Dienstag, 25. März 2014

Fromm, frommer, am Frommsten

Endlich hatte die Pfarrerstochter Merkel es geschafft:
Mit de, Amtsantritt ihrer dritten Regierung hatte sie endlich eine zu 100 % aus überzeugten Christen zusammengesetzte Mannschaft zusammen.
Die relative Bevölkerungsmehrheit der Atheisten und Konfessionslosen ist von dieser Regierung gar nicht mehr repräsentiert.
Endlich kann das Kabinett eine rein christliche Politik durchsetzen, in der die Leitlinien des christlichen Menschenbildes gelten.

Da darf nach Herzenslust an Säuglingspenissen herumgeschnitten werden, da werden die Opfer des sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche konsequent ignoriert und kontinuierlich wird der Einfluß der schrumpfenden christlichen Kirchen auf Bildungseinrichtungen und Gremien aller Art vergrößert.
Die Bundesregierung befindet sich im ständigen Konflikt mit der Weimarer Reichsverfassung und dem Grundgesetz, welches die Ablösung der Staatskirchenleistungen fordert. Von Rechtsstaatlichkeit wollen die Minister nichts wissen, wenn es darum geht den christlichen Kirchen grundgesetzwidrig Millionen zuzuschieben.

Einer der Frommsten ist als Außenminister besonders unter Stress:
Steinmeier hat sich tagtäglich mit der Perversionen auseinander zu setzen, welche sich der Liebe Gott als „Prüfung“ für seine Schäfchen ausdenkt.
Aber das ist ja das Schöne, wenn man gequält wird – man weiß, Gott liebt einen, indem er diese Prüfungen schickt.
Prüfungen wie Krankheiten beispielsweise. Sagen wir Krebs – denn das ist eine der schönsten Erfindungen Gottes; denn für ihn ist das eine Win-Win-Situation:
Stirbt der Patient, hat Gott durch seine unergründlichen Wege seine Größe demonstriert, sowie den Hinterbliebenen eingetrichtert, daß sie viel mehr beten müssen.
Überlebt der Kranke, sind die dämlichen Angehörigen Gott unendlich für die Rettung dankbar.

Der fromme Frank-Walter glaubte insbesondere an die „eine schützende Hand Gottes“ als seine Ehefrau in Lebensgefahr geriet, da ihre Nieren versagten.
Religioten wie er haben natürlich alle die grandiose Inselverarmung dem Allmächtigen, der ihnen zuvor die potentiell tödliche Krankheit geschickt hat, dieses Martyrium nicht übel zu nehmen.

Auf die Frage, an welchen Gott der Politiker glaube, antwortete Frank-Walter Steinmeier sehr ehrlich: «Am liebsten an den gütigen Gott mit Rauschebart, mit Thron auf weisser Wolke. Aber so gern ich mich an diese Vorstellung erinnere, so gründlich verliert sie sich im Laufe eines Lebens. Wenn ich auf die letzten vier Jahrzehnte zurückschaue, gab es Zeiten, in denen mir das Wort der Bibel ferner stand als heute,» erklärt der Politiker und sagt dann weiter:
«Wenn das wieder intensiver geworden ist, dann hängt das damit zusammen, dass im Laufe eines Lebens Gewissheit wächst über die Wichtigkeit eines Gottes, der stärkt und schützt, der Orientierung und Halt gibt und der verzeiht.
Ich kann nicht berichten von Erweckungs- oder Wiedererweckungserlebnissen. Es ist vielleicht auch Ergebnis eines Lebens, in dem das Leichte und das Spielerische zurückgetreten ist und viel Verantwortung und Entscheidung verlangt war. Da, wo das eigene Leben Grenzsituationen erfährt – besonders glückliche oder besonders besorgniserregende – da spürt man stärker, woran man glaubt.»

Gott und das Christentum sind für die Mitglieder dieser Bundesregierung aber keine rein persönliche Angelegenheit, sondern sorgen auch im täglichen Politlieben dafür eine am christlichen Menschenbild orientierte Handlungsweise zu vollziehen. Also Waffenexporte. Klagloses Akzeptieren von Todesstrafe und homophoben Gesetzgebungen, sowie die ungenierte Militarisierung der Deutschen Außenpolitik.

Steinmeier ist zweifach unter Druck.
Zum einen kämpft er mit Herman Gröhe um den Titel des zweitfrommsten Ministers (nach Andrea Nahles) und zum anderen will er Guido Westerwelles legendär-sinnlosen Warn-Rekord nacheifern.

Die Christliche Überzeugung von Merkel, Nahles und Co eigt sich in der konsequenten Umsetzung von Nächstenliebe gegenüber Fremden, die unsere Hilfe brauchen.
Ihre Hände werden weggeschlagen und man läßt sie zu tausenden in Syrien, dem Kongo oder im Südsudan  abschlachten, ohne einen Finger zu rühren.
Wer vor Hunger, Tod und Elend zu uns fliehen möchte und um Hilfe bittet, wird mit äußerster Härte abgewehrt.

 „Über die Krise in der Ukraine ist ein anderer großer Konflikt fast vollständig aus den Schlagzeilen verschwunden - der Krieg in Syrien. Dabei toben die Gefechte dort mit unverminderter Härte weiter. Erst gestern wurden in der Provinz Aleppo 22 Menschen von Islamisten ermordet. Und wenn der Frühling kommt, dann kommen auch die Flüchtlinge wieder übers Meer. Deutschland gibt sich generös: Fast jeder, der es hierher schafft, darf auch bleiben - wenn er es denn schafft. Denn Europa schließt gerade die letzten Schlupflöcher für Menschen, die zu uns kommen wollen. Es ist europäischer Zynismus, gerade so, als seien die Tische für die Gäste gedeckt, aber die Haustür schwerst bewacht und fest verriegelt.

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Ja, die fromme Katholikin Nahles nimmt die eindringlichen Worte ihres Papstes, der eben die abartigen Zustände auf Lampedusa anprangerte, so ernst wie einen umfallenden Reissack in China.

Und selbst die winzige Minderheit der Syrer oder verfolgen Kurden, die es zu uns schaffen, werden wie Kriminelle in Lagern gehalten und mit Arbeitsverboten belegt.

Dazu gibt es einen erschütternden ausführlichen Bericht von Carolin Emcke im Zeit-Magazin vom 27.02.14.

