Samstag, 22. September 2018

Konservative Alleinstellungsmerkmale.

Die Zeiten, als Rechte für Arbeitgeber und Linke für Arbeitnehmer kämpften sind schon deswegen vorbei, weil die Frage was eigentlich im Sinne der „Werktätigen“ ist nach immer komplexeren Antworten verlangt.
Die Höhe des Lohns ist immer noch wichtig, aber was nützt ein ausreichendes Gehalt, wenn die man keine Wohnung bekommt, im Alter nicht versorgt ist, Klima und Umwelt dabei ruiniert werden, wenn in anderen Teilen der Welt dafür Menschen leiden müssen oder die Kinder keine Jobs und Ausbildungen bekommen?

Umweltschutz ist keine rein Grüne Spinnerei mehr, sondern ein knallhartes Geschäft, eine Frage von internationaler Bedeutung. Schon seit 20 Jahren melden sich C-Parteiler zu Wort mit der Feststellung, daß die Bewahrung der Schöpfung ein konservatives Ansinnen wäre.

War es in den ersten Jahrzenten der Bundesrepublik noch selbstverständlich in der Kirche vom Pfaff zur Wahl von CDU und CSU aufgerufen zu werden, weil die Sozialisten sich gegen Gott stellten und die natürliche Ordnung von der Herrschaft des Mannes über das Weib durcheinanderbrächten, sind inzwischen Grüne und Sozis auf Christenkurs. So mancher Bischof hadert mit der menschenfeindlichen Flüchtlingspolitik der Unionsparteien.

Vor nicht allzu langer Zeit spie die CDU noch Gift und Galle gegen die SPD, wenn diese sich nicht scharf genug gegen jede Zusammenarbeit mit den Linken aussprach, baute ganze Bundestagswahlkämpfe auf Rote-Socken-Kampagnen auf. Inzwischen gibt es CDU-Ministerpräsidenten, die das nicht nur nicht mehr bei der SPD verdammen, sondern sogar selbst mit den Linken koalieren würden.

Der radikal ausbeuterische Milliardär Donald Trump, der seine Angestellten notorisch schlecht oder gar nicht bezahlt, seine eigenen Produkte billig in China herstellen lässt, wird zum Vorkämpfer für die klassischen blue-collar-worker und attackiert Hersteller, die nicht in den USA produzieren.

Eben jener Trump, der zwei Scheidungen, unzählige Sexaffären, Schweigegeldzahlungen an Pornodarstellerinnen, Pussy-grabbing-Prahlereien sowie eine dokumentierte Kette von über 5.000 öffentlichen Lügen am Hals hat, mutierte heute zum Idol der konservativsten Bibel-Fanatiker, die auf Einhaltung der Zehn Gebote (du sollst nicht lügen, du sollst nicht ehebrechen) pochen.

Es ist alles so durcheinander in einer Zeit, wenn Wolfgang Schäuble und Edmund Stoiber, die einst massiv die Gleichstellung von Homosexuellen bekämpften heute dazu aufrufen den schwulen Jens Spahn zum Merkel-Nachfolger als Bundeskanzler zu machen.

Glücklicherweise gibt es noch ein Alleinstellungsmerkmal der Konservativen und Strenggläubigen.

Man kann jenseits und diesseits des Atlantiks Rechte und Liberale durchaus noch auseinanderhalten, wenn man den Lackmustest VERGEWALTIGUNG oder das Phenolphthalein PÄDOPHILIE anwendet:
Hier glänzen die Konservativen und Gläubigen mit einer schier grenzenlosen Toleranz.
Seit 20 Jahren schwappen inzwischen immer wieder neue Berichte von Myriaden sexuell belästigter Jungs durch die römisch-katholische Welt, aber die Rechten und Katholiban stehen fest zu einander, wenn es darum geht die Täter gegen die Opfer zu schützen.
Heute schreibt der SPIEGEL in einer großen Titelgeschichte gegen den Pädosex-toleranten Papst an, aber auch das werden die Bischöfe gemütlich aussitzen.
Macht ja nichts. Macht nichts bei Konservativen. Bekanntlich ist das ganz anders, wenn auch nur ein einzelner Sozi (Sebastian Edathy) oder Grüner (Volker Beck) in den Hauch eines solchen Verdachtes gerät. Dann ist aber was los.
Tausende konservative Kinderficker hingegen werden achselzuckend akzeptiert.

[….] Die Spitze der römisch-katholischen Kirche der Niederlande hat einem Zeitungsbericht zufolge jahrzehntelang den sexuellen Missbrauch von Hunderten Kindern durch Priester vertuscht. Mehr als die Hälfte der Bischöfe und Kardinäle soll vom Missbrauch gewusst haben.
Das geht aus einer Untersuchung des „NRC Handelsblad“ hervor. Eine Kirchensprecherin bestätigte Medienberichten zufolge „einen Teil“ der Angaben. [….]

[….] Das Bistum Brooklyn in New York zahlt vier Opfern von sexuellem Missbrauch durch einen Religionslehrer die Rekordsumme von 27,5 Millionen Dollar. [….]

[….]  Pädophile Geistliche an der Jesuitenschule in Bonn
Ein offenes Geheimnis
Im Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg haben Geistliche jahrzehntelang Jugendliche gedemütigt und missbraucht. [….]

In den USA ist es sogar eine gesamte Regierungspartei, die sich ausdrücklich auf die Seite von Vergewaltigern und Kinderquälern stellt.
Dutzende Frauen beschuldigen den US-Präsidenten detailliert der sexuellen Übergriffigkeit. Die Glaubwürdigkeit solcher Berichte ist wegen der bekannten Aufzeichnungen von Trumps Prahlerei mit eben diesen Übergriffen sehr hoch.

They’re not the party of Lincoln, they’re the party of Roy Moore and the Grand Old Pedophiles, is what they are. Grand Old Perverts who are willing to compromise morals and conviction and decency for a vote. That’s the message they’re sending.”


I’m watching the Republican Party destroy itself. The tribalism that we are seeing within the party, what’s happening in Alabama, the fact that the national party now is backing this incredibly accused child molester is despicable.”

Ungewöhnlich, wenn doch mal ein Republikaner wegen Kindersex sein Amt aufgibt.

[…..] Minnesota Republican state Rep. Jim Knoblach abruptly dropped his re-election bid Friday, after Minnesota Public Radio reported that his grown daughter is accusing him of sexual abuse.
Knoblach’s 23-year-old daughter Laura told MPR that Knoblach had touched her inappropriately for most of her life, with her first memories of the abuse beginning at age nine. She says she told authority figures at her school and at her church for years. [….]

Sehr gewöhnlich hingegen, daß Laura Knoblach seit Jahren davon erzählte und niemand in Schule oder Kirche Anstoß daran nahm.

Wir erinnern uns an den ephebophil übergriffigen Superkonservativen Roy Moore, der für Alabama in den US-Senat ziehen wollte und auf die volle Unterstützung des Weißen Hauses zählen konnte. Kein Wunder, darin wimmelt es jetzt von Vergewaltigern und Schlägern.

[…..] Nachdem der 19-fach der sexuellen Belästigung beschuldigte Trump für den Kindergrabscher Roy Moore eintrat, lobt er nun den in Schimpf und Schande gegangenen Staatssekretär Rob Porter, der seine beiden Ex-Frauen verprügelt und vergewaltigt hatte.
Seine Vorgesetzten, insbesondere Stabschef Kelly wußten seit Monaten Bescheid.
Aber macht ja nichts.

