgaben weniger notwendig sind.

Wir müssen Deutschland digitalisieren, wir müssen Corona bekämpfen und das Mega-Problem Klimakatastrophe ist dringender denn je.

Dienstag, 15. Februar 2022

Evangelikalioten auf der Jagd nach dem Darwin-Award.

Meine Käseverkäuferin hatte heute richtig gute Laune, als sie meine Auberginen in Knoblauch-Joghurt abwog.

Endlich purzele die elende 2G-Regelung; sogar Lauterbach halte den Omikron-Scheitelpunkt für überschritten und, mal ehrlich, diese Variante sei doch nun wirklich harmlos.

Als Impfdruchbrüchler wundere ich mich immer, mit welcher Selbstverständlichkeit diejenigen, die noch nicht an Covid19 erkrankt waren, das Omikron-Virus für eine niedliche kleine entfernte Cousine des ursprünglichen Virus-Typs halten.

Ich hatte keine Vorerkrankungen, bin noch nicht uralt, und außerdem wurden mir im Spätsommer 2021 zwei BioNTech-Spritzen in den Arm gedrückt. Als mich Ende Dezember dennoch Omikron erwischte, war ich wochenlang richtig krank. Nicht so krank, daß ich befürchtete zu ersticken und ins Krankenhaus gemusst hätte, aber der „harmlose Verlauf“ streckte mich doch für gute drei Wochen so nieder, daß ich wirklich konsequent im Bett lag. Mit bösen Schmerzen ununterbrochenem Husten, Fieber.

Bekanntlich sind die Krankheitsverläufe individuell unterschiedlich, aber ich habe genügend Schilderungen von Omikron-Impfdurchbrüchen gelesen, denen es sogar noch schlechter als mir ging.  Es gibt keinen Anlass, sich plötzlich in Sicherheit zu wiegen, anzunehmen, die Virusbedrohung löse sich einfach in Wohlgefallen auf.

Die knapp 20% ungeimpften Hamburger, die sich in einer Stadt mit zeitweise 200.000 gleichzeitig Infizierten bewegten, spielen mit dem Feuer.

Das kann auch schief gehen. Ungeimpfte können an Omikron sterben.

Wir haben inzwischen 120.000 Corona-Tote in Deutschland.
Wer ist denn heute immer noch so geistesgestört, sich partout nicht impfen zu lassen?
Nun, es gibt sie: Ossis, Ungebildete, Rechtsradikale, AfDioten und Evangelikale.

Während Evangelische in Deutschland liberaler als die RKK erscheinen, ist es in den USA umgekehrt. Dort sind diese sektiererischen Protestanten, die die Bibel wörtlich auslegen, Trump verehren und gegen jedes  bürgerrechtliche Anliegen protestieren, ganz ganz rechts außen im politischen Spektrum angekommen. Die Heimat Palins, Bachmanns, Boeberts und MTGs verfügt über keinerlei Restverstand mehr.

Impfen lassen wollen sie sich nicht, schon allein, weil Menschen mit Bildung und zudem Demokraten eine Impfung dringend empfehlen.

[….] Die Impfquote ist bei weißen Evangelikalen in den Vereinigten Staaten am niedrigsten. Zu dem Ergebnis kommt das „Pew Research Center“ (Washington) in einer repräsentativen Studie. Demnach haben bisher 62 Prozent der erwachsenen weißen Evangelikalen mindestens eine Dosis eines Corona-Vakzins erhalten. Bei den weißen „Mainline“-Protestanten liegt der Wert dagegen bei 77 Prozent, bei Katholiken sogar bei 85 Prozent und damit höher als bei Konfessionslosen (80 Prozent). [….]

(Idea, 12.02.2022)

Das kann schon für den ein oder anderen Darwin-Award reichen, wenn die Maskenverweigerer, die auch noch weit überdurchschnittlich an Adipositas und Diabetes leiden, immer noch hartnäckig eine Impfung verweigern.

Auch in Deutschland konzentrieren sich Schwurbler und Aluhüte auch in den Reihen der Pietisten und Evangelikalen.

