Sonntag, 10. Januar 2021

Ausgetwittert

 Social Media ist eine gigantische Zeitklau-Maschine.

Die Schnelligkeit von Twitter und Facebook fasziniert mich und so benutze ich diese Kanäle immer wieder, um up to date zu sein.

Es gelingt mir aber fast nie, nur die gewünschte Information einzuholen und mich sofort wieder auszuloggen. Man bleibt da hängen und wird von den ausgeklügelten Algorithmen perfide festgehalten, um einem Daten zu entlocken und mit Werbung gefüttert zu werden.

Vor einigen Wochen kaufte ich ausnahmsweise ein Paar Schuhe im Internet. Mark Zuckerberg hat es natürlich sofort bemerkt und jubelte mir seither hunderte Hinweise auf ähnliche Schuh-Hersteller und Footwear-shops unter.

Diesen offensichtlichen Mechanismus kennt inzwischen jeder und man wundert sich nicht mehr darüber.

Viel schlimmer ist aber die nicht ganz so offensichtliche Kenntnis der Techkonzerne über die persönlichen und politischen Vorlieben der User, so daß man unweigerlich in Blasen aus Gleichgesinnten gezogen wird und lauter Memes vorgesetzt bekommt, die einem gefallen.

Nachdem Trumps Twitter-Account gestern endgültig gelöscht wurde, gab es innerhalb Minuten eine Flut von lustigen Reaktionen, die ich gar nicht erst suchen musste, weil Jack Dorsey und Mark Zuckerberg natürlich schon vor mir wußten, was mir gefällt und diese Spaßparade genau auf meinen Bildschirm lenkten.

In solchen Situationen sollte man aber immer bewußte „Feindbeobachtung“ betreiben und sich ansehen, wie die Trump-Jünger die Causa verarbeite.

David Berger, der faschistoide Betreiber der rechten Verschwörungsblogs „PP“, steht exemplarisch für die Lügen und Falschinformationen zum Thema, die nun weltweit verbreitet werden.

[…..] Zeichenhaft für diese Löschungs- und Zensuraktionen steht der Krieg, den Twitter gegen Donald Trump führte. […..] Der Kampf gegen Trump geht allerdings munter weiter: Zahllose Twitterkonten, die sich jemals positiv zu Trump geäußert haben, werden gelöscht. […..]  Eine unvorstellbare virtuelle Hexenjagd findet derzeit statt, die zeigt, wie viel wert Bidens Versprechen, das Land versöhnen zu wollen, ist. Offensichtlich möchte auch Twitter – ähnlich wie die deutschen Mainstreammedien die Spaltung der deutschen Gesellschaft wesentlich mitzuveranwtorten haben – dazu beitragen, den drohenden Bürgerkrieg ganz gewaltig auf die Sprünge zu helfen.  […..] Bleibt noch nachzutragen, dass wir bei PP vor genau dieser Entwicklung seit unserem Bestehen gewarnt haben. Ja, PP ist als Feste des liberalkonservativen Denkens gegründet und ausgebaut worden, um genau diese Entwicklung irgendwie zu bremsen oder aufzuhalten. […..]

 (D.B. 09.01.2021)

Das diametrale Gegenteil der Phimose-Blog-Behauptung ist wahr. Twitter und Co stehen unter erheblichen Druck, weil die die Plattform dafür boten, daß Trump die Gesellschaft spalten konnte und seit Jahren kontinuierlich Hass verbreitete.

Außerdem lügt Berger sich zu Recht, daß Biden für Twitter verantwortlich wäre.

Die Heuchelei ist sagenhaft, denn niemand löscht und blockiert so rücksichtlos Widerspruch, kritische Kommentare und Richtigstellung wie David Berger auf PP und seine privaten Social-Media-Kanälen. Er lügt tolldreist und blockiert sofort jeden, der die wahren Fakten benennt.

