Freitag, 7. Juni 2013

Die Liebe Gottes


Thema I:

Marasmus kennt Ihr nicht? Macht nichts, erklär‘ ich euch.
Marasmus ist eine Form des Verhungerns, die vor allem von tödlichem Eiweißmangel gekennzeichnet ist (auch PEM protein-energy-malnutrition).
Bei Marasmus funktioniert die Proteinbiosynthese nicht mehr, so daß keine Enzyme gebildet werden können. Wird der verhungernde Menschen dann mit Kohlenhydraten oder Fetten versorgt, stirbt er dennoch, da inzwischen die aus Eiweiß bestehenden Verdauungsenzyme abgebaut wurden.
Das ebenfalls auf Proteinen basierende Immunsystem wird immer schwächer, so daß die unter Marasmus Leidenden extrem anfällig für Infektionskrankheiten werden.
Marasmus ist schwer zu heilen, weil die Patienten dehydriert sind, Blähbäuche haben, durch den Fettstoffmangel frieren, unterzuckert sind und an Herzinsuffizienz leiden.

Thema II:

Meine LieblingsbischöfinBizarra Käßmann sagte unter anderem auch in ihrer Rücktrittserklärung vom ihre Zentralerkenntnis über Gott auf:
Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar."
(Margot Käßmann 24.02.2010)
Natürlich hat die fromme Margot den Satz plagiiert. Er stammt von dem evangelischen Pfarrer und Kirchenliederdichter Arno Pötzsch (*1900 in Leipzig; † 1956 in Cuxhaven), der diesen Satz in Berlin passend zur Wannseekonferenz 1942 als Beginn des Liedes EG 533 schrieb.
Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.
Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade trotz aller unserer Not.
Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.
Während die Nazis sechs Millionen Juden abschlachteten und einen Krieg mit Gottes Hilfe („Gott mit uns“ stand auf den Koppelschlössern der Wehrmacht und die Mehrheit der deutschen Bischöfe betete eifrig Adolf Hitler und den Endsieg) führte, dem am Ende rund 60 Millionen Menschen zum Opfer fielen, hielten die Kirchisten unerschüttert daran fest, daß Gott jeden Menschen liebe.
Das ist ein „Faktum“, wie Milliarden Christen wissen.
In einem gewissen Sinne liebt Gott jeden Menschen in der ganzen Welt (Johannes 3:16; 1 Johannes 2:2; Römer 5:8). Diese Liebe ist nicht bedingt – sie ist auf dem Faktum basiert, daß Gott Gott der Liebe ist (1 Johannes 4:8, 16). Gottes Liebe für die ganze Menschheit resultiert im Faktum, daß Gott Seine Gnade zeigt, indem Er nicht unmittelbar die Menschen für ihre Sünden bestraft (Römer 3:23; 6:23). Gottes Liebe für die Welt ist im Faktum offenbart, daß Gott den Menschen die Möglichkeit zur Buße gibt (2 Petrus 3:9). Doch bedeutet Gottes Liebe für die Welt nicht, daß Er die Sünde ignoriert. Gott ist auch Gott der Gerechtigkeit (2 Thessalonicher 1:6). Sünde kann nicht für immer unbestraft bleiben (Römer 3:25-26). 
Die größte Liebestat aller Zeiten wird in Römer 5:8 beschrieben: “Wie sehr Gott uns liebt, beweist er uns damit, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.” Jeder, der Gottes Liebe ignoriert, der Gott als Erlöser abweist, der den Retter, der ihn freigekauft hat, verleugnet (2 Petrus 2:1) wird für immer Gottes Zorn (Römer 1:18) und nicht Seine Liebe (Römer 6:23) empfinden. Gott liebt jeden Menschen bedingungslos und Er zeigt Seine Gnade mit jedem Menschen, indem Er die Menschen nicht sofort wegen der Sünde vernichtet. Gleichzeitig ist Gott “im Liebesbündnis” nur mit denjenigen, die Jesu Christi für ihre Erlösung vertrauen (Johannes 3:36). Nur diejnigen, die an den Herrn und Retter Jesus Christus glauben, werden für immer Gottes Liebe genießen.
Liebt Gott jeden Menschen? Ja. Liebt Gott die Christen mehr im Vergleich zu Nicht-Christen? Nein. Liebt Gott die Christen in einem anderen Ausmaß im Vergleich zu Nicht-Christen? Ja. Gott liebt jeden Menschen gleich, indem Er Gnade mit jedem Menschen hat. Gott liebt nur die Christen in dem Sinne, daß nur die Christen Seine ewige Gnade, Barmherzigkeit und das Versprechen Seiner ewigen Liebe im Himmel erhalten. Die bedingungslose Liebe, die Gott für jeden Menschen empfindet, sollte uns dazu bringen, Ihm zu vertrauen, Seine großartige bedingte Liebe dankend zu erhalten, die Er denjenigen schenkt, die Jesus Christus als Erlöser empfangen.
Gott liebt also jeden gleich – außer Afrikanern, Nordkoreanern und anderen Menschen, die nicht so weiß wie Käßmann, Bergoglio oder Merkel sind.

So richtig schwarze Menschen scheint Gott kaum zu lieben. 
Sie sind dazu verdammt ein Leben im Elend zu führen. Zu Millionen läßt Gott jedes Jahr Kinder krepieren, ohne daß sie je so alt würden, daß sie beginnen könnten zu sündigen.
Weltweit leiden Millionen Kinder unter den Folgen von Unterernährung. Jedes Jahr sterben 3,1 Millionen Kinder unter fünf Jahren, weil sie nicht genug zu Essen bekommen. Wie die renommierte Medizinzeitschrift "The Lancet" jetzt in einer umfassenden Analyse zur Ernährung von Neugeborenen, Kleinkindern, Schwangeren und Müttern berichtet, wären knapp die Hälfte (45 Prozent) dieser Todesfälle vermeidbar - allein durch eine bessere Ernährung. […] Dabei sind nicht nur die Todesfälle ein immenses Problem: 165 Millionen Kinder weltweit leiden unter Wachstumsstörungen durch Mangelernährung. Auch das hat schwerwiegende Konsequenzen: Die geistige Entwicklung der Kinder wird ebenso beeinträchtigt wie die körperliche Leistungsfähigkeit im späteren Leben.
Damit, so die "Lancet"-Autoren in ihrer Zusammenfassung, wachse eine weitere Generation heran, die bei der Produktivität hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben müsse. […] Unterernährung, so die Forscher, führe zu Produktivitätsverlusten und reduziere so die wirtschaftliche Leistungskraft eines Landes deutlich. Erst vor wenigen Tagen hatte die Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO ihren Jahresbericht vorgestellt, in dem sie zu ähnlichen Ergebnissen kommt.
Was auch immer sich Gott angesichts der 165 Millionen Marasmus-Patienten auf einem Planeten, der im Überfluß schwelgt, denken mag: 
Die Christliche Welt in Europa und Nordamerika könnte verhältnismäßig leicht den Hunger auf der Erde bekämpfen. 
Laut Angaben des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Nahrung Jean Ziegler leiden weltweit eine Milliarde Menschen unmittelbar und mittelbar an Hunger.
Um die am schwersten Betroffenen, die 165 Millionen an Marasmus Leidenden am Leben zu halten, empfehlen die Autoren der "Lancet"-Analyse zehn grundlegende Maßnahmen, die insgesamt läppische zehn Milliarden Euro kosten würde. Das sind gerade mal 60 Dollar pro Menschenleben und Jahr.
Zwar sei der Anteil der wachstumsgehemmten Kinder in wirtschaftsschwachen Ländern seit 1990 von 40 Prozent auf 26 Prozent im Jahr 2011 zurückgegangen, dennoch sind 165 Millionen Kinder weltweit weiterhin davon betroffen. Noch schwerer trifft es die 71 Millionen Kinder, die an chronischem Nährstoffmangel leiden. In der Fachsprache heißt dieser Zustand Marasmus: 19 Millionen Kinder weltweit gelten als schwere Fälle, weitere 52 Millionen als davon betroffen.
Allein 800.000 Todesfälle jährlich sind der Studie zufolge auf Probleme beim Stillen zurückzuführen, mehr als 800.000 Todesfälle in den ersten Lebensmonaten gehen demnach auf das zu niedrige Geburtsgewicht Neugeborener zurück. Die Mütter sind am stärksten durch Blutungen während und nach der Geburt gefährdet. Ein Großteil dieser Todesfälle könnte durch eine ausreichende Zufuhr wichtiger Nährstoffe verhindert werden, so die Autoren.
Die Kosten für die vorgeschlagenen Versorgungsprogramme schätzen sie auf knapp zehn Milliarden sogenannte Internationale Dollar. Mit einem "International Dollar" kann im Bezugsland die gleiche Menge Waren gekauft werden wie mit einem US-Dollar in den USA. (Dennis Ballwieser, Spon, 06.06.13)

Angela Merkel versteht sich ausdrücklich als Christin, deren Regierungshandeln immer vom christlichen Menschenbild bestimmt wird.
Die zehn Milliarden Dollar, mit denen Millionen Kinder vorm Verhungern gerettet werden könnten, mag die Kanzlerin aber genauso wenig aufbringen, wie Papst Franz, der sich angeblich so um die Armen sorgt und das Geld locker im IOR zur Verfügung hat.

