Samstag, 25. Mai 2013

Ein Lob Amerikas!



Wer nach der unfassbaren Präsidentschaft George W. Bushs, welche die gesamte Weltwirtschaft ruinierte, Abermillionen Flüchtlinge produzierte, Hunderttausende Gräber hinterließ und das Ansehen Amerikas auf einen Tiefstand zerrte, deprimiert war, konnte nach Obamas Amtsantritt im Januar 2009 kaum aufatmen.
Bevor der Neue irgendetwas anpacken konnte (falls er das überhaupt wollte), hatten sich die Amerikaner schon so sehr über ihre Courage einen schwarzen Demokraten zu wählen erschreckt, daß sie gleich bei den midterm-elections wieder umfielen und die Teebeutler in den Kongress schickten.
Daß Obama überhaupt gewählt wurde, erscheint uns ob seiner Hautfarbe und dem so lange herbeigesehnten Ende GWBs immer noch spektakulär. Aber das ist eine emotionale Sichtweise.
Sofern es in der amerikanischen Wählerschaft auch nur einen Funken Restverstand gab, hätten sie nach der katastrophalen Performance der Republikaner (2001-2009) und der Kandidatin Palin (die offensichtlich noch dümmer als Paris Hilton ist) auch eine Hydranten oder Mickey Mouse wählen müssen.
Anybody but Bush war das Motto der Stunde.
Diejenigen, die vier Jahre später bei der Präsidentschaftswahl 2012 furchtbar enttäuscht vom Friedensnobelpreisträger Obama waren, müssen sich fragen lassen, wieso sie überhaupt so viele Erwartungen hatten!
Wie der Lobbyisten-gesteuerte Kongress mit lauter abhängigen Abgeordneten, die 2/3 ihrer Zeit für das Wahlkampfspenden-Eintreiben aufwenden müssen, funktioniert, bzw nicht funktioniert, wissen wir doch alle.
Selbst moderateste Einschränkungen der Waffengesetze, wie sie auch über 90% der amerikanischen Bevölkerung wollen, wagen die Washingtoner Feiglinge nicht umzusetzen, da ihnen die NRA den Geldhahn abdrehen würde.
Man möchte die Akte Amerika zuklappen und eigentlich nie mehr an dieses verschrobene Land aus lauter ewig-gestrigen Brutalinskis mit Jesuskomplex und Zimmertemperatur-IQ denken.
 Die acht Bekloppten, die sich in dutzenden TV-Debatten als Herausforderer des US-Präsidenten blamierten, unterboten das grottige GWB-Niveau scheinbar spielend.
Acht Jahre hatte man über Bush Junior und seine sagenhaften Bildungslücken gelacht.
Und auf einmal erschien der Mann, der in Brasilien besorgt fragte „do you have blacks, too?“, sich in Mexico-Stadt nach der Landesprache erkundigte und dem Spanischen König Juan-Carlos erklärte er freue sich die REPUBLIK Spanien zu besuchen geradezu als Genie!
Im Vergleich zu Herman Cain und Michele Bachman wirkte der fanatische Kriegstreiber und ewige Rekordhalter im Todesstrafen-Unterzeichnen, geradezu sympathisch und weltmännisch.
Diese acht Gurken waren also das Beste, das sich unter 310 Millionen Menschen als Obamas Gegenkandidat finden ließ?
Man stellte sich schon vor wie einer dieser Schwachsinnigen im Oval Office säße und möglicherweise das Ende der Welt einläuten könnte, wenn er erst mal die nucelar codes in den Fingern hätte.
Die Wahlnacht verlief dann insofern überraschend, als Obamas Wiederwahl sehr viel deutlicher als prognostiziert war.
Dabei hatten die meisten Profi-Polit-Auguren immer wieder auf die magere wirtschaftliche Bilanz Obamas verwiesen. In einem Land, in dem als oberstes Gesetz „It’s the economy, stupid!“ gilt, könne jemand wie Obama gar nicht wiedergewählt werden und schon gar nicht gegen so einen erfahrenen Geschäftsmann und Multimillionär wie Romney.

Aber all die Experten hatten nicht beachtet, daß Amerika sich immer wieder als durchaus wandlungs- und lernfähig erwiesen hatte.
Veränderungen können in den USA viel schneller voran gehen, als es sich Europäer vorstellen können.
Amerika bringt zwar eine erbärmliche politische Klasse hervor, beeindruckt mit einem beachtlichen Nicht-Wissen und Nicht-Wissen-Wollen, aber in dieser heterogenen Großnation entstehen auch immer wieder Trends, die sich enorm schnell durchsetzen.

Auch wenn meine Taxifahrerin einst erklärte die Amerikaner wären das dümmste Volk  der Welt (einer These, der man zunächst einmal nicht widersprechen mag), sind sie immer noch zu internationalen Spitzenleistungen auf vielen Gebieten fähig.
Trotz des ungeheuer ungerechten und schwerfälligen Gesundheitssystems der USA, bringen die Amerikaner weltweit führende Mediziner hervor. Sie dominieren internationale Sportevents, sie haben Sänger, die singen können, Schauspieler, die schauspielern können, Schriftsteller, die schreiben können, Komiker, die wirklich komisch sind, erschaffen weltweit die besten Drama-Serien  und haben inzwischen sogar eingesehen, daß Ressourcen endlich sind.
So lange lachten wir über den PS-Wahn der amerikanischen Spritschluck-Monster-SUVs.
Aber auf einmal sind die Deutschen die Ewig-Gestrigen, die sich als einzige Nation der Erde gegen Tempolimit sperren und in Brüssel verhindern, daß sparsamere Autos gebaut werden.
 Amerika denkt auf einmal ökologisch, läßt auf bestimmten Highways keine Autos mit nur einem Insassen zu, zwingt also zum Car-Sharing.
 Penibel wird in trockenen Gegenden auf den Wasserverbrauch geachtet. Wehe dem, der einfach seinen Rasen sprengt, wenn das eigentlich verboten ist.
Scheinbar über Nacht ist in den Staaten eine neue, liberaler denkende Generation herangewachsen, die das unter Rotgrün noch vergleichsweise ultramodern wirkende Deutschland alt aussehen läßt.
Während in Berlin im Jahr 2013 CDU, CSU UND FDP im Bundestag gegen die völlige Gleichstellung der Homoehe stimmten, ist Amerika in Siebenmeilenstiefeln an uns vorbei gezogen.
Minnesota hat als zwölfter von 50 US-Staaten die sogenannte Homo-Ehe legalisiert. Gouverneur Mark Dayton unterzeichnete das Gesetz am Dienstag unter dem Jubel zahlreicher Zuschauer bei einer Zeremonie unter freiem Himmel in der Hauptstadt St. Paul. […] Noch 2011 hatte der von den Republikanern dominierte Kongress von Minnesota ein Referendum genehmigt, mit dem die Ehe zwischen Mann und Frau in der Verfassung des US-Bundesstaates als exklusiv festgeschrieben und Homo-Ehen damit für die Zukunft verhindert werden sollten.  Ein Jahr darauf, am 6. November 2012, lehnten die BürgerInnen von Minnesota den entsprechenden Verfassungszusatz allerdings ab, und wiesen die Regelung des politischen Streits um die Homo-Ehe zurück an die Legislative.    Minnesota ist der dritte Bundesstaat binnen zwei Wochen, der die gleichgeschlechtliche Ehe einführt. Am 2. Mai war Rhode Island den Schritt gegangen, am Dienstag vergangener Woche folgte Delaware.

Binnen weniger Jahre sind die konservativen Gegner der Homo-Ehe mit dieser Strategie gescheitert. […] Die amerikanische Gesellschaft hat ihre Einstellung zur Homo-Ehe rapide geändert, daran lassen die Umfragen keinen Zweifel. 1996 waren 27 Prozent bereit, sie zu akzeptieren, 2008 44 Prozent, heute sind es 53 Prozent.
Ähnlich radikal hat sich die Meinung zu internationalen Militäreinsätzen und der Haschisch-Frage geändert.
In Colorado und Washington avanciert der Joint nun nach einer Volksabstimmung zum legalen Genussmittel. Die Grasindustrie wittert das große Geschäft. Erstmals in der Geschichte der USA haben die Wähler von Colorado und Washington für eine völlige Legalisierung von Marihuana gestimmt. Nach den beiden Volksabstimmungen, die am Tag der Präsidentenwahl stattfanden, avanciert der Joint dort nun zum legalen Genussmittel. In Zukunft sollen Erwachsene, die älter als 21 Jahren sind, bis zu einer Unze (28 Gramm) Gras besitzen dürfen.

