Dienstag, 7. April 2015

Gabriel gegen die Wand – Teil II


Bebel noch mal, was ist denn bloß mit Gabriel los?
Preist Totalüberwachung als Allheilmittel.







Gerade gestern hatte ich ihn aus verschiedenen Gründen hart kritisieren müssen und nun stellt er sich erneut von seiner häßlichen Seite dar.

Ja, Griechenland fordert viel Geld von Deutschland.
Ja, das Thema Reparationen ist unangenehm für Deutschland.
Ja, damit versucht Tsipras auch von der eigenen Misere abzulenken.


Die Bundesregierung hat griechische Ansprüche auf Wiedergutmachung für NS-Verbrechen erneut zurückgewiesen. Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte, die Reparationsfrage sei juristisch erledigt, eine Verknüpfung der Schuldfrage mit Kredithilfen sei "dumm".
[…] Gabriel räumte ein, dass Deutschlands moralische Verantwortung bestehen bleibe. Es dürfe keinen "Schlussstrich" geben, sagte er, ohne aber konkret zu werden. Der SPD-Chef sagte, vor den Opfern der griechischen Bevölkerung in der Schuldenkrise müssten die Deutschen "verdammt viel Respekt" haben. Griechische Normalbürger büßten dafür, dass ihre Eliten das Land "ausgeplündert" hätten.
Griechenland habe eher ein Interesse daran, aktuell von den Partnern Spielräume bei der Bewältigung der Schuldenkrise zu bekommen, sagte der SPD-Chef. Das habe aber mit Reparationszahlungen aus dem Zweiten Weltkrieg "gar nichts zu tun".
[…] Der europapolitische Sprecher der Grünen, Manuel Sarrazin, und die Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Annette Groth von der Linkspartei, forderten dagegen die Rückzahlung eines vom NS-Besatzungsregime 1942 eingezogenen Zwangskredits. Alle anderen Ansprüche sollten Deutschland und Griechenland "gemeinsam und einvernehmlich" vor dem Internationalen Gerichtshof prüfen lassen, sagte Sarrazin. Groth ging noch einen Schritt weiter. "Die Zahl von 278,7 Milliarden Euro relativiert sich, wenn man sich die griechischen Schulden und die Anleihen-Aufkäufe der EZB jeden Monat anschaut", sagte sie. Die Bundesregierung sollte zumindest mit der griechischen Seite darüber reden, wie sich die Zahl zusammensetze. "Das kategorische 'Nein' der Bundesregierung kann jedenfalls nicht stehenbleiben", sagte sie.

Wie kommt Vizekanzler Gabriel dazu wie ein CDU-Bulldozer Nazikriegsverbrechen auf die leichte Schulter zu nehmen?
Ausgerechnet Gabriel, der sich in seiner Freizeit seit Jahrzehnten für die Erinnerung an die Naziverbrechen stark macht, für den Erhalt von KZ-Gedenkstätten sorgt und persönlich Besuchergruppen durch ehemalige KZs führt.

Offensichtlich stimmt das tatsächlich, was man in vielen Hintergrundartikeln über Gabriels Persönlichkeit lesen kann:
Er ist klug, kann geradezu brillant reden wenn es sein muß und ist auch zu ganz sensiblen leisen Tönen fähig. Aber er ist notorisch sprunghaft und unzuverlässig. Wenn man gerade etwas Nettes über ihn schreiben und denken will, geht es wieder mit ihm durch und er haut in Neroesker Rage um sich.
Seine dunkle Seite führt bestenfalls dazu, daß er aus purer Missgunst seine eigenen Partner demontiert – Maas und Fahimi erfuhren das zuletzt mehrfach.
Schlimmstenfalls läuft er aber auch bundes- oder europapolitisch Amok und richtet Schaden für das ganze Land an.

[…] Deutschland trickst seit Jahrzehnten, um Ansprüche der Griechen abzuwehren. Es ist überfällig, dass Deutschland die moralische Schuld anerkennt.
Es ist verständlich: Die Griechen wollen für die Verwüstungen entschädigt werden, die die Nationalsozialisten von 1941 bis 1944 angerichtet haben. Hunderttausende sind damals verhungert und umgekommen. Da reicht es nicht, dass Deutschland nur laue Worte der Entschuldigung murmelt und auf die 155 Millionen Mark verweist, die 1960 überwiesen wurden.
[…]. Im Falle Griechenlands liegt die Lösung nah, weil es dort zu einer juristischen Besonderheit kam: Dem Land wurde ein Zwangskredit von 476 Millionen Reichsmark abgepresst – den die Nationalsozialisten ausdrücklich zurückzahlen wollten. Die Bundesrepublik ist die Nachfolgerin des Dritten Reiches; sie sollte diese Verpflichtung bedienen, die selbst die Nazis anerkannt haben.
Der Zwangskredit von damals würde heute etwa 7 bis 11 Milliarden Euro entsprechen. Zu wenig, um den Griechen in ihrer aktuellen Not zu helfen. Aber genug, um zum Beispiel eine Stiftung zu gründen, die Projekte der deutsch-griechischen Verständigung fördert – und die moralische Schuld der Deutschen deutlich symbolisiert. […]

Es tut mir ja Leid für die deutschen Minister des Jahres 2015, daß sie mit diesen Milliardenforderungen konfrontiert sind.
Aber durch beleidigtes Poltern lässt sich das Problem nicht aus der Welt schaffen.
Die Menschheitsverbrechen der Deutschen sind real.

Summe der Schande
[….]  Nirgendwo außerhalb Osteuropas war die deutsche Besatzung so brutal. Das Land, das im 19. Jahrhundert den Befreiungskampf der Griechen in philhellenischem Überschwang gefeiert hatte, brachte 1941 bis 1944 den Horror über Griechenland. 80 000 Menschen starben durch "Partisanenbekämpfung", eine Viertelmillion Griechen erlagen Hunger und Erschöpfung, Zehntausende griechische Juden kamen in den Vernichtungslagern um.
Verglichen damit sind 115 Millionen D-Mark Opferentschädigung kein großer Betrag. Die Griechen hatten gleich nach dem Krieg umgerechnet 14 Milliarden Euro gefordert, zum Ausgleich der ungeheuren Schäden durch die Besatzungsherrschaft.
Nach deutscher Rechnung hat die Bundesrepublik bislang insgesamt etwa 71 Milliarden Euro im Zusammenhang mit Entschädigungsleistungen für Naziunrecht gezahlt, knapp 47 Milliarden davon, fast zwei Drittel, nach dem BEG, dem Bundesentschädigungsgesetz von 1956. Dies galt im Wesentlichen aber nur für deutsche NS-Opfer, nicht für ausländische. [….]