Stattdessen überzieht Merkel die Welt mit Waffenexporten und sonnt sich augenblicklich in einer Rekordzustimmung von 70%.
Angela Merkel und ihre Union erfreuen sich weiterhin an einem stabilen Frühsommerhoch. Die Drohnen-Affäre kann am Image der Kanzlerin nicht kratzen, ihre Popularitätswerte liegen auf Höchstniveau. […] Abgesehen von de Maizière haben Anfang Juni alle abgefragten Spitzenpolitiker an Popularität gewonnen. Angela Merkel führt mit weitem Abstand und 70 Prozent (+ 5) Zustimmung die Tabelle an, knapp gefolgt von Finanzminister Wolfgang Schäuble 67 Prozent (+ 7)

Donnerstag, 6. Juni 2013

Kurzsichtige und sehr, sehr dumme CDU-Politik


Heute hat Schwarz-Gelb von den Roten in den Roben eins übergezogen bekommen.
Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung zum Ehegatten-Splitting für eingetragene Lebenspartnerschaften veröffentlicht, und die CDU/CSU-Führung reagiert zurückhaltend, abwartend. Kauder zieht es vor, zunächst zu schweigen und eine Sondersitzung der Unionsabgeordneten am Freitagmorgen abzuwarten. Das Ziel: die Stimmung sondieren, Telefonate führen. Das Thema ist für die Union heikel. Wie soll sie sich künftig bei der Homo-Ehe positionieren?
Die Partei ist gespalten. Jene in der CDU, die seit längerem die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe verlangen, sind froh über den Richterspruch. Jüngere Abgeordnete wie Jens Spahn und Jan-Marco Luczak wollen, dass die Fraktion aktiv wird. "Ich erwarte jetzt, dass wir das Urteil noch vor der Sommerpause gesetzlich umsetzen", sagt Luczak. Konservative wie Norbert Geis von der CSU hingegen kritisieren das Urteil. Die im Grundgesetz genannte Privilegierung der Ehe werde dadurch "angegriffen und in Frage gestellt".

Das Homogattensplitting gehört wie die sogenannte „Homo-Adoption“, aber auch das Staatsbürgerschaftsrecht, die Heroinabgabe oder die Marihuana-Politik zu den Themen, die relativ kostenneutral sind.

Hier gibt es einerseits die ewig-gestrigen, intoleranten, denkfaulen, verklemmten, realitätsnegierenden, menschenverachtenden, grundgesetzmissachtenden, mürrischen Blockierer – und andererseits die Vernünftigen.

Es gibt also klare und konträre Positionen zwischen den Blöcken Schwarzgelb einerseits und Rot-Rot-Grün-Pirat andererseits.
Da wünscht man sich so dringend einen Regierungswechsel her, damit dieser ganze konservative Bullshit endlich mal abgeräumt wird.


Obschon ich Naturpessimist bin, habe ich die Hoffnungen darauf auch noch nicht abgeschrieben. Sicher, die Zahlen sehen für Steinbrück miserabel aus, aber man darf nicht vergessen, daß Merkel eine sehr schlechte Wahlkämpferin ist. 
Mit ihrer jetzt erneut praktizierten Strategie der asymmetrischen Demobilisierung rettete sie sich 2005 und 2009 gerade noch mal so ins Ziel. 
Sechs Monate vor der Wahl hatte es für die CDU jeweils noch viel besser ausgesehen.
Außerdem gingen alle Landtagswahlen, für die sich Merkel in den letzten Jahren massiv eingesetzt hatte (NRW; Niedersachsen, Baden Württemberg) verloren.

Also, wer weiß, vielleicht erleben wir es noch dieses Jahr, daß all die oben genannten Schwachsinns-Regelungen von RotGrün abgeschafft werden.

Allerdings sind die meisten Politprobleme keineswegs so leicht abzuschaffen.
In den vielen Fällen hat uns Merkel so weit in den Orkus geritten, daß man nur sehr langsam und mit ungeheurem Aufwand einen Kurswechsel schafft.
Das marode Schulsystem kann man nicht mal so eben per Gesetz wieder heil machen.
Man kann nicht mal so eben die Bundesanstalt für Arbeit reformieren, den Steuerdschungel lichten, eine „Energiewende“ hinlegen, oder das Klima retten.

Ich sehe schon vor mir, wie die notorisch-nörgeligen Linken ganz fürchterlich enttäuscht sein werden, weil Steinbrück nach drei Wochen noch nicht das gesamte Land umgekrempelt hat.

Schwarzgelb ist nämlich nachhaltig-destruktiv. 
Aus der Nummer kommt man nicht so einfach wieder raus.

Diesen Effekt kann man derzeit recht gut auf Landesebene in Hamburg beobachten.
Nicht nur, daß Olaf Scholz von der planlosen Schwarz-Grünen K.O.alition eine unbaubare Elbphilharmonie, eine fehlgeplante Hafen-City und eine verschandelte Innenstadt geerbt hat, nein, vor allem hat die Hamburger CDU-Regierung (2001 bis 2011) ein NACHHALTIGES  finanzielles Desaster angerichtet.
Milliarden müssen für den Rückkauf der Netze ausgegeben werden, mit zig Milliarden steht Hamburg für die HSH-Nordbank gerade.

Julian Georg, der erst 20-Jährige Fraktionschef der Linken im Bezirksparlament Hamburg-Wandsbek, informierte nach einer parlamentarischen Anfrage darüber was uns Ole von Beusts  ominöse Immobiliendeals eigentlich kosten.
Im Jahr 2006 hatte nämlich die in Hamburg regierende CDU den brillanten Plan umgesetzt über 90 größere städtische Immobilen, in denen hauptsächlich Behörden untergebracht waren meistbietende zu verkloppen und anschließend vom neuen Eigentümer zu mieten.
Finanzpolitik à la CDU: Einmal großen Reibach machen und in den folgenden Jahren dafür bestraft werden. 
Unter anderem die Finanzbehörde und die Hamburger Justizbehörde wurden von Merkels damaligen Liebling Beust verkauft.
Die Anfrage der Linken in Hamburg-Wandsbek ergab nun, daß allein das Bezirksrathaus Wandsbek an der Schloßstraße, welches an die „Bayernfonds-Immobilienverwaltung“ verscherbelt und mit einem Mietvertrag bis Mai 2031 versehen wurde, den Bezirk monatlich € 84.932 KALT kostet. 
Das macht im Jahr über eine  Million Euro Miete für EINS der 90 von der CDU verkauften Gebäude. Beim Bayern-Immobilienfonds knallen sicher heute noch die Sektkorken.
Die arme SPD, welche glücklicherweise inzwischen wieder regiert, hat in diesen Fällen keine Wahl. Sie muß die Desaster-Politik der CDU-Finanz-Jongleure ausbaden.
 Jeden Monat.
Bezirksamt Wandsbek: Anfrage der LINKEN offenbart "ganzen Unsinn der Privatisierung öffentlicher Gebäude"

Wie aus einer Anfrage der Wandsbeker Bürgerschaftsabgeordneten Dora Heyenn hervorgeht, zahlt die Stadt für die Gebäude des Bezirksamtes Schloßstraße 60 und Robert-Schumann-Brücke 8 monatlich knapp € 85.000.- (Nettomiete).
2006 wurden die Gebäude mit einer Bruttonutzfläche von knapp 12.000 qm durch den schwarz-grünen Senat an die Alstria Office AG verkauft. Inzwischen gehören die Grundstücke der Bayernfonds Immobilienverwaltung, München. Der Mietvertrag hat eine Laufzeit  bis zum 31.05.2031. Ein Rückkaufsrecht ist nicht vorgesehen. Für die Mietpreisentwicklung wurde eine Indexierung auf Basis des Verbraucherpreis-Indexes vereinbart.