[…] Am 3. Oktober 2013 sterben schätzungsweise 390 Menschen vor Lampedusa bei etwas, das "Bootsunglück" genannt wird, als handele es sich um Pech. In einer seiner letzten Amtshandlungen erklärt Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), ihm seien Forderungen nach größerer Solidarität Deutschlands oder gar einer Änderung der europäischen Asylpolitik "unbegreiflich".
Am 15. Oktober ist Frank Nürnberger drei Monate lang auf seinem Posten als Leiter der Zentralen Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt. Die Zustände in dem sanierungsbedürftigen Heim bezeichnet Nürnberger selbst als "prekär". Die Um- und Neubaupläne für die verrottete Anlage sind schon genehmigt und budgetiert, aber das nützt Nürnberger in diesen Wochen nichts. Seit Ende September hat er in seiner Not 28 Flüchtlinge in den Abschiebegewahrsam auf der Baustelle des Flughafens BER ausgelagert, Anfang Oktober hat er Feldbetten in der Turnhalle auf dem Gelände des Flüchtlingsheims aufstellen lassen. Da schlafen nun an der Seitenlinie des Spielfeldes, zwischen den Basketballkörben, 50 weitere Flüchtlinge. Es ist allemal ruhiger als in den Wohnhäusern. [….]

Christliche Politiker des Schlages Friedrich, die direkt für solche Zustände verantwortlich sind, werden in ihren Parteien mit standing Ovation. bejubelt.

Ein halbes Jahr ist seit dem Bootsunglück, bei dem 380 Flüchtlinge vor Lampedusa starben, vergangen. Von dem versprochenen Politikwechsel der EU ist dennoch bis jetzt nichts zu erkennen. Das Gegenteil ist der Fall, blickt man auf die Situation der Flüchtlinge in den spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla. Wieder verlieren Menschen an den EU-Außengrenzen ihr Leben, während mit der eigens ins Leben gerufenen Taskforce Mittelmeer weiter an Maßnahmen zur Flüchtlingsabwehr und zur Grenzvorverlagerung in Nachbarstaaten der EU, die kein wirkliches Asylsystem haben, festgehalten wird.
Es ist besonders die deutsche Bundesregierung, die die wenigen konstruktiven Vorschläge im Rat immer wieder blockiert. Kein Wort verliert sie über den Vorschlag der EU-Kommission sichere und legale Zugangsmöglichkeiten in die EU zu schaffen. Auch die Forderung, vom innereuropäischen Umverteilungsprogramm (,,relocation") Gebrauch zu machen, mit welchem die nordeuropäischen Länder auf freiwilliger Basis die südeuropäischen Länder bei der Flüchtlingsaufnahme unterstützen können, und positive Bescheide von Asylanträgen gegenseitig anzuerkennen, stößt bei der Bundesregierung offenkundig auf taube Ohren. Vor allem aber lässt sie keine Diskussion über Alternativen zur Dublin-III-Verordnung zu, die eine geteilte Verantwortung für Schutzsuchende in Europa ermöglichen würde.
Die unterschiedlichen Schutzstandards in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten verdeutlichen die traurige Realität, dass der Weg zu einem einheitlichen europäischen Schutzraum noch sehr lang ist. Statt proaktiv mit den konstruktiven Vorschlägen umzugehen, schaut die Bundesregierung weiter untätig dabei zu, wie Menschen ihr Leben riskieren müssen, um in der EU einen Asylantrag stellen zu können.
(Grüne PM 02.03.14)

Wenn sich die gutsituierten Bürger mit Händen, Füßen und ekelhaften Unterstellungen gegen Flüchtlinge wehren, erscheint nie ein Mitglied der frommen Bundesregierung, um für die Menschen in Not Partei zu ergreifen.

Es kann schon mal zu Grabenkämpfen kommen, wenn ein theoretisches Problem praktisch vor der Tür steht - sprich: wenn Flüchtlinge aus Krisenländern plötzlich in der Wohnung nebenan einziehen wollen. Dann entdeckt der gute Mitbürger den Wutbürger in sich und bekommt einen Kulturschock, obwohl die Ausländer noch gar nicht da sind.

Klare Worte Fehlanzeige.

Petra Pau: Stündlich zweieinhalb rechtsextreme Straftaten - offiziell
Zur Antwort der Bundesregierung auf eine Standardfrage der Fraktion DIE LINKE zu rechtsextremen Straf- und Gewalttaten erklärt Petra Pau, Mitglied im Vorstand der Fraktion DIE LINKE und im Innenausschuss:
„Im August 2013 wurden laut Antwort des Bundesinnenministeriums offiziell  1.232 Straf- und 66 Gewalttaten registriert, die rechtsextremistisch motiviert waren.
Das ist ein Höchststand seit Mai 2010 (1.328 / 74).
Die Zahlen sind vorläufig. Erfahrungsgemäß liegen die amtlich korrigierten Angaben um 50 Prozent höher, als die ursprünglich angegebenen.
Dies zugrunde gelegt, werden im Bundesschnitt stündlich zweieinhalb rechtsextreme Straf- und täglich bis zu drei rechtsextreme Gewalttaten offiziell registriert.
Recherchen von Nichtregierungsorganisationen und Journalisten ergeben noch weitaus dramatischere Befunde. So wurden in der Bundesrepublik Deutschland seit 1990 150 bzw. 180 Menschen aus rechtsextremen und rassistischen Motiven getötet – erschlagen, erschossen, ertränkt, verbrannt.
Die Regierungsstatistik weist nicht einmal die Hälfte dieser Opfer aus."
(PM die Linke 06.10.13)

