Freitag, 23. August 2019

Christen und Juden in den USA.

Die evangelikalen Christen Nordamerikas sind radikal „Israel-freundlich“.
Unter Israel verstehen sie das Heilige Land, in dem Jesus und seine Familie umherlatschten und wenn die eines baldigen Tages wiederkommen, dann entweder in „God’s Own County“, also Alabama, Tennessee oder Kansas, oder eben in Israel.
Unter Israel verstehen sie radikal rechte Politiker wie Bibi Netanjahu, der möglichst rabiat gegen Muslime aller Art vorgeht, den gemeinsamen Erzfeind Iran mit 200 Atombomben in Schach hält und der alles dafür tut die jüdischen Siedler auf palästinensischen und jordanischen Landstrichen zu unterstützen.
Jesus soll ja nicht allzu viel Arbeit haben, wenn der adventus Domini (Ankunft des Herrn) ansteht. Bisher gab es ja leider 2000 Jahre Parusieverzögerung (Ausbleiben der Wiederkunft Christi), aber kann man es Jesus verdenken, daß er die Parusie prokrastiniert, wenn in seinem Land alles voller Ungläubiger ist, die er umständlich massakrieren muss?

In diese endzeitlichen Wahnwelten Kushners, Trumps und all der Teebeutler passen selbstverständlich keine liberalen und säkularen Israelis.
Da gibt es keine Rabins und Peres‘, keine Meretz-Partei, keine schwulen Friedensbewegten wie Aviv Geffen, keine große Friedensbewegung Bewegung Schalom Achschav (Frieden Jetzt), keinen israelischen Publizisten Uri Avneri.
Diese verwirrten Linken glauben an die Zukunft, wollen sie auch noch friedlich gestalten.

Evangelikale wissen genau wie ultraorthodoxe Juden, daß die Zukunft schon vorbei ist und der Herr bald ankommen.
Endzeitgläubige Amerikaner gehen daher Hand in Hand mit den Schas- und Likud-Israelis. Man hat erst mal ein gemeinsames Interesse und spricht nicht ganz so offen darüber, daß der gute Jesus ganz zum Schluß natürlich auch noch alle nicht zu Christentum konvertierten Juden abmurxen wird.

Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.
(Joh 8,44)

Beschweren können sie sich aber nicht; schließlich wurde all das von höchster Stelle in der Bibel angekündigt. Jesus konnte die Juden nicht ausstehen und so war der Antisemitismus der christlichen Päpste genauso folgerichtig wie der Judenhass der frommen Christen Martin Luther und Adolf Hitler.

14 Denn, Brüder, ihr seid Nachahmer der Gemeinden7 Gottes geworden, die in Judäa sind in Christus Jesus, weil auch ihr dasselbe von den eigenen Landsleuten erlitten habt wie auch sie von den Juden,
15 die sowohl den Herrn Jesus als auch die Propheten getötet und uns verfolgt haben und Gott nicht gefallen und allen Menschen feindlich sind,
16 indem sie - um ihr Sündenmaß stets voll zu machen - uns wehren, zu den Nationen zu reden, damit die gerettet werden; aber der Zorn ist endgültig über sie gekommen.
(1 Thess 2)

All die frommen GOP-Senatoren, FOX-Hosts und Präsidentschaftskandidaten wie Blitzbirne Palin geben sich in Jerusalem die Klinke in die Hand, halten den Likud für den GOP-Ableger im Heiligen Land.
Man versteht sich, man hilft sich, man macht gegenseitig für einander Wahlkampf.
Da schadet es nur allzu deutlich zu sagen, was Israelis erwartet, wenn der Republikanische Waffen-Jesus bei ihnen aufschlägt.

[…..] Der Beginn der Endzeit wird nämlich mit Pfingsten datiert, das heißt mit der Geburtsstunde der christlichen Gemeinde (Apostelgeschichte 2,14-41). Die Endzeit soll schließlich im Gericht über die lebenden Völker (Matthäus 25,31–46) enden. […..] Interessant ist, dass [Jesus] von den „Wehen“ der Endzeit spricht (Mt 24,8). Dann wäre die Endzeit einer Schwangerschaft vergleichbar: lange Zeit wächst das Böse in der Welt heran und wird größer, vor der Geburt setzen dann die Wehen ein.
Als „den Anfang der Wehen“ benennt Jesus folgendes: „Denn ein Heidenvolk wird sich gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere, und es werden hier und dort Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben geschehen. Dies alles ist der Anfang der Wehen.“ (Matthäus 24,7-8). […..] Am Ende der großen Trübsal kehrt Jesus wieder und wird den Antichristen und sein Heer vernichten (Matthäus 24,29-31; Offenbarung 19,11-21). Nach dem Modell der Heilszeitalter wird Jesus nach seiner Wiederkehr das Tausendjährige Reich errichten, in dem er über die Welt herrscht. In dieser Zeit ist Satan gebunden (Offenbarung 20,1-3). […..]

In der Endzeit zu leben ist für die meisten Evangelikalen Christen offensichtlich und da passt es nur zu gut ins Bild, die Reinkarnation des König Kyrus als 45. US-Präsidenten amtieren zu sehen.



Völlig unverständlich ist es für Trump und seine Epigonen wenn Juden nicht vor Dankbarkeit jubilierend ihr Kreuz bei den Republikanern machen.
Jüdische Amerikaner, die demokratisch wählen?
Trump ist empört über so viel Undankbarkeit.

[….] President Donald Trump on Tuesday criticized Jewish Americans who vote for Democrats, saying "it shows either a total lack of knowledge or great disloyalty."
Trump was speaking to the press in the Oval Office about two Democratic congresswomen barred from entering Israel over their involvement in the movement to end international support for the country because of its policies toward Palestinians.
"Five years ago, the concept of even talking about this -- even three years ago -- of cutting off aid to Israel because of two people that hate Israel and hate Jewish people -- I can't believe we're even having this conversation," Trump added. "Where has the Democratic Party gone? Where have they gone where they're defending these two people over the State of Israel?"
He added, "I think any Jewish people that vote for a Democrat -- it shows either a total lack of knowledge or great disloyalty."
The remark led critics to argue the President was dabbling in the anti-Semitic trope of "dual loyalty," which questions the loyalty of Jewish citizens. [….]


IQ45 kann sich diese massive antisemitische Attacke leisten. Denn es leben nur gut fünf Millionen jüdische Amerikaner in den USA und von denen wählen ohnehin drei Viertel die Demokraten.


Das dürfte weniger mit ethnischen Spezifika oder grundsätzlicher Loyalität zu Israel zu tun haben, als mit der Tatsache, daß jüdische Amerikaner überdurchschnittlich gebildet sind. Das Hauptmerkmal für Trump-Voter ist aber ihre Dummheit.

Dem weißen Rassisten Trump sind Juden egal; er zielt mit seinen Attacken auf die erheblich größere Wählergruppe der evangelikalen Christen, die immer noch die stärksten Trump-Unterstützer sind.

Wenn liberale Juden wie Michael Rapaport sich über ihren Lieblingspräsidenten echauffieren, bestärkt das nur ihren Trump-Wahn.


Im Oval Office gibt es dagegen immer dieselbe Strategie: Doubling Down!

Wird Trump für seinen Rassismus attackiert, sagt er etwas noch viel Rassistischeres. Die homegeschoolten weißen Religioten erfreuen sich, weil sich ihr Clown in Chief nicht einschüchtern lässt.


Wird Trump für seinen Antisemitismus kritisiert, spult er das gleiche Muster ab: Noch mehr Judenhetze!
Dafür eignen sich insbesondere auch seine „spiritual adviser“, also jene völlig verblödeten rechtsextremen Pfaffen, die in Trump „the chosen one“ sehen.

[….]  Trump’s Pastor Robert Jeffress: God Will Curse Jews Who Vote For Democrats
Anti-Semitism for Jesus and the GOP: Robert Jeffress, Texas megachurch pastor and one of Trump’s closest spiritual advisors, warns Jews that they and their children will be cursed by God if they vote for Democrats.
Jeffress made his over-the-top anti-Semitic remarks while making an appearance on Todd Starnes’ Fox News radio show. […..]

Den beiden jüdischen Top-Trump-Beratern Ivanka und Jared gefällt das.


Donnerstag, 22. August 2019

Lernkurve Null

George Pell ist schon lange ein sehr mächtiger Mann.
Das sollte er auch sein; schließlich war er lange Australiens hochrangigster Katholik, stieg dann 2014 zum „Finanzminister“ des Vatikans auf und stand damit formal an dritter Stelle der Hierarchie der 1,3 Milliarden Katholiken.