Julian Georg, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE in der Bezirksversammlung Wandsbek: „Für die meisten Normalbürger ist es völlig unverständlich, eine Immobilie zu verkaufen und diese dann für den eigenen Gebrauch  zurück zu mieten. In Wandsbek kommt hinzu, dass die Stadt mit dem  Kundenzentrum Walddörfer und dem Sozialen Dienstleistungszentrum (SDZ) Bramfeld zwei angemietete Einrichtungen schließen will, um monatlich einen relativ geringen Betrag von weniger als 10.000.- Euro zu sparen. Der ganze Unsinn der Privatisierung öffentlicher Gebäude wird an diesem Beispiel deutlich.“

Neben der Schloßstraße 60 und der Robert-Schumann-Brücke 8 hat das Bezirksamt für die Aufgabenerledigung der öffentlichen Verwaltung eine ganze Reihe weiterer Gebäude angemietet, die z.T. vorher im Besitz der Stadt waren. Für die Gebäude Am Alten Posthaus 2/4, Schloßgarten 9 und Wandsbeker Allee 71/73 zahlt die Stadt gut 100.000.- Euro monatlich.  Insgesamt also rund 185.000.- oder -  2,22 Mio. Euro Miete im Jahr!

Dora Heyenn: "Im Jahr 2006 wurden die Grundstücke mit dem Argument verkauft: Wir müssen Schulden abbauen und die Netto-Kreditaufnahme verringern. Heute werden angemietete Büroflächen aufgegeben, staatliche Leistungen eingeschränkt und dem Bürger weitere Wege zugemutet  mit dem Argument: Wir müssen sparen, um die Schuldenbremse einzuhalten. Öffentlich-private Partnerschaften bringen dabei nur Belastungen für die öffentlichen Haushalte mit sich, wirtschaftspolitisch sind sie kontraproduktiv. Eine seriöse, transparente und ehrliche Haushaltspolitik sieht anders aus. Die öffentlichen Haushalte brauchen stattdessen eine verbesserte Einnahmenbasis durch höhere Steuern auf Unternehmensgewinne, auf Finanztransaktionen, auf hohe Einkommen und Vermögen.“

Anlage: Bezirksamt Wandsbek, Angemietete Büroflächen und Drs. 20/8064

Mittwoch, 5. Juni 2013

Die großen Maschen des sozialen Netzes.

Nach 44 Jahren SPD-Herrschaft in Hamburg stellten mit dem schwarz-braunen Duo Beust/Schill im Jahr 2001 die Konservativen die Regierung. Sofort begannen sie das Tafelsilber zu verkloppen, um sich mit den Erlösen Denkmäler zu setzen – Elbphilharmonie und Europapassage z.B.
Jene Elbphilharmonie, deren Baukosten der CDU-Senat auf 77 Millionen Euro festsetzte. Von den 77 Mios würde aber der größte Teil „aus der Wirtschaft“ kommen.
Aktuell belaufen sich bei Baukosten auf 800 Millionen, von denen allein Ole von Beusts Architektenbüro schon 125 Millionen eingesackt hat.
Legendär ist das Desaster, das Beust mit dem Verkauf der Hamburger Krankenhäuser (LBK) an Asklepios anrichtete.

29.2.2004: Beim Volksentscheid stimmen 76,8 Prozent der Wähler gegen den LBK-Verkauf.

7.9.2004: Ole denkt sich „scheiß auf die Demokratie - Finanzsenator Peiner hat doch da diesen netten Vetter bei Asklepios“ und so beschließt der Senat den Verkauf des LBK an den privaten Betreiber Asklepios.

Neun Jahre später ist Aspklepios-Besitzer Broermann zwei Milliarden Euro reicher und seine Angestellten haben teilweise nicht mal einen Tarifvertrag. 
Heute streikten die Mitarbeiter vor dem Asklepios-Krankenhaus St. Georg.
100 Servicemitarbeiter fordern einen einheitlichen Haustarifvertrag. Doch die Unternehmensleitung lehnt weitere Verhandlungen ab […] Wenn sich Wut in Dezibel messen lassen würde, wäre die Obergrenze fast erreicht: Riesenwut. Gemeinsam mit etwa 100 anderen Servicemitarbeitern der Asklepios Kliniken steht Schoop vor dem Eingang des AK St. Georg an der Langen Reihe. Es sind Reinigungskräfte, Wachleute, Küchenhilfen, Lagerarbeiter aus allen Häusern. […]
Bereits zum dritten Mal seit Mitte Mai hat Ver.di zu einem Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert einen Haustarifvertrag für die Tochterfirma Asklepios Services Hamburg (ASH). […] "Nach wie vor gibt es keine Bereitschaft, die 900 Beschäftigten angemessen zu entlohnen", kritisiert Björn Krings von Ver.di. […] Nach der Privatisierung des Hamburger Landesbetriebes Krankenhäuser 2007 waren die Servicebereiche in Tochterfirmen des Asklepios-Konzerns ausgelagert worden. Die Folge: Der Tarifvertrag der Hamburger Krankenhäuser muss nicht angewendet werden. […] Margerit Amori verdient 1100 Euro im Monat. Seit zwei Jahren arbeitet sie als Servicekraft im Klinikum Nord, ist etwa für Essenverteilung zuständig. Die Schichten gehen von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends - mit zwei Stunden Pause. "Harte Arbeit, wenig Geld", sagt die 48-Jährige, während sie mit den anderen Demonstranten über den Steindamm zieht. Viele Kollegen hätten Zweitjobs oder seien auf Hartz IV angewiesen. Auch Amori denkt darüber nach.
So geht es vielen. Küchenhelfer Harald Lünstedts Bruttostundenlohn liegt bei 8,38 Euro.

Der Zufall will es, daß ich am Sonntag zehn Stunden (als Begleitung) in der Notaufnahme des Asklepios St. Georg gehockt habe. Natürlich wäre ich lieber in dem von mir hochgeschätzten UKE gelandet, aber dort gab es am Sonntag einen Aufnahmestopp wegen totaler Überfüllung.
Wer schon mal sonntags in einer Notaufnahme gehockt hat, weiß wie unspaßig es dort zugeht.
Das Krankenhaus St. Georg ist aber noch mal eine Nummer gruseliger, weil es das sozial eher problematische Publikum von St. Pauli und der Reeperbahn mitversorgen muß.
Die St-Georg-Notaufnahme ist so wie man sie aus den diversen Fernsehreportagen kennt.
 Jede Menge verlauste Penner und Volltrunkene, Polizei, Security-Leute, Patienten, die sich Kopf an Fuß auf Tragen im Flur stapelten. Dreck-starrende Fenster und auf dem Weg zum Röntgenraum habe ich später mit meiner Haarfrisur ein paar Spinnenweben einsammelt, die sich vom Tür-Sims zur Deckenleuchte spannten. 
 Das Warten war eine echte Quälerei, weil der Patient zusammengesackt auf einem ausgeklappten Tragestuhl hing und trotz der Zufuhr von 6 Liter O2 über Maske immer weniger Luft bekam. 
Das Personal war dermaßen überlastet, daß wir allein auf die Röntgenaufnahmen von 16.00 bis 20.00 Uhr warten mußten.
 Immerhin wurden MEINE Bronchien auf dem Weg in den Radiologie-Raum frei, weil die Pfleger im Gang konzentriertes Minzöl versprüht hatten, nachdem ein in der Ecke vergessener Obdachloser eingekotet hatte.
Der Transport-Mann sagte nur trocken, daß wir sicher noch viel weniger gern durch den Flur ohne Minzölbehandlung gefahren wären.
 Das habe ich auf’s Wort geglaubt angesichts der Gestalten, die dort umher wankten und sicher seit Jahren keine Dusche mehr gesehen hatten. Erst um 22.30 Uhr, nach neun Stunden Wartens wurde dem Patienten etwas Erleichterung durch eine Sultanol-Inhalationsmaske und eine Cortison-Infusion verschafft. 
Vor allem war es in der Notaufnahme aber absolut  VOLL - wirklich wie in einem Entwicklungsland. Jeder Zentimeter auf den Fluren zugestellt mit Tragen, auf denen irgendwelche Maladen lagen - und natürlich lauter Leute mit kleineren Verletzungen, die noch viel länger warten mußten. Vor dem Röntgenraum lag ein Typ mit einem von seiner Freundin zerstampften Zeh, der schon ganz blau anlief. 
So ein Hipster, Mitte 20. Der war offenbar schon den ganzen Tag da und sah immer nur zu wie dringendere Fälle vor ihm geröntgt wurden. Vermutlich sitzt der immer noch da – konserviert von einer konzentrierten Minz- und Lavendelöl-Wolke.