  [….]  Nun steht der 67-Jährige selbst im Zentrum der Aufmerksamkeit - und in der Kritik. Zunächst sorgte es für Verwunderung, dass Ex-General Kelly in einem ersten Statement Porter als "Mann von echter Integrität und Ehre" bezeichnet hatte, über den "ich nicht genug gute Dinge sagen kann". Als dann das Foto von Porters Ex-Frau mit dem blauen Auge auftauchte, musste sich Kelly korrigieren und erklärte, er habe die Vorwürfe nicht "im vollen Umfang" gekannt. Er sei "schockiert" und betonte, dass es für häusliche Gewalt in der Gesellschaft keinen Platz geben dürfe.
Für Geraune sorgt zudem, dass Porter und die Trump-Vertraute Hope Hicks ein Paar sein sollen und turtelnd in Washington gesehen wurden. Hicks ist die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses und in ihrer Abteilung waren einige Wendungen zu beobachten. Hatte Sprecherin Sarah Huckabee Sanders zunächst von einer "Schmierenkampagne" gesprochen, so musste ihr Stellvertreter am Donnerstag zugeben, dass viele im Weißen Haus in den vergangenen Tagen "besser hätten arbeiten" können.
Noch brisanter für Kelly sind Medienberichte, wonach der Stabschef seit Monaten darüber informiert war, dass die Sicherheitsüberprüfung von Rob Porter durch das FBI immer noch andauerte. Gleiches gilt für Don McGahn, den offiziellen Rechtsberater im Weißen Haus. [….] Der Republikaner David Frum, ein ehemaliger Redenschreiber von George W. Bush, vertritt im Atlantic eine eigene Theorie, warum der Vorwurf der häuslichen Gewalt im Weißen Haus nicht als "disqualifizierend" angesehen wurde. Sowohl Ex-Chefberater Stephen Bannon als auch der frühere Wahlkampfchef Corey Lewandowski mussten sich vor Gericht verantworten, weil ihnen Gewalt gegen Frauen vorgeworfen wurde.
Und natürlich erinnert Frum, der Autor des kritischen Buches "Trumpocracy", seine Leser nicht nur an die "Grab them by the pussy"-Aussagen des heutigen Präsidenten aus dem Jahr 2005. Er weist auch darauf hin, dass Donald Trumps erste Ehefrau Ivana in den Neunziger Jahren ihrem Ex-Mann vorwarf, sie zum Sex gezwungen zu haben. Mittlerweile vertritt Ivana Trump diese Vorwürfe nicht mehr. [….]

Frauen vergewaltigen und prügeln ist für Trump kein Ausschlußkriterium.
Im Gegenteil. Er mag offensichtlich solche Mitarbeiter.
Er bedauert nur, wenn es veröffentlicht wird. Bedauert den Täter, der seinen Job verliert.
Porters Opfer erwähnte Trump mit keinem Wort. (…..)

Dieser Roy Moore schwang sich inzwischen zum großen Fürsprecher des  Supreme-Court-Anwärter Brett Kavanaugh auf.

[….] Roy Moore, hitherto occupied with suing people who accused him of sexually predatory behavior during his failed GOP Senate campaign in Alabama, has lent his unsolicited endorsement to the similarly troubled Supreme Court nomination of Judge Brett M. Kavanaugh.
Moore first came to the nominee’s defense Monday — a day after a California professor told The Washington Post that Kavanaugh had tried to rape her in high school — when he shared a supporter’s quip with his 80,000 Facebook followers: “They are Trying to ‘Judge Moore’ Him with Unproven Sex Assault Claim.” […..]

Ist das nicht allerliebst? Wie in einer großen glücklichen Familie halten die konservativen alten weißen Männer zusammen, wenn sie Kinderficker und Vergewaltiger sind.

Der Präsident der US, oberste moralische Instanz, tut das was man von ihm erwarten kann: Er attackiert die Opfer und stellt sich mit seinem ganzen Gewicht auf die Seite der Täter.

[….] Der US-Präsident hat seinen Kandidaten für den Supreme Court in Schutz genommen. Die Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung stammen von "radikalen" linken Anwälten und Politikern, twitterte Trump.

In einer Reihe von Tweets hat US-Präsident Donald Trump die Anschuldigungen der Professorin Christine Blasey Ford infrage gestellt. Wenn der angebliche Angriff von Brett Kavanaugh "so schlimm war, wie sie behauptet, hätten sie oder ihre liebenden Eltern sofort Anklage bei den lokalen Strafverfolgungsbehörden eingereicht". [….]


[…..] Mit Äußerungen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den Supreme-Court-Anwärter Brett Kavanaugh hat US-Präsident Donald Trump große Empörung ausgelöst. Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport (Warum ich keine Anzeige erstattete) solidarisierten sich bereits Zehntausende Frauen und Männer mit der Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford, die Kavanaugh eine versuchte Vergewaltigung vor mehr als 30 Jahren vorwirft. […..]

Sollen sich die Linken und Liberalen aufregen wie sie wollen – die Konservativen stehen fest zu ihrem mutmaßlichen Vergewaltiger-Richter.


In der Beziehung sind die grundsätzlich Intoleranten nämlich sehr tolerant.

Freitag, 21. September 2018

Kinder aus Brunnen holen

Ach, die arme Malu Dreyer eben im Tagesthemen-Interview mit Caren Miosga.
Sie musste das nicht zu Verteidigende verteidigen:
Wie konnte ihrer Pfälzer Landfrau Nahles entgehen, daß sie mit der Maaßen-Mauschelei das letzte bißchen Vertrauen in die SPD zerstört?
Tapfer zählte die Mainzer Ministerpräsidentin mehrfach das wenige auf, das man sagen kann:
Nahles zeige Größe, indem sie ihren Fehler einsehe und nun die Kehrtwende im Fall Maaßen einleite. Außerdem habe sie nur versucht die Groko zu retten, weil man doch so viel Gutes für die Menschen tue: Gute Kita Gesetz, sozialer Wohnungsbau, Rente absichern.


Die wichtigste Botschaft der SPD-Spitze ist heute aber ein kräftiger Whataboutism! Nahles habe ja gar nicht allein entschieden, sondern auch Merkel und Seehofer. Alle drei hätten sich gleichermaßen geirrt. Mimimi, wieso bekommt nur die SPD den Shitstorm ab?


Das ist so ein Tag, an dem ich doppelt glücklich bin keine Parteifunktionen zu haben.
Muss das unangenehm sein Gesicht dafür hinzuhalten, wenn der Vorgesetzte mal wieder total versagt hat.

Dreyer macht das so gut es eben geht.
Blickt man nicht durch die SPD-Parteibrille stellt sich der Sachverhalt aber ein bißchen anders dar:

1.)
Nahles hat natürlich nicht aus Einsicht oder Weisheit den Brief an Merkel und Seehofer mit der Bitte um Neuverhandlungen geschrieben, sondern weil sie innerparteilich so unfassbar unter Druck geriet, daß sonst andere diesen Brief geschrieben hätten und sich auf die Suche nach einem neuen Parteivorsitzenden gemacht hätten.


2.)
Das für die SPD so sagenhaft desaströse Ergebnis kam nicht in erster Linie durch Seehofers Bockigkeit und Nahles‘ staatsbürgerliches Verantwortungsgefühl zu Stande, sondern weil sich die die SPD-Chefin so unsäglich dumm anstellte.