[….] Unter evangelischen Pietisten und Evangelikalen gibt es nach Ansicht des ehemaligen Präses des pietistisch geprägten Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, überdurchschnittlich viele Menschen, die dem Impfen skeptisch bis rigide ablehnend gegenüberstehen. Diese Impfgegner seien zwar auch unter den theologisch konservativen Christen eine Minderheit, sagte der Dekan des Pfälzer Kirchenbezirks Germersheim dem Evangelischen Pressedienst (epd). Doch ihr Anteil sei höher als im evangelischen Durchschnitt.  Auf Nachfrage von PRO erklärte Diener am Sonntag, dass er sich bei seiner Einschätzung auf eigene Beobachtungen zu Gebieten mit regionaler Frömmigkeitsprägung – darunter das Erzgebirge, das Siegerland und Teile Württembergs –, Gespräche mit Verantwortlichen, eigenen Begegnungen und Erfahrungen in den sozialen Medien stütze.  [….]

(pro, 13.02.2022)

Wenn Evangelikalioten selbst dazu beitragen, sich aus dem menschlichen Genom auszumendeln, wäre uns allen geholfen.

Mittwoch, 9. Februar 2022

Im Slope-Curling-Wahn

 Bekanntlich interessiere ich mich nicht für Sport und finde daher Olympische Spiele oder Fußball-WM immer ganz angenehm: Da präsentieren die Zeitungen große Sport-Strecken. In der SZ gibt es täglich sechs oder acht Seiten Sonderberichterstattung zu den Olympischen Spielen, die ich gleich ungelesen auf den Stapel für die Altpapiertonne wandern lasse.  Die täglich auf mich einprasselnde Informationsflut ist ohnehin nicht zu bewältigen; da bin ich froh über jeden Artikel, den ich auslassen kann. Wenn es gleich mehrere Seiten am Stück sind, umso besser.

Üblicherweise kann ich dennoch nicht verhindern, daß über die Peripherie meiner Aufmerksamkeit auch sportliche Meldungen zu mir vordringen. Das Feuilleton sinniert über sportliche Leistungen, Medienpolitik in China wird zum Riesenthema und in ihrer albernen Manie volksnah zu wirken, verwenden Politiker olympische Metaphorik, versuche auf den Gold-Zug aufzuspringen, wenn irgendeine deutsche Figur Medaillen erringt. Menschenrechte? Irrelevant.

[….] „Wenn ein Schauspieler in einem Theater Hamlet spielt, fragt auch keiner, ob er während des Stücks politische Meinungen äußern kann“, wird Bach bei der Tagesschau zitiert. Dieser ungewöhnliche Vergleich von Thomas Bach vor Olympia 2022 sorgt für Kritik. Biathlon-Olympiasieger Arnd Peiffer sagte im Interview mit dem NDR, Bach mache sich „zum Komplizen eines Systems, das Menschenrechte nicht achtet“. „Ich denke da an die Uiguren, an Hongkong und an die fehlende Meinungsfreiheit. Menschen, die sich frei äußern, oder Aktivisten werden mundtot gemacht. Und es gibt auch Leute, die verschwinden. Thomas Bach argumentiert immer, die Olympischen Spiele seien unpolitisch. Das ist aus meiner Sicht Augenwischerei“, sagte der 34-Jährige weiter.   […]

(FR, 04.02.2022)

Auch ohne das geringste Interesse an Fußball, bekomme ich nebenher mit, wenn die deutsche Mannschaft aus einem internationalen Turnier fliegt und registriere die Spielergebnisse der Hamburger Bundesligavereine, weil sie nun einmal auf den Titelseiten der Hamburger Zeitungen auftauchen.

So selektiv kann ich (leider noch) nicht lesen, daß nicht irgendeine Hirnzelle unterbewußt mit abspeichert, wenn auf der Titelseite des Hamburger Abendblattes „HSV verliert viertes Spiel in Folge!“ steht.

In der Idiotie-Hierarchie der Sportarten stehen für mich die Tiersportarten ganz oben, weil die Pferde natürlich gequält werden und es ökologisch vollkommen absurd ist, eine Flotte von Jumbo-Jets zu chartern, um sedierte Spring- oder Polopferde um die ganze Welt zu fliegen.
Anschließend kommen alle Mannschaftssportarten, weil es bei ihnen generell nicht um messbare sportliche Leistungen, sondern um Nationalismus geht.
Hoch absurd und an dritter Stelle der Sportidiotie sind die Tätigkeiten, die wie Formel1 oder Hochsee-Segeln oder Bobfahren nur für Multimillionäre möglich sind, weil das Sportgerät völlig unbezahlbar ist.

Generell erscheint mir Wintersport, Platz 4, eine Umdrehung absurder als die sommerlichen Aktivitäten, weil Trickski-Pisten, Bobbahnen oder Skiflugschanzen völlig unnatürlich sind, nicht nur zig Millionen Dollar kosten, sondern im höchsten Maße energiefressend und klimaschädlich sind.

