Dienstag, 7. Mai 2013

Same procedure as every year Teil II


Der große Philosoph Harald Glööckler sagte kürzlich im Intellektuellen-Sender „Vox“ das Problem an Frauen sei, daß sie immer nur die Kleidung kauften, die sie immer hätten.
Das hat Einstein 2.0 tatsächlich richtig erkannt.
So ist das mit den Deutschen generell. Es soll alles so sein wie immer. Sogar wenn sie sich die Mühe machen zu verreisen, um dort zu sein, wo es nicht ist wie immer, verlangen sie, daß es dort möglichst genauso sein soll wie zu Hause. Also wie immer.
In Italien will der Deutsche Bier trinken und Schweinshaxe essen, in Spanien locken Gastronomen die Alemannen mit „man spricht deutsch“-Schildern und selbst Lustgreise, die in Phuket aus den Pädophilen-Bumsbombern quellen, verlangen morgens Schwarzbrot und Marmelade.
So wie Deutsche fressen und urlauben, so wählen sie auch.
Alles sollte ihnen möglichst bekannt vorkommen und die Sicherheit ausstrahlen, daß es schon irgendwie so weiter gehen wird, ohne sich an Neuerungen gewöhnen zu müssen.
Es reicht tatsächlich die Bundesrepublik mit Plakaten vollzukleistern, die nur Politikerköpfe und Parteinamen zeigen. Auf inhaltliche Aussagen kann getrost verzichtet werden. 
Wenn sich dem Denkphlegmaten in der Wahlkabine beim Blick auf den Wahlzettel das erste mal die Frage stellt, wen er denn ankreuzen soll, neigt er im Zweifelsfall immer dem Namen zu, der es ihm ermöglich dazu ein Gesicht zu assoziieren.
Was auch nur irgendwie bekannt wirkt, gefällt.
Der Urnenpöbel war begeistert von Karl Theodor von Baron und zu Freiherr, obwohl niemand sagen konnte für was für eine Politik er stand. 
Das wäre auch unmöglich gewesen, weil der fränkische Dampfplauderer nie Position bezogen hatte.
Aber die Wähler erkannten ihn und meinten daher auch ihn zu kennen. Gegelte Haare, Nickelbrille, langer Adelstitel, Maßanzüge, AC/DC, blonde Bismarck-Frau, steinreich, Schloss, laut, zackig.
Das sagte selbstverständlich NICHTS über seine Politik aus, aber wozu Politik?
 Man schrieb ihn begeistert schon zum nächsten Bundeskanzler, zur echten Gefahr für Angela Merkel hoch. 
Seehofer schlotterten die Knie. Hätte Googleberg auch nur angedeutet Interesse am CSU-Vorsitz zu haben, wäre Crazy Horst sofort subsituiert worden. Das Parteivolk liebte den Gegelten mehr als Gott.
Wem so eine grenzenlose Verehrung zu Teil wird, darf auch gar nicht politische Positionen beziehen. 
Denn alles was man sagt, kann einem um die Ohren fliegen.

Merkel hat dieses Prinzip am besten verstanden.
 Nie würde sie ein Diskussion beginnen oder führen. Schon gar nicht beendet sie eine Diskussion. Sie lehnt sich zurück, wartet aber welche Meinung sich am Ende durchgesetzt hat und ist dann auch dafür.
Wehrpflicht, Freiwilligenarmee, Atomausstieg, Atomkraftausbau, Steuererhöhung, Steuersenkungen – alles einerlei für die Kanzlerin.
Sie hat einen 99%-Bekanntheitsgrad und schreckt kaum jemanden ab, weil sie allen nach dem Mund redet.
Journalisten, insbesondere Ausländische, wundern sich gelegentlich, daß die CDU solche enormen Zustimmungsraten hat, obwohl die Chefin de facto die Arbeit verweigert keinerlei Kurs vorgibt.
Sie gehen aber alle von der irrigen Voraussetzung aus, daß dies gewünscht wäre.
Die irische Journalistin Judy Dempsey hat ein Buch über die Kanzlerin geschrieben – und fällt ein hartes Urteil: Seit Jahren regiert Merkel unter ihren Möglichkeiten. Die Deutschen stört das nicht.
[...]  Dempsey hat ein Buch über sie geschrieben. Der Titel lautet "Das Phänomen Merkel. Deutschlands Macht und Möglichkeiten". [...]  Dempsey findet, dass Angela Merkel weit unter ihren Möglichkeiten bleibt. Sie fällt das Urteil wohlwollend, aber mit dem scharfen (und manchmal irrenden) Blick der Beobachterin aus einem Kulturkreis mit ausgeprägter Liebe zur faktenreichen Debatte. Das Ungefähre, das Nebulöse der Politik Merkels irritiert sie.  Dempsey spricht fließend Deutsch. Aber sie sucht vergeblich nach dem roten Faden dieser Politik und wundert sich über die Sympathie, mit der die Mehrheit der Deutschen Merkels Versäumnisse hinnehme. Versäumnisse sieht Dempsey viele. Sie nennt die Einwanderungspolitik, die Familienpolitik, die Menschenrechtspolitik, die Sicherheitspolitik. Sie macht sich einen Kopf über Merkels schwieriges Verhältnis zu Putin. Sie ist in Sorge wegen Merkels Nicht-Verhältnis zu Barack Obama. Sie ist in großer Sorge über Merkels Gar-nicht-Verhältnis zu Francois Hollande.
Dempsey urteilt aus der Perspektive einer an Zielen, Zahlen und Charisma orientierten angelsächsischen Tradition. Merkel, findet sie, habe ihre Ziele häufig verändert. Man müsse bis ins Jahr 2004 zurückgehen, um eine Rede zu erinnern, bei der Merkel voll Herzblut für eine politische Sache aufgetreten sei.
Die Bundeskanzlerin habe auch nie ihre Europaziele formuliert. Ihre Europa-Reden seien eine Blamage, weil sie so inhaltsleer seien – so ungefähr scheint Dempsey das zu empfinden. [...]  Judy Dempsey lässt keinen Zweifel daran, dass sie weitere vier Jahre solcher Selbstfindung für verlorene Jahre halten würde.

Seit Merkel CDU-Vorsitzende wurde, hat sie daran gearbeitet alle inhaltlichen parteiinternen Diskussionen zu verhindern.
 Parteitage finden so selten wie irgend möglich statt und wenn es doch einmal soweit ist, hat Merkel in der Regel schon längst alle strittigen Punkte rundgelutscht und in irgendwelche windelweichen Formulierungen abgefedert, so daß jeder zustimmt.

Auch als Bundeskanzlerin ließ sie 2005 die Zügel schleifen. 
Dabei hatte sie aber das große Glück einen gleichstarken Partner mit sieben Jahren Regierungserfahrung zu haben. Die SPD-Minister trugen die Regierung. 
Als die SPD vier Jahre später durch die FDP ersetzt wurde, stand alles still, denn auch die Westerwelle-Truppe war unvorbereitet in das Regierungsabenteuer gestolpert.
Seit Anfang 2010 werden die Journalisten ungeduldig.
Merkel wartete nämlich weiterhin ab und man verzieh ihr, daß sie keine Entscheidungen treffen wollte bis die wichtige NRW-Wahl im Mai überstanden war. 
Es war wie so oft eine Fehlplanung. Die CDU verlor trotzdem alles. Merkel kündigte daraufhin „den Herbst der Entscheidungen“ an. 

Ich staune immer noch über die Naivität der Journaille, die ernsthaft erwartete dieser Ankündigung würden Taten folgen!
Als ob Merkel jemals ihre Ankündigungen wahrgemacht hätte!

Natürlich geschah weiterhin gar nichts und so muß man als Polit-Junkie alle paar Wochen in einem anderen Periodikum eine Litanei darüber lesen, daß Schwarzgelb die Regierungstätigkeit eingestellt habe.
So geht das seit drei Jahren und dennoch formuliert immer wieder einer diese Erkenntnis, als ob das etwas Neues wäre. Heute sind es beispielsweise die Spon-Männer Florian Gathmann und Philipp Wittrock.

Merkels Symbolpolitik: Koalition der Einfallslosen
Frauengipfel, Schulbesuch, Einblicke ins Privatleben - Angela Merkel inszeniert sich in diesen Tagen als Wohlfühl-Kanzlerin. Politische Akzente? Fehlanzeige. Gut vier Monate vor der Bundestagswahl hat Schwarz-Gelb das Regieren weitgehend eingestellt. […]
Viel Symbolik, wenig Inhalt. So ist es oft, wenn die Regierungschefin in diesen Tagen ihre Termine absolviert. Am Montag zum Beispiel, als sie sich noch einmal als Klimakanzlerin versuchte, obwohl Merkels Tatkraft auf ihrem einstigen Lieblingsfeld längst erschlafft ist. Statt politische Akzente zu setzen, plaudert Merkel lieber mit Berliner Gymnasiasten über Europa, verabredet sich im Google-Hangout mit Bürgern zum harmlosen Integrationstalk, gewährt beim öffentlichen "Brigitte"-Interview einen Blick in ihren Kochtopf. Demnächst stellt sie ihren Lieblingsfilm "Die Legende von Paul und Paula" vor.
[…] Der Kalender der Kanzlerin ist symptomatisch für den Zustand der Koalition. Schwarz-Gelb befindet sich vier Monate vor der Bundestagswahl selbst im Hangout-Modus. Das Regieren hat man weitgehend eingestellt, es scheint nur noch darum zu gehen, den Vorsprung in den Umfragen zu verwalten. Ideen für die Zeit nach dem Wahltag, für die nächsten Jahre? Bisher Fehlanzeige. […]
Der Zoff über die Quote hat Merkel aufgeschreckt. Er passt nicht zur Stillhalte-Strategie. Künftig soll interner Streit vermieden werden, unbequeme Themen bleiben im Zweifel liegen. Beispiel: Fracking. Um das umstrittene Gasförderverfahren zu regeln, hatten Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Ende Februar einen Gesetzentwurf vorgelegt, der rasch verabschiedet werden sollte. Bis heute ist nichts geschehen. Wegen des massiven Widerstands in vielen Wahlkreisen wäre es dem Kanzleramt ohnehin lieber, man ließe bis zur Wahl die Finger von der heiklen Angelegenheit.