[…..] Und Du, Andrea? Ängstlich schaust Du auf die Umfrageergebnisse, siehst mit Schaudern, wie die Prozente schwinden. Weil Ihr fürchtet, dass die Sozialdemokratie bei Neuwahlen in der Bedeutungslosigkeit versinken könnte, macht Ihr jetzt alles mit. Ihr habt im Sommer dem unsäglichen Theater Seehofers schweigend zugesehen, als er darauf bestand, dass er Flüchtlinge an der Grenze zurückweisen wird, egal was Merkel sagt. Ihr habt seinen Rücktritt vom Rücktritt schweigend hingenommen. Und nun lasst Ihr Euch aus Angst vor einem Koalitionsbruch erneut von dieser Flitzpiepe über den Tisch ziehen: Maaßen wird als Verfassungsschutzchef zwar entlassen, aber zum Dank für sein Verhalten zum Staatssekretär befördert. Unfassbar. 
Als ich das hörte, dachte ich im ersten Moment das, was wohl alle dachten: Das ist ein Witz. Das macht doch die SPD nicht mit. Aber dann habe ich mich besonnen: Doch, macht sie. Die macht ja jetzt alles mit … Ich schäme mich für Euch: Ihr habt kein Rückgrat. Ihr seid schwach. Ihr seid peinlich. Ihr schadet der SPD, Ihr schadet der Demokratie, Ihr schadet Deutschland. Ein Trauerspiel ist das. [….]


Genau das, was eine nicht in die Kabinettsdisziplin eingebundene SPD-Chefin tun sollte, nämlich parteitaktisch agieren, beherrscht Nahles augenscheinlich nicht.
Statt die Groko so zu beeinflussen, daß die SPD gut aussieht, tölpelt sie ihre Genossen immer mehr in den demoskopischen Abgrund.
Seehofer wollte Maaßen unbedingt behalten, Nahles Job war es ihm entgegenzutreten. Das schaffte sie nicht und verhielt sich nicht nur zukunftsblind, sondern taktisch dumm. Dabei wäre es gar nicht so schwer gewesen Merkel den Schwarzen Peter zuzuschieben.


[…..] Liebe Andrea, Dein Kredit bei mir ist aufgebraucht. Ich erwarte von meiner SPD-Chefin Verhandlungsgeschick und nicht ein derart dummes und plumpes Auftreten, wie Du es an den Tag legst – es vor allem im Zusammenhang mit Maaßen an den Tag gelegt hast. Es hat ja ganz markig und nach Haltung geklungen, als Du morgens verkündet hast: „Maaßen muss gehen und Maaßen wird gehen.“ Aber in Wahrheit hättest Du was Dümmeres nicht sagen können. Denn von dem Moment an hatte Dich Seehofer in der Tasche. Er wusste: Mit weniger als Maaßens Entlassung konntest Du nicht wieder vor die Öffentlichkeit treten. Da hat er Dir einfach die Bedingung diktiert.
Das Ergebnis ist: Du bist als Tiger ins Kanzleramt gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Seehofer hat Dich kalt lächelnd ausgetrickst. Mannomann. [….]

"Ich hätte mir gewünscht, dass das gemeinsam in den Gremien der SPD beraten und dass das nicht einsam an der Spitze entschieden wird."

[…..] „Nahles hätte beim Treffen im Kanzleramt nach Seehofers Vorschlag aufstehen müssen: Vielen Dank, liebe Leute, das muss ich erstmal mit meiner Partei beraten“, sagt ein mit solchen Verhandlungen vertrauter SPD-Mann. „Dann hätte sie sich vor dem Kanzleramt vor die Kameras stellen und den Seehofer-Vorschlag einfach öffentlich machen müssen. Dann hätte sich aller Unmut über Seehofer entladen und die Idee der Beförderung wäre tot gewesen.“ So verwandelte Nahles einen erwarteten Sieg, den Rauswurf Maaßens, in eine schwere Niederlage für die SPD. […..]

3.)
Nahles ist uneinsichtige Wiederholungstäterin.
Immer wieder verzapft sie einen Groß-Unsinn ohne die Folgen zu bedenken, setzt sich dann fröhlich in die Pfalz ab und schaltet das Telefon aus.
Den ganzen Dienstag verbrachte sie zu Hause in  Weiler in der Vordereifel, wo sie auch jeden Sonntag in die Kirche geht und mit ihrer siebenjährigen Tochter betet – und war nicht zu erreichen. Sollte doch Klingbeil mit der Presse sprechen.

Liebe Frau Nahles, nichts gegen Ihr Familienleben, aber als Bundestagsfraktionsvorsitzende einer Regierungspartei und als Bundesparteivorsitzende kann man eben nicht den größten Unsinn verzapfen (Schulz wird Außenminister, Maaßen wird Staatssekretär, SPD-Staatssekretär Adler wird geopfert) und sich anschließend in der tiefsten katholischen Provinz die Decke über den Kopf ziehen.

Natürlich kann und darf man Fehler machen.

Natürlich ist es billiger Populismus, wenn die christliche Kollegin Kathrin Göring-Kirchentag im AfD-Ton twittert: "Wie wäre es mal mit Regieren?"
Das ist eine ganz miese Nummer, denn das fördert die Staatsverdrossenheit und ist ungerecht. Alle sechs SPD-Minister regieren und sind sogar ausgesprochen fleißig.

Natürlich stimmt es immer noch, daß angesichts der parlamentarischen Kräfteverhältnisse und der stabilen AfD-Rekordzahlen in allen Umfragen die Groko immer noch das kleinste Übel ist, daß man sie also retten sollte.


Man kann aber die Groko nicht retten, wenn die eigene Parteivorsitzende die SPD kontinuierlich schwächt.
Nahles passiert nicht ab und an „auch mal ein Fehler“, sondern sie macht nur Fehler.
Sie hat das SPD-Kind nun so viele Kilometer tief in den Brunnen geschubst, daß auch ein neuer Maaßen-Gipfel kaum noch helfen wird.

Wenn Andrea Nahles ihrer Partei wirklich helfen will, sollte sie unbedingt ihre SPD-Ämter abgeben, sich auf ihr kirchliches Engagement konzentrieren und zu Hause in Weiler beten bis Gott persönlich vom Himmel runtersteigt, um ihr mehr Grips einzupflanzen.

Donnerstag, 20. September 2018

Militär und so

Mein Vater wurde 18 Jahre alt nach dem Ende des 2. Weltkrieges und vor dem Vietnamkrieg.
Um den Militärdienst konnte er nicht herumkommen.
Sein Zwillingsbruder wurde als G.I. zwei Jahre nach Europa geschickt und damit meine Oma nicht ganz allein in NY blieb (mein Opa war da schon lange tot und der älteste Sohn weit weg in Los Angeles), wählte er eine Variante, bei der er als Soldat in den USA ausgebildet wurde und dann für weitere zehn Jahre (sic!) immer wieder zu irgendwelchen abstrusen Reservistenübungen eingezogen wurde.
Diese als Reservisten eingezogenen Studenten und College-Typen waren unter den altgedienten Vorgesetzen reichlich unbeliebt. Mein Vater wurde ganz offensichtlich regelmäßig gedemütigt. Bis zu seinem Tod sprach er nicht darüber, aber er entwickelte eine radikale Abneigung gegen alle Menschen in Uniform.