Dieses Jahr gebe ich mir mehr Mühe als sonst schon, jede sportliche Meldung aus Peking konsequent auszublenden, explizit sofort umzuschalten, wenn in einer Nachrichtensendung der Sportblock beginnt.

Das Thema „Olympische Spiele“ werde ich dennoch nicht los, da gerade aus deutscher Perspektive die Korruption, die Raffgier und Heuchelei relevant sind. Der neben FIFA-Chef Gianni Infantino peinlichste Sportfunktionär der Welt, ist ein Deutscher: FDP-Mitglied und IOC-Chef Thomas Bach, der lächelnd den Genozid an den Uiguren zukleistert, sich den schlimmsten Diktatoren vor die Füße wirft und sämtliche Prinzipien der Demokratie und Fairness mit Füßen tritt.

[…] Nun […] berichten vor allem westliche Medien, wie sie während Olympia bei ihrer Arbeit behindert werden - symbolisch dafür steht der niederländische Reporter Sjoerd den Haas: Das Video, wie er am Freitagabend während einer Liveschalte nach Peking von einem Security-Mitarbeiter weggezerrt wird, verbreitete sich rasend im Internet. Das IOC sprach danach von einem Einzelfall, den Haas schrieb bei Twitter jedoch, dass er und Kollegen in den vergangenen Wochen oft bei ihrer Arbeit behindert worden seien. Von einem Einzelfall könne man nur schwer sprechen; auch die Behauptung des IOC, man habe mit Haas' Arbeitgeber gesprochen, dem öffentlich-rechtlichen TV-Sender NOS, könne nicht bestätigt werden. Am 31. Januar hatte der Foreign Correspondents' Club of China, ein Zusammenschluss der Auslandskorrespondenten in China, einen Report veröffentlicht mit dem Vorwurf, dass sie an ihrer Arbeit gehindert werden - inklusive Einschüchterung und Belästigung: "Der chinesische Staat findet immer neue Mittel, Korrespondenten, ihre chinesischen Kollegen und auch Leute, mit denen die Presse reden will, über Online-Belästigung, physische Angriffe, abgelehnte Visa-Anträge und Cyber-Hacking einzuschüchtern." [….]

(Jürgen Schmieder, SZ, 07.02.2022)

Wenn Deutsche als Funktionäre ganz oben in einer Weltorganisation ankommen, muss ich mich, auch wenn ich keinen deutschen Pass habe, fast immer in Grund und Boden schämen:
Reinhard Grindel, Günther Oettinger, Joseph Ratzinger, Ursula von der Leyen, Thomas Bach – man möchte sich sofort ein tiefes Loch graben und darin verschwinden, wenn diese Leute auftreten.

[…] Thomas Bach sollte sich schämen!

Schon der Gedanke an die Besetzung der Ehrentribüne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele lässt einen erschaudern. Wladimir Putin wird dort sitzen, Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien und mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Jamal Khashoggi, wird seinen beiden Skifahrern zuwinken, auch die Diktatoren aus Kasachstan und Turkmenistan erweisen Xi Jinping die Ehre – und dem deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach.  […]

(Mopo, 03.02.2022)

Aber natürlich kennt FDP-Mann (Partei der Freiheit!) Bach eben keinerlei Schamgefühl. Diese Spiele sind so eine Schande, daß ich selbst ohne das geringste Sportinteresse davon behelligt werde.