Ein paar Messdienern mal seinen Penis in den Mund zu schieben, konnte er sich da wohl erlauben – so glaubte er.
 Gleich mehrere erzkonservative Ex-Premierminister standen in seiner Gerichtsverhandlung als Leumundszeigen da und der mächtige Papst beließ ihm demonstrativ sein rotes Kardinalshütchen – als Ausweis seiner allerhöchsten Würde derjenigen, die den Stellvertreter Gottes auswählen und durch die der Heilige Geist spricht.
So einer kann ja schlecht in den Knast kommen, befand Pell selbst, zumal er ja gar keine Kinder missbraucht hatte und unschuldig ist.
Außerdem hat er die Kinder, die er gar nicht missbraucht hat, laut seines Anwaltes nur sechs Minuten missbraucht.

(….) Nein, nein, nein, George Pell AC, 77, Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche, ehemaliger Erzbischof von Melbourne, ehemaliger Erzbischof von Sydney, ehemaliges Mitglied des Päpstlichen Kardinalsrats, Kardinalpriester der Titelkirche Santa Maria Domenica Mazzarello, langjähriger Großprior der Ordensprovinz Australien-New South Wales des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Generalkaplan im Großpriorat Australiens, Träger des Lazarusordens und des kirchlichen Großkreuzes des Verdienstordens des Heiligen Lazarus, der hochrangigste australische Katholik aller Zeiten, ist unschuldig, hat keine Kinder vergewaltigt und ist nur Opfer einer linken Hetzjagd!
So tönen heute seine Fans – darunter der allmächtige Rupert Murdoch, Executive Chairman der News Corp (Fox News) und gleich mehrere australische ehemalige Premierminister.
Gottes Top-Mann beharrt vehement auf seiner völligen Unschuld und von „sexuellem Missbrauch“ oder „Vergewaltigung“ kann gar nicht die Rede sein, weil es nämlich nur „plain and vanilla penetration sex“ mit einem 12-Jährigen und einem 13-Jährigen war. Nur sechs Minuten lang erzwang Pell den Analverkehr, wie sein Verteidiger Robert Richter beschwichtigend erklärte.


Das wäre nun wirklich nur Blümchensex.
Wo ist also das Problem?
Und dafür sechs Jahre Haft? Für sechs Minuten? Ist ja unverschämt, tobt die gesamte austro-amerikanische konservative Medien- und Politlandschaft.

[….]  Der frühere Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, ist wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Richter Peter Kidd verkündete in Melbourne das Strafmaß gegen den 77-jährigen Australier. Der Kardinal muss mindestens drei Jahre und acht Monate der Strafe absitzen, bevor er einen Antrag auf Bewährung stellen darf.
Der Fall Pell bewegt die Australier sehr: Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen hatte es hier zehntausendfach gegeben. Eine königliche Kommission hatte sich in den vergangenen Jahren an eine Aufarbeitung gemacht, aber niemand hatte so polarisiert wie Pell. [….]

Inzwischen schmetterten zwei von drei Berufungsrichtern Pells Revisionsgesuch ab.

[…..] Einer Höchststrafe von 50 Jahren war der ehemalige Finanzchef des Vatikans, der australische Kardinal George Pell, im März noch entgangen. Stattdessen bekam er sechs Jahre. Doch auf eine vorzeitige Haftentlassung kann er vorerst nicht hoffen. Pell muss wegen Missbrauchs von zwei minderjährigen Chorknaben im Gefängnis bleiben.
Der Oberste Gerichtshof in Melbourne bestätigte am Mittwoch eine Verurteilung aus erster Instanz. Auf Grundlage dieser Entscheidung kann der 78-Jährige frühestens im Jahr 2022 aus der Haft entlassen werden.
Pell war Finanzchef des Vatikans. Im März war er als ranghöchster Geistlicher in der Geschichte der katholischen Kirche wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Gegen die Entscheidung hatte er Berufung eingelegt. Er weist alle Vorwürfe zurück. […..]

Für das bißchen Kinderficken soll er im Knast schmoren?
Der Kardinal ist immer noch genauso fassungslos wie sein Star-Anwalt.

[….][….] The Melbourne-based lawyer representing disgraced former cardinal George Pell today stood inside a packed Victorian County Court metres from his ageing client and dug his heels in.
Dressed in a black robe with matching black glasses, he called Pell’s 13-year-old victims “naughty boys” for drinking church wine before they were attacked.
He argued that Pell’s crimes — which include sexual penetration of a child under 16 — were “plain” and “vanilla”.
He suggested the Vatican’s third most senior catholic should get a slap on the wrist because his sex crimes against two boys lasted “less than six minutes”, there was “no ejaculation” and “no use of any implement”. [….]

Plain vanilla penetration”, zu deutsch – bloß ein bißchen Blümchen-Analsex mit zwei Kindern.

Ach sooooo, wenn es weiter nichts ist, kann man dem Kardinal ja nun echt keine Vorwürfe machen.
Bergoglio fühlte sich auch nicht veranlasst das irgendwie zu kommentieren, sein Missfallen auszudrücken, ein Wort des Mitgefühls an die Opfer zu richten, von denen eins sich aus Gram umbrachte.
Nein, es sieht auch bisher offenbar keinen Anlass George Kardinal Pell seine Titel zu entziehen oder ihn gar in den Laienstand zu versetzen.
War doch wirklich nicht schlimm:


noch nicht mal abgespritzt hätte der Kirchenfürst.
Es ist ja nicht so, daß Kardinal Pell ein echtes Verbrechen begangen hätte wie zB sich scheiden zu lassen oder als lesbische Frau in einem Krankenhaus zu arbeiten. […..]

Wir können einiges aus dem Fall Pell lernen.
Nach wie vor tönt dröhnendes Schweigen aus dem Vatikan.
Der Stellvertreter Christi aus Erden, der Pell 2014 trotz der weltweit bekannten (und auch auf diesem Blog lange vor 2014 diskutierten) Vorwürfe in ein der drei absoluten Top-Positionen erhob, stellte sich nicht nur damals demonstrativ auf die Seite der Kinderficker und gegen die Opfer, sondern er tut das auch offensichtlich nach dem Urteil immer noch, indem er gar nicht dran denkt die Kardinalswürde Pells zu kassieren.
Das sind deutliche Hinweise aus Rom nach Australien: Wir mögen Pell und stehen zu ihm!
Das zeigt einmal mehr wie katastrophal falsch, fahrlässig, perfide und moralisch verwerflich die deutsche Bundesregierung handelt, die nach wie vor der Täterorganisation RKK selbst die Aufklärung ihrer Myriaden-fache Kindersexverbrechen überlässt.
Natürlich blockieren die untervögelten Geronten in Nachthemden. Wie könnte das deutlicher sein, als in der Person des Missbrauchsbeauftragten der deutschen Bischöfe – des Trierer Bischofs Ackermann, der in seinem eigenen Bistum weiterhin die Opfer seiner Pädo-Priester auslacht?

[….]  Der Sonderstatus der Kirche muss ein Ende haben
Der Schuldspruch gegen den australischen Kurienkardinal George Pell zeigt: Es braucht den Rechtsstaat, um aufzuräumen mit klerikalem Filz und Selbstgerechtigkeit in der katholischen Kirche. [….]

Weltweit haben Staaten gezeigt, daß die weltliche Justiz, am besten in Form von Regierungskommissionen gefragt ist, wenn es gilt die massenhaften Sexverbrechen der Kirche aufzuklären. Es gab solche Untersuchungen in Irland, Holland, den USA und Australien.
Deutschland tut nichts. Merkel und ihren ultrakatholischen Freundinnen AKK, Schavan, Thierse, Kretschmann und Nahles, scheint der Schutz der sadistischen Straftäter in Soutane immer noch wichtiger zu sein als Gerechtigkeit und Opferschutz.

[…..] Kardinalverbrechen
Australien zeigt: Bei Missbrauch muss der Staat einschreiten. […..] Vor allem aber beweist das Urteil: Die so lange vertuschten Verbrechen lassen sich nur dann erfolgreich aufklären, wenn staatliche Ermittler sich darum bemühen. Dass die katholische Kirche allerorts eigene Aufklärungskommissionen einsetzt, ist zwar schön, gut und nötig. Aber es reicht halt nicht. Australien zeigt der Welt: Hier muss der Staat ran. […..]

Mittwoch, 21. August 2019

US-Christen als idealtypische Rassisten.

Konservative US-Amerikaner begreifen sich heute noch als eine Nation der Pilgerväter, halten zu Thanksgiving – dem in Gods Own Country so ungeheuer wichtigen Feiertag - die Tradition der frommen pilgrim hoch.
Fromme und mutige Männer, die sich nach der Bibel richteten und den Fesseln dekadenter europäischer Monarchien entflohen.
Noch heute sind so vielen schießwütigen Amis deswegen ihre Waffen so heilig. Einst waren sie nicht nur Symbol der Eroberung des Westens sondern auch sichtbares Zeichen ihrer Wehrhaftigkeit gegenüber absoluter Fürsten.
Diese frommen Männer zogen in ihren Planwagen los und taten wörtlich das was in der Bibel stand:
Frauen wie Dreck behandeln (das Weib schweige in der Gemeinde,
1.Korinther 14:34), alle vorherigen Bewohner Nordamerikas massakrieren (macht euch die Erde untertan 1. Mose 1,28), drastische Lynchjustiz (Auge um Auge Exodus 21,23–25), Schwule sofort töten (Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel 3.Mose 18,22) und brutale Sklaverei (ein böser Sklave gehört in den Block und verdient Schläge! Sir 33,27).

Jesus preist die Sklaverei, fordert von den Sklaven sich unterzuordnen und die RKK lässt bis heute Frauen wegen ihrer Minderwertigkeit nicht das geringste geistliche Amt übernehmen. (….)

Die ersten US-Amerikaner hatten mangels anderer staatlicher Strukturen nur die Bibel als Richtschnur und dementsprechend asozial, bestialisch, diskriminierend, rassistisch, misogyn, homophob und im drastischen Gegensatz zu jeder Menschenwürde gestaltete sich die frühe US-Gesellschaft.
Was sollte man auch sonst von einer primitiven Hirtenkultur, 1800 Jahre vor der Aufklärung erwarten?

Die Herrschaft im Haus
Sir 33,25      Futter, Stock und Last für den Esel, / Brot, Schläge und Arbeit für den Sklaven!    
Sir 33,26      Gib deinem Sklaven Arbeit, sonst sucht er das Nichtstun. / Trägt er den Kopf hoch, wird er dir untreu.    
Sir 33,27      Joch und Strick beugen den Nacken, / dem schlechten Sklaven gehören Block und Folter.          
Sir 33,28      Gib deinem Sklaven Arbeit, damit er sich nicht auflehnt; /
Sir 33,29      denn einem Müßigen fällt viel Schlechtigkeit ein.     
Sir 33,30      Befiehl ihn zur Arbeit, wie es ihm gebührt; / gehorcht er nicht, leg ihn in schwere Ketten!
(Das Buch Jesus Sierach)

Unglücklicherweise denken große Teile der US-amerikanischen Gesellschaft auch noch knapp 400 Jahre nachdem die ersten Pilgrim Fathers auf der Mayflower über den Atlantik schipperten man solle sich nach dieser Bibel richten.

(…..) In der Bibel preist Jesus auch die Sklaverei.
Linkshänder wurden verbrannt, weil sie die Teufelshand benutzten. Wollte die Kirche so.
Ungläubige, Juden, Muslime wurden von der Kirche massakriert.
Gemischtrassige und gemischt konfessionelle Ehen verboten.
Die Kirche pries Kinderarbeit und predigte fast 2000 Jahre ihrer Geschichte, daß man Kinder regelmäßig verprügeln muß.
Die Kirche jagte Jugendlichen Angst ein, wenn es um Masturbation ging.
Kirchen verboten das Bankenwesen und Zinsen.  

Die Kirche hat Menschen gefoltert und ermordet, weil sie sich für den Heliozentrismus stark machten.
Kirchen haben arabische Zahlen wegen der "teuflischen Null" untersagt.

Sich im 21. Jahrhundert auf Bibel, Gott und Kirche und Heiliges zu beziehen, ist ganz ganz ganz ganz ganz ganz ganz schlecht.

Der Typ entstammt einer altertümlichen primitiven Hirtenkultur, die keine Menschenrechte kannte und fleißig vor sich hin mordete.
Bischöfe und niedere Religioten, die sich heute noch auf die Bibel beziehen, sollte man nicht ernst nehmen. (….)

Wer sich im Jahr 2019 ernsthaft als Evangelikaler versteht, also immer noch die Bibel wörtlich auslegt, wählt wenig überraschenderweise Trump.
Seine Hetze gegen Dunkelhäutige, seine tiefe Frauenverachtung und die Gewalttätigkeit seiner Impulse machen ihn zum idealen Frühchristen.

Besonders traurig ist es zu sehen wie gut die Jahrhunderte lange Gehirnwäsche funktioniert. So sind überdurchschnittliche viele Nachfahren der schwarzen Sklaven besonders fromm.
Einer der weltweit meist bewunderten Kämpfer für die Rechte unterdrückter Schwarzer, Friedensnobelpreisträger Martin Luther King Jr. (* 15. Januar 1929 † 4. April 1968), der bekannteste Sprecher des Civil Rights Movement war ein Baptistenpastor.

Die psychologischen und soziologischen Faktoren, die so lange Unterdrückte und künstlich ungebildet Gehaltene christlich fromm machen, sind offensichtlich.

Aber intellektuell ist es eine Schande mit der Bibel in der Hand, dem Werkzeug der Sklaverei für Bürgerrechte zu argumentieren.
Weltweit waren es immer christliche Kirchen, die sich hartnäckiger als alle anderen gegen Fortschritte bei den Bürgerrechten wehrten und die alten Unterdrückungssystem aufrechterhalten wollten.

[….] Die Kirche in den USA war in den Sklavenhandel verwickelt. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder neue Details darüber bekannt - etwa der Fall der von den Jesuiten betriebenen Georgetown-University, die verschleppte Menschen verkaufte. [….] Damals wie heute bevorzugen nicht nur Katholiken, sondern auch Protestanten den Gottesdienstbesuch in einer Gemeinde mit Menschen eines ähnlichen sozialen und ökonomischen Status. Noch immer ist die Gemeindezugehörigkeit auch massiv von der Hautfarbe bestimmt. [….]
 Priester, Bischöfe und Ordensgemeinschaften [haben]  in früheren Jahrhunderten nicht nur Sklaven besessen [….], sondern [waren]  auch aktiv in den Sklavenhandel verwickelt.
Nachdem vor 400 Jahren die ersten afrikanischen Sklaven in Nordamerika eingetroffen waren, wurden sie auch von Katholiken erstanden und ausgebeutet. Manche jungen Frauen bekamen von den Eltern Sklaven geschenkt, die sie dann als ihre „Mitgift“ mit ins Kloster nahmen. Auch Louis William DuBourg (1766-1833), Bischof in dem Gebiet von Louisiana, besaß einige und versorgte auch die Vinzentiner in Missouri mit Sklaven.
Auch Universitäten besaßen Sklaven[….] 1862 wurde in jenen Südstaaten, die sich im Krieg befanden, die Abschaffung der Sklaverei verkündet. Nach dem folgenden Bürgerkrieg (1861-1865) waren die Sklaven freie Menschen. Dennoch wurden sie auch kirchlicherseits lange nicht als gleichberechtigt anerkannt. [….]

Dienstag, 20. August 2019

Linke Nörgler

In den Anfangsjahren des Privatfernsehens, waren wir von der bunt-poppigen Vielfalt natürlich überwältigt.
Schließlich hatte es Jahrzehnte nur „Erstes, Zweites und Drittes“ gegeben, deren Programmschemata man genau kannte.

Über eine längere Zeit gab es den stramm konservativen Kirch-Springer Kohl-Block, der mit Sat1, Pro7 und Kabel1 auf reine Unterhaltung setzte, kaum in Informationssendungen investierte, weitgehend auch auf Nachrichten verzichtete, jedoch bei den sporadischen Magazin-Sendungen gar nicht erst versuchte neutral zu wirken, sondern sich mit Sendungen wie Mertes‘ „Zur Sache, Kanzler“ als CDU-Werbung verstand.
Kohl und Kirch waren privat und geschäftlich eng miteinander verquickt.

Dem gegenüber standen „die Bertelsmänner“, zu denen RTL, RTL2 und VOX zählten. Der alteingesessene mittelständische Gütersloher Verlag Bertelsmann mit seinem modernen, aufgeschlossenen Patriarchen Reinhard Mohn hatte in RTL, Gruner und Jahr, sowie den SPIEGEL investiert und sich damit auf der eher liberalen Schiene positioniert. Bertelsmann kannte man bis daher eher vom „Bertelsmann Buchclub“ und wußte, daß dort in der niedersächsischen Provinz eine Druckerei betrieben wurde. Mohn hatte aber den richtigen Riecher und stieg so zum international tätigen Milliardär auf.
Damals war es noch anrüchig, wenn seriöse Moderatoren der öffentlich-rechtlichen Sender zu den Privaten wechselten.
Sat1-Zampano Fred Kogel hatte großen Einfluss auf die Show-Szene, aber Günther Jauch ging doch spektakulär zu RTL und begründete es ausdrücklich damit, daß er nicht verantworten könne für die Kirchgruppe zu arbeiten, aber „mit den Bertelsmännern kann ich leben".
Der alte Reinhard Mohn engagierte sich gesellschaftlich, sorgte sich um die Zukunft, gründete eine Stiftung und rüttelte immer mehr mit modernen Ansichten seiner Studien auf.
Als der Philanthrop 2009 im Alter von 88 Jahren starb, gab es zunächst etwas unübersichtliche Verhältnisse, da er sechs Kinder aus verschiedenen Ehen hatte und das Vermögen in Stiftungen steckte.
Letztendlich bekam aber seine zweite und 20 Jahre jüngere Frau Elizabeth „Liz“ die totale finanzielle Kontrolle über alles.

Sie ist Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und des Lenkungsausschusses der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, übt dort das Amt der Familiensprecherin aus und ist Mitglied der Aufsichtsratsgremien von Bertelsmann. Mohn ist daneben stellvertretende Vorsitzende des Vorstands und des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung.

Witwe Liz tickt ganz anders als ihr liberaler Mann. Sie ist eine enge Freundin Merkels und Unterstützerin der CDU.
Bis auf den SPIEGEL mit seiner hochkomplizierten Eigentümerstruktur – über die Hälfte des Spiegel-Verlages gehört den Mitarbeitern – gingen alle Medien des Bertelsmann-Konzerns auf deutlich konservativeren Kurs.

Mit ihren Freundinnen Liz und Friede (Springer) hat Merkel nun anders als ihr CDU-Vorgänger-Kanzler Kohl nicht nur die Hälfte der privaten Boulevardmedien auf ihrer Seite, sondern fast alle.
Die berühmten Bertelsmann-Studien der reichen Stiftung gibt es immer noch. Sie erregen nach wie vor sehr viel Aufmerksamkeit.
Aber wenn die „Bertelsmänner“ wie zuletzt spektakulär fordern die Hälfte der deutschen Krankenhäuser zu schließen, begeistert das nicht nur den zuständigen Gesundheitsminister Spahn, sondern weckt anders als zu Reinhards Zeiten erhebliche Zweifel an der Objektivität.

[…..] Soll die Hälfte der Kliniken geschlossen werden, um so angeblich die Gesundheitsversorgung zu verbessern? Diese Forderung ist plump und falsch: Sie macht Angst
[…..]  Ökonomisierung der Medizin ist ungut. Die Medizin ist keine Wirtschaftsbranche wie jede andere. Für Kranke sind Faktoren wichtig, die in betriebswirtschaftlichen Programmen keine oder kaum eine Rolle spielen: Zeit, Geborgenheit, und (auch wenn es altmodisch klingt) Barmherzigkeit. […..]  Was zählt eigentlich mehr, wenn Krankenhäuser an der Börse notiert sind: die Bedürfnisse des Shareholders oder die des Patienten? […..] Der Münchner Pflegekritiker Claus Fussek sagt daher, Pflege und Krankheit sind eigentlich "nicht börsen- und renditefähig".
[…..]  Die Art und Weise, wie jüngst die Bertelsmann-Stiftung ihre Studie über eine Radikalreform des Krankenhauswesens in die Gesellschaft knallte, war ein ungutes Exempel. Sie war vertrauenszerstörend und angstmachend. Sie war ohne Sensibilität, ohne Empathie und ohne regionale Differenzierung. Die Studie forderte, weit mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser zuzusperren und stattdessen auf Großkliniken zu setzen - ganz im Interesse von Giganten wie der Rhön-Klinikum AG, in deren Aufsichtsrat Liz Mohn sitzt, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung. […..]

Bertelsmann ist wahrlich keine links-liberale Stimme mehr und erfreut heute eher die stramm Neoliberalen.
So darf man auch die neueste Bertelsmann-Studie verstehen: Als Hofknicks und Warnung an die Konservativen!
Hilfe, die SPD-Minister dominieren die Groko und die die Gesetzgebung.
Für Leser meines Blog kann das keine Überraschung sein. Tagein tagaus bete ich das Mantra von den nicht nur unfähigen, sondern auch faulen Unionsministern, die außer Besitzstandswahrung und Lobbyisten-Unterwürfigkeit  gar keine eigene Agenda mehr haben.
Konservative würden nun den Namen „Spahn“ einwerfen, der sei doch so umtriebig.
 Ja, in der Tat, der kündigt viel an und macht großen Wirbel.
Allerdings geht es ihm nur um Eigen-PR; wie die Gesetze umgesetzt werden ist im völlig egal. Alles, das Spahn tut, verpufft.

[….]  Nach eineinhalb Jahren im Gesundheitsministerium hat sich Spahn ein Image als Macher erarbeitet, als einer, der nicht lange fackelt und auch die schwierigen Themen anpackt. [….]  Spahn will zeigen: Er sieht die Probleme und reagiert.
Nur ob seine Vorschläge wirklich etwas verbessern, wird sich erst zeigen müssen.
Am Jahresanfang versprach Spahn 13 000 neue Stellen in der Pflege. Bis jetzt sind es erst 300.
Interessant ist, dass Spahn inhaltliche Rückschläge in der öffentlichen Debatte kaum belasten. Während sich andere Politiker im Kampf um einzelne Vorschläge verhaken, perlen Niederlagen an Spahn ab. [….]  "Ein Gesetz zu machen, ist das eine", sagt Schmidt, "die Frage, wie es umgesetzt wird, das andere." [….]  Dem ehrgeizigen Spahn dürfte das nicht so wichtig sein.   Denn dann ist er vielleicht schon weitergezogen. […..]

Die Bertelsmänner haben sich diese Effektlosigkeit der Unions-Minister genauer angesehen und die Arbeit des Groko-Kabinetts überprüft.
Das Ergebnis ist ein Desaster für die Parteichefs Söder und Kramp-Karrenbauer.

Die SPD-Seite der Groko arbeitet höchst effektiv und seriös.

[….]  Hält die Große Koalition, was sie verspricht? Weitgehend ja - zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. [….]  Demnach hat die Regierung aus Union und SPD in ihren ersten 15 Monaten zahlreiche Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt. 47 Prozent der Versprechen seien vollständig oder teilweise erfüllt, 14 Prozent "substanziell in Angriff genommen" worden. Das sei deutlich mehr als die - ebenfalls schwarz-rote - Vorgängerregierung zur Halbzeit geschafft hatte.
Die Autoren der Studie untersuchten 296 "echte Versprechen": Vorhaben, bei denen sich klar überprüfen lässt, ob sie umgesetzt wurden. Ihr Fazit: Die Bilanz der jetzigen Koalition sei "rekordverdächtig". Sollte die Regierung in ihrem jetzigen Tempo weiterarbeiten, könnte sie bis zum Ende der Legislaturperiode fast alle Versprechen eingelöst haben.


[….]  Von den 296 Wahlversprechen stammen der Studie zufolge 73 (etwa ein Viertel) aus dem Wahlprogramm der SPD und 32 (elf Prozent) aus denen von CDU und CSU. 46 Vorhaben (16 Prozent) finden sich in den Programmen beider Koalitionspartner wieder. [….]  Zwischen Union und SPD ist die Umsetzungsbilanz ausgeglichen: Die SPD setzte der Studie zufolge 33 der 73 Vorhaben um, die allein aus ihrem Wahlprogramm stammen (45 Prozent). Von den 32 unionsgeprägten Versprechen waren am 30. Juni, dem Stichtag der Untersuchung, 14 umgesetzt worden (44 Prozent). [….] 

Während für die CDUCSU die blamable Erkenntnis bleibt, daß ihre Minister sehr viel schlechter als die Sozen arbeiten, müssen sich Totalversager wie Andrea Nahles fragen lassen, wie zum Teufel sie es geschafft haben eine so erfolgreiche Realpolitik als völliges Desaster zu erkaufen.
Viele SPD-Mitglieder wollen „nur noch raus aus der Groko“, weil sie fest davon überzeugt sind, diese erreiche gar nichts oder setze nur neoliberale Dinge um – obwohl das diametrale Gegenteil der Fall ist.
                                                                      
Das ist ein ganz neuer Spin des Versagens der politischen Linken von 2019:
Wählerabschreckung durch Erfolg!
Enttäuschung auslösen durch Ehrlichkeit!
Die eigene Parteibasis frustrieren durch Effektivität.
Sozial Schwache vergrätzen durch Politik für sozial Schwache.

Die Groko arbeitet nicht nur gut, sondern so viel besser als ihr Ruf, daß es schon an ein Wunder grenzt demoskopisch so katastrophal dazustehen.

[…..] Die GroKo glänzt unbemerkt.
"Besser als ihr Ruf" betitelt die Bertelsmann Stiftung ihre ausführliche Auswertung der Arbeit der Großen Koalition und trifft damit den Kern der vorgestellten Forschungsergebnisse: Viele Menschen sind demnach überzeugt, dass Koalitionsversprechen oft nicht umgesetzt würden. [….]

Da setzt die Groko überwiegend und kontinuierlich ureigene SPD-Forderungen um und in den Sozi-Basisgruppen auf Facebook ziehen Jusos und Parteilinke über Scholz als „Schäuble 2.0“ her, ätzen er solle endlich in die CDU übertreten.
Die SPD müsse die Groko sofort verlassen, weil nur Unionspolitik gemacht werde.
Nichts könnte ferner der Wahrheit sein. Aber die Linken scheinen sich in einer Trump-artigen Fakenews-Blase eingenistet zu haben, in der sie nichts anderes tun, als die eigene Partei zu schädigen, indem sie über die eigenen Minister herziehen und ihnen vorwerfen die Partei zu schädigen.
Die SPD setzt zum Entsetzen der Rechten konsequent ihre Forderungen durch und anschließend sind die Linken noch entsetzter als die Rechten, weil sie fest davon überzeugt sind ihre Partei setze in der Groko nichts durch.
Kann man sich nicht ausdenken.

Olive Zukunft?


Natürlich bin und bleibe ich ein Rotgrüner, ein Verfechter von GR, GR2, oder R2G.
Gern mit den Linken.
Zugegebenermaßen speist sich diese Einstellung nicht nur aus positiven Erwartungen, sondern zum großen Teil auch aus Abscheu gegenüber CD/CSU/FDP. Ich will endlich keine rechtspopulistischen Töne mehr hören und will den Einfluss der superreichen Lobbyisten auf die Minister minimiert sehen.
Ich will ernsthaften Wandel in Richtung Umweltschutz, volle Gleichberechtigung aller Minderheiten, klare Kante gegen Rüstungskonzerne.
Ich will ein ganz anderes Drogenrecht, ein anderes Staatsbürgerschaftsrecht und endlich Selbstbestimmung bei Sterbehilfe, PID, §218, Patientenverfügung.  Ich will ein Ende der staatlichen Dotationen an die Kirchen und die ersatzlose Streichung des Gotteslästerungsparagraphen.

Dazu müssen nun einmal Gelbe, Schwarze und Braune in die Opposition.
Dazu braucht man eine Mehrheit jenseits der CDU und das geht außer in Hamburg (durch die superstarke Scholz-SPD) wenn überhaupt nur in einer Linke-Grüne-SPD-Konstellation.

Da kann man sich den Luxus nicht mehr erlauben jedes einzelne Mitglied der drei Parteien sympathisch und intelligent zu finden.
Natürlich gibt es in bundesweiten Parteien immer auch eine ganze Menge Deppen. Schließlich sind das Zusammenschlüsse von Myriaden Individuen und keine homogene Gruppe Borgs, die alle dasselbe denken.
Natürlich ist es sehr bedauerlich, wenn die Gruppendynamik aus innerparteilich zerstrittenen Flügeln ausgerechnet eine rechts blinkende AFD-Frau an die Spitze der Linken-Fraktion und eine vulgäre Karnevalistin auf den SPD-Chefsessel spülen.
Glücklicherweise befinden sich Wagenknecht und Nahles inzwischen im politischen Abklingbecken und genießen ihre Frühverrentung.
Was bedeuten angesichts des Elends und der postfaschistischen Kakistokratien um uns herum schon einzelne Blödmänner auf Landes- oder Kommunalebene kleinerer Koalitionsparteien?
Kann man da nicht verdammt noch mal endlich drüber hinwegsehen, statt immer neue Ausschlusskriterien zu formulieren?
Die drei Parteien Grüne und Rote, also alle, die  Pirinçci unter „rotgrünversifft“ subsummiert, wollen doch so ungefähr in die gleiche Richtung und könnten sich doch für eine zeitlich begrenzte Wanderstrecke zusammenschließen, um endlich nicht mehr der braunen Lok nach rechts nachzulaufen.
Ist doch klar, wenn drei Vektoren die Richtung definieren, geht es nicht exakt auf das Ziel eines einzelnen Vektors zu, aber doch immerhin in eine gewisse räumliche Nähe und nicht in eine andere Galaxie (wie mit der CSU).
Also Schluss mit dem Auseinanderdividieren von SPD und Linker, mit den Gräben zwischen Grünen und SPD, Schluß mit den innerparteilichen Kabalen, Schluß mit der Schubladisierung in „parlamentarische Linke“ und „Seeheimer“.
Kein Protagonist dieses Spektrums kann so abartig sein wie Lindner oder Maaßen oder Scheuer.

Aber dann schlägt man die Zeitung auf, vergegenwärtigt sich in diesem grünen Elend-Bundesland zu hocken, in dem die Grünen so CDU-affin sind, daß sie heute noch der 2010 beendeten Regierung mit den CDU-Hardlinern Ahlhaus und Kusch, die mit dem rechtspopulistischen Pimmel-Prahler Schill koalierten, alles privatisierten, Brechmittel gegen mutmaßliche Drogendealer einsetzten, dabei auch einen unschuldigen Toten in Kauf nahmen, Europas größte CO2-Dreckschleuder Moorburg genehmigten, so viele Straßenbäume abhackten wie noch nie und brutal abschieben ließen und in der bei Elbphilharmonie und der Privatisierung der Landesbank HSH so dermaßen gestümpert wurde, daß der Steuerzahler auf einem zweistelligen Milliardenschaden sitzen blieb.
Die Hamburger Grünen sind so dermaßen rechts, daß sie auch heute ohne Not und vor allem ohne Sinn – denn die Hanseaten-CDU ist so schwach, daß es niemals zu einer Grünschwarzen Regierung reichen kann – in die Arme der Schwarzen zurück wollen.
Die Grüne zweite Bürgermeisterin Fegebank scheut ökologische oder gar soziale Festlegungen wie der Teufel das Weihwasser. Sie schielt nur auf die CDU-Parteizentrale. Dort möchte sie gemocht werden und so wechselt mitten in der Legislatur ausgerechnet die Grüne Fraktion aus Hamburg-Eimsbüttel, 265.000 Einwohner, des linksalternativsten Bezirks Hamburgs von Rot-Grün zu Schwarz-Grün.

[….]  Am Ende geht's nur um Macht Hamburg: Das verlogene Liebesspiel von CDU und Grünen
So schnell können aus politischen Feinden also Partner werden. Jahrelang hat Eimsbüttels CDU gegen das rot-grüne Bezirksbündnis gewettert, dabei vor allem die Verkehrspolitik kritisiert. Und jetzt? Wollen beide Parteien zusammen ein neues Bündnis schmieden, angeblich wegen der großen Überschneidungen in Verkehrsfragen. Ein Paradebeispiel für verlogene Machtpolitik. [….]

Der Grüne Justizsenator Steffen, der auch schon unter CDU-Bürgermeistern Justizsenator war, erklärt, er fühle sich der CDU näher als der SPD. „In den ausführlichen Gsprächen hat sich gezeigt, dass die Erarbeitung von Leitlinien für künftige Planungen die Menschen und der Natur den nötigen Raum zu geben, mit der CDU besser möglich ist.“
Ja klar.

Sonntag, 18. August 2019

Plapparella AKK plappert sich um Kopf und Kragen

Manchmal nervt es ja schon SPD-Mitglied zu sein.
Da schlagen die Wogen der linken Aktivisten im Netz jetzt hoch, weil Olaf Scholz es wagt zu kandidieren – nach 13 Kandidaten des linken wir-sind-gegen-alles-Flügels.
So ist das in der Demokratie. Man muss es schon aushalten, daß auch andere Interessen formuliert und zur Abstimmung gestellt werden.

Es passiert so viel Ärgerliches im Lager der SPD-Nörgler.
Es ist falsch Scholz als Freund der Groko darzustellen.
Er warb, genau wie ich, mit Bauchschmerzen für die Groko, weil er abwog, daß alle Alternativen viel schlechter sind.

(……) Was passiert, wenn die SPD die Groko verlässt?
Es gibt drei Möglichkeiten:

1.) Merkel einigt sich auf Jamaika, die sechs SPD-Minister Maas, Scholz, Barley, Giffey, Schulze und Heil werden durch drei FDPler und drei Grüne ersetzt.
Dann wäre Oberlobbyisten und Porschefahrer Lindner Vizekanzler und würde gewaltig die Sozialleistungen zusammenstreichen. Also wäre es eine klare Verschlechterung zum Ist-Zustand. Allerdings ist die Variante unwahrscheinlich, da Jamaika schon einmal scheiterte und die 20%-Grünen von heute sicher keine Lust haben mit weniger Macht als die FDP (BTW 10,7%), nämlich ihren mickrigen 8,9% in die Regierung einzutreten.

2.) Neuwahlen. Dafür gibt es aber hohe Hürden. Sie können nicht einfach so vom Bundestag angesetzt werden, sondern setzt eine gescheiterte Vertrauensabstimmung und entsprechendes Handeln des Bundespräsidenten voraus. Warum sollte Merkel so ein blamables Ende ihrer Kanzlerschaft mutwillig herbeiführen und damit auch auf die glanzvolle EU-Ratspräsidentschaft im Jahre 2020 verzichten? Zumal ein schlechteres CDUCSU-Ergebnis als 2017 zu erwarten ist. Warum sollte die SPD das in sicherer Erwartung dramatischer weiterer Sitzverluste mitmachen? Diese Option ist also auch sehr unwahrscheinlich.

3.) Da man Kanzler nur mit einem konstruktiven Misstrauensvotum abwählen kann, es weit und breit keine Mehrheit für einen anderen Kanzler gibt und sich Frau Merkel zudem in einem persönlichen Umfrage-Hoch befindet – sie ist die beliebteste Politikerin Deutschlands, eine übergroße Mehrheit möchte, daß sie bis 2021 im Amt bleibt – wird sie  mit einer Minderheitsregierung Kanzlerin bleiben und sich hauptsächlich von FDP und AfD aushelfen lassen.
Das ist die mit Abstand wahrscheinlichste Variante.
Die sechs SPD-Minister Maas, Scholz, Barley, Giffey, Schulze und Heil werden arbeitslos, die SPD verliert jeden Regierungseinfluss, stattdessen sucht sich Merkel sechs möglichst weit rechts stehende neue Unionsminister à la Spahn, Klöckner, Seehofer, die mit nationalistischer, xenophober, antieuropäischer, homophober und antiökologischer Politik um die Zustimmung der über 90 AfD-Parlamentarier buhlen. Die Rechtsaußen Merz, Ziemiak, Linnemann scharren schon mit den Hufen.

Alle drei Varianten sind aus linker Sicht eine klare Verschlechterung zur Groko.
Die wahrscheinlichste Variante (3) ist die Allerschlechteste. (…..)

Es ist falsch Scholz als Nahles-Partner zu verunglimpfen.
Die-Ex-Vorsitzende war völlig auf den Kopf gefallen und redete sich immer wieder um Kopf und Kragen.
Scholz ist genau das Gegenteil: hochgebildet und extrem kontrolliert. Niemals würde er mit peinlichen Sanges- oder Tanzeinlagen oder Vulgär-Zoten allgemeines Kopfschütteln auslösen.

Olaf Scholz blieb gar nichts anderes übrig als für den SPD-Vorsitz zu kandidieren, nachdem sich alle anderen Stellvertreter erbärmlich aus dem Staub machten, Stefan Weil peinlich Woche um Woche ohne Entscheidung verstreichen ließ bis sein ganzer Landesverband lahmgelegt war und auch der kleine, feige, vorlaute Juso-Vorsitzende sich lediglich einnässte und lieber weiterhin vom Spielfeldrand meckert, statt selbst für irgendetwas gerade zu stehen.
Irgendein Schwergewicht MUSSTE antreten, um nicht den gesamten Auswahlprozess zur Farce verkommen zu lassen.
Mal ganz abgesehen davon ist Olaf Scholz auch der richtige, nämlich der qualifizierte Mann.

[….] Für einen Erfolg könnten in erster Linie die Umfragewerte des Bundesfinanzministers sprechen. Eine Mehrheit der Bürger schätzt ihn, würde ihn lieber als Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) oder Robert Habeck (Grüne) im Kanzleramt sehen.
Kommt hinzu, dass Olaf Scholz mit dem Aufrichten einer Partei große Erfahrung hat. Als er Anfang des Jahrzehnts in Hamburg die SPD übernahm, war diese erstens am Boden und zweitens in der Opposition. Von dort führte er sie (und sich) nicht nur ins Rathaus, sondern holte im ersten Versuch gleich die absolute Mehrheit der Wählerstimmen. [….]

Keiner bestreitet, daß die SPD in einer existentiellen Krise ist, daß die Umfragewerte eine Katastrophe sind.

Aber es spricht auch einiges für eine Scholz-SPD:

1.) Die Bundesregierung wird von den guten SPD-Bundesministern getragen, während alle Unions-Leute Totalausfälle sind, die wie Klöckner, Scheuer, Altmaier und Seehofer eigentlich nur noch für Satiresendungen taugen.
2.) Das Wählerverhalten ist heute volatiler denn je.
3.) Das mit Abstand größte Argument für die Wahl von CDU/CSU ist nach allen Umfragen Angela Merkel und die wird 2021 nicht mehr antreten.

Unterdessen wird die Welt in gewaltigen Schritten immer chaotischer und gefährlicher. Morbus Trump steckt immer mehr Länder an. Gut möglich, daß viele Wähler sich in einer Weltkrisensituation nicht an ein Greenhorn wenden, sondern lieber an den beliebten, erfahrenen Vizekanzler.

[….] Scholz [….] steht mittlerweile für Positionen, die bestens in der Partei ankommen und sozialdemokratische Urinstinkte bedienen. Er will einen deutlich höheren Mindestlohn, eine Rentengarantie bis 2040. Und wenn man all die alten Vorurteile mal beiseite packt, dann steht nun ein Mann auf der Bühne, der vielleicht doch besser passen könnte, als viele meinen. Der die SPD, zumindest kurzfristig, stabilisieren könnte.
Der Republik könnten wirtschaftlich schwierige Zeiten bevorstehen, die Konjunktur kühlt sich ab. In solchen Zeiten werden Politiker weniger nach ihrem Unterhaltungswert beurteilt als danach, ob man ihnen Führung und gute Nerven zutraut. [….] Bei vielen Parteifreunden mag Scholz keinen leichten Stand haben, im Volk ist er mit seinem Kämmererstil durchaus populär. Und sein Wort als Vizekanzler hat Gewicht. Wenn Scholz sich zur schwarzen Null äußert, bewegt das Märkte. [….] Falls zur nächsten Wahl, nur mal theoretisch, die Kanzlerkandidaten Robert Habeck (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) anträten, dann sähe das tatsächlich erst mal nach einem klaren Punktsieg für Habeck aus. Andererseits: Wem von beiden würden die Leute wohl eher zutrauen, in einer instabilen politischen Großwetterlage gegen Donald Trump zu bestehen, gegen Wladimir Putin? Dem ehemaligen schleswig-holsteinischen Umweltminister oder dem Bundesfinanzminister, ehemaligen Arbeitsminister und früheren Hamburger Bürgermeister? [….]
(DER SPIEGEL, 16.08.2019)

Noch etwas spricht für Scholz; die mutmaßliche nächste Kanzlerkandidatin der CDU.
Annegret Kramp-Karrenbauer debakulierte, so lange sie kein Regierungsamt hatte und nur ihre Rede als Machtinstrument hatte.
Damit war sie zur Königin der Shitstorms (#Rezozensieren #Gendertoilette, #verkrampftesvolk, #homoehe-inzest, #Intersexuellenwitze #gretabashing) aufgestiegen, die sich nie klar ausdrücken konnte und immer wieder Stunden nach ihren Verbalausfällen erneut vor die Presse musste, um ihren selbst verbreiteten Unsinn zu korrigieren.

[….]  Wie ist nur so ein schlechtes Krisenmanagement möglich? Die Chefin war ja nicht etwa heimlich betrunken in einer Oligarchen-Suite gefilmt worden, sondern trat gebrieft und vorbereitet vor die Presse.
Nur um wenige Stunden später klarzustellen, daß sie das was sie eben gesagt hatte, gar nicht gesagt, aber jedenfalls nicht so gemeint hätte, es aber auch nicht zurücknehmen werde, weil es „absurd“ wäre ihr zu unterstellen, das gemeint zu haben, was sie gesagt hätte.

Sogar konservative, sehr CDU-freundliche Autoren wenden sich gruselnd ab. [….]

Aus purer Verzweiflung nahm AKK nun doch entgegen ihrer früheren Versprechen ein Ministeramt an, mit dem sie prominent in der Presse vertreten ist und nun endlich statt nur Reden zu halten, auch zeigen kann wie sie regiert.

Überraschenderweise verschlimmerte sich dadurch ihre Lage nur noch.
Nun blamiert sie sich in ihrem Amt UND gibt die AKK-typischen Zwei-Stunden-Forderungen von sich, die sie immer dazu zwingen ein weiteres mal aufzutreten und das Gegenteil des eben Gesagten zu behaupten.

Die Frau ist leider unfähig öffentlich zu sprechen.
Sie ist zwar weniger vulgär und laut als Andrea Nahles, gibt aber inhaltlich noch viel größeren Schwachsinn von sich.

[….] Annegret Kramp-Karrenbauer wollte auf maximale Distanz zu Hans-Georg Maaßen gehen. Das ist richtig. Aber die CDU-Chefin stellt sich maximal ungeschickt an - wieder einmal.
   [….] Die CDU hatte damit eine Maaßen-raus-Debatte, da halfen auch keine nachträglichen Erklärungen, Relativierungen, Klarstellungen. [….]  Kramp-Karrenbauer hat sich dabei so dilettantisch angestellt, wie es einem politischen Profi nicht passieren darf. Besonders laut stöhnen nun die ostdeutschen CDU-Wahlkämpfer auf. In Brandenburg und Sachsen wird in zwei Wochen gewählt, und gerade im Osten ist Maaßen noch ein Publikumsmagnet. Eine Diskussion über seinen Rauswurf können die Christdemokraten in der heißen Wahlkampfphase dort so gut gebrauchen wie eine zünftige Parteispendenaffäre.
[….]  Seit sie Merkel im CDU-Vorsitz beerbt hat, gerät AKK immer wieder kommunikativ ins Stolpern.
Im Karneval machte sie einen dummen Witz auf Kosten Intersexueller, nach der Europawahl sinnierte sie über Regeln gegen "Meinungsmache" im Internet, jüngst war sie in einem Interview so zu verstehen, ihre Partei könnte von der schwarzen Null abrücken. Dabei hatte sie offenbar schwarze Null und Schuldenbremse verwechselt.
Jedes Mal große Aufregung, Irritationen, Diskussionen, jedes Mal mussten Kramp-Karrenbauer und ihre Adjutanten im Anschluss ausschwärmen und erklären, was sie angeblich nicht gemeint hatte und wie man sie wirklich verstehen sollte.
Ihre Aussagen im Fall Maaßen zeigen, dass sie aus ihren Fehlern auch nach mehr als acht Monaten im Amt nicht gelernt hat. [….]

Annegret Kramp-Karrenbauer (es fällt schon schwer nicht infantil ihren Nachnamen zu verballhornen) verplappert sich aber nicht nur fortwährend, sondern führt auch noch ein extrem skandalträchtiges Ministerium, welches ihr in den nächsten beiden Jahren noch um die Ohren fliegen könnte.
Es ist alles lachhaft, das sie tut. Bundeswehrsoldaten dürfen kostenlos Bahnfahren? Weil die Bahn ja so leistungsstark ist und an Überkapazitäten leidet?

[….]  Bundeswehrsoldaten dürfen ab Januar nächsten Jahres kostenlos mit der Bahn fahren. [….] Für die drei Panzergrenadiere, mit denen ich kürzlich einen Tisch im Großraumwagen teilte, ist das gewiss eine erfreuliche Nachricht: bleibt mehr Geld für Dosenbier. Prost, AKK, wir danken dir für diese Runde hier. [….]  Wie soll ein Bahn-Chef solide planen und wirtschaften, wenn sich die Verteidigungsministerin wie König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte aufführt und die Bahn für Dankbarkeitsgesten gegenüber der Bundeswehr missbraucht? [….]

Wollen die Deutschen dann so eine als Regierungschefin haben?
Dritter Kanzlerkandidat wäre mutmaßlich Robert Habeck, der zwar sympathisch und klug ist, aber über keinerlei bundespolitische Erfahrung verfügt und konzeptlos vor der praktischen Politik steht.
Auf die Spitzenkandidaten-Runden im TV freue ich mich jetzt schon.
Olaf Scholz, der ohne Merkel als beliebtester Bundesminister ins Rennen ginge, wird die locker in die Tasche stecken.
 Der Mann ist hochintelligent und prescht nie unüberlegt vor.
Und er kann bewiesenermaßen regieren.
Bei AKK und Habeck ist das hingegen höchst zweifelhaft.

[….] Die Parteichefin durchlebt die schwierigste Phase ihrer Amtszeit. Mitte Juli hatte sie sich dafür entschieden, entgegen aller vorherigen Beteuerungen das Amt der Verteidigungsministerin zu übernehmen. Es ist der Versuch, ihre durch eine Reihe von Fehlern und Ungeschicklichkeiten gefährdete Stellung an der CDU-Spitze wieder zu festigen.
Bislang ist das nicht geglückt. Im jüngsten ZDF-Politbarometer sank ihr Beliebtheitswert auf minus 0,4. So schlecht stand sie noch nie da. CDU-Wahlkämpfer inOstdeutschland berichten, die Bürger hätten wenig Verständnis für ihren Schritt. Schließlich hatte Kramp-Karrenbauer bis kurz vor Bekanntgabe der Entscheidung erklärt, sie strebe keinen Kabinettsposten an und wolle sich vollkommen der Parteiarbeit widmen.
Das wird nun noch schwieriger. In den kommenden Wochen und Monaten muss die neue Ministerin eine Reihe von Antrittsreisen unternehmen, zu Amtskollegen aber auch zu deutschen Truppen in Ländern wie Irak, Mali oder Afghanistan. Zugleich stehen in der Partei wichtige Entscheidungen an. CDU und CSU wollen sich auf ein Klimakonzept einigen. [….] Der Start der neuen Ministerin war nicht vielversprechend. Sie stieß eine Debatte um das in der Nato vereinbarte Ziel an, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung auszugeben. Das hat den konservativen Flügel der CDU gefreut, aber ihrer Popularität bei der Bevölkerung dürfte nicht gestiegen sein, zumal die SPD klar gemacht hat, dass sie Kramp-Karrenbauers Forderung für falsch hält. [….]
(SPIEGEL+, 16.09.2019)

Samstag, 17. August 2019

Länderübergreifende Ansteckung

Es gibt keine politische Dummheit, die zu absurd wäre, um von Donald Trump vorgetragen zu werden.
Demonstranten als „übergewichtig“ zu verhöhnen, Grönland mitsamt seiner seiner 55.000 Menschen zu kaufen, anderen Ländern vorschreiben, ob sie seine politische Opposition einreisen lassen dürfen – jede Woche bettelt IQ45 darum endlich von den Leute im Weißen Kittel abgeholt und für immer in eine Gummizelle gesperrt zu werden.


Bedauerlicherweise haben sich inzwischen eine gesamte Partei, weite Teile der Medien und die Hälfte der US-Bevölkerung mit Trumps pathologischer Persönlichkeitsstörung angesteckt, kotzen ihren Rassismus hinaus und werfen mit ihrer braunen Scheiße um sich.

Was auf der menschlichen Ebene funktioniert, scheint aber auch unter Staaten zu funktionieren.

Erschreckenderweise scheinen sich große Teile der Welt zurück zu entwickeln, gesellschaftlich zu retardieren.
Ende des vorherigen Jahrtausends waren wir schon einmal viel weiter.

In Afghanistan und dem Irak sah man wenige Kopftücher auf der Straße, Frauen und kurzen Hosen studierten, die Länder waren so säkular, daß religiöse Kleidung sogar in öffentlichen Gebäuden (Schulen, Universitäten) verboten waren, im Irak war ein Christ Außenminister.
Im islamischen Staat Pakistan regierte Benazir Bhutto als Regierungschefin.
Lange vor Merkel in Berlin wurde in der islamischen Türkei Tansu Çiller Ministerpräsidentin.
Die Säkularisierung wäre in Afghanistan sicherlich weiter fortgeschritten, wenn die auf Wunsch der Regierung in Kabul einrückende sowjetische Armee in den 1980er Jahren erfolgreich gewesen wäre.

Dem standen aber die USA im Weg. Washington rüstete massiv die radikal islamischen Kräfte auf, die CIA schickte religiöse Fanatiker wie den Saudi Osama bin Laden nach Kabul, setzte Milliarden dafür ein die säkulare, vergleichsweise offene und fortschrittliche Gesellschaft Afghanistans in das Taliban-Zeitalter zu bomben.
2003 gelang Washington und London das Kunststück noch einmal im Irak: Eine säkulare Gesellschaft mit garantierten Rechten für Frauen und alle anderen Religionen wurde mit Gewalt in einen schiitischen Gottesstaat umgewandelt, in dem nun die Mullahs das Sagen haben und keine einzige Frau mehr öffentlich ohne Niqab oder zumindest Taschador zu sehen sein darf.

Im Westen sahen wir diese vermeintlichen Rückentwicklungen in kalifatische Strukturen mit Entsetzten.
Dabei ist „Rückentwicklung“ der falsche Begriff, daß die ursprünglichen islamischen Kalifate kulturell, wissenschaftlich und gesellschaftlich sehr viel fortschrittlicher als das christliche Mittelalter waren.
Das was uns im 21. Jahrhundert als wahabitisches Königreich (Riad) oder schiitischer Gottesstaat (Teheran) erschien, liegt gesellschaftlich 1000 Jahre hinter den eigentlichen Mittelalter, in dem die Mauren den Fortschritt nach Europa brachten, zurück.

(…..) Das Christentum ist eine derart destruktive Religion, daß es über 1000 Jahre alles zerstörte, was unsere Wurzeln ausmacht.
Wie verdanken das Wissen um unsere eigene Geschichte und unser geistiges Fundament ausdrücklich dem Islam, der rettete, als das Christentum nur zerschlug und vernichtete.

Zum Glück gibt's den Islam
 […]  Das echte "finstere Mittelalter" Europas lag etwa zwischen dem vierten und dem achten Jahrhundert nach Christus. Damals hatte das Christentum sich in weiten Teilen Europas verbreitet, und seine Verfechter und Verteidiger begannen mit etwas, das man heute eher mit den Taliban assoziieren würde als mit dem christlichen Abendland: der systematischen Vernichtung von Kulturgütern.
Christliche Herrscher und Kirchenführer sorgten beispielsweise dafür, dass in West- und Osteuropa massenweise Bücher verbrannt wurden, ganze Bibliotheken opferte man der höheren Ehre Gottes. Alles Wissen jenseits der Bibel und theologischer Abhandlungen galt als gefährlich, weil es den Glauben hätte in Frage stellen können. Viele Schriften griechischer Philosophen und Dramatiker, natur- und geisteswissenschaftliche Abhandlungen konnten nur überleben, weil Gelehrte in den Osten flohen, Wissen und Bücher mitnahmen. "Über diese verschlungenen Pfade sollten also Araber Aristoteles und all die Schätze der griechischen Wissenschaft erben", schreibt Peter Watson in seiner grandiosen Welt-Kulturgeschichte "Ideen".
Aristoteles' Dialektik etwa sei im christlichen Denken geächtet worden, "weil ein Dialog mit Gott schlicht als unvorstellbar empfunden wurde". So kam es, "dass Aristoteles' Werke - mit Ausnahme von zwei seiner Abhandlungen über die Logik - aus dem Abendland verschwanden und uns nur erhalten blieben, weil sie von arabischen Übersetzern gehortet wurden". Andere Werke verschwanden vollständig. Sophokles etwa hat wohl mindestens 123 Dramen geschrieben - ganz erhalten sind gerade einmal sieben davon, ebenso wenige von Aischylos.
Die christlichen Kulturvernichter leisteten ganze Arbeit, auch später noch einmal, als im Zuge des byzantinischen Bilderstreits im achten und neunten Jahrhundert massenweise Kunstwerke zerstört wurden, weil die aktuelle religiöse Doktrin sie als Götzenbilder verdammte. […] Hätten Araber und Perser nicht viele antike Schriften gerettet, noch weit mehr von der Geistesgeschichte des Abendlandes wäre verlorengegangen. Zu unserem Glück flossen die Ideen und das Wissen schließlich aus dem arabisch-persischen Raum zurück nach Europa. […] Anders als im christlichen Abendland herrschte in der arabischen Welt damals nämlich vergleichsweise weitgehende religiöse Toleranz. […]
Nichtmuslime standen sogar unter dem Schutz der jeweiligen Herrscher, solange sie sich an bestimmte Regeln hielten. […]

(…..) „Der Islam“ war tolerant und duldete nicht nur Andersgläubige, sondern fühlte sich verpflichtet sie aus Gastfreundschaft zu schützen.
Das berühmteste Beispiel dafür ist sicherlich die Maurische Hochkultur in Spanien, als unter Islamischer Kontrolle Wissenschaft und Kunst aufblühten, weil Christen und Juden akzeptiert waren. Dadurch konnten sich im schönsten Multikulti die Wissenschaften gegenseitig befruchten. Daher waren Astronomie, Mathematik und Medizin in Islamischen Herrschaftsbereich Jahrhunderte vor dem Christentum in Nordeuropa. (…..)

Die konservative Aznar-Regierung in Spanien, Berlusconi, Blair und GW Bush waren aktive (Mit-)Täter bei der Etablierung der Horrorregime am Hindukusch und Golf.

Inzwischen greift der toxische Dummen-Virus auch auf die westlichen Länder selbst über.

Großbritannien, Österreich und Italien leiden unter schwerem Morbus-Trump-Befall, begeben sich auf die rechtspopulistisch-autokratische Bahn, folgen Ungarn, Polen und Tschechien nach.
Die streng christlichen Nationen Brasilien und Philippinen sind genau wie die Türkei ebenfalls „infested“; um Trumps Lieblingswort zu verwenden.
Auch dort herrschen schwer kriminelle Antidemokraten, die jede Vernunft und jeden demokratischen Anstand vermissen lassen.

Als Nächstes steht Israel auf der Kippe.
Ähnlich wie in den USA gibt es auch dort eine starke säkulare, liberale Opposition, die allerdings keine Wahlen gewinnt und sich immer wieder Trumps Busenfreund Bibi Netanjahu geschlagen geben muss.
Netanjahu ist tatsächlich ein Vor- und Wiedergänger Trumps. Genau wie Boris Johnson (der kürzlich aus steuerlichen Gründen seinen US-Pass abgab) regierte auch Bibi als amerikanischer Staatsbürger.
Johnson und Netanjahu sind zwar erheblich gebildeter und intelligenter als Trump, aber das hält sie nicht davon ab ebenso viel zu lügen und ihre Länder in den Abgrund zu stoßen.

In Israel gilt schon lange nur eingeschränkte Pressefreiheit, Teile der eigenen Bevölkerung werden entrechtet und die Ultraorthodoxen gewinnen auf gruselige Weise immer mehr politische Macht.

 [….] Die Charedim, wie sie auch bezeichnet werden, wollen durchsetzen, dass am Schabbat Ruhe herrscht - am liebsten im ganzen Land. Dass am jüdischen Ruhetag, der mit Sonnenuntergang am Freitag beginnt und bis Sonnenuntergang am Samstag dauert, in Israel keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren, haben sie schon durchgesetzt. Es gibt auch nur wenige Geschäfte, die mit einer Ausnahmegenehmigung geöffnet haben dürfen. [….] Viele ultraorthodoxe Juden kämpfen nicht nur dafür, dass sie nach ihren eigenen Regeln leben können, sondern sie wollen auch den anderen ihren strengen Lebensstil aufzwingen. [….] Pünktlich zur Ferienzeit haben Rabbiner außerdem Baderegeln aufgestellt, die wie Sicherheitsanweisungen klingen: "Stellen Sie sicher, dass der Pool ordentlich von einem Zaun in der Höhe von mindestens 1,10 Metern umgeben ist und über ein Tor verfügt, das nicht von Kindern geöffnet werden kann." Strände ohne Bademeister dürften nicht benutzt werden "und selbstverständlich keine, die nicht von Rabbinern freigegeben wurden".
Das geht manchen streng religiösen Juden aber immer noch nicht weit genug. Sie halten Badevergnügen für Frauen generell für moralisch nicht vertretbar [….] In Bnei Brak, einer vor allem von Ultraorthodoxen bewohnten Stadt nahe Tel Aviv, hängen in diesem Sommer Plakate, auf denen Frauen und Mädchen aufgefordert werden, Strände zu vermeiden. [….] Geschlechtertrennungen gibt es immer häufiger in Israel - sei es bei der Armee, an Universitäten oder bei Veranstaltungen. Vergangenen Sonntag untersagte ein Gericht ein Konzert in einer öffentlichen Halle in Afula. Die Organisatoren hatten die Aufteilung des Zuschauerraums nach Geschlechtern vorbereitet. [….] Der religiöse Transportminister Bezalel Smotrich [….]  kündigte an, nach der Parlamentswahl am 17. September nur in eine Regierung einzutreten, "wenn Geschlechtertrennung bei öffentlichen Veranstaltungen erlaubt wird". Sein Ziel: Ein "jüdischer Gottesstaat". [….]