"Die Bundesregierung will Massenabschiebungen von asylsuchenden Roma in ihre Herkunftsländer. Das geht aus einem Ressortentwurf des Bundesinnenministeriums hervor, mit dem Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als sichere Herkunftsstaaten eingestuft werden sollen", erklärt Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zum Ressortentwurf des BMI zur Änderung des Asylverfahrensgesetzes, der der Abgeordneten vorliegt. Jelpke weiter:
"Wörtlich ist in dem Entwurf von einer 'zu erwartenden Belastungsspitze' bei der Aufenthaltsbeendigung die Rede. Die Bundesländer sollten diesem Vorhaben im Bundesrat die Zustimmung verweigern, denn zu 90 Prozent geht es um Roma, die vor systematischer Diskriminierung und existenzgefährdender Ausgrenzung und Armut fliehen.
Schon derzeit finden rechtlich fragwürdige Schnellverfahren bei asylsuchenden Roma aus Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina statt. Mit der Einstufung dieser Herkunftsländer als 'sicher' soll diese Praxis legalisiert und auf Dauer zementiert werden.
Dabei sind Roma in diesen Staaten vielfachen Formen der Diskriminierung ausgeliefert, die zusammengenommen durchaus Flüchtlingsschutz begründen können. Dies wird jedoch geleugnet und der Flüchtlingsschutz auf dem Altar einer populistischen Debatte über vermeintlichen Asylmissbrauch geopfert.
Die Rolle der SPD ist beschämend. Sie hat die Einführung der Herkunftsstaatenregelung im so genannten Asylkompromiss 1993 mitgetragen. Nun wirkt sie an der weiteren Aushöhlung des Asylrechts ausgerechnet im Hinblick auf die am stärksten diskriminierte Minderheit in Europa mit."
(PM Die Linke 27.02.14)

"Die Pläne des Bundesinnenministers zementieren die Praxis des Asyl-Bundesamtes, schutzsuchende Roma aus den Balkanstaaten im Schnellverfahren abzufertigen. Diese Menschen brauchen Schutz statt Ablehnung im Akkord", kommentiert Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Meldungen über einen Gesetzentwurf aus dem Bundesinnenministerium, durch den die Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro und Serbien als sichere Herkunftsstaaten eingestuft werden sollen. Jelpke weiter:
"Solange auch nur ein Asylsuchender aus diesen Ländern als schutzbedürftig anerkannt wird, darf es keine Verfahrensbeschleunigung per Gesetz geben. 2013 wurden aber immerhin 64 serbische und 43 mazedonische Asylsuchende als Flüchtlinge anerkannt oder erhielten Abschiebeschutz aus humanitären Gründen. In zwei Dritteln dieser Fälle erfolgte die Anerkennung erst durch die Gerichte, weil die im Eilverfahren getroffenen Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge fehlerhaft waren (Zahlen aus: BT-Drs. 18/705). Schnelligkeit vor Gründlichkeit, dieser Grundsatz darf im Asylverfahren nicht gelten.
Die Pläne der Koalition und die Praxis des Asyl-Bundesamtes ignorieren bewusst die Tatsache, dass Roma in den Westbalkanstaaten vielfachen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Statt Asylverfahren und Abschiebungen im Eiltempo brauchen sie faire Asylprüfungen, in denen die existenzbedrohende mehrfache Diskriminierung und Ausgrenzung als Fluchtgrund anerkannt wird.
Schon die Einstufung von Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als vermeintlich sicher ist ein Skandal. Nun sollen auch Albanien und Montenegro eine solche Einstufung erfahren, obwohl dies nicht im Koalitionsvertrag vorgesehen war. Offensichtlich gehört das zu den Kröten, die die SPD für den Rücktritt Hans-Peter Friedrichs als Minister schlucken soll. Den Koalitionsfrieden auf dem Rücken von notleidenden Menschen zu erhalten, ist einfach nur erbärmlich."
(PM die Linke 14.03.14)

„Einfach nur erbärmlich“ was diese 100% christliche Koalition tut – besser kann man es nicht ausdrücken!!!!

Montag, 24. März 2014

Konfrontation.



Ich weiß, man DARF das einfach nicht tun. Blöderweise ist es mir letzte Nacht wieder passiert, daß ich in die Wiederholung der Jauche-Sendung zappte.
Hach. Konnte der fromme Christ Jauch nicht bei Sport und Quizz bleiben?
Wie albern es doch ist solche Schweigermutterlieblinge politische Sendungen moderieren zu lassen.
Immerhin muß ich Günther Jauch aber zu Gute halten, daß er gar nicht erst versucht hat den neutralen und gut informierten Moderator zu geben, sondern mit jedem Satz klar seine Verachtung für Putin ausdrückte.
Es war eine klar antirussische Veranstaltung, bei der man den Alibi-Gast der Gegenseite erst gar nicht zu Wort kommen ließ, während die von lästigen historischen Vorkenntnissen freie von der Leyen die Hälfte der Gesamtredezeit zugestanden wurde, damit sie in Ruhe ihre militärischen Szenarien ausführen konnte.
Ihre Ausführungen waren zwar immer mal wieder recht weit entfernt von den Fakten, aber so kennt man ja die gewohnheitsmäßige Lügnerin von der Leyen und da ohnehin alle gegen Putin waren, ließ man es ihr auch gerne durchgehen.

Gelegentlich stellen sogar die Journalisten selbst ganz irritiert fest, daß „der Wähler“ die Russophobie der „veröffentlichen Meinung“ so gar nicht teilen will. Laut Umfragen ist eine Mehrheit der Deutschen gegen Russland-Sanktionen und akzeptiert die Zugehörigkeit der Krim zu Moskau.
(Verblüffend – denn eigentlich traue ich dem Instinkt der Masse noch weniger als den Politikern insgesamt)


Vielleicht ahnen die Deutschen aber doch die Bigotterie der Anti-Putin-Stimmung.
Man vergleicht zwar fleißig Äpfel mit Birnen, aber in Relation zu dem was man den USA alles durchgehen läßt, hat der russische Präsident gerade mal falsch geparkt.

Die Krim, die so eine praktische Zwischengröße hat – größer als Oberösterreich, kleiner als Belgien – ist nun jedenfalls weg. Das räumt sogar zähneknirschend v.d. Leyen ein. Nun geht es also nur noch um die Frage wie man Putin dafür bestrafen kann.
Da wird jetzt ernsthaft in den Kommentarspalten der großen Zeitungen und den verschiedenen TV-Quasselrunden darüber diskutiert welche Sanktionen Russland am meisten wehtun.
Soll das etwa intelligente Politik sein, bei der man sich die Köpfe darüber zerbricht wie man einem anderen WEHTUN kann? Wie kann man nur so schambefreit sein derartig destruktiv und selbstzufrieden in einem TV-Studio rumzuorakeln?
Zumal Putin persönlich sicherlich nicht darben muß, sondern wieder mal nur Dritte zu leiden haben.
Die deutsche Verteidigungsministerin redet aber abgesehen von ihrer sadistischen Vorliebe dafür einem Volk WEH ZU TUN, dem ihre Großvatergeneration 20 Millionen Tote beschert hat, auch sonst wenig Kluges.
Von der Leyen ist offenbar schizophren:

So will sie NATO-Truppen an den russischen Grenzen zusammen ziehen, während sie betont, daß es keine militärische Option gegen Russland gebe.
Sie fordert Putin harsch dazu auf an den Verhandlungstisch zurück zu kehren, während es Deutschland, die EU und die NATO sind, die Putin von allen Gesprächsrunden AUSSCHLIESSEN.

