Freitag, 13. März 2026

Schatten aus der Vergangenheit

Atheist war ich von Geburt an, weil jeder Mensch als Atheist geboren wird.

Die lokale religiöse Ideeologie wird Kindern erst durch ihre Eltern aufgezwungen.

Kinder, die zufällig im Oman oder Saudi-Arabien geboren werden, macht man zu Muslimen. Malteser oder Philippinos zu Katholiken und wer das Licht der Welt in einer israelischen Siedlung im Westjordanland erblickt, wird als orthodoxer Jude gelistet. Es handelt sich um religiöse Zwangsrekrutierungen. Diesen Mitgliedschaften entkommt man nicht so leicht. Eine Taufe ist genauso wenig rückgängig zu machen, wie eine Genitalverstümmelung.

Ich hatte das Glück, nach meiner Geburt Atheist zu bleiben, weil meine Eltern schon Atheisten waren, die mich nicht taufen ließen.

Im Laufe meines Lebens, kam es zu einigen Eskalationsstufen, die mich in radikale Opposition zu Christentum und Kirche brachten.

Skeptisch wurde ich schon als kleineres Kind, weil ich meine Oma sehr liebte, die aber eine verkrümmte linke Hand hatte, weil sie als Linkshänderin als kleines Mädchen von den Pfaffen immer wieder Stockhiebe auf die Finger erhielt. Man wollte ihr die teuflische Linkshändigkeit austreiben. Der Teufel ist links.

Etwa 14 Jahre nach der Geburt zündete die nächste Stufe, als ich den Konfirmandenunterricht besuchte, der mir von Mitschülern als perfekte Geldquelle angepriesen wurde. Ein paar Wochen Langweile nachmittags beim Pfaff und dann dicke Geld-Umschläge bei der Konfirmation. Ein auch Ungetauften zugänglicher Weg; da man bei der Konfirmation auch unmittelbar vorher noch getauft werden können – alles in einem Abwasch.

(….) Ich wollte wissen was es mit der Bibel und dem Glauben auf sich hatte, konnte mir aber kein Gehör verschaffen, weil allen anderen Konfirmanden schon ab der ersten Stunde ausschließliche diskutierten wie sie ihre zukünftigen Reichtümer, die es zur Konfirmation hageln würde, zu verprassen gedächten.

Der Lehrer war desinteressiert, die Schüler waren desinteressiert.

Der einzige, der sich tatsächlich für die Kirche und ihre Bedeutung interessierte war ich. Und ich fragte.  Das gefiel dem Gemeindehelfer gar nicht. Ich solle an Gott glauben und ihn nicht hinterfragen.

Einige Wochen später erhielt meine Mutter einen Anruf von Pfarrer M. Ihr Sohn sei für den Konfirmandenunterricht ungeeignet, weil er alles hinterfrage.

So schnell kam also das „Aus“ für meine Kirchenkarriere.

Immerhin hatte der Pastor damals eine richtige Eingebung.

Ich tauge wirklich nicht dazu blind Dogmen zu folgen. (…)

(Es soll halt nicht sein, 13.07.2016)

Wenige Jahre später; so etwa im Oberstufen-Alter traten ein halbes Dutzend hochgradig abstoßende katholische Top-Kleriker in mein Leben, die mir den politischen Aspekt der Religion nahebrachten. Ich lernte die ungeheuren Privilegien der Kirchisten kennen, ihre Finanzströme, den exklusiven Zugang zu Regierungen, die massive Einmischung auf Bildungs- und Gesundheitssysteme, ihre homophobe, misogyne Propagandamacht. Ich begann, mein Umfeld darüber aufzuklären, wieso der Staat als Inkassounternehmen die Kirchenmitgliedsbeiträge eintreibt und wir Steuerzahler Bischofsgehälter und Theologenausbildung finanzieren. Meine Kronzeugen und Posterboys waren der Kurt Krenn (1936-2014), Hans Hermann Groër (1919-2003), Johannes Dyba (1929-2000), Johannes Joachim Degenhardt (1936-2002), Joseph Höffner (1906-1987) und Walter Mixa (*1941).

Mixa

(….) Viel Aufklärung erfuhr ich in der Prä-Wendezeit, als Lea Rosh ihre legendären monothematischen „Freitagsnacht“-Talkshows zum Thema Kirche machte.

Da lernte man drei Menschen wirklich kräftig zu hassen: Den stets bis zum Bersten vollgefressenen, immer breitbeinig im Sessel rumlümmelnden Weibischof Krenn, die ZdK-Aktivistin Rita Waschbüsch (CDU) und eben jene evangelische Fundamentalistin Elisabeth Motschmann, geborene Elisabeth Charlotte Baronesse von Düsterlohe.