Heute erlebte ich auf der C-F1-Station; das ist die internistische Monitoring-Aufnahmestation; die nächste ganz schwere olfaktorische Katastrophe. 
Im Nachbarbett lag eine 89-Jährige obdachlose Frau, die ausgetrocknet war und unter Luftnot litt.
Als sozial eingestellter Mensch ist das ein echtes Dilemma. Natürlich kann ein Obdachloser nicht so hygienisch sein, wie wir etwas Glücklicheren. Man hat Mitleid. 
Gleichzeitig ist es aber extrem schwer auszuhalten diesen permanenten Gestank zu erdulden.
Wie sich rausstellte, war diese fast 90-Jährige Dame erst dieses Jahr obdachlos geworden!
Sie lebte bisher allein in einer kleinen Wohnung in Stuttgart von einer winzigen Rente, bis ihr die steigenden Kosten so über den Kopf wuchsen, daß ihr die Wohnung gekündigt wurde.
Ich wußte bisher gar nicht, daß es überhaupt möglich ist eine 89-Jährige buchstäblich auf die Straße zu setzen. Offenbar aber doch.
 Ihr einziger Verwandter, ihr Sohn, lebt von Gelegenheitsjobs als Handwerker in Hamburg. Auch er hat keine feste Adresse, weil er keinen festen Job hat, weil er keine feste Adresse hat, weil er keinen festen Job hat.
Er versucht sich so gut es geht um seine inzwischen nach Hamburg gepilgerte Mutter zu kümmern, aber natürlich ist die Straße nicht gerade ideal für eine fast 90-Jährige, die zudem auch noch bis auf die Knochen abgemagert war.
Ich hätte sie aus dem Bett pusten können; so dürr war sie. Wie ein Skelett.
Sie wurde von der Polizei mit Atemnot gefunden und ins Asklepios St. Georg gebracht. 
Dort versuchte man sie natürlich so schnell wie möglich wieder loszuwerden, weil sie eindeutig ein Pflegefall ist. Allerdings kann die Krankenhaus-eigene Sozialstation nicht tätig werden, weil die Patientin aus einem anderen Bundesland kommt, und sich Asklepios nur um die Anwohner kümmert.

Immer wieder habe ich die Reformen gegen pauschale Angriffe von ganz links verteidigt.
Daß man in Deutschland aber 90-Jährige unterernährte Frauen auf die Straße wirft, ist unabhängig von der Gesetzeslage einfach ein extrem beschämender und skandalöser Vorfall.

Wenn man dann noch ansieht wie locker die Bundeskanzlerin mal eben wieder 30 Milliarden Wahlgeschenke verteilt (von denen das meiste Geld bei den Reichsten bleibt), kann man angesichts solcher Schicksale, wie dem der Dame, der ich heute begegnete, nur noch die kalte Wut in sich aufsteigen spüren. Altersarmut ist das was uns die Regierung merkel einmal hinterlassen haben wird.
Insbesondere in Ostdeutschland kommt es vor, daß Arbeitgeber UNTER ZWEI EURO Stundenlohn bezahlen – mit freundlicher Rückendeckung der Bundesregierung.
Stundenlöhne von bis zu 1,32 Euro: Jobcenter müssen solche Gehälter mit Hartz IV ergänzen, damit es für die Betroffenen überhaupt zum Leben reicht. Jetzt gehen die Behörden in ganz Ostdeutschland gerichtlich gegen die Arbeitgeber vor. […] So erhielt eine Verkaufshilfe 1,67 Euro die Stunde, ein Mitarbeiter eines Imbissbetriebs 2,70 Euro und ein Arbeitnehmer in einem Callcenter weniger als zwei Euro. "Die Vergütung richtete sich dabei nach dem Anrufaufkommen und nicht nach der Arbeitszeit", sagt der Geschäftsführer des Jobcenters Andreas Wegner.

Während Merkel und von der Leyen das „Jobwunder“ bejubeln und Milliarden für Sinnlosigkeiten wie die Herdprämie verplempern, kommt bei denen, die tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind immer weniger an.
Nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Professor Stefan Sell von der Hochschule Koblenz hat sich die Situation in den Jobcentern in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Die finanziellen Mittel zur Förderung und Eingliederung von Langzeitarbeitslosen seien um die Hälfte eingedampft worden, kritisiert Sell im Frontal21-Interview, gleichzeitig sei aber die Zahl der Hartz IV-Empfänger nicht zurückgegangen. Viele Mitarbeiter in den Jobcentern seien mit ihrer Arbeit „brutal überfordert“.
Das bestätigt auch der Vorsitzende der Jobcenter-Personalräte, Uwe Lehmensiek, im Interview. Die hohe Arbeitsbelastung in den Jobcentern führe zunehmend dazu, dass Mitarbeiter dauerhaft krank werden, klagt er. Der Krankenstand sei relativ hoch. Das habe zu Folge, dass zunehmend Anträge nicht rechtzeitig bearbeitet werden können. So seien Mitarbeiter auch immer häufiger Beschimpfungen und Bedrohungen unzufriedener Klienten ausgesetzt.

Selten sind solche „Härtefälle“ nicht.
Je mehr das deutsche Sozialsystem sich auf der sinnlosen Suche nach Einzelfallgerechtigkeit verstrickt (hier kann nur das bedingungslose Grundeinkommen abhelfen, welches auch Hundertausende Sozialgerichtsverfahren ersparen würde!), fallen immer mehr Menschen durch die Maschen, während sich gleichzeitig eine gewaltige Sozialindustrie gebildet hat und lauter findige Unternehmer – unter anderem die Kirchen – eine goldene Nase an den Arbeitslosen verdienen.

In einer der letzten Frontal 21-Sendungen wurde berichtet, daß allein 300.000 Haushalten in Deutschland jährlich der Strom abgestellt wird. (Kein Strom für Arme – Wenn Licht und Wärme zu teuer sind. Sendung vom 21. Mai 2013)
Es reichen schon 100-Euro-Zahlungsrückstand – was bei einer Familie oft nur ein Monat ist – und schon kann der Versorger die Leitungen kappen.
Während der Hartz IV-Regelsatz seit 2008 um nur 5,6 Prozent gestiegen ist, sind die Stromkosten dagegen um 35 Prozent in die Höhe geschossen. Durchschnittlich fehlen Familien, die Hartz IV beziehen, jährlich 240 bis 280 Euro für Strom - mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen, warnt der Paritätische Gesamtverband.

O-Ton Ulrich Schneider, Der Paritätische Gesamtverband: In Deutschland kann zu schnell und zu einfach der Strom abgesperrt werden. Wir müssen uns vorstellen, wenn eine Familie, sagen wir mal mit zwei ganz kleinen Kindern, vielleicht ein Baby, im Winter im Dunkeln sitzt und es möglicherweise auch noch kalt in der Wohnung ist, dann ist das barbarisch einfach.

