Sonntag, 5. April 2015

Vorteil Katholisch

Als leidgeprüfter Hamburger Abendblatt-Leser bin ich es natürlich gewöhnt zu christlichen Feiertagen höchst dümmliche Essays der örtlichen Toppkleriker serviert zu bekommen.
Viele Jahre lang war das immer der notorisch kamerageile Weihbischof Jaschke, der seine Belanglosigkeiten beständig zum Besten gab.
Sein langjähriger Chef, Erzbischof Thissen und die im protestantischen Norden wesentlich bedeutsamere evangelische Bischöfin Fehrs sind  zurückhaltender mit den Medien.
Dieses Jahr räumt das Abendblatt dem neuen Erzbischof Heße Platz zur Selbstbeweihräucherung ein. Das alles um dem säkularen Leser Religion aufzudrängen.
Völlig verblüffend für mich, aber Heßes Salbadern zu Ostern ist vergleichsweise erträglich. Mal abgesehen von dem üblichen „Jesus bringt das Licht“-Unsinn und der grundsätzlichen Dissens über die Rolle der Religion, macht Heße das gar nicht so schlecht.
Offensichtlich hat er immerhin begriffen, daß Hamburg katholische Diaspora ist, daß man hier das Religionssprech nicht versteht und leitet mit einem neutralen Thema („Lichtverschmutzung“) ein. Heße fällt nicht mit der Tür ins Haus und schreckt einen nicht gleich ab.

Möglicherweise ist es tatsächlich so, daß der intellektuelle Niedergang der evangelischen Theologie, der in Huber und Käßmann ihre Apotheose fand, die eigentlich noch absurderen Katholiken (Zölibat, Primat des Papstes, Frauen-Ausschluss,..) in Relation gut dastehen läßt.

Im aktuellen SPIEGEL (15/2015 vom 04.04.2015) gibt es ein vierseitiges Doppelinterview mit dem EKD-Chef Bischof Heinrich Bedford-Strohm und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster unter anderem zum Thema „militanter Islam“.
Gratulation auch an die morialogische Glanzleistung des SPIEGELS zum Thema Gewalt im Islam von Juden und Christen nur ÜBER den Islam zu sprechen und nicht MIT ihm; ein muslimischer Vertreter darf gar nicht erst mitreden.
An einen Humanisten oder Atheisten wird ohnehin gar nicht gedacht.
Die Redakteure Frank Hornig und Katja Timm stellen die üblichen harmlosen Fragen nach Integration und Glaubensferne.
Ein Freifahrtschein für die beiden Top-Religioten zu überzeugen und für sich zu werben.
Schuster, als Vertreter einer in Deutschland sehr kleinen Minderheit schlägt sich nicht schlecht, fällt zumindest nicht durch besondere Doofheiten auf.
Aber der Nachfolger von Huber, Käßmann und Schneider gibt Plattitüden von sich, daß man immerhin wunderbar Heinz-Werner Kubitzas Essay wider die Theologie als „Wissenschaft“ bestätigt bekommt.
Bedford-Strohm ist Professor und demonstriert eine Anti-Intellektualität, daß er jeden Denkenden aus der Kirche treiben muß.

Beispiele:

Menschen haben auch im Namen Jesu Kriege geführt. Wir Christen haben dieses schlimme Erbe aufgearbeitet. Zum Glück ist es in die Einsicht gemündet, dass wir heute für die Menschenrechte einstehen und versuchen, eine Kraft der Versöhnung zu sein.

FALSCH!
Es wurde nicht nur „im Namen Jesu“ Krieg geführt, sondern das wird von ihrem Gott sogar explizit in der Bibel gefordert.
Es ist auch nicht nur Vergangenheit, sondern geschieht bis heute. Auch die evangelische Kirche ist tief verstrickt, indem sie beispielswiese Militärbischöfe stellt und Soldaten in aller Welt unterstützt.

Jesus ist am Kreuz gestorben als Folteropfer und hat gerufen „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Deshalb habe ich in einer Kirche im Nordirak vor Flüchtlingen aus Mossul gepredigt: Gott ist bei den Menschen, die leiden. Er ist ganz bestimmt niemand, der die Hände von Gewalttätern führt.

FALSCH!
Als ob Bedford-Strohm dabei gewesen wäre und wüßte was Jesus sagte.
Tatsache ist aber, daß bei dem Konzept eines ALLMÄCHTIGEN Jesus = Gott selbstverständlich dafür verantwortlich sein MUSS was Gewalttäter ihren Opfern antun. Ohne die Zustimmung des Allmächtigen kein Auschwitz – oder er ist eben nicht allmächtig.

Jesus war ein geborener Jude. Er hat zum gleichen Gott gebetet wie das jüdische Volk, und darum sind wir Christen für immer in den biblischen Bund Gottes mit dem Volk Israel einbezogen. Das hat man leider jahrhundertelang immer wieder übersehen. […] Es ist eine Hypothek der christlichen Theologie, dass man an dieser Stelle lange die Tatsachen verdreht hat. Die christlichen Kirchen haben sich diesem Versagen in den vergangenen Jahrzehnten allerdings intensiv gestellt.

FALSCH!
Was für ein perfider Euphemismus! Da wurde nicht nur etwas „übersehen“, sondern es wurden über Jahrhunderte aktiv Genozide angezettelt, Pogrome initiiert und Kreuzzüge verlangt.

Luther hat sich in seiner Spätzeit unhaltbar und in kruden Thesen über das Judentum geäußert. Diese Verirrungen können nur Anlass zu Trauer und Scham sein.

FALSCH!
Luther war nicht nur „in seiner Spätzeit“ etwas „krude“, sondern ein unverbesserlicher Rassist und Menschenfeind, der auch andere Gruppen als die Juden, beispielsweise die Bauern mit pathologischem Hass überzogen hat.

Etc pp.

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