Montag, 6. April 2015

Gabriel gegen die Wand.

Gelegentlich haben sich im Volke bestimmte Meinungen festgesetzt und werden von riesigen Mehrheiten vertreten.
Dazu gehört beispielsweise die Auffassung Merkel wäre eine besonders vertrauenswürdige Bundeskanzlerin, daß man „den Russen“ nicht trauen dürfe, daß „die Griechen“ mehr sparen sollten oder daß Schlepperbanden allesamt bösartige Kriminelle wären.

Ich nehme solche demoskopisch erhobenen Daten gern als Beweis für die Untauglichkeit von plebiszitären Elementen.
Das Volk direkt zu befragen statt den kundigeren Fachleuten, den Volksvertretern die Entscheidungen zu überlassen mündet in der Diktatur der Inkompetenz.
Es ist schon schlimm genug nur dieses eine Volk zu haben, welches schon Gauck, Merkel, Wulff und Guttenberg zu seinem beliebtesten Politiker kürte, das schließlich auch die Parlamentarier aussucht.

Es steht also einem Politiker gut an sich auch mal gegen die überwältigende Volksmeinung zu stemmen und Entscheidungen wie die für den Euro per Order di Mufti durchzupauken.

Umgekehrt wird allerdings auch kein Schuh draus.
Gelegentlich gibt es auch große Mehrheiten im Volk für richtige Dinge, die aber hartnäckig von der politischen Klasse ignoriert werden.
Eine Majorität der Deutschen wünscht Legalisierung von aktiver Sterbehilfe, „Homo-Ehe“ und Marihuana. Die allermeisten Deutschen waren gegen den Irakkrieg, den die gesamte CDU vehement unterstützte.
Ginge es nach Volksbefragungen würden außerdem Waffenexporte drastisch eingeschränkt, Millionäre besteuert, Kapitalertragssteuern und Steuern auf Aktiengewinne erhoben, würde TTIP gestoppt und auch Datenkrakigkeit wäre schnell am Ende.

Daß sich in diesen Fällen Politiker so deutlich gegen den Mehrheitswillen ihrer Wähler stemmen, liegt offensichtlich an sehr effektivem Lobbydruck.
Kirchen und Finanzindustrie haben alle Möglichkeiten Politiker unter Druck zu setzen und von ihnen Gehorsam zu erpressen.

Ein gefährliches Spiel. Denn wenn man wie zum Beispiel die Westerwelle-Rösler-FDP zu offensichtlich nur Politik nach den Zuwendungen in die Parteikasse betreibt, steht man womöglich bald ohne Amt und Mandat da.
Nur wenige Politiker wie Guttenberg oder Merkel sind völlig immun gegen Volkszorn.
Sie können noch so offensichtlich lügen und betrügen und werden dennoch hartnäckig von mindestens zwei Dritteln der Wähler adoriert.


Für andere Politiker kann es in der eigenen Partei und im Ansehen bei den Wählern schnell bergab gehen, wenn nicht zu begreifen ist, weswegen sie so strikt wider die Interessen der Mehrheit agieren.

TTIP-, Ceta- und Vorratsdatenspeicherungsfan Sigmar Gabriel hat es besonders schwer, da die Gegner seiner Lieblingsprojekte vornehmlich in der Partei hocken, deren Vorsitzender er ist.

Ich warte voller Spannung auf stichhaltige Begründungen meines Parteichefs.
Mit sachlichen Argumenten wäre ich durchaus zu überzeugen; ich bin schließlich kein Ideologe.

Gabriel liefert aber nicht.
Er verweist beispielsweise auf vage ökonomische Versprechen, die industriefreundliche Institute liefern und die dennoch so grob verfälscht interpretiert werden müssen, um überhaupt einen Sinn aus TTIP zu destillieren.

Politik und Wirtschaft sagen Aufschwung und neue Jobs voraus: Werbung für das Freihandelsabkommen TTIP. Blöd nur, wenn sie sich verrechnet haben. Nun muss auch die EU die Prognosen korrigieren. […]

Bei der Datenspeicherung steht Gabriel sogar noch blamierter da.
Er ist unsolidarisch und düpiert den einzigen richtig guten Minister der SPD: Haiko Maas.
Da hat man ausnahmsweise als Sozi mal Grund wirklich stolz auf einen Minister zu sein und dann kommt der eigene Vorsitzende und haut ihn um.

Parteiintern geht Gabriel damit auf Konfrontationskurs zu Bundesjustizminister Heiko Maas, der die Vorratsdatenspeicherung kategorisch ablehnt und es "fahrlässig" genannt hatte, "den Leuten weiszumachen, dass Anschläge damit zu verhindern seien". Auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann trat in Sachen Vorratsdatenspeicherung zuletzt auf die Bremse, warnte vor "hektischem Aktionismus" und erinnerte daran, dass "die beiden höchsten Gerichte in Deutschland und der EU" diesbezüglich sehr strenge Auflagen erteilt hätten.

Gabriels Argumente sind nicht nur schwach, sondern geradezu bösartig und perfide. Wie ein pawlowscher Hund reiht sich Gabriel in die Reihe der wirklich doofen CSUler ein, die nach jedem Gewaltakt Vorratsdatenspeichelfluss generieren.
Der SPD-Parteichef legt sich freiwillig in die Schublade zu Hans-Peter Uhl (CSU), Wolfgang Bosbach (CDU), Hans-Peter Friedrich (CSU), CSU-Generalsekretär Dr. Andreas Scheuer und Thomas de Maizière (CDU) – PEINLICH!

Gabriel entblödet sich nicht mal zu behaupten die NSU-Morde wären mit Vorratsdatenspeicherung verhindert worden. Das erinnert stark an Lügenminister Thomas de Maizière (CDU), der das gleiche über die Charlie-Hebdot-Morde sagte, obwohl es in Frankreich Vorratsdatenspeicherung GIBT, die bewiesenermaßen eben NICHT so eine Tat verhinderte.