Während andere Politiker und Journalisten die Klugheit des Wählers loben, ist Merkel tatsächlich so klug erkannt zu haben, daß der Wähler in Wahrheit völlig verblödet ist, von Diskussionen und inhaltlichen Entscheidungen verwirrt ist und dankbar dort ankreuzt, wo man ihm am glaubwürdigsten verspricht, er könne weiterhin mit abgeschaltetem Hirn vor sich hindämmern.

Die Wähler kennen sich selbst nicht.
 So behaupten sie zwar mit großer Mehrheit „Klartext-Politiker“ zu bevorzugen und glauben die womöglich auch. Es stimmt dennoch nicht. Denn unter „Klartextpolitiker“ versteht der deutsche Michel einen Unklar-Plapperer wie Guttenberg. 
Jemand, der tatsächlich unverblümt Wahrheiten abfeuert, schreckt den Wähler ab. Steinbrück ist ein Klartextpolitiker, der ehrlich und klar ausdrückt was er will. 
Da zieht sich der Urnenpöbel zurück wie ein scheues Reh und flüchtet ins Reich des Wolkigen bei der Kanzlerin.
Bei ihr sind sie doppelt sicher, denn selbst wenn Merkel versehentlich mal eine klare Meinung zum Ausdruck bringt, zum Beispiel indem sie etwas ausschließt, kann man versichert sein, daß sie bald auch wieder das Gegenteil dessen sagen wird.
Sie beläßt es bei vagen Ankündigungen, wolkigem Gewaber und einigen konkreten Aktionen, die sie für die Zukunft „ausschließe.“
Das ist wenigstens immer ein inhaltlicher Orientierungspunkt; denn wenn Merkel etwas ausschließt, weiß man, daß das Gegenteil kommen wird.

Merkel treibt planlos vor sich hin - durch ihren aberwitzigen ZickZack- und Hinhaltekurs hat sie die Eurorettungsaktion zigfach verteuert. 
Ihr abstruses Spardiktat würgt die Konjunkturen diverser Nationen ab.
 So ein Rezept hätte sie nie für Deutschland gewollt. Hier reagierte sie 2008/2009 völlig gegenteilig auf die Krise; nämlich mit gewaltigen Ausgaben-Orgien, zwei dicken Konjunkturpakten und Geldrauswurfmaßnahmen wie der Abwrackprämie.

Die Chaotisierung der europäischen Finanzarchitektur durch Wolfgang Schäuble und Angela Merkel folgt einer Grundregel, die SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann sehr schön auf den Punkt brachte, nachdem der eben noch endgültig auf maximal 218 Milliarden Euro begrenzte Haftungsrahmen von Merkel doch auf 280 Milliarden aufgeblasen wurde.
Wieder einmal, so Oppermann, komme das "Merkel'sche Gesetz" zur Anwendung: Je vehementer die Kanzlerin etwas ausschließt, desto sicherer ist, dass es später doch eintritt. Der Ärger der Genossen erscheint verständlich, denn es ist beileibe nicht das erste Mal, dass Merkel in der Schuldenkrise eine Position revidiert. Im Gegenteil: Die meisten Bundesbürger haben angesichts des Hü und Hott längst den Überblick verloren. Sie registrieren nur noch, dass die Summen, für die sie einstehen sollen, immer astronomischer werden und dass mittlerweile halb Europa auf ihre Kosten zu leben scheint. Wut, Frust und Missverständnisse haben ein Maß erreicht, das geeignet ist, die Demokratie in ihren Grundfesten zu erschüttern.    Die Hauptschuld daran trägt die Kanzlerin, der es nicht gelingt, mit den Bürgern so zu kommunizieren, wie es die Schwere der Krise von ihr verlangt. Keine Fernsehansprache, keine Rede zur Lage der Nation, stattdessen Gemauschel in Hinterzimmern nebst anschließender Kurskorrektur.

Griechenlandumschuldung, Wehrpflicht, Atomkraft, Mehrwertsteuer, Gesundheitsreform - wohin man auch blickt; man kann sich stets darauf verlassen, daß das was die Kanzlerin als absolut alternativlos einnordet doch nicht kommt, sondern eher das Gegenteil dessen angepeilt wird.

Ein aktuelles Beispiel für diese Merkelei ist der Klimaschutz.
Als Kanzlerin einer großen Koalition erhob sie 2007 den Klimaschutz zu einem zentralen Thema ihrer EU-Ratspräsidentschaft, und im selben Jahr rang sie in Heiligendamm selbst dem Fossil GeorgeW. Bush ein Bekenntnis zum Schutz der Erdatmosphäre ab. In dieser Zeit muss irgendwer auf die Idee gekommen sein, Merkel als 'Klimakanzlerin' zu adeln. Sie hat sich über diesen Titel nie beschwert.
Die Rolle gefällt ihr auch heute noch gut, am Montag zu beobachten beim 'Petersberger Klimadialog'. Seit dem Desaster der Klimakonferenz in Kopenhagen trommelt die Bundesregierung einmal im Jahr Minister aus aller Welt zusammen, um über weitere Schritte in der Klimapolitik zu beraten. Stets hält die Kanzlerin hier eine Rede, die sie aus den üblichen Bausteinen zusammensetzt. Erstens: Die Zeit ist knapp. Zweitens: Nichtstun ist keine Alternative. Drittens: Europa ist Vorreiter im Klimaschutz, und innerhalb Europas ganz besonders Deutschland mit seiner Energiewende. […] Wie weit Reden und Handeln bei der angeblichen Klimakanzlerin auseinanderklaffen, lässt sich derzeit am europäischen Emissionshandel trefflich studieren. Er ist das Herz der europäischen Klimapolitik, denn er soll Unternehmen dazu zwingen, weniger Treibhausgase zu emittieren. Nur steht das schöne System aufgrund massiver Konstruktionsfehler vor dem totalen Herzversagen. Monatelang debattierte Europa über Wiederbelebungsversuche, nur eine Politikerin schwieg dazu beharrlich: Angela Merkel. Der Versuch einer Notoperation scheiterte im Europäischen Parlament nicht zuletzt an ihren Parteifreunden. Sie selbst hielt sich fein raus, auch mit Rücksicht auf den widerspenstigen Koalitionspartner FDP.
Erst jetzt, wo Europas Klimapolitik folgerichtig am Boden liegt, lässt sich die Kanzlerin zu Äußerungen hinreißen. Gegen die 'geballte deutsche Wirtschaft' sei die Reparatur des Emissionshandels eben nicht möglich, hat sie am Montag gesagt. Das ist doppelt bemerkenswert. Zum einen, weil Merkel damit die Fakten auf den Kopf stellt - denn nie zuvor stand eine derart breite Phalanx deutscher Unternehmen hinter schärferen Klimavorgaben; bis hinauf in den Elitezirkel des Dax. Zum anderen, weil sie damit jeden Gestaltungsanspruch schlicht aus der Hand gibt. Wenn Klimaschutz in Europa gegen die 'geballte Wirtschaft' nicht durchzusetzen ist - was denn dann? Eine Klimakanzlerin, die solche Auseinandersetzungen scheut, verdient den Titel nicht mehr.
(Michael Bauchmüller, SZ vom 07.05.2013)

Volksverdummung par excellence.
Man liebt es mit Floskel abgespeist zu werden. 
Hauptsache es wird nicht wirklich etwas getan. 
Grüne und SPD haben sehr konkrete Wahlprogramme mit klaren Plänen vorgelegt. Da biegen sich dem Wähler aber die Fußnägel hoch und er rennt weinend zur Mutti.
Merkel weiter mit großem Abstand vor Steinbrück. […] Angela Merkel führt die Liste der beliebtesten Parteipolitiker weiter an. Mit ihrer Arbeit sind 65 Prozent der Deutschen zufrieden, im April waren es sogar 68 Prozent. Auch den zweiten Platz belegt ein Unionspolitiker: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, mit dem 60 Prozent der Bundesbürger "sehr zufrieden" oder "zufrieden" sind. Im April waren die Deutschen sogar noch zufriedener mit ihm. Da hielten 63 Prozent seine Arbeit für zufriedenstellend.
[…] Wer nach Merkels Gegenspieler Peer Steinbrück sucht, der muss in der Liste ein wenig weiter nach unten schauen. Er taumelt auf Platz elf und hat sogar ein kleines bisschen in der Gunst der Deutschen aufgeholt: Der SPD-Kanzlerkandidat kommt auf 33 Prozent, im April waren es 32. Damit liegt er noch hinter Guido Westerwelle, Ursula von der Leyen und Horst Seehofer. Und weit hinter Angela Merkel. […] Könnten die Deutschen den Kanzler oder die Kanzlerin direkt wählen, dann würden sich 59 Prozent für Angela Merkel entscheiden. Das ergab die Direktwahlfrage. Im April waren es noch 60 Prozent. Steinbrück hat hingegen seit dem Vormonat zugelegt. 28 Prozent würden ihn derzeit wählen, im April waren es 25 Prozent. […] In der Sonntagsfrage des aktuellen ARD-DeutschlandTrends bleibt die Union gegenüber der Vorwoche unverändert bei 40 Prozent, die FDP kommt unverändert auf vier Prozent. Die SPD verliert einen Punkt und sackt auf 26 Prozent ab.

Montag, 6. Mai 2013

Deswegen SPD - Teil VII


Was für ein Glück!
Dieser elend nervtötende Kirchentag in Hamburg ist zu Ende. 
Die stark Beseelten und schwach Denkenden sind wieder in ihren Löchern verschwunden.
Die Profi-Religioten und ihre Speichellecker in den Redaktionstuben überschlugen sich mit Superlativen. Autojubelei ohne Schamgefühl wurde betrieben. Seitenlange Hymnen mußte ich dazu täglich in „Morgenpost“ und „Abendblatt“ lesen.
Ich fühlte mich schwer belästigt und publizistisch missbraucht.
Daß ich als Steuerzahler auch noch für diesen Schwachsinn zur Kasse gebeten wurde, macht es nicht besser.

Wahr ist aber auch, daß ein Popanz aufgeblasen wurde. Der Kirchentag hat genauso wenig Spuren hinterlassen wie jedes andere Megaevent, das von Frühling bis Herbst jedes Wochenende in Hamburg stattfindet. Die Masse rottet sich nun einmal gern zusammen.