[…] Die Winterspiele in Peking sind schon vor Beginn eine einzige Farce. Die IOC-Funktionäre um Thomas Bach haben die Olympische Idee verraten. Profiteur ist Chinas menschenverachtendes Unrechtsregime. Nie zuvor haben Olympische Spiele Sportfans weltweit so kalt gelassen wie diesmal. Von Vorfreude ist nirgendwo etwas zu spüren, und dafür gab es selten so viele Gründe.  In China ist man stolz, als erster Austragungsort überhaupt sowohl Winter- als auch Sommerspiele durchzuführen. Doch das größte Sportereignis der Welt hat in Peking nichts zu suchen. Zum einen, weil es absurd ist, dass nur 14 Jahre zwischen den beiden Events liegen.  Zum anderen aber und vor allem, weil die Hauptstadt kein Wintersportort ist - und die weit entfernten anderen Wettkampfstätten Zhangjiakou (u.a. Ski Alpin und Nordisch, 180 Kilometer von Peking) sowie Yanqing (u.a. Rodeln, Bob, 75 Kilometer entfernt) auch nicht. Denn in Peking wie in den vermeintlichen Wintersportgebieten liegt kein Schnee, was angesichts der anhaltenden Trockenheit in der Nähe der Wüste Gobi dort nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Fast so absurd wie eine Fußball-Weltmeisterschaft in der Wüste... […] So laufen seit Wochen hunderte Schneekanonen nahezu rund um die Uhr, da der Kunstschnee durch den Wüstenwind meist sofort wieder weggeweht wird. Dafür müssen Tonnen von Wasser aus weit entfernten Reservoirs transportiert werden. Zudem wurde das Umweltschutzgebiet, in dem sowohl Yanqing als auch Zhangjiakou liegen, um 25 Prozent reduziert, um dort die neuen Wettkampfstätten hinzusetzen. So wie die gigantische Bobbahn, die sich die chinesische Führung für mehr als zwei Milliarden Euro schenkte - und die nach den Spielen nicht mehr regelmäßig genutzt werden wird. Experten wie die renommierte Geowissenschaftlerin Carmen de Jong sprechen daher von den "unnachhaltigsten Spielen aller Zeiten".[…] Angesichts der hoch ansteckenden Omikron-Welle kann die fast paranoide Null-Covid-Strategie im seit zwei Jahren beinahe hermetisch abgeriegelten Reich der Mitte nicht aufgehen. Stattdessen steigen schon jetzt die Zahlen der infizierten Sportler, Teammitglieder und Journalisten in der von der "normalen Welt" in Peking abgeschotteten Olympia-Blase wie erwartet rasant an. Die Folge ist eine einzige Farce: Wegsperren in schäbigen Unterkünften, die mehr an ein Gefängnis denn an ein Hotel erinnern. Frustrierte Athleten, deren hart erarbeitete Medaillenträume wegen eines positiven Testergebnisses platzen. […] "Die Winterspiele 2022 werden als Genozid-Spiele in Erinnerung bleiben", hat der chinesische Oppositionelle Teng Biao gesagt. […]. Dass sich die geschichtsvergessenen IOC-Funktionäre mit Bach an der Spitze zu Claqueuren der Schreckensherrschaft von Machthaber Xi Jingping und seinen Spießgesellen machen, ist eine Schande und eine Perversion der Olympischen Idee.  [….]

(Martin Volkmar, 04.02.2022)

Donnerstag, 20. Januar 2022

Booster-Psychos

Meine Oma erkrankte in den 1950er Jahren an einer sehr seltenen Form der Sklerodermie (M34 Systemische Sklerose). Das ist eine wirklich miese Sache, bei der sich Haut und Bindegewebe verhärten und zusammenziehen. Der Mund wird ganz klein, Finger und Zehen werden krumm streif und unbeweglich.   Die Krankheit ist immer noch unheilbar. Irgendwann beginnen auch innere Organe (Verdauungstrakt, Lungen, Herz und Nieren) zusammengequetscht zu werden und dann ist die Prognose sehr schlecht. Ich bin nicht mit den heutigen Behandlungsmethoden vertraut, aber meine Oma wurde mit unfassbaren Mengen von Kortison vollgepumpt, bis sie am ganzen Körper angeschwollen war.

Eine Tortur.  Entgegen aller Erwartung kam die Krankheit aber irgendwann zum Stehen und sie lebte weitere drei Jahrzehnte. Sie war geschickt darin, ihre entstellten Hände zu verbergen, litt aber keine Schmerzen mehr. Sie aß vorsichtig und wenig, weil sie Verengungen in der Speiseröhre und dem Magen hatte, aber das war alles mit normaler Kost möglich.

In den 1970ern erkrankte Jan, einer ihrer Großneffen im Teenageralter ebenfalls an genau dieser Sklerodermie. Der Vater, ein Cousin meiner Mutter, war verzweifelt, besuchte uns natürlich, um zu erfahren wie meine Oma 20 Jahre zuvor eigentlich genau die Krankheit besiegt hat.

Jan war wenige Jahre älter als ich, hatte noch einen kleinen Bruder, mit dem ich gern spielte.  Jans Krankheitsverlauf war allerdings dramatischer. Er wurde immer krummer, die Hände waren nur noch schmale Fäuste und die Organe schrumpften. Er starb nach einer grauenvollen Leidenszeit mit 16 Jahren.