[….] Und Heiko Maas setzt einen SPD- Parteitagsbeschluss zur Vorratsdatenspeicherung um, den wir schon Ende 2011 gefasst haben. Wir sorgen jetzt dafür, dass wir ein verfassungskonformes Gesetz machen. Hätten wir das bereits zum Zeitpunkt der ersten NSU-Morde gehabt, hätten wir weitere vermutlich verhindern können. Deshalb werden Kommunikationsdaten auch nur für schwerste Straftaten und immer nur unter dem Vorbehalt eines Gerichtsbeschlusses für die Strafverfolgung zugänglich sein.[….]

Als Parteigenosse darf ich Sigmar ja duzen und sage ihm:
Was redest Du nur für einen unfassbaren Schwachsinn, wenn der Tag lang ist?
Du kannst doch auch manchmal richtig brillieren, mit Nachdenklichkeit imponieren und grandiose Reden halten; warum also jetzt wieder so eine sagenhafte Eselei???
Hast Du überhaupt kein Schamgefühl die zehn Mordopfer des dreckigen Nazi-Terrortrios so zu instrumentalisieren?
Schäm Dich, Sigi!

An dieser Stelle weiß mensch nicht so recht, wo man ansetzen soll: In Bezug zu den lange vorherrschenden Ermittlungsansätzen, die einen rechten Hintergrund konsequent ausschlossen, würde es nicht verwundern, wenn sich Angehörige der Opfer nun nicht nur (erneut) verhöhnt, sondern auch ohne jede Grundlage instrumentalisiert fühlen.

„Pietätlosigkeit“ mag ein passender Begriff sein. Doch in Bezug auf den Umstand, dass der NSU vom Verfassungsschutz nicht nur mehrfach von V-Menschen beobachtet und infiltriert, sondern auch gefördert wurde und allem Anschein nach auch heute noch gedeckt wird, verbleibt einem nur noch die Sprachlosigkeit.

Anstatt aus der Rolle und der Tätigkeit der involvierten Behörden Konsequenzen zu ziehen oder diese zumindest zu hinterfragen, fordert Gabriel nun die Wiedereinführung eines Gesetzes, welches genau diesen Diensten ein sehr mächtiges Überwachungsinstrument an die Hand gab. In ihrer bisherigen, als verfassungswidrig erklärten Umsetzung war die Vorratsdatenspeicherung für Geheimdienste wie den Verfassungsschutz sogar ohne jeglichen richterlichen Vorbehalt nutzbar.

Bereits vor rund zwei Wochen sprach sich Gabriel schon einmal für die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung aus: Er begründete die Forderung mit den Anschlägen von Oslo – hier habe das Instrument dabei geholfen, Anders Breivik zu stellen.

Dumm nur, dass Breivik weder durch eine Vorratsdatenspeicherung gefasst wurde noch dass es dieses Instrument in Norwegen offiziell überhaupt gab. Inoffiziell gab es pikanterweise jedoch wohl eine tolerierte Vorratsdatenspeicherung durch amerikanische (!) Geheimdienste, welche allenfalls abgefragt wurde, um festzustellen, dass Breivik keine Komplizen hatte.

Die Massenüberwachung der NSA und des britischen GCHQ sowie die damit derzeit untersuchten Verstrickungen des BND scheinen also ein politisches Umdenken des Vizekanzlers nicht einmal im Ansatz anstoßen zu können. […]


Sonntag, 5. April 2015

Vorteil Katholisch

Als leidgeprüfter Hamburger Abendblatt-Leser bin ich es natürlich gewöhnt zu christlichen Feiertagen höchst dümmliche Essays der örtlichen Toppkleriker serviert zu bekommen.
Viele Jahre lang war das immer der notorisch kamerageile Weihbischof Jaschke, der seine Belanglosigkeiten beständig zum Besten gab.
Sein langjähriger Chef, Erzbischof Thissen und die im protestantischen Norden wesentlich bedeutsamere evangelische Bischöfin Fehrs sind  zurückhaltender mit den Medien.
Dieses Jahr räumt das Abendblatt dem neuen Erzbischof Heße Platz zur Selbstbeweihräucherung ein. Das alles um dem säkularen Leser Religion aufzudrängen.
Völlig verblüffend für mich, aber Heßes Salbadern zu Ostern ist vergleichsweise erträglich. Mal abgesehen von dem üblichen „Jesus bringt das Licht“-Unsinn und der grundsätzlichen Dissens über die Rolle der Religion, macht Heße das gar nicht so schlecht.
Offensichtlich hat er immerhin begriffen, daß Hamburg katholische Diaspora ist, daß man hier das Religionssprech nicht versteht und leitet mit einem neutralen Thema („Lichtverschmutzung“) ein. Heße fällt nicht mit der Tür ins Haus und schreckt einen nicht gleich ab.

Möglicherweise ist es tatsächlich so, daß der intellektuelle Niedergang der evangelischen Theologie, der in Huber und Käßmann ihre Apotheose fand, die eigentlich noch absurderen Katholiken (Zölibat, Primat des Papstes, Frauen-Ausschluss,..) in Relation gut dastehen läßt.

Im aktuellen SPIEGEL (15/2015 vom 04.04.2015) gibt es ein vierseitiges Doppelinterview mit dem EKD-Chef Bischof Heinrich Bedford-Strohm und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster unter anderem zum Thema „militanter Islam“.
Gratulation auch an die morialogische Glanzleistung des SPIEGELS zum Thema Gewalt im Islam von Juden und Christen nur ÜBER den Islam zu sprechen und nicht MIT ihm; ein muslimischer Vertreter darf gar nicht erst mitreden.
An einen Humanisten oder Atheisten wird ohnehin gar nicht gedacht.
Die Redakteure Frank Hornig und Katja Timm stellen die üblichen harmlosen Fragen nach Integration und Glaubensferne.
Ein Freifahrtschein für die beiden Top-Religioten zu überzeugen und für sich zu werben.
Schuster, als Vertreter einer in Deutschland sehr kleinen Minderheit schlägt sich nicht schlecht, fällt zumindest nicht durch besondere Doofheiten auf.
Aber der Nachfolger von Huber, Käßmann und Schneider gibt Plattitüden von sich, daß man immerhin wunderbar Heinz-Werner Kubitzas Essay wider die Theologie als „Wissenschaft“ bestätigt bekommt.
Bedford-Strohm ist Professor und demonstriert eine Anti-Intellektualität, daß er jeden Denkenden aus der Kirche treiben muß.