Als ich 18 wurde, herrschte glücklicherweise wieder so eine Zwischenphase. Der Vietnamkrieg war nun vorbei, aber der Wehrdient noch nicht komplett abgeschafft. Ich wurde vom Selective-Service-System (SSS) erfasst, musste im Konsulat erscheinen und erhielt diese berühmte Draft-card, die mich bis zu meinem 27.Geburtstag daran erinnerte im Notfall jederzeit eingezogen werden zu können.
Die draft card zu verbrennen war ein federal crime, $10.000 Strafe und fünf Jahre Gefängnis drohten und ich fragte mich, ob ich den Mut gehabt hätte das zu tun.


Wirklich beunruhigt, tatsächlich in den Krieg zu müssen, war ich allerdings nie, weil ich zu der Zeit schon in Deutschland lebte.
Ich stellte mir vor, daß Ronald Reagan nicht als Erstes die Jungs aus Übersee einziehen würde und außerdem lebten wir damals in einem so massiven Atomkriegsszenario, daß ich fest daran glaubte so nahe der Grenze von NATO und Warschauer Pakt zu den ersten Angriffszielen zu gehören. Viel Spaß, Herr Reagan bei dem Versuch mich zur Army einzuziehen, wenn es in Westeuropa Atombomben regnet.
Wäre ich weiter weg gewesen, in einer Entfernung, die mich womöglich die ersten Atombomben überleben lassen hätte, wäre es zu meiner einzigen Gemeinsamkeit mit Donald J. Trump gekommen: Ich hätte mich bei korrupten Ärzten um ein Attest wegen eines Fersensporns bemüht.

Während Trump aber heutzutage ganz begeistert vom Militär ist, sich mit Generälen umgibt, sich Paraden wünscht und von seinem „big button“ prahlt, bin ich bei meiner Verachtung für Uniformen und alles Militärische geblieben.
Mich interessiert „das Soldatische“ aus soziokultureller Perspektive, ich habe gern Wolf Schneiders „Soldaten“ gelesen und bin auch fasziniert vom psychologischen Aspekt des streng hierarchischen Drills unter Männern, der bekanntlich in den großen Armeen so gravierend ist, daß es in Russland und den USA zu mehren Soldaten-Selbstmorden jeden Tag kommt.
Die Lächerlichkeit des Soldatischen ist auch ein beliebtes und spannendes Thema für die Literatur – was habe ich schallend gelacht bei der Lektüre von Sven Regeners „Neue Vahr Süd“ und den Schilderungen seiner Bundeswehrzeit.
Befremdet bin ich hingegen von den sadistisch-analen Gebräuchen unter männlichen Rekruten.

(….) Homo-Vergewaltigungen werden auch immer wieder aus der russischen Armee berichtet. Dort führt das berüchtigte und ultra-brutale Großvater-System unter den Wehrpflichtigen zu mehren Suiziden jeden Tag.

[Um] Andrej Sytschow […..das] Leben zu retten, mussten die Ärzte beide Beine und seine Genitalien amputierten.
Gewalt unter Kameraden gehört zur russischen Armee wie Gleichschritt und Schießübungen. Erpressung, Prügel, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Die Soldaten sind sich selbst die größten Feinde.
Der Volksmund nennt die Misshandlungen von Rekruten durch ältere Soldaten "Djedowschtschina", "Herrschaft der Großväter". Wer Erniedrigung und Schmerz im ersten Dienstjahr übersteht, gibt diese Grausamkeiten an nachfolgende Rekruten weiter. [….] Das Komitee der Soldatenmütter, eine Menschenrechtsorganisation, die gegen die Missstände kämpft, registriert jedes Jahr etwa 2000 Todesfälle in der Armee - in Friedenszeiten. Ein großer Teil lasse sich auf Misshandlungen zurückführen. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Militärstaatsanwaltschaft 341 Soldaten ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt.
Auslöser soll nach Expertenmeinung auch hier in den meisten Fällen die brutale Quälerei gewesen sein. Die Dunkelziffer der Gewaltfälle dürfte noch weit höher liegen. [….]

In Deutschland gibt es "Djedowschtschina" vermutlich nicht in dieser extremen Form und in Amerika bringen sich die Soldaten statt während der Grundausbildung, überwiegend erst nach den Militäreinsätzen selbst um.

Innerhalb der US-Armee gibt es jährlich rund 20.000 Vergewaltigungen. Da allerdings auch Frauen „dienen“, stellen sie 90% der Opfer.

Von den aktiven US-Soldaten begeht durchschnittlich einer pro Tag Suizid. Nach der Dienstzeit steigt die Selbstmordrate um das 20-fache.

[….] Roughly 20 veterans a day commit suicide nationwide, according to new data from the Department of Veterans Affairs — a figure that dispels the often quoted, but problematic, “22 a day” estimate yet solidifies the disturbing mental health crisis the number implied.
In 2014, the latest year available, more than 7,400 veterans took their own lives, accounting for 18 percent of all suicides in America. Veterans make up less than 9 percent of the U.S. population. [….]

Ganz offensichtlich haben Soldaten untereinander eine sehr fragwürdige Art miteinander umzugehen.

Bei Ron Leshem habe ich von einem ganz anderen Umgangston unter Israelischen Soldaten gelesen. Die Hierarchie wird weniger zelebriert und so können einfache Soldaten mit hohen Offizieren locker kommunizieren.
Ich erinnere mich an rührende Szenen, als im Libanonkrieg die in „Wenn es ein Paradies gibt“ beschriebene Einheit kontinuierlich von den Golanhöhen aus beschossen wird und sich junge Rekruten so sehr fürchten, daß sie in den Armen ihres Vorgesetzten einschliefen.
Ob das repräsentativ ist, weiß ich nicht.

Von der deutschen Bundeswehr liest man hingegen jedes Jahr neue Quäl-Geschichten, in denen mit Vorliebe anale Methoden angewendet werden.

[….] Fallschirmjäger: Obst in den Po und Paddel drauf!
In einer Zweibrücken Kaserne ist es äußerst unappetitlich zugegangen: Fallschirmjäger sollen sich auf einer Feier Obst in den Hintern geschoben und mit einem Paddel drauf gehauen haben. Wegen dieser Vorfälle wird die Kompanie nun von ihrem Kongo-Einsatz entbunden. […..]

[…..]  Das Amtsgericht Zweibrücken hat im Prozess zur "Dörrobst-Affäre" um obszöne Aufnahmerituale in einer Kaserne den angeklagten Hauptmann zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt.
Der Richter sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Kompaniechef das "entwürdigende Verhalten" seiner Untergebenen auf einer Feier geduldet habe. […..] 

[…..] Schon wieder schockiert ein Skandal die Bundeswehr: Bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald sind junge Soldaten mit entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen schikaniert worden. Sie mussten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweinsleber essen, um in der internen Hierarchie aufsteigen zu können. [….]

 [….] Nach SPIEGEL-Informationen bestätigten interne und bisher geheim gehaltene Ermittlungen, dass bei der Ausbildung von Sanitätern, im Militärjargon "Combat First Responder" genannt, offenbar sexuell-sadistische Praktiken an der Tagesordnung waren. [….] Demnach fesselten sich die Soldaten gegenseitig an Stühle, mussten stundenlang so verharren und wurden mit Wasserschläuchen abgespritzt. [….] Statt einer professionellen Armee, die für junge Menschen eine interessante Karriere bietet, erhält die Bundeswehr durch die Vorgänge in der Staufer-Kaserne wieder das hässliche Image einer männergeprägten Chauvinisten-Truppe, in der Rituale wie Erniedrigung bis hin zu den sexuell-sadistischen Ausbildungsmethoden weiterhin Platz haben und von den Vorgesetzten nicht geahndet werden. [….]

