Freitag, 22. Juni 2018

Allgemeine Lebenskunde

Niemand kann mir vorwerfen Sympathien für Katrin Göring-Eckardt zu hegen. Bei jeder Gelegenheit kritisiere, diffamiere und disqualifiziere ich die 52-Jährige Thüringer Theologin, die im 7.000-Einwohner-Nest Friedrichroda geboren wurde und die Grüne Partei in den letzten 20 Jahren von einer aufregenden neuen ökologischen kraft, zu einem Merkel-affinen EKD-Appendix schrumpfte.
Die CDU/CSU könnte längst abgewählt sein, wenn die Grünen als innovative und mutige Kraft in den letzten zehn Jahren alle Unzufriedenen absorbiert hätte.

Ein gewisser Kay Hönicke aus Berlin drosch am 19.06.2018 via Facebook auf die Grünen-Chefin ein. Er postete ein Meme von einem Göring-Eckardt-Zitat, in dem sie quasi sexuelle Übergriffe von Migranten rechtfertigt.

 Fast überflüssig zu erwähnen: Es handelt sich um FAKE-NEWS, Göring-Kirchentag hat das nie gesagt.
Die Frau ist zwar fromm und eigenartig, aber nicht Trump.
Dieses diffamierende Zitat ist außerdem nicht neu, sondern geisterte schon vor einem Jahr durchs Internet.
Jeder Mensch mit mehr als drei Hirnzellen würde ohnehin mindestens bezweifeln, ob Göring-Eckardt wirklich diesen Satz gesagt hat und zehn Sekunden Zeit bei Google investieren, um eine Quelle zu ermitteln.
Man könnte auch den Namen KAY HÖNICKE bei Google eingeben und erfahren, daß der Typ ein rechtsradikaler „Sänger“ und notorischer Verschwörungstheoretiker ist, der locker beim Niveau des Urinduscher und Trumps mithält.

Jede geistige Anstrengung, die die Fähigkeiten eines Gibbons übersteigt und länger als die Zeit eines Furzes beansprucht, ist den AfD/CSU/Trump/DavidBerger/NPD/Reichsbürger-Anhängern allerdings kaum möglich und so haben binnen 48 Stunden schon Tausende Hönickes Grünen-Suada geteilt und voller Abscheu kommentiert.
Es finden sich unter den Kommentaren durchaus einige, die klar darlegen, daß es sich um eine Fälschung handelt, aber so weit ist es eben im Trump-Zeitalter schon gekommen. Fakten spielen keine Rolle mehr. Wer Göring-Kirchentag wegen einer miesen Bemerkung hassen will, der lässt sich nicht von der schnöden Tatsache abhalten, daß sie eben diese Bemerkung nie getan hat.
Alternative Facts. Es reicht ja, der Grünen zuzutrauen, das gesagt zu haben. Wen schert da noch die schnöde Realität?

Und so ergießen sich allein wegen eines Bildes Tausenden islamo- und xenophobe Hasskommentare ins Netz.
 
Auf meiner Timeline landete das Bild, weil es von einem atheistischen baden-württembergischen Polizisten weiterverbreitet wurde, den ich aus meiner Beschäftigung mit der Kirche kenne. 










Drama Internet. Da hat die Majorität der Menschen erstmals überhaupt freien Informationszugang, könnte mit wenigen Klicks schlauer und schlauer werden, aber sie wollen es gar nicht und rollen lieber wie Facebook-Skarabäen ihre Mistkugeln durch die die braunen info-Scheißebahnen der hasserfülltesten Trolle.
Stets empörungsbereit vomitieren die geistig Schlichten durch unsere virtuellen Meinungsbildungswelten und talibanisieren damit die Demokratie.
Wer nicht versteht, wieso die Menschen Trump, Giuseppe Conte, Matteo Salvini, Brexit und Seehofer wählen, der gucke sich die Mechanismen des Hass-Säens à la Hönicke an.

Bei uns Erwachsenen ist wohl Hopfen und Malz verloren, aber es braucht offensichtlich in den Schulen dringend ein zusätzliches Fach.
Ich nenne das mal "Allgemeine Lebenskunde":

Da müsste vermittelt werden wie man mit den alltäglichen Dingen des Lebens umgeht. Klugtelefone, Reality-TV, Big Data, Gesundheit.
Wem man was glauben kann, wer welche Interessen im Internet verfolgt, wie Gruppendruck entsteht, welche Möglichkeiten es gibt den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, was der Unterschied zwischen googeln und echter Recherche ist, wie Abhängigkeiten entstehen, welche Geschäftsmodelle die sozialen Netze darstellen, welche unterschiedlichen ökonomischen und ökologischen Auswirkungen es hat, wenn man bei Amazon bestellt, oder im Laden nebenan kauft, was der Unterschied von "Dr. Google" und einem richtigen Arzt ist, wie man einen Handyvertrag abschließt, welche Konsequenzen das eigene Konsumverhalten hat, wieso man auf Quellen achten muss, mit welchen Methoden man verlockt wird Persönliches und Daten preiszugeben, wie Meinungen manipuliert werden, was es für Musiker, Journalisten und Künstler bedeutet, wenn jeder ihren geistigen Output völlig umsonst bekommen möchte, wie man sich gegen Phishing und Viren schützt, was Gatekeeping ist, wie man sich objektiv informiert, welche Filterblasen es gibt, wie Algorithmen einen manipulieren und dirigieren, wie man Fakten überprüft etc pp.

Da könnte man auch gleich noch ein paar grundlegende Dinge beibringen zu Ernährung, Bewegung, wie orientiere ich mich ohne Klugtelefon in der Stadt, was bedeutet Nachhaltigkeit, wie lebe ich ohne Junkfood, wie kann ich eine gesunde und günstige Mahlzeit bereiten, weshalb ist Plastik gefährlich, wie beeinflusse ich die Erderwärmung.

Naja, zum Glück habe ich keine Nachkommen und den größten Teil meines Lebens hinter mir.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Es rächt sich

Wie sich das Koordinatensystem nach rechts verschiebt!
Es ist ja keine kleine Leistung George W. Bush nun schon halbwegs erträglich zu finden.
Dabei war der Mann politisch inkompetent und ruchlos.
Er unterschrieb in den fünf Jahren als texanischer Gouverneur 152 Todesurteile; natürlich hauptschlich gegen Schwarze.
Er überzog das Land und die UN mit hunderten Lügen, um einen illegalen und einen halblegalen Angriffskrieg zu beginnen, die zu mindestens 500.000 Todesopfern und zwei zerstörten, von Terror überzogenen Ländern führten.
Ganz nebenbei riss er noch die Weltwirtschaft in den Abgrund, stapelte Rekordschulden auf und trieb die Arbeitslosigkeit in die Höhe.
Völlig ungebildet war er auch; das konnte man an seinen ständigen Versprechern und dem offensichtlichen Unverständnis für die Worte, die er vom Teleprompter ablesen sollte, erkennen.