Beispiele:

Menschen haben auch im Namen Jesu Kriege geführt. Wir Christen haben dieses schlimme Erbe aufgearbeitet. Zum Glück ist es in die Einsicht gemündet, dass wir heute für die Menschenrechte einstehen und versuchen, eine Kraft der Versöhnung zu sein.

FALSCH!
Es wurde nicht nur „im Namen Jesu“ Krieg geführt, sondern das wird von ihrem Gott sogar explizit in der Bibel gefordert.
Es ist auch nicht nur Vergangenheit, sondern geschieht bis heute. Auch die evangelische Kirche ist tief verstrickt, indem sie beispielswiese Militärbischöfe stellt und Soldaten in aller Welt unterstützt.

Jesus ist am Kreuz gestorben als Folteropfer und hat gerufen „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Deshalb habe ich in einer Kirche im Nordirak vor Flüchtlingen aus Mossul gepredigt: Gott ist bei den Menschen, die leiden. Er ist ganz bestimmt niemand, der die Hände von Gewalttätern führt.

FALSCH!
Als ob Bedford-Strohm dabei gewesen wäre und wüßte was Jesus sagte.
Tatsache ist aber, daß bei dem Konzept eines ALLMÄCHTIGEN Jesus = Gott selbstverständlich dafür verantwortlich sein MUSS was Gewalttäter ihren Opfern antun. Ohne die Zustimmung des Allmächtigen kein Auschwitz – oder er ist eben nicht allmächtig.

Jesus war ein geborener Jude. Er hat zum gleichen Gott gebetet wie das jüdische Volk, und darum sind wir Christen für immer in den biblischen Bund Gottes mit dem Volk Israel einbezogen. Das hat man leider jahrhundertelang immer wieder übersehen. […] Es ist eine Hypothek der christlichen Theologie, dass man an dieser Stelle lange die Tatsachen verdreht hat. Die christlichen Kirchen haben sich diesem Versagen in den vergangenen Jahrzehnten allerdings intensiv gestellt.

FALSCH!
Was für ein perfider Euphemismus! Da wurde nicht nur etwas „übersehen“, sondern es wurden über Jahrhunderte aktiv Genozide angezettelt, Pogrome initiiert und Kreuzzüge verlangt.

Luther hat sich in seiner Spätzeit unhaltbar und in kruden Thesen über das Judentum geäußert. Diese Verirrungen können nur Anlass zu Trauer und Scham sein.

FALSCH!
Luther war nicht nur „in seiner Spätzeit“ etwas „krude“, sondern ein unverbesserlicher Rassist und Menschenfeind, der auch andere Gruppen als die Juden, beispielsweise die Bauern mit pathologischem Hass überzogen hat.

Etc pp.

Samstag, 4. April 2015

Ist ja widerlich.


Vor gerade mal drei Tagen hatte ich noch die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesinnenminister zur Impudenz des Monats März erklärt und die erbärmlichen Vorgänge im Sachsen-Anhaltinischen Tröglitz als Beleg dafür verwendet.
Tout Deutschland empörte sich als der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth auf Druck der Nazis sein Amt niederlegte, nachdem er sich für Flüchtlinge, Menschen in Not engagiert hatte.
Die rechte Pest ist weiterhin erfolgreich, weil niemand sie aufhält. Verfassungsschutz; Polizei und Innenministerien sind auf dem rechten Auge blind.
Kurz nachdem Nierth weggebissen wurde, ging nun auch das Haus, in dem die Flüchtlinge wohnen sollten in Rauch auf.

[….] In Tröglitz brannte das Flüchtlingsheim, die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Bürger versammeln sich zu einem Friedensgebet, doch auch die Rechtsextremen sind da.
[….] Vier in der Region bekannte Rechte, drei Männer und eine Frau, stehen am Rande des Friedensplatzes und halten ein Plakat in die Höhe: "Das System ist das Problem". Und als Susanna Nierth, die Frau des zurückgetretenen Bürgermeisters Markus Nierth, vor 250 Teilnehmern die Ereignisse der Nacht als schlimm bezeichnet, ruft einer der vier: "Falsch, es wird noch viel schlimmer."
[….] "Es ist ein ganz widerliches Verbrechen, das ist eine Katastrophe", sagt Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sichtlich betroffen. Und auch Susanna Nierth ist erschüttert. "Das ist so schlimm", sagt die Frau des ehemaligen Bürgermeisters, "davon wird sich Tröglitz wohl nie mehr erholen."
[….] Tröglitz ist in den Schlagzeilen, seit vor einem Monat Markus Nierth sein Amt zurückgab - von der NPD angeführte Proteste gegen Flüchtlinge hatten direkt vor seinem Wohnhaus stattfinden sollen, die Behörden hatten zu spät darauf reagiert. Und jetzt das: Der Dachstuhl des für Flüchtlinge vorgesehenen Hauses in dem 2700-Einwohner-Ort brennt völlig aus - er gehörte zum Wohnbereich[….] Nierth ist erschüttert: "Ich gehe von Brandstiftung aus, die sogar den Tod des dort noch lebenden - deutschen - Ehepaares in Kauf genommen hat", sagt er dem Tagessspiegel. Der ehemalige Kommunalpolitiker - er gehört keiner Partei an - erklärt weiter: "Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten." Selbst Familien aus Kriegsgebieten werde "von kranken, bösen Gehirnen" kein freistehender Wohnraum gegönnt. "Eine bleibende Schande für Tröglitz, die uns nun mit Mölln und Hoyerswerda in eine Reihe bringt und noch viele unabsehbare Folgen haben wird."
[….]  Im Ort fürchte man sich eher vor Ausländern - sehr zu Freude der NPD, berichtete anschließend die "FAZ". Der Korrespondent des Deutschlandfunks twitterte von der Versammlung: "Asylbewerber sind nicht willkommen. Neid, Missgunst, Skepsis. Kein warmes Wort des Willkommens." Bei "Spiegel online" hieß es: "Die Rechten pöbeln, die Masse schweigt."
Sebastian Striegel, Grünen-Innenpolitiker im Landtag von Sachsen-Anhalt: [….]  "Die Straße darf nicht denen überlassen werden, die gegen Flüchtlinge hetzen." Zu schaffen machen Striegel nicht in erster Linie die vielleicht 100 oder 150 Tröglitzer, die mit Geflüchteten nichts zu tun haben wollen. "Das größte Problem sind die 2500, die nichts sagen."
In Wismar und Rostock kam es zu fremdenfeindlichen Angriffen
Auch in anderen Städten kam es zu neuen fremdenfeindlichen Angriffen. In Wismar wurden in der Nacht zum Samstag zwei ägyptische Asylbewerber von acht bislang unbekannten Männern attackiert. Die beiden Ägypter im Alter von 21 und 26 Jahren wurden geschlagen und mit ausländerfeindlichen Parolen beleidigt. Bereits am frühen Freitagmorgen war in Rostock ein 26-jähriger Kameruner von drei Männern auf offener Straße geschlagen worden, wie der NDR meldete. [….]