Hannover - Die Stromsperre droht auch der alleinerziehenden Mutter Nicole Tanriverdi. Sie bekommt mit 37 Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Dazu Hartz IV. Ihr wurde bereits zwei Mal die Sperre angedroht. Sie hat Krebs. Ihr Arzt hat ihr in einem Attest bestätigt,
Zitat:  „Aufgrund einer Krebserkrankung ist meine Patientin auf Strom und Wärme angewiesen.“
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Wenn ich keine Wärme habe, fangen meine Knochen an weh zu tun.
O-Ton Frontal21: Wie kommt das?
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Durch meine Krebserkrankung.
O-Ton Frontal21: Und was können Sie dann? Was können Sie nicht?
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Ich kann dann gar nichts mehr. Ich kann dann nicht richtig laufen. Muss mich hinlegen. Medikamente nehmen. 
Die Heizung ist eine Gastherme, hängt am Stromnetz. In wenigen Monaten sind für Nicole Tanriverdi und ihren Sohn 700 Euro Stromschulden aufgelaufen. Die erste Sperre konnte sie durch eine Spende verhindern. Jetzt muss Nicole Tanriverdi wieder befürchten, daß ihr der Strom abgestellt wird.
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Ich kann gar nichts machen, weil wenn die kommen, dann wird’s ausgestellt. Machen kann ich da gar nichts.
O-Ton Frontal21:Und das Jobcenter?
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Das Jobcenter, das prüft erst mal, ob überhaupt ein Darlehensanspruch besteht.
O-Ton Frontal21: Aber eigentlich ist’s ja schon zu spät?
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Eigentlich ist es schon zu spät.

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In einem Land, in dem man 89-Jährige Frauen auf die Straße wirft und krebskranken Frauen Heizung und Strom abstellt, sollten sich Merkel und von der Leyen ihre Selbstzufriedenheit verkneifen.

Vor allem aber sollten sie unter keinen Umständen wiedergewählt werden!

Dienstag, 4. Juni 2013

Der Unangenehme - Teil II


Gauck – Man muss ihn einfach lieben.
Der Bundespräsident, der angeblich die Freiheit so sehr liebt, hat nur ein Ideal, welches er noch mehr verehrt. Sich selbst.
Er ist rund um die Uhrintensiv mit Gauck-Sein beschäftigt, berauscht sich an seiner eigenen Bedeutung.
Demonstrationen gegen Hartz-IV findet er kümmerlich und bescheinigt stattdessen Thilo Sarrazin Mut für dessen Thesen.
Aber der Wert der Freiheit und auch sein Amtseid kümmern ihn wenig, wenn er stattdessen einer Religion Privilegien zuschieben möchte.
Das Recht auf Freiheit VON der Religion und die Unversehrtheit des eigenen Körpers ignoriert Gauckausdrücklich und spricht sich unter Inkaufnahme von Todesfällen und Impotenz für die Genitalverstümmelung an Säuglingen aus.

Aber er kann sich auch gänzlich in der Bedeutung an sich verlieren.
Bei seinem Antrittsbesuch bei der Führungsakademie der Bundeswehr herzt Gauck die schwarzrotgoldene Fahne. Macht sich quasi eins mit dem nationalen Symbol Deutschlands.
Bundespräsident Joachim Gauck weiß um die Macht der Bilder. Bei seiner Rede in der Führungsakademie der Bundeswehr fasst er die Deutschlandfahne an.

Bizarrer geht es nicht mehr.
Wie beeindruckt Gauck von sich selbst ist, zeigte er schon in der ersten Minute seiner Nominierung. Er erfuhr im Taxi von seiner baldigen Wahl zum Staatsoberhaupt.
Als Gaucks Handy klingelte, habe er die Musik leiser gedreht, erzählt Belon der "Bild"-Zeitung. "Als Taxifahrer hört man nie so genau hin, was die Leute am Telefon sagen. Aber ich habe trotzdem gehört, wie er sagte: 'Okay, ich bin einverstanden. Ich mache das'", berichtet der 44-Jährige.
Gauck hatte das Taxi am Flughafen Tegel genommen, am Berliner Kaiserdamm sei es dann zu dem Telefonat gekommen. Der 72-Jährige habe danach ganz ruhig die neue Route bestimmt: "Sie fahren jetzt den neuen Bundespräsidenten. Wir müssen die Richtung ändern und direkt zum Bundeskanzleramt fahren."

Der „unbequeme Präsident“, der er sein wollte, wurde Gott, äh Gauck, dann aber doch nicht.
Er ist viel zu sehr damit beschäftigt sich selbst zu bewundern, als daß er sich beispielsweise darum kümmern könnte sich für das Projekt und das Ansehen Europas zu engagieren.
Er forderte lediglich von der Kanzlerin ein, „Europa zu erklären“.
Dringend nötig wäre es. Herrschen doch eklatanten Wissenslücken und Falschinformationen vor, die zu einem hochbrisanten Europafrust führen.
Skepsis gegenüber Einwanderern, Schwulen, Roma und Sinti, gegen Schwule – gegen alles nicht Konforme nimmt derzeit zu in Deutschland.
Gauck hat dazu nichts zu sagen.

Er läßt sich lieber feiern. 
Zum Beispiel auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg vor einem Monat, als er von Springers rechtskonservativer WELT bejubelt als Prediger auftrat und sich in einer zum Mitschämen geeigneten Weise an den ohnehin omnipräsenten Samuel Koch ranschmiss.
Bundespräsident Joachim Gauck hat sich kritisch zur Abtreibungspraxis in Deutschland geäußert. Manche Menschen machten sich die Frage danach, ob ein Kind geboren werden solle oder nicht, „einen Tick zu leicht“. Dazu trage eine in Teilen der Gesellschaft verbreitete Auffassung bei, die „nichts abverlange“ und von einem lockeren Leben und einer Vermeidung von Risiken geprägt sei. „Wir haben abgetrieben, wenn es überhaupt keinen Grund gab abzutreiben“, sagte Gauck am 2. Mai auf einer Veranstaltung des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hamburg. Er unterstrich: „Leben hat ein Recht auf Dasein, und zwar von Anfang an.“

Eine der Hauptaufgaben eines Präsidenten ist es Lobreden zu halten und Auszeichnungen zu verleihen.
Ich bin Hanseat genug, um zu wissen, daß ein Hamburger keine Orden annimmt und trägt.
Anständige Menschen haben es nicht nötig sich mit diesem anachronistischen Humbug zu schmücken, den sich zum Beispiel die bayerischen Minister gegenseitig zuerkannten.
Du sollst Deinen Spezl lieben wie Dich selbst - getreu diesem Grundsatz haben Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Finanzminister Markus Söder (CSU) gehandelt, als sie sich gegenseitig für das Bundesverdienstkreuz vorschlugen.

Das Bundesverdienstkreuz verliehen hätte Gauck. Leider fällt das nun aus.
Aber der Bundespräsident hat sofort einen anderen Preiswürdigen gefunden. 
Und zwar nicht nur für ein schnödes Bundesverdienstkreuz, sondern für den ganz ganz großen Brummer, den small-penis-Orden:
Die Ehrung eines Mitglieds der umstrittenen ungarischen Regierung durch Bundespräsident Joachim Gauck stößt auf Kritik. Es sei ein 'Riesenskandal', dass der ungarische Minister für Humanressourcen, Zoltan Balog, mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband ausgezeichnet worden sei, sagte die grüne Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon. Die Auszeichnung war Balog vergangene Woche vom deutschen Botschafter in Budapest überreicht worden. Der Minister stehe als Verantwortlicher der 'Nationalen Roma-Strategie' maßgeblich für die staatliche Ausgrenzungspolitik der Roma in Ungarn, begründete Cramon ihre Kritik. 'Bundespräsident Gauck scheint hier seinen ansonsten guten Kompass in Menschenrechtsfragen verloren zu haben und sollte seine Entscheidung korrigieren', forderte sie. Balogs Politik ziele unter dem Motto der 'liebevollen Segregation' auf die Abgrenzung von Roma-Kindern in vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als ethnische Diskriminierung gerügten Sonderschulen. Balog war auch in die Kritik geraten, nachdem unter seiner Verantwortung der Fernsehmoderator Ferenc Szaniszlo den Tancsics-Preis erhalten hatte, die höchste staatliche Ehrung für Journalisten. Szaniszlo hatte im Fernsehsender Echo TV antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet und die Roma als 'Menschenaffen' diffamiert.

