Montag, 18. Januar 2021

Der Feind im eigenen Haus

 Als Bill Clinton im Januar 2001 das Weiße Haus verlassen musste, hatte er zwar ein Impeachmentverfahren überstanden, aber im Gegensatz zu den beiden Trumppeachments war das wirklich eine Großheuchelei und Hexenjagd.

Niemand konnte bestreiten, daß Clinton, das Naturtalent, ein großer Präsident war. Um ihn loszuwerden. Konzentrierten sich die Republikaner auf eine kleine Eheaffäre.

Wie ehrlich das hypermoralische Ansinnen der Republikaner gemeint war, zeigt sich an ihrer bedingungslosen Unterstützung des Dauerehebrechers und Groß-Sexisten Donald Trump.

Bill Clinton war der intelligenteste US-Politiker des 20. Jahrhundert und seine Präsidentschaft litt ein wenig daran, daß er von keiner Megakrise gefordert wurde, an der er sein Können hätte zeigen können.

Als er aus dem Amt schied, hatte er die von den 12 Jahren republikanischer Herrschaft ruinierten Staatsfinanzen nicht nur in Ordnung gebracht, sondern ein gewaltiges Budget-Plus hinterlassen.

Er war das erste echte Opfer der Nach Roosevelt eingeführten Amtszeitbeschränkung auf acht Jahre und schied mit einer Rekord-Zufriedenheit von 66% aus dem Amt.

Final Approval Ratings US-Presidents:

2017 Obama 59%

2009 GWB 34%

2001 Clinton 66%

2021 Trump 29%

Ein Fall von echter Tragik, daß sich der 42.US-Präsident nicht zur Wiederwahl stellen konnte; bei seinen Rekordbeliebtheitswerten wäre er mit einem Erdrutschsieg in die dritte Amtszeit gewählt worden.

Er war gerade erst 54 Jahre alt, auf dem Höhepunkt seiner geistigen Kraft und der Welt wäre so viel erspart geblieben, wenn nicht die ideologischen Kriegstreiber um GWB Osama bin Laden gegenüber gestanden hätten.

Gut möglich, daß es gar nicht erst zu dem Geheimdienstversagen bekommen wäre, das 9-11 möglich machte.

Mit Sicherheit hätte Bill Clinton als Reaktion darauf aber nicht die Welt in zwei Lager gespalten, eine Million Menschen umgebracht, den Nahen Osten entflammt und das ehrliche Hilfsangebot aus Teheran barsch abgelehnt, um Iran zur „Achse des Bösen“ zu zählen.

Europa wäre nicht auseinander dividiert, der Terrorismus nicht gefördert worden und ganz nebenbei hätten wir uns die Weltfinanzkrise zum Ende auch erspart.

Donald Trump ist das diametrale Gegenteil des gleichaltrigen Clinton.

Ohne sich den Vorwurf der Parteilichkeit einzuhandeln, kann man ihn objektiv als schlechtesten US-Präsidenten diagnostizieren.

Er ist nicht nur sehr dumm und ungebildet, sondern ganz anders als Clinton überhaupt nicht neugierig. Seine Sagenhafte Borniertheit macht ihn zur Inkarnation des Dunning-Kruger-Effekts. Er will gar nichts lernen, keine Informationen bekommen, nicht gebrieft werden, weil seine schwer psychotische Persönlichkeit ihn irrigerweise glauben lässt, ohnehin alles besser als andere zu wissen und zu können.

Sein Vermächtnis läßt sich auf ein paar unbestreitbare Spiegelstriche reduzieren.

Zwei Mal deutlich weniger Stimmen als der Gegenkandidat bekommen.

Präsidentschaftswahl 2020 verloren.

Mehrheit im House verloren.

Mehrheit im Senat verloren.

Wirtschaft am Boden.

Bald 400.000 Covid19-Tote.

Höchstes Haushaltsdefizit aller Zeiten.

Rekordschulden.

Höchste Arbeitslosenquote.

Höchste Obdachlosenquote.

Blut im Kapitol.

Hass auf den Straßen.

Gespaltene Gesellschaft.

Verbannt von allen Social Media-Plattformen.

Zwei Impeachments.

Über 25.000 Lügen im Amt.

Amerikas Ansehen in der Welt ruiniert.

Totalschaden der Marke Trump.

Rückzug aller Sponsoren von der GOP.

Rückzug der Deutschen Bank als Milliarden-Finanzier der Trumps.

Rückzug der New Yorker Trump-Hausbank Signature.

Rückzug der Trump-Hauptbank Professional Bank in Florida.

Rückzug von Cushman & Wakefield aus Trump-Immobilien.

Rückzug des Vornado Realty Trusts aus Trump-Immobilien.

Rückzug des Golfprofiverbandes PGA von Golfturnieren auf Trump-Plätzen.

Klagen der Anwohner von Mar A Lago gegen seine Anwesenheit.