Nun steht Tröglitz bundesweit als Schandfleck da.
Von den 2700 Einwohner raffen sich dennoch nur 10% auf, um bei der Demonstration „für ein weltoffenes Tröglitz“ ihr Gesicht gegen die Nazis zu zeigen. Davon sind vermutlich aber auch noch eine große Anzahl Aktivisten von außerhalb.
90% der Tröglitzer schweigen oder stimmen den Nazis zu.

Merkel und Gauck? Sind wie üblich abgetaucht, wenn es unangenehm wird.
Bundeskanzler Schröder hatte sich einst noch dem braunen Mob entgegengestellt und einen „Aufstand der Anständigen“ initiiert.

Die armen Menschen, die in so einem braunen Kaff leben müssen.
Richtigerweise gibt CDU-Landrat Ulrich dem Nazi-Mob nicht nach. Alles andere hätte das verheerende Signal an die Rechtsradikalen zu Folge, daß sich ihre Straftaten lohnten.
Nun MÜSSEN die Flüchtlinge also kommen.
Eine entsetzliche Vorstellung, daß sie nach allem, das sie durchmachen mußten, nun auch noch in Tröglitz enden müssen.

In Tröglitz werden Flüchtlinge leben: Landrat Götz Ulrich (CDU) will an der Unterbringung von Asylbewerbern in dem 2700-Einwohner-Ort festhalten - auch nach dem Feuer in der geplanten Flüchtlingsunterkunft. "Es bleibt dabei, Tröglitz bekommt 40 Asylbewerber", sagte er SPIEGEL ONLINE.
Ab Mitte Mai sollten die ersten Flüchtlinge in die Kleinstadt im Burgenlandkreis kommen, in das hell gestrichene Haus in der Ernst-Thälmann-Straße ziehen. In dem sanierten Gebäude sollten zwölf Wohnungen für sie hergerichtet werden, ein Wachdienst und ein Sozialarbeiter sich um die 40 Menschen kümmern, überwiegend Familien.


Freitag, 3. April 2015

Kässi lernt nichts dazu.




„Die Gläubigen sind selten Denker und die Denker selten gläubig.“
(Hans Daiber)

Heute darf ich nicht tun was ich will.
Völlig antiquierte Gesetze aus den 1950er Jahren – also der Zeit, als Frauen noch nicht ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten durften und Schwule ins Gefängnis gesteckt wurden – legen fest, daß man am Karfreitag nichts vergnügliches tun darf.

[….] Tanz, Konzerte und in manchen Bundesländern sogar Sportveranstaltungen: Am Karfreitag ist einiges verboten, was sonst erlaubt ist. Eine Initiative in Bochum wehrt sich dagegen - mit der Aufführung eines Monty-Python-Klassikers.
Der Karfreitag ist nicht nur ein christlicher Feier- sondern ein Trauertag, auch "stiller Tag" genannt: An so einem Tag sollen Bürger in Deutschland nicht tanzen, zu Konzerten oder Sportveranstaltungen gehen. So ist es in den Bundesländern mehr oder weniger scharf gesetzlich geregelt - die Verbotszeiten variieren dabei.
Verstöße werden mit Ordnungsstrafen geahndet, und dabei geht's manchmal gar nicht ums Tanzen oder Sport treiben: Für die Aufführung des Monty-Python-Klassikers "Das Leben des Brian" am Karfreitag hat die Bochumer Initiative "Religionsfrei im Revier" im vergangenen Jahr einen 300 Euro Bußgeld-Bescheid bekommen. Nun droht dasselbe noch einmal. [….]

Wie immer sind es die Kirchenvertreter, die sich bis zuletzt gegen den gesellschaftlichen Fortschritt wehren und damit am Ende als die Ewiggestrigen dastehen, die sich für Diskriminierungen einsetzen.


Nun wird diese anachronistische Absurdität 2015 nicht das erste mal in Frage gestellt.
Jahr für Jahr laufen mehr Menschen dagegen Sturm, treffen sich demonstrativ zum Tanzen, Singen und Filme gucken.

Das zwingt die Kirchisten dazu sich zum Thema zu äußern.
Wären sie gut beraten oder gar intelligent, wüßten sie, daß der Kampf nicht zu gewinnen ist.
Sie würden die Initiative ergreifen und öffentlich erklären, daß karfreitagliches Partyverbot zu den Dingen gehört, auf die man nicht stolz ist.
So wie die kirchliche Unterstützung für Krieg und Hitler, wie das Waffensegnen, der Widerstand gegen Frauenwahlrecht und Sklavenbefreiung.
Aber man lerne schließlich dazu und wolle nun lediglich Anregungen geben und nicht mehr mit dem Strafrecht seine religiösen Überzeugungen den Konfessionslosen aufzwingen.

Das brächte den Kirchen mit Sicherheit einen großen Imagegewinn.

Statt Klugheit bestimmen aber Platthirne wie Kässmann und Bedford-Strohm die Topetage der EKD.
(Von den Katholiken rede ich erst gar nicht. Die sperren sich ja sogar noch gegen Gleichberechtigung von Frauen!)