Vorletzte Woche war es der Hansemarathon, der Hunderttausende auf die Straße lockte, dann der Kirchentag, nächste Woche ist es der Hafengeburtstag und in der Woche drauf ist es das traditionelle Japanische Kirschblütenfest. Es folgen Alstervergnügen, Dom-Eröffnung mit Feuerwerk, Christopher Street Day, Harleydays, Schlagermove, Loveparade, Motorradgottesdienst, Hansetriathlon, etc pp. 
Hinzu kommt noch ein Vielfaches von Stadtteilfesten jeder Art. 
Daß man Wochenende ohne schwere Verkehrsbehinderungen durch die Stadt fahren kann, gehört lange der Vergangenheit an.
Es ist immer irgendwas. Die Anlässe sind austauschbar. Hauptsache auf den Straßen und irgendwas in Massen erleben.
Sogar Aktivitäten, die man bis vor wenigen Jahren klassischerweise allein, oder mit wenigen anderen in seiner Wohnung betrieb – wie Fußball gucken – werden nun als Megaevent inszeniert.
 Das nennt sich heute „Public Viewing“ (=Leichenbeschau) und erfordert kollektives Kostümieren, Schminken, Saufen und Grölen.
Der Kirchentag wir also schnell vergessen sein, wenn in ein paar Tagen die Hafengeburtstagssau durchs Dorf getrieben wird.
Die Evangelische Selbstgefälligkeit und das Gutmenschentum ist nur etwas stärker ausgeprägt. Man hält sich für alleinseligmachend und allwissend.
Daher die laute Begleitmusik in der VERöffentlichten Meinung, die wieder einmal im diametralen Gegensatz zu öffentlichen Meinung steht. 
Tatsächlich interessieren den Hanseaten Gottesdienste und Jubelveranstaltungen mit Käßmann und Gauck einen Dreck. 
In den letzten Tagen habe ich gezielt beim Gemüsemann und im Zeitungskiosk gefragt, was man denn vom Kirchentag mitbekommen habe. Die meisten wußten gar nicht, daß der jetzt stattfand. Und fragt man nach Themen oder Veranstaltern oder gar Ergebnissen, beginnt sofort die große Ratlosigkeit.
 Die Bedeutungserhöhung des Gaga-Events findet in den Zeitungen statt.
Die Krönung der publizistisch-begleitenden Doofheit verfasste – wieder einmal – die Tagesspiegel-Chefreligiotin Claudia Keller, die in diesem Blog keine Unbekannte ist.
Wenn Keller zum Griffel greift, schwurbelt sie sich regelmäßig so einen sinnentleerten Text über den grandiosen Protestantismus zusammen, wie es sonst nur Ulf Poschardt über die FDP schafft.
Während aber Poschardt schlicht die Unwahrheit schreibt und man wenigstens versteht, was er will, ist Keller so verwirrt, daß ihre im Auftrage Giovanni di Lorenzos veröffentlichten Texte überhaupt keinen Sinn ergeben und völlig faktenfrei dahinplappern, ohne zu irgendeiner Conclusio zu kommen.
Ein bißchen Gift und Galle war den Evangelioten auch noch der zeitgleich stattfindende Humanistentag wert. Christliche Nächstenliebe klingt dann folgendermaßen:
Im Unterschied zum Deutschen Humanistentag allerdings, der zeitgleich und nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Hamburg stattfand, strahlte der Kirchentag über Messehallen und Kirchen selbstbewusst aus in das Stadtleben. Vor dem organisierten Atheismus in seiner deutschen Spielart, dem es an zugkräftigen intellektuellen Köpfen fehlt, brauchen sich die Kirchen nicht zu fürchten.
Klar, solche geistigen Giganten wie Käßmann und Göring-Kirchentag haben Humanisten nicht zu bieten.
Bloß die gesamte wissenschaftliche Elite der Welt.
 Meine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse stehen nicht im Einklang mit den kirchlichen Bekenntnissen. Alles was wir tun, müssen wir vor uns selber verantworten. Das ist menschenwürdiger als vor Heiligenbildern knien und beten.
(Fridtjof Nansen)

Dem Gedanken, daß ein Individuum seinen physischen Tod überleben sollte, kann ich nicht zustimmen; auch möchte ich dieses Weiterleben gar nicht wünschen. Solcher Glaube entstammt der Angst oder dem Egoismus.
(Albert Einstein)

Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.
(Mark Twain)

Wenn man sieht, was der Liebe Gott auf der Welt alles zulässt, hat man das Gefühl, dass er noch experimentiert.
(Peter Ustinov)

Gott ist eine vom Menschen erdachte Hypothese bei dem Versuch, mit dem Problem der Existenz fertigzuwerden.
(Sir Julian Huxley, engl. Biologe, 1887-1975)

Christi Niederlage war nicht die Kreuzigung, sondern der Vatikan.
(Jean Cocteau)

Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als daß sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen.
(Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag IV, Über die staatsbürgerliche Religion)

Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie will herrschen, und da muß sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.
(Goethe, zu Eckermann)

Ich glaube, daß Gott in der Geschichte nicht anwesend ist. Andernfalls müßte ich ihn belasten mit Auschwitz und mit dem Stalinismus. Aber jeder von uns hat den eigenen Engel und den eigenen Teufel. Nur sind die Engel faul und machen oft Urlaub, während die Teufel stets fleißig sind.
(Andrzej Szczypiorski, polnischer Schriftsteller)

Ein Esel stellt sich Gott als Esel vor. Der Papst stellt sich Gott als Mann vor.
(Uta Ranke-Heinemann, deutsche Theologin)

Ich mag mich nicht gern mit der Kirche auseinandersetzen; es hat ja keinen Sinn, mit einer Anschauungsweise zu diskutieren, die sich strafrechtlich hat schützen lassen.
(Kurt Tucholsky, dt. Schriftsteller, 1890-1935)

Religion ist Feigheit vor dem Schicksal. Nichts weiter.
(Rudolf von Delius)

Die Absurdität der religiösen Dogmen macht es zu einer endlosen Aufgabe, gegen sie polemisieren zu wollen.
(Arnulf Överland, Vorsitzender der norwegischen Akademie für Sprache und Literatur, 1889-1968)

Denken ist eine Anstrengung, Glauben ein Komfort.
(Ludwig Marcuse, dt. Philosoph, 1894-1971)

Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe nennt man Glauben.
(Nietzsche, dt. Philosoph, 1844-1900, Menschliches, Allzumenschliches)

Strenge Moralisten sagen: Um glücklich zu sein, muß man alle Leidenschaften aus sich verdammen. Dieser Rat ist ungefähr so gut, als wie wenn man einem, der über enge Stiefel klagt, sagt, er soll sich beide Füß' amputieren lassen, damit er kein Verdruß mehr mit dem Schuster hat.
(Johann Nepomuk Nestroy, österr. Komödiendichter & Schausp., 1801-1862)

Wieviel Haß und Dummheit die Menschen doch - elegant verpackt - Religion nennen können!
(Sri Aurobido, indisch-engl. Philosoph u. Mystiker, 1872-1950)

Die offizielle Kirche hat bei allen aktuellen Fragen der Zeit immer versagt.
(Probst Heinrich Gruber, in 'Die Zeit')

Ich weiß nicht, wohin Gott mich führt; aber wenn er diese Richtung beibehält, schlage ich vor, dass er allein weitergeht.
(Bruno Bettelheim)

Als die Weißen nach Afrika kamen, hatten wir das Land und sie die Bibel. Dann lehrten sie uns, mit geschlossenen Augen zu beten – und als wir die Augen öffneten, hatten sie das Land und wir die Bibel.
(Jomo Kenyatta)
Denker und Intellektuelle sind in der Mehrzahl Atheisten.
Es erfordert Denkfaulheit oder Dummheit sich auf den Glauben zu beschränken.
Und nicht zu vergessen auch Sozialdemokraten, auf die ich stolz bin.

Ingrid Matthäus-Maier, Rolf Schwanitz und Henning Voscherau zum Beispiel.

Zu Beginn dieser lockeren Pro-SPD-Reihe versuchte ich die Ausgangslage zu schildern. Das publizistische Jaucheloch, in dem die Sozis stecken. 
Auf dem Humanistentag zeigten sich aber auch bedeutenden Hamburger Sozis. Zum Beispiel der große Hamburger Bürgermeister Voscherau.
Altbürgermeister Henning Voscherau (SPD) sprach beispielsweise über den "weltlichen Humanismus in Hamburg". Der frühere Hamburger Pastor Paul Schulz erklärte "warum ich Atheist geworden bin". Seine These: Den Menschen helfe kein Gott. "Den Menschen helfen nur verantwortungsbewusst handelnde Menschen", schreibt Schulz im Begleitheft des Humanistentages.
[…]  Eine Brücke zwischen den Weltanschauungen mit oder ohne Gott schlug auch Henning Voscherau in seinem Vortrag: Das Motto des Humanistentages "Gut ohne Gott" wäre anders besser formuliert gewesen: "Sei gut, handle gut, ob mit oder ohne Gott, auf den Menschen kommt es an."   2006 hatte es in Hamburg schon einmal einen Deutschen Humanistentag - den ersten - gegeben. Damals habe man erkannt, dass es eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen säkularen, also konfessionsfreien Vereinigungen geben müsse - aber erst 2013 nun gab es die Neuauflage.

Sonntag, 5. Mai 2013

Die FDP ist endgültig durchgedreht.