Sexuelle Übergriffe bei Gebirgsjägern
 [….] Nach den Vorfällen in der Bundeswehr-Kaserne in Pfullendorf wird ein weiterer Fall bekannt, in dem Soldaten einem Kameraden gegenüber übergriffig geworden sind. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll ein Soldat bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall unter anderem durch Vorgesetzte sexuell belästigt und diskriminiert worden sein.
[….] Laut Ministerium handelte es sich dabei um eine Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall. "Dort sei er zwischen November 2015 und September 2016 durch Mannschaftssoldaten und einige Vorgesetzte (Ausbilder) seines Zuges mehrmals diskriminiert sowie verbal und tätlich sexuell belästigt und genötigt worden" [….] Laut Ministerium laufen derzeit Ermittlungen gegen 14 Beschuldigte, davon zwei Feldwebel, zwei weitere Unteroffiziere und zehn Mannschaftssoldaten. [….] Ein Sprecher des Ministeriums betonte auf Anfrage, es handele sich um einen von zahlreichen Einzelfällen aus der Vergangenheit. [….]

Ich möchte hier noch einmal klarstellen, daß ich moralisch keinerlei Einwände gegen analen Sex habe. Es ist völlig in Ordnung, wenn die Geistlichen im Vatikan es sich mit Freude gegenseitig besorgen.
Wenn es sich dabei aber um ein Demütigungsritual unter Zwang handelt, ist es kein Sex, sondern Gewalt.
Dafür gibt es erstens keinerlei Rechtfertigung, aber zweitens stellt sich die Frage wieso so viele Uniformierte darauf abfahren.

Die anale Frage wird in der Armee von der Leyens immer wieder von ihrer katastrophalen Unfähigkeit das militärische Gerät funktionsfähig zu halten überstrahlt.

Schiffe, die gleich untergehen, Gewehre, die um die Ecke schießen, Flugzeuge, die nicht fliegen und Marinehubschrauber, die kein Salzwasser vertragen sind natürlich lästig für die Soldaten, andererseits aber auch ein gefundenes Fressen für alle Satiriker.





Fünf Jahre Verteidigungsministerin von der Leyen sind also eine echte Erfolgsgeschichte.

Die Bundeswehr als Witz ist mir lieber als eine einsatzbereite Bundeswehr.

Allerdings nervt es natürlich schon, wenn sich die Unfähigkeit der Soldaten so äußert wie im Moment – seit zwei Wochen ziehen Rauchschwaden über Norddeutschland, weil die Bundeswehr mitten in der schlimmsten Trockenzeit seit hundert Jahren versehentlich ein Moor in Brand gesteckt hat.

[….] Seit zwei Wochen brennt die Erde: Auf einem Bundeswehr-Übungsplatz im niedersächsischen Meppen ist Anfang September ein Feuer ausgebrochen. Hubschrauber hatten damals Raketen abgefeuert und so den Boden in Brand gesteckt. [….]

[….] Ein Ende der Löscharbeiten ist noch nicht absehbar: Moorbrände sind ein Alptraum für Feuerwehrleute, da Torf ein äußerst gutes Brennmaterial abgibt. Außerdem können Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) das Bundeswehrgelände wegen möglicher Munitionsreste nicht überall betreten.
Deshalb wird versucht, das Moor zu fluten – 20.000 Liter Löschwasser pro Minute pumpen die Einsatzkräfte in die unterirdischen Brandherde. Sogar aus dem All sind die Rauchschwaden zu sehen, wie Satellitenaufnahmen aus 800 Kilometern Entfernung zeigen.
Laut Felix Grützmacher vom NABU könnten bereits bis zu 900.000 Tonnen CO2 freigesetzt worden sein. So viel verbrauchen 50.000 Bundesbürger zusammen in einem Jahr! Der Grund: Moore speichern doppelt so viel CO2 wie beispielsweise Wälder. […..]

Überraschung: Wenn man mit Raketen in einem Gelände mit trockenem Zunder rumballert, kann es anfangen zu brennen!
Wer hätte das gedacht?
Wie es dazu kommen konnte, daß man die entstehenden Brände im ausgetrockneten Moor nicht löschen konnte?
Nun ja, weil es eben Bundeswehr ist.
Man muss es ja dazu sagen, weil man heutzutage den Unterschied so schlecht erkennt; das ist keine Satire:

[….] Eigentlich hätte die Bundeswehr-Feuerwehr mit einer Löschraupe das Feuer nach dem Test gleich löschen sollen, doch die Löschraupe fiel aus und ein weiteres Fahrzeug war gerade in der Werkstatt. So konnte sich der Schwelbrand ausbreiten. [….]

Zum Glück ist die Bundeswehr erfahren in solchen Dingen. Schon einmal vor acht Jahren hatte sie einen Großbrand im Meppener Moor ausgelöst, den sie volle sechs Wochen nicht löschen konnte.
Daher weiß sie jetzt was zu tun ist:
Man ruft einfach die Bevölkerung in Niedersachsen, Bremen und Hamburg auf die Fenster zu schließen. Nach ein paar Wochen. Erst mal sagt man nichts. Bis alle schön durchgeräuchert sind. Und dann: Fenster schließen. Für ein paar Wochen. Hoffentlich regnet es bald.

[…..] Nach teils harscher Kritik an der Bundeswehr und ihrer Informationspolitik nach Ausbruch des Moorbrandes bei Meppen gelobt das Bundesverteidigungsministerium nun Besserung. Staatssekretär Gerd Hoofe räumte am Donnerstag "gewisse Probleme in der Kommunikation" ein und kündigte mehr Transparenz an. Ein täglicher Infoflyer über den Fortgang der Löscharbeiten und die Messwerte von möglichen Schadstoffbelastungen soll ab sofort veröffentlicht werden, sagte Hoofe. Zu den Kommunikationsproblemen sei es seiner Einschätzung nachgekommen, weil bei der Bundeswehr zunächst der Eindruck vorgeherrscht habe, dass der Brand auch ohne fremde Hilfe gelöscht werden könne. "Das stellte sich später als Trugschluss heraus", so Hoofe weiter. [….]


Mittwoch, 19. September 2018

Merkbehinderung

Andrea Nahles war sicher nie die Hellste, aber wie kann es sein, daß sie nach 25 Jahren als Spitzenfunktionärin immer noch nicht das geringste Gefühl dafür entwickelt hat wie ihr Handeln beim gemeinen Volk und der Parteibasis ankommt?

Einer ihrer ersten richtig großen Auftritte war der berühmte Mannheimer Parteitag von 1995, als die wie gedopt erscheinende Juso-Chefin Feuer und Flamme für ihren Pfälzer Landsmann Rudolf Scharping begleitet von einem WDR-Fernsehteam einmarschierte. Nun sei nur eins wichtig, den Rudolf wieder zum Parteichef zu wählen.
Ohne das geringste Gespür für das Rumoren der Basis setzte sie auf den falschen Mann, um dann freilich nach dem fulminanten Auftritts Lafontaines und des sich abzeichnenden Führungswechsels schnell umzufallen und für den Neuen zu werben.