[….]  Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte dem Radiosender SWR 2 am Donnerstag, er habe kein Verständnis dafür, die Karfreitagsruhe infrage zu stellen. Auch die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zeigte sich irritiert über die Diskussion.
Bedford-Strohm sagte, er könne nicht nachvollziehen, dass manche Menschen es als Zumutung empfänden, an einem der 365 Tage des Jahres «an die Leidenden der Welt zu denken». Der Karfreitag habe eine Bedeutung über die christliche Religion hinaus und sollte als stiller Tag gesetzlich geschützt bleiben.
Käßmann sagte der in Oldenburg erscheinenden «Nordwest-Zeitung» (Donnerstagsausgabe), in den anderen Wochen des Jahres würde auch nicht «jeder jeden Tag tanzen gehen». Am Karfreitag gehe es darum, innezuhalten und zur Ruhe zu kommen. Die Reformationsbotschafterin der EKD bezeichnete die stillen Tage als «heilsame Unterbrechungen».[….]

Was für eine widerlich perfide Unterstellung, Nichtchristen würden nie an die „Leidenden der Welt denken!“
Zumal die Mehrzahl der Leiden durch religiös induzierten Wahnsinn entsteht.

Begreift sie denn nicht, daß sie gerne alle Christen vorschreiben soll was sie möchte, daß aber in unserer Verfassung steht, Staat und Kirche sind getrennt und daß sie deswegen kein Weisungsrecht gegenüber Konfessionslosen hat?

Kein Atheist will Karfreitags in der Kirche tanzen.
Alle Christen können heute ruhen und depressiv vor sich hinbeten. Alle christlichen Einrichtungen dürfen heute geschlossen und unbetanzt bleiben.
Niemand stört sich an den kirchlichen Merkwürdigkeiten  - IN KIRCHEN.
Aber schreibt uns anderen nicht vor, was wir in unseren eigenen vier Wänden tun und lassen.

Für IHRE Mitglieder können sie gerne jede Regel aufstellen - und sei sie noch so absurd.
Aber warum sollte das für die Konfessionsfreien ebenfalls gelten?

Dazu hatte ich schon vor Jahren einen Vorschlag zur Güte unterbreitet.

Dabei wäre die Lösung für all die Probleme so einfach.


Mir schwebt eine christlich/atheistische Entkoppelung vor:

Jedes Mitglied der Kirche darf dann keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, darf nicht masturbieren, darf nicht in homosexuellen Partnerschaften leben, darf keine Patientenverfügungen aufsetzen, darf keinesfalls die PID nutzen und muß auch auf durch Gentechnik gewonnene Medikamente gegen Parkinson, Krebs und MS verzichten. Und jedes Kirchenmitglied soll natürlich mit allen Mitteln unter Aufbietung aller erdenklichen Qualen so lange wie nur irgend möglich am Leben gehalten werden. Jedem Mitglied der Kirche ist es streng verboten jedwede Form des Suizids in Betracht zu ziehen.

Für die Menschen, die nicht in den Mitgliederlisten des real existierenden Kirchismus geführt werden, entfallen alle diese Einschränkungen.

Gesetze würden natürlich weiterhin für ALLE Deutschen gelten - lediglich die angesprochenen gesetzlichen Einschränkungen der Freiheit, die ausschließlich religiös begründet sind, würden in ihrem Geltungsbereich auf die Kirchenmitglieder beschränkt.

Immerhin gibt es heute schon solche Zonen eingeschränkten Rechts, wenn es um die Arbeitnehmerrechte der kirchlichen Angestellten geht.
Ein Chirurg in einem katholischen Krankenhaus kann gefeuert werden, wenn er sich scheiden läßt und mit einer anderen Frau zusammen lebt.
Als Kirchenmitglied hat er also eingeschränkte Rechte.
Diese Einschränkung sollte konsequent ausgeweitet werden auf Verhütung, Homoehe, PID und Co.

Christen und Atheisten kämen sich nicht mehr in die Quere und vor allem wäre endlich der Gesetzgeber aus der Schusslinie!

Wenn ein Atheist gegen passive Sterbehilfe oder Stammzellenforschung ist, könnte er in eine Kirche eintreten.
Umgekehrt könnte eine christliche Schwangere, die sich das Recht zur Abtreibung nehmen will, aus der Kirche austreten.

Die Rechte wären individualisiert, Kirchen und Parteien und Politik müßten keine Stellvertreterkriege mehr führen.

Die augenblickliche Situation ist hingegen höchst unbefriedigend.





Donnerstag, 2. April 2015

Der Humor des Hamburger CDU-Gottes.

Als ich in Deutschland parteipolitisch sozialisiert wurde, gab es durchaus genügend Gründe sich ob der Unionspolitiker zu fürchten. Strauß, Dregger, Barzel – das waren Typen! Rizinusöl war damals völlig überflüssig.
Zum Glück gab es immer die Gewissheit, daß es diese ultrarechten Korruptis nicht bis nach Hamburg schaffen würden.
Hamburg war die SPD-Hochburg schlechthin. In der Wolle rot gefärbt.
Die Hamburger SPD brachte auch diese richtig guten Typen hervor, die bundesweit Karriere machten und geachtet wurden: Bundeskanzler Helmut Schmidt, die Bundestagsfraktionsvorsitzenden Herbert Wehner und Hans-Ulrich Klose. August Bebel, Hans Apel, Max Brauer, Lore Maria Peschel-Gutzeit, Karl Schiller.
Die bekannteren CDU-Politiker aus Hamburg sind so offensichtlich drei Klassen drunter angesiedelt, daß entweder Gott seine Hände im Spiel hat und SPD-Fan ist, oder aber es streben grundsätzlich die schlechteren Menschen in die hanseatische CDU.
Es ist schon auffällig, wie viele von ihnen mit Justiz und Staatsanwaltschaft kollidierten.
Für die konservativen Unionspolitiker aus Hamburg muß man sich als Hanseat schämen:
Jürgen Echternach, Hartmut Perschau, Birgit Breuel, Mario Mettbach, Roger Kusch, Walther Leisler Kiep, Carsten Frigge, peinlich peinlich.
Nach der Amtszeit des CDU-Mannes Kurt Sieveking Mitte der 50er Jahre sollte es fast ein halbes Jahrhundert keine CDUler mehr an der Spitzer meiner schönen Stadt geben.