Meine Oma wurde damals erneut zu einigen Tests in die Uniklinik gerufen. Zwei Fragen stellten sich; erstens konnten sich die Ärzte nicht erklären, wie es zu ihrer Dekaden andauernden Remission kam. Wie hatte sie das bloß geschafft? Zweitens dachte man nun an genetische Ursachen, nachdem in einer Familie zwei Mal eine so seltene Krankheit aufgetreten war. Wie gefährdet waren eigentlich die anderen Nachkommen meiner Oma?

Wir Kinder mussten alle in die Uniklinik, uns wurde jede Menge Blut abgepumpt und schließlich schnitt man uns ein zweimal zwei Zentimeter großes Stück Haut und Gewebe aus dem Oberarm. Das fand unter Lokalanästhesie statt und ich konnte nicht anders, als direkt drauf zu starren, während ich zerschnitten wurde.

Das Schlimmste widerfuhr aber meiner Mutter: Ihr wurde in einem dramatischen Gespräch  - „ihre Kinder könnten bald unter fürchterlichen Qualen sterben und wir müssten dann hilflos wie bei Jan zugucken“ – eine lange Liste mit frühen Anzeichen von Sklerodermie übergeben.  Ihr Auftrag lautete, uns mit Argusaugen zu beobachten und bei kleinsten möglichen Sklerodermie-Symptomen sofort ins Krankenhaus zu fahren.

Spoiler-Alert; es gibt bisher keine weiteren Fälle in der Familie. Aber in den folgenden Jahren konnten Eltern und Oma die Befürchtungen natürlich nie ablegen. Ständig löste irgendeine Hautstelle, eine minimale Appetitlosigkeit oder eine leicht steife Bewegung eine Panikreaktion aus: DAS KÖNNTE SKLERODERMIE SEIN! So ging es bei Jan damals auch los.

Heute bewundere ich meine Vorfahren dafür, diese Sorgen von mir fern gehalten zu haben. Ich habe als Kind nie befürchtet, bald sterben zu müssen. Nur die Narbe auf meinem linken Oberarm erinnert noch an das Drama.

Als Kind wußte ich noch nichts von Psychologie. Heute kenne ich die Begriffe „Phobie“ oder „Trigger“ und kann mir vorstellen, welche Streiche einem die eigene Phantasie spielen kann, wenn einem besorge Medizin-Professoren mitteilen ‚eins dieser 27 Symptome könnte bedeuten, daß ihr Kind bald stirbt‘.

Wir leben in Westeuropa nicht mehr in den Zeiten, in denen Frauen  üblicherweise sowieso zehn bis 20 Mal schwanger sind. Ein Teil geht schon vor der Geburt verloren, einige sterben währenddessen, noch ein paar an Infektionen als Kleinkinder und von den vier bis sechs erwachsenen Söhnen, verreckt noch einmal die Hälfte im Krieg.

In unseren Breitengraden zu dieser Zeit hat man eher nur ein oder zwei Kinder, von denen man nicht annimmt, daß sie vor einem selbst sterben. Wenn doch einmal die Eltern ihr Kind überleben, gilt das als größtmögliches Unglück.  Dementsprechend schlecht können wir mit Bedrohungen unseres physischen Wohls umgehen. Selbst, wenn es nur die theoretische Möglichkeit ist, daß etwas passieren könnte, obwohl alle kerngesund sind, genügt das schon, um einem halben Dutzend Familienmitgliedern Psychopharmaka gegen Angststörungen und Depressionen verschreiben zu müssen.

Das dürfte die längste Einleitung aller Zeiten gewesen sein.

Die Pandemie, das mutierende Sars-CoV-II, ist auch so eine Angelegenheit, bei der viele junge und gesunde Menschen mit der realen Möglichkeit schwer zu erkranken und zu sterben konfrontiert werden.

Plötzlich wird detailliert über Symptome und erste Anzeichen gesprochen, daß man „es“ auch haben könnte. Wer nicht gerade ein Aluhut auf Spaziergang ist, nimmt zur Kenntnis wie viele Millionen Menschen schon an Covid 19 gestorben sind, liest die Berichte von den hoffnungslos überlasteten Krankenpflegern, weiß welch monatelange Tortur das Corona-Virus selbst für diejenigen bedeuten kann, die anschließend wieder völlig gesund werden.  Oder auch nicht, wenn einen Long Covid erwischt.