Mit ausdauernder Echolalie warf sie dem Kreml-Chef vor eine rein militärische Außenpolitik zu betreiben. Dabei besteht Putins „Erfolg“ doch gerade darin, daß auf der Krim nicht ein Schuß fiel.

Unsere Kriegsministerin hat offenbar einige grundlegende Fakten nicht verstanden:

Als sich die Sowjetunion 1990/91 in Lyse befand, war die Krim-Bevölkerung keineswegs begeistert davon zur Ukraine zu gehören. Kiew mußte mit Gewalt Unabhängigkeitsreferenden verhindern.
Daß ein riesiges Problem darin bestand, daß Russland nun plötzlich keinen territorialen Zugang mehr zum Stützpunkt der eigenen Schwarzmeerflotte hatte, wußte jeder.
Der russisch-ukrainische Vertrag von 1997 legte die Aufteilung der Flotte und den Verbleib der russischen Marine auf der Krim fest; Russland pachtete den größeren Teil Sewastopols auf zwanzig Jahre.
Der vom russischen Präsidenten Boris Jelzin und seinem ukrainischen Amtskollegen Leonid Krawtschuk im Mai unterzeichnete und 1999 von beiden Ländern ratifizierte Vertrag erlaubte Russland die Stationierung von Truppen in einer Stärke die auch Putin nie annähernd ausgenutzt hat.

Wie schon in ihren vorherigen Ministerämtern weiß von der Leyen einfach nicht über ihre Materie Bescheid. Damit steht sie allerdings keineswegs allein da.

In der Geschichte der letzten paar Hundert Jahre ist Russland nie in den Westen eingefallen, sondern der Westen hat den Osten angegriffen. Napoleon und Hitler drangen bis zur Hauptstadt vor.
Und nun sieht es zumindest für Russen seit 20 Jahren wieder so aus, als ob „der Westen“ sich einfach große Stücke des ehemaligen Sowjetterritoriums abbeißt.
Das kann einen schon nervös machen.

Es gibt extrem wenig besonnene Stimmen.

Mit Sanktionen und Säbelrasseln schüren EU und USA die Furcht vor einer russischen Expansion. Das ist die falsche Antwort auf Putins Griff nach der Krim. Denn der Expansionsdrang des Kreml-Chefs ist nicht unersättlich - anders als der des Westens.
Die Kanzlerin droht Russland mit mehr Sanktionen. Die Verteidigungsministerin will sogar gleich die Panzerketten ölen lassen: Die Nato solle an ihren "Außengrenzen" mehr "Präsenz" zeigen, sagte Ursula von der Leyen im SPIEGEL. Im Wettrüsten der Worte hält der Westen also gut mit. Staunend lernt die Öffentlichkeit, dass offenbar beide Seiten in diesem neuen Ost-West-Konflikt, der um das Schicksal der Ukraine ausgebrochen ist, kein Interesse an Entspannung haben.
Doch Merkels Politik schadet den deutschen Interessen. Denn aus historischen und wirtschaftlichen Gründen kann sich Deutschland einen Konflikt mit Russland nicht leisten. Für Wladimir Putin dagegen lohnt sich der Kurs der Konfrontation: Machtdemonstrationen statt Modernisierungsmühen. Das ist der leichtere Weg. In Russland ist der Herr des Kreml so beliebt wie schon lange nicht mehr. Aber nicht nur dort. Der Kampf mit EU und USA könnte ihn zum neuen Helden Asiens machen.
Denn was in der Ukraine geschieht, kann man noch ganz anders sehen, als uns lieb ist: "Russlands Widerstand gegenüber dem Westen hat globale Bedeutung." In der chinesischen Parteizeitung "Global Times" war dieser Satz zu lesen. Mark Siemons, Feuilleton-Korrespondent der "FAZ" in China, hat darüber berichtet. Von China aus betrachtet - und nicht nur von dort - zeigt sich die neue Krim-Krise als ein weiteres Kapitel des langen Abwehrkampfes, den Asien seit mehr als hundert Jahren gegen den Westen führt. […]
Der Westen ist nie saturiert und darum unersättlich. Der ägyptische Gelehrte Mohammed Abduh sagte 1895: "Eure liberale Haltung gilt ganz offensichtlich nur euch selbst, und eure Sympathie für uns gleicht der des Wolfes für das Lamm, das er fressen möchte."   In Asien hat man daraus gelernt: Es muss das Lamm selbst zum Wolf werden.

Steinmeier ist zweifach unter Druck.
Zum einen kämpft er mit Herman Gröhe um den Titel des zweitfrommsten Ministers (nach Andrea Nahles) und zum anderen will er Guido Westerwelles legendär-sinnlosen Warn-Rekord nacheifern.

Steinmeier warnt Putin!
Nach seinem Besuch in der Ukraine hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier eindringlich vor einer Ausweitung der Krise gewarnt. "Ich mache mir große Sorgen, dass der völkerrechtswidrige Versuch, 25 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs international anerkannte Grenzen in unserer europäischen Nachbarschaft zu korrigieren, die Büchse der Pandora öffnet", sagte Steinmeier der "Welt am Sonntag". Er frage sich auch, ob im Vielvölkerstaat Russland unter Putins Führung die möglichen Auswirkungen bis zum Ende durchdacht worden seien.
[…]

Steinmeier, dem sein Kardinalfehler, nämlich ungeniert mit den Faschisten in Kiew zu kungeln, ohne daran zu denken, daß deren gewalttätiger Hass auf Russen und Juden nicht überall gut ankommt, langsam klar wird, ist schon wieder in die Ukraine gejettet.

Nun macht er es besser und trifft sich nicht mehr mit irgendwelchen suspekten Demonstranten auf dem Maidan, sondern trifft die eigentlich entscheidenden Kräfte – nämlich die hochkorrupten, kriminellen Oligarchen aus dem Timoschenko-Lager.