1998 zog sie in den Bundestag ein, gründete den alten linken Frankfurter Kreis als Forum Demokratische Linke 21 neu und bemerkte als Vorsitzende gar nicht, daß sich mit der WASG eine neue politische Bewegung und dann Partei auf Kosten der SPD bildete.

2005 folgte ihr ganz großer Paukenschlag. Mitten in den außerordentlich schwierigen Koalitionsverhandlungen mit Merkel, als eine gedemütigte SPD das Bundeskanzleramt räumen musste und der arme Franz Müntefering alles zusammenhalten musste, als es ganz extrem auf Geschlossenheit und Stärke ankam, um sich in der Groko zu positionieren, beschloss Nahles der eigenen Partei in den Rücken zu fallen. Müntefering hatte als Parteivorsitzender Kajo Wasserhövel zum Generalsekretär nominiert und Nahles stach ihm ein Messer in den Rücken, indem sie selbst gegen Wasserhövel kandidierte. Wieder einmal völlig blind für die Konsequenzen ihres Handelns stürzte sie die Partei in eine schwere Krise als Müntefering nach der Kampfabstimmung entnervt ob des Vertrauensbruchs den Parteivorsitz hinwarf. Nachdem sie den ganzen Parteivorstand beschädigt hatte, war sie beleidigt und wollte weder Generalsekretärin, noch wie von Platzeck vorgeschlagen Partei-Vize werden, um den Scherbenhaufen wieder aufzuräumen.

2012 wurde die hochengagierte Unterstützerin der Kinderfickerorganisation RKK – Nahles ist Mitglied der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken – zur Totengräberin aller laizistischen und säkularen Genossen. Als Generalsekretärin verbot sie zwei angestrebte laizistische Arbeitskreise in der SPD, weil sie wieder einmal nur durch ihre eigene Brille sah und nicht das geringste Gefühl für die Konsequenzen hatte – nämlich, daß viele atheistische SPD-Mitglieder austraten.

[…..] In der Antwort der SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles auf diese Anfrage hieß es nun dazu: „Die Gründung eines solchen Arbeitskreises für konfessionsfreie und nichtreligiöse Menschen in der SPD ist (…) derzeit und bis auf weiteres nicht beabsichtigt. Hierzu gibt es im Parteivorstand der SPD keine Bestrebungen.“ Vier dünne Zeilen wischen damit den Glauben vom Tisch, dass die Führung der ehemaligen Arbeiterpartei sich für eine Gleichberechtigung dieses Teils der Mitgliederschaft erwärmen könnte. [….]

Jeder versteht: Nahles ist tiefgläubig, andere sind atheistisch. Aber daß sie als Generalin für alle Mitglieder spricht und daß ihre Entscheidungen Konsequenzen haben scheint sie gar nicht zu begreifen.

Ihre völlige Entkopplung von der Realität bewies Nahles dann im Bundestagswahlkampf 2013 als Generalsekretärin. Sie arbeitete nicht mit dem eigenen Kanzlerkandidaten zusammen, stahl den Werbespruch „Das Wir entscheidet“ einer ausbeuterischen Leiharbeiterfirma als Wahlkampfslogan und hatte nicht den geringsten Plan mit welchen Themen man in die Bundestagswahl gehen könnte. Nachdem sie wohlgemerkt schon vier Jahre für Programmatik zuständige Generalsekretärin war und 2009 versprochen hatte die Partei total zu erneuern.

Als neue Sozialministerin ab 2013 kappte sie alle Verbindungen zu linken Arbeitsgruppen, formulierte keinen einzigen kritischen Satz zu PEGIDA und begann unsolidarische ausländerfeindliche Politik umzusetzen.

[…] Sie hat, zumal als Arbeitsministerin, mitunter einen klaren Blick für die Wirklichkeit an den Tag gelegt - gemessen an dem Umstand, dass sie einst aus dem linken Juso-Verband kam, der sich gerne in Nischenthemen einrichtet. Es war ausgerechnet Nahles, die vor zwei Jahren dem Kabinett einen Gesetzentwurf vorlegte, der bestimmt, dass EU-Ausländer erst dann Sozialleistungen bekommen können, wenn sie fünf Jahre in Deutschland gearbeitet haben. Das Gesetz der damaligen Großen Koalition war eine Botschaft an EU-Neulinge wie Rumänien und Bulgarien, von wo eine Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme beobachtet wurde.
Nahles reagierte damals - unausgesprochen auch unter dem Eindruck des vorherigen Flüchtlingsandrangs - auf das Abschmelzen der Kernklientel der SPD, der klassischen Industriearbeiter. Diese Gruppe misstraut einem liberalen Migrationskurs, flüchtet sich in die Wahlabstinenz oder wendet sich gleich der rechtspopulistischen AfD zu. Der "rechte" Kurs der "linken" Nahles wurde damals von vielen nur am Rande wahrgenommen, zeigt aber, wie unideologisch sie agieren kann. [….]

Wieder einmal ahnte sie gar nicht was passieren könnte, daß sie nämlich Wasser auf die AfD-Mühlen kippt.  Das erlebte Merkel dann beim Einzug von Weidel, Gauland und Co in den Bundestag.

Als neue starke Frau der SPD, zunächst 2017 als Fraktionsvorsitzende verstand sie nicht wie es an der Basis ankäme trotz des ausdrücklichen Absage an eine Groko doch in die Groko zu gehen und auch Martin Schulz‘ nächster Totalumfaller, nämlich trotz gegenteiliger Behauptungen Bundesminister unter Merkel werden zu wollen.
Schulz werde Außenminister verkündete Nahles und fuhr gemütlich nach Hause in die Pfalz – wieder einmal völlig ohne Gespür dafür was für ein Shitstorm sich an der Parteibasis entwickelte.

(…..) Wie soll diese Frau eine gute Parteivorsitzende sein, wenn sie offensichtlich auch nicht das geringste Gespür für die Lage in der SPD hat?
Sie sah nichts kommen und fuhr gemütlich erst mal nach Hause, weil ihr völlig entging wie die Stimmung an der Basis und den Landesverbänden war.
Hätte sie nur einen Funken politisches Gespür, wäre sie in Berlin geblieben, säße im Willy-Brandt-Haus, um Brände zu löschen.

[…..] Das Chaos in der SPD erwischte Nahles am Freitag im heimischen Karneval. Aus der Eifel heraus versuchte sie erst mal Zeit zu schinden. Sie zollte Schulz "höchsten Respekt und Anerkennung", betonte aber auch: "Vor uns liegt nun der Mitgliederentscheid der SPD. Ich gehe davon aus, dass wir uns jetzt voll und ganz auf die inhaltliche Debatte konzentrieren."
Doch auch Nahles ist nicht so unschuldig, wie sie nun tut. Schließlich hatte sie sich mit Schulz vor wenigen Tagen auf die Personalrochade geeinigt, die ihn nun die Karriere kostete. Gemeinsam, so betonte es Nahles noch am Mittwochabend, habe man entschieden, dass er Außenminister werde und als Kompensation den Parteivorsitz an sie abgebe. Das helfe, "Skeptiker abzuholen" vor dem Mitgliederentscheid.
Wenn in der SPD also ohnehin schon alle wussten, dass das mit Schulz' Wunsch nach einem Ministeramt schiefgehen würde, warum hielt sie ihn nicht davon ab?  Und warum sagte Nahles dann öffentlich das Gegenteil? [….]

Nix-Merker Schulz soll nun also von Nix-Merkerin Nahles ersetzt werden? (….)