Aber im Jahr 2018 wirkt das alles a posteriori noch wie Gold.
GWB war immerhin kein Rassist, war in der Lage gelegentlich Alliierte nicht zu beleidigen, er verfügte über Selbstironie und war nach allem was man weiß, auch persönlich nicht annähernd so ein Arschloch wie Trump. Es ist nicht bekannt, daß GWB mit sadistischer Freude die Menschen seiner Umgebung quälte, das demokratische System umstürzen wollte oder geradezu manisch danach trachtete sich die Taschen vollzustopfen.

Verklären sollte man die schlimmen Jahre 2001 bis 2009 aber auch nicht.
Sie haben fast die ganze internationale Reputation Amerikas aufgebraucht, die Initialzündung für den islamistischen Terror gegeben, die einmalige Chance auf Versöhnung mit dem Iran ausgeschlagen, den Hass hunderter Millionen Muslime auf die USA genährt, den Umweltschutz blockiert und schließlich auch mit der absurden Trickle-Down-Wirtschaftspolitik große Teile des White-Trash-Amerikas zu Teebeutlern gemacht, die letztendlich Trump an die Macht brachten.

Ja, klar, Obama war in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit viel zu schwach und zu vorsichtig, traute sich nicht seine Parlamentsmehrheit zu nutzen, weil er erst mal als Schwarzer in den USA anerkannt werden wollte und versuchte das außenpolitische Desaster seines Vorgängers aufzuräumen.
Letzteres hat einigermaßen funktioniert; Obama wird in vielen Ländern sehr gemocht. Ersteres hat dafür nicht nur nicht funktioniert – Trumpmerica hasst ihn immer noch wie die Pest – sondern ihn auch noch alle Sympathien der Linken gekostet.
Die völlig am Boden liegende US-Wirtschaft und den dramatischen monatlichen Jobverlust konnte Obama wieder in Gang bringen, aber zu spät und zu wenig.
Da hatten sich weite Teile der amerikanischen Gesellschaft schon so der Realität entkoppelt, daß sie im Wahljahr 2016 nicht mehr argumentativ zu erreichen war.

Auch Obama habe ich von Anfang an für seine Zögerlichkeit kritisiert und die militaristische Außenpolitik beklagt. Aber wenn schon GWB angesichts des nun täglichen Grauens irgendwie „ganz nett“ wirkt, ist Obama geradezu eine Lichtgestalt. Gutaussehend, intelligent, belesen, diplomatisch, aufgeschlossen für gesellschaftliche Liberalisierungen in jeder Hinsicht.
Er ist nicht zufällig das diametrale Gegenteil Trumps, sondern Trump ist aufgrund seines obsessiven Hasses auf den dunkelhäutigen Vorgänger immer darauf bedacht möglichst radikal und dramatisch alles abzulehnen/zu zerstören/zu unterminieren, das auch nur entfernt an Obama erinnern könnte.


Trumps einzige echte Fähigkeit ist das „doubling down“. Das immerhin, kann er richtig gut. Wann immer man denkt, nun könne er nun wirklich nicht mehr tiefer sinken, unterschreitet er sein eigenes Niveau noch einmal mühelos.

[…..] “Trump’s only political skill is his total and complete lack of shame. His malignant narcissism allows him to confidently and brazenly lie in a way that most other politicians would be too embarrassed to even try.” […..]


Wenn man die radikal demokratiefeindliche, nationalistische, antihumanistische Politik der CSU beobachtet, die voller Stolz eine Achse mit den Rechtsradikalen in Budapest, Wien und Rom bildet, entwickelt man Sympathien für Angela Merkel, die von der Bajuwarischen Bande gehasst wird wie die Pest.
Wer so sehr von Söder und Seehofer verachtet wird, kann ja nicht ganz verkehrt liegen.

[….] Die CSU schrumpelt zum Merkel-weg-Projekt
[….] Wäre das Getöse ein Garant für den Wahlerfolg - die CSU stünde nicht nur vor der absoluten, sondern vor der Zweidrittelmehrheit. Seehofer, Söder und Dobrindt dominieren die öffentliche Debatte. Die drei mögen einander nicht besonders, aber noch weniger mögen sie die Kanzlerin. Das ist der kleine gemeinsame christsoziale Nenner. Auf dieser Basis fällt jedem der drei jeden Tag etwas Neues ein, um die Kanzlerin zu sekkieren. Das kann man für großes Theater halten; es ist aber kleine Politik. Zum Theater gehört auch das Treffen des bayerischen mit dem österreichischen Kabinett in Linz, das staatspolitische Bedeutung suggeriert, aber keine hat.
Wer die bisherigen Darbietungen betrachtet, kann aber auch an der Bewertung zweifeln, dass es sich immerhin um großes Theater handle. Es fehlt nämlich der Publikumserfolg. Nach den Umfragen schadet der Großstreit um die Flüchtlingspolitik sowohl der CSU und Seehofer als auch der CDU und Angela Merkel. Das Ansehen von beiden hat gelitten, die Umfragewerte sinken. Die Werte für die AfD aber, deretwegen das Theater aufgeführt wird, sind so stabil wie eh und je. Die CSU besorgt das AfD-Geschäft. [….] Es ist ein Profi-Fehler der CSU, sich von der "Merkel muss weg"-Agitation von rechts außen infizieren zu lassen. Die CSU verschreckt damit ihr bürgerlich-liberalkonservatives Milieu, das für sie lebensnotwendig ist. Die CSU hat bei der Bundestagswahl Wähler nicht nur an die AfD, sie hat auch ganz massiv an die FDP verloren. Um die einen kümmert sie sich lautstark; für die anderen hat sie nichts übrig. Es ist töricht, wenn sich die CSU zu einer stramm rechtskonservativen, nationalfixierten Partei schrumpelt. Eine große Volkspartei bleibt man so nicht.
Die Schrumpelei ist das Projekt von Alexander Dobrindt, der von der konservativen Revolution schwadroniert und sich dabei an Armin Mohler orientiert, der eine Zeit lang für Strauß gearbeitet hat, aber dann bei den Republikanern landete, den Vorläufern der AfD, und für diese das Programm schrieb. [….]

Immerhin versucht sich Angela Merkel nun an einer Europäischen Lösung, setzt sich dafür ein, daß die EU nicht zerbricht und weigert sich (bisher) einfach alle Probleme mit der Migration kleineren und schwächeren und ärmeren Ländern in die Schuhe zu schieben.

Das ist nett von ihr und darin möchte ich sie auch unterstützen.

Aber es sei auch noch mal daran erinnert, daß Merkel ja tatsächlich viele dieser Probleme erst verursacht hat.
Damit meine ich nicht die von CSU und AfD täglich aufgetischte Lüge von der „2015ner Grenzöffnung.“
Merkel hat gar nichts geöffnet. Die Grenzen permanent offen zu halten, wurde im ersten Schengener Abkommen von 1985 von einer CDU/CSU/FDP-Regierung vereinbart, als Angela Merkel noch hinterm Eisernen Vorhang hockte.
Das ist ja gerade der große und bedeutende Fortschritt Europas, daß man zwischen

    Belgien
    Dänemark
    Deutschland
    Estland
    Finnland
    Frankreich
    Griechenland
    Island
    Italien
    Lettland
    Liechtenstein
    Litauen
    Luxemburg
    Malta
    Niederlande
    Norwegen
    Österreich
    Polen
    Portugal
    Schweden
    Schweiz
    Slowakei
    Slowenien
    Spanien
    Tschechien und
    Ungarn

freizügig reisen und sich niederlassen kann.
Island, Norwegen, die Schweiz, die Azoren, Madeira und die Kanarischen Inseln gehören dazu, nicht aber die EU-Länder Irland, das Vereinigte Königreich, Rumänien, Bulgarien, Kroatien und Zypern.
Schengen ist nichts, das vom „bösen Brüssel“ Deutschland aufoktroyiert wurde.

Also noch mal zum Mitschreiben, liebe geistig Benachteiligte von AfD und CSU:
Weder hast Frau Merkel 2015 Grenzen für Flüchtlinge geöffnet, noch ist sie für die Reisefreiheit zwischen den meisten europäischen Staaten verantwortlich.

Ähnlich wie Obamas katastrophale Indolenz in seiner ersten Amtszeit. Rächt sich aber auch Merkels 12-jährige europapolitische Untätigkeit.

Sie ist aber durchaus eine kräftige Verstärkerin der Fluchtursachen, unterließ es über Jahre fahrlässig sich gegen rechtspopulistische Strömungen in Europa zu stemmen, ließ eine Dekade lang EU-Gipfel ungenutzt verstreichen, statt sich um eine gemeinsame Flüchtlingspolitik zu kümmern und insbesondere vergiftete sie nachhaltig das Klima mit ihrer brutalen Austeritätspolitik, die Deutschland die Kassen füllte und die südlichen EU-Staaten ausbluten ließ.

[….] Deutschland macht 2,9 Milliarden Euro Gewinn mit Griechenland-Hilfe
Deutschland gilt als Zahlmeister Europas. An der Rettung Griechenlands hat die Bundesrepublik allerdings ganz gut verdient. [….]

Merkel log öffentlich, die Griechen hätten mehr Urlaub und arbeiteten weniger als Deutsche und verschwieg wie extrem der deutsche Staat und deutsche Banken von der „Rettungspolitik“ profitierten, während im Süden jeder zweite Jugendliche arbeitslos wurde durch das Spardiktat.

Daß auch Merkels Finanzminister Schäuble massiv die Öffentlichkeit über die Griechen-Finanzen belog, entspricht seiner Natur. Der Mann, den sich CSU und Presse als Merkel-Nachfolger wünschen, ist notorischer Lügner.

Merkel ist nicht schuldlos an unserer Misere.
Ihr jahrelanges politisches Versagen rächt sich jetzt.
Auch wenn sie nun in größter Not doch zu Macron kriecht, zeigt sie im transatlantischen Verhältnis weiterhin ihre völlige Rückgratlosigkeit.
Ungeeignet als Kanzlerin ,die Schaden vom deutschen Volk abwenden soll.

[….] Von Donald Trump ist man wahrlich einiges gewohnt. Doch was sich der US-Präsident derzeit leistet, ist beispiellos in der Nachkriegsgeschichte. Er mischt sich dreist und direkt in die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik Deutschland ein. Mit dümmlichen Lügen, die sich lesen, als kämen sie direkt von Pegida oder anderen Dumpfbacken. [….]
Und was sagt die Bundeskanzlerin dazu? Mehr oder weniger gar nichts. Sie verwies lediglich lahm auf die Kriminalitätsstatistik. Die spreche für sich. Nein, das tut sie eben nicht. Angela Merkel hätte sprechen müssen, laut und deutlich. Warum verbittet sich die Kanzlerin nicht die Unverschämtheit eines anderen Regierungschefs, schadenfroh über ihren Sturz zu spekulieren? Warum sagt sie nicht geradeheraus, dass Trumps Tweets zu dem Thema allesamt Lügen und Erfindungen sind? Und warum lässt sie nicht den US-Botschafter Richard Grenell einbestellen? […..]

 [….] Trump handelt offen. Der amerikanische Präsident betreibt seine immerwährende Desinformationskampagne nun auch höchstpersönlich gegen die Bundesrepublik Deutschland. Er benutzt sie, um seine moralisch verkommene Flüchtlingspolitik vor der US-Bevölkerung zu rechtfertigen. [….] Die hiesige Koalitionskrise im Streit um die Flüchtlingspolitik nahm der US-Präsident zum Anlass einer beispiellosen Einmischung. Das deutsche Volk wende sich von seiner Führung ab, twitterte Trump geradezu schadenfroh, die Kriminalität sei stark angestiegen, log er. In ganz Europa habe man den großen Fehler begangen, Millionen Menschen hereinzulassen, die die dortige Kultur auf gewaltsame Weise stark verändert hätten.
Abgesehen davon, dass auch das gelogen ist, schreibt es ausgerechnet ein Mann, der wie aktuell kein zweites menschliches Wesen verantwortlich ist für den brachialen Versuch, all das einzureißen, was mühsam seit dem Zweiten Weltkrieg an politischer Kultur des Miteinanders zwischen den Völkern aufgebaut wurde.
In einer zweiten Einlassung wiederholte Trump seine Lüge von der angestiegenen Kriminalität in Deutschland und setzte eine weitere Behauptung drauf: Beamte würden diese Verbrechen nicht melden wollen. Trumps Tweets lesen sich wie direkt aus einer untergangsbesoffenen Pegida-Rede abgeschrieben.
[….]  Angela Merkel hat angesichts dieser Bedrohung viel zu verhalten reagiert. [….] Nein, dieser US-Präsident war nie ein Partner, er ist ein erbitterter Gegner. Wir sollten endlich anfangen, ihn dementsprechend zu behandeln. Eine Einbestellung des US-Botschafters und formaler Protest können da nur erste Schritte sein. [….]  Wir wussten schon lange, dass wir uns auf die USA unter Donald Trump nicht mehr verlassen können. Spätestens jetzt ist klar: Wir müssen uns vor ihm schützen. […..]

Mittwoch, 20. Juni 2018

Cry, cry, baby

Machen wir uns nichts vor – die weinenden Babys an sich waren und sind Trump und den Republikanern herzlich egal, solange man sie als Faustpfand nutzen konnte, um sich bei der rechtsradikalen Teebeutelbasis beliebt zu machen und auch noch die Demokraten unter Druck setzen konnte, um die finanziellen Mittel für Trumps zweckfreie Mauer freizumachen, die doch eigentlich Mexiko bezahlen sollte.


Juni 2018

So wie Söder das Schicksal von Kindern in existentieller Not völlig egal ist, wenn er daraus einen wahltaktischen Vorteil gewinnen kann, ist es auch den Christen, den Lebensschützern, den „pro-live-activists“ in Wahrheit ganz Recht, wenn die kleinen Blagen leiden und krepieren.
Die sind schließlich dunkelhäutig und sollten in den Augen der Whitesupremacists-AfD-CSU-GOP-Teaparty-Grenell-Spahn-Gruppe ohnehin dezimiert werden.
Trump, sein rechtsradikal-rassistischer Chefideologe Steven Miller, seine Ministerin Nielsen, seine Sprecherin Sanders, Anne Coulter, die von „Child-actors“ sprach, Laura Ingraham, die Kinderkäfige in Immigranten-KZs als „Summercamps“ verniedliche und all seine ekelhaften Freunde bei FOX, sind allesamt derartig perfider, sadistischer moralischer Abschaum, daß sie Toddler-Folter enthusiastisch verteidigten.

Etwas anders wurde es als finanzielle Einbußen drohten. Demokratische Aktivisten wiesen auf die Firmen hin, die weiterhin Ingrahams Show finanzieren. Andere setzten Trumps Großspender unter Druck und stellten sie als Enabler bloß.


Das ist der einzige Soft Spot des Donald Trump.
Wenn es um seine Millionen und Milliarden geht, wird er sehr empfindlich und flexibel.

Tagelang hatten Republikaner und Trump in jede Kamera gelogen, ihnen bleibe gar nichts anderes übrig, als diese Kinder-Separierung durchzuführen, das wäre Gesetz und im Übrigen ausschließlich Schuld der Demokraten.


Juni 2018

Heute nun die 180°-Kehrtwende, mit der Trump mal wieder alle seine Unterstützer unter den Bus wirft: Nun änderte er doch diese weltweit kritisierte Politik mit einem Federstrich – also das was bis eben angeblich gar nicht ging.

Verliererin des Tages ist Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen, die schon zuvor von Trump gedemütigt wurde, ihn erneut vehement verteidigte, nur um wieder von ihm im Stich gelassen zu werden.

[…..] Am Montag stand Kirstjen Nielsen im Presseraum des Weißen Hauses. […..] "Wir werden uns nicht dafür entschuldigen, dass wir unsere Arbeit machen", sagte Nielsen.
Ob es tatsächlich zur Arbeit der Grenzschutzbehörden gehört, Eltern die Kinder wegzunehmen, ist derzeit Gegenstand einer empörten Debatte in den USA. Die Regierung behauptet, die Rechtslage lasse ihr keine Wahl: […..] Beschlossen wurde diese harte Linie im Weißen Haus unter Federführung von Stephen Miller, einem Hardliner, der Trump in der Immigrationspolitik berät. Im April verkündete Justizminister Jeff Sessions diese neue "Null Toleranz"-Politik. Umsetzen muss sie nun Nielsen.
Die Ministerin steht dabei unter besonderer Beobachtung des Weißen Hauses. Trump misstraut Nielsen, die früher in der Regierung von George W. Bush gearbeitet hat. Als im Frühjahr die Zahl der Einwanderer an der Südgrenze stark stieg, beschimpfte der Präsident die Ministerin in einer Kabinettssitzung derart übel, dass Nielsen erwog zurückzutreten. Ihr Amtsvorgänger und Förderer John Kelly, inzwischen Stabschef von Trump und selbst so desillusioniert, dass er tagsüber lieber ins Fitnessstudio geht, als in seinem Büro zu sitzen, überredete Nielsen zu bleiben. […..] Es war kein Zufall, dass das Weiße Haus vor einigen Wochen eine Mitteilung veröffentlichte, in der die Mitglieder der brutalen Latino-Gang MS-13 als "Tiere" bezeichnet wurden. Die Überzeugung, dass die Basis zu ihm hält, ist auch jetzt ein Grund, warum Trump seinen Kurs verteidigt.
Doch auch Trump hat sich abgesichert. Zwischen all die Tweets, in denen er seine harte Haltung bestätigte, streute er auch einige, in denen er die Schuld an der Trennung von Eltern und Kindern den Demokraten gab. Er finde das ja ganz furchtbar, sagte er in einem Interview. Ministerin Nielsen sollte sich nicht wundern, wenn der Präsident sie plötzlich alleine lässt. […..]

Und genauso kam es:

[….]  Nach scharfer Kritik hat US-Präsident Donald Trump die Familientrennungen an der Grenze zu Mexiko beendet. Am Mittwoch unterzeichnete er ein vorläufiges Dekret. Dieses sieht vor, Familien nach ihrer illegalen Einreise nicht mehr zu trennen und gemeinsam festzuhalten.
Kinder sollen demnach gemeinsam mit ihren Eltern im Gefängnis eingesperrt werden. […..]
(SPON, 20.06.18)

Tja Frau Nielson, das war absehbar. Wer verkauft sich auch an einen Behinderte nachäffenden, Nazi-lobpreisenden schwer sadistischen Primitivling; diesen lobotomierten Hobby-Mengele und äußerst orangen Jabba, the Hutt-Lookalike mit Hirn-Diarrhoe?

Gerade erst warnte er in klarer Nazi-Sprache vor der „infestation“ Amerikas durch lateinamerikanische Migranten.


Juni 2018

Da können Hitler und Goebbels nur applaudieren.
Man soll nie „nie“ sagen, insbesondere nicht bezüglich Trumps, aber im Moment fällt es mir schwer mir auszumalen, daß es möglich wäre noch abscheulicher, rassistischer und NSDAP-like zu klingen.


Juni 2018



Trumps Brut, genauso moralisch verkommen wie er selbst, betätigt sich nun als SPIN-Crew. Sie sind ihrem Daddy so dankbar dafür, daß er großherzig die armen Latino-Kinderchen zurück zu ihren Eltern in den Knast schickt. Daß allein ihr Vater die Situation verursacht, erwähnt die raffgierige  Ivanka, die in Afrika und China selbst Kinder als Hungerlöhner in ihren Fabriken ausnutzt, nicht.


For what? Your daddy single-handedly created a policy which caused endless suffering and grief to thousands of children. He lied about it. He reversed it only due to mass national outrage.
Samantha Bee should have full-stopped at “feckless”. Hard to argue with that. https://t.co/EZwc4bYiiU
— Ana Navarro (@ananavarro) 20. Juni 2018


Dienstag, 19. Juni 2018

Hasschristen

Selbst für Trump-Verhältnisse sind seine abscheulichen Lügen zur amerikanischen und deutschen Einwanderungspolitik, sowie die zutiefst menschenverachtende Politik des Separierens von Kleinkindern und deren Müttern schockierend.


Trumps Vorliebe für Folterregime, Mord und Bestialität ist allerdings lange bekannt.
Vor Jahrzehnten forderte er bereits die Todesstrafe für Unschuldige („Central Park Five“), geilte sich am Einsatz von Massenvernichtungswaffen auf.
 Schon im Wahlkampf prahlte er damit viel weiter gehen zu wollen, als „nur“ Waterboarden, orakelte davon Menschen auf der Straße in den Kopf zu schießen und forderte von seinen tobenden Anhänger „beat the shit out of him“, wenn einer es wagte zu protestieren.
Ein tiefsitzender Sadismus gehört ebenso untrennbar zu Trumps Persönlichkeit, wie seine grenzenlose Selbstüberschätzung, Ruchlosigkeit und Borniertheit.

[…..] Seitdem [die Regierung von Präsident Donald Trump im Frühjahr eine "Null-Toleranz"-Politik gegenüber illegalen Einwanderern verkündete] werden Menschen, die die Grenze zu den USA ohne gültige Papiere überqueren, festgenommen und strafrechtlich verfolgt. Das aber bedeutet, dass sie in Untersuchungshaft genommen werden müssen. Und da die US-Gesetze es verbieten, Kinder zusammen mit ihren straffälligen Eltern einzusperren, werden die Familien auseinandergerissen - die Väter und Mütter kommen in Haft, die Kinder in Einrichtungen wie die Casa Padre. Allein in den sechs Wochen zwischen Mitte April und Anfang Mai, so teilte Washington vergangene Woche mit, seien auf diese Weise knapp 2000 Minderjährige von ihren Eltern getrennt worden.
Abschreckung ist das erklärte Ziel der Trump-Regierung: Illegale Einwanderer sollen Angst vor der Härte der amerikanischen Behörden bekommen und so davon abgehalten werden, sich auf den Weg nach Norden zu machen. Kritiker, darunter Politiker der Demokraten, aber auch Menschenrechtsorganisationen und Ärzteverbände, halten diese Praxis für unmenschlich. "Kinder aus den Armen ihrer Eltern zu reißen, um dem Kind zu schaden, um dadurch die Eltern zu beeinflussen - das ist inakzeptabel", wetterte zum Beispiel der demokratische Senator Jeff Merkley. Vor allem für kleine Kinder sei der seelische Stress der Trennung äußerst schädlich, sagen auch Fachleute.
[…..] "Kinder zu haben schützt nicht vor Verhaftung und Strafverfolgung", sagte auch Justizminister Sessions. Er verstieg sich vor einigen Tagen sogar dazu, den Römerbrief zur Rechtfertigung seiner Haltung zu zitieren. Dort stehe nämlich, dass es Gottes Wille sei, die Gesetze der Regierung anzuerkennen und durchzusetzen, erklärte er der erstaunten Nation. Etliche amerikanische Geistliche widersprachen der eigenwilligen Bibelinterpretation des Ministers zwar, an der harten Linie der Regierung änderte das bislang jedoch nichts. […..]

Während Menschen mit Moralempfinden abgestoßen sind, das herzergreifende Weinen der nach ihren Müttern rufenden Kleinkinder kaum ertragen können, bekommt Trump immer noch die größte Unterstützung von den strenggläubigen Christen. Die Evangelikalen lieben ihn.

Das deckt sich mit allen soziologischen Erkenntnissen, nach denen Christen Folter, Todesstrafe, das Schlagen von Kindern, soziale Grausamkeiten und Kriegseinsätze stärker befürworten als Säkulare und Atheisten.
Atheistische Kinder teilen lieber als Christenkinder. Amerikanische Christen sind deutlich waffenaffiner als Ungläubige. Christen sind habgieriger und weniger hilfsbereit.
Das ist Religions-immanent, da monotheistische Ideologien grundsätzlich exkludierend sind. Gottgläubige sind nehmen wie selbstverständlich „wir sind besser als die“ für sich in Anspruch. Daraus resultiert auch eine größere Bereitschaft Individuen außerhalb ihrer sozialen Gruppe zu quälen. Die sind nämlich ohnehin weniger wert.
Zudem haben Dutzende internationale Studien klar gezeigt, daß intelligente Menschen weniger religiös sind. Oder unfreundlicher ausgedrückt: Je dümmer, desto christlicher.
Auch das ist in sich logisch, weil dogmatischer Glaube den Charakteristika von Intelligenz – also kritische Nachfrage, Nachdenken, Forschen, Neugier – widerspricht. Je mehr man selbst denkt, desto weniger kann man glauben und umgekehrt.

So ist es auch kaum verwunderlich, daß Christen eher geneigt sind die frechen Lügen des US-Präsidenten zu glauben.


Wenig überraschend, daß auch die rechtesten Christen in Deutschland Trumps brutale Politik begeistert feiern.

[…..] In einem eigenen Tweet hat sich US-Präsident Trump im Zusammenhang mit dem Asylstreit auf die Seite der indigenen Bevölkerung in Deutschland gestellt.
Merkels Migrationspolitik erscheint vor diesem Hintergrund als Jahrhundertfehler, an dem noch viele Generationen in ganz Europa zu leiden haben. Und Seehofers Einknicken in umso krasserem Licht.
Kurz nachdem Merkel und Seehofer vor die Presse getreten waren und auf einmal eine seltsame Einmütigkeit an den Tag legen (Motto: „Alles geht so weiter wie bisher“) twitterte der amerikanische Präsident:
„Die Menschen in Deutschland wenden sich gegen ihre Führung, da die Migration die ohnehin schon schwache Berliner Koalition erschüttert. Die Kriminalität in Deutschland ist gestiegen. Es war ein großer Fehler in ganz Europa, Millionen von Menschen einwandern zu lassen, die die Kultur dort so hart und gewalttätig gemacht haben.“ […..]

Der radikale Hassblogger Berger argumentiert in der Tat genau wie Trump, wenn er seinen xenophoben und rassistischen Gefühlen frönt.
Die Dunkelhäutigen sollen nicht ins Land weil sie die „indigenen“ weißen Deutschen/Amerikaner verunreinigten und außerdem die Kriminalität anheitzen.


Eins der berühmtesten Zitate Trumps – “They are not our friend, believe me. They’re bringing drugs. They’re bringing crime. They’re rapists.” – ist Musik ins Bergers Ohren. Endlich ein Kronzeuge für seine These, daß die Kriminalität in Deutschland durch die Flüchtlinge rasant anstiege.
Ein Kronzeuge, den der faschistoide Urinduscher dringend benötigt – schließlich ist seine Kernbotschaft von der steigenden Kriminalität grundfalsch.
In den USA sinkt die Kriminalität seit Jahren kontinuierlich und in Deutschland weist die jüngste Kriminalitätsstatistik der Polizei inklusive aller Geflüchteten den niedrigsten Stand seit 1992 aus.

Selbst Merkel ist so angewidert, daß sie entgegen ihres Naturells direkt Trump und Berger der Lüge bezichtigt.

[…..] Der US-Präsident twittert, in Deutschland sei die Kriminalität um zehn Prozent gestiegen. Die Bundeskanzlerin widerspricht und verweist auf die Statistik.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der Äußerung von US-Präsident Donald Trump widersprochen, die Kriminalität in Deutschland sei im Zusammenhang mit der Zuwanderung deutlich gestiegen. Die kürzlich vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik spreche für sich, sagte Merkel nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf Schloss Meseberg. "Wir sehen dort leicht positive Entwicklungen." Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik ist die Zahl der Straftaten in Deutschland im vergangenen Jahr auf das niedrigste Niveau seit 25 Jahren gesunken. [….]

Eine Diskussion, die argumentativ mit rechtsradikalen Primitivlingen nicht zu gewinnen ist, weil sie grundsätzlich Fakten als Lügen ansehen.

Bergers kleine braune Epigonen sind jedenfalls begeistert von Trump und erflehen in den Kommentaren seinen Einmarsch in Deutschland.




Besonders perfide Bergers immer wieder verwendeter Begriff “indigene Bevölkerung Deutschlands.”
Denn es ist ja gerade die Besonderheit an Deutschland Geschichte, daß tausende Jahre Kleinstaaterei herrschte, Deutschland fast nie eine einheitliche Nation war und durch seine Lage mit im Zentrum Europas seit Jahrtausenden kontinuierlicher Völkerwanderung unterliegt.
Wir sind hier ein klassischer Mischmasch aus allen Himmelrichtungen.
Hier siedelten Kimbern, Teutonen, Hunnen, Goten, Sachsen, Slawen, Römer, Hugenotten, Polen.
Ähnlich absurd ist die Lage in den USA, der klassischen Einwanderungsnation, die vor 500 Jahren damit begann die eigentlich indigenen Völker auszurotten.

Hätten Berger, Trump und ihre glühenden christlichen antihumanen Anhänger einen Funken Ehrlichkeit in sich, würden sie sich um die Kriminalität kümmern, die tatschlich kontinuierlich ansteigt – nämlich die rechtsradikalen Übergriffe in Deutschland, bzw die hate-crimes von „White supremacists“ in den USA.

[….]  Die Bundesregierung hat in ihre Statistik über Todesopfer rechtsextremer Gewalt neue Fälle aufgenommen. Darin sind nun 76 Tötungsdelikte mit 83 Todesopfern seit der Wiedervereinigung 1990 erfasst, wie das Innenministerium laut "Tagesspiegel" auf eine Anfrage der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und ihrer Fraktion Die Linke mitteilte. Zuletzt hatte eine Bilanz der Regierung vom März 2017 insgesamt 70 Fälle aufgeführt, bei denen Neonazis und andere Rechte 76 Menschen getötet hatten. Grund für die Zunahme ist eine Überprüfung von mutmaßlich rechts motivierten Gewalttaten in Berlin.
Anlass der wissenschaftlichen Untersuchung in Berlin war eine im Jahr 2000 begonnene Langzeitrecherche des "Tagesspiegels", die eine bundesweit erheblich höhere Zahl der Todesopfer seit der Wiedervereinigung registrierte als die offizielle Bilanz. Die Zeitung kommt auf mindestens 150 Tote seit dem 3. Oktober 1990.
In den ersten vier Monaten 2018 haben Neonazis und andere Rechtsextreme nach vorläufigen Erkenntnissen der Polizei 3714 Straftaten begangen - darunter 174 Gewaltdelikte, schreibt die Zeitung. [….]





Montag, 18. Juni 2018

Vollnazi-Modus.

Wenn die christlichen Kirchen Deutschlands einen Funken Anstand hätten, würden sie im Unionsstreit massiv Stellung beziehen, Seehofer auffordern das „C“ aus dem Parteinamen zu streichen und von Söder verlangen seinen „Kreuzerlass“ zurückzunehmen.
Oder wie verträgt sich das mit Jesu Nächstenliebe Menschen in Not an den Grenzen wegzujagen?
Aber was verwende ich das Wort „Anstand“ in einem Satz mit professionellen Kinderfickerbeschützern und raffgierigen Homophoben?


[…..] Die vergangenen Wochen haben gewaltigen Schaden angerichtet. Vor allem CSU-Politiker haben massiv Ängste vor zu vielen Flüchtlingen geschürt, haben mit Worten wie "Asyltourismus" oder "Systemversagen" Fremdenfeinden und Verächtern des Staates und seiner Institutionen in die Hände gespielt. Zwischen CDU und CSU, den Koalitionspartnern in schwierigen Zeiten, herrscht nun ein noch viel tieferes Misstrauen als bisher schon und hier und da auch Hass. [….]

Die verzweifelten Heimatvertriebenen sind Seehofer und der CHRISTLICH-SU vollkommen egal; die sollen jedenfalls woanders verrecken.


[…..] Mit seiner Agitation gegen Merkel befördert Seehofer eine Politik, die Tausende von Opfern fordern wird. […..] Beim Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 waren es militante Weltkriegsveteranen, die gegen Berlin marschierten, um die Republik zu kippen. Beim Seehofer-Söder-Putsch vom Juni 2018 sind es militante Wahlkämpfer, die gegen Angela Merkel marschieren, um - ja was eigentlich?
In vielem erinnert das, was die CSU gerade anstellt, an den wütenden Aktionismus von autoritär veranlagten Menschen wie Donald Trump oder ähnlichen, die einfach keine Lust mehr haben auf demokratische Spielregeln und das politische Prozedere und schlicht Taten schaffen wollen, kostete es, was es wolle, und ganz egal ist dabei auch, dass sie keinen wirklichen Plan haben für das, was passieren soll, wenn sie alles kurz und klein geschlagen haben. […..]
Die Toten des Kapp-Lüttwitz-Putsches, mehr als 1000, liegen zumeist auf Friedhöfen, es gibt Ehrengräber und Gedenktafeln. Die Toten des Seehofer-Söder-Putsches, die Zahlen sind zukünftig und schwer abzuschätzen, mehrere Zehntausend sind bislang auf der Flucht nach Europa umgekommen, sind oft Futter für die Fische.
[…..] Safranski, der preiswürdige Putschist, legt dann noch eines nach, er bestreitet den Erfolg von Integration, er bestärkt den gesellschaftlichen Egoismus, das Ausgrenzen und die globale Ungleichheit - der Reichtum des Westens aber kann nur mit Gewalt geschützt werden, so suggeriert er, "und deshalb wird der effektive Schutz der europäischen Außengrenzen kommen".
Europa, so sagt er, und man sieht ihn schmunzeln, "wird sich hier etwas für die neue Situation Angemessenes einfallen lassen".
Wie wäre es mit dem Schießbefehl? […..]


Menschen, die im Gegensatz zu AfD- und CSU-Fans auch nur Rudimente von Anstand und Moral haben, würden Menschen in so einer Not helfen.
Konservative und Christen wollen das aber nicht, obwohl gerade die Deutschen besonders viel Anlass haben großzügig zu sein:

Deutschland ist das mit Abstand stärkste Land der EU. Deutschland ist der größte Profiteur der EU, weil es auf Export in die EU-Ländern angewiesen ist und zudem die sehr viel ärmeren europäischen Länder im Süden und Südosten die Außengrenzen bilden.
Deutschland ist zudem durch seine Vergangenheit, als Hunderttausende nur überleben konnten, weil die aus Deutschland Flüchtenden großzügig von anderen Nationen aufgenommen wurden, moralisch verpflichtet.
Und schließlich ist Deutschland auch einer der größten Verursacher der Fluchtgründe, weil es brutale Mörderregime wie das in Eritrea direkt polizeilich, logistisch und finanziell stabilisiert.


(….) Natürlich, auch Merkels Führungsversagen ist eklatant. Drei Jahre hat sie Däumchen drehend verstreichen lassen, international zu keiner Einigung gefunden, kontinuierlich durch ihre Politik die Fluchtursachen rasant weiter angeheizt – Stichworte Waffenexporte in Krisenregionen, Aufgabe aller Klimaschutzziele, katastrophale EU-Agrarpolitik zu Lasten Afrikas, Leerfischen der afrikanischen Meere, Nichteinhaltung der Entwicklungshilfezahlungen, - und sich schließlich aus Angst vor der AfD sukzessive auf eine völlige Grenzschließung eingelassen. (….)
(Let’s go crazy, 16.06.2018)


Abgesehen vom moralischen Abgrund, den die CSU-Forderungen bedeuten, sind sie insbesondere nicht praktikabel.

Nehmen wir hypothetisch an, die Kanzlerin schwenke auf CSU-Kurs ein, was an sich schon extrem unwahrscheinlich ist, da ihre Autorität aufgebraucht wäre:
Dann wäre die Koalition ebenfalls zu Ende, weil das eklatant dem Koalitionsvertrag widerspräche. Die SPD würde das keinesfalls mitmachen, weil es die ohnehin extrem gebeutelte Partei, die nur unter größten Schmerzen und Mühen überhaupt in die GroKo ging und gegenwärtig eine schwache, von vielen nicht akzeptierte Führung hat, zerreißen würde.


Nehmen wir hypothetisch an, Nahles ließe nicht die Groko platzen, schwenkte ebenfalls auf CSU-Kurs ein, was an sich schon extrem unwahrscheinlich ist, weil sie den folgenden Aufstand ihrer Partei nicht im Amt überleben würde, dann müssten am 01.07.2018 alle deutschen Grenzübergänge kontrolliert werden.
Das ist gar nicht möglich; dafür fehlen mindestens 5.000 Stellen und das Bundesinnenministerium scheitert ja schon seit Jahren daran die wenigen hundert Stellen bei Bamf, Lageso und Co zu besetzen.


Nehmen wir hypothetisch an, durch ein Wunder tauchten zehntausend motivierte und ausgebildete Grenzpolizisten auf, die nur darauf warteten ihren Dienst zu beginnen und alle Grenzübergänge 24/7 vollständig zu überwachen.
Der Effekt wäre ein enormer ökonomischer Schaden für den „kleinen Grenzverkehr“ und den örtlichen Tourismus. Flüchtlinge ohne entsprechende Papiere könnten problemlos die offiziellen Übergänge meiden und die tausenden Kilometer nicht befestigte grüne Grenze nutzen.
Deutschland müsste vollständig eingemauert werden.


Nehmen wir hypothetisch an, durch ein Wunder tauchten zehntausend motivierte und ausgebildete Grenzpolizisten auf und Horst Seehofer könnte über Nacht 4.000 Kilometer überwachte Mauern bauen und finanzieren, was an sich schon extrem unwahrscheinlich ist, wenn man an den gegenwärtigen Stand deutschen Planungskönnens denkt – BER, Elphi, Stuttgart21 – dann würde zumindest Österreich ebenfalls sofort seine Grenzen schließen und alle nach Europa fliehenden Migranten würden im armen Griechenland, sowie Malta, Zypern und Italien festsitzen. Die vier Staaten würden sich zu Recht gegen den Groß-Profiteur und Großexporteur Deutschland wehren, indem sie die EU insgesamt durch Vetos lahmlegten.
Oder, die viel praktischere Alternative wäre, wenn Griechenland und Italien strandende Migranten eben nicht mehr registrierte und sie unregistriert bis Deutschland kämen. Dort könnte auch die CSU sie nicht abweisen, weil das nach dem Dublinverfahren illegal wäre.
Seehofer kann und will nur zuvor in anderen Ländern registrierte Flüchtlinge an der Grenze abweisen und zurückschicken. Wenn das aber Realität würde, weshalb sollten Athen und Rom sich die Mühe machen die Menschen vorher bei ihnen zu registrieren?


Was Seehofer, Söder, Scheuer und Doofbrindt wollen ist also großer Unsinn, der praktisch nicht durchführbar ist.
Das wissen sie auch, aber ihnen geht es nur darum die verhasste Kanzlerin zu demütigen und vor ihrer xenophoben bayerischen Wählerschaft am 14.10.2018 sexy zu sein.
Dabei haben sich die Christsozialen so sehr in eine Sackgasse manövriert, daß Seehofer eigentlich jetzt schon mit seiner Entlassung rechnen muss.
Aus dem oben genannten Gründen und auch, weil Merkel aus Prinzip nicht den Kotau vor der rechten Schwester machen kann, werden ihre Forderungen auch in zwei Wochen unerfüllt bleiben.
Allein, daß sich die 13 Jahre amtierende Kanzlerin von einem wirren Greis in Wahlkampfmodus Ultimaten setzen lässt, hat sie schon schwer beschädigt. Da hilft die heute ausgehandelte 14-Tage-Schonfrist auch nichts mehr.

[…..]  Zwei Wochen also. Zwei Wochen hat Angela Merkel als letzte Frist bekommen. Zwei ganze Wochen will Bundesinnenminister Horst Seehofer seiner Kanzlerin im Streit um seinen Migrationsplan gewähren, um eine europäische Lösung zu finden. […..][…..] Das freilich sagt schon alles. Es sagt alles aus über eine Union aus CDU und CSU, die diesen Namen nicht mehr verdient hat. Was Angela Merkel und Horst Seehofer seit drei Jahren aufführen, ist ein unwürdiger Akt. Dieses Land hat andere Probleme zu lösen als den Rechthaberstreit zwischen dem Kanzleramt und der CSU. Trump, Putin, Chinas Ambitionen - haben die beiden kein Gefühl mehr für wahre Prioritäten? Ist es angemessen, trotz deutlich gesunkener Flüchtlingszahlen dieses Spektakel aufzuführen?
Es ist ein politischer Skandal, dass Merkel wie Seehofer immer weiter streiten - und dabei verschweigen, dass sie das Land in den letzten Jahren mit mehreren Asylverschärfungspaketen längst massiv verändert haben. Merkel spricht es nicht offen aus, weil sie um ihren Ruf fürchtet; Seehofer redet nicht drüber, weil sonst jeder sehen würde, wie absurd er handelt.
Dabei ignorieren beide, dass über die Schicksale von Flüchtlingen im Jahr 2018 kaum mehr gesprochen wird, dafür aber über die vermeintlichen Nöte der AfD-Wähler. Merken die Beteiligten nicht, wie sie die Rechtspopulisten stärken? Realisieren sie nicht, wie sehr sich die Stimmung im Land verändert?
Bei alldem wirkt das Gerede aus Bayern, man müsse den Rechtsstaat wieder vom Kopf auf die Füße stellen, besonders vergiftend. Diese Sprüche ähneln so sehr der AfD-Rhetorik, dass man sich fragen muss, was die CSU als Nächstes loslässt. […..]

Ihren Amtseid haben die beiden christlichen Parteiführer schon so eklatant verletzt, daß Gott schon an einem Herzinfarkt gestorben wäre, wenn es ihn gäbe.


Ein derartiges Regierungsversagen ist Neuland in Berlin. In der größten bisherigen Vertrauens-, Parteien- und Politikerkrise tun beide Unionschefs alles dafür die AfD noch stärker zu machen; Nazis und Reichsbürger zu motivieren.
Fast entwickele ich schon rudimentäre Sympathien für Merkel, weil sie sich immerhin nun doch gegen Crazy Horst stemmt.
Aber sie tut das aus rein egoistischen Motiven und ist nun zu einer europäischen Asyllösung verpflichtet.
Eine Mission Impossible innerhalb eines Zweiwochenzeitrahmens mit einem rechtsradikalen Putin-Bewunderer in Rom als Hauptgesprächspartner.
 Tja Merkel, dafür hätte man drei Jahre früher aufstehen müssen und nicht vorher vom ollen Schäuble das europäische Porzellan zerschlagen lassen dürfen.

[….] Ganz Berlin ist ja eine Bühne und im Moment spielt auch in der Bundesoper ein Stück schottischer Familienaufstellung: das große Drama um Merkels Ende. Schade, dass Verdi und Shakespeare tot sind. Sie könnten hier eine Menge lernen, was Wahnsinn angeht und Skrupellosigkeit.
[…..] Bei Verdi singt Lady Macbeth: "Der Weg zur Macht ist voll von Verbrechen, und wehe dem, der unentschlossen ist und zurückschreckt!" Keine Sorge: Die Neigung, Verbrechen zu begehen, steigt bei der CSU mit jedem Tag, den die Bayernwahl näher rückt. Verdis Libretto liefert das Skript für den CSU-Wahlkampf: "Oh Wollust der Macht! Szepter, endlich bist du mein! Jedes irdische Verlangen verstummt und wird durch dich gestillt." Das ist gewissermaßen O-Ton Markus Söder.
[…..] Merkel hätte nicht noch einmal antreten dürfen. Da vom ersten Tag an klar war, dass diese Amtszeit ihre letzte sein würde, läuft seit dem ersten Tag die Suche nach der Nachfolge. […..] Die Deutschen könnten es mit einer schwachen Regierung schon ein paar Jahre aushalten. Dann bleiben die unerledigten Probleme dieser Kanzlerschaft - Bildung, Digitalisierung, Infrastruktur, Integration, Klimapolitik, soziale Gerechtigkeit - halt noch länger unerledigt. Die Deutschen haben sich an niedrige Löhne und fehlende Lehrer gewöhnt, und daran, dass die Bahn zu spät oder gar nicht kommt. Die Deutschen sind genügsam. Aber Europa kann nicht warten. Europa braucht eine starke deutsche Regierung so dringend wie nie zuvor. Und genau die kann Merkel nicht mehr gewährleisten. [….]


Nun ist die CDU in gewaltigen Schwierigkeiten; Merkel könnte statt der angestrebten 16 Jahre bloß 13 Jahre an der Macht bleiben.
Die Bayern sind so hoch auf die Bäume gekraxelt, daß sie nicht mehr zurückkommen können, ohne sich zu Tode zu stürzen.

[…..]  zu sehr sind Peter Altmaier, Volker Kauder und andere bemüht, "alles zu versuchen", um den Crash zu verhindern. Solche Hinweise freilich können viele in der Partei auch nicht mehr wirklich beruhigen. Als zu hart wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mittlerweile wahrgenommen, als zu widersprüchlich der Bundesinnenminister. Und es gibt eine nicht unerhebliche Zahl derer, die Merkels Politik für falsch - und den anti-europäischen Duktus der CSU trotzdem für einen hochgefährlichen Orientierungsverlust halten. Ihr Grundgefühl, ausgedrückt von einem besonders prominenten Konservativen: "Für die Union ist es scheiße - und für Deutschland ist es eine Katastrophe."
Merkels Vertraute kämpfen gleichwohl um deren politisches Überleben - und sind entsetzt darüber, wie sehr Söder einen internationalen durch einen nationalen Blick eingetauscht hat. "Der agiert strammer als die AfD", schimpft einer aus der Parteispitze. Das schmerzt und wirkt, als seien Brücken unmöglich geworden. 
Dieses Foto hat Daniel Funke (li.), der Bunte-Chef in Berlin und Mann von Jens Spahn (2. von re.), auf Twitter veröffentlicht. Mit dabei: US-Botschafter Richard Grenell (2. von li.), sein Partner Matt Lashey und Hund Lola. (Foto: Daniel Funke/twitter


[…..] Nicht viel besser fällt das aktuelle Urteil über Horst Seehofer aus. Kopfschüttelnd reagierten viele in der Führung auf die Doppelbotschaft, die er am Sonntag ausstreute. Erst wurde bekannt (und in der CDU geglaubt), dass der Innenminister in einer kleinen CSU-Runde am Donnerstag gesagt habe, mit Merkel könne er nicht mehr kooperieren. […..] In der CDU-Spitze hat sich der Eindruck festgesetzt, dass es der CSU wider alle öffentlichen Erklärungen mittlerweile fast nur noch darum geht, die Kanzlerin loszuwerden, notfalls auch mit einem Bruch der Fraktionsgemeinschaft. […..] Ja, so die Furcht unter Berliner Christdemokraten, es gehe um das Ziel, die nationalistische Karte zu spielen. "Kurz, Orbán, auch Trump sind die Vorbilder", heißt es in Führungskreisen. […..]