[…] In Donezk hatte es vor einer Woche gewaltsame Proteste gegeben, bei denen mindestens ein Mensch ums Leben kam. Steinmeier sprach mit Gouverneur Sergej Taruta und dem einflussreichen Oligarchen und reichsten Mann der Ukraine, Rinat Achmetow. Anschließend berichtete er von hoffnungsvollen Signalen. "Mit Herrn Achmetow hatte ich den Eindruck: Es ist akzeptiert, dass es eine neue Ukraine geben wird." […]
Achmetow besitzt nach Schätzungen knapp 18 Milliarden Dollar, einen erfolgreichen Fußball-Club in seiner Heimatstadt Donezk und ist der Prototyp des schwerreichen Oligarchen. Der Tatare hat zwar kein politisches Amt, dafür aber umso mehr Einfluss. Und deshalb bekommt der reichste Mann der Ukraine ebenso wie einige seiner Oligarchen-Kollegen auch den Besuch eines Außenministers. […]

Für Oligarchen ist das Leben krisensicher.
Sie können von ganz links bis ganz rechts mit jedem politischen System leben, weil sie so mächtig sind, daß sich sowieso jeder nach ihnen richtet.
Die illegal zustande gekommene Ukrainische Übergangsregierung kriecht den Milliardenschweren Ausbeutern genauso in den Hintern wie es die deutsche Regierung tut.

Kiews Übergangsregierung macht Oligarchen zu Gouverneuren.
Es sind geschäftige Tage für Sergej Taruta, den Gouverneur der Region Donezk im Osten der Ukraine. […]
Noch vor ein paar Wochen las Taruta vor allem Geschäftsberichte und Stahlmarktanalysen – als Chef des Stahlkonzerns Industrieunion Donbass. Am 2. März aber machte die Übergangsregierung in Kiew Taruta und andere ukrainische Oligarchen in ihrer jeweiligen Heimat zu Gouverneuren. Die Aufgabe der Oligarchen-Gouverneure: Mit ihrem Einfluss, dem Kommando über die Staatsstrukturen und notfalls auch eigenem Geld die Lage zu stabilisieren und zu verhindern, dass Russland nach der Krim weitere Gebiete unter seine Kontrolle bringt.
„Die Oligarchen haben Einfluss, Beziehungen und Geld. Insofern gab es zu ihrer Ernennung in dieser Krisensituation keine Alternative – in der Ostukraine gibt es bisher keine politisch-gesellschaftliche Elite, die sich mit ihnen messen könnte“, sagt Walentin Krasnoperow von der Bürgergruppe Tschesno („Ehrlich“) in Donezk. „Aber es bleibt ein riskanter Schritt.“ Riskant, weil Hunderttausende Ukrainer auf dem Maidan nicht nur eine Annäherung an Europa und den Rücktritt von Präsident Viktor Janukowitsch verlangten, sondern auch ein Ende der Oligarchenherrschaft im Land.
Wie in Russland kamen auch im ukrainischen Raubritterkapitalismus einige Wenige schnell zu großen Vermögen – für gewöhnlich, indem sie sich bei manipulierten Privatisierungen staatliche Fabriken, Kohlegruben oder Immobilien, Bauland oder Handelslizenzen zum Bruchteil des eigentlichen Wertes unter den Nagel rissen. Der Anteils der Oligarchen an der Wirtschaftsleistung liegt der Ukrainian Week zufolge bei 60 Prozent.
Allein der reichste Ukrainer, der 47 Jahre alte Rinat Achmetow, beschäftigt in Donezk und darüber hinaus ungefähr 300000 Menschen. [….]
(Florian Hassel, SZ vom 21.03.2014)

Sonntag, 23. März 2014

Shitty Sunday



Wir Amis bilden ja mit unserer Tradition immer am Dienstag zu wählen eher eine Ausnahme.

Die meisten Nationenrufen den Urnenpöbel aber lieber sonntags zur Stimmabgabe, weil sie annehmen, daß man dann eher Zeit hat.

 Das mag schon sein, aber wenn ich mir ansehe, wo die Sonntagsfreien ihre Kreuze machen, wird mir kreuzübel.

Das sympathische Moppelchen Kim Yong Un hielt am 09.03.14 völlig freie Parlamentswahlen mit einem sehr ausgewogenen Ergebnis ab:

Bei der ersten Wahl unter seiner Herrschaft ist Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit voller Zustimmung der Bürger in die Oberste Volksversammlung gewählt worden. Kim habe in seinem Wahlbezirk bei Beteiligung aller Wahlberechtigten 100 Prozent der Stimmen erhalten, berichteten die Staatsmedien.

Am 16.03.14 war Kommunalwahl in Bayern:

Die Sozialdemokraten holten mit 20,7 Prozent ihr schlechtestes Kommunalwahlergebnis in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg. Das sind 1,9 Prozentpunkte weniger als 2008.

Und heute, am 23.03.14 waren die Franzosen dran:

Zum Auftakt der französischen Kommunalwahlen hat die rechtsextreme Front National (FN) teils deutliche Erfolge erzielen können. Im nordfranzösischen Hénin-Beaumont lag der FN-Kandidat Steeve Briois nach ersten Hochrechnungen am Sonntag mit 49 Prozent in Front. Auch in Béziers, Avignon oder Perpignan sah das Institut Ipsos-Steria die Rechtsextremen vorn.
Für die Sozialisten von Präsident François Hollande stehen laut Hochrechnungen einige Städte auf der Kippe, darunter etwa Reims, Saint Etienne, Amiens und Pau.
Parteichefin Marine Le Pen sprach von einem "außerordentlichen" Stimmenzuwachs für die Front National. "Die Franzosen habe sich ihre Freiheit wiedergeholt", sagte Le Pen am Sonntagabend im Sender TF1.


Da wird mir schon ganz schlecht, wenn ich an die nächsten Wahlabende in Deutschland denke.
Europawahl ist am 25.05.2014; die stramm konservativen Sachsen (die SPD knackt da noch nicht einmal die 10%-Hürde) treten am 31.08.14 an die Urnen und zwei Wochen später werden die Parlamente in Brandenburg und Thüringen gewählt.


Samstag, 22. März 2014

Geistige Giganten des Konservatismus Teil XII



 Geistig zurückgebliebene Radikalinskis wie Palin und Bachmann, sowie bösartige ultrarechte Demagogen und Lügner wie Rubio und Ryan sind für die Wähler aus der Mitte einfach zu extrem.