Montag, 3. Juni 2013

Wem Merkel das Leben verlängert


Acht Jahre Merkel haben sozioökonomisch durchaus Spuren hinterlassen.
Das Prekariat ist systematisch so verdummt worden, daß die Hälfte der Lehrlinge nicht ausbildungsreif sind.
Nach der „Generation Golf“ und der „Generation Praktikum“ übernimmt nun die „Generation Doof“ das Ruder.
Viele Teenies sind zu doof für die Lehre. Viele Ausbildungsplätze bleiben in diesem Sommer wohl unbesetzt. Weil es immer weniger Jugendliche und damit immer weniger Bewerber gibt – aber auch weil viele Bewerber schlicht unfähig sind.
Seit fast zwei Jahren hat Floristmeisterin Gabriele Wittrock (49) keinen Azubi mehr. Die Bewerber waren einfach zu schlecht. „Ich möchte mein Wissen gern weitergeben. Aber es ist schwer, geeignete Bewerber zu finden“, sagt Wittrock.  Sie betreibt den Laden „Blomen Deel Rissen“ an der Wedeler Landstraße (Rissen). 2012 hat sie gar keine Auszubildende gefunden. Die davor hat sie während der Probezeit entlassen.
Fachlich hapert es oft an einfachen Mathekenntnissen. „Für die Arbeit sollte man zumindest das kleine Einmaleins beherrschen, aber schon daran scheitern viele“, sagt die Floristin.  Bewerbungsschreiben strotzen zudem oft vor Fehlern. Und auch um die Umgangsformen ihrer Bewerber ist es oft schlecht bestellt. „Es gibt junge Leute, die können die Kunden nicht vernünftig begrüßen und nuscheln nur in sich hinein“, sagt Wittrock.  Ähnliche Erfahrungen hat auch Bäckermeister Heinz Hintelmann (58) aus Allermöhe gemacht.  Früher hatte er sieben Azubis, jetzt sind es nur noch zwei. „Mehr gibt der Markt nicht her“, sagt er. Pünktlichkeit und Mathe fallen vielen jungen Leuten schwer, hat er beobachtet. […] Zu wenige Bewerbungen oder zu schlechte – die Handelskammer kennt das Problem: „Die Ergebnisse unserer jährlichen Umfragen zeigen, dass Betriebe zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre freien Lehrstellen zu besetzen“, sagt Armin Grams, Leiter des Geschäftsbereichs Berufsausbildung.

Die „Generation Doof“ ist als Urnenpöbel hochwillkommen – wer soll denn sonst schwarz oder gelb wählen?

Es ist soweit, ich bin offenbar endgültig in dem Alter angekommen, in dem man kopfschüttelnd Rückschau hält und feststellt, „das gab’s in meiner Jugend nicht!“
Wer wie ich seine Kindheit vor der Erfindung von Computern und Mobil-Telefonen verbracht hat, erinnert sich daran dauernd mit dem Fahrrad unterwegs gewesen zu sein und sobald es über 10°C warm wurde in irgendwelchen Seen schwimmen zu gehen.
Die Option haben heute viele Kinder nicht mehr, weil sie vorm TV oder dem Smartphone festgewachsen sind. Einige können buchstäblich nicht anders.
Jeder sechste Hamburger Grundschüler kann nicht schwimmen. Und auch das Turnen fällt den Kindern zunehmend schwer. Das ist bekannt. Doch jetzt schlägt erstmals auch die Polizei Alarm: Immer mehr Kinder können nicht Rad fahren!
„Wir stellen zunehmend motorische Defizite bei Kindern fest“, sagt Polizeisprecherin Karina Sadowsky. Damit die Schüler in der vierten Klasse an der Fahrrad-Prüfung teilnehmen können, legen die Verkehrslehrer sogar schon Extraschichten ein und geben nachmittags Einzelunterricht. „Manche Schüler fahren sehr unsicher. Und dann gibt es vermehrt auch Kinder, die gar nicht mehr Fahrrad fahren können“, so die Polizeisprecherin.

All das sind mittelbare Folgen der kontinuierlichen Umverteilung von unten nach oben, die Merkels Regierung bewirkt. 
Schulen vergammeln, Myriaden Lehrerstellen fehlen, viele Bundesländer begnügen sich mit mangelhaft ausgebildeten Hilfslehrern, die jeweils nur ein paar Monate eingestellt werden. 


Im beginnenden Wahlkampf wirbt Merkel ein 30-Milliarden-Wohlfühlpaket. 
Sie verspricht nun das zu intensivieren, was ohnehin ihr Markenzeichen ist: Politik für die Reichsten.
Merkels Steuerentlastungen würden vor allem Besserverdienern nützen.  […] Für eine Familie mit zwei Kindern kann die Entlastung - je nach Einkommen - zwischen 840 und 1276 Euro im Jahr liegen. Dabei profitieren Besserverdiener deutlich stärker als die Bezieher von kleinen und mittleren Einkommen.
[…] Hechtners Berechnungen zufolge käme eine westdeutsche Familie mit zwei Kindern und einem monatlichen Brutto-Einkommen von bis zu 6000 Euro lediglich in den Genuss der Kindergeld-Erhöhung. Da in dieser Einkommens-Gruppe schon der Soli fällig ist und dieser stets die Kinderfreibeträge berücksichtigt, läge die Entlastung im Jahr bei Einkommensteuer und Soli zusammen bei etwa 882 Euro im Jahr.
Je höher das Einkommen, desto deutlicher steigt die geplante Entlastung. Sollte in der gleichen Familie, der eine Partner 3000 Euro und der andere 5000 Euro brutto im Monat verdienen, spränge eine Steuerersparnis von 934 Euro im Jahr heraus.
Unterstellt man ein noch einmal deutlich höheres Einkommen von 9000 Euro im Monat, wobei die beiden Ehepartner exakt die Hälfte verdienen, liegt der Vorteil des CDU-Modells schon bei 1002 Euro. Verdiente einer der Ehepartner das ganze Familieneinkommen alleine, würde er durch die Pläne der CDU pro Jahr 1048 Euro Steuern sparen. Bei einem Familieneinkommen von mehr als 45.000 Euro brutto im Monat werden laut Hechtners Berechnungen die höchsten Entlastungen fällig. Diese betragen dann im Jahr gut 1276 Euro.

Merkels Methode „der Teufel scheißt auf den größten Haufen“ hat allerdings eine demographisch durchaus sinnvolle Komponente. 
Denn so werden zunehmend nur diejenigen alt, die es sich auch leisten können.
Die Millionen von Merkel in die Billigarbeit Getriebenen, belasten die Rentenkassen weniger, da sie mit „sozialverträglichem Frühableben“ auffallen.
Studie belegt, dass Armut und mangelnde Bildung das Leben verkürzen
Geahnt hat man es ja schon immer: Arme Menschen sterben früher als reiche. Eine Gesundheitsstudie des RobertKoch-Instituts (RKI) – befragt wurden fast 8000 Menschen – dokumentiert erstmals, welche Faktoren die Lebenserwartung wirklich beeinflussen. […] Noch drastischer lässt sich die soziale Spaltung Deutschlands aus Daten der Deutschen Rentenversicherung ablesen, die die Bundestagsfraktion der Linken im Bundestag thematisierte: So soll zwischen dem reichsten und dem ärmsten Viertel der Bevölkerung in der Lebenserwartung ein Unterschied von elf Jahren bei den Männern und acht Jahren bei den Frauen bestehen.
„Personen mit niedrigem sozioStatus schätzen ihren allgemeinen Gesundheitszustand schlechter ein und sind häufiger erkrankt als Personen mit höherem Status, zum Beispiel auch an Diabetes“, heißt es in der RKI-Studie. Ursachen dafür sind vielfältig:
Geld Geringverdiener sparen oft an der Essensqualität. Zudem können sich Besserverdiener eine bessere Gesundheitsversorgung (Versicherung) leisten.
Stress „Galt der Herzinfarkt in den 60er Jahren noch als typische Managerkrankheit, häuft er sich heute bei den Unterprivilegierten“, sagt der Soziologe Thomas Lampert. „Je häufiger ein Mensch arbeitslos ist und je länger er es bleibt, desto höher steigt sein Risiko, schwer zu erkranken – an Depressionen, Stoffwechselleiden oder HerzKreislauf-Beschwerden.
Ungesunde Lebensweise Laster wie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind in einkommensschwachen Schichten verbreiteter.
Sport Freizeitbeschäftigungen kosten Geld, setzen anderseits ein Gesundheitsbewusstsein voraus, das in der Unterschicht weniger verbreitet ist.
Arbeit Ein körperlich belastendes Arbeitsleben kann die Lebenserwartung verringern.

Schöne neue Merkelwelt.
Die Deutschen lieben es und wollen am allerliebsten SIE als Kanzlerin behalten.

Das Leben............