Schließlich die dreisteste Fehlinformation: Die Pressefreiheit und Meinungsfreiheit wäre verletzt. Das ist blanker Unsinn. Trump und der URIN-DUSCHER können meinen und veröffentlichen was sie wollen. Der Staat garantiert diese Meinungsfreiheit, in Deutschland nur minimal eingeschränkt durch den Volksverhetzungs-Paragraphen.

Gerade rechte Kapitalistenfreunde sollten aber wissen, daß private Unternehmen natürlich das veröffentlichen können was sie selbst möchten und nicht etwa durch Methmouth Berger gezwungen werden können, was auf ihren Websites erscheint.

Facebook ist ein amerikanisches Unternehmen mit einer privaten Satzung. Bekanntermaßen reagiert Zuckerberg höchst allergisch auf das zeigen weiblicher Brustwarzen. Männliche Brustwarzen dürfen gezeigt werden, Weibliche nicht. Wer es dennoch auf Facebook wagt ein Bild mit sichtbaren weiblichen „Nipplen“ zu posten, kann sofort rausgeworfen werden.

 

Ich halte das selbstverständlich für hochgradig lächerlich, aber Zuckerbergs Facebook, Zuckerbergs Regeln. Wer bei ihm mitspielen will, unterschreibt die Regeln gleich bei der Accounteröffnung, indem er die AGB akzeptiert.

Private Unternehmen haben private Regeln. Wenn ich im Restaurant nebenan sitzen möchte, darf ich nicht meine eigenen Getränke mitbringen.

Wenn ich in einer Boutique ein Hemd anprobiere, darf ich mir daran nicht die Nase schnäuzen, wenn ich in den Zoo gehe, darf ich nicht den Löwenkäfig aufschließen und wenn ich ins Kino gehe, darf ich nicht auf den Sitz pinkeln.

Die rechten Verschwörer stellen Meinungsfreiheit bewußt falsch dar und tun so, als ob dies bedeute, ihnen dürfe nicht widersprochen werden und sie müssten das Recht haben überall gehört zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen, alle privaten Medien wären verpflichtet sie zu Wort kommen zu lassen.

Wir kennen diese unsinnigen Lügen schon lange.

(…..) Die reaktionäre Fundi-Christin Eva Herman ist so ein unangenehmes Beispiel.
Ganz im Gegensatz zu den immer wieder von rechtsradikalen Quellen (Kreuznet und Co) auftauchenden Vorwürfen das politisch korrekte Deutschland habe ihr „Berufsverbot“ erteilt, ist die blonde Braune unglücklicherweise beruflich extrem aktiv.

Wir sind eben eine freie Gesellschaft und daher darf auch ein dunkeldeutsch frömmelndes Kreuznet-Liebchen tun was es will.
Sie publiziert, verkauft fast ein Dutzend Bücher unter ihrem Namen, spricht auf dubiosen Parteineugründungen, wird bei ultrakatholischen Kongressen als Rednerin engagiert und ist nicht zuletzt das mediale Gesicht des Kopp-Verlages.

Dort versammelt sich das Who-Is-Who der rechtsnationalen Verschwörungstheoretiker, Ufologen (z.B. Erich von Däniken), Islamhasser wie Udo Ulfkotte und Esoterik-Freaks.


„Der Verlag bezeichnet sich selbst als Verlag und Fachbuchversand für Enthüllungsliteratur, Verschwörungen und Geheimgesellschaften. Verlegt werden unter anderem Bücher zu Themen der Prä-Astronautik, der Ufologie, des Erfundenen Mittelalters, des Kreationismus, der Astrologie, der Geomantie sowie der Germanischen Mythologie, des Islamismus, der Freiwirtschaftslehre und „Enthüllungen“ wie zu sogenannten „linken Lebenslügen.“
(Wiki)

Wie schön wäre es, wenn Herman tatsächlich mit Berufsverbot belegt wäre.
Aber mit Kopp bildet sie eine perfekte Symbiose.
Der finanzstarke Verlag füttert sie und dafür liefert die angebräunte TV-Frau regelmäßig mit ultrabizarren Ansichten (Loveparade-Katastrophe war Strafe Gottes, etc) die PR für den vorher eher im Schatten vor sich hin modernden rechten Verlag.  (…..)