Andererseits vertreiben die wenigen verbliebenen Republikaner, die noch halbwegs zurechnungsfähig sind – wie zum Beispiel der neue Verteidigungsminister Chuck Hagel oder der einstige Hoffnungsträger Chris Christie - die fanatisierten Teebeutler von den Urnen.

Schwer vorstellbar, daß sich demnächst eine republikanische Führungsfigur finden läßt, die wie einst Ronald Reagan das ganze GOP-Spektrum abdeckt.
Das Spektrum ist nämlich breiter und bunter geworden.

Langfristig wird eine zerfasernde GOP die Mehrheitsfähigkeit verlieren und den Demokraten wieder Mehrheiten in beiden Kongresskammern ermöglichen.
Sie könnten sich dann auch wieder ein bißchen nach links orientieren – so wie es sich die Basis wünscht.

Dann könnte es wieder voran gehen in Amerika.

Der zwölfte geistige Gigant des Konservatismus (GGK), den ich in dieser neuen Reihe vorstellen möchte bringt alles mit, das man sich von einem amerikanischen Fundi wünscht: Randolph Blake Farenthold (* 12. Dezember 1962 in Corpus Christi) ist Republikaner aus Texas, seit 2011 US-Kongressabgeordneter, Anwalt, Tea Party Caucus-affin, ultrakonservativ, Anhänger der Lebensrechtsbewegung, Birther (glaubt also Obama sei ein Kenianer) fundamentalistisch christlich als gläubiger Episcopaler und Mitglied und ständiger Gast der National Rifle Association.
Der Dreizentnermann trägt seine Schamhaare als Frisur auf dem Kopf und besticht durch generelle Doofheit.


 Das Texanische Nest, aus dem er stammt, hat der GGK-12 in seinen 51 Lebensjahren so gut wie nie verlassen; Corpus Christi ist seine ganze Welt.
Politisch folgt der langjährige ultrakonservative Radiokommentator den üblichen Teebeutelanliegen eines Texaners: Washington soll sich aus unserem Leben raushalten, Militär ist geil und knallt die Immigranten ab.


  Beim Immigranten-Raus-Thema gilt es für einen Teebeutler natürlich immer abzuwägen wie viele Latinos in seinem Wahlbezirk leben.
In Amerika gewinnen Republikaner allerdings fast immer ihre Stimmbezirke bei den nächsten Wahlen wieder, da diese kontinuierlich neu zugschnitten werden, um die konservativen Wähler hinein und die Liberalen rauszuschmeißen.

Farenthold's 27th District, which sits less than 200 miles from the Mexico border, has a substantial Latino population of 345,730 -- just under half the district. But that population isn't as influential as it once was. According to U.S. Census figures, the 2012 remapping of Texas increased the voting-age population for whites in the district by more than 100,000 voters, while reducing the number of Hispanics who could vote there by about that same number. Recent figures show the district currently has 243,991 white voters compared to 233,071 Hispanic voters.
In 2010, Farenthold defeated longtime Rep. Solomon Ortiz (D-Texas) by just 775 votes, following a recount. He easily won reelection in 2012, in part because the district no longer included the Latino voting bloc in the border town of Brownsville and added heavily Republican communities around Corpus Christi.
In Farenthold's 2014 election campaign, immigration will be a major part of the debate. He told HuffPost in a statement this week that although he supports legal immigration, he is "opposed to any policy that promotes illegal immigration."
"That said, our current system is broken and needs reform," he continued. "I sit on the House Judiciary Committee, where we’ve been actively working on concrete solutions to fix our nation’s immigration policy, piece-by-piece. Over the last several months, our committee has already made key advancements in reforming our immigration system by passing individual measures aimed at fixing specific problems with the current system."

Wie alle Teebeutler hat er natürlich keine eigenen konstruktiven Ideen, sondern wird vom Hass auf den Schwarzen im Weißen Haus angetrieben.


Obama soll weg.
Das ist die ganze Agenda des Texaners.

At a town hall meeting this past weekend, Republican Congressman Blake Farenthold of Texas told constituents that Republicans in the House "probably" have enough votes to impeach President Obama.
After being asked a question about Obama by one of his "birther" constituents, Farenthold responded by saying that, "You tie into a question I get a lot: 'If everybody's so unhappy with what the president's done, why don't you impeach him? I'll give you a real frank answer about that: If we were to impeach the president tomorrow, you could probably get the votes in the House of Representatives to do it. But it would go to the Senate, and he wouldn't be convicted."
Of course, Farenthold didn't go into specifics on just what Republicans could impeach President Obama for.




Freitag, 21. März 2014

Wo ist die Klugheit hin?


Früher dachte ich immer, daß „die Erwachsenen“ all das können, womit ich als Kind haderte. Also Rechtschreibung. Und Autofahren. Oder kochen.

Ich weiß nicht mehr wann ich begriff, daß nicht alle Erwachsenen alles können.
Längere Zeit hielt sich aber mein Vorurteil, daß immerhin die Menschen in gewissen Berufen – also zum Beispiel Lehrer oder Ärzte – selbstverständlich diese Grundfertigkeiten beherrschen müßten.

Aber vielleicht gehört das zu den Dingen, die „früher“ auch einfach anders waren, die nämlich schon in der „Volksschule“ eingebläut wurden.
Gestern las ich einige Briefe meines Großvaters aus den 1930er Jahren; recht ausführliche Beschreibungen, die er auf einer Schreibmaschine tippte, weil er ja noch die Generation „Sütterlin“ war und daher eine etwas schwer zu entziffernde Handschrift hatte. Mein Opa war kein gebildeter Mann, sondern Kaufmann, der wie in seiner Generation üblich schon als Teenager arbeiten ging.
Aber in diesen langen Briefen ist nicht ein einziger Rechtschreibfehler. Jedes Komma sitzt perfekt, jede Anrede ist groß geschrieben und jedes „das“ bekommt genau da ein „ß“ wo es hinmuß.

Mir ist immer noch nicht klar, wieso diese Fähigkeiten im 21. Jahrhundert allgemein verloren gehen, obwohl die Menschen doch viel länger in die Schule gehen und viel besseren Zugang zu Kultur und Bildung haben.
Liegt das alles nur an den SMS? Kaum vorstellbar.