Mutmaßliche baldige Pleite der „Trump-Organisation“.

Eine Flut von Anklagen gegen Donald, Don Jr., Eric und Ivanka Trump.

Politische Zukunft Ivankas ruiniert.

….oder wie es Trump selbst ausdrückt: SO MUCH WINNING!

Trump werden wir übermorgen aus dem Weißen Haus los.

Aber es bleiben nicht nur die 74 Millionen Trump-Wähler übrig sondern der Trumpismus brachte auch rund 150 gefährliche Fanatiker direkt ins Parlament.

Als die demokratische, schwarze Abgeordnete Cori Bush nach der Erstürmung des Kapitols durch den Trumpschen Mordmob, der fünf Todesopfer forderte und die Rioter auch deswegen so sympathisch machte, weil sie den demokratischen Abgeordneten ins Büro kackten, WHITE SUPREMACY verurteilte, wurde sie von den Republikanern ausgebuht. Offensichtlich fühlten die sich als überzeugte Rassisten angegriffen.

Es wird immer offensichtlicher, daß der rechtsextreme Lynchmob von republikanischen Abgeordneten selbst unterstützt wurde. Sie bekamen Grundrisse und Informationen über die Aufenthaltsorte der verhassten Demokraten zugespielt.

Die völlig wahnsinnige QAnon-Verschwörungstheoretikerin Marjorie Taylor Greene wurde in Georgia in den US-Kongress gewählt und verbreitet so offen gewalttätigen Rechtsextremismus, daß sie wie ihr Idol Trump von Twitter gesperrt wurde.

Die demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar und Rashida Tlaib nennt sie „islamische Invasion der Regierung“ („Islamic invasion of our government“).[

Im September 2020 verbreitet Greene auf ihrer Facebookseite eine Fotomontage der Kongressabgeordneten Omar und Tlaib sowie Alexandria Ocasio-Cortez mit einer AR15 und dem Text, man müsse „gegen Sozialisten vorzugehen, die das Land zerreißen wollen“


Die Abgeordneten mögen durch die gewaltige Nationalgarden-Präsenz nun durch Angriffe von außen geschützt sein, aber das Trump-Gift ist bereits in den Kongress selbst vorgedrungen. Demokraten müssen sich vor ihren republikanischen Kollegen fürchten. Sie müssen um ihr Leben fürchten, weil diese Rechtsextremen vollkommen entmoralisiert und bewaffnet sind.


Zu einer gewissen Berühmtheit; oder eher Berüchtigkeit, brachte es die 34-Jährige Waffenfanatikerin Lauren Boebert, die im November 2020 in Colorado in den US-Kongress gewählt wurde.

Man kann sich das nicht ausdenken: Sie betreibt mit ihrem Mann in RIFLE (CO) ein Schnellrestaurant namens SHOOTERS in dem das gesamte Personal mit umgeschnallten Pistolen arbeitet. Ohne griffbereiten Revolver geht nichts bei Boeberts.

Die fanatische Trumpistin trägt demonstrativ immer ihren Revolver umgeschnallt und umlief einfach den von Nancy Pelosi aufgestellten Metalldetektor, um ins Plenum zu kommen.

Sie sitzt mit geladener Waffe im Parlament.

[…..] Boebert [trägt] ihre eigene Waffe - meistens eine Neun-Millimeter-Pistole der österreichischen Firma Glock -, weil sie eine überzeugte Anhängerin des Second Amendment ist, des Zweiten Zusatzartikels zur US-Verfassung. […..] All das wäre nicht weiter bemerkenswert, säße Boebert nicht seit Beginn des Jahres für die Republikaner als Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus in Washington. In der Hauptstadt gelten deutlich strengere Waffengesetze als in Rifle, Colorado. Offen eine Pistole am Gürtel zu tragen, ist verboten, was Boebert aber nicht einsehen will. […..] Boebert [ist] bisher ausschließlich mit ihrer Forderung aufgefallen, immer und überall ihre Pistole mit sich tragen zu dürfen.  Das wiederum spiegelt den dürftigen programmatischen Zustand der Republikaner ganz gut wider. […..] Insofern war es keine Überraschung, dass Boebert, eine begeisterte Trumpistin, am 6. Januar gegen die Bestätigung des Wahlsiegs von Joe Biden stimmte. "Heute ist 1776", twitterte sie am Morgen jenes tragischen Tages - eine Referenz an die amerikanische Revolution. Einige Stunden später, nachdem der Trump-Mob das Kapitol gestürmt hatte, sah das nicht mehr so gut aus. Aber Reue hat Lauren Boebert bisher nicht gezeigt. Als das Abgeordnetenhaus zu seiner ersten Sitzung nach dem Sturm zusammentrat, ging sie demonstrativ um den Metalldetektor herum. In ihrer Tasche, so sagt sie, habe sie ihre Glock dabeigehabt. [….]

(Hubert Wetzel, 18.01.2021)

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