(….) Binnen einer Woche zeigt sich erneut wie erodiert das Vertrauen in die Parteispitze ist.
Vor sechs Tagen hatten Schulz, Nahles und die Stellvertreter so schön ausbaldovert, daß Schulz den Job als Partiechef gegen das Außenamt eintauscht und Gabriel abserviert wird.
Die fanatisch fromme Närrin Nahles war sich ihrer Sache so sicher, daß sie beruhigt nach Hause fuhr, beim Möhnenumzug in ihrem Heimatort Weiler in der Eifel zu feierte. Und sich zur Weiberfastnacht auch äußerlich zur Lächerlichkeit preisgab

Wie so oft in ihren 23 Jahren in der Parteispitze unterlag sie aber einer katastrophalen parteipolitischen Fehleinschätzung.
Die Basis nahm nämlich gewaltig übel:

·        Daß das Amt als Parteichef offensichtlich als minderwertig und dem schönen Außenministerjob nachranging eingeordnet wurde.
·        Daß wieder in einem Hinterzimmerdeal entschieden wurde.
·        Daß der beliebteste deutsche Minister gefeuert werden sollte.
·        Daß Schulz das gerade erst erfolgte 82% Vertrauensvotum des Parteitages in die Tonne trat.
·        Daß Schulz sein ausdrückliches Versprechen (erneut) brach.

Binnen Stunden brach ein Shitstorm der Basis über die Abgeordneten herein. Schulz mußte die Notbremse ziehen, weil selbst er, der Mann mit der längsten Leitung, begriff wie es um das Groko-Votum stand. (….)

Nahles wurde tatsächlich anschließend Parteichefin; aber nicht ohne sich selbst noch zweimal ein Bein zu stellen.
Zunächst wollte sie sich nämlich per Akklamation im Parteivorstand direkt inthronisieren lassen. Allerdings kannte sie nach 23 Jahren im Vorstand und als langjährige Generalsekretärin die Satzung gar nicht und vergaß, daß nur ein Vizevorsitzender kommissarisch Chef werden kann.

(….) In Rekordzeit meldeten mehrere Landesverbände (Berlin, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein) Nahles nicht unterstützen zu wollen.
Sofort fand sich eine Gegenkandidatin, mit der – wie zu erwarten – im Parteivorstand niemand gerechnet hatte.
Das Parteipräsidium entwickelt sich unter Schulz und Nahles zum Dresden der SPD, dem Tal der Ahnungslosen.

[….] In der SPD regt sich Widerstand gegen einen schnellen Wechsel an der Parteispitze - ohne Beteiligung der Basis. Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange hat in einem Brief ihre Kandidatur für den Bundesvorsitz der Sozialdemokraten angekündigt. [….]  [….]

Was für ein kapitaler Fehlstart der Partei nach dem Schulz-Aus.
Ein erneuter Hinterzimmerdeal, den die Vorständler gestern noch ganz selbstverständlich planten, ist erst mal vom Tisch.
Scholz muss einspringen. (….)

Simone Lange, die Flensburger Bürgermeisterin und Gegenkandidatin für den Parteivorsitz nahm Nahles gar nicht ernst, verweigerte sich einer Podiumsdiskussion mit der Norddeutschen Polizistin.
Damit schätzte sie wieder die Parteibasis völlig falsch ein; kam gar nicht auf den Gedanken, daß man ihr das als Arroganz auslegen könne.

Beim Parteitag selbst, am 22.April 2018 war sich Nahles ihrer Wahl so sicher, daß sie verbreiten ließ, alles über 75% sei wirklich ein ordentliches Ergebnis.
Sie erhielt dann 66% und war wieder einmal völlig überrascht von ihrer Außenwirkung.

Und so debakulierte sich die SPD-Chefin die nächsten vier Monate durch bis die Affäre Maaßen kam. Der sollte weg und das sei auch gelungen, lobt sich Nahles heute in einem direkten Brief an alle Mitglieder selbst.

[…..] Liebe Genossinnen und Genossen,
seit gestern Abend ist klar: Der Verfassungsschutzpräsident muss gehen. Das hat die ganze SPD gemeinsam gefordert, weil er das Vertrauen in eine seriöse und faktenbasierte Arbeit verspielt hat und zum Stichwortgeber für Verschwörungstheoretiker geworden ist. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz muss das Vertrauen der gesamten Bundesregierung genießen. Deswegen war die Ablösung von Herrn Maaßen für uns zwingend, er wird auch in Zukunft nicht für den Verfassungsschutz zuständig sein. Gestern Abend haben wir das durchgesetzt. [….]
(Andrea Nahles, 19.09.18)

Offenbar glaubt diese völlig der Realität entkoppelte Frau, sie könne damit darüber hinweg täuschen, daß Maaßen nicht nur um zwei Besoldungsstufen zum Staatssekretär befördert wurde, sondern daß für den AfD-affinen Mann auch noch SPD-Staatssekretär Gunther Adler, der einzige Bau-Experte im BMI in den vorzeitigen Ruhestand geschickt wurde.

[….] Horst Seehofer opfert einen SPD-Mann für seinen Schützling [….]

Das ist ja ein parteipolitischer Sieg für sie Sozis!!!

Wie schon seit 20 Jahren kapiert Nahles einfach nicht wie ihre Handlungen ankommen beim „gemeinen Volk“.

[…..] Dass aus dem Nicht-Degradieren eine Beförderung geworden ist, ist ein Fall fürs Kabarett und Indiz für die Machtverhältnisse. Seehofer und Maaßen sind demnach gemeinsam mächtiger als Merkel und die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Bestenfalls ist es ein Patt. Am bittersten ist die gefundene Lösung für die Sozialdemokraten. Sie haben erreicht, was sie wollten, Maaßens Ablösung. Sie haben in gewisser Weise jedoch ebenso das glatte Gegenteil erreicht. […..]

Ich kann diese billigen Punkte nicht leiden, wenn in TV-Hearings vor großen Wahlen jemand, der Präsident oder Kanzler ist, nach dem Preis für ein Pfund Butter oder einem Liter Milch gefragt wird.
Weiß der Befragte das nicht, oder rät sehr falsch, ist er triumphal der Entkopplung von den einfachen Menschen überführt.
Nach einigen peinlichen Outings lernen politische Spitzenkandidaten inzwischen auswendig was sechs Eier oder ein Pfund Zucker kosten, um sich bei einer entsprechenden Frage als Mann/Frau des Volkes präsentieren zu können.
Das sind aber Albernheiten. Natürlich kann eine global involvierte Person, die täglich sechzehn mit Terminen vollgestopfte Stunden arbeitet nicht selbst auch noch zu Tante Emma zum Milchholen geschickt werden.
Ich will auch gar nicht, daß ein hochbezahlter Minister seine Zeit mit Foto-Terminen bei EDEKA verplempert. Frau Merkel muss nicht wissen wie viel fünf Brötchen bei „Dat Backhus“ kosten.
Bei grundsätzlichen ethischen Entscheidungen, wie zum Beispiel der Strafbeförderung eines außer Kontrolle geratenen AfD-Beraters im Amt des Verfassungsschutzpräsidenten, sollte Frau Nahles aber ein Gespür dafür haben, daß so etwas sehr hohe Wellen schlägt.

Das ist in der Tat groteske Abgehobenheit der politischen Klasse, wenn man glaubt die Opferung eines Parteigenossen, um dafür Maaßen irgendwie hochzuloben, wäre ein politischer Erfolg.