Ich halte es für Zufall, daß ich gar nicht zur Hypochondrie neige, aber natürlich verfolge auch ich die Berichte über Long Covid mit etwas mehr emotionaler Beteiligung, seit ich selbst von Omikron erwischt wurde, frage mich vier Wochen nach der Infektion bei einem kleinen Niesen, ob das nun einfach nur mal ein Niesen war, weil man nun mal manchmal niest, oder ob es nicht langsam auf Long Covid hindeutet, wenn ich niese.

Nicht nur der Covid-Krankheitsverlauf selbst, sondern auch die Impfung ist nach dem gewaltigen politischen Bohei um das Thema psychologisch aufgeladen. Millionen Menschen sind so irregeleitet, daß sie aus Angst vor der Spritze lieber in Kauf nehmen, von dem Virus getötet zu werden.

Aber auch bei der Mehrheit, den Geimpften, fragt sich die meisten, wie gut oder wie schlecht sie die Impfung vertragen werden. Wird es mich komplett aus den Socken hauen? Schüttelfrost, Fieber? Muss ich mit Grippesymptomen tagelang darniederliegen? Wie viele Antihistamine und Aspirin sollte ich vor der Impfung, insbesondere vor dem legendären Booster einwerfen, um den Pieks zu überstehen?

[…..] Zum Smalltalk gehört in diesen Zeiten auch, sich nach dem Befinden nach der jüngsten Impfspritze zu erkundigen. Man kann dann erstaunliche Geschichten hören, von tagelanger Malaise, von Kribbeln an diversen Körperteilen, von Schmerzen in jenem Arm, in den gar keine Nadel drang. Wen ein leiser Zweifel an diesen Schilderungen beschleicht, der liegt womöglich nicht ganz falsch: Nicht alles, was Geimpfte als Nebenwirkungen wahrnehmen, muss vom Vakzin herrühren.  [….]

(SZ, 18.01.2022)

Wären wir Menschen nicht mit „der Psyche“ behaftet, sondern bloß biologische Maschinen, würden die meisten von uns die Corona-Impfung kaum bemerken. Aber wir sind glücklicherweise keine Roboter, sondern Psychos, die mit Placebo- und Nocebo-Effekten leben.

Eine große im Fachblatt Jama Network Open veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern rund um Winfried Rief, Psychologieprofessor der Universität Marburg, berichtete von einem Doppelblind-Impftest an über 23.000 Teilnehmern.   35% der Teilnehmer, die nur das Placebo, also eine Kochsalzlösung gespritzt bekamen, berichteten von den typischen Impf-Nebenwirkungen Kopfschmerzen und starke Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Schüttelfrost und weiteren Beschwerden. Bei denjenigen, die tatsächlich das BioNTech-Vakzin bekommen haben, waren es mit 46% nicht sehr viel mehr, die über diese Beschwerden klagten.

[….]  Ungefähr zwei Drittel der Beschwerden nach den Impfungen seien unabhängig vom Wirkstoff aufgetreten, berichten Fachleute um Julia W. Haas von der Harvard Medical School in Boston im Fachmagazin »Jama Network Open«. Das Team hatte Nebenwirkungen von knapp 45.400 Probandinnen und Probanden aus zwölf Studien analysiert. Ungefähr die Hälfte hatte einen Wirkstoff erhalten, die andere ein Placebo. Die Leute wussten nicht, wer in welcher Gruppe war. Einbezogen in die Analyse wurden Daten der Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca, die alle auch in Deutschland angewendet werden. Die Fachleute analysierten übliche, vorübergehende Impfreaktionen wie Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen, die innerhalb von sieben Tagen nach der Impfung auftraten.  Unter den mit Wirkstoff Geimpften traten, wie zu erwarten war, demnach insgesamt häufiger Beschwerden auf als in den Placebogruppen, die Kochsalzlösung bekommen hatten. Allerdings war der Unterschied zwischen Wirkstoff- und Placebogruppen besonders nach der ersten Dosis gering. Die Inhaltsstoffe der Impfungen hatten die Reaktionen der mit Wirkstoff Geimpften demnach meist gar nicht hervorgerufen.  76 Prozent der sogenannten systemischen Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit, die bei den Impfungen mit Wirkstoff dokumentiert worden waren, traten ebenso in den Placebogruppen auf. Anders gesagt: Nur 24 Prozent der Beschwerden, die nach Erstimpfungen dokumentiert wurden, lassen sich ursächlich auf die Wirkstoffe zurückführen.   [….]

(SPON, 19.01.2022)