Auch für den Anbau, die Weiterverarbeitung und den Verkauf soll es neue Regelungen geben. Die Grasindustrie wittert jetzt das große Geschäft.
In Amerika gibt es ein deutlich modernes Familien- und Staatsbürgerschaftsrecht. Verhältnisse, von denen ich in Deutschland nur träumen kann!
Doppelte Staatsbürgerschaften sind generell erlaubt und wer in den Staaten geboren wird, ist automatisch Amerikaner. 
Trotz meiner Geburt in Deutschland uns eines deutschen Elternteils, bin ich nach wie vor Ausländer. So wollen es die antiquierten Regeln, die deutsches Blut vorschreiben.
Auch Eizellenspende, Leihmutterschaft und gemeinsame gleichgeschlechtliche Adoptionen kann man in Deutschland vergessen.
 In Californien ist das hingegen kein Problem.
Das Ehepaar Axel und Jürgen Haase mußte an die amerikanische Westküste fliegen, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Im Christlichen Deutschland ist das nach wie vor illegal.
Eine junge Mutter läuft an Familie Haase vorbei. Sie sagt: »Die sehen ja anbetungswürdig aus! Ist sehr viel Arbeit, oder?« Axel Haase sagt: »Wir haben uns daran gewöhnt.« Woran sie sich nicht gewöhnen können: die Kommentare in Deutschland. Ob Leihmutterschaft nicht ein Ausnutzen von Frauen sei, so was würden sie in Deutschland gefragt. Und in Kalifornien? »Hier«, sagt Jürgen Haase, »wollen die Leute wissen, warum das in Deutschland verboten ist.«
Und noch etwas ganz Neues gibt es in Amerika: Atheisten.
Als nach dem Tornado in Oklahoma-City CNN-Mann Wolf Blitzer von einer Überlebenden wissen wollte, ob sie dem Herrn nun dankbar sei, erklärte sie Atheistin zu sein!
Ein Schock-Moment im US-TV. Was macht so eine Frau in Oklahoma!

Die Gottlosen wagen sich sogar schon ins Parlament vor.
Juan Mendez ist demokratischer Abgeordneter im US-Bundesstaat Arizona. Bisher galt es als eine akzeptierte Tradition, dass vor jeder Sitzung des Repräsentantenhaus ein Gebet gesprochen und die teilnehmenden Abgeordneten dabei aufgefordert wurden, ihren Kopf zu senken. Mendez brach mit dieser Tradition und zitierte ausgerechnet einen Atheisten.

“Die meisten Gebete in diesem Raum beginnen mit der Aufforderung, dabei den Kopf nach vorne zu senken”, sagte Mendez laut der Phoenix NewTimes. “Ich würde euch diesmal aber bitten eure Köpfe nicht zu senken. Ich bitte euch stattdessen, euch umzusehen, all die Männer und Frauen in diesem Raum anzusehen. In diesem Moment, in dem wir diesen außergewöhnlichen Moment erfahren am Leben zu sein und unsere Arbeit dieser einen Aufgabe widmen, das Leben aller Menschen in diesem Staat zu verbessern”, sprach Mendez.

[…]  “Carl Sagan schrieb einst: Für kleine Lebewesen, wie wir es sind, ist Liebe die einzige Möglichkeit die unvorstellbare Weite (Anm., des Universums) alleine durch Liebe zu ertragen”, schilderte Mendez. […] Nach seiner Ansprache erklärte Mendez, dass er lediglich einer von 1,3 Millionen Menschen sei, die in Arizona lebten und keine Mitglieder einer Kirche oder einer Religion seien. “Ich hoffe, dass dies eine neue Zeit in Arizona einleiten wird, wenn hier auch Ungläubige dieselbe Wertschätzung erhalten, wie es bei Gläubigen der Fall ist”, erklärte Mendez zum Schluss.
Nun müssen Palin, Santorum und Bachman wohl ihre Auswanderung planen.
Fragt sich nur wohin. Uganda?

Freitag, 24. Mai 2013

Wenn es einmal ins Rutschen gerät… Teil II


Das journalistische Herdentier pflegt seine Automatismen.
Politikern und anderen Promis werden Etiketten verpasst und fortan kommt kein Schreiberling mehr ohne das feste Konnotationsmuster aus.
Viele Personen schleppen ein festes Adjektiv-Korsett mit sich herum, das brav von der Presse aufgesagt wird, wenn sie über denjenigen berichten.
Man wird so gut wie nie einen Artikel über Claudia Roth lesen, in dem nicht eingeflochten wird, daß sie eine Nervensäge sei. Jürgen Trittin wird immer ein „arrogant“ untergeschoben, Schäuble ist „kompetent“, Steinbrück „beratungsresistent“, Käßmann „moralisches Vorbild“, von der Leyen „ehrgeizig“, etc.
Man kann es schon singen.
Das ist wie bei schlechten Comedians, deren Witze immer darauf hinauslaufen, daß Günther Strack dick, Inge Meysel alt und Verona Feldbusch dumm ist.

Ein Minister mit einem immer wieder aufgesagten Adjektiv-Korsett ist Verteidigungsminister de Maizière. 
Kein Journalist würde einen längeren Artikel  über ihn schreiben, ohne die drei Stichworte „seriöser Arbeiter“, „Merkels bester Mann“ und „unterscheidet sich wohltuend von Hallodris wie Guttenberg“.
Ich vermute, es handelt sich beim Abspulen dieser Phrasen um einen reinen Automatismus. 
Es geschieht unbewußt. Der Schreiberling überprüft diese Behauptungen nicht, wenn er sie wieder und wieder niederschreibt.
Die ständigen Wiederholungen haben eine konditionierende Wirkung.
Irgendwann glauben sie es selbst und verteidigen diese Ansicht.

Was soll denn so großartig sein an Thomas de Maizière?
Daß er als Kanzleramtsminister all die legendär schlechten Personalentscheidungen Merkels mitverantwortete?
 
Blicken wir weiter zurück.
Der Kriegsminister ist der Sohn des ehemaligen Generalinspekteurs der Bundeswehr Ulrich de Maizière. Sein älterer Bruder Andreas de Maizière ist Bankmanager. Da kommt schon ordentlich Vitamin B zusammen.

Von 1994 bis 1998 leitete Thomas de Maizière die Staatskanzlei des Schweriner CDU-Ministerpräsidenten Bernd Seite.
Die Regierungsbilanz wurde als so desaströs angesehen, daß die CDU anschließend die Mehrheit verlor und der Sozi Harald Ringstorff Ministerpräsident wurde.
1994 hatte die CDU MeckPomm 37,7% erreicht (SPD = 29,5%). Nach vier Jahren de Maizière verlor sie 7,5 Prozentpunkte und landete 1998 bei 30,2% (SPD = 34,3%).

De Maizière wechselte 1999 in die Sächsische Staatskanzlei, nachdem dort die CDU bei der Landtagswahl am 19.09. gigantische 56,9% erreicht hatte.
In der folgenden Legislatur der CDU-Alleinregierung, war de Maizière zunächst Staatskanzleichef, von 2001 bis 2002 Sächsischer Staatsminister der Finanzen und von 2002 bis 2004 Sächsischer Staatsminister der Justiz. Anschließend wurde gewählt und wieder erlebte die CDU nach so viel de Maizière in der Regierung einen beispiellosen Absturz. 
Sie verlor 15,8 Prozentpunkte (sic!) und erreichte 2004 gerade noch 41,1%.
Köpfe rollten, aber „Merkels Bester“ fiel schon wieder nach oben. 
Er wurde zunächst noch ein Jahr lang Justizminister in Sachsen und übernahm ab 2005 Merkels Kanzleramt. Dort fiel er wenn überhaupt, nur mit kruden Thesen zur Internetzensur auf.
Kann das Internet völlig frei sein? Müssen wir nicht die Menschen vor Denunziation, Entwürdigung oder unseriösen Geschäften schützen wie im Zivilrecht? Ähnlich wie auf den Finanzmärkten brauchen wir mittelfristig Verkehrsregeln im Internet. Sonst werden wir dort Scheußlichkeiten erleben, die jede Vorstellungskraft sprengen. Vieles geht da übrigens nicht nur national.