Nachdem Angela Merkel die FDP nach der 2010 krachenden NRW-Landtagswahlniederlage von der Einthemenpartei zur Nullthemenpartei degradiert hatte, stellten die einstigen Liberalen die politische Arbeit ein.
Statt Steuersenkungensteuersenkungensteuersenkungen und dem immer wieder gebetsmühlenhaft vorgetragenen „ich werde keinem Koalitionsvertrag zustimmen, der nicht ein einfacheres, niedrigeres und gerechteres Steuersystem vorsieht“, herrschte nun das große Schweigen im Walde.
Selbst begeisterte FDP-Freunde wie der manisch-liberale Ulf Porschardt von der WELT-Gruppe sahen sich außerstande noch irgendwelche positiven Bemerkungen über das hepatitisgelbe Loser-Quintett der Bundesminister zu erfinden.
Die Partei war und ist durch.
In Erwartung der baldigen Lyse hieß es nun mauscheln und raffen so viel es geht.
Philipp Rösler besetzte eifrig Posten im Gesundheits- und Wirtschaftsministerium mit Lobbyisten, Leutheusser-Schnarrenberger und Bahr verfielen in Kataplexie, Guido Westerwelle vollendete seine Metamorphose zur reinen Comedy-Gestalt und Dirk Niebel funktionierte das Ministerium, das er immer abschaffen wollte zur Versorgungsanstalt von in der freien Wirtschaft nutzlosen FDP-Altkadern um.
40 FDP-Parteimitglieder schanzte er gut bezahlte Pöstchen im Entwicklungshilfeministerium zu, statt auf Fachleute zu setzen.
Georg Restle: „Dass so mancher Minister seine Parteifreunde gerne mit Ämtern und Posten versorgt, ist nicht ganz neu. Dass es kurz vor Wahlen hin und wieder sogar zu einem regelrechten Versorgungsfieber kommt, auch darüber haben wir schon berichtet. Der Fall, den wir Ihnen jetzt zeigen, sprengt dann aber doch alles, was wir bisher zu wissen glaubten. Und er betrifft ausgerechnet das Entwicklungshilfe-Ministerium. Schon letztes Jahr wurde bekannt, dass FDP-Mitglieder es offenbar besonders leicht haben, bei ihrem Parteifreund Dirk Niebel Karriere zu machen. Jetzt haben Achim Pollmeier und Matthew D. Rose noch mal recherchiert - und sind auf ein wahrhaftiges Versorgungsparadies gestoßen.“ […]
Wir wollen wissen, wie viele FDP-Leute wirklich im Ministerium gelandet sind. Wir gleichen die Namen aller Neueinstellungen ab - ganz einfach im Internet. Dass Pressesprecher des Ministeriums von der FDP stammen, ist noch keine Überraschung. Doch wir finden mehr, viel mehr. Ortsverbandsvorsitzende, ehemalige Abgeordneten-Mitarbeiter, frühere Wahlkampfmanager und so weiter. Insgesamt finden wir über 40 FDP-nahe Mitarbeiter, die unter Niebel eingestellt wurden. Mit Entwicklungspolitik hatten viele zuvor offenbar wenig am Hut. Jetzt besetzen sie gut dotierte Stellen überall im Ministerium, besonders viele als Referenten, weit unterhalb von Spitzenpositionen.

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Der fanatische Linkenhasser Poschardt, der sich angeblich das FDP-Parteilogo auf die rechte Pobacke tätowieren lassen hat, versucht es immerhin doch noch einmal der Rösler-Gang einen Sinn zuzuschreiben.
 Wenn schon nicht durch eigenständige Politik und Konzeptionen, dann wenigstens als letzten Verteidigungsring vor dem linken Durchmarsch.
Poschardt sieht nämlich die Linken unmittelbar vor dem Gewinn der absoluten Mehrheit und nässt sich mehrfach am Tag ein bei der Vorstellung Sahra Wagenknecht werde bald Bundeskanzlerin und nähme ihm all sein schönes Geld weg.
An Hohn und Spott sind Liberale gewöhnt. In den vergangenen vier Jahren hat die Regierungspartei FDP förmlich dazu aufgefordert, antiliberale Ressentiments und gallige Vorurteile zu pflegen. Das Schlimmste scheint vorüber, die obsessive Selbstbeschäftigung gilt als beendet.   […] Der Sturz ins Bodenlose scheint vertagt, mehr aber auch nicht. Angesichts der schweinsteigerartigen Steilvorlagen der Opposition in den Strafraum wirkt die Chancenverwertung der FDP katastrophal.
[…] Die Renaturierung von SPD und Grünen zu Parteien der klassischen Linken und die damit einhergehende autoritäre Entwertung von individueller Freiheit und erarbeitetem Vermögen wird von der koalitionsfreudigen Union kühl registriert und von der FDP erwartbar beklagt.
[….] Sprache und Metaphern der Liberalen wirken verbraucht und ranzig. [….]  Anders als den ins ordnungspolitische Absurdistan übergesiedelten Grünen gelingt es den Liberalen kaum, den Zeitgeist zu verstehen, um ihn zu prägen. [….] Glaubt man dem Deutschlandtrend, wollen fast drei Viertel der Deutschen höhere Steuern, die anderen 25 Prozent müssten eigentlich FDP wählen. Ohne es zu wollen, könnte gerade jene von ihren Steuersenkungsmärchen gezeichnete FDP dazu verdammt werden, wieder einen Steuerwahlkampf zu führen.[….] Gelingt die geistige, ästhetische Neuerfindung mit einem alten Thema, könnte nicht nur die trudelnde Konjunktur in Deutschland profitieren, sondern auch das rezessionsgehemmte Europa. Deutschland steht vor einer Schicksalswahl, und die liberale Stimme krächzt noch, fatal.
(Ulf Poschardt, WELT, 04.05.13)

Es gibt also noch Menschen, die stramm neoliberal denken. 
Sie glauben, daß nur eine totale Entfesselung der Märkte, Steuersenkungen und eine Schrumpfung des Staates die raffgierigen Sozialschmarotzer davon abhalten könnten die Weltwirtschaft abzuwürgen, indem sie die Reichen ausbeuteten.
Klar, mit der Realität hat so eine Weltsicht nichts zu tun, aber tatsächlich sucht die FDP nun offenbar ihr Heil im Phantastischen.
Wie zu Möllemanns Zeiten, als Gaga-Guido im quietschegelben Spaßmobil durch das Land fuhr, im BigBrother-Container bei den gänzlich Unterbelichteten einkehrte und sich mit einer „18“ unter den Schuhsohlen in Talkshows saß, fungieren nun Brüderle und Rösler als Parteicomedians. Mangels eigener Konzepte imitieren sie Mario Barth und plappern so bizarre Sprüche, daß man gar nicht inhaltlich reagieren kann, sondern sich instinktiv an den Kopf fasst, um festzustellen, ob man träumt.
Räuber Hotzenplotz, Graf Dracula, Nessi - die FDP setzt auf ihrem Parteitag bei der Kritik ihrer Gegner auf Bildgewalt. Sie prasst geradezu mit Methaphern und Symbolen.
Grünen-Chef Jürgen Trittin nennt [Brüderle] den "Graf Dracula" der deutschen Politik, welcher der "Mittelschicht an die Gurgel will." Brüderle: "Weg mit der Geisterstunde. Auf in den Kampf." Für Peer Steinbrück bemüht er Goethe, erklärt den Kanzlerkandidaten der SPD zum "sozialistischen Zauberlehrling" – "Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los." Wenn Brüderle von Geistern spricht, meint er natürlich die roten Genossen mit ihren "Steuererhöhungsorgien" und ihrer "Schuldenmacherei".
Seine Metaphern toppt ein wahrhaftiges Bild: Auf einem rund zehn Quadratmeter großen Plakat am Eingang der Nürnberger Messe prangt Brüderle mit einem verschmitzen Grinsen – und reckt ausgerechnet seinen hochgestreckten Daumen Richtung Kamera. Eine Geste, die derart aus der Zeit gefallen ist, dass sie selbst beim 67-Jahre alten, leibgewordenem "Herrenwitz" unpassend wirkt.
[…] Patrick Dörings Visualisierungen gehören wie die des Spitzenkandidaten noch zu den konsistenteren. Das Feindbild zeichnet er klar: Es sind die Grünen, die auf ihrem Parteitag vor einer Woche eine gehörige Umverteilung verordnet haben – höherer Spitzensteuersatz, Vermögensabgabe, schrittweise Abschaffung des Ehegattensplittings. Diese Grünen also lässt Döring während einer seiner Reden auf einer Leinwand aufblitzen. Montiert natürlich. Zu sehen ist ein Plakat für ein Theaterstück. Auf dem Programm steht – ziemlich frei nach Schiller – "Die Räuber". In den Hauptrollen: Claudia "Beitragsbemessungsgrenze rauf" Roth, Katrin "Altersvorsorge besteuern" Göring-Eckardt und Jürgen "Gib mir die Hälfte" Trittin. […] Noch verstörender als ein schräges Bild, sind nur zwei schräge Bilder: Jürgen Trittin nennt Rösler kurz nach der Nessi-Metapher "den bösen Räuber Hotzenplotz für alle in Deutschland" – obwohl der ja eigentlich schon Graf Dracula ist.

Während der NTV-Kommentator sich noch freundlicherweise darauf beschränkt das FDP-Dadaismus-Happening rein linguistisch zu analysieren, fragen sich andere Journalisten nach dem SINN dieser ehemaligen Partei.
Poschardts WELT-Kollege Jungholt bemängelt das Fehlen von echten Themen. Daß die beiden FDP-Spitzen so schlechte Redner wären, stelle ich als Vorteil heraus – um die Einfallslosigkeit zu kaschieren.
Auch Randthemen wurden thematisiert.  "Die Grünen sind ja auch gegen Trinken auf öffentlichen Plätzen", erklärte Brüderle. "Also ich sitze da jetzt weniger als in früheren Jahren", aber dennoch sei es für ihn "Ausdruck eines liberalen Lebensgefühls, dass man da was trinken kann". Damit war auch das geklärt. Was fehlte, war ein wirklich zündendes Wahlkampfthema. Das lieferte ausgerechnet die politische Konkurrenz. Wie ein Geschenkpaket mit rot-grüner Schleife empfand mancher Liberale die gerade auf den Parteitagen von SPD und Grünen beschlossenen Steuererhöhungspläne. Die Abgrenzung gegen die "Abkassierer, Fortschrittsgegner, Tugendwächter und Freiheitsfeinde" geriet zum Schwerpunkt der Reden des Vorsitzenden Rösler und des Spitzenkandidaten Brüderle. Rösler hatte dabei den Vorteil, dass er seine Angewohnheit, ganze Silben zu verschlucken, abgelegt hat und deshalb gut zu verstehen war.
Brüderle dagegen, von Tagungspräsidentin Gisela Piltz mit den Worten "Rainer, rock die Hütte" auf die Bühne gerufen, lieferte eine sehr spezielle Kunstform der Parteitagsrede: den Nuschelrock. Insbesondere in den brüllend vorgetragenen Passagen seiner Darbietung war meist nur zu erahnen, was er da gerade zu artikulieren versucht hatte.
(Thorsten Jungholt, WELT, 05.05.13)

