Sonntag, 6. September 2020

Sind Trumpisten wirklich vollständig immun gegen die Realität?


Einer der wenigen wahren Sätze, die Donald Trump je sprach, war seine Behauptung, er könne mitten auf der New Yorker 5th Avenue einem Mann in den Kopf schießen und würde keinen einzigen Wähler verlieren.

Der Satz hat zwei Bedeutungen; seine Anhänger verstehen ihn als Lob für ihre Treue und seine Gegner finden darin die Bestätigung der Dummheit und amoralischen Haltung der Trump-Fans.


In den nächsten vier Jahren machte mein Lager der Trump-Skeptiker immer wieder den Fehler bei einer neuerlichen vorher undenkbaren Entgleisung des IQ45 die Hoffnung zu generieren, nun müssten aber auch die Republikaner auf Abstand gehen.
Diese Hoffnung war aber immer falsch.
Nahezu 200.000 Tote durch Trumps aberwitziges Pandemie-Versagen, zig Millionen mehr Arbeitslose, Trillionen Dollar zusätzliches Defizit, tiefe Rezession, Impeachmentverfahren, Dutzende kriminelle Mitarbeiter, über 20.000 Lügen, Amerikas internationales Ansehen im freien Fall, Verlust der Krankenversicherung, offensichtlicher mentaler Verfall des Amtsinhabers, hochnotpeinliche öffentliche Auftritte, drastische persönliche amoralische
Ausschweifungen des Präsidenten, fast alle Wahlversprechen gebrochen, Rassenunruhen auf den Straßen und täglich zunehmender blanker Hass von Amerikaner auf Amerikaner.
Nichts davon konnte die 63 Millionen Trump-Wähler zur Raison bringen.

Seit einigen Tagen schütteln nun die Enthüllungen eines THE ATLANTIC-Artikels die USA durch, nach denen sich Trump extrem abfällig über Veteranen und gegenwärtige Angehörige des US-Militärs äußerte.
Bei ihnen handele es sich nach Ansicht ihres Oberbefehlshabers um Verlierer und Trottel.

[….] Trump: Americans Who Died in War Are ‘Losers’ and ‘Suckers’
The president has repeatedly disparaged the intelligence of service members, and asked that wounded veterans be kept out of military parades, multiple sources tell The Atlantic.
When President Donald Trump canceled a visit to the Aisne-Marne American Cemetery near Paris in 2018, he blamed rain for the last-minute decision, saying that “the helicopter couldn’t fly” and that the Secret Service wouldn’t drive him there. Neither claim was true.
Trump rejected the idea of the visit because he feared his hair would become disheveled in the rain, and because he did not believe it important to honor American war dead, according to four people with firsthand knowledge of the discussion that day. In a conversation with senior staff members on the morning of the scheduled visit, Trump said, “Why should I go to that cemetery? It’s filled with losers.” In a separate conversation on the same trip, Trump referred to the more than 1,800 marines who lost their lives at Belleau Wood as “suckers” for getting killed. […..]


IQ45 dementiert natürlich und seine Verbündeten in den mächtigen Propagande-Medien tun alles dafür, um diese Anwürfe als „democratic talkingpoints“ und „fake news“ zu verwerfen.
Als die Pentagon-Korrespondentin Jennifer Griffin in ihrem Sender FOX ausführlich erklärte, daß „multiple sources“ mit denen sie gesprochen habe, die geschilderten Trump-Äußerungen bestätigten, rastete der US-Präsident völlig aus, verlangte Griffins sofortige Entlassung und gab FOX für ihn verloren.


Selbst FOX bekommt also Probleme Trump reinzuwaschen, da empörte Veteranen und Demokraten auf eine Fülle von anderen Belegen verweisen können.


Die Republikaner haben hier einige Probleme, da nahezu alle Amerikaner, aber erst recht die Konservativen eine fanatische Verehrung für ihre Truppenangehörigen fühlen und sofort im nationalen Rausch ejakulieren, wenn sie Uniformen sehen. US-Soldaten, die in den letzten 50 Jahren wahrlich grausame Verbrechen in Asien, dem Hindukusch, dem Nahen Osten und Südamerika anrichteten, werden in den USA alle als Helden gefeiert.
Ein Präsident, der Schwarze beleidigt und Frauen misshandelt völlig unproblematisch im Vergleich zu einem, der über GIs lästert.
FOX muss sich schon sehr verbiegen, um die so offensichtlich wahren Vorwürfe zu entkräften.