Ist eine durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit, die zu 100% tödlich endet.
Oder wie der Amerikaner sagt:
„Life sucks – and then you die“
Wir sterben also alle und zwar auf jeden Fall.
Seltsamerweise bildet sich der kleine Homo Sapiens ein durch intensives Ignorieren und Verdrängen die absolute Sinnlosigkeit des eigenen Seins ausblenden zu können.

Niemand will an sein eigenes Ende denken.
Daß man endet ist klar, aber WIE man endet, ist außerordentlich vielfältig. So unterschiedlich, daß man dabei glatt vergessen könnte, daß man ja doch stirbt und demnach alles egal ist was man tut.
Ich möchte im Schlaf sterben wie mein Großvater, nicht schreiend und heulend wie seine Beifahrer im Wagen.
(Will Shriner)
Bonmots dieser Art und viele lustige Wege, wie Menschen gestorben sind, findet man in Cynthia Ceiláns „Missgeschicke mit Todesfolge“-Sammlungen „Dumm gelaufen“ (Bastei Lübbe 2010) und „Feierabend“ (Bastei Lübbe 2013).
… und wenn alle Stricke reißen, läßt sich die Unsterblichkeit immer noch durch einen spektakulären Irrtum erlangen!
(John Kenneth Galbraith 1908-2006)

Samstag, 1. Juni 2013

Ich hätt' ern einmal ein neues Volk!

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Die Auszeichnung gewinnt diesmal der „Ökonomische Verstand des Urnenpöbels!“
Es ist sagenhaft, in welchem Maße sich die Masse der Wähler blenden lassen ohne auch nur mal eine Minute das Hirn einzuschalten.

Sie glauben die Simpel-Märchen von einer Volkswirtschaft, die wie eine „schwäbische Hausfrau“ funktioniere und bewundern Merkel dafür, daß sie den Südeuropäern das Sparen beibringe.
Denn mit dieser Austeritätspolitik ginge es Deutschland schließlich gut.
Die Habenichtse sollten sich mal ein Beispiel an uns nehmen.
Solche Ansichten, wie sie von der Bundesregierung verbreitet werden, sind allerdings dumm und falsch.
Bei nüchterner Betrachtung zeigt sich allerdings, dass es mit unserer Vorbildfunktion nicht so weit her ist. Obwohl die schwarz-gelbe Koalition überzeugt ist, sie könne besser mit Geld umgehen als SPD und Grüne, hat es auch die aktuelle Regierung nicht geschafft, die Ausgaben im Bundeshaushalt wenigstens zu stabilisieren. Im vergangenen Jahr gab Finanzminister Wolfgang Schäuble rund 30 Milliarden Euro mehr aus als sein Vorgänger 2008. […] Dass der Bundeshaushalt bald ausgeglichen sein könnte, verdankt Ressortchef Schäuble vor allem dem kleinen deutschen Wirtschaftswunder. Weil die Konjunktur sich noch immer positiv entwickelt, legen die Einnahmen unaufhörlich zu. Die Ausgaben weniger rasch steigen zu lassen, als die Einnahmen - von einer solchen Haushaltssanierung können die südeuropäischen Krisenstaaten nur träumen. Ihre Finanzminister müssen ja tatsächlich Ausgaben reduzieren.
Wie bei der Selbsttäuschung vom Sparweltmeister hat sich in Deutschland auch der Glaube verfestigt, wir seien ein Vorbild für harte Reformen, mit denen man die Wirtschaft wieder auf Trab bringt. Klar, seit der Agenda 2010 ist der Druck auf Arbeitslose höher, auch eine schlechter bezahlte Arbeit anzunehmen. Die Rentenkassen werden durch ein niedrigeres Leistungsniveau und ein höheres Eintrittsalter entlastet.
Viel mehr ist aber nicht passiert. […] Wie beklagenswert die Situation inzwischen ist, hat am Mittwoch die EU-Kommission aufgezeigt, als sie ihre Reformempfehlungen für Deutschland veröffentlichte. Damit sich auch ja niemand angegriffen fühlt, beschreiben die Brüsseler Beamten die Hausaufgaben an die Bundesregierung möglichst verklausuliert.

Während die untätige Bundesregierung ohne eigenes Zutun den Geldsegen, für den Schröder einst abgewählt wurde, einsammelt, sieht sie in Ruhe zu wie sich die Konzerne ganz aus der Solidargemeinschaft verabschieden, indem sie gar keine Steuern mehr zahlen.
Es findet eine gigantische Umverteilung von unten nach oben statt. 
Dabei ist Deutschland bereits das absolute Niedriglohnland der EURO-Gruppe.
Man staunt, daß der Urnenpöbel das so ruhig hinnimmt, mehr noch, daß er zu 70% Merkel Kompetenz bescheinigt und sie unbedingt als Kanzlerin behalten will.
Deutsche Konzerne sind erfinderisch, wenn es ums Steuersparen geht. Dem Fiskus entgehen so jährlich rund 100 Milliarden Euro, hat das DIW berechnet. In den Jahren 1992 bis 2008 stiegen die Gewinne der Unternehmen nämlich deutlich stärker als die daraus resultierenden Einnahmen des Staates
Berlin - In der guten alten Zeit gehörte das Genörgel der Wirtschaftsverbände über zu hohe Steuern ebenso zum vertrauten Alltag der Bundesrepublik wie die Forderung der Gewerkschaften nach kürzeren Arbeitszeiten oder das Dusel-Tor des FCBayern in der Nachspielzeit. Seit einer Reihe von Jahren jedoch herrscht im Unternehmerlager eine verdächtige Ruhe, und womöglich hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin jetzt herausgefunden, warum das so ist: Glaubt man nämlich dem jüngsten DIW-Wochenbericht, dann zahlen die Betriebe mit einem durchschnittlichen Satz von 21 Prozent viel weniger Steuern als gedacht - und als sie eigentlich sollten. Der tarifliche Satz liegt jedenfalls mit knapp 30 Prozent (für Körperschaften) deutlich höher.
[…] [Der Autor der DIW-Studie, Stefan] Bach hat sich für seine Untersuchung die Steuerstatistiken der Jahre 1992 bis 2008 angeschaut. Neuere Zahlen liegen wegen der langwierigen Veranlagungsverfahren nicht vor. Insgesamt legten die Unternehmensgewinne im Beobachtungszeitraum um 140 Prozent zu. Die Einnahmen des Staats aus Unternehmenssteuern stiegen hingegen nur um 62 Prozent. Im Ergebnis erhöhte sich der Anteil der gesamten Betriebs- und Vermögenseinträge am Bruttonationaleinkommen um knapp 4,3 Prozentpunkte, während der Anteil der Arbeitseinkommen gleichzeitig um 7,3 Punkte sank. Ein Trend, der in ganz Europa zu besichtigen ist und der vielerorts zum Unmut über die sich weiter öffnende Einkommensschere beigetragen hat.  Harsche Kritik am Gebaren der Konzerne kommt von der Opposition. Die Firmen 'rechnen sich künstlich arm', klagt der Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, und der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl (SPD) bemängelt: 'Durch Steuergestaltung erreichen die Unternehmen eine deutlich geringere Steuerlast, als sie eigentlich vom Gesetzgeber vorgesehen ist.' Würden Schlupflöcher geschlossen, würden Steuererhöhungen zur Haushaltssanierung überflüssig.
(Claus Hulverscheidt, SZ vom 29.05.2013)

Der reale Steuersatz ist eben extrem viel niedriger als der Nominale, weil ein Heer von Steuerberatern im Steuergesetzdickicht, welches Schwarz-Gelb noch mehr verkompliziert hat, für Wohlhabende reichlich Möglichkeiten findet, sich vor den eigentlichen Steuersätzen zu drücken.
Große Marken wie VW, BASF oder Bayer minimieren im Merkel-Land ihre Abgaben – trotz zehnstelliger Rekord-Gewinne.
Apple, Amazon, Google oder Microsoft sind durch Merkels wohlwollendes Nichthandeln ebenfalls in der Lage riesige Summen der deutschen Allgemeinheit vorzuenthalten.
 Sie machen mit extrem überteuerten Produkten im Niedriglohnland Deutschland gigantische Profite und stehlen sich aus der Solidarität. Dank Merkel und Schäuble, deren finanzpolitischer Sachverstand vom Urnenpöbel über alle Maßen geschätzt wird.
Top Ten: Merkel legt deutlich zu!
Platz eins der Top Ten nimmt erneut Bundeskanzlerin Angela Merkel ein, die sich mit einem Durchschnittswert von 2,4 (April II: 1,9) auf der Skala von +5 bis -5 deutlich verbessert. Mit großem Abstand und ebenfalls jeweils mit Zugewinnen folgen Wolfgang Schäuble mit 1,5 (April II: 1,2), Thomas de Maizière mit 1,2 (April II: 1,0)