(Neues von Eva Braun, 26.12.2011)

Ich kenne aus eigener Erfahrung das unangenehme Gefühl von einer Plattform geworfen zu werden, während man gerade die Argumente ausspricht, die man für wesentlich hält.

Das erste mal passierte mir das mit meinem Kreuznet-Account, in einer Frühphase der braunen Plattform, als ich noch so naiv war zu glauben, man könne mit den Hetzern diskutieren und sachlich historische Fakten gegen Falschbehauptungen stellte.

Plötzlich war ich verbannt und konnte mich nicht mehr gegen die Anwürfe der braunen Irren wehren. Das nagt an einem. Aber Kreuznet war natürlich eine private Angelegenheit. Wenn ich da mitspielen wollte, musste ich nach deren regeln spielen und konnte nicht auf die Meinungsfreiheit pochen.

Ich kenne den Ärger über die Löschung des eigenen Social-Media-Profils aus eigener, mehrfacher Erfahrung. Man fühlt sich ohnmächtig.

Aber ich weiß, daß Mark Zuckerbergs Baby Facebook sehr kirchenfreundlich ist und ich Kardinäle und Prälaten nicht so kritisieren darf wie ich es für angemessen hielte. Dann werde ich automatisch von seiner Plattform entfernt.

Das hat aber nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, denn ich kann privat und vielen anderen Stellen über Kardinal Woelki sagen, was ich möchte. Nur eben nicht in Mark Zuckerbergs Zuhause.

Tatsächlich unterliegt auch Trump den Twitter-Regeln.

Tatsächlich akzeptierte er diese regeln, als er seinen Account eröffnete.

Tatsächlich hatte Trump über viele Jahre sogar sehr viel mehr Freiheiten als die anderen Twitter-User.

Tatsächlich wurden ihm über Jahre Lügen und Aufhetzungen durchgelassen, für die Twitter andere User längst entfernt hätte.

Neben den deutschen Rechten toben natürlich erst Recht die amerikanischen Rechten über Trumps Twitter-Aus.

Seine Unterstützer sind außer sich und verbreiten ebenfalls die Berger-Falschinformationen.

Besonders lustig ist Trumps ältester Sohn Don Jr., der auch ganz offensichtlich ein ähnlich extremes Drogenproblem wie der PP-Mann aus Köln/Berlin hat.

Der arme Irre vergleicht wie viele andere Republikaner nun Trumps Rechte mit „Iran’s Ayatollah“. Die Talkingpoints verbreiten sich rasend schnell.

Twitter may ban me for this but I willingly accept that fate: Your decision to permanently ban President Trump is a serious mistake.    The Ayatollah can tweet, but Trump can’t. Says a lot about the people who run Twitter.

(Lindsey Graham @LindseyGrahamSC, 9. Jan. 2021)

So the ayatollah, and numerous other dictatorial regimes can have Twitter accounts with no issue despite threatening genocide to entire countries and killing homosexuals etc... but The President of the United States should be permanently suspended.

Mao would be proud.

(Donald Trump Jr. @DonaldJTrumpJr, 9. Jan. 2021)

Get this! If you want to follow Iran’s Ayatollah, he’s now got MULTIPLE Twitter feeds. In multiple languages. Italian has just been launched, so the message of hate can be fully understood! […..]

(Donald Trump Jr. @DonaldJTrumpJr, 9. Jan. 2021)

Das kleine Dummerle regt sich ganz fürchterlich auf.

Und bringt da allerhand Historisches durcheinander.      Aber es war ja noch nie das Hellste der Trump-Blagen. Und deren IQ liegt im Durchschnitt ohnehin nur kurz über Zimmertemperatur.

Bekanntlich hassen die Trumps den Iran, aber das liegt ausschließlich daran, daß sie Rassisten sind und das Iran-Abkommen bekämpfen, welche von dem schwarzen Präsidenten Obama mitbeschlossen wurde.