Ernst nehmen kann man so eine realitätsentrückte Lobbyistengruppe wie die FDP natürlich nicht. 
Hätten die deutschen Wähler auch nur rudimentären Sachverstand, flögen Röslers Rabulisten hochkant aus dem Bundestag. Allein, mir fehlt der Glaube. Es wird genug Linkenhasser geben, die Schwarzgelb weiter stützen werden.
Nur noch Steuererhöhungsverhinderungspartei: Der FDP fehlt eine gute Begründung, warum sie eigentlich noch einmal in die Regierung gewählt werden soll. Keines ihrer Kernversprechen von 2009 hat sie halten können. Jetzt begnügt sich ihr Spitzenmann Brüderle mit Angriffen auf die Opposition auf Fips-Asmussen-Niveau.
Manchmal scheint es Brüderle selbst völlig wurscht zu sein, was er den Delegierten vor sich da entgegenbrüllt. Die applaudieren, johlen. Er brüllt einfach irgendwas weiter. Hauptsache laut. Verstehen kann das keiner mehr. Nicht weil der Beifall so kräftig wäre. Brüderle gibt sich dann einfach gar keine Mühe mehr, auch nur ein Wort noch halbwegs ordentlich zu artikulieren.[…] Es wäre vielleicht ganz gut, wenn die FDP den Wählern etwas anzubieten hätte, etwas Eigenes. Rösler und Brüderle aber setzen darauf, sich als Steuererhöhungsverhinderungspartei zu profilieren. […] Hier mal eine kleine Kostprobe, wie er gedenkt, die Wähler zu überzeugen: Er spricht vom rot-grünen "Schuldensozialismus", vom "Zinssozialismus" in Europa, vom  "Staatssozialismus" in Frankreich. Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, sei ein "sozialistischer Zauberlehrling". Weil die saarländische CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sich auch einen Spitzensteuersatz von 53 Prozent vorstellen kann, regiere in dem kleinen Bundesland ein "schwarz lackierter Sozialismus". Die Grünen sind natürlich dem "Ökosozialismus" verfallen.
Es ist die Rhetorik eines kalten Kriegers, der, völlig aus der Zeit gefallen, plötzlich auf einer Parteitagsbühne im Jahr 2013 steht.
Was Brüderle den Delegierten anbietet sind Kalauer auf Fips-Asmussen-Niveau. CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen? "Das Röschen hat viele Dornen und tanzt der der Union auf der Nas' herum." Die Union? Die mache die FDP "immer besser. Wir sind das Upgrade der Unionsparteien!" Und nochmal zu Steinbrück: "Kanzlerkandidat der Schmerzen." Oder auch gerne "Der Peer tut weh." Was wohl ein Reim sein soll.
Ein "Meer von Fettnäpfchen" stünde zwischen Steinbrück und Altkanzler Helmut Schmidt. "Pleiten, Peer und Pannen" sei in Berlin eine stehende Redewendung. Kein Bild scheint schwach genug, als dass es Brüderle nicht in seine Rede einbauen könnte.
Das Verrückte ist: Die Delegierten schunkeln bierselig mit, völlig trunken vom klebrig-süßen Wein der Hoffnung, den Brüderle ihnen versucht einzuträufeln. Da kann das, was er da oben macht, noch so absurd erscheinen.
[…] Brüderles Botschaft ist dennoch: Weiter so. Und nicht vom Kurs abweichen. Ohne erkennbar eigenes Angebot bleibt der FDP nur, auf den politischen Gegner einzuprügeln. Damit beschäftigt sich Brüderle in seiner Rede fast zwei Drittel der Zeit.
Die Grünen etwa lieferten mit ihrem Programm eine "Anleitung zum Unglücklichsein". Deren Spitzenkandidat Jürgen Trittin wolle der Mitte "die Gurgel aussaugen". Trittin sei der "Graf Dracula für die deutsche Mitte". Und das sei natürlich, wie gesagt, "ökosozialistische Spinnerei". Das Altherren-Niveau erreicht er spätestens mit diesen Sätzen: Was die Grünen wollten, dass "riecht nach Mittelalter! Ohne Wasserspülung!" Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.
 (Thorsten Denkler, SZ, 05.05.13)

Aber wie ich diese Republik kenne, werden sich am 22.09.2013 wieder ein paar Millionen Enthirnte finden, die ihr Kreuz bei der FDP machen.

Samstag, 4. Mai 2013

Tödliche Politik


Das ist irgendwie mal wieder ein bißchen unfair.
 Angesichts der bayerischen Verhältnisse denkt sich jetzt der Stammtisch „die“ Politiker hätten alle ein lockeres Leben mit vielen Privilegien und stopften sich noch zusätzlich bei jeder Gelegenheit die Taschen voll.
Möglich, daß es unter den besonderen Bedingungen Bayerns etwas gemütlicher zugeht. Schließlich gibt es dort eine Einheitspartei, so daß man nur in die CSU eintreten muß, wenn man ein Amt möchte.

Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die sich für HÖHERE Politikerbezahlung einsetzen. Jedenfalls die Regierungspolitiker und vergleichbare Spitzenpositionen (Fraktionsvorsitzende, etc) sollten deutlich besser verdienen, damit sie unabhängiger sind und Ämter attraktiver werden.
Natürlich sollte man auf der anderen Seite die üppigen Pensionsansprüche drastisch zusammenstreichen und die Hälfte Abgeordneten nach Hause schicken.
 Wie lächerlich ist das denn, daß Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern an die 770 Volksvertreter im neuen Bundestag haben wird, während das 320 Millionen-Volk der USA mit 535 Abgeordneten auskommt?
Natürlich ist die Arbeitsleistung der Politiker generell unterschiedlich. 
Da gibt es bekannte EU-Abgeordnete wie die FDP-Vorzeigefrau Koch-Mehrin, die jahrelang zu keinen Ausschusssitzungen erscheint, oder den CSU-Bundestagsabgeordneten Gauweiler, der bei kaum einer Abstimmung anwesend ist, weil ihn sein Erstjob als Anwalt so fordert.

Nach allem was ich über die Wahlkreisarbeit hiesiger Politiker weiß, dürften diese Faulpelze eher die Ausnahme sein.
Die Majorität der Politiker will etwas bewegen und tut sich deswegen die Strapazen an. 
Denn ist ja offensichtlich: Merkel, Steinbrück oder Westerwelle könnten „in der Wirtschaft“ ein Vielfaches verdienen – und das bei einem wesentlich geringeren Zeitaufwand.

Spitzenpolitik ist stressig, weil sie nicht nur arbeitsintensiv, sondern auch völlig unberechenbar ist. 
Der Ausnahmezustand ist Normalität. Ständig wird man in andere Fahrwasser geworfen.
So ist es nur natürlich, daß Politikerehen nicht halten. 
Politik als Beruf ist kaum vereinbar mit Familie. Außerdem kommt „man“ viel mehr als die meisten anderen in Versuchung, weil man sehr viel mehr Menschen trifft und die meisten davon ein besonderes Interesse an einem zumindest vorgeben.
Viele zerbrechen auch an dem Stress, werden herzkrank wie Helmut Schmidt, Horst Seehofer, oder Peter Struck.
Es wundert mich überhaupt nicht, daß so viele Piraten, die naiv ins Politikerleben sprangen nach kurzer Zeit wegen der Arbeitsbelastung zurücktraten.
Dutzendfach konnte man in ihren Twitter-Nachrichten lesen, daß sie kaum noch Zeit für ihre Hobbys hätten und daher nicht mehr weitermachen könnten.
So ist das.
Da hat der Nichtpirat was zu lachen.

 Aber in anderen Fällen gehen Politikerkarrieren sehr viel dramatischer zu Ende. Einer der spektakulärsten Politikerselbstmorde, war das Ende in der Badewanne von Uwe Barschel.
Im Oktober 1987 wird der CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein tot aufgefunden.
Während die einen überzeugt sind, Barschel sei von Waffenschiebern, Mossad-Agenten oder anderen Unbekannten ermordet worden, und dafür immer neue angebliche "Beweise" vorlegen, sind andere überzeugt, dass der CDU-Mann kurz nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident  – in die Enge getrieben durch die Affäre im Kieler Landtag – Selbstmord beging.
Um der Wahrheit näherzukommen, muss man sich die Tage und Wochen vor der Todesnacht zum 11. Oktober noch einmal vor Augen führen:
Der sehr konservative CDU-Politiker ist 43 Jahre alt. Seit fünf Jahren regiert er im nördlichsten Bundesland. Am Samstag vor der Landtagswahl wird bekannt, über was für einen unglaublichen, nie dagewesenen Skandal der Spiegel am Montag, den 14. September 1987, in seiner Titelgeschichte berichten wird: Barschel habe mit Hilfe seines Medienreferenten Reiner Pfeiffer eine Verleumdungsintrige gegen seinen SPD-Herausforderer Björn Engholm gestartet, um ihn von der Macht fernzuhalten.

1992 sah der Bundestagsabgeordnete Gerhard Riege seinen letzten Ausweg im Suizid.
Der Tag war für den Jenaer PDS-Bundestagsabgeordneten Professor Gerhard Riege, 61, gar nicht gut gelaufen. [Schämt euch Spiegelredakteure für den Tonfall! - T.]
[…]  Am Mittag des folgenden Tages verließ Riege seine Jenaer Wohnung im Dornbluthweg. Stunden später fand ihn ein Bekannter im Garten seines Geunitzer Wochenendhauses, wenige Kilometer außerhalb der Stadt. Gerhard Riege hatte sich erhängt.   In einem Abschiedsbrief begründete Riege seinen Selbstmord mit der "Angst vor der Öffentlichkeit, wie sie von Medien geschaffen wird", gegen die er sich "nicht wehren" könne, und vor dem "Haß", der ihm "im Bundestag entgegenschlägt", wo er schon letztes Jahr von Koalitionsabgeordneten niedergeschrien worden war [...]. Der Freitod des stillen PDS-Hinterbänklers, von Politikern aller Lager mit routinierter Betroffenheit kommentiert, schürte neue Emotionen. Im ohnehin hitzig geführten Streit über den rechten Umgang mit der Stasi-Altlast wurde Rieges Schicksal umgehend, Pietät hin, Pietät her, für politische Zwecke instrumentalisiert.