Aber Gott hat irgendwie Humor.

So läßt er immer wieder Hamburger CDU-Politiker bedeutende Pflöcke einschlagen.
1954 wurde Angela Merkel in Hamburg geboren, jene spätere CDU-Vorsitzende, die einmal alle CDU-Gewissheiten abräumen sollte und ausgerechnet den Konservativen die erst Frau im Amt der deutschen Regierungschefin bescherte. Frau, Ost, geschieden, Protestantin und so eine räumt für die CDU die Wehrpflicht ab, weicht den Euro auf, führt Mindestlohn ein und schafft die Atomkraft ab.

Das begann 2001 der nächste große gesellschaftliche Schub mit dem SCHWULEN Ole von Beust, der seine CDU zwar auf erbärmliche 26% heruntergefahren hatte, dann aber mit dem ebenfalls SCHWULEN rechten Hardliner Roger Kusch, der zuvor Helmut Kohls Akten gelöscht hatte, dann in Beusts Wohnung eingezogen war und schließlich als Todesengel in die Schlagzeilen geriet, eine Regierung bildete.

Die politischen Umstände spülten 2010 versehentlich den feisten Hetero-Heidelberger Ahlhaus an die CDU-Spitze, aber der verschwand sehr schnell in der Versenkung nachdem er fast 21 Prozentpunkte als Spitzenkandidat einbüßte.
Der nächste CDU-Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft und Landtagswahlspitzenkandidat war wieder ein SCHWULER CDU’ler, nämlich Dietrich Wersich.
Er schaffte es die Kanzlerpartei 2015 auf 15,9% hinunter zu wirtschaften.
Nach dem Mega-Desaster rollten Köpfe.
Ein neuer und jüngerer CDU-Mann mußte die Aufgabe als CDU-Oppositionsführer übernehmen.

Die konservativen Hanseaten entschieden sich für einen Hardliner.

Der frühere Bürgerschaftsabgeordnete und Haushaltsexperte Roland Heintze erhielt auf einem Landesparteitag am Dienstag 147 von 159 gültigen Stimmen. [….] Heintze verordnete der Partei einen klar wirtschafts- und sicherheitspolitischen Kurs. „Wir brauchen wieder klare Kante in der Ordnungspolitik in dieser Stadt“, sagte er. Daran habe es in der Vergangenheit gemangelt. Ähnlich strikt äußerte er sich zur Wirtschaftspolitik. „Es ist (...) Aufgabe der Partei, sich hier ganz klar zu positionieren und zu sagen: Der Wirtschaftsstandort Hamburg muss (...) gestärkt und ausgebaut werden.“
(FAZ, 02.04.15)

Damit ist – wieder – ein SCHWULER CDU-Boss.
Hier muß irgendwo ein Nest sein.

[…] Nach Dietrich Wersich steht erneut ein schwuler Politiker an der Spitze der hanseatischen Christdemokraten.
Die CDU in Hamburg hat bei ihrem Landesparteitag am Dienstag den ehemaligen LSU-Chef Roland Heintze zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der 41-Jährige erhielt 147 von 159 gültigen Stimmen. […] Damit löst Heintze den ebenfalls schwulen Politiker Dietrich Wersich ab, der sich nach dem schlechten Ergebnis der CDU bei der Bürgerschaftswahl nicht erneut um das Amt beworben hatte. […]
Heintze war von 2004 bis 2006 der vierte Bundesvorsitzende in der Geschichte der Lesben und Schwulen in der Union (LSU). Er sorgte damals mit vielen seiner Thesen für Aufregung in der Community – etwa, als er Bareback unter Strafe stellen wollte oder seine Ablehnung für die Gleichbehandlung von Homo-Paaren im Adoptionsrecht und die Aufnahme des Merkmals sexuelle Identität ins Antidiskriminierungsgesetz zum Ausdruck brachte.
Auch später gab es Auseinandersetzungen: 2012 stellte er die Gemeinnützigkeit des CSD Hamburg in Frage, weil dieser die Ablehnung der Gleichbehandlung von Homosexuellen im Eherecht durch die CDU kritisiert und die Teilnahme der Christdemokraten an der Veranstaltung in Frage gestellt hatte. […]

OK, daß sich die Jungs von Queer.de auf den Homoaspekt konzentrieren und darüber ein paar Fakten vertüdeln, sei ihnen verziehen.
Wersich war nicht CDU-Landesvorsitzender, sondern Fraktionsvorsitzender.
Heintze ist nicht mehr Mitglied der Bürgerschaft und konnte ihn daher auch nicht in der Funktion nicht ersetzten. Bisheriger CDU-Landeschef war Markus Weinberg.

Aber schon komisch, daß es in Hamburg ausgerechnet die CDU ist, die Frauen und Schwule in die Bundespolitik entsendet.
Und noch eigenartiger, daß gerade diese Typen so furchtbar unsympathisch sind.
Es juckt mich in den Fingern noch etwas zur Schönheit der beiden wichtigsten CDU-Frauen aus Hamburg zu sagen - Merkel und Birgit Breuel.
Aber das gehört sich nicht.









Mittwoch, 1. April 2015

Impudenz des Monats März 2015


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Immer wieder habe ich in den letzten Monaten seit die Peginesen in Ostdeutschland Schrecken verbreiten Statistiken verlinkt, aus denen klar wird wie sehr das verbale Schüren von Ausländerhass in der Praxis umgesetzt wird.
Die Über- und Angriffe auf alle Undeutschen haben rasant zugenommen. Täglich gibt es drei rechtsextremistische Vorfälle.

Zum Beispiel Berlin:

Mehr als 250 Menschen wurden verletzt, bedroht und verfolgt.
Die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (ReachOut) hat im vergangenen Jahr 179 Angriffe registriert. Hierbei war Rassismus das häufigste Tatmotiv. Auch die Zahl der antisemitisch motivierten Taten und der Attacken gegen politische Gegner stieg an. Das geht aus dem ReachOut-Jahresbericht hervor.
Im Jahr 2014 wurden insgesamt 266 Menschen verletzt, gejagt oder massiv bedroht. Die Gewalttaten trafen die Opfer völlig überraschend und unvermittelt und ohne, dass sich Angreifer und Opfer vorher kannten. Der überwiegende Teil dieser Angriffe fand in aller Öffentlichkeit statt, auf Straßen, an Haltestellen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen, teilt die Beratungsstelle mit.