Die Theologin ist Mitglied des Kuratoriums der Lebensrechtsbewegung „Stiftung Ja zum Leben“ und agitiert leidenschaftlich gegen sexuelle Selbstbestimmung, Feminismus und selbstverständlich auch die Homoehe.

Wer sich schon in einem ähnlich greisen Alter wie ich befindet, wird sich vermutlich an die ersten monothematischen Talkshows erinnern, die es in den deutschen dritten Fernsehprogrammen gab.
Meiner Ansicht nach sind die besten religionskritischen Sendungen überhaupt Lea Roshs „Freitagnacht“-Ausgaben (ab 1988 auf SFB) gewesen.
Interessanterweise übernahmen den Part der Kirchen-Basher die Religiösen selbst, die in ihrem bräsigen Allmachtswahn gar nicht merkten, wie sie sich lächerlich machten.  Damals lernte ich Medienikonen wie Kurt Krenn kennen.


Für immer in Erinnerung wird mir bleiben, daß sich Jutta Dithfurth einst zurücklehnte und sinngemäß sagte:

 „Lieber Bischof, so wie sie reden fügen sie der Kirche schweren Schaden zu und vertreiben die Mitglieder. Ich möchte dazu gar nichts weiter sagen, da mir das sehr recht ist!"

 
Eine besonders oft auftauchende Gästin war eine damals phänotypisch 79-Jährige verhärmte Hardcore-Protestantin namens Elisabeth Motschmann mit Topffrisur und Sprachfehler.(….)
(Zurück in die Vergangenheit, 10.05.2015)

Die nächste Eskalationsstufen erfolgte 2002, als das, was sehr gut informierte Kirchenkritiker immer wußten (Kardinal Groërs sexuelle Attacken auf kleine Jungs waren seit 1995 publik) schließlich aus den USA auf die Titelzeilen drang.

[….] 2002 machte der „Boston Globe“ öffentlich, dass im Erzbistum Boston Tausende Kinder und Jugendliche missbraucht worden waren, allein gegen einen Priester lagen 200 Beschuldigungen vor. Die Bistumsleitung hatte die Geistlichen versetzt und versucht, Gerichtsakten unter Verschluss zu halten. Der Erzbischof von Boston trat 2002 zurück. 2009 veröffentlichte Irlands Regierung einen Bericht über sexualisierte Gewalt in katholischen Einrichtungen.  [….]

(DLF, 16.01.2020)

Die evangelischen und katholischen Bischöfe in Deutschland schwiegen und vertuschten weiterhin. Bis sie 2010 von den Canisius-Enthüllungen aufgeschreckt wurden und seither jedes deutsche Bistum als K1nders€x-El Dorado entlarvt wurde.

Anders als deutsche Bischöfe, hatte ich das Thema schon lange vor 2010 stets auf dem Schirm. Nicht durch Undercover-Recherche, sondern aus allgemein zugänglichen Quellen. Man konnte längst alles wissen, aber die Kleriker taten alles, um die K!d€rf!ck€r in ihren Reihen zu schützen, die Opfer weiter zu malträtieren.

(…..) In einem Interview hatte Bischof Bernardo Álvarez Afonso Homosexualität und Päderastie gleichgestellt und behauptet, dass Minderjährige nicht immer schuldlos an sexuellem Missbrauch seien:

"ES GIBT13-JÄHRIGE KNABEN, DIE DAS SOGAR WÜNSCHEN
WENN DU NICHT AUFPASST, PROVOZIEREN SIE DICH."

Das sind die Töne, die immer aggressiver werden und bei einer Massendemo von über 100.000 Katholiken gegen die sozialistische Regierung letzten Sonntag in Madrid zu hören waren. Schließlich sind Spaniens Katholiken fest in der Hand von ultrafundamentalistischen Theo-Cons um den einflussreichen Erzbischof von Madrid, Antonio María Rouco Varela.