Anyway.
Als erwachsener Mann glaube ich, daß Intelligenz und Bildung zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Es überlappt sich allerdings offenbar. Durch eine bildungsbürgerliche Umgebung oder eben ein bildungsfernen Elternhaus kann der IQ um +/- 15% beeinflußt werden.
Wer immer liest und sich kontinuierlich weiter informiert, wird also nicht nur gebildeter, sondern tatsächlich auch klüger.

Die klassische Bildung, die vor Hundert Jahren so vielen Deutschen so erstrebenswert schien, daß einfache Arbeiter, die 14 Stunden und sechs tage die Woche malochen gingen, dennoch freiwillig auf Abendschulen oder in sozialistischen Bildungsvereinen dazu lernen wollte. Lernen um des Lernens willen. Es galt als erstrebenswertes Ziel in sich.
Lernen war kein Vehikel, um damit Karriere zu machen.
Man legte sich Nietzsches „Also sprach Zarathustra!“ auf den Nachttisch, weil man gerne darin las und es genoss seine eigenen Gedanken zu stimulieren.
Heute legt man die neuen Nietzsche-Ausgaben (gerade sind wieder drei erscheinen) eher auf den Nachttisch, um damit diejenigen zu beeindrucken, denen man unter welchen Umständen auch immer sein Schlafzimmer zeigt.

Bildung verkommt bei partiell zu einem zweckmäßigen Kleidungsstück.
Der Dr.-Titel bringt eben nicht nur Prestige, sondern auch deutlich mehr Gehalt – bei gleicher Qualifikation.
Insofern ist es durchaus erklärlich wieso 15 konservative Politiker sich ihren akademischen Titel erschummelt haben.

Weniger erklärlich ist allerdings wie ihnen das so einfach gelingen konnte.
Peter Häberle, Guttenbergs Doktorvater ist ein europaweit hochgeachteter Spitzenjurist, der seinerseits ein halbes Dutzend Ehrendoktortitel verliehen bekam. Mehrere Juristische Institute in aller Welt wurden nach ihm benannt.
Und so einer merkt gar nicht, daß mit KTG jahrelang ein totaler Blender an seinem Tisch saß, der nie selbst eine Zeile geschrieben hatte und nur zusammenkopiertes Material abgab?

Bildung scheint in von Klugheit entkoppelter Form existieren zu können.

Meine naive Vorstellung, daß es einem dummen Menschen gar nicht gelingen kann bis ihn die höchsten Staatsämter aufzusteigen, weil sich über die vielen Jahren doch irgendwann die Spreu vom Weizen trenne, ist angesichts der Minister Friedrich oder Dobrindt ohnehin ab absurdum geführt.

Es gibt andererseits Kluge, die nicht den klassischen Bildungsweg gingen, die keinen bildungsbürgerlichen Hintergrund haben, keine akademische Karriere hinlegten und sich dennoch zweifellos in ihrem Leben eine immense Bildung zulegten. Dazu gehören beispielsweise die Bundeskanzler Schröder, Brandt und Schmidt, oder auch Menschen wie Marcel Reich-Ranicki, die keine Dissertationsschrift verfassten, aber ein gewaltiges Wissen anhäuften.

Eine entscheidende Gemeinsamkeit der vier Genannten ist aber ein persönlicher Grundanstand.
Sie haben sich ihre Klugheit selbst erarbeitet und dachten nie daran, es genüge aufgrund ihrer Herkunft Bildung nur zu simulieren.

Die Dr.-Peinlichkeiten Koch-Mehrin, von und zu Guttenberg und Schavan zeigten insbesondere während ihrer Enttarnung überdeutlich, daß sie eben NICHT klug sind.
 Sie begriffen offenbar ihre Affären gar nicht.
Ihre menschliche Kleinheit erwies sich erst richtig, als sie dümmlich lügend die bittere Realität abstritten und später wie ein beleidigtes Kleinkind auf den ihnen nicht zustehenden Titeln bestanden.
Wissen sie denn nicht, daß sie das letzte bißchen Reputation wegwerfen, wenn sie eingeschnappt ihre Unis verklagen und rumjammern, sie wollten IHREN Titel, den sie selbst verdient hätten, zurück?
Universitäten VERLEIHEN Titel. Die erwirbt man nicht wie beim Kaufmann. Man kann sie übrigens auch nicht zurückgeben.
Diese spezielle Sorte stolpernder Konservativer scheint nach all den Jahren in der Politik noch nicht einmal das kleine Einmaleins der Skandalogie zu beherrschen.
Salamitaktik geht immer nach hinten los und schmollend sein Recht zu verlangen – „das steht mir aber zu!“ – wird nie vom Publikum goutiert werden.

Koch-Mehrin fiel schon gewaltig auf die Nase, als sie versuchte ihren zusammengeschummelten und dann entzogenen Doktor-Titel der Uni Heidelberg zurück zu klagen.
Uli Hoeness landete im Knast, weil er dachte er brauche die Wahrheit gar nicht offenlegen, wenn er nur ein Prozent des Betrugsvolumens zugäbe. Er dachte auch, er könne sich „tätige Reue“ sparen und einfach stur auf all seinen Pöstchen und Privilegien sitzen bleiben.

Und nun Schavan, die ehemalige Bildungs- und Wissenschaftsministerin, die als einfache Abiturientin weiterhin schmollend ihren Professorentitel trägt.
Auch sie ging mit einem unmöglichen Anliegen vor Gericht und erreichte mit der heutigen Abschmetterung ihrer Klage, daß ganz Deutschland den Kopf über sie schüttelt und an ihrem Verstand zweifelt.
Schavan ist nicht nur nicht gebildet, sondern sie ist ganz offensichtlich auch NICHT KLUG.

Annette Schavans Niederlage hätte klarer kaum ausfallen können. All die Argumente ihrer Anwälte wischten die Düsseldorfer Verwaltungsrichter am Donnerstag zur Seite und wiesen ihre Klage ab. Es waren die üblichen Ausreden in Plagiatsfällen: Man habe damals eben anders gearbeitet, es gehe nur um wenige Textstellen – und überhaupt habe sich die Universität nicht an die Feinheiten der Promotionsordnung gehalten. Das Gericht aber konzentrierte sich aufs Wesentliche: Hat sie nun getäuscht oder nicht? Ja. Alles andere sind Nebensächlichkeiten.
Damit hat die frühere Bildungsministerin das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollte, nämlich den Titelentzug als dilettantische Ungerechtigkeit der Universität Düsseldorf zu brandmarken. Die viel gescholtene Hochschule kann jetzt auf ein richterliches Gütesiegel verweisen. […]

Erreicht hat Schavan das, was ihr auch Klein Fritzchen prophezeien konnte: Sie hat sich noch einmal zur bundesweiten Witzfigur gemacht und zu einem Shitstorm eingeladen.