Sie wissen allerdings ganz offensichtlich gar nichts über den Iran.

Wen meinen sie eigentlich mit „The Ayatollah“? Es gibt über 5000 Ayatollahs.

Den Imam Ali Chamenei, den Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte und das Quasi-Staatsoberhaupt des Iran?

Oder vielleicht den Hodschatoleslam Hassan Rouhani, den 7. Präsidenten der Islamischen Republik Iran?

Mal abgesehen davon, daß Chamenei und Rouhani, anders als Trump die amerikanischen Wahlergebnisse anerkennen, keine 30.000 Lügen verbreiteten und auch nicht zum Sturm auf das US-Kapitol anstifteten, sollten Graham und der kleine Trump sich erst mal mit der komplizierten Iranischen Verfassung beschäftigen und darüber hinaus einen Blick auf die geistlichen Ränge des schiitischen Glaubens, der „Zwölferschia“ werfen.

Ganz an der Spitze steht der Mardschaʿ-e Taghlid, quasi der schiitische Papst.

Der letzte Mardschaʿ-e Taghlid Hossein Ali Borudscherdi starb 1961).

Knapp darunter steht die Großajatollahs oder Ajatollah al-Ozma. Sie entsprechen am ehesten katholischen Kardinälen; es gibt insgesamt 23 Stück, von denen die meisten sehr betagt sind.

 Iran

    Lotfollah Safi Golpaygani (1917–)

    Taqi Tabatabaei Qomi (1922–)

    Hossein Vahid Chorasani (1924–)

    Mohammad Schahrudi (1925–)

    Mohammad Alavi Gorgani (1926–)

    Hossein Noori Hamedani (1926–)

    Sadeq Rohani (1926–)

    Naser Makarem Schirazi (1927–)

    Musa Schubairi Zandschani (1927–)

    Abbas Mahfuzi (1928–)

    Mohammad Rahmati Sirdschani (1928–)

    Dscha'far Sobhani (1928–)

    Mohammad Hussain Nadschafi (1932–)

    Mohammad Ebrahim Dschannati (1932–)

    Hossein Mazaheri (1934–)

    Dschavad Gharavi Aliari (1935–)

    Kazem al-Haeri (1938–)

    Sadiq Hosseini Schirasi (1942–)

Irak

    Morteza Hosseini Fayaz (1928–)

    Ali as-Sistani (1930–)

Pakistan

    Muhammad Hussain Nadschafi (1932–)

Afghanistan

    Mohaqiq Kabuli (1928–)

    Muhammad Asif Muhsini (1935–)

Unter den Großayatollahs stehen die Ajatollahs, vergleichbar mit Bischöfen, die diesen Titel aber auch erst nach jahrzehntelangen theologischen Studien an einer schiitischen Universität erhalten.

Über 5000 Männer tragen diesen Titel im Iran, allein knapp 100 in offiziellen Staatsämtern.

Die klerikale Rangfolge fächert sich nach unten immer breiter aus.

[…..] Hodschatoleslam […..] ist ein islamischer Gelehrtentitel, der heute vor allem im Bereich der Zwölfer-Schia Verwendung findet.  […..] In der Titel-Rangordnung der modernen Zwölfer-Schia ist Hodschatoleslam oberhalb der Titel Fādil und ʿAllāma und unterhalb von Ajatollah angesiedelt. Die Titel entsprechen dabei bestimmten Stufen im Ausbildungssystem der Hawza. Den Titel Hodschatoleslam erhalten die Studierenden, die bereits Teile der obersten Ausbildungsstufe (chāridsch) abgeschlossen haben und Studierende der mittleren sutūh-Stufe unterrichten. […..] Bekannte Inhaber des Titels Hodschatoleslam wa-l-muslimīn sind z. B. Mohammad Chātami, Mehdi Karroubi und der iranische Präsident Hassan Rohani. […..]

(Wiki)

Aber das nur am Rande erwähnt.

Mit Sicherheit wissen Trump und Graham nichts darüber.

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