Inzwischen mache ich mir um die Pflege und finanzielle Absicherung im Alter, als kinderloser Single, nicht mehr ganz so viele Sorgen, weil offensichtlich ist, wie Reiche, Dobrindt, Merz, Trump, von der Leyen, Putin jeden Tag mit einer neuen völlig irrsinnigen Idee eifrig daran arbeiten, die Zukunft der Menschen in Deutschland ganz abzuschaffen.
Es wäre schon blöd, bis zu seinem Renteneintrittsalter, zu darben und zu sparen, um nach Jahrzehnten eine halbwegs lebensabsichernde Reserve zu haben und dann einen Tag später zu sterben. Wäre es nicht sinnvoller, sein Leben mit dem Luxus zu erfüllen, den man sich gerade so eben leisten kann? Mit vollen Händen, alles zu verprassen, so lange es geht? Zu genießen, was möglich ist?
Ich habe in meinem täglichen Leben einige alte Baustellen, bei denen ich aus Sparsamkeit und/oder Desinteresse an einem Provisorium festhalte.
Anfang der 1970er wollte ich unbedingt mein eigenes Zimmer und zog in die leere Dachkammer des Hauses meiner Oma. Meine Mutter fuhr mit mir zu einem Möbelmarkt auf der grünen Wiese – es gab noch kein IKEA – und kaufte extra dafür eine „Jugendschrankwand“ mit einigen Regalen, Fächern, einer ausklappbaren Schreibtischplatte und einer kleinen Vitrine. Sie besteht aus billigstem Pressholz, einem glitzernden Plastik-Furnier mit silbernen Plastik-Verschnörkelungen. Unfassbar häßlich, aber als Kind war es „meins“ und ich fand es toll. Wir zogen noch zweimal um, die Schrankwand kam mit. Meine erste eigene Wohnung war zu klein, aber da ich gar keine eigenen Möbel hatte, stellte ich die halbe Plasikschrankwand in die Küche als Regal, der Rest lagerte auf dem Dachboden. Bei meinem letzten Umzug setzte ich das ganze Ding wieder zusammen und schob es in ein langes 7qm-Zimmer, welches als meine Abstellkammer dient. Es sollte ein Provisorium sein, weil ich gar nicht so lange in der Bude bleiben wollte. (Das war im letzten Jahrtausend).
Inzwischen ist diese Schrankwandungetüm weitgehend zusammengebrochen. Regalböden sind aus ihrer Verankerung geplatzt und haben Teile des spröden Pressplattenmaterials und des Plastiks mit sich gerissen. Das Teil liegt in Trümmern und ist nicht zu reparieren, weil man in das billige Material weder Schrauben, noch Nägel treiben könnte. Und warum sollte ich das auch noch reparieren? Das muss auf den Müll und ist ein Beweis dafür, weshalb man lieber in ewig langlebige hoch qualitative Möbel investieren sollte.
Bedauerlicherweise bin ich von dem „Ich bin noch zu jung, um mir richtig gute Möbelstücke zu leisten“-Zustand direkt in die „Ich bin jetzt zu alt; es lohnt sich nicht mehr, teure Möbel zu kaufen“-Phase gewechselt.
Ich ärgere mich darüber, mich Dekaden über das Plastikschrott-Regal
geärgert zu haben. Wieso habe ich nicht all die Jahre mit einem optisch
ansprechenden Regalsystem gelebt? Wozu sparen, wenn irgendwann eh kleine
Lebenszeit mehr übrig ist?
Das dachten sich weltweit auch Millionen Menschen, als sich 1910 der Halleysche
Komet ankündigte, um das Leben auf der Erde zu vernichten. Viele hörten auf zu
arbeiten und verkauften alles, das sie hatten. Das erschien nur sinnvoll: Wenn
man eh nur noch ein paar Wochen oder Tage zu leben hat, dann besser nicht
Trübsal blasen, sondern sich endlich das leisten, was man schon immer wollte. Die
menschliche Zivilisation mit „Koks und Nutten“ ausklingen lassen. Das hat
sicher Spaß gemacht.
Blöd war es nur, als der giftig tödliche Komet vorbeiflog und man immer noch lebte – allerdings total pleite.
[….] Bei seiner Wiederkehr im Jahr 1910 löste der Halleysche Komet sogar eine weltweite Massenpanik aus. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Astronom William Huggins bei Untersuchungen festgestellt, dass sich im Licht von Kometenschweifen die Spektrallinien für Kohlenstoffverbindungen nachweisen ließen. Unter anderem wurden auch Spuren von Cyan gefunden, das in der Verbindung mit Kalium das hochgiftige und tödliche Gas Zyankali ergibt.
Als es nun so aussah, dass die Erde 1910 in den riesigen Schweif des Halleyschen Kometen geraten würde, waren die Menschen wochenlang in Panik. In Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) standen 100.000 Menschen in Nachtgewändern auf den Dächern, in Chicago verstopften die Hausbewohner alle Tür- und Fensterfugen mit Lappen, und Papst Pius X. verurteilte das Hamstern von Sauerstoffflaschen. Alle Welt fürchtete den Tod durch Giftgas.
Als der Komet dann vorüberzog, zeigten die Messgeräte nicht die geringste Spur von Cyanid: Die Gasdichte von Kometenschweifen ist viel zu gering. [….]
Wenn der kurzperiodische 1P/Halley im Jahr 2061 wiederkehrt, bin ich ohnehin mit hoher Wahrscheinlichkeit längst von dieser irren Affenkugel abgereist. Der Periheldurchgang wird also meine persönliche finanzielle Situation kaum beeinflussen. Ich mutmaße allerdings, daß in35 Jahren menschliches Leben auf diesem Planeten ohnehin kaum noch möglich sein wird. Vielleicht unter großem Elend, oder für die wenigen Superreichen, die sich schon jetzt abseits der Bevölkerungszentren, gerne auf Privatinseln, gewaltige autarke Bunkeranlagen bauen lassen, in denen sie atomaren Fallout, Pandemien oder höllisch-heiße Außentemperaturen aussitzen können, während draußen die Zombiapokalypse tobt.
Es wird schon im reichen Norddeutschland mutmaßlich äußerst unangenehm, wenn Fritze Merz seine Drohung wahrmacht, bis zum Jahr 2033 zu amtieren.
Auf funktionierende staatliche Strukturen für die Masse – Grundsicherung, Energie/Gesundheitsversorgung, Pflege, Lebensmittel, Schutz vor Hitze – wird man vermutlich nicht mehr bauen können, wenn Dobrindt, Reiche und Co, ihr Zerstörungswerk bis dahin fortsetzen. Diejenigen, für die 2033 ungefähr in die statistisch wahrscheinliche ablaufende biologische Uhr fällt, haben Glück. Sie können zurückblicken und sich daran erfreuen, zumindest das erste halbe Jahrhundert ihres Lebens in Frieden gelebt zu haben. Millennials, GenZ und Gena sind allerdings die Gelackmeierten und brauchen eine Exit-Strategie.
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