Wir kennen das ja auch von deutschen Kardinälen:
Wenn Katholiken pädophil sind und kleine Kinder mißbrauchen sind nicht etwa sie selbst schuld sondern nach katholischer Lesart entweder die Opfer selbst, oder deren Mütter - wie es Kardinal Degenhardt erkannte:

„WENN JUNGE MÄNNER STÄRKER MIT DER PFLEGE VON KLEINKINDERN BETRAUT SIND UND DABEI NACKTE ENTBLÖSSTE KÖRPER STÄNDIG SEHEN; SIE BERÜHREN UND SAUBER MACHEN MÜSSEN, IST DIE GEFAHR GROSS, DASS SIE BEGIERDEN NICHT WIDERSTEHEN KÖNNEN. DER VIELE KÖRPERKONTAKT MIT DEM JUNGEN KINDE BEI DER PFLEGE WÜRDE IHNEN SICHER OFT ZUM VERHÄNGNIS WERDEN.
UND DESWEGEN STELLEN WIR FEST; DASS AUCH DIESE KONSEQUENZ; DASS VÄTER HAUSMÄNNER WERDEN, AUCH NEGATIVE ASPEKTE HAT!“  (…)

(Tammox, 07.01.2008)

(….)  Der berüchtigte Kardinal Groer konnte sich bekanntlich in seine Senilität flüchten, als er hoch in den 80ern sogar krebskranken Jungs im Krankenhaus in die Unterhosen griff.   Fällt die Option „Alzheimer“ als Entschuldigung aus, sind katholische Pädophile keineswegs genötigt Reue zu zeigen oder gar ehrlich zu sein.
Nein, dann kann immer noch bagatellisiert und verharmlost werden, wie es Bischof Krenn tat, als in seinem Priesterseminar 40.000 Pornodateien gefunden wurden und Bilder auftauchten auf denen zu sehen war, wie die angehenden Priester in prä-petting’schen Stellungen mit ihren Lehrern posierten.
Krenn bewertete dies als „Bubenstreiche“.
Bernardo Álvarez Afonso und Kardinal Degenhardt
wiesen die Schuld gleich den Opfern oder deren Müttern zu.
Verfolgt man den Blog „abusetracker“ sieht man, daß auch heute keinerlei Dreistheit gescheut wird, wenn Priester ihre Taten erklären.
Soeben erklärte der bereits fünfmal wegen pädophiler Übergriffe auf kleine Jungs angeklagte Priester Desmond Laurence Gannon in Melbourne, er habe einem 11-Jährigen nur ein paar „Anatomie-Stunden“ geben wollen, als er ihn wieder und wieder belästigte: (…)

(Tatmuster, 13.06.2009)

Wenn Katholiken pädophil sind und kleine Kinder mißbrauchen sind nicht etwa sie, die Täter, schuld, sondern nach katholischer Lesart entweder die Opfer, oder deren Mütter - wie es Kardinal Degenhardt erkannte:

[…] „Junge Frauen sind gleichberechtigt und fordern eine Beteiligung ihrer Männer an der häuslichen Tätigkeit ... Und da liegen die Gefahren für junge Männer, ... daß sie ihren Trieben nachher nicht mehr standhalten können. Wenn junge Männer stärker mit der Pflege von Kleinkindern betraut sind und dabei nackte, entblößte Körper ständig sehen, sie berühren und saubermachen müssen, ist die Gefahr groß, daß sie ihren Begierden nicht widerstehen können. Der viele Körperkontakt mit dem Kind bei der Pflege würde ihnen sicher oft zum Verhängnis werden. Und deswegen stellen wir fest, daß auch diese Konsequenz, daß viele Väter Hausmänner werden, auch negative Aspekte haben kann.“  […..]

(Kardinal Degenhardt 1994)

 Kaum ein deutscher Kleriker war so beliebt - ich zitiere Wikipedia über die Trauerfeier Degenhardts.

 Die Beisetzung im Hohen Dom zu Paderborn fand am 3. August 2002 in Anwesenheit von neun Kardinälen (Henrik Gulbinowicz (Breslau), Karl Lehmann (Mainz), Franticzek Macharski (Krakau), Joachim Meisner (Köln), Joseph Ratzinger (Rom), Leo Scheffczyk (München), Adrianus Simonis (Utrecht), Georg Sterzinsky (Berlin) und Friedrich Wetter (München)), über 60 (Erz-)bischöfen aus aller Welt und zahlreichen staatlichen Gästen statt. Allein der Einzug der zahlreichen Würdenträger in den Hohen Dom dauerte 20 Minuten.   Den größten Beisetzungsfeierlichkeiten, die Paderborn je in seiner Geschichte erlebt hat, stand als Legat von Papst Johannes Paul II. Joseph Kardinal Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., vor, kurz bevor dieser Dekan des Kardinalskollegiums wurde (27. November 2002). Eine unübersehbare Zahl von Gläubigen gab Degenhardt in dem vom Fernsehen live übertragenen Pontifikalrequiem das letzte Geleit. …

32 Jahre, nachdem ich das Degenhardt-Zitat aus dem SPIEGEL ausgeschnitten und an meine Küchenwand gepinnt hatte, holt es die RKK doch noch ein.