Petra Kelly und Gert Bastian, die Ikonen und Gründer der Grünen, erschossen sich im Oktober 1992.
Am 19. Oktober 1992 war das prominente Politikerpaar tot in seiner Bonner Wohnung aufgefunden worden. Hartmut Otto, der Leiter der Mordkommission, erklärte auf einer Pressekonferenz am Tag danach, Bastian habe Kelly erschossen und dann Selbstmord begangen. Ging Petra Kelly freiwillig mit ihrem Lebensgefährten in den Tod?
"Es ist ein absoluter Nahschuss, ein so genannter aufgesetzter Schuss gewesen und da gibt's einfach nur die Möglichkeit: entweder lag ein Einverständnis vor oder es ist eben im Schlaf geschehen.

Im Jahr 2000 wurde der Stress für den CDU-Geschäftsführer Hüllen zu viel.
Am 20. Januar 2000 wurde auf dem Höhepunkte der CDU-Spendenaffäre Wolfgang Hüllen (49), Leiter des Bundestagsbüros der CDU/CSU- Fraktion für Haushalt und Finanzen, erhängt in seiner Wohnung in Berlin-Steglitz aufgefunden. Die Justiz geht von Selbstmord aus. In einem Abschiedsbrief Hüllens soll es Indizien für Untreue zu Lasten der Fraktionskasse gegeben haben, die aber nichts mit Spendenaffäre als solcher zu tun habe.

Ein Jahr später erschoss sich ebenfalls in Berlin Heinz Kuhrig.
Der ehemalige DDR-Landwirtschaftsminister Heinz Kuhrig ist tot. Die Polizei bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des «Tagesspiegel». Die Zeitung hatte berichtet, der 72-Jährige habe sich mit einem Kopfschuss aus einem Gewehr das Leben genommen.  Am Donnerstag fand Kuhrigs Frau ihn im Badezimmer des Hauses im Köpenicker Ortsteil Müggelheim.

Im Jahr 2003 brachte sich der ehemalige Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und FDP-Vizevorsitzende Möllemann um.
Den Verletzungen nach war Möllemann bei seinem Fallschirmsprung bis zum Aufschlag bei Bewusstsein und absichtlich in der stabilen Freifaller-Position der Fallschirmspringer, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Essen. Ein Fremdverschulden hatten die Gerichtsmediziner bereits ausgeschlossen. Hinweise auf technisches Versagen fanden sich ebenfalls nicht.

Im Jahr 2004 tötete sich Andreas Matthae, der Geschäftsführer der Berliner SPD – im Alter von 35 Jahren.
Berliner SPD trauert um Andreas Matthae. Zum Tode von Andreas Matthae erklärt der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD, Michael Müller: "Wir haben mit großer Bestürzung erfahren, dass Andreas Matthae aus dem Leben geschieden ist. Die Berliner SPD verliert mit ihm einen sehr engagierten und sehr talentierten jungen Menschen.  Er hat für unsere Partei über Jahre hinweg in vielen  Funktionen sehr verantwortungsbewusst gearbeitet. Wir sind sehr traurig und in Gedanken bei seiner Familie."  

Vor zwei Jahren verübte der niedersächsische Landtagsabgeordnete Briese Selbstmord.
Der Grünen-Politiker Ralf Briese hat sich offenbar das Leben genommen. […] Der verstorbene niedersächsische Landtagsabgeordnete Ralf Briese wird am Montag in Oldenburg mit einer Trauerfeier verabschiedet. […] Nach dem bisherigen Erkenntnisstand der Polizei hat sich der 40-Jährige, der unter schweren Depressionen litt, am vergangenen Sonntag das Leben genommen. Sein Umfeld zweifelt daran nicht. "Es ist fürchterlich und zutiefst traurig, dass Ralf diese Entscheidung getroffen hat", sagt Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

Auf der Kommunalebene geht es genauso tödlich zu.
Mit großer Bestürzung haben Freunde auf die Todesnachricht reagiert. Wilfried Arsan, frisch gewählter OB von Traunstein, hat sich erhängt. Die Hintergründe sind völlig unklar.
Es geschah rund vier Wochen vor Wilfried Arsans Amtsantritt. „Wir trauern um einen engagierten Kommunalpolitiker, aber auch um einen stets hilfsbereiten und freundlichen Menschen", sagte der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl zur AZ. Niemand hat eine Erklärung für den tragischen Selbstmord. „Wenn ein Zusammenhang mit der hohen Belastung im Beruf eines Kommunalpolitikers besteht, fragt man sich, ob das Ganze solch tragische Folgen wert ist“, betonte Hermann Steinmaßl erschüttert.
Wilfried Arsan hat sich am Montagabend an einem Heizungsrohr im Keller seines Hauses erhängt.
(Abendzeitung 09.04.08)
Heinz Wölfl, der Landrat von Regen, hat sich offenbar selbst getötet. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus, die die Ermittlungen zum Unfalltod des 58-Jährigen abgeschlossen hat. Zu einem möglichen Motiv gibt es erste Spekulationen.
Der Landrat von Regen, Heinz Wölfl, hat sich wohl das Leben genommen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Deggendorf mit. Der CSU-Politiker war in der vergangenen Woche mit seinem Auto von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Er erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen.
(SZ 22.08.11)
Der Dresdner FDP-Politiker und Unternehmer Eberhard Rink hat sich am vergangenen Wochenende das Leben genommen. Er wurde am Samstag leblos in seinem Haus aufgefunden.
Dresdner FDP-Politiker zeigten sich über die Nachricht geschockt. "Wir sind tief geschockt und in großer Trauer.", sagte der Vorsitzende der Dresdner FDP Johannes Lohmeyer. "Wir sind tief erschüttert und trauern um einen guten Freund und Weggefährten", ergänzt Holger Zastrow, FDP-Bundesvize.

Auch die Partner der Spitzenpolitiker werden in Mitleidenschaft genommen.
Helmut Kohls Frau nahm sich 2001 das Leben.
Hannelore Kohl war fast 42 Jahre lang mit dem ehemaligen Kanzler Helmut Kohl (CDU) verheiratet. Stets gut gelaunt, gepflegt und stark geschminkt, die Haare immer gleich, teuer, aber bieder gekleidet trat sie neben ihm in der Öffentlichkeit auf. In Wirklichkeit war sie kreuzunglücklich, schwer krank und in den letzten Monaten ihres Lebens sehr einsam. Am 5. Juli 2001 wurde sie tot in ihrem Bungalow in Oggersheim bei Ludwigshafen gefunden. Es war Selbstmord, herbeigeführt durch eine Überdosis Tabletten, die sie einnahm, als ihr Mann sich in Berlin aufhielt.
(News.de 30.06.11)

In dieser Woche tötete sich der Ehemann von Guido Westerwelles Staatsministerin und früheren FDP-Bundesvizevorsitzenden Pieper.
Lutz Pieper ist tot. Der Ehemann der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, hat sich nach MZ-Informationen das Leben genommen. Die 54-Jährige fand ihn am Dienstagmorgen in ihrem Haus in Lieskau bei Halle. Lutz Pieper wurde 55 Jahre alt.
Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt bestätigte den Tod, äußerte sich aber nicht zu den Hintergründen. Zuvor hatte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) die Landesregierung informiert. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Halle, Heike Geyer, erklärte auf Anfrage, dass die Behörde ein Verfahren zur Ermittlung der Todesursache eingeleitet habe und der Leichnam deshalb obduziert werde. Zur Todesursache schwieg sie. Nach MZ-Informationen wird Fremdverschulden ausgeschlossen. Cornelia und Lutz Pieper haben einen Sohn.

Ebenfalls diese Woche beging der Grüne Adi Sprinkart Selbstmord.
Der Allgäuer Grünen-Landtagsabgeordnete Adi Sprinkart hat sich das Leben genommen. Die Gründe sind unklar, ein Zusammenhang zur Amigo-Affäre in Bayern besteht aber offenbar nicht.
Fraktionschefin Margarete Bause bestätigte am Freitag eine Meldung der Münchner „Abendzeitung“. Der Agrarpolitiker und Landwirt wurde demnach tot auf seinem Hof in Niedersonthofen gefunden. Er saß seit 1997 für die Grünen im Landtag.
Nach Angaben des Blattes hatte der Politiker erst am Montag seinen 60. Geburtstag gefeiert.
(Focus 03.05.13)

Ja, es gibt unendlich viel an Politikern zu kritisieren. 

Aber, daß sie alle Faulpelze sind, denen alles egal ist, stimmt nicht.

Die Jungs haben durchaus Stress.


Freitag, 3. Mai 2013

Angela Merkel hat völlig Recht!



So oft hat man nicht die Gelegenheit der Bundeskanzlerin zu zustimmen.
Deswegen will ich der Fairness halber auch nicht unkommentiert lassen, wenn die von mir Vielgescholtene ausnahmsweise wahre und richtige Sätze von sich gibt.
Es geht um den Kirchentag, der angeblich ganz Hamburg verzückt.
 Die Boulevardzeitungen überschlagen sich mit seitenlangen Jubelberichten über glückliche Menschen, die freudig betend durch die Stadt ziehen. 
Natürlich sind sowohl die Spitzenpolitiker – Gauck, Merkel, Steinbrück, Göring-Kirchentag  - als auch die Top-Religioten der Republik – Huber, Käßmann, Schneider – hier.
„Glaube verzaubert unsere Stadt“ titelt der Meinungsartikel der völlig unreligiösen Mopo heute. 
Redakteur Joachim Ortmann verkündet „Und Hamburg freut sich mit!“
Natürlich habe ich mir gleich ein Dutzend antireligiöse Buttons angeheftet, meine atheistischen Flyer eingesteckt, als ich heute aus dem Haus ging.
Wie so oft ist aber die VERöffentlichte Sicht der Dinge eine, die nicht unbedingt viel mit der Realität zu tun hat.
Angeblich soll Hamburg nämlich blau sein; blau von all den Kirchentagsschals.

Sie verwandeln die Stadt in ein Meer aus leuchtendem Blau: die Kirchentagschals aus Biobaumwolle, 1,50 Meter lang und 25 Zentimeter breit, bedruckt mit der Losung „Soviel du brauchst“.