Während seiner Amtszeit als Kanzleramtsminister 2005 - 2009 sank die CDU von 35,2% auf 33,8%.
Nach einer Phase als Bundesinnenminister wurde der mittlerweile zu „Merkels Allzweckwaffe“ geadelte Hugenotte schließlich am 03.03.2011 neuer Chef der Hardthöhe.
Als Innenminister hatte er auch versagt.
Die Panne um die bislang unbekannte MAD-Akte des Neonazis Mundlos zieht weitere Kreise. Verteidigungsminister de Maizière wusste bereits vor Monaten von ihrer Existenz. Nur gab er diese Information nicht an den Untersuchungsausschuss weiter.

So sehr ich mich anstrenge; ich kann keine verteidigungspolitischen Erfolge des CDU-Vorstandes erkennen.
International duckte er sich weg und überließ es Guido Westerwelle Deutschland in der Libyenfrage zu blamieren. 
Einfluß auf Entscheidungen im Nato-Rat nimmt er auch nicht.
Zu keinem der internationalen militärischen Megakonflikte hat de Maiziere irgendeinen positiven Beitrag geleistet.
Mali, Syrien? Merkels bester Mann sagt nichts dazu. 
Er hat auch offensichtlich keine Ahnung, wie die Bundeswehr jemals aus Afghanistan rauskommen soll und was dann eigentlich dort passiert.
Das einzige, das man überhaupt von ihm mitbekommt, ist seine positive Einstellung zu weiteren militärischen Abenteuern Deutschlands.
Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière hält Auslandseinsätze der Bundeswehr grundsätzlich überall für möglich. Dem Sender MDR INFO sagte de Maizière am Sonntag, prinzipiell gebe es keine Regionen, in denen Deutschland nichts zu suchen habe.

Die Lesart der notorisch de Maizière lobenden Journalisten lautet, er sei eben mit der Bundeswehrreform beschäftigt.
Aber auch dort bleiben die Erfolge aus. 
Die Soldaten sind unzufrieden und frustriert wie nie. 
Zudem plagen de Maizières Armee massive Nachwuchssorgen. In den Laden möchte niemand freiwillig gehen.
Wie der CDU-Mann die Einsatzfähigkeit der demoralisierten Truppen aufrechterhalten will, bleibt sein Geheimnis.

Und nun das Drohnendesaster.
Dazu ist schon so viel geschrieben worden, daß ich nicht alles nacherzählen muß.
 Die Kurfassung lautet: De Maizière hat ein nichtzulassungsfähiges amerikanisches Waffensystem mit vielen hundert Millionen Euro Steuergeld vorangetrieben und die sich abzeichnenden Probleme einfach vertuscht.
Die Unterlagen über die Finanzierung des Projektes ließ er schwärzen, bevor er sie an den Bundesrechnungshof rausgab.
De Maizière soll laut einer Bundestagsstudie Informationen zurückgehalten haben. Der Steuerzahlerbund fordert: "Im Verteidigungsministerium müssen Köpfe rollen."
Nach dem Scheitern des Drohnenprojekts "Euro Hawk" gerät Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) immer stärker in Erklärungsnot. Laut einer Bundestags-Studie soll es rechtswidrig gewesen sein, dass das Ministerium dem Bundesrechnungshof Informationen dazu vorenthielt.
Selbst der Koalitionspartner FDP kritisierte das Vorgehen als "politisch inakzeptabel". Der Bund der Steuerzahler forderte angesichts des Verlusts von Steuergeldern in dreistelliger Millionenhöhe Konsequenzen. "Im Bundesverteidigungsministerium müssen Köpfe rollen", sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel der "Passauer Neuen Presse".

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) vorgeworfen, bei dem Rüstungsprojekt "Euro Hawk" gegen das Gesetz verstoßen zu haben. "Es ist offensichtlich auf der höchsten Ebene des Bundesverteidigungsministeriums entschieden worden, dass der Bundesrechnungshof über die Vertragsbestandteile nicht komplett und korrekt informiert wird. Das ist ein Verstoß gegen das Gesetz", sagte Trittin am Dienstag im ARD-Morgenmagazin.
"Hier wird offensichtlich mit falschen Karten gespielt." De Maizière müsse "ganz schnell" erklären, wer da die Entscheidung getroffen habe.

Aufklären will der Gescholtene aber immer noch nicht. Er spielt auf Zeit.
Das Lustigste ist aber WEN der liebste Minister der Deutschen den Skandal aufarbeiten lassen will.
Man muss sich das mal vorstellen: Im Verteidigungsministerium ist im Wortsinn etwas verbockt worden; es geht beim Debakel um die Aufklärungsdrohne Euro Hawk mindestens um eine Fehlinvestition in dreistelliger Millionenhöhe. Und zentral mit dem Projekt befasst war in den vergangenen Jahren (schon richtig, neben anderen) jener Abteilungsleiter, der nun die Arbeitsgruppe Aufarbeitung leiten soll - oder, genauer: jene Arbeitsgruppe, von deren chronologischer Aufarbeitung des Debakels sich Minister Thomas de Maizière wohl eine Art Befreiungsschlag erhofft. Da kann man nur fragen: Geht's noch?
[…] Es bleibt ein Bild, wie es verheerender nicht ausfallen könnte, ganz unabhängig davon, welches Ergebnis am Ende der hausinternen Aufklärung stehen wird: Die für das Debakel Verantwortlichen, das sagt dieses Bild aus, dürfen nun bis Mitte übernächster Woche ihre Version des Debakels ausarbeiten. Man mag sich gar nicht ausmalen, welche Reflexe das bei Soldaten auslöst, die sich beispielsweise angetrunken im Wachdienst haben erwischen lassen und wahrscheinlich auch ganz gern Herren des folgenden Verfahrens wären. […]
Als Gegenmittel hilft nur Transparenz. Selbst manche Rüstungslobbyisten haben inzwischen eingesehen, dass sich etwa beim Thema Waffenexporte das Heimlichkeitsgewese zumindest in der jetzigen Form nicht länger durchhalten lässt. Und was macht das Ministerium, was macht Thomas de Maizière? Er macht einen zumindest des bocksmäßigen Handelns Verdächtigen zum Gärtner. Besser kann man es in diesem Fall nicht sagen.
(Christoph Hickmann, SZ, 23.05.13)


Donnerstag, 23. Mai 2013

Bekommen was man verdient - Teil II


 Da ich gerade dabei war, möchte ich zu meiner gestrigen Suada, daß man keine Apple-Produkte oder VWs kaufen sollte noch etwas ergänzen.
Ja, daß man als Verbraucher eine Marktmacht ausübt, bemerkt man natürlich am ehesten, wenn man eine große Summe Geld ausgibt.
Wer nicht das Glück hat zum reichsten Viertel der Bevölkerung zu gehören, gibt vier- oder gar fünfstellige Beträge nicht sehr oft aus.
Dazu fallen mir auf Anhieb nur Computer und Autos ein.
In diesen Fällen überlege ich sehr gründlich, wem ich solche Summen überlasse.
Aber noch mehr Geld gibt man für die Alltäglichkeiten, wie Lebensmittel aus.
Auch dort hat man durchaus die Möglichkeit politische Statements abzugeben.
Statements, die durchaus mächtig sein können.
Anton Schlecker kann davon ein Lied singen.
Die Drogerieartikel, die jeder braucht – Seife, Waschmittel, Shampoo, Zahnbürste – bekommt man in vielen Geschäften. DM, Budnikowsky, Rossmann oder Schlecker – all die großen Ketten bieten ein reichhaltiges Grundsortiment an.
Daß Schlecker einging, lag tatsächlich an einem Kundenboykott.
In den letzten fünf Jahren haben angeblich bis zu vier Millionen Menschen weniger pro Jahr eine Schleckerfiliale betreten und sind stattdessen zur Konkurrenz gegangen.
Es war offenbar nicht so sehr ein viel besseres Angebot der anderen Anbieter, sondern eine aktive Flucht. 
Das Schlecker-Image war ins Bodenlose abgerutscht. Mit der Zeit wußte die Majorität der Kunden, daß die Angestellten dort miserabel bezahlt, ausgespäht und drangsaliert werden. Solche Methoden wollte man nicht länger unterstützen.

In Hamburg tobt gerade ein Tarifstreit bei den Lebensmitteleinzelhändlern.
Die Gewerkschaft ist richtig sauer, weil so viele Verkäuferinnen und Kassiererinnen mit Tricks untertariflich bezahlt werden.
Im Focus des Streits steht die Edeka-Kette.
Nun kaufe ich jede Woche mehrmals bei Edeka ein und darf dennoch zufrieden in den Spiegel gucken, denn die Edeka-Filialen, die ich besuche bilden ausdrücklich rumhreiche Ausnahmen.
Die meisten der rund 80 selbstständigen Edeka-Filialen in Hamburg bezahlen nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di ihren Mitarbeitern weniger als den Tariflohn. Nur die Kette Niemerszein bilde eine Ausnahme, sagte Ver.di-Fachbereichsleiter Arno Peukes. "Eine langjährig tätige Verkäuferin bei Niemerszein verdient einen tariflichen Stundenlohn von rund 12,60 Euro, eine vergleichbare Beschäftigte in einem nicht tarifgebundenen Markt erhält lediglich 6,60 Euro", kritisierte Peukes. Edeka verwies darauf, dass allein die selbstständigen Partner für die Arbeitsbedingungen zuständig seien.

Ich kenne einige Niemerszein-Angestellte mittlerweile ganz gut und habe sie auch genau danach befragt.
Nach meinen Recherchen sind sie tatsächlich sehr zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen und das merkt man auch als Kunde!
Ich fing vor 10 oder 12 Jahren an hauptsächlich bei Niemerszein zu kaufen, als eine neue Filiale direkt in meiner Straße aufmachte und ich BEGEISTERT feststellte, daß Niermerszein grundsätzlich auf Musikberieselung verzichtet! 
Es gibt ja nichts, das ich noch mehr hasse, als die laute Radiobeschallung beim Einkaufen. Besonders grauenvoll ist es bei „Sky“, wo ein penetrant zu laut gestelltes „Kundenradio“ einen auch noch mit unterirdisch schlechten Werbesprüchen zudröhnt.
In meinem Auto lag aus diesem Grunde immer eine Packung „Maxx Earplugs“, weil ich solche Läden sonst nicht betreten kann.
Aber seit ich Niemerszein entdeckte bin ich das Problem los und kaufe nun gezielt dort ein, weil ich außerdem weiß, daß die Geschäftsleitung eine soziale Ader hat und ihre Mitarbeiter sehr gut behandelt.
Das Konzept „höhere Löhne“ und „keine akustische Kundenverarschung“ kommt offenbar an. Mittlerweile hat Dieter Niermerszein acht Filialen in ganz Hamburg, die nach meinem Eindruck sehr gut laufen. Dort ist es nie leer.
Gerade heute war ich auf dem Rückweg nach Hause noch schnell um 21.00 Uhr bei Niemerszein und dort klickerten noch all Kassen und es war voller Kunden.

Budnikowsky, die Drogeriekette, die auch hauptsächlich in Hamburg beheimatet ist, ist ein ähnliches Beispiel. Die rund 150 Filialen werden ebenfalls von einer Familie betrieben, die bekannt dafür ist soziale Standards groß zu schreiben. 
Die Wöhlkes haben ihr 100 Jahre altes Unternehmen beispielsweise so organisiert, daß jede einzelne Filiale eine Patenschaft für ein soziales Projekt übernommen hat, für das die Angestellten über ihre Arbeitszeit hinaus privat engagiert sind – sofern sie möchten. 
Als Kunde merkt man die Zufriedenheit der Belegschaft. Die Einkaufsatmosphäre ist viel besser als bei den anderen großen Ketten.

Ich bin sicher, daß es in jeder Stadt möglich ist solche Unternehmen zu finden, die die Artikel des täglichen Bedarfs anbieten und ihre Angestellten gut behandeln, mit ihnen zusammenarbeiten.

Es betrifft zwar nicht ganz den „täglichen Bedarf“, aber auch die Juwelierkette „Wempe“ ist so ein sozial geprägtes Familienunternehmen, welches seine Mitarbeiter übertariflich bezahlt, wo es einen persönlich haftenden Eigentümer gibt, der nicht an der Börse zockt und der deutlich überdurchschnittlichen Kundenservice bietet.
Wer sich mal eine schöne Uhr oder einen Trauring kaufen möchte, sollte zu Wempe gehen und nicht zum Schmuck-Multi „Christ“, der nur ein Teil der Douglas-Konzerns ist, welcher wiederum mit feindlichen Übernahmen zockt und die Mitarbeiter der Buchkette „Thalia“ (ebenfalls zum Douglas-Konzern gehörend) drangsaliert.

Ein schlechtes Beispiel ist auch die Café-Kette „Starbucks.“
Miese Masche: Starbucks zahlt keine Steuern.[…] Der US-Konzern macht in Europa Millionen mit den gerösteten Bohnen. In Deutschlands Steuerkasse landet davon aber nichts. Durch legale Tricksereien scheffelt die Kaffeekette am Fiskus vorbei.
[…] Mehr als zehn Jahre ist es her, dass hierzulande die ersten Filialen öffneten, inzwischen gibt es deutschlandweit rund 161 Stück – allein in der Hansestadt sind es 16.
[…] Trotz der hohen Umsätze, allein 2012 waren es in Deutschland 125 Millionen Euro, hat die Kaffee-Kette hierzulande noch keinen Cent Steuern auf Gewinne abgeführt – kurioser Weise gab es keine Gewinne. […] Grund für das Phänomen „Hoher-Umsatz-Null-Gewinn“ ist eine legale Trickserei, der sich auch andere US-Konzerne wie Apple bedienen: Gewinne werden über Staatsgrenzen hin und hergeschoben bis quasi keine Steuern mehr anfallen. So sitzt die Europa-Zentrale von Starbucks in den Niederlanden, Deutsche Filialen zahlen hohe Lizenzgebühren an die Niederländische „Mutter“.
[…] Laut „Handelsblatt“ erwirtschaftete der Kaffee-Riese übrigens allein im ersten Quartal 2012 einen Gesamtumsatz von 3,36 Milliarden Dollar.

Dazu kann ich nur sagen: Leute, kauft woanders Euren Kaffee!
Ich kaufe übrigens seit vielen Jahren nur bei Speicherstadtkaffee.
Das ist ein privater Röster, der  wie der der Name sagt im Hafen beheimatet ist, dort vor den Kunden röstet, ein großes Café betreibt und die allerbesten Café-Sorten, die ich kenne anbietet.
Wer dort einmal den „Australia Fancy“ oder den „Äthiopien Yirgacheffe“ von Speicherstadt-Kaffee probiert hat, wird sicher nicht mehr zu Tschibo zurückgehen können.

Solche Familienbetriebe gibt es überall und man sollte sie GEZIELT unterstützen.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Bekommen was man verdient

Ach das Genörgel nervt mich!
Die deutschen Wähler sind genau solche Janus-köpfigen Jammerlappen wie die Journaille.
Pausenlos wird gestöhnt über „die da oben“, die das Geld sinnlos rausprassten und sich ständig neue Steuern ausdächten, um das Volk zu schröpfen.
Es gehe ungerecht zu; die Großen lebten in Saus und Braus und die Kleinen müssten dafür bezahlen.
Sogar mein Hamburger Finanzsenator ist auf 180 und verkündet er bekäme einen Tobsuchtsanfall.
Sorge bereitet dem Finanzsenator weiterhin der Rückgang bei den Erbschaftssteuern. Wegen einer Gesetzeslücke sind Hamburgs Einnahmen zuletzt um rund 50 Prozent eingebrochen. dabei geht es um die Regelungen bei der Vererbung von Betriebsvermögen. Danach kann privates Barvermögen in sogenannte Cash-GmbHs eingezahlt, im Zuge der Schenkung auf die nächste Generation übertragen und so dem Fiskus entzogen werden. Tschentscher hofft jedoch, dass das Gesetz noch im Sommer reformiert wird. "Man könnte einen Tobsuchtsanfall bekommen, dass die Cash-GmbH nach wie vor besteht, weil es der Gesetzgeber bisher nicht geschafft hat, diese Steueroase Mitten in Deutschland zu schließen", sagte Tschentscher.

Ein anderes Thema, das mehr und mehr Leute umtreibt und verstärkt auch in den Medien reflektiert wird, ist der Mietwucher.
Als Hamburger kann ich mich mittlerweile rühmen in dem Bundesland mit den höchsten Durchschnittsmieten zu leben.
Als ich nach dem Abi die erste eigene Wohnung bezog, sagte mir noch jeder, er gebe nur drei Kriterien für eine Wohnung: Location, location and location.
Diese Regeln kann man inzwischen vergessen, weil die guten Gegenden unbezahlbar geworden sind. Nun gibt es nur noch Preis, Preis, Preis.
Das ist mal ein großer Mist für die Masse der Menschen (und ein großes Glück für die Immobilien-Haie und Vermieter).
Nur sind das alles Entwicklungen, die alles andere als überraschend über uns herein brechen. Worüber sich Finanzsenator Tschentscher und der Mieterbund ärgern, ist immer auch ein Grund zur Freude bei den wenigen richtig Reichen. 
Reiche, deren Interessen von der Bundesregierung bedient werden. Von einer Bundesregierung, die aber Millionen Angestellte als Leiharbeiter, Aufstocker und Billigjobber zum Wohle der Konzerne in ihren prekären Verhältnissen beläßt.
Hinter diesen klassischen „linken Themen“ steckt ein politischer Wille und das ist der Wille von Schwarz/Gelb.
 Der Wille einer Kanzlerin, die sich in Rekordzustimmungswerten von 70% sonnt und deren Partei weit, weit vor allen anderen in der Wählergunst liegt.
Der Deutsche Mieterbund (DMB) geht angesichts der zunehmenden Wohnungsnot in deutschen Städten mit der Bundesregierung hart ins Gericht. „Die teuren Mieten sind nicht vom Himmel gefallen“, sagte DMB-Präsident Franz-Georg Rips am Mittwoch in München und warf der schwarz-gelben Koalition „Desinteresse und Passivität“ vor. Eine Empfehlung für die Bundestagswahl im Herbst wolle er nicht abgeben, aber „SPD, Grüne und Linke haben viele unserer Schwerpunkte in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Wir hoffen, dass die CDU das ebenfalls tun wird.“ […] Die Gesamtzahl der Haushalte stieg zwischen 2002 und 2010 von 38,7 auf 40,3 Millionen. Nach Prognosen der Bundesregierung werden es im Jahr 2025 schon 41,1 Millionen sein.

[…] Die städtischen Mieten steigen laut Mieterbund unaufhaltsam - bei Neuvermietungen lägen sie zum Teil bis zu 40 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Der Mieterbund fordert eine Obergrenze für die Erhöhung bei Neuvermietungen von zehn Prozent des bisherigen Mietpreises. Bei bestehenden Mietverhältnissen soll die Miete nach dem Willen des DMB um höchstens 15 Prozent in vier Jahren steigen können.

Tja, lieber Urnenpöbel.
Man KANN ja auch was anderes außer CDU und FDP wählen.
Aber so lange alle so begeistert von Frau Merkel sind, ist es absurd sich über Steuerungerechtigkeiten und Mietpreisexplosionen zu ärgern.
WIR Wähler ermöglichen diese Zustände.

Ein anderes Beispiel; VW.
 Fast 22 Milliarden, also 22.000 Millionen Euro Gewinn hat der Autokonzern letztes Jahr erwirtschaftet.
Für Volkswagen war 2012 ein echtes Rekordjahr. Europas größter Autobauer hat so viele Fahrzeuge verkauft wie noch nie. Konzernchef Martin Winterkorns Gehalt würde ein neue Rekordmarke erreichen, wenn VW es nicht nachträglich gestutzt hätte, aus Angst vor ebenfalls nie dagewesener Empörung. Und jetzt meldet das Wolfsburger Unternehmen einen Rekordgewinn für das vergangene Jahr. Trotz Euro-Krise und Milliarden-Investitionen steht unterm Strich ein Plus von 21,9 Milliarden Euro - eine Steigerung von 38,5 Prozent. Damit stellt VW seinen eigenen Rekordgewinn vom vergangenen Jahr ein, damals verdiente der Konzern 15,8 Millionen Euro.

Während aber die sprichwörtliche Krankenschwester und der Nachtwächter ihre Steuern automatisch abgezogen bekommen, drücken sich die Multimilliardär-Familien Piech und Porsche, also die Haupteigentümer von VW, um Steuerzahlungen.
Deutsche Konzerne wie BASF, Bayer und Volkswagen nutzen Belgien in großem Stil als Steuerschlupfloch. Das geht aus Zahlen der belgischen Nationalbank hervor, die dem SPIEGEL vorliegen.

    Die belgische Konzerntochter Volkswagen Group Services kassierte demnach im vergangenen Jahr einen steuerfreien Gewinn von 153 Millionen Euro, im Vorjahr waren 141 Millionen Euro steuerfrei.

Steuerfrei.
Man kann nicht nur etwas anderes als CDU und FDP wählen, man muß auch nicht VW fahren.

Wieso allein vier Millionen der stark überteuerten VW Golfs auf deutschen Straßen umherkurven, wird mir ewig ein Rätsel sein.

Der Wähler ist nicht nur derjenige, der am Wahltag sein Kreuzchen macht, sondern er ist auch Verbraucher,
Als solcher sollte man klug handeln und von Produkten wie VW und Apple die Finger lassen.

Dienstag, 21. Mai 2013

Sauber, Herr Saubermann!


Die Sache mit der Fallhöhe ist immer das Problem.
Hat man ohnehin ein etwas angeschmutzeltes Image, fällt das „Skandaaal“-Gejohle auch deutlich leiser aus.
Daß es Roland Koch oder Franz-Josef Strauß mit der Wahrheit nicht so genau nahmen, war jedem bekannt. Also konnte man ihnen auch schwerlich einen Strick draus drehen, wenn sie – wieder einmal – beim Lügen erwischt wurden.
Wenn Roland Koch mit latent rassistischen Tönen Wahlkampf machte, war das ungefähr so überraschend wie Lothar Matthäus beim Fremdgehen oder Martin Semmelrogge beim Fahren ohne Führerschein.
Harald Juhnke volltrunken oder Nina Hagen ausgeflippt Stuss redend – das sind Auffälligkeiten, die ihnen nicht schaden, weil es ohnehin ins Bild passt(e).
Deswegen wurden auch FJS und Koch immer wieder gewählt.

Schlecht ist es hingegen, wenn man als Moralapostel bei amoralischen Aktionen ertappt wird.
Wenn ausgerechnet die Wissenschaftsministerin bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben hat, ist die Fallhöhe enorm.
Wenn ausgerechnet katholische Priester, die bei jeder Gelegenheit gegen Sex und Schwule wettern zu Hunderten und Tausenden als notgeile Messdiener-Befummler enttarnt sind, ist der gemeine Gläubige not amused.

Allerdings kann man auf einen gewissen Gewöhnungseffekt hoffen. 
Heute kann kein Comedien der ganzen Welt auf Kinderficker-Anspielungen verzichten, wenn er die katholische Kirche erwähnt. Hagen Rether mußte sogar schon beschwichtigen, indem er versicherte, daß wirklich NICHT ALLE Priester pädophile Holocaustleugner wären.
Und siehe da; inzwischen gehören ephebophile Übergriffe in der Sakristei zum festen Konnotationsschema der RKK.
Sie wächst dennoch weiter.
So gerne man auch in Deutschland „Rübe ab!“ ruft, wenn das Thema „Kinderschänder“ in der Yellow Press breitgetreten wird, so intensiv verdrängen dieselben Menschen ihre Ansichten, wenn es um die zölibatären alten Männer im Kleid geht. 24 Millionen Deutsche sind nach wie vor Mitglied der größten transnationalen Ephebophilen-Schutz-Organisation der Welt und akzeptieren offensichtlich, daß die Bischofskonferenz bis heute eifrig die Aufklärung der Missbrauchsfälle verhindert.

Eine besondere Fallhöhe hat auch der Bayerische Ministerpräsident Seehofer aufgebaut, der 2008 in Bayern nicht zur Wahl stand und kurz zuvor auf dem CSU-Parteitag abgestraft worden war.

Dann aber wurde er völlig überraschend in beide Ämter (Bayerischer MP und CSU-Vorsitzender) katapultiert und nutzte die Gunst der Stunde sich als Saubermann von außen zu positionieren. Seine Stellung war extrem stark, weil die Partei auf IHN zugegangen war und er als letzte Rettung galt.
Er führte die neue CSU ein und zögerte nie auch nur eine Sekunde verdiente Parteifreunde über die Klinge springen zu lassen, wenn es ihm helfen konnte.
Crazy Horst ist eine Borderlinerpersönlichkeit mit echten psychopathischen Zügen. Das konnte man schon vor drei Jahren deutlich sehen.
Seehofers psychischer Zustand ist mindestens genauso bedenklich, läutet Ulrich mit Hinweis auf ein SPIEGEL-Portrait ein.
Der CSU-Chef erschiene als „wankelmütiger Willkürherrscher, als einer, der gern mit Menschen spielt, unberechenbar und verantwortungslos. […] Zigfach ist belegt, dass Horst Seehofer mit seinen häufig wechselnden Positionen die Politik der Bundesregierung, ja sogar die seiner eigenen CSU-Landesgruppe, immer wieder chaotisiert."
(Zeit 20.08.2010)
Das Psychogramm des Oberbayern erinnert in der Tat weniger an einen deutschen Politiker, als an eine neroeske Persönlichkeit aus der Feder eines Stephen King.
In Berlin regiert demnach ein Mensch als einer der großen Drei mit, dessen innere Antriebskräfte zutiefst von Bosheit und Destruktivität bestimmt sind.
Einem Psychopathen, der sich längst komplett von der Sachpolitik verabschiedet hat und seine einzige Befriedigung nur noch in Sadismus und Manipulation findet.

Wie eine finstere Gestalt aus einem Psychokrimi hat er sich seine Politwelt im heimischen Keller als Miniaturwelt nachgebaut und dirigiert dort kleine Voodoo-Modelle seiner Politik-Kollegen, als ob er Gott wäre.
Es gibt den Nachbau des Bahnhofs von Bonn, der Stadt, in der Seehofers Karriere begann. Nach dem Jahr 2004, als er wegen des Streits um die Gesundheitspolitik sein wichtigstes Amt verlor, baute er einen "Schattenbahnhof", so nennt er ihn, ein Gleis, das hinab ins Dunkel führt.
Seit neuestem hat auch Angela Merkel einen Platz in Seehofers Keller. Er hat lange überlegt, wohin er die Kanzlerin stellen soll. Vor ein paar Monaten dann schnitt er ihr Porträtfoto aus und kopierte es klein, dann klebte er es auf eine Plastikfigur und setzte sie in eine Diesellok. Seither dreht auch die Kanzlerin auf Seehofers Eisenbahn ihre Runden.
(Spiegel 16.08.10)
Seehofer Wahn trug schon vor Jahren gar seltsame Blüten.
Während eines Karriereknicks im Jahr 2004 ging er mit einem selbstgeschriebenen Kabarettstück auf ein paar kleine Bühnen.
Er selbst spielte Walter Mixa (!!!), der die Beichte eines imaginären Seehofers anhört.
Sein alter ego Beichtvater Mixa fragt darin den Sünder Seehofer unter anderem, ob er unkeusche Gedanken habe, wenn er an Angela Merkel denke. Der antwortet: "Vater, ich habe schon vieles angestellt, aber Wunder kann ich nicht vollbringen."

Noch lieber als die CDU-Kollegen macht er allerdings seine eigenen CSU-Untertanen nieder.

Übel erging es beispielsweise seiner einstigen Politfreundin Christina Haderthauer, die wie er aus Ingolstadt kommt und die er einst als „größtes Talent der CSU“ lobte.
Dann entschied sie sich, Generalsekretärin unter Erwin Huber zu werden, Seehofers Erzfeind. Plötzlich fiel Seehofer nur Schlechtes zu Haderthauer ein. Die Christine könne das nicht, sagte er, wenn Journalisten um ihn herumstanden. Als Seehofer die Macht in der CSU übernahm, dachte Haderthauer, ihre letzte Stunde habe geschlagen. Die Ministerien wurden verteilt, und am Ende klingelte doch noch Haderthauers Handy. Seehofer bot ihr das Sozialministerium an, aber er fand kaum freundliche Worte. "Du warst schon unter der Erde, jetzt habe ich dich noch mal aus dem Sarg geholt", sagte er. Er lachte dabei, es war das Lachen eines Mannes, der weiß, dass er nun Karrieren mit einem Anruf beflügeln oder beenden kann.
(Spiegel 16.08.10)
Das Nachtreten und Rächen ist die Sache des Süd-Zampanos der Bundesregierung.
Das Interessante ist, wie Seehofer mit den Feinden von gestern umgeht. Er versucht nicht, sich mit ihnen zu versöhnen. Es wäre einfach, denn er hat jetzt die Macht, und sie liegen am Wegesrand. Aber Seehofer blickt auf sie wie ein siegreicher Feldherr, er nennt sie "mein Lazarett" und kichert. Man muss unwillkürlich an einen Saal mit Versehrten denken, die blutige Binden um den Kopf tragen.
(Spiegel 16.08.10)

Seehofer macht viel Show, aber sein Bundesland ist nach wie vor der Saustall, der es unter CSU-Ägide immer war.
Seehofer weist Schuld zu, donnert gegen die Presse, aber er kann sich langsam nicht mehr als moralischer Außenstehender inszenieren.
Denn die Zustände, die ihn nun öffentlichkeitswirksam so sehr überrascht haben, daß er seinen Ministern drakonische Maßnahmen verordnet, kennt er in Wahrheit schon lange.
Seehofer ist nach wie vor nur ein Lügner.
Das engste Umfeld von Bayerns Ministerpräsident Seehofer war über die zweifelhafte Job-Praxis früh informiert: Nach SZ-Informationen wusste die Regierungszentrale mindestens seit Sommer 2009 davon, dass CSU-Landtagsabgeordnete Familienangehörige beschäftigten. Das wirft kein gutes Licht auf Seehofer.
[…] Die Frage, seit wann Seehofer von den Familienjobs weiß, ist von großer politischer Bedeutung. In den vergangenen Tagen hat Seehofer wiederholt versichert, er selbst habe erst durch die Berichterstattung der vergangenen Wochen davon erfahren. Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte er sogar vor einer Woche "Bösartigkeit" unterstellt und mit Konsequenzen gedroht, weil sie in einem Bericht die Frage aufgeworfen hatten, wie es sein könne, dass der Regierungschef und CSU-Vorsitzende keinerlei Kenntnis über die in seiner Partei weit verbreitete Praxis hatte, Familienangehörige zu beschäftigen.   Zu diesen Familienförderern gehören auch fünf heutige Kabinettsmitglieder: Helmut Brunner (Landwirtschaftsminister), Ludwig Spaenle (Kultusminister) sowie die Staatssekretäre Franz Pschierer (Finanzen), Gerhard Eck (Innen) und Bernd Sibler (Kultus). Justizministerin Beate Merk hatte ihre Schwester und damit eine Verwandte zweiten Grades für sich arbeiten lassen und aus ihrem Abgeordnetenetat bezahlt.  Dass immerhin der Chef der Staatskanzlei informiert war, wirft kein gutes Licht auf Seehofer, der sich in diesen Tagen als konsequenter Aufklärer in der Affäre zu profilieren versucht. Nun besteht mindestens Erklärungsbedarf, warum derartige Informationen, die in der Staatskanzlei auflaufen, offenbar nicht an den Regierungschef weitergegeben wurden. Der Chef der Staatskanzlei gehört zu Seehofers wichtigsten Mitarbeitern. […] Schneider war im Übrigen in besonderer Weise für das Thema Verwandtenjobs sensibilisiert. Er hatte selbst als Abgeordneter bis Ende 2005 seine Ehefrau bei sich beschäftigt.
(Mike Szymanski, SZ, 21.05.13)

Montag, 20. Mai 2013

Neues von TVE


Der schönste und bescheidenste Bischof Deutschlands ist natürlich mein Lieblingsbischof; der hier schon viel zitierte Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst.


Er liebt Prunk und Protz, er hat keine Skrupel zu lügen oder gar falsche Eidesstattliche Erklärungen abzugeben und ist zudem auch noch stramm konservativ.


Das Bistum Limburg, welches unter seinem äußerst beliebten Vorgänger Franz Kamphaus als liberal galt, brachte er wieder auf strammen Vatikankurs.
Der notorisch unprätentiöse Kamphaus, der so gar keine persönlichen Bedürfnisse hatte, sein Geld spendete, in einer kleinen Zelle des Priesterseminars wohnte, während er seinen Bischofssitz einer tamilischen Flüchtlingsfamilie überließ, ist in Vergessenheit geraten.
 Heute steht das kleine Limburg, welches Teile der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz beinhaltet mit seinen 650.000 Katholiken und gut 300 Pfarreien für das diametrale Gegenteil: Uralte kirchliche Titel, teuren Tand, Luxusverliebtheit und Karrieredenken.
Es ist kein Geheimnis, daß Franz-Peter Tebartz-van Elst auf den Job Meisners guckt. 
Limburg gehört zur Kirchenprovinz Köln und das dortige Bistum gilt nach Mailand und Rom als das reichste und bedeutendste in ganz Europa.
Der Kölner Kardinal herrscht nicht nur direkt über 2,1 Millionen Katholiken und gut 700 Pfarreien, sondern de facto auch über gleich fünf Suffraganbistümer, nämlich Aachen, Essen, Limburg, Münster und Trier, denen Kardinal Meisner als Metropolit vorsteht.
Die anderen deutschen Erzbistümer haben maximal drei Suffraganbistümer.
So ein Erzbistum ist eine feine Sache für Karrierekleriker, denn damit ist Mann schon halb Kardinal.
 Die Erzbischöfe von Köln, Berlin und München werden eigentlich immer zu Kardinälen erhoben. Als Kardinal steht man aber schon mit einem Bein im Vatikan.
Ein machtbewusster Bischof wie Tebartz van Elst will sich also möglichst schnell aus kleinen Provinzbistümern hocharbeiten.
Dazu nützt es gar nichts, wenn man wie Thissen oder Kamphaus bei den Gläubigen beliebt ist.
Im Gegenteil.
 Die deutschen und österreichischen Gläubigen gelten in Rom als notorische Querulanten. Nach Vatikanischem Zeitgefühl fand schließlich in Deutschland eben erst die Reformation teil. Es war ein deutschsprachiger Mönch, der so frech dem Papst den Gehorsam verweigerte.
Germanisch-austrisch-helvetische Untertanten müssen nach römischer Auffassung mit der Knute behandelt werden.
Der gebürtige Schlesier Joachim Meisner wurde 1975 Weihbischof des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen in der damaligen DDR, stieg 1980 zum Erzbischof des protestantischen Berlin auf, wo er sich durch seine ultrakonservativen Ansichten extrem unbeliebt machte.
Das wird im Vatikan wohlwollend als Steherqualität registriert und so folgte 1989 der Karrieresprung nach Köln. Meisner war dort so willkommen wie Fußpilz, aber in der absoluten Papstdiktatur Katholizismus sind die Ansichten der Gläubigen irrelevant.
 Es zählt nur Rom.
Auch Tebartz van Elst wird von den Limburgern für seine Selbstverliebtheit und Gnadenlosigkeit inzwischen regelrecht gehasst.
 Er macht also alles richtig, um nach Köln berufen zu werden. Zumal der 79-Jährige Meisner inzwischen bei jeder Gelegenheit laut nach Rom brüllt, amtsmüde zu sein und doch bitte möglichst schnell in den Ruhestand gehen zu können.

TVEs Karriere steht also eigentlich nichts im Weg.
Es STAND ihr jedenfalls nichts im Wege – bis zu Ratzinger Rücktritt.
Denn mit dem Expapst hatte der Limburger Bischof nicht nur seine stramm konservativen Überzeugungen, sondern auch seine Vorliebe für Gold, Edelsteine, Prunk, Hermelin und prächtige Roben gemeinsam.
Ratzi dürfte TVE sicher als Kardinalbili angesehen haben.
 Wie schon zuvor Rainer Maria Woelki, teilt nämlich auch TVE neben der reaktionären Grundeinstellung seine ausgesprochen abstoßende Physionomie mit Joseph Ratzinger. Das verbindet.
Nun aber regiert ein neuer Papst.
Natürlich ist Franzi auch stramm konservativ. Wie alle wahlberechtigten Kardinäle wurde auch Bergoglio von Ratzinger oder Woytila kreiert und die beiden haben nie einen Liberalen erhoben. (Selbst Lehmann, der als Vorsitzender der Bischofskonferenz hartnäckig zwei Dekaden bei den Kardinalserhebungen ignoriert wurde, ist nicht wirklich liberal.)

Papst Franz allerdings legt großen Wert auf sein bescheidenes Image.
Vermutlich ist das nur inszeniert, aber in dem Fall dürfte er erst Recht keine als Prunksüchtigen bekannten Bischöfe befördern. 
Will also TVE bald Erzbischof werden, muß er darauf hoffen, daß es schnell geht.
 Er müßte nach Köln gerufen werden, bevor sich Franz richtig eingearbeitet hat und stattdessen noch der ultrakonservative Ratzifreund Kurienerzbischof Müller die Fäden zieht.
Sollte aber TVE noch länger in Limburg festsitzen – und dafür spricht das Gerücht, daß Ratzis Kumpel Kurienerzbischof Gänswein sich einen prunkvollen Job in Deutschland wünscht – sollte er sich weniger durch Luxusgier, als durch reaktionäre Ansichten im Vatikan beliebt machen.
Und genau das versucht auch mein hessisch-pfälzer Lieblingsbischof.
 Massiv versucht er Aufmerksamkeit zu erringen, indem er mit schrillen Tönen zu aktuellen Themen wie Herdprämie oder Homoehe Stellung bezieht.
Zu Pfingsten versuchte er nichts weniger, als der Wissenschaft wie einst im Mittelalter, Grenzen zu ziehen. Ganz so, als ob ihn das irgendetwas anginge.
Der Bischof warnte davor, den Schöpfer-Geist Gottes zu vergessen. Der Mensch werde dann zum Macher. «Wo der werdende Mensch geklont wird, macht man ihn zum Produkt. Wo Embryonen gemacht und verworfen werden, wenn man sie nicht mehr braucht, erstickt der Atem des Schöpfer-Geistes», erklärte Tebartz-van Elst.
Der Geist Gottes sehe in jedem Menschen, ob gesund oder krank, ob behindert oder nicht behindert, ob stark oder schwach, jene unverwechselbaren Gaben, die alle unverzichtbar zum Leben gehörten.

Die Unterstellungen Wissenschaftler, die Mittel und Wege gegen Krankheiten suchten, kämpften auch gegen Kranke, ist kaum an Perfidie zu überbieten.
In bösartiger Weise versucht TVE hier wieder einmal Wissenschaftlern und Atheisten Euthanasie zu unterstellen, indem er so tut, als ob irgendjemand Behinderten oder Kranken das Lebensrecht abspräche oder ihren „Wert“ in irgendeiner Weise geringschätze.
Das ist aber eine Lüge.
1. Jeder Mensch hat ab der Geburt ein Lebensrecht, aber keine Lebenspflicht. (Manchmal ist das Leben leider mit solchen Qualen verbunden, dass es unethisch wäre, es unbedingt aufrechterhalten zu müssen.) 2. Kranke und Behinderte sollten mit allen Mitteln gefördert werden – Krankheit und Behinderung jedoch nicht! Ich halte diese Differenzierung nicht für „behindertenfeindlich“, sondern, ganz im Gegenteil, für „behindertenfreundlich“. Dies sage ich nicht nur als philosophischer Theoretiker, sondern auch ganz bewusst vor dem Hintergrund meiner eigenen praktischen Erfahrungen: Vor einigen Jahren arbeitete ich sehr intensiv mit einem „Förderverein für Familien mit chronisch kranken und schwerstbehinderten Kindern“ zusammen. Daher weiß ich, wie groß die Belastung dieser Familien ist. Die Gesellschaft lässt sie allzu häufig im Stich – ein Status quo, der auf keinen Fall hingenommen werden darf, worauf Peter Singer völlig zu Recht hingewiesen hat. (Auch wenn es exotisch klingen mag: Die Behindertenverbände wären m.E. gut beraten, Singer nicht als „Gegner“ wahrzunehmen, sondern vielmehr als „potentiellen Verbündeten“ im Kampf für menschenwürdigere Lebensverhältnisse.)

Der Prunkbischof beschwört den Wert jedes einzelnen Lebens, welches nur MIT Gott und GEGEN die Wissenschaft erhalten würde.


Wo der Schöpfer-Geist verdrängt werde, da werde das Leben einseitig und der Tod in Kauf genommen. Wo Gott aber im Blick bleibe, da wisse menschliche Forschung um ihre Grenzen.

Dabei vergisst TVE, daß täglich 30.000 GEBORENE Kinder unter den Augen seines Gottes elendig verhungern.
Es ist Gott.
Nach Berechnungen von Gregory Paul (THEODICY’S PROBLEM: A STATISTICAL LOOK AT THE HOLOCAUST OF THE CHILDREN, AND THE IMPLICATIONS OF NATURAL EVIL FOR THE FREE WILL AND BEST OF ALL WORLDS HYPOTHESES*) führen rund 75 % der Zeugungen nicht zu einer Einnistung im Uterus und von den wenigen, die es doch schaffen, erreichen wiederum viele niemals das Erwachsenenalter.
Früher Kindstod, Hunger, Fehlgeburten und andere Krankheiten, die der liebe Gott geschaffen hat, rotten einen großen Teil der Zellhäufchen, die den Piushanseln so wichtig sind, aus.
Letztendlich werden weniger als 20% der befruchteten Eizellen zu Kindern.
Der Grund ist eine fatale Fehlkonstruktion der menschlichen Anatomie. Meiner Meinung nach eine Folge der Evolution, aber die Hardcore-Christen glauben bekanntlich nicht an Evolution.
The female body was not well-designed for childbirth, either, since the ratio of fetal skull size to female hip size doesn’t make for great odds for the mother. Every year, more than half a million women die in pregnancy or childbirth. Natural evolution, not religion, explains the tough compromises forced on the human body, and why few embryos make it to infancy and so many mothers die in the process.
(centerforinquiry.net)
Nur die moderne Medizin in säkularen Staaten kann etwas mehr Kindern das Überleben retten.
In religiösen Ländern, die sich auf Gott verlassen, überleben die wenigstens Föten:
And worship and prayer does nothing to help these terrible odds against life. Only in modern industrialized countries using secular scientific medicine do we see infant mortality rates dramatically reduced. However, it remains generally true that countries with higher rates of religious faith have higher rates of infant mortality. Is that part of God’s plan too?
(
centerforinquiry.net)

TVE ist mit seiner gestrigen Pfingstpredigt also völlig auf dem Holzweg. 
Bezüglich der Wahrheit. Und damit vermutlich auf bestem Wege in das Herz der Kurie.
Es gäbe verschiedene Gaben, verschiedene Dienste und verschiedene Kräfte, aber nur den einen Schöpfer, den der Mensch nicht aus dem Blick verlieren dürfe.
"Wo der Schöpfer-Geist verdrängt wird, da wird das Leben einseitig und der Tod in Kauf genommen. Wo der Schöpfer-Geist nicht mehr zu Wort kommen darf, da wird die Welt monoton und das menschlich Machbare zum Absoluten", erklärte Bischof Tebartz-van Elst. Wo Gott aber im Blick bleibe, da wisse menschliche Forschung um ihre Grenzen und um die Größe, im Dienst des Schöpfer-Geistes zu stehen. Weil Gott keinem alles und keinem nichts gab und weil jeder seinen unverwechselbaren Teil zum Ganzen einbringe, habe Gottes Schöpfung Vielfalt, die der Mensch letztlich nicht erklären, sondern nur bestaunen könne. "Auf Gott zu setzen, bedeutet, neu zu werden und beweglich zu bleiben. Die Charismen zu sehen, bedeutet, Vielfalt zu sehen und Einheit zu wahren", so der Bischof. Aus diesem Staunen und aus Ehrfurcht vor dem Schöpfer-Geist komme dann das Hören auf seine Stimme, eine Wachsamkeit für die Zeichen der Zeit und eine Offenheit für sein Wirken.
[…]  "Wo wir dem Schöpfer-Geist seinen Raum lassen, gewinnt die Kirche eine Vielfalt in Einheit, eine Weite ohne Beliebigkeit und eine Entschiedenheit ohne Enge", so der Bischof. Wo aber der Mensch meine, das ihm Mögliche machen zu müssen, werde schnell der eigene Teil zum Ganzen erklärt und Ideen zu Ideologien.
(BistumLimburg 19.05.13)

Sonntag, 19. Mai 2013

Serbisch-Orthoxe Teil III


OK, streng genommen geht es diesmal gar nicht um SERBEN, sondern die orthodoxen Christen in Georgien.
Aber wer wird denn am Tage der Ausgießung des Heiligen Geistes so pingelig sein?
Georgien also. Dort wollten ein paar Schwule und Lesben am „internationalen Tag gegen Homophobie“ (= IDAHO = International Day Against Homophobia, wird seit 2005 jeweils am 17. Mai begangen) demonstrieren.
Das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche Georgiens, Patriarch Ilia II., hatte ein Verbot der Homorechts-Demo gefordert und erklärt, Homosexualität sei "anormal und eine Krankheit".

Der 80-Jährige gebürtige Irakli Ghuduschauri-Schiolaschwili ist Patriarch der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche, Erzbischof von Mzcheta-Tiflis und Metropolit von Zchum-Abchasien. Der homophobe Hass-Patriarch ist hochgeehrt. 
1986 erhielt er die Ehrendoktorwürden des theologischen St. Wladimir Seminars in New York, er ist Mitglied der Christlichen Friedenskonferenz, er war einer der sechs Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen und ist seit 1997 ist er Mitglied der Internationalen Akademie für Information der UNO.
Die Orthodoxe Kirche Georgiens (georgisch ქართული მართლმადიდებელი და სამოციქულო ეკლესია, Kartuli Martlmadidebeli da Samotsikulo Eklesia) ist Teil der Verfassung Georgiens, sie muß keine Steuern bezahlen und Patriarch Ilia II. darf bei feierlichen Anlässen auf der Regierungsbank platznehmen.
Rund vier Millionen Georgier, 85% der Bevölkerung sind georgisch-orthodoxe Christen. 
Es bestehen 15 Eparchien (Bistümer), 350 Pfarrkirchen und 50 Klöster (1996).
Wie ihre katholischen und orthodoxen Kollegen in anderen Ländern, versteht sich aber auch die kleine Kartuli Martlmadidebeli da Samotsikulo Eklesia vorzüglich darauf Gewalt und Hass zu säen.


Die serbisch-orthodoxen Brüder zeigen sich dabei gern von der ganz abartigen Seite, indem sie Todeswünsche aussprechen, zum Völkermord aufrufen oder Kinder vergewaltigen.

Aber auch die etwas moderater auftretenden Katholiken des neuerdings so beliebten Papst Franz verursachen massive Zunahme von brutalen Ausschreitungen.
Zum Beispiel in Frankreich.
Dort hat die massive homophobe Propaganda der RKK durchaus Wirkung gezeigt.
Die französische Schwulen- und Lesbenrechtsgruppe SOS Homophobie hat eine dramatische Zunahme von Beleidigungen und Angriffen gegen Lesben und Schwule in Frankreich im Zuge der Debatte um die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe beklagt. Im Oktober und November 2012 seien jeweils doppelt so viele Vorfälle gemeldet worden wie in den Vorjahresmonaten, erklärte die Organisation am Dienstag bei der Vorstellung ihres Jahresberichts in Paris. Im Dezember habe sich die Zahl sogar verdreifacht. "Der Beginn des Jahres 2013 weist die gleiche Tendenz auf", sagte SOS-Homophobie-Chefin Elisabeth Ronzier.   Die französische Gesellschaft gilt grundsätzlich nicht als homophob - in Paris etwa gibt es, wie in vielen europäischen Städten eine lebendige Schwulen- und Lesbenszene. Im Rahmen der Gesetzesnovelle haben sich die konservativen Kräfte des Landes jedoch radikalisiert. Umfragen zufolge war eine klare Mehrheit der Bevölkerung für die Liberalisierung der Ehe.

Die Georgisch-Orthodoxen sind gleich selbst als schwarzer-Popen-Block gegen die Homosexuellen vorgegangen.


Christliche Nächstenliebe eben.
Thousands of Georgians have protested in the capital Tbilisi against a gay rights rally being held to mark the international day against homophobia.
They broke through police barricades and carried stinging nettles with which to beat activists. Some posters read: "We don't need Sodom and Gomorrah". […] Several people, including a journalist and a police officer, were injured.  The protests followed comments from the head of the Georgian Orthodox Church.  Patriarch Ilia II had urged the authorities not to allow the gay pride rally to go ahead, saying it was a "violation of the majority's rights" and "an insult" to the Georgian nation. He described homosexuality as a disease and compared it to drug addiction.   The BBC's Damien McGuinness in Tbilisi says the Patriarch is by far the most respected public figure in Georgia, with approval ratings consistently at around 90%.   All the anti-gay demonstrators our correspondent spoke to said the Patriarch's comments had inspired them to attend Friday's protest, which was organised with the help of Orthodox priests.
Mit Steinwürfen vertrieben Tausende orthodoxe Gläubige, angeführt von Priestern, am internationalen Tag gegen die Diskriminierung von Homosexuellen einige Dutzend Schwule und Lesben aus der Innenstadt. 13 Verletzte wurden in Kliniken gebracht, wie Medien am Freitag aus der Ex-Sowjetrepublik im Südkaukasus berichteten.
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Der Christliche Mob stellt heutige Nazidemos in Deutschland locker in den Schatten.

Georgien möchte übrigens gerne in die EU.
Es hat zwar einen korrupten und verlogenen Präsidenten, aber da dieser sich als Intimfeind Putins sieht, drängen die USA schon die EU zur Aufnahme Georgien.
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