[…..]  Psycho-Drama auf offener Bühne  […..] Was ist das Beste, was einem Berufsbeamten passieren kann? Dass die SPD seine Entlassung fordert, denn dann winkt eine Beförderung. Und die Sozialdemokraten sind’s zufrieden. Es gibt Dinge, die kann man sich gar nicht ausdenken, so absurd sind sie.
[…..] Es hat gute Gründe für Kritik an dem bisherigen Verfassungschef Hans-Georg Maaßen gegeben und gute Gründe dafür, seine Entlassung zu fordern. Er hat sich in die Tagespolitik eingemischt und damit seine Pflichten als beamteter Leiter einer Behörde verletzt. Und nun wird er also befördert, zum Staatssekretär im Innenministerium. Über das sinkende Ansehen der Regierungsparteien, insbesondere der SPD, muss sich niemand wundern.
Ein Bruch der Großen Koalition hätte Neuwahlen bedeutet, und angesichts der guten Umfragewerte für die rechtsradikale AfD sollten die sich derzeit Demokraten nicht wünschen. Aber eine Fortsetzung des Psycho-Dramas auf offener Bühne wird die Popularität der Akteure nicht steigern, und es bedarf ja leider keiner seherischen Gaben, um vorherzusagen, dass die nächste Krise höchstens eine Frage von Wochen ist. […..]

Ich missgönne Maaßen nicht seine monatlich 2.500,- Euro Gehaltsplus. Das sind Penauts. Vielleicht kann er sich jetzt endlich mal eine vernünftige Brille leisten.
Viel problematischer ist der offensichtlich völlige Verlust des Urteilsvermögens aller drei Spitzenkoalitionäre.
Wie oft haben wir schon gehört, die Politik wäre gar nicht so schlecht, es gelänge nur nicht die SPD-Erfolge dem tumben Volk zu vermitteln.
Das stimmt sogar. Und mit Nahles als Chefin des WBH wurde die parteipolitische Vermittlungstätigkeit gänzlich aufgegeben.

[…..] Warum Hans-Georg Maaßen im Zentrum der Macht bleiben darf, wo jeder normale Angestellte entlassen oder in die Provinz versetzt würde? Nicht vermittelbar. Warum sich Horst Seehofer dauerhaft wie Rumpelstilzchen aufführen darf und trotzdem immer bekommt, was er will? Nicht vermittelbar. Warum die Automobilbranche den Verbraucher nach Strich und Faden betrügt, aber von der Regierung beschützt und gepäppelt wird? Nicht vermittelbar. Wie Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) das Volk zu Aktionstagen für den Wald einladen kann, während gleichzeitig der jahrtausendealte Hambacher Forst dem überkommenden Braunkohleabbau geopfert werden soll? Nicht vermittelbar. Wie die SPD es schafft, sich einzureden, als Teil dieser Regierung eine Politik machen zu können, die von den Leuten dankbar als sozialdemokratisch wahrgenommen wird? Jenseits jeder Fassbarkeit. [….]

Das Verrückte ist, daß Andrea Nahles immer noch Recht hat mit ihrer Analyse, daß es dem Land besser geht mit einer Groko und sechs fähigen SPD-Ministern als in jeder anderen Konstellation.
Jamaika ist geschietert, bei Neuwählen gäbe es sicher einen weiteren Rechtsrutsch und noch geringeren Einfluss der Sozis und in einer Minderheitenregierung hätten wir noch sechs Kanaillen-Minister à la Spahn und Seehofer mehr, die auch noch besonders rechtsradikal agieren müssten, weil sie dann auf das heimliche Wohlwollen der fast einhundert rechten Gauland-Epigonen angewiesen wäre.

[…..] Europa steht vor einer Zerreißprobe, es droht ein Handelskrieg mit den USA, die Situation um Syrien erfordert unser ganzes diplomatisches Geschick. Deswegen ist für die SPD wichtig, dass wir eine handlungsfähige Bundesregierung behalten.
[…..] Wir haben die Parität in der Krankenversicherung wieder eingeführt, wir haben das Rückkehrrecht in Vollzeit durchgesetzt, die Rente stabilisiert. Heute sind das Gute-Kita-Gesetz und die Qualifizierungsoffensive im Kabinett, am Freitag setzen wir uns auf dem Wohnungsgipfel für den Mietpreisstopp ein, wir wollen die Grundrente einführen und die sachgrundlose Befristung abschaffen.. [….]
(Andrea Nahles, 19.09.18)

Stimmt ja, Frau Nahles. Stimmt.
Aber umso wichtiger ist es, diese Erfolge nicht mit völlig planloser Koalitionsführung zu konterkarieren. Heute redet jeder auf der Straße über Maaßens Beförderung das gibt keine Pluspunkte für Nahles.
Sie hätte das vorher wissen können und abgestimmt mit den SPD-Ländern und MPs unter voller Rückendeckung in den Maaßengipfel gehen sollen. Stattdessen stolpert sie wie eine Anfängerin allein in das Meeting, lässt sich vorführen, kommt gar nicht auf die Idee, die Beförderung könne irgendwie schlecht ankommen bei der Basis und stellt gar nicht erst die Frage, wer eigentlich als Staatssekretär gefeuert wird, wenn Maaßen übernimmt.

Und so macht Nahles lieber Werbung für Polit- und Parteiverdrossenheit, bringt AfD und Pegida dazu sich ins Fäustchen zu lachen.

[….] SPD und CSU verhalten sich in beängstigender Weise unprofessionell
Der Einzige, der wegen der Maaßen-Affäre künftig ohne Job dasteht, ist der letzte SPD-Staatssekretär im Innenministerium. Der Mann ist übrigens ein über alle Parteigrenzen hinweg geschätzter Experte für den Wohnungsbau, er steht also für das Thema, das die SPD zur sozialen Frage unserer Zeit erklärt hat. An diesem Freitag will die Bundesregierung mit einem Wohnungsgipfel reüssieren - aber ihren wichtigsten Experten wirft sie raus. Wer soll das alles noch verstehen?
Die Koalition ist durch den Kompromiss zwar gerettet, aber nur bis zur nächsten Krise. Und auf die wird man nicht lange warten müssen. In der SPD wächst der Unmut über Andrea Nahles stündlich. [….]

Es gibt leider immer noch keine Alternative zur Groko, aber Nahles macht es den Befürwortern jeden Tag schwerer
Ein Jahr nach der Bundestagswahl steht die SPD unter Nahles noch mal deutlich schlechter da und das ist durchaus eine Leistung der Parteiführung angesichts einer soliden bis teilweise sehr guten Performance der SPD-Minister.
Nahles ist selbst zum größten Mühlstein am Hals der SPD geworden. Statt der Partei in dunklen tiefen Gewässern Auftrieb zu geben, hängt sie wie eine Tonne Blei an den Füßen der armen alten Tante.

Die Groko ist das kleinste Übel. Aber Groko muss ja nicht bedeuten, daß die SPD-Vorsitzende sich wie eine merkbefreite Debile aufführt, so dass man sich nach jedem Koalitionsausschusstreffen für sie schämen muss.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich ein SPD-vorsitzender Maas oder Scholz auch so verschaukeln lassen würde.
Ich trauere  Schröder nach.
Der hätte sich schon gar nicht so verarschen lassen und wäre auch nicht vor der Presse geflohen.