Apples Steuertricks kosten Deutschland 245 Millionen Euro
Apple zahlt in Deutschland nur 5 Millionen Euro Steuern. Nach Schätzungen macht der US-Konzern aber einen Gewinn in Höhe von einer Milliarde Euro.
Der Apple-Konzern vermeidet in Deutschland durch Steuertricks Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe im Jahr. Das berichtet das ZDF-Magazin Frontal 21 in der Sendung am 28. Mai 2013 um 21 Uhr. Der US-Konzern veröffentlicht keine Geschäftszahlen für Deutschland. Nach Schätzungen von Analysten macht Apple mit seinen in Deutschland verkauften Produkten rund eine Milliarde Euro Gewinn.
"Wenn wir auf eine Milliarde Euro Gewinn die 25 Prozent Unternehmenssteuer anlegen, dann kommen wir in Deutschland auf ein Steuersoll von 250 Millionen Euro", sagt Markus Meinzer von der Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network. "Wenn wir das vergleichen mit den fünf Millionen Euro, die Apple tatsächlich bezahlt hat, sieht man, dass es hier eine Steuerlücke von 245 Millionen Euro gibt." Apple nutzt ein komplexes Geflecht aus vielfach im Ausland angesiedelten Briefkastenfirmen, die in den Niederlanden, Luxemburg oder auf den britischen Jungferninseln ihren Sitz haben.

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Sahra Wagenknecht: Deutschland ist Steuerparadies für Konzerne
„Das ist Apple und Google made in Germany. Die DAX-Konzerne sollten endlich das Gehalt von Finanzminister Schäuble zahlen. Das ist ohnehin ihr bester Mann“, kommentiert Sahra Wagenknecht die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wonach deutsche Konzerne mit Steuertricks ihre steuerlich erfassten Profite drücken. Die Erste stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE weiter:      „Die aufaddierten Steuersätze für deutsche Unternehmen sanken zwischen 2001 und 2008 von rund 38 auf 30 Prozent. Tatsächlich haben sie nach DIW-Berechnungen in diesem Zeitraum nur 21 Prozent gezahlt. Die BASF-Tochter in Antwerpen zahlte 2011 nur einen Steuersatz von 2,6 Prozent. Die deutschen Konzerne nutzen unter anderem belgische Töchter, um ihnen gegen Zinsen Eigenkapital zu übertragen. Diese fiktiven Zinsen können nach belgischem Recht steuerlich geltend gemacht werden.
Die Lücke zwischen den nachgewiesenen und den steuerlich erfassten Gewinnen der deutschen Konzerne umfasst mit über 90 Milliarden Euro fast ein Drittel des deutschen Staatshaushaltes. Allein damit verletzt man die dumme Defizitgrenze von Maastricht. Das Tax Justice Network stuft Deutschland völlig zu Recht in die Top 10 der weltweiten Steueroasen ein.
DIE LINKE will europäische Steueroasen austrocknen: Deutschland muss als führende europäische Volkswirtschaft Druck machen. Doppelbesteuerungsabkommen, die einer hinreichenden Besteuerung von Geldflüssen an der Quelle entgegen stehen, sind sofort zu kündigen.“
(PM, Die Linke, 28.05.13)

Merkel sträubt sich mit aller Macht gegen die Brüsseler Erkenntnis, daß die Spardikate an Griechenland und Spanien kontraproduktiv sind.
Vermutlich weiß auch sie es besser, aber sie will wiedergewählt werden und gibt dem verdummten Urnenpöbel was er will: Härte gegenüber den „faulen Griechen“!
Gipfel der Verlogenheit.
Der EU-Plan zur Aufweichung des Sparkurses ist weder politisch, rechtlich noch moralisch akzeptabel - er löst nicht einmal das Problem der Krise. Die neuen Taschenspielertricks aus Brüssel sind der Höhepunkt der Verlogenheit.    Die Angst geht um in Brüssel. Nach zwei Jahren harter internationaler Kritik gegen den wirtschaftspolitischen Sparkurs knickt die EU-Kommission jetzt ein. Sie will von der Austerität abweichen und auf Wachstum setzen.
Der Grund für diesen Sinneswandel ist einfach. Man hat sich schlichtweg verrechnet. Anstatt das Problem der zu hohen Verschuldung zu verkleinern, hat die Sparpolitik die Schuldenquoten weiter nach oben getrieben. Dieses scheinbar so absurde Phänomen tritt genau dann auf, wenn das Wachstum stärker fällt als die Schulden - was überall in Südeuropa der Fall war.
Der Richtungswandel in Brüssel wird in Deutschland mit Argwohn betrachtet.

Die Nachricht war noch nicht mal offiziell, da lief die Berliner Empörungsmaschine schon wieder auf vollen Touren: "Ein Aufweichen oder Abweichen von Regeln kommt für die FDP nicht in Frage", verkündete deren Fraktionsvorsitzender Rainer Brüderle einen Präsidiumsbeschluss. Von einem "fatalen Signal" der EU-Kommission sprach der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle. "Einer Aufweichung der Schuldenregeln stimmen wir nicht zu."
Was die Spitzenkräfte der Regierungsparteien so in Rage bringt, ist ein Plan, den die Brüsseler EU-Kommission in den kommenden Wochen vorstellen will. Dabei geht es um eine Lockerung der Schuldenregeln, die im sogenannten Stabilitätspakt vereinbart sind.

Die Impudenz des Monats Mai 2013, nämlich der „ökonomische Verstand des Urnenpöbels“ ist sogar so ungeheuer und vollständig verdummt, daß sie eine Kanzlerin, die jetzt jeglicher Haushaltsdisziplin, die sie von allen anderen verlangt, zum Trotz eine gigantische Geldrauswurf-Orgie als Wahlkampfversprechen auftischt, mit noch einmal steigenden CDU-Werten belohnt.
Mit Wahlversprechen in Höhe von knapp 30 Milliarden Euro will Angela Merkel nach Informationen des Handelsblatts in den Wahlkampf ziehen. Allein die Erhöhung des Grundfreibetrags für Kinder und die Aufstockung des Kindergeldes würden Mehrausgaben in Höhe von 7,5 Milliarden Euro verursachen.
Die milliardenschweren Wahlversprechen von CDU-Chefin Angela Merkel stoßen bei der Opposition, dem Koalitionspartner FDP und sogar in der Union auf Kritik. Die Kanzlerin versuche, sich den Wahlsieg am 22. September zu kaufen, sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß am Freitag. Die schwarz-gelbe Regierung habe endgültig den "Schuldenweg" eingeschlagen, Merkel sei die "Schuldenpäpstin". Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin monierte, Merkel mache Versprechungen über fast 30 Milliarden Euro, "ohne auch nur ansatzweise zu erklären, woher das Geld kommen soll". Bei der Kanzlerin gehe offenbar die Angst vor dem Verlust der Mehrheit um. Auch die FDP ging auf Distanz zu den Plänen. "Die einzig vernünftigen Wahlgeschenke sind stabile Haushalte und eine stabile Währung", sagte Bundesschatzmeister Otto Fricke. FDP-Präsidiumsmitglied Christian Lindner versprach, die Liberalen würden als Koalitionspartner "darauf achten, dass die Erfolge beim Schuldenabbau nicht verspielt werden."

Ehrlich gesagt bin ich ernsthaft beeindruckt von dieser neuerlichen Chuzpe der CDU-Chefin. 
Man stelle sich vor, wie Regierungspolitiker pöbeln und zetern würden, wenn SPD oder Grüne auch nur die Hälfte der sozialen Wohltaten ankündigten!
Aber wie sie wirklich handelt – nämlich jahrelange massive Umverteilung von unten nach oben – ist offensichtlich.

Wähler, die sich so willfährig verarschen lassen, daß sie ausgerechnet Merkel die Rolle der sozialen Wohltäterin abnehmen, sind mit Argumenten nicht mehr zu überzeugen.

Da helfen nur noch kräftige Schläge mit dem Holzhammer auf den Hinterkopf.