Einige Meldungen des Tages:

Meine Professoren klatschten sich gerade im Sekretariat ab, als es um das Schavan-Urteil ging. Das Leben ist schön.

#Schavan verliert ihren #Doktortitel wegen 60(!) fragwürdigen Stellen in der Diss. Gut so! Wissenschaftliches Arbeiten will gelernt sein...

Frau #Schavan, Herzlichen Glückwunsch, Sie haben wieder Abitur.

Donnerstag, 20. März 2014

Treffer!

Wer hat eigentlich diese dümmlichen Welttage erfunden?

Angefangen hat damit 1947 die UNO, die mittlerweile schon rund 70 Welttage dazu erfunden hat, um an bestimmte kulturelle Errungenschaften zu erinnern.

Ob das Welttagen eines kulturellen Ereignisses irgendeinen Nutzen hat, wage ich zu bezweifeln. Schon allein wegen der Inflation der vielen Gedenktage, die sich niemand mehr merken kann.

Oder weiß irgendjemand aus dem Kopf, daß
der 13. Februar Internationaler Tag des Radios,
der 21. Februar Internationaler Tag der Muttersprache,
der 3. März Welttag der freilebenden Tiere und Pflanzen,
der 20. März Internationaler Tag des Glücks,
der  24. März Internationaler Tag für das Recht auf Wahrheit über schwere Menschenrechtsverletzungen und für die Würde der Opfer,
der 23. April Welttag des Buches und des Urheberrechts,
der 17. Mai Weltfernmeldetag und Welttag der Informationsgesellschaft,
der 23. Mai Internationaler Tag zur Beendigung von Geburtsfisteln
der 23. Juni Internationaler Tag der Witwen,
der 16. September Internationaler Tag für die Erhaltung der Ozonschicht,
der 9. Oktober Tag des Weltpostvereins,
der 15. Oktober Internationaler Tag der Frauen in ländlichen Gebieten,
der 29. November Internationaler Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk,
der 11. Dezember Internationaler Tag der Berge
ist?

Wenn ein internationaler Würdigungskandidat noch deutlich bedeutender als beispielsweise der „internationaler Tag zur Beendigung von Geburtsfisteln“ ist, bekommt er sogar eine ganze Weltwoche gewidmet.

Die erste Woche im Februar ist Weltwoche der interreligiösen Harmonie,
die Vverte Woche im Mai Internationale Woche der kulturellen Bildung
und die erste Augustwoche Weltstillwoche.  24. - 30. Oktober: Abrüstungswoche.

Die Gedenkaristokratie bilden die Internationalen Gedenkjahre.

2014 ist beispielswiese Internationales Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft und Internationales Jahr der Kristallographie.
Es folgen 2015 als International Year of Light and Light-based Technologies und
2016 als International Year of Pulses.

Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange:

2005-2014 ist die Dekade der Vereinten Nationen "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" und  2006-2016 Dekade der Sanierung und nachhaltigen Entwicklung der durch die Katastrophe von Tschernobyl betroffenen Regionen.
2011 begann die Aktionsdekade für Straßenverkehrssicherheit.


Die kostenlose Aufmerksamkeit, die man mit der Ausrufung eines Welttages erringen kann, schuf Neider und Nachahmer. So bestimmt beispielsweise auch die RKK mehrere Welttage.

Heute, am 20.03.14 ist als der Welttag des Glücks, bzw im englischen Original „International Day of Happiness.“
Werden nun alle Menschen glücklich? Lächerlich?
Nun ja, als ich auf den Recyclinghof fahren wollte und ein Geront im silbernen Mercedes mit Christen-Fisch-Aufkleber und umhäkelter Klorolle auf der hinteren Ablage geschlagene 20 Minuten am Eingang mit der Kassiererin um die drei Euro gebühr für einen 120-Liter-Sack Hausmüll stritt und dadurch die Zufahrt blockierte, hatte ich noch nicht recht den Eindruck von Glück überströmt zu sein.
Auch die Aussage des in einem Khaki-Cordanzug steckenden Handwerkskammergutachters, der in der Wohnung unter mir echten Hausschwamm fand und mir erläuterte, daß nun mein Bad und meine Küche rausgerissen werden müßten zur Sanierung, versetzte mich noch nicht in Happiness.
Eher weniger glücklich machte es mich auch, als einer der mit Bierflasche im Hals rumtorkelnden Bauarbeiter, die auf dem Geragenplatz neben mir aus unerfindlichen Gründen seit Tagen Schallplattengroße Löcher in den Beton fräsen, eine Ladung frischen Zement über meine Motorhaube spritzte.
International Day of Happiness?
Die spinnt, die UNO.
DACHTE ich.

Aber weit gefehlt. Die UN-Jungs wußten schon was sie taten. Heute ist wirklich ein Grund  zum Jubilieren und Frohlocken!

Fred Phelps hat den Löffel abgegeben!
 

Dieser selbst für US-Konservative radikale Hassfanatiker wurde vom Schöpfer des Hasses heimgerufen und wird nun im Jenseits weiter seiner Hass-Ideologie frönen können.

Rev. Fred Phelps Sr., who founded a Kansas church widely known for its protests at military funerals and anti-gay sentiments, has died at the age of 84 according to his son Tim Phelps.
[…]   Members of the Westboro church, based in Topeka, frequently protest at funerals of soldiers with signs containing messages such as “Thank God for dead soldiers,” and “Thank God for 9/11,” claiming the deaths are God’s punishment for American immorality and tolerance of homosexuality and abortion.

Der Welttag des Glücks hat seine Daseinsberechtigung erbracht.


Die WBC, die weltweit durch Beerdigungsstörungen berühmt wurde, wird nicht die andere Wange hinhalten und sich gefallen lassen, was sich andere zu Phelps‘ Beerdigung einfallen lassen könnten. Sie kneifen und führen gar keine Besetzung durch.
Das sympathische Kerlchen wird jetzt vermutlich einfach in den Müll geworfen  - and god laughs.