Zudem passen die nun veröffentlichen Trump-Äußerungen perfekt zu den vielen anderen Beleidigungen. IQ45 zertrampelte auch schon die anderen bisher als heilig geltenden GOP-Tabus, indem er über Kriegsgefangene (Prisoners Of War, POW) wie John McCain oder gar Hinterbliebene von Gefallenen (Goldstar-Family) wie die Khans herzog.

Marc Pitzke listet in seinem aktuellsten Artikel allein 13 weitere bisher bekannte Trump-Beleidigungen gegen die Militärs auf. Trumps Suckers-and-Losers-Äußerungen passen also perfekt ins Bild. Wohlwissend, daß ihm seine Fans alles verzeihen, diagnostiziert der USA-Korrespondent des SPIEGELs hier ein „ein ernstes Problem“ für Trump.

[….] Donald Trump gibt sich als "bester Freund" des US-Militärs. Kompromittierende Enthüllungen verweisen auf das Gegenteil: Er verachte Soldaten. Für Trump im Wahlkampf schon jetzt ein ernstes Problem. [….] Jetzt sind aber neue, noch pikantere Details bekannt geworden. Trump habe es einfach nicht für "wichtig" gehalten, die 2289 gefallenen US-Soldaten zu ehren, die in Aisne-Marne liegen, schreibt das Magazin "Atlantic" in einem explosiven Bericht. "Warum soll ich zu diesem Friedhof?", habe er gesagt. "Der ist doch voller Verlierer." Zudem habe er Angst gehabt, der Regen würde ihm die Frisur zersausen.
Dies ist nur eine von vielen krassen Episoden, die "Atlantic"-Chefredakteur Jeff Goldberg unter Berufung auf frühere Trump-Vertraute aufgezeichnet hat. Der Artikel, der Trump eine tiefe "Verachtung" für Soldaten vorhält, hat in den USA ein politisches Erdbeben ausgelöst und alle andere Wahlkampfthemen über Nacht verdrängt. Denn es geht ums Militär - die verehrteste US-Institution, als deren "bester Freund" sich Trump geriert. [….]     Der "Atlantic" präsentiert neue Details über Trumps Abneigung gegen den Senator und Vietnamkriegshelden John McCain. Nach dessen Tod habe er sich 2018 anfangs geweigert, die Flaggen auf Halbmast zu setzen: "Warum zum Teufel tun wir das?", habe Trump - der den Vietnamkrieg mit einem Attest vermieden hatte - geschimpft. "Der Typ war ein verdammter Verlierer." [….] Der "Atlantic" ist eines der ältesten, angesehensten US-Magazine. Doch wie viel der Bericht am Ende bewegen wird, ist fraglich: Die politischen Lager in den USA sind so festgefahren, dass sich kaum jemand mehr eines Besseren belehren lässt.
Trotzdem schlagen die Vorwürfe auch deshalb so ein, weil sie bereits vorhandene Zweifel an Trumps bekundeter Liebe zum Militär nähren. Der rühmt sich zwar, mehr für US-Soldaten getan zu haben als sonst jemand. Doch nicht nur die Fakten widerlegen das - sondern auch Trumps Taten. [….]
Ein spontaner YouTube-Spot des "Lincoln Projects", einer Gruppe aus Biden-nahen Republikanern, hatte allein auf Twitter mehr als eine Million Views: "Er ist eine Schande."


[….] Am Samstag, nach eineinhalb Tagen wütender Dementis, schwieg Trump zu den Vorwürfen. Stattdessen verbrachte er fast sechs Stunden auf seinem Golfkurs vor den Toren von Washington. Das Wetter war prächtig. [….]

Es wird spannend zu beobachten sein, ob es dem Weißen Haus, dem Trump-Twitterfeed mit 85 Millionen Followern, den ultrarechten amerikanischen Massenmedien und den unkontrollierten braunen Echo-Kammern der sozialen Medien gelingt auch diese Trump-Doofheit wie „grab’em by the pussy“, Porno-Schweigegelder, Abstreiten der Corona-Gefahren und Veruntreuung von wohltätigen Spenden schönzureden.

Es dürfte etwas schwieriger als sonst werden, da die seriösen Medien eine Menge Munition haben und auf hochdekorierte, uniformierte Militärs in rechten Kreisen viel mehr gehört wird, als auf Schwarze, Frauen und Schwule.


  
Es sind nicht nur Berichte auf MSNBC oder CNN, die Trump-Wähler ohnehin nicht glauben, sondern vor allem eine Meme-Flut in den Social Media und eine Reihe effektiver militärisch-pathetischer Anti-Trump-Videos, die aus Sicht des Präsidenten seine Wähler nicht erreichen dürfen.








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