Der Druck ist ebenfalls schadstofffrei. Man sieht sie um den Hals geschlungen, als Stirnband oder locker über der Schulter.

80.000 Stück hat eine indische Frauengruppe in Kalkutta gefertigt. Die Näherinnen gehören zur Fairhandelsorganisation EMA (Equitable Marketing Association).
(MoPo 03.05.13)

Ich habe allerdings noch keinen einzigen in der wirklichen Realität gesehen. Nur in den Zeitungen. Dort liegen sie um die Hälse von Gauck und Merkel.
Ach ja, die Kanzlerin.
Endlich einmal hat sie sich klar und deutlich zu ihren Prinzipien bekannt.

Bundeskanzlerin: "Ich betreibe Politik auf Basis christlicher Werte"

HH Abla: Kommen Sie nur als Bundeskanzlerin zum Kirchentag oder auch als Christin und Protestantin?

Merkel: So trenne ich das nicht. Ich betreibe Politik auf der Basis meines christlichen Menschenbildes. Mein Glaube vermittelt mir Maßstäbe für meine Entscheidungen, nicht nur für die privaten. […]

HH Abla: Welches war Ihr bisher eindrucksvollstes Kirchentags-Erlebnis?

Merkel: Ich besuche seit vielen Jahren Kirchentage, die Faszination kann ich nicht auf ein einziges Erlebnis beschränken. Mich beeindruckt immer wieder, mit welcher Ernsthaftigkeit und Freude Menschen bei Kirchentagen diskutieren und beten. […]

Uns ist die Schöpfung anvertraut. Wir müssen uns deshalb immer wieder fragen, wie wir mit ihr umgehen dürfen, umgehen müssen. Unsere Verpflichtung ist es, die Schönheit und den Reichtum der Erde und damit auch die Lebensgrundlagen der gesamten Menschheit langfristig zu bewahren. Wir selbst sind aber auch Geschöpfe Gottes. Das heißt, wir führen ein Leben in Gemeinschaft, in gegenseitiger Verantwortung füreinander. […]  Für mich - wie gesagt - ist das christliche Menschenbild Grundlage meines politischen Handelns, insbesondere wenn es um den Schutz des menschlichen Lebens geht, ob am Anfang oder am Ende.

Als Christin ist sich Merkel eben der Geschichte ihrer Religion bewußt. 
Religionen sind blutig und expansiv. 
In den letzten 2000 Jahren kam es zu rund 16.000 religiös begründeten bewaffneten Konflikten auf der Erde. Wer Gott auf seiner Seite hat, fühlt sich superior und ermächtigt andere anzugreifen.
Interessanterweise hat eine der ältesten menschlichen Kulturen überhaupt, nämlich die Chinesische, keine Religion hervorgebracht und ersparte sich damit auch weitgehend kolonial-missionarische Abenteuer. 
Chinesische Flotten sind nie um die Erde gesegelt, um im Gotteswahn andere Länder zu unterjochen. 
Nur einmal schickte der Kaiser eine große Flotte zum Handel-Treiben bis vor die Tore Europas. Aber das Unterfangen wurde abgebrochen, als man feststellte wie primitiv die Europäer waren. Es gab schlicht und ergreifend nichts, das es gelohnt hätte den mühsamen Seeweg zu überwinden.
Christen hingegen sehen das anders.
Wenn sie irgendwo auf diesem Planeten auf vermeidlich unterlegene Kulturen trafen, schritten sie sofort zur Tat. 
Und das hieß in aller Regel Massenmord und Genozid.
Als Angela Merkel CDU-Chefin wurde, hatte sie lästigerweise mit einer Rot-Grünen Regierung zu tun, die sich hartnäckig für den Frieden am Golf einsetzte und partout keinen Krieg wollte. Schröder und Fischer fremdelten mit dem kriegslüsternen George W. Bush.
Die von Christlichen Werten getriebene Merkel hingegen liebte den wiedergeborenen Christen GWB, der eigenhändig rund 150 Todesurteile unterschrieben hatte. Man herzte und küsste sich, besuchte sich privat.
Sie pilgerte nach Washington und untergrub die Friedensbemühungen der Schröder-Regierung. Über die Washington-Post ließ sie das amerikanische Volk wissen, daß Deutschland mit ihr als Kanzlerin an der Seite der USA in dem grandiosen Krieg im Irak mitkämpfen würde.
Den russischen Präsidenten Putin, der sich ebenfalls hartnäckig gegen den Krieg sperrte, im UN-Sicherheitsrat sein Veto gegen die US-Kriegspläne eingelegt hatte und zudem in Russland schon vor Jahren die Todesstrafe abgeschafft hatte, mochte die Christin Merkel gar nicht.
Die Beziehungen nach Russland fror sie als erstes ein, als sie schließlich Kanzlerin wurde.
Aktiv förderte sie deutsche Waffenexporte in alle Welt. 
Keine Krisenregion sollte ausgelassen werden. Und wenn lästige Regimegegner in Diktaturen Demokratie fordern, wird mit deutscher Überwachungstechnik dagegen vorgegangen.
Oder man walzt die Freiheitsaktivisten in Bahrain gleich mit deutschen Panzern im Saudischen Auftrag nieder.
In fast jedes Land der Erde werden dank Merkel deutsche Tötungswerkzeuge exportiert.
Aber nicht nur das.
In Deutschland gibt es sieben Millionen private Waffen. 
So viel wie in keinem anderen Land Europas. Sie dürfen in Privathaushalten aufbewahrt werden. Wann immer nach einem Amoklauf an den lockeren deutschen Waffengesetzen gerüttelt wird, ist es Merkels CDU, die die Hobby-Killern beschützt!
Besonders der ebenfalls zu Bibellesungen in Hmaburg angereiste Wolfgang Schäuble, sträubte sich als Innenminister gegen Einschränkungen beim Waffenbesitz. Kurz nach dem Winnendenamoklauf, wollte er die Gesetze sogar lockern.

Großkaliber und Gehirntraining - wenn es nach Familienvater Ebenhöh geht, passt das zusammen. Im Keller seines Eigenheims hat er sich eine kleine Patronenwerkstatt eingerichtet, dort stanzt er aus Kostengründen seine eigene Munition, 20.000 Schuss produziert er im Jahr auf diese Weise. In Stahlschränken stehen Gewehre und Pistolen bereit, zehn sind es insgesamt. Und gerade die Tochter, so Erziehungsberechtigter Ebenhöh, habe der Umgang mit den schweren Eisen vorangebracht, die Konzentration und Koordination seien gestärkt worden. Seit das Kind mit einer 9-mm-Pistole schieße, seien die schulischen Leistungen um 20 Prozent gestiegen.

Willkommen in der Welt der deutschen Sportschützen.
(Spon, Christian Buß, 22.04.12)

Was sind für eine Christin schon ein paar bei Amokläufen abgeknallte Kinder, wenn es um den Spaß an Waffentechnik geht.



Merkel hat völlig Recht. Ihre Christlichen Werte lassen sie Krieg und Killerspielzeuge fördern.
Die blöden Atheisten, Humanisten und Linken sind immer so scheißfriedlich und wollen beim Morden nicht mitmachen.

Donnerstag, 2. Mai 2013

ANDREA NAHLES


Man kann mir vieles vorwerfen, aber nicht, daß ich mich nicht für meine Partei einsetze!
 
Ich zahle seit 20 Jahren pünktlich meine Beiträge und lese den Vorwärts. Als Homo Politicus verfolge ich jede Wahl mit Argusaugen und bemühe mich die Menschen von einem Kreuz bei der SPD zu überzeugen. Gegen verbissene Agendahasser halte ich stand, verteidige im aussichtslosen Umfeld Schröder und Steinbrück.
Nie werde ich müde die vielen Argumente für die SPD aufzuzählen, stets zeige ich die Unterschiede zur rechten Alternative auf.
Schubladenweise horte ich SPD-Give-aways, die ich in großen Mengen beim SPD-Image-shop kaufe.
Ich benutze nur SPD-Lippenstifte (die übrigens wunderbar nach Vanille schmecken – viel besser als Labello und Co), trinke Café aus SPD-Tassen, verteile SPD-Taschentücher und benutze SPD-Kugelschreiber. An allen meinen Revers prangt ein Parteiabzeichen und sogar an meinem Autohinterteil klebt ein „I love SPD“-Aufkleber.
Ich besuche Wahlkampfveranstaltungen, lobe Spitzengenossen, verbreite Bundestagsreden von guten Sozis und lese Parteiprogramme.
Auf Facebook „like“ ich Sozialdemokraten und wenn Emnid anruft manipuliere ich die Meinungsumfrage, indem ich behaupte 2009 CDU gewählt zu haben und nun zur SPD umgeschwenkt sei.
Ich greife Schwarzgelb an, wann immer ich kann und nutze Wartezimmer und Kassenschlangen, um meinen Mitbürgern die Sozis schmackhaft zu machen.
Ich glaube, ich bin ein guter Sozialdemokrat.
Nachdem ich die Bundes-Parteivorsitzenden aus der Pfalz, Rudolf Scharping und Kurt Beck, überlebt habe fühle ich mich so gestählt, daß mich keine Personalie mehr erschüttern kann. 
Ich stehe hinter der SPD, stelle mich vor sie, verteidige sie und bin voller Überzeugung Mitglied.

Und dann das:

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Stricken für den Wechsel!
Dazu gibt es tatsächlich eine Facebookgruppe, die von Andrea Nahles unterstützt wird.
Und ich dachte bisher das allerunterste Kellertiefgeschoß des Niveaus hätte Nahles mit ihrer Energiewendeerklärung bereits erreicht.

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Aber ich will nicht undankbar sein. 
Die tiefgläubige Katholikin und Papstanhimmlerin Nahles, die leider viel zu unterbelichtet ist, um zu verstehen was Ratzinger im Bundestag gesagt hat, tritt freundlicherweise nicht in erster Linie als SPD-Vertreterin „nach außen“ auf. 
Damit würde sich massiv Wähler abschrecken. 
Stattdessen belästigt sie mit ihren unfassbaren Dümmlichkeiten hauptsächlich die eigene Parteibasis.
Von überzeugten Sozis darf man erwarten, daß sie derart umnachtete Aktionen auf dem Kindergarten-Niveau dezent verschweigen und niemanden außerhalb der Partei verraten, wie die eigene Generalsekretärin und oberste Wahlkämpferin sich zur Witzfigur macht.

Ganz läßt sich allerdings der Problemfall Nahles auch nicht vor der Öffentlichkeit verbergen.
So müssen wir SPD’ler beispielsweise mit dem grenzdebilen Wahlkampfmotto „Das WIR entscheidet“ leben, den Nahles zu allem Übel auch noch bei einer Zeitarbeitsfirma abgeschrieben hat.

Womit habe ich das verdient?

Könnte nicht irgendjemand anderes die SPD-Bundestagswahlkampagne leiten. 

Jemand, der besser qualifiziert ist. 
Lothar Matthäus hätte doch sicher Zeit gehabt. 

Mittwoch, 1. Mai 2013

Impudenz des Monats April 2013


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.
Die Krone als größter Depp bekommt diesmal Eduard Kopp (geb. 1953).
Kopp? Kennt Ihr nicht? Macht nichts, erklär‘ ich euch.
Bei den Begriffen „Kopp“ und „Religion“ denkt man zuerst an den „Kopp-Verlag“, also diesen extrem abstrusen Fanatiker-Verlag, der einst Eva Herman, aka „Eva Braun“ unter Vertrag nahm, um dort die „Kopp-Nachrichten“ zu verlesen.
Der Kopp Verlag mit Sitz in Rottenburg am Neckar widmet sich Verschwörungstheorien, und Pseudowissenschaften, wie Prä-Astronautik, Ufologie, des Erfundenen Mittelalters, des Kreationismus, der Astrologie, der Geomantie sowie der Germanischen Mythologie, des Islamismus, der Freiwirtschaftslehre und „Enthüllungen“ wie zu sogenannten „linken Lebenslügen.“
In den eigenen Worten:
Das Ziel des Kopp Verlags ist es, auf unterdrückte Informationen, Entdeckungen und Erfindungen hinzuweisen. Die Ausweitung von Tabuthemen, Political Correctness und Zensur in unserer Gesellschaft und den Medien soll untersucht und mit enthüllenden Büchern und Artikeln auf die Unterdrückung bedeutender Fakten und Tatsachen hingewiesen werden.
(Kopp-verlag.de)

 Kopp Verlag ist quasi das evangelisch-esoterische Pendant zu Kreuznet.
Der Inhaber ist Jochen Kopp.
Ob er mit der Impudenz des Monats April 2013 Eduard Kopp verwandt oder verschwägert ist, konnte ich nicht herausfinden.
Eduard (59) beackert ein ähnliches Themenfeld wie Jochen (47).
Er ist Diplom-Theologe und fungiert als leitender theologischer Redakteur bei „chrismon“.
Chrismon ist meiner Ansicht nach noch schlimmer als der Kopp-Verlag, weil ich davon mehrfach zwangsbeglückt werde. Chrismon liegt unter anderem der ZEIT und der SZ bei, so daß ich eine Menge überflüssigen Dreck zum Altpapier schleppen muß.
Der Bizarr-Verlag erscheint wenigstens nicht in Papierform. 
Es werden keine Bäume gefällt, um ihn in mein Haus zu tragen und ich finanziere ihn auch nicht mit, wie ich es bei Chrismon über Umwege tue. Das Heft mit einer Auflage von einer Million Exemplaren wird kostenlos von einem Herausgeberquartett aus schweren Religioten herausgegeben:
Katrin Göring-Kirchentag, Bischof Johannes Friedrich, Bischöfin Margot Käßmann und Präses Nikolaus Schneider.
Der Senat finanziert großzügig mit und schiebt den Kirchen 7,5 Millionen Euro aus Steuermitteln rüber – neben weiteren Hilfen.
Der gleichzeitig in Hamburg stattfindende Humanistentag bekommt Null Euro Beihilfe – obwohl Konfessionslose an der Elbe die Mehrheit stellen.
Der Humanistentag findet auch in der Printpresse und im Fernsehen nicht statt, während mir das christliche Gejubel schon seit Tagen aus allen Hamburger Zeitungen entgegen plärrt.
Das Hamburger Abendblatt will sogar mit einer eignen Umfrage festgestellt haben, daß mehr als die Hälfte der Hamburger Christen sind.
Das Christentum ist in der Kirchentags-Metropole Hamburg weiter tief verwurzelt. Obwohl nur noch etwas mehr als ein Drittel der Hamburger einer evangelischen oder der katholischen Kirche angehört, fühlt sich jeder Zweite dem Christentum verbunden - unabhängig davon, ob er Kirchenmitglied ist oder nicht. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Harris interactive im Auftrag des Abendblatts, der Hapag-Lloyd-Stiftung und der Firma Budnikowsky aus Anlass des Evangelischen Kirchentags.
Die Dialektiker.
Tritt man aus der Körperschaft öffentlichen Rechts aus, weil man keine Kirchensteuer bezahlen will, ist man automatisch exkommuniziert und nach katholischer Ansicht kein Christ mehr.
Für diese Rechtsauffassung kämpfen die RKK mit allen Mitteln.
Aber da geht es auch um ihr Geld. Da versteht die Kirche keinen Spaß.
Wenn man aber in einem anderen Zusammenhang betonen will, wie viele Christen es gibt, benutzt man eben die gegenteilige Argumentation.

Ich kann mich jedenfalls am heutigen Ersten Mai selbst beglückwünschen.
Nachdem gerade erst vor drei Tagen zur „igs“-Eröffnung Bundespräsidentenpastor Gauck in Hamburg war, trudelt Deutschlands höchster Bundespfarrer Gauck schon wieder bei mir ein und eröffnet den Kirchentag.
Mit einer maritimen Begrüßung ist der 34. Deutsche Evangelischen Kirchentag in Hamburg eröffnet worden. Pünktlich um 17 Uhr erklangen am Mittwoch im Hafen die Schiffshörner mit einer Fanfare: Es war das Startsignal für die vier Eröffnungsgottesdienste, die parallel unter freiem Himmel stattfanden - in der Hafencity, am Rathausmarkt, auf der Reeperbahn und auf dem Fischmarkt. […] In der Hafencity predigte Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs. Sie erläuterte den Tausenden Besuchern das Kirchentagsmotto "Soviel Du brauchst" in einfachen Worten: "Das, was Du wirklich brauchst, gibt Gott täglich neu", sagte Fehrs. "Es geht um Güte, um Freundlichkeit, um Sinn und Segen." Das Motto stammt aus dem 2. Buch Mose. Es bezieht sich auf die Geschichte vom "Manna", das vom Himmel fällt, als die Israeliten durch die Wüste ziehen. Fehrs band in ihre Rede das Kirchentagsmaskottchen "Dundu" mit ein. Sie umarmte die übermannsgroße Drahtgeflecht-Puppe, die von mehreren Helfern bewegt wurde. Musikalisch begleitet wurde die Feier in der Hafencity von 1.000 Bläsern und von Bands und Chören.
[…] Anschließend hielt Bundespräsident Joachim Gauck eine Begrüßungsansprache. Er betonte, dass Religion auch eine gesellschaftliche und politische Bedeutung habe. "Was wir brauchen, wissen wir nicht sofort", sagte Gauck mit Blick auf das Kirchentagsmotto. Anschließend überbrachte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen Grüße und Wünsche der Katholiken.
Das ließe sich lange ausführen wie sich christliche Publizisten derzeit in Szene setzen.

Den Vogel abgeschossen in Punkto „sinnloses Gelaber“ hat aber Eduard Kopp, der im Chrismon den Ungläubigen erklärte wieso es NICHT naiv ist in Gott zu vertrauen. 

Und natürlich, daß wegen des mangelnden Gottvertrauens auch die Elbphilharmonie noch nicht fertig ist.
Ist Gottvertrauen einfach nur naiv? „Soviel du brauchst“ heißt das Motto des Kirchentags: Was du zum Leben und Überleben benötigst, wirst du bekommen![...]
Der Auszug aus Ägypten (Exodus) sowie die Lebensrettung durch Gott sind Urdaten der Geschichte Israels. Blindes, kopfloses Gottvertrauen? Oder doch eine tiefe Zuversicht, dass auch dieses gefährliche Wagnis gut ausgehen wird?  Das Wort Gottvertrauen ist für viele Menschen zum Fremdwort geworden. Gottvertrauen erscheint ihnen als naiv, unaufgeklärt, verantwortungslos. Alles kontrollieren, planen, absichern: Das liegt ihnen näher. Es gibt Versicherungen für und gegen alles, Schutzkleider und Schutzräume, Berge von Paragrafen, es gibt Notfallkoffer, Notverpflegung, Notaggregate. Es ist das Gegenteil von Selbst und Gottvertrauen und auch das Gegenteil der Einstellung, dass Gott gibt, „soviel du brauchst“ – so das Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags, 1. bis 5. Mai in Hamburg. Mit Gottvertrauen haben Menschen im Mittelalter Kirchen und Hospize zu bauen begonnen – Finanzierung ungewiss. Sie vertrauten fest darauf, dass ihr Werk gelingt. Heutige Großprojekte wie die Hamburger Elbphilharmonie oder der Berliner Flughafen BER sind im Gegensatz dazu wohl eher das Ergebnis von Selbstüberschätzungen und geschönten Kostenprognosen. Das Maß wird überrissen, Kosten und Nutzen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zueinander. Was ist naiv, was vernünftig? Gottvertrauen ist jedenfalls nicht das Gegenteil  von Vernunft. […] Wo ist die Grenze für das Gottvertrauen? Es gibt sie nicht.   Ein Bergsteiger, der eine Wand schon sehr weit bezwungen hat, verliert plötzlich seinen Halt und stürzt in die Tiefe. An einem aus der Felswand ragenden Baum verfängt er sich und kann sich nur mit einiger Not festhalten. Verzweifelt beginnt er zu beten. Er verspricht Gott das Blaue  vom Himmel, wenn er ihn rette. Das hört Gott und er fragt den Bergsteiger, wie er ihm denn überhaupt helfen könne, da er doch gar nicht an ihn glaube. Und ob er ihm überhaupt zutraue, dass er ihn retten könne. Da verspricht der Bergsteiger, dass  er ab sofort für immer Gott vertrauen und  an ihn glauben werde. Da sagt Gott zu ihm:  „Nun denn! Dann lass jetzt los!“