Ist das die Kehrseite des orgiastischen Jubels über die gewonnene Fußball-WM von 2014?
Der Mob hat Oberwasser und prügelt alle Schwächeren weg.
Je glänzender die deutsche Wirtschaft dasteht, desto gehässiger werden die Einstellungen gegenüber Griechen und Flüchtlingen.
Was kümmern Fakten und Moral, wenn man so viel einfacher den perfiden Kampagnen der BILD folgen kann?

[….]  Der Deutsche Journalisten-Verband hat das Nachrichtenportal Bild.de aufgefordert, sofort die laufende Anti-Griechen-Kampagne zu stoppen.
Auf Bild.de werden die Leser dazu animiert, den Aufruf „Nein – keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!“ als Selfie mit dem eigenen Porträt an die Redaktion zu mailen. [….] Die Selfie-Aktion von Bild.de überschreitet aber die Grenze zur politischen Kampagne“, kritisierte Konken.
Darüber hinaus sei es medienethisch bedenklich, dass ein ganzes Volk für die finanzpolitischen Fehlentscheidungen seiner Politiker diffamiert werde. „Die Verunsicherung über die Auswirkungen der Griechenland-Krise auf Deutschland ist groß“, sagte Konken.

Es entsteht insbesondere ist Ostdeutschland eine massive moralische Schieflage.


Ganze Landstriche sind de facto unter Kontrolle von rechtsradikalen Verbrechern, gegen die sich niemand durchzugreifen traut.
Dort kann man sich mit Kippa, dunkler Hautfarbe oder Rasta-Haaren nicht mehr blicken lassen, ohne um sein Leben zu fürchten.
Die Begriffe „rechtsfreie Zone“ oder „national kontrollierte Gebiete“ sind euphemistisch gewählt.
Eigentlich müßte es heißen:

„Herrschaft des rassistischen Mobs – ermöglicht durch totales Staats- und Rechtsversagen.“


Hiermit küre ich die Landes- und Bundesinnenpolitiker zur Impudenz des Monats.
Sie machen ihre Hausaufgaben nicht und lassen stoisch schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu.
CDU- und insbesondere CSU-Politiker kochen auch noch ihr mieses wahltaktisches Süppchen, indem sie gezielt mit xenophoben Stimmungen spielen, bzw die Peginesen umschmeicheln.
Gabriels Schleimerei bei den Kotbraunen Anfang des Jahres ist nicht zu entschuldigen.
Daß aber die zuständigen Innenminister, die ohnehin in dieser Legislatur kaum noch etwas zu tun haben, jegliche Solidarität vermissen lassen und kein Interesse daran haben zu scheinen, den Rechtsstaat durchzusetzen, wenn es um Schwache geht, ist erbärmlich.

[….] Tröglitz in Sachsen-Anhalt wurde bundesweit bekannt, als der Bürgermeister vor dem Druck Rechtsextremer kapitulierte. Jetzt sollen 40 Flüchtlinge in den Ort kommen. Wer behält hier die Oberhand - Hetzer oder Humanisten?
"Warum geben wir für die Asylanten so viel Geld aus? Was soll die Scheiße? Für uns selbst wird nichts ausgegeben", ruft ein Mann oben vom Rang, blanker Neid in der Stimme. Die Arme vor der Brust verschränkt, hat er sich vor einem Mikrofon aufgebaut und schaut hinunter auf Landrat Götz Ulrich, der vor der Bühne des Saals steht.
[….] 500 Menschen sind in den Saal gekommen, auch Rechtsextremisten. NPD-Funktionär Steffen Thiel ist da. [….] Die Veranstaltung des Landrats ist bitter nötig, für viele kommt sie zu spät. In Tröglitz rumort es seit Monaten kräftig. Tiefpunkt war der Rücktritt des ehrenamtlichen Bürgermeisters Markus Nierth vor drei Wochen. Der parteilose Politiker hatte sich sehr für die Flüchtlinge eingesetzt, bis Nachbarn und NPD vor seine Haustür ziehen wollten. (Nierth ist kein Einzelfall - mehr lesen Sie hier.). Da war für ihn Schluss, er fühle sich alleingelassen von Behörden und vielen Mitbürgern, teilte Nierth mit, kritisierte eine "schweigenden Mitte" - das Entsetzen bundesweit war groß, auch weil er Morddrohungen erhielt.
[….]  Als ein älterer Bewohner daran erinnert, dass es in Tröglitz nach dem Zweiten Weltkrieg 1600 Flüchtlinge gab und 4600 Einwohner gab, kommen Zwischenrufe - es ist die Ecke, wo der NPD-Mann sitzt: "Aber das waren Deutsche." Das stimme, sagt der Mann, "wir sollten aber heute Solidarität mit anderen Flüchtlingen weltweit üben". "Dann nimm du die doch zu Hause auf", ruft Thiel.
Thiel versucht die Versammlung als Bühne zu nutzen - und es gelingt ihm auch deshalb, weil sich die Unterstützer der Flüchtlinge nur selten zu Wort melden, Kritiker und seine Anhänger aber sehr wohl - und dazu gehört auch der Mann, der vom Rang runterpöbelte. Er steht mittlerweile unten im Saal bei Thiel. Dieser tritt selbst zweimal ans Mikrofon, ohne sich allerdings als NPD-Mitglied vorzustellen. Er sagt, er habe Eigentum in Tröglitz. Zum geplanten Wachdienst will Thiel wissen: "Wer wird da vor wem geschützt? Die Bürger vor den Asylbewerbern oder die Asylbewerber vor den Bürgern?"
Landrat Ulrich sagt, der Sicherheitsdienst habe für Sicherheit zu sorgen. Er bleibt auch gelassen, als ein Rechtsextremist aus Thüringen, der bei einer der Anti-Flüchtlings-Demos von "begattungsfreudigen Afrikanern" gesprochen hat, laut brüllt, man solle nicht das "Sozialamt der Welt" sein. [….]