[….] Reinhold Harnisch, 1955 in Paderborn geboren, wurde laut eigenen Angaben über vier Jahre lang vom damaligen Leiter des Domchores, Walter Salmen, missbraucht. In der Krypta des Doms, »nahezu täglich« und »in jeder nur erdenklichen Weise«, wie er im Gespräch mit dem SPIEGEL sagt. Sein Fall fand anonymisiert Eingang in die Studie.  Die Übergriffe ereigneten sich demnach zwischen 1964 und 1967 – da war Harnisch neun, zehn, elf und zwölf Jahre alt. Seine Schilderungen, wie Sexualstraftaten im Erzbistum mutmaßlich verschwiegen und vertuscht wurden, sind erschütternd.

»Die Kirche hat meine Vorwürfe über Jahrzehnte abgestritten und verleugnet«, sagt Harnisch. Erzbischof Jaeger und sein Nachfolger Degenhardt hätten während ihrer Amtszeiten strikte Order gegeben, Missbrauchsfälle zu vertuschen. »Ich wurde von Priestern bedroht, man warnte mich, dass ich zu schweigen habe«, erinnert sich Harnisch.

»Wenn du Schweinereien gemacht hast, kommst du ins Heim«

Degenhardt selbst habe ihm in einem Gespräch gesagt, dass er »das personifizierte Böse« sei und nicht in seine Kirche gehöre. Ein Geistlicher aus dem Erzbistum habe ihm geraten, die Füße stillzuhalten: »Lassen Sie es, der Bischof würde Sie vernichten.«  [….]

(Annette Langer, 12.03.2026)

32 Jahre nach den ungeheuerlichen und öffentlichen Degenhardt-Worten zur Kinderpflege, hat nun auch sein Erzbistum, die reichste deutsche Diözese Paderborn, noch mal nachgeforscht. ÜBERRRASCHUNG, der beliebte Kardinal vergewaltigte mutmaßlich auch selbst kleine Jungs.

[…] Eine Studie deckt Missbrauchsfälle aus den Jahren 1941 bis 2002 auf. Mehr als 200 Geistliche haben sich an 489 Opfern vergangen. Der Sprecher einer Betroffenenvertretung äußerte den Vorwurf, dass ein ehemaliger Erzbischof mutmaßlich sexualisierte Gewalt einem minderjährigen Jungen angetan habe. […] Priesching bei der Pressekonferenz ein Interview mit einem Betroffenen schildert, wird es still. Sie erzählt, dass ein Betroffener ihr in einem Interview sagte, dass er anfing zu weinen und zu schreien, als ein Geistlicher vor ihm mastubierte. […] Die Zahlen der Betroffenen und Tätern ist deutlich höher als bisher angenommen. In der Zeit von 1941 bis 2002 gibt es Hinweise auf 210 Geistliche die sich an Kindern vergangen haben. 489 Missbrauchsopfer konnte die Studie ausmachen. "Das Dunkelfeld dürfte aber nochmal größer sein", sagt Priesching, weil sich wahrscheinlich nicht alle bei ihnen gemeldet haben.

Für die Studie hatten die Forschenden uneingeschränkten Zugang zu Kirchenakten und haben zahlreiche Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und kirchlichen Mitarbeitern geführt. In der Studie wurden die Namen der Täter anonymisiert.

Dass es in den Amtszeiten von Jäger und Degenhardt oft gar nicht erst zur Strafverfolgung gekommen ist, liege laut den Wissenschaftlerinnen nicht nur an untätigen Erzbischöfen. Die Kinder hätten oft gar nicht begriffen, was mit ihnen passiert sei und ihnen wurde wohl auch oft nicht geglaubt. […]

Es habe zwar zahlreiche Meldungen an die Erzbischöfe Jäger und Degenhardt gegeben. Die Geistlichen seien allerdings nur innerkirchlich bestraft worden, zum Beispiel durch Versetzungen. Degenhardt hätte außerdem oft Druck auf Betroffene und Familien ausgeübt, um Anzeigen zu verhindern. "Diese Vertuschungsspirale sorgte dafür, dass Täter ungestraft weitermachen konnten", sagt Priesching weiter. […] Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, hatte vor Veröffentlichung der Studie gegenüber dem WDR mitgeteilt, dass es laut ihm weitere Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Degenhardt gäbe. Schon mehrmals wurden Vorwürfe gegen Degenhardt erhoben. Diese wurden im Oktober 2025 von externen Sachverständigen als nicht plausibel eingeordnet.  […]

(WDR, 12.03.2026)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen