Donnerstag, 30. Juli 2026

Wieder einer endgültig verloren.

Daß alle demokratischen Gesellschaften von rassistischen, bornierten, missgünstigen, homophoben, misogynen und sonstigen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit frönenden Arschlöchern durchsetzt sind, wundert mich kein bißchen. Das war vermutlich immer so.

Mit dem Internet, Klugtelefonen, Social Media und Chatbots wurden aber leider sich selbst verstärkende Echokammern geschaffen, in denen sich die früher isoliert und entsprechend verschüchtert lebenden Dorftrottel zusammenrotten, ihre abstrusen Ansichten gegenseitig bestätigen. Die Algorithmen führen ihnen automatisch immer extremerer Ansichten zu, die maximal emotionalisieren sollen. Die rationalen und beschwichtigenden Stimmen sortiert die KI aus, wenn sie merkt, daß sie nicht erwünscht und weggeklickt werden. Und so glaubt der rechtsextreme Dorftrottel bald, er befände sich im Einklang mit allen anderen. Da jeder in seiner Braunblase ebenfalls an Chemtrails, Reptiloiden oder eine „jüdische Weltverschwörung“ glaubt, findet er verständlicherweise das Selbstbewußtsein, diesen Irrsinn auch im realen Leben, jedem auf die Nase zu binden. Erntet er Widerspruch, trägt er das empört zurück in seine Blase, die sich noch mehr emotionalisiert und zu mehr Taten aufheizt.

Deswegen sehen wir weltweit in den Demokratien deutliche Zunahmen der Gewalt gegen Queere, Frauen, POCs, Juden, Muslime, Migranten, Obdachlose, Sinti, Roma und alle anderen, deren Nase der rechten weißten Pest nicht passt.

Auf der journalistischen und publizistischen Ebene gibt es unglücklicherweise eine parallele Entwicklung von einstmals vernünftigen, geschätzten, gelegentlich sogar verehrten Menschen, die durch verschiedene Zufälle in rechte Blasen pieksen, dort ungeahnten Schnittmengen vorfinden, möglicherweise aus Lust an Provokation und Aufmerksamkeit länger als notwendig verweilen, den Zuspruch genießen und immer mehr in die Braunblase gezogen werden. Die Verlockung ist groß, weil man sich dort nicht um die lästigen journalistischen Standards kümmern muss, „Gefühltes“ mindestens gleichrangig mit Fakten ist und kritische Überprüfung der Aussagen nicht mehr stattfindet.

So viele „Gute“ haben wir auf dem Weg schon durch die Sogwirkung des rechten Sumpfes verloren. Niemand kommt da wieder raus, der sich einmal dort hinab begeben hat. Fast alle werden immer radikaler. Viele tauchen und taumeln schon so lange durch exkrementelle Verschwörungsblase, daß wir längst vergessen haben, daß sie mal als seriöse, anständige Menschen in die öffentliche Sphäre eintraten, deren Gedanken man interessiert verfolgte:

Matthias Matussek, Alexander Kissler, Hendryk M. Broder, Boris Palmer, Juli Zeh, Vera Lengsfeld, Christoph Schwennicke, Roland Tichy, Alice Schwarzer, Angelika Barbe, Oskar Lafontaine, Sarah Wagenfeld, Monika Maron, Oswald Metzger, Thilo Sarrazin, Gabriele Krone-Schmalz, Stefan Kornelius, Ulf Poschardt sind nur die, welche mir gerade spontan einfallen.

Fast vergessen auch die Herkunft des arabisch sprechenden Constantin Schreibers, der nach Stationen bei RTL im Jahr 2015 große Bekanntheit erreichte, als er für NTV mit seinen in „Merhaba“-Videos die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge willkommen hieß. Seine Karriere via NDR, wo ich ihn als „ZAPP“-Moderator sehr schätzte, zur größeren Öffentlichkeit bei der Tagesschau, schien vorgezeichnet.

Aber dann stieß er die Tür nach RECHTS auf: Rechtspopulistische Bücher, Tagesschau-Aus, Israel, Axel Springer.

[….] Nach nicht mal einem Jahr kündigt Ex-„Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber seine Trennung vom Axel-Springer-Verlag an. [….]

Schreiber hatte kurz nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day die FDP-Politikerin Karolin Preisler zu Gast, die angab, kurz vor der Tat Hinweise auf den Attentäter an die Polizei weitergegeben zu haben, die nicht reagierte. Also ein schreckliches Behörden- und Führungsversagen, wieder einmal? Schreiber hinterfragte Preislers Schilderungen nicht wirklich, sondern nickte vor allem – und wurde in den sozialen Medien auch von Journalistenkollegen dafür abgewatscht. Denn nicht die Behörden hatten geschlampt, sondern Preisler etwas verwechselt.

Aber Schreiber will eigentlich auf anderes hinaus, nämlich auf Nachrichten in eigener Sache: Schon vor ein paar Monaten habe er sich entschieden, beruflich „neue Wege zu gehen“, sich zum Ende des Jahres von Axel Springer zu trennen. Auf eine SZ-Anfrage an ihn und den Verlag, ob denn die Zeichen schon wieder auf Trennung stehen – nicht mal ein Jahr nachdem er von der ARD zu Axel Springer gewechselt war –, hatte Schreiber zunächst nicht geantwortet, dann aber das Video hochgeladen. Der Verlag selbst reagierte mit einer eher schmallippigen Mail: „Wir bestätigen, dass Constantin Schreiber und Axel Springer die Zusammenarbeit zum 31. Dezember beenden. Er wird sich künftig eigenen Projekten widmen.“ [….]

 Und Schreiber, der bei seinen Kolleginnen und Kollegen der Öffentlich-Rechtlichen etwa schon mit seinen Büchern über den Islam eher angeeckt war, schien froh zu sein, bei Springer nun eine publizistische Heimat gefunden zu haben, in der er sich weltanschaulich womöglich wohler fühlte.

Ganz so reibungslos wie erhofft gestaltete sich die Zusammenarbeit aber nicht – nach wenigen Monaten gab Springer bekannt, dass der heute 47-Jährige seinen Teilzeit-Dienstsitz in Tel Aviv aufgeben und „künftig aus familiären Gründen aus Deutschland“ arbeiten werde. In dem Video, in dem er seinen endgültigen Abschied vom Verlag bekannt gibt, rekapituliert Schreiber nun, „es war zwar nicht so lang bei Axel Springer, aber es war sehr spannend“ – besonders, als in Israel der Krieg mit Iran ausgebrochen sei und er „das ’ne Zeit lang verfolgen konnte“.

Im Axel-Springer-Haus in Berlin wird sicher nicht jedes Wort aus Schreibers Video auf Zustimmung stoßen, bei der Formulierung „’ne Zeit lang“ dürften aber einige nicken: Dass Schreiber mit seinem Podcast durch Deutschland tourte, während auf Tel Aviv Raketen fielen, stieß nach SZ-Informationen einigen Mitarbeitern sauer auf. [….]

(Moritz Baumstieger, 30.07.2026)

David Berger oder Jürgen Elsässer können Schreiber vermutlich nicht bezahlen. Außerdem sind ihre Plattformen zu klein für sein enorm angeschwollenes Ego.

Gotthardt, Reichelt und NIUS schon eher. Da könnte er, unbelästigt von Fakten, islamophobe Verschwörungstheorien ausbreiten und weiter Aufmerksamkeit genießen.

Schreiber scheint aber von seiner selbst gefühlten Bedeutungsschwere so überwältigt, daß er kaum noch gehen kann. Bald wird vermutlich eine Bundeskanzler-Stelle frei. Zutrauen würde sich Schreiber das.

Podcaster auf eigene Rechnung wird ihm nicht reichen.

Gegenwart und Zukunft gleichzeitig

In diesem Jahrtausend war ich noch nie im Kino und Streamingdienste nutze ich auch nicht. Da kommen einige Gründe zusammen. Ich bin Sozialphobiker, sitze nicht gern eng an eng mit fremden Menschen, wenn ich meine Freizeit gestalte.

Kinos sind mir außerdem viel zu laut, weil ich als Single in einer extrem hellhörigen Stadtwohnung seit Jahrzehnten gewöhnt bin, mich sehr leise zu verhalten. Ich hadere mit der Filmmusik, die mich fast immer stört und natürlich bin ich als alter weißer Cis-Mann, vielen aktuell sehr beliebten Filmgenres entwachsen.

Ich kann und will alles aus dem Marvell-Universum nicht ertragen; ich verweigere die Beschäftigung mit kleinen Strumpfhosen-Männchen aus US-amerikanischen Teenie-Comics. Noch schlimmer sind für mich jede Art von Animationsfilmchen. Es mag intolerant sein, aber für mich ist das Kleinkinderprogramm; ich will erwachsene reale Menschen sehen, wenn ich mich schon auf Fiktion einlasse.

Bezüglich der Streamer bestreite ich selbstverständlich nicht, dort Serien von hoher Qualität vorzufinden, dich auch angucken würde.

Aber da gibt es den aberwitzigen ökologischen Fußabdruck. Streaming verursacht mittlerweile um die 10% der globalen Triebhausgase. Eine Stunde Netflixen verursacht ungefähr so viel CO2, wie ein Kilometer mit dem Auto zu fahren. Ich will nicht durch mein Verhalten den Energieverbrauch der riesigen Serverfarmen der Plattform-Infrastruktur erhöhen. Außerdem möchte ich Dienste wie Apple oder Amazon schon deswegen nicht nutzen, weil das die an Trumps Hintern klebenden antidemokratischen rechten Tech-Multimilliardäre noch reicher und mächtiger macht.

Schließlich ist da noch mein miserables Zeit-Management. Die herkömmlichen Medien; Zeitungen, Bücher, stationäres Fernsehen; liefern schon weit mehr Unterhaltung, als ich in 24 Stunden pro Tag unterbringen kann. Als Beleg mögen meine Stapel von immer noch originalverschweißten DVDs und VHS-Videocassetten (sic!) dienen. So viel Stoff, der mich genügend interessierte, um das alles zu kaufen und dennoch hatte ich bisher nicht die Zeit/Muße, das alles anzugucken.

Den Rest gab mir mein Klugtelefon, welches ich im zarten Alter von 50 anschaffte und das trotz gegenteiliger Bemühungen, jeden Tag einen relevanten Teil meiner Zeit klaut.

Vor ein paar Tagen, gab es einen der eher seltenen Momente, in denen ich mich gezielt vom Politfrust/Weltschmerz ablenken wollte. Mit einem Action-Reißer, der auf VOX lief: „Furiosa, A Mad Max Saga“ (2024) von George Miller. Das Prequel zu „Mad Max: Fury Road“ (2015). 

Ich stehe ein bißchen auf Endzeit-Stories, weil darin die Ordnung der Zivilisation entfallen ist und sich die pure menschliche Leben zeigt. Das CliFi-Genre wird in unserer multi-prä-apokalyptischen Gegenwart immer mehr zur Dokumentation.

Die Handlung, laut Wikipedia:

[….]  Nachdem Kriege und Katastrophen große Teile der Welt unbewohnbar gemacht haben, kämpfen die verbliebenen Menschen um die wenigen Ressourcen. Einer der wenigen fruchtbaren Orte ist eine Oase inmitten des Outbacks, das Grüne Land. Von dort wird das Mädchen Furiosa von Eindringlingen entführt. Furiosas Mutter nimmt die Verfolgung auf und kann einige Entführer töten, jedoch nicht verhindern, dass ihre Tochter zu Dementus gebracht wird, dem Anführer einer nomadischen Bikergang. Seine Versuche, dem Mädchen den Standort des grünen Landes zu entlocken, schlagen fehl. Schließlich lässt Dementus Furiosas Mutter, die bei dem Versuch, ihr Kind zu befreien, gefangen genommen wurde, vor ihren Augen foltern und töten. Anschließend adoptiert Dementus das Kind, das er fortan „Little D“ nennt. [….]

Eigentlich wußte ich schon, „das wird nichts“, als Chris Hemsworth mit albern aufgeklebter Hexennase auftauchte und als so einer Art schwuler Sadisten-Villain seine wallende Haarpracht in den Wüstenwind hing. Nur noch übertroffen von der hoffnungslos dilettierenden Titeldarstellerin Anya Taylor-Joy, die als kampferprobte Heldin in etwa so glaubwürdig ist, wie ich als CDU-Abgeordneter wäre.

War das schlecht! Und dazu immer wieder Splatter-Elemente detailreich ausgeleuchtet. Ich empfinde aber keinen Spaß daran, mir anzusehen, wie geknechtete leidenden, hungernde Menschen auf alle erdenklichen Arten gemartert und getötet werden. Man nenne mich einen cineastischen Banausen, aber das ist nun einmal nichts für mich.  Muss ja auch nicht sein.

Dann wechsele ich eben wieder in die reale Welt der Nachrichtensendungen, der Zeitungen und harten Fakten. 

Die ikonographischen Bilder der Brände in Spanien, Italien und Frankreichsehen schon farblich genauso apokalyptisch aus, wie die australischen Furiosa-Werbeplakate.


[….] Waldbrände in Frankreich und Spanien: Es fühlt sich an wie Science-Fiction, aber Europa ist in der neuen Klimarealität angekommen

Die Menschen im französischen Département Gironde müssen sich fühlen, als wären sie in einem Science-Fiction-Roman gelandet. Cli-Fi nennt sich dieses literarische Genre, das die Klimakrise ins Zentrum seiner Geschichten rückt. Die Bücher spielen in einer Zukunft, in der Waldbrände zur Regel geworden sind und sich die Menschen nach Abkühlung und sauberer Luft sehnen, wie nach einem fernen Märchenland.

Frankreich hat in der Realität nun bereits drei Hitzewellen hinter sich, die laut Übersterblichkeits-Statistik 5800 Menschen das Leben kosteten. Nun wütet ein Waldbrandinferno im Südwesten des Landes, am Sonntag rückten die Feuer bis auf 15 Kilometer an die Metropole Bordeaux heran. Nur, weil die Winde drehten, musste die Stadt nicht evakuiert werden. Noch ist die Gefahr nicht gebannt.

Wer nie vor einem Waldbrand fliehen musste, kann sich die nackte Angst der Betroffenen kaum vorstellen. Aus der Gironde häufen sich die Augenzeugenberichte von Menschen auf der Flucht. Sie erzählen von der Angst, zu ersticken, es mit dem Auto nicht mehr rechtzeitig durch das Flammenmeer zu schaffen. »Der Geruch des Feuers wurde immer stärker, es war, als sei die Flamme schon direkt neben mir, der Hals fing an zu kratzen, und als die Asche vom Himmel fiel, wussten wir: Wir müssen weg«, erzählt ein Anwohner dem TV-Sender BFM. Viele griffen im letzten Moment nur noch nach ihren Papieren, alles andere blieb zurück. Rund um Bordeaux campieren seit Tagen Tausende in Notunterkünften. Die meisten wissen nicht, ob es ihr Zuhause noch gibt.

Die Feuer könnten noch Wochen weiterbrennen: Schon für Mittwoch sind in der Region wieder 35 Grad vorhergesagt, kein Wölkchen am Himmel – von den Rußwolken abgesehen. Erschreckend gut ins Bild der Cli-Fi-Romane passt auch die aktuelle Analyse von Klimaforschenden: Die Dürre in vielen europäischen Regionen sei weniger durch fehlenden Regen entstanden als durch extreme Temperaturen, heißt es beim Netzwerk World Weather Attribution . Diese seien durch den Klimawandel deutlich wahrscheinlicher und intensiver geworden – der Zusammenhang ist eindeutig.   [….]

(Susanne Götze, 28.07.2026)

So wie Trump längst „House of Cards“ überholt hat, überholt die Realität auch Mad Max.

Dienstag, 28. Juli 2026

Lock her up

Über ein Jahr geht das Theater; 63 Prozesstage habe ich akribisch im MoPo-Minutenprotokoll nachgelesen und unzählige Hintergrundartikel studiert.

Mein Interesse an der Causa Block wird aus drei Quellen gespeist:

Erstens Lokalkolorit-Neugier and einer Promi-Familie, die in Hamburg jeder seit Jahrzehnten kennt.

Zweitens tiefe Abneigung gegen die erzkonservative, autoritäre und erzkatholische Fleischhandelsfamilie.

Drittens übergeordnetes politisches Interesse:

(….) Natürlich gehen die Öffentlichkeit die Details eines schmerzhaften Sorgerechtsfalles auf dem Rücken der Kinder nichts an. Solche Fälle kommen jedes Jahr myriadenfach vor und sollen diskret behandelt werden.

Der Block-Fall aber ist von öffentlichen Interesse. Nicht, weil die Beteiligten reich und berühmt sind. Sondern weil Block und Delling gezielt die Öffentlichkeit suchten, um mit ihrer Prominenz Gerichte zu beeinflussen. Es geht um die Frage, wie gleich Bürger vor Gericht sind. Können Superreiche mit ihren Kontakten Urteile manipulieren? Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn Megaprominente für ihre privaten Fehden a.) August Hanning, den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) und ehemaligen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, b) den Außenminister Sigmar Gabriel und c.) gar den Vizepräsidenten des Bundestages Wolfgang Kubicki einspannen können, der sofort anbietet, seine Amtsinsignien in die Waagschale zu werfen?

[….] In der Sorgerechtsaffäre um zwei Kinder aus der Hamburger Unternehmerfamilie Block (Block House) hat sich Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki offenbar deutlich stärker engagiert als bisher bekannt. Diesen Schluss legen Handynachrichten nahe, die der FDP-Politiker an Christina Block geschrieben hat, Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block und die Mutter der Kinder[…] Schon am 1. Januar 2024 schrieb Kubicki an die »liebe Frau Block«, er wünsche ein gutes neues Jahr. »Und wenn es stimmt, was ich lese, alles Glück dieser Erde.« Es folgte der bekannte Satz: »Wenn Recht zum Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.«

Auf die Frage des SPIEGEL, ob er damit eine Entführung befürworten wollte, erklärte Kubicki, er sei von Beruf Strafverteidiger und »befürworte oder relativiere keine Straftaten«.[…] In diesem Zusammenhang war am 2. Dezember 2021 ein Gerichtstermin in Dänemark anberaumt. Im Vorfeld reagierte FDP-Mann Kubicki auf die Bitte der Mutter um diplomatische Unterstützung. Kubicki versprach am 30. November: »Ich tue mein Bestes.« Zwei Tage später teilte er mit, die »diplomatischen Vertretungen« hielten es für »kontraproduktiv«, wenn ihre Leute im Gerichtssaal säßen. Er könne aber selbst anreisen und ihr den Rücken stärken.

Kubicki verwies darauf, er sei als Vizepräsident des Bundestages »protokollarisch ganz weit oben«. In einer weiteren Nachricht teilte er mit, er »käme im Dienstwagen selbst«. […] Kubicki betonte, seine Unterstützung für Christina Block »war und ist nicht unzulässig«. Sie gehöre »zu den Aufgaben eines Abgeordneten«. Im Übrigen kenne er Christina Block und ihren Partner, den Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, »aus einer Vielzahl von Veranstaltungen und Empfängen«. […]

(SPON, 21.03.2025)

Hier liegt ein für die Öffentlichkeit relevanter Skandal vor, der mE nach einer gesetzlichen Regelung verlangt. (….)

(Staatsinteresse, 15.08.2025)

Durch den gezielten Einsatz von Medien und Millionen, nehmen sich die Blocks mehr Rechte und mehr juristische Möglichkeiten heraus, als der 0815-Bürger. Sie können professionelle Geheimdienstler; Mossad-Leute aus Israel engagieren und zu Straftaten animieren, um die Fakten zu schaffen, die Christina und Eugen Block sich wünschen.

Die Blocks sind dementsprechend auch Gegenstand der aktuellen ausführlichen SPIEGEL-Titelgeschichte.

Hier wird die emotionale Dysfunktionalität des „Patriarchen“ und die zwangsläufige Entfremdung zu seinen drei Kindern zwar angesprochen, aber kaum erwähnt, worin die mutmaßlichen Misshandlungen der Mutter und des Opas lagen, so daß drei der vier Block-Kinder nicht nur bei ihrem Vater leben wollen, sondern auch den Kontakt zu ihrer Mutter verweigern. Ebenfalls kaum beachtet von den SPIEGEL-Autoren, werden die in Hamburg wohlbekannten sadistischen Umgangsformen des Friedrich Block gegenüber seinen Untergebenen und Enkeln.

(….)  Der heute 83-Jährige stramm religiöse Patriarch Eugen ist stockkonservativ, sympathisierte lange mit der CDU, bis sie ihm zu lasch wurde und er bereits 2013 erklärte, die AfD zu wählen.  Über die Dekaden konnte ich ferner der Lokalpresse entnehmen, wie fürchterlich Eugen im privaten Umgang sein muss.

Kaum hatte er Sohn Dirk an seine Seite in der Geschäftsführung geholt, zerstritten sie sich coram publico. Eugen warf seinen Sohn raus und behandelte ihn damit wie einen seiner bisher fast 20 Elysee-Hoteldirektoren. Das Hamburger Abendblatt schrieb vor 13 Jahren zu Blocks 70. Geburtstag:

[….] Der 70-Jährige hat innerhalb von 26 Jahren in seinem Hotel Grand Elysée in Hamburg 14 Direktoren verbraucht. Mal ging es um die Dekoration in den Restaurants, mal um die Muster auf den Salzstreuern. Oft vermutlich auch darum, dass der Hotelchef die Erwartungen des Eigentümers nicht erfüllen konnte. "Der hat sich nicht genug angestrengt", begründete Block einmal einem Rauswurf. Und pries den Nachfolger in den höchsten Tönen. Spätestens bei Direktor Nummer acht kamen bei Beobachtern Gedanken wie "mal sehen, wie lange der das jetzt schafft" auf.   […..]

(Daniela Stürmlinger, 08.07.2011)

Offenbar wird es im Alter immer schlimmer; Petitessen reichen aus, um Wutanfälle des AfD-Mannes auszulösen. Nichts ist ihm gut genug, alles kann er besser.

Natürlich wechselte er als einer der ersten, bereits im April 2020 ins Covidioten-Lager.

[….] Eugen Block ist [….] ein Selfmade-Mann, der an das Recht des Stärkeren glaubt. An den Markt. An Gott. In einem alttestamentarischen Sinn. An Friedrich Merz. Mit Mitgefühl hat er es nicht so. Das zeigten vor einigen Jahren schon seine Äußerungen zur AfD (hat er mal gewählt, als „Korrektiv für diesen großen Mischmasch von Politik“) und zum Islam („kann keinen Frieden bringen“). Und jetzt also Corona. Block hat Briefe geschrieben, hat er dem „Spiegel“ erzählt. An Scholz, Altmaier, Spahn, das RKI. Er hat „klargemacht“, sagt er, dass das totale Einstellen des öffentlichen Lebens zum wirtschaftlichen Niedergang führt“. [….] Und dann sagt Block dem „Spiegel“ einige Sätze, die auf so bestechende Art entlarvend sind, dass es fast schon schmerzt, sie zu lesen: „Die Herrschaften haben angstgetrieben Panik gemacht. Ich warte immer noch auf den seit Langem angekündigten Corona-Peak. Noch immer stehen die Krankenhäuser halb leer. Mit den entstehenden Kosten hätte Herr Spahn seine Intensivabteilungen verdoppeln können. Nein, er muss das ganze Volk wegsperren und das Leben auf den Kopf stellen.“ [….]  „Hören Sie auf mit der Panikmache, dann sterbe ich eben drei Tage früher, na, und? Ich habe Gottvertrauen. Ich gehe danach zum liebenden Gott.“ [….]

(Maik Koltermann, 18.02.2024)

Die vier Kinder seiner Tochter Christine hatten nichts zu lachen bei Opa.

[….] Eugen Block gilt als eigensinniger Charakter, der alles selbst macht und nur wenigen traut. Sogar die Gardinen für seine Restaurants sucht er persönlich aus.  Seine Enkelin Johanna erzählt nun in Dänemark eine Geschichte, die für ihn typisch erscheint: Als Johanna ihr Kinderzimmer neu einrichten wollte, habe ihr Eugen Block diesen Wunsch abgenommen – und den Raum nach seinem Geschmack gestaltet.  [….]

(Die Zeit, 01.02.2024)   [….]  [….]

 [….] Es begann damit, dass Johanna, die Älteste der vier Block-Geschwister, im Jahr 2021 (sie war damals 15) während eines Sylt-Urlaubs ins nahe gelegene Dänemark zu ihrem Vater und dessen neuer Frau ausriss. "Es ging einfach nicht mehr", sagt Johanna im Gespräch mit der ZEIT. Sie habe mit ihrer Mutter über Freiheiten und Grenzen gestritten, auch um einen sechsmonatigen Auslandsaufenthalt ging es, den die Mutter für ihre Tochter wollte, den die Tochter aber ablehnte. Und immer wieder: zu viel Strenge, zu hohe Erwartungen.  Johanna sagt: "Vier Tage pro Woche hatten wir Hobbys. Hockey, Ballett, Klavier, Leichtathletik, Schwimmen, Flöte, dazu kam Nachhilfe. Hockeyspiele am Wochenende. Und dann Verabredungen, die sie getroffen hat. Du hast nie freigekriegt. Du durftest unter der Woche nie mal im Bett liegen. Am Wochenende wurden wir auch früh geweckt, weil wir alle zusammen frühstücken sollten – fertig angezogen natürlich." Sie selbst habe sich um die Geschwister kümmern, mit ihnen Hausaufgaben machen, sie bekochen und ins Bett bringen müssen. Johanna sagt: "Ich hatte viel zu viel Druck." [….]  [….]. In den Akten ist die Rede davon, manche der Kinder seien von ihrer Mutter auf den Hinterkopf geschlagen, die Treppe hochgezogen, gelegentlich eingesperrt und über längere Zeit allein gelassen worden. Die Mutter bestreitet das.   […..]  [……]

(Die Zeit, 01.02.2024) (….)

(Jesus hilft Hamburger Multimillionär, 22.02.24)

Mit Prozesstag 64 wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil anderenfalls Persönlichkeitsrechte verletzt werden könnten. Es geht weiterhin heiß her; Block und ihr Promianwalt Ingo „Rasputin“ Bott, treiben die Kammer mit ihrem aggressiven Vorgehen weiterhin zur Weißglut. Rasputin, (sowie auch Patriarch Eugen über Medien und offene Briefe), greifen an jedem Prozesstag die vorsitzende Richterin persönlich an. Offensichtlich mit der Absicht, einen Eklat zu provozieren, einen Prozessabbruch herbeizuführen, oder in Revision zu gehen.

Rasputin, Block

Richterin Hildebrandt lässt die Attacken mit stoischer Ruhe an sich abprallen. Aber auch Block selbst spielt nicht nach den Regeln. So rief sie während des Prozesses, kurz vor den bedeutenden Zeugenaussagen der Ex-Mossad-Leute in Israel an. Selbstverständlich ist Zeugenbeeinflussung verboten. Wollte Christina Block die Aussagen manipulieren? Hat sie jemanden bedroht? Nein, wehrte diese ab; sie habe nur Genesungswünsche übermitteln wollen.

Nun verstößt sie erneut gegen die Prozessregeln:

[….] bevor die Öffentlichkeit aus dem Saal gebeten wird, lässt die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt die eigentliche Bombe des Verhandlungstages platzen. Sie spricht ohne Umschweife die Hauptangeklagte Block direkt an: Die sachverständige Gutachterin hatte demnach am Montag dem Gericht gemeldet, dass Block ihr außerhalb der Hauptverhandlung einen Briefumschlag mit Unterlagen zu ihren Kindern gegeben hatte.

An sich ist das nichts Außergewöhnliches, denn beide Elternteile hatten der Kinderpsychiaterin Unterlagen zur Verfügung gestellt, um sie bei der Begutachtung der beiden Kinder zu unterstützen. Das Brisante: Die Unterlagen, die Block der Gutachterin zusteckte, enthielten nicht einfach Informationen zu den Kindern und ihrem Leben bei der Mutter, sondern Beweisanträge und einen persönlichen Brief. Beide Dokumente sind bislang nicht Aktenbestandteil im Prozess.

Ignorierte Block die vorherige Androhung des Haftbefehls?

Für Hildebrandt steht damit am Dienstag fest, dass das eine versuchte Einflussnahme auf die Sachverständige war. Schon im November hatte die Richterin Block gedroht, sie werde einen Haftbefehl gegen sie erlassen, sollte sie weiter auf Zeugen einwirken. Am Dienstag wirft sie Block vor, genau das getan zu haben. In scharfem Tonfall fordert Hildebrandt die Hauptangeklagte auf, den Vorfall irgendwie zu erklären. [….] "Das ist ja nicht aus der Tasche gefallen", hakt sie nach, und erinnert auch Bott an ihre Warnung im November. "Jetzt passiert wieder so etwas, dass das ein Zufall sein soll, vermag ich schwer zu glauben." Hildebrandt, die sich sonst selten in die Karten schauen lässt, klingt ungewohnt aufgebracht. [….]

(Legal Tribune Online, 28.07.2026)

Es fügt sich perfekt ein in ein Bild von einer Familie, die sich trumpesk außerhalb der Regeln wähnt.

[….] Ihr, Christina Block, sei es allein darum gegangen, der Kinderpsychologin bei der Anamnese zu helfen, also bei der Krankengeschichte der Kinder. Den Brief ihrer Bekannten habe sie im Briefkasten gefunden und ungelesen mit in den Umschlag zu den Beweisanträgen gelegt. So Christina Block.

Problem: Die Unterlagen in dem ominösen Umschlag befassen sich überhaupt nicht mit der Gesundheit der Kinder, sondern handeln vom Vater, und zwar in einer „ehrabschneidenden Weise“, wie dessen Anwalt betont. Sollte der Vater Stephan Hensel im Gutachten möglichst schlecht wegkommen? Nachdem Christina Block im Oktober 2023 bereits „Beweise“ für dessen Pädophilie bei der Polizei abgegeben hatte? Diese Daten hatten sich schnell als gefälscht herausgestellt.

Die Kinderpsychologin korrigiert dann auch prompt die Darstellung von Christina Block: Sie habe tatsächlich um Unterlagen gebeten, allerdings um das Gesprächsprotokoll einer Tochter. Das solle Ingo Bott ihr bitte noch einmal ausdrucken. Dass Christina Block ihr in dem Umschlag auch Beweisanträge mitgegeben habe, habe sie „überrascht“. Eine der beiden Frauen sagt also die Unwahrheit.  Welche Konsequenzen die „versuchte Verdunklungshandlung“ für Christina Block haben wird, muss die Kammer nun entscheiden. „Ich habe bereits im November gesagt, dass jegliche Einflussnahme zu unterbleiben hat, und nun das“, stellte die Vorsitzende fest.  [….] Es ist nicht der erste Schuss vor den Bug. Bereits im November 2025 hatte Isabell Hildebrandt sich mit deutlichen Worten an Christina Block gewandt: „Wir werden nicht zögern, einen Haftbefehl zu veranlassen, wenn Sie nicht aufhören, Zeugen zu kontaktieren“, sagte sie am 21. Verhandlungstag. Damals war der Verdacht aufgekommen, Christina Block habe versucht, Druck auf israelische Zeugen auszuüben, um sie von einer Aussage abzubringen. Außerdem hatte die Angeklagte damals zu einem älteren israelischen Zeugen Kontakt aufgenommen und ihm „gute Besserung“ gewünscht. Für die Zukunft hätten jegliche Kontaktaufnahmen zu unterbleiben, stellte die Vorsitzende damals klar.  [….]

(HH MoPo, 28.07.2026)

Man kann den Blocks nicht vertrauen. Christina Block sollte endlich eingesperrt werden. Zumindest bis zum Prozessende, damit ihre Zeugenbeeinflussungen gestoppt werden. Wir sprechen immerhin von einer Frau, die mutmaßlich kinderpornographisches Material bei ihrem Exmann deponieren ließ und anschließend zur Polizei ging, um ihn und seinen Anwalt anzuschwärzen.

[….] »Frau Block hat auf plumpe Weise versucht, die Sachverständige zu manipulieren. Es ist nicht das erste Mal, dass sie Dreck über meinen Mandanten auszukippen versucht.«  […]

(Hensel-Anwalt Philip von der Meden)

Hummeln im C-Hintern

Die CDU war über Jahrzehnte ein Kanzlerwahlverwein, dem es in erster Linie wichtig war, daß „die Sozn“ nicht regieren. So lange ihre Schwarzen an den Fleischtöpfen der Macht waren, nickte das gemeine -C-Parteimitglied alles ab, was die Oberen wollten. Man war skandalresistent und störte sich nicht an Mauscheleien der Chefs.

Während es bei SPD- und Grünen-Parteitagen hoch her ging und durchaus mal ein Vorsitzender gestürzt werden konnte (Mannheim 1995!), genießen christdemokratische Delegierte bei reichlich Bier und Bratwurst die schwarzbraune Gesellschaft, schalten einfach auf Durchzug, wenn der Parteichef mal wieder endlos redet.

Die einzige Ausnahme, die ich erinnere, war Bremen im September 1989, als die volatile Weltlage so gar nicht mehr zum bräsigen Pfälzer passen wollte. Zufällig gab es damals einige sehr ehrgeizige, machtbewußte Mutige in der Partei, die einen Quasi-Aufstand wagten: Geißler, Süßmuth und viele andere Grummelnde wollten Kohl stürzen und Lothar Späth zum neuen Parteichef wählen. Aber der BW-Regierungschef nässte sich auf den letzten Metern ein und traute sich nicht, in eine Kampfkandidatur zu gehen. Kohl siegte und säuberte die Partei von Renegaten. Nach 12 Jahren war Generalsekretär Geißler erledigt. Kein er weiß, ob der schwer angeschlagene Kohl die nächste Bundestagswahl unter normalen Umständen gewonnen hätte. Aber bekanntlich kam am 09. November des Jahres alles anders. In einem nationalen Rausch erhoben ihn die Ossis zum Großkanzler der Einheit.

Polit-Opa Merz, 70, glaubt, es liefe in der CDU immer noch so.

„Die werden schon alles abnicken, was ich sage. Die wollen doch einen starken Führer, der Ansagen macht und ihnen zeigt, wo es lang geht! War ja früher auch immer so.“

Der Sauerländer Simpel vergisst dabei aber zwei entscheidende Unterschiede zwischen ihm und Kohl.

Kohl war bei Wahlen höchst erfolgreich, kam nah an die absolute Mehrheit, nahm locker die 45%-Hürde, garantierte enorm vielen Abgeordneten ihre Sitze, Pfründe und Posten. Die Merz-CDU hingegen krebst um die 20% Grenze. Selbst nach der verhassten, geplatzten Ampel, schaffte es der CDU-Mann bloß noch auf 28%.

Partei und Regierung sind historisch unbeliebt, viele junge Abgeordnete werden spätestens 2029 wieder aus dem Parlament fliegen. In Mecklenburg-Vorpommern wird die Landes-CDU am 20.September wohl einstellig aufschlagen.

Kohl hatte das Ohr an der Basis.  Er war äußerst jovial im Umgang, saß jeden Abend am Telefon und sprach mit Kreis- und Bezirks-Chefs, gab sich als einer von ihnen. Gerüchten zu Folge, soll er ein Elefantengedächtnis für persönliche Details gehabt haben. Gratulierte zu Geburtstagen, wußte wenn die Ehefrau eines Ortsverbandsvorsitzenden gesundheitliche Probleme hatte. Und er saß auf seinen prall gefüllten schwarzen Kassen; half immer mal wieder ganz direkt mit „Bimbes“, wenn es irgendwie finanziell zwickte. So schuf er Loyalität und bekam frühzeitig mit, wenn es an der Basis Unzufriedenheit gab. Auch hier könnte Merz nicht unterschiedlicher sein. Er straft das einfache Parteivolk mit Nichtachtung, agiert herrisch von oben herab. Die Befindlichkeiten seiner Unterlinge interessieren ihn nicht, weil er trumpesk sein ganzes Mitleid für sich selbst verwendet. Der Blackrock-Multimillionär ist nicht nur nicht empathisch, sondern noch nicht einmal in der Lage, Empathie zu heucheln.

Da CDUCSU-Mitglieder nicht zu den schlauesten Füchsen gehören, haben sie aber offenbar Fritzes großmäulige neoliberale Versprechungen geglaubt:
Keine Neuverschuldung, massive Steuersenkungen für die Topverdiener, Schluß mit dem ganzen Öko-Klimazeug und das fehlende Geld holen wir uns bei den faulen Bürgergeldempfängern, indem wir sie auf Hungerrationen setzt. Schluß mit Windrädern und Wärmepumpen; dafür volle Verbrennerkraft und schon beginnt ein beispielloser Aufschwung, der dazu führen wird, daß der Urnenpöbel aus Dankbarkeit nur noch CDU wählt, während die doofen Linke und Höckerianer unter 5% rutschen.

Das war natürlich schon immer Unsinn, konnte nie funktionieren und führt nun zu genau dem Desaster, das jeder Experte prognostiziert hatte.

So ganz langsam fällt aber selbst bei CDU-Parlamentariern der Groschen: Fritze kann es nicht!

Er ist ein katastrophaler Bundeskanzler und als Parteivorsitzender viel schlechter, als die ausgleichenden Kohl und Merkel. Nachdem sich das Dummerle mit immer höherer Frequenz selbst ein Bein stellt und durch unforced errors die CDU nach unten zieht, verspüren umso mehr CDU-Amtsträger den Drang, es wie mit Wegner und Spahn zu machen. Die beiden wollten ihre Pannenketten einfach aussitzen. Aber auch CDUler leben im Social Media Zeitalter, vernetzen sich untereinander kumulieren ihren Zorn. Beide wurden durch den Zorn der Basis weggefegt, bevor Merz wußte, wie ihm geschah.

Das könnte empowert haben.

[….] In der CDU rumort es hörbar, die Partei ist in Aufregung – über ihren Chef Friedrich Merz und dessen ungelenke Personalumbauten. Für den Kanzler könnte es brenzlig werden. [….] Die Lage ist gefährlich für Merz. Obwohl die meisten Personalien jetzt endlich geklärt sind, herrscht breites Entsetzen in der CDU über den Chef. Vom "finalen Vertrauensschaden" spricht jemand aus der Bundestagsfraktion. Viele sind nicht nur menschlich enttäuscht. Es kommt auch wieder die Frage auf, ob er es überhaupt kann. Ob Merz regieren kann. Mancher glaubt inzwischen: Bis zur nächsten Bundestagswahl 2029 hält er das nicht durch. [….] Der Tiefpunkt: Merz wollte auch Verkehrsminister Patrick Schnieder austauschen, mit dem er unzufrieden ist. Weil aber Merz' Wunschnachfolger Fritz Güntzler kurzfristig doch absagte, verkündete Merz den Rauswurf vergangene Woche nicht offiziell, obwohl es längst durchgesickert war.

Am Sonntag war es dann Schnieder selbst, der Merz um Entlassung bat. Und zwar, wie Schnieder schrieb, um diesen "unwürdigen Zustand" zu beenden, der "die notwendige sachliche Arbeit unmöglich" mache. Eine unmissverständliche und harte Kritik am Kanzler. [….] Nach dem zumindest soliden Reformpaket und dem Rücktritt Spahns habe "Euphorie" geherrscht, sagt jemand, weil die Chance auf Fehlerkorrekturen bestanden habe. Doch der Kanzler? Habe es "versemmelt".

Im Bundesvorstand am Montagvormittag geht Merz nach t-online-Informationen in Sachen Selbstkritik nicht wirklich über das hinaus, was er auch öffentlich sagt. Also dass er die Sache mit Schnieder bedauere. Doch nicht allen Teilnehmern reicht das als Signal der Reue. Im Gegenteil, Merz habe bei Kritik in der Sitzung wieder mal dünnhäutig gewirkt, sagt ein Teilnehmer. [….] Der Bremer CDU-Chef Heiko Strohmann geht Merz in der Sitzung sogar persönlich an. "Sie leiten hier eine Partei und keine Firma", sagt er nach Informationen von t-online. Merz soll das nicht gerade gefallen haben. [….] In Rheinland-Pfalz brennt es nach dem Schnieder-Rauswurf seit Tagen lichterloh. Davon zeugen nicht nur der Brief an den Kanzler, sondern auch mehrere Wortmeldungen von Landespolitikern aus den vergangenen Tagen.  Doch die Wut reicht weit über Rheinland-Pfalz hinaus. Selbst solche in der Bundestagsfraktion, die Merz sonst verteidigen, sind inzwischen mehr als genervt, dass der Kanzler immer wieder Unruhe auslöst. Und zwar ohne Not, wie viele finden. Da ist einerseits die menschliche Ebene, die nicht nur in Rheinland-Pfalz bitter aufstößt. Es gebe auf allen Ebenen "Entsetzen über die Selbstherrlichkeit von Merz", sagt jemand aus der Fraktion t-online. "So geht man in einer Partei nicht mit Menschen um." [….] Das ist schlimm genug für einen Parteichef und Bundeskanzler. Bei Merz kommt aus Sicht vieler noch etwas anderes hinzu. Der ganze Umbau sei "handwerklich furchtbar amateurhaft" gewesen, sagt jemand. Ein Schaden, den Merz "ausschließlich sich selbst zuzuschreiben" habe. [….] Ein Abgeordneter sagt t-online: "Das ist jetzt nicht der erste Rumpler, es rumpelt ständig." Wenn es schon bei einer Kabinettsumbildung so chaotisch zugehe, sagt ein anderer, wie stehe es dann um die Führungskompetenz des Kanzlers in ernsteren Fragen? [….]

(T-online.de, 27.07.2026)

Vielleicht machen sich CDU-Größen heute nicht mehr ganz so heftig prophylaktisch in die Hose, wie ihre Vorgänger 1989, als sie sich doch lieber vor Kohl in den Staub warfen.

[….] Der Rücktritt von Jens Spahn hätte eine Chance für den Kanzler sein können. Die hat er aber nicht genutzt. Stattdessen ist der personelle Neustart verstolpert worden.

Kein Aufbruchssignal, mal wieder nicht. Das Maß an Vertrauen, das der Kanzler in den letzten Tagen in seiner eigenen Fraktion und in der Partei verspielt hat, ist immens. Ganz offensichtlich ist Loyalität - vielleicht sogar Ergebenheit - für Merz ein wichtiges Besetzungskriterium.  Nur wer nicht durch Kritik am Kanzler aufgefallen ist, bekommt einen neuen, wichtigen Job. So führt man aber kein modernes Unternehmen und erst recht keine Partei.  Ein Problem für Friedrich Merz ist, dass viele Menschen, Wählerinnen und Wähler ihm fehlende Empathie vorwerfen. Die Art, wie er jetzt aber Patrick Schnieder als Verkehrsminister geschasst hat, hat nun aber diesen Eindruck verstärkt.  [….]

(Kerstin Palzer, ARD, 27.07.2026)

Noch trauen sich die kleinen CDU-Hobby-Brutusse nicht, ihrem immer wirrer mäandernden Chef das Messer in den Rücken zu rammen. Königsmörder machen sich unbeliebt. Insbesondere vor wichtigen Wahlen.

Aber stellen wir uns mal den 21.09.2026 vor:
Dann wird es zwei Wochen her sein, daß CDU-Ministerpräsident Sven Schulze aus dem Amt gefegt wurde, seine CDU von 37 auf 20% abgestürzte, absolute Sitzmehrheit für die Nazis. Am gestrigen Sonntag verlor die CDU gleich den zweiten Ministerpräsidenten; Wegner ist ebenfalls abgewählt, Evers zündete nicht, eine Linke wird Bürgermeisterin der Hauptstadt. Die MeckPommer-CDU, die vor 20 Jahren noch um die 30% erreichte, schrumpfte auf eine kümmerliche 8%-Minifraktion.

Dazu die fiesen Bundes-Umfragen. INSA und FORSA sehen die Merz-Chef mittlerweile bei klar unter 20%, die Nazis sind zehn Prozentpunkte stärker und dürften durch ihren ersten Ministerpräsidenten in Magdeburg noch mehr Wind unter die Flügel bekommen.  Der verzweifelte Merz fühlt sich so ungerecht behandelt, daß er verbal wild um sich schlägt, allen in der Fraktion die Schuld gibt; nur nicht sich. Er rackere sich ab und die anderen schafften es nicht, seine großartigen Erfolge zu kommunizieren, jammerten und nörgelten bloß.

Möglicherweise wachsen den CDU-Präsidialen doch Rückgrate. Vielleicht glauben sie einfach nicht mehr daran, daß Merz die Kurve kriegt und sehen die Partei mit ihm in einer Abwärtsspirale, die Regierung unter derartigem Generalverschiss, daß man selbst bei guten Regierungsergebnissen nur noch Hohn erntet, weil Merz immer wieder irgendetwas Dummes sagt oder tut, das ganz Deutschland mit dem Kopf schütteln lässt. Das muss in eine Katastrophe 2029 führen.

Vielleicht stürzen sie Merz dann aus Notwehr, um ihre Partei zu retten.

[….] Wenn ein Befreiungsschlag zum selbst verursachten K.O. wird: Chaos-Tage bei der CDU - und das vor so wichtigen Wahlen in knapp zwei Monaten. Friedrich #Merz hat jetzt in einer nie gekannten Art und Weise das Personaltableau seiner Partei durcheinander gewirbelt und dabei alle Fehler gemacht, die man nur machen kann. Der scheidende #Bundesverkehrsminister Schnieder hing quasi tagelang öffentlich in der Luft, weil sein Nachfolger abgesagt hatte.

Als dann Schnieder selbst seinen Rücktritt über die sozialen Kanäle erklärte, wurde jemand aus dem Hut gezaubert, der angeblich „die beste Wahl“ war. Erinnert alles etwas an #Trump, oder? Ja, und heute erfahren wir ebenfalls wieder über die sozialen Kanäle, dass der parlamentarische #Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Tino Sorge, ebenfalls seinen Job los ist. Und jetzt der Hammer: Er habe eigenen Angaben zufolge erst davon erfahren, nachdem es Merz den Parteigremien und der #Presse verkündet hatte.

Nun kommt auch noch hinzu, dass Sorge der einzige in dieser politischen Fallhöhe aus #Sachsen-Anhalt ist. Und sicherlich kann man über seine fachliche Eignung streiten (ich halte ihn für nicht geeignet, allein schon, weil er in der CDU ist), aber geht man so mit einem Partei-Vertreter eines Bundeslandes um, in dem am 6. September wichtige #Landtagswahlen sind?

Fällt Merz seinen Parteifreunden in dem #Bundesland bewusst in den Rücken, weil nicht wenige in der CDU hinter vorgehaltener Hand sagen: „Wir wären nicht böse, wenn die A*D da gewinnt, dann kommen wir nicht in die Bredouille, da #Koalitionen schmieden zu müssen, die wir nicht wollen.“? [….]  Ich hatte ja schon länger vorhergesagt, dass sich die CDU zerlegen wird; aber dass es jetzt so schnell und dilettantisch geht, ist dann doch erstaunlich.   [….]

(Marc Raschke, 27.07.2026)

Montag, 27. Juli 2026

Der Spin-Terror nach dem Terror

Es ist wieder so ein widerlicher „Tag danach“, an dem das CUI BONO durch die Köpfe geistert. Ein schwerer Anschlag kurz vor wichtigen Wahlen. Welche Partei wird profitieren?

Schon bevor irgendetwas über den oder die mutmaßlichen Täter bekannt wurde, hetzten die usual suspects von ganz rechts außen (Julian Reichelt!), um ihren Honig aus dem Leid der Opfer zu saugen. Es gilt, den „rechten“ Spin zu erzeugen, bevor das Volk womöglich von Fakten verwirrt wird. Alles andere, als Täter von ganz Rechts wäre erstaunlich, weil es sich bei den Opfern um eine schwache, diskriminierte, absolut friedliche Minderheit handelt.

(….) Republikaner kämpfen nicht für alle, sondern gegen einzelne. Gegen Schwule, gegen Schwarze, gegen Frauen, gegen Immigranten. Rechts und Links sind nicht zwei Seiten einer Medaille, sondern fundamental unterschiedliche Kräfte.

Es sind auf den ersten Blick viele verschiedene Anliegen, die gesellschaftspolitisch konservativ Tickende verfolgen, aber die Stoßrichtung ist immer gleich: Stark gegen Schwach.

[….] Die angeblich neue Rechte ist die alte. Der lärmende Aufwand, den sie betreibt, um ihre Ansprüche, Antriebe und Ziele zu rechtfertigen oder zu verschleiern mag andere Formen haben als vor 85 Jahren, seine Stoßrichtung führt jedoch genau wie damals ins Antizivilisatorische nach unten. Tatsächlich bietet die Rechte – auch wie damals – keine wirklich politischen Ziele, nichts Konstruktives, keine Bewältigungsversuche der sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Gegenwart, sondern nur Destruktion: Zerstörung, Gewalt, gigantische Fresssucht und letztendlich todessehnsüchtige Vernichtung dessen, was die Rechten nicht verstehen, geschweige denn meistern können. Die neue wie die alte Rechte legen eine barbarische Dummheit und ein gewalttätiges Unvermögen an den Tag, dessen End-Ziel die Beseitigung der Gegner, der „Anderen“, die mörderische Lust, der Lust-Mord ist. Das Pauken-Getöse um angeblich alte Werte, Traditionen, Patriotismus und Nationalismus ist nur Tarnung. Es geht tatsächlich um das primitive „Wir oder sie“, eine Maxime, vor deren endgültiger Konsequenz ihre Vertreter immer weniger zurückschrecken. [….]

(Wolfgang Brosche, 21.05.2017)

Rechtsextremisten suchen sich die Schwächsten als Opfer, Linksextremisten die Stärksten.

(….) Da Rechtsextrem im Gegensatz zu Linksextremen grundsätzlich amoralisch und feige agieren, sind ihre Opfer ausschließlich unter den Schwachen zu finden:
Schwule, Flüchtlinge, Behinderte, Obdachlose. (…..)

(Werte im wahrsten Sinne, 25.09.2016)

Vergleicht man Linksextremismus und Rechtsextremismus, gibt es sehr klare Unterschiede. Während sich die Rechten gewalttätig gegen Minderheiten, Schwache, Verletzliche, Ausgegrenzte und Friedliche wenden, versuchen Linke eben diesen Personenkreis zu schützen und wenden sich, wenn überhaupt, gegen die Starken.  (…..)(CDU unterirdisch, 30.08.2015)  (…)

(Rechts-links, Religiös-atheistisch, 15.12.2023)

Der mutmaßliche Mörder von gestern ist ermittelt und er ist tot. Wenig überraschend handelt es sich bei ihm tatsächlich um einen Rechtsradikalen: Abdul B. aus Berlin.

Er ist rechtsextrem, homophob, ein in Deutschland geborener deutscher Staatsbürger und strebt ein autoritäres Regime ohne Minderheitenschutz an.

Wäre er darüber hinaus blond und blauäugig, könnte sich das bei der Abgeordnetenhauswahl negativ für die AfD, die massiv gegen Queere hetzt, auswirken.

Der Attentäter hat aber einen dunklen Teint und schwarze Haare: In dem Fall ist es genau umgekehrt: Die AfD wird wohl massiv von dem Leid profitieren. Ulf Poschardt, Julian Reichelt, Constantin Schreiber; also die wirklich Untersten der Unteren aus dem Döpfner/Thiel-Dunstkreis, geben alles, um den Opfern die Schuld in die Schuhe zu schieben und die AfD hochzuschreiben: Es wären doch die „Queeriban“ selbst, die den Islamismus bejubelten. Das hätten sie nun davon, wenn man nicht à la AfD alle Migranten rausschmisse.

In genau das Horn versuchen auch Merz, Dobrindt und ihre Parteien zu tuten: Das Attentat bestätige ihren harten Migrantenkurs; also sollten die LGBTIQs gefälligst rechts wählen.

[….] Über den Anschlag auf den CSD in Berlin ist noch längst nicht alles klar. Und trotzdem wird queeres Leid bereits instrumentalisiert. [….] Mutmaßlich ist ein islamistischer Attentäter, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, in eine Menschengruppe am Tiergarten mit einem Auto gefahren. Mindestens eine Person ist gestorben, mehrere schweben noch in Lebensgefahr. Auf sozialen Medien schreiben Rechtsextremisten, dass sie hier mit dem Attentäter „mitgehen können“. Sie vereint der Hass auf LGBTQ+, die Dehumanisierung von Queers ist der gemeinsame Nenner von Islamismus und Rechtsextremismus.

Aufseiten der „Law and Order“-Fraktion in gleich mehreren Parteien sind wenige Stunden nach dem Attentat schon die Rufe nach mehr und neuen Sicherheitsreformen laut geworden. Sie fordern härtere Maßnahmen in der Migrationspolitik, noch mehr Befugnisse und Geld für die Sicherheitsbehörden. Jetzt soll alles nach der Sommerpause im Bundestag schnell gehen, heißt es.

Es sind Politiker*innen, die nun das Leid der queeren Community schamlos für ihre Agenda ausnutzen, während sie die Fördergelder für queere Vereine, Hilfsprojekte und Kulturangebote kürzen oder dazu zumindest nichts sagen. Queere Orte in Berlin und darüber hinaus sind schon seit langer Zeit von homo- und transfeindlicher Gewalt betroffen, sie müssen schließen, weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen können oder Förderprogramme eingestellt werden, AfDler attackieren diese Orte mit queerfeindlicher Rhetorik von der MAGA-Bewegung inspiriert. Rechtsextreme und Islamisten nehmen Bars, Clubs, Buchhandlungen und andere LGBTQ+-Institutionen ins Visier. [….]

Die queere Community, trans Menschen, Schwule, Lesben, Bisexuelle, Nonbinäre, Dragqueens und -kings und andere queere Stimmen sind die resilientesten Menschen in unserer Gesellschaft. Sie werden jeden Tag aufs Neue mit Herausforderungen konfrontiert: Queerfeindlichkeit, Diskriminierungen in Ämtern, von politischen Parteien, auf dem Arbeitsmarkt, in der Schule oder im Privaten. Sie werden von Extremisten bedroht und verfolgt. [….]

(Mohamed Amjahid, 26.07.2026)


Heute fühlt sich jeder zuständig, dem Tiergarten-Mord seinen Spin zu verpassen.

Daneben gibt es haufenweise Videoschnipsel, in denen Menschen ihre Betroffenheit formulieren. Vieles davon ist sicher ehrlich, zeugt aber auch von Hilflosigkeit und ist weitgehend sinnlos.

Eine der wirklich guten Stellungnahmen stammt von Jason von Juterczenka (Wochenendrebellen).


Besonders ekelhaft und schal klingen heute die CDUCSU-Vertreter, die in den letzten Jahren alles unternahmen, um die Stimmung gegen Queere aufzuheizen und somit letztlich zu dem enormen Anstieg der Gewalt gegen sie, beitrugen.


[….]  Als Menschen unter anderem mit „Wir sind mehr!“ auf die Straße gingen, bezeichnete Merz uns als „Spinner“ und pöbelte, wir hätten „nicht alle Tassen im Schrank“. Was für ein schäbiger, niederträchtiger Charakter muss man sein, um jetzt selbst „Wir sind mehr!“ zu missbrauchen? [….]

(Charles Waldorf, 26.07.2026)


Der Berliner CSD-Anschlag kurz vor den Landtagswahlen passt so perfekt auf die Wahlkampfmühlen von AfD und CDU, daß Social Media vor Verschwörungstheorien überquillt.

Haben islamistische Rechtsextreme mit ihren Brüdern im Geiste von der AfD zusammengearbeitet? War es eine false flag-Operation? Haben russische Dienste einen Useful Idiot über das Internet aufgehetzt? War es einer von Putins „Wegwerf-Agenten“, die dazu dienen sollen, liberale Demokratien zu destabilisieren?

An diesen Gedankenspielen erfreuen sich heute sehr viele. Natürlich gibt es für nichts davon Belege, aber es reicht zu raunen und „nicht ausschließen zu können“.

Viel wichtiger erscheint mir tatsächlich die Cui Bono-Analyse: Wer profitiert von der Nachrichtenlage, wer hat welchen Anteil daran, daß es soweit kommen konnte, mit welchen Methoden versuchen Parteien, sich in ein positives Licht bei der queeren Community zu stellen?

Da sich diese Versuche mit ehrlicher Anteilnahme und guten Absichten vermischen, ist es nicht trivial, die Motive zu deuten.

Wohl aber kann man Heuchelei detektieren und wütend werden, wenn sich ausgerechnet der Fritzekanzler als sensibler Homoprotektor inszeniert.

 [….]  wir müssen uns leider aber auch dringend vor Augen führen: Nicht nur Islamismus und Rechtsextremismus gefährden queeres Leben, auch reale politische Entscheidungen und Aussagen von bürgerlichen, rechtskonservativen Regierungsparteien, die das heute alles natürlich nicht wahrhaben wollen, tragen Stück für Stück zu einem queerfeindlichen Klima bei und zersetzen Schutzräume und staatliche Unterstützung die es, wie wiedermal bewiesen wurde, dringend braucht!!! Deswegen dieses Video als kleine Erinnerung. […]

(Visavieofficial, 26.07.2026)

Das genussvolle Baden im Leid anderer, wie es die Rechtsextremen heute aufführen, die dreiste Anbiederung und Heuchelei der Rechten; wird heute genauso massenhaft  exerziert, wie ich es erwartete.

Unerwartet und umso enttäuschender, kommen für mich heute eine ganze Reihe übel missglückter Stellungnahmen ausgerechnet von der Partei, die sich traditionell als Schutzpatronin der Schwulen und Lesben versteht; den Grünen!
Was war denn das bitte?

[….] Der Anschlag auf den Berliner CSD am gestrigen Abend ist eine entsetzliche Terrortat. Dieser feige Anschlag zielte auf queere Menschen und ihre Freund*innen, die für gleiche Rechte und gegen Hasskriminalität demonstriert haben.  [….]

(Britta Haßelmann und Katharina Dröge)

Was ist das für ein erbärmlich falsches Sprachbild aus der konservativen Mottenkiste?

Die von Max Goldt seit einem Vierteljahrhundert so beklagten Dekorationsadjektive haben Konjunktur wie eh und je:


[….]15.09.01 Susan Sontag kritisiert neben manch anderem, dass sämtliche Kommentatoren die Anschläge als „feige“ bezeichnen. Da hat sie natürlich Recht. Schon Ladendiebstahl erfordert Mut. Wie viel Mut braucht es da erst, ein Flugzeug zu entführen und es gegen ein Gebäude zu steuern. Man kann froh sein, dass die meisten Menschen zu feige sind, um so etwas zu tun. Sicherlich gibt es für die Attentate bessere Dekorationsadjektive, wie zum Beispiel ruchlos oder schändlich, sogar anmaßend wäre treffender als feige. Es geht den Kommentatoren aber nicht um passende Adjektive, sondern um die Souveränität und Flüssigkeit ihres Vortrags. Um diese zu erlangen, sind in der Mediensprache viele Haupt- und Zeitwörter untrennbar an bestimmte Eigenschafts- und Umstandswörter gekettet. So wie Anschläge immer feige sind, werden Unfälle grundsätzlich als tragisch bezeichnet, obwohl es mit Tragik, also einer Verwicklung ins Schicksal oder in gegensätzliche Wertesysteme, überhaupt nichts zu tun hat, wenn jemand gegen einen Baum fährt. Ein solcher Vorgang ist banal – mithin ganz und gar untragisch. [….]

(Zitiert aus: Süddeutsche Zeitung, 13.07.2002)

Noch schlimmer formulierte die von mir sonst so hochgeschätzte Ricarda Lang, die gleich auf den Constantin Schreiber-Zug aufsprang und seine Queeren-Hetze übernahm, der zu Folge alle linksgrünversifften Schwulen eigentlich mit den Islamisten sympathisieren und nun endlich einsehen müssten, daß die Scharia ihnen nicht freundlich gesonnen wäre. 

Hier werden munter Islam, Islamismus, Religionsfreiheit, Migrationspolitik, Integration und Asylrecht in einen rechten Topf gerührt. Genauso wie das rechte Pack, kommt nun auch Ricarda Lang daher.

Hier erklärt Gilda Sahebi der abgedrifteten Lang, auf welchem Holzweg sie sich damit begibt. Sie empfiehlt, sich doch mal unter CSD-Teilnehmern umzuhören, „wie viele von ihnen Islamismus gut finden.“ Die wird man unter Hunderttausenden Teilnehmern wohl an einer Hand abzählen können. Umso schäbiger, daß Ricarda Land ausgerechnet das Thema als Einstieg wählt und der gesamten queeren Community zwischen den Zeilen unterstellt, mit islamistischen Attentätern zu sympathisieren.

Das Gegenteil ist der Fall: Nicht die Opfer des Anschlags, die LGBTIQs, sympathisieren mit dem Islamismus, sondern die Täter, nämlich die homohassenden Rechtsradikalen.

Drittes Negativbeispiel: Konstantin von Notz, der ausgerechnet heute dem Mann zur Seite springt, der die wirklich gefährlichen fanatischen Islamisten, nämlich die Taliban hofiert, ihnen einen Stützpunkt in Berlin einrichtet und Opfer zuführt: Alexander Dobrindt. Ein Grüner macht sich Dobrindts Forderungen zu eigen.

Ist das peinlich, Grüne!